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INFORMATIONSDIENST HOLZ

Dauerhafte Holzbauten
bei chemisch-aggressiver Beanspruchung

Folge 2
Teil 8
Reihe 1
holzbau handbuch
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

Inhalt 6.7 Chemischer Holzschutz . . . . . . . . 15 Impressum


6.8 Verbindungsmittel . . . . . . . . . . . . 15
Das holzbau handbuch ist eine gemein-
1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 same Schriftenreihe von
7 Ausführungsbeispiele . . . . . . . 16 • Holzabsatzfonds, Bonn
• Entwicklungsgemeinschaft Holzbau
Schnellüberblick 7.1 Solebad . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
(EGH) in der Deutschen Gesellschaft für
für den eiligen Leser . . . . . . . . . 3 7.2 Kompostieranlagen . . . . . . . . . . . 17 Holzforschung e.V., München
7.3 Chemie-Umschlaghallen . . . . . . . 18
2 Naturtalent: Herausgeber:
7.4 Salzlagerstätten . . . . . . . . . . . . . . 19
Der Werkstoff Holz . . . . . . . . . . 4 DGfH Innovations- und Service GmbH
7.5 Solebecken. . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Postfach 31 01 31, D-80102 München
2.1 Chemischer Aufbau . . . . . . . . . . . 4 mail@dgfh.de
7.6 Streuguthallen . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.2 Anatomischer Aufbau . . . . . . . . . 4 www.dgfh.de
7.7 ICE-Waschstraße . . . . . . . . . . . . . 21 (089) 51 61 70-0
2.3 Technische Eigenschaften . . . . . . 5
7.8 Landwirtschaftliche Bauten . . . . . 22 (089) 53 16 57 fax
2.3.1 Verhalten von Holz gegen-
über Temperatureinflüssen . . . . . 5
2.3.2 Verhalten von Holz gegen- 8 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Aus Mitteln des Bayerischen Ministeriums
über Feuchteeinflüssen . . . . . . . . 6 8.1 Weiterführende Literatur . . . . . . . 23 für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
gefördert.
2.3.3 Verhalten von Holz bei chemisch- 8.2 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
aggressiver Beanspruchung . . . . . 6
8.3 Bildquellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Bearbeitung:
2.3.4 Antibakterielle Wirkung Josef Egle, Dipl.-Ing., Übersee/Chiemsee
von Holz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Der Verfasser bedankt sich herzlich bei den
Herren Prof. Dr.-Ing. Colling,
3 Konstruktive Vollholz- Dipl.-Ing. Dittrich, Dipl.-Ing. Hölzl,
produkte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 MinRat Meyer, Dr.-Ing. Rapp, Schaffitzel
3.1 Baurundholz. . . . . . . . . . . . . . . . . 9 und Dipl.-Ing. Wiegand, welche ehren-
3.2 Bauschnittholz . . . . . . . . . . . . . . . 9 amtlich in der begleitenden Arbeitsgruppe
tätig waren und die Erstellung der Schrift
3.3 Brettschichtholz . . . . . . . . . . . . . . 10 mit konstruktiven Beiträgen unterstützt
3.4 Weitere Vollholzprodukte . . . . . . 10 haben.

Erschienen: Dezember 2002


4 Konstruktive Holzwerkstoffe . 10
ISSN-Nr. 0466-2114

5 Verbindungsmittel
und Anschlussarten . . . . . . . . . 11
5.1 Unlegierter Stahl . . . . . . . . . . . . . 11
5.2 Nichtrostender Stahl . . . . . . . . . . 11
5.3 Gusswerkstoffe . . . . . . . . . . . . . . 12
5.4 Kunststoffe. . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Die technischen Informationen dieser
5.5 Einspannung von Holz in Beton. . 13
Schrift entsprechen zum Zeitpunkt der
5.6 Holz-Holz-Verbindungen . . . . . . . 13 Drucklegung den anerkannten Regeln der
Technik. Eine Haftung für den Inhalt kann
trotz sorgfältigster Bearbeitung und Kor-
6 Empfehlungen für rektur nicht übernommen werden.
die Planung und Ausführung . 14
6.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 In diese Broschüre sind Ergebnisse aus zahl-
reichen Forschungsprojekten eingeflossen.
6.2 Chemisch-aggressive Bean-
Für deren Förderung danken wir der holzbau handbuch
spruchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Arbeitsgemeinschaft industrieller For- Reihe 1: Entwurf und Konstruktion
6.3 Innenraumklima . . . . . . . . . . . . . . 14 schungsvereinigungen (AiF), der Arbeitsge- Teil 8: Industrie- und Gewerbe-
6.4 Architektur und Funktion. . . . . . . 14 meinschaft Bauforschung (ARGE BAU), bauten
den Forst- und Wirtschaftsministerien des Folge 2: Dauerhafte Holzbauten
6.5 Holzarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Bundes und der Länder und der Holzwirt- bei chemisch-aggressiver
6.6 Baulicher Holzschutz . . . . . . . . . . 14 schaft. Beanspruchung

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Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

1 Einführung
Schnellüberblick
Was haben französische Edelweine, für den eiligen Leser
schottischer Whiskey und skandinavischer
Aquavit gemeinsam? Neben der weithin Nachstehend findet sich eine Übersicht
bekannten Tatsache, dass sich der Mensch der wichtigsten Inhalte dieser Schrift. Die
ihrer nur in sehr angemessenen Mengen einzelnen Kapitel und die enthaltenen
bedienen sollte, erreichen diese Spezia- Informationen finden sich in Stichpunk-
litäten das begehrte Spitzenaroma erst ten:
durch intensive Lagerung in Holzfässern.
Die außerordentlich hohe Widerstands-
Weit weniger spektakulär, jedoch ebenso fähigkeit des Bau- und Werkstoffes Holz
konsequent wird Holz im Bauwesen dann gegen aggressive Chemikalien ist in des-
bevorzugt eingesetzt, wenn aggressive sen chemischer und anatomischer
chemische Substanzen in Form von Gasen, Grundstruktur begründet. In Kapitel 2
Abbildung1.1 Detailaufnahme Fachwerkkonstruktion
Flüssigkeiten oder Festkristallen dauerhaft Salzlagerhalle (Baujahr 1911) finden sich wichtige Angaben hierzu,
auf die Bausubstanz einwirken. Dabei ebenso das Verhalten von Holz bei
machen wir uns zu Nutze, dass Holz eine Umwelteinflüssen wie Temperatur,
erstaunliche Widerstandsfähigkeit gegen Feuchte und chemischen Stoffen.
vielfältige chemische Verbindungen auf- Zusätzlich zur Widerstandsfähigkeit gegen
weist. Holz rostet nicht. Dieser Werkstoff aggressive Chemikalien fördert der Bau- Im modernen Holzbau werden über den
besitzt zudem geringes Gewicht bei hoher stoff Holz die Einheit von Funktion und Einsatz von Vollholz hinaus zunehmend
Festigkeit, lässt sich gut und wirtschaftlich Gestaltung. Er stellt auf diese Weise inte- weiterveredelte Produkte eingesetzt.
bearbeiten und wird als Gegenpol zu den ressante und wiederkehrend neue Anfor- Kapitel 3 beschreibt die wichtigsten Arten
gigantischen Kohlendioxid-Emissionen un- derungen an Architekten und Ingenieure. von konstruktiven Holzprodukten mit
serer Wohlstandsgesellschaft von der Natur den zugehörigen Kenndaten.
in reichlicher Menge, dazu mit ausgegliche- Die vorliegende Schrift dient zunächst der
ner CO2-Bilanz, zur Verfügung gestellt. technischen Information von Architekten, Die Auswahl von konstruktiven Holz-
Tragwerksplanern, Ingenieuren und aus- werkstoffen und Verbindungsmitteln,
Die Gesamtkosten für Bauwerke werden führenden Unternehmen im Holzbau. Stoßausbildungen und Anschlüssen
durch Aufsummierung der Teilbereiche Zugleich möchte sie Gestaltungsmöglich- entscheidet in hohem Maße über die
keiten und Wirtschaftlichkeitsaspekte ver- Beständigkeit von Bauwerken bei che-
– Neubau-/Errichtungskosten, mitteln und wendet sich hiermit an Bau- misch-aggressiver Beanspruchung.
– allgemeine Betriebskosten, herren und Auftraggeber. Hinweise finden sich in den Kapiteln 4
– Reparatur- und Instandhaltung sowie und 5.
– Rückbau nach Ende der Nutzungszeit Der Inhalt der Schrift befasst sich mit wich-
tigen konstruktiv-baulichen Anwendungen Kapitel 6 behandelt Kenngrößen, welche
ermittelt. Die Wirtschaftlichkeit von Bauten von Gebäuden, Behältern oder Über- die Wirtschaftlichkeit und Dauerhaftigkeit
insbesondere bei erhöhter Beanspruchung dachungen. Für ergänzende Einsatzgebiete von Holzbauten bei chemisch-aggressiver
durch chemisch-aggressive Substanzen z.B. für Lärmschutz [9], Brücken [22] oder Beanspruchung in der Praxis beeinflussen.
resultiert in hohem Maße aus den Betriebs- Wasserbau [8] stehen in der Schriftenreihe Für die Zielgruppen Architekten, Fach-
und Instandhaltungskosten. des INFORMATIONSDIENSTES HOLZ wei- ingenieure und Holzbau-Unternehmen
tere Fachbroschüren zur Verfügung und sind Empfehlungen für die Planung
Über die Widerstandsfähigkeit des Bau- sind in Kapitel 8 dargestellt. und Ausführung dargestellt.
und Werkstoffes Holz gegen chemisch-
aggresive Beanspruchung liegen seit langer Ausführungsbeispiele von Holzkon-
Zeit Untersuchungen und Erfahrungen vor struktionen in der Chemischen Industrie,
[siehe Kapitel 8.1 Weiterführende Litera- für Salzlagerung, Landwirtschaft, Sonder-
tur]. Schon vor Jahrhunderten wurden anwendungen und Freizeitbereich wer-
Metallerze verhüttet, Schmieden und den in Kapitel 7 gezeigt.
Eisenhämmer gaben Gase und Dämpfe ab.
Bei der Salzgewinnung in Salinen ent- Kapitel 8 listet Literaturquellen und
standen nicht nur aggressive gasförmige weiterführende Schriften des INFOR-
Substanzen, es erfolgt zudem eine An- MATIONSDIENSTES HOLZ, welche den
lagerung von festem kristallinem Material Einsatz von Holz bei chemisch-aggressiver
an den Oberflächen der Tragwerkskon- Beanspruchung in Spezialgebieten dar-
struktion. Als Beispiel hierzu kann die stellen. Ebenso sind hier wichtige Richt-
hölzerne Fachwerkkonstruktion einer Salz- linien und Normen angegeben.
lagerhalle in Salzdethfurth dienen, die seit
Errichtung im Jahre 1911 der direkten
Oberflächenbelastung durch Salzkristalle
widersteht.

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Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

2 Naturtalent:
Kollabierte Siebzellen
Der Werkstoff Holz Bastparenchym
Tätige Siebzellen
Qu
Kambium ers
2.1 Chemischer Aufbau Frühholz mit dünnwandigen Tracheiden
chn
itt
Jahrringgrenze
Spätholz mit dickwandigen
Der chemische Aufbau von Holz wird nach Tracheiden und Harzgang (HZ)
stehend unter den Aspekten Elementarzu-
sammensetzung und Bestandteile betrach-
tet. Die Elementarzusammensetzung,
somit die enthaltenen chemischen Subs-
tanzen, ist für unterschiedliche Holzarten
sowie für verschiedene Bestandteile eines
Baumes wie Stamm, Äste oder Wurzel
weitgehend konstant. Es kann von nach-
stehenden Durchschnittswerten ausgegan-
gen werden:
Ta
ng
en itt
chn
Tabelle 2.1 Elementarzusammensetzung von Holz
tia
lsc adials
hn R
Mehrreihiger Holzstrahl itt
Chemisches Element Anteil mit Harzgang

Kohlenstoff ca. 50% Einreihiger Holzstrahl (HS)

Sauerstoff ca. 43% Abbildung 2.1 Räumliche Darstellung Nadelbaum [24]


Wasserstoff ca. 6%

Stickstoff und Mineralien ca. 1%


stoffen wie u.a. Harze, Öle, Fette, Gerb-
stoffe, Kautschuk oder Säuren vor. Diese
Die chemischen Bestandteile von Holz Stoffe weisen in den jeweiligen Nadel- und T
umfassen im wesentlichen die drei zell- Laubholzarten sehr unterschiedliche
wandaufbauenden Stoffe Cellulose, Poly- Zusammensetzung auf und sind verant- S2
osen und Lignin. Diese drei Substanzen wortlich z.B. für Farbgebung, Geruch,
sind hochmolekular und verleihen auf- Oberflächenbeschaffenheit oder Wider-
grund ihrer Struktur den Zellwänden des standsfähigkeit gegen Pilze und Insekten. S1
Holzes ihre Festigkeit.
P
Cellulose
Sie stellt die Gerüstsubstanz der Holzzell- 2.2 Anatomischer Aufbau
wände dar und dient vornehmlich der Zug-
festigkeit. Die langen fadenförmigen Holz im Sinne des technischen Bau- und
Molekülketten sind zu Einheiten, den Werkstoffes wird durch das sekundäre
sogenannten Fibrillen, zusammengelagert. Dauergewebe von Stämmen und Ästen
Die Funktion der Cellulose kann verein- gebildet. Der Holzkörper besteht aus
facht mit der Wirkung der Bewehrung in Millionen einzelner Zellen mit unterschied-
ML
Stahlbeton verglichen werden. licher Größe, Art und Verteilung. Gleich-
artige Zellen können in größeren Verbän- Mittellamelle ML Sekundärwände S1 und S2
Lignin den, dem Gewebe, auftreten. Primärwand P Tertiärwand T

Lignin ist die eigentliche „verholzende“ Abbildung 2.2 Submikroskopischer Zellenaufbau [1]
Komponente der Zellwand. Es besteht aus Hinsichtlich ihrer Funktion werden die
vernetzten Makromolekülen, die den Zell- Gewebearten in drei Gruppen unterschie-
wänden des Holzes durch Ausfüllen der den:
Hohlräume zwischen den Fibrillen der Cel- • mechanische Festigung Abbildung 2.2 zeigt schematisch die ver-
lulose die Druckfestigkeit verleihen. • Nährstoffleitung und -transport schiedenen Schichten von Holzzellwänden
• Speicherfunktion (Tracheiden des Nadelholzes sowie Libri-
Polyosen formfasern bei Laubhölzern). Diese Dar-
Polyosen sind kurzkettige Moleküle. Ihre Bei Nadelhölzern wird das Festigungsge- stellung lässt die hohe Resistenz von Holz
Funktion kann verallgemeinert als Kittsubs- webe durch Tracheiden gebildet, die als „High-Tech-Verbundwerkstoff“ in
tanz oder Verbindungsmittel zwischen den zugleich dem Nährstofftransport dienen. besonderer Weise erahnen. Die einzelnen
Gerüstsubstanzen Cellulose und Lignin Laubhölzer hingegen besitzen als festigen- Wandschichten (Mittellamelle ML, Primär-
angesehen werden. de Struktur Libriformfasern und teils Faser- wand P, Sekundärwände S1 und S2,
tracheiden, während der Nährstofftrans- Tertiärwand T) mit unterschiedlicher Rich-
Neben den zellwandaufbauenden Mole- port durch separate Gefäße übernommen tung der Holzfasern umschlingen und
külen kommen eine Reihe von Inhalts- wird. festigen sich gegenseitig.

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Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

Das Speichergewebe besteht bei allen Auch bei hohen Temperaturen tritt über Tabelle 2.2 Raumseitige Oberflächentemperatur und
Grenzfeuchte für Tauwasserausfall an verschiedenen
Hölzern aus den sog. Parenchymzellen längere Zeiträume hinweg keine thermi-
Baustoffen bei ϑ a = 0 °C, ϑ l = 20 °C, Materialstärke
(= Speicherzellen). Größtenteils verlaufen sche Zersetzung ein. Erst oberhalb von 100 mm
die Holzfasern in Längsrichtung zur 60–80 °C finden allmähliche, mit steigen-
Stammachse. In Querrichtung hierzu der Temperatur sich beschleunigende che- Baustoff Wärmeleit- Oberflächen- Grenzfeuchte
fähigkeit λ temperatur rel. Luftf.
(„radial“) zeigen sich als Holzstrahlen mische Veränderungsprozesse statt. Bei [W/mK] innen ϑ i [°C] ϕ [%]
bezeichnete Zellbänder. Diese Zellen über- den behandelten Bauwerksarten in der
Aluminium 200 4,7 36,7
nehmen die radiale Leitung und Speiche- vorliegenden Schrift treten über längere
rung von organischen Stoffen. Zeiträume im Regelfall Temperaturen bis zu Stahl 60 4,8 37,0
60 °C auf. Hieraus resultieren keinerlei Guss 50 4,8 37,0
negative Auswirkungen auf Festigkeitsver-
V2A-Stahl 15 5,3 38,1
2.3 Technische Eigenschaften halten und Dimensionsstabilität des Bau-
stoffes Holz. Beton 2,1 8,2 46,1
Für die physikalischen und technologischen Polyethylen 0,4 13,8 67,6
Eigenschaften des Holzes sind zunächst Aus den Abbildungen 2.3.a und 2.3.b ist
Nadelholz 0,13 17,1 84,1
das Festigkeits- und Nährstoffleitgewebe zu erkennen, dass das Längenausdeh-
verantwortlich. Insbesondere bei Anwen- nungsverhalten bei Werkstoffen aus
dungen in chemisch-aggressiven Medien Kunststoff gegenüber Metall und Holz
verleihen weitere technische Eigenschaften erheblich abweicht. So wird etwa im Auto- hiermit sehr gute Wärmedämmeigen-
dem Werkstoff Holz im Vergleich mit kon- mobilbau ein verstärkter Einsatz von neu schaften.
kurrierenden Bau- und Werkstoffen eine entwickelten Holz- und Holzverbundwerk-
herausragende Stellung. stoffen angestrebt. Tabelle 2.2 verdeutlicht diese Zusammen-
hänge. Ausgehend von einer Temperatur
Hierzu zählen Dauerhaftigkeit, thermisches Chemisch-aggressive Medien wirken häu- innen 20 °C und außen 0 °C werden die
Verhalten, Resistenz gegenüber festen, fig in Gasform bzw. in Verbindung mit Oberflächentemperaturen für mehrere
flüssigen und gasförmigen Umgebungs- Wasserdampf auf die umgebende Bau- Baustoffe mit einer Materialstärke von
stoffen oder antibakterielle Wirkung. konstruktion ein. Bei der Entstehung von 100 mm ausgewiesen. Zugleich ist jeweils
Tauwasser unterliegen konstruktive Werk- der Grenzfeuchtegehalt der Innenluft ent-
stoffe einer nochmalig verstärkten che- halten, ab welcher mit Tau- bzw. Schwitz-
2.3.1 Verhalten des Holzes mischen und mechanischen Beanspru- wasserbildung gerechnet werden muss.
gegenüber Temperatureinflüssen chung. Die Bildung von Tauwasser hängt Unter diesen vorgegebenen klimatischen
von den Faktoren Oberflächentemperatur Voraussetzungen wäre beispielsweise bei
Bei Temperaturschwankungen unterliegen Hüllfläche, Innentemperatur sowie relative Einsatz von Stahl oder Guss ab einer Luft-
Stoffe jeglicher Art Dimensionsschwankun- Luftfeuchte im Innenraum ab. feuchte von 37–38%, welche durchaus als
gen. Der materialspezifische Längenaus- „trocken“ gilt, mit Schwitzwasser an Bau-
dehnungskoeffizient ist bei Holz im Ver- Aufgrund seines anatomischen Aufbaues teiloberflächen zu rechnen. In nahezu allen
gleich zu anderen Werkstoffen sehr gering mit dünnen Zellwänden und zwischenlie- Anwendungsfällen dieser Schrift werden
und braucht für Standsicherheitsbetrach- genden Hohlräumen ist der Werkstoff Holz solche Grenzwerte deutlich überschritten.
tungen daher im Regelfall nicht berück- das Vorbild vieler synthetischer Dämm- Bei Verwendung von Holz ist bei den obi-
sichtigt zu werden. stoffe. Neben hoher Festigkeit besitzt er gen Klimabedingungen mit Tauwasser be-
ginnend ab ca. 84% Luftfeuchte zu rech-
nen. Dieser als „schwül“ empfundene
Wert wird in vielen Anwendungen in In-
dustrie, Technik und Freizeit höchstens
Längenausdehnungskoeffzient a [10 –6 / K] Längenausdehnungskoeffzient a [10–6 / K]
kurzfristig erreicht. Konstruktionen in Holz
25
200 bleiben daher in vielen Anwendungsfällen
auch ohne zusätzliche Wärmedämm-
180
20
schichten tauwasserfrei.
160
140
15 120
100
10 80
60
5 40
20
0 0
Alu V2A Guss Holz Poly- Poly- PVC Guss Holz
amid äthylen

Abbildung 2.3.a Längenausdehnungskoeffizienten Abb. 2.3.b Vergleich Längenausdehnungskoeffizien-


konstruktiver Baustoffe ten Kunststoffe, Guss und Holz

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Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

2.3.2 Verhalten des Holzes In Abhängigkeit zur baulichen Situation führen als in Nutzungsklasse II (der Witte-
gegenüber Feuchteeinflüssen und Feuchtebeanspruchung werden daher rung ausgesetzte Baustoffe oder z.B. inten-
Nutzungsklassen definiert, welche die kli- siv genutzte Nassräume bzw. industrielle
Der Feuchtegehalt von Wasser in Holz matischen Verhältnisse der Umgebung des Verfahren mit ständig hohem Wasser-
hängt insbesondere von den beiden Fakto- Bauwerks während seiner Lebensdauer dampfanfall).
ren Umgebungstemperatur und Luftfeuch- kennzeichnen und für die Konstruktion
tigkeit ab. Holz nimmt Wasser in zwei ver- und statische Bemessung berücksichtigt
schiedenen Arten auf. Zunächst reichern werden:
sich die Zellwände damit an. Sind diese
gesättigt, füllen sich alsdann die Zellen- Nutzungsklasse I
hohlräume. Der Zustand, wenn die Hohl- Feuchtegehalt in Holzbaustoffen, der einer
räume gerade kein Wasser mehr enthalten, Temperatur von 20 °C und einer relativen
wird als Fasersättigungsbereich bezeichnet. Luftfeuchte entspricht, die nur für einige
Er liegt bei Nadelhölzern etwa bei 30% Wochen pro Jahr einen Wert von 65%
Holzfeuchte. übersteigt (z.B. beheizte Innenräume).

An überdachten oder gegen Bewitterung Nutzungsklasse II


geschützten Holzkonstruktionen stellen Feuchtegehalt in Holzbaustoffen, der einer
sich Holzfeuchtewerte ein, welche deutlich Temperatur von 20 °C und einer relativen
niedriger sind als bei Fasersättigung. Bei Luftfeuchte entspricht, die nur für einige
Feuchteaufnahme oder -abgabe unterhalb Wochen pro Jahr einen Wert von 85%
des Fasersättigungsbereiches treten bei übersteigt (überdachte, offene Tragwerke,
Holz in radialer und tangentialer Richtung z.B. Stallungen, industrielle Löse- und
(entlang der Jahrringe und in Querrichtung Tränkprozesse).
hierzu) Quell- und Schwinderscheinungen
auf, die konstruktiv berücksichtigt werden. Nutzungsklasse III
In Faserlängsrichtung sind diese Verfor- Klimabedingungen, welche regelmäßig zu
mungen vernachlässigbar gering. höheren Feuchtegehalt in Holzbaustoffen

Abbildung 2.4 Ausgleichsfeuchte von Holz in Abhängigkeit zu Umgebungstemperatur und relativer Luftfeuchte

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2.3.3 Verhalten des Holzes Allgemein gültige Angaben zu unbedenk- aufgrund von Undichtigkeiten oder
bei chemisch-aggressiver lichen pH-Grenzwerten bei Holz im sauren unzureichendem Tauwasserschutz
Beanspruchung und basischen Bereich sind für unter- stellt die häufigste Schadensursache
schiedliche Chemikalien wegen verschie- dar.
Holz als Werkstoff besitzt im Vergleich zu dener Einflussfaktoren nur eingeschränkt
vielen anderen Materialien wie z.B. Beton möglich. In der Literatur wird verschiedent- b) Auch bei hoher Beanspruchung,
oder unlegiertem Stahl eine sehr hohe lich ein Bereich von 2 < pH < 9 als unbe- somit hoher Holzfeuchtegehalt in
natürliche Resistenz gegen die Einwirkung denklich erwähnt. Insbesondere im sauren Verbindung mit stark sauren oder
unterschiedlicher Chemikalien. Die Bean- Bereich besitzt Holz eine erheblich höhere alkalischen Substanzen, bleibt die
spruchung hängt dabei dabei insbesondere Widerstandskraft als Beton und Stahl. Auf- Schädigung der Holzstruktur nahezu
von den nachstehenden Faktoren ab: grund von Korrosionserscheinungen kön- vollständig auf die äußeren Schich-
nen hier bereits bei pH = 5 Schädigungen ten beschränkt. Viele Untersuchun-
• Art der Chemikalie eintreten. gen zeigen, dass sich auch bei inten-
• Konzentration siver chemischer Beanspruchung
• Aggregatszustand (Gas, Flüssigkeit, Ein möglicher Abbau von Cellulose im Holz über Jahrzehnte hinweg die Störun-
Festkörper) hängt in besonderer Weise mit der Inten- gen auf die Randzonen des Holzes
• pH-Wert Chemikalie sität der chemischen Beanspruchung beschränken.
• Umgebungstemperatur zusammen. Handelt es sich um gasförmige c) Bauliche Schädigungen durch Säu-
• relative Luftfeuchte Substanzen, welche allenfalls mit dem in ren, Basen oder Salze in kristalliner
den Holzfasern enthaltenen Wasser in Form betreffen in besonderer Weise
Der pH-Wert beschreibt die Konzentration Lösung gehen können, bleibt die Bean- metallische Verbindungsmittel, die
freier Wasserstoff-Ionen in Lösungen. Che- spruchung selbst bei hoch aggressiven Holzkonstruktion selbst hingegen
misch neutrale Lösungen besitzen einen Chemikalien in der Regel gering. nur in seltenen Fällen.
pH-Wert von 7. Unterhalb pH = 7 liegt der
saure, oberhalb der basische Bereich. Mit Sie steigt an, wenn Holzfeuchtewerte d) Wenn durch ordnungsgemäße tech-
sinkendem pH-Wert nimmt der saure, mit vorliegen, die über dem Fasersättigungs- nische Maßnahmen eine überhöhte
steigendem der basische Bereich zu. bereich liegen und somit Wasser in den Holzfeuchtigkeit vermieden wird, so
Zellhohlräumen vorhanden ist. Eine noch- führen chemisch-aggressive Innen-
Im Rahmen von wissenschaftlichen Unter- malige Erhöhung der Beanspruchung tritt raumbelastungen, die entsprechend
suchungen [3] wurden Teststäbe aus Fich- ein, wenn an Holzoberflächen wiederkeh- den Arbeitsschutzvorschriften für
tenholz 1 Jahr lang in unterschiedlichen rend Wasser abläuft (Undichtigkeiten, den Aufenthalt von Menschen
Industriehallen mit chemisch-aggressiver Tauwasser etc.), welches in Lösung gehen geeignet sind, zu keinen Schädigun-
Beanspruchung gelagert und anschließend kann. Hieraus resultiert ein Auswaschungs- gen an Holzkonstruktionen.
die pH-Werte ermittelt mit folgendem prozess, womit die Wirkung von che-
Ergebnis (Probe Nr. 0 ist als Vergleichspro- mischen Substanzen durch physikalische
be unbelastet): und mechanische Vorgänge verstärkt wird.

Tabelle 2.3 pH-Werte von Industrieproben im Ver-


In einer Vielzahl wissenschaftlicher Unter-
gleich mit unbelasteter Vergleichsprobe (0) suchungen zur Beständigkeit in chemisch-
aggresiven Medien [u.a.2,3,7] konnte die
Nr. Produktion Atmosphäre pH-Wert außerordentlich hohe Resistenz des Werk-
im Holz
stoffes Holz nachgewiesen werden. Es
0 Vergleichs- 5,1 wurde bereits ausgeführt, dass zur Bewer-
probe
tung im Einzelfall eine Vielzahl von Ein-
1 Ammonium- SO2 /NH3 / 5,7 flussparametern zu erfassen und zu
Thiosulfat H2 O-Dampf berücksichtigen sind. Weitere Ausführun-
2 Natrium- SO2 /H2 O-Dampf 5,3 gen hierzu, insbesondere zur Ausschrei-
Thiosulfat bung, Planung und Konstruktion, finden
3 Sulfat HCl/H2SO4 / 3,3 sich in Kapitel 6 der vorliegenden Schrift.
H2 O-Dampf Aufgrund von Untersuchungen sowie
4 Beizerei Mischatmosphäre 3,7 umfangreicher Erfahrungen in der Praxis
sauer HF/HNO3 / können dabei über sehr unterschiedliche
HCl/H2O-Dampf Anwendungsgebiete hinweg die nach-
5 Bleicherei Mischatmosphäre 5,2 stehenden Grundregeln abgeleitet werden:
Cl2 /H2O2 /NaOH/
SO2 /H2SO4 /
H2 O-Dampf
a) Sofern Schädigungen an Holzkon-
struktionen aufgetreten sind, waren
diese in der überwiegenden Zahl auf
bautechnische bzw. bauphysikalische
Mängel zurückzuführen. Vermeidba-
rer hoher Holzfeuchtegehalt etwa

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2.3.4 Antibakterielle Wirkung von Holz

Für die Bemessung, Konstruktion und Aus-


führung von Holzbauwerken in chemisch-
aggressiven Medien ist im Regelfall die
Resistenz von Holz gegen chemische Ein-
flüsse maßgeblich. In Sonderfällen, etwa
zur Lagerung von hochreinen Speisesalz-
Sortimenten, für Transportpaletten oder
allgemein bei Kontakt mit Lebensmitteln,
ist darüber hinaus das hygienische Verhal-
ten zu berücksichtigen. Gleiches gilt für
spezielle bauliche Anwendungen im land-
wirtschaftlichen Bereich.

Zur bakteriellen bzw. antibakteriellen Wir-


kung von Holz im Vergleich mit Werk-
Abbildung 2.5 Bestimmung des Keimgehaltes von Holz- und Kunststoffspänen nach Beimpfung mit E.coli
stoffen aus Stahl oder Kunststoff herrschen plE639 (5 x 109 KBE/g), T= 21 °C, Luftfeuchte = 55% [4]
in Fachkreisen durchaus erhebliche Mei-
nungsverschiedenheiten. Für eine sachge-
rechte Beurteilung sind die nachstehenden
Randbedingungen stets zu beachten: flächen schnell Feuchtigkeit aufzu- wie Kiefer- und Lärchenkernholz,
nehmen, erschwert Keimen somit weiterhin Eiche besitzen antibakteri-
• Holzart deren Entwicklungsfähigkeit. Die elle Wirkung.
• Holzzone (Kern- und Splintbereich, ins- poröse Oberfläche von Holz sorgt
besondere bei Kiefer- und Lärche) dabei für größere Berührungsflächen Die in Abbildung 2.6 erkennbare Abnahme
• Ausrichtung der beanspruchten Kon- mit den anliegenden Keimen als dies der Keime innerhalb von 24 h ist primär
taktflächen zur Wuchsrichtung des Bau- bei glatter Ebene der Fall ist. Der auf den stattfindenden Trocknungsprozess
mes Feuchteentzug der Keime wird hier- und dem damit verbundenen Feuchteent-
• Holzfeuchtigkeit durch verstärkt. Feuchteundurchläs- zug zurückzuführen.
• Vorbehandlung des Holzes (Trocknung, sige Oberflächen, wie sie bei vielen
Dämpfung, Anstriche, Imprägnierung Kunststoffarten (und auch Metallen) Auf extraktstoffarmen Oberflächen von
usw.) vorliegen, begünstigen das Wachs- Kunststoffen oder den Laubhölzern Ahorn
• Äußere Einwirkungen auf das Holz (Luft- tum von Bakterien. und Buche bleiben die restlichen Bakterien
feuchtigkeit, Temperaturen, Kontakt mit danach über längere Zeiträume erhalten.
Chemikalien u.a.m.) b) Antibakterielle Wirkung von Holz Im Vergleich dazu schreitet die Keimzahlre-
Neben der hygroskopischen Wirkung duktion an Kiefern- und Lärchenholz
Im Rahmen eines Forschungsprojektes [4] sind auch Holzinhaltstoffe für die (ebenso Eiche) rasch voran. In Folge einer
wurden daher die hygienischen Eigen- Reduktion der Keime verantwortlich. Interaktion mit Holzinhaltstoffen werden
schaften verschiedener mitteleuropäischer Besonders extraktstoffreiche Hölzer Bakterien abgetötet.
Holzarten mit mikro- und molekularbiolo-
gischen Methoden untersucht und Kunst-
stoffen vergleichend gegenüber gestellt. Es
sollten Wirkmechanismen zwischen Holz
und Bakterien ermittelt werden, auch eine
mögliche antibakterielle Wirkung von
Holz.

Der Keimgehalt an mehreren Proben aus


Holz- und Kunststoffspänen über einen
Zeitraum von 4 Tagen ist in Abbildung 2.5
wiedergegeben. Die wesentlichen Ergeb-
nisse der Untersuchungen lassen sich wie
folgt zusammenfassen:

a) Hygroskopische Wirkung
von Holz
Bakterien bzw. Keime benötigen
zum Wachstum ausreichende Tem-
peratur- und Feuchteverhältnisse.
Das hygroskopische Verhalten von Abbildung 2.6 Vergleich des Überlebens von E.coli plE639 nach 24 h auf Kunststoff (links) und Kiefernspänen
Holz, also die Fähigkeit, an Ober- (rechts), Inokulum = 1 x 109 cfu/g, RT = 21 °C, Luftfeuchte = 55% [4]

8
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

3 Konstruktive Vollholzprodukte

Der moderne Holzbau ist gekennzeichnet


durch die Verwendung variantenreicher
und vielfältiger Holzsortimente. Dies trifft
in besonderer Weise für Bauwerke mit che-
misch-aggressiver Beanspruchung zu.
Beginnend bei Rundholzsortimenten und
Schnittholz bis hin zu weiterveredelten
Massivholz- und Holzwerkstoffprodukten
finden Auftraggeber und Planer vielfältige
Konstruktions- und Gestaltungsmöglich-
keiten. Weiterführende Schriften des
INFORMATIONSDIENSTES HOLZ zu Mate-
rialien und Werkstoffen sind in Kapitel 8
angegeben.

3.1 Baurundholz

Die Verwendung von Rundstämmen vor-


zugsweise in den Holzarten Fichte, Kiefer,
Tanne, Lärche und Eiche kann auf eine Abbildung 3.2 Außenklimastall mit Stützen und Pfetten aus Rundstämmen
Jahrhunderte alte Bautradition zurück-
blicken. Abbildung 3.1 zeigt eine histo-
rische Scheune in Blockbauart, die Rund-
bohlen stehen in direktem Kontakt mit
Streu- und Futtermitteln.
3.2 Bauschnittholz

Bauschnittholz aus Nadel- oder Laubholz-


arten, je nach Art der Bearbeitung und
Querschnittsabmessungen als Latte, Brett,
Bohle oder Kantholz hergestellt. Unter
Berücksichtigung von Rissfreiheit oder
Formstabilität sind verschiedene Einschnitt-
arten möglich, vgl. Abbildung 3.3.

Die Hölzer werden für überdachte Anwen-


dungen im Regelfall technisch getrocknet.
Die Oberflächen reichen von sägerauh bis
gehobelt, gefräst oder profiliert. Konstruk-
tionsvollholz ist eine veredelte Form des
Nadel-Bauschnittholzes mit Unterschei-
dung in sichtbare (KVH-Si) und nicht sicht-
bare (KVH-Nsi) Anwendung. In Abhängig-
keit zu Gefährdungsklassen und
Baukonstruktion werden Schnittholzpro-
dukte im Bedarfsfalle mit einem vorbeu-
genden chemischen Holzschutz versehen.
Abbildung 3.1 Historische Scheune in Rundstamm-
Baulich-konstruktive Maßnahmen zur dau-
Blockbauweise, Sölden (Tirol) erhaften Sicherstellung des Holzschutzes
besitzen dabei Vorrang.

Der moderne Holzbau hat Rundstämme


für besonders wirtschaftliche Konstruktio-
nen wieder entdeckt.

Abbildung 3.2 zeigt die Verwendung von


Rundholzsortimenten an einem landwirt-
schaftlichen Betriebsgebäude neueren Abbildung 3.3 Einschnittarten für Massivholzprodukte
Datums. [16]

9
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

3.3 Brettschichtholz (BSH)

Brettschichtholz als veredeltes Holzprodukt


besteht aus mindestens drei faserparallel
verklebten, technisch getrockneten Bret-
tern oder Brettlamellen aus Nadelholz.
Die maximal zulässige Dicke der einzelnen
Bretter oder Lamellen beträgt 42 mm bzw.
33 mm bei klimatisch beanspruchten Bau-
teilen. Brettschichtholz lässt sich industriell
in sehr großen Dimensionen herstellen,
aufgrund der flächigen Verklebung einzel-
ner Lamellen sind Sonderformen sowie
gekrümmte oder verdrehte Bauteile mög-
lich. Durch die Vorfertigung zusammenge-
setzter Teile lässt sich im Falle chemischer
Beanspruchungen die Anzahl notwendiger
metallischer Verbindungsmittel auf ein
Minimum reduzieren. Abbildung 3.4 zeigt
das Ausführungsschema für die Tragkon-
struktion einer Streuguthalle. Die einzelnen
Gelenkrahmen sind in Brettschichtholz Abbildung 3.4 Schematische Darstellung Gelenkrahmen einer Streuguthalle in BSH. Reduzierung von metallischen
errichtet, die Rahmenecken wurden keilge- Verbindungsmitteln durch keilgezinkte Rahmenecken

zinkt ausgeführt. Der Einsatz metallischer


Verbindungsmittel konnte somit auf die
Bereiche Fundamentanschluss und First-
punkt reduziert werden.

Im Bedarfsfalle kann ein vorbeugender


chemischer Holzschutz ausgeführt werden.
Die Hersteller von Brettschichtholz unterlie-
gen einer Eigen- und Fremdüberwachung. 4 Konstruktive Holzwerkstoffe
Die üblichen Klebstoffarten sind Harnstoff-
harz, modifiziertes Melaminharz, Phenol- Holzwerkstoffe werden in Pressen aus • Mehrschichtplatten 3- oder 5-lagig
Resorcinharz sowie Polyurethan. Für Bau- unterschiedlich großen Holzteilen wie Bret- • Bau-Furniersperrholz
teile, welche chemisch-aggressiv stark tern, Stäben, Furnieren, Furnierstreifen, • Bau-Furniersperrholz aus Buche
beansprucht werden, kann die Klebstoff- Spänen oder Holzfasern unter Zugabe von • Furnierschichtholz
gattung auf die zu erwartende Beanspru- Klebstoffen oder mineralischen Bindemit- • Brettsperrholz
chung abgestimmt werden. Zur Herstel- teln in Platten- oder Trägerform hergestellt. • Furnierstreifenholz
lung von Brettschichtholz sind die Holzwerkstoffe weisen eine große Homo- • Spanstreifenholz
Holzarten Fichte, Lärche, Douglasie, Kiefer, genität auf mit nur geringer Streuung der • OSB-Platten
Tanne und Yellow Cedar zugelassen. Materialeigenschaften. • Flachpressplatten
• Harte Holzfaserplatten
Durch gezielte Anordnung der einzelnen • Mittelharte Holzfaserplatten
3.4 Weitere Volholzprodukte Holzbestandteile können Belastungen in • Weiche Holzfaserdämmplatten
den einzelnen Bauteilebenen optimiert • Zementgebundene Flachpressplatten
Weitere industriell hergestellte geklebte werden. Das Quell- und Schwindverhalten • Gipsgebundene Flachpressplatten
Nadel-Vollholzprodukte sind Balken- bei Holzwerkstoffen fällt in der Regel deut- • Gipsfaserplatten
schichtholz aus zwei oder drei faserparallel lich geringer aus als bei Massivholz. • Gipskartonplatten
verklebten Bohlen oder Kreuzbalken. • Holzwolle-Leichtbauplatten
Letztere sind ebenfalls faserparallel ver- Holzwerkstoffe werden im Regelfall in • weitere Sonderausführungen.
klebt und setzen sich aus vier Viertelholz Standardabmessungen hergestellt, dabei
ähnlichen Segmenten zusammen. können auch sehr große Formate realisiert Für den Einsatz von Holzwerkstoffen in
werden. Die Herstellung unterliegt einer chemisch-aggressiver Umgebung lassen
Eigen- und Fremdüberwachung, alle Pro- sich je nach Medium und Beanspruchungs-
dukte sind kennzeichnungspflichtig. Ent- gruppe gezielt Sortimente auswählen.
sprechend den technisch-physikalischen Dabei sind Plattenwerkstoffe in der Lage,
Anforderungen sowie möglichen ästhe- Aufgaben zu Standsicherheit, Raumteilung
tischen und gestalterischen Gesichtspunk- und Gestaltung in sich zu vereinen und
ten kann aus einer großen Zahl unter- ermöglichen auch deshalb besonders wirt-
schiedlicher Produktgattungen ausgewählt schaftliche Bauten.
werden:

10
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

5 Verbindungsmittel 5.1 Unlegierter Stahl


und Anschlussarten
Bei aggressivem Innenklima ist an unle-
Verbindungen und Anschlüsse an tragen- Variante b) zeigt einen zweiseitigen Holz- gierten Stählen ein besonderer Korrosions-
den Holzbauteilen sind gemäß DIN 1052 anschluss mit Nägeln oder Dübeln. Die schutz erforderlich. Der Katalog für
rechnerisch nachzuweisen. Im dort enthal- offenliegenden punktförmigen Metall- zulässige Beschichtungen und Schutzmaß-
tenen Kapitel „Anforderungen an die Dau- oberflächen können in sehr einfacher nahmen ist sehr umfangreich und kann
erhaftigkeit“ findet sich der Hinweis, dass Weise mit einer Abdeckung versehen den jeweils zutreffenden Normen entnom-
ausgehend von der zu erwartenden Bean- werden. men werden. Tabelle 5.1 zeigt einen Aus-
spruchung an metallische Bauteilen Maß- Variante c) zeigt seitlich aufgenagelte zug aus E DIN 1052, hier sind mögliche
nahmen gegen Korrosion zu ergreifen Blechlaschen, die sehr gut optisch kontrol- Schutzmaßnahmen in Abhängigkeit zu
sind. Zu diesen Maßnahmen zählen u.a. liert werden können. Zugleich ist ein spä- den klimatischen Bedingungen gelistet.
Metallüberzüge, Beschichtungen, nichtros- terer Austausch der Verbindung ohne
tende Stähle, Gussteile oder Kunststoffe. Lageveränderung der Holzteile möglich. Die Verarbeitung feuerverzinkter Verbin-
Überdies sind konstruktive Abdeckungen dungsmittel wie auch von zusätzlichen
oder der primäre Einsatz von Holz-Holz- Beschichtungen oder Abdeckungen erfor-
oder Klebstoff-Verbindungen im Einzelfall dert Erfahrung und Sorgfalt bei der Aus-
zu prüfen. führung. Wenn auch bei ordnungs-
gemäßem Einbau der Verbindungsmittel
Die Erfahrung zeigt, dass an Bauten mit und bei planmäßiger Nutzung des Bauwer-
chemisch-aggressiver Beanspruchung der kes eine Beschädigung der Schutzschich-
Auswahl der Verbindungsmittel eine über- ten nicht ausgeschlossen werden kann, ist
geordnete Bedeutung zukommt. Bereits in der Einsatz alternativer Verbindungen etwa
Variante a) Eingeschlitzte Blechlasche mit Dübel
der Tragwerksplanung sollte soweit als aus nichtrostendem Stahl zu überprüfen.
möglich auf einen geringen Anteil von
Stahl-Verbindungsmitteln geachtet wer-
den. Bei deren Auswahl sind die jeweils 5.2 Nichtrostender Stahl
gültigen bauaufsichtlichen Zulassungen als
Arbeitsgrundlage zu verwenden. Die Wirt- Nichtrostender Stahl kann bei korrosiven
schaftlichkeit von Bauwerken in chemisch- Beanspruchungen Vorteile gegenüber
aggressiver Umgebung wird durch die unlegierten Stählen besitzen, da ein zu-
Kosten der Neuanschaffung sowie in sätzlicher Korrosionsschutz in aller Regel
besonderer Weise durch Wartungs- und nicht erforderlich ist.
Variante b) Zweiseitige Holzlasche angenagelt
Instandhaltungsaufwendungen bestimmt.
Die Auswahl eines „billigen“ Verbindungs- Nichtrostende Stahlsorten bestehen vor-
mittels kann, bezogen auf die Lebensdauer nehmlich aus Eisen, Chrom und Nickel. Für
eines Bauwerkes, teuer zu stehen kom- die Korrosionsbeständigkeit ist insbeson-
men. Auftraggeber und Fachplaner sollten dere Chrom von Bedeutung. In Verbindung
bereits in der Projektierungs- und Aus- mit Chemikalien kann eine Veränderung
schreibungsphase die Gesamtbilanz aus der Feinstruktur von Stahl eintreten. In
Anschaffungs- und Unterhaltskosten bei Abhängigkeit zur Beschaffenheit der Che-
Festlegung der Konstruktion einbeziehen. mikalien können sich am Stahl durch che-
Variante c) Seitlich aufgenagelte Blechlaschen mische Reaktionen Säuren bilden, welche
Bei der Anordnung von metallischen Ver- den Korrosionsprozess nochmals verstär-
bindungsmitteln, insbesondere für Stahl- Abbildung 5.1 Ausführungsvarianten von biegesteifen ken. Deshalb ist auch bei der Verwendung
Zuganschlüssen
blechformteile, sollten Aspekte der späte- von nichtrostenden Stählen im Einzelfall
ren Wartung und Instandhaltung die bauaufsichtliche Zulassung zu prüfen.
berücksichtigt werden. Je nach Art der So darf rostfreier Stahl grundsätzlich nicht
Beanspruchung in chemisch-aggressiven in chlor- oder chlorwasserstoffhaltiger
Medien können Verbindungsmittel und Atmosphäre eingesetzt werden. Weitere
Anschlüsse etwa mit einer Holzabdeckung Einschränkungen können an geschweißten
versehen werden. Auch ist eine gezielt Stahlteilen oder bei Verankerungen in
offene Anordnung für Kontrollzwecke Beton vorliegen. Bei direktem Kontakt
oder einfachen Austausch denkbar. zwischen nichtrostendem und unlegiertem
Stahl und dem Vorhandensein von Lösun-
Abbildung 5.1 stellt drei Ausführungstypen gen, z.B. Wasser, besteht in den Be-
eines biegesteifen Längsstoßes von Holz- rührungsflächen Korrosionsgefahr am
trägern dar. unlegierten Stahl. Solche direkte Kontakt-
In Variante a) ist eine Stoßausbildung mit flächen sollten deshalb vermieden werden.
Dübeln und einem eingeschlitzten Blech
dargestellt, wie sie im Ingenieurholzbau
häufig Anwendung findet.

11
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

Tabelle 5.1 E DIN 1052, Mindestanforderungen an den Korrosionsschutz für metallische Bauteile 5.3 Gusswerkstoffe
und Verbindungsmittel

mittlere Zinkschichtdicke in µm Hierunter fallen metallische Verbindungs-


und/oder andere Schutzmaßnahme arten aus Eisen-, Stahl- oder Aluminium-
1 2 3
guss.

1 Nutzungsklasse 1 Nutzungsklasse 2 Nutzungsklasse 3


Für Verbindungsmittel dieser Art, soweit
sowie Nutzungsklasse 2 bei mäßiger sowie Nutzungsklasse 2
bei geringer Korrosionsbelastung2) bei starker sie noch nicht zu den „anerkannten Regeln
Korrosionsbelastung1) Korrosionsbelastung3) der Technik“ zählen, ist eine bauaufsicht-
2 Nägel, Stabdübel, liche Zulassung im Einzelfall erforderlich.
Schrauben, Bolzen, keine 4),5) keine 4),5) 55 6)
Scheiben, Muttern, Gussformteile werden zwischenzeitlich
Dübel
auch in kleinen Stückzahlen wirtschaftlich
3 Eingeklebte keine7 keine7 55 6) hergestellt und können im Holzbau neue
Stahlstäbe und interessante Einsatzgebiete er-
4 Klammern 7 geeigneter geeigneter schließen. Bei Aluminium-Gusswerkstoffen
nichtrostender Stahl 8) nichtrostender Stahl 8) wurden Legierungen speziell für unter-
5 Nagelplatten 9) 20 25 geeigneter schiedliche aggressive Medien entwickelt.
plus Gelbchromatierung nichtrostender Stahl 8) Dabei gilt, dass Festigkeitsverhalten und
6 Stahlbleche 20 20 geeigneter Gusseigenschaften in weiten Bereichen
mit einer Dicke plus Beschichtung nach nichtrostender Stahl variieren können. Auch hier ist neben einer
bis zu 3 mm 9),10) DIN 56928-8 oder oder Objekt bezogenen Festlegung häufig eine
25 Kurrosionsschutz
plus nach DIN 55928-8
Zustimmung im Einzelfall einzuholen.
Gelbchromatierung

7 Stahlbleche 711) 30 12) geeigneter


mit einer Dick nichtrostender Stahl 8)
zwischen 3 und oder
5 mm Korrosionsschutz
nach
DIN EN ISO 12944-6

1) Umgebungsbedingungen C1 und C2 nach DIN EN ISO 12944-2,


2) Umgebungsbedingung C3 nach DIN EN ISO 12944-2.
3) Umgebungsbedingungen C4 und C5-I nach DIN EN ISO 12944-2,
4) Bei einseitigen Dübeln aus Stahlblech muss eine mittlere Zinkschichtdicke von mindestens 55 µm

aufgebracht werden,
5) Bei Stahlblech-Holzverbindungen mit außenliegenden Blechen müssen Nägel und Schrauben eine

mittlere Zinkschichtdicke von mindestens 8 µm aufweisen,


6) Bei sehr starker Korrosionsbelastung (z.B. Umgebungsbedingung C5-M nach DIN EN ISO 12944-2) sind Abbildung 5.2 Auflagersockel aus Aluminiumguss
zusätzliche Maßnahmen erforderlich,
7) Stahlstäbe mit außenliegenden Abschnitten müssen eine mittlere Zinkschichtdicke von mindestens 40 µm

aufweisen,
8) Z.B. nichtrostende Stähle für die Widerstandsklassen III und IV nach allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung, Abbildung 5.2 zeigt einen Auflagersockel
9) Statt feuerverzinktem Blech darf auch Blech mit Zink-Aluminium-Oberzügen gleicher Schichtdicke aus Aluminiumguss für einen Randträger
verwendet werden, des Solebades Bad Dürrheim (siehe auch
10) Stahlbleche mit einer Dicke bis zu 3 mm dürfen auch mit geschnittenen, unverzinkten Kanten eingesetzt
Kapitel 7). Neben hohen Kräften waren die
werden,
11) Die übliche Mindestschichtdicke beim Stückverzinken beträgt 50 µm. unterschiedlichen Auflagerwinkel für die
Bemessung maßgeblich.

Aufgrund von Erfahrungen ist es dabei Informationen über korrosionsbeständige 5.4 Kunststoffe
unbedenklich, nichtrostende und verzinkte Holzverbindungsmittel können u.a. bei den
Stähle gleichzeitig zu verwenden, wenn nachstehenden Produktherstellern auf Verbindungsmittel aus Kunststoff bieten
die Oberfläche des nichtrostenden Stahls deren Homepages abgerufen werden sich wegen ihrer Korrosionsbeständigkeit
im Verhältnis zur Oberfläche des verzink- (Stand 12.2002): für chemisch-aggressiv beanspruchte Holz-
ten Stahlteils gering bleibt. Dies trifft bei- tragwerke an. Die Verarbeitung von Kunst-
spielsweise zu bei dickeren Stahlplatten Schürmann & Hilleke GmbH & Co.KG stoffen (z.B. Kunstharz-Pressholz, faser-
und stabförmigen Verbindungsmitteln wie www.baer-original.de verstärkte Duroplaste) erfordert im
Stabdübeln, Nägeln usw. Bierbach GmbH & Co.KG allgemeinen ein hohes Maß an Erfahrung
www.bierbach.de und Sorgfalt. Entsprechend der Orientie-
BMF-SIMPSON GmbH rung der Armierung von faserverstärkten
www.bmf-simpson.de Materialien sind bei unterschiedlichen
GH Baubeschläge Hartmann GmbH Kraftrichtungen bisweilen stark voneinan-
www.gh-bau.de der abweichende Festigkeiten zu beach-
ABC Verbindungstechnik ten. Hohen Druck- und Zugkräften steht
www.spax.de häufig eine große Sprödigkeit des Werk-

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Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

stoffes gegenüber, der für die Montage


von Bauteilen wie Bolzen oder Scheiben zu
beachten ist. Wiederum ist bei der Verwen- Außenhaut
dung in vielen Fällen eine bauaufsichtliche Innenhaut
Zulassung im Einzelfall erforderlich. Lattung
Wärme-
dämmung
5.5 Einspannung von Holz in Beton

Biegesteife Anschlüsse von Holzstützen an


Fundamente erfolgen weitgehend unter Wandriegel Beschichtung
Verwendung von Stahlteilen. Zur Ver-
meidung von Korrosion an metallischen ≥ 5 cm
Baustoffen und Verbindungsmitteln bei
chemisch-aggressiver Beanspruchung
können Stützen durch Verguss unmittelbar mind. B 15
in die Fundamente eingespannt werden.
Abbildung 5.3 zeigt eine mögliche Aus- Verguss nach
führungsvariante hierin.
Montage mit
Zementmörtel
Im Fundamentbereich ist eine allseitig
angeordnete Beschichtung als Feuchtig-
keitsschutz erforderlich. Die Stützen
werden vorzugsweise in Brettschichtholz
ausgeführt.

Im Rahmen einer Forschungsarbeit wurden


konstruktive Vorgaben sowie Bemessungs- Abbildung 5.3 Prinzipskizze einer im Betonfundament eingegossenen Holzstütze [6]
verfahren für solche eingespannte Stützen
erarbeitet [6]. Bei Anwendung dieser
Konstruktion sollten die nachstehenden
technischen Grundregeln eingehalten
werden:

a) Die mittlere Holzfeuchte der Stützen


sollte bei Montage den Wert von
10% nicht überschreiten.

b) Sofern aufgrund der baulichen


Gegebenheiten ein vorbeugender
chemischer Holzschutz erforderlich
ist, muss die Verträglichkeit des Holz-
schutzmittels mit dem Anstrich nach-
gewiesen sein.

c) Die Beschichtung darf bei Transport,


Abbildung 5.4 Ausführungsbeispiele Holz-Holz-Verbindungen
Montage und Vergießen im Funda-
ment nicht beschädigt werden.
5.6 Holz-Holz-Verbindungen dabei nicht nur bei Massivholz, sondern
d) Eingespannte Stützen an Außenbau- wegen der erhöhten Querdruckfestigkei-
teilen sind konstruktiv so auszu- Tragwerke wurden in früheren Epochen ten auch bei vergüteten Holzwerkstoffen.
führen, dass keine direkte Schlag- überwiegend in zimmermannsmäßigen
regenbeanspruchung vorliegt. Holz-Holz-Verbindungen hergestellt. Viele Im modernen Holzbau werden sowohl in
dieser Bauwerke sind bis in unsere Zeit industrieller als auch handwerklicher Ferti-
e) Die Ausführung der Holzbauarbeiten erhalten. Bei chemisch-aggressiver Bean- gung zunehmend CNC-gesteuerte Ferti-
darf nur von zugelassenen Fach- spruchung finden solche Verbindungsarten gungs- und Abbundanlagen eingesetzt.
firmen übernommen werden (große bei Holzkonstruktionen wieder verstärkt Kraft- und formschlüssige Holzverbindun-
Leimgenehmigung). Anwendung. Abbildung 5.4 zeigt mehrere gen können damit wirtschaftlich und
Ausführungsbeispiele von Holz-Holz-Ver- zugleich in höchster Präzision hergestellt
bindungen wie Versätze, Zapfen oder werden. Der Einsatz von metallenen Ver-
Rechteckdübel. Sinnvolle Anwendungen bindungsmitteln lässt sich auf ein Mini-
von Holz-Holz-Verbindungen ergeben sich mum reduzieren.

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Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

seitigen Oberflächentemperatur (zusätz- bis hin zu veredelten Holzwerkstoffproduk-


liche Wärmedämmung) oder mit besonde- ten für vielfältige Aufgabengebiete. Holz-
ren Vorkehrungen für dauerhaft luftdichte werkstoffe vereinigen in vielen Anwen-
Anschlüsse. dungen mehrere Funktionen in sich wie
Aussteifung/Standsicherheit, Raumteilung
Erhöhte Betriebstemperaturen wirken sich und optisches Erscheinungsbild. Auch
auch bei chemisch-aggressiver Beanspru- lassen sich interessante Verbund-Lösungen
chung nicht nachteilig auf die Dauerhaftig- etwa mit Fassadenplatten oder Glas her-
keit und Festigkeit von Holzbauteilen aus. stellen.
Erst oberhalb von 60–80 °C findet eine all-
mähliche, mit steigender Temperatur zu-
nehmende chemische Veränderung statt. 6.5 Holzarten

Abbildung 5.5 Mehrachsen-CNC-Abbundanlage In allen baunahen Bereichen setzt der


6.4 Architektur und Funktion Holzbau überwiegend die Nadelholzarten
6 Empfehlungen für die Planung Fichte, Tanne, Kiefer und Lärche ein. Diese
und Ausführung Geringes Eigengewicht, hohe Festigkeit, Hölzer sind reichlich verfügbar, haben ein
CO2-Reduktion und weitgehende Vor- geringeres spezifisches Gewicht als Laub-
6.1 Allgemeines fertigung in überdachten Produktions- hölzer und weisen darüber hinaus hervor-
stätten kennzeichnen den modernen Holz- ragende Bearbeitungsmöglichkeiten auf.
Der Bau- und Werkstoff Holz wird in che- bau. Zusätzlich zur planmäßigen Nutzung
misch-aggressiven Medien in sehr vielfälti- werden für Anwendungen etwa im Frei- Im Hinblick auf chemisch-aggressive Bean-
ger Weise eingesetzt. Für die Planung, zeitbereich, aber auch bei Gewerbe- und spruchung besitzen Laubhölzer (z.B. Buche,
Ausschreibung, Vergabe und Ausführung Zweckbauten verstärkt architektonische Eiche, Ahorn) im baunahen Bereich keine
ist neben den baulichen Voraussetzungen bzw. gestalterische Anforderungen Vorteile gegenüber den genannten Nadel-
insbesondere das zu erwartende Innen- gestellt. Tragwerke in Holzkonstruktion holzarten. Die antibakterielle Wirkung ins-
raumklima sowie die Art der chemischen ermöglichen eine Vielzahl unterschied- besondere von Kiefern- und Lärchenholz ist
Beanspruchung von Bedeutung. Die nach- licher Grundkonstruktionen und Ausfüh- in Kapitel 2.3.4 ausführlich dargestellt.
stehenden Empfehlungen können deshalb rungsvarianten. Insbesondere werden bei
als Leitfaden bzw. Checkliste bei der Pla- chemisch-aggressiven Medien wirtschaft- In Abhängigkeit zur Art der chemisch-
nung und Ausführung dienen. liche und dauerhafte Bauwerke möglich. aggressiven Belastung kann auf Holz-
sortimente mit geringer Rissneigung
Sonderformen, weit ausladende Vordächer zurückgegriffen werden. Hierzu zählen
6.2 Chemisch-aggressive oder großflächige stützenfreie Innenüber- kernfreie bzw. schichtverklebte Sortimen-
Beanspruchung dachungen werden vielfach in Holz reali- te, auch Holzwerkstoffe.
siert. In der Fassadengestaltung stehen
Die Art der chemischen Beanspruchung hat eine Fülle von Holzbaustoffen zur Verfü-
unmittelbare Auswirkung auf die Konstruk- gung, beginnend vom naturnahen Vollholz 6.6 Baulicher Holzschutz
tion sowie die zu wählenden Baustoffe und
Verbindungsmittel. Insbesondere sind Vor- Unter bestimmten baulichen Vorausset-
gaben über die zu erwartenden chemi- zungen, die bei der Fachplanung zu
schen Verbindungen (Säuren/Basen, Misch- berücksichtigen sind, kann auf den che-
atmosphären, pH-Werte) hilfreich. Gleiches mischen Holzschutz verzichtet werden.
gilt für die Aggregatszustände der chemi- Regelungen hierzu sind in DIN 68800-2
schen Substanzen (fest, flüssig, gasförmig) enthalten. Wiederum ist die bauliche Kon-
während der Nutzung des Bauwerkes. struktion in Abhängigkeit zur Bewitterung
von der Außenseite maßgeblich.

6.3 Innenraumklima Bei Bauwerken mit chemisch-aggressiver


Beanspruchung sollten die Grundzüge des
Raumfeuchte und Raumtemperatur baulichen Holzschutzes stets auch im Innen-
schwanken bei vielen industriellen Anwen- bereich Anwendung finden. Dies erhöht die
dungen. Hilfreich für die Planung ist die Dauerhaftigkeit und Widerstandsfähigkeit
Definition von Mittelwerten unter Angabe der Konstruktion insgesamt. Nachstehend
der voraussichtlichen Schwankungsberei- einige wesentliche Grundregeln:
che. Mit diesen Daten kann eine korrekte
Zuordnung in die jeweilige Nutzungsklasse a) Vermeidung von stehendem
erfolgen. Wasser und Feuchtenestern
Abbildung 6.1 Wiederkehrende Tauwasserbean- Sofern Feuchtigkeit an Bauteilober-
spruchung in einer Salzlagerhalle: Nur oberflächige
Beim Auftreten von Tauwasser können im flächen entstehen kann (Spritzwas-
Verfärbungen und Feuchteränder an Holzbauteilen,
Bedarfsfalle Gegenmaßnahmen ergriffen fortgeschrittene Korrosion an metallischen Sparren- ser, Tauwasser usw.), sind Pfützenbil-
werden, etwa durch Anhebung der raum- Pfetten-Verbindern dung und stehendes Wasser zu

14
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

c) Gehobelte Holzoberflächen
Rauhe Oberflächen begünstigen die
Ansammlung von Feuchtigkeit und
Feststoff-Kristallen. Diese Belastun-
gen können durch glatt gehobelte
Oberflächen in erheblichem Umfang
reduziert werden.

d) Technische Holztrocknung
Nachträgliche Verformungen oder
Rissbildungen an Holzbauteilen las-
sen sich durch technische Trocknung
auf ein Minimum reduzieren. Die
Auswahl vorgetrockneter Sortimente
ist Stand der Technik und besonders
bei chemisch-aggressiver Beanspru-
chung unverzichtbar.

e) Abrasive Beanspruchung
Bei Umlade- oder Transportvorgän-
Abbildung 6.2 Einhaltung der Grundlagen des baulichen Holzschutzes durch ausreichenden Luftaustausch gen können Flüssigkeiten oder Fest-
an einem Stalldach [23]
stoffe, insbesondere in kristalliner
Form, die Oberflächen von umge-
benden Bauteilen mechanisch bean-
spruchen oder gar schädigen. Sofern
solche Prozesse aufgrund der Nut-
zung nicht zu vermeiden sind, kön-
nen Bauteile mit statischer Funktion
mit zusätzlichen Schutz- oder Prall-
flächen ausgestattet werden. Bei sol-
chen vorgesetzten Bauteilen sollte
auf leichte Kontrolle und Austausch-
barkeit geachtet werden.

6.7 Chemischer Holzschutz

Für den vorbeugenden chemischen Holz-


schutz ist DIN 68800-3 maßgeblich. Die
Einteilung in Gefährdungsklassen ergibt
sich aufgrund von Bewitterung und bau-
licher Situation, nicht wegen der Art der
Abbildung 6.3 Negativbeispiel: Fehlende Hinterlüftung an einem Stalldach, fortgeschrittener Pilzbefall chemisch-aggressiven Beanspruchung.
an Holzoberflächen
Wechselwirkungen zwischen chemischem
vermeiden. Dies wird erreicht durch Als typisches Anwendungsbeispiel hierzu Holzschutz und den einwirkenden aggres-
Abdeckungen, abgeschrägte Ober- gelten Wand- und Dachkonstruktionen siven Medien sind dabei nicht bekannt.
flächen oder diffusionsoffene, dabei von Stallungen in der Landwirtschaft.
luftundurchlässige Abdichtungen. Abbildung 6.2 zeigt eine Dachkonstruktion
mit Tonpfannen ohne Schalung und Unter- 6.8 Verbindungsmittel
b) Hinterlüftung deckung. Die Luftaustauschrate durch die
Sofern Feuchtebildung an Ober- Dachebene ist ausreichend, um die raum- In Kapitel 5 wurde dargelegt, dass die Aus-
flächen aufgrund der baulichen Nut- seitigen Bauteiloberflächen trotz starker wahl und Anordnung der Verbindungs-
zung nicht vermieden werden kann, Feuchtebelastung trocken zu halten mittel bei chemisch-aggressiver Beanspru-
sind baulich-konstruktive Maßnah- (< 20% Holzfeuchte). chung erhebliche Auswirkungen auf die
men für eine ungehinderte Abtrock- Abbildung 6.3 zeigt bei gleichartiger Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit der
nung zu ergreifen. An senkrechten Nutzung ein Blechdach mit zusätzlicher Bauwerke besitzt. In zahlreichen industriel-
oder schrägen Flächen wird dies im Unterdeckung aus Schalung und Dachun- len Anwendungen werden metallische Ver-
einfachsten Fall durch ausreichende terspannbahn. Die gemessene Holzfeuchte bindungsmittel durch Holz-Holz-Verbin-
Hinterlüftungsquerschnitte erreicht. an den Dachsparren betrug 35–45%, nach dungen ersetzt. Die Verwendung von
Weitere technische Möglichkeiten wenigen Jahren Nutzungszeit ist bereits ein Edelstählen, Guss oder Aluminium kann im
sind z.B. Ventilatoren oder mechani- umfangreicher Befall durch holzverfärben- Hinblick auf Wartung und Instandhaltung
sche Lüftungsanlagen. de und holzzerstörende Pilze gegeben. dennoch wirtschaftlich sein.

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Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

7 Ausführungsbeispiele

7.1 Solebad

Die mehrfach preisgekrönte Holzkonstruk- Bei der Detailausbildung wurde so weit als Bauherr: Kur- und Bäder GmbH
tion des SOLEMAR in Bad Dürrheim wurde möglich auf traditionelle zimmermanns- Bad Dürrheim
im Jahr 1987 fertiggestellt. Die Holz- mäßige Holz-Holz-Verbindungen zurück- Baujahr: 1985–87
schalenkonstruktion bedeckt weite Teile gegriffen. Die Randträger liegen auf einem Gesamtplanung: Rudolf und Ingeborg
der ca. 2.500 m2 großen Badelandschaft Aluminium-Guss-Sockel auf, siehe auch Geier, Stuttgart
wie ein feinmaschiges Netz. Wegen der Kapitel 5.3. Insgesamt gelang es, die Ver- Tragwerks- Prof. Wenzel – Frese –
Unempfindlichkeit gegenüber der aggres- wendung metallischer Verbindungsmittel planung Holzbau: Pörtner – Haller mit
siven Sole wurde als Baumaterial Holz auf ein Minimum zu reduzieren. R.Barthel, Karlsruhe
gewählt (Abbildungen 7.1–7.2).

Abbildung 7.1a Dachform [25] Abbildung 7.1b Innenstützen in baum-ähnlicher Struktur [25]

Abbildung 7.2 Innenaufnahme [25]

16
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

7.2 Kompostieranlagen

Neben aggressiven Gasen, welche beim


Kompostiervorgang entweichen, benötigt
der biologische Abbau des Kompostgutes
erhebliche Mengen an Feuchtigkeit, die
teils künstlich zugeführt werden muss. Im
Hinblick auf die Baukonstruktion sind wei-
terhin Selbsterhitzung des Kompost-
materials und somit hohe Innentem-
peraturen zu beachten. Der Jahresinput
des Kompostwerkes Leonberg (Abbildun-
gen 7.3, 7.4) beträgt ca. 18.350 to/a, die
Absaugung der geschlossenen Hallen ist
mit einem Biofilter kombiniert. Die Abluft-
menge beträgt ca. 91.500 m3/h. Wegen
der hohen Resistenz wurde die stark bela-
stete Dachkonstruktion in Holz ausgeführt,
sämtliche Stahlteile wurden aus Edelstahl
gefertigt. Abbildung 7.3 Dachträger in Brettschichtholz

Bei der Gestaltung des Bauwerkes wurde Bauherr: Landkreis Böblingen


in besonderer Weise eine harmonische Ein- Baujahr: 1993–94
bettung in die umgebende Landschaft Planung: Ingenieurbüro u.e.c Berlin
beachtet. Hierzu zählt auch die geschwun- Ausführung Schaffitzel Holzindustrie
gene Dachform, hergestellt aus Trägern in Holzbauarbeiten: Schwäbisch Hall
Brettschichtholz.

Abbildung 7.4 Der hügeligen Umgebung angepasste Architektur der Kompostieranlage

17
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

7.3 Chemie-Umschlaghallen

Raumabschließende Konstruktionen für


Chemie-Umschlaghallen sind stark wech-
selnden Mischatmosphären ausgesetzt.
Die Abschätzung des Risikos aus chemisch-
aggressiver Belastung für die Tragkonstruk-
tion ist hier mit besonderen Schwierigkei-
ten behaftet.

Neben geschwungenen Satteldachträgern


in Brettschichtholz (Abbildung 7.5) wurden
weiterhin die Aussteifungsverbände der
Dachkonstruktion in Holz errichtet (Detail-
aufnahme Abbildung 7.6). Die Anschluss-
knoten wurden aus Sperrholzlaschen her-
gestellt, um auch hier den Einsatz
metallischer Verbindungsmittel auf ein
Minimum zu reduzieren.
Abbildung 7.5 Dachträger in Brettschichtholz
Die Dachträger in Brettschichtholz ermög-
lichen zugleich die einfache Aufnahme von
Abeitsbrücken, Transportvorrichtungen
oder weitere Abhängungen (Abbildung
7.7).

Abbildung 7.6 Knoten und Aussteifungsverbände in Holzkonstruktion

Bauherr: Brenntag AG, Heilbronn


Baujahr: 1990
Planung: Arch.-Büro Mögel,
Stuttgart
Ausführung Schaffitzel Holzindustrie
Abbildung 7.7 Dachträger in Brettschichtholz mit abgehängten Befülleinrichtungen Holzbauarbeiten: Schwäbisch Hall

18
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

7.4 Salzlagerstätten

Sowohl in flüssigen Medien (Sole) als auch


zur Lagerung von Festkristallen (z.B. Spei-
se-, Tier- oder Streusalz) spielt der Bau-
und Werkstoff Holz seit Jahrhunderten
eine wichtige Rolle. Neben Dauerhaftigkeit
und Wirtschaftlichkeit sind insbesondere
die hygroskopischen Eigenschaften von
Holz zu nennen. Bei der Trockenlagerung
von Salzkristallen können überhöhte
Wasserdampfkonzentrationen in der
umgebenden Luft ausgeglichen werden.

Die Abbildungen 7.8–7.11 zeigen eine


Salzlagerhalle in Bad Reichenhall.
Salzkristalle lagern sich an Holzoberflächen
an. Bei wiederkehrender Tauwasserbildung
ergibt sich eine erhöhte Belastung der
Abbildung 7.8 Außenansicht Salzlagerhalle mit tonnenförmigem Dreigelenkrahmen in Brettschichtholz
Oberflächen durch Auswaschungs-
prozesse.

Während der ca. 35-jährigen Nutzung


waren Wartungs- und Instandsetzungs-
arbeiten an metallischen Verbin-
dungsmitteln sowie Dacheindeckung
erforderlich. Die Holzkonstruktion mit Drei-
gelenkrahmen in Brettschichtholz Fichte
(Resorcinharz-Verleimung) blieb trotz der
chemisch und mechanisch belasteten
Oberflächen wartungsfrei.

Abbildung 7.10 zeigt Spuren gelegent-


licher Tauwasserbelastung an den
Holzoberflächen der Gelenkrahmen im
bodennahen Bereich. Eine strukturelle
Schädigung der Holzkonstruktion ist nicht
erkennbar.

Nach dem Abwischen der Salzkruste an


einer Stelle (Abb. 7.11) ist eine leicht fase- Abbildung 7.9 Innenraum Salzlagerhalle, Beaufschlagung der Holzoberflächen mit Salzkristallen erkennbar
rige bzw. wollige Oberfläche der Brett-
schichtholzträger zu erkennen. Mit Hilfe
von Bohrproben wurde eine optische Über-
prüfung der Holzbeschaffenheit im Ober-
flächen nahen Bereich durchgeführt. Nach
mehr als 35-jähriger Nutzung war lediglich
eine unbedeutende, 1–2 mm tief gehende
Aufweichung der Holzstruktur zu erken-
nen.

Bauherr: BHS Bayr. Hütten-


und Salzwerke,
Bad Reichenhall
Baujahr: 1967
Abbildung 7.10 Belastung der Holzoberfläche Abbildung 7.11 Salzkruste an der Holzoberfläche,
Architektur: Bauabteilung der BHS durch Salzkristalle in Verbindung mit gelegentlicher stellenweise manuell entfernt
Tragwerksplanung: Fa. Goldes, München Tauwasserbildung

19
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

7.5 Solebecken

Die Dauerhaftigkeit von Holzkonstruk-


tionen in salzhaltigem Wasser (Sole) kann
auf sehr eindrucksvolle Weise an der Ab-
bildung 7.12 abgelesen werden. Es handelt
sich um Sole-Vorratsbehälter, welche in der
Saline Bad Reichenhall im Zeitraum
ca. 1845–1850 errichtet wurden. Über
150 Jahre (!) hinweg ermöglichte die
Holzkonstruktion (Fichte/Lärche) einen
sicheren und störungsfreien Betrieb. Der
Vorratsbottich, bestehend aus senkrechten
Brettern, wurde an den Stirnflächen der
Holzteile zusätzlich mit Hanfschnüren
abgedichtet. Mit Hilfe von nachjustier-
baren Holz-Holz-Verbindungen wurde eine
dauerhafte Dichtigkeit der Becken sicher-
gestellt. Die erkennbaren Salzablagerun-
gen stammen von gelegentlichen Überflu-
tungen der Vorratsbecken.
Abbildung 7.12 Historisches Solebecken, erbaut ca. 1845–1850, nach über 150-jähriger Nutzungsdauer

7.6 Streuguthallen

Chemisch-aggressive Beanspruchungen
bei Streuguthallen ergeben sich ähnlich
den vorigen Beispielen insbesondere durch
die Anlagerung fester Salzkristalle an Holz-
oberflächen in Verbindung mit Tauwasser-
Beanspruchung. Eine Vielzahl von realisier-
ten Projekten belegen die hohe Resistenz
von Holz in solchen Anwendungen.

Eine Lager- und Streuguthalle nahe der


Autobahn bei Münchberg Abbildung 7.13
wurde in Brettschichtholz mit keilgezinkten
Rahmenecken ausgeführt. Die außen sicht-
baren Tragrippen der Außenwände wurde
mit Holzwerkstoffplatten beplankt. Zusätz-
lich zur raumabschließenden Funktion die-
nen die Platten der Gebäudeaussteifung
sowie als vorgesetzte Prallzone für das
Ladegut. Die durch das Vordach weitge-
hend geschützten Außengefache zwischen
den Tragrippen werden als „Sortierfächer“
genutzt.

Bauherr: Autobahnmeisterei
Münchberg
Baujahr: 1996
Abbildung 7.13.a und b Streugut- und Lagerhalle, Wandrippen und Dachträger in Brettschichtholz, Ausführung: Schaffitzel Holzindustrie
keilgezinkte Rahmenecken, aussteifende Beplankung mit Sperrholz Holzbauarbeiten: Schwäbisch Hall

20
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

Abbildung 7.14 zeigt eine Streuguthalle,


deren Tragkonstruktion überwiegend mit
naturgewachsenen Rundstämmen errich-
tet wurde. Die Dachbinder wurden in
Fachwerkskonstruktion errichtet. Die
Abtragung von Horizontallasten in Wand-
ebene erfolgt durch Holzwerkstoffplatten,
welche bereichsweise in den Wandseg-
menten eingebaut wurden und zugleich
als Wandung und Prallschutz im Innenbe-
reich dienen.

Bauherr: Staatliches Hochbauamt


Passau
Baujahr: 1992
Tragwerks- Planungsgesellschaft Abbildung 7.14 Streugut- und Lagerhalle, Wandstützen und Fachwerk-Dachbinder in Rundholz,
planung: Dittrich mbH, München Wandaussteifung und Prallschutz durch bereichsweise Beplankung mit Sperrholz

7.7 ICE-Waschstraße

Ein gleichermaßen „exotisches“ wie tech-


nisch interessantes Holzbauwerk für
chemisch-aggressive Beanspruchung stellt
die ICE-Waschstraße (Abbildung 7.15) dar,
errichtet auf dem Werksgelände der Deut-
schen Bahn AG in Cottbus.
Die Baulänge beträgt ca. 150 m.

Beim Waschbetrieb für vollständige Zug-


garnituren ergeben sich allerhöchste
Beanspruchungen aufgrund von chemisch-
aggressiven Mischmedien und Spritz-
wasser. Die Tragkonstruktion ist als Zwei-
gelenkrahmen ausgeführt. Die Innenschale
des Bauwerkes besteht aus Kesseldruck
imprägnierten Furnierschichtholzplatten.
Diese dienen sowohl der Längsaussteifung
als auch zur Abdichtung. Die Dachkon-
struktion wurde mit Rippenplatten herge- Abbildung 7.15 ICE-Waschstraße Innenansicht mit Betriebseinheit, Innenbeplankung aus kesseldruckimprägnier-
ten Furnierschichtholzplatten
stellt.

Bauherr: Deutsche Bahn AG


Baujahr: 1997
Gesamtplanung: ITEG GmbH,
Hallbergmoos
Ausführung Merk Holzbau, Aichach
Holzbauarbeiten:

21
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

7.8 Landwirtschaftliche Bauten

Für die Errichtung von Bauwerken mit


landwirtschaftlicher Nutzung blickt der
Werkstoff Holz auf eine Jahrtausende alte
Tradition zurück. Die chemisch-aggressive
Beanspruchung ergibt sich zunächst aus
Mischatmosphären, hervorgerufen durch
Futter-, Einstreu- und Abfallstoffe. Bei der
Tierhaltung sind weiterhin hohe Wasser-
dampfkonzentrationen zu beachten, die in
vielen baulichen Anwendungen zu einer
starken Tauwassergefährdung führen.
Außenklimaställe wie in Abbildung 7.16
dienen der naturnahen Tierhaltung,
zugleich wird die Gefahr von Tauwasser-
bildung an Bauteiloberflächen durch hohe
Luftaustauschraten stark reduziert.

Anhand von Untersuchungen in der Praxis


an stark wasserdampf-beanspruchten Kon-
struktionen kann die besondere Eigung
von regendichten, dabei luftdurchlässigen
Dachdeckungen nachgewiesen werden.

Weitgehend luftdichte Abschlüsse hinge-


gen können in Abhängigkeit zur baulichen
Nutzung zu regelmäßigem Tauwasseraus-
Abbildung 7.16 Landwirtschaftliches Betriebsgebäude als Außenklimastall [23] fall führen. Feuchtewerte an Holzober-
flächen von 25% und höher unterstützen
die Ansiedlung von Holz verfärbenden
oder zerstörenden Pilzgattungen. Die
Feuchtesituation wird auch dann ver-
schärft, wenn als Dacheindeckung Blechta-
feln oder andere Bedachungsarten ohne
ausreichende Hinterlüftung eingesetzt
werden.

Hinweise zur fachgerechten Errichtung von


landwirtschaftlichen Betriebsgebäuden in
Holz sind in [23] enthalten.

Abbildung 7.17 Laufhof und Außenfuttertisch einer Rinderzuchthalle [23]

22
Dauerhafte Holzbauten bei chemisch-aggressiver Beanspruchung holzbau handbuch Reihe 1, Teil 8, Folge 2

8 Anhang Konstruktionsvollholz [26] Informationsdienst Holz


Informationsdienst Holz, Dauerhafte Holzbauten bei che-
8.1 Weiterführende Literatur holzbau handbuch, Reihe 4, Teil 2, misch-aggressiver Beanspruchung,
Folge 1, 1997 1989
[1] Fengel, Wegener [13] Seidel, Wiegand
Wood; Chemistry, Ultrastructure, Duo- und Triobalken 8.2 Normen
Reactions Informationsdienst Holz, holzbau
Walter de Gruyter, 1984 handbuch,1999 DIN EN 335 (09/92)
[2] Besold, Fengel [14] Studiengemeinschaft Holzleimbau Definition der Gefährungsklassen für einen
biologischen Befall
Systematische Untersuchungen BS-Holz-Merkblatt
der Wirkung aggressiver Gase auf Informationsdienst Holz, 1999 DIN EN 350 (10/94)
Fichtenholz; Teil 1: Begasungs- [15] Müller Natürliche Dauerhaftigkeit von Holz

versuche und Untersuchung der Ausschreibung von BS-Holz- DIN EN 460 (10/94)
Extrakte Konstruktionen Natürliche Dauerhaftigkeit von Vollholz;
Leitfaden für die Anforderungen an die
Holz als Roh- und Werkstoff 41 Informationsdienst Holz, Dauerhaftigkeit von Holz für die Anwen-
(1983) 227–232 holzbau handbuch, Reihe 7, Teil 2, dung in den Gefährdungsklassen
[3] Wegener, Fengel Folge 1, 1999
Untersuchungen zur Beständig- [16] Kuhweide, Wagner, Wiegand DIN 1052 in der aktuellen Fassung
keit von Holzbauteilen in aggres- Konstruktive Vollholzprodukte Holzbauwerke

siven Atmosphären Informationsdienst Holz, DIN 4074-1 (09/89)


Holz als Roh- und Werkstoff 44 holzbau handbuch, Reihe 4, Teil 4, Sortierung von Nadelschnittholz nach der
Tragfähigkeit; Nadelschnittholz
(1986) 201–206 Folge 1, 1997
[4] Schönwälder, Kehr, Wulf, Smalla [17] Lewitzki, Kuhl DIN 17440 (12/72)
Antibakterielle Eigenschaften von Bauen mit Holz ohne Chemie Nichtrostende Stähle

Holz beachtenswert Informationsdienst Holz, 1998 DIN 18334


Holz-Zentralblatt 147, 8.12.2000 [18] Radovic, Cheret, Heim VOB Teil C; Zimmer- und Holzbauarbeiten

[5] Dietrichs Konstruktive Holzwerkstoffe DIN 68364 (11/79)


Zum chemischen Verhalten von Informationsdienst Holz, Kennwerte von Holzarten

Nutzhölzern holzbau handbuch, Reihe 4, Teil 4, DIN 68800-2 (1996)


Holz-Zentralblatt 108, 8.9.1972 Folge 1, 1997 Holzschutz; Vorbeugende bauliche Maß-
nahmen im Holzbau
[6] Heimeshoff/Eglinger [19] Schulze
Einspannung von Stützen aus Baulicher Holzschutz DIN 68800-3 (1990)
Brettschichtholz durch Verguss in Informationsdienst Holz, Holzschutz; Vorbeugender chemischer
Holzschutz
Betonfundamenten holzbau handbuch, Reihe 3, 1991
HOLZBAU-STATIK-AKTUELL Folge 7 [20] Schulze
Juli 1983 Baulicher Holzschutz 8.3 Bildquellen
[7] Erler Informationsdienst Holz,
Vergleichende Betrachtungen holzbau handbuch, Reihe 3, Teil 5, Nachstehend finden sich Angaben zu Bild-
europäischer Bauprodukten- Folge 2,1997 quellen, sofern diese nicht im Text angege-
Normen mit nationalen Bestim- [21] Brüninghoff, Bosenius, Jacobs ben sind:
mungen; Chemische Korrosion Konstruktion von Anschlüssen 1.1 Dauerhafte Holzbauten bei che-
von Holz und Holzkonstruktionen im Hallenbau misch-aggressiver Beanspruchung,
Forschungsvorhaben, Schlussbericht Informationsdienst Holz, Informationsdienst Holz, Ausgabe
2000 holzbau handbuch, Reihe 1, Teil 7, 1989
[8] Brüninghoff, Luther Folge 2, 2000 3.1 Phleps; Holzbaukunst Der Blockbau,
Heimisches Holz im Wasserbau [22] Augenstein, Dittrich, Goehl Bruderverlag 1942
Informationsdienst Holz, 1990 Details für Holzbücken 3.4 Schaffitzel Holzindustrie
[9] Illner Informationsdienst Holz, 5.1 Götz, Hoor, Möhler, Natterer, Holz-
Lärmschutzwände holzbau handbuch, Reihe 1, Teil 9, bauatlas, CMA, 1980
Informationsdienst Holz, Folge 2, 2000 5.5 Hundegger, Werksfoto
holzbau handbuch, Reihe 1, Teil 6, [23] Nürnberger, Stockinger, Stark, Weiß 6.1 Egle, Sachverständigengutachten
Folge 1, 2000 Landwirtschaftliche Betriebs- 6.3 Egle, Sachverständigengutachten
[10] Radovic, Cheret, Heim gebäude in Holz 7.3 Schaffitzel Holzindustrie
Konstruktive Holzwerkstoffe Informationsdienst Holz, 2001 7.4 Landkreis Böblingen; Das Kompost-
Informationsdienst Holz, [24] Lohmann werk Leonberg
holzbau handbuch, Reihe 4, Teil 4, Handbuch Holz 7.5–
Folge 1, 1997 DRW-Verlag, 1990 7.7 Schaffitzel Holzindustrie
[11] Sell [25] Baradoy, Nebgen 7.9–
Eigenschaften und Kenngrößen Dokumentation Holzbauten 7.12 Egle, Sachverständigengutachten
von Holzarten in Baden Württemberg; 7.13 Schaffitzel Holzindustrie
Baufachverlag, Zürich, 1989 Solebad in Bad Dürrheim 7.14 Dittrich Planungsgesellschaft mbH
[12] Klos, Petrik, Radovic, Winter Informationsdienst Holz 7.15 Merk Holzbau/Finnforest

23
Eloxalwerk

Durch anodische Oxydation entsteht auf


Aluminium oder dessen Legierungen eine
chemisch und mechanisch sehr feste
Schutzschicht. Die Gegenstände werden in
ein elektrolytisches Bad aus verdünnter
Chrom-, Oxal- oder Schwefelsäure
gehängt. Die aufsteigenden Gase sind
besonders aggressiv. Wegen der hohen
Resistenz gegen solche Beanspruchungen
ist Holz in diesen Bereichen universell ein-
setzbar.
[26]

Graphitierwerk

Bei der Produktion von Graphit entweicht


aus den Fertigungsöfen zeitweilig sehr
heiße mit Wasserdampf gesättigte Luft, die
Spuren von Schwefelsäure enthält. Das
Holz des Tragwerkes kann zusätzlich beim
Öffnen der Öfen einem Funkenflug aus-
gesetzt sein.
[26]

Gerberei

Alle Stahlverbindungsmittel bei diesem


Dachtragwerk sind verdeckt angebracht.
Damit wird verhindert, dass metallische
Partikel in die Gerbflüssigkeit fallen
können. Die Walkung der tierischen Häute
zusammen mit der Gerbbrühe erfolgt auf-
grund guter Erfahrungen in rotierenden
Holzfässern.
[26]

EGH
Entwicklungsgemeinschaft Holzbau
in der Und Deine Welt
Deutschen Gesellschaft für Holzforschung
hat wieder ein Gesicht.

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