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Thermisches Richten – Keine schwarze Magie mit der richtigen Theorie!

Dipl.-Ing. Thomas Vauderwange MBA SFI, VauQuadrat GmbH Offenburg, Deutschland

Kurzfassung

Beim Richten von Schweißverzug gab es in den letzten Jahrzehnten einen Trend hin zum Kaltrichten mit Presse
oder Richtmaschine. Ursache hierfür war in vielen Fällen die Angst, beim Richten mit der Flamme das Material zu
schädigen. Außerdem hatte das Flammrichten stets den Ruch der Zauberei, da im Betrieb diejenigen, die es prakti-
zieren, normalerweise nicht in der Lage sind, zu erklären, was da warum funktioniert. In diesem Beitrag geht es nun
darum, ein paar Dinge grundlegend zu klären – unter anderem, dass Richten mit Wärme mit dem richtigen Equipment
eigentlich ein einfacher, verlässlicher Prozess sein kann und dass Kaltrichten nicht wirklich materialschonend ist.

1 Grundlagen durch die plastischen Verformungen sind die Karten


neu gemischt.
1.1 Materialgrundlagen: Streckgrenze
Es kommt in jedem Fall zu einem verbleibenden Eigen-
Die Grundüberlegung ist folgende: Bei einer zu besei- spannungszustand.
tigenden (oder zu erzeugenden!) Deformation soll so
materialschonend wie möglich vorgegangen werden. Ist das schlimm? Nicht unbedingt. Schlimm wird es
erst, wenn man durch externe Einflüsse dafür sorgt,
Was bedeutet das? dass sich diese Eigenspannungen abbauen können.
Durch Plastifizierungen. Durch unerwartete und durch-
Generell ist zunächst zu verstehen, dass eine Form- aus unerwünschte Verformungen. Beispiele gefällig?
änderung genau dann auftritt, wenn eine mechanische
Spannung à (Biege-, Zug- oder Druckspannung) auf- - Ein kaltgerichtetes Blech verbiegt und verwin-
gebracht wird, die größer ist als die Streckgrenze Re. det sich auf einmal, nachdem es für eine Feu-
erverzinkung erwärmt wird
Betrachten wir also einen Baustahl S355 – MINDEST- - Ein Bauteil, was man mit Hilfe einer Presse ge-
Streckgrenze 355N/mm² -, so wird im hier ausschließ- richtet hat und was gerade war, ist nach den
lich relevanten Belastungsfall der Biegung eine Span- Vibrationen eines längeren Straßentransports
nung von deutlich weniger als 355 N/mm² eine elasti- auf einmal nicht mehr gerade.
sche Verformung erzeugen, die sich komplett zurück-
bildet, wenn die Spannung wieder weg ist. Erst eine Und noch ein ganz anderer Aspekt: Wir haben in unse-
Spannung von deutlich mehr als 355 N/mm² wird zu ei- rem Bauteil ein Gefüge vorliegen, was nur auf den ers-
ner bleibenden Verformung führen. ten Blick völlig homogen ist. In Wirklichkeit ist es das
natürlich nicht. Je genauer man hinschaut, desto mehr
Nur – im Fall der Biegung ist es nicht ein einziger Span- Imperfektionen erkennt man. Kleine, lokale Unregel-
nungswert, der aufgebaut wird, sondern bekanntlich er- mäßigkeiten wie Fehlstellen, Versetzungen, Fremda-
zeugt eine extern aufgebrachte Biegespannug einen tome und vieles mehr.
Zug-/Biegespannungsverlauf über den Querschnitt,
hier gezeigt am Beispiel eines Trägers unter Eigenge- Wenn man nun eine große Spannung aufbringt, wo ge-
wicht (links) und eines Kragträgers (rechts, Quelle: Wi- nau wird das Material als erstes nachgeben? An den
kipedia). schwächsten Stellen. Solange es um kleine Deformati-
onen geht, ist das nicht weiter der Erwähnung wert und
es gibt sogar positive Sondereffekte wie lokale, kleine
Verfestigungen, die uns betreffend der dynamischen
Eigenschaften helfen können. Sofern es aber – wie
Insofern in Anbetracht des gezeigten Spannungsver- man es in der Praxis leider immer mal wieder beobach-
laufs über dem Querschnitt des Trägers die Frage: Wie ten muss – um große Deformationen geht, teilweise auf
groß muss die Spannung an welcher Stelle denn nun dem Weg zur richtigen Form mehrfach hin- und herge-
werden, damit eine Formänderung eintritt? drückt wird, ist eine Schädigung vorprogrammiert.

Hierbei darf man aber nicht glauben, dass die Span- Schnell ausprobiert: Sie nehmen ein Stück 5mm-Rund-
nung durch die plastische Verformung komplett abge- material und biegen dieses so stark, dass sich ein 90°-
baut wird. Es bleiben auf jeden Fall Spannungen – un- Winkel bildet. Jetzt wieder gerade biegen. Dann wieder
terhalb der Streckgrenze! – zurück. Wird nun die ex- zum Winkel. Dann wieder…? Haben Sie schon zwei
terne Ursache, also z.B. eine aufgebrachte Biegespan- Teile in der Hand? Dann ist ja alles klar.
nung weggenommen, entspannt sich ein Teil dieser
Restspannungen. Wenn er denn kann! Denn bedingt Die Handwerkliche Erfahrung sagt uns zu dem Thema,
dass es besser geht, wenn wir den Stahl an der Stelle

DVS 1
heiß machen, an der wir ihn verbiegen wollen. Diese - Liegt eventuell ein Vergütungszustand vor?
Grafik zeigt uns, warum: Welches ist also die Vergütungstemperatur,
bei deren Überschreitung sich die Härteeigen-
schaften ändern?
- Gibt es eine Temperatur (und Haltezeit), ab der
man mit Grobkornbildung und damit einherge-
hender Versprödung rechnen muss, wenn zu
viel Wärme eingetragen wird?
- Gibt es besonders kritische Temperaturen, bei
denen nach gewissen Zeiten spröde Sonder-
gefüge entstehen? (z.B. Sigmaphase bei
Duplexstählen…)
- Im Extremfall: Wo liegt der Schmelzpunkt?
Diese Frage ist in der Praxis bei Stählen und
passendem Wärmeverfahren problemlos – bei
Bild: Streckgrenze bei verschiedenen Temperaturen Aluminium hingegen ein echtes Problem!
Wie man sieht, sinkt die Streckgrenze mit steigender
Temperatur, bei 650°C auf die Hälfte - und bei noch Nicht zuletzt wollen wir natürlich in Erinnerung behal-
höheren Temperaturen noch weiter. ten, dass höhere Temperaturen nur mit Energieauf-
wand und damit mit Energiekosten, möglicherweise
Passend hierzu gibt es den Verlauf der Streckgrenze auch mit Emissionen zu erreichen sind. Es ist also im-
über der Temperatur in der folgenden Grafik aufgetra- mer der konkrete Nutzen zu betrachten.
gen:
An dieser Stelle muss eindringlich vor dem
Richten mit rein oberflächlich wirkenden In-
duktionsverfahren wie Hochfrequenz- oder
Resonanzinduktion gewarnt werden. Auf-
grund fehlender Wirktiefe lässt sich bei diesen Verfah-
ren die Oberflächentemperatur kaum unter Kontrolle
halten!

Wird mit solchen Verfahren dann noch an hochfesten


Materialien wie Feinkornstahl S700 gearbeitet, sind
Versprödungen durch Grobkornbildung vorprogram-
miert. Leider sieht man speziell im nicht regulierten Be-
reich derlei immer wieder, selbst an dynamisch belas-
teten Konstruktionen.

1.3 Materialgrundlagen: Oberflächen


Bild: Streckgrenze über Temperatur (Quelle: TU Braun-
schweig / ifs)
Natürlich wäre es möglich, ein Metall ganz ohne nach-
teilige Veränderung der Oberfläche sogar bis auf Glüh-
Aus der Perspektive der Streckgrenze gilt also ganz temperaturen zu bringen, sofern man mit induktiver Er-
klar ‚viel hilft viel‘ was die Richt-Temperatur angeht. wärmung und einer reinen Formiergasatmosphäre ar-
beitet.

1.2 Materialgrundlagen: Temperaturgrenzen Wenn es aber um ein Praxistaugliches, für den harten
Einsatz in der Produktion vorgesehenes Verfahren ge-
So wünschenswert eine hohe Temperatur in der Um- hen soll, bietet sich eine solche Möglichkeit nicht. Es
formzone zur Absenkung der Streckgrenze auch ist, je gilt dann abzuwägen, ob die Anlauffarben aus Gründen
nach Material kommt man schnell an Grenzen, die man des Korrosionsschutzes entfernt werden müssen.
nicht überschreiten darf, da das Material sonst blei-
bende Schäden davonträgt. Im Fall des Richtens von verzinkten Oberflächen hat
sich hierzu auch der Einsatz von Hartlöt-Flussmittel be-
Die entscheidenden Fragen, die man für das zu ver- währt. Dies schützt sowohl die Oberfläche vor Oxida-
wendende Material beantworten muss: tions-Angriffen, als auch gibt es einen optischen Hin-
weis auf erreichte Temperaturniveaus.
- Wo beginnt gegebenenfalls eine Gefügeum-
wandlung (z.B. bei Stahl AC1, also 723°C), ist
das Material empfindlich für Aufhärtung bei
normaler Abkühlung an Luft?

2 DVS
Das großflächige Herabsetzen der Streckgrenze, um
danach mit weniger mechanischer Kraft die für plasti-
sche Verformung erforderliche Biegespannung von
außen aufzubringen, dürfte aus energetischen und
aus Zeitgründen nur im Ausnahmefall eine Option
sein.

Mit der alten Handwerkskunst des Flammrichtens ist


ein Zwischenweg gefunden, bei dem das Bauteil (1)
lokal gewärmt wird und dadurch im Material eine Zone
reduzierter Streckgrenze (2) geschaffen ist. Das um-
liegende Material (3) wird so wenig wie möglich er-
wärmt. Wenn dann noch in geeigneter Weise die not-
wendige thermische Ausdehnung dieser Zone verhin-
dert - oder zumindest behindert - wird, kommt es dort
zu einem Staucheffekt. Diesen an die richtige Stelle
im Metall plaziert, erreicht man eine Verformung des
Bauteils. Ganz ohne externe Kräfte und Momente.

Die so gestauchte Zone hat nun im erwärmten Zu-


stand dieselben Ausmaße wie im kalten Ausgangszu-
stand. Nach erfolgter Abkühlung ist die Zone also

Bild: Thermischer Richtmechanismus auf Basis der verhin-


derten Ausdehnung
Bild: Zumindest Anlauffarben bleiben auf der Oberfläche
nach dem Richtvorgang zurück

Auf- und Abkohlungseffekte, wie sie durch nicht neutral


eingestellte Flammen entstehen, sind normalerweise
unerwünscht.

Hat man oberflächlich wirkende Wärmverfahren wie die


Flamme oder aber Hochfrequenz-/ Resonanzinduktion,
so besteht in jedem Fall die Gefahr einer Überhitzung.
Im Extremfall gibt es durch Anschmelzungen eine
sichtbare Beschädigung der Oberfläche, aber auch
durch zu schnellen Wärmeabfluss in die Tiefe nach
Überschreiten der Gefügeumwandlungstemperatur
droht Gefahr. Mit den einhergehenden Versprödungen
bei zu schneller Abkühlung kommt man in der Praxis
nicht zurecht.

Bei induktiven Richtverfahren mit Feldverstärker ist zu-


dem dafür zu sorgen, dass Zündstellen, wie sie durch
zwei blanke Stellen an den Induktorleitern und gleich-
zeitiges Aufsetzen entstehen, konsequent vermieden
werden.
kleiner als vorher (5), sie ist geschrumpft. Das Bauteil
(4) hat nach diesem Vorgang durch die unterschiedli-
2 Grundlagen des Richtens mit ‚verhinderter
che Formänderung in der Stauchungszone (5) und
Ausdehnung‘
dem umliegenden Material (6) die gewünschte Form-
änderung.
2.1 Funktionsprinzip und Einflussgrößen

Die Grundüberlegung ist folgende: Bei einer zu besei-


2.2 Richtfiguren
tigenden Deformation soll so materialschonend wie
möglich Abhilfe geschaffen werden. Mit mechanischer
Je nachdem, ob es darum geht, einen Winkelverzug
Kraft bei Raumtemperatur zu richten, scheidet damit
oder die Auswirkung einer Längsschrumpfung auszu-
als erstes aus, da man damit das Material lokal über
gleichen – oder gar im Fall des Dünnblech-Richtens
seine maximale Streckgrenze, nämlich die bei norma-
im Schienenfahrzeugbau eigentlich die Spannwirkung
ler Umgebungstemperatur bringen muss.
für ein Beulfeld im Vordergrund steht – sind die Stra-

DVS 3
tegien betreffend der zu setzenden Wärmefiguren völ- 2.3 Dehnungsbehinderung
lig unterschiedlich. Betreffend der Grundlagen hierfür
wird auf die Qualifikation zur Flammricht-Fachkraft ge- Da das nicht erwärmte Material seine volle Streck-
mäß der DVS-Richtlinie 1145 bzw. die Unterlagen zu grenze behält, hat dieses ein relativ großes Vermö-
einschlägigen Flammrichtkursen verwiesen. gen, die erwärmte Zone an der Ausdehnung zu hin-
dern. Ob diese Eigendehnbehinderung ausreicht oder
Nun sei an dieser Stelle aber auf ein kleines Detail nicht, lässt sich daran ablesen, ob das Bauteil 'mit-
hingewiesen. Es macht einen enormen Unterschied, geht', sich bei der Erwärmung also entgegen der ge-
ob die Wärme zur Erzeugung einer Keilfigur von der wünschten Formänderung verformt.
Oberfläche über reine Wärmeleitung eingebracht wird,
oder ob ein tiefenwirksames Verfahren wie z.B. ein Wenn das geschieht, ist das ein Zeichen dafür, dass
Tiefeninduktionsgerät der Marke Alesco eingesetzt die thermisch bedingte Ausdehnung der Erwärmungs-
wird, bei dem die Wärme bis in der Tiefe des Materi- zone nicht oder nicht hinreichend verhindert wird.
als entsteht – wohlgemerkt mit einem tiefenabhängi-
gen Konzentrationsunterschied, denn bei einer gleich- Angewandte Energieverschwendung, egal mit welcher
mäßigen Durchwärmung gäbe es ja keinen Richtef- Wärmequelle gearbeitet wird!
fekt.
Praxistipp:
Quelle [2] beschreibt die Funktion und die Unter- Machen Sie pro Bauteilgeometrie einmal
schiede der verschiedenen Induktionsverfahren einge- eine Verzugsmessung, wenn die Wärme
komplett eingebracht ist. Wurde der Verzug
hender.
nennenswert GRÖSSER, ist das Bauteil
also ‚MITGEGANGEN‘, dann ist der Richt-
Es lohnt sich, hier einmal genauer hinzuschauen, vorgang nicht ideal. Dehnungsbehinderung
denn durch die andere Handhabung, wesentlich gerin- oder abschnittsweises Wärmen kann einfa-
gere Oberflächentemperaturen und Wärmeeinbrin- che Abhilfe schaffen!
gung und schnellere Verfahrgeschwindigkeit der Wär-
mequelle entsteht in der Praxis schnell ein Zeitvorteil, In so einem Fall ist es sinnvoll und erforderlich, durch
der je nach Anwendung enorm ist. externe Maßnahmen (verspannen, Auflegen von Ge-
wichten etc) die Ausdehnung zu behindern. Um das
klarzustellen: Es geht nicht darum, den Verzug weg-
zubiegen! Das Bauteil soll nur daran gehindert wer-
den, durch thermische Ausdehnung der erwärmten
Zone ‚mitzugehen‘ – denn dann tritt kein oder zu we-
nig Richteffekt ein.

In der Realität trifft man leider immer wieder den Fall


an, dass der Werker den mangelnden Richteffekt
durch Steigerung der Temperatur (Gelbglut jenseits
der Gefügeumwandlung und mit der Gefahr der loka-
len Versprödung) auszugleichen versucht. Das hat mit
Richten nichts zu tun und ist nicht fachgerecht.

2.4 „Festgeschweißter Verzug“

Der einfachste Fall: Eine mehrlagige Kehlnaht. Mit der


ersten Naht entsteht ein Winkelverzug. Mit den weite-
ren Lagen wird dieser Verzug nun ‚festgeschweißt‘!

Der Richter bemerkt einen auffälligen Unterschied im


Richteffekt. Während der Winkelverzug einer einfa-
chen Kehlnaht mit wenig Aufwand beseitigt ist, funkti-
oniert das bei einer mehrlagigen Schweißung nicht
mehr. Wird jedoch nach der ersten Lage kurz gerich-
tet, ist der Verzug mit wenig Aufwand beseitigt. Die
Bild: Mit Tiefeninduktion entsteht die Richtfigur sofort, nicht weiteren Lagen werden dann auf einem schon vorge-
schrittweise von der Oberfläche her
wärmten Material durchgeführt, was deutlich weniger
Verzug erzeugt.

Nun geht es aber nicht nur um mehr-LAGIGE Schwei-


ßungen, sondern in der Praxis trifft man regelmäßig
Fälle an, bei denen das andere Ende eines verzoge-

4 DVS
nen Bauteils am falschen Ort festgeschweißt wird, an- Wärmeleitung mit entsprechendem Zeitverzug in die
statt zuerst den Verzug zu richten und dann die Tiefe des Materials gebracht werden kann.
Schweißung am richtigen Ort machen zu können.
Außerdem ist bei der Erwärmung mit der Flamme eine
Erwärmung eines großen Bereichs um die ge-
wünschte Zone herum durch die abgeleiteten Flamm-
gase unvermeidlich.

Wichtiger Hinweis: Die benötigte Wärme für das Richten ei-


nes verzogenen Bauteils ist wesentlich geringer, als beim
Versuch, ein gerades Bauteil im selben Umfang krumm zu
machen! In der Praxis profitiert man davon, indem es einen
breiten Bereich an richtwirksamem Energieeintrag gibt, bei
dem der Verzug beseitigt ist. Ein ‚Zuviel‘ an Richtenergie,
wodurch es zu einem Verzug in Gegenrichtung kommt, ist
bei den typischen Richtaufgaben kaum ein Thema!

3 ‚Minimalinvasives Richten‘

3.1 Richteffekt

Die bisherigen Ausführungen gingen davon aus, dass


man das, was man beim Flammrichten mit der Auto-
genflamme macht, mit Tiefeninduktion mehr oder we-
niger nachempfunden wird.

Bild: Die Kopfplatte wurde mit vier Kehlnähten an das Vier- Die erste prinzipielle Abweichung resultierte aus der
kantrohr geschweißt. Ohne den Verzug zu richten wurde da- Feststellung, dass man bei der Tiefenwirkung der
nach sofort die Strebe eingeschweißt. Da ist nichts mit Rich- neuen Technologie die hohen Temperaturen an der
ten! Der Verzug ist festgeschweißt.i Oberfläche zur Beschleunigung der Wärmeleitung in
die Tiefe bei dickem Material nicht mehr braucht.
Beliebtes Beispiel: Verstrebungen, die zwischen zwei
Bauteile eingeschweißt werden sollen, von denen ei- Hinzu kamen aber schon in den ersten Jahren der
nes durch die vorhergehende Schweißung verzogen Nutzung in Einzelfällen wahrgenommene Fälle großer
ist. Richtwirkung bei erstaunlich niedrigen Temperaturen,
die zunächst nicht reproduzierbar und nicht erklärbar
Ebenso aber kann es extrem unklug sein, ein komple- waren.
xes Bauteil in einem Zug komplett zu schweißen. Zum Verständnis der Effekte, wie es entgegen der
Auch dabei wird es vorkommen, dass die Schweiß- handwerklichen Erfahrung tatsächlich Fälle geben
naht in der falschen Position sitzt und ein Verzug fest- kann, bei denen man bei niedrigerer Temperatur hö-
geschweißt wird. Die Abhilfe: Beispielsweise erst alle heren Richteffekt hat, hilft ein Blick auf den Verlauf
Längsnähte, dann richten, dann die Quernähte. Ein von Streckgrenze und Elastizitätsmodul von Raum-
Direktvergleich zeigt, dass man trotz des scheinbar et- temperatur z.B. bis 1000°C. Solche Daten sind jedoch
was umständlicheren Vorgehens viel schneller fertig von den Herstellern der Materialien kaum zu bekom-
wird. men.

Dass die STRECKGRENZE (Rp0.2) eines Metalls mit


2.5 Zusammenfassung der Grundlagen der Temperatur abnimmt, ist altbekannt - wahrschein-
lich hat jeder schon mal einen Stahlstab über Rotglut
Damit ist das thermische Richten mit verhinderter erwärmt und dann mit wenig Kraft bleibend verformt.
Ausdehnung in der Theorie beschrieben. Zwei Zonen
unterschiedlicher Temperatur, die thermische Ausdeh- Ohne eine Reduzierung der Streckgrenze in der Zone
nung der heißeren Zone wird verhindert – dies führt der beabsichtigten Verformung ist eine gegenüber der
zu einer lokalen Stauchung und damit zur gewünsch- Kaltverformung schonendere Richtwirkung nicht zu er-
ten Formänderung. warten - andererseits haben Versuche eindeutig klar
gemacht, dass dies nicht der einzige Einflussfaktor ist.
Die Realität weicht von der Theorie in einem wichtigen Denn in vielen Fällen war bei reproduzierbar gleich-
Punkt ab: die Temperatur der erhitzten Zone ist nicht mäßiger Erwärmung der Richteffekt mit steigender
gleichmäßig, da die Wärme mittels einer Autogen- Temperatur der Erwärmungszone (allerdings immer
flamme nur mittels einer Übertemperatur an der Ober- im Bereich deutlich unterhalb AC3) eher rückläufig!
fläche eingebracht und über den Mechanismus der

DVS 5
Weiterbringend für das Verständnis der Effekte ist an vom thermischen Ausdehnungskoeffizienten ± und
dieser Stelle, die nötigen Mechanismen für Span- von l0 abhängt.
nungserzeugung im Material nachzuvollziehen, die
Voraussetzung für eine plastische Verformung – so- ± = ” l / ( l0 * ” T) bzw. ” l = ± / ( l0 * ” T)
fern die Spannungen die Streckgrenze überschreiten!

Hierzu betrachten wir zwei Spiralfedern mit gleicher Nun soll die thermische Ausdehnung aber gerade be-
Windungszahl, aber mit unterschiedlicher Federstei- hindert oder sogar verhindert werden. Das Material,
figkeit. Die blaue Feder habe eine hohe, die graue Fe- das bei der höheren Temperatur eigentlich die Länge
der eine geringe Federsteifigkeit. Beide besitzen last-
frei dieselbe Ausgangslänge l0. l = l0+ ” l

hätte, wird ja nun auf die Länge l0 zusammengepresst!

Anhand des Bilds der Federn unterschiedlicher Feder-


steife kann man sich nun vorstellen, dass die resultie-
rende Druckspannung à im Material dabei stark vom
vorhandenen Elastizitätsmodul E abhängt. Ist dieser
hoch, so wird eine hohe Druckspannung entstehen -
ansonsten eher nicht. Die entscheidende Frage zum
Thema Richteffekt ist nur, ob bei den vorliegenden
Temperaturen die entstehende Druckspannung über
der zugehörigen Streckgrenze liegt oder nicht.

Benötigt würde also die Information über den Verlauf


von Streckgrenze und Elastizitätsmodul über der
Temperatur - und das weit außerhalb des regulären
Nutzungsbereichs der Materialien! Sieht man entspre-
chende Verläufe, kann man sich anhand des qualitativ
unterschiedlichen Abfalls von Streckgrenze und E-Mo-
dul durchaus Fälle erklären, in denen 100K weniger
Temperatur zwar eine leichte Zunahme der Streck-
grenze, jedoch eine starke Zunahme des Elastizitäts-
moduls mit sich bringen. Und damit mehr Richteffekt!
Bild: Typische Verläufe des E-Modul über Temperatur
(Quelle: TU Braunschweig / ifs)
Bei den bisher betrachteten Metallen gab es jeweils
Bild: Auslenkung von Federn unterschiedlicher Federsteifig- eine Zone mit einem charakteristischen Steilabfall des
keit unter derselben Last / auf gleiche Auslenkung E-Modul. Andererseits hat der Streckgrenzenverlauf
über demselben Temperaturbereich einen mehr oder
In Umkehrung dessen, was dieses Beispiel zeigt, weniger monotonen Abfall zu verzeichnen.
könnte man nun untersuchen, wieviel Kraft es
braucht, um eine gewisse Auslenkung zu erzeugen. Daraus resultiert nun die Definition einer 'Hyperplasti-
Einfache Antwort: Für dieselbe Auslenkung braucht zitätszone' (HPZ), innerhalb derer man die Streck-
man bei der geringeren Federsteife weniger Kraft! grenze schon reduziert, den Elastizitätsmodul aber
Nun sollte man beachten, dass es eigentlich nicht um noch so hoch wie möglich vorfindet.
die auslenkende Kraft F geht, sondern um die resultie-
rende Zugspannung

Ã= F/A (A: Querschnittsfläche des Federdrahts)

Bei einem Metall unter Zug-/Druckbeanspruchung ist


dessen 'Federsteifigkeit', also das Dehnungsverhalten
unter einer gewissen Beanspruchung, beschrieben
durch den ELASTIZITÄTSMODUL E.

Was hat dies nun mit dem thermischen Richten zu


tun?

Die Erwärmungszone gibt die Antwort. Diese hat bei Bild: Die 'Hyperplastizitätszone' (HPZ)
Umgebungstemperatur eine gewisse Länge l0. Unter
der Erwärmung um die Temperaturdifferenz ” T
ergäbe sich unbehindert eine Längenänderung ” l, die

6 DVS
Aufgrund des Fehlens systematischer Untersuchun-
gen ist man zu diesem Thema bislang auf eigene Ver-
suche angewiesen, der Hinweis, es mit deutlich weni-
ger Wärme, erzielt durch schnellere Bewegung der
Wärmequelle zu versuchen, ist aber was das neue In-
duktionsrichtverfahren angeht in jedem Fall zielfüh-
rend.

3.2 Eigendehnbehinderung

Betrachten wir einen wirklich schlimmen Fall betreffend


der Eigendehnbehinderung: Ein Doppel-T-Trägerprofil.
Zum Zweck der Überhöhung des Trägers zur Mit-
nahme statischer Vorteile (oder auch zum Richten ei-
nes Verzugs) wird dieser mit der Unterseite nach oben
auf zwei möglichst weit voneinander entfernte Auflager
(Böcke) gelegt. Bedingt durch die Streckenlast des Ei-
gengewichts ergibt sich an der Oberseite ein gewisses
Maß an Druckspannung. Eventuell wird zur Erhöhung Bild: Der Geheimtipp – nachmessen, wenn die Wärme einge-
dieser Druckspannung sogar noch weiteres Gewicht bracht ist. 'Geht das Bauteil mit‘ wird viel Energie verschwen-
aufgelegt. det!

Mit Hilfe dieses Verfahrens kann man also zumindest


verschiedene Richtansätze (gewählte Richtfigur ent-
sprechend DVS 1145 bzw. Flammrichtkurs-Unterlagen
– zusammen mit der gewählten Art und Abfolge der Er-
wärmung) betreffend ihrer Effizienz vergleichen: Geht
das Bauteil bei einem Ansatz stark mit, muss man da-
von ausgehen, dass man zwar möglicherweise Richt-
effekt – vielleicht sogar viel Richteffekt – erzielen kann,
dass das Verfahren aber betreffend Energieeinsatz
und je nachdem auch der Gesamtdauer weit entfernt
von ideal ist.

Damit können wir also in jedem Fall entscheiden, wie


wir es nicht machen möchten. Das ist schon mal was,
aber wie der ideale Richtvorgang für das Bauteil aus-
sieht ist damit in keiner Weise klar, man käme aller-
Bild: Träger richten (oder überhöhen): So bitte nicht! dings über eine Reihe von Versuchen mit ver-
In der rot markierten Zone soll eine Stauchung stattfin- schiedensten Vorgehensweisen zwangsläufig zu im-
den. In der Abbildung mit dem Ziel einen Verzug zu be- mer besseren und effizienteren Richtmethoden, wenn
seitigen, alternativ auch zum Erzielen einer Überhö- man sich letztendlich für das Verfahren entscheidet,
hung. was bei genügendem Richteffekt am wenigsten Mitge-
hen des Bauteils bei der Erwärmung zeigt.

Was ist zu tun? Fragen wir zunächst die einfache


Frage: Was ist auf keinen Fall zu tun? Antwort: Versu- 3.3 Abschnittsweises Wärmen
chen Sie bitte nicht, den Keil in seiner Gesamtheit, also
das Dreieck im Steg und den Streifen im Gurt, auf ein- Spätestens beim Beispiel des Richtens an einem 8mm-
mal gleichmäßig auf Temperatur zu bringen. Es gibt ja Blech im nächsten Kapitel wird man sehen, dass mit
schöne Hochglanzbilder, bei denen der komplette Keil dem Stichwort ‚abschnittsweises Wärmen‘ eine unge-
ROT glüht. Ende vom Lied ist, dass der Werker mit dem heure Bandbreite an Möglichkeiten aufgezeigt wird,
Richteffekt völlig unzufrieden ist und den ‚Autogen-Not- wie man mit intelligentem Wärmeeinsatz sowohl mehr
ausgang‘ wählt. Die Flamme nochmal stärker stellen, Richteffekt, als auch weniger Energieaufwand und vor
länger draufhalten bis zur Gelbglut – das hat zwar allem kürzere Richtzeiten bekommt.
nichts mehr mit Richten zu tun, aber so bekommt jeder
das gewünschte Deformationsergebnis hin. Nur, nach Zurückkommend auf die Überschrift von Kapitel 2 wol-
dem Material darf man dabei nicht mehr fragen… len wir uns nochmals in Erinnerung rufen, dass das Ziel
der Wärmeeinbringung eine verhinderte Ausdehnung
Zur objektiven Bewertung, inwiefern ein Wärmeverfah- und dadurch eine schonende Stauchung des Materials
ren wirksam oder nicht ist, wurde ja schon vorher der an der gewünschten Stelle ist.
Tipp gegeben: ‚Messen, wenn es am heißesten ist!‘.

DVS 7
Wärmen wir also einen oberflächlichen Keil (etwa ein Wie wäre es also damit:
Drittel der Materialstärke) in ein Blech, so wünschen wir
uns im Idealfall, dass das Blech seine Form behält,
während der Keil erhitzt ist. Damit ergäbe sich ein ma-
ximaler Staucheffekt auf die erhitzte Zone, das Bauteil
wird an der Oberseite kürzer und macht die ge-
wünschte ‚Banane‘, wölbt sich mit den Außenenden
nach OBEN – anderes als in der folgenden Grafik:

Bild: Abschnittsweises Stauchen – der effizientere Weg!

Auf den ersten Blick umständlich – aber wer sagt denn,


dass man nicht mehrere Richtstriche auf einmal ma-
Bild: Genau das möchte man nicht – die erhitzte Zone kann
chen kann? In jedem Fall ist die Richtaufgabe in er-
sich ausdehnen, das Bauteil ‚geht mit‘
staunlich kurzer Zeit erledigt, denn fertig ist man ja erst,
wenn das Bauteil wieder abgekühlt ist und man sieht,
Hier kam es offensichtlich dazu, dass die thermische
dass das Richtergebnis in Ordnung ist.
Ausdehnung der erhitzten Zone nur unzureichend ver-
hindert wurde. Solange die Zone also noch deutlich
Und auf diese Weise bleiben jeweils möglichst große
heißer wie der Rest des Bauteils ist, ist dieses an der
Bereiche des Bauteils relativ kalt und verhindern ein
Oberseite länger als an der Unterseite, Ein Wölbungs-
‚Mitgehen‘.
effekt in die falsche Richtung ist die Folge.
Betrachten Sie unter dem Gedanken des ‚abschnitts-
Die übliche Abhilfe wäre, das Bauteil mit Klammern auf
weisen Wärmens‘ das, was man mit Tiefeninduktion
den Schweißtisch herunter zu spannen, um genau die-
aufgrund der geringen, benötigten Wärmemengen und
ses ‚Mitgehen‘ zu vermeiden.
Temperaturen macht. Aufgrund der extrem kompakten
Wärmezonen unter dem Feldverstärker hat man dort
Je nach Geometrie kann man sich das aber auch spa-
die positive Wirkung, dass schon Sekunden nach dem
ren. Wir betrachten jetzt dasselbe Blech wie im vorigen
Überstreichen eines Punktes die Temperatur dort unter
Versuch, aber von der Oberseite.
200°C abgefallen – und damit Streckgrenze und Elas-
tizitätsmodul wieder hergestellt sind.

Bei richtiger Anwendung – also schnellstmöglichem


Überstreichen – kommt es zur Eigendehnbehinderung
des Materials ohne die Notwendigkeit externer Maß-
nahmen.

Bild: Der Richtstrich von oben gesehen


4 Anwendungsbeispiele
Beim typischen Richtstrich, speziell wenn er mit der
Autogenflamme eingebracht wird, kommt es unwei-
gerlich dazu, dass die komplette Länge des Strichs 4.1 Minimalinvasives Richten von 8mm-Blech
gleichzeitig sehr heiß ist oder gar glüht.
(Als Link zu dem Video verwenden Sie bitte den weiter un-
ten abgedruckten QR-Code)
Die Folge: Das Bauteil kann sich kaum mehr gegen
die thermische Expansion der erhitzten Zone stem- Ausgangssituation ist ein nennenswerter Winkelver-
men – es kommt zum ‚Mitgehen‘, sofern man keine zug, in diesem Fall ausgelöst durch eine Tandemnaht
externe Dehnungsbehinderung vornimmt. auf der Unterseite des Blechs. Von dieser Schweißung
stammen auch die sichtbaren Anlauffarben!

8 DVS
Sie sehen nun wie der Induktor mit einem Feldverstär- 4.2 Richten von Straßenbahnschienen im Vergleich
ker der Breite 30mm in Querrichtung mit einer Ge-
schwindigkeit von 150cm/min über das Blech streift. Die Aufgabe: Ein gerades Straßenbahn-Schienenpro-
Dabei sieht man kein Glühen – durch den Richtvorgang fil muss die erforderliche, leichte Krümmung bekom-
verursachte Anlauffarben sind aufgrund der Oberflä- men, um dem Straßenverlauf einer leichten Kurve fol-
chenbeschaffenheit nicht erkennbar, aber vorhanden. gen zu können.

Der klassische Ansatz: Mit dem Autogenbrenner wer-


den z.B. jeweils in 1m Abstand übereinander liegende
Keile auf der Seite gesetzt, in deren Richtung die
Schiene sich verformen soll.

Eine äußere Dehnungsbehinderung ist dabei nicht üb-


lich.

Bild: Folgen Sie diesem QR-Code zu einem Video über einen


perfekten, minimalinvasiven Richtvorgang an einem 8mm-
Blech

Drei Hinweise zu diesem Beispiel:

1. Es werden unter dem Induktor jeweils ganz


kurz Temperaturen im Bereich von etwa 550-
600°C erreicht. Wenn man bei reduziertem Bild: Flammrichten des Straßenbahn-Schienenprofils zur Er-
Umgebungslicht unter den Induktor schaut, zielung eines leichten Bogens in Längsrichtung. Keile oben
sieht man ganz leichtes Aufglühen. und unten.
2. Sie sehen keine übliche Dehnungsbehinde-
rung wie z.B. Herunterspannen des Blechs. In solchen Fällen – ebenso beim Längs-Richten von
Diese würde hier tatsächlich kaum weitere Ver- Trägerprofilen wie HEA/HEB – geht man mit der Tiefe-
besserung bringen! Würde man mit der selben ninduktion anders vor.
Induktionstechnik ‚die Flamme nachmachen‘,
also das Blech wesentlich langsamer über-
streichen, so erhielte man gut sichtbar den ge-
wohnten Glutstrich. In dem Fall bräuchte man
die Dehnungsbehinderung, sonst hätte man
kaum Richteffekt!
3. Die Geschwindigkeit ist hier auf 150cm/min be-
schränkt, da man wegen der übergroßen
Breite der für den Verzug ursächlichen Tan-
demnaht mit dem Feldverstärker ‚quer zur
Fahrtrichtung‘ unterwegs ist. Bei Winkelverzug
durch eine einfache Kehlnaht ist man bei die-
sen Materialstärken normalerweise längs un-
terwegs und erreicht dann Geschwindigkeiten
im Bereich von 500cm/min!

Bild: Beim Richten mit Tiefeninduktion wird bei diesen Mate-


rialstärken nur einmal mit ca. 40-50 cm/min über die zu
schrumpfende Kante gewärmt. Anhand der Anlauffarben
kann man die Wirktiefe einschätzen.

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Im Prinzip haben wir mit der Tiefeninduktion hier die
Kombination aus verbesserter Eigendehnbehinderung
durch quasi automatisch abschnittsweises Wärmen,
Richten im idealen Temperaturbereich und natürlich
der wesentlich geringeren, eingebrachten Wärme-
menge. Die Wärmephase des minimalinvasiven Richt-
vorgangs mit Tiefeninduktion war hier in einem Drittel
der Zeit abgeschlossen, die das Flammrichten benötigt
hat.

Ein weiterer, positiver Effekt dieser Art zu richten ist


eine gleichmäßiger verteilte Verformung.

4.3 Überhöhen von Trägerprofilen

Kommt man zum Längsüberhöhen von Doppel-T-Trä-


gern der Reihen HEA / HEB / HEM (EN 10034) wird die
Streuung der Wirksamkeit des Richtens mit verhinder-
ter Ausdehnung noch extremer.

Bild: Im Hintergrund klassischer Keil mit Autogenflamme


(3mm Überhöhung) im Vordergrund schmaler Keil mit Tiefe-
ninduktion abschnittsweise (4mm)

Der letztendlich mit Abstand schnellste und wirksamste


Ansatz sah mit Tiefeninduktion so aus:

Bild: So bitte nicht! Die vollständige, gleichzeitige Wärmung


des Keils führt zu maximalem ‚Mitgehen‘ – und häufig genug
in der Praxis zur Nutzung extremer, nicht fachgerechter Tem- Bild: Mit Tiefeninduktion drei Striche rings um das obere
peraturen Herzstück – noch viel schneller und 6mm Überhöhung!

Das Schlimmste, was man tun kann, ist wie schon er-
wähnt die komplette und vollständige Erwärmung der 5 Literaturhinweise
angedachten Richtkeile.

Wie schon vorher gezeigt ist auch hier der Geheimtipp 1. DVS-Merkblatt 1145
‚nachmessen, wenn es am heißesten ist‘. Man stellt 2. DVS-Berichte Band 315 S. 537-546
schon nach wenigen Versuchen fest, dass nun wirklich 3. DER PRAKTIKER 10/2013 S. 496-498
alles besser ist, als den Keil gleichzeitig und ganz zu 4. DER PRAKTIKER 10/2015 S. 454-459
wärmen. 5. GSI: Schweissfachingenieurlehrgang Teil 3
Hauptgebiet 3 Kap. 3.02-2
Hier eine entsprechende Versuchsreihe: 6. GSI: Schweissfachingenieurlehrgang Teil 3
Hauptgebiet 4 Kap. 4.03
7. www.vauquadrat.com

Kontakt zum Autor:

E-Mail tv@vauquadrat.com

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