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Mittwoch, 11.

Dezember 2019 bündner woche | 45

Tier im Recht

Gieri Bolliger
SIND DIE
SCHRECKGERÄTE
ERLAUBT?
Eine Büwo-Leserin fragt: mässig in Angst versetzen. Dies gilt übri- stets die konkreten Umstände des Einzel-
«Mein Nachbar hat einen sehr gepflegten, gens nicht nur in Bezug auf Katzen, son- falls berücksichtigt werden. Zudem ist
üppigen Blumengarten. Er stört sich da- dern auch für Wildtiere wie Igel, Vögel nicht entscheidend, ob die Immission für
ran, dass meine Katze gelegentlich ihr Ge- oder Mäuse. Das Aufstellen solcher Geräte Sie als betroffene Person zu intensiv ist,
schäft in den fremden Blumenbeeten ver- im eigenen Garten ist somit gestattet, sondern, wie dies von einem Durch-
richtet. Nun hat er einen sogenannten wenn die Tiere dem Signal entkommen schnittsmenschen beurteilt würde. Da die
Katzenschreck in seinem Garten instal- oder ausweichen können. Ist dies nicht der meisten Menschen die hochfrequenten Si-
liert. Sind solche Geräte überhaupt erlaubt Fall und erleiden die Tiere Angst oder gar gnale dieser Geräte gar nicht wahrnehmen
und was kann ich dagegen unterneh- Schmerzen, macht man sich unter Um- können, ist es in der Praxis schwierig, er-
men?» ständen jedoch wegen Tierquälerei straf- folgreich dagegen zu klagen. Unter Um-
Der Experte antwortet: bar. So etwa wäre eine Installation im In- ständen kann es hilfreich sein, sich in der
«Katzenschreckgeräte funktionieren mit nern eines Gebäudes verboten, aus dem Nachbarschaft zusammenzuschliessen,
einem Infrarot-Sensor, einige zusätzlich die Tiere nicht flüchten können. um gegen störende Signale rechtlich vor-
mit einem Bewegungsmelder. Erkennt das Als erstes sollten Sie natürlich mit Ihrem zugehen.
Gerät den warmen Körper eines Lebewe- Nachbarn das Gespräch suchen und ihn Abschliessend ist anzumerken, dass tier-
sens, löst es Ultraschallgeräusche in einer darauf aufmerksam machen, dass solche schutzrechtlich unbedenkliche Abwehr-
für das Tier unangenehmen Frequenz aus. Geräte für Ihre Katze, aber auch für ande- massnahmen gegen unerwünschten Tier-
Dadurch sollen sich Katzen und andere re Tiere nicht unproblematisch sind. Führt besuch stets vorzuziehen sind. Effektive
unerwünschte Gäste entfernen und das dies nicht zum Erfolg, haben Sie als Nach- Mittel, um Katzen fernzuhalten, können
Gebiet künftig meiden. Gewisse Geräte lö- barin die Möglichkeit, zivilrechtlich gegen etwa Lavendel oder Kaffeesatz sein. Kat-
sen zudem einen LED-Blitz aus, der als op- den Einsatz des Katzenschreckgeräts vor- zen mögen diese starken Düfte in der Re-
tische Irritation zusätzlich zur Vergrämung zugehen. Dabei können Sie auf Beseiti- gel nicht, weshalb sie den Blumengarten
der Tiere beitragen soll. gung der Schädigung oder Schutz gegen dann möglicherweise meiden. Ebenfalls
Katzenschreckgeräte sind grundsätzlich drohenden Schaden sowie auf Schaden- unbedenklich ist der behutsame Einsatz
erlaubt, solange sie Tieren keine unver- ersatz klagen. von Wasser, um das Büsi zu verscheuchen.
hältnismässigen Schmerzen, Leiden oder Für die Beurteilung der erforderlichen Im Handel sind sogar Geräte erhältlich, die
andere Schäden zufügen oder sie über- Übermässigkeit einer Immission müssen Tiere – ähnlich wie der Katzenschreck –
durch einen Wasserstrahl aus dem Garten
vertreiben sollen.»
GIERI BOLLIGER, TIR

TIER IM RECHT (TIR)

Das Kompetenzzentrum zum Tier in


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info@tierimrecht.org
www.tierimrecht.org
Schreckgeräte sollen Katzen aus dem Garten vertreiben. Bild Pixabay

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