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66 PinG 02.18 Bretthauer Mobilität 4.0

PRIVACY TOPICS

Mobilität 4.0
Informationsrechtliche Herausforderungen und
­Restriktionen am Beispiel der Optimierung und
­Effektivitätssteigerung von Verkehrsflüssen
Der Autor ist wissen-
schaftlicher Mitarbeiter
bei Prof. Dr. Indra
­Spiecker gen. Döhmann, Dr. Sebastian Bretthauer
LL. M. an der Goethe-
DOI: 10.37307/j.2196-9817.2018.02.06

Universität Frankfurt
a. M. sowie Projektleiter Die Digitalisierung des Mobilitätssektors wird die Mobilität in den kommenden Jahren grundlegend
an der Forschungsstelle
Datenschutz ebenda. Er verändern. Wesentlich dazu wird die Aufbereitung und Analyse von großen Daten- und Informa­
ist dort u. a. in dem vom tionsbeständen beitragen. Ein umfassender Informationsaustausch zwischen den beteiligten
Bundesministerium für ­Mobilitätsakteuren wird den Straßenverkehr insgesamt effizienter und sicherer gestalten. Dieser
Verkehr und digitale In-
frastruktur (BMVI) geför-
beständige Informationsfluss erfordert einen informationsrechtlichen Rahmen, der die wesent-
derten Drittmittelprojekt lichen Grundentscheidungen und -wertungen trifft. Der Beitrag widmet sich diesen informations-
GaNEsHA tätig. Daneben rechtlichen Herausforderungen im Mobilitätssektor.
ist er wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Zentrum
für Angewandte Rechts-
wissenschaft (ZAR) am
Karlsruher Institut für
Technologie (KIT).
© Copyright Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2020 - (pingdigital.de) - 26.11.2020 - 11:59 - (ds)

I. Einleitung
Neuartige Mobilitätskonzepte, wie das aktuell besonders stark dis- stehen bereits jetzt schon Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung,
kutierte automatisierte Fahren1 oder die grundsätzliche Verbesse- die einen Datenaustausch auch mit unabhängigen Dritten er­
rung von Verkehrsflüssen, sind eine wesentliche Voraussetzung möglichen. So beziehen viele Navigationssysteme ihre aktuellen
von Mobilität 4.0.2 Dabei meint der Begriff in der Hauptsache die Verkehrsinformationen nicht mehr nur über den Rundfunk, son-
Digitalisierung des Mobilitätssektors,3 womit gleichzeitig hohe Er- dern sind über das Mobilfunknetz mit dem Internet verbunden.
wartungen, den Straßenverkehr künftig sicherer, effizienter und Das gilt ebenso für integrierte Smartphones, die auf ­Musik- oder
sauberer zu gestalten, verbunden sind.4 Das betrifft aber nicht Videostreamingdienste zugreifen.6 Künftig werden die Kommuni-
mehr nur das Auto als klassisches Transportmittel, sondern auch kations- und Informationsströme im Mobilitätssektor erheblich
andere Verkehrsmittel wie Busse, Bahnen, Schiffe, Flugzeuge und zunehmen.7 Ein umfassender Informationsaustausch wird nicht
Fahrräder, die wesentlich zur Optimierung und Effektivitätssteige- mehr nur zwischen den Verkehrsmitteln selbst sowie zwischen den
rung von Verkehrsflüssen beitragen können. Verkehrsmitteln und der Infrastruktur erfolgen, sondern vor allem
Zwar werden auch heutzutage noch immer vornehmlich Daten natürliche Personen als unabhängige Dritte mit einbeziehen.8
innerhalb des jeweiligen Verkehrsmittels verarbeitet,5 gleichwohl Diese können dann etwa Echtzeitdaten über Staus oder andere
Verkehrshindernisse (Baustellen, Zugausfälle oder Ver­spätungen)

1 Vgl. etwa Armbrüster, ZRP 2017, 83 ff.; Steiner, DAR 2017, 359 ff.; Kütük-
Markendorf, CR 2017, 349 ff.; König, NZV 2017, 123 ff.; Grünvogel, MDR
2017, 973 ff.; Franke, DAR 2016, 61 ff.; Schwartmann/Ohr, RDV 2015, 59 ff.
2 Soweit ersichtlich wurde der Begriff Mobilität 4.0 erstmals auf dem G7- 6 Weisser/Färber, MMR 2015, 506, 506 f.
Verkehrministertreffen in Frankfurt im September 2015 geprägt. 7 Zur drastischen Zunahme der Informationsflut vgl. etwa „Informationsflut
3 Vgl. auch Malleck/Mecklenbräuker, Elektrotechnik & Informationstechnik nimmt dramatisch zu“, abrufbar unter: https://www.heise.de/newsticker/
2015, S. 371 ff. meldung/Informationsflut-nimmt-dramatisch-zu-87629.html.
4 Vgl. G7 Verkehrsminister, Erklärung zum automatisierten und vernetzten 8 Bereits heute lassen sich Smartphones mit dem Auto verbinden und er-
Fahren v. 17. 09. 2015, abrufbar unter: http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/ möglichen so einen Informationsaustausch. Vgl. etwa „Fernsteuerung für
Anlage/VerkehrUndMobilitaet/2015/G7-erklaerung-zum-automatisierten- das Auto“, abrufbar unter: https://www.gruenderszene.de/allgemein/audi-
und-vernetzten-fahren.pdf?__blob=publicationFile, alle zitierten Links app-fernsteuerung-auto oder „BMW Connected: Neue App zum steuern
­wurden zuletzt abgerufen am 19. 11. 2017. von Fahrzeugfunktionen“, abrufbar unter: https://www.pocketnavigation.
5 Bönninger, DuD 2015, 388, 388. de/2016/07/bmw-connected-neue-app/.
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mitteilen. Bereits heute wird dieses Phänomen im M ­ obilitätssektor nicht mehr nur die allgemein zugänglichen Verkehrsinformatio-
als Car-to-X-Kommunikation (C2X) bezeichnet.9 nen analysiert, sondern darüber hinaus auch fahrzeugspezifische
Dieser umfangreiche Informationsaustausch zwischen den be- Informationen, Informationen der Infrastrukturbetreiber sowie
teiligten Akteuren erfordert einen Rechtsrahmen, der die Infor­ individual-bezogene Verkehrsinformationen integriert, die etwa
­
mationsströme regulatorisch erfasst, wobei gleichzeitig aber auch Personen mithilfe ihrer Smartphones teilen und verbreiten. Die
Informationsrestriktionen berücksichtigt werden müssen,10 da möglichen Anwendungsszenarien sind vielfältig. Künftig werden
auch heute schon ein grenzenloser Informationsfluss aufgrund eine Vielzahl verschiedener Akteure, die staatlich oder privat
bestehender rechtlicher Beschränkungen nicht möglich ist. Der ­organisiert sein können, unter- und miteinander kommunizieren,
vorliegende Beitrag widmet sich deshalb aus einer informations- große Daten- und Informationsmengen austauschen, verarbeiten
rechtlichen Perspektive den künftigen Herausforderungen im Mo- und analysieren sowie die neu generierten Informationen Dritten
bilitätssektor und erläutert diese am Beispiel der Optimierung und zur Verfügung stellen, um das Ziel eines optimierten Verkehrs
Effektivitätssteigerung von Verkehrsflüssen (II.), wobei auf die möglichst weitgehend und effektiv zu erreichen.
sich daraus ergebenden informationsrechtlichen Herausforderun-
gen und Restriktionen eingegangen wird (III.). Abgerundet wird
der Beitrag mit einem Fazit und Ausblick (IV.). III. Informationsrechtliche Herausforderungen und
Restriktionen
II. Optimierung und Effektivitätssteigerung von Die künftigen Konzepte im Bereich von Mobilität 4.0 stellen aus
Verkehrsflüssen einer rechtlichen Perspektive betrachtet insbesondere das Infor-
mationsrecht vor neue Herausforderungen.16 Ein einheitliches
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Ein wesentliches Anwendungsgebiet bei der Optimierung und ­Informationsrecht in Form eines Informationsgesetzbuches (IGB)
­Effektivitätssteigerung von Verkehrsflüssen besteht darin, Ver- existiert (bisher) nicht.17 Vielmehr kommt eine Vielzahl divergie-
kehrsströme vorhersehbar zu machen sowie Staus und Unfälle zu render Normen zur Anwendung, die mehr oder weniger stark aus-
vermeiden.11 Dafür wird auf die Echtzeit-Datenkommunikation geprägt informationsrechtliche Bezüge aufweisen und ihrerseits
zwischen den Fahrzeugen, zwischen den Fahrzeugen und der In- wiederum aber nur wenig bis gar nicht aufeinander abgestimmt
frastruktur sowie auf Informationen von Dritten zurückgegriffen. sind. Das Informationsrecht stellt deshalb ein Rechtsgebiet dar,
Durch einen effektiven Informationsaustausch können Verkehrs- welches sich nicht mehr ausschließlich dem öffentlichen Recht,
flüsse deutlich verbessert und optimiert werden, die Entstehung dem privaten Recht oder gar dem Strafrecht zuordnen lässt. Es
kritischer Situationen kann reduziert werden, das Handling mög- handelt sich um eine klassische Querschnittsmaterie.18 Da das In-
licher Szenarien kann optimiert werden, Fahrer können entlastet formationsrecht weit entfernt von einer geschlossenen Systematik
werden und sogar die Umwelt kann durch geringere Emissionen ist, bietet es sich an, den Informationsfluss, also die Abfolge der
geschont werden.12 Information(en) chronologisch von ihrer Ursprungsquelle bis zu
Grundlage dieser Optimierungs- und Effektivitätssteigerungs- ihrem Ziel, der rechtswissenschaftlichen Analyse zugrunde zu
­legen.19 Zunächst müssen Informationen generiert werden, bevor
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maßnahmen ist die Datenkommunikation und der Informations-


austausch zwischen den beteiligten Akteuren.13 So kann eine sie in einem zweiten Schritt verarbeitet und schließlich in einem
­optimierte und effektive Verarbeitung von Netz- und Verkehrs­ dritten Schritt verbreitet werden. Unter Berücksichtigung dieses
informationen14 dazu beitragen, dass Staus besser vorhergesagt – stark vereinfachten – Informationskreislaufs stellt das Informa-
und dementsprechend vermieden sowie gleichzeitig alternative tionsrecht die Gesamtheit der Rechtsnormen zur Informationsge-
Routen etwa dem Fahrer im PKW aufgezeigt werden.15 Dabei winnung, Informationsverarbeitung und Informationsverbreitung
müssen unterschiedliche Daten in die Informationsanalyse einflie- dar.20 Jeder einzelne dieser Informationsschritte muss mit recht-
ßen. Zwar sind derartige Vorhersagen bereits heute nicht mehr lichen Vorgaben im Einklang stehen. Dabei sind jedoch auch stets
neu, gleichwohl können durch die Auswertung immer größerer die den freien Informationsfluss begrenzenden rechtlichen Infor-
und unterschiedlichster Datenquellen und -mengen die Vorhersa- mationsrestriktionen zu berücksichtigen.21
gen wesentlich verbessert und optimiert werden. Es werden eben Der freie Fluss von Informationen ist für eine moderne In­
formations- und Wissensgesellschaft essentiell.22 Grundrechtlich
betrachtet wird die Informationsfreiheit – jedenfalls in Teilbe­

9 Weisser/Färber, MMR 2015, 506, 507.


10 Vgl. Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 4 Rn. 20 ff.
11 G7 Verkehrsminister, Erklärung zum automatisierten und vernetzten
­Fahren v. 17. 09. 2015, abrufbar unter: http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/ 16 Vgl. grundlegend zum Informationsrecht Bull, Informatik und Recht 1986,
Anlage/VerkehrUndMobilitaet/2015/G7-erklaerung-zum-automatisierten- S. 287 ff. sowie Sieber, NJW 1989, 2569 ff.
und-vernetzten-fahren.pdf?__blob=publicationFile; vgl. etwa auch 17 Zu den Vorschlägen für ein Informationsgesetzbuch vgl. Kloepfer, K&R
­Dallmeyer, Simulation des Straßenverkehrs in der Großstadt, 2014. 1999, 241 ff.; Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 1 Rn. 93 und § 4 Rn. 14;
12 So jedenfalls G7 Verkehrsminister, Erklärung zum automatisierten und Kröger, DuD 2003, 29, 34 f.; Sydow, NVwZ 2008, 481 ff.
­vernetzten Fahren v. 17. 09. 2015, abrufbar unter: http://www.bmvi.de/ 18 So bereits Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 682; ausführlich Kloepfer,
SharedDocs/DE/Anlage/VerkehrUndMobilitaet/2015/G7-erklaerung-zum-­ ­Informationsrecht, 2002.
automatisierten-und-vernetzten-fahren.pdf?__blob=publicationFile. 19 Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 683.
13 Zum Unterschied zwischen Daten und Informationen vgl. etwa Spiecker 20 Ähnlich Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 683, die auch noch die Folgen
gen. Döhmann, RW 2010, 247 ff. ­informationellen Handelns in den Informationskreislauf einbeziehen; ähnlich
14 Das meint etwa Echtzeit-Daten zur aktuellen Verkehrslage. auch Dreier, in: Bizer/Lutterbeck/Rieß (Hrsg.), Umbruch von Regelungs­
15 Einen solchen Ansatz verfolgt etwa das Forschungsprojekt GaNEsHA systemen in der Informationsgesellschaft – FG Büllesbach, 2002, S. 65, 71.
(Ganzheitlicher Netzwerkansatz zur Erkennung systemimmanenter 21 Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 3 Rn. 14 ff.
­Hindernisse und Abstimmungspotentiale), das vom Bundesministerium 22 Vgl. zum „Free Flow of Information“ Prinzhorn, Der Grundsatz des öffent-
für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen der Forschungs- lichen Zugangs zu amtlichen Dokumenten aus der Perspektive des interna-
initiative mFUND gefördert wird. Informationen abrufbar unter: https://­ tionalen Rechts, 2009, S. 60 ff. m. w. N.; Wein, UFITA 105 (1987), S. 137 ff.;
ganesha-mobility.de. Druey, Information als Gegenstand des Rechts, 1995, S. 86 ff.
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reichen – durch Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG gewährleistet,23 was jedoch geltende Europäische Datenschutzrichtlinie 95/46/EG ablöst
nicht grenzenlos garantiert ist, sondern Einschränkungen er- (vgl. Art. 94 Abs. 1 DSGVO). Durch sie wird unionsweit einheit­
fährt.24 Diese lassen sich insbesondere aus dem Recht auf in­ liches, identisches, in allen Mitgliedstaaten unabdingbar und
formationelle Selbstbestimmung (Art. 2 Abs. 1 GG i. V. m. Art. 1 ­gleichermaßen geltendes Recht gesetzt, sodass sich die Verord-
Abs. 1 GG) herleiten. Damit verknüpft sind sodann ganz grund­ nung als Instrument der Rechtsvereinheitlichung darstellt.31 Da
legende Fragen, wie sich das Recht auf informationelle Selbst­ die DSGVO allerdings zahlreiche Öffnungsklauseln enthält (vgl.
bestimmung in einer sich immer stärker werdenden digitalisierten etwa Art. 6 Abs. 2, 3 DSGVO)32 sowie keine Anwendung auf
Welt effektiv behaupten kann, um den Einzelnen vor der unbe- ­bestimmte Tätigkeitsbereiche findet (vgl. Art. 2 Abs. 2 DSGVO),
grenzten Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe ­erscheint das angestrebte Ziel einer Rechtsvereinheitlichung auf
seiner persönlichen Daten zu schützen.25 Das gilt dann im glei- europäischer Ebene mehr als fraglich.33 Der deutsche Gesetzgeber
chen Maße im Mobilitätssektor sowie ganz konkret bei der Opti- hat mit Verabschiedung des Bundesdatenschutzgesetz-neu34 re-
mierung und Effektivitätssteigerung von Verkehrsflüssen. Gleich- agiert und die ihm eingeräumten Handlungsspielräume umfas-
zeitig muss das Recht aber auch für neue Geschäftsmodelle und send genutzt und auch ausgenutzt.35
die Möglichkeiten, die Digitali­sierung im Bereich von Mobilität Bei der Optimierung sowie Effektivitätssteigerung von Verkehrs-
4.0 bietet, offen sein. Die ­Datenverarbeiter werden hier zuvorderst flüssen ist das Datenschutzrecht maßgeblich, sobald im Informati-
durch Art. 14 GG und Art. 12 GG geschützt.26 Auf einfachgesetz­ onskreislauf personenbezogene Daten erhoben, verarbeitet oder
licher Ebene stellen sich wiederum Fragen, die etwa die Ent­ verbreitet werden. Insbesondere die Auswertung individual-bezo-
wicklung von neuartigen Geschäftsmodellen, die Implementie- gener Verkehrsinformationen sowie die Integration von persön-
rung von Data-Governance-Richtlinien in Unternehmen27 sowie lichen Informationen natürlicher Personen rücken datenschutz-
mögliche Informationsrestriktionen betreffen. Diese Informations- rechtliche Vorgaben in den Fokus. Das Datenschutzrecht ist deshalb
DOI: 10.37307/j.2196-9817.2018.02.06

restriktionen schränken einen freien Informationszugang und eine bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte zu berücksichtigen.
freie Informationsverarbeitung und -verbreitung ein und haben Nur aufgrund einer rechtssicheren Basis können neue Konzepte
somit unmittelbare Auswirkungen auf die Ermöglichung und entwickelt werden, die sich dann auch als praxistauglich erweisen.
Realisierung der Optimierung und Effektivitätssteigerung von
­
Verkehrsflüssen. Damit hängt der Erfolg neuer Mobilitätskonzepte b) Weiteres Informationsrestriktionenrecht
wesentlich davon ab, dass ein effektiver Ausgleich zwischen In- Aber auch aus anderen Rechtsgebieten wie dem Urheberrecht,
formationsfreiheit und Informationsrestriktionen gefunden wird. ­Patentrecht, Wettbewerbsrecht, Kartellrecht, Strafrecht, Geheim-
nisschutzrecht, Telekommunikationsrecht oder Telemedienrecht
1. Allgemeine Informationsrestriktionen können Einschränkungen folgen, die in jeder Stufe des Informa­
Die generellen Informationsrestriktionen ergeben sich aus einer tionskreislaufs zu berücksichtigen sind.
Vielzahl divergierender Vorschriften, die alle Stufen des Informa- Das Urheberrecht, das auf die Idee des geistigen Eigentums und
tionskreislaufs betreffen.28 Eine besondere Rolle nimmt dabei das der Vorstellung eines Ausschließlichkeitsrechts an Informationen
Datenschutzrecht ein. zurückgeht, da es ohne ein derartiges Recht häufig nicht zur
­Generierung von (neuen) Informationen kommen würde,36 stellt
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a) Datenschutzrechtliche Informationsrestriktionen neben dem Datenschutz eine wesentliche Informationsrestriktion


Das Datenschutzrecht dient dem Schutz natürlicher Personen bei dar. Um einen schonenden Ausgleich zwischen dem freien Infor-
der Verarbeitung personenbezogener Daten.29 Als Informations­ mationsfluss und dem Schutz des Urheberrechts zu erreichen, ist
restriktionenrecht führt es dazu, dass ein prinzipiell freier und das Urheberrecht jedoch nur für eine gewisse Dauer (§ 64 UrhG)
ungehinderter Informationsfluss nicht möglich ist, da daten-
­ und mit zahlreichen Schranken (§§ 44a ff. UrhG) geschützt.37 Bei
schutzrechtliche Vorgaben bei der Verarbeitung personenbezoge- der Entwicklung und Bereitstellung moderner Mobilitätskonzepte
ner Daten grundsätzlich beachtet werden müssen. Grundrechtlich sind urheberrechtliche Beschränkungen des freien Informations-
betrachtet findet der Datenschutz sein rechtliches Fundament auf flusses stets in den Blick zu nehmen. Werden beim Datenverarbei-
europäischer Ebene in Art. 7, 8 GRCh sowie auf nationaler Ebene ter in einer Datenbank etwa Informationen von Dritten verarbei-
im Recht auf informationelle Selbstbestimmung30 aus Art. 2 Abs. 1 tet, um hieraus einen neuen Mehrwert zu generieren, der etwa der
i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG. Das maßgebliche europäische sekundär- Optimierung von Verkehrsflüssen dient, so muss geklärt werden,
rechtliche Regelungsinstrument wird die ab Mai 2018 geltende
­Europäische Datenschutz-Grundverordnung sein, die die bisher

31 Vedder, in: Vedder/Heintschel von Heinegg (Hrsg.), Europäisches Unions-


recht, Art. 288 AEUV Rn. 15; Albrecht/Jotzo, Das neue Datenschutzrecht der
23 Bethge, in: Sachs (Hrsg.), Grundgesetz, 7. Aufl. 2014, Art. 5 Rn. 51 ff.; EU, 2017, S. 47 ff.; Roßnagel, in: Roßnagel (Hrsg.), DSGVO, § 1 Rn. 4.
Schemmer, in: Epping/Hillgruber (Hrsg.), BeckOK Grundgesetz, 33. Edition, 32 Siehe auch Benecke/Wagner, DVBl 2016, 600 ff.
Art. 5 Rn. 23 ff.; Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 3 Rn. 14. 33 Kühling/Martini bezeichnen die DSGVO deshalb auch berechtigterweise als
24 Zum Spannungsverhältnis zwischen Restriktionen und dem freien Fluss „Handlungsformenhybrid“, vgl. Kühling/Martini, EuZW 2016, 448, 449.
von Informationen vgl. Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 3 Rn. 14 ff. 34 Gesetz zur Anpassung des Datenschutzrechts an die Verordnung (EU)
25 So bereits BVerfG, Urt. v. 15. 12. 1983 – Az. 1 BvR 209/83, 1 BvR 484/83, 2016/679 und zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/680 (Datenschutz-
1 BvR 420/83, 1 BvR 362/83, 1 BvR 269/83, 1 BvR 440/83 (Volkszählungs­ Anpassungs- und –Umsetzungsgesetz EU – DSAnpUG-EU) vom
urteil), BVerfGE 65, 1 (43). 30. Juni 2017, BGBl. 2017 I Nr. 44, S. 2097 ff.
26 Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 3 Rn. 13. 35 Die EU-Kommission äußerte sich deshalb auch kritisch zum BDSG-neu,
27 Vgl. etwa Otto, Wirtschaftsinformatik 2011, S. 235 ff.; Otto/Weber, in: Hilde- vgl. „EU-Kommission will Nachbesserung bei Umsetzung der EU-Daten-
brand/Gebauer/Hinrichs/Mielke (Hrsg.), Daten- und Informationsqualität, schutzverordnung“, abrufbar unter: https://www.haufe.de/compliance/
3. Aufl. 2015, S. 269 ff. recht-politik/nachbesserung-bei-umsetzung-der-eu-datenschutzverordnung_
28 Hierzu ausführlich unter III.1.b. 230132_410544.html.
29 Vgl. Art. 1 Abs. 1 DSGVO. 36 Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 6 Rn. 52; ausführlich Dreier, in: Dreier/
30 Siehe hierzu nur BVerfG, Urt. v. 15. 12. 1983 – Az. 1 BvR 209/83, 1 BvR Schulze (Hrsg.), Urheberrechtsgesetz, Einleitung Rn. 1 ff.; grundlegend etwa
484/83, 1 BvR 420/83, 1 BvR 362/83, 1 BvR 269/83, 1 BvR 440/83 Dreier, GRUR 1997, 859 ff.
(­Volkszählungsurteil), BVerfGE 65, 1. 37 Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 6 Rn. 52.
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welche Rechtspositionen dem Datenbankhersteller (ggf. auch dem tungsstufe im Rahmen der Entwicklung und Implemen­tierung von
Datenbankbetreiber) sowie den Dritten urheberrechtlich zuste- Mobilitätskonzepten zu berücksichtigen. Schließlich können auch
hen.38 Hier ist insbesondere an die Einräumung von Nutzungs- das Telekommunikationsrecht sowie das Telemedienrecht tangiert
rechten (§§ 31 ff. UrhG) oder das Eingreifen besonderer Schranken sein.46 Das Telekommunikationsrecht, das durch das Fernmelde­
des Urheberrechts (§§ 44a ff. UrhG) zu denken. geheimnis (Art. 10 GG) abgesichert wird, hat gleichzeitig die tech-
Das Patentrecht, kann dann tangiert sein, wenn die Frage nach nische Absicherung des Fernmeldegeheimnisses zum Ziel, sodass
der Patentierbarkeit eines neu entwickelten Computerprogramms Unbefugten der Zugriff auf relevanten Daten nicht ermöglicht
im Rahmen einer neuartigen Mobilitätsapp zu beantworten ist.39 wird.47 Schließlich kommt das Telemedienrecht zur Anwendung,
Werden im Kontext der Verbesserung von Verkehrsflüssen die neu sofern sich etwa die Bereitstellung einer Mobi­litätsapp als Infor-
generierten ­Informationen per Smartphone-App zur Verfügung mations- oder Kommunikationsdienst (vgl. § 1 Abs. 1 TMG) dar-
gestellt, so werden derartige Fragen virulent. stellt.48 Aus diesen allgemeinen informationsrechtlichen Restrikti-
Das Wettbewerbsrecht wie­derum dient dem Schutz von Mit­ onen ergeben sich bei jedem Schritt der Informationsverarbeitung
bewerbern, Verbrauchern und sonstigen Marktteilnehmern vor ganz konkrete Informationsrestriktionen, die bei neuartigen Mo-
unlauteren geschäftlichen Handlungen (§ 1 UWG). Werden neue bilitätskonzepten zu berücksichtigen sind.
Produkte wie Mobilitätsapps beworben, so darf die damit ver­
bundene Werbemaßnahme keine unzumutbare Belästigung (vgl. 2. Informationsrestriktionen bei der Informationsgenerierung
§ 7 UWG) darstellen.40 Die Bewerbung ist indes notwendig, um Die erste Stufe der Informationsgenerierung bzw. -gewinnung be-
neue Mobilitätskonzepte überhaupt erst flächendeckend bekannt zieht sich auf die Erzeugung und Gewinnung von Informatio-
zu machen. Ebenso ist das Verbot des Verrats von Geschäfts- und nen.49 Sie ist Grundlage für die Optimierung und Effektivitäts­
Betriebsgeheimnissen (§ 17 UWG) zu beachten.41 Neue Mobilitäts- steigerung von künftigen Mobilitätsszenarien. Dabei können die
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konzepte und deren Umsetzung sind darauf angewiesen, dass die Informationen ihren Ursprung im öffentlichen oder privaten Sek-
im Rahmen des Informationskreislaufs anfallenden Daten häufig tor haben. Es können allgemein zugängliche Informationsquellen,
ver­trauensvoll behandelt und eben nicht offenbart werden. Das Auskunfts- und Akteneinsichtsrechte oder auch freiwillige An­
gilt in besonderem Maße für von P ­ ersonen zur Verfügung gestellte gaben in Betracht kommen, die dann als Informationsgrundlage
Informationen. dienen.
Ebenso kann das Kartellrecht bei der Entwicklung und Imple- Im öffentlichen Sektor hat das Informationsrecht überwiegend
mentierung moderner Mobilitätskonzepte betroffen sein, wenn es Niederschlag auf dem Gebiet der Informationszugangsfreiheit
um die kartellrecht­liche Bewertung privater technischer Standard- ­gefunden.50 Exemplarisch steht hierfür das seit 2006 geltende
setzungen geht.42 Es zielt dabei insbesondere auf die Schnittstelle ­Informationsfreiheitsgesetz des Bundes (IFG), das ein subjektiv-
zwischen der R ­ egulierung informationeller bzw. kommunikativer öffentliches Jedermannsrecht auf Zugang zu Bundesinforma­
Vorgänge sowie technischer Phänomene durch staatlich gesetztes tionen begründet.51 Parallel hierzu existieren die Informations­
Recht einerseits und der Selbstregulierung durch Private anderer- freiheitsgesetze der Länder.52 Der Schwerpunkt der rechtlichen
seits ab.43 Die Setzung technischer Standards spielt in jedem Infor- Regulierung liegt dabei auf der grundsätzlichen Zugänglich­
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mationsverarbeitungsschritt eine wichtige Rolle. Ebenso können machung von Informationen, die bei informationspflichtigen
sich aus strafrechtlichen Vorschriften Informationsrestriktionen öffentlichen Stellen vorhanden sind. Vergleichbare Regelungen
­
ergeben.44 Hier sind insbesondere die Geheimnisverratsdelikte zu ent­halten aber auch das Umweltinformationsgesetz (UIG), das
berücksichtigen, die im Rahmen der Informationsverarbeitung Verbraucherinformationsgesetz (VIG) oder das Geodatenzugangs-
zum Tragen kommen können. Daneben kann etwa das Ausspähen gesetz (GeoZG). Ebenso können Vorschriften aus dem Register-
von Daten (§ 202a StGB), die Datenveränderung (§ 303a StGB) recht53 oder Archivrecht54 in Betracht kommen.55 Dabei ist für den
oder Daten­sabotage (§ 303b StGB) tangiert sein, sofern von Unbe- öffentlichen Bereich der freie Informationsfluss grundsätzlich
fugten in den Informationskreislauf eingegriffen wird. Schließlich oberste Priorität, Informationsrestriktionen zum Schutz öffent-
werden auch die Inhalte der Telekommunikation geschützt (§ 206 licher Belange und privater Interessen fungieren lediglich als Aus-
StGB). Stellt sich die Informationsübermittlung im Informations- nahmen.56
kreislauf als Telekommunikation heraus, ist dies entsprechend zu
berücksichtigen.
Weitere Informationsrestriktionen können aus dem Geheimnis-
schutzrecht folgen, das gegenüber dem Datenschutzrecht weiter
gefasst ist, da hiervon auch nicht-personenbezogene Daten erfasst
werden.45 Der Geheimnisschutz ist in jeder Informationsverarbei-
46 In Betracht kommt ebenfalls die mögliche E-Privacy-VO. Hierzu kritisch der
Bitkom, abrufbar unter: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/
E-Privacy-Verordnung-gefaehrdet-digitale-Innovationen.html.
47 Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 11 Rn. 238.
38 Vgl. dazu etwa Wiebe, CR 2014, 1 ff.; Schmidt/Zech, CR 2017, 417 ff.; 48 Vgl. Selent, DSB 2013, 40 ff.
Wiebe, GRUR 2017, 338 ff.; Wandtke, MMR 2017, 6 ff. 49 Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 683.
39 Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 6 Rn. 53, 69 ff.; Kamlah, CR 2010, 50 Schoch, IFG, 2. Aufl. 2016, Einleitung Rn. 1 m. w. N.; vgl. zur Entwicklung
485 ff.; Wiebe, CR 2004, 881 ff. der Informationsfreiheit auf Europäischer Ebene Kröger, DuD 2003, 29 ff.
40 Vgl. dazu Köhler, WRP 2017, 1025 ff.; Groh, GRUR 2015, 551 ff.; Eckhardt/ 51 Schmitz/Jastrow, NVwZ 2005, 984, 986.
Rheingans, ZD 2013, 318 ff. 52 Informationsfreiheitsgesetze existieren allerdings bisher nicht in Nieder-
41 Vgl. Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 7 Rn. 49; Sievers, PinG 2015, 79 ff. sachsen, Sachsen, Hessen und Bayern. Vgl. hierzu auch Schoch, IFG,
42 Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 6 Rn. 115 und § 4 Rn. 78 ff.; Körber, 2. Aufl. 2016, Einleitung Rn. 202 ff.
WuW 2015, 120 ff. 53 Beispielsweise § 79 BGB für das Vereinsregister, § 1563 BGB für das Güter-
43 Ausführlich dazu Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 4 Rn. 78 ff. rechtsregister, § 22 für das Register für eingetragene Designs oder § 8 V 1
44 Ausführlich dazu Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 7 Rn. 1 ff. GebMG für das Gebrauchsmusterregister.
45 So auch Kloepfer, Informationsrecht, 2002, § 9 Rn. 4; vgl. zum Geheimnis- 54 Beispielsweise § 5 BArchG für das Bundesarchivgesetz.
schutzrecht nur Sydow, Verw 38 (2005), 35 ff.; Zilkens, RDV 2011, 180 ff.; 55 Schoch, IFG, 2. Aufl. 2016, Einleitung Rn. 28 ff.
Ann, GRURPrax 2016, 465 ff. 56 Schoch, IFG, 2. Aufl. 2016, Einleitung Rn. 4; Kloepfer, DÖV 2003, 221, 223 f.
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70 PinG 02.18 Bretthauer Mobilität 4.0

Im privaten Sektor gibt es ein vergleichbares allgemeines In­ – hängt maßgeblich vom einzuhaltenden Rechtsrahmen ab. Sollen
formationszugangsrecht nicht.57 Die umfassende Normierung Daten aus dem öffentlichen Bereich herangezogen werden, so
­informationsrechtlicher Ansprüche erfordert hier ein aktives ge- können die Informationsfreiheitsgesetze sowie der Allgemeinheit
setzgeberisches Handeln.58 Oftmals sind aber Transparenzgebote öffentlich zugänglich gemachte Daten die Basis bilden. Schwieri-
bereichsspezifisch59 geregelt oder bestehen aufgrund individueller ger gestaltet sich die Informationsgenerierung im privaten Sektor,
Informationsansprüche. Schwach ausgeprägt sind dagegen Aus- da hier oftmals zunächst individual-vertragliche Abreden not-
kunftsansprüche zwischen Privatpersonen.60 Einen allgemeinen wendig sind, um Informationen zu generieren.
Anspruch zu gespeicherten personenbezogenen Daten normieren Dieser prinzipielle Informationszugang ist weder im öffent-
§ 34 BDSG-alt und Art. 15 DSGVO. Ferner lassen sich Informati- lichen noch im privaten Sektor grenzenlos gewährleistet, da er
onsansprüche auch aus individual-vertraglichen Abreden herlei- durch verschiedene Informationsrestriktionen beschränkt wird.63
ten. Diese müssen dann aber zwischen den Parteien ausgehandelt Eine zentrale Rolle spielen dabei insbesondere das Geheimnis-
­werden, was sich nicht nur in Zwei­personenverhältnissen, son- und Datenschutzrecht64 sowie das Urheberrecht. Bereits im Rah-
dern insbesondere in Mehrpersonenverhältnissen als besonders men der Informationsgenerierung müssen bei neuen Mobilitäts-
schwierig erweist. anwendungen die rechtlichen Informationsgrenzen beachtet
Als Datengrundlage für die Optimierung und Effektivitätsstei- werden. Bereits auf der ersten Stufe des Informationskreislaufs
gerung von Mobilitätskonzepten kommen Daten aus öffentlichen führen zu enge Restriktionen jedenfalls dazu, dass neue Anwen-
sowie privaten Quellen in Betracht. Die Zugänglichmachung der dungen verhindert bzw. erschwert werden. Die Optimierung und
Daten zur Informationsgenerierung aus öffentlichen Quellen kann Effektivitätssteigerung von Mobilitätsanwendungen hängt folg-
über besonders normierte Rechte, die mittels spezifischer Informa- lich von der grundsätzlichen Zugänglichkeit von Informationen
tionszugangsrechte geltend gemacht werden, oder aus allgemein ab.
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öffentlich zugänglichen Quellen, erfolgen. Ein Beispiel für die


Zurverfügungstellung von Daten im Mobilitätssektor ist etwa die 3. Informationsrestriktionen bei der Informationsverarbeitung
vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Die Informationsverarbeitung als zweiter Schritt des Informati-
(BMVI) zur Verfügung gestellte „mcloud“.61 Dabei handelt es sich onskreislaufs nimmt die Speicherung, Nutzung und Veränderung
um eine Rechercheplattform zu offenen Daten aus dem Bereich von Informationen in den Blick.65 Auch hier gilt, dass die Ver­
Mobilität, sodass ein direkter Zugang zu diesen Daten für jeder- arbeitung sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich
mann möglich ist. Daneben halten Behörden und (kommunale) ­erfolgen kann. Im öffentlichen Bereich treten oftmals besondere
Verwaltungen oftmals auch umfangreiche weitere interessante Pflichten bei der Informationsverarbeitung hinzu, die beispiels-
Datensätze zur Optimierung von Verkehrsflüssen vorrätig.62 In weise nach Maßgabe des Archivrechts, Registerrechts oder Statis-
praktischer Hinsicht existieren dabei jedoch viele Unwägbarkei- tikrechts zu berücksichtigen sind.66 Im privaten Bereich ist die
ten, die für die Informationsgenerierung für datenverarbeitende ­Datenverarbeitung grundsätzlich freier, da zunächst das Bestim-
Unternehmen große Herausforderungen darstellen. So fehlen klare mungsrecht des „Informationsbesitzers“ gilt.67 Dieses kann gleich-
Zuständigkeits- und Verantwortungsbereiche, sodass oftmals un- wohl ebenfalls besonderen Einschränkungen unterworfen sein.68
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klar ist, wer welche Daten überhaupt vorrätig hat und ob diese Mögliche Anforderungen können beispielsweise dem IT-Sicher-
Daten dann auch herausgegeben werden dürfen. Eine Beschleuni- heitsrecht entwachsen, wenn Akteure verpflichtet werden, an­
gung dieser Prozesse ist deshalb dringend angezeigt. Daneben gemessene organisatorische und technische Vorkehrungen zur
werden künftig vor allem aber auch Daten von Privatpersonen Vermeidung von Störungen der Verfügbarkeit, Integrität, Authen-
eine besondere Bedeutung erhalten, wenn die Optimierung und tizität und Vertraulichkeit von informationstechnischen Syste-
Effizienzsteigerung von Mobilitätskonzepten erreicht werden soll. men, Komponenten und Prozessen zu treffen.69 Möglicherweise
Von Privatpersonen veröffentlichte Daten auf sozialen Plattfor- sind bei der Informationsverarbeitung auch Regelungen zu be-
men wie Facebook oder Twitter können bei der Analyse besonders rücksichtigen, die als „allgemein anerkannte Regeln der Technik“,
bedeutsam sein, da diese Informationen einen hohen Aktualitäts- „Stand der Technik“70 oder sogar dem „Stand von Wissenschaft
grad aufweisen. Präzise Aussagen über mögliche Staus oder und Technik“ entsprechen müssen.71
­andere Verkehrsbeeinträchtigungen sind ohne weiteres denkbar. Überwiegend wird künftig ein Großteil der Informationsver­
Gleichzeitig bestehen aber auch Gefahren der Verfälschung oder arbeitung durch private Akteure stattfinden, da diese oftmals über
Unrichtigkeit von Daten, denen wirksam und effektiv vorgebeugt größere Ressourcen und mehr Flexibilität verfügen. Dieser Befund
und entgegengetreten werden muss. Die Informationsgewinnung wird bereits heute deutlich, wenn vermehrt staatliche Stellen ihre
dieser Daten – sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor Dienste auf private Anbieter auslagern oder sich derer zur Auf­
gabenerfüllung bedienen.72 Im Bereich von innovativen Mobi­

57 Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 684; Oftmals bestehen Informationszu-


gangsrechte über die besonderen Informationszugangsgesetze, sofern sich 63 Vgl. auch Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 684 f.; grundlegend Kloepfer,
der Staat Unternehmen in Privatrechtsform zur Erfüllung seiner Aufgaben Informationsrecht, 2002, § 1 Rn. 70, § 3 Rn. 14 und 20 ff., § 4 Rn. 20 ff., § 6
bedient, vgl. nur Dörr, Informationsansprüche gegenüber dem Staat zuzu- Rn. 52 und § 8 Rn. 16.
rechnenden Unternehmen, 2015. 64 Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 684 f.; ausführlich auch Kloepfer, DÖV
58 Kloepfer, DÖV 2003, 221, 223. 2003, 221, 224 ff.; siehe auch Benecke/Spiecker gen. Döhmann, JZ 2015,
59 Im Verbraucherschutzrecht normiert etwa § 312 d BGB Informationspflich- 1018 ff.
ten bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und bei 65 Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 683.
Fernabsatzverträgen. § 312i Abs. 1 BGB normiert Informationspflichten im 66 Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 683 m. w. N.
elektronischen Geschäftsverkehr. Weitere Informationspflichten finden sich 67 So bereits Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 683.
beispielsweise in §§ 491a, 630c oder 675a BGB. 68 Vgl. dazu unter III.2.
60 Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 684. 69 Vgl. § 8a BSI-Gesetz.
61 Abrufbar unter: https://www.mcloud.de/. 70 Vgl. etwa ErwG. 91 DSGVO und § 64 Abs. 3 S. 2 BDSG-neu.
62 Beispielsweise sogenannte „Störhalt-Daten“, die anzeigen, wann ein Bus 71 Grundlegend hierzu Seibel, NJW 2013, 3000 ff.
von der „optimalen“ Zeitachse seiner Linie abweicht. 72 Zu denken ist hier etwa an das „Outsourcing“ kommunaler Aufgaben.
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Mobilität 4.0 Bretthauer   inG 02.18 71


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litätsanwendungen werden private Anbieter verstärkt den Markt -verbreitung einen regulatorischen Rechtsrahmen. Eine hierfür
bestimmen. Allerdings unterliegen sie dabei rechtlichen Bindun- wünschenswerte umfassende Informationsordnung – etwa ähn-
gen. Vergleichbar wie bei der Informationsgenerierung können lich dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) als zentrale Kodifikation
sich hier rechtliche Schranken zuvorderst aus dem Geheimnis- des deutschen allgemeinen Privatrechts – existiert allerdings
und Datenschutzrecht ergeben. Aber auch das Informationssicher- (­bisher) nicht. Vielmehr sind viele divergierende und nur rein
heitsrecht, dass den sicheren Umgang mit Daten näher spezifiziert, punktuell und fragmentarisch normierte Regelungen zu berück-
wird eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Schließlich können sichtigen, die mehr oder weniger informationsrechtliche Bezüge
auch individual-vertragliche Abreden zur Geltung kommen, wenn aufweisen. Ein zentrales Informationsgesetzbuch, das die infor-
etwa eine Datenverarbeitung nur unter eingeschränkten Bedin- mationsrechtlichen Grundlagen und einen damit verbundenen
gungen möglich ist oder eine Datenverarbeitung nur für eine be- allgemeinen ordnungsrechtlichen Rahmen normiert, könnte hier
stimmte Art und Weise vereinbart wurde. Auch hier sind im Rah- neue Impulse setzen sowie zu mehr Rechtssicherheit beitragen.
men von Mobilitätsanwendungen die wesentlichen Vorschriften Auf der Stufe der Informationsgenerierung ist im öffentlichen
zu berücksichtigen. Sektor mit den Informationsfreiheitsgesetzen ein erster wichtiger
Schritt hin zu einem ordnungspolitischen Rahmen normiert. In-
4. Informationsrestriktionen bei der Informationsverbreitung formationen in privaten Händen werden vom Informationszu-
Schließlich umfasst die Informationsverbreitung sowohl die indi- gangsrecht hingegen nicht erfasst und sind deshalb selbst bei be-
vidualbezogene Übermittlung von Informationen als auch das an sonders großem öffentlichem Interesse dem Zugriff der Bürger
die Allgemeinheit gerichtete informationelle Handeln des Staates entzogen. Deshalb sollte erwogen werden, ob die Informationszu-
sowie Privater.73 Die fortschreitende Digitalisierung ermöglicht, gangsfreiheit nicht nur für staatliche Stellen gilt, sondern auch
dass Informationen nicht mehr nur über klassische Medien wie auf den privaten Sektor zu erweitern ist.75 Da das Zivilrecht einen
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Zeitung, Radio oder Fernsehen verbreitet werden, sondern ins­ essentiellen Teil des Informationsrechts darstellt, sollte die Kon-
besondere das Internet. Die stetig voranschreitende Vernetzung74 zeption privater Ausschließlichkeitsrechte auf Dauer im Informa­
ermöglicht eine immer schnellere Informationsverbreitung sowie tionsrecht überdacht werden. Ebenso kann auch bei der Informa­
einen immer größeren Informationsverbreitungsradius. Gleich- tionsverarbeitung und -verbreitung nicht von einem einheitlichen
wohl erfolgt die Informationsverbreitung auch hier nicht schran- Informationsrecht gesprochen werden. Vielmehr sind auch hier
kenlos. In Betracht kommen wiederum vor allem vertragsrecht­ eine Reihe unterschiedlichster Normen zu berücksichtigen, wobei
liche, datenschutzrechtliche sowie urheberrechtliche Normen, die insbesondere das Datenschutz- sowie das Urheberrecht von be-
eine grenzenlose Informationsverbreitung restringieren. So recht- sonderer Bedeutung sind.
lich zulässig wie die Informationsgenerierung und -verarbeitung Die zunehmende Vernetzung im Mobilitätsbereich sowie damit
in künftigen Mobilitätsanwendungen auch sein mögen, so recht- verbundene neuartige Mobilitätskonzepte führen zu einer immer
lich kritisch bleibt die sich anschließende Informationsverbrei- umfangreicheren Auswertung und Analyse von großen Daten­
tung. Auch diese rechtlichen Grenzen sind stets mitzudenken. beständen und Informationen, die aus unterschiedlichen Quellen
stammen. Damit wird das Informationsrecht auch im Mobilitäts-
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sektor vor neue Herausforderungen gestellt. Die bisher nur frag-


IV. Fazit & Ausblick mentarisch normierten Vorgaben und die damit einhergehende
rechtliche Zerfaserung führen immer nur zu punktuellen Lösungs-
Neuartige Mobilitätskonzepte, wie sie die Optimierung und Effek- konzepten. Hier wird künftig eine umfassende Informations­
tivitätssteigerung von Verkehrsflüssen darstellen, bedingen die ordnung ansetzen müssen, die die informationsrechtlichen Heraus-
Auswertung umfangreicher Informationen. Informationsrechtlich forderungen zu bewältigen vermag.76 Deshalb sind neue innova-
erfordern die verschiedenen Stufen des Informationskreislaufs tive informationsrechtliche Konzept wünschenswert, die sich aber
von der Informationsgenerierung über die -verarbeitung sowie die nicht nur ausschließlich auf den Mobilitätssektor beschränken.

73 Petersen/Schoch, JURA 2005, 681, 683.


74 Vgl. etwa zum Internet der Dinge Heun/Assion, CR 2015, 812 ff.; 75 So etwa bereits Kloepfer, DÖV 2003, 221, 230.
­Stiemerling, CR 2015, 762 ff.; Sosnitza, CR 2016, 764 ff. 76 Kritisch Druey, Information als Gegenstand des Rechts, 1995, S. 106 ff.
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