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Widerstandspunktschweißen
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1. Einführung
Die Stoffwiderstände
R1 der Elektroden können
vernachlässigt werden
R3 Fel
R6
R5
R7
R4
Fel
Aufgrund der Größenordnungen der Widerstände muss die Bildung der Schweißlinse in der
Fügeebene (Kontaktwiderstand R5) beginnen. Höhere Stoffwiderstände der Bleche begünsti-
gen den Aufschmelzvorgang. Während des Schweißens ändern sich allerdings die Widerstän-
de, siehe Bild 2:
Bild 2:
Qualitativer Verlauf der
Widerstände während des
Schweißens
*Stahlblech
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- Die sich zu Beginn der Schweißung rasch verändernden Kontaktflächen bewirken einen
schnellen Abfall der Kontaktwiderstände. Mit Bildung der Schweißlinse, siehe auch Bild 3,
verschwindet der Kontaktwiderstand zwischen den Blechen. Der Stoffwiderstand der Bleche
steigt im Verlauf der Schweißung von einem niedrigen Wert auf einen Maximalwert oberhalb
der Schmelztemperatur an. Die Überlagerung der Teilwiderstände ergibt den Verlauf des
Gesamtwiderstands.
- Bei Metallen mit guter elektrischer Leitfähigkeit, wie z.B. Aluminium, fällt der Widerstand
deutlich ab.
In Bild 3 ist der Ablauf einer Widerstandpunktschweißung mit Wechselstrom dargestellt. Zustel-
lung der Elektroden, Aufbringen der Elektrodenkraft, Ablauf der Vorhaltezeit, Hinzuschalten
des Schweißstroms, Aufrechterhalten der Nachhaltezeit, sowie Rücknahme der Elektrodenkraft
und Abheben der Elektroden erfolgen zeitgesteuert.
Werkstoffbedingte Einflussfaktoren
Davon wirken sich die in der Tabelle 1 aufgeführten physikalische Größen und die Oberflä-
chenbeschaffenheit am nachhaltigsten aus.
Stahl, unleg. ca. 0,13 ca. 7,7 ca. 0,5 ca. 1500 ca. 1,7
Stahl, leg. ca. 0,25 ca. 4,0 ca. 0,2 ca. 1400 ca. 8,9
Al 99,8 0,028 36 2,2 660 0,19
Al Mg 3 0,048 21 1,45 635 0,52
Kupfer 0,018 56 3,93 1083 0,042
Messing (Cu+Zn) 0,07 14 1,17 925 0,66
Bewertung:
- elektrische Leitfähigkeit höher: Stoffwiderstände der Bleche tragen weniger zur Wider-
standerwärmung bei
- Wärmeleitfähigkeit höher: durch Widerstanderwärmung erzeugte Wärme wird schnel-
ler über Wärmeleitung abgeführt
- Schmelztemperatur höher: zum Aufschmelzen muß mehr Energie zugeführt werden
Die elektrische Leitfähigkeit, die Wärmeleitfähigkeit und die Schmelztemperatur können zur Be-
rechnung eines Schweißfaktors S mit Hilfe einer empirischen Formel verwendet werden. Werte
kleiner als etwa S = 0,4 stehen dabei für weniger schweißgeeignete Werkstoffe. Diese Werk-
stoffe erfordern i.A. höhere Schweißströme verbunden mit kürzeren Schweißzeiten und i.d.R.
höhere Elektrodenkräfte, siehe auch nachfolgende Erläuterungen zu den Schweißparametern.
Bei unsachgemäßem Transport und unsachgemäßer Lagerung kann die Oberfläche durch
Óxido Rost, Schmutz und Staub belegt sein. Örtliche Unterschiede der Kontaktwiderstände beeinflus-
sen die Punktschweißeignung dann nachhaltig und es treten Schwankungen in der Qualität der
Schweißpunkte auf. Ebenso unterliegen die Kontaktverhältnisse Schwankungen bei unter-
schiedlichen Oberflächenrauhigkeiten. Im Sinne einer möglichst gleichbleibenden Punktqualität
sind daher allgemein gleichmäßig beschaffene Oberflächen frei von Verunreinigungen und
Ablagerungen erforderlich.
Die Oxidschichten verschiedener Metalle sind elektrisch schlecht leitend und besitzen z.T. ei-
nen deutlich höheren Schmelzpunkt als das Grundmetall. Dies gilt insbesondere für Aluminium-
legierungen. Daher sind die Kontaktwiderstände (R3, R4) relativ hoch, was zu einer beträchtli-
chen Widerstanderwärmung zwischen Elektroden und Blechen führt. Zum Durchbrechen der
Oxidhaut sind zudem höhere Elektrodenkräfte zweckmäßig. Dies führt zusammengefaßt zu
intensiverem Anlegieren von Al an den Elektroden, Abnutzung der Elektrodenarbeitsflächen,
Ankleben der Elektroden an den Blechen und als Folge dessen zu geringeren Elektroden-
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standmengen (Anzahl der Schweißpunkte, die bei vorgegebener Qualität mit einem Elektroden-
paar geschweißt werden können).
Zur Verbesserung der Korrosionsstabilität werden zunehmend oberflächenveredelte Feinbleche
verarbeitet, insbesondere elektrolytisch oder schmelztauchbeschichtete (feuerverzinkte u.a.)
Stahlfeinbleche. Hinzu kommen elektrolytisch oder schmelztauchbeschichtete Bleche mit Phos-
phatschichten (Zweck: Erniedrigung der Reibung zwischen Werkzeug und Blech beim Umfor-
men), sowie metallische Beschichtungen mit zusätzlichen organischen Überzügen, d.h., mit
sogenannten schweißbaren Korrosionsschutzprimern, die auch als organische Dünnfilmbe-
schichtungen bezeichnet werden und die vorzugsweise für den Einsatz im Karosseriebau be-
stimmt, siehe Bild 4.
I Stahlblech unbeschichtet
a) „weiche“ Stähle: DC01... DC06
b) höherfeste Stähle: H 180 B, u.a.
II * Stahlbleche feuerverzinkt
a) „weiche“ Stähle: DX51D +Z ... DX56D06 +Z
b) höherfeste Stähle: H 180 BD +Z, u.a.
Schweißparameter
Die Auswahl und Einstellung der in Bild 3 aufgeführten Schweißparameter Elektrodenkraft,
Vorhaltezeit, Schweißzeit, Nachhaltezeit und Schweißstrom an der Schweißmaschine erfolgt
allgemein in Abhängigkeit von der jeweiligen Schweißaufgabe, d.h. in Abhängigkeit
- von den zu schweißenden Grundwerkstoffen,
- von den Blechdicken,
- von möglichen Beschichtungen (Zinkbeschichtung u.a.),
- von den verlangten mechanisch-technologischen Eigenschaften der punktgeschweißten
Verbindungen.
Neben den Schweißparametern bestimmt die Elektrodenform maßgeblich das Schweißergeb-
nis. Zur Auswahl der Schweißparameter kann auf umfangreiche Erfahrungswerte aus der Pra-
xis zurückgegriffen werden, die u.a. in Merkblättern des Deutschen Verbandes für Schweiß-
technik zusammengestellt sind [1–4]. In der Tabelle 3 sind Anhaltswerte für unbeschichtete und
verzinkte Stahlfeinbleche, sowie für Aluminiumbleche aufgeführt.
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Einstellbereiche
Ausgehend von derartigen Anhaltswerten können Einstellbereiche für den Schweißstrom, der
maßgeblichen Einflussgröße, ermittelt werden. Ausreichende Einstellbereiche sind erforderlich,
um unter Praxisbedingungen reproduzierbare Schweißpunktqualität zu gewährleisten.
Der Einstellbereich ist definiert als der Abstand zwischen dem Maximalstrom, bei dem
Schweißspritzer auftreten, und dem Minimalstrom, bei dem ein festgelegter Mindestpunktdurch-
messer noch erreicht wird, siehe Bild 5.
Der Schweißstrombereich wird in der Regel für unterschiedliche Elektrodenkräfte und / oder für
unterschiedliche Schweißzeiten ermittelt, siehe Bilder 6 und 7.
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2. Versuche
Zur Beurteilung der oberflächenbedingten Einflüsse auf die Schweißeignung von Stahl- oder
Aluminiumwerkstoffen kann der Übergangwiderstand nach Merkblatt DVS 2929 bestimmt wer-
den. Das Messverfahren ist für Halbzeughersteller zur Kontrolle der Wirksamkeit einer durchge-
führten Oberflächenbehandlung und für Anwender zur Kontrolle des Anlieferungszustand, des
Zustands nach einer Lagerung, oder des Zustands nach einer Oberflächenvorbehandlung vor
dem Schweißen bestimmt. Trotz der allgemeinen Tendenz, den Übergangswiderstand mög-
lichst gering zu halten, sowie verschiedener Hinweise in DVS 2929, können spezifische Aussa-
gen für die Größe eines günstigen Übergangswiderstands für die einzelnen Werkstoffe nicht
abgeleitet werden. Die Messungen dienen daher im Wesentlichen der Kontrolle einer gleich-
bleibenden Oberflächenqualität.
Die Kontaktwiderstände R3, R4 und R5, siehe Bild 1, lassen sich nicht direkt messen. Aller-
dings kann der sogenannte Übergangswiderstand, der die betreffenden Kontaktwiderstände
beinhaltet, anhand des Spannungsabfalls zwischen den Elektroden erfasst werden. Der Mess-
aufbau dazu ist in Bild 8 dargestellt. Der Gesamtübergangswiderstand setzt sich dann zusam-
men aus dem Systemwiderstand (Widerstand des Messsystems), den Kontaktwiderständen
und den Werkstoffwiderständen. Möglich sind Einzelblech- oder Doppelblechmessungen.
d) einem Messwerterfassungssystem für die Elektrodenkraft, den Strom und die Spannung.
Praktikumsaufgabe
Mit Hilfe der Übergangswiderstandsmessung nach Merkblatt DVS 2929 sollen Bleche hinsicht-
lich des Einflusses der Oberflächenbeschaffenheit untersucht werden. Die Messergebnisse sind
tabellarisch aufzubereiten und zu bewerten. Die Werkstoffe werden vorgegeben, z.B.:
Durchführung
Im Protokoll zwei sind die Werte für das beschichtete Stahlblech H 320 LA + ZE + OC vorgege-
ben. In der vorbereiteten Grafik sollen die Übergangswiderstände bezüglich Mittelwert und
Streuung verglichen werden.
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Sollwert Sollwert
Elektrodenkappe: F16x10/5,5 mm
Strom: 10 A Elektrodenkraft: 3 kN
Einzelmessungen
Mittelwert
Gesamtübergangswi-
Spannungsabfall Strom I Übergangswiderstand
Nr. derstand
Ug [ ] [ ] Rü = Rü,g – Rs [ ]
Rü,g = Ug / I [ ]
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Arithmetischer Mittelwert x
Standardabweichung s
1
∗
1
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Werkstoff: H 320 LA + ZE + OC
Sollwert Sollwert
Elektrodenkappe: F16x20/5,5 mm
Strom: 10 A Elektrodenkraft: 3 kN
Gesamtübergangswi-
Spannungsabfall Strom I Übergangswiderstand
Nr. derstand
Ug [ mV ] [ mA ] Rü = Rü,g – Rs [ mOhm ]
Rü,g = Ug / I [ mOhm ]
1 1,56 9756 0,1599 0,1015
2 1,54 9754 0,1579 0,0995
3 1,29 9754 0,1323 0,0738
4 1,31 9755 0,1343 0,0759
5 1,31 9755 0,1343 0,0759
s
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Im Protokoll 1 sind die Werte für den Stahl H320 LA + ZE+OC bereits vorgegeben. Diese sind
in die Grafik zu übertragen und der Einstellbereich ist zu bestimmen.
Protokoll 2 betrifft das zu untersuchende Stahlblech.
Literatur
[1] Merkblatt DVS 2902 Widerstandspunktschweißen von Stählen bis 3 mm Einzeldicke
[2] Merkblatt DVS 2910 Widerstandspunkt-, Buckel- und Rollennahtschweißen von feuer-
verzinktem Stahlblech
[3] Merkblatt DVS 2926 Widerstandspunkt-, Buckel- und Rollennahtschweißen von elektro-
lytisch zinktem Stahlblech
[4] Merkblatt DVS 2932 Widerstandspunkt-, und Rollennahtschweißen von Aluminium und
Aluminiumlegierungen von 0,3 bis 3,5 mm
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Effektivwert Punktdurch-
Nr Strom Ieff [kA] messer dp [mm] Bemerkung
1 5,7 0
2 6,15 4,5
3 6,37 5,9
4 6,43 5,5
5 6,47 5,2
6 6,64 6,0
7 7,75 8,1
8 8,61 8,1 Spritzerbildung
9 9,53 8,5 Spritzerbildung
10 10,98 8,7 Spritzerbildung
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Effektivwert Punktdurch-
Nr Strom Ieff [kA] messer dp [mm] Bemerkung
Punktdurchmesser dP in mm
Schweißstrom Ieff in kA