Positionspapier des D-ELAN zum Zulassungsverfahren von E-Learning-Angeboten

Das Deutsche Netzwerk der E-Learning Akteure (D-ELAN e.V.) unterstützt nachdrücklich die mit dem Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) intendierten Ziele des Verbraucherschutzes und der Qualitätssicherung im Bildungsmarkt. Allerdings ist das auf diesem Gesetz basierende Zulassungsverfahren den innovativen Bildungsangeboten des Weiterbildungsmarktes nicht mehr angemessen. Darüber hinaus ist fraglich, ob das Verfahren einer zentralen staatlichen Kontrolle, für welche die 1978 errichtete Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zuständig ist, noch zeitgemäß ist. Als Gegenstand des Zulassungsverfahrens waren bei der Verabschiedung des Gesetzes in den 70er-Jahren klassische Fernlehrgänge intendiert. Diese sind vor allem durch die folgenden Merkmale gekennzeichnet: • • • • • • Umfangreiches Curriculum mit langer Dauer (in der Regel zwischen einem und drei Jahren) Der Laufzeit entsprechend hohe Teilnehmergebühren Angebote sind langfristig ohne wesentliche Änderungen im Markt Lernmaterialien für das formelle Selbstlernen (überwiegend als gedruckte oder elektronische Studienbriefe vorliegend) Vorbereitung auf formalen Abschluss Zielgruppe der Angebote ist primär der Consumer-Markt.

Demgegenüber zeichnen sich innovative Lehr-Lernformen, die unter dem Begriff ELearning subsummiert werden, überwiegend durch folgende Merkmale aus: • Einsatz verschiedener Methoden und Werkzeuge (Selbstlernen, Gruppenarbeit, Lernplattform, Wiki, Foren etc.) auch kombiniert mit Präsenzunterricht (Blended Learning) Kurze Produktlebenszyklen (Anpassung an aktuelle Entwicklungen; didaktische, mediale und technische Optimierung etc.) Kleinteilige Struktur (zunehmend in modularer Bauweise) mit kurzer Lerndauer (zwischen 15 Minuten und wenigen Stunden) für das einzelne Modul

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D-ELAN Positionspapier zur ZFU

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Niedrige Teilnehmerkosten (30 bis 500 Euro pro Modul oder komplexe Lerneinheit) Pädagogischer Kontext häufig außerhalb des eigentlichen Lernprodukts angesiedelt (z.B. tutorielle Begleitung; Einbettung in individualisierte betriebliche Lernarrangements usw.).

Diese Eigenschaften kommen den gewandelten Lernbedarfen von Individuen und Unternehmen entgegen, die nach Angeboten suchen, die • • • • on demand im Prozess der Arbeit kollaborativ und adaptionsfähig

bereitgestellt werden können. E-Learning-Anbieter haben sich vor diesem Hintergrund vom „Kursanbieter“ zum „Lösungsanbieter“ entwickelt. Immer häufiger werden Lernkonzepte kundenspezifisch, z.T. auch in Arbeitsteilung mit dem jeweiligen Kunden erstellt oder so flexibel angelegt, dass Materialien erst bei der Durchführung erstellt werden. Grundlage sind modulare, z.T. fein granulare Lernbausteine, die auch aus nationalen und internationalen Repositories ausgewählt werden. Das bedeutet, dass teilweise nicht eindeutig festlegbar ist, ob Kurse als Fern- oder Präsenzunterricht einzuordnen sind. Dieser Entwicklung muss eine – auch in Zukunft unverzichtbare – Qualitätssicherung unbedingt Rechnung tragen. Ein Problem ist die wachsende Unsicherheit hinsichtlich der Kriterien, die bei der Entscheidung über die Zertifizierungspflicht herangezogen werden. Ein Beispiel ist die 50Prozent-Regel, wonach nur solche Lernangebote durch die ZFU geprüft werden, die mehr als 50 Prozent Fernlernen beinhalten. Diese Regel geht von einem Dualismus der Lernformen aus (hier Präsenz-, dort Fernlernen), der durch E-Learning überholt ist. So stellt sich etwa die Frage, ob ein Unterricht im Virtual Classroom (Live-OnlineVeranstaltung) als Präsenzunterricht anzusehen ist oder nicht. Gleichermaßen unsicher ist die Frage nach der individuellen Lernkontrolle: Gehören dazu auch automatisch ausgewertete Testfragen (Multiple Choice etc.) oder nicht? Ein Kurs mit individueller Lernkontrolle wäre zertifizierungspflichtig. Hinzu kommt, dass Angebote, die über Plattformen im Ausland abgewickelt werden, nicht von der ZFU belangt werden können und sich dadurch ein Wettbewerbsnachteil deutscher Anbieter ergibt.

D-ELAN-Vorstand und D-ELAN-Fachausschuss Qualität

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D-ELAN Positionspapier zur ZFU

Nach ausführlichen Gesprächen innerhalb der Mitgliedschaft und mit zahlreichen Experten – darunter auch der ZFU – unterbreitet der D-ELAN den folgenden Vorschlag: Geleitet von dem Bestreben, „E-Learning Made in Germany“ zu einem international geachteten Qualitätsbegriff zu entwickeln, hat der D-ELAN seit seiner Gründung im Jahr 2004 das Thema Qualität als Schwerpunktthema behandelt. Dabei ist es unsere feste Überzeugung, dass Verfahren zur Qualitätsentwicklung und -sicherung angemessen und mit internationalen Maßstäben vereinbar sein müssen. Der D-ELAN setzt sich für eine Harmonisierung bestehender Kriterien und Zertifizierungen ein und unterstützt die Zusammenarbeit mit internationalen Standardisierungsgremien.

Daher schlägt D-ELAN folgende Vorgehensweise vor: 1. Anstelle einer gesetzlichen Regelung erfolgt eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen. 2. Es können sowohl einzelne Bildungsangebote als auch Organisationen zertifiziert werden. 3. Ein einheitliches Zertifizierungsinstrument, das beide Zertifizierungsarten enthält, wird von allen Beteiligten durch die Zusammenführung der existierenden Modelle (Kriterienkatalog der ZFU, Leitfaden von ZFU und BIBB, Qualitätsplattform Lernen u.a.) abgestimmt und vereinbart. 4. Die Zertifizierung wird durch anerkannte und von den Verbänden akkreditierte Zertifizierungsstellen erfolgen, wie etwa Certqua, ArtSet, TÜV, DIN-Certco, DQS oder DELZert. Ein solches Verfahren zur Qualitätssicherung verzichtet auf langwierige, aufwändige und teure Verfahren. Es berücksichtigt den Verbraucherschutz, die Interessen der Lernenden und wird zugleich den wirtschaftlichen Interessen und methodischen Anforderungen innovativer Bildungsanbieter gerecht. Nicht zuletzt fördert es den erfolgreichen Markteintritt von Start Up-Unternehmen in diesem zukunftsträchtigen Dienstleistungssektor.

Essen, 10. März 2008 Gez. Dr. Lutz P. Michel (Vorstandsvorsitzender D-ELAN e.V.)

D-ELAN-Vorstand und D-ELAN-Fachausschuss Qualität

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