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Fachthemen

Martin Bransch DOI: 10.1002/stab.201710464

Vorschläge zum Bau von Verbundbögen


an Stabbogenbrücken
Der vorwiegend druckbeanspruchte Bogen von Stabbogen­ 1 Einführung
brücken (Langerscher Balken) ist meist in Stahl ausgeführt. Dies
widerspricht dem Grundsatz, Beton bei Druckbeanspruchung und Stabbogenbrücken (Langerscher Balken) werden häufig
Stahl bei Zugbeanspruchung einzusetzen. Die einfache Montage für die stützenfreie Überführung von Straßen und Eisen­
der Stahlbögen gegenüber einem aufwändigen Lehrgerüst bei bahnstrecken über Kanäle bei Stützweiten von ca. 40 bis
Beton, hohe Vorfertigung und ein geringes Montagegewicht ge­ 120 m eingesetzt [1]. Das statische System in Bild 1 zeigt
genüber einem schweren Betonbogen sind Gründe für die Ver­ beispielhaft die Haupttragelemente einer typischen Stab­
wendung des Stahlbogens. Als Alternative zum Stahl- oder bogenbrücke. Die Last aus dem Versteifungsträger wird
­Betonbogen werden Vorschläge für einen Verbundbogen an über Hänger in die Bögen geleitet. Der Bogenschub wird
„normalen“ Stabbogenbrücken aufgezeigt. Dieser vereint, wie durch den Versteifungsträger kurzgeschlossen. Der üb­
eine Verbundstütze, viele Vorteile der Stahl- und Stahlbeton­ licherweise biegeweiche Bogen überträgt hauptsächlich
bauweise.
Druckkräfte. Der biegesteife Versteifungsträger erhält
Berechnungen zeigen, dass einbetonierte Walzprofile für Stab­
hauptsächlich Biegemomente sowie die Zugkräfte aus dem
bögen üblicher Stützweite einsetzbar sind. Diese bieten wirt­
Bogenschub. Oft ist ein stabilisierender Verband zwischen
schaftliche Vorteile und das Walzprofil dient als Schalungsträger
den Bögen angeordnet.
oder Schalung. Ausbetonierte Hohlprofile ermöglichen besonders
schlanke Bögen und dienen ebenso als Schalung. Weiterhin sind Verbundkonstruktionen an Stabbogenbrücken wer­
mögliche Bogenfußpunkte angegeben und analysiert. den vor allem für die Fahrbahnplatte von Straßenbrücken
Stabbogenbrücken werden häufig auf einem Vormontageplatz eingesetzt. Der Stabbogen ist in der Regel in Stahl und
montiert und anschließend in die Endlage verschoben. Hier bie­ vereinzelt in Stahlbeton ausgeführt. Beispiele zeigen, dass
ten Verbundbögen Vorteile durch ein gegenüber reinen Stahl­ auch Beton eine wirtschaftliche und ästhetische Alter­
bögen leichteres Stahlskelett beim Verschub der Brücke. native darstellen kann ([2], [3]).

2  Stand der Technik


Suggestions for the construction of composite arches at tied
arch bridges. The arches of tied arch bridges are predominantly Erste Verbundbögen wurden Ende des 19. Jahrhunderts
under compressive loading and are most often constructed out of mit dem System Melan verwirklicht [4]. Diese Bauweise
steel. This contradicts the basic engineering knowledge to use findet im Ausland nach langer Unterbrechung wieder An­
concrete for compressive loading and steel for tension loading.
The simple assembly of steel arches compared to the time-con-
suming falsework for concrete arches, the large degree of pre-
fabrication and a smaller self-weight compared to a heavy con-
crete arch are reasons for choosing to use a steel arch. As an al-
ternative to steel or concrete arches, suggestions for composite
arches on “normal” tied arch bridges are made. A composite tied
arch combines, like a composite column, the advantages of steel
and concrete construction.
Calculations show that rolled sections encased in concrete can
be used as tied arches for common effective spans. Such arches
have economic advantages and the rolled sections can be addi-
tionally used as formwork or formwork girder. Concrete filled hol-
low sections allow for particularly slender arches and the hollow
section functions also as formwork. Furthermore, possible arch
supports are specified and analyzed.
Tied arch bridges are often assembled at a preassembly area and
subsequently launched into their end position. For such cases,
composite arches have, when compared to pure steel arches, a Bild 1.  Statisches Modell einer typischen Stabbogenbrücke
lighter steel construction during the bridge launch. Fig. 1.  Static model of a typical tied arch bridge

© Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin · Stahlbau 86 (2017), Heft 3 269
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wendung bei einigen großen Bogenbrücken ([4], [5]). In Wasserwege ohne die Möglichkeiten einer Hilfsunterstüt­
Deutschland wurden Verbundbögen für Brücken nur in zung.
vereinzelten Pilotprojekten verwendet [6]. Die Herstellung auf einem Vormontageplatz mit an­
In China wird intensiv an der „CFST-Methode“ (Con­ schließendem Verschub in die Endlage wird im Folgenden
crete Filled Steel Tubular) mit Anwendung im Brückenbau vorausgesetzt. Daraus folgt die Verwendung eines leichten
geforscht [7]. Weitere Überlegungen zu Verbundbögen im Stahlbogens während des Verschubes. Durch eine spätere
Brückenbau finden sich in [8]. Dort wurden Montagevor­ Ortbetonergänzung am Bogen sind geringe Montage­
teile für Stabbogenbrücken mit ausbetoniertem Hohlprofil gewichte möglich. So ergibt sich für eine Stabbogenbrücke
abgeleitet. Diese ergeben sich durch ein gegenüber dem mit Verbundbogen folgende Montagereihenfolge:
reinen Stahlbogen leichteres Stahlskelett beim Verschub –– Montage des Stahlskeletts der Brücke mit geschlosse­
der Brücke in die Endposition. Diese Erkenntnis wird hier nem Bogensystem
auf andere Verbundbogentypen übertragen. –– Verschub der Brücke
Gebogene Walzprofile sind unkompliziert über Kalt- –– Betonage der Ortbetonergänzung des Bogens
oder Heißbiegen herstellbar. Viele im Endzustand gerade –– Betonage der Fahrbahn nach Fertigstellung des Ver­
Walzprofile werden ohnehin mit einer Überhöhung ein­ bundbogens
gebaut. Beispiele kaltgebogener Stabbögen zeigen, dass es
durch den Biegeprozess nicht zu beeinträchtigenden Duk­ Der Bogen muss bis zum Einbau der Betonergänzung nur
tilitätsverlusten kommt [9]. für bauzeitliche Lasten bemessen werden. Weiterhin wird
der Bogen vor der Fahrbahn fertiggestellt, damit die Fahr­
3  Vorschläge für Verbundbögen bahnlast vom Verbund- und nicht nur vom Stahlquer­
3.1  Montage des Verbundbogens schnitt aufgenommen wird.

Die Montage einer Stabbogenbrücke erfolgt gewöhnlich in 3.2 Querschnittswahl


dieser Reihenfolge: Verschweißen der Schüsse des Verstei­
fungsträgers mit angeschlossenen Querträgern auf Unter­ Folgendes grundsätzliches Konstruktionsprinzip zur Kos­
stützungen, Montage der Bogenschüsse auf Hilfsstützen tensenkung in Fertigung und Montage hat sich bewährt
und Einbau der Hänger. Das Bogensystem wird vor dem [11]: klare einfache Konstruktionsformen mit wenigen,
Freisetzen der Versteifungsträger geschlossen, da erst dann eher dicken Bauteilen sowie die Reduzierung der Anzahl
die Abtragung der Lasten über Drucknormalkräfte im Bo­ der Bauteile und Anschlüsse. Bild 2 zeigt die favorisierten
gen aktiviert ist. und diesem Prinzip folgenden Verbundbogenquerschnitte.
Stabbogenbrücken werden entweder in Endlage oder Die Verbundbögen werden analog zur DIN EN 1994-2 [12]
auf einem Vormontageplatz in Baustellennähe montiert. in vollständig einbetonierte Profile, teilweise einbetonierte
Bei Letzterem erfolgt anschließend ein Verschub in die Profile und ausbetonierte Hohlprofile eingeteilt. Diese sind
Endlage. Leichte Stahltragwerke (Stahlskelett ohne Beton) weiterhin in breite und schmale Bögen unterteilt. Freiste­
während des Verschubes mit anschließendem Betonieren hende Bögen erfordern oft eine größere Breite als Bögen
der Fahrbahn in Endlage haben sich besonders bewährt mit stabilisierendem Verband. Der Bogen 2a in Bild 2 wird
[10]. Dies gilt speziell für die Überbrückung schiffbarer aufgrund konstruktiver Schwierigkeiten bei der Flansch­

Bild 2.  Torsionssteife Querschnitte für


Verbundbögen
Fig. 2.  Torsionally stiff cross-sections
for composite arches

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verbindung, Bewehrungsführung und Fugenausbildung betonierten Hohlprofilen ist eine Ausführung ohne Längs­
ausgeschlossen. Die dargestellten Verbundbögen ermög­ bewehrung zulässig [12].
lichen eine spätere Betonergänzung, um kleine Montage­
gewichte während des Verschubes (Verschubzustand in 3.3  Verbundfertigteile als Option
Bild 2) zu erreichen. Dabei sind Betonieröffnungen für die
geschlossenen Hohlkästen erforderlich. Die einbetonierten Ein Verbundfertigteilbogen mit späterer Ortbetonergän­
Profile können auch vor dem Verschub komplett betoniert zung ist für einbetonierte Walzprofile vorstellbar (Bild 2,
werden, um Arbeitsschritte zu sparen. Das dadurch höhere einbetonierte Walzprofile im Verschubzustand). Es erge­
Montagegewicht während des Verschubes ist im Einzelfall ben sich die typischen Vor- und Nachteile der Fertigteil­
eventuell nicht von Bedeutung. bauweise. Die z. B. in [13] vorgestellte Verbundfertigteil/
Durchgeführte Berechnungen unter Ansatz der üb­ VFT-Bauweise basiert unter anderem darauf, eine Beton­
lichen Stützweiten von Stabbogenbrücken zeigen, dass schalung bereits in der Werkstatt an den Stahlträger zu
warmgewalzte H- und I-Profile eine ausreichende Trag­ betonieren. In die Herstellung sind Stahlbaubetrieb, Be­
fähigkeit ergeben. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Vorteile tonfertigteilwerk und ausführende Firma eingebunden.
werden daher Walzprofile für die einbetonierten Profile Eine mögliche Produktionskette für Verbundfertigteile ist
vorgeschlagen. Für ausbetonierte Hohlprofile ist infolge in [13] gegeben.
der verfügbaren Liefergrößen nur das geschweißte Stahl­
hohlprofil ausführbar. Anstatt eines geschweißten Hohl­ 3.4  Anschluss der Hänger
kastens sind auch speziell gefertigte Rohre möglich, z. B.
nach [9]. Die Hänger müssen an den Baustahlteil des Querschnittes
Die Abtragung der Lasten über Drucknormalkräfte im angeschlossen werden, da alle Querschnittsvarianten nach
Bogen ist während des Verschubes und beim späteren Bild 2 im Verschubzustand vorrangig aus Baustahl beste­
­Betonieren der Betonergänzung aktiviert. Dabei wird der hen. Bei allen Varianten sind mit den Stegen verschweißte
Bogen auf Torsion beansprucht, womit bereits in diesen Hängeranschlussbleche ausführbar, wie z. B. in [14] vorge­
Bauphasen eine torsionssteife Bogenkonstruktion erfor­ schlagen. Bei den längsverschweißten Walzprofilen kön­
derlich wird. Stahlhohlprofile sind naturgemäß torsions­ nen die Stege geschlitzt werden, so dass ein durchgescho­
steif. Torsionssteife Hohlkastenquerschnitte auf Basis von benes Blech von außen schweißbar ist.
offenen Walzprofilen lassen sich aus zwei parallel angeord­
neten Walzprofilen durch Längsverschweißen der Flan­ 4 Nachweise von Druckgliedern in Verbundbauweise
sche fertigen (Bild 2; Bogen 1b/oben, 2b). Eine weitere nach DIN EN 1994-2
Möglichkeit besteht darin, die Flansche durch verschweißte
oder verschraubte Fachwerkfüllstäbe (Bild 2; Bogen 1a/ DIN EN 1994-2 behandelt im Abschnitt 6.7 Druckglieder
oben) oder verdübelte Betonplatten (Bild 2; Bogen 1/un­ in Verbundbauweise nur im Grenzzustand der Tragfähig­
ten) miteinander zu verbinden. Ein Verbundhohlkasten ist keit. Für Druckglieder in Verbundbauweise in Brücken­
einfach herstellbar, indem die Walzprofile und eine aufge­ überbauten sind jedoch ebenfalls Nachweise in den Grenz­
legte Faserzementplatte als innere Schalung dienen (vgl. zuständen der Gebrauchstauglichkeit und der Ermüdung
Bild 3). Damit lässt sich auch die Spreizung der Walzpro­ erforderlich [15]. Unter Gebrauchs- und Ermüdungslasten
file den statischen Anforderungen anpassen. In Bild 2 sind bleiben druckbeanspruchte Verbundbögen überwiegend
die zur Herstellung der Torsionssteifigkeit erforderlichen im linear-elastischen Bereich, Betonzugspannungen treten
Dübel und die dafür erforderliche Bewehrung angedeutet. meist nicht auf. Dann können elastische Spannungsver­
Weitere Dübel und weitere Bewehrung können abhängig läufe z. B. mit dem Gesamtquerschnittsverfahren aus [12]
vom Querschnitt erforderlich sein. Bei vollständig aus­ bestimmt werden. In anderen Fällen sind genauere, häufig

Bild 3.  Vollständig einbetonierte Profile


mit angehängter oder unterstützter
Schalung
Fig. 3.  Completely encased cross-sec-
tions with attached or supported form-
work

Stahlbau 86 (2017), Heft 3 271


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rechnergestützte Verfahren notwendig (z. B. mit dem Pro­ Die Verbindung der Bogenschüsse erfolgt durch
gramm INCA 2 [16]). Schweißen oder Schrauben der Stahlteile und Ortbeton.
In [12] sind Biegesteifigkeiten für eine Berechnung Da die Verbindung vollständig einbetoniert wird, ist kein
nach Theorie II. Ordnung mit dem vereinfachten Nähe­ Korrosionsschutz erforderlich. Damit entfällt auch das
rungsverfahren definiert. Diese gelten für den Grenzzu­ Kriechen der Korrosionsschutzbeschichtung mit der ein­
stand der Tragfähigkeit. Im Grenzzustand der Gebrauchs­ hergehenden Abnahme der Vorspannkraft. Das Lösen der
tauglichkeit und für Ermüdungsnachweise ist unter Um­ Schrauben wird durch den angrenzenden Beton verhin­
ständen eine höhere Biegesteifigkeit wirksam. dert. Nachteilig ist die Unzugänglichkeit der geschraubten
(oder geschweißten) Verbindung der Bogenschüsse nach
5 Herstellung und Berechnung vollständig einbetonierter dem Einbetonieren.
Profile
5.1 Herstellung 5.2 Berechnung
5.2.1 Bemessung mit dem vereinfachten Näherungsverfahren
Bei vollständig einbetonierten Profilen wird ein torsions­ aus DIN EN 1994-2
steifer Hohlkasten durch die Verbindung der Flansche mit
Fachwerkfüllstäben, Schweißnähten oder Betonplatten Nach [12] ist die Bemessung einer Verbundstütze mit dem
erstellt. In Abhängigkeit von der Flanschverbindung ist allgemeinen Bemessungsverfahren oder dem vereinfachten
eine angehängte oder eine unterstützte Schalung möglich Näherungsverfahren möglich. Baustahlquerschnitte aus
(Bild 3). Dübel und Bewehrung sind in Bild 3 nicht voll­ mehreren, nicht miteinander verbundenen Querschnitts­
ständig dargestellt (vgl. dazu Bild 5). teilen fallen nicht in den Anwendungsbereich des verein­
Die Flanschverbindung mit Fachwerkfüllstäben oder fachten Näherungsverfahrens. Damit ist eine normge­
Schweißnähten ermöglicht die Nutzung des Stahlbogens rechte Bemessung des Verbundbogens mit zwei separaten
als Schalungsträger (Bild 3), da der Bogen ohne Beton tor­ Walzprofilen nur mit dem allgemeinen Bemessungsverfah­
sionssteif ist. Damit wird eine Unterstützung bzw. ein ren möglich. Dies gilt nicht für den Bogen 1b/oben (Bild 2),
Lehrgerüst eingespart. Der Stahlbogen hat ein leichtes bei welchem die Walzprofile verschweißt sind.
Montagegewicht im Verschubzustand und nur ein Beto­ In [17] wird ein Verfahren zur Bemessung einer Ver­
niergang in Endlage ist notwendig. bundstütze mit mehreren separaten Stahlprofilen vorge­
Die Flanschverbindung mit verdübelten Betonplatten stellt, das auf dem vereinfachten Näherungsverfahren nach
erfordert eine Unterstützung der Schalung beim Einbau [12] basiert. Analog zur Norm wird die Querschnittstrag­
des Betons (Bild 3), da die noch unverbundenen offenen fähigkeit über eine polygonale Momenten-Normalkraft-
Walzprofile die Torsionsbelastung nicht abtragen können. Interaktionskurve des Verbundquerschnittes bestimmt.
Zwei Betoniergänge sind erforderlich. Im ersten Betonier­ Ausgewertete Formeln der polygonalen Interaktionskurve
gang vor dem Verschub wird der torsionssteife Hohl­ sind in [17] gegeben. Die Querkraft wird abweichend zur
kasten erstellt. Nach dem „Anziehen“ der unteren Beton­ Norm berücksichtigt.
platte folgt der restliche Beton in einem Arbeitsgang. Zur Das Verfahren nach [17] wird für die Bemessung des
Lage­fixierung können die Stege der Walzträger mit Ge­ Verbundbogens mit zwei einbetonierten separaten Walz­
windestangen verschraubt werden, wie z. B. bei Brücken profilen unter Einbezug einiger Angleichungen vorgeschla­
mit Walzträgern in Beton üblich. In Bogenlängsrichtung gen. Dabei wird zusätzlich die Torsion berücksichtigt und
polygonal verlegte Faserzementplatten mit Dichtstreifen die Querkraftbemessung (vgl. Abschnitt 5.2.4) angepasst.
unter und zwischen den Platten ermöglichen eine ein­ Damit kann die Tragfähigkeit des Verbundbogens mit zwei
fache Herstellung der oberen Betonplatte. Im zweiten einbetonierten separaten Walzprofilen auch mittels einer
­Betoniergang in Endlage wird der Hohlkasten ausbeto­ Handrechnung beurteilt werden.
niert.
Beispiele für das Betonieren eines Stabbogens finden 5.2.2 Torsionssteifigkeit für eine Berechnung nach Theorie
sich in [3] und [2]. Die dort beschriebenen Stahlbeton­ II. Ordnung
bögen wurden auf einer Rundschalung betoniert, welche
durch Hilfsstützen oder eine freitragende Rüstung unter­ Die Torsionssteifigkeit der Bögen 1 (Bild 2) im Endzustand
stützt ist. In [2] wurden die Bögen in einem Arbeitsgang, wird aus einem Ersatzhohlkasten bestimmt, der entspre­
gleichzeitig von allen vier Kämpfern ausgehend, zum chend [12] für die Torsionsbemessung eines Betonvollquer­
Scheitel hin betoniert. schnittes verwendet wird. Die Walzprofile haben dabei
Für freistehende Bögen ist eine ausreichende Steifig­ keinen Einfluss. Zur Torsionsbemessung des Hohlkastens
keit senkrecht zur Bogenebene und eine ausreichende Tor­ der Bögen 1 (Bild 2) im Verschubzustand werden Quer­
sionssteifigkeit von Bedeutung, da die nach Theorie II. schnittswandungen aus Beton und vergitterte Quer­
Ordnung zu berechnenden Verformungen bemessungs­ schnittswandungen rechnerisch durch ein Blech mit einer
wirksam sind. Hier bietet die Flanschverbindung mit ver­ Ersatzdicke ersetzt [18].
dübelten Betonplatten eine höhere Steifigkeit als die
Flanschverbindung mit Fachwerkfüllstäben oder Schweiß­ 5.2.3  Bemessung für Torsion und Schnittgrößeninteraktion
nähten. Die Befestigung der bauzeitlich erforderlichen
Fachwerkfüllstäbe mit vorgespannten Schrauben, Pass­ Im Stabbogen tritt planmäßig Torsion auf. Die Torsionsbe­
schrauben oder Schweißnähten ist für die Verformungen messung erfolgt wie bei einem reinen Stahlbetonrechteck­
des Bogens günstiger als die Verwendung von Schrauben balken über einen Ersatzhohlkasten. Die berechnete Tor­
mit normalem Nennlochspiel. sionslängs- und Bügelbewehrung ist zur restlichen Beweh­

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folgt aus der erforderlichen Wanddicke tc des Ersatzhohl­


kastens (Bild 4). Die äußeren Abmessungen des Betons
werden um tc reduziert. Dieser konservative Ansatz verein­
facht die Berechnung. Mit den reduzierten Betonabmes­
sungen bc und hc (Bild 4) wird dann, analog zum verein­
fachten Verfahren aus [12], die polygonale Momenten-Nor­
malkraft-Interaktionskurve bestimmt.

5.2.4 Bemessung für Querkraft bei zwei nicht verbundenen,


einbetonierten Walzprofilen

In Bereichen mit hohen Schubkräften, wie z. B. am Hänger­


anschluss oder am Bogenfußpunkt, sind Querkraftbeweh­
rung und eventuell Dübel erforderlich. Entsprechend [17]
wird die Querkraft über das Verhältnis der Biegesteifigkei­
ten auf mehrere Querschnittsbereiche aufgeteilt (Bild 5,
links). Querschnittsbereiche aus Stahlbeton (b1 × h, b3 × h,
h1 × b) werden mit der anteiligen Querkraft in üblicher
Bild 4.  Reduzierung des Betonquerschnittes infolge Torsion Weise nach DIN EN 1992-2 bemessen. Daraus folgen
zur Berechnung des plastisch aufnehmbaren Momentes des
die  ein- oder zweischnittigen Bügelquerschnitte Bü-Vy1,
Verbundquerschnittes
Fig. 4.  Reduction of the concrete cross-section due to torsion
Bü-Vz1 und Bü-Vz3 in Bild 5.
for the calculation of the plastic moment of the composite In den zwei Querschnittsbereichen b2 × h befindet
cross-section sich ein zentral einbetoniertes Walzprofil, welches die
Querkraft parallel zum angrenzenden Beton abträgt. Da­
her ist für diese Querschnittsbereiche eine alleinige Zuwei­
rung zu addieren. Aus den Betondruckstreben im sung der anteiligen Querkraft Vz,2 auf das Stahlprofil mög­
Fachwerkmodell des Ersatzhohlkastens entstehen Längs­ lich, wie auch in [12] angegeben. Rechnerisch darf dann
druckspannungen, welche sich mit den Spannungen aus nur max. h1 = 0,3 h2 angesetzt werden.
Normalkraft und Biegung überlagern. Der Querschnittsbereich h2 × b ist ein Verbundquer­
Für die Interaktion zwischen Normalkraft, Biegung schnitt bestehend aus zwei äußeren Betonflanschen, zwei
und Torsion wird hier folgender einfacher konservativer inneren Flanschen aus Walzprofilen und einem Stahlbe­
Ansatz vorgeschlagen: Ein Teil des plastischen Spannungs­ tonsteg. In diesem Querschnittsbereich wird ein Fachwerk­
verlaufes des Betons wird dem einwirkenden Torsionsmo­ modell (Bild 5, rechts) gebildet, bei dem die Walzprofile als
ment TEd zugewiesen (vgl. Reduktionsverfahren). Dadurch Gurte und der Stahlbetonsteg als Ausfachung wirkt. Beton
reduziert sich das plastisch aufnehmbare Moment des Ver­ und Bewehrung des Stahlbetonsteges übernehmen ent­
bundquerschnittes. sprechend die Druck- und Zugkräfte der Ausfachung. Die
Der zur Aufnahme von TED reservierte Teil des plasti­ Baustahl- und Betonteile tragen die Last nicht parallel, wie
schen Spannungsverlaufes (rechteckiger Spannungsblock) bei einem zentral einbetoniertem Stahlprofil, sondern in

Bild 5. Berücksichtigung der Querkraft


bei zwei einbetonierten separaten Stahl-
profilen
Fig. 5.  Incorporation of shear for two
separated steel profiles encased in con-
crete

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Reihe [17]. In dieser Reihe ist der Stahlbetonsteg häufig 8 Bogenfußpunkte


das schwächste Glied und daher maßgebend für die Be­
messung. Die Tragreserven des Walzprofiles werden erst Am Bogenfußpunkt ist die Druckbeanspruchung vorwie­
abgerufen, wenn der Stahlbetonsteg versagt hat. Eine allei­ gend. Bei der üblicherweise zweiachsigen Einspannung am
nige Zuweisung der Querkraft auf das Stahlprofil ist daher Fußpunkt sind auch Biegemomente und Querkräfte zu
im Querschnittsbereich h2 × b nicht möglich. Der Stahlbe­ übertragen. Die Schnittkraftumlenkung am Knotenpunkt
tonsteg wird mit der anteiligen Querkraft Vy,2 und dem Bogen – Versteifungsträger – Endquerträger findet auf ei­
Fachwerkmodell aus DIN EN 1992-2 bemessen. Die in nem begrenzten und daher hochbeanspruchten Bereich
Bild 5 rechts unten angedeuteten Bügel Bü-Vy2 überneh­ statt. Dieser Bereich ist bei Stabbogenbrücken aus Stahl
men die Zugkraft und der Beton zwischen den Profilen die (z. B. [14]) sowie aus Beton (z. B. [3]) kompliziert in der
Druckkraft. Herstellung. Die Herstellung aus Stahl erfordert zahlreiche
Der Verbund zwischen Beton und Baustahl wird über Versteifungen zur Einleitung der Flansch- und Lagerkräfte.
Dübel hergestellt. Eine Verbundsicherung über Reibung in Die Herstellung aus Beton erfordert eine anspruchsvolle
der Verbundfuge darf nach [12] angesetzt werden. Aus den Bewehrungsführung mit hoher Bewehrungsdichte zur Ge­
Schnitten A-A/B-B/C-C (Bild 5) in den Verbundfugen erge­ währleistung der Schnittkraftumlenkung.
ben sich die Längsschubkräfte und daraus die Anzahl der Mögliche Bogenfußpunkte zum Anschluss der vorge­
erforderlichen Dübel. schlagenen Verbundbögen sind in den Bildern 6 und 7 dar­
Die im Schnitt C-C und B-B erforderlichen Dübel gestellt. Diese sind möglichst einfach gehalten und es
müssen aus Platzgründen in den Kammern der Profile an­ wurde auf einen eindeutigen Kraftfluss Wert gelegt. Weich­
geordnet werden. Damit entstehen zwischen den Flansch­ einlagen in Krafteinleitungsbereichen aktivieren die Kopf­
enden potentielle Versagensflächen infolge der einwirken­ bolzentragwirkung zur Gewährleistung eines eindeutigen
den Längsschubkraft [17]. Deshalb sind in den Kammern Kraftflusses. Von den umzulenkenden Schnittkräften sind
der Walzprofile die zusätzlichen Bügel Vy2B und Vy2C vor­ nur die Normalkräfte „N“ abgebildet, da der Bogen vor­
zusehen, welche für die Längsschubkraft in den Schnitten wiegend druckbeansprucht ist. Momente und Querkräfte
B-B und C-C bemessen werden. sind stahlbaumäßig auf die Querschnittsteile aufzuteilen
und analog zu berücksichtigen. So werden Biegemomente
6  Hinweise zu teilweise einbetonierten Profilen hauptsächlich über Dübel am Flansch und Querkräfte
über Dübel am Steg übertragen. Ein klares Berechnungs­
Der äußere Kammerbeton des Bogens (Bild 2, Bogen 2b) modell unter Verfolgung des Kraftflusses ist über eine ge­
kann „am liegenden“ Bogen ohne Schalung eingebaut eignete Konstruktion zu entwickeln. Zur Approximation
werden. Für ein besonders leichtes Montagegewicht
­ des Kraftflusses eignen sich meist einfache Fachwerkmo­
­während des Verschubes ist es jedoch günstiger, den äuße­ delle.
ren Kammerbeton erst in der Endlage der Brücke einzu­ Die Bogenfußpunkte in Bild 6a und 6b übertragen alle
bauen. Bogenkräfte über einen Stahlhohlkasten in den Verstei­
Aus dem Stahlhohlkasten zwischen den Walzprofilen fungs- und Endquerträger. Der Stahlhohlkasten ist geeig­
wird die Torsionssteifigkeit berechnet. Der Kammerbeton net zur Übertragung aller Schnittgrößen. Die angedeuteten
kann, z. B. nach DIN EN 1994-1-1/6.4.2, zusätzlich mit Steifen sind zur Aufnahme der Lagerkräfte erforderlich.
angesetzt werden. Die Bemessung nach dem vereinfachten Bild 6a zeigt den Anschluss eines Bogens mit ausbeto­
Verfahren entsprechend [12] ist zulässig, da die Walzprofile niertem Stahlhohlkasten. Im Bereich lE erfolgt die konzen­
schubsteif durch Schweißnähte verbunden sind. Die trierte Lasteinleitung der anteiligen Betonkraft Nc in den
Schnittgrößeninteraktion im Beton kann nach Abschnitt Stahlhohlkasten. Nach [12] gilt für Lasteinleitungslängen
5.2.3 durch eine Reduzierung der Kammerbetondicke be­ lE ≤ 2d (d kleinste Außenabmessung des Querschnittes).
rücksichtigt werden, wenn die Torsion nicht vollständig Die Blechdicke des Stahlhohlkastens am Fußpunkt ist ver­
dem Baustahl zugewiesen ist. Die Schnittgrößeninter­ größert zur Aufnahme der zusätzlichen Last Nc.
aktion im Baustahl erfolgt durch eine Reduzierung der Bild 6b zeigt den Anschluss eines Bogens mit vollstän­
Streckgrenze nach DIN EN 1993-2. dig einbetoniertem Walzprofil. Ein Bogen mit teilweise
einbetoniertem Walzprofil ist analog realisierbar. Der Bo­
7  Hinweise zu ausbetonierten Hohlprofilen genanschluss erfolgt über das Ausbetonieren eines Stahl­
köchers. Die anteilige Normalkraft des Walzprofiles Na
Die Torsionssteifigkeit bestimmt sich nur aus dem Stahl­ wird auf der Lasteinleitungslänge lE1 über Betondruckstre­
hohlkasten. Eine Bemessung nach dem vereinfachten Ver­ ben direkt in den Stahlköcher geleitet (Bild 6b). Die Kon­
fahren entsprechend [12] ist zulässig. Die Schnittgrößen­ struktion ähnelt hinsichtlich der Kraftübertragung den
interaktion im Stahlhohlkasten ist zu beachten, z. B. durch „Grouted Joints“ bei Offshore-Windenergieanlagen. Der
eine Reduzierung der Streckgrenze nach DIN EN 1993-2. Beton ist vom Stahlköcher umschnürt. Dessen Umschnü­
Unter Umständen ist eine plastische Berechnung des aus­ rungswirkung ist aufgrund des Rechteckquerschnittes ge­
betonierten Hohlkastens nicht möglich, da die Bleche des ringer als bei einem Rohr. Die Umschnürungswirkung wird
Hohlkastens zu schlank sind und somit die erforderliche durch das Fachwerkmodell aus Bild 6b (Schnitt A-A) ver­
Querschnittsklasse nach DIN EN 1993-2 nicht erreicht einfacht approximiert. Die Betondruckstreben konzentrie­
wird. Die Querschnittsklasse im Endzustand lässt sich ver­ ren sich in den Ecken des Hohlkastens. Infolgedessen ent­
bessern, indem an der Innenseite des Hohlkastens Dübel stehen im Stahlköcher Querzugspannungen. Bei Verwen­
angeschweißt werden. Dadurch verkleinern sich die Beul­ dung von zwei separat einbetonierten Walzprofilen
felder auf den Dübelabstand. entstehen in dem gewählten Fachwerkmodell Zugspan­

274 Stahlbau 86 (2017), Heft 3


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Bild 7.  Mögliche Ausbildung eines Bogenfußpunktes aus


Stahlbeton mit Darstellung der Krafteinleitung
Fig. 7.  Possible construction of an arch support out of re­
inforced concrete with displayed force transmission

Bild 7 zeigt den Anschluss eines Bogens mit vollstän­


Bild 6.  Mögliche Ausbildung von Bogenfußpunkten aus
dig einbetoniertem Walzprofil. Ein Bogen mit teilweise
Baustahl mit Darstellung der Krafteinleitung: a) Anschluss
eines ausbetonierten Hohlprofiles, b) Anschluss eines teil- einbetoniertem Walzprofil oder ausbetoniertem Hohlprofil
weise oder voll einbetonierten Walzprofiles ist analog realisierbar. Der Bogenanschluss erfolgt über das
Fig. 6.  Possible construction of the steel arch supports with Ausbetonieren eines Betonköchers. Das Verbindungsstück
displayed force transmission: a) Connection of a filled hol- Bogen – Versteifungsträger – Endquerträger ist als Ver­
low cross-section, b) Connection of a rolled cross-section bundfertigteil (vgl. Abschnitt 3.3) mit einbetonierten Ver­
partially or completely encased in concrete steifungsträger- und Endquerträgerteilstücken ausführbar.
Dieses wird auf dem Vormontageplatz mit Versteifungsträ­
ger und Endquerträger verschweißt und anschließend wird
nungen ZBü zwischen den Walzprofilen, welche über Bü­ der Bogen im Köcher einbetoniert.
gelbewehrung abgetragen werden müssen. Dafür ist es Aus den Schnittgrößen im Knotenpunkt und den
günstig, die Bewehrung aus Bild 5 teilweise in den Stahl­ Spaltzugkräften über dem Lager resultiert eine hohe Be­
köcher zu führen. Die Betondruckstreben und die Quer­ wehrungsdichte. Zusätzliche Bewehrung ist in den Kraft­
zugspannungen im Baustahl sind durch geeignete Annah­ einleitungsbereichen lE1 und lE2 nach Bild 7 erforderlich.
men nachzuweisen. Die Umschnürungswirkung erhöht die Diese folgt aus den Fachwerkmodellen zur Krafteinleitung,
Tragfähigkeit des Betons und vermindert die Tragfähigkeit in welchen Zugkräfte Z von der Bewehrung und Druck­
des Stahlköchers infolge der auftretenden Querzugspan­ kräfte D vom Beton abgetragen werden. Da eine räumliche
nungen. Die erhöhte Betonfestigkeit wird nach [12] über Lastausbreitung vorliegt, ist für beide Querschnittshaupt­
den Faktor αc = 1,0 (anstatt αc = 0,85) berücksichtigt. Die achsen Bewehrung erforderlich. Im Krafteinleitungsbe­
verringerte Tragfähigkeit des Stahlköchers kann für eine reich lE1 des Betonköchers stützt sich das Fachwerkmodell
elastische Spannungsberechnung z. B. über Vergleichs­ am Beton ab. Die Abmessungen des reinen Betonquer­
spannungen berücksichtigt werden. Für eine plastische schnittes am Fußpunkt sind größer als die des Verbund­
Berechnung wird die Streckgrenze fy des Stahlköchers in querschnittes des Bogens, um die zusätzliche Last aus dem
Längsrichtung reduziert, indem z. B. die Fließbedingung Stahlprofil Na zu übertragen. Im Krafteinleitungsbereich
nach v. Mises für den ebenen Spannungszustand nach lE2 des Versteifungsträgers ist eine ausreichend verankerte
σx = fy umgestellt wird. Letztlich wird die gesamte Normal­ Rückhängebewehrung zur Aufnahme von Z2 erforderlich,
kraft des Bogens Na + Nc auf der Lasteinleitungslänge lE2 um ein „Herausreißen“ des Versteifungsträgers zu verhin­
eingeleitet. Der Stahlköcher ist dann für die vollständige dern. Zur Aufnahme des Horizontalschubes NZug sind
Bogenlast zu bemessen. viele Dübel notwendig. Zur Verringerung der Dübelanzahl

Stahlbau 86 (2017), Heft 3 275


M. Bransch · Vorschläge zum Bau von Verbundbögen an Stabbogenbrücken

kann stattdessen eine Kopfplatte am Versteifungsträger an­


geschweißt werden oder in den Kammern des Verstei­
fungsträgers werden Schubbleche eingeschweißt.

9 Beispiel

Für eine Beispielrechnung wird eine typische Stabbogen­


brücke mit dem System aus Bild 1 verwendet. Die fiktive
Brücke hat eine Stützweite von 80 m und den typischen
Querschnitt einer Straßenbrücke entsprechend Bild 8. Ver­
schiedene Bogenvarianten werden nach den gültigen
­Normen und den Abschnitten 5 bis 7 bemessen und ver­
glichen. Die Haupttragelemente nach Bild 1 sind bis auf
den Bogen in allen Varianten gleich.
Eine Bemessung im Grenzzustand der Tragfähigkeit Bild 8.  Querschnitt der Beispielbrücke in Feldmitte (Maße
ergibt bei 100 % Auslastung die Bogenvarianten aus Ta­ in m)
belle 1 (Erläuterungen zur Tabelle: b × h = Breite × Höhe Fig. 8.  Cross-section of the example bridge at mid span
eines Rechteckes als Außenmaße ohne Überstände, Stahl­
hohlkastenmaße = Breite × Höhe × Blechdicke, Betonstahl
als Längsbewehrung entsprechend Bild 2). Die Varianten
nach Tabelle 1 entsprechen Bild 2. Die Abmessungen der Alle Bogenvarianten sind nach Theorie II. Ordnung be­
Verbundbögen sind für den Endzustand gegeben. Zusätz­ rechnet. Beim Stahlbetonbogen ist dabei die Steifigkeitsän­
lich werden reine Stahl- bzw. Stahlbetonbögen verglichen. derung im gerissenen Zustand berücksichtigt. Der Stahl­
Für die Verbundbögen 1 bis 3 aus Tabelle 1 sind zwei Va­ betonbogen erfordert einen hohen Bewehrungsgrad für
rianten angegeben: s – schlanke (optisch ansprechende) eine ausreichende Steifigkeit im gerissenen Zustand. Da­
Bögen im Endzustand oder l – leichte Bögen beim Ver­ mit wird die Stabilität des Bogens erheblich verbessert.
schub. Die schlanken Verbundbögen im Endzustand sind Dies gilt insbesondere beim freistehenden Bogen für das
grafisch in Bild 2 dargestellt. Ausweichen senkrecht zur Bogenebene.
Ein schlanker Verbundbogen erfordert einen hohen Die unterschiedlichen Stabbögen aus Tabelle 1 erge­
Baustahlanteil bei kompaktem Baustahlquerschnitt. Dage­ ben ein unterschiedliches Gesamtgewicht der Beispielbrü­
gen ist für ein leichtes Montagegewicht ein Verbundbogen cke. Wünschenswert ist ein leichtes Gesamtgewicht im
mit geringem Baustahlanteil und statisch optimiertem Bau­ Verschubzustand, weshalb nur das Stahlskelett der Brücke
stahlquerschnitt nötig. Die möglichen Baustahl- und Be­ verschoben wird (vgl. Abschnitt 3.1). Bild 9 vergleicht un­
tonanteile sind bei Anwendung des vereinfachten Ver­ terschiedliche Gesamtgewichte der Beispielbrücke im Ver­
fahrens nach [12] begrenzt und z. B. für den Bogen 3sb schubzustand. Die Gewichtsunterschiede resultieren aus
ausgereizt. Der schlankeste Bogen ergibt sich für den aus­ den Stabbögen nach Tabelle 1: Verbundbögen 1l-3l oder
betonierten Hohlkasten. Dieser ist statisch besonders Stahlbogen 4. Für die Verbundbögen 1l und 2l wurden die
günstig und besonders flexibel bei der Gestaltung des Bau­ leichten Varianten nach Bild 2 gewählt, welche keinen Be­
stahlquerschnittes. Im Gegensatz dazu ist z. B. die Bogen­ ton im Verschubzustand enthalten. Verbundbogen 1la ent­
breite 2b durch die Walzprofilbreite festgelegt. hält einen Fachwerkverband L 70 × 7. Der Vergleich ist auf

Tabelle 1.  Vergleich von Verbundbögen im Endzustand mit Stahlbogen und Stahlbetonbogen
Table 1.  Comparison of composite arches in its final state to steel and reinforced concrete arches

a) Bogen – breit freistehend b) Bogen – schmal – mit Querverband


b × h [mm²], Betonstahl, Baustahl b × h [mm2], Betonstahl, Baustahl
1 s 1 200 × 600, 22 ∅ 28/15, 2 × HEM 360 816 × 600, 18 ∅ 28/15, 2 × HEM 360
vollständig einbetoniertes Walzprofil l 1 300 × 700, 24 ∅ 20/15, 2 × HEB 500 700 × 800, 16 ∅ 20/15, 2 × HEB 500
2 s – 612 × 524, 8 ∅ 28/15, 2 × HEM 500
teilweise einbetoniertes Walzprofil l – 600 × 650, 14 ∅ 20/15, 2 × HEB 650
3 s –,–, –,–,
ausbetonierter Stahlhohlkasten 1 000 × 450 × 32 500 × 600 × 32
l –,–, –,–,
1 000 × 450 × 20 500 × 600 × 20
4 –,–, –,–,
Stahlhohlkasten 1 100 × 550 × 32 600 × 700 × 32
5 1 700 × 850, 44 ∅ 28/10,– 900 × 1 100, 34 ∅ 28/10,–
Stahlbetonrechteck

276 Stahlbau 86 (2017), Heft 3


M. Bransch · Vorschläge zum Bau von Verbundbögen an Stabbogenbrücken

Dessen Berechnung ist mit dem vereinfachten Näherungs­


verfahren nach [12] nicht erlaubt. Zur Berechnung wird
ein Verfahren aus [17] vorgeschlagen, welches auf dem ver­
einfachten Näherungsverfahren basiert. Das Verfahren aus
[17] wird weiter angepasst, was die Beurteilung der Trag­
fähigkeit des Verbundbogens mit einer Handrechnung er­
möglicht.
Der Bogenfußpunkt wird üblicherweise in Stahl gefer­
tigt (vgl. Riz S-STB 28 der DB AG [14]). Mögliche Bogen­
fußpunkte aus Beton oder Stahl sind für den Anschluss der
vorgeschlagenen Verbundbögen angegeben. Die aufwändi­
gen Versteifungen eines Bogenfußpunktes aus Stahl kön­
nen durch die Verwendung von Beton entfallen. Stattdes­
sen ist jedoch eine aufwändige Bewehrungsführung mit
hoher Bewehrungsdichte erforderlich.
Stabbogenbrücken werden häufig auf einem Vormon­
Bild 9.  Gewichtsvergleich der Stahlskelette mit unterschied-
tageplatz montiert und anschließend in die Endlage ver­
lichen Bögen im Verschubzustand
schoben. Die vorgeschlagenen Verbundbögen mit späterer
Fig. 9.  Comparison of the weight of the steel construction
with different arches during the bridge launch Betonergänzung ermöglichen geringe Montagegewichte
der Brücke während des Verschubes. Das Montagegewicht
ist geringer als bei Stabbogenbrücken mit reinem Stahl­
bogen, da nur das Stahlprofil des Verbundbogens für bau­
zeitliche Lasten bemessen werden muss. Die beispielhafte
die Brücke mit freistehendem Stahlbogen 4a bezogen, wel­ Berechnung einer durchschnittlichen Stabbogenbrücke
che das höchste Gewicht (100 %) hat. Die Tonnage des ergibt ca. 20 % Ersparnis für das Gesamtgewicht der Brü­
gesamten Stahlskelettes mit Bogen 4a beträgt 320 t im Ver­ cke im Verschub.
schubzustand und 1 500 t im Endzustand.
Bild 9 zeigt die Montagevorteile des Verbundbogens
Literatur
gegenüber dem reinen Stahlbogen. Gewichtseinsparungen
bis zu 20 % sind bei Verwendung der Verbundbögen 1l-3l
während des Verschubes möglich. Durch den Bogenquer­ [1]  Geißler, K.: Handbuch Brückenbau. Berlin: Ernst & Sohn
2014.
verband kann das Stahlskelett mit schmalen Bögen schwe­
[2]  Außerlechner, A., La Poutré, D., Fischer, M.: Die neue ÖBB-
rer sein als das mit breiten Bögen.
Rheinbrücke bei Lustenau, Österreich – Ein außergewöhn­
liches Bogenbrückentragwerk. Stahlbau 85 (2013), H. 5,
10 Zusammenfassung S. 340–346. DOI: 10.1002/stab.201310048
[3]  Stetter, H., Hentschinski, S., Fritsche, T.: Konzentrierte Inno­
Vollständig und teilweise einbetonierte Walzprofile sowie vation: Die Regenbrücke Stefling als Stabbogenbrücke aus
ausbetonierte Hohlprofile wurden für Verbundbögen an Beton. Beton- und Stahlbetonbau 110 (2015), H. 10, S. 710–
Stabbogenbrücken vorgeschlagen. Verbundbögen haben 719. DOI: 10.1002/best.201500033
die arteigenen Vorzüge von Verbundstützen im Außenbe­ [4]  Eggemann, H., Kurrer, K.-E.: Bogenbrücken mit steifer Be­
reich. So ist Beton kostengünstig und das Stahlprofil dient wehrung: Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Sys­
als Schalung oder Schalungsträger. Damit kann ein Ver­ tems Melan. Österreichische Ingenieur- und Architekten-
Zeitschrift (ÖIAZ) (2005), H. 2/3, S. 45–53.
bundbogen einzelfallabhängig wirtschaftlicher sein, als ein
[5]  Yan, G., Yang, Z.: Wanxian Yangtze Bridge, China. Struc­
reiner Stahl- oder Stahlbetonbogen.
tural Engineering International 1997, Vol. 7 (3), pp. 164–166.
Durchgeführte Berechnungen zeigen, dass einbeto­ [6]  König, G. et al.: Der Karl-Heine-Bogen in Leipzig – Hybride
nierte Walzprofile für Stabbögen üblicher Stützweite trag­ Brückenkonstruktion unter Verwendung von Hochleistungs­
fähig sind. Vor- und Nachteile von einbetonierten Walz­ leichtbetonen. Bautechnik 77 (2000), H. 8, S. 523–535.
profilen sind in der Fachliteratur erschöpfend beschrieben [7]  Chen, B., Wang, T.: Overview of Concrete Filled Steel Tube
und auf den Bogen übertragbar. Davon besonders hervor­ Arch Bridges in China. Practice Periodical on Structural
zuheben sind die vergleichsweise geringen Materialkosten, ­Design and Construction. 2009, Vol. 14.
die entfallenden Schweißarbeiten und der Verzicht auf den [8]  Weißbach, M.: Entwerfen und konstruieren hybrider Bogen­
Korrosionsschutz. brücken aus Stahl und Beton. Berlin: Bauwerk, 2006.
Besonders schlanke Querschnitte sind mit ausbeto­ [9]  La Poutré, D., Vill, M.: Neue Bogenbrücke für die Koralm­
bahn – Mit Schwung von Graz nach Klagenfurt. Stahlbau 80
nierten Hohlkästen möglich. Diese sind statisch günstiger
(2011), H. 5, S. 324–330. DOI: 10.1002/stab.201101429
als die einbetonierten Walzprofile, begründet im außen
[10]  Mehlhorn, G.: Handbuch Brücken. Berlin Heidelberg:
angeordneten Baustahl. Weiterhin ist nach [12] eine er­ Springer-Verlag 2010.
höhte Betonfestigkeit ansetzbar, da die Querdehnung des [11]  Kuhlmann, U.: Perspektiven im Verbundbrückenbau.
Betons behindert ist. Ausbetonierte Hohlprofile sind in­ Stahlbau 65 (1996), H. 10, S. 331–337.
folge der verfügbaren Liefergrößen nur geschweißt aus­ [12] DIN EN 1994-2:2010-12: Bemessung und Konstruktion
führbar. von Verbundtragwerken aus Stahl und Beton – Teil 2: Allge­
Die vorgeschlagenen Verbundbögen beinhalten einen meine Bemessungsregeln und Anwendungsregeln für Brü­
Querschnitt mit zwei separat einbetonierten Walzprofilen. cken; Deutsche Fassung EN 1994-2:2005 + AC:2008.

Stahlbau 86 (2017), Heft 3 277


M. Bransch · Vorschläge zum Bau von Verbundbögen an Stabbogenbrücken

[13]  Doss, W. et al.: VFT-Bauweise – Entwicklung von Verbund­ com/sections)]. Internal report for ArcelorMittal LCE,
fertigteilträgern im Brückenbau. Beton- und Stahlbetonbau 96 Plumiecs & ULg., 2012.
(2001), S. 171–180. [18]  Petersen, C.: Stahlbau – Grundlagen der Berechnung und
[14] Deutsche Bahn. Richtzeichnungen für stählerne Eisen­ baulichen Ausbildung von Stahlbauten, 3. Auflage. Braun­
bahnbrücken (804.9010). schweig/Wiesbaden: Vieweg 1997.
[15]  Hanswille, G.: Anwendung der Teile 2 der Eurocodes 3
und 4 für Stahl- und Verbundbrücken. Stahlbau 83 (2014), Autor dieses Beitrages:
H. 4, S. 217–226. DOI: 10.1002/stab.201410148 Dr.-Ing. Martin Bransch,
[16]  INCA2: Programm der TU Hamburg-Harburg zur interak­ Technische Universität Hamburg-Harburg,
tiven Berechnung von beliebig zusammengesetzten Massiv­ Institut für Baustatik und Stahlbau,
bauquerschnitten unter zweiachsiger Biegung mit Längskraft. Denickestraße 17/Gebäude L,
[17]  Plumier, A. et al.: Design example of a column with 4 en­ 21073 Hamburg,
cased steel profiles. [(downloadable on http://arcelormittal. martin.bransch@tu-harburg.de

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