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Sanktionen umgangen?

Druck auf deutsche Firmen in Russland

Einige deutsche Firmen haben ihre Produktion in Russland gestoppt. Andere Unternehmen
wie Metro, Bayer oder Henkel bleiben trotz des Ukraine-Krieges in Russland. Ein Überblick.

Ein Einkaufswagen steht vor einem neu eröffneten Metro Cash&Carry-Supermarkt in


Vladikavkaz (Russland). Die Handelskette Metro will in Russland bleiben.

Die Handelskette Metro, der Pharma- und Chemiekonzern Bayer oder der
Konsumgüterhersteller Henkel - sie bleiben trotz des Ukraine-Kriegs in Russland.
Ausländischen Unternehmen droht die russische Regierung mit Sanktionen, wenn sie jetzt
das Land verlassen.

Milliardenumsätze deutscher Firmen in Russland


Bayer, Henkel und Metro gehören zu den umsatzstärksten Unternehmen dort, 2020 setzte
Metro laut des Wirtschaftsmagazins "Forbes" aus den USA etwa 2,6 Milliarden Euro in
Russland um, Bayer 0,8, Henkel 0,9 Milliarden Euro.

Die großen deutschen Autobauer BMW (2,0 Milliarden), Daimler (2,2 Milliarden) und
Volkswagen (3,6 Milliarden) werden ebenfalls genannt, hinzu kommen die nicht
börsennotierte Globus-Handelskette mit 1,2 Milliarden Euro und der Autozulieferer Bosch
mit 1,0 Milliarden Euro, schließlich auch der Energiekonzern Uniper mit 0,9 Milliarden Euro
Umsatz 2020.

Alle deutschen Firmen versichern, sie stünden hinter den Sanktionen des Westens gegen
Russland. Doch nicht alle wollen sich vollständig zurückziehen. Bayer und Henkel begründen
das auch mit ihrer Palette an medizinischen Produkten bzw. Haushalts- und
Körperpflegemitteln. Henkel aber hat zumindest einen Stopp der Investitionen angekündigt.

Reaktionen auf Russlands Angriff


-Weitere Unternehmen boykottieren Russland
Zahlreiche weitere westliche Unternehmen, darunter Coca-Cola, McDonald's und Starbucks
schränken ihre Geschäfte in Russland stark ein. Grund ist der Krieg gegen die Ukraine.

Enteignungen drohen
Auch der Walldorfer Software-Konzern SAP will zwar das Geschäft in Russland einstellen.
Das hatte Konzernchef Christian Klein in einem Blog-Eintrag angekündigt. Doch
Bestandskunden, die nicht auf der Sanktionsliste stehen, würden "im Rahmen der
vertraglichen Verpflichtungen" weiter bedient, stellte ein Sprecher kurz danach klar.

Inzwischen haben die deutschen Autobauer angekündigt, ihre Produktion in Russland und
die Exporte dorthin zu stoppen. Die drohende Enteignung schreckt sie dabei nicht ab, meint
Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler:
Das ist nicht das ganz große Thema für VW. Russland hat am Konzernumsatz einen Anteil
von zwei Prozent, die Investitionen liegen noch darunter. Jürgen Pieper, Autoexperte beim
Bankhaus Metzler

Mitarbeiter appellieren an Unternehmen


Der Druck auf die Unternehmen, die in Russland weiter arbeiten wollen, nimmt jedoch zu,
und das auch aus dem Kreis der eigenen Mitarbeiter. Die nutzen dafür interne oder auch
öffentliche Netzwerke wie eine ukrainische Mitarbeiterin der Metro.

Sie appelliert im Karrierenetzwerk LinkedIn an das Management, deren finanzieller Erfolg


hänge doch sicher nicht allein von Russland ab: "Ich träume davon, dass das Unternehmen,
das ich respektiere und in dem ich sieben Jahre meines Lebens verbracht habe, sich nicht
von Aggression abwendet."

Bitte tun Sie nicht so, als ob dies nicht Ihr Krieg sei! Ukrainische Metro-Mitarbeiterin bei
LinkedIn. Bei Banken mittelfristiger Abschied aus Russlandgeschäft?

Unter Druck stehen auch die deutschen Banken, die in Russland noch Geschäft machen. Erst
am vergangenen Freitag beeilte sich die Deutsche Bank zu versichern, sie habe ihr
Engagement und ihre Präsenz in Russland seit 2014 "substanziell verkleinert". In einer
Mitteilung schreibt sie, sie sei dabei, ihr "verbleibendes Geschäft in Übereinstimmung mit
den gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben" herunterzufahren.

Und sie helfe ihren nichtrussischen Kunden dabei, das auch zu tun: "Wir machen in Russland
kein Neugeschäft mehr." Ähnliches gilt für die Commerzbank. Sie habe nur Kredite in Höhe
von netto 1,3 Milliarden Euro in Russland vergeben, das entspreche 0,4 Prozent ihres
Kreditrisikos im Konzern, teilte sie Anfang März mit. Auch sie will das Neugeschäft
einstellen.

Deutsche Unternehmen in Russland 2012 und 2020


Insgesamt waren 2021 nach Angaben des Ost-Ausschusses noch 3.500 Unternehmen mit
deutscher Beteiligung in Russland aktiv. Das bilaterale Handelsvolumen lag bei knapp 60
Milliarden Euro. Im Rekordjahr 2012, also vor der russischen Annexion der Krim, waren es
deutlich über 6.000 Unternehmen und das Handelsvolumen erreichte 80 Milliarden Euro."

Das haben auch viele andere produzierende Unternehmen getan. Denn die meisten bleiben
im Land, investieren aber nicht mehr. Darauf weist der Ost-Ausschuss der Deutschen
Wirtschaft hin.

Produktionsanlagen kann man schlecht in die Tasche stecken und damit einfach nach Hause
fahren. Mitteilung des Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

"Die Anlagen werden daher weiter genutzt, soweit alle wichtigen Zulieferteile noch
eintreffen und nicht sanktioniert sind. Es gibt aber eben kein Neukundengeschäft und keine
neuen Investitionen mehr", ist da zu hören. Der Verzicht auf die Kundenakquise könnte
dann mittelfristig zum völligen Abschied aus dem Markt führen.
ifo-Chef zu Folgen des Kriegs-Was kommt auf die deutsche
Wirtschaft zu?

Russlands Krieg gegen die Ukraine trifft die deutsche Wirtschaft besonders hart, meint
Clemens Fuest, Chef des ifo-Instituts - und warnt vor einem chinesisch-russischen Block.

ZDFheute: Unsicherheit dominiert die Lage. Würden Sie das auch so sehen?
Clemens Fuest: Die Unsicherheit steigt derzeit sehr stark an. Das können wir auch messen.
Wir fragen die Unternehmen: Wie unsicher sind eure Erwartungen oder wie gut könnt ihr
einschätzen, wie die Geschäfte in den nächsten Monaten laufen? Die meisten Unternehmen
kennen ihre Märkte gut und wissen ganz gut, was kommt. Aber jetzt sagen uns die
Unternehmen: "Wir können es überhaupt nicht mehr einschätzen." Das hat damit zu tun,
dass niemand weiß, wie der Ukraine-Krieg weiter verläuft.
Es weiß niemand, ob ein Gasembargo kommt. Und das führt zu sehr, sehr hoher
Unsicherheit.

ZDFheute: Sie vergleichen die jetzige Krise mit der Ölkrise der 70er und 80er Jahre. Wo
liegt die Parallele?
Fuest: Wir befinden uns derzeit in einer Stagflationsphase, das heißt niedrige
Wirtschaftsaktivität kombiniert mit stark steigenden Preisen.

Clemens Fuest ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität


München. Seit 2016 ist er Präsident des Institut für Wirtschaftsforschung (ifo). Fuest äußert
sich zu vielen wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Fragestellungen. Er gilt als einer
der einflussreichsten Ökonomen Deutschlands.

ZDFheute: Sie bezeichnen Deutschland als wirtschaftlichen Hauptverlierer der Krise.


Warum das?
Fuest: Die Schwierigkeit ist, dass wir im Bereich der Gasversorgung besonders stark mit
Russland kooperiert haben. Außerdem ist Deutschland ungewöhnlich
außenhandelsorientiert. Deutschland ist also im Vergleich zu anderen vergleichbaren
Ländern viel, viel stärker in die Weltwirtschaft integriert. Und diese Krise beeinflusst genau
diese beiden Punkte. Die Energieversorgung verteuert sich und der Außenhandel wird
schwieriger. Es gibt mehr Protektionismus und Unterbrechung von Wertschöpfungsketten -
und das trifft Deutschland mehr als andere.

Bundesfinanzminister Lindner erklärt, mit dem Hilfspaket für Unternehmen wolle man
einzelne Branchen, die durch steigende Energiepreise stark betroffen sind, helfen. Im
nächsten Jahr müsse man „schnellstmöglich zurück zu stabilen Staatsfinanzen“ kommen.
ZDFheute: Ist eine Dimension bereits absehbar oder ist es dafür noch zu früh?
Fuest: Was wirklich herauskommt, ist nicht absehbar. Wir sind noch zu früh in der Krise. Es
kann sein, dass der Ukraine-Krieg in ein paar Wochen beendet ist. Wir würden hoffen, dass
er möglichst schnell endet und sich vieles wieder beruhigt. Dann sind auch die
Konsequenzen für Deutschland nicht so gravierend. Es kann aber sein, dass der Krieg länger
anhält, dass die Sanktionen sich noch verschärfen, dass er sich schlimmstenfalls sogar
ausweitet. Und dann sind wir in ganz ande ren Lagen. Wir wissen es heute noch nicht.
Das 3sat-Wirtschaftsmagazin makro berichtet jede Woche aus dem Wirtschaftsdschungel.
Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem auch für die globalen
Zusammenhänge. Dienstagabends live in 3sat und jederzeit in der ZDF-Mediathek.

ZDFheute: Wie sähe das Worst-Case-Szenario aus?


Fuest: Das Worst-Case-Szenario wäre sicherlich eine Ausweitung des Krieges. Aber ebenfalls
hochproblematisch wäre eine Unterstützung von Russland durch China und eine
Beeinträchtigung der Wirtschaftsbeziehungen zu China. Wir hätten dann so etwas wie eine
Blockbildung in der Weltwirtschaft: einen chinesisch-russischen Block und einen
amerikanisch-europäischen Block. Großer Verlierer wäre auch hier Deutschland, denn wir
treiben intensiv Handel, insbesondere mit China. Wenn das wegbräche - das wäre für uns
schwierig.Berichte über weitere russische Kriegsverbrechen in der Ukraine sorgen dafür,
dass im Westen noch schärfere Sanktionen geplant werden.

ZDFheute: Schauen wir noch einmal auf die Wertschöpfungsketten und Abhängigkeiten,
die uns gerade so schmerzlich bewusst werden. Kann es sein, dass alles ins Stocken
kommt, wenn an entscheidender Stelle ein Glied aus der Kette herausbricht?
Fuest: Wenn einzelne Glieder einer Wertschöpfungskette beeinträchtigt werden, dann kann
das sehr weitreichende Auswirkungen haben. Aber wir dürfen eins nicht vergessen:
Märkte sind extrem anpassungsfähig. Das heißt, wenn eine Lieferung irgendwo ausfällt,
dann hat man für die ersten Wochen ein Problem, vielleicht sogar für Monate. Aber Märkte
und Unternehmen sind sehr gut darin, neue Lösungen zu finden, Stoffe zu ersetzen. Insofern
bin ich da mittelfristig nicht so pessimistisch.
Das Interview führte Peter Aumeier.
Pandemie und Ukraine-Krieg-Prognose: Wohnungsbau wird 2023
einbrechen

Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie warnen Branchenverbände
vor einem Einbruch des Wohnungsbaus in Deutschland im kommenden Jahr.

Materialmangel und ein rasanter Anstieg der Kosten machten die Kosten neuer
Bauvorhaben unkalkulierbar - sowohl für die auftraggebenden Wohnungsunternehmen, als
auch für viele ausführende Baufirmen und Handwerker. So heißt es übereinstimmend in
Wohnungs- und auch Baubranche.

Wohnbaubranche: "Deutliche Einbrüche"


"Da wird es Einbrüche geben, und zwar ganz deutliche", sagt Hans Maier, der Direktor des
Verbands der bayerischen Wohnungswirtschaft (vdw), der Deutschen Presse-Agentur. Das
stimmt mit der Einschätzung des norddeutschen Schwesterverbands VNW überein:

"86 Prozent der Wohnungsgenossenschaften und der sozial orientierten


Wohnungsgesellschaften in Norddeutschland schätzen die Aussichten für den Neubau
derzeit als schlecht beziehungsweise als sehr schlecht ein", sagt ein VNW-Sprecher in
Hamburg.

"60 Prozent wollen deshalb den Start von Neubauprojekten verschieben beziehungsweise
sind noch unsicher." Beide Verbände vertreten überwiegend sozial orientierte Vermieter
wie Genossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften.

Preissteigerungen und Lieferengpässe


Derzeit bauen die Wohnungsunternehmen trotz Kostensteigerungen landauf, landab noch
fleißig. So auch Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen Vonovia in Bochum und
dessen hauseigener Bauträger Buwog Development: "Doch da die Buwog mit ihren
Nachunternehmern zumeist Festpreise vereinbart, haben solche Preisschwankungen
normalerweise keine kurzfristigen Auswirkungen auf unser Neubaugeschäft oder die Preise
der aktuell angebotenen Eigentumswohnungen", sagt Buwog-Geschäftsführerin Eva Weiß.

Mittel- und langfristig sind die Aussichten jedoch unerfreulich. In einer kürzlich
veröffentlichten Umfrage des Hauptverbands der deutschen Bauindustrie klagten 90
Prozent der Unternehmen über Preissteigerungen, 80 Prozent über Lieferengpässe.

Verluste trotz voller Auslastung


Demnach geben Baustofflieferanten für viele Materialien derzeit nur noch tagesaktuelle
oder gar keine Preise mehr an. Bauherren und Baufirmen vereinbaren in ihren Verträgen in
der Regel vor Baubeginn Festpreise. Wenn die Materialkosten so schnell steigen wie derzeit,
laufen die Bauunternehmen Gefahr, am Ende trotz voller Auslastung Verluste zu machen.

"Es ist eine Situation, wie wir sie noch nie hatten", berichtet ein Sprecher des
Landesverbands der bayerischen Bauinnungen in München.

Wir haben eine Riesen-Auftragswelle, und gleichzeitig fehlen die Rohstoffe. Wir haben alle
acht Wochen massivste Preissteigerungen. __Sprecher der bayerischen Bauinnungen
Sanktionen gegen Russland
-Was die EU fürs nächste Sanktionspaket plant
Die EU-Kommission entwickelt aktuell weitere Sanktionen gegen Russland. Es soll eine
wichtige Bank treffen - und um Energiefragen gehen, so Kommissionspräsidentin von der
Leyen.

Die EU-Kommission plant die Ausweitung von Sanktionen auf die wichtige russische
Sberbank und bereitet einen Mechanismus für ein Öl-Embargo vor, sagt
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

"Wir sehen uns weiter den Bankensektor an, insbesondere die Sberbank, die alleine 37
Prozent des russischen Bankensektors ausmacht", sagte von der Leyen der "Bild am
Sonntag" zu einem sechsten Sanktionspaket. "Und natürlich geht es um Energiefragen."

Von der Leyen: EU arbeitet bei Öl-Lieferungen an "klugen Mechanismen"


Die EU-Kommission entwickele "gerade kluge Mechanismen, damit im nächsten
Sanktionsschritt auch Öl einbezogen werden kann", sagte von der Leyen. Oberstes Ziel sei
es, die russischen Einnahmen zu schrumpfen. Es müsse verhindert werden, dass Kreml-Chef
Wladimir Putin auf anderen Märkten noch höhere Preise für Öl-Lieferungen erziele, die
sonst in die EU gingen.

Ausdrücklich verteidigte von der Leyen die Bundesregierung gegen den Vorwurf, bei
Sanktionen gegen Russland zu bremsen: "Deutschland hat allen fünf Sanktionspaketen, die
wir vorgeschlagen haben, innerhalb von 48 Stunden zugestimmt." Noch nie sei die EU "so
geschlossen, entschlossen und tatkräftig aufgetreten wie jetzt". Daran habe Deutschland
seinen Anteil.

EU-Kommissionspräsidentin: Sanktionen gegen Russland wirken bereits


Von der Leyen betonte, die bereits geltenden Strafmaßnahmen gegen Moskau würden
wirken: "Die Sanktionen fressen sich Woche für Woche tiefer in die russische Wirtschaft."

Der Export nach Russland sei um 70 Prozent eingebrochen, das Bruttoinlandsprodukt in


Russland werde um elf Prozent einbrechen. Der Staatsbankrott sei nur noch eine Frage der
Zeit. "Putin zerstört mit diesem Krieg auch sein eigenes Land und die Zukunft seiner
Bevölkerung", sagte von der Leyen.
Null-Covid-Strategie
-Die Wirtschaft leidet - in China und weltweit
Seit Wochen ist Shanghai im Lockdown - und damit 25 Millionen Menschen. Die
Wirtschaftsmetropole ist so wichtig für Chinas Wirtschaft, dass nun das ganze Land darunter
leidet.

Drei Wochen schon sitzt Tanzschul-Inhaber Huang Naiyi in seiner Wohnung im Lockdown.
Drei Wochen, in denen seine Tanzstudios geschlossen sind und das Wirtschaftsleben in der
25-Millionen-Einwohner-Metropole zum Stillstand gekommen ist.

Er hat Umsatzeinbußen und fürchtet die langfristigen Folgen dieses Lockdowns.

Shanghai lebt von der Wirtschaft und vom Austausch. Doch wenn keine einzige Maschine
fliegt und keine Züge fahren, ist der wirtschaftliche Schaden vergleichbar mit einem
regionalen Krieg. -----Huang Naiyi, Tanzschul-Inhaber in Shanghai

Das betreffe die gesamte Region: "Es betrifft das Delta des Yangtze- Flusses, die stärkste
Wirtschaftszone Chinas. Das ist der wirtschaftliche Motor Chinas. Langfristig kann man das
nicht durchhalten."

Omikron ist das Dilemma von Chinas Null-Covid-Strategie


Nach Hongkong und Shenzhen ist Shanghai innerhalb kürzester Zeit die dritte
Wirtschaftsmetropole Chinas, die durch einen Lockdown gelähmt wird. Omikron wird zum
Dilemma für Chinas Null-Covid-Strategie. Denn das Virus ist schneller als die strikten
Maßnahmen von Isolation und Nachverfolgung.

Das belastet zunehmend die Wirtschaftsentwicklung - in China und auch weltweit. Und das
in einer Zeit, in der sich andere Weltregionen wieder öffnen und viele Corona-Maßnahmen
wegfallen.

Auch deutsche Unternehmen in Shanghai stehen still


Viele Unternehmen in China ächzen unter immer wiederkehrenden Lockdowns. Auch
internationale Firmen wie die deutschen Autobauer sind immer wieder betroffen. So wird
im Werk von Volkswagen in Shanghai derzeit nicht produziert. Auch in den VW-Werken im
Nordosten Chinas gab es Produktionsstopps wegen Corona. Dort nimmt VW die Produktion
jetzt langsam wieder auf.
Diese strikte Null-Covid Strategie bringt den chinesischen Wirtschaftsmotor zunehmend ins
Stottern. Hinzu kommen ein Mangel an Ersatzteilen, Schiffscontainern, dadurch gestörte
Lieferketten und jetzt auch noch der Krieg in der Ukraine.

Zwar hat China für das erste Quartal mit 4,8 Prozent noch ein gutes Wachstum gemeldet.
Doch im März hat es sich deutlich abgeschwächt, so Ökonomen. Sie rechnen damit, dass die
Beschränkungen die Konjunktur im zweiten Quartal noch weiter beeinträchtigen.

Der wirtschaftliche Abwärtsdruck hat zugenommen. __Fu Linghui vom Nationalen


Statistikamt in Peking

IWF warnt: Ein Abschwung in China hätte Folgen für die Weltwirtschaft
Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) ist nervös. Er sieht durch die Corona-Politik
Chinas das weltweite Wirtschaftswachstum in Gefahr und senkte seine Wachstumsprognose
für China in diesem Jahr deutlich auf 4,4 Prozent - nach 8,1 Prozent in 2021. Die chinesische
Regierung sagt für 2022 noch 5,5 Prozent voraus.

Die globalen Auswirkungen seien erheblich, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgieva am


Donnerstag in einer Videobotschaft auf dem jährlichen "Boao Forum for Asia" auf der
südchinesischen Insel Hainan. China verfüge aber über politischen Spielraum, um
konjunkturelle Unterstützung zu leisten, so Georgieva. Dazu gehörten Hilfen für private
Haushalte, um den Konsum anzukurbeln.

Chinas Präsident Xi sagte auf derselben Veranstaltung, dass die heimische Wirtschaft
widerstandsfähig sei und sich ihr langfristiger Trend nicht geändert habe. Xi räumte aber
zugleich ein, dass Anstrengungen erforderlich seien, um die globalen Lieferketten zu
stabilisieren.

Einige Anleger ziehen schon Kapital ab


Die Anleger an den Finanzmärkten haben derweil reagiert. Mehr als zehn Milliarden Dollar
an Wertpapieren zogen ausländische Investoren nach Berechnungen verschiedener Institute
in den vergangenen Wochen aus China ab, möglicherweise aus Angst vor Sanktionen durch
die russlandnahe Haltung Chinas im Ukraine-Krieg, so Analysten.

Im Lockdown in Shanghai hofft Huang Naiyi, der Tanzschulen-Inhaber, dass seine Studios die
Krise überleben.

Wochenlang haben wir jetzt schon zu. Doch die Gehälter und Mieten müssen weitergezahlt
werden. __ Huang Naiyi, Tanzschul-Inhaber in Shanghai

Wie lange er durchhalten kann, weiß er derzeit nicht.


Digital Services Act: Neues EU-Gesetz gegen Hass und
Gewalt im Netz

Hass, Hetze, Desinformation im Netz - die Europäische Union steuert nun


gegen. Ein Gesetz über digitale Dienste soll für mehr Sicherheit im Internet
sorgen. Was beschlossen wurde.

Die Verhandlungen über neue Regeln für Internetfirmen und


Plattformbetreiber laufen seit Monaten. In der Nacht zum Samstag haben
Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Mitgliedstaaten sich auf
einheitliche Regeln zur Bekämpfung illegaler Inhalte im Internet geeinigt. Das
teilten EU-Kommission und Europaparlament am Samstag mit.

Der sogenannte Digital Services Act sieht vor, dass Online-Plattformen wie
Soziale Netzwerke und Onlinehändler Maßnahmen ergreifen müssen, um
Nutzerinnen und Nutzer vor illegalen Inhalten, Waren und Dienstleistungen zu
schützen. Hass-Postings und Desinformation sollen schneller entfernt werden.
Wie die EU das Internet neu regelt - die wichtigsten Fragen und Antworten im
Überblick:

Was ist das Gesetz über digitale Dienste?

Der DSA ist Teil eines Digital-Pakets, welches die EU-Kommission Ende 2020
vorgeschlagen hat. Ziel waren verbindliche Regeln für das Internet. EU-
Kommissionsvize Margrethe Vestager verglich die Lage mit der ersten Ampel,
die Ordnung auf die Straßen gebracht habe.

Das Gesetz verfolgt ein grundlegendes Prinzip: Was offline illegal ist, soll es
auch online sein. Das gilt etwa für Hassrede und Terrorpropaganda, aber auch
für gefälschte Produkte, die auf Online-Marktplätzen verkauft werden. Die
Plattformen sollen mehr Verantwortung dafür übernehmen, was bei ihnen
passiert.

Der zweite Teil des Digital-Pakets war das Gesetz über digitale Märkte (Digital
Markets Act, DMA), bei dem es bereits Ende März eine Einigung gab. Der DMA
soll die Marktmacht von Tech-Giganten wie Google und Facebook mit
strengeren Regeln beschränken.

Wer muss die neuen Regeln befolgen?

Grundsätzlich sollen die neuen Regeln für digitale Dienste gelten, die
Vermittler sind und Verbrauchern Zugang beispielsweise zu Waren und
Inhalten ermöglichen. Das können

 Online-Marktplätze wie der von Amazon sein,


 Soziale Medien wie Facebook,
 Plattformen zum Teilen von Inhalten wie Youtube und
 Suchmaschinen wie Google.

Große Dienste müssen mehr Regeln befolgen als kleine. Für kleine
Unternehmen mit weniger als 45 Millionen aktiven Nutzern im Monat wird es
Ausnahmen geben.

Was schreibt der DSA genau vor?

Grundsätzlich gilt, dass die Unternehmen illegale Inhalte wie Hassrede,


Gewaltaufrufe oder Terrorpropaganda zügig entfernen müssen, wenn sie
darüber informiert werden. Nutzer sollen derlei Inhalte einfach melden
können. Auch sollen sie die Möglichkeit haben, die Lösch-Entscheidungen der
Plattformen anzufechten und Entschädigung zu fordern.

Ein Unterschied soll gemacht werden zwischen

 illegalen Inhalten und


 solchen, die zwar schädlich sind, aber unter die Meinungsfreiheit fallen.

Das könnten etwa Lügen über die Wirksamkeit von Impfstoffen sein, die die
Gesundheit von Menschen gefährden. Oder Falschbehauptungen zu
Essstörungen, die etwa junge Frauen in die Magersucht treiben.
Marktplätze werden dazu verpflichtet, Anbieter zu überprüfen, damit weniger
gefälschte Produkte im Netz landen. Manipulative "Dark Patterns", die
Verbraucher zur Kaufentscheidung drängen, werden verboten. Auch sonst
werden derlei irreführende Benutzeroberflächen - etwa bei der Cookie-
Auswahl - weitgehend verboten. Sensible Daten wie religiöse Überzeugungen,
sexuelle Vorlieben oder politische Ansichten dürfen nur begrenzt für gezielte
Werbung genutzt werden.

Minderjährige sollen grundsätzlich keine personalisierte Werbung mehr


bekommen. Soziale Netzwerke müssen ihre Empfehlungsalgorithmen
transparenter machen und den Nutzern Wahlmöglichkeiten bieten. Bei
Verstößen drohen Strafen in Höhe von sechs Prozent des weltweiten
Jahresumsatzes.

Neu ist zudem ein Krisenmechanismus, den die EU-Kommission wegen des
russischen Angriffs auf die Ukraine nachträglich vorgeschlagen hatte. Dieser
soll in Fällen wie Krieg, Pandemie oder Terror die Auswirkungen von
Manipulation im Netz begrenzen. Die EU-Kommission kann den Mechanismus
auf Empfehlung des Gremiums der nationalen DSA-Koordinatoren auslösen
und dann über Maßnahmen der sehr großen Dienste entscheiden.

Was gilt für besonders große Dienste?

Als besonders groß gelten Plattformen und Suchmaschinen mit mehr als 45
Millionen Nutzern. Mit Blick auf schädliche Inhalte müssen sie künftig einmal
jährlich eine Risikobewertung vorlegen und Gegenmaßnahmen vorschlagen.
Diese Berichte werden von der EU-Kommission und Außenstehenden geprüft.
Außerdem sollen Forscher Zugang zu Daten bekommen, die etwa bestimmen,
was Nutzer in ihrem Newsfeed als Nächstes sehen.

Dies wird sich auf aufmerksamkeitsbasiertes Ranking auswirken, das den


Konzernen mit Desinformation, Hass und Hetze die Taschen vollmacht

Erstmals habe man eine unabhängige gesellschaftliche Kontrolle der


Plattformen.
Wie wirken sich die Regeln auf das deutsche NetzDG aus?

Deutschland war - zum Missfallen der EU-Kommission - schon vor Jahren mit
dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) zur Bekämpfung von Straftaten
und Hassrede im Internet vorgeprescht. Das NetzDG dürfte durch den DSA
hinfällig werden - auch, wenn das EU-Gesetz etwa bei den Löschfristen hinter
dem deutschen Gesetz zurückbleibt.

Insgesamt hat der DSA jedoch einen deutlich größeren Geltungsbereich. Das
zuständige Bundesverkehrsministerium teilte am Samstag mit, dass ein
Digitale-Dienste-Gesetz erarbeitet werden solle und die bestehenden
nationalen Gesetze umfänglich überarbeitet werden müssten.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Die Einigung wurde überwiegend positiv aufgenommen. Claudia Prettner von


Amnesty International sprach von einem "Wendepunkt in der Geschichte der
Internetregulierung".

Der DSA führt zu einer Online-Welt, in der unsere Menschenrechte besser


geachtet werden, indem die unkontrollierte Macht von Big Tech wirksam
gebremst wird.

Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz


Komitees, sagte, der DSA sei für Überlebende des Holocaust ein "überaus
deutliches Hoffnungszeichen", das sich jedoch in der Realität beweisen müsse.

Wie geht es jetzt weiter?

Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen den Deal vom Samstag noch
einmal formell bestätigen. Nach Inkrafttreten ist noch eine Übergangsfrist von
15 Monaten. Für die sehr großen Plattformen und Suchmaschinen sollen die
Regeln nach Angaben der EU-Kommission bereits vier Monate nachdem sie
designiert worden sind gelten.
Warum Deutschland und China einander brauchen

China ist seit 2015 Deutschlands Handelspartner Nummer eins - Importe und
Exporte von insgesamt 245 Milliarden Euro. Bei welchen Gütern sind die
beiden Länder voneinander abhängig?

Lockdowns, stockende Lieferketten, weniger Frachtverkehr über Chinas Häfen:


Die Corona-Politik Chinas trifft den deutschen Handel enorm. China ist
Deutschlands Handelspartner Nummer eins. Von welchen Produkten sind
beide Länder besonders abhängig?

Grundsätzlich liefert Deutschland hochwertige Produkte wie Autos oder


Maschinen, während China eher einfache Produkte wie Kleidung und
Konsumgüter bereitstellt. Außerdem wichtig sind Teile für die
Weiterverarbeitung in Deutschland.

China braucht Deutschland und Europa als Absatzmarkt - auch, um seinen


steigenden Wohlstand sicherzustellen. In Deutschland funktionieren viele
Herstellungsprozesse in der Elektronik- und Chemieindustrie nicht ohne
Zwischenprodukte aus China. Kritisch für Deutschland und Europa sind Quasi-
Monopole Chinas etwa bei seltenen Erden. Diese Metalle sind in vielen
Bereichen der Elektronik unverzichtbar, etwa bei Akkus, Solarmodulen oder
Elektroautos.

Im Detail: Hightech gegen Handrührgeräte

Die deutsche Automobilindustrie prägt den Handel mit China. Beim


zweitgrößten Posten, elektrische Maschinen, Apparate und Geräte, beliefern
sich die Länder gegenseitig. Weiterhin kommt aus Deutschland vor allem
Hochwertiges, etwa Mess- und Prüfinstrumente, Luft- und Raumfahrzeuge
oder Arzneimittel.
Neben Elektrogeräten aller Art liefert China Computer, Mobiltelefone sowie
Multimedia-Geräte nach Deutschland. Ebenfalls stark vertreten sind
Medizinprodukte wie Masken oder Konsumgüter wie Spielzeug und
Sportgeräte.

Wie sich Exporte und Importe entwickelt haben

Vor etwas mehr als 20 Jahren machte das Geschäft mit China weniger als ein
Prozent des deutschen Handelsvolumens aus. Inzwischen kommen mehr als
ein Zehntel aller deutschen Importe aus China. Auch Deutschlands Exporte
gingen deutlich nach oben, sie liegen bei über sieben Prozent der gesamten
Ausfuhr.

Neben China hat Deutschland weitere wichtige Handelspartner. Abgesehen


von den USA vor allem europäische Nachbarländer. Die zehn wichtigsten
Partner nach China trugen 2021 zu mehr als der Hälfte der deutschen
Außenhandelsumsätze bei.

Problematische Direktinvestitionen

Außer in Importen und Exporten lassen sich wirtschaftliche Verflechtungen


auch an Direktinvestitionen ins andere Land messen. Dies ist bei China fast
nicht der Rede wert, denn im Jahr 2019 standen der Bundesbank zufolge
deutsche Investitionen von 89 Milliarden Euro chinesischen von 4 Milliarden
gegenüber. Deutsche Unternehmen zeigen sich auch hier recht autofixiert: Sie
steckten fast 30 Prozent ihres Kapitals in die Herstellung von Autos und
Autoteilen, dazu noch einmal 15 Prozent in Kraftfahrzeughandel und -
reparatur.

Problematisch an den deutschen Direktinvestitionen ist, dass sie China dabei


helfen, Know-how in Hochtechnologiebereichen aufzubauen. Dort hat das
Land Nachholbedarf und strebt langfristig eine Unabhängigkeit an, wie etwa
das Institut für Weltwirtschaft Kiel 2021 hervorhob. Mit zu vielen Investitionen
in High-Tech-Projekte könnten deutsche Unternehmen sich also überflüssig
machen.
Viel Handel, wenig Wandel

Anders als bei Russland ist Deutschlands Beziehung zu China eine stark
wechselseitige. Es geht nicht um weitgehend unverarbeitete Rohstoffe wie Öl
oder Gas, sondern um Produkte und Zwischenprodukte in komplexen
Lieferketten.

Hinzu kommt, dass deutsche Unternehmen in China durch ihre Investitionen


möglicherweise schon jetzt zu stark eingebunden sind, um sich schnell
zurückziehen zu können, warnt der Außenhandelsforscher Rolf Langhammer
vom Institut für Weltwirtschaft in einer Studie. Allerdings sei China noch zu
abhängig von deutscher Technologie, da die Entwicklung eigener Produkte
lange Zeit benötige und sehr aufwändig sei.

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