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Tutorium Quali: Was

sind Qualitative
Methoden Teil I?
Grundbegriffe und Einführung

Tutor: Lars Kurt


26.10.2021
Programm für Heute

 Informelles
 Wiederholung der Grundbegriffe
 Unterscheidung Quali vs Quanti
 Schlussmechanismen
 Charakterisierung Qualitativer Methoden
Was sind Methoden?

Was bedeutet Methodologie?

Wiederholungs Was ist mit dem Begriff Wissenschaftstheorie


fragen zur VL gemeint?
Was bezeichnen Epistemologie und Ontologie?

Was bezeichnet der Methodologische


Interaktionismus?
 Methoden sind Verfahrensregeln für die Gewinnung
Was sind von Erkenntnissen

Methoden?  Methodisch erzeugte Erkenntnisse sind


nachvollziehbar, überprüfbar und damit kritisierbar
 Methodologie = Lehre von den Verfahrensweisen der
Forschung
Was bedeutet  Anhand methodologischer Kriterien kann beurteilt
Methodologie? werden, welche Methode für welche Fragestellung
und welche Datenlage geeignet ist, und wie welche
Argumente gestützt werden können (oder nicht)
Methodologischer
Individualismus
 Individuen als grundlegende
Einheiten zum Verständnis
vom Funktionieren von
Gesellschaft, Wirtschaft und
Politik
 Soziale Makro Phänomene
und ihre Strukturen unter
Rückgriff auf Mikro-Ebene
(psychologische Hypothesen
über individuelles Verhalten
bzw. Interaktion) erklärbar
gemacht
 Erklärungen auf Makro-Ebene
müssen also auf Mikro-Ebene
zurückführbar sein
Weitere Grundbegriffe

 Latente und Manifeste Sinnstrukturen:


1. Latente: Sind unterbewusst, verborgen, führen eine Art Eigenleben und
kommen in Interaktion nicht zum Ausdruck
2. Manifeste: Das Konkrete, Messbare, stellt die offensichtlichen Inhalte von
Material
 Soziale Wirklichkeit: Soziale Wirklichkeit meint jenen Teil der erfahrbaren
Wirklichkeit, der sich im Zusammenleben der Menschen ausdrückt oder durch
dieses Zusammenleben und Zusammenhandeln hervorgebracht wird
 Klare Differenzierung zwischen Quali u. Quanti ist
nicht so offensichtlich wie es zuerst klingt
 Material ist nicht entweder Qualitativer oder
Unterscheidung Quantitativer Natur, sondern erst die Methode der
Erhebung, Gewinnung und Auswertung macht das
Quali vs Quanti Material zu Qualitativen oder Quantitativen Daten
 Einige Gegenüberstellungen
Begriffsgegenüberstellung Quantitativ vs Qualitativ

QUALITATIV QUANTITATIV

• Qualitative Methoden der Datengewinnung • quantitativen Methoden zählen und messen


erzeugen → Material, dessen Gehalt sich mit soziale Phänomene und ihre Eigenschaften
formalen, quantifizierenden Auswertungen und nutzen zur Auswertung vor allem
nicht angemessen erschließen lässt: Es bedarf statistische Verfahren
in erheblichem Maße der → Interpretation, des
Verstehens

• Kontext ist von besonderer Relevanz

• erst der durch die Forschungsfrage gerichtete


Blick transformiert Material in Daten

Universität Stuttgart 10
Erklärender vs Verstehender Erkenntnismodus

 Erklären: Anspruch aller Wissenschaften ist es, Sachverhalte zu erklären

Zentraler Unterschied: Keine deterministischen Kausalitäten sondern Kontingenz


menschlicher Handlungen wird miteinbezogen

 Verstehen: Nachvollzug des subjektiv gemeinten Sinns ist nötig, um Handeln


erklären zu können
Theorietestende vs Theoriegenerierende Forschungslogik

Theorietestend Theoriegenerierend
• Nomologisch Deduktiv: Hypothesen werden • Theoretisches Vorwissen dem empirischen
aus vorhandenen Theorien abgeleitet Material nachgeordnet
• Werden an empirische Zusammenhänge • Theorie aus Interpretation und Analyse des
herangetragen Materials
• Es wird getestet, ob Hypothese und Empirie
übereinstimmen

• Frage nach der Adäquatheit der aus Theorie • Grundannahme: Keine deterministischen
abgeleiteten Begriffe u. Konzepte Gesetzmäßigkeiten, welche soziales
Handeln bestimmen

Universität Stuttgart
Normatives vs Interpretatives Paradigma I

Interpretatives Paradigma: Theoretischer Hintergrund qualitativer Sozialforschung


 Gesellschaftliche Zusammenhänge, sind nicht objektiv vorgegebene soziale
Tatbestände, sondern Resultat eines interpretationsgeleiteten
Interaktionsprozesses zwischen Gesellschaftsmitgliedern
 Daher Interpretativer Umgang mit Daten
Normatives vs Interpretatives Paradigma II

Normatives Paradigma
 Normativ: Menschliches Handeln als Folge von Rollen- und Normvorgaben
 theorietestende Verfahren betrachten die soziale Wirklichkeit mit festen,
vordefinierten Begriffsrastern (normativ)
Deduktion vs Induktion

Deduktion: Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere


Daten zur Unterstützung des Arguments

Induktion: Schluss vom Besonderen auf das Allgemeine


Suche nach Argument zur Unterstützung der Daten
Abduktion

Abduktion:
Aufgrund einer Beobachtung spekuliert man über eine Regel (1. Prämisse), die diese
Beobachtung als Resultat (2. Prämisse) anderer Daten erklärt. Als Konklusion wird
auf das faktische Vorhandensein der Daten geschlossen, die laut der Schlussregel
das hervorbringen, was beobachtetet wurde
 Häufig definiert in Abgrenzung zu quantitativen Verfahren als
„non-numerical“
Was sind  Es gibt nicht „die“ qualitative Sozialforschung
Qualitative  Unterschiedliche Erkenntnis- und Verallgemeinerungslogik

Methoden?  Unterschiedliche Gütekriterien


 Unterschiedlicher Forschungsprozess (Grade von Offenheit und
Standardisierung)
Qualität. Interpretation. Rekonstruktion
• Die drei Schlagworte ‚qualitativ‘, ‚interpretativ‘ und ‚rekonstruktiv‘ werden gerne
benutzt, wenn Methoden der qualitativen Sozialforschung charakterisiert werden
sollen:

Qualitativ Interpretativ Rekonstruktiv


Als qualitativ werden Methoden Textmaterial wie Interviewtranskripten Rekonstruktion ist die Leistung, die mit dem
bezeichnet, die mit empirischem Material, oder Dokumenten aus dem Feld oder auch Prozess wissenschaftlich Methodischer
das im analytischen Prozess vor allem in von ethnographischen Protokollen, weist Interpretation erbracht wird. Es sind die
Bezug auf seine qualitativen Momente hinter der Ebene manifester auf alltagsweltlichen
in Betracht gezogen werden. Sprachsymbole noch weitere, latente Interpretationsleistungen beruhenden
Sinnstrukturen auf, die dem Text nur in Sinnzuschreibungen und
interpretativen Akten abzuringen sind. Situationsdefinitionen der Akteure, die es
zu rekonstruieren gilt.
Die Interpretation ist also Teil der
Forschungsleistung Annahme: Im miteinander Handeln und in
unserem Reden darüber realisiert sich ein
Sinn, der den Handelnden weder vor, noch
während, noch nach dem Handeln in
vollem Umfang bewusst und verfügbar ist.
Quantitative Forschungsansätze Qualitative Forschungsansätze

•Vorrangiges Ziel: soziale Phänomene messbar •Vorrangiges Ziel: soziale Phänomene


machen und statistisch auswerten; rekonstruieren; Hypothesen und Theorien
Überprüfung von generieren
Hypothesen und Theorien
•Voraussetzungen: offener, explorativer Zugriff
•Voraussetzungen: Vorliegen von Hypothesen auf das soziale Phänomen; Wissen über
und Theorien, die überprüft werden können; qualitative
Wissen Verfahren und Methoden zur Datenerhebung, -
über statistische Verfahren und Methoden zur auswertung und -interpretation
Datenerhebung, -auswertung und -
interpretation •Merkmale: keine Standardisierung
•Merkmale: Standardisierung •Typische Fragestellungen: Welche
Einstellungen liegen bei einer Gruppe von
•Typische Fragestellungen: Liegen bei einer Personen vor? Gibt
Gruppe von Personen bestimmte es weitere gemeinsame Merkmale von
Einstellungen vor? Trifft Personen, die x haben, und wenn ja, welche?
auf Personen, die x haben, auch y zu? Sind die Was heißt
SchülerInnen im Sinne von PISA lese-/schreib- es, lese-/schreib-/rechenkompetent zu sein?
/rechenkompetent?
•Typische Verfahren der Datenerhebung:
•Typische Verfahren der Datenerhebung: narratives Interview; Gruppendiskussion;
standardisierter Fragebogen; Experiment Beobachtung

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