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Persönlicher Magnetismus

Charakterentwickelung
und Selbstzucht

Von

James O’Brien
Professor am Physical Colleg in Davenport

Leipzig 38
Verlag von Maximilian Wendel
_________________________________________
Alle Rechte vom Verleger vorbehalten.
_________________________________________

Druck von Friedr. Engelke,


Buchdruckerei mit Setzmaschinenbetrieb und
Wasserkraft-Anlage, Papiermühle, Sachs.-Altbg.

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Vorwort.

Persönlicher Magnetismus:

Die Frage, ob es eine Kraft, die man persönlichen


Magnetismus nennen kann, wirklich gibt, ist viel erörtert
worden. Bedeutende Männer sind für ihr Vorhandensein
eingetreten, und andere haben sie wieder leidenschaftlich
abzustreiten versucht. So schwankten die Meinungen lange hin
und her. Endlich aber ist es den Gelehrten gelungen,
festzustellen, daß es wirklich eine solche Kraft gibt, in der wir
vielleicht die bedeutendste aller existierenden und von
Menschen ausgehenden Kräfte und Fähigkeiten erkennen
müssen. Eine Kraft, die imstande ist, den, von dem sie
ausströmt, alles erreichen zu lassen, Liebe, Freundschaft,
geschäftliche Position, Reichtum, Erfolge, Einfluß und
Interesse. Kurzum alles, was als erstrebenswert im Leben
genannt werden kann.
Der sog. Biomagnetismus galt im Sinne der älteren
Naturwissenschaft als eine Kraft, die mit nichts besserem
verglichen werden kann, als mit dem Magnetstein und dem
Magneteisen, weil sie, wie dieser durch Bestreichung geweckt
würde und ohne direkte Berührung wirken könnte.
Zum ersten Male brachte Franz Anton Mesmer (1781-1815)
die Lehre von Biomagnetismus in ein geordnetes System, und
gab bedeutenden Gelehrten, wie Ennemoser, Wienholt und
Olbers wichtige Anregungen, und außer diesen gehörten zu des
Meisters bedeutenden Jüngern Kapazitäten wie Gmelin,
Passavant, Kiefer und sogar Hufeland. Alle diese erkannten
bereits, daß gewissen Personen ein magnetisches Fluidum
entströmt, das durch den Willen in weite Fernen rücken und
auf andere Personen wirken, und sie zu beeinflussen

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vermöchte, und diesem Willen des Magnetiseurs diejenigen
Personen, auf die er gerichtet sei, Untertan machen könne.
Kiefer benannte diese geheimnisvolle Kraft Tellurismus,
während Gmelin, Passavant und andere sie Nervenäther
nannten. Diese Lehre weiter auszubauen, blieb dem bekannten
in Österreich wirkenden Freiherrn von Reichenbach
vorbehalten, dessen Thesen großen Beifall fanden, und der in
der Ausströmung der Hände und des Körpers eines Menschen
eine wohlcharakterisierbare Naturkraft, das Od, nachzuweisen
verstand.
Dieses Od eignet jedem Menschen, aber bei vielen ist es nur
latent vorhanden; um seine wunderwirkenden Kräfte zu
entfalten, bedarf es großer entsprechender Schulung.
Aufgabe vorliegenden Werkes ist es, darzutun, wie wir diese
uns angeborene Naturkraft zu entwickeln, wie wir uns die
unberechenbaren Vorteile
des persönlichen Einflusses nutzbar zumachen verstehen
sollen.
Sein Bestreben geht dahin, die hierzu nötige Methode leicht
verständlich darzustellen, so daß jeder Wollende sie unschwer
erlernen und die Früchte der so erworbenen Fähigkeit rasch
und leicht zu gewinnen vermag, um Reichtum, Ehre und Erfolg
und jeglichen Lebensgenuß sein eigen nennen zu können.
Meine Methode darf als unfehlbar bezeichnet werden, soweit
menschliches Tun unfehlbar genannt werden kann. Ich habe
Tausende von jungen Leuten in meinem Vaterlande
ausgebildet, und ich darf mit gerechtem Stolze sagen, daß
jeder, der sie beherrschen lernte, es im Leben
a u ß e r o r d e n t l i c h w e i t g e b r a c h t hat.
Zwei meiner Schüler, die sich nach meinem System, das sich
durch große Faßlichkeit und Einfachheit vor vielen anderen
anspruchsvolleren und gelehrteren auszeichnet, bildeten, sitzen

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in unserem Senat, einer vertritt mein Vaterland in einer hohen
diplomatischen Mission. Einzelne haben sich außergewöhnlich
reich verheiratet, einige fünfzig zeichnen sich als
hervorragende Universitätslehrer, Ärzte und Juristen aus, einen
nennt die Welt eines der größten technischen Genies aller
Zeiten, und Hunderte sind höchst erfolgreiche Geschäftsleute
und Fabrikanten, andere haben als Handwerker oder in
landwirtschaftlichen Betrieben sich eine glänzende Existenz
gegründet und noch andere sind hervorragende Geistliche,
Schiffsreeder und Beamte geworden; und so kann ich mit
Stolz und Genugtuung
sagen, jeder, der sich meine Lehren zu eigen gemacht hat, hat
Großes erreicht, sofern der Himmel ihm das Leben geschenkt
hat. Jeder hat Hunderte von Kollegen weit hinter sich gelassen
und überholt, versagt hat keiner.
Der einzig dastehende Erfolg, der mir als Lehrer der Gesetze,
der Anwendungsmöglichkeit und der Wirkungen des
persönlichen Magnetismus beschieden war, berechtigt mich zu
der Hoffnung, daß auch in anderen Ländern meine Methode
ebenso wohl sich bewähren muß.
Ich übergebe dem deutschen Publikum darum mein Lehrbuch
in der Sprache ihres Landes, und bin überzeugt, daß jeder, der
es in die Hand bekommt, mir Dank wissen wird.

James O’Brien
Professor am
Physical Colleg
in Davenport.

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Inhaltsverzeichnis.
Vorwort. __________________________________________ 3
Inhaltsverzeichnis. __________________________________ 6
Kursus I.__________________________________________ 8
Was ich anders mache als andere. – Der Akkumulator. – Die
geistigen Ströme. _________________________________ 8
Kursus II. ________________________________________ 10
Der magnetische Mensch und sein Charakterbild. – Mann
und Weib. – Der odisch- magnetische Blick und seine
Eigentümlichkeit. – Sicheres Auftreten und Überlegenheit. –
Erliegen und Stärke. – Das Geheimnis der äußerlichen Ruhe.
– Die Gesetzmäßigkeit des Handelns. – Wirkende Mächte. –
Kraft wirkt wie ein abgeschossener Pfeil. _____________ 10
Kursus III. _______________________________________ 18
Der nicht-odisch- magnetische Mensch. – Sein schwankender
Charakter. – Seine Verstimmung und Schwäche. – Das
Unharmonische seiner Persönlichkeit.________________ 18
Kursus IV. _______________________________________ 22
Freiherr Karl von Reichenbach. – Das Od. Sein
Vorhandensein. – Seine eigentümliche Kraft. –
Wahrnehmbare Vorgänge. – Das Od, eine Naturkraft. ___ 22
Kursus V. ________________________________________ 26
Die geistigen Ströme. – Wunsch, Kraft, Wärme und Wille. –
Das Akkumulieren der Kraft. – Die physische Methode. –
Geistiges Isoliertsein. – Die Potenz der Wunsch- und
Willenskraft. – Die Zurückhaltung und ihre Wirkung. – Das
Benutzen der geistigen Kräfte dritter. – Wichtige
Verhaltungsmaßregeln. ___________________________ 26
Kursus VI. _______________________________________ 35
Die Hauptschwäche des Menschen. – Die Eitelkeit. – Der
Beifallstrieb und der Wunsch, Neid zu erwecken. – Gefahr,
ihm zu frönen. – Das ins Meer geworfene Gute. ________ 35
Kursus VII. ______________________________________ 38

6
Eigne und gegnerische Kräfte. – Leben und Wärme. – Das
Geheimnis der Atmungskunst. – Atem als Krafterzeuger. –
Die Methode der Yogi. ___________________________ 38
Kursus VIII, ______________________________________ 44
Die Legende vom heiligen Christoph. – Etwas über Resultat
und Zeit. – Überraschendes. – Anweisungen. __________ 44
Kursus IX. _______________________________________ 48
Das magnetische Auge und der Zentralblick. – Die
magnetische Stimme. _____________________________ 48
Kursus X. ________________________________________ 52
Das Erwerben des magnetischen Blickes und seine
Verwendung. – Spiegelübung. ______________________ 52
Kursus XI. _______________________________________ 56
Methoden, den erlangten magnetischen Einfluß direkt
auszustrahlen. – Die psychische Methode, die solaristische
Methode, die Muskularmethode. ____________________ 56
Kursus XII. ______________________________________ 60
Zweifel und Glaube. – Die Macht des Glaubens. – Die
Brücke der Gedanken. ____________________________ 60
Kursus XIII. ______________________________________ 62
Etwas über die Willenskraft. –Erwerbung. – Der Feind der
Willenskraft. ___________________________________ 62
Kursus XIV. ______________________________________ 64
Geistige und materielle Elemente. – Induktionen und
induktive Methoden. – Emanationen. ________________ 64

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Kursus I.

Was ich anders mache als andere. – Der Akkumulator. –


Die geistigen Ströme.

Ich bin ein Mann der Wissenschaft. Aber das Buch, das ich
hier schreibe, ist nicht für Wissenschaftler geschrieben. Ich
halte es überhaupt für falsch, wenn die Gelehrten einen
Klüngel bilden, und mit einer gewissen Eifersucht darüber
wachen, daß ihre Entdeckungen und Erfahrungen lediglich
diesem ganz zugängig sein sollen, und dem Publikum nur
gelegentlich und nur tropfenweise etwas von ihrer Weisheit
gönnen. Wissenschaft, die nur für Wissenschaft arbeitet, ist wie
ein Kapital, auf welches Zinsen auf Zinsen geschlagen werden,
das aber niemandem nutzt, weil es zwecklos daliegt.
Geld soll rollen, und entdeckte Weisheit das Gemeingut aller
werden. Weil ich das erkannt habe, wende ich mich auch an die
Tausende und Abertausende der Ungelehrten, die sich Wissen
aneignen, aber darüber dennoch nicht in dumpfer Stubenluft
verkümmern wollen. Ihnen will ich nahe kommen, ihnen will
ich mich verständlich machen, und weil das der Allein- Zweck
der Veröffentlichung meiner Erfahrungen ist, spreche ich zu
meinen Lesern nicht in rätselhaft dunklen Worten, sondern klar
und verständlich, wie der Mensch im täglichen Umgange mit
seinesgleichen spricht. Ob die Stubengelehrten darüber die
Achseln zucken und mich als einen Verräter brandmarken
wollen, schert mich nicht. Ich antworte ihnen wie König
Mycerin den Priestern in der Ballade Platens:
Mit dem Segen meines Volkes trotz ich euerem Götterzorn.
D e r A k k u m u l a t o r . In unserem Zeitalter, in dem der
Elektrizität, dürfte den meisten bekannt sein, was ein
Akkumulator ist. Ein Apparat, in dem elektrische Kraft

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aufgespeichert, und der imstande ist, sobald der Hebel
aufgedreht wird, die in ihn eingelassenen Leitungsdrähte mit
Strom zu versehen. – Ein solcher Apparat stellt mithin eine
Kraftquelle dar. Und eine ähnliche Kraftquelle, die nach außen
hin intensiv wirkende Ströme anzuregen vermag, ist auch der
Mensch, ist auch der menschliche Geist. –
Wie in dem Akkumulator des Technikers, ist auch in ihm
etwas Treibendes, Wirkendes vorhanden. Freilich nicht
Elektrizität, das heißt, was der Physiker so nennt, wohl aber
eine andere Kraft, die o d i s c h e , oder das, was man
B i o m a g n e t i s m u s , oder schlechthin M a g n e t i s m u s
nennt. Sie vermag freilich keine Funken hervorzulocken, an
denen trocknes Stroh oder dürres Holz sich entzündet, wohl
aber vermag sie geistige Brände zu entfachen. Wegen der
Wirkungen, die sie auslöst, kann man genau so gut wie die
elektrische – einen physikalischen, sie, einen g e i s t i g e n
Strom nennen. Und wie der Techniker es versteht, elektrische
Ströme zu produzieren, genau so ist der Wissende imstande,
auch geistige Ströme hervorzurufen, die durch zielbewußte
Übung zu beliebiger Stärke gesteigert werden können, und die
es ist nicht zu viel gesagt, den, der sich ihrer ungeheuren Macht
bedient – in Stand setzen, die ganze Welt zu unterjochen, und
seinen „Zwecken dienstbar zu machen“.

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Kursus II.

Der magnetische Mensch und sein Charakterbild. – Mann


und Weib. – Der odisch-magnetische Blick und seine
Eigentümlichkeit. – Sicheres Auftreten und Überlegenheit.
– Erliegen und Stärke. – Das Geheimnis der äußerlichen
Ruhe. – Die Gesetzmäßigkeit des Handelns. – Wirkende
Mächte. – Kraft wirkt wie ein abgeschossener Pfeil.

O d i s c h - m a g n e t i s c h e K r a f t ist nicht an das


Geschlecht gebunden.
Sowohl der Mann wie das Weib besitzt sie. Jedoch einmal
geweckt, vermag der Mann sie in höherem Maße zu betätigen,
als das Weib, genau dem Gesetz entsprechend, das dem Manne
überhaupt höhere, geistige, physische Kräfte verlieh.
Die Natur macht eben keine Sprünge und gefällt sich nicht in
Willkürlichkeiten. Ist der Magnetismus beim Manne stärker
vorhanden, ist er beim Weibe doch manchmal leichter
auslösbar, infolge seiner größeren Sensibilität.
Ich wiederhole, daß beide Geschlechter, odisch- magnetische
Kräfte, für das Maß, wie sie derer bedürfen, genügend besitzen.
Wenn ich vornehmlich vom Manne spreche, geschieht dies
lediglich, um mich nicht unnötig zersplittern zu brauchen.
D e r e r s t e G r a d , den der Adept – so wollen wir ihn
nennen, zu erwerben hat, ist der, sich seiner magnetischen
Eigenschaften bewußt zu werden und bewußt zu sein. Das
Bewußtsein ist für ihn das nämliche, was für den Frommen der
Glaube ist. Erlöst zu werden vermag nur, wer glaubt. – Wer
selbst ein Erlöser sein will, muß zuerst an sich selbst glauben.
Dieser Glaube an sich selbst verleiht jedem das Gefühl
überlegener Ruhe. Nichts ficht ihn an, nichts wirft ihn aus dem

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Sattel. Er ist ein Bild der Ruhe. Er ist auch wirklich ruhig und
unerschütterlich. Und dies sichere Beruhen in sich, gibt ihm
ganz von selber eine bedeutsame Überlegenheit über seine
Umgebung. Worin sich diese äußert, wodurch er gleichzeitig
beruhigend und wohltuend wirkt, ist schwer zu sagen. Er geht
wie ihr, er steht wie ihr, sein Lachen ist nicht anders als das
eure, was er spricht, sagt, tut, sticht äußerlich in nichts ab, von
dem, wie andere sich benehmen, und dennoch umgibt ihn ein
gewisses Etwas, was anderen fehlt. Tritt er ins Zimmer, ist es,
als wenn ein Licht, eine wohltuende Wärme, sich in dem
ganzen Räume verbreitete.
Erhebt er die Stimme, schmeichelt sich wohltuendes Behagen
in jedes Herz ein, und jeder empfindet unwillkürlich, er ist
anders als die anderen, und seine Gegenwart verleiht jedem ein
Gefühl tröstlichen Geborgenseins. Er besitzt etwas, an ihm und
um ihm ist etwas, was anderen abgeht.
D a s i n s t i n k t i v e E m p f i n d e n des Vorhandenseins
seiner höheren Kräfte und Fähigkeiten ist es, das den ihm
Begegnendem ganz von selbst und widerstandslos in seinen
Bann zwingt. In der Tat, er besitzt auch eine eigenartige Kraft,
aber nicht allein eine von ihm ausgehende, sondern zugleich
auch eine aufsaugende. Denn wo er erscheint, spendet er nicht
nur Kraft, sondern
er saugt auch einen Teil der Kraft der übrigen in sich auf. Er
akkumuliert diese in sich, knüpft dadurch ein unlösliches,
magnetisches Band zwischen sich und uns.
F a s c i n i e r e n d e M o m e n t e . Unzweifelhaft hat jeder
schon irgend wen kennen gelernt, der Empfindungen, wie die
oben beschriebenen in ihm auslöst. Wer ihn genau beobachtet,
wird Eigentümlichkeiten eigner Art an ihm wahrnehmen und
beobachten können. Er hat vor allem einen Blick, von
ungemeiner Eindrucksfähigkeit.

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Ohne daß sie es ahnen, empfängt der magnetische Mensch von
anderen Kräfte

Auf wen er ihn richtet, steht unwillkürlich unter dem Banne


seiner Augen. Er starrt niemanden an, aber seine Blicke
durchdringen uns, wie die Pfeile den Leib des heiligen
Sebastian. Er versenkt seine Augen nicht in unsere, aber
dennoch fühlen unsere Augen sich beunruhigt, denn wie
magnetische Ströme umspielt es unsere Augenregion. Und daß
diese Beunruhigung gerade dort empfunden wird, ist ganz
natürlich, denn trifft der magnetische Blick auch nicht die

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Augen selbst – darin liegt etwas sehr Bedeutsames – so fällt er
doch mitten zwischen unsere Augen, nämlich auf die
Nasenwurzel. Indem das Od gerade hierhin wirkt, schafft es
sich einen central gelegenen Einfallspunkt, und beherrscht
dadurch das Gehirn am sichersten.
Übrigens wollen wir hier bemerken, daß, wenn der odische
Blick bei entkleideten Menschen auf das Sonnengeflecht
gerichtet wird, er in ganz ähnlicher Weise wirkt. Und dies dient
als unwiderleglicher Beweis, daß dieser eigenartige Blick eine
tatsächlich positive Kraft ist.
Doch zurück zu dem magnetischen Menschen selbst. So
eindrücklich seine Persönlichkeit ist, so wenig aufdringlich ist
sie zu gleicher Zeit. Er ist immer liebenswürdig, bewegt sich
immer in urbanen Formen, er hört uns aufmerksam zu, wenn
wir ihm etwas erzählen, aber alles an ihm atmet eine gewisse
Überlegenheit. Er ist wie ein Fels, an den die Wellen
heranbranden, die ihn wohl befeuchten, aber nicht zu
erweichen vermögen. Jeder fühlt darum, daß etwas ungemein
Festes den Kern seines Wesens bilden muß. Und ein solcher ist
auch vorhanden, nämlich sein W i l l e . Und dieser Wille, der
ein erworbener ist, ist tatsächlich mit seiner Stärke identisch.
Weil er will, weil er zu wollen weiß, handelt er niemals
übereilt, oder unüberlegt, sondern stets zielbewußt. Er braucht
sich nicht darüber aufzuregen, wenn der Baum, den er fällen
will, nicht beim ersten Hieb fällt, denn er weiß ganz genau, daß
er in Kürze von selber vor ihm hinstürzt. Da ihm nichts
fehlschlagen kann, entsteht aus diesem Bewußtsein seine Ruhe
und Sicherheit.
Uns wird es auffallen, daß der odisch- magnetische Mensch
nicht immer seinen Blick auf sein Gegenüber richtet. Nämlich
dann nicht, wenn dieser schweigt. Sofort aber, wenn er zu
reden beginnt, fängt er ihn wieder in seinen magnetischen
Fesseln. Dadurch wird das Objekt immer schwächer, immer
mehr zu ihm hingezogen. Nur scheinbar werden ihm
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Erholungspausen gegönnt. In Wirklichkeit sind keine solche es,
sondern sie werden nur gewährt, um die magnetische Kraft
auch nach innen wirken zu lassen. Ist das geschehen, erfolgt
eine neue magnetische Induktion, die erst dieselbe Wirkung
hervorbringen muß, ehe wieder eine neue vorgenommen wird,
usw.
Der magnetische Mensch zeigt
Z u r ü c k h a l t u n g in ganz eigner Art. Er spricht über nichts
und geht auf alles ein, aber jeder hat das Gefühl, als ob er mit
dem Besten allerorten zurückhalte, als ob er stets vielmehr
zurückhalte, als er offenbare. Trotzdem zwingt sein Gespräch
jeden in seinem Bann.
Jeder wird darum angeregt, sich mit ihm zu beschäftigen.
Alles was er sagt, und sei es etwas so Nebensächliches wie
„Die Suppe ist heute versalzen“, gewinnt in seinem Munde
besondere Bedeutung. Jedes Wort wirkt autoritativ und keiner
wagt sich gegen einen von ihm getanen Ausspruch ernstlich
aufzulehnen, sondern er erscheint ihm bedeutend und
ungewöhnlich.
Wer Gelegenheit hat, eines magnetischen Menschen
Umgangs gewürdigt zu werden, wird dennoch nie empfinden,
als ob dieser sich bemühe, ihm seine Persönlichkeit
aufzudringen, oder gar ihn zu mystificieren. Nichts liegt ihm
ferner.

14
Der magnetische Mensch

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Als er noch selber Anfänger in seiner göttlichen Kunst war,
mochte es ihn vielleicht gelegentlich einmal reizen
„Experimente“ zu machen. Aber längst ein Meister geworden,
trachtet er nach so billigen Lorbeeren nicht mehr. Er weiß, daß
er dennoch unfehlbar siegt. Wie der Frühling selbst den
härtesten Winter überwindet, überwindet er schließlich jeden,
den er besiegen will. In der Tat freilich übt er seine Kräfte zu
jeder Stunde, denn es gibt keinen Stillstand für ihn.
D e r o d i s c h- m a g n e t i s c h e M e n s c h e r r e i c h t ,
w a s e r w i l l , ganz gleich, worauf das Ziel seiner Wünsche
gerichtet ist. Napoleon der Große war der odisch- magnetischste
Mensch, den die Geschichte kennt. Er wollte unermeßlich hoch
steigen, und erreichte es in wenig Jahren, daß alle Fürsten
Europas im Staube vor ihm dalagen.
Will der odisch- magnetische Mensch reich werden, braucht
er seine Kräfte nur nach dieser Richtung hin wirken zu lassen,
und er wird, wenn er sich nicht selbst beschränkt, theoretisch
imstande sein, alle Schätze der Erde sein eigen zu nennen.
Sucht er Ehren und Erfolg, wird er zu diesem gelangen. Sucht
er Liebesglück und Liebesrausch, wird er an Triumphen über
Männer oder Weiber reicher sein, als Don Juan, August der
Starke, Herkules und Nero, oder als Semiramis und Katharina
von Rußland. Seinem Einfluß widersteht nichts. Selbst nicht
das Tier. Denn alle großen Triebbändiger besitzen ungeheure
Vorräte odischer Kraft. Diese Kraft verschafft
uneingeschränkte Herrschaft. Wer sie zu benutzen versteht,
zieht Menschen und Dinge an sich heran, genau wie der
Magnetstab die Eisenfeilspäne.
„W i e w i r d e i n M a n n b e w e r t e t , der eine so
gefährliche Macht besitzt?“ mag mancher fragen. Die Antwort
darauf ist kurz. Er wird maßlos geliebt und maßlos bewundert
sein. Wie ein Gott werden die Verehrer, auf die er einen Strahl
seiner Wesenheit hinfallen ließ, ihn bewundern. Niemand kann
von ihm loslassen. Verlangt er es, es würde jeder jubelnd für
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ihn sterben. Denn es besteht eine geheimnisvolle
sympathetische Verwandtschaft zwischen ihm und euch, und
wenn ihr es auch wolltet, ihr würdet euch von seinem Einfluß
nicht frei machen können.
Der unsichtbare Pfeil, den er auf irgendwen abschoß, kann
nicht aus der Seele herausgerissen werden.
Der odisch- magnetische Mensch stellt den Ideal-Typus des
Herrenmenschen dar.

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Kursus III.

Der nicht -odisch-magnetische Mensch. – Sein


schwankender Charakter. – Seine Verstimmung und
Schwäche. – Das Unharmonische seiner Persönlichkeit.

So geschlossen und ruhevoll die Person des odisch-


magnetischen Menschen wirkt, so zerfahren, so zerrissen und
haltlos wirkt die seines Widerpartners, des nicht odisch-
magnetischen.
Bei den ersteren ist alles Kraft und Konzentration, bei den
letzteren alles Unruhe, Unsicherheit, Schwanken,
Unzufriedenheit und Last.
Infolgedessen wirkt er deprimierend auf alle, mit denen er in
Berührung kommt. In seiner Nähe wird niemand froh, und
fühlt ein Undefiniertes Mißbehagen. Seinen Worten mag
niemand gerne lauschen. Seine Bewegungen sind ungelenk.
Mit einem Wort „er fällt jedem auf die Nerven“. Er tut es
wirklich, nicht nur bildlich gesprochen. Sein ganzes Wesen
reizt und stößt ab, und in eklatanten Fällen ruft seine Nähe
geradezu physisches Unbehagen hervor.
Er will unablässig gehört und aufgerichtet sein, verlangt von
jedem Unterstützung und Hilfe. Er ist mit allem unzufrieden
und die nebensächlichsten Dinge alterieren ihn und bringen ihn
aus der Fassung.
E i n s i c h e r e s K e n n z e i c h e n für die ihm mangelnden,
magnetischen Qualitäten ist seine Schwatzhaftigkeit. Er
vermag kein Geheimnis zu bewahren, weder sein eignes, noch
ein fremdes. Die geringste Nichtigkeit, die ihn trifft, bauscht er
zu etwas Riesengroßem auf, und peinigt seine Mitmenschen
damit. Jedes kleine Ungemach erdrückt ihn sofort, nichts

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vermag er mit Würde zu ertragen. Ein Maulwurfshaufen
erscheint ihm bereits wie ein Berg. Er ist wenig zuversichtlich
und meistens feige. Sein Blick ist unstät, und seine Redeweise
unzusammenhängend. Überall stößt er an und ärgert seine
Umgebung durch alberne Heiterkeit, oder ungerecht fertigten
Trübsinn. Er ist nie Herr seiner Stimmung, paßt daher in keine
Gesellschaft und vermag sich keinem anzupassen.

Der unmagnetische Mensch vergeudet zwecklos seine Kraft,


denn er kennt die Anziehungsgesetze nicht.

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E s i s t e i n w a h r e s K r e u z , mit einem solchen
Individuum. Jeder geht ihm aus dem Wege, und man kann auch
wirklich nichts besseres tun, denn es ist zu nichts recht zu
gebrauchen und man kann absolut nichts von ihm gewinnen.
Geburt und Stellung drängen einen solchen Menschen
trotzdem in vielen Fällen der Gesellschaft geradezu auf, aber
ein Aufatmen geht durch jedes Zimmer, sobald er es verläßt.
Solange er da war, konnte keine Stimmung aufkommen, aber
fast im Augenblick, wo er den Rücken gekehrt, erwachen die
guten Geister der Lebenslust und Laune, und eine verständige
Unterhaltung, die man in seiner Gegenwart nicht gewagt,
kommt im Gang.
Seine Gegenwart stärkt nicht, sondern schwächt. Er ist wie
ein Vampyr, der, um existieren zu können, sich vollsaugen
muß, mit den Kräften anderer.
So raubt er jedem unbewußt, von dem ihm innewohnenden,
odischen Kräfte-Vorrat, stiehlt ihm also seine beste Kraft, um
sich vorübergehend mit Energie zu versorgen. Er ist ein Dieb,
der freilich nicht aus bösem Willen stiehlt, sondern den
instinktiv der Erhaltungstrieb dazu anreizt. Das mag ihn
entschuldigen. Allein, es genügt nicht, seinen Umgang
wünschenswert erscheinen zu lassen, denn Diebstahl ist
immerhin Diebstahl, ganz gleich aus welchen Gründen und
Anlässen er begangen wurde.
Das ganze Wesen eines solchen Ind ividuums ist negativ. Daß
wir es instinktiv zu meiden suchen, entspringt aus dem
gleichfalls instinktiven Gefühl der Notwendigkeit seiner
Abwehr. Seine Nähe bringt uns selbst herunter. Wie es bei ihm
Selbsterhaltungstrieb ist, sich uns zu nähern, ist es der gleiche
Trieb in uns, der uns von ihm wegstößt. Auf einen Felsen kann
nichts wachsen, und einen Mohren wäscht keiner weiß. Wo
gewisse Grundbedingungen fehlen, ist alle Mühe umsonst.
Weil dem unsympathischen Menschen alle Vorbedingungen

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fehlen, um sich im Leben durchsetzen zu können, muß ihm
notwendigerweise auch alles fehlschlagen. E r i s t v o n d e r
Natur zum Mißerfolg, zum Untergange
bestimmt .
Man stelle sich zwei sich odisch- magnetische
entgegengesetzt verhaltende Persönlichkeiten einmal genau vor
und vergleiche sie miteinander. Wie wird das Urteil ausfallen,
wem werden wir zu gleichen wünschen. Entschieden nur der
zuerst beschriebenen, die sich überall durchzusetzen, überall zu
betätigen weiß, und der der Eintritt in die Gärten des Lebens
überall offen steht.
Mühe sich jeder darum, zu werden, wie er. Wie der erste den
Typus des idealen Herren-Menschen repräsentiert, stellt jener
den des lästigen und mißachteten Unfreien, des Sklaven dar.

21
Kursus IV.

Freiherr Karl von Reichenbach. – Das Od. Sein


Vorhandensein. – Seine eigentümliche Kraft. –
Wahrnehmbare Vorgänge. – Das Od, eine Naturkraft.

Wir sprachen bereits mehrmals vom Od und den odisch-


magnetischen Kräften, und werden noch sehr oft von ihnen
sprechen müssen. Es dürfte daher ein Wort am Platze sein, über
das Od und seinen Entdecker. Dieser war der hochverdiente,
am 12. Februar 1788 in Stuttgart geborene und am 19. Januar
1869 in Leipzig verstorbene Physiker und Naturforscher Karl
Freiherr von Reichenbach. Ihm verdankt die Welt die
Entdeckung des Kreosotes, des Parafins, des Eupions,
Kopnomors, Arsamors usw., und vor allem die, des
Vorhandenseins einer von ihm mit dem Namen Od belegten,
dem menschlichen Körper innewohnenden und eigentümlichen
Naturkraft.
Von allen seinen Entdeckungen wurde keine so stark
bezweifelt und angefeindet, wie die des Od’s. Wie es den
meisten großen Pfadfindern im Reiche des Unbekannten ging,
fehlte es auch Reichenbach nicht an erbitterten Gegnern, sogar
nicht an solchen, die die Erörterung des Ods als Narrheit und
Unsinn bezeichneten. Aber weder Gehässigkeit noch Spott,
weder Anfeindung noch selbst Verleumdung vermochten den
genialen Mann zu beirren. Unermüdlich forschte er weiter und
förderte immer mehr erstaunliche und scheinbar unbegreifliche
Dinge ans Licht.
Endlich wurden selbst seine Gegner stutzig und begannen
seinem System größere Aufmerksamkeit zu schenken. Sie
fingen selbst an, zu beobachten und sich in Reichenbachs
Theorien zu vertiefen, und siehe, eines Tages kam selbst für

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einen Teil seiner erbittersten Widersacher „ein Tag von
Damaskus“. Sie mußten wohl oder übel vor dem genialen
Manne kapitulieren und bekennen, daß die Reichenbach’schen
Entdeckungen auf unumstößlichen, wenn auch zwar bis heute
noch nicht völlig
aufgeklärten Tatsachen
beruhten.
Das Od ist ein Stoff, der in jedem Menschen vorhanden ist,
genau so wie der Funke, der im Feuerstein schlummert, genau
so wie die magnetische Eigenschaft des Magneteisens. Was die
diesem eignenden, anderes Eisen anziehenden und an dieses
selbst magnetische Kräfte abgehenden Eigenschaften sind, ist
heute auch noch nicht vollkommen erklärt. Es wird jedoch
angenommen, daß gewisse elektrische Kräfte mitspielen, und
daß Elektrizität und Magnetismus in irgend einem
Zusammenhange stehen.
Das Od wird durch die Nerven wahrgenommen, und
vornehmlich durch solche von besonders sensibler Reizbarkeit.
Je stärker die odisch- magnetische Kraft in einem Menschen
wohnt, desto weniger sensibel braucht natürlich der Empfänger
zu sein. Sie kann aber von Haus aus so stark in einem
Individuum vorhanden sein, oder wo sie entwicklungsfähig ist,
zu solcher
Stärke entwickelt
werden, daß sie jeden Menschen, auf die sie gerichtet wird,
unfehlbar beeinflussen muß. Und hierin liegt das Geheimnis
des magnetischen Menschen.
Das Od kann von sensiblen Menschen durch das
„Allgemeingefühl“, sogar durch Zunge und Auge empfunden
werden, und zwar in polarischer Verschiedenheit, als
angenehme oder widrige Empfindung, je nachdem es dem

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einem oder dem anderen Pol, ob es unorganischen oder
o r g a n i s c h e n W e s e n , also auch Menschen entströmt.
Wo es angenehm empfunden wird, strahlt der positive, wo es
gegenseitige Empfindungen auslöst, der negative Pol das Od
aus.
Hieraus erklärt sich die Abneigung oder Zuneigung gegen
gewisse Personen, hieraus, warum der magnetische
Mensch(der positive)stets als beruhigendes oder dominierendes
Element auftritt, und warum der unmagnetische, (der negative)
als störend und entkräftend empfunden wird. Das rein
empirisch empfindende Volk hat das Vorhandensein des Odes
durch den Sprachgebrauch längst bestätigt, wie die
Redensartenbeweisen „ein Mensch, den ich nicht riechen
kann“, „ein Kerl, der einem Übelkeit erregt“ – oder im
Gegensatz dazu – „ein Mann, der ein Herzenstrost ist“, „ein
Mann wie ein Sonnenstrahl“.
Bisweilen kann das Od aber nicht bloß empfunden, sondern
auch gesehen werden. Hierzu ist aber auch eine selten
vorkommende Sensibilität des einen Teils, oder eine
ungewöhnliche, ja ganz abnorme Stärke, der in dem anderen
aufgespeicherten odisch- magnetischen Energie notwendig.
Gleichfalls fehlt es auch hier nicht an einwandfreien
Beobachtungen. Wo sie vorliegen, wird übereinstimmend
berichtet, daß das Od als lodernde Flamme oder sonst als helle
Lichterscheinung hervortritt.
An der Tatsache selbst ist nicht zu zweifeln, obwohl nur
verhältnismäßig wenige Menschen so glücklich waren, die
odische Flamme zu sehen.
Wir können aber wohl annehmen, daß das, was das
Erscheinen einer Aureole um das Haupt eines Menschen
genannt wird, und das ebenfalls oft bezeugt ist, auf Grund
odischer Ausstrahlungen beruht. Und wahrlich hat die

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Redensart „seine Augen sprühten Feuer“, ebenfalls einen
tieferen, als bloß einen bildlichen Sinn.
Daß nicht alle Lichtstrahlen mit bloßem Auge
wahrgenommen werden, weiß heute jedes Kind. Man braucht
nur daran zu erinnern, daß von den Kathoden senkrecht zu
ihren O b e r f l ä c h e n unsichtbare Strahlen ausgehen, die sich
geradlinig ohne Rücksicht auf die Strombahn verbreiten, man
braucht nur darauf hinzuweisen, daß das Radium in seinen
Wirkungen wahrnehmbare, aber dem Auge unsichtbare
Strahlen, entsendet. Ähnlich ist es mit den odischen, die aber
augenscheinlich noch stärker, als zum Beispiel die der Kathode
sein müssen, da sie wenigstens hier und da wahrgenommen
werden konnten.
In jedem Falle sind sie aber noch um vieles feiner. Wo ein
Strahl, ein Licht entsteht, entsteht zugleich auch Wärme. Also
auch da, wo der odisch- magnetische Strahl ausströmt. Daraus
erklärt sich, daß wir bei Annäherung gewisser Personen, das
Gefühl wohltuender Wärme empfinden, eine Wärme, die über
den Raum der Ausstrahlungsgebiete der Körperwärme selbst
weit hinausgeht. Eine Wärme, ein wohltuendes Gefühl, das
nicht nur psychisch, sondern auch intensiv physisch empfunden
wird. Dieses Gefühl ist aber nichts anderes, als die Wirkung
odisch- magnetischer Wärme.
So kurz diese geringen Andeutungen über das Od und das
Wesen odischer Erscheinungen auch gehalten werden mußten,
so hoffen wir doch, daß sie 1. das Interesse für das Phänomen
des Biomagnetismus bei den Studierenden fördern werden; 2.
daß sie ihre Erkenntnis im allgemeinen erhöhe n sollen und 3.
endlich, daß sie ihnen das Verständnis für alles noch zu
Sagende erleichtern dürften.

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Kursus V.

Die geistigen Ströme. – Wunsch, Kraft, Wärme und Wille.


– Das Akkumulieren der Kraft. – Die physische Methode. –
Geistiges Isoliertsein. – Die Potenz der Wunsch- und
Willenskraft. – Die Zurückhaltung und ihre Wirkung. –
Das Benutzen der geistigen Kräfte dritter. – Wichtige
Verhaltungsmaßregeln.

Nachdem wir im Vorhergehenden die entgegengesetzten


Typen des odisch- magnetischen und des nicht odisch-
magnetischen Menschen beschrieben, und über den Entdecker
des Ods und über dieses selbst gesprochen haben, wenden wir
uns nunmehr unserer Hauptaufgabe zu, unsere
Unterrichtsmethode zu explicieren und wenden uns daher in
allem künftigen direkt an den Leser.
D i e g e i s t i g e n S t r ö m e sind etwas durchaus Positives
und offenbaren sich vor allem in W u n s c h u n d W i l l e n .
Diese beiden sind treibende Kräfte und gleichen auffallend
dem elektrischen Strom. Nicht nur theoretisch, sondern
wirklich und sogar nach den nämlichen Gesetzen der
Anziehung und der Abstoßung. Schlage sich jeder an seine
Brust und lege sich die Frage vor, ob er wunschlos sei. Kein
Mensch, sofern er ehrlich ist, kann diese Frage mit ja
beantworten. Wünsche liegen in jedes Menschen Brust und
erzeugen in ihr eine Art von Gärungsprozeß. Sie treiben und
rumoren in ihr, wie der Wein im Fasse, und nur der Wille, nur
Überlegung bändigt sie. Jeder Wunsch ist aufgespeicherte
Begehrungskraft, und sobald wir einem Wunsche nachgeben,
vermindern wir unseren Kräftevorrat, und vergeuden dadurch
einen gewissen Teil unseres Vermögens, andere beeinflussen
zu können. Je energischer wir aber unsere Wünsche

26
zurückhalten und uns hüten unsere Kräfte zu vermindern, desto
mehr laden wir uns mit physischer Energie. Diese ist ein
ungemein kostbarer Stoff, der daher niemals an kleine Dinge
zwecklos verschwendet werden darf, sondern, den wir
aufsparen sollen zur Erreichung größerer Zwecke. – Wer klug
ist, verschwende seine odisch- magnetische Kraft nicht in Zorn
und Ungeduld. Er hüte sich vor Ausschweifungen und der
Befriedigung kleiner Gelüste, er gebe nicht jedem momentanen
Antrieb nach und gefalle sich nicht in Äußerlichkeiten und
Eitelkeiten. –
Eitelkeit ist vielleicht der schlimmste von allen Feinden der
Seele. Umso mehr, als sie uns nicht direkt anfällt, sondern uns
heimlich, und unerwartet, spät und früh Gruben gräbt und
Fallen stellt. Man hüte sich, ihr die uns in unmerklicher und
tausendfälliger Gestalt innewohnt, nachzugeben, denn durch
nichts werden wir annähernd so geschwächt.
D i e p h y s i k a l i s c h e M e t h o d e , Kräfte aufzuhäufen,
besteht darin, aufsteigende Wünsche zurückzuhalten. Das ist
sehr schwer, aber sie muß und kann gelernt werden. Wünsche
können uns so quälen, daß sie uns positive Schmerzen zufügen
können.
Es braucht sich dabei oftmals um gar nichts Großes zu
handeln. Z. B. wir haben in irgend einem Schaufenster einen
Gegenstand gesehen, der uns zum Kaufe reizt. Wir überwinden
uns, aber das Bild des betreffenden Objektes weicht nicht aus
unserer Seele. Es lockt, es winkt, es scheint zu flehen, und zu
sagen, erwirb mich, laß mich dein werden. Du und ich gehören
zusammen und niemand anderes. Unsere Träume werden von
ihm erfüllt, auf den Blättern des Buches, in dem wir lesen,
erscheint es; auf dem Teller, von dem wir essen, tanzt es und
macht uns heiß und kalt, raubt uns den Schlaf, zerreißt unsere
Gedankenketten, raubt uns die Arbeitslust usw. usw.

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Die sich als Wunsch äußernde, nach außen treibende Kraft
veranlaßt diese Spannung in uns, stürzt uns in Unruhe und
Schlimmers. Wo sich derartiges meldet, muß das entschiedene
Streben dahin gehen, diesem drängenden Wunsche in keinem
Falle nachzugeben. Dazu ist Willenskraft nötig.
Gelingt es, dem Willen den Wunsch zu bändigen, so wird uns
ein wahrhaft wonniges Hochgefühl durchfluten. Es entsteht
dadurch, daß wir, statt uns durch treibende Kraft zu schwächen,
diese gebändigt und so unseren magnetischen Kräftevorrat
vermehrt haben. Wir sind reicher geworden und dadurch
mächtiger.
Ein Feind, den die Eitelkeit gegen uns
a u f h e t z t , ist das Verlangen, im Lichte eines Allwissenden
vor unseren Freunden zu erscheinen, andere sofort von unserer
Wissenschaft in Kenntnis zu setzen. Nichts ist gefährlicher und
schwächender als das.
Man lasse sich nicht von dem Wunsche anleiten, jede
Kleinigkeit, von der man gehört hat, dem lieben Mitmenschen
sofort mitzuteilen, um vor ihm durch seine
Wohlunterrichtetheit zu glänzen. Es liegt darin ein Reiz, aber
überwinde ihn jeder. Ein solcher Wunsch muß
niedergezwungen, und das betreffende Wissen zum Geheimnis
gemacht werden. Also wird neuer geistiger Magnetismus
erzeugt, und zu dem schon vorhandenen geschlagen, und der
geistige Akkumulator dadurch immer stärker geladen. Je
sorgfältiger man Geheimnisse – und darunter muß alles
Wissen, großes sowie kleines, das man nicht weiter gibt,
verstanden werden, in sich aufspeichert, je zurückhaltender
man sich zeigt, und je mehr man sich innerlich von dem
Treiben der Welt abschließt, desto mehr wächst der Schatz
odisch- magnetischer Kraft in uns, so daß wir bei gegebener
Gelegenheit wie ein Krösus, Gold mit vollen Händen
ausstreuen können.

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Wer stets die Hand in der Tasche hat, wer fortwährend Geld
ausgibt und nichts aufspart, wird unweigerlich einmal die
Stunde erleben, wo er schmerzlich bedauert, nicht vorher Haus
gehalten zu haben.
Ein jeder spare daher in der Zeit, um in der Not zu haben.
Z u r ü c k h a l t u n g b i r g t n i c h t d i e G e f a h r i n s i c h,
uns in Stumpfheit versinken zu lassen, im Gegenteil, sie schärft
den Geist und erhöht die odisch- magnetische Spannung.
Entzündet man Schießpulver in einer flachen Schale, pufft es
wirkungslos und mit schwacher Flamme auf. Das nämliche
Quantum gehäuft in einen engen Raum gesperrt, explodiert mit
donnerartigem Geräusch und übt verheerende Wirkungen aus.
Alles was eingedrängt und eingezwängt, was aufgestaut und
aufgehäuft wird, nimmt an Kraft zu.
Jeder Wunsch, der uns zu etwas veranlassen will, ist eine
starke, treibende Kraft. Man reserviere sie für sich, das ist das
Wichtigste, was man tun kann, denn man wird sie einmal
gebrauchen, wenn es etwas durchzusetzen gilt.
H i n t e r m i r d u n k e l u n d v o r m i r k l a r , sagt irgend
wer in einem alten Märchen und gibt damit allen, die es nur
verstehen wollen, eine wichtige Lebensregel. Wir selbst
müssen wissen, was wir wollen, aber die Mit- und Umwelt
braucht nicht darüber klar zu sein. Je geheimnisvoller, je
zurückhaltender unser Wesen ist, um so bedeutender werden
wir erscheinen. Wen wir genau kennen, von dem wissen wir,
was wir ihm zutrauen dürfen. Wen wir nicht durchschauen
können, empfinden wir als ein Rätsel und trauen ihm vielerlei
zu. Weil wir ihn nicht ergründen können, vermögen wir ihn
auch nicht
Unwillkürlich erscheint er uns bedeutend, und weil man ihn
nicht versteht, ist man geneigt, ihm viel Macht zuzutrauen.
Man täuscht sich darin auch meistens nicht. Seichte Wasser
schlagen leicht Wellen.

29
Man ziehe daraus eine Lehre. Der magnetische Mensch zeigt
seiner Mitwelt das Bild gebändigter Kraft. Er kann es nicht
besser, als wenn er zurückhaltend ist. Keine Extravaganz in
seiner Erscheinung soll er dulden. Seine Bewegungen seien
gemessen, sein Auftreten voll Würde.
Niemand braucht zu wissen, wie es in uns aussieht. Je mehr
Dunkelheit man um sich her verbreitet, um so besser. Je mehr
man das nicht tut, was der Durchschnittsmensch von uns
erwartet, je weniger man zeigt, daß irgend etwas Eindruck auf
uns macht, desto bewunderter blicken die Augen aller auf uns.
Durch das Ungewöhnliche reizen wir.
Kommt jemand in Aufregung zu dir, dir eine ihn heftig
alterierende Mitteilung zu machen, und du zeigst dich völlig
ungerührt, völlig kalt, so wird es den anderen treffen wie ein
Schlag. Eine mit Grauen gemischte Bewunderung wird ihn
ergreifen, er staunt über das hohe Maß des dir eigenen
geistigen Gleichgewichtes. Der Mann ist unerschütterlich, wird
er sich sagen!, du imponierst ihm, und er fühlt sich klein neben
dir, denn es erscheint ihm unfaßbar, wie du bist. Er beginnt
dann zu dir aufzusehen, er wird bewundernd von dir erzählen,
und so hast du Terrain gewonnen.

Ein Beispiel:
Der Wiener Bankier Sina, ein Levantiner, pflegte
allabendlich einen Klub aufzusuchen und daselbst eine Partie
Whist zu spielen. Die Gesellschaft bestand zumeist aus hohen
Aristokraten, und der Bankier wurde trotz seines Reichtums
nicht ganz für voll angesehen.
In seinem Bureau hatte er die Weisung hinterlassen, sobald er
zum Kartenspiel gegangen sei, wünsche er mit geschäftlichen
Dingen nicht behelligt zu werden, nur in ganz dringenden
Notfällen dürfe man nach ihm schicken. Eines Tages, als er
gegangen, kam die telegraphische Nachricht in sein Bureau, ein
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ihm gehöriges österreichisches Kreditlos sei mit zweimal-
hunderttausend Gulden gezogen worden. Das ganze
Bureaupersonal geriet in Aufregung und sofort wurde einer der
Angestellten mit dem Originaltelegramm in den Klub gesandt.
Der Bote kam ganz atemlos in den Saal und überreichte Sina
die Depesche. Er öffnete sie, las sie, und sagte dann ohne eine
Miene zu verziehen :
„Zweimalhunderttausend Gulden gewonnen, und wegen so
einer Lappalie stören Sie mich am Whisttische?“
Seine Unerschütterlichkeit anläßlich dieses Glücksfalls
wirkte geradezu verblüffend auf alle, die dieser Szene
beiwohnten. – Von Stund an fühlte niemand sich gehalten, Sina
über die Achseln anzusehen. Seine Selbstbeherrschung hatte
ihm zum Siege verholfen. D a s G e h e i m n i s d e s
E r f o l g e s a l l e r g r o ß e n M ä n n e r bestand in der
Hauptsache darin, daß sie es verstanden, einen gewissen
mysteriösen Nimbus um sich zu verbreiten, und sich nicht
durchschauen zu lassen. Sie blieben stets in absoluter Reserve.
Wenn sie aus ihr heraus den Zauber ihrer odisch- magnetischen
Kräfte spielen ließen, überwanden sie jeden Gegner. Man
denke an Bismarck und Napoleon den Großen, man denke an
Wellington und Friedrich II. Der von ihnen ausgehende
persönliche Einfluß war geradezu ungeheuer. Jeden schlugen
sie in ihren Bann, und jeder mußte ihnen schließlich dienen
und zu Willen sein. Noch eklatanter offenbarte sich freilich
diese geheimnisvolle und unwiderstehliche Macht an dem
Herzog von Talleyrand, dem großen französischen
Staatsmanne, dem selbst ein Napoleon Untertan wurde. Ein
Biograph sagt richtig von ihm: „Er war fast ohne alle
Leidenschaften, verstand es aber vortrefflich, Leidenschaften
anderer für sich auszubeuten!“ Hierin liegt die unbedingte
Anerkennung seiner grandiosen odisch- magnetischen Kraft.
Wo er auftrat, herrschte er und beherrschte seine Umgebung.
Bisweilen zog er sich in die Stille zurück, augenscheinlich, um

31
neue Kräfte zu akkumulieren. Trat er aus seinem
Verborgensein wieder an die Öffentlichkeit hervor, lagen alle
wieder zu seinen Füßen. Und niemals offenbarte sich seine
diktatorische Herrsch- und Beeinflussungsfähigkeit stärker, als
in den Tagen des Wiener Kongresses, wo er die schwierige
Obliegenheit hatte, das völlig geschlagene Frankreich seinen
Besiegern gegenüber zu vertreten. Lächelnd übernahm er diese
Aufgabe und erfüllte sie, indem er ein einziges Wort unter die
versammelten Staatsmänner schleuderte, so, daß er sich zum
Herrn des ganzen Kongresses aufschwang, und diesen, der aus
lauter Gegnern bestand, vollständig nach seinen Willen leitete,
so daß Frankreich, das besiegte, als im Grunde einziger Sieger
aus diesem Kriege der Diplomaten hervorging.
Ihm ähnlich war König Friedrich I. von Württemberg, der
ebenfalls diesen berühmten Kongreß als der einzig deutsche
Souverain verließ, der sich nicht ein Jota von seinen Rechten
abhandeln ließ. Selbst ihrem Intimsten gegenüber gingen diese
beiden Männer nie aus ihrer Reserve heraus. Ihre Zeitgenossen
liebten sie nicht, aber sie erkannten, wenn auch widerstrebend,
ihre geistige Überlegenheit rückhaltlos an. Ihr ungeheures
Selbstvertrauen verhalf ihnen zu ihren beispiellosen Erfolgen
und zwar durch die gewaltige Kraft des in ihnen mit weiser
Berechnung zurückgehaltenen Magnetismus. F ü r d e n
o d i s c h- m a g n e t i s c h e n M e n s c h e n i s t d i e g a n z e
Welt nichts, als ein ihm zur beliebigen
Benutzung zur Verfügung stehendes
Jagdgebiet.
Eine seiner Hauptwaffen ist Schweigen können. Mühe jeder
sich daher in dieser Kunst. Schweigen und ungesellig sein, ist
etwas Grundverschiedenes. Das Schweigen des einen wirkt
einschläfernd, das eines anderen aufreizend. Es kommt genau
so, wie wer spricht, darauf an, wer schweigt. Isoliertheit und
Reserve ist nichts anderes als die Fähigkeit, seine Gedanken zu

32
beherrschen und den Gegner zu zwingen, die seinen
preiszugeben. Der Undurchdringliche ist stets der Überlege ne.
Durch konsequentes Verschweigen der eigenen Gedanken
und durch den festen Vorsatz, sich nicht zu offenbaren, wird
der sich so Verhaltende gleichsam zum Magneten. Der Gegner
aber zu dem Eisenstück, das der Magnet an sich zieht.
E i n b e d e u t u n g s v o l l e r R a t , den wir unseren
Schülern nicht vorenthalten möchten, ist der, anfangs mit
großer Vorsicht und Überlegenheit zu operieren und
anzustellende Versuche zunächst geschickt zu cachieren.
Mit euch allen wird bald eine große Veränderung vor sich
gehen, vor allem eine innerliche. Aber laßt eure Bekannten
hierüber im Dunkeln. Müht euch, euch anmerken zu lassen,
daß ihr etwas besonderes im Schilde führt, daß ihr beginnt,
euch wie eine Batterie gegen eure Umgebung aufzupflanzen.
Laßt es niemanden gewahr werden, daß ihr irgend etwas zu
erfahren trachtet, nicht, um es weiterzugeben, sondern bei euch
zu behalten und es akkumulierend in euch zu verarbeiten.
Eure Wünsche und Absichten müssen die tiefsten
Geheimnisse für eure Bekannten sein. Sprecht ihr davon,
verletztet ihr die wichtigste Grundregel der geheimen
Wissenschaft, nämlich die das Zurückhalten von Wissen und
Kenntnissen und der Nichtbefriedigung der Neugierde
betreffende.
Gebt euch den Anschein, als existiertet ihr für euch selber
überhaupt nicht. Tretet scheinbar in den Schatten; von da aus,
wo man nicht geblendet wird, läßt es sich am besten
beobachten. Je weniger der odisch-magnetische Mensch von
sich spricht, desto mehr werden andere es tun.
Nahen Schmeichler, so weise der Adept sie ab, denn man
kann sicher sein, daß diese spüren, eine geheimnisvolle Macht
beginne von ihm auszuströmen. Durch ihr zum Munde reden,
wollen sie ihn aus seiner gedeckten Stellung hervorlocken und
33
ihn veranlassen, sich Blößen zu geben, d. h. in die Sprache der
Wissenden übersetzt: ihm etwas von seinen odischen Vorräten
rauben.
Wer dich zu reizen oder zu kränken sucht, macht es ebenso,
ebenso der, der deine Leidenschaft deine sinnlichen Instinkte
aufstacheln will.
Sei daher wie Talleyrand: Leidenschaftslos, um die
Leidenschaften anderer ausnutzen zu können. Du hast alsdann
eine Waffe in der Hand, mit der du imstande bist, selbst den
Stärksten zu Boden zu schlagen.

34
Kursus VI.

Die Hauptschwäche des Menschen. – Die Eitelkeit. – Der


Beifallstrieb und der Wunsch, Neid zu erwecken. – Gefahr,
ihm zu frönen. – Das ins Meer geworfene Gute.

Den meisten lebenden Geschöpfen ist es eigen, wenn sie


etwas getan haben, es der Welt kund zu tun, damit diese sie
bewundere, damit diese aufmerksam auf sie werde.
Den Menschen drängt es dazu und auch das Tier. Die Henne
gackert, wenn sie ein Ei gelegt. Der Löwe brüllt, wenn er ein
Tier erbeutet hat. Der Wilde, er stimmt einen Triumphgesang
an der Leiche des erschlagenen Feindes an.
Bei dem Kulturmenschen ist es das gleiche, nur die Form ist
etwas feiner. Warum jagen Unzählige nach Titeln, nach Orden?
Nur darum, um ein Aushängeschild zu besitzen, an dem jeder
gleich erkennen kann, was sie sind, was sie geleistet haben.
Warum prahlt mancher Student, daß niemand ihn unter den
Tisch trinken könne? Weil er nur scheinen, weil er von seinen
Komilitonen bewundert sein will! Warum hält der Soldat
Narben für Ehrenmale? Weil er wünscht, jeder, der sie sieht,
möge ihn für einen Helden halten! Warum zeigt der Athlet
seine strotzenden Muskeln so gern bei jeder Gelegenheit, weil
er denkt, er imponiert durch seine Stärke! Alle diese drängt der
Eitelkeitstrieb hierzu; Prahlsucht, der Wunsch, bewundert zu
werden; das Verlangen, sich in seinem eignen Glanze zu
sonnen, und andere fühlen zu lassen, daß sie so oder so gegen
die betreffenden zurückstehen.
Man muß, da es überall zu beobachten ist, auch den
Beifallstrieb für eine Naturkraft halten, für eine Art in der
Seele eines jeden eingebettetes Ferment. In vielen revoltiert

35
dieses so stark, daß sie von ihm überwältigt werden. Sie
müssen darum allerorten auf sich deuten, müssen auf sich
aufmerksam machen. Sie können nicht anders, koste es, was es
wolle.
Wer hat nicht den Mann schon kennen gelernt, der den
geringsten Erfolg sofort auf den Markt hinausschreit, wer nicht
den, der nur unter Paukengeräusch und Trompetenton
wohlzutun vermag. Wer nicht den, der eine Neuigkeit nicht
eine Minute bei sich behalten kann. Nimm zehn Leute, und
gewiß ist ein Drittel von dieser Kategorie. Den Wissenden
müssen alle diese ausnahmslos als Toren, als leichtfertige
Verschwender erscheinen. Gewiß, der Beifallstrieb ist eine
Naturkraft, und wie jede solche ein „geistiger Strom“. Aber
hiervon ahnen die, die ihn leichtfertig vergeuden, nichts, und
nichts davon, daß sie ihn schwächen, indem sie ihn
mißbrauchen. Wären sie klug, würden sie ihn für sich
verwenden, statt ihn zwecklos in die Luft fahren zu lassen.
W e r k l u g i s t , w e h r e d e m B e i f a l l s t r i e b : Er
halte ihn mit Gewalt zurück. Die Gärung darf vorhanden sein,
aber sie darf das Gefäß nicht sprengen. Sie soll, um ein leicht
verständliches Bild zu gebrauchen – den in der Flüssigkeit
enthaltenen Zucker in Alkohol verwandeln, aber nichts sonst.
Das Gespräch soll durch sie stark und gehaltreich gemacht
werden. Je schwerer es dem Ringenden wird, den Beifallstrieb
zu unterdrücken, desto deutlicher wird die Stärke der in ihm
vorhandenen Kraft bewiesen.
Eigentümlich ist ihr zudem, daß sie speziell darnach strebt,
Entgegengesetztes in sich aufzunehmen. Daraus ergibt sich,
daß bei etwaiger Zurückhaltung sie zu besonderer
Anziehungsfähigkeit geneigt ist, und somit ein erweckendes
und akkumulierendes Element wird. Die Wirkungen dieser
Eigenschaft werden bald bemerkbar sein. Das Selbstvertrauen
wird erhöht, und das ganze Wesen strahlt physische, positive
Elektrizität aus. Die Erscheinung wird hoheitsvoller und
36
imponierender, und der ganze Mensch fühlt sich von odischer
Kraft durchströmt. Alles in ihm empfindet er bewußt. Seine
Nerven sind stärker geworden, die Funktionen seines Körpers
sind in keiner Weise durch Störungen zu alterieren. Er fühlt
sich physisch und psychisch vollkommen gesund und ihn
durchdringt ein schier wunderbares Gefühl der
Lebensfreudigkeit. Welche Stärkung er daraus erfahren, wird er
zunächst daraus abnehmen können, daß sein Verhältnis zu
seiner Umgebung sich vollkommen verändert. Vor allem
daraus, daß man sich ihm fortan mehr noch als früher zu
nähern versucht, daß jeder, den er kennt, geradezu darauf
hindrängt, ein inniges Verhältnis mit ihm anzuknüpfen, seinen
Rat einzuholen, ja überhaupt in seiner Nähe zu sein. Seine
Einflußsphäre ist dadurch gewachsen, und wird immer weiter
wachsen, wenn er strengstens an dem Prinzip festhält,
niemandes Neugierde zu erwecken. Nur eins muß er als streng
zu beobachtende Richtschnur im Auge behalten, er darf seine
Umgebung niemals merken lassen, daß er wohlüberlegt und
zielbewußt die Aufmerksamkeit dritter zu erregen sucht und
weiß.

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Kursus VII.

Eigne und gegnerische Kräfte. – Leben und Wärme. – Das


Geheimnis der Atmungskunst. – Atem als Krafterzeuger. –
Die Methode der Yogi.

Alles im Leben ist Kraft und Reibung, und Kräfte finden sich
überall, sei es in uns, sei es in anderen. Jeder Wunsch und jeder
Trieb stellt Kraft dar, und jeder ist von dem Verlangen beseelt,
diese Kräfte zu seinem Vorteil wirken zu lassen und andere zu
beeinflussen. Im gewissen Sinne trachtet jeder, aber auch jeder
instinktmäßig danach, sich durch niemanden überrumpeln zu
lassen. Er setzt sich also zur Wehr, und setzt gegen die
Batterie, die wir spielen lassen, eine andere auf. Es kommt also
darauf an, die feindliche zum Schweigen zu bringen. Wer im
Kriege die besten Kanonen sein eigen nennt, wer das beste
Pulver und die besten Shrapnells besitzt, wird unfehlbar Sieger
bleiben.
Wir haben im Vorhergehenden aufgeführt, welche hohe
Bedeutung es hat, die Kunst der Zurückhaltung zu üben, und
warum man die eigenen Eitelkeitstriebe unterdrücken und in
magnetische Kraft verwandeln soll. Wenn diese sich regen,
stacheln sie uns zu irgend etwas an, sie führen uns also in
Versuchung, etwas zu tun, und zwar uns selbst zu schädigen.
Diese Versuchungen sind jedoch kein Fluch, sondern ein
Segen, denn sie treiben uns an, nicht still zu stehen, sondern
unsere Kräfte zu entwickeln, und unsere magnetischen
Eigenschaften zu erhöhen. Aus diesem Grunde wird jeder, der
den ernstlichen Willen hat, stark zu werden, ihr Sich-Melden
dankbar begrüßen, weil sie ihm ein Antrieb sein müssen, seine
Anziehungskraft zu erhöhen. Wer das weiß, wird alles daran
setzen, ein der Versuchung Unterliegen unmöglich zu machen.

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Sich das zu erleichtern, gibt es nun, wie zum Trost alles gesagt
sein mag, eine eigne und sogar unfehlbare Methode.
D a s i s t d i e M e t h o d e d e r Y o g i : und diese ist nichts
als eine systematisch durchgeführte Atemtechnik. Ihre Erfinder
sind die Angehörigen einer indischen Sekte, die sich dadurch in
Besitz ungeheuerer, fast an das Wunderbare streifende, geistige
Kräfte gesetzt haben. Leben ist Atem und Atem Leben, lautet
eine seit Jahrtausenden bekannte These. Und nicht nur für
physisches Leben ist der Atem unerläßlich, sondern nicht
minder für geistiges. Für letzteres sogar in erhöhtem Maße.
„Der körperliche und geistige Gesundheitszustand, das
Gemüt- und Gedankenleben kann durch Atmung gebessert und
reguliert werden, indem man die Aufmerksamkeit auf die Ein-
und Ausatmung richtet und den Atem einhält, ist eine leichtere
Kontrolle der Gedanken möglich. Bei intimerem Denken, oder
wenn man sich in dem Zustand geistiger Gespanntheit befindet,
steht der Atem still,“ sagt ein so bekannter und überzeugter
Yogi wie B. W i e d e n m a n n .
Was folgt hieraus? Nichts anderes, als daß ein jeder es in der
Hand hat, seine Gedanken zu konzentrieren, wenn er den Atem
anhält. Er kehrt, wenn er es tut, also nur Ursache und Wirkung
um. Versuchung verliert alle Macht, sobald man sich stark
genug fühlt, ihr zu widerstehe n, wenn man weiß, daß man sie
ihrer Kraft berauben und die ihr entrissene in eigne Kraft
verwandeln kann. Also handle man darnach, indem man fest
die Gedanken darauf konzentriert, ich will dich bezwingen, ich
will dich verschlingen und sozusagen verdauen.
Über das Atmen und seine Bedeutung für die Stärkung sei
folgendes gesagt, das ich einem bedeutenden über Yoga, die
Geheimlehre Indiens handelnden Werke entnehme.
Man muß dahin gelangen, das die Atmungsorgane
beherrschende Nervenzentrum beherrschen zu lerne n, da dieses
bestimmend auf alle Nervenstränge wirkt. Dadurch nämlich

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hilft man, den Atmungsgang gleichfalls in magnetische Kraft
zu verwandeln.
Würden z. B. in einem Raume alle Luftmoleküle in gleicher
Richtung bewegt, so würde dieser Raum eine gewaltige,
elektrische Batterie darstellen. Verwandeln alle Kräfte sich in
Willen, so kommen die Nervenbahnen in eine Art elektrische
Schwingung. Es ist nämlich feststehend, daß die Nerven unter
Einwirkung elektrischer Ströme polarisieren. Die Kräfte der
Gedanken und des Willens stellen aber eine viel höhere Art der
Elektrizität (odischer Magnetismus) dar. Wenn alle
Bewegungen des Körpers vollkommen rythmisch geworden
sind, sind sie dadurch zu einer riesenhaften Batterie des
Willens geworden.
Damit ist die physiologische Erklärung der Bedeutung der
Atemübungen gefunden. Durch sie soll eine rythmische
Tätigkeit in den Körper gebracht werden, durch die man
imstande ist, mittels des Atmungszentrums die anderen Zentren
zu beherrschen.
Die nötige kraftaufspeichernde Atemtechnik beginnt man mit
folgendem Experiment. Man stelle sich gerade aufgerichtet hin,
die Hände leicht gegen die Oberschenkel legend, konzentriere
mit äußerster Anstrengung alle Gedanken auf das eine: „Ich
will Kraft aufspeichern, und hole tief Atem, so tief, wie die
Lungen es zulassen,“ während man im Geiste zu sich sagt:
„bewußt eigne ich mir Kraft an, bewußt kann ich jede
Versuchung in Kraft umwandeln.“
Der eingenommene Atem wird etwa neun Sekunden
eingehalten, und man sagt dabei innerlich zu sich, „bewußt
habe ich mir Kraft angeeignet, und fortan ist dies ein Teil
meines geistigen Ichs.“ Alsdann wird der Atem langsam
ausgelassen, so langsam, daß dies wiederum 9 Sekunden in
Anspruch nimmt. Währenddessen sagt man zu sich, „ich fühle

40
mich stark und ruhig genug, der in mir aufgespeicherten,
odisch- magnetischen Kraft zu gebieten!“
Man darf sich nicht genügen lassen, diese Übung nur einmal
vorzunehmen, sondern sie muß wiederholt ausgeführt werden.
Je öfter es geschieht, desto größer wird der Erfolg sein, denn es
stehen zwischen Gemüt und Lunge äußerst feine und wahrhaft
wunderbare Verbindungen und Beziehungen. Die angegebenen
Yogi befördern gewisse vitale Strömungen im Menschen,
welche korrespondierende Strömungen an sich ziehen.
Dauernder Nutzen aber kann nur erworben werden, wenn die
niedere Natur (Wünsche, eitle Bewegungen, sinnliche Triebe,
Neid, Neugier etc.) niedergerungen ist, um dadurch das Od
völlig freiwerden zu lassen.
Leidenschaften, die man Überhand nehmen läßt, können die
ganze Vernunft gefangen nehmen. Alle Leidenschaften sind
Naturkräfte, und es hängt von uns ab, ob sie uns nutzen oder
schaden, und ob wir fähig sind, ihnen ihre Kraft zu entziehen,
diese umzuwandeln und zu verteilen.
Wer Leidenschaften und Wünsche richtig zu benutzen
versteht, dem leisten sie genau dieselben Dienste, wie dem
Schiffer der Wind, der es verstanden hat, ihn in seine Gewalt
zu bekommen, und der ihn nunmehr an den Klippen
vorbeiführt, statt ihn daran zu zerschellen.

„Wer nur Sinnliches betrachtet,


dem wächst Neigung bald daraus,
Und aus Neigung wird Begierde,
aus Begierde Leidenschaft,
Die den Geist verwirrt erschüttert,
und der Kräfte uns beraubt,
Wo nicht Wille und Vernunft herrscht,

41
bricht Verderben bald herein.
Aber wer ohne Haß und Gier,
wer mit selbstbezwungnem Geiste,
Schreitet durch die Welt der Sinne,
er gelangt zu Geistesklarheit,
Kommt zu Heiterkeit und Ruhe
Und in der Erkenntnis Reich;
Nicht Vertieften nie zu teil wird
geist’ge Sammlung und Verstand,
Denn wer Sklave seiner Sinne,
Sklave ist von Wunsch und Gier,
Dessen Weisheit schwankt auf Wogen,
wie ein sturmgejagtes Schiff.“

42
Der magnetische Mensch vermag selbst aus Begierden
wertvolle Kräfte zu ziehen.

Man ziehe sich aus diesen Worten des Dichters die Lehre:
Jede Versuchung ist sofort ihrer Macht entkleidet, sobald man
weiß, man ist imstande, sie zu besiegen, und ihre Kraft zu
eignen Zwecken zu benutzen.

43
Kursus VIII,

Die Legende vom heiligen Christoph. – Etwas über Resultat


und Zeit. – Überraschendes. – Anweisungen.

Wer mir bis hierher gefolgt ist, wird vielleicht sagen, ich
fühle mich enttäuscht. Er habe die Offenbarung großer
Geheimnisse erwartet, und dabei habe er nur ein paar
unbedeutende Verhaltungsmaßregeln und die Anweisung für
Übungen erhalten. Alle, die so sagen, setze ich ein sehr
energisches „Nichtvorschnell urteilen“, entgegen. Wenn sie nur
folgen, und den Erfolg sehen, werden sie wohl kaum noch zu
sagen wagen, meine Vorschriften und Ratschläge seien
„nichts“.
Denket daran, wie es St. Christoph erging, er war ein Riese,
und er lachte darum, als ein Kind ihn fragte, ob er imstande sei,
es über den Fluß zu tragen.
Als er aber das Kind auf den Schultern hatte, meinte er, er
müsse zusammenbrechen unter der ihm aufgebürdeten Last.
Laßt es euch nicht gehen, wie ihm. Unterschätzt nichts, weil
es euch klein und unbedeutend erscheint, das winzig
Ausschauende ist manchmal gewichtiger, als das, was auf dem
ersten Blick einem eratischen Blocke gleicht.
Freilich soll niemand erwarten, daß, sobald er mit den
empfohlenen Übungen beginnt, sich auf der Stelle sein ganzer
Charakter ändere. Was bisher gesagt ist, betrifft zunächst nur
gewisse Fundamental-Sätze und Gesetze, aber diese
beobachten und befolgen, heißt zu großem Fortschritt
gelangen.

44
Jedes Ding will Weile haben! Schütte Zucker in ausgepreßten
Fruchtsaft, so wirst du zunächst nichts haben, als ein gesüßtes
Getränk. Warte aber einige Monate, so wirst du gehaltreichen
Wein in dem Fasse vorfinden.
Sobald Gärung beginnt, hören wir in dem Gefäß, in welchem
sie vor sich geht, ein Rauschen und Brausen, und zwar
geschieht dies schon nach Verlauf von einigen Tagen. Die
ersten Anzeichen des Verwandlungsprozesses von Fruchtsaft in
Wein erscheinen. So wird auch der nach unserer Methode sich
Trainierende, der das Gefäß seines Leibes mit geistigem und
odischem Edelwein füllen will, schon nach einigen Tagen
wenigstens die ersten Anzeichen seiner Umwandlung spüren.
Nämlich erhöhtes Selbstvertrauen und erhöhte Individual-Kraft
stellt sich ein. Man bemerkt, sobald die Wunschkraft
zurückgehalten und akkumuliert ist ein direktes physisches
Empfinden wohltuender Stärke, sowohl im Kopf, in den
Armen, in den Muskeln und Nerven. Ein Gefühl köstlicher
Frische, daß sich mit keinem anderen vergleichen läßt. Er wird
von diesen Empfindungen durchdrungen mit Sprachwitz
ausrufen:
Wie ist mein Haupt emporgerichtet,
Wie tritt mein Fuß so federleicht,
Wie ist die Wange glutgelichtet,
Wie ist das Aug begeisterungsfeucht.
Wer am Beginn des Studiums ist, beobachte sich selber
genau, kritisch prüfend und abwiegend.
Vermeint ihr zu bemerken, daß eure Anziehungskraft
einstweilen noch nicht sehr stark wirke, so glaubt nicht, der
Fehler liege an anderem. O nein, er liegt nur an euch! Ihr wäret
bisher nur noch weit davon entfernt, so stark zu sein, daß ihr
unwiderstehlich wäret.

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Wir begegnen manchmal Menschen, die uns so wohl
gefallen, daß wir geradezu dazu getrieben werden, in ein
intimeres Verhältnis zu ihnen zu treten. Man geht weiter, und
wirft seine ganze Zuneigung auf den betreffenden, sieht aber
doch mit schmerzlichem Erkennen, daß man nicht
weiterkommt, daß der andere wohl liebenswürdig ist, aber daß
er reservierter bleibt, als man es wünscht, daß er sich uns am
Ende ganz entzieht. Diese Tatsache wird jeden von euch, der
derartiges erlebt, schmerzen. Aber geht in euch, und prüft euch,
und tut ihr es ernstlich, werdet ihr erkennen, daß ihr einen
Fehler gemacht hattet.
Ihr habt dem, dessen Neigung ihr gewinnen wolltet, viel
erwiesen, aber habt ihr dadurch in ihm Zuneigung für euch
erweckt? Nein, leider nicht! Ich will euch die quälenden
Zweifel lösen, warum der Mißerfolg eintrat. Euer Wunschtrieb
verleitete euch, Kraft zu entlassen, anstatt sie aufzuspeichern,
und so entzog der andere euch, was ihr ihm entziehen wolltet.
Laßt euch solche kleine Niederlage eine ernste Warnung sein.
Denkt über den tieferen Sinn der angeführten Regeln nach und
beginnt fortan mit gesteigerter Akkumulierung der bisher
verschwendeten Kräfte. Würgt jeden Wunsch, und selbst den
kleinsten und unschuldigsten hinab. Ihr müßt aber durch
erhöhte Anstrengung die erlittene Einbuße wett zu machen
trachten.
Unterdrückt alle Begierden, hört nicht auf die Stimme des
Ehrgeizes, der Vergnügungssucht, der Neugier -, haltet alle
diese im Zaum, und nicht minder überwindet euch, wenn
sinnliches Verlangen euch ergreift. Ich rate dies nicht, um euch
willkürlich zu kasteien, sondern ich will euch lehren, ein
wissenschaftliches Gesetz über die Kraft des odischen
Magnetismus zu befolgen. Ihr sollt Trieben widerstehen, um
sie in Kraft zu verwandeln, um über diese nach Gefallen
verfügen zu können.

46
Wer auf diese Höhe gelangt ist, wird bald eine auffällige
Wahrnehmung machen, nämlich die, daß, je höher er steigt,
desto weniger begehrenswert ihm alles erscheinen wird, nach
dem er früher mit heißen Bemühungen trachtete.
Darüber aber härme er sich nicht, und glaube nicht, sein
Leben sei fortan ärmer geworden. Im Gegenteil, er freue sich
darüber, niedere Empfindungsgrade überwunden zu haben, um
jetzt damit zu beginnen, höhere anzugreifen.

47
Kursus IX.

Das magnetische Auge und der Zentralblick. – Die


magnetische Stimme.

Wir nehmen an, daß der Studierende jetzt genügend odischen


Magnetismus in Gestalt akkumulierter Kraft in sich beherbergt,
um weitere Anweisungen mit Vorteil vornehmen zu können,
die ihn in Stand setzten, das Erkannte praktisch zu verwerten.
Es soll nun gelten, die nach außen hin magnetisch wirkenden
Fähigkeiten des Auges zu entwickeln und das Geheimnis des
Zentralblickes kennen zu lernen. Der Zentralblick hat auf einen
bestimmten Punkt im Gesicht unseres Gegenüber zu treffen
und zwar gerade auf die, den Nasenwurzelansatz bildende,
zwischen beiden Augen belegene Stelle. Man richte den Blick
fest auf das Gegenüber, aber reiße die Augen dabei nicht
besonders auf, oder sehe zornig oder wild aus. Der so
Angeschaute vermag einen solchen Blick nicht lange
auszuhalten, sondern wird die Augen hinwegwenden, rasch
und gleichsam hilfeheischend. Diesen Blick haltet auf ihn
gerichtet, so lange ihr zu ihm sprecht, und zwingt ihn unter
allen Umständen euch anzusehen. Beginnt er zu reden, so
wendet den Blick von ihm ab und betrachtet, was ihr wollt,
seine Hände, seine Schenkel, seinen Hals, seine Ohren, aber
nur nicht die Augen. Gebt euch dabei den Schein, ihr hörtet
aufmerksam zu. Beginnt ihr aber den Faden der Unterhaltung
wieder aufzunehmen, blickt ihm gleichzeitig sofort wieder
scharf auf die Stelle zwischen den Augen. Benehmt euch dabei
aber nicht auffällig, damit er nicht stutzig wird und merkt, daß
ihr ihn untersuchen wollt.

48
Der Zentralblick wirkt wie ein Zentralbohrer; der, der ihm
ausgesetzt war, kann ihn nicht vergessen, denn gerade in das
Zentrum seines Gehirns hat sich seine Spitze eingebohrt. Das
unter der Einwirkung des Zentralblickes gleichzeitig vom Ohre
aufgenommene Wort bleibt gleichfalls tiefer im Gedächtnis
haften, als wie ein unter anderen Umständen gesprochenes, und
man kann sicher sein, daß es einen bleibenden Eindruck
hinterläßt.

Unter dem Eindruck des Zentralblickes hat schon manche


begonnene Unterredung einen ganz anderen Verlauf
genommen, als die beiden Beteiligten anfangs vermuteten.
Der Eine, der Halsstarrige, Hochmütige vielleicht, nahm sich
vor, den Gegner von oben herab zu behandeln oder zu
demütigen, und gar nicht lange, so war seine hohe Position

49
dermaßen beschossen, daß er vor dem Feinde kapitulieren
mußte. Und warum, weil seine Kenntnisse und Übung in der
odisch- magnetischen Kraft gleich Null waren. Den anderen
aber, der das Geheimnis der Kräftekonzentrierung kannte, und
darum den Zentralblick spielen ließ, schützen seine Kenntnisse
vor einer Niederlage.
D i e m a g n e t i s c h e S t i m m e kann ebenfalls erworben
werden. Eine Stimme, auf die man sich konzentriert, ist
magnetisch. Beim Sprechen zwinge man sich, den Geist stets
auf das, was man sagen will, zu konzentrieren, und man
spreche stets so klar und deutlich, daß ein Mißverständnis
unmöglich ist. Die Stimme muß einen vollen, senoren Klang
bekommen, sie darf jedoch sich niemals überschlagen.
Als eine zweckmäßige Methode ein einwandfreies äußeres
Sprechen zu erlernen, geben wir folgende Methode an: Man
stelle wirkungsvolle Worte, wirkungsvoll zusammen und lerne
sie auswendig. Dann gehe man an einen einsamen Ort, am
besten im Freien, und spreche diese Wort laut vor sich hin.
Einmal freudig, einmal höhnisch, einmal traurig, einmal
zuversichtlich und so fort. Man achte weniger auf den Sinn der
Worte, sondern nur auf die Charakteristik des Ausdruckes, so
daß man also die Stimme schult, jedes Register beliebig zur
Verfügung zu haben. Von Vorteil wird es sein, wenn man
sogar auf dem einzelnen Vokal übt, also in Sätzen spricht, in
denen als betonter Vokal ein a, o, e, i, u, ü, ö, ei, vorkommt.
Solche Sätze, die jeder sich leicht bilden kann, sind zum
Beispiel:
1. Knabenkamen da gegangen, nahten langsam, Banner
tragend.
2. Mein Meister freit ein heiteres Weib und meint es sei
ein Zeitvertreib.
3. Rochus roch an roten Rosen.

50
4. Schritten an den Wiesen Rinder, Kinder pflückten
Wick und Winden.
Man mache diese Sprechübungen zunächst mit dem Winde
und gelegentlich dann gegen ihn. Die Stimme wird dadurch
wunderbar gestärkt, freilich ist es schwer, gegen den Wind zu
sprechen.
Zur feineren Ausfeilung der Stimme verfüge man sich in ein
Zimmer, in welchem ein Spiegel hängt und versperre die Tür.
Alsdann beginne man sich mit seinem Spiegelbilde zu
unterhalten. D. h. man spreche die Vokalsätze mit
wechselndem Ausdruck in das Glas hinein und achte auf alles
ganz genau.
Vor Beginn dieser Übung hole man jedes mal lang und tief
Atem, soweit es der Fassungsraum der Lunge erlaubt.
Fühlt man sich vor seinem Spiegelbilde sicher, so imaginiert
man sich die Anwesenheit einer bestimmten Person, oder einer
ganzen Versammlung und alloquiert diese; geht im Zimmer auf
und ab, macht heftige Gesten, schilt, schmeichelt, droht, aber
tut dies alles mit voller Stimme und so, daß jede Silbe zu ihrem
Recht kommt.
Es wird dem so Übenden begegnen, daß er bei dieser Art von
Gespräch mit einem nur vorgestellten Partner, gleichwohl in
heftige innere Alteration kommt. Das ist ein gutes Zeichen,
denn es beweist, daß er wirklich fühlt, was er sagt. Aber gerade
in solchen Affektzuständen muß er sich zu meistern lernen und
darauf achten, daß die Stimme sich nicht überschreie.
Mit dieser Übung kann man, so seltsam es klingt, das eigne
Selbstvertrauen in hervorragender Weise heben. Wer sich
deprimiert fühlt, versuche es einmal, sich selbst anzureden,
sich selbst wegen seiner Schwäche und Unruhe auszuschelten.
Er rede sich selbst Trost zu und Entschlossenheit ein, und er
wird staunen, wie leicht und schnell alle Wolken und
Trübungen schwinden werden.
51
Kursus X.

Das Erwerben des magnetischen Blickes und seine


Verwendung. – Spiegelübung.

Ehe ich die Methode beschreibe, wie der Zentralblick


erworben werden kann, möchte ich noch bemerken, daß jeder
sich hüten soll, mit diesem bezwingenden Blick irgend
welchen Mißbrauch zu treiben. D. h. er soll nicht überall und
nicht leichtfertig angewandt werden, sondern stets nur da, wo
der bestimmte Wunsch vorhanden ist, Einfluß zu gewinnen.
Man suche den Zentralblick so beherrschen zu lernen, daß er
bei jedem Gesichtsausdruck natürlich erscheint, also daß er im
gegebenen Falle stets zur Verfügung da ist.
Die Erwerbung des magnetischen Blickes
erfordert einige Vorbereitungen, zu denen auch einige wenige
Requisiten nötig sind. 1. Ein bequemer Stuhl. 2. Ein Spiegel
und 3. zwei Kartonblätter, auf denen eine schwarze
kreisförmige Scheibe mit weißem Zentrum erscheint.
Nun stelle man den Sessel in einem Zimmer auf, das
möglichst nur eine Lichtquelle hat und nehme Platz, nachdem
man zuvor in Augenhöhe eines der gedachten Kartonblättchen
befestigt hat. Alsdann fixiere man scharf den weißen Punkt auf
der schwarzen Fläche.
Die hierdurch hervorgerufenen Wirkungen sind sofort
wahrnehmbar, nämlich:
a) Das Gefühl der Spannung und Erwartung läßt fast sofort
nach;
b) es tritt Ruhe ein, bisweilen sogar ein leichtes
Depressionsgefühl;

52
c) der weiße Punkt in der Mitte wird undeutlich, seine
Ränder zucken, er rührt sich, und er scheint in das
schwarze Feld übergezogen;
d) den Rand des Kreises umgibt eine flimmernde Aureole,
die sich von dem Kartongrund leuchtend abhebt.
e) unter den Augenlidern entsteht ein Gefühl, als seien
Sandkörner zwischen ihnen und den Augäpfeln;
f) ein unwiderstehlicher Drang, die Augen zu schließen,
macht sich bemerkbar, diesem Drang darf aber unter
keinen Umständen nach gegeben werden, denn auf der
Überwindung der Müdigkeit beruht der Hauptwert der
Übung. W i r d d i e M ü d i g k e i t z u g r o ß , z i e h e
m a n d i e A u g e n b r a u e n e m p o r . Dies erfrischt die
angestrengten Muskeln und Nerven der Augen, ebenso
wie ein Schließen der Lider;
g) endlich werden Tränen das Auge trüben, und das gesamte
Kartonbild wird undeutlich werden. Dann ist der
Zeitpunkt da, die Übung abzubrechen. Je öfter man diese
Übung wiederholt, je länger wird es dauern, bis Tränen
hervortreten, und an diesen verlängerten Zeiträumen kann
man genauestens die Zunahme an Kraft kontrollieren.
Die Dauer der Übungen steigert man langsam, aber niemals
über 10–15 Minuten hinaus. Ein Mehr wäre schädlich!
Ist die nötige Sicherheit vorhanden, das heißt, ist der
Tränendrang überwunden, gehe man weiter. Man befestige das
Kartonblatt etwa 2 Meter nach rechts, fixiere, den Kopf nach
wie vor geradeaus haltend und nur die Augäpfel verdrehend,
wiederum den weißen Mittelpunkt. – Kann man das, wird die
Übung nach links gerückt und nach dieser Seite hin geübt.
Alle diese Übungen sind nur Vorbereitungen zu der
Spiegelübung, die wiederum nur eine Vorbereitung ist,
kraftvoll in ein menschliches Auge blicken zu können.

53
Die Spiegelübung wird folgendermaßen ausgeführt. Man
stelle einen Spiegel auf einen Tisch, setze sich dem gegenüber.
Am besten in einen Lehnstuhl, so daß man eine ganz bequeme
Lage einnehmen kann. Dann zeichne man sich einen Punkt
zwischen beide Augenbrauen, oder klebe ein kleines Stück
farbiges Papier auf die Nasenwurzel und hefte seinen Blick
unbeweglich auf diesen im Spiegel wiedererscheinenden
Zentralpunkt. Das Blinzeln muß auch hierbei strengstens
vermieden werden. Sobald ein Blinzeln sich meldet, ziehe man
die Augenbrauen etwas empor.
Die Haltung des Körpers bei dieser Übung muß so absolut
ruhig sein, als wäre alles Leben sonst gewichen und nur in den
Augen zurückgeblieben. Dies absolute Stillsitzen und ruhige
Starren wird den meisten trotz der vorhergegangenen Übungen
sehr schwer fallen. Länger als drei Minuten wird es im
Anfange wohl schwerlich gelingen, aber man steigere die
Länge der Sitzung von Tag zu Tag, bis man 15 Minuten
erreicht hat.
Schon nach zwei oder drei Tagen vermag der Lernende zu
bemerken, wie unsicher der Blick seiner Umgebung im
Vergleich zu seinem ist, und wie sehr dieser an Kraft und
Festigkeit gewonnen hat.
Die Zunahme der magnetischen Fähigkeiten des Auges ist bei
einiger Ausdauer in Bezug auf die Übungen eine rapide zu
nennen. Wer den Zentralblick beherrscht, erweckt den
Anschein, als könnte er jedem Menschen mitten in den Kopf
hineinsehen, und alle, auf die er gerichtet wird, fühlen sich von
unerklärlicher Schwäche befallen. Infolgedessen aber wird ihr
Auge und ihr Blick keinen Einfluß auf den Mann mit dem
magnetischen Blick haben.

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Begegnen sich – was man leicht erkennt, was aber sehr selten
vorkommt – zwei Wissende – so ist unweigerlich der im
Vorteile, der den Zentralblick zuerst spielen ließ. Daraus geht
hervor, daß auch in diesem Falle der Hieb die beste Parade ist.

55
Kursus XI.

Methoden, den erlangten magnetischen Einfluß direkt


auszustrahlen. – Die psychische Methode, die solaristische
Methode, die Muskularmethode.

Diese Methoden zu erlernen und anwenden zu können,


erfordert einen sehr festen Willen. Die vorbereitenden
Übungen sind in der Stille und Einsamkeit vorzunehmen. Um
sich ganz zu isolieren und von Beeinflussungen durch das
Gehör unabhängig zu machen, empfiehlt es sich, gelegentlich
Antiphone zu tragen. Der Übende wird sich am besten
hinlegen, oder wenigstens bequem hinsetzen, alle Muskeln
entspannen, und er muß zugleich alle störenden Gedanken von
sich weisen. Je mehr er die Empfindung hat, nur noch eine
vegetative Existenz zu spüren, desto besser. So ist er wohl
vorbereitet, durch eine der drei nachstehend angeführten
Methoden einen Wandel in seinen eignen Verhältnissen zu
schaffen.
Die psychische M e t h o d e , oder die der
p s y c h i s c h e n I m p r ä g n a t i o n ist überaus geeignet, das
Selbstgefühl zu heben, und die odisch-magnetischen Kräfte in
uns auf uns selbst ein- und rückwirken zu lassen. Man verfährt
wie folgt:
Die gleiche Stellung wird eingenommen wie bei der
Spiegelübung, aber nicht wie bei ihr stellen wir uns ein
silberhinterlegtes Glas gegenüber, sondern eine weiße Tafel,
die von einem dunklen Rande umgeben ist. Auf diese schreiben
wir in großen Buchstaben irgend einen kurz und präzis
gefaßten Satz auf. Z. B. „ich will in diesem Wettstreit siegen“,
oder „ich will, daß der und der das tue!“ Alsdann fixiere man
diesen Satz solange man es vermag, genau wie den hellen

56
Punkt auf der schwarzen Scheibe, oder die eigenen Augen
unseres Spiegelbildes. –
Das Bild des vor uns stehenden Satzes wird sich
unauslöschlich in unser Gehirn einprägen, ja geradezu
einbrennen und die odisch- magnetischen Kräfte werden
gleichsam züngelnd darauf zustreben, um den so von außen her
fixierten und nach innen geschlagenen Satz in lebendige Worte
umzusetzen. Auf diese Weise entstehen geistige Ströme in
vollendeter Form. Man schreite aber auch hier vom Kleineren
zum Größeren vor. Man fixiere zunächst nur geringere
Wünsche z. B. „ich will nicht mehr von Kopfschmerzen
geplagt sein“, „meine Unruhe soll verschwinden“, „meine
Heftigkeit soll abnehmen“ und so fort. Sehr bald wird sich alles
das erfüllen, und seid ihr von der Wirksamkeit der Methode
überzeugt, könnt ihr fast alles verlangen was ihr wollt, und
sogar fernwirkende Wünsche werden nicht unerfüllt bleiben.
Die Solarmethode.
In der Nähe des Magens und der großen Aorta, der
Hauptschlagader des Körpers, liegt ein eigentümliches mit
vielen Ganglienknoten versehenes Nervengeflecht, der Solar
Plexus oder das Sonnengeflecht geheißen. Mit gutem Grunde
sehen zahlreiche Gelehrte in ihm ein zweites Gehirn, das
Gehirn des Unterleibes, denn von ihm sind sehr viele
körperliche Funktionen abhängig, und von dem Zustande des
Solarplexus aus wird auch die Gemütsstimmung beeinflußt.
Wie oft hört man sagen, „es stand mir vor der Brust“, wie oft
sieht man, wenn jemanden etwas alteriert, ihn nach der Brust
greifen. Ein Beweis, daß daselbst ein Zentrum sitzt, dem große
Erregungsfähigkeit eignet. Das Sonnengeflecht besitzt nun in
hervorragendem Grade magnetische Empfindsamkeit, und es
gibt sogar Physiologen, die der Ansicht sind, durch das
Sonnengeflecht könnten direkte Wirkungen auf andere
ausgeübt werden. Das mag dahingestellt sein. Aber jedenfalls
kann der Mensch durch Solarübungen bei sich selbst große
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Stimmungsänderungen hervorrufen, jede Niedergeschlagenheit
bannen und von Kraft und Ruhe erfüllt werden.
Die Methode wird folgendermaßen ausgeführt. Man legt sich
entkleidet auf eine Matratze oder einen Tisch, legt die Hände
an die Seite, dehnt die Brust aus und zieht den Unterleib ein.
So lange als möglich hält man den Atem an und treibt ihn in
das Zwerchfell, das sich dadurch ausdehnt. Wird der Unterleib
wieder angezogen, dehnt sich naturgemäß die Brust aus. So
wechselt man ab, etwa 6 mal, und dann eine Pause von etwa
einer Minute. Hierauf wiederho lt man das Ganze drei- bis
viermal.
Diese Übung wirkt sehr drastisch auf den Solar-Plexus, denn
sie gleicht einer Art von innerlicher Massage, die auf diesen
ausgeübt, und wodurch im weiteren alle Nervenbahnen, die mit
dem Sonnengeflecht in Verbindung stehen, wohltätig
beeinflußt werden.
D i e M u s k u l a r - M e t h o d e bezweckt, physische Kraft in
geistige umzusetzen. – Wir finden es gar nicht selten, daß
muskelschwache Menschen dennoch einen sehr entschiedenen
Willen haben, wogegen manche Kolosse geradezu in
lächerlichem geistigen Gegensatz zu ihrer Erscheinung stehen.
Sehr natürlich! Die ersten verwandelten Naturanlage in geistige
Kraft, die letzteren aber in rein fleischliche und so hielt Geist
und Stoff einander nicht mehr das Gleichgewicht. Man glaube
aber nicht, daß die magnetische Muskular-Methode identisch
wäre mit Turnen. O nein, beim Turnen wird lediglich eine
Übung ausgeführt, ohne daß man sich etwas dächte, als das
eine: „ich will, daß just sie einigermaßen gerät“.

58
Plexusübungen zur Ausstrahlungsvibration

Hier aber soll man einen gewissen, die zu leistende


Muskelarbeit nicht berührenden Gedanken fassen, und dann
gymnastische Übungen beschränkter Art machen. Am besten
folgende. Man stellt sich entkleidet auf ein Tuch, das nicht viel
größer ist, als daß die Füße darauf Platz haben, dann hebt man
die Arme mit geballter Faust über die Schultern empor und
beugt sie langsam ein, so daß die Fäuste die Ohren berühren.
Darauf schnellt man sie mit jähem Schwung in den Hang
zurück, und beginnt von vorn. So neunmal hintereinander.
Der Erfolg ist erstaunlich! Ein junger Gelehrter konnte eine
verwickelte Frage nicht lösen. Endlich fing er an, diese
Methode zu benutzen und die angedeuteten Übungen unter den
begleiteten Ausruf zu machen „ich will die verwickelte, mir
vorschwebende Frage lösen“. – Er löste sie nicht nur, sondern
er fand sogar einen ganz neuen, höchst überraschenden
Lehrsatz.
Etwas derartiges erscheint wie ein Wunder, aber es ist
dennoch Tatsache, und in vielen ähnlichen Fällen sind die
nämlichen Resultate erzielt worden, Kraft des Gesetzes, daß
die durch einen ermüdeten Muskel weichende äußere
physische Kraft von dem ausströmenden Wunsche sofort
wieder aufgefangen und der odisch-magnetischen Innenkraft
zugeführt wird.

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Kursus XII.

Zweifel und Glaube. – Die Macht des Glaubens. – Die


Brücke der Gedanken.

Die dicksten Mauern vermag der Hausschwamm zu


zermürben, und die gewaltigsten Eisenstangen der Rost zu
zerfressen. Beide sind kleine feine Nager, allein, wo sie sich
einmal angesetzt haben, gibt es keinen Widerstand gegen ihr
langsames Malmen. Früher oder später stürzt das Haus ein,
früher oder später zerbricht die Eisenstange.
Genau so zerstörend wie diese Feinde von Eisen und Stein
wirkt auf geistigem Gebiet der Zweifel.
Es gibt keine so gefestete Anschauung, keine so
unumstößliche Meinung, daß er schließlich nicht mit ihr fertig
würde. Etwas einmal Bezweifeltes hat schon sein festes
Fundament verloren. Sein Widerpart ist der Glaube, der immer
das von dem Feinde Zerstörte wieder aufbauen möchte. Er ist
von beiden der leidenschaftlichere und hinreißendere und
erobert manchmal im Fluge, was er zu beherrschen trachtet. So
mächtig Glauben und Zweifel auch sein mögen, einiges
müssen sie dennoch unangetastet lassen, eines können sie nicht
angreifen, nämlich die Naturgesetze. Diese sind
unerschütterlich und unerschütterbar. – Sie brauchen weder
geglaubt noch bezweifelt werden. – Ihrem Wesen und ihrer
Natur tut das keinen Abbruch.
Es ist daher auch gleich, ob du an das Vorhandensein odisch-
magnetischer Kräfte glaubst, oder ob du es bezweifelst. Ob du
das eine oder das andere tust, ändert nichts an der Tatsache,
daß sie vorhanden sind. Wohl aber kannst du sie, sofern du
glaubst, leichter entwickeln und leichtere Fortschritte in der
Kunst ihrer Anwendung machen, als wenn du zweifelst. Du

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wirst daher gut tun, um schnell in der königlichen Kunst
fortzukommen, alle Zweifel zu verbannen. Dies ist nicht
schwer. Das Faktum, daß man lernt, beweist, daß man lernen
will, und schon das verbürgt den Erfolg.
Das Unterdrücken des Zweifels ist gleichfalls angetan, eine
heilsame Übung für euch zu werden und kann euch zu
ähnlichem bringen, wie das Bekämpfen des Eitelkeitstriebes.
Zweifel ist negativer Eitelkeitstrieb. Der Zweifel schmäht und
schwächt dasselbe, was der Eitelkeitstrieb vorwärts stößt und
auszubreiten sucht. An allem Kampfe erstarken wir, und so ist
es schließlich gleich, wer sich uns zu solchem gegenüberstellt.
Die Hauptsache ist, daß wir Sieger bleiben.
Der Mensch besteht aus geistigen und materiellen Elementen,
genau so, wie die ganze Welt. Daß, was diese beiden verbindet,
sind die Gedanken, die durch physische und psychische Ströme
ausgenutzt werden. Wer auf seine Gedanken achtet, kann an
ihnen schon erkennen, ob er sich auf gutem Wege befindet.
Glückliche Ideen und gute Bilder sind stets die Folge von
bewußt ausgeübter psychischer Tätigkeit. Wo verworrene
Ideen oder trübe Gedanken erscheinen, bekundet das Störungen
oder Mangel an geordneter Seelenfunktion. Der Studierende
hat es somit in der Hand, Ordnung in sein Gedankenleben zu
bringen, und alle Gelegenheiten zu ergreifen, die er durch sein
Verlangen selbst herbeizuziehen vermöchte.

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Kursus XIII.

Etwas über die Willenskraft. –Erwerbung. – Der Feind der


Willenskraft.

Indem man Geisteskräfte akkumuliert, für die man zur Ze it


keine Verwendung hat, vergrößert man unbewußt in einem hin
und an sich schon die Willenskräfte. Aber daran darf der
ernstlich Strebende sich nicht genügen lassen, sondern er muß
auch danach trachten, seine Willenskraft bewußt weiter zu
entwickeln. Erhöhte Willenskraft schafft Selbstvertrauen und
das Gesicht wird Spiegel desselben sein, und der Mensch wird
sich dadurch schon äußerlich bei seinen Mitbrüdern empfehlen.
Mit dem Willen verfährt man in ähnlicher Weise, wie man
die odisch- magnetischen Kräfte akkumuliert.
Jedes Hindernis, das man nimmt, – um einen Sportausdruck
zu wählen, – vollbringt dies Wunder, jeder Schritt, den man
bewußt nach einem Ziele hin macht, ebenso. Man beginne mit
ganz leichten Übungen, z. B. anfangs mit einer spielerischen.
Versucht einmal vor einem Tische sitzend, mit der rechten
Hand wiederholt auf die Platte zu streichen und mit der Linken
gleichzeitig darauf zu klopfen. Ihr werdet beides zusammen
schwer ausführen können, sondern mit beiden Händen die
nämliche Bewegung machen, aber zeigt einmal, habt einmal
den festen Willen, es richtig zu machen, so wird es gelingen.
Hört ihr mit dem Spiele auf, lehnt ihr hochatmend in euren
Sessel zurück, werdet ihr das Gefühl eines gewissen Triumphes
spüren, weil ihr lediglich durch Willenskraft eine Schwierigkeit
überwunden habt. – Je größer die Aufgaben sind, die ihr euch
stellt, je stärker werdet ihr dieses triumphierende Wohlbehagen
empfinden. – Ganz natürlicher Weise, denn ihr habt Kraft
aufgespeichert, euch an Kraft gesättigt. Dies Bewußtsein und

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Gefühl der Kraft benutzte man nun wiederum zum Erringen
neuer geistiger Siege. Ihr werdet dann bald das fröhliche Herz,
„das jeden Drachen besiegt“, euer eigen nennen.
Einen großen Feind besitzt die
W i l l e n s k r a f t , d i e U n g e d u l d . Das klingt seltsam;
denn auf den ersten Blick könnte man meinen, sie habe etwas
Stimulierendes. Das ist nicht der Fall, im Gegenteil, sie hat
etwas Schwächendes. Vergleiche einmal zwei Männer, die
gleichzeitig das Gleiche tun sollen. Etwa einen Wettlauf
beginnen, oder ähnliches. Der eine trippelt ungeduldig einher,
rupft sich am Bart, pfeift, zuckt mit den Schultern, trommelt
mit den Fingern. – Der andere aber steht lächelnd mit
untergeschlagenen Armen und ruhig erwartend da. Nun wird
das Zeichen gegeben. Der Ungeduldige schrickt auf, fährt
zusammen und springt von dannen, – der ruhige aber war ihm
längst schon Voraus und kommt als erster ans Ziel. Dieser
Ausgang ist sehr natürlich. Der eine hielt seine Kräfte
zusammen und zu seiner Verfügung, der andere aber machte
vorzeitig die Ventile auf, ließ da und dort etwas hinausfliegen,
und hatte darum, als es darauf ankam, keinen genügenden
Vorrat mehr. Wer so handelt, wie der ruhig am Ort wartende,
braucht keinerlei Mißlingen zu befürchten. Alles, was er tut,
kann nur einen Ausgang haben, kann ihn nur zu einem Ziele
führen – zum Erfolge, zu Reichtum und Macht.

63
Kursus XIV.

Geistige und materielle Elemente. – Induktionen und


induktive Methoden. – Emanationen.

Wer nur spart, um zu sparen, wer das Sparen nur als Sport
betreibt, handelt unsinnig. Sparen hat nur Wert, wenn es zur
Erreichung eines bestimmten Zweckes vorgenommen wird.
Wer Kraft aufspeichert, soll diese Kraft daher auch verwenden,
um materielle Vorteile dadurch zu gewinnen und materielle
Resultate zu erzielen.
Ich wiederhole, daß es nur möglich ist, wenn zuvor die
Gesetze der geistigen Übungen streng befolgt sind. Ich nehme
an, sie sind es, und der Schüler ist geradezu geladen mit
odisch- magnetischer und mit Willens-Kraft. Schon das
Vorhandensein dieser geistigen Vorräte genügt, anziehend zu
wirken. Sie strahlt durch uns hindurch, unsichtbar zwar für die
meisten, aber das Od macht dennoch seinen Einfluß geltend.
Ohne daß ihr es wollt, trägt man euch Zuneigung entgegen,
umwirbt euch, drängt sich an euch heran. Es ist, als ob ein Duft
von euch ausginge, wie der Honigduft der Blume, der die
Bienen anlockt. Das bringt euch an sich schon reichen Lohn für
eure Mühe – aber den höchsten erreicht ihr, wenn ihr nun
beginnt, eure Kräfte aktiv zu emanieren und die ganze Fülle
eures innerlichen Reichtums auf einen bestimmten Punkt, auf
ein bestimmtes Ziel zu richten.
In der Luft fliegt ein bunter Vogel, viel zu hoch, als daß die
Hand ihn erhaschen könnte. Wer ihn haben will, muß erst
umgehen lernen mit Gewehr, Pulver und Blei, um ihn aus der
blauen Höhe herunterzuholen, und ihm die prächtigen
Schwanzfedern ausreißen zu können.

64
D i e I n d u k t i o n, und speziell die elektrische geschieht
durch Erregung elektrischer Ströme. Wird ein offner Strom
durch ein magnetisches Feld bewegt, so daß er Kraftlinien
schneidet, so tritt in ihm eine induzierte elektrische Kraft auf,
die eine Spannungsdifferenz der Enden erzeugt. Dasselbe
geschieht, wenn der Stromleiter ruht, aber die Intensität oder
Richtung des magnetischen Feldes sich dadurch ändert, daß
Kraftlinien dennoch den Stromleiter hindurchheben. Hierbei ist
es gleichgültig, ob das magnetische Feld durch einen
permanenten Magneten oder mittels eines Elektromagneten
hervorgebracht wird. Ganz ähnliche Erscheinungen weist die
odisch- magnetische Induktion auf.
Um das klarer einsehen zu lernen, begreife man unter dem
einen Teil, sich und zwar als Stromleiter, und die Person, die
man beeinflussen will, als magnetisches Feld. Die von uns
ausgehenden geistigen Ströme müssen diesen passieren, und
wir sind es, die diese Ströme nicht nur entwickeln, sondern
auch festhalten.
Hat der von euch ausgehende Strom gewirkt, so wird der
andere in Erregung geraten, und diese wird ihn reizen, viel zu
sprechen und auf den Gegner einzudringen. Je mehr, desto
besser. Man höre ihm mit Aufmerksamkeit zu, wenigstens mit
scheinbarer – und lasse vorsichtig den Zentralblick spielen.
Man benehme sich jedoch ja nicht aufdringlich oder auffällig,
damit der andere nicht stutzig wird. Die eigne Kraft wird
möglichst zurückgehalten.
Nun sendet man mit geschickt gestellten Fragen weitere
odisch- magnetische Pfeile auf ihn ab, lockt ihn dadurch immer
mehr aus sich heraus, erweckt dadurch gleichartige Ströme in
ihm, und zwingt ihn, sein ganzes Inneres gleich einem Teppich
vor uns auszubreiten. Nun seht, nun wißt ihr alles. Kettet dann
durch vorsichtige Anerkennung, durch Reizen kleiner
Schwächen usw. ihn vollends an euch und entwickelt in euch

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Ströme wohlwollenden Interesses. Es gewährt einen hohen
Genuß zu beobachten, wie der andere langsam gezwungen
wird, vor uns zu kapitulieren, wie er sich uns ganz übergibt,
und uns unbewußt als Studienobjekt dienen muß.
Wunderbare Wirkung der Kraftausstrahlung:
Öfters haben wir bereits das Bild von Ziel und Pfeil gebraucht.
Dieses ist auch für den Fall anwendbar, wenn wir mit festem
Willen unsere Kräfte auf jemanden richten, um eine bestimmte
Handlung von ihm geschehen zu lassen. Stehen wir hinter
jemand, so brauchen wir ihn nur mit den festen Willen, er solle
uns ansehen, auf den Epistrophos (2 Nackenwirbel) zu blicken,
und er wird nach wenig Minuten bereits den Kopf nach uns
umwenden.
Stehen wir hinter jemandem und richten den Blick fest auf
seinen Scheitel (verkehrter Zentralblick), so können wir ihn
zwingen, bestimmte Gegenstände, die vor ihm liegen,
aufzunehmen.
Interessiert uns jemand auf der Straße lebhaft, so brauchen
wir nur, falls wir ihm öfters begegnen, mit freundlicher Miene
den Zentralblick auf ihn wirken zu lassen und dabei innerlich
zu sich sagen – „Du wünschest mich kennen zu lernen, du
wünschest mir nahe zu treten,“ und es wird nicht lange währen,
daß bei ihm dies Verlangen so lebhaft erwacht, daß er
tatsächlich darauf ausgeht, uns zu stellen und unter irgend
einem Vorwand Beziehungen zu uns einzuleiten.
Jeder, der aktiv oder passiv anzuziehen sucht, bedenke eines.
Kein Vermögen ist so groß, daß es nicht ausgegeben werden
könnte, und wenn man nichts einnimmt, nutzt die größte
Sparsamkeit nichts, denn eines Tages ist man mit seinen
Mitteln am Ende. Man darf daher die konzentrierte Kraft
niemals bis auf den letzten Rest entweichen lassen, sondern
sorge stets für die Aufspeicherung von neuer.

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Zum Schlusse endlich möchte ich noch einmal kurz
zusammenfassend rekapitulieren, was der, welcher
persönlichen Magnetismus erlangen will, tun und was er lassen
soll. Zurückhaltung und Reserviertheit ist das erste, damit ein
psychischer Nimbus erworben wird. Unterdrückung aller
Wünsche und vor allem des Eitelkeitstriebes ist das zweite und
wichtigste. Bändigung ist das dritte. Jede Überwindung eines
Wunsches, jede Unterdrückung der Eitelkeit muß und kann in
Kraft umgesetzt werden, und so muß das, was schlecht benutzt
uns Schaden bringen würde, zu unserem Besten dienen.
Aber man beachte auch das, was als schädliches Moment
gegen uns anstürmt und auf uns eindringt, nämlich die
Versuchungen, die in tausendfacher Gestalt die Seele
umlauern. Versuchungen verlocken uns physische und
psychische Debauchen zu begehen. Beide sind gleich
gefährlich, denn sie machen uns stumpf, und können darum
auch leicht schuld daran sein, daß unsere odisch- magnetischen
Substanzen sich nicht regulär entwickeln.
Ich warne daher vor Lastern aller Art, wie Ausschweifungen,
Spiel, Trank und dergleichen, ich warne vor bösen Gedanken,
vor unzüchtigen, boshaften und gottlosen. Wie Hochkultur des
Getreides nur auf einem sorgfältig gereinigten und bestellten
Boden geschehen kann, so kann auch geistige und magnetische
Hochkultur nur da Erfolg haben, wo Geist, Herz, Gemüt und
Seele rein und empfänglich sind. Auf die innere Harmonie des
Menschen kommt es an. Wohlgestimmte Saiten schwingen
besser mit, als liederlich gespannte.
Schützt euch vor den Einflüssen anderer. Jeder wohnt am
sichersten im eignen Hause. Was ihm in dem des Nachbars
passieren kann, weiß er nicht. Will jemand euch beeinflussen,
haltet euch reservie rt, und seid ihr bewußt zurückhaltend, wird
niemand euch zu schaden vermögen. Wollet stark sein, und ihr
seid es. Wo Kraft und Wille sich vereinen, entsteht die höchste,
geistige dynamische Spannung, und es erreicht mit ihr und
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durch sie der persönliche Magnetismus seine größte
Wirksamkeit!

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Verlag von Maximilian Wendel, Leipzig 38
Querstraße 10–12.
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Die Schule der . . .


Geistesgegenwart
Neue Mittel und Wege um Gefahren zu entgehen und
schwierigen Situationen im Leben stets sofort gewachsen zu
sein.

Von Dr. W. Fr. Ehrhart


Preis M 6.–, elegant gebunden M 7.50

Es gibt Momente, die peinlich wirken. Es gibt Situationen,


bei denen der davon Betroffene lieber in die Erde sinken
möchte, um den Wirkungen zu entgehen. Es gib t Gefahren, in
denen wir unser Leben oder wenigstens unsere gesunden
Glieder einbüßen können, oder aber durch unsere Schuld
können andere Personen zu Schaden kommen und wir müssen
zahlen, ganz abgesehen von den andern Unannehmlichkeiten.
In solchen Momenten, die häufig nur nach einer einzigen
Sekunde bemessen werden können, heißt es entschlossen sein.
Gewöhnlich ist aber das Gegenteil der Fall. Die meisten
werden „kopflos“. Viele Gelehrte haben sich Mühe gegeben,
diesem Zustande abzuhelfen, aber niemand wußte den
Ursprung des Uebels, und daher die geringen Erfolge. Erst Dr.
Ehrhardt ist es jetzt gelungen, die Wurzeln des Uebels zu
erkennen und Anleitungen zu deren Beseitigung zu geben.
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Nach dem Studium dieses Werkes spürt man sofort in sich eine
Ueberlegenhe it und neu sich entwickelnde Kräfte. Man schaut
selbst der größten Gefahr mit ruhigem Blick entgegen und ist
überzeugt, daß man jetzt sich selbst und andere retten kann,
daß man nie zu fürchten braucht, die Fassung zu verlieren und
daß man infolge seiner eigenen Geistesgegenwart andere
Personen in Verwirrung bringen und die vielen Vorteile zu
seinem eigenen Vorwärtskommen ausnutzen kann.

Ausführlicher Prospekt auf Verlangen gratis.

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