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XVI.

Legislaturperiode XVI legislatura

AKTUELLE FRAGESTUNDE INTERROGAZIONI SU TEMI DI


ATTUALITÀ

Sitzung Nr. 166 seduta n. 166

vom 13.9.2022 del 13/9/2022

Antwort des Landeshauptmannes Kompat- Risposta del presidente della Provincia


scher auf die Anfrage Nr. 10/9/2022, einge- Kompatscher all'interrogazione
bracht von den Abgeordneten Knoll und Atz n. 10/9/2022, presentata dai consiglieri
Tammerle Knoll e Atz Tammerle

KOMPATSCHER (Landeshauptmann - SVP): Geschätzter Kollege Knoll, erlauben Sie mir eine Prä-
misse. Der vertragsgebundene Arzt für Allgemeinmedizin in Prad am Stilfser Joch hat seine Tätigkeit zeitwei-
lig unterbrechen müssen. Das war die Vorgeschichte. Artikel 36 des gesamtstaatlichen Kollektivvertrages für
die Regelung der Beziehung mit den Ärzten für Allgemeinmedizin bei zeitweiliger Abwesenheit des Allge-
meinmediziners sieht vor, dass der Arzt selbst für die Suche und den Einsatz einer Vertretung verantwortlich
ist. Die Beauftragung war für die Woche vom 18. bis 24.7.2022. Aufgrund des großen Mangels an vertrags-
gebundenen Ärzten für Allgemeinmedizin auf dem gesamten Landesgebiet wurde ein Arzt aus der angren-
zenden Region Venetien ausfindig gemacht und beauftragt. Der vertretende Arzt wurde in der Zeit seiner
Vertretung von einer deutschsprachigen Assistentin unterstützt, um die Verständigung mit den Patienten zu
gewährleisten.
Nun zu den Fragen. Zu Frage Nr. 1. Für den Südtiroler Sanitätsbetrieb und die Landesregierung ist es
ein grundsätzliches Anliegen, den Bürgerinnen und Bürgern immer und überall das Recht auf Gebrauch der
Muttersprache zu garantieren. Zudem ist sich die Landesregierung und der Sanitätsbetrieb bewusst, dass
insbesondere im medizinischen Bereich eine klare und verständliche Kommunikation wichtig ist, da die Men-
schen oft mit Situationen konfrontiert sind, die physisch und emotional belastend sind. Neben dem Recht
jedes Patienten, in seiner Muttersprache betreut zu werden, besteht aber auch die Notwendigkeit des ver-
fassungsmäßigen Rechts auf Gesundheitsschutz sowie die wesentlichen Betreuungsstandards zu gewähr-
leisten.
Zu Frage Nr. 2. Zum konkreten Fall Folgendes: Der vertretende Arzt hat den vertragsgebundenen Arzt
in den Tagen vom 18. bis 24. Juli 2022 vertreten, ausgenommen an den Wochenenden. Im Prinzip waren es
also fünf Tage und ist nun wieder zu seiner Tätigkeit in der Region Venetien zurückgekehrt. Bei einer provi-
sorischen Beauftragung eines Arztes/einer Ärztin für Allgemeinmedizin sieht der Kollektivvertrag vor, dass
auch Ärzte ohne Zweisprachigkeitsprüfung den Dienst antreten können. Der Arzt hat seinen Auftrag sehr
gewissenhaft durchgeführt und jeglichen sprachlichen Zweifel mit der Assistentin besprochen. Dies wurde
uns auf Nachfrage mitgeteilt. Die Patienten und Patientinnen wurden in der Zeit der Abwesenheit des ver-
tragsgebundenen Arztes fachlich gut betreut. Wir haben auch bei der Gemeinde nachgefragt, wie die Leis-
tung war, unabhängig von der Sprache.
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Zu Frage Nr. 3. Der Arzt hat der Bürgerin erklärt, dass er deutschen Sprache nicht mächtig sei. Die
sprachliche Barriere konnte dank der Assistentin überwunden werden.
Zu Frage Nr. 4. Sowohl für den Südtiroler Sanitätsbetrieb als auch für die Landesregierung ist es ein
grundliegendes Anliegen, den Bürgerinnen und Bürgern immer und überall das Recht auf Gebrauch der
Muttersprache zu garantieren. Für diese Sicherstellung hat sich vertretende Arzt eine Übersetzungshilfe zur
Seite geholt. Bereits vor der Pandemie hat es sich für den Sanitätsbetrieb zunehmend als schwierig erwie-
sen, genügend zweisprachiges Personal unabhängig vom Berufsbild und Arbeitsbereich anzuwerben. Wäh-
rend der Pandemie war es fast unmöglich. Durch den Mangel an Fachpersonal auch in den deutschsprachi-
gen Nachbarländern wird eine Rekrutierung für Südtirol zusätzlich erschwert. Natürlich wird man auch wei-
terhin alles Mögliche und Notwendige tun, genügend zweisprachiges Personal einzusetzen. Der Südtiroler
Sanitätsbetrieb hat folgende Maßnahmen ergriffen: Personalsuche und -bindung, Einrichtung der Abteilung
Personalentwicklung, Etablierung des Amtes für Recruiting und Engagement, Teilnahme an Kongressen
sowie Einbeziehung der eigenen Mitarbeiter/innen ins Recruiting, Klärung der Möglichkeit zum Einsatz von
Personalagenturen zur systematischen Personalsuche im Ausland – das war vorher nicht klar, jetzt haben
wir rechtlich geklärt, dass wir das dürfen -, Einführungsprogramme und Mentoring für neue Mitarbeiter/innen
in den Abteilungen und Diensten, Organisation eines interdisziplinären Spezialisierungskurses für Tutor-Ship
für neue Mitarbeiter/innen in Zusammenarbeit mit der Landesfachhochschule Claudiana und der Universität
Verona, Förderung der Sprachkompetenzen neuer einsprachiger Mitarbeiter/innen über unterschiedlichste
Maßnahmen gemäß Betriebsbeschluss Nr. 613 vom 16.8.2021. Ich darf hinzufügen, dass es natürlich auch
eine Offensive in der Ausbildung für Allgemeinmediziner/innen geben wird. Wir müssen endlich genügend
zweisprachiges Personal verfügbar haben, denn das ist das Hauptproblem.
XVI. Legislaturperiode XVI legislatura

AKTUELLE FRAGESTUNDE INTERROGAZIONI SU TEMI DI


ATTUALITÀ

Sitzung Nr. 166 seduta n. 166

vom 13.9.2022 del 13/9/2022

Replik des Abgeordneten Knoll auf die Replica del consigliere Knoll alla
Antwort des Landeshauptmannes Kom- risposta del presidente della Provincia
patscher auf die Anfrage Nr. 10/9/2022 Kompatscher all'interrogazione
n. 10/9/2022

KNOLL (SÜD-TIROLER FREIHEIT): Mit Verlaub, Herr Landeshauptmann, aber das ist wieder ein gu-
tes Beispiel dafür, wie ein Problem einfach ignoriert wird. Anstatt auf die Problematik einzugehen, wird die
Patientin so dargestellt, als ob Sie lügen würde. Ich meine nicht Sie damit, aber sie hat gesagt, dass sie
weder untersucht noch nach ihrem Befinden befragt worden ist. Der Sanitätsbetrieb antwortet, dass eh alles
toll ist und alle super ausgebildet werden. Kein Wort darüber, dass es eigentlich ungeheuerlich ist, wenn ein
Arzt zu einer Patientin sagt, dass sie Italienisch sprechen soll, da wir in Italien sind. Bevor ich in den Landtag
gekommen bin, hat mir ein Bürger aus derselben Gegend Folgendes geschrieben, wobei ich vermute, dass
es sich um denselben Arzt handelt: "Meine Mutter/Rentnerin wollte gestern bei ihrem Hausarzt telefonisch
einen Termin verschieben. Die Sekretärin hat ihr nur auf Italienisch geantwortet. Auf wiederholten Hinweis
meiner Mutter, dass sie nichts versteht und in Deutsch sprechen möchte, legte diese einfach auf. Später am
Abend wurde meine Mutter dann von Arzt selbst kontaktiert, und dieser behauptet, meine Mutter müsse
gefälligst Italienisch sprechen oder sie habe sich eine Person zu suchen. Dies könne nicht er oder seine
Sprechstundenhilfe für sie machen, wenn sie einfach nicht Italienisch versteht." Das ist die Realität, mit der
die Patienten in den Sanitätssprengeln konfrontiert werden. Wenn ich eine Anfrage stelle und der Sanitäts-
betrieb antwortet, dass eh alles super sei und man dieses und jenes anbiete, aber auf den Kern nicht einge-
gangen wird … Ich möchte einmal vom Sanitätsbetrieb eine Antwort auf die konkrete Frage haben, wie man
es zulassen kann, dass ein Patient, der hilfsbedürftig zu einem Arzt geht, nicht untersucht wird und dann
auch noch beschimpft wird. Die Frechheit zu haben, dass ein Arzt am Abend die Patientin anruft und sie
beschimpft, was ihr überhaupt einfällt, zu verlangen, Deutsch zu sprechen, in einem Land, in dem die deut-
sche Sprache die Mehrheitssprache ist, ist das Kernproblem, Herr Landeshauptmann! Dass wir Ärztemangel
haben und auf Ärzte von außerhalb angewiesen sind, ist ein Punkt der Thematik, aber den Ärzten, die nach
Südtirol kommen, müsste der Sanitätsbetrieb beibringen, dass in Südtirol Deutsch die Mehrheitssprache ist
und man sich entsprechend darauf vorbereiten muss, dass es Patienten gibt, die Deutsch sprechen. Diese
Antwort des Sanitätsbetriebes geht komplett an der Problemstellung vorbei, weil auf die Problematik an sich
nicht eingegangen wird.

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