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Westfalen-Blatt Nr. 152

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LOKALES

Montag, 4. Juli 2011

Nr. 152 D h 1 2 LOKALES Montag, 4. Juli 2011 M itmachbühnen: Die Besucher mussten

M itmachbühnen: Die Besucher mussten nicht lange ani-

miert werden. Überall bildeten

sich schnell Menschentrauben.

I n Bewegung: Ob in Mülltonnen, in Badewannen, im Rhönrad, in

Holzschuhen oder auf dem Skate-

board: Hauptsache in Aktion!

S OS: Den vielen fleißigen Hel- fern des Roten Kreuzes, der

Feuerwehr und anderer Organisa- tionen gilt ein dickes Dankeschön!

S täbe: Zwischen zwei Besen- stielen einen Softball zu trans-

portieren, ist gar nicht so einfach. Aber auch dafür gab's Punkte!

I n Balance: Slackline ist eine Trendsportart, die ausprobiert

werden konnte. Es gilt, sich auf einem Gummiseil zu halten, das zwischen Bäume gespannt wird.

O hrenschutz: Zerplatzende Luftballons sind laut. Darum

bekamen die Kinder, die auf einem Fahrrad so lange strampelten, bis es knallte, Ohrenschützer.

N achtsport: Ob Schießen, Ke- geln, Völkerball oder Black-

minton – sogar tief in der Nacht herrschte sportliches Treiben.

O rientalisch: Bauchtanz lockte die Zuschauer zur Bühne na-

he der Volksbank unter dem Motto »Migration und Sport«.

L appen: Waschlappen-Weit-

oder

Schnürsenkel-Wetteinziehen zähl- ten zu den kuriosen Angeboten.

wurf,

Kissenschlacht

Y ees we can! Zu alt? Zu dick? Zu unsportlich? All diese Aus-

reden galten nicht.

M illionenschwer: Beim Geld- transport mussten die Teil-

nehmer schwere Geldsäcke in Schubkarren transportieren.

P assend: Zur Eröffnung schmetterte die Stadtkapelle

den »Kyffhäuser Turnermarsch«.

I deal: Als Glücksgriff erwies sich die Verpflichtung der Band

»Zeitsprünge« bei der Sport-Gala. Sie spielte Musik, die gleicherma- ßen ins Ohr und ins Bein ging.

C horeografie: Die Volkstanz- gruppen brachten Besucher in

Bewegung – zu den Klängen des »Pippi-Langstrumpf-Songs«.

Liebe auf den ersten Griff

Speerwurf-Weltmeisterin Birgit Kober lässt sich nicht unterkriegen und hofft auf die Quali für die Paralympics

unterkriegen und hofft auf die Quali für die Paralympics Von Meike Oblau Delbrück (WV). Nicht al-

Von Meike Oblau

Delbrück (WV). Nicht al- le Weltmeister und Goldme- daillengewinner sind berühmt. Das ist Birgit Kober aber auch gar nicht wichtig. Als sie am Sportplatz am Nordring den Speer im Sitzen locker mehr als 18 Meter weit wirft, fragt eine erstaunte Zuschauerin: »Ma- chen Sie das im Verein?« Birgit Kober lacht und sagt trocken:

»Ich bin Weltmeisterin.«

Seit 2007 sitzt sie im Rollstuhl. Ihr großes Ziel sind die Paralym- pics 2012 in London. 18 Meter, das ist nur ein lockerer Trainingswurf für die Münchnerin, die kommen- den Sonntag 40 Jahre alt wird. Sowohl im Speerwurf als auch im Kugelstoßen hält sie den Rekord in ihrer Klasse, die im Behinderten- sport etwas unelegant »Schadens- klasse« heißt. Im Speerwerfen liegt ihre Bestleistung inzwischen bei 25 Metern, im Kugelstoßen bei 9,73 Metern. Beim Werfen sitzt sie nicht im Rollstuhl, sondern auf einem Spezialhocker, der ein biss- chen aussieht wie ein Barhocker. Gedanklich teilt sie ihr Leben in zwei Hälften: die vor und die nach dem Behandlungsfehler, der sie in den Rollstuhl zwang. »2007 wurde mir auf der Intensivstation durch einen Schreibfehler versehentlich eine massiv toxische Dosis eines Medikaments verabreicht. Seitdem sitze ich mit einer Ataxie im Rollstuhl. Ataxie ist gekennzeich- net durch starke Bewegungs- und Koordinationsstörungen«, be- schreibt die Sportlerin. Das schwarze Loch, in das sie fiel, war tief. Sehr tief. Noch heute ist juristisch nicht geklärt, ob die Klinik den Behandlungsfehler an- erkennt. »So habe ich derzeit zum Beispiel kein Geld, um mein Bade- zimmer behindertengerecht um- bauen zu lassen«, erklärt Birgit Kober. Ihren Beruf – sie ist Di- plom-Pädagogin – kann sie nicht mehr ausüben, sie hofft, dass die Agentur für Arbeit zustimmt und

sie hofft, dass die Agentur für Arbeit zustimmt und Birgit Kober zeigt ihre Speerwurf-Technik: Auf einem

Birgit Kober zeigt ihre Speerwurf-Technik: Auf einem Spezialhocker sitzend schafft die gelähmte 39-Jährige Würfe von bis zu 25 Metern.

Heinrich Grundmeier (links) und die anderen Zuschauer auf der Sportanlage am Nordring sind beeindruckt. Foto: Meike Oblau

sie eine Umschulung zur Heilpäda- gogin beginnen kann. Ihre Augen strahlen aber, wenn sie von ihrer Sportkarriere berich- tet. »Der Speer und ich, das war Liebe auf den ersten Griff«, scherzt sie. Schon als Jugendliche hatte sie in dieser Disziplin ge- glänzt. »Zweite der süddeutschen Meisterschaften war ich immer- hin«, berichtet sie. Später wurden andere Dinge wichtiger in ihrem Leben, sie verlor das Werfen ein wenig aus den Augen. Dann, im Mai 2007, das Drama. Von einem Tag auf den anderen ist Birgit Kober auf den Rollstuhl angewiesen. Anfangs geht fast nichts: »Vor drei Jahren konnte

ich nicht mal richtig aufrecht sitzen«, sagt sie. Kaum zu glau- ben, wenn man sieht, wie locker sie heute aus dem Sitzen heraus den Speer schleudert. »Mit dem Rollstuhl ändert sich vieles«, weiß sie. Das

Speerwerfen aber kaum: »Abwurfhal- tung und Bewegungs- ablauf sind ähnlich. Ich habe nur keinen Anlauf mehr.« Nach

wenigen Jahren ist sie bereits absolute Weltspitze, wenn sie gesund bleibt, ist die Qualifikation für die Paralympics nur noch reine Formsache. »Der Erfolg im Sport ist mein persönli-

cher Sieg über sehr vieles aus meinem Leben«, beschreibt Birgit

Kober. »Was ich durch den Sport erleben darf, ist grandios. Es sind die kleinen Dinge, die für mich unheimlich an Bedeutung gewon- nen haben.«

Gerade in Bayern sei der Weg in den Behindertensport aber sehr steinig. »Das ist auch der Grund, warum ich für

Bayer Leverkusen starte.« Vier Stunden Training täglich stehen im Schnitt im Kalen- der, dazu zählt sie auch Krafttrai- ning, Handbike fahren und Physio- therapie. »Man kann schon sagen,

Der Einstieg in den Behinderten- sport in Bayern ist ein steiniger Weg.

dass ich mit dem Speer aufstehe und mit dem Speer ins Bett gehe. Manchmal stehe ich nachts auf und schaue mir Videos an, um meine Technik zu verbessern. Ich glaube, jeder Sportler, der Erfolg haben will, muss ein bisschen durchgeknallt sein«, sagt sie. Es stört Birgit Kober übrigens in keinster Weise, wenn Menschen ihr gegenüber unsicher sind. »Es liegt an mir, diese Haltung abzu- bauen und ihnen zu zeigen, dass sie normal mit mir umgehen kön- nen«, zeigt sie 39-Jährige sich selbstbewusst. Alles ist besser als Stillstand, findet sie. Deshalb kämpft sie – manchmal auch gegen Windmühlenflügel an.

kämpft sie – manchmal auch gegen Windmühlenflügel an. Ganz schön anstrengend! Aber deshalb gibt es ja

Ganz schön anstrengend! Aber deshalb gibt es ja auch Wertungspunk- te. Michael Kirchhoff hat zur großen Säge gegriffen und schneidet vom dicken Baumstamm eine dünne Scheibe ab. Foto: Jörn Hannemann

Baumstamm eine dünne Scheibe ab. Foto: Jörn Hannemann Felix muss so lange in die Pedale treten,

Felix muss so lange in die Pedale treten, bis der Ballon platzt. Schweißtreibend! Foto: Oblau

treten, bis der Ballon platzt. Schweißtreibend! Foto: Oblau Bei der abendlichen Sport-Gala ist der Kirchplatz zur

Bei der abendlichen Sport-Gala ist der Kirchplatz zur Showbühne geworden. Paare der Tanzschule Stüwe-Weissenberg (vorn), die »Sunshine-Girls« und die Ostenländer Voltis traten auf. Foto: Spies

und die Ostenländer Voltis traten auf. Foto: Spies Der Startschuss ist gefallen – Bahn frei für

Der Startschuss ist gefallen – Bahn frei für den Charity-Lauf. Delbrücks SSV-Chef Bernhard Hoppe-

Biermeyer heißt dazu Weltklasseathletin Steffi Nerius (kleines Foto) willkommen. Fotos: Jürgen Spies

Steffi Nerius startet Charitylauf

Delbrück (spi). Speerwurf-Welt- meisterin Steffi Nerius hat den Wohltätigkeitslauf »Samsung Hope for Youth« gestartet. Die Olympio- nikin (Silber in Athen) tauschte in Delbrück Wurfgerät gegen Lauf- schuhe und rannte selbst mit für den guten Zweck. Mehrere hun-

dert Teilnehmer nahmen wie die Sportlerin des Jahres 2009 an diesem Charity-Lauf teil. Pro ge- laufener Zwei-Kilometer-Runde durch die Stadt gab es für jeden Teilnehmer ein Armbändchen, zum Schluss wurde abgerechnet. Samsung unterstützt das Sport-

festival und stellt unter anderem 3000 Euro für die Unterstützung der Kinder- und Jugendförderung in Delbrück zur Verfügung. Bedin- gung: Es müssen 2011 Kilometer gelaufen werden. Das schaffte Del- brück locker: Mehr als 4000 Kilo- meter kamen zusammen.

Jugger schwingen Pompfen

Nicht alltägliche Mannschaftssportart in Delbrück vorgestellt

Delbrück (spi). Das ist nur einer von vielen schönen Aspekten des Festivals des Sports – man lernt neue Sportarten kennen. Oder wissen Sie bereits, was sich hinter dem Begriff Jugger verbirgt? Jugger ist eine Mannschafts- sportart; eine Mischform aus ei- nem Ballspiel (ähnlich Rugby mit weniger Kontakt) und einer Art Nahkampfschlacht (ähnlich Fech- ten), wobei aber auch mehr als zwei Spieler gleichzeitig miteinan- der kämpfen können. Bei diesem Spiel geht es darum, den Spielball (Jugg) so oft wie möglich in das gegnerische Tor (Mal) zu bringen. Während in jeder Mannschaft nur ein Spieler den Spielball berühren darf, gehen die anderen Spieler mit gepolsterten Sportgeräten (Pompfen) gegeneinander vor, um die gegnerische Mannschaft am Punkten zu hindern. Dann gibts unter anderem noch Q-Tips (äh- nelt einem Paddel) und eine Kette mit Schwungkörper. Obwohl das Spiel für den unbe- teiligten Beobachter recht hart anmutet, ist es nicht gefährlicher als andere Mannschaftssportarten. »Wir prügeln uns ja schließlich nicht«, erläutert Jugger-Spieler

Hendrik Bücker aus Westenholz, der beim Festival des Sports die Sportart Jugger zusammen mit Spielern aus Bielefeld, Paderborn

und Lippstadt auf dem Sportplatz am Nordring vorstellte. Inzwischen gibt es in Deutsch- land sogar eine Jugger-Liga.

Inzwischen gibt es in Deutsch- land sogar eine Jugger-Liga. Hart, aber herzlich gehts zu bei der

Hart, aber herzlich gehts zu bei der Sportart Jugger, die nicht gefährlicher als andere Mannschaftssportarten ist. Hier kämpfen gerade Robin Gröger (links) und James Keppel. Foto: Jörn Hannemann