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Landtagsklub.

Tirol, den 11. Oktober 2022.

Abänderung zum Beschlussantrag:


Senkung der Stromkosten und Maßnahmen gegen die Teuerung.

Strom, Gas, Lebensmittel, alles wird teurer und ist für viele Bürger nicht mehr
finanzierbar. Personen, die letztes Jahr noch ca. 70 Euro pro Stromrechnung
gezahlt haben, sehen sich nun mit Ausgaben von teilweise über 200 Euro
konfrontiert. Auch für Betriebe sind diese Preiserhöhungen inzwischen
existenzgefährdend. Ein Süd-Tiroler Fleischverarbeitungsbetrieb musste
beispielsweise allein im August eine Stromrechnung von über 70.000 Euro
begleichen. Diese exorbitanten Mehrausgaben müssen die Betriebe entweder auf
die Konsumenten abwälzen, was wiederum die Bürger in der Brieftasche trifft, oder
sie müssen den Betrieb zusperren, was zum Verlust von Arbeitsplätzen führt. Es ist
dies ein Teufelskreis, der umgehend durchbrochen werden muss.

Süd-Tirol produziert insgesamt mehr als doppelt so viel Strom, als es selbst
verbraucht. In allen großen Tälern unseres Landes befinden sich Wasserkraftwerke,
die bei gleichbleibenden Produktionskosten Strom herstellen. Es ist daher nicht
nachvollziehbar und auch nicht gerecht, dass der in Süd-Tirol selbst produzierte
Strom zu völlig überhöhten Preisen an die Bürger abgegeben wird. Dies umso
mehr, als dass in einigen Regionen Italiens der Strom vergleichsweise billiger ist.

Tatsache ist, dass der Strommarkt sehr komplex ist und von einer Reihe von
staatlichen und europäischen Gesetzesvorgaben geregelt wird. Derzeit wird der
Strom in den meisten europäischen Ländern in ein Verbundsystem eingespeist, der
Strompreis richtet sich dabei nach der Höhe des Kraftwerkes, dessen
Stromproduktion am teuersten ist. Da in Italien ein Großteil des Stroms von
Gaskraftwerken erzeugt wirkt, steigt der Strompreis auch mit der Erhöhung des
Gaspreises. Hinzu kommt, dass Italien in verschiedene „Tarifzonen“ eingeteilt wird.

Durch die Liberalisierung der europäischen Strommärkte hat zudem der Handel
der Energieversorger auch an der Strombörse stark zugenommen. Während früher
die Energieversorger ihre Energie aus eigener Erzeugung oder über längere
Lieferverträge erhielten und diese in definierten Versorgungsgebieten zu
regulierten Preisen ablieferten, wurde diese Form des Strommarktes durch die
Liberalisierung größtenteils aufgehoben.

Was kann man also tun, um den Süd-Tiroler Strom zu leistbaren Preisen an die
Haushalte in Süd-Tirol abzugeben?
Sowohl die Schaffung einer eigenen Süd-Tiroler Regulierungsbehörde, die

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Produktion und der Vertrieb über kleine Genossenschaften, als auch die
Einrichtung einer eigenen Tarifzone wären denkbare Ansätze, die es zu verfolgen
gilt. Oberstes Ziel muss es sein, dass so schnell als möglich eine anwendbare Lösung
gefunden wird, damit die Strompreise für den in Süd-Tirol produzierten Strom von
Süd-Tirol selbst festgelegt werden.
Dieses Prinzip muss auch für die Stromproduktion aus alternativen Energiequellen
wie Photovoltaik und Windkraft gelten, da ansonsten einfach nur mehr Strom
produziert würde, der dann aber ebenfalls wieder teuer zurückgekauft werden
müsste.

Bis zur Erlangung dieses Ziels bedarf es auch direkter Unterstützungsmaßnahmen


und Ausgleichszahlungen, um jetzt sofort etwas gegen die für Bürger und Betriebe
nicht mehr leistbaren Strompreise zu tun. Diese Hilfe muss aber allen Bürgern des
Landes und nicht nur den Kunden eines Energieunternehmens zukommen.

Neben der Problematik der steigenden Energiepreise bringen auch die aktuelle
Inflation und allgemeine Teuerung viele Bürger in finanzielle Notlagen.
Wenn Bürger fleißig arbeiten, mit ihrem Einkommen aber nicht mehr auskommen,
dann läuft etwas schief. Die Politik muss den Bürgern schnellstmöglich finanziell
helfen.
In ganz Europa schnüren Regionen und Staaten daher Hilfspakete, um der
aktuellen Entwicklung gegenzusteuern. In Österreich bekommen derzeit alle
Einwohner ein Bonus von 500 Euro ausbezahlt (Kinder und Jugendliche bis 18
erhalten 250 Euro). Für eine dreiköpfige Familie macht das 1.250 Euro Soforthilfe
aus. Das Land Niederösterreich legt auf diese Förderung sogar zusätzlich noch
einmal 312 Millionen Euro als Entlastungs-Paket für die Bürger drauf. Es ist daher
dringend notwendig, dass auch in Süd-Tirol ein umfangreiches Hilfspaket vorgelegt
wird. Mit den angekündigten 100 Millionen Euro wird es jedoch nicht getan sein, da
diese viele Bürger nicht erreichen wird und es mit einer Einmalzahlung auch nicht
getan ist. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes und der Betriebe zu
gewährleisten, braucht es zudem auch Unterstützungsmaßnahmen für die
Wirtschaftstreibenden.

Aus diesem Grunde stellen die Gefertigten den

Antrag:

Der Süd-Tiroler Landtag wolle beschließen:

1. Die Süd-Tiroler Landesregierung wird aufgefordert, dem Landtag innerhalb


der nächsten drei Monate ein Konzept für eine echte Süd-Tiroler Strom-
Autonomie vorzulegen. Dieses soll dem Landtag die Möglichkeiten und
notwendigen gesetzlichen Anpassungen zur Umsetzung einer eigenen Süd-
Tiroler Regulierungsbehörde, zur Produktion und Vertrieb über kleine
Genossenschaften, als auch für die Einrichtung einer eigenen Süd-Tiroler
Tarifzone aufzeigen.

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2. Der Süd-Tiroler Landtag fordert die Landesregierung auf, die Strom-
Hilfsleitungen bzw. Ausgleichszahlungen nicht nur für Alperia-Kunden,
sondern für alle bedürftigen Bürger ─ unabhängig von ihrem Stromanbieter ─
zur Verfügung zu stellen.

3. Der Süd-Tiroler Landtag fordert die Landesregierung auf, im Haushalt weitere


Finanzmittel von insgesamt mindestens 300 Millionen Euro zur Unterstützung
der Bürger und Betriebe gegen die Teuerung zur Verfügung zu stellen.

L.-Abg. Sven Knoll. L.-Abg. Myriam Atz-Tammerle.

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