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REPORTER

In Metall gehüllt, von Metall getragen:


Das Port Event Center in Düsseldorf
Jörg Abfalter und Friedolin Behning*

Der Medienhafen im Düsseldorfer Der „schwebende Wolkenbügel“ über der noch nicht ganz restaurierten, ehemaligen
Energiezentrale im Düsseldorfer Medienhafen. Zwischen den grün beschichteten
Südwesten, unweit von Landtags- Stahlträgern schimmert die vorbewitterte blaugraue Fassade aus Rheinzink-Steck-
gebäude und Fernsehturm, ist Ziel falzpaneelen.
zahlreicher Architekturtouristen.
Die dort in jüngerer Zeit errichteten
Neubauten sind Anziehungspunkt
für Besucher aus aller Welt. Zu den
nicht alltäglichen Gebäuden, die hier
um das Hafenbecken des ehemaligen
Handelshafens entstanden, gehört
auch das Port Event Center (Hafen-
Ereignis-Zentrum). Besonders ins Au-
ge fällt ein horizontal angeordneter,
dreigeschossiger Bürotrakt, der in
eine brückenähnliche Konstruktion
hineingebaut ist und in Richtung
Hafenbecken weit auskragt. Die Au-
ßenflächen dieses langgestreckten
Bauteils sind mit einer attraktiven
Der Wolkenbügel
Bekleidung aus blaugrau „vorbewit- aus einer anderen
terten“ Rheinzink-Steckfalzpaneelen Perspektive. 35 m
gestaltet. weit ragt er über
das ehemalige
Kesselhaus in
* Die Autoren sind Mitarbeiter der Rheinzink GmbH Richtung Hafen-
& Co. KG, Datteln becken.

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92 m lang ist die-
ser Gebäudeteil
und vermittelt
dennoch einen
Eindruck von
Leichtigkeit. Im
Bildhintergrund
ragt der 16-ge-
schossige Büro-
turm kontrastvoll
in den Himmel.

Architekturereignis auf Center/Düsseldorf Office Center zwei anderen Bauten zu schweben.


Kaistraße (PEC/DOCK). Bei diesem Zum einen ist das die Eventhalle für
ungewöhnlichem Standort Gebäudekomplex handelt es sich 2400 Besucher und zum anderen
Im Baugeschehen der nordrhein- eine Aufsehen erregende gestalteri- die für eine moderne Büronutzung
westfälischen Landeshauptstadt sche Verbindung unterschiedlichster umgebaute alte Energiezentrale. Im
Düsseldorf nimmt der ehemalige Baustrukturen am städtebaulich harmonischen Einklang mit kon-
Handelshafen – heute zum Medien- bedeutsamen Kopfende des alten struktiven Themen des ehemaligen
hafen umfunktioniert – eine Schlüs- Hafenbeckens. Hier schuf den der Handelshafens, wie metallene Brü-
selrolle ein. Im Zuge der Neuorientie- Kölner Architekt Norbert Wansle- cken und Kräne, wird das Äußere
rung des Areals zwischen Kaistraße ben eine Veranstaltungshalle für die des großen Horizontalbauwerkes
und Speditionsstraße entstanden Musik- und Kulturszene, den schon von einer massiven, stählernen
zahlreiche, zum Teil spektakuläre genannten „schwebenden“ Büro- Fachwerkkonstruktion geprägt. Der
Bauprojekte, entworfen von bekann- trakt und – unter Einbeziehung der im Innern dieses brückenähnlichen
ten Architekten. Zu den in jüngerer alten Energiezentrale des Hafens „Gerüstes“ ruhende, horizontale
Zeit fertiggestellten Gebäuden ge- – einen weiteren Gebäudebereich Trakt bietet auf drei Ebenen 3500
hört auch das Ensemble Port Event für Büronutzung und Gastronomie. m² Bürofläche und Nebenräume. An
Südwestlich unmittelbar seinem Kopfende ragt er 35 m weit
anschließend bildet der über das ehemalige Kesselhaus in
16-geschossige Büroturm Richtung Hafenbecken aus.
von Architekt Jo Coenen
aus Maastricht einen auf- Individuelle metallische
fälligen Kontrast zu den
horizontal gegliederten Gebäudehülle
Baukörpern des Port Event Eines der entscheidenden Gestal-
Centers. tungsmittel beim Bau des neuen
Port Event Centers im Düsseldorfer
Das Port Event Center Medienhafen ist die für dieses Projekt
maßgeschneiderte Gebäudehülle
mit dem „Wolkenbügel“ aus schlanken, metallischen Fassa-
Der „schwebende“ Büro- denelementen. Außer ihrer Funktion
trakt, auch Wolkenbügel als langlebige Wetterhaut ist sie
genannt, ist ein riesiger, auch architektonisches Gestaltungs-
prismatisch geformter, element. Letzteres bedingte eine
92 m langer Baukörper. sehr sorgfältige Detailplanung, um
Dieser ist Hauptbestand- ein exaktes, auch hohen Ansprü-
teil des aus drei dicht chen genügendes Erscheinungsbild
gefügten Gebäudeteilen zu erreichen. Zur Ausführung kam
bestehenden Ensembles das Steckfalz-Paneelsystem des
und scheint über den Dattelner Unternehmens Rheinzink
in der Oberflächenqualität „vorbe-
wittert“ blaugrau.
Seine Vorteile liegen sowohl in der
Vertikalschnitt durch Brüs- freien Wahl der Achsmaße (zwi-
tung und Fensteranschluss. schen 200 und 333 mm), als auch

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Horizontalschnitt
im Bereich des
wie zum Beispiel der Dachrand als
Fensteranschlus- Steckfalzpaneel und die fenster-
ses. umfassenden Profile, sind absolut
flächenbündig konzipiert und mon-
tiert.
Die strikte horizontale Ausrichtung
der Fassadenbekleidung wird durch
hinterlegte Stoßbleche erzielt. Die
Baubreiten und Ansichtflächen der
einzelnen Fassadenkomponenten
sind exakt auf einander abge-
stimmt. Die Steckfalz-Eckprofile
betonen sehr deutlich die horizon-
talen Schattenfugen und damit eine
überaus gleichmäßige Linienführung.
Alle Fensterbankprofile und die Dach-
randabdeckungen sind durch so
Horizontalschnitt
im Bereich einer
genannte UDS-Verbinder (unterde-
Gebäudeecke. ckende Stoßverbinder von Rheinzink)
verbunden und ermöglichen dadurch
ungehinderte Längenänderungen bei
Temperaturwechsel.
Ein besonderes Fassadendetail stel-
len auch die schräg verlaufenden
Außenecken im Bereich der zum
Hafenbecken ausgerichteten Ge-
bäudeseite dar. Die ausführenden
Fachhandwerker schufen hier ein
bemerkenswertes Beispiel exakter
Metallarbeit von hohem gestalteri-
schen Anspruch. Die komplizierte
Ecke wird durch jeweils zwei mit Null-
fuge und auf Gehrung geschnittene
Steckfalzpaneele gebildet. Dabei hat
jedes Stück unterschiedlich große
Sichtflächen, um die erforderliche
Horizontalfuge von 20 mm Breite
der Fugenbreiten (von 0 bis 30 mm). Zur Montage der Steckfalzpaneele ohne Höhenversatz um die Gebäu-
Die Verlegerichtung ist ebenfalls wurden spezielle Montageprofile deecke führen zu können.
variabel: horizontal, vertikal oder des Typs ATK 101 eines Herstel- Die Genauigkeit bei allen ausfüh-
diagonal. Daher bietet dieses Sys- lers von Konstruktionssystemen rungstechnischen Einzelheiten konn-
tem dem planenden Architekten für vorgehängte Fassaden einge- te nur erzielt werden, weil bereits im
außergewöhnliche Spielräume bei setzt. Es handelt sich um die Firma Vorfeld der Fassaden- und Objektpla-
der Umsetzung seiner Gestaltungs- BWM Dübel + Montagetechnik aus nung alle Ansichten und Detailpunk-
ideen. Unterschiedlich geformte Leinfelden-Echterdingen, die auch te in den Maßstäben 1:25 bzw. 1:2
Baukörper lassen sich damit formal die Typenstatik lieferte. Der Be- zeichnerisch dargestellt wurden.
optimieren; neben Neubauten auch lüftungsraum zwischen Oberkante
bei Instandsetzungen, beispielsweise Wärmedämmung und Paneelrück- Attraktive Oberfläche in
in Verbindung mit nachträglich einzu- seite beträgt 40 mm. Die charakte-
bringenden Dämmschichten. ristische horizontale Ausrichtung der Blaugrau
Bekleidungselemente wird durch die Eine Besonderheit dieser schönen
durchlaufende Schattenfuge stark metallischen Fassadenbekleidung
Anspruchsvolle Fassadenlösung betont. Die Breite der Steckfalzpa- beim Port Event Center ist neben
Insgesamt waren Fassadenflächen neele ist auf 333 mm festgelegt, wo- der exakten Ausführung auch das
von 1400 m² zu bekleiden. Dazu bei die Sichtfläche 313 mm beträgt, schlichte, gleichmäßige Blaugrau der
kamen die Untersichten in den aus- die der Fuge 20 mm. „vorbewitterten“ Rheinzink-Steck-
kragenden und seitlich überstehen- Die einzelnen, sich wiederholen- falzpaneele. Der natürliche Farbton
den Bereichen des „Wolkenbügels“. den Felder haben eine Profillänge fügt sich harmonisch ein in das Um-
Der Aufbau basiert prinzipiell auf von 1350 mm. Die Metalldicke der feld begleitender und angrenzender
dem System der vorgehängten hin- Bekleidungselemente beträgt 1,00 Werkstoffe ohne eine übertriebene
terlüfteten Fassade. Auf der raum- mm. Die Stöße werden nur dezent Dominanz der großen Metallflächen
abschließenden Unterkonstruktion wahrgenommen, sind jedoch kon- zu schaffen. Zur Vermeidung von
ist eine 100 mm dicke Wärmedäm- sequent auf die Fensterrasterung Verunreinigungen oder Beschädi-
mung aufgebracht. Zur Aufnahme der abgestimmt. Auch bei der Beklei- gungen der vorbewitterten Oberflä-
Steckfalzpaneele dient eine zweitei- dung der Untersichten wurde die chen während des Baubetriebes kam
lige, justierbare Unterkonstruktion, Fugenrasterung aus der Fassade durch Folien geschütztes Rheinzink-
bestehend aus vertikal montierten präzise übernommen. Die Paneelbe- Material zum Einsatz, das nach der
L-Profilen und Wandkonsolen plus festigung mit Nieten ist nicht sicht- Montage von der Schutzfolie wieder
Thermostop-Unterlagen. bar. Fassadenbegrenzende Bauteile, befreit wurde.

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Fazit
Im architektonischen Umfeld des
Düsseldorfer Medienhafens finden
die ungewöhnlich gestalteten Gebäu-
de des neuen Port Event Centers viel
Aufmerksamkeit. „Der Entwurf des
Architekten Norbert Wansleben“,
so ein Architekturkritiker, „verbindet
konstruktive Souveränität mit einem
zeitgemäßen kontextuellen Städte-
bau und konkreter Denkmalpflege.
Dabei ist den Bauten gemeinsam
die Beschränkung auf funktionale
Mittel, wie sie der historischen Ha-
fenbebauung entspricht.“ Architekt
Wansleben ergänzt diese Aussage:
„Die Attraktion und der Erfolg von
Immobilien im Hafenambiente kann
nur gelingen, wenn charakteristische
Merkmale hafentypischer Architek-
tur verwendet werden. Nach meiner
Auffassung ist es äußerst wichtig,
eine Materialwahl zu treffen, die
durch ungekünstelte, direkte Materi-
alsprache den ‚Geruch‘ des Hafens
vermittelt. Hierzu gehören vor allen
Ob mit dem Grün der beschichteten, gewaltigen Stahlträger...
Dingen Werkstoffe, deren Anmutung
für jeden unmittelbar ablesbar ist. Zu
der Gruppe dieser Materialien gehört
insbesondere Zink, das durch seine
Patina ‚echt‘ ist und in Würde altert“.
Im Zusammenspiel mit den verschie-
denen, im Düsseldorfer Medienhafen
anzutreffenden Werkstoffen, Formen
und Strukturen setzt die feingliedri-
ge Rheinzink-Paneelfassade einen
Akzent der ganz besonderen Art.

Bautafel
Objekt:
Port Event Center, Düsseldorf

Bauherr:
Modernes Düsseldorf GmbH,
Düsseldorf

Planender Architekt:
Norbert Wansleben, Köln

Ausführende Architekten:
Norbert Wansleben und Utz
Burchard, Köln

Eingesetztes System:
Rheinzink-Steckfalzpaneele, 
„vorbewittert“ blaugrau

Rheinzink-Arbeiten:
Klempner-Fachbetrieb Schabos
GmbH, Nordwalde

Unterkonstruktion :
Ernst Weirich GmbH, Essen.
... oder mit dem kräftigen Blau der Treppenbrüstungen – das dezente Blaugrau der
vorbewitterten Rheinzink-Steckfalzpaneele harmoniert in beiden Fällen.

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