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REPORTAGE :

PAULIHA

PARVAHOV

Je Dreadlocks s ind verschwun -

den, d ie Transparente abge ris-

sen. Statt junger Aktionisten bewa-

chen zwei ebenso junge Ordnungs-

hüter der Stadt in knallorangen

Warnwesten das Haustor in der Ra-

D

seggerstraße I im 16.

Ziem-

lich laut war es", erzählteineCemein-

debau-Bewohnerin, die nicht genannt

werden möchte. Aber mit den Beset·

zern habe sie wenigstens reden kön·

die hätten sogar ein Sch il d vo r

nen,

ih r e Stiege gekl ebt , dass hier auc h

noch wer wohnt. Jetzt vernageln Bau - arbeiter al le Fenster und Türen. " Und ich kann nichteinmal dasStiegenhaus

lüften", klagt sie. Die aufgebrachte 01-

takringerin ist ei ne der letzten Miete·

rinnen des lobmeyerhofs. Und will

ge nau dasselbe, was auch die Au to no - men wollten: bleibe n_

Anfanl Juli hatten linke AktiYisten die

fa st leerstehende und baufäUlge Wohnan lage besetz t Sie wollten ein alternatives Zentrum errichten, in dem sie gemeinsam kochen, arbeiten, leben und feiern können. " In Wien gibt es 80.000 leerstehende Wohnun- gen", kritisiert eine Aktivistin. Ver- gangenen Donnerstag war der Traum der Hausbesetzer auch schon wie- de r vorbei. Da räumte die Polizei den Gemeindebau. j etzt ist d ie Mieteren 0. -8 . wieder ziemlich alleine . Seit 17 jahren wohnt die 40-jährige mit ihrem Sohn, der wegen einer körperlichen 8ehinde-

Die letzte Mieterin

Der Lobmeyerhofin Ottakring wurde gewaltsam geräumt. Eine Mieterin bleibt trotzdem dort

wurde gewaltsam geräumt. Eine Mieterin bleibt trotzdem dort Eine Mieterin: aber keine Blockiererin" Ich bin eine

Eine Mieterin:

aber keine Blockiererin"

Ich bin eine Kämpferin,

POLI T I K

FALTER

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rung im Rol lstuhl sitzt, im Lobmeyer- hof. Die 58 -0uadrat me ter-Wo hnun g hat sie auf e ige ne Kosten sa n iert,

Sohn finanzierte s ie um fa st

28.000 Euro einen Rollstuhl · Lift im Stiegenhaus. Im April 2000 hieß es plötzlich,

die Mi ete r müssen auszie hen.

einer Sanierung des 1001 er ri chte -

ten Gemeindebaus könne man in die· Wohnungen zurück - die dann aller· dings me hr kosten wü rd en. Fü r o .-B.,

die halbtags

ist das nicht Hnanzierbar: "Ich zahle

jetzt 250 Eu ro Miete . Eine Erhöh un g

kan n ich mir nicht leisten. Am liebs- ten wäre mir die Beibehaltungdes jet· zigen Vertrages", sagt sie. Die Stadt möchte spätestens 2013 mit der 25 ,8 Millionen Euro teuren Generalsanierung beginnen. Nach zwei jahren soll der Bau wieder be· wohnbar se in . Was die Wo h nun gen dann kosten we rden, kann Christ!- an Kaufmann, Mediensprecher des Wiener Wohnbaustadtrats Michael Ludw lg, noch n ichtsagen. Aberer be - stätigt, dass die Mieten nach der Sa· nierung teurer sein werden und ver· weist darauf, dass die Mieterwährend der Sanierung Ersatzwohnungen bekommen. Auch O. -B. bekam einige Angebo - te, lehnte aber ab. Die Wohnunge n seien n ic ht barri e refrei gewesen oder im Erdgeschoss in schlechter Lage. Oa bl eib t sie lieber im Lobmeye rhof, auch wenn hier schon längst die Fas·

für den

Nach

in eine m Büro arbeitet,

sade a bbröckelt und im Winter die Wasserrohre am Gang wegen der Käl-

te platz en. " Hi e r habe ich die

le Betreuun gssituation für meinen Sohn. Ich habe auch selbst nach Woh-

nungen gesucht, aber es gibt nichts Vergleichbares, das ich finanzieren kann." Gegen Zahlung einer Ablö- se sei sie sehr wohl bereit gewesen, in eine Übergangswohnung zu zie- hen. Sie habe aber mit Wiener Woh- nen keine Ein igung über deren Höhe gefunden.

optima-

.

Ich bin eine Kämpferin ", meint O.-B.,

"aber keine Block ie rerln . Eine Sanie- rung ist dringend notwendig, aber

mein bestehender Mietvertrag soll er- haJten bleiben." Wiener Wohnen be- tont, man suche weiter eine Ersatz- wohnung. Den derzeitigen Miet- vertrag könne man abe r kei n es falls

der Grund riss de r

beibehalten,

Wohnung im Zuge der San ie ru ng ve r-

ändert werde. "Wiener Wohnen be- müht sich um eine Lösung", heißt es aus dem Bü ro des Stadtrates. Oaran will die letzte Mieterin im

Lobmeyerhof

habe das Gefühl , dass man alles ver-

sucht, um un s zum Au sz ug zu bewe - gen, aber ich möchte eine gleich hohe

Wohnqualität we n iger kann

dengeben." Da bleibe sie li eber, wo sie ist. Egal, ob ihre Nachbarn bunte Besetzer oder orangegewa nd ete Ord- nungshüterder Stadt sind. 'W

da

nicht

glauben.

"Ich

gesic hert haben.

Mit

ich mich nicht zu frie-