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Nachhaltige

Gebäudetechnik

Grundlagen
Systeme
Konzepte

Bernhard Lenz
Jürgen Schreiber
Thomas Stark

∂ Green Books
Nachhaltige Gebäudetechnik
Edition ∂ Green Books

Nachhaltige
Gebäudetechnik

Grundlagen
Systeme
Konzepte

Bernhard Lenz
Jürgen Schreiber
Thomas Stark
Impressum

Projektleitung: Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch


Jakob Schoof, Dipl.-Ing. begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung,
des  Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbil-
Redaktion und Lektorat: dungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikrover-
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Jakob Schoof, Dipl.-Ing. der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben,
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Redaktionelle Mitarbeit: Eine Vervielfältigung dieses Werkes ist auch im Einzelfall
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Verena Schmidt zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwi-
derhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des
Zeichnungen: Urheberrechts.
Ralph Donhauser, Dipl.-Ing.
Bettina Großhardt, DTP & Produktion:
Elisabeth Krammer, Dipl.-Ing. Roswitha Siegler, Simone Soesters

Gestaltung: Reproduktion:
Cornelia Hellstern, Dipl.-Ing. ludwig:media, Zell am See

Druck:
Kösel GmbH & Co. KG, Altusried-Krugzell
1. Auflage 2010

Institut für internationale


Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG
Hackerbrücke 6, D-80335 München
Telefon: +49/89/38 16 20-0
Telefax: +49/89/39 86 70
www.detail.de

© 2010 Institut für internationale


Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG, München
Ein Fachbuch aus der Redaktion DETAIL

ISBN: 978-3-920034-34-8

Die für dieses Buch verwendeten FSC-zertifizierten


Papiere werden aus Fasern hergestellt, die nachweislich
aus umwelt- und sozialverträglicher Herkunft stammen
Inhalt

Vorwort 6 Altenwohn- und Pflegeheim, Steinfeld 92


Landkreisverwaltung und Kreisrat, Eberswalde 94
Bürogebäude, Köln 96
Architektur und Gebäudetechnik 8 Bürogebäude, Winterthur 98
Europäische Investitionsbank, Luxemburg 100
Historische Entwicklung der Gebäudetechnik 8 Bürogebäude, Wien 102
Behaglichkeit und Gebäudetechnik 9 Bürogebäude, Berlin 104
Künftige Entwicklungen und Strategien 11 Bürogebäude, Konstanz 106
Instituts- und Verwaltungsgebäude, Aachen 108
Produktionsgebäude, Kassel 110
Gebäudetechnik im Energiekonzept 12 Gemeindehaus, Ludesch 112
Militärcasino, Donaueschingen 114
Energiekonzepte und ihre Randbedingungen 12 Bergrestaurant, Zermatt 116
Konzeptentwicklung: Die 10 Bausteine 14
Kosten und Wirtschaftlichkeit 18
Optimierung im Bestand 118

Gebäudetechnische Systeme 22 Bestandsschutz und Systemerneuerung 118


Optimierung und Systemanpassung 121
Wärmeversorgung 22
Kälteversorgung 38
Luftversorgung 52 Optimierung im Betrieb 128
Stromversorgung 66
Wasserversorgung 78 Gebäudemanagement 128
Energetische Einsparpotenziale im Betrieb 131
Energiemonitoring 133
Technikkonzepte 84

Gegenwärtiger Stand der Technik 84 Zusammenfassung und Ausblick 134


Mehrfamilienhaus, Liebefeld 86
Passivhaus-Wohnanlage, Innsbruck 88
Mehrfamilienhaus, Bennau 90 Anhang 136
Vorwort

Das Bauwesen verbraucht in Deutsch- gie- und Materialströme für die Herstel-
land für die Sicherstellung des Gebäude- lung und auch den potenziellen Rückbau
betriebs etwa die Hälfte aller Energie und erweitert. Ebenso wird das Spektrum der
verursacht 40 % aller Treibhausemissio- zu erfassenden Kriterien über den Ener-
nen. Die energetische Optimierung der gie- und Materialbereich hinaus erweitert,
Gebäudehülle sowie eine Energieversor- um eine möglichst umfassende Bewer-
gung, die im Wesentlichen auf einer tungsgrundlage für die Planungsalternati-
dezentralen Nutzung erneuerbarer Ener- ven zu gewährleisten.
gien basiert, besitzen daher für die künf-
tige Planung von Gebäuden entschei- Trotz aller Bemühungen um eine ganz-
dende Bedeutung. Sehr ambitioniert for- heitliche Betrachtungsweise wird jedoch
dert die novellierte EU-Richtlinie zur aufgrund der Ressourcen- und Klimasitu-
Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ation aller Voraussicht nach in den nächs-
bereits für das Jahr 2020 sogenannte ten Jahren das Energiethema im Zentrum
»Nullenergiehäuser«: Neubauten müssen stehen. Gebäude werden konzipiert als
ab diesem Zeitpunkt die Energie, die sie langfristige Güter, bei denen die Betriebs-
verbrauchen, selbst aus erneuerbaren phase in der Lebenszyklusbetrachtung
Quellen bereitstellen. dominiert.

Gebäude sind in diesem Zusammenhang Angesichts der eingangs erwähnten Ver-


keine reinen Verbraucher mehr, die es zu brauchsstatistik und der weltweiten
optimieren gilt. Nur wenn sie selbst zu Bestrebungen, die globale Energieversor-
einem Teil des Energieerzeugungssys- gung langfristig aus erneuerbaren Quel-
tems werden, lassen sich die Ziele für len zu sichern, kommt dem Bausektor
eine nachhaltige Entwicklung im Bauwe- zwangsläufig eine hohe Verantwortung
sen erreichen. Im Idealfall erzeugt jedes zu. Denn gerade Gebäude bieten ein
Gebäude in der Jahresbilanz so viel erhebliches Einsparpotenzial und zahlrei-
erneuerbare Energie, wie es selbst benö- che Möglichkeiten einer dezentralen,
tigt. Es verhält sich dann im globalen regenerativen Energieversorgung. Zahl-
Kontext »CO2-neutral«. Diese Forderung reiche Technologien stehen Planern
gilt langfristig auch für den Gebäudebe- bereits heute zur Verfügung. Teilweise
stand, auch wenn hier zunächst Maßnah- sind diese seit Langem etabliert und auch
men zur Steigerung der Energieeffizienz wirtschaftlich darstellbar, andere befin-
im Vordergrund stehen. den sich noch im technischen Entwick-
lungsstadium oder sind ökonomisch nicht
Architekten und Ingenieure müssen sich konkurrenzfähig.
gemeinsam der Herausforderung stellen,
mit dem geringstmöglichen Einsatz von Von großer Bedeutung ist in diesem
Energie und Ressourcen die größtmögli- Zusammenhang die Information über
che Behaglichkeit, Wirtschaftlichkeit und technische und konzeptionelle Möglich-
Gestaltungsqualität zu erzielen. Die Ent- keiten. Die in diesem Buch zusammenge-
wicklung nachhaltiger Energiekonzepte stellten gebäudetechnischen Systeme für
wird auch in Zukunft vermehrt an Bedeu- energieeffizientes Bauen sollen als Leitfa-
tung gewinnen. Dabei genügt jedoch die den dienen, um die Entwicklung von
alleinige Betrachtung der Nutzungsphase Energiekonzepten und deren Kommuni-
nicht. Die Bilanzierungsgrenzen werden kation auf eine systematische Grundlage
sukzessive auf die Erfassung aller Ener- zu stellen.

6
Das Buch will in erster Linie Architekten konzepte«. Lösungen für verschiedene
über das Themenfeld informieren und Gebäudegrößen und Nutzungsarten wer-
diese so zu einer konstruktiven interdiszi- den hier anhand einheitlicher Grafiken
plinären Planung befähigen. Die frühzei- dokumentiert, die eine vergleichende
tige Zusammenarbeit von Architekten und Betrachtung der Projekte erleichtern.
Fachplanern für Gebäudetechnik ist für Ergänzt werden diese Inhalte durch die
ambitionierte technische Konzepte von wichtigen Themen »Optimierung im
großer Bedeutung. Nur wenn es gelingt, Bestand« und »Optimierung im Betrieb«.
Architektur und Gebäudetechnik sensibel Beide Themenfelder gewinnen in der Pra-
aufeinander abzustimmen, sind nachhal- xis bei höheren energetischen Anforde-
tige Lösungen zu erzielen. Für diesen rungen enorm an Bedeutung und werden
Dialog ist es besonders erforderlich, dass bislang noch zu sehr vernachlässigt.
auch Architekten mit den wesentlichen
Aspekten der energieeffizienten techni- Wir hoffen, mit diesem Werk ein hilfrei-
schen Gebäudeplanung vertraut sind. Die ches Arbeitsbuch zur Verfügung zu stel-
Schwerpunkte dieses Buchs liegen daher len, und wünschen uns, dass es zur wei-
neben der fachlichen Tiefe insbesondere teren Konkretisierung der erforderlichen
auf der anschaulichen Aufbereitung der integralen Planung beiträgt.
Einzelthemen. Eine Annäherung an den
Inhalt ist sowohl über einzelne Energieas- Bernhard Lenz
pekte (Wärme-, Kälte-, Licht-, Luft-, Jürgen Schreiber
Stromversorgung) als auch über die dem Thomas Stark
Architekten vertraute Dokumentation reali-
sierter Projekte möglich.

Da der Einsatz von Technik immer in Ver-


bindung mit der Behaglichkeit und dem
Nutzerkomfort betrachtet werden muss,
führt das erste Kapitel »Architektur und
Gebäudetechnik« in diese Thematik ein.
Das anschließende Kapitel »Gebäude-
technik im Energiekonzept« erläutert, wie
sich Einzeltechnologien in ein übergeord-
netes Energiekonzept einbinden lassen.
Die Darstellung lehnt sich an die soge-
nannten »Zehn Bausteine für Energieeffi-
zientes Bauen« an, eine systematische
Betrachtungsweise, die die energierele-
vanten Themen Wärme, Kälte, Licht, Luft
und Strom umfasst.

Das Kapitel »Technische Systeme« doku-


mentiert im Anschluss hieran alle relevan-
ten Technologien und deren technische
Details, gegliedert nach Energiethemen.
Beispiele für realisierte gebäudetechni-
sche Systeme zeigt das Kapitel »Technik-

7
Architektur und Gebäudetechnik

• Historische Entwicklung der


Gebäudetechnik
• Behaglichkeit und Gebäudetechnik
• künftige Entwicklungen und
Strategien

Historische Entwicklung der erste »umfassende Buch für Baufachleute Motivation zur energetischen Optimierung
Gebäudetechnik über das Gebiet der Haustechnik« veröf- von Gebäuden entstand erst gegen Ende
fentlichte. Drei Jahre später wurden die des 20. Jahrhunderts. Seit der Einführung
In der geschichtlichen Entwicklung der gewonnenen Erkenntnisse schließlich in der Energieeinsparverordnung im Jahr
Architektur spielen technische Konzepte der neu erschienenen und heute noch als 2002 wird der Bilanzierungsraum auf den
zur Energieoptimierung schon seit langer Basis dienenden Norm DIN 4701 »Regeln Primärenergiebedarf erweitert. Zudem
Zeit eine wichtige Rolle. Bereits die am für die Berechnung des Wärmebedarfs werden bei Nichtwohngebäuden neben
Sonnenverlauf orientierten Gebäudekon- von Gebäuden und für die Berechnung der Energie für Raumheizung und Trink-
zepte in der griechischen und ägypti- der Kessel und Heizkörpergrößen von wassererwärmung auch die Aufwendun-
schen Architektur, die aufwendigen Heizungsanlagen« dokumentiert. Das gen für Lüftung, Kühlung und Beleuch-
Hypokausten-Konstruktionen der Römer, 47-seitige Schriftstück war bereits mit Kli- tung ermittelt. Dies führt dazu, dass bis
die eine zentrale Beheizung von Räumen matafeln des Preußischen Meteorologi- auf den nutzerspezifischen Verbrauch
ermöglichten, oder die bauliche Integra- schen Instituts, Hinweisen zum natürli- alle Dienstleistungen in einem Gebäude
tion von Tierunterkünften in Wohnge- chen Luftwechsel durch Undichtigkeiten während der Nutzungszeit erfasst wer-
bäude, um die Körperwärme der Tiere für von Fenstern und Türen sowie einer Liste den, die einen Energiebedarf verursa-
Heizzwecke zu verwenden, zeugen von mit k-Werten (heute: U-Werte) verschie- chen. Hierbei steht nun zunehmend die
diesem grundlegenden Zusammenhang. dener Bauteile ausgestattet. Nutzung erneuerbarer Energie über tech-
Überlegungen zur technischen Versor- Im Jahr 1940 fand die Thematik dann nische Systeme zur Versorgung von
gung von Bauwerken, die ein Gebäude nachhaltigen Eingang in die Ausbildung Gebäuden im Mittelpunkt. [1]
von seinen natürlichen Rahmenbedingun- von Architekten, indem das Fach »Tech-
gen zunehmend entkoppelt – wie sie in nischer Ausbau« zur Pflichtveranstaltung Der Nullenergiestandard als neue
heutiger Zeit selbstverständlich sind – im Grundstudium der Architekturhoch- Herausforderung

nahmen ihren Ursprung allerdings erst schulen erweitert wurde. Mit der zuneh- Ende 2009 hat die Europäische Union
um das 18. Jahrhundert. Eines der ersten menden Industrialisierung im Bauwesen eine Neufassung der Richtlinie zur
Dokumente hierzu stammt überraschen- und zahlreichen technischen Entwicklun- Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden
derweise von einem deutschen Pfarrer, gen in den Bereichen Baustoffe, Konst- (EU-Gebäuderichtlinie) [2] verabschiedet.
der 1720 eine Abhandlung zur »Wärme- ruktionen und Systemtechnik sind Danach müssen die EU-Mitgliedsstaaten
bedarfsrechnung in Gebäuden« schrieb. Gebäude in hochindustrialisierten Län- bis zum 31.12.2020 sicherstellen, dass
Nach der Gründung des Vereins Deut- dern bereits seit vielen Jahrzehnten alle neu gebauten Gebäude so viel Ener-
scher Ingenieure (VDI) im Jahr 1856 wur- gekennzeichnet durch sehr anspruchs- gie erzeugen, wie sie selbst verbrauchen.
den durch den Physiker Schinz auch in volle und von äußeren Bedingungen Für öffentliche Bauten gilt diese Maßgabe
Deutschland weitergehende Berechnun- unabhängige Einrichtungen zur Raum- bereits ab 2018. Schon heute sollten die
gen zum Wärmebedarf von Gebäuden konditionierung, die insbesondere einen Mitgliedsstaaten daher nationale Pläne
durchgeführt, deren Ergebnisse in der oft deutlich steigenden Energiebedarf für entwickeln, um die Zahl der »Netto-Null-
Einführung der Bezeichnung »Wärmever- die Nutzung der Gebäude nach sich energiegebäude« zu erhöhen. Laut der
lust durch Transmission und Lüftung« zogen. verabschiedeten Richtlinie ist ein Netto-
mündeten. Gegen Ende des 19. Jahrhun- Schließlich weckte im 20. Jahrhundert der Nullenergiegebäude ein Gebäude, »in
derts schuf schließlich Hermann Rietschel hohe Energieverbrauch eine weitere Moti- dem der jährliche Primärenergiever-
durch seine zahlreichen praktischen vation für die Beachtung des Wärme- brauch aufgrund der sehr hohen Energie-
Arbeiten die Grundlage für die heutige schutzes, zunächst allerdings ausschließ- effizienz des Gebäudes nicht die Energie-
Berechnung des Wärmebedarfs von lich aus Gründen der Kosteneinsparung. erzeugung vor Ort aus erneuerbaren
Gebäuden und erarbeitete das erste In Fachbüchern zur Bauphysik und Energien übersteigt« (Abb. 1.2).
Hand- und Lehrbuch für Heizungsingeni- Gebäudetechnik der 60er- und 70er- Eine weitere Herausforderung wird sein,
eure. Inzwischen hatten sich auch Archi- Jahre finden sich noch keine Hinweise diese Standards für Gebäude in Städten
tekten dieser Thematik angenommen, auf eine ökologisch motivierte Empfeh- umzusetzen. Nur zwei Prozent der Erd-
woraufhin der deutsche Architekturprofes- lung zu verbrauchsmindernden Maßnah- oberfläche nehmen Städte ein, in denen
sor Richard Schachner im Jahr 1926 das men. Die uns heute geläufige ökologische heute etwas mehr als 50 % der Weltbevöl-

8
Behaglichkeit und Gebäudetechnik

Gewinnung im Inland 4147 PJ Import 12 160 PJ


kerung leben. Doch sie sind heute für ca.
75 % des Weltenergieverbrauchs und ca.
80 % des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Bestandsentnahme
51 PJ
Und die Weltbevölkerung und Städte
wachsen weiter – selbst in einigen Teilen Energieaufkommen
Europas, wo in den letzten Jahren der im Inland Export und Bunkerung 2078 PJ
Blick fast ausschließlich auf die Phäno- 16 358 PJ
mene der Bevölkerungsschrumpfung und Primärenergie-
Überalterung gerichtet wurde. Bis 2050 verbrauch
werden wahrscheinlich bereits 75 % der 14 280 PJ nicht energetischer Verbrauch 1030 PJ
Menschheit in Städten leben. Umwandlungsverluste 3570 PJ

statistische Differenzen
Behaglichkeit und Gebäudetechnik 35 PJ Verbrauch in den Energiesektoren 519 PJ
Endenergie-
verbrauch
In Europa verbringen wir fast unser 9126 PJ
gesamtes Leben in Innenräumen. Eine
hohe Qualität des Innenraumes ist daher
ein wichtiger Bestandteil unserer Lebens-
qualität und damit ein schützenswertes
Gut. Energetische Verbesserungsmaß-
nahmen an Gebäuden dürfen daher nie Industrie Verkehr Haushalt Gewerbe, Handel,
2645 PJ 2575 PJ 2502 PJ Dienstleistungen 1404 PJ
zulasten der Behaglichkeit gehen. Im 1.1
Gegenteil sollte die Behaglichkeit immer
kWh/m²a

auf dem heutigen Niveau gehalten bzw. Strom


Warmwasser
noch verbessert werden. Nur so ist eine Heizwärme
nachhaltige Entwicklung der Gebäude 300 120
Heizwärme und Warmwasser
und der Gebäudetechnik zu erreichen. Energiegewinnung

Durch eine umfassende Planung und


detaillierte Abstimmung mit dem Nutzer 40
200
wird der Grundstein für ein Gebäude
gelegt, das diese Forderungen erfüllen
kann. In diesen Prozess müssen die 70
Nullenergie-
200 standard
Behaglichkeitskriterien, die in den ein- 100
80
schlägigen Normen (VDI 4706, DIN EN 30
15 251, DIN EN ISO 7730) angegeben 50 25 45
sind, integriert werden. 15 5
Die erste Anforderung an ein akzeptables Bestand Standard Passivhaus- 50
thermisches Raumklima besteht darin, Altbauten Neubau (2010) standard
1.2
dass sich eine Person insgesamt ther-
misch neutral fühlt (d.h., dass sie nicht primäre und dominierende Einflüsse
weiß, ob ein höherer oder ein niedrigerer zusätzliche Faktoren
sekundäre und vermutete Faktoren
Wert der Umgebungstemperatur vorzu- en
ng
Nahrungsaufnahme

ziehen ist). Das Wärmegefühl wird durch gu


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die Art der Tätigkeit (Aktivität), die Wär- Be


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Kleid

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medämmung der Kleidung, die Lufttem-


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peratur, die mittlere Strahlungstempera-
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tur, die Luftgeschwindigkeit und die Luft-


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feuchtigkeit beeinflusst (Abb. 1.3 und
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1.9 −1.11, S. 11). eV


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Der Energieverbrauch von Gebäuden ng


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Konstitution
hängt in erheblichem Maße von den Krite- thermische Raumbesetzung
rien ab, die für den Entwurf, das Innen- Behaglichkeit
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raumklima (Temperatur, Lüftung und Lufttem Fakto
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Beleuchtung) und den Betrieb des un t
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1.1 Energieflussdiagramm für Deutschland tiv


nf

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(Stand 2008), Werte in Petajoule (1 PJ = re


e

nsetzung
Luftdru
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278 Mio. kWh)
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Luf

1.2 Entwicklung durchschnittlicher Primärenergie-


t
c

verbräuche vom Altbau bis zum Nullenergiege-


k

bäude phys en
1.3 Einflussfaktoren für die thermische Behaglichkeit ik alische Bedingung
in Innenräumen 1.3

9
Architektur und Gebäudetechnik

Kategorie Beschreibung Gebäudes (einschließlich seiner Systeme)


I hohes Maß an Erwartungen; empfohlen für Räume, in denen sich sehr empfindliche und gelten. Das Innenraumklima beeinflusst
anfällige Personen mit besonderen Bedürfnissen aufhalten, z. B. Personen mit Behinderungen,
kranke Personen, sehr kleine Kinder und ältere Personen
auch Gesundheit, Produktivität und
Behaglichkeit der Nutzer. Die Kosten für
II normales Maß an Erwartungen; empfohlen für neue und renovierte Gebäude
die Behebung von Problemen im Zusam-
III annehmbares, moderates Maß an Erwartungen; kann bei bestehenden Gebäuden ange-
wendet werden menhang mit schlechtem Innenraumklima
IV Werte außerhalb der oben genannten Kategorien. Diese Kategorie sollte nur für einen
für den Arbeitgeber, den Gebäudeeigen-
begrenzten Teil des Jahres angewendet werden tümer und die Gesellschaft sind oft höher
1.4
als die Energiekosten der betreffenden
Gebäude. Natürlich wirkt sich die Qualität
Kriterien des Raumklimas Kategorie des Gebäudes Auslegungskriterien des Innenraumklimas auch auf die
thermische Bedingungen im Winter II 20 °C – 24 °C Gesamtleistung von Personen beim
thermische Bedingungen im Sommer III 22 °C – 27 °C Arbeiten und Lernen aus. Darüber hinaus
Luftqualitätsindikator, CO2 II 500 ppm höher als Außenluft neigen Personen in einem unbehaglichen
Umgebungsklima dazu, Abhilfemaßnah-
Lüftungsrate II 1 l/sm2
men zu treffen, die sich auf den Energie-
Beleuchtung Em > 500 lx; UGR1 < 19; 80 < Ra2
verbrauch auswirken können.
Akustik Lärm, innen < 35 dB (A)
Lärm, außen < 55 dB (A)
Eine Energiedeklaration ist ohne eine
1
Definition des angestrebten Innenraumkli-
UGR = United Glare Rating (Blendungsbewertung)
2
Ra = Farbwiedergabe-Index mas sinnlos. Daher müssen Kriterien für
1.5 das Innenraumklima festgelegt werden,
die bei Auslegung und bei Energiebe-
Quelle Schadstoffe
rechnungen sowie bei Leistungsfähigkeit
Baumaterialien und Einrichtungen Formaldehyd, flüchtige organische Verbindungen
(VOC), schwerflüchtige oder partikelgebundene und Betrieb anzuwenden sind (Abb. 1.5).
organische Verbindungen (SVOC/POM) wie Biozide, In Abb. 1.7 sind die empfohlenen operati-
Weichmacher, Flammschutzmittel
ven Temperaturen (Mittelwert aus Luft-
Fasern (Textilfasern, Mineralfasern) Schadstoffe in Altbauten wie Asbest, Pentachlor- und Umschließungsflächentemperatur)
phenol (PCP), Teerölbestandteile (Naphthalin, PAK),
polychlorierte Biphenyle (PCB) für den Heiz- und Kühlfall dargestellt. Die
Feuchte Materialien Schimmelpilze, Bakterien, VOC Angaben der operativen Temperatur
beziehen sich auf die Tageshöchsttempe-
Bewohner, Stoffwechselprodukte Kohlendioxid (CO2), Wasserdampf, Körpergerüche/
VOC, Bakterien ratur der Außenluft (Stundenmittelwerte).
Kochen Partikel, Wasserdampf, Gerüche/VOC Für die angegebenen Verläufe der opera-
Kochen und Heizen mit Gas (Gasherd, NOx, CO (sowie auch CO2 und Wasserdampf)
tiven Temperaturen muss dem Nutzer
Durchlauferhitzer mit Bereitschaftsflamme) eine Anpassung seiner Bekleidung
Bad/WC (Duschen, Baden, Körperhygiene) Wasserdampf, VOC, Duftstoffe ermöglicht werden. Die gezeigten Werte
Haushaltsprodukte, Hobby VOC, Duftstoffe, SVOC, Biozide, Formaldehyd gelten für übliche Bekleidungswider-
Kerzen Feinstaub (PM10), VOC, SVOC
stände zwischen 0,3 clo und 1,0 clo
(clothing, siehe Abb. 1.9). Die Angaben
Rauchen Feinstaub (PM10), partikelgebundene PAK, NOx, CO,
Formaldehyd, Benzol, VOC, SVOC beziehen sich auf Räume, die eine
Außenluft Feinstaub (PM10), partikelgebundene polyzyklische Anpassung des Bekleidungswiderstands
aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK, »Dieselruß«), in diesem Bereich erlauben. Falls keine
Stickoxide (NOx), Kohlenmonoxid (CO), Ozon (O3), Anpassung der Bekleidung möglich oder
Benzol und andere flüchtige organische Verbindun-
gen (VOC), Schimmelpilze, Pollen zulässig ist, sind die angegebenen
Bauuntergrund (Boden) Radon Bekleidungswiderstände (clo-Werte) für
die operativen Temperaturen maßge-
1.6
bend. Anhaltswerte für typische Beklei-
dungswiderstände können der ISO 7730
clo-Werte PMV-Index (Predicted Mean Vote)
entnommen werden.
relative Leistung

1,2 1,0 0,8 0,6 0,4 0,3


operative Temperatur (˚C)

-1,5 -1 -0,5 0 0,5 1 1,5 2


27 1
Lüftung, Luftqualität und Emissionen
26 Insbesondere das Auftreten von Zugluft
0,95
relative Feuchte 30% ist eine häufige Ursache von Unbehag-
25
lichkeit bei Personen, die sich in belüfte-
24 50% 0,9 ten oder klimatisierten Räumen aufhalten.
Die Verunreinigung der Raumluft in
23 70% 0,85
Gebäuden ist von vielen Faktoren abhän-
gig. Neben den Schadstoffbelastungen
22 durch Personen sind Verunreinigungen
0,8 und Emissionen aus Baustoffen zu
21 Zusammensetzung gewichtet
Probengröße gewichtet berücksichtigen. Diese üben einen
20 ungewichtet wesentlichen Einfluss auf die Raumluft-
10 15 20 25 30 35 15 20 25 30 35 qualität aus (Abb. 1.6). Bisher existieren
Tageshöchsttemperatur (˚C) (Stundenmittelwert) Temperatur (˚C) keine genormten Verfahren für die sichere
1.7 1.8
10
Künftige Entwicklungen und Strategien

Auswahl von emissionsarmen Baumateri- lässt sich die Produktivität steigern, wenn Bekleidung clo m²K/W
alien. Daher wird für die Planung fol- sich die thermischen Bedingungen einem T-Shirt 0,09 0,014
gende Klassifizierung des Raums als erwarteten thermischen Komfortbereich
Shorts 0,06 0,009
Berechnungsgrundlage für den notwendi- nähern. Schlechte Raumluftqualität
gen Außenluftvolumenstrom empfohlen: bewirkt steigende ökonomische Kosten. Unterwäsche mit kurzen Ärmeln 1,00 0,155
und Beinen, Hemd, Hose, Jacke,
· Neue oder weitgehend sanierte Dies zeigt sich z. B. durch eine erhöhte Socken, Schuhe
Gebäude, in denen besondere Rück- Anzahl von Krankheiten und Krankenta-
Unterwäsche, Hemd, Hose, 0,70 0,110
sicht auf die Auswahl der Materialien gen, eine verminderte Arbeitsleistung Socken, Schuhe
genommen wurde, können als »sehr sowie hohe Kosten für medizinische
Slip, Strümpfe, Bluse, langer 1,10 0,170
schadstoffarm« klassifiziert werden. Behandlung. Rock, Jacke, Schuhe
· Bestandsgebäude, in denen Baustoffe
mit hohen Emissionsraten vorkommen Unterwäsche mit kurzen Ärmeln 1,50 0,230
und Beinen, Hemd, Hose, Weste,
oder in denen die empfundene Luftqua- Künftige Entwicklungen und Strategien Jacke, Mantel, Socken, Schuhe
lität durch Probanden als gering (Pro-
zentsatz der Unzufriedenen > 30 %) ein- Vor dem Hintergrund der globalen Erwär- 1.9

gestuft wird, gelten als »nicht schad- mung erlangen die Fragen einer ressour-

Fußbodentemperatur t FB (°C)
30
stoffarm«. censchonenden Energieerzeugung und unbehaglich warm
28
· Alle anderen Gebäude gelten als einer effizienten Energieverwendung
»schadstoffarm«. sowie die Einführung einer Kreislaufwirt- 26
schaft eine für die Menschheit existen- 24
Natürliche Lüftungssysteme sind abhän- zielle Notwendigkeit. Gleichzeitig müssen behaglich
22
gig von den äußeren Klimabedingungen die zu Herstellung und Transport von
(Temperaturen, Windverhältnisse). Sie Baustoffen benötigte Energie sowie das 20

können in der Regel keine konstanten Aufkommen an Abfallstoffen minimiert 18


noch behaglich
Raumklimabedingungen in den Räumen werden. Die am Planungsprozess betei- 16
gewährleisten. Diese Nachteile müssen ligten Architekten und Ingenieure können
14
im Planungsprozess mit dem Nutzer hierzu ihren Beitrag leisten. Während im unbehaglich kalt
besprochen und klar definiert werden. Bei Bereich der Energieeinsparung bzw. der 12
mechanischen Lüftungssystemen ist zu effizienten Energienutzung in den vergan- 10
beachten, wo die Außenluft angesaugt genen Jahren zum Teil wesentliche Ent- 12 14 16 18 20 22 24 26 28
werden kann bzw. welche Qualität diese wicklungen eingeleitet wurden, bedarf es Raumlufttemperatur t L (°C)
besitzt. Die sich aus den Berechnungen bei der Reduktion des Emissionsaufkom- 1.10
ergebenden Luftvolumenströme müssen mens bei der Herstellung und beim
relative Luftfeuchte (%)

anschließend den zu versorgenden Räu- Betreiben von Gebäuden noch großer 100
men durch geeignete gebäudetechni- Anstrengungen. Hinsichtlich der Einfüh- 90
unbehaglich feucht
sche Systeme zu- und daraus abgeführt rung einer Kreislaufwirtschaft für Bau- 80
werden. stoffe und Bauteile steht das Bauwesen
70
Die Auswirkungen von Raumluft auf Pro- noch weitgehend am Anfang. Als Grund-
duktivität und Leistungsvermögen der lagen für ein vollkommenes Recycling der 60
behaglich
Nutzer sind erst in den letzten Jahren ver- gebauten Umwelt könnten folgende Ziele 50
stärkt untersucht worden. Wenn man definiert werden:
40
berücksichtigt, dass die Gehälter von · Null Energieverbrauch (Gebäude
Beschäftigten in heutigen Bürogebäuden 30
bauen, die für ihren Betrieb in der Jah- noch behaglich
unbehaglich
die Energie- und Wartungskosten eines ressumme keine Energie benötigen) 20
trocken
Gebäudes um ungefähr das Hundertfa- · Null Emissionen (Gebäude bauen, die 10
che übertreffen, sollte eine Produktivitäts- keine schädlichen Emissionen abge- 0
steigerung von lediglich 1 % ausreichen, ben)
12 14 16 18 20 22 24 26 28
um selbst eine Verdopplung dieser · Null Rückstände (Gebäude bauen, die Raumlufttemperatur t L (°C)
Betriebskosten bzw. größere Investitions- vollkommen recycelbar sind).
1.11
kosten für Sanierungsarbeiten eines
Gebäudes zu rechtfertigen. Diese Forderung einer dreifachen Null
Die Beziehungen z. B. zwischen Raum- (»Triple Zero«) und ihre Durchsetzung 1.4 Klassifizierung der Behaglichkeitsanforderungen
temperatur und relativem Leistungsver- wird künftig der Maßstab für die Entwick- an Gebäude nach DIN EN 15 251
mögen können Abb. 1.8 entnommen wer- lung von Gebäuden werden. 1.5 Anforderungen an einzelne Behaglichkeitskrite-
rien nach DIN EN 15 251
den. In Abhängigkeit von der vorherge- 1.6 Luftschadstoffe in Innenräumen und ihre
sagten mittleren subjektiven Bewertung Anmerkungen: wichtigsten Quellen
1.7 operative Temperatur in Innenräumen in Abhän-
der Raumnutzer (PMV = Predicted Mean [1] Usemann, Klaus: Entwicklung von Heizungs- und gigkeit von der Tageshöchsttemperatur
Vote) lässt sich erkennen, dass bei einer Lüftungstechnik zur Wissenschaft, München 1.8 Beziehung zwischen Raumtemperatur und
Raumtemperatur von ca. 22 °C die 1993 Leistungsfähigkeit
[2] http://ec.europa.eu/energy/efficiency/buildings/ 1.9 thermische Isolationswerte (clo) von Bekleidun-
höchste Leistung zu erwarten ist. Bereits buildings_en.htm gen nach EN ISO 7730-2005 (D)
bei einer Raumtemperaturabweichung [3] Seppänen, Olli; Fisk, William: Association of Ven- 1.10 Behaglichkeitsfeld für Fußboden- und Raumluft-
tilation Type with SBS Symptoms in Office Work- temperatur
von ca. 5 K reduziert sich das Leistungs- ers, International Journal of Indoor Air Quality 1.11 Behaglichkeitsfeld für Raumlufttemperatur und
vermögen um mehr als 5 %. Nach [3] and Climate, 2002 relative Luftfeuchte

11
Gebäudetechnik im Energiekonzept

• Energiekonzepte und ihre


Randbedingungen
• Konzeptentwicklung:
Die 10 Bausteine
• Kosten und Wirtschaftlichkeit

Energiekonzepte und ihre pen oder Aufzügen über Arbeitshilfen Standortspezifische Randbedingungen
Randbedingungen oder Telekommunikation bis zu Haus- Einen Überblick über die wichtigsten
haltsgeräten wie Kühlschränken und standortspezifischen Randbedingungen
Das Ziel jedes Energiekonzepts lautet, Unterhaltungselektronik. Bei industrieller und deren Einflüsse auf das Energie-
die energierelevanten Dienstleistungen Nutzung werden diese Anforderungen konzept gibt Abb. 2.2. Im Mittelpunkt
mit einem optimierten Zusammenspiel ergänzt durch einen prozessbedingten stehen dabei Temperatur- und Witte-
baulicher und technischer Maßnahmen zu Wärme- oder Kältebedarf. rungsbedingungen sowie das lokale
befriedigen. Im Mittelpunkt steht dabei Während sich die standortspezifischen Energiepotenzial.
zunächst eine Analyse der Bedarfsstruk- klimatischen Randbedingungen kaum
tur. Der Energiebedarf von Gebäuden beeinflussen lassen, besteht bei den nut- Nutzungsspezifische Randbedingungen
resultiert hauptsächlich aus spezifischen zerbedingten Anforderungen ein erhebli- Die erforderlichen Energiedienstleistun-
Randbedingungen und nutzerbedingten cher Spielraum. So hat z. B. die im Som- gen ergeben sich aus einer Analyse der
Anforderungen, die zunächst unabhängig mer zulässige maximale Lufttemperatur nutzerspezifischen Randbedingungen,
von architektonischen Parametern mittel- einen entscheidenden Einfluss auf den die in vielen Fällen aus der Gebäudenut-
bar oder unmittelbar energierelevante Umfang der Energiedienstleistung »Küh- zung entstehen. Sie werden jedoch auch
Dienstleistungen auslösen (Abb. 2.3). len«. Ebenso beeinflusst das Nutzerver- durch die individuellen Vorstellungen des
In Mitteleuropa schwanken die Außenluft- halten im Hinblick auf Heizung, Lüftung, Bauherrn bzw. Nutzers beeinflusst. So
temperaturen von -20 °C bis +40 °C. Die Beleuchtung oder Verwendung von Trink- geben die Anforderungen an Raumtem-
nutzerbedingten Behaglichkeitsanforde- warmwasser maßgeblich die Inanspruch- peraturen (z. B. Wohn-, Schlaf-, Büro-
rungen streben jedoch die Einhaltung nahme energetisch relevanter Dienstleis- raum), an sommerlichen Wärmeschutz
bestimmter Temperaturbereiche an. Dar- tungen. Hier ist in Abstimmung mit den (z. B. maximal zulässige Temperaturen in
aus ergeben sich entsprechend die Nutzern eine grundsätzliche Hinterfra- Büroräumen) oder an die Luftqualität
Dienstleistungen »Heizen« und mögli- gung der Bedürfnisse sehr zu empfehlen. (z. B. Luftwechselrate in einem Klassen-
cherweise auch »Kühlen«. Ebenso variiert Abweichungen vom technisch machba- raum) wichtige Randbedingungen für die
die Helligkeit von nahezu 0 Lux in der ren Optimum sind sinnvoll, wenn der Nut- Entwicklung eines Energiekonzepts vor.
Nacht bis etwa 100 000 Lux an einem zer Einschränkungen aufgrund ökonomi-
sonnenreichen Tag. Daraus leitet sich die scher und/oder ökologischer Argumente Technische und rechtliche Randbedin-
Dienstleistung »Beleuchten« ab. Der Auf- explizit zustimmt (z. B. freie Lüftung oder gungen
enthalt in geschlossenen Räumen bewirkt rein passive Kühlung). Vorgaben des Bauplanungs- und Bauord-
aufgrund entsprechender Emissionen Die frühe Entwicklung eines Energiekon- nungsrechts (z. B. Bebauungsplan,
einen gewissen »Luftverbrauch«. zepts ist ein zentraler Baustein einer Gestaltungssatzung etc.) sowie zur Ener-
Gewünscht ist jedoch eine im Idealfall zukunftsfähigen Entwurfsplanung von gieeinsparung bilden ein immer dichter
konstant hohe Luftqualität. Dies bedingt Gebäuden. Das Vorgehen lässt sich in geflochtenes Regelwerk. Daraus leiten
einen gezielten Luftaustausch durch »Be- einen analytischen Teil (Randbedingun- sich zum Teil Bebauungsdichte, Kubatur,
und Entlüften«. Sollen bestimmte Grenz- gen), einen prozessorientierten Teil Dachformen, Materialvorgaben etc. ab.
werte der Luftfeuchtigkeit nicht über- oder (Konzeptentwicklung) und einen quantita- Ergänzend bieten Informationen zur tech-
unterschritten werden, ist die Dienstleis- tiven Teil (Bewertung) gliedern (Abb. 2.1). nischen Infrastruktur (z. B. Fernwärme,
tung »Befeuchten und Entfeuchten« Analog zur architektonischen Formfin- Gasanschluss, Anschlusszwang etc.)
gefragt. Üblicherweise beträgt das Tem- dung ist das Erarbeiten eines solchen sowie sich aus der Nutzung ergebende
peraturniveau der Frischwasserversor- Konzepts ein kreativer Prozess, der nicht rechtliche Forderungen (z. B. Lüftung bei
gung von Gebäuden etwa 10 °C. Um ins- standardisiert werden kann. Diese Fähig- Konzertsälen) weitere wichtige Einfluss-
besondere für die Körperhygiene ange- keit stellt eine der Schlüsselqualifikatio- größen.
nehme Bedingungen zu schaffen, ist das nen für Planer dar. Grundlage für die Ent-
Trinkwasser entsprechend zu erwärmen. wicklung eines Energiekonzepts ist die Gestalterische Randbedingungen
Nicht zuletzt sollen elektrische Geräte Ermittlung der Randbedingungen, die Bei der Entwicklung von Energiekonzep-
betrieben werden können. Diese reichen sich in vier Themengruppen unterteilen ten bilden die lokal verfügbaren Umwelt-
von Erschließungssystemen wie Rolltrep- lassen: energiepotenziale – und somit die vielfälti-

12
Energiekonzepte und ihre Rahmenbedingungen

gen Wechselbeziehungen zwischen dem Randbedingungen Konzeptentwicklung Bewertung


Gebäude und seiner unmittelbaren
Umgebung – wesentliche gestalterische Ökologie
Randbedingungen. Aus dem jeweiligen Minimierung des (CO2-Belastung)
Standort
solaren Strahlungsangebot unterschied- Energiebedarfs

licher Himmelsrichtungen resultieren z. B. Ökonomie


Nutzung (Lebenszykluskosten)
spezifische Anforderungen an transpa-
rente Außenwandflächen oder an Son-
Recht Gesellschaft
nenschutzvorrichtungen. Zudem sind
(Akzeptanz)
geometrische Aspekte wie z. B. das Ver-
hältnis von Grundstücksgröße zu Bauvo- Gestaltung Optimierung der
Energieversorgung Architektur
lumen oder von Nutzfläche zu potenzieller
(Gestaltqualität)
Solarfläche, die Verschattung durch
umgebende Bebauung oder besondere 2.1
Anforderungen des Bauherrn wesentliche
Entwurfsparameter. Randbedingung beeinflusste Parameter
Jahrestemperaturverlauf mit Extremwerten thermische Qualität der Gebäudehülle
Beurteilung Lufttemperaturdifferenz Tag/Nacht Möglichkeit der passiven, freien Kühlung
(Kühlungspotenzial der Nachtluft)
Energiekonzepte machen schon in frühen
Planungsphasen eine objektivierte Bewer- Jahresdurchschnittstemperatur Nutzung oberflächennaher Geothermie

tung möglich. Energiebedarf, Behaglich- Luftfeuchtigkeit Möglichkeit adiabater Kühlung


keit und Emissionen können über Kenn- Windgeschwindigkeiten natürliche Be- und Entlüftung
Windrichtungen Nutzung der Windkraft zur Energiegewinnung
werte und Maßnahmenbeschreibungen
mit vertretbarem Aufwand recht präzise Niederschlagsmengen und -verteilung Verdunstungskühlung über RLT-Anlagen

ermittelt und bewertet werden. Im Sinne Bodenbeschaffenheit, Grundwasser Gebäudeheizung und -kühlung über Erdreich oder
Grundwasser
einer Gesamtbetrachtung sind vier
Solare Strahlungsleistung passive Solarenergienutzung
Dimensionen – ökologische, ökonomi- Sonnenbahnen sommerlicher Wärmeschutz
sche, soziale und architektonische Energieertrag solarthermischer Systeme
Bewertung – von Bedeutung: Die ökologi- Energieertrag photovoltaischer Systeme
sche Bewertung betrachtet mögliche 2.2
negative Folgewirkungen der Energienut-
zung und -gewinnung auf die Umwelt. Die Anforderung Randbedingung Dienstleistung Energie-
themen
primäre Bewertungsgröße ist die Emis-
sion von CO2 bzw. äquivalenter Stoffe Temperaturkomfort herstellen Außentemperatur (-20 bis +40 °C) Heizen und Kühlen
(Abb. 2.5, S. 14). Die Bilanzierung erfolgt Wärme

nach allgemein anerkannten Methoden. Helligkeitskomfort herstellen Helligkeit (0 – 100 000 Lux) Beleuchten
Für den Gebäudebetrieb ist dies die
Luftqualität sichern Luftverbrauch (15 – 130 m3 / h Pers) Be- und Entlüften Kälte
Energieeinsparverordnung.
Darüber hinaus können im Rahmen einer Luftfeuchtekomfort herstellen Luftfeuchtigkeit (0 – 100 %) Be- und Entfeuchten
Ökobilanz auch alle Energieflüsse für die Luft
Herstellung und den Rückbau des Trinkwarmwasser bereithalten Trinkwasserversorgung (ca. 10 °C) Trinkwasser erwärmen
Gebäudes betrachtet werden. Zu klären
Elektrische Geräte betreiben Geräteeffizienz mit Strom versorgen Licht
sind hier die Bilanzierungsgrenzen in
Abstimmung mit dem Nutzer bzw. Auf- Prozesswärme bereitstellen Prozesseffizienz Prozesswärme erzeugen
traggeber. Außerdem ist die Gesamtwirt-
Strom
schaftlichkeit von Maßnahmen zur Opti- Prozesskälte bereitstellen Prozesseffizienz Prozesskälte erzeugen
mierung der Energieeffizienz, zur Nut- 2.3
zung regenerativer Energiequellen und
zur Ökoeffizienz von Projekten zu prüfen. Energiethemen Energiebedarf minimieren Energieversorgung optimieren
In diesem Zusammenhang geht die
immer noch weit verbreitete alleinige Wärme Wärme erhalten Wärme effizient gewinnen

Betrachtung der Investitionskosten und


Kälte Überhitzung vermeiden Wärme effizient abführen
ihrer Minimierung am Ziel vorbei. Nur in
Verbindung mit einer Analyse der laufen- Luft natürlich lüften effizient maschinell lüften
den Kosten, von Fördermaßnahmen und
ggf. zu erwirtschaftenden Einnahmen aus Licht Tageslicht nutzen Kunstlicht optimieren
der Nutzung erneuerbarer Energien lässt
Strom Strom effizient nutzen Strom dezentral gewinnen
sich ein Gesamtbild der Ökonomie einer
Maßnahme erreichen. Ziel ist die Betrach-
2.4
tung der Kosten über den gesamten
Lebenszyklus eines Gebäudes. Bei der 2.1 schematische Vorgehensweise bei der Erstel- 2.3 Anforderungen, Randbedingungen und Dienst-
lung eines Energiekonzepts leistungen für die Gebäudetechnik
Beurteilung von Energiekonzepten müs- 2.2 standortspezifische Randbedingungen und ihr 2.4 Handlungsfelder und Bausteine für die Erstel-
sen nicht zuletzt auch die Auswirkungen Einfluss auf das Energiekonzept lung von Energiekonzepten

13
Gebäudetechnik im Energiekonzept

Fernwärme (nicht erneuerbar) 120–400 kW 238 auf die Nutzer berücksichtigt werden,
Hackschnitzel 120–400 kW 25 denn die Nutzerakzeptanz ist für das
Öl Niedertemperatur 120–400 kW 328
Wohlbefinden und für einen planungsge-
Öl Brennwert 120–400 kW 294
Gas Niedertemperatur 120–400 kW 248 mäßen Betrieb letztlich die entscheidende
Gas Brennwert 120–400 kW 223 Voraussetzung. Neben dem thermischen
Komfort beeinflussen vor allem der visu-
Fernwärme (nicht erneuerbar) 20 kW 240
Pelletkessel < 20 kW 35
elle, akustische und olfaktorische Komfort
Öl Niedertemperatur < 20 kW 354 (z. B. Empfindungstemperatur, Raumluft-
Öl Brennwert < 20 kW 317 feuchte und Luftbewegung) das Behag-
Gas Niedertemperatur < 20 kW 271
lichkeitsempfinden. Zudem stellen die
Gas Brennwert < 20 kW 244
Möglichkeiten, auf das Raumklima einwir-
Strom-Wärmepumpe Wasser/Wasser (7/55) 236 ken zu können (z. B. öffenbare Fenster,
Strom-Wärmepumpe Wasser/Wasser (10/50) 189 individuell regelbarer Sonnen- bzw.
Strom-Wärmepumpe Wasser/Wasser (10/35) 129
Blendschutz etc.), weitere bedeutende
Strom-Wärmepumpe Sole/Wasser (5/55) 302
Strom-Wärmepumpe Sole/Wasser (0/55) 237 Einflussgrößen für die Zufriedenheit der
Strom-Wärmepumpe Sole/Wasser (0/35) 161 Nutzer dar. Energiekonzepte können
schließlich das Erscheinungsbild von
Solaranlage Flachkollektor 35
Gebäuden und Räumen entscheidend
0 50 100 150 200 250 300 350
Treibhauspotenzial in g CO2-Äq. je kWh Wärme
beeinflussen. Sie sollen die Architektur im
positiven Sinn prägen und damit einer
2.5 Baukultur sichtbaren Ausdruck verleihen,
die sich den großen gesellschaftspoliti-
Primärenergie nicht erneuerbar Primärenergie erneuerbar
schen Herausforderungen unserer Zeit
Fernwärme (nicht erneuerbar) 120–400 kW 3,6 stellt. Es ist daher das Idealziel, ökologi-
Hackschnitzel 120–400 kW 5,6
0,5 sche, ökonomische und gesellschaftliche
Öl Niedertemperatur 120–400 kW 4,6
Öl Brennwert 120–400 kW
0,0
4,2
Ansprüche an ein Energiekonzept in eine
0,0 hochwertige, eventuell neuartige Gestal-
Gas Niedertemperatur 120–400 kW 4,2
0,0
Gas Brennwert 120–400 kW 3,8 tung von Gebäuden umzusetzen.
Fernwärme (nicht erneuerbar) 20 kW 0,0
3,6
Pelletkessel < 20 kW 5,3
0,8
0,0
Öl Niedertemperatur < 20 kW 5,0 Konzeptentwicklung:
0,0
Öl Brennwert < 20 kW 4,5 Die 10 Bausteine
Gas Niedertemperatur < 20 kW 4,6
Gas Brennwert < 20 kW 4,1
Die Entwicklung eines Energiekonzepts
Strom-Wärmepumpe Wasser/Wasser (7/55) 3,7 umfasst im Kern zwei sich ergänzende
Strom-Wärmepumpe Wasser/Wasser (10/50) 2,9
Strom-Wärmepumpe Wasser/Wasser (10/35) 0,1 Ziele (Abb. 2.1, S. 13). Zum einen wird
2,0
Strom-Wärmepumpe Sole/Wasser (5/55) 0,2
4,7
das Ziel verfolgt, den Energiebedarf
Strom-Wärmepumpe Sole/Wasser (0/55) 3,7 durch geeignete bauliche Maßnahmen
Strom-Wärmepumpe Sole/Wasser (0/35) 2,5 gering zu halten. Baukörper, Konstruktio-
Solaranlage Flachkollektor
nen und Materialien sollten bei Planungs-
0,6
0,0 1,0 2,0 3,0 4,0 5,0
beginn so aufeinander abgestimmt wer-
Primärenergie in MJ je kWh Wärme den, dass das Gebäude in einem mög-
2.6 lichst langen Zeitraum ohne umfangrei-
che technische Unterstützung ein behag-
liches Raumklima bereitstellen kann.
Hierzu sind Komponenten und Bauteile
eines Gebäudes nicht nur auf ihre konst-
biogene Festbrennstoffe ruktiven, funktionalen und gestalterischen
(Haushalte) 58,4 % Eigenschaften hin auszuwählen, sondern
Gesamt: 108,7 TWh es sollte mit ihnen im Idealfall zugleich
ein energetischer Zusatznutzen realisiert
werden (z. B. Bauteilaktivierung). Dabei
biogene Festbrennstoffe liegt die Herausforderung neben der Nut-
tiefe Geothermie 0,2 % (Industrie) 15,4% zung von Synergieeffekten auch in der
oberflächennahe Geothermie 2,2% kreativen Lösung von Zielkonflikten wie
Solarthermie 3,8 % Kompaktheit versus Tageslichtnutzung
biogener Anteil des Abfalls 4,6 % biogene Festbrennstoffe
(Heizkraft- und Heizwerke) 5,8%
oder Transparenz versus sommerlicher
biogene gasförmige Brennstoffe 4,9%
Wärmeschutz.
biogene flüssige Brennstoffe 4,7%
2.7 Der zweite konzeptionelle Schwerpunkt
2.5 Treibhauspotenzial von Wärmeerzeugern betrifft eine nachhaltige Gestaltung der
2.6 primärenergetische Effizienz unterschiedlicher technischen Energieversorgung. Dazu
Wärmeerzeuger
2.7 Wärmebereitstellung aus erneuerbaren Energien
muss die Kette von den Energiequellen
in Deutschland (Stand 2009) bis zur gewünschten Energiedienstleis-

14
Konzeptentwicklung: Die 10 Bausteine

tung nachvollzogen und auf eine mög- Standort sind durch optimierte technische eine Regelungstechnik maßgeblich Ein-
lichst hohe Effizienz und Zukunftsfähigkeit Gebäudeausrüstung behagliche Innen- fluss auf den Wärmefluss ausgeübt wer-
untersucht werden (Abb. 2.6). Der Flä- raumbedingungen erreichbar. den kann. Das Ziel der meisten aktiven
chenbedarf zur Energiegewinnung ist Die andere Strategie zielt darauf ab, über Systeme zur Wärmeversorgung ist eine
ebenso frühzeitig zu berücksichtigen wie die städtebauliche Anordnung sowie eine möglichst weitreichende zeitliche Ent-
die Bereitstellung geeigneter Technik- energieoptimierte Gebäudeform und kopplung der nutzbaren Wärmemenge
flächen. Hier gelten ebenfalls die Bestre- -hülle, die Nutzungsverteilung und die von der Solarstrahlung. Hier kommt dem
bungen, durch ständige Abwägungen Materialwahl das Gebäude so zu gestal- Speicher in Kombination mit der Rege-
mit gestalterischen und konstruktiven ten, dass die gewünschten Bedingungen lungstechnik eine entscheidende Funk-
Maßnahmen Synergieeffekte zu schaffen. – ggf. mit geringen Abstrichen bezüglich tion im Gesamtsystem zu.
Analysiert man die jeweiligen Ziele hin- des Optimums – mit einem Minimum an Weiterhin gibt es zahlreiche Wärmepo-
sichtlich der Minimierung des Energie- Technik erreicht werden. Für diese Strate- tenziale im direkten Umfeld von Gebäu-
bedarfs und der Optimierung der Ener- gien haben sich im allgemeinen Sprach- den. Der Begriff »Umgebungswärme«
gieversorgung nach den fünf Energie- gebrauch die Begriffe »Hightech« und umfasst sowohl die erdnahe Atmosphä-
themen Wärme, Kälte, Luft, Licht und »Lowtech« etabliert. Da, wie in den meis- renschicht bis zu einer Höhe von etwa
Strom ergeben sich 10 Bausteine, die ten Fällen, keine dieser reinen Lehren 100 m als auch die oberflächennahen
in ihrer Gesamtheit die Grundlage für allein umsetzbar ist, erreicht ein abge- Erdschichten (Erdreich, Grundwasser
ein energieeffizientes Gebäude bilden stimmtes Zusammenspiel beider Strate- und Oberflächenwasser) bis zu einer
(Abb. 2.8, S. 16). gien meist das beste Ergebnis. Tiefe von ca. 200 m. Eine weitere Art von
Beginnen sollte jede Überlegung zum Umgebungswärme stellt Abwärme aus
Energiekonzept mit der Frage, ob und in Bausteine 1 + 2: Wärme erhalten und effizient Produktionsprozessen, Abwasser oder
welchem Umfang spezifische Energie- bereitstellen Fortluft dar. Das Temperaturniveau dieser
dienstleistungen ohne Qualitätsverluste Die Wärmeversorgung gehört zu den Wärmequellen ist in der Regel für eine
für den Nutzer erbracht werden können. wichtigsten Aufgaben der Gebäudetech- direkte Wärmeversorgung von Gebäuden
Die systematische Behandlung dieser nik. Im Heizfall ist dafür zu sorgen, dass zu gering. Um den Energiegehalt den-
»Nulloption« kann zur Entdeckung ein- Wärme nicht verloren geht und somit noch nutzen zu können, wird die Umge-
facher technischer Lösungen und neuer möglichst lange erhalten bleibt. Da trotz bungswärme über das technische Hilfs-
Raumerfahrungen führen. Als Grundlage aller Bemühungen in den meisten Fällen mittel der Wärmepumpe effizient aufberei-
für die Entwicklung eines Energiekon- ergänzend eine Wärmezufuhr erforderlich tet (siehe Gebäudetechnische Systeme,
zepts ist darüber hinaus eine klar formu- ist, muss eine effiziente Erzeugung, Spei- S. 24ff.).
lierte Vereinbarung über die energeti- cherung, Verteilung und Übergabe von
schen Ziele für das Gebäude zweck- Wärme sichergestellt werden. In allen die- Bausteine 3 + 4: Überhitzung vermeiden und
mäßig. Eine Orientierung können energe- sen Bereichen, insbesondere jedoch bei Wärme effizient abführen
tische Standards bieten, die durch ein- der Erzeugung, besteht das Potenzial, Im Bereich der Kälteversorgung besteht
deutige Definitionen bezüglich der durch Nutzung erneuerbarer Energie ein zunächst das Ziel, durch geplante bauli-
Anforderungen, Berechnungsmethoden CO2-minimiertes oder gar CO2-neutrales che und baukonstruktive Maßnahmen
und Nachweisverfahren beschrieben Gesamtkonzept zu realisieren. Zahlreiche eine Überhitzung der Nutzräume zu ver-
sind. So lässt sich z. B. die Zielvereinba- Technologien zur Nutzung von Biomasse, meiden. Ist dennoch eine Kühlung erfor-
rung eines CO2-neutralen Gebäudes solarthermische Systeme und Wärme- derlich oder erwünscht, gelten hier Anfor-
umsetzen, indem der gesamte Energie- pumpen bieten eine Vielzahl von Möglich- derungen und Möglichkeiten analog zur
bedarf während der Betriebsphase oder keiten. Pflanzliche Biomasse birgt als Wärmeversorgung in der Hinsicht, dass
auch im gesamten Lebenszyklus durch nachwachsender Rohstoff das Potenzial, die überschüssige Wärme nach Möglich-
erneuerbare Energien bereitgestellt wird. in der Energiebereitstellung einen CO2- keit CO2-neutral abgeführt werden sollte.
Die Frage, in welchem Umfang Energie- neutralen Kreislauf zu gewährleisten, da Bei der Gebäudekühlung bieten vor allem
dienstleistungen durch technische Sys- bei einer Verbrennung nur die Menge an Systeme, die das Kältepotenzial des Erd-
teme bereitgestellt werden müssen, hängt CO2 entweicht, die während des Wachs- reichs und des Grundwassers nutzen,
von der Nutzungsart und dem Anforde- tums von den Pflanzen aufgenommen sowie die solare Kühlung ökologisch
rungsniveau ab, ganz entscheidend aber wurde. Biomasse wird daher als CO2-neu- günstige Perspektiven (siehe Gebäude-
auch von der Gebäudeform, der Gebäu- traler Energieträger bezeichnet – voraus- technische Systeme, S. 40ff.).
dehülle sowie der Materialwahl. Hierbei gesetzt, Wachstum und Nutzung der In den meisten Fällen können Gebäude
lassen sich zwei unterschiedliche Strate- Bewirtschaftung sind nachhaltig gestaltet vor allem in kalten und gemäßigten Zonen
gien verfolgen. Eine orientiert sich an den (Abb. 2.7). Die Umwandlung von Solar- bei energieoptimierter Planung ohne
jeweils erforderlichen technologischen strahlung in Wärmeenergie als Solarther- aktive Kühlung betrieben werden. Eine
Mitteln, um eine optimale Funktionsweise mie bietet ein weiteres, sehr großes entsprechende Gestaltung der Gebäude-
zu gewährleisten. Dabei ermöglichen Potenzial für die Wärmeversorgung von hülle hinsichtlich einer Minimierung exter-
auch zahlreiche Energiesysteme, Klap- Gebäuden (siehe Gebäudetechnische ner Kühllasten hat daher erste Priorität.
pen, Ventile, Sensoren etc. ein adaptives Systeme, S. 29ff.). Zum Teil erfordern jedoch besondere
Verhalten. Sie werden von einer komple- Aktive solarthermische Energiesysteme Arbeitsprozesse, spezifische klimatische
xen Software gesteuert, die in Abhängig- sind dadurch gekennzeichnet, dass die Randbedingungen oder besonders hohe,
keit von klimatischen Randbedingungen Funktionen Solarenergieabsorption, nutzungsbedingte Kühllasten eine Bereit-
und vom Nutzerverhalten die optimale Umwandlung und Speicherung nicht aus- stellung von »Kälteleistung«, physikalisch
Regelstrategie sicherstellt. In nahezu schließlich durch das Gebäude oder Bau- korrekt als »Wärmesenke« bezeichnet. Im
jedem Gebäude und an jedem beliebigen teile übernommen werden und dass über Idealfall kann die Wärmelast in Gebäuden

15
Gebäudetechnik im Energiekonzept

über natürlich vorkommende Kühlpoten- Ventilation verursacht erheblichen Ener-


ziale bzw. Wärmesenken ohne aktive Käl- giebedarf, pro Kubikmeter Luft je
teerzeugung abgeführt werden. Hierbei Sekunde ist durchschnittlich eine spezifi-
bieten sich günstige Temperaturniveaus sche elektrische Leistung von ca. 2500 W
in den Medien Luft, Erdreich und Wasser erforderlich. Systeme der freien Lüftung
an. In den meisten Fällen deckt sich der sind in ihrer Funktion und ihrer Leistungs-
Kühlbedarf zeitlich mit hohen Außenluft- fähigkeit jedoch von den klimatischen
temperaturen. Dennoch entstehen im Verhältnissen im Außenraum abhängig.
Tages- und Jahresverlauf Situationen, bei Es kommt daher zu erheblichen Schwan-
denen die Außenluft direkt als Wärme- kungen im Volumenstrom und in der Luft-
senke in das Technikkonzept integriert wechselrate. Ist ein konstanter Luft-
a
werden kann (z. B. Nachtluftkühlung). austausch erwünscht, erfordert dies
Um das Temperaturniveau des Erdreichs zusätzlich eine maschinelle Be- und Ent-
als Wärmesenke zu nutzen, eignen sich lüftung.
im Wesentlichen zwei Konzepte: Bei Hierfür stehen zahlreiche Systeme mit
Gebäuden mit maschineller Zuluftführung unterschiedlichen Arten der Luftförderung
kann die Außenluft über ein Erdkanal und Luftbehandlung zur Verfügung. Eine
(auch Erdregister) geleitet werden (siehe dezentrale maschinelle Lüftung über die
Gebäudetechnische Systeme, S. 61ff.). Gebäudehülle ermöglicht eine konstante
Dadurch wird die Lufttemperatur um meh- Luftwechselrate ohne Lüftungskanäle.
rere Kelvin abgesenkt, wodurch in vielen Sie bietet die zusätzlichen Vorteile der
Fällen auf eine weitere Kühlung verzichtet Raumersparnis für vertikale und hori-
b
werden kann. Alternativ zum Erdkanal zontale Schächte, der höheren Flexibilität
sind analog zur Nutzung als Wärmequelle bei einem Nutzungswechsel und eine
Erdsonden bzw. als Wärmesenke im Erd- hohe Effizienz durch eine individuelle
reich installierte Massivabsorber (z. B. bedarfsabhängige Betriebsweise. Neben
Bohrpfähle) im Kühlfall einsetzbar (siehe der Volumenstromsicherung kann sie wei-
Gebäudetechnische Systeme, S. 40f.). tere Nachteile der freien Lüftung ausglei-
Diese Mehrfachnutzung beschleunigt die chen: Bei hoher Lärmbelastung kann die
Regeneration des Erdreichs und führt zu Lüftung bei geschlossenem Fenster mit
einer verbesserten Wirtschaftlichkeit des entsprechendem Schallschutz erfolgen
Gesamtsystems. und durch die Verwendung von Luftfiltern
Bei hohen Kältelasten werden aktive Sys- wird die Zuluftqualität verbessert.
c teme benötigt. Neben effizienten elektri- Bei Systemen mit Zu- und Abluftführung
schen Kältemaschinen, die im Idealfall können über eine integrierte Wärme-
mit regenerativem Strom betrieben wer- rückgewinnung Lüftungswärmeverluste in
den, ist die Verwendung von sorptionsge- der Heizperiode deutlich verringert wer-
stützten Anlagen eine interessante Alter- den. Die Einbindung von Heiz- bzw. Kühl-
native für die Gebäudekühlung. Wird die registern ermöglicht die Erwärmung oder
Antriebswärme ausschließlich oder über- Kühlung der Zuluft. Diese Systeme kön-
wiegend von solarthermischen Systemen nen daher auch zur Bereitstellung von
erzeugt, spricht man von einer direkten Heiz- und Kühlleistungen herangezogen
solaren Kühlung. Treten Kühllasten und werden.
solare Gewinne zeitgleich auf, lässt sich Fassadenlüftungsgeräte saugen die
d
Kälte ohne hohen Speicherbedarf CO2- Zuluft direkt an der Fassade an. Die Ele-
neutral erzeugen. mente können im Doppelboden oder im
Deckenbereich sowie in Brüstungs- oder
Bausteine 5 + 6: Natürlich lüften und effizient Zargenelemente integriert werden. Da die
maschinell lüften Leistungsfähigkeit von Fassadenlüftungs-
A+
Eine gute Luftqualität in Gebäuden erfor- systemen bezüglich des Volumenstroms
dert einen regelmäßigen Luftaustausch in begrenzt ist, bietet sich ihr Einsatz insbe-
Abhängigkeit von Nutzung und Personen- sondere bei Büroräumen mit geringer
A+
anzahl. Heutige Bauweisen ermöglichen Raumtiefe an. Des Weiteren können Fas-
eine hohe Luftdichtheit, ein unkontrollier- sadenlüftungssysteme auch nachträglich
ter Luftaustausch durch Fugen und Ritzen z. B. im Rahmen von Gebäudesanierun-
ist weitgehend unterbunden. Dies ver- gen installiert werden.
e 2.8
langt eine sorgfältige Planung von Lüf- Eine RLT-Anlage kann neben dem Luft-
tungssystemen, die sowohl über die austausch auch zur Einhaltung von
2.8 10 Bausteine für Energiekonzepte Gebäudehülle als auch über Gebäude- Grenzwerten bezüglich Temperatur und
1. Energiebedarf minimieren:
a Wärme erhalten technik realisiert werden können. Feuchtigkeit eingesetzt werden. Die dar-
b Überhitzung vermeiden Unter nachhaltigen Aspekten ist zunächst aus abgeleitete Dimensionierung ergibt
c natürlich lüften
d Tageslicht nutzen
ein möglichst hoher Anteil an natürlicher sich über die zu erbringende Heiz- bzw.
e Strom effizient nutzen Lüftung anzustreben. Eine elektrische Kühlleistung. Dies kann je nach Anforde-

16
Konzeptentwicklung: Die 10 Bausteine

rung zu einem sehr hohen Luftvolumen- das mindestens erforderliche Maß verrin-
strom führen, was sich in der Größe der gert nicht nur den Energieverbrauch, son-
Anlagentechnik und im entsprechenden dern auch die Baukosten.
Energieverbrauch niederschlägt. Daher Bei der Beleuchtungsart gibt es zwischen
sollte eine Minimierung des Luftvolumen- direkter und indirekter Beleuchtung sowie
stroms auf das hygienisch erforderliche einer Kombination aus beiden hohe ener-
Maß angestrebt werden. Hiermit nicht getische Unterschiede. Die indirekte
abzudeckende Heiz- und Kühllasten sind Beleuchtung hat eine positive räumliche
dann über ergänzende Systeme zu leis- Wirkung und wird häufig als angenehm
ten (z. B. Heizkörper, Kühlsegel etc.). empfunden, da eine Lichtsituation mit
In der Energiebilanz von gut gedämmten geringem Schattenwurf und Blendung
Gebäuden stellen Lüftungswärmeverluste entsteht. Dabei ist, um die gewünschte f

meist einen bedeutenden Posten dar. Bei Beleuchtungsstärke zu erreichen, jedoch


Fensterlüftung oder Abluftanlagen gehen eine deutlich größere installierte Lichtleis-
in der Heizperiode über die Fortluft hohe tung erforderlich als bei direkter Beleuch-
Wärmepotenziale verloren. Daher bedingt tung, was zu einem entsprechend höhe-
eine energieeffiziente Lüftung eine kont- ren Energieverbrauch führt. Eine opti-
rollierte Zu- und Abluftanlage mit integ- mierte Gestaltung der Innenräume mit
riertem Wärmetauscher. Mit Wirkungsgra- hellen und/oder reflektierenden Oberflä-
den bis über 90 % können die Lüftungs- chen unterstützt ebenfalls die Beleuch-
wärmeverluste fast vollständig vermieden tungssituation der Innenräume. Der Anteil
werden. an Reflexion bzw. der Verlust an Leucht-
dichte durch Absorption der Oberflächen
Bausteine 7 + 8: Tageslicht nutzen und Kunstlicht variiert sehr stark in Abhängigkeit von g
optimieren Material und Farbe.
Das Ziel der Lichtplanung ist, durch eine Das Ziel der Automation ist in erster Linie,
konzeptionelle Optimierung des Gebäu- den Komfort für den Nutzer zu erhöhen.
des eine möglichst hohe Tageslichtauto- Darüber hinaus lässt sie hohe Einsparpo-
nomie zu erreichen. Darüber hinaus muss tenziale beim Stromverbrauch für die
eine Gebäudenutzung unabhängig vom Beleuchtung durch eine Reduktion der
Tageslichtangebot gewährleistet sein. Volllaststunden zu. Das Maß an Automa-
In manchen Fällen ist eine Tageslicht- tion muss zwischen den beiden Zielgrö-
nutzung gar nicht möglich oder nicht ßen Energieeinsparung und Nutzerzu-
erwünscht. Hier besteht auf technischer friedenheit abgewogen werden. Eine opti- h
Seite der Anspruch, eine funktionsad- mierte Steuer- und Regelungstechnik
äquate künstliche Beleuchtung mit mög- reagiert sensibel auf die Bedürfnisse der
lichst geringem Energieverbrauch umzu- Nutzer und verhindert den Eindruck eines
setzen. Wichtig ist in diesem Zusammen- Kontrollorgans. Sinnvoll ist die Differen-
hang auch die Berücksichtigung der zierung zwischen verstärkt öffentlich
Farbneutralität, der Blendfreiheit sowie genutzten Flächen (z. B. Erschließung,
guter Kontrastverhältnisse. Sanitärbereich etc.) und individueller
Zur energetischen Optimierung des Nutzung mit einem Anspruch auf manu-
Beleuchtungskonzepts sind im Wesentli- elle Regelbarkeit (z. B. Einzel- oder Dop-
chen drei Planungsebenen relevant: die pelbüros).
Beleuchtungstechnik, das Lichtkonzept i
sowie die Automatisierung der Beleuch- Bausteine 9 + 10: Effiziente Geräte einsetzen und
tung. Die Wahl der Leuchtmittel hat einen Strom dezentral gewinnen

entscheidenden Einfluss auf den Strom- Strom ist physikalisch gesehen die hoch-
bedarf. Die Effizienz (Lichtausbeute) in wertigste Energieform, da er in alle ande-
Lumen pro Watt Anschlussleistung unter- ren Energieformen (Kraft, Wärme etc.)
scheidet sich zum Teil erheblich. Hinzu umgewandelt werden kann. Seine vielfäl-
kommt, dass eine geringe Lichtausbeute tige Anwendung macht ihn heute in
zugleich eine große Wärmeentwicklung nahezu allen Bereichen des Lebens
mit entsprechendem Einfluss auf die unentbehrlich. Dies gilt in besonderem
internen Wärmelasten eines Gebäudes Maß für den Gebäudebetrieb. Hier
zur Folge hat. bekommt der Strombedarf mit zunehmen-
Insbesondere bei Arbeitsplätzen wirkt der Effizienz im Wärmebereich eine j 2.8
sich ein gutes Beleuchtungsniveau positiv bedeutende Rolle. Denn im Gegensatz
auf die Sehschärfe und die Leistungsfä- zum Wärmehaushalt lässt sich der durch 2.8 10 Bausteine für Energiekonzepte
2. Energieversorgung optimieren:
higkeit aus. Durch die meist hohen Voll- den Nutzer verursachte Strombedarf in f Wärme effizient gewinnen
laststunden hat die installierte Lichtleis- Gebäuden nur in geringem Umfang g Wärme effizient abführen
h effizient maschinell lüften
tung jedoch einen großen Einfluss auf beeinflussen. Der Bedarf an elektrischer i Kunstlicht optimieren
den Energiebedarf. Eine Minimierung auf Energie, der über das Kunstlicht, die Käl- j Strom dezentral gewinnen

17
Gebäudetechnik im Energiekonzept

teerzeugung und die Luftführung hinaus- Verschattungselemente aufgrund ihrer sondern auch immer der mit dem jeweili-
geht, wird überwiegend durch die Bedürf- Funktion in der Regel einer direkten Solar- gen Konzept erreichbare Komfort bzw.
nisse des Nutzers und die entsprechende strahlung ausgesetzt und eignen sich die Behaglichkeit betrachtet werden.
Ausstattung an elektrischen Geräten daher besonders für eine Photovoltaik- Über eine Reihe von Stellschrauben lässt
bestimmt. Hier gilt es neben einer optima- integration. sich die Größe gebäudetechnischer Anla-
len Gebäudeplanung darauf hinzuwirken, Ergänzend zur Photovoltaik ist die dezen- gen verringern und deren Energieeffizi-
dass so weit wie möglich energieeffizi- trale Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), die enz steigern, wodurch Kosteneinsparun-
ente Geräte eingesetzt werden. Strom- und Wärmeerzeugung in einem gen möglich werden:
Im Kontext einer zukünftigen Stromversor- Vorgang verbindet, ein wichtiger Bau- Kompakte Baukörper sind sowohl unter
gung, in der die Erzeugung überwiegend stein. Sie ermöglicht es, die Strom- und energetischen wie auch wirtschaftlichen
dezentral auf Basis erneuerbarer Energie Wärmeproduktion direkt in das Energie- Gesichtspunkten vorteilhaft. Die Orientie-
erfolgen soll, spielt die Gebäudeplanung konzept des Gebäudes oder einer Nach- rung bzw. die Neigung von Gebäude-
eine entscheidende Rolle: Neben der barschaft zu integrieren. Für eine dezent- außenflächen beeinflussen mögliche pas-
Minimierung des Strombedarfs ist bei rale Kraft-Wärme-Kopplung stehen auf sive und aktive Solarenergienutzungen
jedem Gebäude künftig zu prüfen, ob und unterschiedlichen Energieträgern basie- und sind daher frühzeitig zu untersuchen.
in welchem Umfang das Bauwerk selbst rende Technologien zur Verfügung. Aus Die Nutzung und Orientierung von Räu-
Strom erzeugen kann. Im Idealfall kann ökologischer Sicht sollten möglichst men in Gebäuden sollten z. B. im Hinblick
das Gebäude seinen eigenen Strombe- erneuerbare Energiequellen verwendet auf Temperatur und Lärm aufeinander
darf komplett decken. Dabei steht nicht werden, z. B. Biomasse, Wasserstoff oder abgestimmt werden. Ziel ist auch eine
im Vordergrund, das Gebäude unabhän- Abwärme bzw. Solarstrahlung. weitgehend natürliche Belichtung, wes-
gig vom Netz zu betreiben, sondern über halb innen liegende Räume und große
das Jahr betrachtet eine ausgeglichene Raumtiefen möglichst zu vermeiden sind.
Energiebilanz zu ermöglichen. Kosten und Wirtschaftlichkeit Lichtlenksysteme können als Hilfsmittel
Für eine dezentrale Stromerzeugung in einbezogen werden. Der Fensteranteil an
unmittelbarem Zusammenhang mit der Die Entwicklung und Umsetzung eines der Fassade ist im Hinblick auf eine
Gebäudeplanung stehen mit der Photo- Energiekonzepts ist heute ein wesent- natürliche Belichtung sowie auf Energie-
voltaik und der Kraft-Wärme-Kopplung licher Bestandteil der Gebäudeplanung. verluste/-gewinne, insbesondere den
ausgereifte Systeme bereit. Daneben gibt In Energiekonzepten werden energeti- sommerlichen Kühlbedarf, zu optimieren.
es weitere wichtige Technologien, die sche Potenziale ermittelt und Maßnahmen Es sollte geprüft werden, inwieweit leicht
zwar bislang in Gebäude noch nicht inte- für den wirtschaftlichen Gebäudebetrieb zugängliche, um- und nachrüstbare
griert wurden, aber für die künftige Ent- vorgeschlagen. Medienkanäle (Elektro- und Kommunika-
wicklung über wertvolle Potenziale verfü- Ein auf das Gebäude abgestimmtes Anla- tionsanlagen, Wasser führende Systeme
gen (solarthermische Stromerzeugung, genkonzept und der Einsatz regenerativer etc.) wirtschaftlich angeordnet werden
Windenergie, Wasserkraft etc.). Die Pho- Energien sind die Voraussetzungen, um können.
tovoltaik ermöglicht eine Stromerzeugung nationale und europäische Klimaschutz-
über die Gebäudehülle ohne mechani- ziele zu erreichen sowie die Kriterien der Energetische Anforderungen an Konstruktion und
schen Verschleiß, Luftemissionen oder Behaglichkeit einzuhalten. Ferner sichern Gebäudetechnik
Geräuschentwicklungen. Photovoltaikmo- sie die gebotene Wirtschaftlichkeit im Die Höhe des späteren Energiever-
dule stehen als ausgereifte Produkte in Gebäudebetrieb. Da jedes Gebäude in brauchs (und damit der Betriebskosten)
einer großen Bandbreite zur Verfügung. seinem spezifischen Umfeld ein Prototyp eines Gebäudes wird durch den Gebäu-
Zunehmend übernehmen diese Module ist, erfordern Gebäude stets eine indivi- deentwurf maßgeblich beeinflusst. Das
neben der Energiegewinnung auch duelle energetische und anlagentechni- betrifft vor allem den Kälte- und den
Zusatzfunktionen und nutzen damit zahl- sche Betrachtung. Vor diesem Hinter- Strombedarf für die Beleuchtung sowie
reiche Synergieeffekte: Photovoltaikele- grund wird eine frühzeitige Beteiligung für eine gegebenenfalls erforderliche
mente können als Witterungs-, Sonnen-, der unterschiedlichen Fachplaner künftig maschinelle Lüftung. Die Bedeutung des
und Sichtschutz eingesetzt werden oder noch wichtiger werden, da nur sie die früher dominanten Jahres-Heizwärmebe-
als Isolierglasmodule sogar die thermi- zielorientierte Entwicklung individueller darfs ist aufgrund verbesserter Gebäude-
sche Hülle bilden. Bei geneigten Dächern Anlagenkonzepte gewährleistet. hüllen insbesondere bei Nichtwohnge-
lassen sich Photovoltaikmodule direkt als bäuden zurückgegangen. Glasflächen
wasserführende Schicht verwenden und Anforderungen an den Entwurf sind in der Regel energetisch und wirt-
ersetzen dadurch konventionelle Materia- Neben den klassischen Anforderungen schaftlich ungünstig. Dies gilt vor allem
lien wie z. B. Dachziegel. an Funktionalität und Gestaltqualität von für Nordfassaden, die in unseren Regio-
Als besonders geeignet für die Photovol- Gebäuden stehen heute verstärkt energe- nen eher geschlossen ausgeführt werden
taikintegration erweisen sich südgeneigte tische Aspekte im Vordergrund. Der sollten. Dagegen können hohe Vergla-
Pultdächer oder Sheddächer. Auf verti- Gesamtenergiebedarf (und insbesondere sungsanteile auf der Südseite energe-
kale Flächen trifft zwar eine geringere Ein- der Bedarf an fossilen Energieträgern) tisch sinnvoll sein, sofern Gläser mit
strahlung als auf geneigte. Im Gegenzug eines Gebäudes ist unter Beachtung des einem sehr kleinen Wärmedurchgangs-
bieten sich bei Fassaden jedoch erhebli- Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit mit koeffizienten (U-Wert) eingesetzt werden.
che energetische und wirtschaftliche baulichen, architektonischen, anlagen- Den sommerlichen Wärmeschutz kann
Potenziale, wenn konventionelle hochwer- technischen und organisatorischen Maß- eine effektive Verschattung sicherstellen.
tige Bauteile wie beispielsweise Metallpa- nahmen zu minimieren. Dabei muss nicht Bei der Gebäudelüftung müssen die Mög-
neele oder Natursteine durch Photovol- nur die ökonomische Gesamtwirtschaft- lichkeiten und Grenzen einer natürlichen
taikelemente ersetzt werden. Zudem sind lichkeit des Vorhabens sichergestellt, Lüftung untersucht werden. Für einen

18
Kosten und Wirtschaftlichkeit

500 €/m² Unterteilung Kühldecken


energieeffizienten und wirtschaftlichen inkl. Regelung
450 €/m²
Temperaturausgleich im Sommer eignet Kühldecken
sich insbesondere die Lüftung in den küh- 400 €/m² Unterteilung TABS inkl.
Regelung mit Hilfsenergie
leren Nachtstunden. Dabei müssen die 350 €/m² Thermoaktive Bauteile
Belange des Objekt- und Brandschutzes Heizung/Kühlung
300 €/m² Radiatorheizung inkl.
einbezogen werden. Auf Luftdichtigkeit Unterverteilung und
250 €/m²
der Gebäudehülle ist ebenfalls zu achten. Thermostatventil
Die Minimierung des Elektroenergiebe- 200 €/m² Unterstützende Lüftung
Klimaanlage
darfs kann mit effizienten gebäudetechni- 150 €/m² Kälteerzeugung
schen Systemen erreicht werden. Wärmeerzeugung
100 €/m²
Die wirtschaftliche Nutzung erneuerbarer
50 €/m²
Energien ist bereits in der frühen
Entwurfsphase zu berücksichtigen. Sie ist 0 €/m²

für die Wärmeversorgung von Neubauten Klimaanlage Kühldecke (ML)* TABS (FL)* TABS (ML)*
2.9
in Deutschland durch das Erneuerbare-
Energien-Wärme-Gesetz (EE-WärmeG)
vorgeschrieben. Das Gesetz fordert, je 7,00 €/m² Pumpe
Ventilator
nach Technologie unterschiedliche Min- Kälte TABS
6,00 €/m²
destanteile des Energiebedarfs durch Kälte Kühldecke
erneuerbare Energien zu decken. Ver- Kälte RLT
5,00 €/m² Wärme TABS
zichtet werden kann hierauf, wenn das Wärme RLT
Gebäude die Primärenergieanforderun- 4,00 €/m² Radiatorheizung
gen der EnEV um 15 % unterschreitet. * TABS: thermoaktive
Das bedeutet beispielsweise, dass ein 3,00 €/m² Bauteilsysteme
Neubau, der mit Brennwerttechnik und ML: mechanische Lüftung
2,00 €/m² FL: Fensterlüftung
thermischer Solaranlage die Anforderun-
gen der EnEV sowie dank einer Solaran-
1,00 €/m²
lage die Anforderungen des EE-WärmeG
erfüllt, 15 % mehr Primärenergie verbrau- 0,00 €/m²
chen darf als ein vergleichbarer Neubau, Klimaanlage Kühldecke (ML)* TABS (FL)* TABS (ML)*
2.10
der statt der Solaranlage auf eine wir-
kungsvolle Dämmung setzt.
Ebenso wichtig wie der Einbau erneuer-
Bedarfsklasse sehr hoch mittel gering sehr sehr hoch mittel gering sehr
barer Energietechniken ist deren effizi- hoch gering hoch gering
ente Nutzung. Um z. B. mit einer Wärme- Raumnutzung spezifische installierte Leistung spezifischer elektrischer Energie-
pumpe Primärenergie einzusparen, muss (W/m2EBF) bedarf (kWh/m2EBF a)
deren Jahresarbeitszahl (JAZ) mindes- Einzelbüro, ein bis zwei
59 53 27 16 11 100 77 33 19 6
Arbeitsplätze
tens 3,0 betragen. Anderenfalls wäre ein
Gruppenbüro, drei bis
Brennwertgerät bezogen auf die Primär- sechs Arbeitsplätze
47 41 22 13 8 100 70 33 19 6
energie effizienter. Daher reicht es nicht Großraumbüro, ab sieben
aus, nur eine Wärmepumpe einzuplanen 38 32 18 11 7 100 90 48 23 13
Arbeitsplätze
– diese muss auch effizient, z. B. in Kom- Besprechung, Sitzung,
47 42 22 13 8 110 80 35 21 4
bination mit Flächenheizsystemen mit Seminar
niedrigen Heizmitteltemperaturen arbei- Schalterhalle 20 18 11 8 6 55 49 30 16 7
ten. Als Anteil erneuerbarer Energie gilt Einzelhandel/Kaufhaus
25 22 13 9 7 91 78 48 33 25
(ohne Kühlprodukte)
dabei nur diejenige Wärmemenge, die mit
Einzelhandel/Kaufhaus
einer JAZ > 3,0 erzeugt wurde. (mit Kühlprodukten)
27 23 14 10 7 96 82 50 35 26

Klassenzimmer 25 21 12 7 4 31 19 9 4 2
Ökonomische Bewertung über Hörsaal, Auditorium 45 39 21 12 7 67 47 22 13 5
Variantenvergleiche
Bettenzimmer 39 35 18 11 6 160 110 51 30 8
Bei unterschiedlichen, konkurrierenden Hotelzimmer 26 23 12 7 4 60 54 28 16 4
Anlagensystemen, deren Vor- und Nach- Kantine 16 13 7 5 3 28 18 9 5
teile ohne detaillierte Untersuchungen Restaurant 19 17 11 8 6 81 63 35 26 15
nicht überschaubar sind, sind Varianten- Küche in Nichtwohnge-
49 43 23 14 8 190 130 65 40 18
vergleiche erforderlich. Dabei werden in bäuden
der Regel betriebswirtschaftliche Metho- Küche –
31 27 14 9 5 100 70 34 21 6
Vorbereitung, Lager
den (Investitionskosten, Betriebskosten,
WC und Sanitärräume in
Jahreskosten nach dem Annuitätsverfah- Nichtwohngebäuden
26 23 12 7 4 50 36 9 0,4
ren) auf Basis vorher ermittelter Energie-
2.11
und Jahresbilanzen herangezogen.
Abb. 2.9 und 2.10 vergleichen beispiel- 2.9 Investitionskosten für Heizungs- und Klimatech- 2.10 jährliche Energiekosten für Heizungs- und Kli-
nik (Büro- und Verwaltungsbau) matechnik (Büro- und Verwaltungsbau)
haft die Investitions- und Energiekosten ML = mechanische Lüftungsanlage 2.11 spezifische Energiebedarfe für Beleuchtung
von vier verschiedenen Raumkonditionie- FL = natürliche Fensterlüftung nach VDI 3807 (Auszug)

19
Gebäudetechnik im Energiekonzept

Anlagenkomponente rechn. Aufwand Aufwand für Aufwand für rungskonzepten. Der Einbau einer Klima-
Nutzungs- für Instand- Wartung 2 Bedienung 3
dauer 1 setzung 2 anlage wurde einer Kühldeckenlösung
(kombiniert mit einer mechanischen
1 Heizung
Lüftung), sowie zwei weiteren Alternati-
1.1 Nutzenübergabe
ven mit thermoaktiven Bauteilsystemen
1.1.1 Heizfläche mit Zubehör (Ventile, (mit mechanischer Lüftung (ML) bzw.
Verschraubungen, Halter)
mit Fensterlüftung (FL)) gegenüber-
Gussradiatoren 40 1 0 0
gestellt. Die Berechnungen und Kosten-
Stahlradiatoren 35 1 0 0 ermittlungen beziehen sich auf ein
Plattenheizkörper, Stahl 30 1 0 0 Bürogebäude mit vier Geschossen und
Konvektoren mit Verkleidung 30 2 0 0 1200 m2 Nutzfläche, einem A/V-Verhältnis
Heizkörperanstrich 10 0 0 0 von 0,35 sowie schwerer Bauart in der
Klimaregion 3.
Deckenheizung mit untergehängten
20 1,5 0,5 0 Anlagenteile, die verglichen mit Standard-
Stahlrohren und Wärmeleitblechen
Warmwasser-Fußbodenheizungen 30 1 0 0 lösungen geringere Energiekosten erwar-
1
in Jahren
ten lassen, aber hohe Investitionskosten
2
in Prozent der Investitionssumme pro Jahr und Komponente erfordern, führen nur dann zu wirtschaft-
3
in Stunden pro Jahr. Der Aufwand für Bedienung wird jeweils der Erzeugung zugeschlagen. lichen Ergebnissen, wenn sie mit mög-
2.12
lichst hohen Betriebszeiten beaufschlagt
werden können. So amortisieren sich
Berechnung des Annuitätenfaktors abhängig von Zinssatz und Laufzeit Geothermieanlagen sehr viel schneller,
i + (1 + i)n
wenn sie sowohl im Winter zur Wärmeer-
wobei ANF = Annuitätenfaktor
ANF = zeugung als auch im Sommer zur Küh-
(1 + i)n - 1 i = Zinssatz (z.B. bei 5 %: i = 0,05)
n = Laufzeit in Jahren lung verwendet werden können. Zudem
müssen diese Anlagen für einen energie-
Zeit Annuitätenfaktoren bei einem Kalkulationszinssatz von effizienten Betrieb mit Flächentemperier-
(Jahre) 2,0 % 3,0 % 4,0 % 5,0 % 6,0 % 7,0 % 8,0 % 9,0 % 10,0 % systemen kombiniert werden.
1 1,020 1,030 1,040 1,050 1,060 1,070 1,080 1,090 1,100 Sind aus statischen Gründen z. B. Bohr-
5 0,212 0,218 0,225 0,231 0,237 0,244 0,250 0,257 0,264 pfähle als Fundament eines Gebäudes
10 0,111 0,117 0,123 0,130 0,136 0,142 0,149 0,156 0,163 notwendig, liegt es nahe, diese mit gerin-
15 0,078 0,084 0,090 0,096 0,103 0,110 0,117 0,124 0,131 gen Mehrkosten thermisch zu aktivieren.
20 0,061 0,067 0,074 0,080 0,087 0,094 0,102 0,110 0,117 Dagegen lassen sich hohe Investitions-
25 0,051 0,057 0,064 0,071 0,078 0,086 0,094 0,102 0,110 kosten für Bohrpfähle oder Erdsonden,
30 0,045 0,051 0,058 0,065 0,073 0,081 0,089 0,097 0,106 die eigens zur Energieversorgung ins
40 0,037 0,043 0,051 0,058 0,066 0,075 0,084 0,093 0,102 Erdreich eingebracht werden, schwerlich
50 0,032 0,039 0,047 0,055 0,063 0,072 0,082 0,091 0,101 allein mit resultierenden geringen Ener-
60 0,029 0,036 0,044 0,053 0,062 0,071 0,081 0,091 0,100 giekosten begründen.
70 0,027 0,034 0,043 0,052 0,061 0,071 0,080 0,090 0,100
80 0,025 0,033 0,042 0,051 0,061 0,070 0,080 0,090 0,100 Ökonomische Bewertung − Lebenszykluskosten
90 0,024 0,032 0,041 0,051 0,060 0,070 0,080 0,090 0,100 Bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit
100 0,023 0,032 0,041 0,050 0,060 0,070 0,080 0,090 0,100 von Bauvorhaben sind die Investitions-
und Betriebskosten zusammenzufassen.
2.13 Sie gehen als ein Bewertungskriterium in
die Gesamtbewertung ein. Instandhal-
Maßnahme Energie- Investition äquivalenter tungs- und Wartungskosten können sich
einsparung (Euro/m2) Energiepreis bei unterschiedlichen Konzepten stark
(kWh/m2a) (Euro/kWh) unterscheiden und sind ebenfalls in die
Dämmung (Dach, 50 –150 50 – 250 0,02 – 0,20 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einzube-
Kellerdecke, Außenwand)
ziehen. Voraussetzung für alle Baukosten-
Fenster 20 – 50 30 –150 0,06 – 0,30 berechnungen und Wirtschaftlichkeitsun-
Kesseltausch 20 –120 20 – 80 0,02 – 0,20 tersuchungen ist eine differenzierte Kos-
Komfortlüftung 10 – 30 (max.) 20 –70 0,08 – 0,25 tenplanung, die während der jeweiligen
Leistungsphasen nach HOAI fortlaufend
solare Trinkwassererwärmung 5 – 20 (max.) 35 – 50 0,10 – 0,30
aktualisiert und detailliert wird. Sie wird
solare Trinkwassererwärmung 10 – 25 (max.) 50 – 80 0,10 – 0,40
und Heizungsunterstützung
belegt durch Vergleiche mit abgerechne-
ten Referenzbauten und berechnet auf
hydraulischer Abgleich und 10 – 20 1– 6 0,02 – 0,04
Heizungsoptimierung nach
der Basis von Bauwerkseinheiten, Nutz-
baulicher Modernisierung flächen, Bauelementen und/oder ausfüh-
rungsorientierten Vergabeeinheiten. Als
2.14
Grundlage dienen die Datensammlungen
des Bundes, der Länder, der Architekten-
2.12 Nutzungsdauern und Instandsetzungskosten lichkeitsberechnung
gebäudetechnischer Anlagen nach VDI 2067 2.14 Beispiele für äquivalente Energiepreise bei
kammern und anderer anerkannter Bera-
2.13 Annuitätenfaktoren zur dynamischen Wirtschaft- Erhöhung der Energieeffizienz in Gebäuden tungsstellen.

20
Kosten und Wirtschaftlichkeit

In den Kostenermittlungsphasen Kosten- wie Unterhaltsstrategie, Erneuerung und mäßige Zahlung über die Laufzeit umge-
rahmen, -schätzung, -berechnung und Umnutzung zu berücksichtigen und mög- rechnet. Dies geschieht durch Multiplika-
-anschlag nach DIN 276 sollten Kosten- liche künftige Probleme von Anfang an zu tion der Zahlung mit dem Annuitätenfak-
vergleiche erzeugt werden, die möglichst eliminieren oder abzumildern, indem tor. Dieser kann mit Kenntnis des Kalkula-
auf den aktuellen Zeitpunkt und das spe- z. B. unnötige gebäudetechnische Anla- tionszinssatzes und der Laufzeit in ent-
zielle Bauwerk bezogen sind. Vergleichs- gen vermieden werden. sprechenden Tabellen abgelesen werden
und Kennwerte aus Datensammlungen (Abb. 2.13).
werden im Hinblick auf die spezifischen Verfahren der Wirtschaftlichkeitsbewertung
Anforderungen an das Bauwerk, die ver- Statische Verfahren beurteilen die Wirt- Äquivalenter Energiepreis
einbarten Ausführungsstandards, Konst- schaftlichkeit aufgrund eines Vergleichs Um den Nutzen von Maßnahmen zur
ruktion und Ausstattung sowie die Beson- der Kosten und/oder Erträge einer Energieeinsparung und Emissionsminde-
derheiten von Grundstück und Erschlie- Investition ohne Berücksichtigung des rung zu beurteilen, hat sich zusätzlich zu
ßung bewertet und in die Kostenplanung Zeitpunkts, an dem sie entstehen. Sie den traditionellen Methoden der Wirt-
eingebracht. Mehraufwendungen, die bei sind aufgrund ihrer Schlichtheit in der schaftlichkeitsrechnung z. B. auch eine
den Baukosten durch die Verwendung Praxis außerordentlich beliebt. Allerdings Kostenermittlung für die entsprechend
energieeffizienter Anlagen und Systeme sind statische Verfahren im Immobilien- eingesparte Energie (äquivalenter Ener-
sowie erneuerbarer Energien entstehen, bereich nur eingeschränkt geeignet, da giepreis) entwickelt.
sind unter Einbeziehung der Betriebs- gerade hier hohe lnvestitionen zu einzel- Der äquivalente Energiepreis (Cent pro
und Nutzungskosten begründbar. Für die nen Zeitpunkten vergleichsweise niedri- eingesparte kWh) kann bezogen auf die
verbrauchsbezogenen Kostengruppen gen Einnahmen bzw. Einsparungen zu Nutzenergie (Wärmebedarf) oder die
Wasser/Abwasser, Wärme-/Kälte- und vielen Zeitpunkten gegenübergestellt Endenergie (Bedarf an Endenergieträ-
Elektroenergie sind die entsprechenden werden müssen. Diese Ungleichzeitigkeit gern) ermittelt werden. Da die Energieein-
Vorgaben (Richt- und Zielwerte) zu können statische Verfahren nicht abbil- sparung in kWh/Jahr ausgedrückt wird,
beachten und mit den örtlich geltenden den, da sie den exakten Zeitpunkt von müssen die maßnahmenbezogenen Kos-
Tarifen zu berechnen (Abb. 2.11, S. 19). Ein- und Auszahlungen nicht berück- ten auf die Lebensdauer oder einen Nut-
Die Ergebnisse sind in die ökonomische sichtigen. zungszeitraum aufgeteilt und in Euro pro
Bewertung einzusetzen. Insgesamt sind den statischen Verfahren Jahr angegeben werden.
Um zu vergleichbaren Kostenkennwerten die dynamischen Verfahren vorzuziehen. Unter Verwendung des Annuitätenfaktors
zu kommen, wird eine einheitliche Der Rechenaufwand ist insbesondere bei lässt sich der Aufwand in die entspre-
Bezugsgröße festgelegt. Da die Gebäude Zuhilfenahme rechnergestützter Verfah- chende jährliche Belastung zur Finanzie-
für eine bestimmte Nutzung errichtet wer- ren kaum höher, dafür ist die Richtungs- rung der Maßnahme − gegebenenfalls
den, die sich in der Hauptnutzfläche sicherheit der Ergebnisse gegeben. zuzüglich der Kosten für Wartung und
(HNF) darstellt, lautet diese meist €/m2HNF. Dynamische Verfahren berücksichtigen Instandhaltung − umrechnen. Als
Sofern im Vorplanungsstand lediglich die im Gegensatz zu den statischen Verfah- Betrachtungszeitraum wählt man in der
Bruttogeschossfläche bekannt ist, wird ren den exakten Zeitpunkt von Ein- und Regel die Nutzungsdauer des Bauteils
daneben ergänzend die Bezugsgröße Auszahlungen. Ein Vorteil der dynami- oder der gebäudetechnischen Anlage.
€/m2BGF ausgewiesen. schen Investitionsrechnung ist ihre unein- Der ermittelte äquivalente Energiepreis ist
Bei der ökonomischen und ökologischen geschränkte Eignung zur absoluten und zunächst völlig unabhängig vom Energie-
Bewertung über den Lebenszyklus des relativen Bewertung von Investitionen. Bei träger, Energietarif und Wirkungsgrad der
Gebäudes ist es erforderlich, die Lebens- der absoluten Bewertung wird beurteilt, Energieumwandlung. In seine Berech-
dauer der Bauteile in die Bewertung ein- ob sich eine lnvestition lohnt, die relative nung gehen nur die aktuellen Investitions-
zubeziehen. Die in Abb. 2.12 angegebe- Bewertung dagegen dient der Auswahl kosten sowie die aktuellen Zinskonditio-
nen Lebenserwartungen beziehen sich der besten unter mehreren Alternativen. nen ein. Angegeben wird dabei, wie viel
auf den bisherigen Erfahrungszeitraum Grundlage der dynamischen Verfahren ist finanzielle Mittel je eingesparter kWh zur
mit gebäudetechnischen Systemen. die Zins- und Zinseszinsrechnung. Realisierung der Maßnahme aufzuwen-
Die tatsächliche Lebensdauer gebäude- Bei der Annuitätenmethode steht die den sind. Der äquivalente Energiepreis
technischer Anlagen hängt vor allem von Frage im Vordergrund, welches regel- kann anschließend mit energieträger- und
deren Eigenschaften, der Ausführungs- mäßige Einkommen durch eine Investi- umwandlungsspezifischen Kosten für die
qualität, der konkreten Beanspruchung tion sichergestellt wird. Sie eignet sich Bereitstellung von End- oder Nutzenergie
und der Wartung/Instandhaltung ab. Für insbesondere zur Bewertung von Inves- verglichen werden.
die Bewertung können Tabellenwerte titionen, bei denen sich eine Auszahlung Die Maßnahme ist dann vorteilhaft, wenn
für die mittlere Lebenserwartung als Ori- zu Beginn und regelmäßige Erträge der finanzielle Aufwand zur Einsparung
entierung angesetzt werden. Die tatsäch- bzw. Einsparungen gegenüberstehen. einer energetischen Einheit (kWh) kleiner
liche Lebenserwartung weicht ggf. hier- Dies ist u. a. bei der Verbesserung der ist als zu ihrer Erzeugung oder Bereitstel-
von ab. Die Kosten für Inspektion und energetischen Qualität im Rahmen einer lung. Beispiele für Größenordnungen gibt
Wartung, Reinigung sowie werterhalten- Modernisierungsmaßnahme der Fall. Abb. 2.14 wieder. Die Werte sind auf die
den Bauunterhalt sind in die Bewertung Hierbei handelt es sich um eine einma- beheizte Wohnfläche bezogen. Allerdings
einzubeziehen. lige Aufwendung, der anschließend sollten Maßnahmen nicht nur nach dem
Die Lebensdauer eines Gebäudes kann ein regelmäßiger Ertrag – hier in Form äquivalenten Energiepreis bewertet wer-
natürlich nicht vorausgesagt werden. Man eingesparter Energiekosten – gegen- den. Zusätzlich ist in jedem Fall das Ein-
kann lediglich versuchen, mithilfe von übersteht. sparpotenzial der Maßnahme gegenüber
Szenarien die über den Lebenszyklus Zur Berechnung der Annuität wird die der Ausgangslage als absolute oder rela-
wahrscheinlich auftretenden Aufgaben Einmalzahlung zu Beginn in eine regel- tive Größe anzugeben.

21
Gebäudetechnische Systeme

• Wärmeversorgung
• Kälteversorgung
• Luftversorgung
• Stromversorgung
• Wasserversorgung

Wärmeversorgung gieeintrag durch die Solarstrahlung über der dem Gebäude von einer Heizungsan-
transparente Hüllflächen verzeichnet lage zugeführt werden muss, damit bei
Die Wärmeversorgung von Gebäuden (passive Nutzung der Solarstrahlung). Die tiefster Norm-Außentemperatur im Winter
nimmt weltweit und insbesondere im Gebäudehülle sollte mit ihren Eigenschaf- die Norm-Innenraumtemperatur erreicht
europäischen Raum eine zentrale Position ten dazu beitragen, diese Bilanz mög- werden kann.
ein. Eine nachhaltige Gesamtkonzeption lichst ausgeglichen zu gestalten. Die Dif- Die Gesamt-Normheizlast als Summe der
sollte zunächst darauf abzielen, durch ferenz dieser Bilanzposten bestimmt den Normheizlasten aller Räume eines
bauliche Maßnahmen mit minimalem erforderlichen Heizwärmebedarf, der Gebäudes setzt sich aus der Norm-Trans-
Energiebedarf eine komfortable Nutzung über die Gebäudetechnik zugeführt wer- missionsheizlast ΦT und der Norm-Lüf-
des Gebäudes zu ermöglichen. Dies wird den muss. Da die internen Wärmequellen tungsheizlast ΦV zusammen.
in erster Linie durch die klimaoptimierte vor allem durch die Nutzungsart bestimmt Die Norm-Heizlast ΦHL für ein Gebäude
Konzeption von Baukörper, Gebäudehülle werden, liegt in der Minimierung der Ver- wird demnach wie folgt berechnet:
und Materialwahl erreicht. Der Gebäude- luste und der Maximierung der Solarge-
betrieb erfordert jedoch darüber hinaus in winne das Optimierungspotenzial der ΦHL = Σ ΦT + Σ ΦV
vielen Klimaregionen eine regelbare Gebäudehülle (Abb. 3.1).
Zufuhr von Wärme. Die hierfür eingesetz- Als Zielgröße (oder Kennwert) zur Bewer- Den größten Einfluss auf die Höhe der
ten Technologien beeinflussen wesentlich tung der passiven thermischen Leistungs- Heizlast übt dabei die Wärmedämmung
den Nutzerkomfort, aber auch die fähigkeit der Gebäudehülle kann der mitt- des Gebäudes aus. Je höher die Qualität
Umweltwirkungen des Objekts. Die lere Wärmedurchlasswiderstand der wär- der Gebäudehülle ist, desto größer wird
Gebäudetechnik zur Wärmeversorgung meübertragenden Umschließungsflächen der Einfluss der Lüftungsheizlast. Daher
wird somit in enger Abstimmung mit der dienen. Er gibt Aufschluss über die Größe werden in Zukunft verstärkt mechanische
Gebäudehülle als integraler Bestandteil der zu erwartenden Transmissionswärme- Lüftungsanlagen zum Einsatz kommen
des energetischen Gesamtkonzepts ver- verluste. Auch die Außenluftversorgung müssen, wenn mithilfe von Wärmerückge-
standen. Eine energieeffiziente Planung bei niedrigen Lufttemperaturen bildet winnungssystemen diese Lüftungsver-
der Gebäudehülle zeichnet sich dadurch einen Verlustfaktor, der mit zunehmender luste weiter reduziert werden sollen.
aus, dass die geforderten klimatischen Luftwechselrate an Bedeutung gewinnt. Durch heute übliche, hochwertige Gebäu-
Innenraumbedingungen ganzjährig mit Darüber hinaus dokumentiert der Vergla- dehüllen nimmt die Wärmeabgabe nach
geringem Energiebedarf und möglichst sungsanteil in Abhängigkeit von der Ori- außen immer mehr ab, dafür steigt in gut
weitgehend ohne aufwendige Energiever- entierung das mögliche Potenzial für die gedämmten Gebäuden die Bedeutung
sorgungstechnik sicherzustellen sind. Sie passive Nutzung der Solarstrahlung. Zur der inneren Wärmelasten. Vorhandene
setzt eine genaue Analyse der klimati- Verbesserung des winterlichen Wärme- passive Solareinträge durch große Fens-
schen Rahmenbedingungen und des verhaltens der Gebäudehülle sind in terflächen oder interne Lasten in Büroge-
Nutzungsprofils im Zusammenspiel aller Abstimmung mit der Gebäudetechnik bäuden können schon heute den Heiz-
Teilaspekte voraus. Eine energetisch opti- daher folgende Ziele aufeinander abzu- wärmebedarf übertreffen. Das langsame
mierte Gebäudehülle verfügt über eine stimmen: Auskühlen der Gebäude verringert
maximierte passive Leistungsfähigkeit • Flächenoptimierung und Hüllengeo- dadurch das Einsparpotenzial durch die
und bildet somit die Basis für zukunfts- metrie früher übliche Nachtabsenkung (Reduzie-
fähige Energiekonzepte. • Wärmedämmung opaker Bauteile rung der Heizmitteltemperatur bzw. der
Vorrangiges Ziel im winterlichen Wärme- • Wärmedämmung transparenter Bauteile Raumtemperatur in den Nachtstunden)
schutz ist, die im Gebäude vorhandene • passive Nutzung der Solarstrahlung des Wärmeerzeugers. Die Heizleistung
Wärme möglichst weitgehend zu erhalten. • Minimierung der Lüftungswärmeverluste des Wärmeerzeugers wird heute nicht
Bei den Verlustfaktoren wird unterschie- mehr wie früher alleine nach der Heizlast
den zwischen Transmissions- und Lüf- Wärmeversorgungssysteme bestimmt, sondern auch nach dem
tungswärmeverlusten. Auf der Gewinn- Zur Dimensionierung der Wärmeerzeuger Warmwasserkomfort. Das Trinkwarmwas-
seite sind die internen Wärmequellen und -verteilungsysteme sowie Heizflä- ser muss in der Regel ebenfalls über das
(Abwärme durch Personen, Beleuchtung chen muss die Norm-Heizlast berechnet Wärmeversorgungssystem erzeugt wer-
und elektrische Geräte) sowie der Ener- werden. Die Heizlast ist der Wärmestrom, den.

22
Wärmeversorgung

kWh/m 2 a
200
Die Heizlast ist das Kriterium für die Aus- zungsgrad erreicht je nach Betriebsver-
legung der Heizquelle und der Heizflä- hältnissen Werte bis zu 108 %. Dies ent- QS
chen. Die Norm-Heizlast wird in Watt (W) spricht bezogen auf den Brennwert etwa
angegeben und ist ein Begriff aus der 98 %. Heute wird versucht, bei der Wär- QS QL QI
Heizanlagentechnik. Dagegen wird mit meerzeugung auf fossile Brennstoffe zu
QL QI
dem Begriff Wärmebedarf die energeti- verzichten und stattdessen regenerative
sche Qualität eines Gebäudes bewertet. Energieträger zu benutzen. 100
Dieser wird in Kilowattstunden pro Jahr Einen wichtigen Baustein in Wärmever-
(kWh/a) berechnet und zum spezifischen sorgungsanlagen bilden Pufferspeicher,
Vergleich auf 1 m2 Nettowohn- bzw. Net- die als Ergänzung zu Heizkesseln eine
tonutzfläche bezogen. Eine Übersicht der ungleichmäßig anfallende Wärmeproduk- QT QH QT QH
Entwicklung der Energiestandards und tion ausgleichen. Pufferspeicher sind
deren Primärenergiekennwerte zeigt Wassertanks, in denen Heizungswasser
Abb. 3.2. gespeichert werden kann. Der Brennwert-
Für den Heizwärmebedarf eines Gebäu- Heizkessel und der Pufferspeicher lassen Verwaltungsgebäude Wohngebäude
des gibt es keine eindeutigen Grenz- sich auch in einem gemeinsamen Gerät a

werte, da die Energieeinsparverordnung kombinieren (Abb. 3.4, S. 24).

kWh/m 2 a
200
neben der Einhaltung eines Mindestwär- mögliche
Einflußnahme
meschutzes auch den Primärenergiebe- Biomasse-Heizkessel durch die
darf des Gebäudes begrenzt. Dieser Unter Biomasse werden alle organischen Gebäudehülle
kann unterschiedliche Werte annehmen, Stoffe verstanden, die durch Pflanzen und
je nachdem, welche Anlagentechnik Tiere entstehen. Neben Forstholz (Stück-
(Wärmeerzeugungsanlage) gewählt wird. holz, Hackschnitzel) eignen sich vor allem
Energetisch ungünstige Maßnahmen bei auch industriell weiterbearbeitete Holz- 100
der Dämmung des Gebäudes lassen sich produkte (Pellets) als Energiequelle für
durch eine energieeffiziente Anlagentech- eine Raumwärmenutzung in Gebäuden.
nik und umgekehrt kompensieren. Biomasse-Heizanlagen sind CO2-neutrale QS
QL QS QL
Dadurch wird der gestalterische Spiel- und technisch ausgereifte Systeme und QI QI
raum eines Architekten erhöht. Das früher bieten damit eine ökonomisch nachhal-
entscheidende A/V-Verhältnis wird bei tige Lösung. Holz ist ein heimischer Roh- QT QH QT QH

der energetischen Betrachtung von stoff mit einem zudem hohen Grad an
Gebäuden heute immer unwichtiger. Eine zuverlässiger Versorgungssicherheit. Bio- Verwaltungsgebäude Wohngebäude
ungünstige Gebäudeform lässt sich masse-Heizanlagen stellen jedoch spezi- b 3.1
durch eine intelligente Anlagentechnik fische Anforderungen an das Gebäude.
400
kWh/m²a

ausgleichen. Eine frühzeitige Abstimmung unter den Haushaltsstrom


Lüfterstrom
Planungsbeteiligten ist unumgänglich, 350 Warmwasser
Wärmeerzeugung damit die baulichen Erfordernisse (Lager- Heizung
300
Die in den fossilen Brennstoffen Öl und raum, Brennstoffanlieferung etc.) in den
Gas gespeicherte chemische Energie Planungsprozess entsprechend einfließen 250
wird in Heizkesseln mithilfe von Brennern können. Biomasse-Heizsysteme werden
in thermische Energie umgewandelt. Eine in automatische und manuell beschickte 200

höchstmögliche Brennstoffausnutzung Systeme untergliedert. Während für klei- 150


bieten Brennwert-Heizkessel, welche die nere Gebäude manuell zu bedienende
im Wasserdampf des Heizgases enthal- Systeme geeignet sein können, sollten für 100
tene Latentwärme durch einen Kondensa- die Beheizung größerer Gebäude nur
50
tionsvorgang nutzbar werden lassen. Der automatisch beschickte Systeme genutzt
auf den Heizwert bezogene Normnut- werden. Die zwei üblichsten Energieträ- 0
Passivhaus
EnEV 2002

EnEV 2009

EnEV 2012
WSVO 84

WSVO 95
Bestand

Wärmequellen Wärmepumpe geeignete Vor- Heizwärme- Kombination andere


erforderlich lauftemperatur speicherung mit Wärmenetz wichtige
bei der Wärme- erforderlich Parameter
verteilung 3.2
oberflächennahe
ja niedrig nein selten
Geothermie
Umgebungsluft ja niedrig nein nein geringe Effizienz
3.1 Wärmegewinne und -verluste in unterschied-
Biomasse- lichen Gebäudetypen
nein niedrig bis hoch ggf. möglich
feuerung (QL = Lüftungswärmeverluste, QT = Transmis-
sionsverluste, QS = solare Einstrahlung, QH =
Zusatzheizung
Solar nein niedrig ja möglich Heizwärmebedarf, Qi = interne Wärmequellen)
erforderlich a im Bestand
je nach Tem- b Niedrigenergiestandard
Abwärme niedrig bis hoch nein fast immer 3.2 Entwicklung der energetischen Standards
peraturniveau
in Deutschland und jeweilige Verteilung des
Abwasser ja niedrig nein fast immer Energiebedarfs auf einzelne Verbraucher in
BHKW nein niedrig bis hoch nein fast immer Gebäuden
3.3 Einfluss unterschiedlicher Wärmequellen auf die
Tiefengeothermie nein niedrig bis hoch nein fast immer
Planung haustechnischer Anlagen
3.3
23
Gebäudetechnische Systeme

ger für automatische Heizsysteme in grö- sierung) arbeiten nach dem gleichen,
ßeren Gebäuden sind Pellets und Hack- linkslaufenden Carnot-Prozess (Abb. 3.8).
schnitzel. Der Heizkessel sollte in unmit- Die Wärme indirekt gespeicherter Son-
telbarer Nähe zum Lagerraum aufgestellt nenenergie aus Luft, Wasser und Erd-
werden können, da lange Fördereinrich- reich, aber auch Prozesswärme aus
tungen zu erhöhten Störanfälligkeiten füh- Abwasser und Abluft können im Prozess
ren (Abb. 3.5). Automatische Biomasse- aufgenommen werden (Abb. 3.9). Die am
Heizsysteme bieten heute einen ver- häufigsten genutzte Wärmequelle ist die
gleichbaren Heizungskomfort wie her- Außenluft, die jedoch die niedrigste Ener-
kömmliche Heizsysteme, die mit Öl oder giedichte besitzt. Grundwasser als Wär-
Gas betrieben werden. Ihr Jahresnut- mequelle bietet ganzjährig ein gleichmä-
zungsgrad liegt bei ungefähr 70 – 75 %. ßiges, relativ hohes Temperaturniveau
und damit eine günstige Jahresarbeits-
Holzhackschnitzel-Kessel zahl. Es erfordert jedoch höhere Investiti-
Holzhackschnitzel sind zerkleinertes Holz onskosten und ist nicht überall einsatzfä-
3.4 (5 – 50 mm lang) und werden z. B. aus hig. Bei der Nutzung oberflächennaher
Waldholz, Sägerestholz oder Holz aus der Geothermie über Bohrpfähle oder Erd-
Ver- und Bearbeitung hergestellt. Die sonden spielen die Bodenbeschaffenheit
Qualität der Hackschnitzel hängt vom und der Feuchtegehalt des Erdreichs
Rohstoff und vom Häckselprozess ab. eine wichtige Rolle (Abb. 3.10). Aus
Durch den Vorteil der Schüttfähigkeit im Frostschutzgründen wird für die Nutzung
Vergleich zum Scheit- und Stückholz wird der Wärmequellen ein Wasser-Glykol-
eine Verfeuerung in vollautomatischen Gemisch als Wärmeträgermedium ver-
Heizungsanlagen möglich (Abb. 3.6a). wendet, damit ein Einfrieren der Rohrsys-
Der Energieinhalt der trockenen Späne teme ausgeschlossen werden kann.
(Wassergehalt < 25 %) beträgt ca.
3,6 kWh/kg und somit nur etwas mehr als Kältemittel
ein Drittel des Heizwertes von einem Liter Als Arbeitsmittel für die Energieübertra-
leichtem Heizöl. gung im Wärmepumpenprozess werden
Kältemittel eingesetzt, die je nach Ein-
Pelletkessel satzzweck unter Berücksichtigung mehre-
3.5 Holzpellets werden industriell aus trocke- rer Kriterien ausgewählt werden:
nen Sägespänen oder Sägemehl erzeugt. • Die thermodynamischen Daten des
Es sind genormte, zylindrische Presslinge Prozesses sollten auf die Anwendung
mit einem Durchmesser von ca. 4 bis abgestimmt sein. Das bedeutet, dass
10 mm und einer Länge von 20 bis das eingesetzte Kältemittel bei der vor-
50 mm. Diese Energieträger werden voll- handenen Prozesstemperatur ver-
7 automatisch vom Pelletslager in den Heiz- dampfbar sein muss. Kondensation und
kessel befördert. Die Anlagen sind ab Verdampfung müssen bei einem Druck-
einer Leistungsgröße von ca. 2,5 kW ver- und Temperaturniveau erfolgen, welche
fügbar und erreichen heute den Bedien- für die Anwendung sinnvoll sind.
2 komfort von Öl- bzw. Gaskesseln (Abb. • Die Verdampfungsenthalphie (Wärme-
1
3.6b). Durch den Pressvorgang wird das aufnahmevermögen) sollte möglichst
3 Volumen der Holzreststoffe erheblich groß sein.
5 reduziert und es entsteht ein homogener • Ein möglichst gutes Verhältnis von Käl-
8 Brennstoff mit einem Energieinhalt von teleistung zu Antriebsleistung muss
a ca. 5 kWh/kg bei einer Dichte von ca. erreichbar sein.
650 kg/m3. In Deutschland sind derzeit • Das Kältemittel muss gute Wärmeüber-
(Stand 2010) ca. 100 000 Anlagen in tragungseigenschaften besitzen.
Betrieb – Tendenz steigend. Die Erzeu- • Ferner sollten Kältemittel ungiftig und
7 gung einer Kilowattstunde Heizwärme nicht brennbar sein sowie möglichst
kostet etwas über vier Cent und damit gute Verträglichkeiten mit der Umwelt
deutlich weniger als bei einer Heizöl- und den Anlagenkomponenten aufwei-
oder Erdgasheizung (ca. sechs bzw. fünf sen.
Cent pro Kilowattstunde).
Der Einsatz von Kältemitteln wurde auf-
6 Wärmepumpen grund ihres Treibhauspotenzials und ihrer
4 Wärmepumpen sind Heizsysteme, mit ozonschädigenden Wirkung in den letz-
deren Hilfe es möglich wird, technisch ten Jahren reglementiert. Die Umweltver-
1
3 direkt nicht nutzbare Wärme (Anergie) auf träglichkeit von Kältemitteln wird über fol-
5 ein verwertbares Niveau (Exergie) anzu- gende drei Kennzahlen beurteilt:
8 heben. Wärmepumpen und Kältemittel- • Ozonabbau-Potenzial (Ozone Depletion
b kreisläufe für die Kühlung (Raumklimati- Potential/ODP/R11-Äquivalent):
3.6

24
Wärmeversorgung

Der Chloranteil im Molekül des Kältemit- Brennstoff Heizwert Platzbedarf bezogen auf Energieinhalt
tels bestimmt den Grad der Schädlich- Feste Brennstoffe
Holzpellets 5,1 kWh/kg 0,35 m3/MWh
keit. R 11 wurde wegen seines hohen Holzhackschnitzel 5,1 kWh/kg 0,9 –1,3 m3/MWh
Chloranteils als Bezugsgröße zur Stückholz (gestapelt) 5,1 kWh/kg 0,5 – 0,7 m3/MWh
Bewertung des Ozonabbau-Potenzials Flüssige Brennstoffe
herangezogen (der ODP-Wert von R 11 Rapsöl 10,3 kWh/kg 0,10 m3/MWh
ist mit 1,0 definiert). Biodiesel 10,2 kWh/kg 0,11 m3/MWh
Ethanol 7,4 kWh/kg 0,17 m3/MWh
• Treibhauspotenzial (Global Warming Heizöl extraleicht 11,9 kWh/kg 0,10 m3/MWh
Potential/GWP/CO2-Äquivalent): Gasförmige Brennstoffe
Zur Bewertung des Treibhauspotenzials Biogas 6,0 kWh/m3 166 m3/MWh
wurde das Treibhausgas Kohlendioxid Erdgas 10,0 kWh/m3 100 m3/MWh
(CO2) als Bezugsgröße definiert. Der 3.7
GWP-Wert beschreibt das Treibhauspo-
tenzial im Verhältnis zu Kohlendioxid
(CO2). 1 kg R 22 (GWP = 1650) hat in
der Atmosphäre das gleiche Treib-
hauspotenzial wie 1650 kg CO2. z.B. 45 C
• Total Equivalent Warming Impact Kondensator
(Wärmeabfuhr)
(TEWI): Hauswärmeversorgung
Der TEWI-Wert berücksichtigt neben
der Leckrate der Anlage und der Recy- Drosselventil Verdichter G
cling-Rate auch die CO2-Emissionen, techn. Arbeit Elektrizität
die beim Betrieb der Kälteanlage auf- Kraftwerk
Verdampfer
grund des Energiebedarfs (Verdichter- (Wärmeaufnahme) z.B. 10 C
antriebsleistung) entstehen.
Erdreich mit Erdkollektor
Leistungszahl
Um das Leistungsvermögen des Kältemit-
telkreislaufs beurteilen zu können, werden 3.8
Nutzen und Aufwand ins Verhältnis
gesetzt. Diese Kennzahl wird Leistungs-
zahl (Coefficient of Performance/COP)
Erdwärme- Erdwärme- Grund- Luft Massiv-
genannt: kollektor sonde wasser absorber
Verfügbarkeit vorzugsweise überall nach örtlicher überall im Neubau
εw = Q/P = (Q0 + P)/P bei Freiflächen Verfügbarkeit
Platzbedarf hoch gering gering gering gering
εw = Leistungszahl Durchschnittstem- - 5 bis +5 °C 0 bis 10 °C 8 bis 12 °C - 25 bis +15 °C - 3 bis +5 °C
Q = Nutzwärmestrom peratur im Winter
P = Kompressorantriebsleistung wasserrechtlich nein fast immer immer nein nein
genehmigungs-
pflichtig
Jahresarbeitszahl typische Jahres- 4,0 4,5 4,5 3,3 –
Bei der Jahresarbeitszahl werden Nutzen arbeitszahl ß der
Wärmepumpe
und Aufwand über ein Jahr ermittelt. In
dieser Kenngröße werden auch Hilfs- und 3.9
Peripheriegeräte, wie z. B. Umwälzpum-
pen und Regelungsanlagen berücksich-
tigt (Abb. 3.11, S. 26). Untergrund spezifische Entzugsleistung
Für den Betrieb der Wärmepumpe wird bei 1800 h bei 2400 h
elektrische Energie benötigt, die den trockener, nicht bindiger Boden 10 W/m2 8 W/m2
energetischen Wirkungsgrad des Sys- feuchter, bindiger Boden 20 – 30 W/m 2
16 – 24 W/m2
tems deutlich vermindert. Je geringer die wassergesättigter Sand/Kies 40 W/m 2
32 W/m2
Temperaturdifferenz zwischen der Wär-
3.10
mequelle und der Heizmitteltemperatur
ist, desto höher wird der Wirkungsgrad
des Wärmeerzeugungssystems. Die Wär-
meabgabe im Gebäude sollte daher 3.4 Brennwertheizkessel mit integriertem 6 Ventilator
Pufferspeicher 7 Wärmetauscher
möglichst über Flächenheizsysteme mit 3.5 Pelletlagerraum 8 Revisionsöffnung
niedrigen Systemtemperaturen erfolgen. 3.6 Feuerungsanlagen für holzartige Energieträger 3.7 Heizwerte und Platzbedarf unterschiedlicher
Grundsätzlich werden zwei Arten von a Hackgutkessel Brennstoffe
b Pelletkessel 3.8 Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdkollektor
Wärmepumpen unterschieden: Die Kom- 1 Förderschnecke 3.9 Vergleich unterschiedlicher Wärmequellen für
pressionswärmepumpe arbeitet mit einem 2 Brennkammer Wärmepumpen
3 Brennteller 3.10 Richtwerte für den Wärmeentzug von Erdwärme-
geschlossenen Kreislauf, in dem ein Käl- 4 Elektrozündung kollektoren nach VDI 4640 (Entzugsleistungen
temittel über einen Verdampfer, Kompres- 5 Aschenbox für Erdsonden siehe Abb. 3.69, S. 40)

25
Gebäudetechnische Systeme

Bedeutung Aussage sor (Verdichter), Kondensator (Verflüssi-


Leistungszahl ε Verhältnis von angegebener Wärmeleistung Effizienz der Wärmepumpe ger) und ein Expansionsventil geleitet
zu aufgenommener, elektrischer Antriebsleistung bei Prüfbedingungen
zu einem bestimmten Zeitpunkt und für bestimmte
wird. Kompressionswärmepumpen wer-
Temperaturverhältnisse den überwiegend bei kleineren Wärme-
Jahresarbeits- Verhältnis der pro Jahr gelieferten Heizwärme (Q) Effizienz der gesamten pumpenanlagen eingesetzt. Die Wärme-
zahl β zur benötigten Antriebsenergie (W). Dient u.a. Wärmepumpen-Heizungsanlage übertragung bei der Absorptionswärme-
zur Ermittlung betriebsbedingter Schwankungen.
pumpe beruht hier auf einem physika-
Jahresaufwands- Kehrwert der Jahresarbeitszahl; bezeichnet Effizienz der gesamten
zahl das Verhältnis der Antriebsenergie Wärmepumpen-Anlage lisch-chemischen Prozess in einem
zur gelieferten Heizwärme. nach VDI 4650 Lösungsmittelkreislauf. Die notwendige
3.11 Energiezufuhr zur Druck- und Tempera-
turerhöhung erfolgt hier jedoch durch
eine Wärmequelle.

2 t CO2 Zeolith-Heizgerät
Zeolith-Heizgeräte sind Adsorptionswär-
Erdgasheizung
10 MWh mepumpen, die auf Basis des Stoffsys-
10 MWh Heiz-
Primärenergie wärme tems Zeolith und Wasser arbeiten. Der
(Erdgas) Unterschied zur Absorptionswärme-
a pumpe besteht darin, dass das Kältemit-
tel an der Oberfläche eines Feststoffes
1,65 t CO2 angelagert wird. Es handelt sich dabei
Kraftwerk 2,9 MWh 2,9 MWh Wärmepumpe um wasserhaltige Alkali- bzw. Erdalkali-
Elektrizität Elektrizität
7,6 MWh 10 MWh Aluminium-Silikate mit wechselndem
Primärenergie Heiz-
(Kohle, Gas, Wassergehalt. Beim Erhitzen können die
wärme
Uran) Kraftwerks- Zeolithe ohne Störung des Kristallgitter-
abwärme
4,7 MWh 7,1 MWh baus das gebundene Wasser abgeben
Umgebungswärme
b und dafür andere Verbindungen und
Ionen aufnehmen. Im Umkehrfall kann die
entstehende Wärme als Heizwärme
0 t CO2
genutzt werden.
Sonne / Wind etc. 2,9 MWh 2,9 MWh Wärmepumpe Wie Absorptionswärmepumpen werden
Elektrizität Elektrizität
10 MWh diese Anlagen mit Wärme statt mit Strom
Heiz- angetrieben. Es kommen in diesem Fall
3.12 wärme
jedoch zwei Wärmequellen zum Einsatz:
7,1 MWh eine Gasbrennwerttherme, die den
Umgebungswärme
Prozess antreibt, sowie eine Umweltwär-
c 3.13
mequelle. Wasser wird als völlig unbe-
denkliches Kältemittel eingesetzt. Es kön-
nen Wirkungsgrade im Jahresdurch-
100
CO 2 - Reduzierung (%)

schnitt von bis zu 135 % erreicht werden


Normnutzungsgrad (%)

150
135% 90 (Abb. 3.14). Erste im Einsatz befindliche
Umwelt- 80 Heizgeräte weisen Heizleistungen von ca.
wärme 10 kW in modulierender Betriebsweise
108 % 70
Kondensa- auf. Sie eignen sich damit zur Beheizung
100 93 % tionswärme 60 von Wohngebäuden.
50

40
Effizienz
sensible 30%
Eine Wärmepumpenheizung ist nicht
50 30
Wärme ohne weiteres deutlich günstiger und
20%
20 nicht unbedingt ökologisch sinnvoller als
10 eine gut ausgelegte Heizkessel-Heizung.
0 0
Nur wenn regenerative Energiequellen für
Heizwert- Brennwert- Zeolith-Wasser- verglichen mit verglichen mit
den Kompressorantrieb verwendet wer-
gerät gerät Heizgerät Heizwert Brennwert den, verbessert sich die CO2-Bilanz auf
3.14 jeden Fall (Abb. 3.13). Überwiegend wer-
den die Kompressoren von Wärmepum-
pen durch elektrische Energie angetrie-
3.11 Kennwerte für Wärmepumpen 3.14 Normnutzungsgrade verschiedener Heizsyste- ben. Angesichts aktueller Wirkungsgrade
3.12 Luft-Wasser-Wärmepumpe me und CO2-Einsparung durch Zeolith-Heizgerät von ca. 33 % bei der Stromerzeugung in
3.13 beispielhafte Energie- und CO2-Bilanzen 3.15 Energieeffizienz dezentraler Kraft-Wärme-Kopp-
a Erdgasheizung mit Brennwerttechnik lung und getrennter Energieerzeugung konventionellen Kraftwerken ist beim Wär-
b Kompressionswärmepumpe, mit konventionel- 3.16 Kombination mehrerer BHKW und eines Heiz- mepumpenprozess eine Jahresarbeits-
lem Strom betrieben kessels zur Deckung von Spitzenlasten
c Kompressionswärmepumpe, mit regenerati- 3.17 schematischer Aufbau eines Mini-BHKW
zahl von ca. 3 erforderlich, damit die
vem Strom betrieben 3.18 Mikro-BHKW für den Betrieb mit Pflanzenöl Energie- und CO2-Bilanz nicht negativ

26
Wärmeversorgung

62 kWh
ausfallen. Eine direkte Verfeuerung der und Stromgrundlasten. Zusätzliche Ver- BHKW
100 kWh Wärme
Primärenergieträger wäre andernfalls sorgungssysteme zur Deckung von Spit- ηth = 62 % 28 kWh
ηel = 28 %
ökologisch sinnvoller. Unterstellt man zenlasten können erforderlich werden. Strom
künftige Effizienzsteigerungen bei der 10 kWh Verluste
Stromerzeugung im Kraftwerkspark, wer- Kraftwerke
den Wärmepumpen in wenigen Jahren Bei Kraftwerken erfolgt die Wärmeaus-
bereits mit einer Jahresarbeitszahl von kopplung der Heizwärme durch Konden- 73 kWh Heizkessel
62 kWh
2,5 besser abschneiden als ein mit fossi- sation von Wasserdampf aus dem indust- ηth = 85 %
Wärme
len Energieträgern befeuerter Brennwert- riellen Prozess. Dieser Wasserdampf 153 kWh
heizkessel. treibt Turbinen an, welche über einen 11 kWh Verluste
Es gibt allerdings mehrere Ursachen Generator für die Stromerzeugung sor- 80 kWh Kraftwerk
dafür, dass die im Voraus berechneten gen. Die Heizwärme wird mit einer Fern- 28 kWh
ηel = 35 %
Strom
Arbeitszahlen im Jahresmittel oft nicht wärmeleitung zu den Verbrauchern trans-
erreicht werden: portiert. 52 kWh Verluste
• überdimensionierte Hilfsantriebe (z. B. 3.15
Umwälzpumpen für Solekreisläufe) Blockheizkraftwerke

thermische Leistung (%)


100
• Auslegung des Wärmeverteilsystems Blockheizkraftwerke (BHKW) werden
mit zu hohen Vor- bzw. Rücklauftempe- vorzugsweise am Ort des Wärmever-
raturen brauchs eingesetzt. Der Generator wird in 80
• ungünstige hydraulische Einbindung in diesem Fall durch einen Verbrennungs-
das Wärmeverteilsystem mit hohen motor (Dieselmotor oder Gasturbine) Spitzenlast-Wärmeerzeuger
60
Taktfrequenzen der Wärmepumpe angetrieben (Abb. 3.17). Die Abwärme
• nicht angepasstes Regelungssystem des Motors wird als Heizwärme verwen-
bzw. eine falsche Anlagenprogrammie- det. Die Stromausbeute wird durch die 40
rung Verwendung der Motorabwärme nicht
beeinflusst, allerdings ist das Temperatur-
20
Diese Faktoren bewirken, dass Wärme- niveau der Abwärme dadurch auf ca. BHKW 2
pumpenanlagen den wirtschaftlichen und 70 – 90 °C festgelegt.
ökologischen Ansprüchen oft nicht In den letzten Jahren wurden häufig 0 BHKW 1
gerecht werden. Die Installation einer BHKWs eingesetzt, die mit Palmöl betrie- 2000 4000 6000 8000
Wärmepumpe muss daher stets pro- ben wurden. Für die Palmölgewinnung Benutzungsstunden (h/ a)
jektspezifisch geplant und ausgeführt bzw. -produktion werden in den feuchten 3.16
werden. Tropenländern jedoch sehr oft Regenwäl-
der abgeholzt und es muss daher darauf gedämmtes Gehäuse
Kraft-Wärme-Kopplung geachtet werden, dass dieser Brennstoff
Schall-
Die gleichzeitige Gewinnung von mecha- aus einem nachhaltigen Anbauprozess dämpfer
nischer Energie (Umwandlung in Strom) stammt. Bei der Palmölproduktion können Abgas-
und Wärme in einer Anlage wird als Kraft- darüber hinaus ungeheure Mengen wärme- Vorlauf
tauscher Heizungs-
Wärme-Kopplung (KWK) bezeichnet. Der Methan entstehen, die ein wesentlich grö- wärme-
Gesamtwirkungsgrad bei der Kraft- ßeres Ozonabbau-Potenzial besitzen als tauscher
Wärme-Kopplung (erzeugter Strom und Kohlendioxid. In diesen Anbauregionen Kraftstoff Gene- Rücklauf
Motor
rator
nutzbare Wärmeenergie bezogen auf die bewähren sich Kombinationen mit nach-
eingesetzte Brennstoffenergie) liegt bei geschalteten Biogasanlagen.
ca. 80 – 95 % und ist damit deutlich höher
als der Wirkungsgrad eines konventionel- Mikro-KWK-Anlagen schallentkoppelte
= Aufstellung
len Kraftwerks (Abb. 3.15). Um die ent- Mikro-KWK-Anlagen sind kleine Kraft- ~
öffentliches
sprechende Heizleistung und den Strom Wärme-Kopplungs-Anlagen, die in Stromnetz Hausnetz
in konventionellen getrennten Kraftwerken Wohngebäuden eingesetzt werden kön- 3.17
zu erzeugen, müssen ca. 50 – 60 % mehr nen (Abb. 3.18). Die Obergrenze der
Brennstoff als bei KWK-Prozessen einge- elektrischen Leistungsfähigkeit beträgt
setzt werden Der deutsche Kraftwerks- nach Definition des Bundesverbands
park erreicht bei der Stromerzeugung KWK e.V. 15 kW. Neben Brennstoffzellen,
derzeit einen durchschnittlichen Wir- Dampf- und Stirlingmotoren sowie Mikro-
kungsgrad von ca. 33 %. gasturbinen werden vor allem Verbren-
Neben der Wärmeauskopplung in Kraft- nungsmotoren als Antriebstechnologien
werken wird dieser Prozess auch bei eingesetzt. Die meisten werden mit Erd-
dezentral angeordneten Blockheizkraft- gas betrieben.
werken oder Brennstoffzellen angewen- Durch die relativ hohen Investitionskosten
det. Bei allen KWK-Anlagen sollte aus beträgt der Marktanteil dieser Systeme im
ökonomischen Gründen immer auf eine Wärmeerzeugermarkt für Wohngebäude
lange Laufzeit der Anlagen geachtet wer- noch deutlich unter 1 %. Wie bei allen
den. Daher eignen sich solche Systeme KWK-Anlagen sollte auf eine hohe Lauf-
hautsächlich zur Deckung von Wärme- leistung der Anlagen geachtet werden.
3.18

27
Gebäudetechnische Systeme

Brennstoffzelle
In einer Brennstoffzelle wird Strom in der
Regel aus dem Energieträger Wasserstoff
direkt auf elektrochemischem Weg
gewonnen. Bei der Reaktion von Wasser-
stoff mit Sauerstoff entsteht Wärme, die
ausgekoppelt wird und zu Heizzwecken
genutzt werden kann (Abb. 3.22). Wie bei
einem Blockheizkraftwerk wird die Strom-
ausbeute durch die Wärmeentnahme
nicht beeinflusst, allerdings ist das Tem-
peraturniveau der Abwärme ebenfalls auf
ca. 70 °C (bei der PEM-Zelle) festgelegt.
Eine Übersicht über die derzeit verfügba-
ren Brennstoffzellentypen zeigt Abb. 3.23.
3.19 3.20 Die Polymerelektrolyt-Membran-Brenn-
Luftzufuhr Abgas
H2O / CO2 stoffzelle (Polymer Electrolyte Membrane
Haus-
Fuel Cell, PEMFC) ist der heute in der
zentrale Gebäudetechnik am häufigsten einge-
Brennstoff- Steuerung setzte Brennstoffzellentyp. Ihre Funktions-
zelle
Spitzen-
weise verdeutlicht Abb. 3.24. Diese Nie-
brenner dertemperatur-Brennstoffzelle wandelt
Vorreformer chemische Energie unter Verwendung
von Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2)
Wärme-
speicher Befeuchter Strom- in elektrische Energie um. Eine Polymer-
= netz
+
membran, die mit einer katalytisch aktiven
Erdgas
– Elektrode beschichtet ist, dient als Elekt-
Entschwefler ~ rolyt. H2-Moleküle zerfallen auf der Ano-
denseite und werden unter Abgabe von
Erdgas Luft
kaltes Wasser Wärme zwei Elektronen zu je zwei Protonen
warmes Wasser Abgas (Wasserstoffkern H+) oxidiert. Diese Pro-
3.21 3.22 tonen diffundieren durch die Membran.
Bezeichnung Elektrolyt mobiles Gas der Gas der P (kW) T (°C) η (%) Auf der Kathodenseite wird Sauerstoff
Ion Anode Kathode durch die Elektronen, die zuvor in einem
alkalische Brenn- KOH OH- H2 O2 10 – 100 < 80 60 –70 äußeren Stromkreis elektrische Leistung
stoffzelle (AFC) verrichten konnten, reduziert. Zusammen
Polymerelektrolyt- Polymer- H+ H2 O2 0,1 – 500 60 – 80 35 mit den durch den Elektrolyt transportier-
Membran-Brenn- Membran ten Protonen entsteht Wasser. Die Anode
stoffzelle (PEMFC)
und die Kathode werden an den elektri-
Direktmethanol- Polymer- H+ CH3OH O2 < 0,001 – 90 –120 40
Brennstoffzelle Membran 100 schen Verbraucher angeschlossen, damit
(DMFC) elektrische Leistung erzielt werden kann.
Phosphorsäure- H3PO4 H3O+ H2 O2 < 10 000 200 38 Für die Beheizung von Gebäuden sind
Brennstoffzelle Brennstoffzellen heute ohne eine finanzi-
(PAFC)
elle Förderung wirtschaftlich noch nicht
Schmelzkarbonat- Alkali- CO32- H2, CH4, O2 100 000 650 48 sinnvoll einsetzbar. Die Brennstoffzellen-
Brennstoffzelle Carbonat- Kohlegas
(MCFC) Schmelzen technologie ist jedoch ein vielverspre-
Festoxid-Brenn- oxidkerami- O2- H2, CH4, O2 (Luft) < 100 000 800 –1000 47 chendes Konzept für umweltschonende
stoffzelle (SOFC) scher Elektrolyt Kohlegas Heiztechnik. Sie kann bei wirtschaftli-
3.23 cher Verwendung wertvoller Ressourcen
einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz
Anode Kathode
leisten.
3.19 Mini-BHKW mit Freikolben-Stirlingmotor - +
3.20 Freikolben-Stirlingmotor für Mini-BHKW
Wasserstoff kann für künftige Energiever-
3.21 Brennstoffzellen-Hausenergiezentrale ℮- sorgungssysteme eine wichtige Rolle als
3.22 schematischer Aufbau eines Brennstoffzellen- Wasserstoff H 2 Luft / Sauerstoff O2
Energieträger einnehmen. Da er in der
BHKW
3.23 Übersicht verfügbarer Brennstoffzellen Natur jedoch nicht als Rohstoff vorkommt,
3.24 Funktionsweise einer PEM-Brennstoffzelle 2H2-4℮- = 4H+ O2+4℮- = 2O-- müssen die sehr energieintensiven ther-
3.25 Funktionsschema eines Solarflachkollektors +
H mochemischen Verfahren zur Wasser-
3.26 Vergleich von Emissivität und Wärmeleitung
a normales Blech stoffherstellung weiterentwickelt und opti-
b selektiver Absorber miert werden. Bei der vergleichenden
3.27 solare Einstrahlung auf die Kollektorfläche in
Abhängigkeit von deren Ausrichtung Wasser ökologischen Bewertung unterschiedli-
3.28 Wirkungsgrade und Einsatzgebiete unterschied- cher Energiekonzepte muss bei diesen
licher Kollektortypen in Abhängigkeit von der Ar-
beitstemperatur. Maßgeblich ist die Temperatur- Wärme Polymer- 2O --+4H+= 2H2O Wasserstofftechnologien vor allem auch
differenz zwischen Außenluft und Absorber. (80 ˚C) elektrolyt die Wasserstoffgewinnung neben dem
3.24
28
Wärmeversorgung

Transport und der Nutzung betrachtet lungstechnik maßgeblich Einfluss auf die Gewinne
werden. Energieströme ausgeübt werden kann. Verluste

Das Ziel der aktiven Systeme zur Wärme- Regen, Wind,


Stirlingmotor versorgung ist eine möglichst weitrei- direkte Schnee
Strahlung
Der Stirlingmotor ist ein Heißgasmotor, chende zeitliche Entkopplung der nutzba-
bei dem das Gas innerhalb des Motors ren Wärmemenge von der Solarstrahlung. Reflexion Gehäuse
verbleibt. Abgesehen von einer evtl. Hier kommt dem Speicher in Kombination diffuse
durch eine Verbrennung betriebenen mit der Regelungstechnik eine entschei- Strahlung Isolation
externen Wärmequelle arbeitet dieser dende Funktion im Gesamtsystem zu
Wärmestrahlung Konvektion
Motor ohne Abgasemissionen. Der Stir- (siehe S. 33ff.).
Scheibe
lingmotor (Abb. 3.21) benötigt im Gegen- Das Grundprinzip der solarthermischen Absorber
satz zum Ottomotor keinen besonderen Nutzung ist die Umwandlung von kurz- Nutzleistung
Treibstoff, da er lediglich auf die Zu- und welliger Solar- in langwellige Wärmestrah-
Abfuhr von Wärme angewiesen ist. Es ist lung. Dieser Prozess findet beim Auftref-
dabei unerheblich, woher die Wärme fen von Licht auf Materie statt und ist 3.25
stammt. Neben fossilen Energieträgern bezüglich seiner Intensität abhängig von
Emissivität
wie Öl und Gas können auch regenera- der Absorptionsfähigkeit des Materials (Wärmeabstrahlung) Reflexion
tive Energieträger wie Sonnenenergie, (Abb. 3.26). Bei einem idealen Absorber
Geothermie oder verfügbare Prozessab- sind Reflexion und Transmission mini-
wärme genutzt werden. Gegenüber kon- miert, zugleich soll die absorbierte Wär-
ventionellen Blockheizkraftwerken weisen meenergie nicht abgestrahlt, sondern solare Absorption
Wärmeleitung
Stirlingmotoren als Antriebseinheit in klei- möglichst weitgehend über Wärmeleitung (nutzbare Wärme)
nen BHKW-Modulen viele Vorteile auf: an das Trägermedium übertragen wer- a
Durch die geschlossenen Arbeitsräume den. Das führte zur Entwicklung von
Emissivität
im Stirlingmotor können Rückstände aus selektiven Absorbermaterialien, die tech- (Wärmeabstrahlung) Reflexion
evtl. Verbrennungsvorgängen nicht in das nisch bedingt meist dunkelblau bis
Motorinnere gelangen. Dies bewirkt einen schwarz sind. Es sind auch andere Far-
geringen Verschleiß und begünstigt damit ben möglich, dadurch wird die Leistungs-
lange wartungsfreie Laufzeiten. Die War- fähigkeit jedoch vermindert. solare Absorption
Wärmeleitung
tungsintervalle betragen bis zu 6000 Um Wärmeverluste an die Umgebung zu (nutzbare Wärme)
Stunden. Die Betriebskosten liegen deut- verringern, werden die Absorber in der
b
lich unter denen von Gas-Ottomotoren. Regel zu Kollektoren erweitert, die auf der 3.26
Zudem betragen die Schadstoffemissio- sonnenabgewandten Seite gedämmt und
nen von Stirling-Brennern heutiger Tech- auf der sonnenzugewandten Seite mit
nologie nur etwa ein Zehntel der Werte einer hochtransparenten Abdeckung aus
von Gas-Ottomotoren mit Katalysator. Der speziellen Solargläsern versehen sind. 15°

87 74
30° 60
Motor arbeitet sehr geräusch- und vibrati- Der Kollektor wird von einem Wärmeträ- 45° 109
100
91 38 Nord
onsarm. Außerdem ist der Wirkungsgrad germedium (üblicherweise ein Wasser- 114 106 99 80
112 70
nahezu doppelt so groß wie bei konventi- Glykol-Gemisch) durchströmt, um die 90° 108 95

onellen Verbrennungskraftmaschinen. nutzbare Wärme abzuführen. 80 107 90 48

78 65
Solarthermie Der Kollektor als Bauteil Süd

Die aktive Nutzung thermischer Solar- Im Zentrum der Planung steht der Kollek-
energie kann im Gegensatz zur soge- tor, der die solare Einstrahlung in thermi-
Ost
nannten passiven Solarenergienutzung sche Energie zur Wärmeerzeugung (West)
energetisch unabhängig vom Innenraum umwandelt. Er ist einerseits Bestandteil
des Gebäudes realisiert werden. In Ver- der Haustechnik, bei entsprechender 3.27

bindung mit effizienter Speichertechnolo- Konzeption aber auch zugleich eine Kom-
gie wird über aktive Solartechniksysteme ponente der Gebäudehülle. Seine techni- Prozesswärme
Heizung
die Nutzung der Solarenergie weitgehend sche und gestalterische Integration ist
Trinkwassererwärmung
von den jeweiligen Einstrahlungsbedin- daher eine besondere Herausforderung. Freibaderwärmung
gungen und dem Innenraumklima entkop- Gleichzeitig bietet der Synergieeffekt
100
Wirkungsgrad (%)

pelt. Bei aktiven solarthermischen Ener- prinzipiell wirtschaftliche Vorteile. In der


giesystemen werden daher – anders als Praxis kommen unterschiedliche Kollek- 80
bei der passiven Solarenergienutzung – tortypen zum Einsatz, von denen in Abb. Vakuumröhrenkollektor
60
die Funktionen Solarenergieabsorption, 3.29 (S. 30) gängige Varianten dargestellt
Umwandlung und Speicherung nicht sind. In technischer Hinsicht werden 40
durch das Gebäude selbst, sondern solarthermische Kollektoren in verschie-
durch technische Systeme übernommen. dene Kategorien eingeteilt: 20
Sie bestehen in der Regel aus den Sys- Offene Absorber sind die einfachste Art offener Absorber Flachkollektor
0
temkomponenten Kollektor, Wärmeträger- der solarthermischen Wandler. Aufgrund 20 40 60 80 100 120 140
medium, Transporteinrichtung und Wär- hoher Wärmeverluste bleibt ihr Wirkungs- Temperaturdifferenz Außenluft/Absorber (K)
mespeicher, durch die über eine Rege- grad jedoch gering. Sie werden bei der 3.28

29
Gebäudetechnische Systeme

Bezeichnung offener Absorber Luftkollektor Flachkollektor Vakuumröhrenkollektor solaren Schwimmbaderwärmung einge-


setzt oder dienen als Wärmequelle für
Querschnitt
Wärmepumpen (Abb. 3.30).
Bei Flachkollektoren wird der Absorber
Energie- rückseitig gedämmt und erhält auf der
trägerfluss sonnenzugewandten Seite eine spezielle
Solarglasabdeckung (Abb. 3.31). Durch
diesen Aufbau lassen sich die Kollektoren
konstruktiv sehr gut in die Gebäudehülle
integrieren. Flachkollektoren sind die am
meisten verbreitete Kollektorart für die
Wärmeversorgung von Gebäuden. Zur
Wirkungsgrad 40 % 60–65 % 65–70 % 80–85 % Verminderung der Konvektionswärmever-
typische Betriebs- 30–40 °C 40–50 °C 60–90 °C 70–130 °C
temperatur Trinkwasser- Trinkwassererwärmung luste wird in seltenen Fällen der Luftraum
typische Freibadheizung Luftheizung erwärmung, Heizung, Heizung, solare mit Edelgas gefüllt.
Anwendung Wärmepumpe solare Kühlung solare Kühlung Kühlung, Prozesswärme
Alternativ zum wasserdurchströmten
3.29 Flachkollektor können in Kombination
mit Luftheizsystemen auch Luftkollektoren
zur solaren Vorerwärmung eingesetzt
werden (Abb. 3.32). Sie sind im Aufbau
mit Flachkollektoren vergleichbar. Diese
Kollektoren nehmen die Wärmeenergie
jedoch nicht über einen Flüssigkeitskreis-
lauf, sondern über Luft auf, die durch
Ventilatoren angesaugt wird und dann an
den solar erwärmten Absorberblechen
vorbeiströmt.
Bei Vakuumröhrenkollektoren befindet
sich der flächige oder runde Absorber in
einer evakuierten Glasröhre (Abb. 3.33).
Dadurch werden Wärmeverluste durch
3.30 3.31 Konvektion nahezu vollständig verhindert.
Je nach Bauart können integrierte oder
externe Spiegelflächen den flächenbezo-
genen Nutzungsgrad erhöhen. Vakuum-
röhrenkollektoren erreichen die besten
Wirkungsgrade aller Solarkollektoren und
die höchsten Betriebstemperaturen. Die
einzelnen Röhren können bei vielen Pro-
dukten durch Drehung an die solare Ein-
strahlung angepasst werden, sodass der
Kollektor auch bei flachen oder sehr stei-
len Neigungswinkeln eine hohe Effizienz
aufweist.
Durch spezielle Linsen oder Spiegelflä-
chen können Kollektoren bei hoher Direkt-
3.32 3.33 strahlung sehr hohe Temperaturen
(> 300 °C) erreichen. Diese sogenannten
konzentrierenden Kollektoren werden
jedoch nur für die Wärmeversorgung von
Produktionsprozessen und zur solarther-
3.29 typische Kollektorarten und Anwendungsgebiete
3.30 Absorbermatte für eine solare Schwimmbad-
mischen Stromerzeugung eingesetzt
erwärmung (Abb. 3.34). Sie sind nur an Standorten
3.31 Luftkollektor mit photovoltaisch betriebenem mit sehr hohem Direktstrahlungsanteil
Ventilator
3.32 solarthermischer Flachkollektor (Äquatornähe) effektiv einsetzbar.
3.33 Vakuumröhrenkollektor Solarthermische Kollektoren werden
3.34 Parabolrinnenkollektor
3.35 Flachkollektoren als vollwertiges Dachelement,
heute überwiegend als Standardprodukte
Wohnanlage in Innsbruck (A) mit fixen Abmessungen und technischen
3.36 fassadenintegrierte Flachkollektoren, Mehrfami- Daten produziert. Die solare Aktivierung
lienhaus in Bennau (CH), Grab Architekten
3.37 Vakuumröhrenkollektoren als Brüstung, Mehr- von Gebäudehüllen erfordert jedoch indi-
familienhaus in Zürich (CH), Beat Kämpfen viduell gefertigte Lösungen, die bislang
3.38 Fassadenkollektoren an einem Wohnhaus in
Tübingen, Plathe, Schlierf und Sonnenmoser
nur von wenigen Herstellern angeboten
Architekten werden. Insbesondere Flachkollektoren
3.34
30
Wärmeversorgung

eignen sich als flächige Bauelemente den. Dadurch entsteht bei vergleichs-
sehr gut für eine Fassaden- oder Dach- weise geringem Wandaufbau eine sehr
integration. Sowohl die Formate als auch leistungsfähige Außenwand. Hier gelten
die horizontale und vertikale Gliederung aus bauphysikalischer Sicht bezüglich
der Kollektorfläche können bei diesen Wärmetransmission und Feuchtigkeit die
Produkten individuell auf das Raster Anforderungen eines nicht hinterlüfteten
des Gebäudeentwurfs abgestimmt wer- Kollektors. Bei großem Bedarf an Wärme
den. Auch die Absorberfarbe und die niedriger Temperatur (< 40 °C, z. B. als
optischen Eigenschaften der Glasab- Wärmequelle für Wärmepumpen) können
deckung sind beeinflussbar. Kollektoren auch übliche Metallelemente (Metalldä-
werden üblicherweise weitgehend vor- cher bzw. Fassadenelemente) ohne Glas-
gefertigt und sind in Größen bis 30 m2 abdeckung als thermische Kollektoren
erhältlich. ausgebildet werden. Hierfür wird ein rück-
seitig durchflossener Wärmetauscher
Fassadenintegration angebracht, der eine kostengünstige
Bei massiven Außenwänden kann der solare Aktivierung von Metallflächen 3.35

Flachkollektor als hinterlüftete Außen- ermöglicht. Deren Leistungsfähigkeit ist


wandbekleidung angebracht werden. jedoch im Hinblick auf die zu erzielende
Damit ersetzt er konventionelle Fassaden- Temperatur von ca. 40 °C eingeschränkt
bekleidungen und übernimmt neben (Abb. 3.45, S. 32).
der Energieerzeugung auch die Funktion Bei Energiekonzepten mit Luftheizung
des Witterungsschutzes. Bei einer hinter- besteht außerdem die Möglichkeit, die
lüfteten Montage wird der Wandaufbau Zuluft über fassadenintegrierte Luftkollek-
nicht beeinflusst, es sind lediglich Wär- toren solar vorzuwärmen. Dies kann über
mebrücken bei der Wandmontage zu einen entsprechenden Fassadenaufbau
vermeiden. Alternativ kann der Kollektor realisiert werden, z. B. durch die Kombi-
auch ohne Hinterlüftung in den Wand- nation einer massiven Außenwand mit
aufbau integriert werden (Abb. 3.36). vorgesetzten Glaselementen. Alternativ
Bei dieser Anordnung wird ein hoher sind vorgefertigte Luftkollektoren einsetz-
Grad an Synergie erzeugt, da die ohnehin bar. Sie entsprechen im konstruktiven
erforderliche Dämmung des Kollektors Aufbau prinzipiell wasserdurchströmten
zugleich als Wärmedämmung der Außen- Flachkollektoren, wobei hier der Absorber 3.36
wand fungiert. als flache Schachtstruktur ausgebildet ist,
Ein weiterer positiver Effekt ist, dass auch die von Außenluft durchströmt wird. Ihre
bei diffuser solarer Einstrahlung hohe Einbindung funktioniert ähnlich wie bei
Temperaturen hinter dem Absorber ent- Flachkollektoren, zu berücksichtigen sind
stehen, die einen Wärmefluss nach außen jedoch die Öffnungen für die Luftansau-
reduzieren. Dies kann wie bei der trans- gung (Abb. 3.31).
parenten Wärmedämmung gegebenen- Die konstruktive und gestalterische Integ-
falls zu Außenwänden ohne Wärmever- ration von Vakuumröhrenkollektoren ist
luste führen. Zu beachten ist bei nicht bislang von untergeordneter Bedeutung.
hinterlüfteten Kollektoreinbindungen, Sie besitzen zwar ein hohes ästhetisches
dass die Wärmeleitung in der Sommer- Potenzial, die geometrischen und gestal-
periode von außen nach innen nicht zu terischen Möglichkeiten beim Modulde-
erhöhten Wärmebelastungen im Innen- sign sind jedoch stark eingeschränkt. Bis-
raum führt, Kollektor und Wand also lang wurden einige Projekte realisiert, bei
über eine hinreichend gute Dämmqualität denen Röhrenkollektoren im Brüstungs-
verfügen. Zudem ist der gesamte Wand- bereich eingesetzt wurden (Abb. 3.37). 3.37

aufbau mit besonderer Sorgfalt hinsicht- Darüber hinaus sind auch Synergieeffekte
lich Feuchtediffusion und Kondensation im Bereich des Sonnenschutzes denkbar.
zu überprüfen.
Die Integration solarthermischer Flachkol- Dachintegration
lektoren ist auch bei der Bestandssanie- Dächer eignen sich in den meisten Fällen
rung, insbesondere im Rahmen einer Fas- sehr gut für eine solarthermische Aktivie-
sadensanierung in Kombination mit Wär- rung. Bei Flachdächern werden Kollekto-
medämmverbundsystemen, möglich. Bei ren meist aufgeständert, Vakuumröhren-
nicht hinterlüftetem Einbau verbessert die kollektoren können bei entsprechender
Kollektorfläche ebenfalls die passive ther- Ausrichtung des Absorbers in der Röhre
mische Leistungsfähigkeit und kann ohne Ertragsminderung auch horizontal
damit andere Dämmmaßnahmen erset- verlegt werden (Abb. 3.44).
zen. Bei Holzständerkonstruktionen ohne Eine konstruktive und gestalterische Inte-
massive Bauteile ist es auch möglich, die gration der Flachkollektoren ist insbeson-
Außenwand direkt als Kollektor auszubil- dere bei Schrägdächern möglich. Sie
3.38

31
Gebäudetechnische Systeme

können hier analog zur Fassade die Funk-


tion der Dachhaut übernehmen und für
große Dachflächen als komplette Dach-
Solarkollektorfeld Warmwasser-
elemente vorgefertigt werden (Abb. 3.35).
entnahme Prinzipiell gelten die technischen und
Außenluft Bypass Kombi- bauphysikalischen Voraussetzungen wie
Vorlauf Heizung
speicher
bei solarthermischen Fassadenkollekto-
Wärmeerzeuger
Fortluft Ventilator ren. Eine konstruktive und gestalterische
Zuluft
Integration von Vakuumröhrenkollektoren
Abluft
Solarkollektorfeld Wärmerückgewinnung Pumpe Rücklauf Heizung ist im Dachbereich z. B. bei der Verwen-
Kaltwasserzulauf dung als Sonnenschutz möglich.

3.39 3.40 Solarthermische Konzepte für Gebäude


Dezentral solar erzeugte Wärmeenergie
wird in Europa vor allem im Temperatur-
bereich bis ca. 80 °C genutzt und haupt-
Vorlauf Heizung
sächlich für die Trinkwassererwärmung
Außenluft Warmwasser-
entnahme
und Heizungsunterstützung im Woh-
Solarkollektorfeld Warmwasser-
nungsbau verwendet. Außerdem setzt
Kombispeicher
entnahme
Wärme-
sich die solare Schwimmbaderwärmung
Standard- pumpe als wirtschaftliche Variante verstärkt
Solarspeicher
Wärmeerzeuger durch. Im Pilotprojekt-Status sind der-
Latent-
Rücklauf Heizung zeit Konzepte, die über entsprechende
speicher
Kaltwasserzulauf Kältemaschinen auch zur Kühlung von
Pumpe
Kaltwasserzulauf Gebäuden eingesetzt werden (siehe
Solarflüssigkeit 15–25 °C S.45ff.).
Solarflüssigkeit 25–100°C Solarthermische Anlagen werden bislang
3.41 3.42 in der Trinkwassererwärmung am häufigs-
ten verwendet (Abb. 3.41). Die Dimensio-
nierung wird durch den Trinkwarmwas-
Dach Fassade
serbedarf und den gewünschten solaren
für Heizzwecke Wärmebedarf Wärmebedarf Deckungsanteil beeinflusst. Typische
nicht nutzbare
Wärme
Anlagengrößen im Einfamilienhausbe-
reich mit vier Personen sind ca. 5 m2 Kol-
Solarertrag lektorfläche bei einem Solarspeichervolu-
Solarertrag
men von 0,3 bis 0,4 m3 und einem
Deckungsanteil im Jahresdurchschnitt
J F M A M J J A S O N D J F M A M J J A S O N D von ca. 50 bis 60 %. Bei größerem, ganz-
3.43 jährigem Trinkwarmwasserbedarf wie in
Wohnhaussiedlungen, Hotels, Mehrfami-
lien- oder Krankenhäusern werden Anla-
3.39 Systemkonzept: solare Luftheizung 3.43 Wärmebedarf eines Gebäudes im Jahresverlauf gen bis zu mehreren Hundert Quadratme-
3.40 Systemkonzept: solare Heizungsunterstützung und mögliche Solarerträge (Dach/Fassade) im tern Kollektorfläche mit entsprechend
3.41 Systemkonzept: solare Trinkwassererwärmung Vergleich. Bei dachintegrierten Kollektoren ent-
3.42 Systemkonzept: Solarheizung mit Hybridkollek- stehen sommerliche Wärmeüberschüsse, die größeren Speichervolumina realisiert.
tor (Wasser/Luft), Latentwärmespeicher und abgeführt werden müssen. Fassadenkollektoren Zum Einsatz kommen meist Flachkollekto-
Wärmepumpe. Die Wärmepumpe nutzt den erzielen einen gleichmäßigeren Ertrag.
solar gespeisten Latentwärmespeicher als Wär- 3.44 Vakuumröhrenkollektoren auf einem Flachdach
ren, aber auch Röhrenkollektoren mit
mequelle. 3.45 Metallverkleidung als solarthermischer Absorber höheren Wirkungsgraden sind üblich.
Soll die solare Wärme neben der Trink-
wassererwärmung auch zur Unterstüt-
zung der Raumheizung verwendet wer-
den, ist die Anlage entsprechend dem
gewünschten solaren Deckungsanteil
größer zu dimensionieren. Typische
Werte für ein Einfamilienhaus in Deutsch-
land mit vier Personen sind eine Kollektor-
fläche von zehn bis 20 m2 und ein Spei-
chervolumen von 0,7 bis 2,0 m3. Damit
lassen sich bei energieeffizienten Gebäu-
den zwischen 20 und 30 % des Gesamt-
wärmebedarfs über solarthermische
Energie abdecken (Abb. 3.48, S. 34).
Der Pufferspeicher für den Heizkreis wird
additiv zum Trinkwasserspeicher oder als
3.44 3.45
32
Wärmeversorgung

Kombispeicher konzipiert (Abb. 3.40). können dabei zentral angeordnet oder torausrichtung hauptsächlich vom örtli-
Durch eine entsprechende Dimensionie- auf Gebäudedächer bzw. -fassaden auf- chen Solarstrahlungsangebot beeinflusst.
rung der Kollektorfläche und des Spei- geteilt werden. Hier ist neben der Gebäu- Dieses differiert in Europa erheblich und
chervolumens, das im Idealfall innerhalb deplanung auch die städtebauliche erreicht für horizontale Flächen Werte von
der thermischen Hülle angeordnet wird, Gestaltung des zu versorgenden Gebiets ca. 850 bis 1750 kWh/m2a. Da das solare
sind bei Einfamilienhäusern solare von Bedeutung. Die Dimensionierung sol- Strahlungsangebot zeitlich begrenzt ist,
Deckungsanteile für den Gesamtwärme- cher Anlagen hängt von individuellen wird ein entsprechend hoher Materialauf-
bedarf bis zu 100 % erreichbar. Eine Gegebenheiten ab wie Gesamtgröße der wand für die Anlagentechnik zur Energie-
hohe Effizienz der Anlage setzt einen Siedlung, spezifischer Wärmebedarf, Art wandlung und -speicherung erforderlich.
niedrigen Heizwärmebedarf und ein des Langzeitwärmespeichers, Tempera- Aufgrund unterschiedlicher Einstrah-
niedriges Temperaturniveau im Heizkreis turniveau etc. Als Anhaltspunkte können lungsverhältnisse unterscheiden sich
voraus. etwa 1,5 m2 Kollektorfläche und 3 m3 Dach- und Fassadenkollektoren in ihren
Relativ neu im Markt erhältlich sind Sys- Speichervolumen pro MWh jährlichem solaren Erträgen. Fassadenkollektoren
teme, die einen Luft/Wasser-Hybridkollek- Heizwärmebedarf angesetzt werden. müssen in Europa gegenüber ideal aus-
tor, einen Kombispeicher, einen Latent- Zur Beheizung öffentlicher und privater gerichteten Dachkollektoren etwa
wärmespeicher auf Wasser-Eis-Basis und Freibäder bietet die solarthermische Wär- 20 – 25 % größer dimensioniert werden,
eine Wärmepumpe miteinander kombinie- meerzeugung ideale Voraussetzungen, um die gleiche jährliche Energiemenge
ren (Abb. 3.42). Bei Sonneneinstrahlung da die Wärme insbesondere über das zu erzeugen (Abb. 3.27, S. 29). Bei der
funktionieren diese Systeme wie her- Sommerhalbjahr benötigt wird (Abb. 3.48, thermischen Solarenergienutzung ist
kömmliche Anlagen; die erwärmte Solar- S. 34). An das Anlagenkonzept und die jedoch in erster Linie nicht der Jahreser-
flüssigkeit fließt direkt in den Kombispei- verwendeten Systemkomponenten, in der trag von Bedeutung, sondern der solare
cher. Bei schlechter Witterung schleust Regel offene Absorber, werden nur Deckungsanteil. Dieser ist abhängig vom
ein Ventilator Umgebungsluft durch den geringe Anforderungen gestellt. Da ein Nutzlastprofil.
Kollektor. Die von dieser auf ein niedrige- Pufferspeicher aufgrund des vorhande- Werden Kollektoren zur Heizwärmeerzeu-
res Temperaturniveau gebrachte Solar- nen Wasservolumens im Schwimmbe- gung eingesetzt, kann eine vertikale Aus-
flüssigkeit strömt in den Latentwärme- cken nicht erforderlich ist, wird ein sehr richtung günstiger sein, da die Erträge
speicher, wo sie wiederum als Wärme- wirtschaftlicher Betrieb möglich. Nimmt während der Heizperiode größer sind und
quelle für die Wärmepumpe dient. In Sys- man gewisse Temperaturschwankungen die Gefahr der sommerlichen Überhit-
temen dieser Art erreichen die Jahresar- in Kauf, kann hier generell auf einen zung der Kollektorflüssigkeit vermindert
beitszahlen der Wärmepumpe Werte zusätzlichen Wärmeerzeuger verzichtet wird (Abb. 3.43).
zwischen fünf und sieben. werden. Die Absorberfläche sollte in Mit- Emissionen entstehen bei solarthermi-
Ein wichtiges Anwendungsgebiet der teleuropa etwa 50 – 80 % der Beckenober- schen Anlagen nur durch die Herstellung
Solarthermie liegt in der Nahwärmever- fläche entsprechen. und den zum Betrieb nötigen Strombe-
sorgung. Die Wärmenetze können von darf für Pumpen (Hilfsenergie). Die aktive
solarthermischen Anlagen mit Langzeit- Effizienz und Wirtschaftlichkeit solarthermische Wärmeerzeugung hat
wärmespeicher gespeist werden (Abb. Ein wichtiges Kriterium für die Güte eines inzwischen einen hohen technologischen
3.47). Die zeitliche Verschiebung zwi- Kollektors ist der Wirkungsgrad, der sich Stand erreicht. Die Entwicklung ist durch
schen hohem Strahlungsangebot im Som- als Quotient aus dem vom Wärmeträger- stetige Verbesserungen einzelner Kom-
merhalbjahr und maximalem Wärmebe- medium abgeführten Wärmestrom zu der ponenten und insbesondere durch opti-
darf im Winter wird dann über die saiso- auf den Kollektor eingestrahlten Global- mierte Systemkonzepte und elektronische
nale Wärmespeicherung zu einem großen strahlung ergibt. Er hängt stark von der Regelungsstrategien gekennzeichnet.
Teil (etwa 50 % solare Deckung vom Temperaturdifferenz von Außenluft und
Gesamtwärmebedarf) ausgeglichen. Absorber ab. Neben der Kollektoreffizienz Speicher
Sinnvolle Größenordnungen für ein solar ist im Gesamtsystem insbesondere der Speicher sind ein wesentlicher Bestand-
unterstütztes Nahwärmenetz mit Langzeit- »solare Deckungsanteil« von Bedeutung, teil jedes Wärmeversorgungssystems. Sie
wärmespeicher sind Wohngebiete ab der den prozentualen Anteil der vom werden zur Verbesserung der Taktfre-
etwa 100 Wohneinheiten. Die in den Kol- Solarsystem nutzbar abgegebenen Ener- quenz von Wärmeerzeugern oder des
lektoren gewonnene Wärme wird über gie am gesamten Wärmeenergiebedarf Verbrennungswirkungsgrades (Fest-
entsprechende Leitungen in die Heizzent- des Gebäudes angibt. Er wird beeinflusst brennstoffe), zur Überbrückung von
rale transportiert und bei Bedarf direkt an von der zeitlichen Diskrepanz zwischen Stromsperrzeiten bei Wärmepumpen oder
die Gebäude verteilt. Die sommerliche Solarstrahlungsangebot und Nutzenergie- zur Zwischenspeicherung von passiver
solare Überschusswärme wird in den nachfrage mit daraus resultierender, nicht Nutzenergie (Solaranlagen) eingesetzt.
Langzeitwärmespeicher eingespeist nutzbarer Solarstrahlung sowie von Lei-
(siehe S. 34f.). In der Heizperiode wird tungs- und Speicherverlusten. Aufgrund Kurzzeitspeicher
die Wärmeenergie dem Speicher wieder dieser Randbedingungen gilt allgemein, Sofern der Wärmebedarf durch einen
entnommen und je nach Bedarf durch