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Das Erstschussproblem

M. Bartram, R. Riegel

Abstract--- Wer kennt das nicht ? Trotz aller Konzentration will es einfach nicht gelingen, dass alle Schüsse gleichmäßig verteilt ankommen. Mit geradezu chronischer Zuverlässigkeit üben viele Schützen vor allem in den 20-Sekunden-Serien das 49/50 Ringe schießen: Immer ist diese verflixte 9 mit dabei ! Handelt es sich dabei um einen simplen menschlichen Fehler, der so einfach abgetan werden kann, oder verhält sich vielleicht doch die Waffe bei einem der Schüsse anders ? Wir erinnern uns: In allen Tests aus der Schießmaschine wird ein Schuß, nämlich der erste abgezogen, wenn er deutlich außerhalb des mittleren Streukreises der anderen Schüsse liegt. „Die Waffe muss sich erst mal setzen“ hört man oft. Ist dies die einzige und richtige Erklärung? Oder läuft auch der Schütze Gefahr, dass auch sein erster Schuss immer ein Ausreißer ist ?

Zu genau dieser Fragestellung hat sich der Autor Gedanken gemacht. Die erste Überlegung war, dass sich eine Waffe doch erheblich erwärmt. Aber wo ? Gleichmäßig über den Lauf verteilt oder nur am Patronenlager ? Wie lange braucht eine Patrone, bis sie die selbe Temperatur hat ? Wird ein Lauf bei Erwärmung enger oder weiter ? Was ist über die Aggressivität des Pulvers zu sagen ? Zu diesen Fragen wird versucht in diesem Artikel eine Antwort zu geben.

Natürlich können damit nicht alle Einflussfaktoren gefunden werden, die zu einem Erstschussausreißer führen können. In loser Folge sollen an dieser Stelle weitere Artikel zu diesem Thema erscheinen. Wer dazu noch eine gute Idee hat, ist herzlich willkommen, diese mit zu diskutieren.

I. ERWÄRMUNG VON WAFFEN

Jeder Schütze weiß, dass eine Waffe sich beim Schießen erwärmt. Um so schneller, je größer das Kaliber und je kleiner die Wandstärken der Waffe sind. Gerade Revolver im Kaliber .44Mag mag man kaum noch anfassen, wenn einige schnelle Serien geschossen wurden. Um möglichst präzise einen Überblick darüber zu bekommen, wo sich eine Waffe wie schnell auf welche Temperatur erwärmt, wurden verschiedene Wärmebildmessungen durchgeführt.

Einschub: Wie funktionieren Wärmebilder ? Jeder Körper, der eine Temperatur oberhalb des absoluten Nullpunktes 0°K
Einschub: Wie funktionieren Wärmebilder ?
Jeder Körper, der eine Temperatur oberhalb
des absoluten Nullpunktes 0°K = -273°C
besitzt, strahlt Wärme ab. Dies tut ein Eisklotz
ebenso wie die menschliche Haut, eine
Glühwendel oder die Sonne. Nur ist die
Intensität und die Wellenlänge der Strahlung
sehr stark von der Temperatur abhängig.
Physikalisch betrachtet heißen alle Körper, die
nur ihre Wärmestrahlung emittieren „schwarze
Körper“. Nach dem Stefan Boltzmann Gesetz
ist die spezifische Ausstrahlung M e eines
schwarzen Strahlers [1]:
4
M (T)
= e s
T
e
- 8
W
Hierbei ist
s =
5,670 10
die nach
2
4
m K
Stefan Boltzmann benannte Naturkonstante.
e ist der sog. Emissionsgrad des
Temperaturstrahlers. Sein Wert liegt
einheitenlos zwischen Null (schlechtester-)
und Eins (bester Fall) und hängt nur von der
Oberflächenbeschaffenheit des Körpers ab. Da
in der Formel bei bekanntem e nur noch die
Temperatur als Variable vorkommt, lässt sich
aus Kenntnis der Wärmestrahlung sofort
eindeutig auf die Temperatur des Körpers
zurückschließen. Bis rund 600 °C emittieren
alle Körper Strahlung fast ausschließlich im
Infraroten. Da das menschliche Auge
Strahlungen in diesem Wellenlängenbereich

gerade eben nicht mehr erfassen kann, werden Bildwandler eingesetzt, die ähnlich wie Videokameras funktionieren, nur eben für die Wärmestrahlung empfindlich sind. Um die erfassten Temperaturen bildlich darzustellen, wird jeder Temperatur eine Farbe aus dem sichtbaren Bereich zugeordnet (Falschfarbendarstellung).

Da die blank polierte Oberfläche einer Waffe fast nur die umgebende Strahlung reflektiert (dies entspricht einem sehr kleinen und zudem unbekannten e - Siehe Einschub) muss die Oberfläche mit einer Spezialfarbe so behandelt werden, dass sie genau definiert ihre eigene Temperatur abstrahlt und möglichst wenig Wärmestrahlung aus der Umgebung reflektiert. Nach der Behandlung hat e einen Wert von ziemlich genau 0,95. Für die Messungen wurde der Revolver in eine Halterung vor die Wärmebildkamera gestellt.

in eine Halterung vor die Wärmebildkamera gestellt. Für die Messungen wurden 5 mal je sechs Schuss

Für die Messungen wurden 5 mal je sechs Schuss in 20 Sekunden abgegeben. Zwischen jeder Serie wurde eine Pause von einer Minute eingehalten. Dieser Zyklus entspricht ungefähr dem zeitlichen Ablauf bei Wettkämpfen. In der Tabelle sind die Messungen zusammengestellt. Die erste Messung zeigt, dass der Revolver die Umgebungstemperatur angenommen hat – er lässt sich kaum vom Hintergrund unterscheiden. In den weiteren Messungen ist zu erkennen, dass vor allem der Übergangsbereich zwischen Trommel und Lauf besonders stark erhitzt wird. Die höchste Temperatur lag hier über 75 °C ! Viel entscheidender ist allerdings die Frage nach der Trommeltemperatur. Diese stellte sich sehr homogen zu 55 °C ein. Die vermeintlich „kälter“ dargestellten Stellen sind Zonen, in denen die Farbe durch den Gasdruck weggeschossen wurde, also falsch gemessen wird.

Ebenso interessant wie die Aufheizfunktion ist die Frage, wie sich die Waffe abkühlt. Dazu wurden alle 2 Minuten ein Wärmebild angefertigt. Deutlich zu sehen ist, dass die Wärme aus dem hot spot um den Übergangskonus in die Waffe zieht, bevor diese dann homogen abkühlt. Allerdings hat sich die Temperatur der Trommel innerhalb von einer Viertelstunde von 55 nur auf 44 °C bei einer Umgebungstemperatur von 22 °C reduziert. In einem normalen Wettkampf spielt die Abkühlung durch die kurzen Pausen zwischen den Serien also eine untergeordnete Rolle.

II. ERWÄRMUNG EINER PATRONE IM HEISSEN PATRONENLAGER

Werden nun mit einer Waffe schnelle Serien geschossen, so ist bei Pistolen jede neu zugeführte Patrone „kalt“ verglichen mit der Waffentemperatur. Bei einem Revolver haben die Patronen im Wettkampf rund eine Minute Zeit zwischen dem Ladekommando und dem ersten Schuss, sich zu erwärmen. Dazu stellt sich die Frage, wie schnell diese Erwärmung geschieht, also wie lange eine Patrone im heißen Patronenlager als „kalt“ angesehen werden kann. Dazu wurden je eine Patrone im Kaliber .45ACP und .44Mag mit K-Typ Thermosensoren präpariert. Diese Sensoren haben eine sehr kleine Messstelle und dadurch eine äußerst geringe thermische Trägheit. Anders ausgedrückt: Sie folgen der Temperatur ihrer Umgebung schneller als 0,1 sec. und produzieren somit keinen zusätzlichen Messfehler.

sec. und produzieren somit keinen zusätzlichen Messfehler. Ein Messfühler wurde mitten im Pulverraum (19 grs. N110

Ein Messfühler wurde mitten im Pulverraum (19 grs. N110 bzw. 3,4 grs. N340) plaziert. der

andere mitten im Projektil. Die Temperatur des Stoßbodens wurde nicht mit erfasst.

Die Temperatur des Stoßbodens wurde nicht mit erfasst. Sensor im Geschoss Sensor im Pulver Für die

Sensor im Geschoss

Sensor im Pulver

Für die Messung wurde die Waffe auf eine homogen verteilte Tempertur von 60 °C gebracht. Diese Temperatur wird mit einem dritten Sensor am Patronenlager bzw. an der Trommel mit gemessen.

Nach der Aufheizphase wurde eine „kalte“ also rund 23 °C zimmerwarme Patrone zugeführt und der Temperaturverlauf der drei Messstellen mit einem Gould-Nicolet „Vision“ Datenrecorder aufgezeichnet.

Gould-Nicolet „Vision“ Datenrecorder aufgezeichnet. Sowohl bei der Patrone im Kaliber .45 als auch der .44er

Sowohl bei der Patrone im Kaliber .45 als auch der .44er fällt auf, dass das Patronenlager sich zwar spontan um einige Grad-C abkühlt, aber im Zeitraum der ersten Minuten ziemlich gut die Temperatur beibehält. Das lässt sich

ziemlich gut mit dem Effekt vergleichen, wenn man kalte Milch in heißen Kaffe kippt: Beide Flüssigkeiten nehmen sofort eine mittlere Mischungs-Temperatur ein, die danach erst gleichmässig abkühlt. Was aber verblüffend ist: Das Geschoss erwärmt sich viel schneller als der Pulverraum. Dies erscheint angesichts des massiven Bleigeschosses zunächst als unlogisch. Aber offenbar leitet das Pulver so schlecht die Wärme, dass nur die äußerste Randschicht warm wird, der Rest aber nicht. Bekannt ist, dass jedes Pulvers z.B. bezüglich der Aggressivität ein Temperaturverhalten hat (Kasten). Der genaue Einfluss konnte bei den Versuchen zu diesem Artikel dahingehend grob abgeschätzt werden, dass die Mündungsgeschwindigkeit v 0 in jedem Fall auch mit steigender Temperatur signifikant größer wurde.

Einschub:

Zündwilligkeit von Treibladungspulvern in Abhängigkeit mit der Temperatur? Aus Messungen der Mündungs- geschwindigkeit v 0 sowohl bei kalter als auch warmer Waffe ist bekannt, dass diese bei warmer Waffe und warmer Munition immer am höchsten lag. Eine denkbare Erklärung ist die Änderung in der Passung von Geschoss zu Lauf, die zu einem höheren Gasdruck führt. Bekannt ist aber auch, dass bei höheren Temperaturen die nötige Aktivierungsenergie, die gebraucht wird, um einen chemischen Prozess einzuleiten, geringer ist. Oft wird dies im Chemieunterricht an einem einfachen Beispiel vorgeführt. Je ein identisches Streichhölzer wird auf –20°C bzw. +60°C gebracht. Tippt man mit beiden gleichzeitig gegen z.B. die Spitze eines Lötkolbens (+380°C) so zündet das heißere reproduzierbar rascher und brennt auch schneller weg, als das kalte. In den folgenden drei Bildern sieht man das beschriebene Verhalten deutlich. Das heiße Streichholz ist das rechte. Das komplette Video ist als MPEG-Datei von der Homepage des Autors

www.mbartram.de/IBB/Waffen downloadbar.

die

Wie

verändert

sich

III. W ÄRMEAUSDEHNUNG Die meisten Festkörper dehnen sich bei Erwärmung aus. Die relative Verlängerung eines
III. W ÄRMEAUSDEHNUNG Die meisten Festkörper dehnen sich bei Erwärmung aus. Die relative Verlängerung eines

III. WÄRMEAUSDEHNUNG

Die meisten Festkörper dehnen sich bei Erwärmung aus. Die relative Verlängerung eines langen dünnen Stabes Dl / l kann innerhalb bestimmter Grenzen proportional zur Temperaturänderung DT beschrieben werden:

l l =

D

a

D T

Ist

J bekannt, so folgt für die Länge l 2

l 1

die

Länge

bei

einer

Temperatur

bei der

1

Temperatur

2

J

l

2

:

= l

1 [

(

1+a J

2

-J

1

)]

.

mit:

Die Proportionalitätskonstante a ist der Längenausdehnungskoeffizient. Sie ist eine materialspezifische Konstante und kann näherungsweise über einen eingeschränkten

DT = T -T =J

2

1

2

-J

1

Temperaturbereich als konstant angenommen werden.

 

10 -6 a in K -1

Blei, Zink

31

Aluminium

23,8

Kupfer

16,4

Stahl C60

11,1

Invarstahl

0,9

Materialparameter a im Temperaturbereich zwischen 0 und 100 °C

Für volumige Körper gilt die Längen- ausdehnung für jede der Raumrichtung gleichermaßen. Ein Stück Würfelzucker wird eben in jeder Richtung länger. Für die Volumenäderung gilt:

V

2

V

1

3 a

(1

2

= l

+

3

2

= l

(

J

3 a J

-

2

J

(

3

1

2

1

[

)

(

1+a J

-

2

2

J

+

1

a

)

+

3

(

J

-J

2

-

1

J

)]

1

3

)

=

3

)

Allerdings sind die beiden letzten Glieder in der Klammer wegen der Potenz von a vernachlässigbar. So folgt:

bzw.

V

2

ª V

1

[

(

1+ 3a J

2

-J

D V

V

ª

3 a

D T

1

)]

Beispiel:

Ein Geschoss im Kaliber .45 mit

a =

31 10

-

6

K

-

6

(Blei) wir bei einen

Außendurchmesser von 11,00 mm und einer Temperaturerhöhung von 40 K gerade mal um 0,014 Millimeter im Durchmesser dicker. Nur: Was passiert mit dem Lauf bei der selben Temperaturerhöhung ?

VII. DURCHMESSERÄNDERUNG VON LÄUFEN

Bei „dünnwandigen“ Rohren allgemein ist eine etwas komplexere Betrachtung notwendig, um zu berechnen, wie sich die Maße bei Erwärmung verhalten. Für die folgende Betrachtung vernachlässigen wir die Längenänderung. Sie entwickelt sich völlig unabhängig davon.

Man stelle sich nun einen Kreis gelegt aus einigen angeschrägten Zuckerstückchen (oder wer will: Ein Rad aus aneinandergelegten Underbergfläschchen) vor. Bei Erwärmung werden diese sowohl in Umfangsrichtung als auch in Durchmesserrichtung länger. Ein Rohr wird also immer eine dickere Wandung bekommen. Das hieße, dass der Rohrdurchmesser innen immer enger würde. Aber: Auch der Umfang wird größer. Bestimmen wir dazu den mittleren Umfang genau in der Mitte der Zuckerstückchen und hängen alle Teil-Umfangsverlängerungen zusammen, so kann man sich das so vorstellen, als würde das Rohr aufgeschlitzt und ein kleines Segment hinzugefügt (Ein Zuckerstück oder eine Underbergflasche dazugelegt). Es hängt nun davon ab, welcher Effekt überwiegt. Dies wird im Folgenden berechnet.

VIII. BEISPIEL

Dies wird im Folgenden berechnet. VIII. B EISPIEL Wandstärke w Innendurchmesser d Mittlerer Durchmesser m

Wandstärke w Innendurchmesser d

Mittlerer Durchmesser m

Lauf

habe einen

Innendurchmesser von d 1 = 11,00 mm und eine Wandstärke w 1 = 2 mm. Der mittlere Umfang in der Mitte der Wand ergibt sich zu:

Ein Lauf aus Invarstahl

u

1

m

= 2 p

1 Ê

Á

2

Ë

d

1

+ 2

w

1

2

ˆ

˜ = 40,8407 mm

¯

Dieser Umfang verlängert sich bei einer Erwärmung um dieselben 40K um

.

Du

1

m

= u

1

m

a DT ª

0,0015 mm

ª

1,5

m

m

Daraus

Innendurchmesser. Allerdings muss noch die

Wärmeausdehnung berücksichtigt werden:

Wandung

neue

ergibt

sich

zwar

der

der

Dd

1

= d

1

a DT ª

0,00071 mm

Nach einigen rein mathematischen Umformungen ergibt sich für den neuen Innendurchmesser d 2 :

d

2

=

m

=

d

1

1

(

(

1

1 +

+

a

a

D

D

T

T )

)

-

w

1

(

1

+

a

D

T

)

Im Beispiel ist d 2 ª 11,0004 mm.

Das Rohr weitet sich bei üblichen Laufstählen innen also um 0,4 µm. Dies entspricht ungefähr einem hundertstel der Dicke eines menschlichen Haares. Allerdings wird das Geschoss bei gleichem thermischen Ausdehnungskoeffizienten um 14 µm größer. Beim Geschoss ist das eben am einfachsten zu erklären: Ein massiver Festkörper ohne Hohlraum ist nicht kompressibel und kann sich nur nach außen ausdehnen. Die Wärmeausdehnung kann nur nach außen vonstatten gehen. Ein Rohr hingegen ändert sich wie geschildert.

Das bedeutet nun, dass eine im Lauf auf dieselbe Temperatur erwärmte Patrone nur dann „passend“ bleibt, wenn Lauf und Patrone den selben thermischen Ausdehnungs- koeffizienten haben. Da dies üblicherweise nicht der Fall ist, entstehen Fehlpassungen, die zu allen Schützen bekannten Problemen wie Geschwindigkeitsabweichungen oder Präzisionsproblemen führen können. Diejenigen Schützen –insbesondere Wiederlader-, die diesen Effekt für vernachlässigbar halten, seien daran erinnert, dass die Wahl eines Geschosses mit einem Durchmesser von .451 verglichen mit einem .452 auch nur ein Unterschied im Außendurchmesser von 0,00254 cm = 25,4 µm ausmacht. Dies entspricht bei einem Geschoss im Kaliber um .45 ungefähr einer

Temperaturdifferenz von 74°C. Jemand, der

im Winter mit einer .452 die besten Ergebnisse

erzielt, sollte es im Sommer nach der zweiten Serie mal mit einer .451 Kalibrierung versuchen

IX. THEORIE UND PRAXIS

Betrachten wir noch mal die Wärmebilder des Revolvers: Deutlich zu erkennen ist, dass die Trommel nicht so heiß wird, wie der Übergangskonus. Die Patrone wird zwar sehr schnell heiß, kann aber nicht so heiß werden, wie der Übergangskonus. Wegen der sehr inhomogenen Temperaturverteilung wird der

Lauf eines Revolvers sogar minimal trichterförmig. Wie schon beschrieben konnten die Autoren aufgrund der zugesicherten Materialeigenschaften des Laufes nicht von einer messbaren Ausdehnung ausgehen. Die Praxis sieht indes anders aus. Die am S&W 629 durchgeführten Messungen zum Ausdehnungskoeffizienten des tatsächlich verwendeten Materials führten auf ein a von ca. 19 anstelle des erwarteten 0,9. Wegen des Unterschiedes zum a von Blei bleiben die gemachten Aussagen prinzipiell richtig. Jedoch kommt noch ein Umstand hinzu: Auch die Waffe verändert sich! Die Längenausdehnung beim 6,5“ Lauf des 629 betrug immerhin gut messbare 0,125 mm. Insbesondere die Längenausdehnung der Trommel führt zu einer von jedem Schützen leicht messbaren Verkleinerung des Trommelspaltes. Dies kann zu einer dramatischen Erhöhung des Gasdruckes führen und damit alle anderen Effekte überwiegen.

führen und damit alle anderen Effekte überwiegen. X. W AS BRINGT ES DEM S CHÜTZEN ?

X. WAS BRINGT ES DEM SCHÜTZEN ?

Neben diesen theoretischen Betrachtungen wurden auch ganz praktische Tests durchgeführt. Schließlich interessiert den Schützen ja in erster Linie, was ihm diese Erkenntnisse bringen. Dazu wurden ein Revolver S&W 629 classic und eine Pistole Peters-Stahl P92-Sport in eine Ransom-Rest eingespannt. Beide hatten folgenden Zyklus zu absolvieren: Zuerst wurden 5 Schuss in 10 Sekunden verschossen, damit sich die Waffe richtig setzt. Nach 10 Minuten Abkühlphase wurden alle 30 Sekunden insgesamt 10 Schuss abgegeben. Danach erfolgte die Erwärmung des Laufes auf 60°C mit einer Heissluftpistole (Bild). Sofort danach wurden in schneller Folge (jeweils alle 10 Sekunden) wiederum 10 Schuss abgegeben.

Auf den Bildern ist der Effekt der Erwärmung deutlich sichtbar. Beim 44.Mag liegt der Streukreis „nur“ deutlich enger zusammen. Wären alle Schüsse im kalten Zustand gerade so angekratzte Zehner, sind sie bei warmer Waffe satte Innenzehner! Die .45ACP reagiert deutlich heftiger: Das Schussbild liegt nicht nur enger zusammen,

um Außenzehndurchmesser nach links verschoben auf der Scheibe! Ein so deutlicher Effekt wurde von den Testern nicht erwartet. Selbst bei den größeren Ringdurchmessern bei den DSB-Gebrauchswaffendisziplinen ist dieser Einfluss nicht mehr zu vernachlässigen. Erst recht nicht beim BDS mit den konstanten Ringdurchmessern auch für die schnellen Serien.

den vollen

sondern

FAZIT

Der Effekt durch die (selbst-) Erwärmung der Waffen konnte eindrucksvoll nachgewiesen werden. Alle Wiederlader sollten daher ihre Erprobungen nur unter den selben Bedingungen durchführen, unter denen auch Wettkämpfe bestritten werden. Was bringt der schönste Streukreis bei +8°C in einer feuchtkalten Schießhalle, wenn die Waffen schon nach dem Transport zum Schießstand zur Meisterschaft im Sommer 35°C warm sind? Und: Haben Sie schon mal berücksichtigt, dass nach dem Ladekommando (also wenn jeder nervengeplagte Wettkampfteilnehmer seinen Schlitten vorschnappen lässt) noch soviel Zeit vergeht, dass die Patrone im Lauf dessen Temperatur annimmt? Aber eben alle anderen nicht! Niemals würde ein Schütze beim Testen auf die Idee kommen, eine Patrone wärmer oder kälter zu machen, als die restlichen! Also warum tun Sie es ?

ACKNOWLEDGEMENT

Die Autoren möchten sich an dieser Stelle ganz herzlich für die schnelle und unkomplizierte Hilfe der Paderborner Sportwaffenwerke „Peters-Stahl“, Herrn Wicke, bedanken. Ohne die Leihgabe eines Wechselsystems mit Schlitzen für die thermischen Aufnahmen, wären diese nicht möglich gewesen.

Ferner gilt Dank Herrn Laue für die Bereitstellung besonders präziser Geschosse für die Messungen.

LITERATUR

[1Hering, Martin, Stohrer: „Physik für Ingenieure VDI-Verlag Düsseldorf 1989 ISBN 3-18-400916-5.

Serie

Aufheizen

Abkühlen

Beginn

Beginn
Beginn
Serie Aufheizen Abkühlen Beginn Aufheizen: Nach erster Serie Abkühlen: nach 1 Minute Aufheizen: Nach 2. Serie

Aufheizen: Nach erster Serie Abkühlen: nach 1 Minute

Aufheizen: Nach erster Serie Abkühlen: nach 1 Minute
Aufheizen: Nach erster Serie Abkühlen: nach 1 Minute

Aufheizen: Nach 2. Serie Abkühlen: nach 2 Minuten

Aufheizen: Nach 2. Serie Abkühlen: nach 2 Minuten
Aufheizen: Nach 2. Serie Abkühlen: nach 2 Minuten

Aufheizen: Nach 3. Serie Abkühlen: nach 4 Minuten

Aufheizen: Nach 3. Serie Abkühlen: nach 4 Minuten
Aufheizen: Nach 3. Serie Abkühlen: nach 4 Minuten

Aufheizen: Nach 4. Serie Abkühlen: nach 6 Minuten

Aufheizen: Nach 4. Serie Abkühlen: nach 6 Minuten
Aufheizen: Nach 4. Serie Abkühlen: nach 6 Minuten

Aufheizen: Nach 5. Serie Abkühlen: nach 8 Minuten

Aufheizen: Nach 5. Serie Abkühlen: nach 8 Minuten
Aufheizen: Nach 5. Serie Abkühlen: nach 8 Minuten

Tabelle 1: Aufheiz- und Abkühlverhalten des S&W 629 classic. Deutlich zu sehen ist der hot Spot am Übergangskonus und dass die Wärme gleichmäßig aus dem Lauf abkühlt.

Serie

Aufheizen

Abkühlen

Beginn:

Beginn:
Beginn:
Serie Aufheizen Abkühlen Beginn: Aufheizen: Nach erster Serie Abkühlen: nach 1 Minute Aufheizen: Nach 2. Serie

Aufheizen: Nach erster Serie Abkühlen: nach 1 Minute

Aufheizen: Nach erster Serie Abkühlen: nach 1 Minute
Aufheizen: Nach erster Serie Abkühlen: nach 1 Minute

Aufheizen: Nach 2. Serie Abkühlen: nach 2 Minuten

Aufheizen: Nach 2. Serie Abkühlen: nach 2 Minuten
Aufheizen: Nach 2. Serie Abkühlen: nach 2 Minuten

Aufheizen: Nach 3. Serie Abkühlen: nach 4 Minuten

Aufheizen: Nach 3. Serie Abkühlen: nach 4 Minuten
Aufheizen: Nach 3. Serie Abkühlen: nach 4 Minuten

Aufheizen: Nach 4. Serie Abkühlen: nach 6 Minuten

Aufheizen: Nach 4. Serie Abkühlen: nach 6 Minuten
Aufheizen: Nach 4. Serie Abkühlen: nach 6 Minuten

Aufheizen: Nach 5. Serie Abkühlen: nach 8 Minuten

Aufheizen: Nach 5. Serie Abkühlen: nach 8 Minuten
Aufheizen: Nach 5. Serie Abkühlen: nach 8 Minuten

Tabelle 2: Aufheiz- und Abkühlverhalten des Peters-Stahl P92. Der Schlitten musste geswchlitzt werden, um freie Sicht auf den Lauf zu bekommen. Der 45er wird nicht so warm wie der .44Mag, wird aber auch am stärksten nach dem Übergangskonus erhitzt.

Abbildung 1: Die Wärmebildkamera: Macht nicht nur tolle Fotos von technischen Gegenständen, sondern auch vom

Abbildung 1: Die Wärmebildkamera: Macht nicht nur tolle Fotos von technischen Gegenständen, sondern auch vom Autor.

Abbildung 2: Versuchsaufbau: Erwärmung der Pistole mit Heissluft

Abbildung 2: Versuchsaufbau: Erwärmung der Pistole mit Heissluft

Abbildung 3: Streukreisänderung beim 44.Mag: Nach Erwärmung liegt der Streukreis deutlich enger zusammen (ganz

Abbildung 3: Streukreisänderung beim 44.Mag: Nach Erwärmung liegt der Streukreis deutlich enger zusammen (ganz durchschossen)

der Streukreis deutlich enger zusammen (ganz durchschossen) Abbildung 4: Streukreisänderung bei der .45ACP: Nach

Abbildung 4: Streukreisänderung bei der .45ACP: Nach Erwärmung liegt der Streukreis um den Durchmesser der Außenzehn weiter links (ganz durchschossen) !

Temperaturverlauf .45ACP

70 60 50 40 30 20 Temp Rohr Temp Kugel Temp Pulver 10 0 1
70
60
50
40
30
20
Temp Rohr
Temp Kugel
Temp Pulver
10
0
1
1001
2001
3001
4001
5001
Temperatur in °C

Zeit in 0,1 s

Temperaturverlauf 44 Mag

70 60 50 40 30 20 Temp Trommel Temp. Pulver Temp Kugel 10 0 1
70
60
50
40
30
20
Temp Trommel
Temp. Pulver
Temp Kugel
10
0
1
1001
2001
3001
4001
5001
Temperatur in °C

Zeit in 0,1 s

Vergleich

70 60 50 40 30 20 10 Temp Rohr Temp Pulver 45 Temp Kugel 45
70
60
50
40
30
20
10
Temp Rohr
Temp Pulver 45
Temp Kugel 45
Temp Trommel 44
Temp. Pulver 44
Temp Kugel 44
30 sec Zeitfenster
0
1
101
201
301
401
501
601
701
801
901
1001
1101
1201
1301
1401
Temperatur in °C

Zeit in 0,1 sec.