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Landtagsklub.

Tirol, den 10. November 2022.

Ersetzungsantrag:

Wiederherstellung und Ausbau der Süd-Tirol-Autonomie.


NEIN zur Verherrlichung und Verharmlosung von Faschismus und
Nationalsozialismus.

Der Ausgang der italienischen Parlamentswahl führt in Süd-Tirol zu großer Besorgnis.


Insbesondere die Äußerungen und bisherigen politischen Handlungen
maßgeblicher Funktionäre der neuen Regierungsparteien zeigt auf, dass diese
Sorgen nicht unbegründet sind. Der aufkeimende Nationalismus und die oftmals
gehässige und nationalistische Haltung in Bezug auf Süd-Tirol kann nicht ignoriert
oder verschwiegen werden. Auch die europäische Öffentlichkeit zeigt sich darob
besorgt.
Die Autonomie ist kein Geschenk oder Zugeständnis Italiens an Süd-Tirol, sondern
ein hart erkämpftes und international anerkanntes Recht. Es ist daher nicht
akzeptabel, wenn von Teilen der neuen Regierung die nichtitalienische Identität
der Süd-Tiroler herabgewürdigt wird und man schon jetzt damit droht, die
ethnische Autonomie in eine territoriale Autonomie umzuwandeln. Auch das
Infragestellen der Schutzmachtfunktion Österreichs für Süd-Tirol ist inakzeptabel.

Neofaschistische Strömungen:
Um die neue italienische Regierung zu beurteilen, bedarf es nur eines Blicks auf die
Minister, von denen sich einige bereits sehr gehässig über Süd-Tirol geäußert
haben. Auch die offene Verherrlichung des Faschismus von einigen
Regierungsvertretern gibt Anlass zur berechtigten Sorge.

– Giorgia Meloni (Ministerpräsidentin) hat Benito Mussolini als den besten


Politiker der letzten 50 Jahre bezeichnet und ein Auswandern all jener Süd-
Tiroler gefordert, die sich nicht als Italiener fühlen. Zudem will sie die
ethnische Süd-Tirol-Autonomie zu einer bedeutungslosen Territorialautonomie
herabstufen. In allen wichtigen Fragen will sie den Zentralstaat stärken und
somit die Autonomien schwächen.
– Antonio Tajani (Außenminister) sorgte 2019 für einen internationalen Skandal,
als er davon schwärmte, wie viele positive Dinge Mussolini getan habe.
Tajani hat sich auch vehement gegen die doppelte Staatsbürgerschaft für
die Süd-Tiroler ausgesprochen und die Schutzmachtfunktion Österreichs
offen in Abrede gestellt. Auch den Einsatz der Folter-Carabinieri in den 60er
Jahren hat er mehrfach gerechtfertigt und diesen sogar mit dem Einsatz der

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spanischen Polizei in Katalonien verglichen.
– Ignazio La Russa (Senatspräsident)hat ein Eingreifen der Staatsanwaltschaft
gegen patriotische Bewegungen in Süd-Tirol gefordert, er verherrlicht die
faschistischen Relikte in Süd-Tirol und ließ als Verteidigungsminister vor dem
faschistischen Siegesdenkmal einen Kranz niederlegen, nachdem es in
Bozen einen Protestmarsch gegen die Verherrlichung des Faschismus
gegeben hatte. In der Corona-Krise rief er dazu auf, anstelle des
Händeschüttelns den römischen Gruß der Faschisten (analog zum Hitler-
Gruß) zu verwenden.
– Francesco Lollobrigida (Landwirtschaftsminister) hat mit unzähligen
Parlamentsanfragen seine Gehässigkeit gegen Süd-Tirol gezeigt. Er forderte
sogar ein Einschreiten der Regierung gegen Süd-Tirol, um die „nationale
Integrität“ Italiens zu schützen. Er fordert auch eine Auslieferung der im Exil
lebenden Süd-Tiroler Freiheitskämpfer.
– Adolfo Urso (Minister für Unternehmen) ist immer wieder durch seine
rechtsextreme Politik aufgefallen und hat faschismusverherrlichende
Publikationen veröffentlicht.
– Daniela Santanchè (Tourismusministerin) verherrlicht den Duce und
behauptet, dass es ohne Mussolini keine Volksbauwohnungen gäbe.
– Galeazzo Bignami (Staatssekretär) hat einen Skandal provoziert, nachdem
Photos von ihm veröffentlicht wurden, die ihn zeigen, wie er bei einer
Veranstaltung eine Nazi-Uniform mit Hakenkreuz am linken Arm trägt.

Angesichts dieses erschreckenden Einblickes in die ideologische Prägung der


neuen Regierung, ist die Enthaltung der Süd-Tiroler Parlamentarier in Rom bei der
Vertrauensabstimmung höchst problematisch, denn die Frage, wie man es mit der
neofaschistischen Regierung Meloni hält, ist letztlich auch eine Frage der
Glaubwürdigkeit für Süd-Tirol.
Welchen Aufschrei der Entrüstung würde es in Europa geben, wenn derartige
Abscheulichkeiten von Vertretern einer Regierung in Deutschland oder Österreich
getätigt würden? Und dazu sagt man nicht nein?

Ausbau und Schutz der Autonomie:


Die Aussagen von einigen Regierungsvertretern zur Süd-Tirol-Autonomie sind
keineswegs beruhigend, sondern entsprechen vielmehr den bisherigen
nationalistische Forderungen. Der Verweis auf die Autonomiestandards von 1992 ist
höchst gefährlich und darf keineswegs als Richtwert gelten, denn ein großer Teil
Kompetenzen der Süd-Tirol-Autonomie wurde erst nach 1992 erreicht. In diesem
Zusammenhang muss auch klar und deutlich unterstrichen werden, dass die
Schutzfunktion Österreichs nicht mit der Streitbeilegungserklärung von 1992
beendet wurde, wie dies von Vertretern der neuen Regierung auch in Süd-Tirol
immer wieder behauptet wurde. Die Süd-Tirol-Autonomie ist eine ethnische
Autonomie zum Schutze der österreichischen Minderheit deutscher und ladinsicher
Muttersprache im italienischen Staatsgebiet. Die einseitige Umgestaltung zu einer
Territorialautonomie ist daher strikt abzulehnen und entspricht nicht dem Charakter
des Pariser Vertrages. Die Bevölkerung Süd-Tirols hat mit dem Autonomie-Konvent
zudem klare Vorstellungen zum Ausdruck gebracht, wie die Ausgestaltung und

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Weiterentwicklung der Autonomie erfolgen soll, diese gilt es umzusetzen.

Nein zum Feiertag am 4. November:


Das Vorhaben der italienischen Regierung, zukünftig den 4. November als
gesetzliche Feiertag festzulegen, um damit den Sieg Italiens gegen Österreich-
Ungarn zu feiern, ist nicht nur ein unfreundlicher Akt gegenüber Österreich, sondern
auch eine Respektlosigkeit gegenüber Süd-Tirol. Süd-Tirol würde damit nämlich
genötigt, den Angriffskrieg gegen das eigene Vaterland Österreich mitzufeiern. Für
Süd-Tirol gibt es jedoch nichts zu feiern, denn der 4. November 1918 brachte für
Süd-Tirol nicht die Befreiung, sondern die Fremdbestimmung und Unterdrückung.
Wie anachronistisch das italienische Vorhaben ist, zeigt aber auch ein historischer
Vergleich. Es ist so, als ob Russland die Bewohner der annektierten ukrainischen
Gebiete zwingen würde, ihre eigene Besetzung zu feiern, oder, als ob Deutschland
einen Feiertag einführen würde, um den Überfall auf Polen zu verherrlichen.
Anstelle der Einführung eines kriegsverherrlichenden Feiertages am 4. November
wäre es wesentlich sinnvoller, den Josefi-Tag am 19. März wiedereinzuführen oder
alternativ die Einführung eines richtigen gesamteuropäischen Feiertages
anzudenken, der für Frieden und die Überwindung von Grenzen im vereinten
Europa steht.

Aus diesem Grunde stellen die Gefertigten den

Antrag:

Der Süd-Tiroler Landtag wolle beschließen:

1. D e r S ü d - T i r o l e r L a n d t a g verurteilt entschieden (neo)faschistische,


nationalsozialistische, extremistische, rassistische und diskriminierenden Haltungen,
Äußerungen und Handlungen, insbesondere von politischen Verantwortungsträgern
und Regierungsvertretern.

2. Der Süd-Tiroler Landtag unterstreicht die Unantastbarkeit der ethnischen Autonomie


zum Schutze der österreichischen Minderheit deutscher und ladinischer
Muttersprache im italienischen Staatsgebiet.

3. Der Süd-Tiroler Landtag bekräftigt die Schutzfunktion Österreichs für Süd-Tirol und
deren politische Bedeutung für Süd-Tirol, die keinesfalls mit der Streitbeilegung 1992
beendet wurde.

4. Der Süd-Tiroler Landtag fordert die neue italienische Regierung auf, die Süd-Tirol-
Autonomie zu achten, die in der Reg ierung serklärung zug esicherte
Wiederherstellung der Autonomiekompetenzen umzusetzen sowie den weiteren
Ausbau der Autonomie ─ so wie er auch von der Süd-Tiroler Bevölkerung im
Rahmen des Autonomie-Konvents gewünscht wurde ─ aktiv und konstruktiv zu
begleiten.

5. Der Süd-Tiroler Landtag spricht sich gegen die Einführung eines gesetzlichen
Feiertages am 4. November aus und schlägt hinsichtlich einer eventuellen
Änderung des Gesetzes Nr. 54 vom 8. März 1977 die Wiedereinführung des 19. März

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( Jos ef i t ag ) a ls F e ie r ta g v o r, o d e r , a lt e rn at i v , di e E in f ü h ru n g e in e s
gesamteuropäischen gesetzlich gebotenen Feiertages, welcher für Frieden und die
Überwindung von Grenzen in Europa steht.

L.-Abg. Sven Knoll. L.-Abg. Myriam Atz-Tammerle.

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