Sie sind auf Seite 1von 9

48

CHRISTI KRBUZIQUNQAM 14. NISAN.

S ummarium.- Assensuab auctorepraestito (Bibl.7 [1926]296)senten-


tiaeGerhardt, iuxtaquam15Nisan30 A. D. inferiam sextámincidit, retractato
eaque sententiasolidis argumentisrefutata, fit
inquisitio astronomica ad de-
terminandam diemChristi Cumvero,statutaneomeniaiudaicamensis
mortis.
Nisanannorum28-34,appareatferiamsextámbis tantum (30 et 33) = 14Ni-
san, semel tantum (34)=15 Nisan, concluditur Christum crucifixum esse
die 14 Nisan i. e. vigiliaPaschatis,ut S. Iohannesinnuerevidetur,et pro-
babilissime30 A. D. 7 Aprilis.

In « Biblica » Juliheft1926 S. 296 hatte ich in dem Artikel


« Der Sterndes Messias » der von Oswald Gerhardt(A)vertretenen An-
sicht über den jüdischenMonatstagder Kreuzigung zugestimmt, falls
diese in das Jahr 30 n. Chr. gefallenist. Gerhardtsucht nämlich in
seinem Buche zu beweisen,dass das Neulicht des Neumondes,der
am 22. März Abends 8h 22mJerusalemerZeit eintrat,schon am näch-
sten Abend des 23. März,also nach etwa 21. 6b,fürJerusalemsichtbar
war, so dass 1. Nisan = 24. März, indem man beide Tage, den jü-
dischenund den julianischenmitMitternacht beginnenlässt, trotzdem
der jüdische 6 Stunden früherbeginnt,hier am 23. März Abends bei
Sonnen-Untergang.Daher 15. Nisan = 7. April, welcher Tag ein
Freitag war, denn Freitag als Kreuzigungstagstehtvollkommensicher
fest,so dass es bei diesen Untersuchungennur daraufankommt,nach-
zuweisen,dass in den Jahren28 bis 34 im April ein Freitag auf den
14. oder 15. Nisan fiel.
Ich nehme nun diese in « Biblica » Juliheft1926 ausgesprochene
Zustimmungzu GerhardtsAnsicht hiermit ausdrücklichzurück und
will im Gegenteil beweisen,dass im Jahre 30 der Freitag, 7. April,
auf den 14. Nisan fielund nicht auf den 15. Nisan. Kaum hattenäm-
lich Dr. J. K. Fotheringhamin Oxford1926 meinen Biblica-Artikel
gelesen, als er mir sofortschrieb,dass ein Irrtummeinerseitsvor-
liegen müsse; seine Rechnungenergäbendie Unsichtbarkeit des Mon-
des am Abend des 23. März. Bei der Revision fand ich nun, dass

(l) O. Gerhardt, Der Sterndes Messias, Leipzig1922,Deichertscher


Verlag.
Ian. içaS

This content downloaded from 46.243.173.129 on Sat, 28 Jun 2014 15:30:41 PM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
am 14. Nisan
ChristiKreuzigung 49
ich in meinerganz einfachenRechnung,einen groben,unverzeihlichen
Additionsfehler von 1 1/2Stundengemacht.Meine Neulicht-Tafeln sind
nämlichso eingerichtet,dass sie durch einfache Addition mehrerer
Posten die Zahl der Stunden ergeben,die notwendigverflossensein
müssen vom Momentdes Neumonds (Schwarzmonds)bis um 6 Uhr
nachmittagsdes folgendenTages. Ist nun die Zahl der wirklichver-
flossenengleich oder grösser als die Zahl der notwendigenStunden,
so ist das Neulicht am nächsten Abend sichtbar; ist sie aber kleiner,
so fällt Neulicht noch um einen Abend später, d. h. auf den 2. Tag
nachNeumond(4). In unseremFalle beträgtdie Anzahldernotwendigen
Stunden (das « notwendige» Alter der Sichel am nächstenAbend
um 6h JerusalemerZeit) 23, 3 Stunden,die Anzahl der wirklichver-
flossenenStunden (das « wirkliche» Alterder Sichel) nur 21. 6 Stun-
den, wie ich schon oben bemerkt.Folglich war nicht am 23. März,
sondernerst am Abend des 24. März die Sichel in Jerusalemsichtbar,
und 1. Nisan = 25. März, 14. Nisan = 7. April, Freitag. Ich be-
dauere nochmals lebhaft,infolgemeines Rechenfehlersbei einem so
wichtigenProblem eine irrige Meinung ausgesprochenzu haben.
Leider kann ich es nun nicht vermeiden,astronomischeDinge
hier hineinzubringen; ohne solche ist aber eine Widerlegungder An-
gaben von Gerhardt nicht möglich.
Die Sichtbarkeitdes Neulichts,d. h. das notwendigeAlter der
Sichel hängt ab: von der geographischenBreite <p des Beobachters
auf der Erde; von der Jahreszeit,also der SonnenlängeO (= Ent-
fernungder Sonne vom Frühlingspunkt der Ekliptik); von der geo-
zentrischenBreite ß des Mondes; von der mittlerenAnomalie g des
Mondes in seiner Bahn. Daher gehörtdie Bestimmungdes Neulichts
zu den kompliziertesten Dingen in der alten Astronomie,denn alle
4 Grössenwirkenimmerzusammen,das Neulichtist also eine Funk-
tion von 4 veränderlichenGrössen. Zum Glück können wir hier
2 Grössen ausschalten,nämlichdie geographischeBreite,die ja nicht
veränderlich,sondern die Konstante von Jerusalemist, <p= 31,8°.
Ebenso ist die Sonnenlänge konstant,da es sich nur um Neulichte
des März und April handelt,wo O = 350° bis 15° etwa.
Die Sichtbarkeitist dann nur noch abhängig von 2 Faktoren:

die 1928in Oxforderscheinen,setzenden


(*) Diese Neulicht-Tafeln,
Historiker instand,ohne irgendwelche astronomische Kenntnissedurch
blosseAdditionvon Stunden(miteinerDezimale)ganzschnelleinNeulicht
zu berechnen fürOrtezwischen31° u. 34° n. Br.(Jerusalem,
Babel,Ur;.
Biblica9 (1938) 4

This content downloaded from 46.243.173.129 on Sat, 28 Jun 2014 15:30:41 PM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
50 am 14. Nisan
ChristiKreuzigung

1) Von der geozentrischenBreiteß des Mondes,die angibt,wie


viel Grade er über der Ekliptik (-(-) oder unterihr ( - ) steht.
2) Von der mittlerenAnomalie g des Mondes, die angibt, in
welchemPunkte der ellipsenförmigen Bahn des Mondes um die Erde
er steht. Ist g um 0° herum,so ist er im Perigäum (Erdnähe) und
bewegt sich sehr rasch links oder östlichvon der Sonne weg; ist g
um 180° herum,so ist er im Apogäum (Erdferne)und bewegt sich
sehr langsam.
Wir haben nun 2 einfacheastronomischeRegeln:
1) Ist wie hier im Frühling ß = -'- 5°, g um 0°, so kann die
Sichel schon nach 17 Stunden in Jerusalemsichtbarsein. Beispiel:
das von GerhardtaufSeite 121 erwähnteNeulichtvom 13. März 1918,
das in Syriennach 20 Stunden sichtbarwar; es wäre dortschonnach
17 Stunden sichtbar gewesen. In Deutschland ist es von mir leicht
beobachtetworden,Breite51°, nach 22 Stunden.Hier lagen die gün-
stigstenUmstände vor, ß = - 5°, g = 0° (*).
2) Ist wie hier im Frühling ß = - 5, g um 180°, so ist die
Sichel frühestensnach 23,4 Stunden sichtbar.Beispiel: das Neulicht
vom Jahre 30, das, weil nur 21,6 Stunden wirklichvergangen,nicht
am 23. März, sondern erst am 24. März Abends sichtbarwurde.
Besondersbemerkenswert ist, dass im Frühling das notwendige
Alterviel mehr von g abhängt als von ß, d. h. es kommtviel mehr
darauf an, dass der Mond sich möglichstschnell von der Sonne ent-
fernt,um eine bestimmteElongation zu erreichen.Letztere erreicht
er im Perigäumin 17 4/2Stunden,im Apogäum aber erst in 23 Stun-
den. Dagegen ist im Frühling eine grosse positive Breite weniger
wichtig,da dann die Ekliptik schon so steil am Abend gegen den
Horizont aufsteigt,dass die positive Breite die Höhe des Mondes
über dem Horizontnurwenigvermehrt.(Im Herbst,August-Septem-
ber, ist dagegen ß so wichtig,dass eine negativeBreitevon =■-- 5°
das notwendigeAlterdes Neulichtsbis auf etwa 41 Stunden steigert).
Gerhardthat als Nichtastronom diese kompliziertenVerhältnisse
bei Bestimmungdes Neulichtsnicht genügendbeachtet. So behandelt
er das Neulicht des 23. März 30 n. Chr. ganz gleich wie das vom
13. März 1918, trotzdem sie den grössten Gegensatz zu einander
bilden,das erste unter den denkbar ungünstigsten, das letztereunter

(*) Das nächstederartigegünstigeNeulichtfälltin 1937März13. Es


andiesemAbendunterallengeographischen
wärezu empfehlen, BreitenBeob-
achtungen Das Alterdes Neulichtsschwankt
anzustellen. dabei,je nach der
Längedes Ortes,zwischen16und23 StundennachNeumond.
geographischen

This content downloaded from 46.243.173.129 on Sat, 28 Jun 2014 15:30:41 PM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
am 14. Nisan
ChristiKreuzigung 51
den denkbar günstigstenUmständen.Die Sichtbarkeitam 23. März
30 ist also vollkommenausgeschlossen,und wenn Neugebauer sie für
möglich hält, so hat er ofienbardie näherenUmstände, ß stark ne-
gativ und Mond im Apogäum, ganz übersehen.Ich selbst habe über
100 Neulichte mit eigenen Augen beobachtetund über 400 von den
BabyloniernbeobachteteNeulichtenachgerechnet, so dass alle meine
Zahlen auf praktischerGrundlage beruhen.
Ich komme jetzt zu dem anderen Irrtum Gerhardts, das ist
seine Rückdatierungstheorie,die er S. 124 und 130 entwickelt.
Ihre Unhaltbarkeitbraucht man eigentlich gar nicht zu beweisen,
denn sie setzt voraus, dass die Juden ein Neulicht, das z. B.
am 29. Adar Abends, also nachdem der 30. Adar begonnen,
nicht sichtbar war, für die Datierung doch als sichtbar ansahen,
wenn es am nächsten Abend, also am Abend, der den 30. Adar
schloss, schon vor Sonnenunterganggesichtetwurde. Die Juden,die
genau so sorglältig das Neulicht beobachtetenwie die Babylonier,
sollen also nach Gerhardt ein erst am 30. Adar Abends (vor Son-
nenuntergang)gesehenes Neulicht zurückdatiertund dem Adar nur
29 Tage gegeben haben, statt richtig30 Tage. Diese Zurückdatie-
rungwiderstreitet allen Neulicht-Regelnund Gesetzender Babylonier
und Juden und ist entschiedenabzulehnen.Alle Theologen und Hi-
storikersind davor zu warnen,diese Rückdatierungstheorie anzuneh-
men. Wir könnten dann überhaupt kein Neulicht der Juden mehr
sicher berechnen. Denn im Frühjahr (Februar bis April) ist jedes
Neulicht,das mindestens34 Stunden alt ist, in Jerusalemschon vor
Sonnenuntergangsichtbar,aber kein Mensch wird daran denken,des-
wegen den Ersten des Monats schon einen Tag früherbeginnenzu
lassen. Sogar in Berlin(Breite 52,5°) ist jedes 36 Stunden alte Neu-
licht im Frühling schon vor Sonnenuntergangsichtbar.Diese, jeder
antikenNeulicht-Beobachtung widersprechende Theorie hat Gerhardt
irrtümlicher Weise von Maimonides hergeleitet,indem er letzteren
ganz missverstandenhat. Die von Maimonides zitiertenStellen be-
ziehen sich auf folgendenFall : Angenommenam 29. Adar Abends
war in Jerusalemein an sich schon sichtbaresNeulichtwegen Bewöl-
kung unsichtbar,wohl aber wurde es gesehen an einem Ort, der,
sagen wir mal, 30 Km. von Jerusalementfernt war und klarenHimmel
hatte. Von diesem Orte kamen nun im Laufe des 30. Adar Zeugen
in Jerusaleman, die vernommenwurden.Waren sie glaubwürdig,so
wurde im Verlaufedes 30. Adar dieser Tag noch nachträglichge-
heiligt,d. h. er wurde 1. Nisan, weil ja faktischdie Sichel schon am

This content downloaded from 46.243.173.129 on Sat, 28 Jun 2014 15:30:41 PM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
52 am 14. Nisan
ChristiKreuzigung
Abend des 29. Adar in Palästinagesehenwordenwar. Hingegen wurde
ein Neulicht,das am 29. Adar nirgends in Palästina gesichtet,nie-
mals deswegenzur Rückdatierungbenützt,weil es am 30. Adar schon
vor Sonnenunterganghervortrat;in diesem Fall hatte der Adar na-
türlich30 Tage. Letzteres trifft nunfürden Adar des Jahres 30 zu.
Er hatte 30 Tage, 1. Nisan war 25. März und 14. Nisan war Freitag,
7. April. Damit ist dieses wichtigeJahr erledigt und jede Möglich-
keit widerlegt,in ihm den 15. Nisan auf Freitag den 7. April zu
bringen.
Man hat mich aufgefordert, für das wichtige Jahr 30 die ge-
nauere astronomischeRechnung zu geben für die Sichtbarkeitdes
Neulichts am Abend 23. März in Jerusalem.Für das richtigeVer-
ständnisdieses Beispielsweise ich Historikerund Theologen auf meine
« Planetentafelfürjedermann» (Linser-Verlag,Berlin-Pankow1927)
Spalte XXXVIII und XLIII, wo dasselbe Beispiel für Babylon ge-
geben ist mit genauer Erklärung.Mit diesen Tafeln kann,wie schon
der Name besagt,jeder arbeiten,ohnejede Kenntnisvon Mathematik
und Astronomie,weil ihm an Hand von über 100 leicht verständli-
chen Beispielen aus allen Gebietender Astronomiejede Erscheinung
elementarvorgerechnetist. Logarithmen und trigonometrische Fôr-
meln kommennicht vor.
Hier kann ich zu dem Beispiel nur kurz folgendeErklärung
geben. Aus über 300 beobachtetenNeulichten der Babylonier und
über 100 von mir selbst gesichtetenhabe ich auf Seite 14 meiner
Tafel in dem TäfelchenK die Werte von h (Höhe über dem Hori-
zont)fürden Mond abgeleitet,die notwendigsind bei einerbestimmten
Azimut-Differenz A zwischender gerade untergehendenSonne und
dem links von ihr mit der Höhe h über dem Horizont stehenden
Monde. Wie man sieht,ist in dem Beispiele A = 5,4°, und die not-
wendige Höhe h des Mondes muss dabei 10,2° betragen. Die Rech-
nung ergibt aber fürden Mond am 23. März um 6,1 Uhr Jerusalemer
Zeit (Untergangder Sonne, ohne Refraktion)nur eine Höhe h = 9,3°
über dem Horizont von Jerusalem.Folglich stand die Sichel um Io
zu tiefund konnteauch nach Sonnenuntergang bei eintretender Däm-
merung nichtmehr gesichtetwerden, so dass Neulichterstam 24. März
eintrat.
Bei dem Neulichtvom 13. März 1918, ganz leicht in Syrien(4)
21 Stunden nach Neumond beobachtet,von mir selbst ebenso leicht

(4) O. Gerhardt, Sterndes Messias, 121.

This content downloaded from 46.243.173.129 on Sat, 28 Jun 2014 15:30:41 PM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
am 14. Nisan
ChristiKreuzigung 53
unterder hohen nördlichenBreitevon 51°, betrug fürJerusalembei
einer Azimut-Differenz von A = 3,1° die berechnete Höhe h des
Mondes über dem Horizont volle 12,5°, das sind 3,2° mehr als im
Jahre30. Die Sichel war ausserdem im ersterenFall 2 mal so hell
als im lezteren,so dass es schwerverständlichist,wie Gerhardtdiese
beiden grundverschiedenen Neulichte identifizieren
konnte.

Jahr30, März23. NeumondMärz22, 8h 22mn Jerusalem.


War am 23. Märzabendsnach 22l/2Stundendas Neulichtsichtbar?
Sonne Mond(berechnet für6.1hn, März23)
L N LIN ü
18.8° 35° 280.7° 51° 9.1° 176.3°
0.4 359 69.5 314 115.9 116.0
316.2 "ITT 57.4 308 30.6 3.1
22.7 T' Kr 303.1 260 0.9 1.2
+
_°A _i mT IÄJ
L 358.8 /358.6 »;■; 221
U + 1.9 Í 92.2 Uá g 158 ¿ - 1-4 - - ,0.7
L * 5
©0~T t 90.8 7/19 £ g
J;J
ß ~ ~ 77 288
Sonnen- ""^1 -
Untergang I 10.7 __ J
6h gmn Jerusalem a'+- 1.6 - 4.0 Mo"d
= 6.1hntMärz23. a'1 0.9 Ô' + 4.6 ^zo
Az, 14.4
a n-A Ô ^+ 0.6 A "TTTT
Az 84.9
Sonne Az0 90.3
-
Höhe h des Mondesbei
Sonnen-Untergang gleich9.3° ^ 5,*°
Zur Sichtbarkeit,
bei einer Azimut-Differenz von A= 5.4°, ist aber
eineHöhe h= 10.2°.Sichelunsichtbar
erforderlich undNeiilicht
erstMärz24,
abends. 1 Nisan= März 25.

Ich kommejetzt zum Jahre31 nach Chr.,wo der Neumond für


das Nisanneulichtstattfandam 10. April, 2 Uhr 10 Min. Nachmit-
tags Jerusalem.Nach 28 Stunden, am Abend des 11. April ist um
diese Jahreszeitjedes Neulicht in Jerusalemganz leicht zu sichten,
auch bei negativerBreite des Mondes und Stand beim Apogäum.
1. Nisan = 12. April; 14. Nisan = 25. April, Mittwoch; 15. Nisan
= 26. April,Donnerstag.Nun könnteman hier einwenden,dass durch
ungünstigesWetter das Neulichtam 11. April nicht gesichtetwurde,
sondern erst am Abend des 12. April. Wir hättendann: 1. Nisan
= 13. April; 14. Nisan = 26. April, Donnerstag; 15. Nisan =
27. April, Freitag,so dass 31 als Todesjahr möglich würde. Dieser
Einwandist aber leicht zu widerlegen,denn nach 28 Stunden ist im
April,wie schon bemerkt,jedes Neulicht spielend leicht in Jerusalem

This content downloaded from 46.243.173.129 on Sat, 28 Jun 2014 15:30:41 PM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
54 ChristiKreuzigung
am 14. Nisan
zu sehen. Ausserdemkonnte die Bewölkungam 1 1. April nicht sehr
gross sein, denn aus mehrjährigemMittel ergeben sich in der Neu-
zeit folgendeNiederschlagshöhenin Millimetern.Die fehlendenMo-
- nate haben gar keinen messbaren Niederschlag. Der
mm April hat nur38 mm(etwa so wiel wie im Mittelauch
in Deutschland), von denen aber der grössere Teil in
Nov. 59 der erstenHälfte des April fällt,und zwar in kurzen
Dez. 146 ergiebigenHuschen, so dass es ganz ausgeschlossen,
I^br. 127 ^ass inJerusalemund Umgegendam Abenddes 11. April
März 104 des Jahres31 eine so dichteWolkendecke vorhanden,
Aoril 38
6 um die Sichtbarkeitdes Neulichtszu hindern.Da für
Aleppo und Bagdad ähnlicheNiederschlagsmengenge-
messen, so habe ich in meinenTafeln Spalte XLII die Zeit mitwenig
Bewölkungfür Babylon angegeben etwa vom 15. April bis 10. Nov.
Gregorianisch.
Für das Jahr 33 kommtals 1 Nisan nur März 21. in Betracht
(Neulicht nach 29 Stunden!).
Da für die anderenJahre alles sicher feststeht,so könnenwir
jetzt vom Jahre 28 bis 34 n. Chr. den 14. und 15. Nisan geben mit
den entsprechendenJulianischenMonatstagenund dem Wochentag.
Die Kreuzigungkann nur an dem 14. oder 15. Nisan stattgefunden
haben, der auf einen Freitag fällt. Von Gerhardtweiche ich nur ab :
prinzipiellim Jahre 30, in der Schaltung im Jahre 28 (was für un-
seren Zweck aber gar nichts ausmacht),im Jahre 31 durch meinen
eindeutigen1. Nisan. Nach meinerAnnahme fiel ein Veadar (der jü-
dische Schaltmonat)in die Jahre 28, 31, 34, siehe meine« Planeten-
tafelnfürjedermann» Spalte XLIII (4). In der folgendenTabelle gebe
ich nun in der 1. Kolumne das Jahr,in der 2. Tag, Stunde und Mi-

(*) Dorthabe ich angenommen, dass in der sehr warmenNiederung


zwischenJerichound dem Toten Meer die Wintergerste-Ernte etwa am
10. Apr. gregor.beginnt.(DiesenTag gibtauchLeonhardBauer, Volksleben
im LandederBibel 2. Aufl.1903pg. 141 auf Grund eigenerBeobachtung
Datumdes Erntebeginns
als durchschnittliches an). Nunweiss
in derJordanau
ich aber aus meinerTätigkeitals Landwirt, dass,bevoreinganzesFeld zum
Schneidenreif,schonmehrerekleineStellen mit reifenÄhrenvorhanden
sind.(MancheLandwirte bezeichnenmiteinigerÜbertreibungdieGerstege-
radezuals " zwiezeitig
,,).DieseerstenreifenÄhrenkonnten gutbüschelweise
schonam 31. März(als dem frühesten 15. Nisan) nach Jerusalemgebracht
und dortam 1. April(als dem frühesten 16. Nisan) als Opferdargebracht
werden.AufdieseWeiseergibtsich die Schaltungbei den altenJudensehr
leicht.

This content downloaded from 46.243.173.129 on Sat, 28 Jun 2014 15:30:41 PM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
am 14. Nisan
ChristiKreuzigung 55
nute des Eintritts des Neumondes(Schwarzmondes)in Jerusalemer
Ortszeit,wobei der Tag um Mitternachtbeginntund v = Vormittag,
n = Nachmittagist. In der 3. Kolumneist der JulianischeMonatstag
des 1. Nisan gegeben,beide Tage beginnenhier mitMitternacht,ob-
gleich der jüdische 6 Stundenfrüheranfängt,nämlichum Sonnenun-
tergang des vorhergehendenJulianischenMonatstags. Es folgtdann
der JulianischeMonatstag und Wochentag des 14. und 15. Nisan.

i i
Nisan
Jahr Neumond j 1. |
14. Nisan 15. Nisan

28 13. April 4h 34mn 15. April 28. AprilMittwoch29.Donnerstag*


j
29 2. April 7h55mn ' 5. April 18. AprilMontag 19.Dienstag
¡
30 22. März 8h 24mn 25. März 7. AprilFreitag 8. Sonnabend
31 10. April 2h 10mn 12. April 25. AprilMittwoch26.Donnerstag
!
32 29. März llh 2mn ! 1. April 14. AprilMontag 15.Dienstag
33 19. März lh 26mn ' 21. März 3. AprilFreitag 4. Sonnabend
34 7. April 2h 10mn j 9. April 22AprilDonnerstag23.Freitag
j
* Nur in diesemfahrist der angenommene Veadarfraglich.
Warnicht
so
geschaltet, war14.Nisan= März30 15.
Dienstag, Nisan März31 Mittwoch.

Es kommenfür den Kreuzigungstag nur in BetrachtJahr 30,


April 7 und Jahr 33 April 3, weil sie beide auf Freitag fallen; sie
entsprechenbeide dem 14. Nisan. Allerdingsfällt im Jahre 34 der
23. April auch auf Freitag,entsprechenddem 15. Nisan, aber ist es
denn überhauptmöglich,den Tod Christiso spät zu setzen? Er hätte
dann bei seinem Tode ein Alter von etwa 40 Jahrenerreicht! Da
diese Daten vom Neulicht abhängig sind und die Berechnungdes
Neulichts eine rein astronomischeSache ist,so entscheidetdie Astro-
nomie, dass Christusnur an einem der beiden gegebenenTage ge-
storbensein kann.Es haben also diejenigenRecht, die auf Grunddes
EvangeliumsJohannisden Tod des Herrnauf den 14. Nisan setzten(£).
Welches aber von den beiden Jahrendas richtigeist, darüber
könnennur die Historikerund Theologen entscheiden.Wenn ich mir
darüberals Astronomeine Meinung erlauben darf,so möchteich der

(*) Quae in EvangeliisSynopticishuic conclusioniadversarividentur


próximaelucubrationediscutiuntur
[NotaRedactoris].

This content downloaded from 46.243.173.129 on Sat, 28 Jun 2014 15:30:41 PM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
56 am 14. Nisan
ChristiKreuzigung
AnsichtGerhardtszustimmen,der das Jahr 30 als richtigannimmt,
währendin neuererZeit viele fürdas Jahr 33 eintreten.
Meine Gründe dafürsind wieder rein astronomischer Natur. Die
bekannteSonnenfinsternis vom Jahre 29, November 24, von welcher
Phlegon berichtetund welche in Nicäa total war,wird von Eusebius
und anderen mit dem Tode Christi in Verbindunggebracht,was
selbstverständlich ein Irrtumdieser Chronologenist. Denn eine No-
vember-Finsternis hat mit April-Ereignissennichts zu tun. Jedenfalls
denke ich mir,muss aber diesen Chronologenüberliefert sein,dass sie
zeitlich nicht weitvom Todesjahr vorfiel.Nun liegt sie nur4 V2 Mo-
nate vor dem Todestag im Jahre30, aber fast 3 4/2Jahre vor dem
im Jahre 33.
Diese ganze Untersuchung ist selbstverständlich
unterder Voraus-
setzung angestellt,dass die Juden um die Zeit von ChristiTod noch
streng rituell ihre Feste feierten.Damit meine ich, dass der erste
Nisan genau nach Neulicht fixiertwurde,und dass der erste Passah-
Festtag auf den 15. Nisan fiel,ganz gleich ob dies ein Freitag oder
Sabbat war. Ich halte es auch für ausgeschlossen,dass, z. B. im
Jahre 30, wo der 1. und 15. Nisan (Passah) auf Sonnenabend(Sabbat)
fielen,die Juden den ersten Nisan irgendwieverschobenhaben, im
Widerspruchmit der Neulichtbeobachtung (4).
den
Berlin-Steglitz 20. August 1927.
Karl Schoch.

(A)Zum Schlnssbemerkeich noch, dass in meinenPlaneten-Tafeln


S. 15 die Tafel P und Q ganz besondersfürden jüdischenKalendervon 8
v. Chr.bis 200 n. Chr.brauchbargemachtwerdenkönnen,wenn manin
der Cyclentafelvon P den Cyclus-f-9 streicht.Setztman dafürdie Cyclen
- 7 0
+ 69 0
+ 145 0
so erreichtmaneine solcheÜbereinstimmung mitdemjüdischenKalender,
dass fürdiese wichtigeZeit (die Zeit Christinnd seinerJünger) von 200
Jahrenvielleicht nur8 Jahrenichtkorrekt werden.Jedesjüdische
dargestellt
DatumkannmandannmitgrössterAnnäherung dortalsjulianischesDatum
einfachablesen.
Das derBesprechung dieserPlaneten-Tafeln (BiblicaVIII, 482-4)einge-
-
fügteTäfelchenweistbei N. 2 (Hammurabi39 -2028)einen Druckfehler
auf.Es mussheisseu: Tisri30 rz Okt. 28 jul. = Okt. 11 gregor.Das Ende
der Dattelernte (d. i. die Zeil, wo reifeDattelnin grossenMengengeliefert
werdenkonnten), habe ich ebendortfürdas mittlere Babylonien auf9. Okto-
ber angesetzt.Für das südlichergelegene Larsa wird manes auf etwa 3.
Okt. ansetzendürfen.

This content downloaded from 46.243.173.129 on Sat, 28 Jun 2014 15:30:41 PM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions

Das könnte Ihnen auch gefallen