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Beschreibung

der

®ta\>t und Republik


Bern.
Zweyter Theil.
Welcher auch verschiedene wichtige Verbesserungen
und Zusätze zum ersten Theil enthält.

das aro/</e <C/lc-rn'tii(iaa<Su,th.

See», bey der typegraph. Societät/ neben dem Hotels


i T 9 6.

=11 <5 3é2Q


I

4 ^ M ^ - -z.

Vorbericht.

V§^ war leicht voraus zu sehen, daß die


im vorigen Jahre im Druck erschienene B e -
schreibung der S t a d t und Republik
B e r n / mannigfaltige Berichtigungen und
Zusätze erleiden würde / besonders wenn die
allgemeine Stimme des Publikums über sie
ergangen , und zu ihrer Vervollkommnung
mehrere Männer mitwirken wollten. Die
Verleger dieses Buchs / haben sich alle er-
denlliche Mühe gegeben, nicht nur von be-
kannten Literatoren und Landslundigen/
Verbesserungen einzuholen, sondernsieha-
ben auch jeden Käufer aufgefordert / die
Lücken zu bemerken, damit die gleich anfäng-
lich versprochenen Zusätze und Berichti»
A 2

V
4 V o r b e r i ch t.
gungen auf das best-möglichste erscheinen
könnten. Nun ist es ein vollständiges Jahr/
seitdem das Buch ausgegeben worden/ und
man nöthiget uns von allen Seiten/ unser
Versprechen endlich zu erfüllen. Wir geben
also in nachfolgenden Blättern / was wir
theils selbst mit vieler Aufmerksamkeit haben
entdecken können / theils dasjenige was uns
von Vaterlandsfreunden zugekommen / die
mit Wohlwollen/ Güte und Nachsicht unst-
rer Bitte haben Gehör geben wollen. M i t
gebührendem und herzlichem Danke erkennen
wir diese Gewogenheit; und solchen brafen/
edlen Patrioten etwas zu verdanken haben /
ist eine süße Empfindung:

Bern den loten Weinmo«ats 1795.


Innhalt des zweyte» Theils.
Seite
i Anbau und Geschichte der Stadt *) $•
(Siede auch Seite 441.J
2 Lage und Klima - - 12
lSiehe auch Seite 3?«.)
5 Bauart^ - t * - - 14
4 Merkwürdige Gebäude der Stadt \s
(Von hier sehe man auch sogleich Seite 416-4:°.)
s Bevölkerung - - - 34
6 Staatsverfassung - ° - 41
7 Bürgerschaft der Hauptstadt - 46
(Mansche auch Seite 442=>444.)
8 Namen der Bürger - - si
9 Vorschlag Für die Kinder der Armen
im Lande - < - - 56
iO Landsassen - - - - 6;
11 Polizey - - - - - 6f
12. Preiß der Lebensmittel - - 72
13 Haushaltungskosten in Bern 79
(Der Hauszins tonnte hier ä 80 bis loo Kro»
nen wenigstens stehen.)
14 Die Handelschaft .- - , - 8f
i s Kaufhaus - - - - 94
*) Die Rriegsthaten der verner in vorigen Zeiten
und die Geschichte der Stadt, enthält das kürzlich
in Bern gedruckte Uroniklein ziemlich vollständig.
Der Titel ist: Rleine Rronit für Schweizer/
mit «3 Kupferstichen 1795.
X
Seite
16 Gewerbe « - - 97
17 Baurenstand (Sitten) « - 105
18 Btmrenstand (Haus und Landwirth-
schaft) - - « 116
19 Vaurenstand (Viehzucht) - 119
20 Oelonomische Gesellschaft von Bern 151
(Der President ist qeqcnwnrti« : Herr Alt.
LanduUlN Rirchberger von GoitMdt, Die
©cfretaijcii sind: Herr Professor ©tapfer,
junior fur die franzos. und enql.,Correspon<
dcnz ; Herr Diaconus Grüner fur den deut»
schen Briefwechsel und Führung des Ma»
nuals,)
21 Kriegsverfassung - - « 155
22 Kirchenordnung - - - 166
23 Ehegerichtsordnung « « 17c»
24 Gymnasium (Akademie) » '74
25 Landschulen - * « 178
26 Schulordnungen « - « 20a
27 Die Landgeistlichen - - 210
28 Sitten zu Stadt und Land 217
29 Ausartung auf dem Lande - 226
30 Stadtrechte - - < 247
Landrechte . . . » 24S
Gerichtsordnung < 249
Criminalrcchte . . . . < 257
zi Polizeyordnungen - 2f9
Otadtquarticrordnuna > . î?9
Ordnunq für die Fremden « 263
Klciderordnung » » » s6î
Häuferkauf . . . .> 266
Fcuerordnung . . . ,» 268
Strasscnba». Ordnung » 271
32 Gewichte und Maasse der Stadt 277
Seite
33 Geldcours * ' '* * .* 290
(Noch anzumerken: Die Neuenthaler à 40
Batzen werden zu «^ Stück auf die rohe
Mark ausgemünzt. Die neuen Vatzen
werden seit letztem Dekret vom >6ten © n t .
1793 jetzt schwerer ausgemünzt, nemlich 90
Stuck auf die Mark. Halbe BY. 1:5 auf
die Mark! Rreuzer 232 Glück, und vie»
.rer wie vormals 4°° Stück auf die Mark.)
34 Kunstsachen. Gemälde u. s. w. 294
Münzkabinette » » » 303
35 Schriftsteller (lebende) * 306
36 Idiotikon. Provinzialißmen 31s
37 Posten-Einrichtung. Reiserouten 328
38 Der Kanton. — ©eise 339 bis 376
Die Gcacnd um Bern » » 33?
Die Gcacnd um den Vieler » undNeuenburgel«
See • »• > 34»
Die Straße ins Pays » de Vaud - 345
Die Gcqend um den Gciifcrsee » 348
Das Emmenthal . . . 36c,
Die Geilenden der hohen Alpen » 363
Das ödere Aergäu • » 57l
Das untere Aeraiii • • 374
39 Ganze polit. Cintheilung des Landes 376
40 Allgemeines Gemälde vom Kanton.
Klima und Boden » • 37z
Menschenschlag » . » 38:
National-Industrie . » 388
Reaicrunq und Sitten » . 39?
41 Haupttheile der Vernergeschichte 412
Einzelne Verbesserungen und Zusätze füö den
itc« T h e i l v o n Seite 4»o vis 44'.
Noch einige verbcsserungti» zum 2ten Theil.
Seite i? , unten, Röhre :e. lies Kanäle.
Seite 51, schreibe deCrousez; de Cerja; von
Hcrrenschwand; von Lcrbcr; de Vigneule. cette
90oben', 350 tausend Kronen (jährlich) ein. Seite
3 58 und 359, dem kleinen Rath kommen die Todes-
urtheile auf dem Lande alle zu. Seite ; 69, Sancn
hat nur 4 Hauptthäler; die übrigen kann man nur
Hohlwege nennen. Saanen, G'steig, Laucncn,
blblentschen, diß sind Thaler, Die Volksmenge ist
auch nicht 9, sondern höchstens 6 tausend Seelen;
denn es sind nur gegen ? hundert Mann zur Miliz
eingeschrieben; die übrigen sind Greiße oder Kin-
der, Weibcr und Mädchen. Seite 370. Ein Kenner
von Acten behauptet, daß auch hier die Einwohner
dem Trunk höchst ergeben sind; also das Lob der
Wohlhabenheit nur auf wenige paßt.
Solaende Znlilenschlcr / bitte ich vor dem Gebrauch mit ter
Feder ju ändern.
Seite 49 unten u statt i«, Seite 158 / 54 statt 23 Artillerie
!»m». Seite 36s / 3 statt 5 Stunden. Seite 3««/ « statt 10
Stunde» lang. Seite 369 < unten « 6 nickt 9 tau,end Seelen »
und 4, nicht 8 Kirchspiele. Seite 380/ unten, 1200, 1500.

v
Anbau und Geschichte der Stadt.
tZu Veite i > 4.)

N a ß dem Erbauer von Bern, Berchtold V. seine


Söhne vom Adel vergiftet worden, hat Schöpflin in
der Historia Zœringo - Badenfis, auch H e « Prof. Wal»
ther in einer besondern Schrift widerlegt. Schon lange
glaubte auch kein Mensch mehr an diese alte Volkisage,
ob sie sslcich in allen Geschichtsbüchern als volkesi^ge
noch vorkommt, und auch bey der Veschreibung von
Bern sich mit eingeschlichen hat. Man bat uns dage«
gen vorgehalten: der Zweck Berchtold» V. bey Er»
bauung der Stadt, sey
1) Nicht Rache gegen den Adel, wegen vergif»
tung seiner S ö h n e ;
2). Nickt Bezähmung der Tyranney des größer« und
zu machtigen Adels *) ;

•) Dock muß der ttnaAMttt Adel tieft Erbnuung ungern


gesehen hoben, «cil die Berner sogleick K r i e g mit ihnen
»«kommen; UND der Gras von S«v»«en sie gegen t«c ueber
A3
*

3) Auch nicht Zusicherung eines Iuffuchtserts fîiv


Unterdrückte *)
gewesen. —
Man sehe die Schriften Herrn vroscssor Wal»
thers/ >»o umständlich und gut darüber gehandelt
wird. Auch mag man in Müllers Schweizergeschichte/
ltcr Theil /Nachlesen, wie er die Sacke erklären will.
Die Ableitung des Namens der Stadt «on der
Geschichte des Bärenfangs, ist eben so ein al>gcftl»nack<
tes Histörchen, Bern war schon vor dem Jahr 1191
ein bewohnter Ort. Die Nydccl war lange schon ein
Gcklöß, auch die Matte stand wirklich.
Was die alte Stein »Inschrift am untern Thor
sagen wollte : Hir erst Barn Farn. -- War Wahlschein»
lich nichts weiter, als das Granzzcichen des weich»
bildes der Stadt.
, Die Edlen ron Tentenberg haben kurz nach Er»
bauung der S t a d t , die Mühlen samt dem großen
D a m m anlegen lassen; sie kamen hernach durch Erb»
schaft an die Edlen von vubcnbcrg. (Dadurch wird
berichtiget was Seite 14 irrig stehet.)
Das Stift führt seinen Namen von den Chorherrn,
die hier gewohnt haben, als Bein noch katholisch war.
macht iOrn Sciiiïx srfmçcn mußte. Habe» b«c Edelleute
iline» dock auch nickt erlauben wolle», eine Brücke über die
Aare zu baue«.
») u»d dock waren alle, die ein Ialir in Bern aewolnit l,abeü,
«l« F r e y e anerkannt, und von der L e i b e i a e n s c h a s t
gerettet. — Laut S»»fW. Neslätiaimai - Brief. —
Es wurde etwa 40 Jahre vor der Reformation zuerst
erbauet: (wie es jczt ist/ sehe man Seite 16.)
Den wohlfeilen Anbau der Stadt nach dem Brande
erleichterten die in der Nahe liegenden großen Sand»
steine. Sic tonnen noch je;t mit geringen Kosten her»
beygcschaft werden. Daß dicse weißgr.'.ucn S t e i n e ,
woraus unsre Häuser erbauet sind/ die Ursache eines
unerträglichen und der Gesundheit nachthciligen Grades
der Hine seyn sollten, wie der Verfasser der Beschr.
von Bern (Seite 6) behauptet, leuchtet wenigen ein.
Ja es streitet gegen die Erfahrung.
I n den letzten 30 Jahren haï die Stadt ihre schön»
sten Häuser bekommen; und man bauet noch stets fort.
Die Häuser in der S t a d t / besonders die Größer«,
find ungeachtet der Erhöhung der Hausmieth«, immer
noch im gleichen Preise wie vor 3° und 4° Jahren; hin»
gegen fühlt man fast allgemein eine Theurung in den
Hausmiethcn, seitdem eine Menge von Fremden,
durch die französische und Gcnftrische Revolution hie»
her gekommen sind. Die ältern Einwohner fühlen sich
eng und theuer. Denn wer etwas zu vermicthen hat'
giebt es lieber an Fremde die theuer bezahlen, oder für
welche man möblirte Ziminer um hohen Preis hält.
Dies Gewerb treiben selbst Leute, die keine eigene Hau»
ser haben und solche miethen ; es wird ein Zweig i h r «
Nahrung : daß sie, wo ein weites Logis zu haben ist, es
an sich ziehen und damit wuchern. —
A 4
Was v«r 2 hundert Jahren die Hauser zu Bern gol»
ten, mag folgende kleine Probe zeigen:
I m Jahr ,533 verkaufte Hans Lenzburger/ Vür»
ger zu Freyburg, um 1560 Goldkronen das Haus zum
Falken; welches in vorigen Zeiten das Haus und Her»
berge des vif'ch<>f« von ilausànne gewesen.
I m Jahr 1560 ward die Wirthschaft zum Schlägel
Um - tausend Pfund verkauft.
1565. Die Wirthschaft zur Kronen galt 7000Pfund,
und wurde zehn Jahre daraus mit 2 tausend Pfund
Verlust abermals verkauft à ÇOOO Pfund.
Merkwürdig ist es, daß vor ein paar hundert Iah»
ren ein starker Graben mitten durch die Stadt gicng,
«amlich schrcg über, vom Marzilithor gegen die Pro»
menadc; und da wo jczt das große Korn »Magazin
stehet, war ei» Thicrgrabcn. Eine Brücke verband die
untere Stadt mit der obern. Mit dem Schutt von
dem großen Brand füllte man den Graben ans. Als
man die Fundamente zum neuen Kornhaus im Jahr
1711 legte, fand man noch viele Stellen dieser alten
Mauerwerke, und einen Theil der alten Brücke. —

Ich kann nicht unterlassen, über die Grund»


säye der ersten Stifter von Bern hier noch beyzu»
füge», was vor etwa : ; Jahren ein brafcr Verner
mit voller Brust und warmer Empfindung gesagt hat.
I n der patriotischen N<de vor dem äussern Stande,

••>
»oit Hrn. Chorschreib« R- Tschiffeli, sel. heißt es IM«
ter andcrm:
« V e r n hat m seinen drey bis vier ersten Iahrhunder»
ten ein größeres Schicksal als Rom in dem gleichen Zeit»
«»um erlebt : Waren die kleinen Städte Latiums schwe»
per zu besiegen als der hartnäckige / unversöhnliche,
stolze Schwärm der um Vcrn her gelegenen benachbar-
ten Grafen / Fürsten und Herrn, deren Stolz zuerst bey
Laupen gedemüthiget worden/ und die durch alle fol»
gcnde Zeiten an den Bernern unversöhnliche Feinde
und kühne Bezwinger fanden: deren weite Linder nun
seit mehr als 3 Jahrhunderten dem Berner Scepter
gehorchen? Welcher Römer war herzhafter als der
Viderbe von G r e y c r s : wo war ein größerer Heerfüh«
rer als Ulrich v o n Erlach; wo ein redlichererMagistrat
als Fränkli der Seckelmcister; wo ein tugendhafter«
Bürger als Adrian von Nubenberg? Die Mauren
des stolzen Roms können sie sich, wie unsere Wille
rühmen, daß sie niemals erstiegen worden?
Die scheußlichen Abschilderungen die uns die Mönche
von dem Charakter des Erbauers von B e r n , Berchtold
dem V. machen, ist uns Beweis genug, und ein un.
trüglicher Beweis, daß er ein« der würdigsten und
seltensten Mlnner seiner Zeit war, der. uns von den
tückischen und hungrigen Anfällen d « weltlichen und
geistlichen Tyrannen zu verwabren suchte. Er war ein
wahrhaft fürstlicher M a n n , der keine andere Ehre
kannte als die Sicherheit und das Wohl des ihm an«
«5
vertrauten burgundischen Volkes — aus dessen Mitte
wir empor gewachsen. Er war zu groß, zu reich, zu
mächtig/ zu gerecht, als daß er das Vermögen feiner
Untergebenen hätte antasten lassen sollen. — Sollte
es jemand noch in Zweifel ziehen, daß Bern einen fol«
chen Wohlthäter hatte — so steige man hinauf zu dem
Anfang unsrer Geschichte. — Man betrachte die Stif»
tung unsrer Vaterstadt, ihre Aufnahme/ und ihren
heutigen Zustand: _
. An einem säst unmerklich erhabenen Orte, auf drey,
en Seiten durch den schnellfiicsscnden Fluß, und an der
uierten durch Gräben und Mauern befestiget, legte der
weise Herzog die neue Frcystavt an. Diese Zuflucht,
die seine Menschenliebe, seine bescl,ütze«de Gerechtigkeit,
den Bedrängten von allen Ständen öfnct, ist eben so
sicher, eben so heilig, als die Hörner des Israelitischen
Altgrs. Auf dem freyen Boden des römischen Reichs
erbaut, stark durch ihre uorlheilbafte Lage, noch stär«
ker durch den gewaltigen Schutz ihres mächtigen Stif»
ters, wird die Stadt in wenigen Jahren mit Einwoh»
nern, mit Bürgern, angefüllet.
Nicht nur bedrängte Landmänncr, gleick dem Vieh
gehaltene leibeigene Leute aus Dörfer» und Städten,
sondern selbst eine Menge de« in Uechtland sitzenden gc«
druckten Adels, flüchteten sich in ihre Mauren. Durch
die Erfahrung belehret, bringt ein jeder die Empfin»
dunz eines ächten Republikaners, den Abscheu vor Ge»
walt und Tyrannen, in seinem Busen mit. Jeder füh»
set den Schmerz feint« neuen Mitbürgers in dem eige»
ncn vormals erlittenen Unrechte. Jeder segnet die er»
worbene Freyheit/ den Nachdruck der gemeinsamen Ver»
theidigiing / den rettenden Fürsien. Berchtold höret
sie, lichelt ihnen Muth und Beyfall z u , und «rundet
auf diese Stützen unsern noch heute blühenden Freyftaat.
Kaum hatte der großmüthige Stifter seine Augen
geschlossen, und seine verwaiftte Stadt die ersten Lhri«
nen verweint, als sie da« doppelte Glück hatte, von
dem Kayser die Bestätigung ihrer Freyheiten zu erhal»
ten, und ihrem Abgesandten, Herrn W a l t h e r n v o n
Aeschidach, den edelsten Beweis ihrer Dankbarkeit zu
erstatten. I n ihm erwählte man den ersten Schult»
heisscn.. Glückselige Staaten, wo sich die Grösse der
Belohnung nach der Grösse der Verdienste messen darf!
Diese Freyheiten, diese ursprüngliche Rechte der
Stadt, verdienen die gröste Aufmerksamkeit. I n ihnen
liegt der Grund unserer spätern Wohlfahrt. Das Erb»
reckt der Eheleute; das Verbot fremder Richter, i n
Streitigkeiten zwischen Bürgern; die gesetzte Schmach
auf die Verletzung des Ehrenworts und des Gastrechts:
die gesetzliche Verbannung lüderlicher Haushalter " ) ;
die Vüraerspflicht, ein eigenes Haus in der Stadt zu
besitzen, sind Verordnungen, die das Band der Mit»
bürger noch enger und ehrwürdiger, und aus allen Ge»
schlechtem gleichsam eine einzige Familie machen mußten.

») Wer seine Schulten nicht bezahlen konnte, hatte sein Vür»


«errecht ««rlohren.
Was aber zu der tiglichen Vermehrung der 35 ftr»
gerschaft und der Stärke des Staates am meisten bey»
getragen hat, war das edle große Vorrecht/ daß jeder
leibeigene, wenn er ein Jahr in der Stadt Bern geftf»
sc» war, die Freyheit, das erste und edelste Kleinod
der Menschheit, wieder erworben hatte. Welch ein
stechender Dom in den Augen der umliegenden kleinen
Tyrannen: Welch ein mächtiger Beweggrund, die
Maure» zu zerstören, hinter welchen sich ihre Unter»
tbanen vor dem Uebermaaß ihres Muthwillens und ihrer
Eigcnmacht sichern und schirmen konnten. Denn
Bern trug den edcln Namen einer Freystadt nicht vcr»
gcbcns. Sie hatte Muth und Kräfte genug, die
Flüchtlinge wider ungerechten Angriff zu schützen.
Kaum ein halbes Jahrhundert nach ihrer Erbauung hat»
te sie wirklich das wichtige Amt eines Procuratoris Lu»
gimdiœ erhalten. Ein Amt, welchem sie, wie mir
scheinet, die ersten hohen Rechte über die vier Landge«
lichte zu verdanken hat.. "

Lage und Klima.


<Zu Seite 4.) ,

Sulzer beobachtete, als er das letztemal in Bern


war, im Jahr 1776: die Gegend um Bern herum ist
von Natur wild, mit mannigfaltiger Abwechselung von
Bergen, Thälern, Wäldern, Aeckern und Triften,
ßhe das Land angebaut worden, mag es eine fürchtet»
liche Wildniß gewesen seyn. Iczt ist diese WildnJ in
eine höchst angenehme Landschaft verwandelt. " —
Unser Stadtbach trägt nicht wenig zur Reinheit
der Luft bey *). Hingegen sind wir sehr den Nordwin»
den (la Bise) ausgesetzt; diese schneidende, rauhe Winde
durchstürmen unsre Lauben oder Arkaden mit Heftig»
t e i l ; und man sann viele endemische Uebel da»
her zur Ursache annehmen. S o findet man bey uns
auch viele Leute mit schlechten Zahnen: und Zahn»
schmerzen sind fast durchgängig sehr Mode: vorzüglich
leiden daran die Bewohner aus den Seiten der Aare.
Rheumatische Uebel find also die Folgen dieses KllmaS.

Luzern liegt den Schneegebürgeu viel näher als


Bern; und doch ist es um ein gute« wärmer. Die Kilte
des Berner Klima rührt her: *
i) Von seiner hohen Lage; und
2) Vorzüglich von seiner örtlichen Lage (Exposition.)
Diese mache» Bern zu einem der kältesten Orte von
gleicher Erhöhung.

") Dicsci Stadtbach , welche» auch durch alle Nclengassc»


streicht, wird »och durch Röhre unter die Häuser geleitet, um
die uurcinlichlciten der Sekrete wegzuschwcmnieu. Er giebt
nicht nur Erfrischung bc» der E»mmerhiye, sonder» ist auch
bey Feuerlbriinste» sehr bequem, da«», wenn man ihn schwellt,
Wasser geuua liefert.
23st-u a r t.
<Z» Seite 5.)
V e r n , wie die ©twdt heut zu Lage stehet/ ist im
fünfzehenden Jahrhundert neu aufgebaut worde»,
da duich eine allgemeine Fenersbrunst ini Jahr 14«;
fünfhundert und fünfzig Häuser im Rauch auf«
gicngen *), Die altcu Gcdäudc waren meistens schlecht
und von Holz. I m Jahr 157; brannten abermals 43
Häuser ab; und die letzte merkwürdige Brunst hatten
wir i6?8/ wo 30 Häuser in Asche verwandelt worden.
Die gerade» und breiten S t r a ß e n , find also nicht
auf Rechnung der ersten Erbauer der S t a d t zu
setzen.
Lange nach den Burgundischcn Kriegen hat die Stadt
ihre Festungswerke erhalten: von der Seite gegen das
Wclschland^var sie fast offen. I m Jahr 16:^siengmau
den Vau an, und kaum sind es î c o I a h « , daß die obere
Schanz vollendet stehet.
Ueber die Arkaden giebt es, wie über alles iu der
Welt, mancherley Meynungen. Sie haben ihr beaue»
mes und ihr unbequemes. Bequem ist das Gehen dar-
unter be» schlechtem Wetter, aber unbequem das ge»
druckte Aufeinanderstoken, wenn die Volksmenge sich

*) I n dleftm Vrand «erlolie die Stfict ihre alte Urlu»de» und


Schriften, doher wissen wir so wen!» von den ersten (Stiftern
und Gründern unsre» llevudlik.
häuft, oder um Mittagszeit die Arbeitsleute und die
Kostgänger sich alle begegnen, und zu Ceremonien und
Coniplimenten gezwungen werden, die man zwar wohl
unterlassen könnte; aber nicht gerne gegen Bekannte
und Angesehene nach den Regeln der guten Lebensart
unterlassen darf.. — Bequem sind die Lauben des Nachts
wenn die Lichter brennen; unbequem/ wenn sie erloschen
sind, und man wie in Todtengewilbern gehet; sonder»
lich spät, wenn keine Leute mehr sich hircn'und sehen
lassen; bequem sind die Lauben für die Besitzer der
Häuser, die aus ihren Läden bessere Hansniiethe ziehen,
aber unbequem für die Hausleute^ selbst, die dadurch
enge Einginge und dunkle Stegen erhalten; bequem
sind die Lauben für Kaufleute und Krämer, die ihre
Waaren im Trocknen auspacken und uor der Nässe und
dem Wetter besser schützen können; aber unbequem find
sie im höchsten Grade beym Einkauf der Waaren, da
man die Güte oder Schlechtigkeit bey dem gebrochenen
Lichte nicht erkennen kann; oft an dunkeln Lagen, muß
das Kerzenlicht fast den ganzen Tag in den hintern
Romtoiren brennen ; in diese Niederlagen kann auch die
Sonne nie eindringen, sie sind feucht, und für die
Waaren und die Bewohner schädlich.
Daß diese Bauart von Arkaden aus den Zeiten der
RreuZzüge zu uns gekommen, ist eine Vermuthung/
die man sich wohl erlauben kann, da wir nichts gewis>
ses darüber aufgezeichnet finden. Viele alte Städte in
Deutschland und der Schweiz haben diese Bauart. Doch
ahmt ma» sic iu neuen Zeiten selten nach. Vermuth«
lich sab man die größere Unbequemlichkeit ei». D i l
alte» LandstH»tt/ haben sie noch; hingegen da wo ganze
Quartiere von den Feuereblünsten aufgeräumt worden,
firfd die neuern Gaßen nicht mehr in diesem Styl auf»
««führt. Man sehe A a r a u , Lcnzburg, Nidau u. s. w<

Merkwürdige Gebäude der Stadt.


(Man sehe im in Band Seite n bis 53,)

Das neue Chorhauo und Stift.


<Z» Sc!« 15. in Beschreit', von Vcr». ir Band.»

I n dem Chorhaus welches die ganje Breite de<


Münster »Platzes ausmacht, «nd im Rücken eine Herr»
liche Aussicht gegen die Gebürgt hat, wohnen im Stock
neben de»! Kirchhof der Herr Chorschrnbcr, und einer
der Stadtgeistlichen: daselbst versammelt sich auch das
Ehe» oder Cborgericht. I n der Mitte des GHiudeS,
au Corps de logis > ist das sogenannte S t i f t , darin»
wohnt der Hr. Stiftschaffner, (eine Art Landvogte»
über die vormaligen Klostergüter, die zum Münster ge.
Hirten); im andern Flügel gegen die Stege, wohnt
der Herr Dekan, oder oberste Pfarre».

Bib-
Bibliothek.
(Zu Seite 19 > aiO
Man siehet beyden nun hierzu dienenden Gebnudeii
sogleich a n , daß sie weder zu gleicher Zeit, noch nach
einem übereinstimmenden Plan find gebaut worden.
I n der Vi-ldcrgallcrie sind weder Reformatoren«
noch Dekanen» noch Professoren » Portraits befindlich:
nur HaUers und Modells Poitraite aus der gelehrten
Welt.
Das Naturatiencabinet füllt ein eigenes kleines
Zimmer an: wird abcr gegenwärtig so vermehret, daß
man bald noch ein anderes Zimmer dazu wird bestim»
inen müßen.
I n einem eigenen Schrank werden viele Merkwürdig»
leiten von den freundschaftlichen und Sandwichs^Inseln,
auch von Nootlasoimd, als Kleidungen, Hausgcrithe,
Wafeli, ü. dergl. aufbewahrt. Ein Geschenk des durch
feine schönen Gemählde zu der lczten Seefischen Reise-
bcschrcibung berühmten w e d e r s , welcher Bürger von
Bern, un« in seiner ersten Jugend ein Schüler von
Äberli war. Er starb, allgemein bedauert, in der Blüthe
seiner Jahre, zu London im Frühjahr 1793.
Zwey andere große Schränke in eben diesem Zimmer
Enthalten eine schon ziemlich schöne Sammlung von
Conchylien, vitlerlcy M'eeresprobukte, und vorzüglich
schöne Mineralien, unter welchen lezternsicheinige ausser»
ordentlich große Quarzkristalle auszeichnen, die am Fußt
des Jinkenberges in der Nachbarschaft der Grimsel sind
I I . Theil. B
gegrabc» worden. Eine anscbnliche Suite von italinni«
schcn,ft«nzösischeu,badenschen ic. Maimortafeleben, von
Gcbürgö'UNd Erzartcn aus dem Vleybergweik in Lauter«
brunncn K. Da schon verschiedene beträchtliche Geschenke
von Naturseitcnheitcn an die Bibliothek gemacht wor>
den, und man zur Vermehrung dieses Kabmetes gut«
Anstalten getroffen hat; so wird dasselbe in einigen Iah,»
rcn besonders an bernischcn Produkten, reich und unter»
richtend werden.
Ein kleines Crocodil, das gewundene Horn des
Naroalls (Monodon Monoceros ), ein ganzer Stirfisch/
der Kopf des WallrosseS (Trichecus Rosrnarus) mit sei°
nen zwey langen hervorstehenden Hauzähnen/ verschie»
dene Waffen, Körbe, Zierrathen, von den Süd.Indischen
Inseln, zieren die Wände dieses Kabinetts.
Die Sammlungen von Münze», Medaillen, An-
tiquitäten ::. werden auch in einem eigenen Zimmer
aufgestellt werden.

Die I n f t l oder das Rrankenhaus.


(Zu Leite »?.>
Der Namen I n s t l kommt her von dem an diesem
Ort gestandenen Nonnenkloster, die Insel genannt.
Es waren zu Vrunnadern auf einer kleinen Insel die
Klosterfrauen wohnhaft, die sich nach Bern gefluchtet
»nd zu großer« Sicherheit hernach dies Kloster gebaut
haben. Iezt ist diese Insel ein Krankenspital; lange noch
brauchte man das alte KlostergehHude: da es ad« den

...r:**-
:? IlMy'i?iZ grösienthcils abgebrannt/ so tnlschloß sich
die Regierung, und fetzte sozlnch 52 tausend k>,ernkro>°
ncn dafür aus, »ein neues, bequemes Krankenhaus zu
errichten. 1713 den 23 Januar wurde der Grundstein
gelegt. I m May 17:0 stund es fertig da. Aller Haus»
rath, alle Betten wurden neu angefckaft. Den Plan
des Vaues hat ein Baumeister von Brcgcnz, Namens
B ä r entworfen, und Werkmeister DünF hat solchen
ausgeführt. —
I n dieses Krankenhaus werden nickt nur arme
Kranke aus der Bürgerschaft, sondern auch Fremde uud
tandleute^ Dienstboten., Gesellen, verunglückte Reisen«
de aufgenommen. Vorzüglich aber kommen dahin die
tranken Unterthanen aus dem ganzen Kanton B e r n ,
die mit einer schweren, aber heilbaren Krankheit be<
fallen w«rden. Die landsgeme'indcn liefern dahin Eyer,
Hüner, Obst. Auch besitzt dieses Haus große Einkünfte
von Gütern und Zehcndcn.

Ein eigen« Operator, oder Wundarzt wohnt irt


einer freyen Wohnung gegen her Insel über. Ausser
demselben aber sind 6 Stadtärzte bestellt, wovon jeder
seine Reihe hat (die 2 ältesten ein ganzes J a h r , die 4
jünger» aber, ein jeder 4 Monate^, welche als Ordinarii
des Hauses taglich 2 mal dahin gehen, alle Kranke Ve
suchen! und dafür ein gewisse« Einkommen haben. Auch
3 Gtadt» Chrruraen gehen da ein und aus. Es ist keine
Operation, welche in diesem öause nicht schon geschehen^
«nd w» die Miglichleit der Heilung / auch de» schwer»
sten Fälle nicht versucht worden wnre.
„Vielleicht (sagt Hirschftld) ist diese woblthntige
Anstalt, die einzige in der Christenheit / und welche
der Aerner Regierung in der That große Ebre
macht: denn hier werden Einheimische wie Fremde
mit gleicher Sorgfalt behandelt. (Aller Unterschied
von Landstind oder Ausländer fällt hier weg ; mau siehet
nur den leidenden Zustand des Menschen an, sein drin»
gendeS Bedürfniß, und alle andere Rücksichten ver»
schwinden). Hier finden also nebst den Armen vom
lande und aus der S t a d t , vorzüglich auch fremde
Rranke — ihre Wege und Unterhalt, ohne Ansehung
der Religion und de« Vaterlandes. Wenn ein solcher
a»mer Kranker wieder genesen ist, giebt man ihm Klei»
düng, Wäsche und Reisegeld, oft auch Emvftblungs»
briefe, daß er feinen Weg weiter fortsetzen könne. „ —
Ich weiß der Fälle, wo solchen Schwcrkurirten und ganz
hülflosen Kranken zu 6 und 10 Ncuenthalern gegeben
worden.

, Spital zwischen den Thoren.


Qu Seite 28.)

An dem Ort wo jezt der Spital stehet, war sonst


ein Kloster der barmherzigen Brüder, wo also auch
Kranke gepflegt worden : diese sogenannte fromme Brü»
der sind aber in der Folge der Zeit solche ärgerliche
Buben «eworden, Mi kein ehrlicher Mensch mehr su
ihnen gebracht seyn wollte. S o sckin die Stiftung <m
sich selbst war, so hat der zunehmende Reichthum de«
Klosters sie alle verderbt. Durch viele Stiftungen gott»
seliger Leute, sind sie,reich geworden/ u»d so trieben
sie Hochmuth und das schändlichste uud wollüstigste
leben; es waren stolze Bettler und schamlose Säufer
und Hurer. — Daher die Obrigkeit damaliger Zeit
im Jahr i;o6 sich in einem Schreiben an die Ordens»
brüder also ausdrückt: » W o euer Vorsteher nicht dazu
«thut, daß es mit' diesen Bachu'sgcsellcn besser werde /
„so werden wir das ganze Gebäude niederreißen / wel»
»ches von Bürgerstiftnng erbauet/ und durch ihr Alm«-
„scn ernährt worden, denn das Volk sey müde/ durch
»solche elende Prahler und Schweiger sich noch ferner
»nuIbrauchen und zu Aergerniß«: verleiten zu lassen.
»Die, Obrigkeit'werde nicht länger zusehen / wie durch
«diese Greuel, die Sitten des gemeinen Mannes im»
»mer mehr und mehr verderbt werden. " — Bald
darauf ward dieses Hau« verändert, und unter die Auf»
ficht der Obrigkeit gesetzt. — E« kamen viele neue Stif»
tung^gelder ein, die von wohlthätigen Menschen dahin
gegeben worden, dadurch ward es bald zu einem reiche«
S p i t a l . Der Platz ward zu enge und das Gebäude
wurde alt; also dachte man im Jahr i ? « zuerst daran
ein neues Gebäude aufzuführen. Die Berathschlag«»»
gen gicngen bis aufs Jahr 1731, wo man endlich zum
Entschluß kam/ und an der S p i t a l m a t t e / ausser der
Stadt/ nahe bey der Ziegelhütt« den Ban aufführe«
V 3
wollte. Als man Hand ans Werk legte, fanden sich ab«
linübclsteigliche Hindernisse: es ward auch für unfcot"*
lich angesehen, ein Haus , das den Stadtarmen bc«
stimmt war, ausser der Stadt zu verlegen. Man wählte
also die heutigeSpitalgaße dazu, gerade neben Verheil.
Geist Kirche. Hier kaufte man eine ganze Reihe alter
Häuser, die mau abriß, und schon war man mit dem Auf«
bauen beschäftiget, als der unvermuthcte neue Vorschlag
allgemeinen Beyfall fand, den großen Platz zwischen
den Tborcn dazu anzuwenden — die alten Baracken
die dort stunden abzureißen. Ein ftanzlslscner Bau»
Meister, Abeille, machte den Plan, und so ward das
Werk schon im Jahr 17:4 angefangen, den 17 Mai} dag
Fundament gegraben! den a Iuly der Grundstein gc»
legt; l-37 am<i3 December stund eö bereits unterDach.
188 Ardeitsleute zogen an diesem Tage frölich durch
die s t a d t , und ftyertcn die Beendigung des Baues
durch ein all^meines Jubelfest. —
174: ward das Gebäude zu bewohnen angefangen.
Aber bald sah man mit Bedaurcn, daß die Sandsteine
zu uerwitten anfieugen, und der ^Salpeter sie noch mehr
zerstöre; man mußte fürchten das Gebiude bald sinken
zu sehen. Es ward allerley versucht; aber lein Mittel
half. Eudlich sab man sich nolens volcns genithiget
im Jahr 178- einen neuen Untersatz von wildem Mar»
iiioc zu le^en; und nun stehet das Gebäude solide
für manches Menschenalter.
Dieses iezt f» schone Gebäude, ist eines der weit»
läustigsten in der Stadt. E» enthalt z- warme Zimmer.
Die Obrigkeit gab gleich anfänglich zum Bau 14»
tausend Tdaler her.

Das neue Rorn^aus/ neben dem neuerbauten Hn«»


tcn>Wayscnhaus, ist für den S p i t a l erbaut worden,
und zwar nickt auf Kosten der Regierung, sondern aus
dem Fond des Spitals.
Das große Rornmagazin beym untern Graben,
welches wir in Kupfer gestochen auf den Titel dieses
zweyten Theils setzen,^ ist in der Beschreibung von
V e r n , Seite 54, beschriebet. Hier fügen wir noch'bey,
daß das unterste Stockwerk ein mit vielen Pfeilern unter-
stüztes Gewölbe ist, sehr gut gepflastert, geräumig, durch»
«us helle und zum Fruchtverkauf vorzüglich gut ange»
legt. — Das Weinmagazin, das darunter liegt, und
Seite 26 beschrieben ist, enthält nicht Weine zum Ver»
kauf, sondern die Zehcnden » oder Domänen« Weine —
womit die Regierung die Weinbesoldungen in Natur«
ausrichtet.

Zu Seite 47. Nicht die Unbequemlichkeit den Schatz


und das Archiv des Staates zu transportiren, sondern
andere wichtigere Ursachen haben bisher den Bau eines
neuen Nathhauses aufgehalten. Vorzüglich die großen
Ausgaben die dieses Gebäude erfordern würde, und
Vorzüglich auch, daß ein geschmackvolles und prächti»
B 4
gcs Ratbhaus bey den Patriziern den Geschmack an der
edlen Einfalt ihrer Privathiuser verderben/ Pracht und
Luxus aber noch mehr befirbcru möchte. Viele Berner sehe»
auch das alte Rathhaus, auf welchem jeder S a a l , jedes
GcmHhlde irgend eine merkwürdige Scene aus der vatcr-»
ttiidifchen Geschichte ins Gedächtniß zurückruft, und
in welchem ihre Voreltern so viele große und gute Cnt»
schlüße gefasset, als eine A r t von ehrwürdigem Heilig»
thum a n , das nicht ohne absolute Nothwendigkeit ab»
geschaft werden sollte.

Zu Seite ; : . N u r die Reitschule beym Ballhaus,


hat Hr. I , F. Fischer dcr Bereuter aufführen lassen,
hingegen die neue Reitschule so neben dem großen Korn-
haus stehet, ist ein obrigkeitliches Gebäude, und ist
auch viel ansthnlicher als das alte, so nunmehr ganz
eingegangen ist. —

Zu Seite 53. Das Ballenhaus ist lezchin zu Handen


des KranttnspitalS (dcr Insul) zu Anlage eines neuen
Kornhauscs angekauft worden.

D i e Zuchthäuser.
COT«» fts)c Seite 3,' > 4 - . der Beschreib. v»n !8mi.)

Die erste Stiftung des Zuchthauses zu B e r n , das


noch jetzt den Namen Schallenhaus t r i g t , ist nicht be»
sannt. Die Ältesten gewissen Nachrichten davon gehen
doch bis ins Jahr 1615 zurück. Von den Jahren 1614
und ifiji hat man schon ordentliche obwohl etwas im*
Vollständige Inchthausordnungen. Damals wurden Ver»
brecher/ Bettler/ Landstreicher, hcrumschweifendeDir»
ncn ohne Unterschied in das gleiche Zuchthaus aufge»
nommen. Ihre Arlcit bestand in Säuberung der Straf»
scn der Stadt. An täglicher Nahrung erhielt jeder
Gefangene zwey Pfund Vrod und eine halbe Maaß
Suppe, doch mußten die Vermögenden diese Kost be»
zahlen. Nachdem erlitten aber jene Verordnungen noch
manche Abänderungen. Eine Erkanntniß von 1753 be«
stimmte die Arbeitsstunden für den Sommer auf eilf
uud für den Winter auf zehn; diejenigen Weibspersonen
aber, die blos jnm Spinnen gehalten wurden, mußten
noch zwey Stunden mehr arbeiten. 176z traf man eine
Sonderung der Gefangenen. Man errichtete damals,
«leich neben dem Schallenhaus, ein neues Gebäude,
dem man den Namen des äussern Zuchthauses bcyleate,
und das man für solche Leute bestimmte, die sich nur
geringer Vergehen schuldig machen würden. Auch
ward diesen die Kost dahin verbessert, daß sie alle Sonn«
tage ein halb Pfund Fleisch, und ein Vicrtcl»MaaßWein
Zulage bekamen. Die Vermögenden hatten aber jähr«
lich :8 Kronen =o Vayen Kostgeld zu bezahlen.
Der verschiedenen so oft verbesserten Zuchthausord«
«imgen ungeachtet, waren doch bey dieser Anstalt viele
Mängel und Unvollkommenheitcn. S o befanden sich
grobe Verbrecher und Leute, die nur geringe Vergehe»
B;
begonnen, selbst gegen jene Erkanntniß/ miteinander in
einer Klasse, und wurden in Wohnung, Nahrung und
Arbeit durchaus gleich gehalten. Dann wurde auch
nicht genugsam auf dir Svnderung zwischen Manns «und
Weibspersonen gesehen. Mit andern Leuten hatten sie
ebenfalls zu freyen Umgang. Ungehindert verkauften sie
ihre, ihnen auf eigene Rechnung zu machen erlaubte
Waaren, und kauften sich dagegen beliebige Speisen
ein. Es gab flußige Züchtlingc, die sich während einer
etwas längern Strafzeit so viel verdienten, daß sie bis
100 Klonen mit sich nach Hanse nehmen konnte».
Darüber litt aber die Arbeit, die ssc für daS Haus ma-
cheu sollte», ungemein viel. Nicht mehr als ? Stunde»
lagen sie derselben ob, und noch diese nachlißig genug.
Neben dem war selbst die Eintheilung der Arbeit fehler-
haft. Auch kann man den Verdienst einer Mannsperson
nicht höher als auf 3 Batzen berechnen, und die Wcibs°
Personen verdienten mit Spinnen nicht mehr als 3 Kreu-
zer des Tags.
Ucbcrbaupt war zu wenig Aufsicht, die Strafen
waren nicht zwcckmißig, und Prämien für fleißige Zucht-
linge kannte man gar nicht. Die Aufseher wurden zu
schlecht bezahlt, weswegen sich dann selten tüchtige
Leute dafür anmeldeten. Ueberdcm machte die zu große
Anzahl von Züchtungen, die sich in dem gleichen Zim»
mer befanden, die Aufsicht wirklich schwer. Das Ge^
bäude selbst hatte auch seine großen Fehler. Ein Haupt-
mangcl war der, der Geräumigkeit. Auf Reinlichkeit
ward beynahe gar nicht gesehen. S o lange die mitge»
brachten Kleider noch tragbar waren, so. zogen sie die
Gefangenen an. Betten hatten sie äusserst schlechte/
lind keine Leintücher. Aus Besserung der Züchtlinge
ward wenig Rücksicht genommen.
S o mangelhaft auch diese Einrichtung war, und
so übel sich die Züchtlinge selbst dabey befanden, so kostete
gleichwohl jeder Gefangene/ bloß an Nahrung und Klef»
düng, jährlich 4» Kronen l Batzen, denn hierzu wird
weder Aufsicht noch irgend eine andere Auslage geschla»
gen.
I m Jahre 1781 trug nun die hohe Landesregierung
einer eigenen Koinmißion die gänzliche Umarbeitung der
alten Verordnungen auf/ und der souveraine Rath der
Republik geruhcte darauf/-am 3 May 1783, die vorge»
tragene Zuchthautordnung durchaus zu bestätigen, und
die sonst angerathcnen Einrichtungen gnädigst zu gench»
migen. Nachdem wurden noch einige, zwar nicht be»
Nächtliche Abänderungen vorgeschlagen, die im Novem-
ber «788 gutgcheisse» worden, und nach welchen gegen»
wältig diese Häuser verwaltet werden.
Einer der wichtigsten Punkte der neuen Anordnung
ist wohl die gäuzliche Sondcrung der groben Verbrecher
von den Leuten, die sich nur geringer Vergehen schuldig
gemacht haben. Jene bleiben im Schallen » oder Zucht»
^ a u s , das aber jetzt sehr beträchtlich ist ausgebessert und
zurechte gemacht woryen; diese aber enttält das neu auf-
«cführtc, von jenem selbst abgeleeene Arbeitshaus. Die
Einsperrung in dieses letztere geht nicht an die Ebre,
die in dos Gchalleiihaus aber wohl! beyde Häuser stehen
unter einer Direction von fünf Regierungsglicdern.
Das Arbeitshaus ward schon im August 1783 von
»', Manns «und sS Weibspersonen der minder schuldige»
Zücktlinge bezogen/ und im Octobcr fieng man die »eue
Einrichtung auch im Schallcnhaus mit 106 Mannspe»
fönen an, schon im November 1788 befanden sich im Ar»
bcitshaus Ç6 Manns » und <»8 Wcibspersouen/ und im
Schallcnhaus u 6 Manns »und 48 Weibspersonen, und
diese Zahl steigt noch tHglich.
Die Arbeiten dieser Gefangenen sind sehr vcrschie«
den. Dcncu des Gchallcnhauses liegt insbesondere die
Reiniquug der Stadt ob / uud dazu weiden täglich im
Durchschnitt 40 bis;c, Personen gebraucht. Den Keh»
richt müssen sie selbst auf Karren wegführen, bey deren
jedem 5 bis ? Männer, und die Gefährlichern ange»
schlössen sich befinden.
Ausser dem Haus werden die Zücktlinge, zur An»
Pflanzung ihrer eigenen Erdfrückite, wozu ihnen das be>
nöthigte Land angewiesen ist, auch noch zu Straßenar»
bcitc», bey Bauen, :e. gebraucht, und hiefür sowohl
den Regicrungscollcgien, als den Privaten gegen 5
Batzen des Taacs überlassen.
I m Haus selbst ist ihre Hauptverrichtung da« Spinnen
und Weben. Neben dem werden alle Kleidungsstücke unj
sonst noch sehr viele Bedürfnisse des Hauses au Werk»
zeug, wie auch Wagner», Schreiner» und Drechslcrarbeit
von denen dieser Arbeit kundigen Züchtlingen selbst
gemacht.
Ausser den Sonntagen, Weyhnacht^ Auffahrt und
dem Vcttag/ soll alle Tage gleich gearbeitet weiden.
Hie Gefangenen sollen für die Arbeit im Haus in Klassen
getheilt werden, in gute, mittelmäßige und schlechte/
und von dem Weber » und Zucktmeister über ihre Arbeit
eine Tabelle gehalten werden: diese dient aber nur zu
einiger Beurtheilung, ob die Zucht» und Spinnmeister
das ihrige gethan und die ihnen übergcbsnen Zücht»
linge zu ihrer Schuldigkeit angehalten haben! giebt «s
aber unter den Gefangenen solch«/ die durch ihre eigen»
erlernte' Handarbeit mehr verdienen können, als durch
die Hausarbeit, so soll ihnen solches, wie lismen/
(stricken) fchaubl'ütlen, nahen, schneidern, schustern u,
zum Nutzen des Hause« zugelassen seyn, und ihnen das
Nöthige dazu angeschaft werden.
Leider aber sind bey aller landesvaterlichen Sorg»
fält doch die Beweise am T a g , daß selten ein Zucht«
ling aus diesen Hausern mit einem wirklich gebesserten
Leben heraus kommt. Die große Anzahl von Leuten,
die sich noch täglich vermehrt/ die Menge von groben
Sündern und Lasterhafte«/ die sich da beysammen sin»
den/ und die bösen Exempel/ die auch die nur halb
Verdorbenen anstecken, die Verführung ausgelernt«
Bösewichte!/ die oft eine ganze Gesellschaft zum Unge»
horsam und zur Entweichung beredet haben > dies alles
läßt uns diese Häuser noch immer mit einem Schrecken»
«efühl ansehen. —
D a s 5eiiZ?).^!5.
(Zu Seite 43 ii» 4« der Ncscür. von Vcn</ ita- £.tic:f.5
Dies alte z«u8»)äus sicher seit 157?. I n der Mitte
des Gebäudes ist ein weit« Hof. — Alif dem unter»
Boden der Rüstkammer, stehet das schwere Geschütz.
Die Kanonen, die man siehet/ sind grisientheils seit
- 1725 neu gcgoßen. — Ein guter Theil der von ïîî.iri$
gegoßencn Kanonen taugen eben nicht viel. Er verdiente
den Ruf nickt, in dem er stand. Aber sein Tod hat uns
neue geschickte Ardeiter »ciscfcafît. Unsre Slückgießerey
ist seit mebr^rn Jahren aufs neue stark in Betrieb ge«
lommcn; die Direktion darüber führen -eben so ge»
schickte Artilleristen, Herr Obrifi J o h a n n Anton w x ß ,
«nd Herr ijauytmcmn Nikolaus Gerber.
Sehenswürdig sind die eroberten Fahnen aus den
Kriegen mit Vurgund.,
Aus dem 6cI)B?«.tI'cnfricg 14?? brachten die Berner
einiges grobes Geschütz mit. Man zeigt eine große
Stüc?:>üchst 5; Zentner schwer, das Rätterlin von
Cnzhcim genannt. —
Eine Kanone von besonderer Schönheit, ist jene,
so von der Mailame de Langallerie «N die Berner ver»
ehrt worden.
Die Waffenrüstung Runo von Budcnbergo, Hano
§ranz Nälzellno, (des Eroberers vom Welschland).
DieRüstungcn, so dem Herzog Bcrchtold, Run«
von Vubenbcrg u. s. w'. zugeeignet werden, haben
ihnen gewiß nie zugehört: ausgenommen vielleicht des
Sckultheißcn Nägelins / der in neuern Zeiten gelM
hat. Nägeli war noch nicht Schultheiß, als, er im
Jahr 1536 das Vernische Heer kommandierte.
Hier wird auch verwahrt der Vlutstab, so im Vil«
mcvgcrkricg der Stadt Baden ist abgenommen worden.
Auch 56 andere Kriegsgcräthe aus diesem Religions»
tricg werden in einer besondern Kammer verwahrt.
Nicht nur für 30 tausend Mann Gewehr, sondern
beynahe für 60 tausend ist Vorrat!) da. Ueber 60 tausend
neue Flinten und gegen «5 tausend alte. Und nahezu
5 hundert Kanonen, und Pièces von jedem Calibre,
von 2 bis 16 Pfund. Das Berner Pulver ist nicht nu«
in der Schweiz das Beste, sondern weit und breit. Ben
den Bataillionsstückcn verhält sich die Ladung der Beiner
zu jener der Franzosen wie 21 zu 54 öder wie ? gegen 18.

Die Anmerkung de« Herrn Meiners über die Har»


Nische im Zeughaus, die er für kleinere Männer gemacht
ansiehet, ist doch der Wahrheit näher, als die des Ver«
fassers der Beschreibung von Bern iten Bandes, S . 4;,
da er gegen jenen behauptet, die Figuren seyen durch
Stäbe die der Erde nahe sind, aufgesetzt, und dies mache
einen großen Unterschied. — Wahre Kenner des Vater»
lands und der heutigen V«ner kommen darin« übcrcin,
daß unsere Vorfahren, die in einer gewissen Art von
(Bestellten, im Krieg unüberwindlich waren, doch in
der That kleiner von Person gewesen, als unser Heu»
tiges Landvolk; denn wo dies nur einigermassen im
Wohlstand ist, da hat es einen schlanken schönen Wuchs,
und eine männliche schöne ©rogc. Die Alte» müssen
dickleibig, zusammeniicstosscn und dabey kraftvoll nenuz
gewesen seyn, denn die Schwerdter diesieführen sonn»
»eil, beweisen Stärke. — Aber größer waren sie nicht,
ja weniger groß als der ncn^ihüliche heutige Schlag
von Menschen bey uns im Kanton Bern ist. Diese An»
merkung wird um so wichtiger, da sie sich auf einen
Versuch gründet, den man bey Gelegenheit einer gewis»
scn Feyerlichkcit gemacht hat, die Harnische aus den
Zeughäusern zu gebrauchen; sie befanden sich aber fast
alle zu kurz, daß die wenigsten in ihrem Zustünde die»
rnn konnten. (Man sehe die Schriften der ökon. Ges.
von Bern i?66.-2s Stück, Seite i8).

Das neue ZeuFhaus.


Dieses ist im iten Theil der Beschreib, von Bern mit
Stillschweigen übergangen worden, aber es verdient
vorzüglich einen Platz unter den merkwürdigen Gc»
banden der Stadt. Es stehet zwlschen den Tborcn; in
der Mitte vom Spital gegen das Schcllenwcrkerhaus.
Die Fremde können es zwar von innen selten beschauen,
aber sei» Acusserlichcs verkündiget schon eine gute Ein«
thcilung, Anständigkeit, Nettigkeit, Umfang: es ist
ohne Pralerey, simpel und doch in einem sehr guten Ge»
schmack in der Baukunst hingestellt. Das Gebäude,stehet
nicht nur an einem sehr schicklichen Ort, ist auch ohne
allen Aufsehen erregenden Pomp, wie man andern Ge»
bände»
bänden de« Vorwurf hat machen wollen; dafür aber ist
es desto bequemer eingerichtet. Das Ganze entspricht so
sehr dem Zweck / wofür es da ist / daß man es zu einem
Muster von einem Zeughaus geben kann. Die Höhe ist
nur ein ansehnliches Stockwerk, und das ist gerade was
bey eiliger Hülfe recht gut ist. Unten aber sind weite
Gallerten / und dieses nülliche Gebnude sthliest einen
geräumigen Hof ein. Für Rüstwigen, Zelten «nd
schwere Armatur/ ist daselbst hinlänglich Platz, und
man kann auch die Mannschaft darin« vcrsammlen. I m
erforderlichen Falle kann dieses Zeughaus noch erweitert
werden.

Allgemeine Notiz von den Gebäuden.


I n den Ringmauern der Stal't zählt man jejt
gegen eilfhundert Häuser. Viele scheinen nur ei»
Hau« zu seyn, sind aber durch starke Wandmauern von
einander getrennt; sie gehören verschiedenen Herrn an,
und sind nur zu gleicher Zeit gebaut. Echmale Zim«
m « trift man also oft, wo man äusserlich Zusammen»
hang vermuthet. Doch unterscheiden sich «ortheilhatt
die neuen Häuser an der Spitalgaße, auf dem Play
wo der G p i t a l , der iezt vor dem obern 3hor stehet,
hat sollen gebaut werden; diese laufen auch unter einem
Dache fort, aber es sind so viele getrennte Wohnungen
als Hausthüren und Keller »oranstehen.
I m Jahr 1764 fanden sich in der Stadt und im
Aantsn y e r n übelhaupt 73,876 Feuerst«»«« i und
I I . The«. E
536/6«, Menschen, welches gerade auf 5 Menschen l
Haus ausmachte. Die« beweiit allerdings einen großen
Wohlstand, daman in andern Lindern 7 Menschen «uf
1 Wohnnng rechnen darf. Iezt nach 20 Jahren ist die
Lheurung der Wohnung mit der Anzahl der fremden
Einwanderungen merklich gestiegen.
Es wird auch in dem iten Theile (Seite 7.) bu
bauptet: B e r n habe keine elende zusammenfallende Häu»
s«r. — I m Ganzen ist dies wahr. Aber daß nicht einig«
sehr geringe, selbst sehr schlechte Barraisen in der Mez»
gergaß«, Neucngaße, Brunngaße, ja selbst ein Paar in der
Hauptstraße unter den bcstgebauten Hiusern stehen,
wird niemand im Ernst behaupten.

Bevölkerung.
(Siehe Seite ?» 11. des iten Bandes.)
Vas Resultat der Bürgerschaftszihlung von 1757,
ist etwas richtiger, vollständiger und anschaulicher dar»
««stellt in der Tabelle I . Nur ist zu bemerken, daß nicht
alle Bürzer, die darauf bezeichnet sind, zu Bern woh»
»en, wie man aus dem Buche schließen sollt«, denn diese
liste fasset all« Bürger in ssch, sie migen in der Stadt,
»der auf dem Lande leben, oder in Aemtern auf landvog»
Uyenstehen:und auch ausser dtn als kandsabwesend ange,
zeigten, halten sich sehr viele ausser der Stadt, ab«d»ch
im Kanton «uf.
(Tab. I.) B e v ö l k e r u n g 3s
der Vernischen Bürgerschaft auf den Uen May 1787.
*-^mm
Mannspers. | Weibspersonen
II Regim.
Mannspers.
Ewige
Bürg Einw.
Weibspersonen
Regim. Ewige
Bürg. Einw.
Regim. Ewigel Regim.
Burg. Einw.z Burg^
Verwittw. und Abgcschied. 139
von 1 bis 10 Jahren 22 3S9 15 in der Ene. 739 42 739
von 10 » 20 18 430 28 Lcdige Männsps. von 16- 60. 678 24
von 20 - 30 14 409 '7 Ledige Wcibsps. von 16-50. 61s
von 30 « 40 > 17 3'7 12 Ledige über dieses Alter. 32 4 138
von 40 a CO - 21 340 *2I Kinder unter 16 Jahren. 565 • 35 598
von S° S so 11 3°8 12 NB. Eine Weibsperson unter' 2>53 in 2402
von «0 - 70 s 145 6 «6 Jahren war vcrheura-
von 70 « 80 2 77 3 thet, daher der Unterschied
von 80 * 90 und drüber 1 17 mit der entgegenstehenden
2422 114 Berechnung.
2153
' " !
von 1 bis 16 Jahren. 565 35 j 599 31 Geistliche mit Inbegriff der
von ' 6 - 60 1359 68 1564 74 2 obern Studentcn-Orden. 181
von 60 und drüber. 229 8 i 2)9 9 Ausländl. advouirt. Milit.
2153 in 2402 114 Dienst 161 2
Nicht advouirte — 37 I
Handlung, wissenschaftliche,
polit. Berufe, Künste - '78 '3
Handwerker. 332 40
NB. Die zu Bern verbürgerte Familie der Burggrafen
von Dohna, ist doch, weil deren Verzeichniß zu spät Ausser Lands sind, die bloß
Zufälligen und den advou-
angelangt / hier nicht mitberechnet. irten Milit. Dienst abge-
rechnet I3Î 74
Wittwen und Ehefrauen. 1051
Von diesensindfremde die
sich ins Bürgerrecht gehe«-
rathet. 316 I 33
z6 Tab. It.
Insaßen der Stadt Bern.
Wie die Zahl derselben ünucrhältnißmäßig groß sey, und wiesiesichvermehren, beweißt folgende Tabelle, die bloß
die Familien dieser Insaßcn enthält, ohne daß darunter Kostgänger, Bediente, Handwerksbursche, Dienstmägde lt begriffen
sind.
Insaßm oder Hintersaßen waren '
in d. Stadt, im Stadtbezirk. Summe.
im Iaht 1790 4577 2202 6?7?
1791 4850 228) 7";
1792 5073 2320 ?;98
I79J $182 237Ï 7557
•^— l??4 52)5 25«9 •?744
Tab. HI. 37
Kanton B e r n ; deutscher Theil des Kantons.
A. Zuwachs der Bevölkerung.

in daö Land zu- 1 Sunie


Jahre. Geburten, fangen.Fremde. rückackommen. deö Zu-
Knab. Madg.» Msps. Wbsps.! Mops. Wbsps. wachs.
< - ^
1778 ^887 571-7 . 217 . 7821
1779 3974 379° » JS9 . 7923
1780 4106 , .
1781
3917 1 175 8198
4i?9 4028 »• 1 i?? . 8344
1782 4068 3931 , j i87 . 8186
178; 4066 3971 . 1 187 . 8224
1784 4102 4052 41 21 j 180 31 842?
4424 4240 26 241 4«
1785 36 9°°7
1786 4213 4074 19 l8 219 9 8552
1787 4450 420; 15 9 211 21 8889
1788 4349 4141 il 7 240 26 8774
»789 4475 4324 12 14 325 26 9174
1790 4395 4448 15 11 238 36 9143
1791 4562 4227 ; 2 227 21 9044
1792 5 »46 4644 6
8 300 11 IOOIf
»795 4658 4609 il 4 195 26 9503

B. Abnahme der Bevölkerung


Aus dem Land Sume. ! wahre
Jahre. Gestorben. weggczoqcn. der Ab- Vermeh,
^ _ , Msps. Wbsps. Msps. Wbsps. nahm, rung.
1778 3482 3601 372 7455 366
1779 2925 J128 3«5 6368 1555
1780 2,83 2733 3°7 *f 562; 2575
1781 2895 2907 290 6092 22^2
1782 3278 3408 ;6l 7°47 1139
1783 3112 3273 »28 6613 1611
1784 3363 3466 437 42 7308 1119
1785 2698 2805 776 41 6320 2687
1786 2?58 3108, 212 i«? 6297 2255
1787 3°?3 3209 2c>8 27 6517 1 2372
1788 -835 298$ 221 23 6064. I 2710
1789 2670 2755 335 14 5774 1 34°°
1790 26^4 2975 3.72 3° 6031 1 3112
1791 2589 2802 H 34° 10 5741 1 3303
1792 2739 2849 9 194 9 5791 II 4224
l?9! 34«° 365; « 625 6 7744 ll 1759
18 Tab. I V ,
Kanton Bem; Landschaft Waadt *).
A. Zuwachs der Bevölkerung.

litt daS Land zu- Sume


Jahre. Geburten. 1 nngen. Fremde. ! rückkommen. des Zu-
K»ab. Mädg.< Mops. WbSps.! Mops. Wbsps. wachs.
1772 !?;, ! . 2,1 , 57)8
'779 1710 1687 » . 250' . 5627
1780 »76; 1687 ! . . 2)6 . 5686
1781 171s 1665 , . 188 . 5568
'76; 1680 . . 162 . 5605
1782
»785 1664 1648 . . 188 . 5 50O
1784 1606 158, 5' 9 '88 45 3460
i?85 '779 1729 16 4 217 41 5786
1786 1722 1728 21 '? ! 250 49 5787
1787 181Ç 1687 -8 '7 l ; 259 41 5827
1788 1670 '555 18 16 204 63 55o6
1789 1800 1677 21 18 316 69 ! 5901
1790 1714 1706 j 20 11 1 208
Ï791 1788 l?2, J 9 14 1 150 5» z
52
5717
5718
179* 1963 IÖ98 ! 2 256 46 5947

179; Ï.8IÇ I7S2 1 H 212 55 1 586c,
14 l
B. Abnahme der Bevclkerung.
Aus dem Land Surncl wahre
Jahre. Gestorben. : weggezogen. ler Ab-s Vermeh-
Msps. Wbsps. M«ps. Wbsps. »ahm.» .rung.
'778 1245 1310 555 2888 85»
'779 1248 1209 249 2706 921
'78° 1202 128' 290 2775 9'5
'78' 1127 1234 278 2639 929
1782 1527 1402 271 5000 60c
'785 '459 1455 5°5 3219 281
'784 '45' 1456 5°5 140 5552 108
'78* 1127 1040 656 8' 2884 902
1786 1196 1231 228 74 272Y 1058
'187 "47 "51 259 104 2641 1186
'738 "85 119s 22c, 102 2705 801
'789 1226 1253 217 62 2758 "45
1790 1311 1244 254 5' 286° 85 7
179' 1246 '274 285 58 2863 855
1792 1206 1298 169 41 2714 1235
1795 '559 1529 48? 55 I 52I0 650

*) Die w a a d t im Bern« Kanton enthielt im Jahr 1764 etwas zu 113,000 (Seesen / darunter waren 76,000 k »
wackisene, und 19,000 Ehen; Herr Pfarrer Muret (Memoire fur la Population du Pays de Vaiid.) rechnet
n lebigen Stande verbleibe» auf 9000 Mensche,
die Leute/ die stets im Menschen; »der auf de» «te» Theil aller Erwach"
senen. — I n diesem Lande tauft man jährlich gegen 3500 Kinder.
== 39
Die Insaßen dürfen nicht nur keine« Weilt Vit*
laufen, sondern auch keinen Rleinhandel treibe».
Ueber ihre Stärke und Vermehrung siehe Tabelle IL
Es verlohnt sich der Mühe, die Bevölkerung s listen
des Kantons aus der Schweizer»Bibliothek ( S . a 14 » 216)
hier abdrucken zu lassen. Die Anzeige der Vermehrung
von 1778 » ?i ist von daher genommen. Hingegen ist
die Fortsetzung dieser Liste von einem Ginner uns mit»
getheilt worden; beydes findet sich auf Tabelle III. IV.

Canton Bern überhaupt.


Wahre Vermehrung seiner Bevölkerung,
Jahre, Seelen. Jahre. Seelen.
'778 1216 1786 3)*î
1779 2476 1787 3558
1780 3488 1788 35"
i?8l 3181 1789 4543
1782 1744 1790 3969
i?8; 1892 1791 *I58
1784 1227 1792 545?
1785 3589 179; 2409
"778-9) 49731
Summe der Vermehrung
von den Jahren 1778,1793.497)1.
bringt auf jedes Jahr . . . 3109.
Wie genau und ehrlich diese Tabcllen seyen,
wird jedem einleuchten, der auch nur einigermaßen
in diesem Fache bewandert ist. Der Abgang wird
C 2
nicht, wie gewöhnlich, nur in den Verstorbenen
* gesucht/ sondern auch die Weggezogenen werden
^ dazu gerechnet/ und selbst die, welche nur auf
wenige Jahre ihr Vaterland verlassen. S o lom-
mcn alle Soldaten/ welche sich in advouirtc Rc-
gimenter anwerben lassen, unter diese Rubrik.
Daher die ungewöhnliche Stärke dce Jahres 1785/
in welchem die in Holland stehenden zwey Rcgi«
menter vermehrt wurden.
Ueber d a ^ I a h r 1778 hinauf gehen die allgc-
meinen Geburt«^- und Sterbclistcn nicht. Hin-
gegen hat man die bekannte Zählung vom Jahre
1764*). Nach dieser lebten damals Secl. ;;668y
man rechne zu diesen die Vermch-
rung von 1764,1777/ die wir
doch nicht zu hoch zu 20°° aufs
Iahrannehmen . . »8°«»
und, die von 1778-1791 zu 3109.
jährlich; machen . . . 497;»
A l s o : Bevölkerung des ganzen
Cantons S e r n . . Seelen, 414420.
') Die große Bevilk. Tabelle bcsindct sich in der
Beschreibung von Vcr», Seite 34i- Aus Irrthum
stehet dort 1784- Von der Tabelle, Seite 346 / ist
die erste Hälfte in der That »on 1787. (Diese ist
«der jetzt in der neuen Beylage Nr. I. eingerückt).
Vie zweyt« Hilf« ist ab« »»»>i?«4.
Staatsverfassung.
<3» Veite9a.)
Mon kann die Regierungsgrundfätze v»n V«l«
«uf folgende Hauptsätze zurückbnngen>: diesen habe»
wir die Gründung und den lang fortdaurenden Segen
zu verdanken, der auf unserm lande ruhet; denn die
Vater führten solche Grundsätze nicht nur im Munde,
sondern sie waren in der That in ihr ganzes Wesen
«erflochten. Vorau« kann man mit Wahrheit sagen,
daß der Kanton Bern erst seine wahre Blüthe und
Wohlstand bekommen hat, als die Kirchen > Reforma«
tion im ganzen Lande eingeführt worden, im Jahr IÇÏS.
V»rher wür der Einfluß des Bischofs von Lausanne
und der Gliftlickkeit sehr merklich, überall herrschte
noch die Leibeigenschaft unter den V a u r e n ' ) , das Land
war nicht frey — Zinß sind Gülten flößen in die
Kloster; den Reichthum und da« Fett des Landes zogen
die Pfaffen ansich; Ablaß, Beichten und Indulgenzien l
überflüßige Fasten, Fest» und Bußtage, Prozeßionen,
Wallfarthen verhinderte» den gemeinen Mann an der
Arbeitsamkeit; überall war viel schnödes Gesindel,

*) Von in Leibeigenfchast wurden die ««nileute be» »er 3l«>


formation »»« der Obrigkeit loigelaufr, M«nniperst>ne»
» e r l ! « y r « t h « t « um so Psund; l e d i g e um zaPfun»;
Weibipirsonen, , e r h e , r a t h e t e »>« 10 Vf«««; (•»<«(
um lo Pfuud.
€3

5
Müßiggänger und Bettler, sie zogen »«n Kloster z«
Kloster und lebte» von dem Schweis der wenigen Fleißi«
gen. Kühn und öffentlich behaupteten die tatholisclien
Pfarre« im, Kanton die höchste Gewalt in der Republik
siehe den Priestern zu. —
Brafe, religiöse Männer aber hatten das Steuerru?
her in die Hände bekommen. G o t t und Bibel galten
ihnen etwas. Das Gewissen schlugstarkin ihrer Brust,
Sie stimmten für die Reformation. Die einsichtsvoll«
sien Minner damaliger Zeit wurden um Rath gefragt:
man versammelte ein ganzes Konvent in Bern, wo
beyde Partheyen, Katholiken und Protestanten sich
öffentlich hören lasse» sollten. — Ucbereilt gieng man ge?
wiß nicht zu Werke, wohl 8 Jahre giengen über de» Be<
«ahschlaaungen hin, bis man den festen Entschluß aus»
führt«/ das ganze Berner. Gebiet zu reformiren. —
S o zeigte die Regierung Muth. Es waren oft
Partheyen/ aber jeder Hheil nahm sich in Acht. I n
Betreibung der Geschäfte wendete die Regierung bald
Großmuth / bald Kunst, T - beständig aber einen Ernst
«n , der sie nicht hinderte / sich in die Umstände zu
schicken. — i$7i und 1682 nahm man an den refor»
mirten Orten die aus Frankreich vertriebenen Hugenot»
ten in die Regierung auf; Bern aber weigerte sich, die
Obrigkeit gab ihnen Schutz aber kein Herrfcherrecht. Die
nach Reichthum begierigen Nachbarn nahmen diese rei»
chm Fremdlinge zu Mitbürgern an: diese brachte« den
Geist der Neuerung und »eue S M m in die Gchweij. Di«

'
«enter verwarfen alle solche ülnerbietunze», und fin»
dafür auch noch da<, mt sie waren.
Oft wen dieStadt BernBürger annahm/ geschah es zur
Velohnung wichtiger Dienste/ »der lang erprobter Treue.
Ver große Rath bestand theils aui Adelichen/ welche
von de» Stiftern de« Staats herstamme«/ und der«»
Name» durch die Geschichte und mündliche Ueberliefe«
tung verewigt sind; theils au« jenen Bürgern, die,
durch chre Geiliejkraft und Thitigkeit dem Staat wahr»
haft nutzen konnten. Den brauchbaren Bürger«/ die
durch das loos oder durch Nebenurfachen nicht selbst
in die Regierung kommen konnte«/ gab man doch soi*
che Aemter / wo sie fast auf die gleiche Art oder noch
wirksamer der Republik dienen konnten. Man befir«
derte sie zu militärischen, zu geistlichen und weltliche«
Würde» und Bedienungen. —
. Man durfte / um nützlich zu seyn nur wollen und
«an konnte. — Ein jeder hatte eine offene Thür dem
Staat gute Bürger zu erziehen / dem Staat zur Hand
zu seyn; — denn so will e« die Vaterlandsliebe, die
nicht von Eigendünkel und Stolz geleitet, nicht von
Nebenabsichten gestimmt ist. Er stammt aui dem inner»
trieb der Seele, und kann nicht ermatten — auch
wenn er noch so viele Hinderniße findet. Endlich be«
siegt der Patriot alle Müheseligktiten — und da« Vater»
land erndtet die Flüchte bis auf folgende Geschlechter.
ES wird beständig so gehalten, daß aus einem Ge»
flechte nur ei« Senator erwählt werden lan», und nur
E4
das Loos ertheilt dem Einen einträglichere »der angeneh«
nicre Vogteyen / als dem Andern. —
Es ward erlaubt Geschlechtskassen zu habe«/ wo»»n
das Geld bestimmt ist/ der Dürftigkeit der Sobne von
gutem Herkommen, welche in Armuth verfalle«/ wie«
der aufzuhelfen/ oder sie bis zu einer schicklichen Gele»
gcnhcit, wo ihnen sonst geholfen werden konnte/ zu
unterstützen.
Die Aristokratie von B e r n entsprang aus der
Hochachtung welche eine Familie ihren Wohlthätern
schuldig ist. Bey einer solchen Regierung mußte
gesunder Verstand und Redlichkeit herrschen / nicht Älü»
geley; aber Muth und Entschloßenheit; nicht Feigheit/
nicht Mißtrauen — Beharrlichkeit und kindliche
Anhänglichkeit machte unsern Staat groß. Noch hat
Bern viele Patrioten von den edelsten Geschlechter»,
die fast das ganze Jahr auf ihrm Landsitzen wohnen.
Daselbst können sie durch Großmuth und Herablassung
sich beliebt machen/ und sie haben auch Gelegenheit da«
Volk von seinen wahren Vortheilen zu unterrichte».
Diese wahrhaft landsminnisch«/ Schweizerische Denkart/
wenn sie nur jezt noch allgelnein wirkt / sollte noth»
wendig die besten Einwohner und die femigstenPatrio»
ten machen!
Seit der Gründung des Staats war es eine
Hauvtmarime der Regierung allen billigen und mit G<*
lindigkeit gemachten Vorstellungen — Gehör zu geben;
ja man wartete oft nicht bis Bittschriften einkamen,
sondern, so wie sich ein Uebel im Land zeigte, so fairt
mnn ihm mit triftigen Hülstmitteln entgegen. —
Niemals aber bewilligte dir Obrigkeit etwa»,
da« man mit Trotz oder Unverschämtheit erzwin»
gen w o l l t e , - denn das hatte ihr Ansehen beleidiget,
die Ehre der Regierung verletzt. — Oft ftug man selbst
^'Dorfschaften über Krieg und Verträge um R a t h ,
und sie waren immer bereit ihr Gut und B l u t hinzu«
geben. — Die Zeit der wahren Freyheit ist allemal die«
jenige, wo man nicht über Vorzug und Vorrechte strei»
tet, sondern wenn sich alle als Glieder eines Staats
««sehen, da keiner des andern entbehren kann, denn
sie sich alle nothwendig sind.
Wo aber Eifersucht über Macht und Vorrang die Ge»
müther theilt! wo das Privatinteresse — der Eigennutz
die Geele des Obern und des Niedern ist; wenn man
den Rang den man nicht hat, erzwingen w i l l , o, da
gehet alles den Krebsgang, und das Vaterland zehret
sich ab wie ein Schwindsüchtiger. —
So lange der Vernei» Staat wenig einnahm, s»
bemühet« man sich noch weniger auszugeben. Und dies
war der erste Hauptgrundsatz, so wie es die band«
lungsmanier jedes guten Hausvaters ist. Man muß
in den guten Zeiten auf die ungewissen Fälle zurück
legen, die nicht ausbleiben; und die desto empfindlich«
sind, wenn man gar nicht darauf vorbereitet ist. Hat man
diese Regel beobachtet, so kann man den zweyten Haupt»
C;
grundssstz bald hinzu thun, wie e« die yerner iXeaie»
lung bey größerer Einnahme konnte: Keine Ausgabe»
f« sparen, welche das W o h l des Staats schleu»
«ig befördern können: —

Die Bürgerschaft der Hauptstadt.


(Man sehe Gcite «8 »131- und vorher noch Seitt loi.
auch Seite 114. nZ.dcs iten Bandes).
Die Vürgerfchaft von V e r n ist seit einem Jahr»
hundert wlit über die Hälfte zusammengeschmolzen.
Damals / als die Stadt lau^e noch nicht f» groß war,
wie sie heut zu Tage ist. wohnten oft über 5 und 6
tausend Bürger darin«: denn nicht selten zogen sie
ihren Feinden mit 4 « n d ; tausend Mann stark, bloß
Bürger der S t a d t , entgegen, wie dies die Iahrbü»
cher unsrer Republik oft genug wiederhole» : wie wäre
es sonst möglich gewesen,, den auf sie eindringende»
Adel mit seinen Söldnern und Hnechten üb« de»
Haufen zu werfen, undsichgegen jede» Feind wehrhaft
zustelle»? — Freylich blieben viele im Kressen bey den
Bnrgundischen Kriegen, andere verließen die Schweiz
und zogen i n auswärtige Kriegsdienste, wo mansiesuch»
te und wohl bezahlte. Auch bey der Reformation ent>
f e r n M sich viele Bürger, von der Stadt, die lieber
katholisch bleiben wollten, und gaben ihr Bürgerrecht
auf. Einige zogen dabin, andere dorthin. Von den
Alten Bürgerfamilien, welche in sehr großer Anzahl
Adeliche waren, sind also sehr wenige noch übrig.
Ausser den geführten Kriegen und der Emigration war
ober auch die Pest oft Ursache der starken Fusam»
menschmelzung der Bürgerschaft; sie kam s, oft und
heftig/ daß man in einem Jahr mehrmals dreytauftnd
Todte zahlte. Die Pest vor »hundert Jahren, (nämlich
im Iah» 1565) raste gar 6 tausend Menschen hin. —
Froh war man also in dieser Zeit/ wenn sich Fremde für
die Aufnahme meldeten; und in gleichem Verhältniß,
wie die Bürgerschaft sich schwächte/ sorgte die Regierung
auch für die Anpflanzung neuer Geschlechter, daher man
oft die benachbarten Landeinwohner aufforderte, sich in
die Stadt zu begeben, und da das Bürgerrecht anzunch»
men. - Fremde, diesichnur eine kurze Zeit in der Stadt
aufgehalten hatten, und von deren guten Aufführung
man überzeugt war, belohnte man mit Aemtern und
Ehrcnstellen, wodurch sie viele ihrer Verwandten ins
land lockten. Zulezt häuften sich aber auch die fchlech»
ten Leute, die sich hier einbürgern wollten, so sehr an,
daß die Regierung sich Zerbunden sah, ein Gesetz z»
machen, welches den 13 September 1635 publicirt
worden, daß fernerhin keine Kammer oder einzelnes
Gericht das Bürgerrecht zu ertheilen Macht haben
soll; (denn ehemals konnte man es durch einen einzigen
Patron erschleichen) sondern der große Rath müsse
solches zuerkennen. Zu gleicher Zeit ward erkannt und
beschlossen, dal künftig jeder neu angenommene Vür»
«er seine ihm auferlegte Zahlung sogleich «legen so«;,
bey seinem erlernten Beruf soll er verbleiben, und s»'
er Söhne habe, müsse er wenigstens durch einen dersel»
ben sein Handwerk forttreiben lassen. Ferner ward
statutenmäßig festgesetzt, daß kein neu aufgenommen«
Bürger prltendiren könne, in den großen Rath zu
kommen; wohl aber seine Sehne, wenn sie in der Stadt
gebohren,worden. I n den täglichen Rath sollte erst
der Enkel wahlfähig sey«. Dieses merkwürdig« Grund«
gcsttz der, Stadt Bern neuerer Zeit, wurde nicht nur
i(>8i und 1694 abermals bestätiget, sondern auch noch
beygefügt: daß nur von so zu 50 Jahren neue Bürger
angenommen werden sollen, und vor Rithund Bürger
soll darum angefragt werden. Alle Habitanten sollen
zwar das Recht haben jede« bürgerliche Gcwerb nnd
Geschäft zu treiben (laut Décret 1643) der Unterschied aber
soll darin« bestehen, daß sie den Meinverkauf meiden,
und an keine Aemter oder Bedienungen Anspruch ma»
che».
Damit die bürgerlichen Familien wohl unterschiede»
seyn, so, wurde auf. Obrigkeitliche Verordnung eine
Tabelle gemacht, worauf die yürgerlichen Familien,
gezeichnet, und auch die Habitante» oder ewigen Ein»
wohner mit ihren Wappen stehen. Eine Kopie davon
befindet sich fast in allen Häusern zu Bern. Das erste-
Original ist zur Einsicht der Bürgerschaft und der Habi-
tante» in dem Archiv der Nürgeekamwer aufbewahrt.
Nach der gleichen Verordnung muß ein jeder Bu»»
ger, welcher sich mit einer fremden Frauensperson ««he«»
rathet, ein gewisses Geld erlegen — man nennt es Einzug«
Geld. Für eine Landsfrcmde zahlt er ico Kronen ; für ei<
ne aus der Schweiz 75 Kronen; für eine aus dem Kanton
ço Kronen. Dieses Verbürgerungsgeld wird so vertheilt:
Ein Drittel erhalt seine Zunft, oder Gesellschaft, wohin
er gehört; die1 andern Dritttheile fallen dem Fisc<>. oder
der Bürgelkammer zu. Ein Bürger, wenn er heyrathet
muß sich auf seiner Zunft mit Erlegung einer gewissen/
doch mäßigen Summe Geldes einschreiben lassen; woge«
gen er einen Bürgerschein empfängt. Unterläßt er diese
Anmeldung, so giebt er gleichsam tacite sein Bürger«
recht auf.
I n vorigen Zeiten wurde den zu S t a d t ' p f a r r e r n
und Professoren erwählten Herrn, wenn sie noch nicht
Bürger waren, das Bürgerrecht geschenkt. 1674 aber
ist diese« Vorrecht abgestellt und beschlossen worden,
daß einem Konventsglied nur das Habitantenrecht zu-
kommen soll. Aus diesem geistlichen Stamme kommen
viele heutige Bürger her.
Die Bern« Bürgerschaft wird eingetheilt in Reg»>
mentsfähige Bürger, und in ewige Einwohner oder Habi»
tanten. Die ganze Bürgerschaft bestehet in 16 Zünften,
und muß ein jeder Bürger, wenn er eine Bedienung
erhält oder sich verheyrathet in eine dieser Gesellschaften
sich aufnehmen lassen. Gemeiniglich bleibt er bey eben
lerselbigen Zunft wo sein Vater eingekauft war; oder
wenn « «inen andern Stand erwählt h a t , und
«in Handwerk treibt, das nicht auf seiner Gesellschaft
zünftig ist, so muß er sich dorthin wenden, wo diese«
Gewerb seine Niederlage hat.
I n der Beschreibung von Bertt, iter Band, Eeitt
123, ist die Abtheilung in regierende und nicht «gierende
Geschlechter nicht passend. Freylich sind mehrere Gc<
schlechter die seit Jahrhunderten immer Mitglieder der
Regierung gehabt haben; andere, die aber mchrcntheile
erst im vorigen Jahrhundert zum Bürgerrecht gelang»
ten, sind bisher niemals »in den großen Rath gekommen;
doch ist in den regimentifahigen Geschlechtern immer
eine gewiß« Fluctuation , so daß von einer Regierungs»
besatziing zur andern immer mehrere abgehen, und bey
der folgenden Ergänzung andere einrücken.
Vom Jahr ,768 bis zum Jahr ,737 verminderten
sich di« Familien nicht nur um 13 Geschlechter, svndern
«m dreyßig. Wie auch auf Seite 130 (de« in Bandes)
richtig stehet. Die Bürger »Zählung von 1787 giebt
«153 minnliche Seelen.
Gegenwärtig sind nicht mehr als :{6 bürgerlich«
Familien. S o bald aber 3 alte Vürgerfamilien aus»
sterben, so werden sogleich 3 neue angenommen. Doch
sind dies gemeiniglich schon alte Einwohner oder Lan^
dcskindcr. (Man sehe den itcn Band, Seite 10,).
Das Minimum der rcgierungsfähigtn Geschleckter
f,ll 236 seyn, ohne die, so aus der Zahl der ewige»
ikinwohncr angenommen werden: und das Minimum
der Familien, die an der Regierung Theil nehmen/

,
ist bey jeder Ergänzung des großen Raths die Zabl 76,
nicht ?-. (Verbesserung de» Stelle Seite i l , im iien
Band).

Die Namen aller jetzt lcbeMn bürgerli-


chen Geschlechter in B e r n , nebst den-
jentgen, so neulich zu Bürgern
angenommen worden.

Hie mit ' ) bezeichnete/ sind seit wenigen Jahren in das


Bürgerrecht aufgenommen worden.
Amport. Blau.
Bach mann. Blauner.
Bäckli. Bogdan.
Bä.nteli. Bondeli.
B a u m g a r t e r. Bonstetten, von
B a u m a n n. Brugger.
Bay. Brunncr.
Bellmund. B uche r.
Benoit. B ü r e n , von.
Berchtold. * Bürcki.
Bergen, von. * Cerja. '
Berseth. * Christen.
Bickard. Dachs.
Bigler. D a r c l h 0 fer.
Bitzius. * D < l r 0 u s az.
Delosea. Fischer.
Desgoutes. Flügel.
Dick. For er.
Dicßbach, von Frank.
D i etzi. Freudenberger.
D i t tlinger. Freudenreich.
D i w y. Frisching, von.
Dohna, von. Fruting.
Dößi. Fuhrer.
Dübi. Fueter.
D ü fr es ne. Ganting.
D u l icke r. Valley.
D ü n k i. Gatschet.
Dünz. Gaudard.
D u r h e i m. Gerber.
Dyß. G e r w e r.
Edelstein. G i n g i n s , von.
Effinger. Goumoenö, von.
Engel/ von. Graf.
E r l ach, von. Graffenried, v.
Ernst, von. Gravifeth, von.
Eye«. Grätz.
Faßnach,t. G r e b e r.
Feer. Greyers, von.
Fcllenberg. Groß, von.
Fels. Gruber.
Fetschcrin. Grüner.
Feürstein. Gryff.
Güde r. Ionquiere.
Haag. Jordan.
Hahn. IsenschmieH.
Haller. Ith.
H a l l w y l / vom Kachelhofer.
Härder. Kastenhofer.
Hartmann. Kaufmann.
Hebler. K e ntzi.
Heggi. Kirch berger/
H e i n tz. Knecht.
Hemmann. Knuchel.
H e n z i. Koch.
Herbort, vom K o h l e r.
Herrmann. Köhler.-
Herrmann. König.
* Herrenschwand. Kuenz.
Herzog Kuhn.
Höffli. Küpfer.
H o r t i n. LanghanS.
Hug. Läßer.
* Hunziler. Lauterburg.
Jäger. Lehmann.
Iäggi. Lehmann.
I e n n e r , von. Lcntulus.
Imhof. Lerber.
* Imhof. Leü.
I m Hoff, von. L i e n h a r d.
Ienzer. L o m b a ch.
II. Theil.
* Losen egg er. Ougspurger, von.
Louer. * Pillichodi.
Lupichi. Plüß.
Luternan, von. R ätze r.
Lüthard. Ris.
Lutstorff. Risold.
Lutz. Ritter.
Ma der. R o d e r.
Manuel. R o d t , von.
Marti. Rohr.
M a se r. Rohr.
Ma«. Roßclet.
Meley. * R o v c r e a , von.
Meß m er. * Rüsillon.
Meyer. , Rüthe, von.
Meyer. Rütimcler.
Morcll. Rütschi.
M o r l o t. Ryhiner, von.
M ü l i n e n , von. Schär er.
Müller. Schärcr.
M ü l l e r , von. Schaufelberger.
M u r a l t , v»n. Schilling.
Müßlin/ Schc ü r c r.
Mutach, Sche ü r m e iste r.
Neser. Schmalz.
Niehans. Schneider.
Nöthiger. Schnxll^
Ochs. Schönweij.
Otth. Schumacher.
Schweizer. Wäber.
© i n n e r , von. Wägeli.
Sprüngli. Wagner, von.
Stanz. Walthard.
Start. Walthard.
Staufer. Walther.
Steck. Wattcnwyl,von.
Steck. W e i ß , von.
Steiger. W e r d t , von.
Steiger, von. , W e r n i e r.
Stempfli. W e y e r m a n n.
Sterchi. , W i e g s a m.
Stettler. Wild.
Stoß. Wildbölz.
Stubcr. ' * Wilhelmi.
Studer. Willading,von.
Stürler. Wolf.
S u t c r. Wurstcmberger.
Sybold. Wyß.
T a w e l , von. Wyß.
T h o r m a n n. W y t t e n b a ch.
T illier. W y t t e n b a ch.
T i l l m a n n. Ze e n d e r.
Triboleth. Zeerleder.
Tscharner. Zeh en der.
Tschiffeli. Ziegler.
Vigneule. / Ziegler.
Ulrich. Zollinger.
Vorschlag für die Landsassen und armen
Kinder im Kallton.
D a die Armuth und Bettelcy im Kanton
Bern von Jahr zu Jahr merklich zunimmt, und
man schon von allen Seiten nach Hülfsmitteln fragt,
so mag folgender Vorschlag hier nicht am unrcch.
ten Ortestehen; er zeigt die Bedürfnisse des Lan«
des und der Gemeinden an; und die Sicherheit vor
Dieben und Gesindel hängt davon ab.
Man errichte für den Kanton Bern ein Rinder.
Hospitium, da sollensiearbeiten lernen. Es sey
aber nicht in der Stadt sondern auf dem Lande.
Wozu hat zum Beyspiel Lausanne ein so kostbares
Gebäude in der Stadt für arme Bcttclkindcr ge-
bauet, die da «ichts lernen als was man in den
Städten zu wissen braucht, hingegen wozu diese
Kinder eigentlich bestimmt werden sollten, zum
Landbau und Gartenarbeit, davon lernensienichts.
Sie werden also Fabriklcr, Hcrrenlnechtc, Dienst,
mädchcn in den Städten; gewöhnensichfrühe an
den Ton der ihnen gar nicht zukommt, und der
noch immer ihr Unglück ausgemacht hat; gluckse-
liger wären sie an Leib und Seele wenn sie die
Mühe und Beschwerden von Jugend auf hätten er-
tragen lernen, und nichts von den Bequemlichkei-
tcn einer mißverstandenen Barmherzigkeit erfahren
hätten. Wenn stlche Waystn, und Findelkinder
einmal größer geworden und zum Handwerk oder
in Dienst bey Herrsä)aftcn kommen, so empfinden
sie alles viel starker als selbst bürgerlich erzogene
Kinder — weil diese nicht so viel Aufwartung
haben -, kein so bequemes Haus, leine so weitläu«
fige Zimmer und schöne Gärten um sich scheu —
wie die, so im Wayscnhause aufgezogen werden,
und von der Güte des Publikums viele Jahre ge,
nährt und reichlich gepflegt worden sind.
Und es braucht da nur, daß ein solcher Waystn«
lnabe eine schöne Handschrift schreibt, so glaubt er
sich zum Handwerker schon zu gut; er will ein
Schreiber, ein Kaufmann, e.in Kammerdiener, ein
Sekretär bey einem Herrn werden; kann er bras
schmeicheln und kriechen, so kommt er leicht an,
und findet seinen Patron, der schenkt ihm reiche
Kleider, empfiehlt ihn einem Herrn, und der junge
Mensch ist fix und fertig ein Mann comme il saut
zu werden.
D ;,
Gemeiniglich aber giebt es leine insosentereLeu-
te, als die auf solche Art über andere ihresgleichen
hinaufgestiegen sind ; ihre Arroganz und große An-
massungen werden allen Leute«/ die mit ihnen
zuthun haben, unerträglich; selten daß man eine
Ausnahme von dieser allgenieitlen Regelsiehet.—
Also nicht zum Herrendicnst, nicht zum Stadtleben
soll man armer Leute Kinder erziehen. W i r brau-
che«ficißigeHände, die das Land bauen; es sind
noch genug Gegenden in unserm Kanton, die braach
liegen, wo Wälder ausgcrcutct werden können,
wo der Kornbau fehlt, und der Bauer nur Gras
wachsen läßt. W i r bedürfen arbeitsamer Hände,
die unser nur wenige Zolle tiefes Erdreich mit Ge«
duld und Anstrengung bauen; der gewöhnliche
Landmann ist zu trag und bequem dazu. Wollen
die Gemeinden ihre Steuern für die Armuth nicht
täglich anwachsen sehen, so sollen sie den Vorschlag
ausführen, und ihre Armen, klein und groß in das
Hospitium der Fleißigen schicken. S o solle das
Haus genannt und darum von dem ganzen Lande
gtpflcget werden. Wer einen Taglöhner, Haus-
hälter, Pächter; wer eine treue Dicnstmagd und
Haushälterinn verlangt, der komme da in dieses
Haus, und suche sich die Fleißigsten aus.- O , wie
eine große Aufmunterung würde so eine Stiftung
dem ganzen Lande geben!
praktische M ä n n e r , die in der Landwirts
schaft erfahren sind/ fleißige geschikte Hausmütter
müssen dazu als Lehrer und Lehrerinnen bestellt
werden. Solche Leute die selbst angreifen und
nicht nur bloß mit dem Munde schön reven.—
I h r Beyspiel muß die Kinder reizen. I n dieser
Erziehungsschule sollen sie die Handgriffe kennen
lerne«/ alle Arten von Erdreich zu bauen. Ein
Probeacker und ein weitläufiges Feld gehört noth-
wendig dazu / und dies wird ihnen die Obrigleit
anweisen. D a sollen sie einen Küchengarten, dort
eine Baumschule anlegen; hier ein ausgcstecktes
Feld zu allerley Apothclerkräutcrn pflanzen; an
einem andern O r t müssensieeine Matte und Wie.
senwasserung haben; — jenseits vertraue man
ihnen ein Stück Wald an. Dieses ihnen, angewie.
sene Land sollen sie baue», bearbeite«/ pflügen/
düngen, schneiden; — ihre sclbsigepflanzte Krän-
ter sollen sie zu ihrer Speise haben; von ihrem
eigenen Melkvieh sollensieihre Milch ziehe«; von
ihren Schaaftn die Wolle spinnen, und im Winter
D .
weben. — I h r e Wohnstuben, ihre Keller, i h « '
Scheuern sollensieselbst so reinlich wie einen Tanz-
saal halten, u ^ i h r c Speisen müssen so schmack-
haft und einfach wie ihre ganze Behandlung ohne
Künstcley und ohne Zicrereycn seyn.
Auä» könnte man den Knaben eine Dreh -und
Hobelstube halten, wo sie allerley Handwerkszeug
selbst machen lernen. Das übt ihre Kräfte und
schärft ihren Geist. Allerley Schnitzwcrk, Züber,
Kästchen könnten sie beym Regenwetter verftrti-
gen; — damit lernen sie mitAcrtcn, Beilen, Mes-
fern, Sägen und andern Instrumenten umzuge-
hen, bas freuet die jungen Leute. — Und so könn-
ten auch die Mädchen Pflanzen und Krämer aus-
suchen und jeder Pflanze ihren Namen geben lernen ;
bey der Hausmutter sollen sie allerley weibliche
Kleidung machen lernen; auch Distilliren; Brod
backen, Kuchen kneten u. s.w. Kurz, meine junge
Leute müssenstetsmit etwas Nützlichem beschäftiget
seyn, denn sonst bekommensieLangeweile, werden
Schwätzmäuler, treiben Bosheit, und sind dem
Lande, das sie n ä h r t , eine Erdenlast und ein
Strafübcl.
M a n gebe ihnen ein Stück Moosland auszu»
trocknen; man zeige ihnen wie sie Stoppeln aus-
gätcn können, wie die Waldungen reinlich zu halten,
und neue Holzarten anzupflanzen; wie die Futcr«
lrämcr getrocknet und zur Stallfüterung angewandt
werden nlüsscn. — IhrLchrcr lehre sie im Buch der
Natur was zum Wachsthum der Pflanzen gehört;
was die Natur für ewig festgesetzte Regeln hat;
da werden die jungen Leute einsehen lernen, wie die
Jahreszeiten zu benutzen sind; was die Mechanik
und Naturlchre zu besserer Einrichtung des Bauren,
gewerbs beytragen kann, — wie man Proben mit
neuen Entdeckungen macht. Der junge Erdburger
und die junge Erdbürgcrinn werden bey diesen Arbei«
ten vernünftig denken lernen, bessere Uebcrlegungen
machen, mehr Nachdenken bekommen als bey allen
künstlichen Logiken und schwerfälligen Demonstratio«
«en. Dies, und noch unzählig andere Vortheile ler-
nensieauf diesem Wege—auf diesem einfachen wah-
eenNaturwege. — D a s räumt gewiß ihre Köpfe auf;
und folcheMenfchen werden denGemeinden die so ihre
Wohlthäter seyn werden, und einem ganzen Lande,
ewig nicht zur Last fallen, sondern die Mühen und
tic Kosten des ersten Aufwandes sehr reichlich ver-
guten.
D 5
Bey der Lanvmeßkunst können die jungen Leu«
die Mechanik lernen; beym Zusammenrechnen der
Iahrcsfrüchte sollensiezählen und eine Eintheilung
zu machen lernen. — Was man verkauft, was
man für den Hansucrbrauch nöthig hat, was die
neueSaat erfordert, dasalles müssen sieberechnen.
Müßten nicht auch die Stadtlcute und die
Landleme bey dem Anblick einer solchen vatcr-
ländischcn pflanzschule, den Ackerbau ehrwürdig
finden ! Müßtesichnicht das Herz jedes brafcn.Man-
«es hoch erfreuen ! Bald könnten dann die Erwach-
feiten, die.RIeinern unterrichten, und sie mit
zu der Arbeit ziehen. Nur der Anfang ist schwer,
der Fortgang leicht und für alle-Geschlechter der
Nachkommen von unendlichem Segen! S o kann
man in Lust verwandeln, was sonst dem Lande
ein bleibender fressender Wolf ist..
Helfe, wer helfen kann! ! I h r reichen Landes«
gemeinden, habt ihr kein Stück Land das ihr zu
solcher Bestimmung gerne und mit Freuden her-
geben möchtet? Würden nicht selbst eure Kinder,
die nicht in diese Schule gehen. aus dem Beyspiel
dieser Landesfremden nnd Armen recht viel gutes
• und edles lernen können?
Die Landsaßen.
(Zu Seite 13« und 166.)
Landsiißen sind Leute, die im Kanton, leben, und
doch nirgend im Land ein Bülgenecht haben; — die zu
arm sind sich eines zu kaufen. Ihre Anzahl ist etwas
mehr als 4 tausend. Sie wachsen noch mehr an durch
die unehlich «zeugten Rinder, welche auch dahin
zum Lhcil gezählt werden. Erst seit 1; Jahren haben
, sie eine gewisse feste Einrichtung; und da es interessant
ist, diese für Fremde und Einheimische wichtige Cache
genauer zu kennen, so ziehen wir aus der Obrigkeitlichen
Satzung folgendes aus, welches die Natur ihrer lkxi»
stenz darstellt.
We>»n ein Fremder in der Landsakenkammer ange«
nommen zu werden wünscht, muß er darthun, daß er
dem Land nicht zur Last fallen werde, daß er ein be«
stimmte« nothwendiges Geschäft hab«/ undsichder Ord»
nung unterziehen wolle, eine jährliche Steuer zu be»
zahlen, auch daß er den ärmer« Mitgliedern dieser Kor»
poration in Nothfällen mit beysteuren helfen wolle. —
Die jährliche Steuer aber soll nach Gutbefinden bon
der Landsaßenkammer festgesetzt werden. — Aus diesem
Fond soll ein Kapital angelegt werden, damit die jähr»
lichen Interessen zur Unterstützung der Armuth dienen
mögen. — Was aber noch mehr erforderlich ist, das
' steuert die Obrigkeit: ja sie selbst schenkt auch jährlich
«och eine Summe zur Vermehrung des Kapitalfond«^
S t i r b t ein Hausvater, so wird von der Landsaßentam»
mcr dessen Hinterlassenschaft unter Bcvogtung gelegt.
Heyrathen darf feiner — der nicht die Erlaubniß dazu
bey der Kammer eingeholt hat. Auch soll kein Prcdi»
ger einen einsegnen, oder « habe ihm seinen Schein
und Landsaßenbewilligung vorgelegt. Die Kinder der
landsaßen sollen »ornemlich zum Landbau gezogen wer»
den. —
Man nennt diese Leute auch sonst die Heimatlosen.
Aber wenn sie der Staat in seinen Scbutz nimmt, so
paßt dieser Litel nickt mehr. Freylich «eniessen dies«
Leute nirgend kein Bürgerrecht, aber doch sollensievon
den Dorfgemeinden nach fcen angewiesenen Distrikten
geduldet werden als Unglückliche — die auf die Hülfe
ihrer Mitmenschen Anspruch haben. —

Seit dem Jahr I Î 8 8 sind keine J u d e n mehr in de«


Stadt wohnhaft: und ist dies eine der grossen Wohliha»
ten, welche unsre theure Altvodern uns hinterlassen
haben. Unreinlichkeit, Müssiggang, schlechte Streicht
siehet und höret man stets wo diese Nation einhauset.
Sie sind uns Europäern ganz fremd an Sitten und Ge.
brauchen; und sie wollen es seyn! daher wird man auch
schwerlich jemals aus ihnen gute Einwohner machen.— '
Sonst sind die Juden auch noch bis zum Jahr 1790
sieißig nach Ncrn gekommen, um an den Roßmirkten
Pftrde für Frankreich zu kaufen. Doch hatten sie niemals %
die Erlaubniß lange an einem Ort zu verbleibe«/ son»
dern blyß durchzureisen war ihnen gestattet; welche«
ihnen alier jetzt untersagt ist / wegen des erzählten Vor»
falls, (iter Band, Seite 131).

Die Polizey und öffentliche Sicherheit zu


Stadt und Land.
Die Kennzeichen einer guten Polizey find nach dem
Urtheile eines jeden vernünftigen Weltmannes folgende:
. 1) Die Sorge für die Gesundheit der sivwohner und
der erforderlichen Anzahl von Lebensmitteln »
a) Erhaltung der möglichst billigen Preiße im Verhalt»
niß mit andern benachbarten Ländern und Gegenden;
3) Strenge Gesetze gegen die Wucherer in den ersten
Nothwendigkeiten des Lebens;
A) Sicherheit des Eigenthums, und Entfernung derer,
so die Ruhe stiren;
, ) Seltenheit von Diebstählen;
6) Schleunige, ernstliche aber nicht grausame Iustitz
über die Verbrecher;
?) Sorge für das Vergnügen der Einwohner, durch
Spaziergänge und öffentliche Plätze; auch guter
gesitteter Wirthshäuser;
») Versoraung der Armuth.
Für alle diese polizeygegenstände sind in der
Stadt Bern und im Kanton die besten Anstalten und
Verordnungen geschehen: und wenn es hie und dort an
der Ausführung fehlt/ oder sie nicht in der rechten Art
befolgt werden; so hat die Obrigkeit daran gewiß kein«
Schuld. S i e sucht und will Ordnung. Wo ab«
ist der Staat in der Welt/ da nicht noch viele Wünsch« *
übrigbleiben : ach / daß die Gesetze auch so befolgt werden
möchten / wie sie gegeben sind! Erfrischung und öfter«
Einschärfung möchte also auch bey uns nöthig seyn.
Wir haben in Bern einen Sanitätorath / welcher
die Pfuschereyen der Marktschrcyer verbietet: die Stadt
und Landarzte prüft; bey ansteckenden'Krankheiten und
Viehseuchen ') thatige Vorsorge thut. Er halt auch die

•) Ei» würdiger Landgcistlichcr schreibt mir unter andern sol«


«endcl: Diese hichstwichtige Vorsorge des hohen Snnitiiti-
latlij gcgc» die Viehseuche verdient Hochachtu»<>. Wie schreck,
lich würde das Uebel oft sc»n, wie sichtbar ist der Nutzen
der Vorkehrungen! Sehr oft werden Nachrichten von de»
Kanzeln verlesen; und bald diese bald andere Vc»irlc a» den
Gränzen mit der Sperre belegt. Unter den vielen Veniühun»
gen z»»> Vesten des Landes greift leine tiefer in Vaucrn
Herzn» als diese. S i e , die gewohnt sind, die edtlsic» Hand»
lmigc» mit dem Maasssabe des Eigcnnntzes zu messe», und
Absichten zu suchen, die nicht stnd, werden dnrä, die uner«
mndetc Nachsamteit, den scharfe» Vlicl auf alle Gefahr«»/
die ihnen sonst verborgen blieben, und durch die Unkosten/
welche mit Einziehung der Nachrichten verbunden seyn nnis»
sen, und diß alles für ihr Vieh, wobey ste gar keine andere
«bstckt als landesvätcrliche Sorgsalt entdecke» können, s»
gerührt, daß sie mit vieler Bewegung ihr Erstaunen äussern;
» es sind nicht Vermuthungen, ich bin Zeug». "
,

Apotheken in Aufsicht; und wenn schädliche kebensmit»


tel in Umlauf kommen, wodurch die Gesundheit angeglif»
fen wird/ da waint er durch öffentliche Ankündigun»
gen. Es sollen auch keine Medikamente uon auswärts
zum Verkauf angeboten werden, und wenn sie noch so
approbat wären, ohne einen vorher erhaltenen Erlaub»
nißschein vom Sanititsrath.
Wir haben nne Commerzienkammer, wo für gut«
Ordnung im Handel und Wandel gesorgt werden soll;
wo sich auch alle Landkrämer einzeichnen lassen müssen,
sonst weiden ihnen ihre Waaren confiscirt.
Wir haben vortreffliche Anstalten für Arme. Auch
sollen die Prediger nach ihrem besten Wissen und Gewis»
sen in ihrem Bezirk Aufsicht über die Armuth halten;
unpartheyisch Hülfe gewähren, wozu ihnen Mittel un>
Wege genug offen stehen und an die Hand gegeben sind,
ja mehr als in irgend einem Staat. Man fordert dieses
»on Obrigkeitswege» von ihnen; welche es aber versiu»
men, die haben es auf ihrem Gewissen zehnfältig ' ) .

*) Jeder Pfarrer «om Land übergiebt jährlich dem Herrn Land»


uogt ei» Verzeichniß der Armen, s»»l>n ihm und den Voraesetz,.
le» unterschrieben ist; mit der Anzeige, n>a« die Gemeinde
einem jeden steuert. Reichlich werden d i e , welche durch
UnglüiNfiille »der Krankheiten zur Arbeit untüchtig gew°r7
den, und der,hohen Landiallmosen > Kammer »mvsohle» wer«
de» mit Frucht und Gel» unterstützt. Kommt ein besonder
rrf Unglücl über einen Hauivater, so hal «r an seiner 3 W a ,
H

W i r haben eine. Landsassenkammer/ wo allen Hei»


mathlosen und Verlassenen Rath und Beystand geleistet
wird: auch werden alle Findelkinder von einer eigenen
Direction besorgt, in Schutz genommen, gepflegt und
erzogen. —
W i r haben eine eigene Münzdirektion / die alle
Verfälschung der Geldsorten verhütet; und von Zeit zu
Zeit schlechte Sorten verbietet; auch eine genaue Prü»
fung der gangbaren Münzen anstellt.' —
W i r haben im Lande herrliche Rornhäuser ; eint
große Niederlage von Salz-, welch letzterer Artikel be>
sonders wohlfeil erlassen wird/ weil die Obrigkeit den
Alleinhandel dabey führt. —
Wir haben eine Marechaußee, die im Lande auf
und abstreift: die Sicherheit auf den Landstrassen unter»
hält/ oder wenn Gesindel sich findet/ zur Stelle liefert,
und wieder aus dem Lände hinaus fchaft. —
Wir haben eigene Anstalten zur Aufsicht über die
Fremden.
W i r haben eine Stadtwache/ welche das ihrige
auch zur Sicherheit in der Gegend und zur Ruhe in
der Stadt mitwirkt.
Uebrigcns lese man was schon im iten Banh von
Seite

seit «Nem,al eine gewisse Stüye. Di« W<>l>ltl>«ttn für bit


Dürftigkeit von Seiten der Regier»»« s»«en sich jährlich aus
mehr «tt aooooo Psim» ««laufen.
(Seite 61 bis 64 von der öffentlichen Sicherheit und
Bequemlichkeit geschrieben worden.

Daß aber für das Hebammenwestn auf dem


Lande noch nicht so gesorgt wird, wie es die Wich»
tigkcit des Gegenstandes wohl verdiente, muß hier
Nicht mit Stillschweigen Übergang«!« werden. Att
vielen geringen Orten in Deutschland geschiehet in
dieser Nückstcht weit mehr als hier. DieUnwissen,
heit dieser Weiber ist an dem Tod uicler Kindbet-
tcrinncn und Kinder schuld; ich muß dies anzei»
gen, weil es eine allgemeine Klage ist. Der
Bauer thut nichts, wenn es die Obrigkeit nicht
thut; ja ohnehin ist es bekannt, daß der Bauer
mehr für sein Vieh/ als für seine Kinder sorgt.—
Daß es hier und da auch noch Ausnahincn geben
kann, Witt ich nicht leugnen, aber das Allgemeine
ist so; und bey den zerstreuten Wohnungen und
in den Bergen weil entfernten Hütten kommt oft
die gute Hülfe aus der Stadt viel zu spät. Auch
wird darum unsre Insel mit vielen erkrankten Kin.
der« und Weibern vom Land genug belastet.

II. Theil. E
Konsumption; Preis der Lebensmittel.
(iterBand, Cette 76.73.)
Die Konsumption der lebcnsmittel und ihr Preis ;
ihre Mengt/Obrigkeit!. T a r , und Seltenheit, hängt
wie überall von den Umständen ab. I n den ruhigen
fruchtbaren Jahren lebt man gewöhnliH um ein Dritt»
theil/ ja um die Hälfte »ohlfeilcr / als in Jahren der
mindern Fruchtbarkeit/ oder bey der Frucktsper«/ oder
ben dem Anwachs der Fremden, die sich in unsre Gegen«
den flüchten. S o haben z. V. die französische Revolution,
der Krieg in Deutschland, und die überall mit großem
Widerwillen angesehene Emigranten uns eine ungewihn»
liche und lang anhaltende Theurung verursacht. Kom»
men unter den Flüchtlingen auÄ) reiche und im Ueber»
fiuß lebende Personen an ' ) , die alle wohl bciablen und
überbieten, so steigt der Preis auf de» Wochenmärlten

V Ich weiß eine kleine é t a i t , nalje bey Vcrn, in war eine


einzige Haulhaltung »on reichen Fremde», wo alle!» jali»
lich «n <io Klafter Hol» verbrannt worden! da« Feuer nie»«
auf »em Hecrd niemals aui; im Herbst und Winter, ja so-
gar de» halben Sommer, wenn ei nur tnfil »nachte, ward
scharf cingelicitzt, da« Feuer brannte im Kami», im Ösen;
auf dem Hecrde — ei war eine wallte Aergerniß solche »er-
schwenderische muihwillige Menschen zu sehen. Collten die»
s» «rt Leute nicht Theurun« schaffen tonnen? Und sollte man
diese Reiche nicht »eil ernstlicher »! entfernen suchen, a«
Mt andere lremde»
ganz unerhört; die B«uren wissen davon guten Nutzen
zu ziehen, aber der gemeine Rann / der Bürger/ der von
seiner Profession oder gar »on einem Amte lebt/ da« ihn
gerade hinlänglich aber nicht im Üederfluß nährt —
fühlt diese drückende Erhöhung so fais, daß er sich in
Schulden steckt, und lange^ahre nicht mehr mitsein«
Haushaltung in Ordnung kommt. Jetzt da ich dieses
schreibe, finden sich folgend« ziemlich hohe Preise als
die gewöhnlichen, im Verner Wochenblatt angezeigt.

Vrciß der Lebensmittel vom w e i n m o n a t 1795»


Dinkel, (Spelz) der Mütt, W> btz. bis «<x> btz.
• » » neuer, der Mütt 17° btz. bis 2c4 btz.
Kernen, (Korn) da« M a s , 42 btz. bis 43 btz. z kr.
» » » neuer, das M a s , 40 btz. : kr. bis 43 btz.
Roggen, das M ä s , »3 btz. bis 3°.
Waizen, das M a s , 42 btz.
Erbsen, da« M ä s , tc btz. bis 44 btz.
Weisse Wicken, das M ä s , 4« btz. bis 4; btz'.
Schwarz« Wicken, das M i « , ;i btz. bis 38 btz.
Mühlikorn, (Gemischtes von allerley Getraidarten), da«
M l « , :« btz. bis 30 btz.
Paschi, das M ä s , «5 btz. bis 3° btz.
Gersten, das M a s , 19 btz. bis 22 btz.
Haber, das M i s , 10 btz. bis 14 btz. 3 kr.
5)abermehl und Haberkernen, das M i « , 36 btz. bis 4« btz.
linsen, das Mä«, 4; btz.
Reis, das Pfund, 10 bis n kr.

N r o d t ' I a p vom weinm«i«lt 1795»
Brod/ rauhes: ,
1 Pf. 8 kr. 2 Pf. ,e kr. 3 Pf. 24kl. 4 Pf 3» kr. ; Pf. 4° kr.
Brod von cinzügigem bloß vermahlnem Mchl ohne Zusatz ;
1 Pf. 9 tr. , Pf. i8 kr. 3 Pf. -7 kr. 4 Pf. 36 kr.
5 Pf. 4; kr.
Brod in der obrigkeitlichen Brodschaal, 1 Pf. ? kr.
Brod von zwevzügigem weissen Mehl / 1 Pf. 10 kr,
» Pf. so kr.
1 Kreuzerwerthes Mütschli soll wägen » Loth.

Ausgestectte ltiunlein (offene Keller) sind 14* / und gilt


de» Wein von 4 Batzen bis 1» Btz. die SDi««*.

Fleischtax vom weinmonat ,??;.


Nom «yten August bi« Martini.
Ochsenfieisch in der Cchaal, das Pf. ioj te
» > im Schlachthaus / das Pf. 10 kr.
Kühfieifch in der Schaal, das Pf. 9 kr.
» ' • - im Schlachthaus das Pf. 8J kr.
Kalbfleisch in der Schaal, das Pf. 1° kr.
» » » » im Schlachthaus 9!- kr.
Gchaaffleifch in der Schaal, das Pf. 9 kr.
> » im Schlackthaus/ das Pf. tr\ kr.
Wir rücken diese £ « « hier ein, «eil wir hoffen,
»aß nach kurzem wir si» mit Verwunderung betrachten
«erden; auch sollen uns« Nachkommen wissen, welch,
harte Jahre wir in dieser Zeit erlebt haben, da auch all«
Handel und Wandel fast geschlossen und geringe ist. —
M a n lerne aber auch schon i n der guten Zeit
sparen, daß man Zehrgeld i n der N o t h habe. —
Der Preis des Holzes, welches für ein K l a f t «
Tannen sonst um » laubthaler zu bekommen war,
ist jezt gewöhnlich 3 Laubthl. und der Preis des Buchen
fast nah« an 4 Laubthaler, auch dann bekommt man es
nur noch mit Mühe, weil die Konkurrenz stets groß ist,
und die Bauren lachend gestehen, die Stadtleute seyen
selbst schuld, daßsiees so theuer kaufen müssen, weil
es ihnen von denen, die Fremde beherbergen eilig ge«
loten wird. -
Butter oder Anken zahlt man in diesem Monate
(Weinmonat 1795) um 6\ b i s 7 Batzen da« Pfund,
sonst 3l By. oder 1; kr. und höchsten« ; Btz. — ; kyer
um 2 Btz. Lichter, welche sonst das Pfund •;{ bis 6 Btz.
losten, sind bis auf « Btz. gestiegen. Der gute Kiß *)
» btz. da« Pf. sonst 4 Btz. Das weisse Brod, wird da«

*) Sä(t «erden in der Hauptstadt nicht sonderbar Viel «««essen.


Die Besten gehe» ausser Landei. Geiskäse werde» «uf dein
lande und auch in der Stadt noch mehr geliebt. ' Auch den
sogenannte» F ä l s c h e r ! » findet man hie und da «uf de»
tischen. Letterer ist aber der Gesundheit im Ganzen so schad»
lich, daß die Personen, die ihn Ost und in Menge genlesseu
ihren lo» sichtbar beschleunigen. Dieser lagen ward mir
»on einem «««esehenen Mann« erzähl», er hab« di«N«olx«b<
«3
Pf. sonst um 6 kr. tarilt/ fejt um 9 kr. u. s. w. Zucler
und Kaffee werden fast eines wie da« andere 1>as Pfund
mit 14 Batzen bezahlt. Diese Preise haben auch Einfluß
, auf dcn Hanvlohn der Arbeiter; und alle Gewerbe und
Handthierungen stecken und gehen langsamer, weil
man keine so theure Kostgänger halten kann und mag,
und nur das Hichstnothwcndige'kauft.
Die Preiße des Fleisches differiren fast so oft als die
Preike des Mehls. Bey dem im îtcn Band angegebe»
«e» T a i der Lebensmittel sollte das Wirtchen : aufda»
wenigste stehen.
Der Salzpreis ist nach Proportion, da dieser Vr»
tikel aus fremden Landen kommt, noch höchst billig.
Denn wir im Kanton Bern ziehe» von dcn cinheimi«
fchen Oalzwerkcn auch bey guten Jahren nicht den
sechsten Theil des Nothwendiacn, das übrige kommt
mit theurer Fracht aus Deutschland u. s. w. ' )

timg g cmackt unter Herrn von seiner genauen Vellinnlschott,


die den Fätscheri» so »orznglich liebgewannen, daß »on i o
Personen jezt keiner mehr am Leben sey — und diese in Zeit
von 8 Jahren sich alle i» Tod gefolgt sind.
») De» Salzhandel führt die hohe Obrigkeit seit 1636. SCor.
her konnte jeder damit bandeln. Man hatte oft Mangel
daran, und selbst die mit Frankreich geschloßenen (Saisiras,
ta« mußte die Obrigkeit durch ihr Ansehen und mit Ans'
»Vserung großer Summen wieder erlausen. Seit dieser Zeit
bestehen m i t B a n c r n , T » r o l , S a v o n c n . B u r g u n d ,
L o t h r i n g e » obrigkeillicbe bestimmt« und sichere Verträge
Der R o r n • preis siehet bey u n i nie still, k f r
stelzt er bis über das Doppelte, bald h l l t er sich ein«
Zeitlang im Mittel zwischen Wohlfeile und Tbeurung.
So zum Beyspiel galt das M l s Korn vor * Jahren
noch lc> Batzen / im Jahr ,734 stieg es im Herbst auf
: 8 / sodann auf z> und 34 Batzen, und jezt sogar, (da
ich dieses schreibe, den 3 0 J u l i u s 17?;) auf 4» Batzens
j« es galt diesen Sommer bis 48 Batzen.
Ueber den Holzmangel sind nun seit den leztc»
zwanzig Jahren so viele Klagen geführt worden, und die
Gheurung besonders in den Städten nimmt auch in di l»
fem Artikel so merklich zu, daß es wohl einst eine
obrigkeitliche genaue landesuntersuchung «forde«»
wird, wie dem Mangel abzuhelfen, eine sparsame«

und Ucbereinlxnmnissc, so/ d«ß unser Land niem»tt Mangel


«» diesem so nothwendigen Leben« > Prodult« haben kann.
Und da« bc» unserer Viehzucht und zum Käsemachen so ganz
uncntbclirlich und in großer Menge erforderlich ist: 1554
wurden die iunländischcn Salzauellcn !» Paner und Vevieur
entdctt, und nachher durch die Sorgsalt und Ausovserunj
unsrer väterlichen Regierun« bald mehr bald minder reich,
baltig gemacht. Den Bericht hierübe« theilt un» Herr «ou
H a l l e r mit, der Salzdirelror daselbst gewesen, und in
seinem Buch den ganzen Verlaus dieser Quellengeschichte er-
zählt und untersucht hat. Neuerlich aber ist ei noch »oll»
ständiger, wissenschastlicher, und nach »ieliähriger Telbstersah«
rungen geschehen, von Herrn Direktor N i l d in dem Vuche :
Essai fur les montagnes salifèrei du Gsnverncment
d'Aigle, au Canton de Berne, 1795.
€4
Holzfenrung eingeführt, und die Feuerheerde und Stuben«
ifen auch zweckniißiger gebauct werden sollen. Dazu
müßte man die Hafner und KaÄ,el brenn« anhalten,
und ihnen bessere Modelle geben. — Mangel an Holz!
Wer sollte das in der Schweiz glauben '. Sieht man doch
nichts als Holz; alle Berge und Anhöhen voller Holz:
Aber der Handlohn der Leute ist kostbar; die Fabriken
kaufen auch viel auf, und die Fuhrlihue steigen mit
jedem *3ag. — Gerecht also ist die Klage über Theu»
rung des Holzes und den unsparsamlichen Gebrauch des«
selben. Weil unsre Voreltern nicht damit sparen durs-
ten, so fahren wir auch fort, es verschwenderisch zu
gebrauchen. Man wirft große Stücken Holz ins Feuer.
Ein guter Oekonom meldet u n s : Art und Slge werden
zu wenig gebraucht, Oeftn und Feuerstidte sind zum
«erschwenden eingerichtet; obgleich die Oefen und Heer»
de die Hitze nicht auf einmal nutzen können; so werden
doch Stöße groben Holzes angelegt; dje Hitze wird njcht
durch Löufe herumgeführt bis sie nur lau in den Ranch»
fang käme; sondern \ wenigstens gehen bey dem fchuel»
le» und starken Brand ohne Nutzcn davon. —
Schon bat es die Aufmerksamkeit einer weisen Lan«
des »Regierung auf sich gezogen, wie man die Wal»
düngen besser schonen und die Naurcn zur Anpflanzung
neuer Holzarten gewöhnen könne. Es ist feit den lezten
Jahren ernstlich daran gedacht worden,, die Wilder
frisch anzupflanzen, die faulen und unfruchtbaren Ge»
genden auszubessern: und Saamcn von auswirtigen
Holzarten nach Verhältniß des Bodens einheimisch zu

*'
machen. 3s ist bah« in V e r n eine eigene Holztaiw»
mer oder Regierungs « Ausschuß, welche unter dem Vor»
si« des regierenden welsch'Seckelmeisters und einigen
Gliedern de« kleinen und großen Rath« diese wichtige
land« « Angelegenheit besorgen , und die besten Schrift««
und Entdeckungen, iie über diesen Gegenstand erscheinen/
prüfen und i» unserm Vortheil benutzen sollen.
T o r f wird noch viel gebrannt, mehr in der Stadt
«l« auf dem Lande. Die Wagcnsub« kostet gemeiniglich
4 Kronen. W i r haben viele Oerter im Kanton Bern,
w o T o r f gefunden wird. Vor den 3boren der Stadt
Bern; — zu Murten ; Buchse« ; auch würde man viel
heben können aus den Morlsten bey Orbe, Iferten und im
Innsmoos; — die Landvogtey Nidau liegt fast ganz auf
Lorfcrde; am meistensindzuOrpund,Madretsch,Säffneren.
Auch Steinkohlen braucht man seit «tlich und
dreyßig Jahren in der Stadt und auf Hammerwerken.
Sie sind in unserm Kanton zuerst gegraben worden, w»
man sie in Menge noch findet, hinter Frienieberg in
einem Walde, eine halbe Stund« westwärts von dem
Kloster an einer kleinen Anhöhe von Sandgestein. Von
diesen Steinkohlen brannte der hollindische Gesandte im
Kam«», als er in Bern war, während seines ganzen
hiesigen Aufenthalts- —
Fast zu gleicher Zeit ficng man an hinter V o l t i g e «
Steinkohlen zu graben. Wäre der Fuhrlohn bis zur
Hauptstadt nicht so hoch, so würde man solche in den
Vchmidten und sonst nochstärkergebrauchen. Der Cent»
»er iavtn wird in Bern von 16 Batzm iü auf «« Btz.
verkauft. Es mögen jährlich gegen 3 bis 4 hundert Cent»
«er nach Bern kommen. —
Hinter V b e r w y l , im Amt WimmiS/ an einem
abgelegenen Play — der Lindckrachen genannt / findet
man sehr viel Steinkohlen, desgleichen im Frutigamt.
Letztere Art ist aber mager, und kann von den Schmid«
ten und Färbern nicht so vortheilhaft gebraunt werden,
wie jene andern, das Feuer ist nicht lebhaft genug.
I n der Gegend von Thun hat man auch wichtige Ent-
deckungen gemacht, und da der Transport von daher zu
Wasser wohlfeil ist, so ist diese Ersparung des Holze«
ausserordentlich wichtig für die Stadt Bern.
Die vornehmsten Orte im Kanton, da Steinkohlen
aefundeu «erden, find also:
Aarwangen. Grüßiibcrg, Süglis«
BachtallN bey Erle- berg, Herdlisberg bey
bach. Thun.
Bochat bey Lütry Langnau.
(Wclschland). OberwylimSitbenthal.
Voltigen. Oron.
Dennwyl bey Büren. Rychenbach bey Erlen-
Dieöbach bey Thun. bach.
Eggywyl. Siegeriöwyl.
Erlach im Iulimout. Spietz. Krattiggrabcn.
Frienisberg. Wattenwyl.
Frutigen.
Berner Haushaltungs« Kosten/
in guten Jahren.
Vor einem Jahre machte der Herausgeber dieses
zweyten Theils der Beschreibung von Bern zu einem
Frauenzimmcrkalender folgende Berechnung des Kosten»
aufwandcs eine: Schweizer »Haushaltung die « v o n der
Stadt Bern abgezogen hatte, wo er lebt» erfindetkeinen
schicklichern Ort als den gegenwärtigen/ diese damals
mit Fleiß berechnete Gegenstände auch für andere Leser
nutzbar zu machen , und da es ein Modell seyn kann, wie
man sich hier einzurichten habe, so will er den Ieitge»
nossen und den Nachkommen davon eine Abschrift aufbe»
halten, die vielleicht auch die Fremde» intereßiren wird.
Zu besserer Verständniß auch für Ausländer, hat
man den Gcldpreiß in Gulden und Kreutzer gesetzt; der
Guide» zu 15 Batzen; der Batzen zu 4 Kreutzer.

Ucbersthlag, w a s eine schlecht und rechteBerneri»


sche Haushaltung lostet.
fi. Atz.
Hausmiethe, für ein mittelmäßiges und gar
nicht weitläufiges logis 6o
Für eine M a g d , die noch gar keine von den
testen Kochinnen ist, sondern so unwissend ,7
und grob als möglich dafür dient . . 40 *
100 ff.
fi. V«.
Oumme des Ucberttag« . . . i«o •
Hat man Kinder, so kostet die Rmdermagd,
, mit Prisenten und ohne die' Kost, jährlich 7° •
An Neujührsgesihenken und andern Rlei»
«igkeiten, für die Magde und Kinder und
Geuatterkinder/ :c. und sonst . . i> »
Der Wäscherinn alle 4 Wochen auf das we< » °
nigste 45 Batzen; machen für das Jahr . 56 *
Für Holz zum Rüchenherd , durch« «anz«
Jahr / wenigstens für . . ,4 «
Für Holz zun» O f e n , mehr und weniger,
aber auf das billigste angeschlagen, 5 Klaf»
ter - 9 st. . » < » ' . 4; <
Frisch V r o d , nur für 4 Persoyen täglich * 5
Batzen gerechnet/ maä-t jährlich . 7% *
Milch und Niedlen, wöchentlich nur à 6
Batzen angeschlagen, macht jährlich . «» 1*
(KB. die Maaß dünne Milch kostet 6 Kreuzer,
die dicke welche man Nidlen nennet, 4 Btz.)
Cassée, so wenig man auch in einem Hause
trinken mag, so muß man doch fürsichund
andere im Verrath haben, bey also nicht
«rdinairen Kaffeetrinkerinncn jährlich et«
wa 10 Gulden, bey ordinairem Kaffeetrin»
ken aber, per£ag nur 3 Batzen gerechnet,
(könnten wohl ; gesetzt werden, ) da man

983 st> i2 Btz.


fi. m.
Summe bei Uebertrags . . . .383.1»
auch mchr Holz verbrennt und mehr Zeit
verstomt, mit Iimbegriff desZuckers jährlich 73 «
t v e i » , täglich nur eine halbe M a a ß / à 2
Batzen, machen jährlich » 4« 1»
(Wie wenige Haushaltungen giebt es, w»
nickt täglich wenigstens 1 und 2 Maaß ae<
trunken werden; wo Gesellen, Handlungs»
diener sind, da muß es ohnehin seyn, weil
wir keinen wohlfeilern Trank, wie in
Deutschland das Bier, haben, wo man die
Maas à 3 Kreuzer kauft.)
Für Lichter, jeden Abend etwa 2 lichter, (da
man im Winter wohl mehr braucht) also
Sommer und Winter.in einander gerechnet,
wöchentlich nur 2 Pfund, à 6 Batzen da«
Pfund, machen jährlich . . . 41 9
O e l , jährlich, zum brennen und S a l a t , auf
das wenigste für . . . . . 7 «
Nie Ausgaben für Speist» lassen sich nicht
so leicht bestimmen, wir wollen indessen
die gewöhnlichen Preise der tebensmittel
durchgehen:
Das Pfund Rindfleisch, gewöhnlich 2 Batzen.
Da« Pfund Hammelfleisch, gewöhnlich , By.
Da« Pfund Schweinfleisch, gewöhnlich 3 Btz.

ÎÎ4 fl. 1 Btz.


si. B«<
Oumme des Ucbcrtrng« • . . • SS4 »
Da« Pfund Kalbfleisch, gewöhnlich 6 Kleiizer.
Eine G«ns/ 15 bis i8 Vatzm.
Ein Huhn, k und 8 Batzen.
Ein T y , 1 Kreulcr.
Ein Pfund Vuttcr (Anken) 4 und Î «Sätzen.
Mehl, BcrN'Viertclcin 10 und 1« Batzen.
S a l z , das Pfund 1 Batzen.
Das Mis Erdapfel, 6 Batzen.
Das Mas Elbfen, 36 Batzen.
Das Gcmüß für 2 und 4 Personen, à 6 Kreu»
zer nud 2 Batzen, es mögen Bohnen, Kraut,
Birn oder andere Fruchtartcn seyn.
Rus diesen Preisen erhellet, daß eine kleine
Familie, jede- Mahlzeit mit Zugemüß nicht
unter 9 Batzen bestreiten kann ,• machen jähr-
lich für das Mittagsmahl . . ». 219 *
Und die Nachtmahlzeit nur il 6 Batzen ge-
rechnet I4s6 -
Rleider und Weißzeug für den Körper so-
wohl als zu den Betten, losten was anschn-
liehe», wenn man Reinlichkeit und Ord»
nung liebt: —
Die Ehle von guter Leinwand kostet zwischen
ç und 6 Batzen.
Gutes Kleidertuch, der Ctab 4° bis 60 Btz.

919 fi. 1 Btz.


st. By.
Summe des Uebeltrag« . . . . 919 1
Ein paar Mannesckuhe 36 bis 4° Batzen.
Ein paar Weiberschube 3° bis 3» Batzen.
Ein tuchcner Mannsrock mit Futter/ iz bis
»o Gulden.
EinFraucnkleid von leichtem Zeug/ 16 bis 1»
Gulden.
Ein Hut, — 4 u n d ; Gulden.
Zwirne Strümpfe/ i ; bis 20 Batzen.
Gestrickte Strümpfe, 2; bis 3° Batzen.
Dem Peruckenmacher nur 2 mal die Woche/
per Jahr 1 touisd'or.
Für alle Tage: jährlich 3 ?ouisd'or.
P u d « / das Pfund 3 Batzen.
Dem Barbier, wöchentlich 3 mal zu rafiren,
macht jährlich 3 kaubtbalcr.
Dem Arzt, für einen Rrankenbesuch / ;
Batzen.
Wenn wir also für jedes Haus/ für den Ge>
brauch an Weißzeug, Kleidung, Nätberinn»
Arbeiten, Schuhmacher, Peruckenmacher «.
nur monatlich ? Gulden rechnen, f, steigt
die jährliche Summe auf • , . «4 .

Ist das Ganze des Jahrs auf das billigste


gerechnet . . . . 1003 st, 1 Vtz.
»der 15 hundert Ycrnfrankcn, welche
gerade3?; neue franz. 3hl. aulmachen.
=as S4
Schon da mal« als uor i8 Monaten dies« Berech«
fluna aufgesetzt worden (im Herbst 1794): fand sie jeder
Kenner von Bern, jede brafe Hausfrau / der ich dieses
Verzeichnis vorlegte, äußerst billig, ja nur zu gerinj
im Anschlag, weil fast alle Artikel mehr kosten, als
sie hier angeschlagen find. Aber ich wollte mit Fleiß
kein theures J a h r , sondern ein wohlfeiles, gewöhn»
liches Jahr zum Maasstab nehmen, damit der Ueber»
schlag desto langer gültig bleibe, und allgemein für brauch«
bar gelten könne. I n theuren Zeiten kann man mehrere
Artikel wenigstens um \ Theil höher anschlagen. Lich»
ter, das Pfund statt 6 Batzen zu 9 Batzen. Rind ° uns
Hammelfleisch das Pfund zu 3 Batzen. Das- Brod aber
steigt am allergeschwindesteu im Prciß. Die 3 Batzen»
Brode sind jezt so klein, wie vormals die 6 Kreuzer»Brodt.
S o wie man jczt in Bern selten mehr unter hundert
Gulden oder 60 bis 8° Kronen, etwas ertragliches von
einem Logis mit ein paar Stuben und Kammer wir?
bekommen können.
Mit wahrer Ueberzeugung konnte ich also damals
dem Schluß der Rechnung folgende Worte beyfügen:
Ich fordere jeden ehrliche» und erfahrnen Hausmann
auf/ ob er nicht diesen Anschlag bockst mäßig finde; und
ob er sich getraue, bey allen jezt steigenden Preisen der
Lebensmittel damit auszulangen, wenn er nicht gen«»
und wohlbedichtlich alles zu Rathe hält. Hier ist noch
nichts für die Mode und den Fraucnzimmerstaat gerech»
net: nichts für Schulgelder, Kleidung, Putz der Kin»
der:
der; nichts?ür Spazierfahrten, Vesnche/ Festtage;
nichts für Arzt; Apotheker; nichts für die Vergnü>;un>
gen de« Geiste«, Musik, Bücher, Schreibmaterialien.
Das allergeringste also, »vas heut zu Tage ein Haus«
«ater bey einer kleinen eingezogenen Familie rechnen
kann, sind ioö neue französische Louisd'or. Und
wie wenig« können sich rühmen, daß sie ein solche«
sicheres, gewisses Einkommen haben!

Die Handelschaft.
Nicht in allen Gegenden unsers Kantons ist der Han«
del vortheilhaft. Wenn in Gegenden, wo der Ackerbau
blühen tonnte, sich die Handelschaft zu stark vermehrt,
so legen sich reiche Leute, statt das Fcld zu bauen und
fruchtbarer zu machen , auf die Iüdeley , und denken
nur an ihren Privatvortheil, nicht an den Nutzen und
die Bedürfnisse des Vaterlandes. Daher hat man im»
mer noch «ine zweydeutige Meynung von den Fabriken.
Zwar vermehrt sich die Bevölkerung, w» Handel»
fchaft getrieben wird; aber die Fabrikarbeiter sind nach
einer langen Erfahrung der schlechteste Eheil der Nation.
Der Staat hat wenig oder nichts von ihnen zu «war»
ten, und in Zeiten der Nsth fallen sie dem lande zur
last.
Zwar haben wir auch Gegendtn im Kanton, die sonst
wenig belebt waren, die iezt mit Menschen angefüllt
II. Theil. 3
sind. Dies brachte die Handelschaft zuwege. I m Aet»
gäu find Distrikte, die um das Doppelt« an Menschen
zugenommen haben, und auch im Feldbau besser bear»
beitet werden / weil, die Bedürfnisse großer find- —
Hingegen wissen wir auch, daß die Gemeinden nie stär»
ler mit Armen und Waysenkindern überzogen waren,
als feit den lezten 3° Jahren.
D « Handel im Kanton ist nicht unbedeutend. Auch
wird von unsern Kaufleuten so fleißig spckulirt, daß kein
Zweig der Handlung ohne wichtige Entreprenneurs ist,
wie das kürzlich im Verlag der typograpdischen Ge»
sellschaft in V e r n , erschienene Verzeichnis aller
8abrika»ten und Handelshäuser im Ranton, genug«
sam an Tag legt. — Man saust viele rohe Waaren aus»
wlrts / und läßt solche hier im Lande verarbeiten;
Hanf, Flachs, w o l l e wird überall ausgetauft. Vor»
mals kam vieles aus dem Elsaß! und jezt kommt da«
meiste au« Schwaben. Dies ist in der Khat so wichtig,
daß ohne Fabriken viele Familien hungern oder doch aus»
«andern müßten, wie dies auch in Feiten geschiehet,
wenn die Geschäfte ganz stocken. Die Bevölkerung
aber von Fabriklern gedeihet dem Staat schlecht, weil
diese leute ausarten und ihre Kinder vielfältig schon
elende Krüppel sind, die weder zum physischen «och sitt»
lichen Gewinn unseres Landes viel beytragen.
Besser wäre es wenn Hanf und Flachs im Land
mehr angebaut würden, da man so vieles von diesen Ar»
tikeln aus der Fremde muß kommen lassen. Und da die
fracfjt von allen auslandischen Artikeln sehr hoch stehet/
so ist sür unsre Manusakturisten wenig gewonnen;
denn der beste Ertrag wird an Fuhrlohn und an die Aus»
länder zurückbezahlt. — I n den vorigeil Zeiten hatt«
man im Land viel mehr Hanf und Flachs gebaut/ und
die Schaafzucht zur Wollenschul war um wenigsten»
- mal starker, als sie heut zu Gag im Kanton abwirft:
überall siehet man die Schaafheerden vermindert. Auch
war ehemals die Schweizetleinwand / wegen ihrer
Dicke, Dauerhaftigkeit und Festigkeit auf den deutschen
Messen vor allen sehr gesucht, denn die Schwlbische und
Schlesinger thut es ihr an innerer Güte nicht gleich/
wozu unsre herrliche Qucllwasser und schöne Bleichen/
das ihrige beytragen. Aber es fehlt uns an einem gu<
ten Ehlenmaaß — durchaus differirt es von einem Ort
zum andern.
Den landlnann oder Web«/ der für die Fabriken
arbeitet, drückt die Verschiedenheit der Gewichte
und Maasse. Die leute wissen nie woran sie sind. Nicht
nur sind die Gewichte und Maaß« der Aetgäuische»
S t ä d t e / die als Niederlagen von dem Fleiß des dorti«
gen landmanns angeschen werden müssen/ sehr ver>
schieden unter sich selbst, und kommen mit dem de«
Stadt Bern gar nicht überein; sondern auch diese, so
wie die im welschen Antheil/ können ihre Nrüche
nicht berechnen; welches dem Arbeit« feinen loh»
schmälert, und er nie recht weiß/ wie « seine Stech«
nung machen soll. —

i.
Wenn man wahrhaft gemeinnützig seyn will, so
ftllte man in der Schweiz, »der doch im Hanton ein
allgemeines M a a ß festsetze«/ und es so einrichten, daß
man es obne Brüche berechnen könnte, also für jeder»
mann brauchbar wäre»
•• Ich mache mir eine Pflicht daraus, diese grvße An«
gelegenheit nochmals ernstlich in Erinnerung zu brin»
gen, und die Worte des edlen Mannes, des wahren
Patrioten Herrn von Tstharners, verst. Hrn. Gcckel»
Meisters, zu wiederholen, die er schon vor ,; J a h r e n
(i??i) der ökonomischen Gesellschaft von Nern ge»
sagt hat z höchst nachtheilig ist die Verschiedenheit im
Maaß »ind Gewicht der Handlung (und dem gemeinen
Wesen überhaupt) ; sie ist auch beschwerlich, denn die
Berechnung und Vergleichung kann der tandmann nicht
fassen, der seine Tücher dem Kaufmann bringt, « m u ß
sich ihm überlassen. — Wer die Vortheile der Einheit,
der Gleichheit des Verhältnisses, in den Absichten und
in den Wirkungen der Natur kennt und bewundert, und
wer da weiß, daß in dieser Nachahmung auch allein die
Vollkommenheit der Künste bestehet, der wird es bebau»
ren müssen, daß wir über so allgemein wichtige Dinge
so wunderliche Anordnungen haben : Und soll die Hand»
lung wirklich dazu beytragen, unsern Zustand zu verbes»
fern, so müssen wir einfache, simple, klare Begrifft
dabey haben. Gewichte und Maaße sind die Pfänder der
Treue.und Redlichkeit eines Volkes — diese schätzbare»
Mittel dürfen nicht der Willtühr preisgegeben werden,

*
sie müssen in einem richtigen Verhältniß stehen; denn
darauf beruhet die Sicherheit des Eigenthums / das Zu»
trauen ; ja redliches Maaß ist dasstärksteBand der mensch»
lichen Gesellschaft.
Es beklagen sich öfter« die Bewohner in den Städten,
daß die Landleute zu stark Krimerschaft/ Gewerbe und
Handwerker treiben ; und in der That giebt es Gegenden/
wo die Aktivität unter den Baurcn in solchen Gegen»
ständenstärkerist als in den Städten. I n einer Schrift/
so der ökonomischen Gesellschaft zu Bern übergeben wor»
den/ heißt es unter andern : « — Auch auf der Landschaft
ist kaum ein Dorf mehr anzutreffen / wo nicht Krämer
wären / die in offenen Laden und auf Jahrmärkten (en
jros und en détail) verkaufen. Diese Krämerey schadet'
unsern Landstädten. Diese Landleute fangen auch an
sich der Manufakturen zu bemächtigen; bald werden die
Städter auf das Land hinan« wandern müssen, um durch
den Landbau und die Viehzucht und andere Hülfsmittel
sich wieder empor zu arbeiten.
Neberall wird braf in unsern Fabriken gearbeitet.
Leinene und Vaumwollene Tücher, sind nach den
Verzeichnissen der beeydigte» jtuchmesser von 1731 bis
,79° im Durchschnitte 17:000 Stücke jährlich im Lande
favlicilt worden. Von 17»; auf 1786 waren es nahe an
199000 Stuck*. Jedes Stück hält 16 Pariser»Stäbe.
Leinene Lücher wurden in gleichen Zeitraum jähr»
lick im Durchschnitt I3$CO Stücke im Lande verarbeitet.
Die Länge eines Stückes ist von ,04 bis i n Ellen.
53
Diese beyde Manufakturen bringe«/ sehr mÄßig be»
berechnet / dem Lande wenigsten« 3S°/«» Kronen ein.
Schon vor 3" Jahren ist dieses Gewerb start gl«
trieben worden. Als um das Jahr 1762, die im Amt
Lenzburg etablirten luchweber und Manufakwristen
anzeiaen mußten / wie viel Stücke Baumwollen>3ücher
sie jHhrlick verarbeiten; so fand man nur allein in dem
kleinen Umtreiß vom Amt lenzburg, daß es auf 17a
tausend Stücke steige. Als man noch das übrige
Unter »Aergäu dazu rechnete, so kamen zusammen
«00 tausend Stück in Rechnung. — Ein «fahrn« Kauf«
mann, Herr Wydler von Arau, setzte 1764 folgende
Berechnung auf':
Man kann sicher annehmen, daß wenigstens 90 tau»
send Stück von obigen 2mal hunderttausend, aus inn»
lindischem Garn gewoben worden; (denn für mehrere«
muß man Stoff aus der Fremde kommen lassen, wel»
chcs allemal den Landesprofit ganz klein macht, da Sve«
sen und Fracht«!» in unsern Gegenden betrjchtlich sind) :
M o gesetzt
90,000 Stücke, jedes von 4 Pfund Garn.
360,000 Pfund Garn; jedes Pfund über«
, Haupt nur?! Batzen Spinnerlohn, macht
Franken . . . . . «70,000
Weberlohn vom Stück 8 Batzen . 72,000
Dem Fabrikanten, für Provision, Müht«
waltung, Risiko und Nebenkosten, « B t z .
per Stück . . . . . 90,000
Machen Vernfranken . . . 43J,COO
Diese schöne Summe kann durch Leute erworben
werden, die kein eigenes Vermögen haben; Kinder und
Gebrechliche können ihr Brod dabey gewinnen; und
wenn nicht solche Hülfsmittel der Armuth offen stünden,
f» würde es um die BeUeley in unserm Kanton viel er«
dirmlicher aussehen. — Nicht Handelsgttst, der das
Vlut der Armen aussaugt/ und Reichthümer häuft/
wie der Wolf, der auf Raub ausgehet/ ab« ehrlichen
Erwerb und Arbeitsfleiß wünschen wir- unserm lande.
Auch daß mau selbst fabriurte Waaren, allen fremden vor»
ziehen möchte. Da« ist Patriotismus.
Man beklagt sich auch fast allgemein, daß so vrelcrley
Leute/ die die Handlung nie ordentlich gelernt haben,
sich anmassen/ offene Laden zu führen, und vorzüglich
Personen des andern Geschlechts. Aber für einen kleinen
Detail kann man freylich keine schicklichere Personen
finden, als Frauenzimmer; sie können noch nebenzu mit
Stricken, Nähen und dergleichen weiblichen Arbeiten,
das sehr langsame und oft sehr wenig bedeutende <3c»
schift abwarten. S o habe» wir auch viele fremde Schnei»
derinnen die den Modehandel treiben, und wichtige Ge»
schifte machen. Und dies reizt viele andere zur Nach»
ahmung ; ja die Menge von offenen liden in der Haupt«
stadt nimmt so überhand, daß die ganze Stadt «ine an»
«inander hingende Boutike vorstellt. Auch kann man
nicht liugnen, diese Gcschifte der Weibspersonen
greifen fast zu stark in die bürgerlichen Gewerbe und
Geschäfte «in; wodurch manchem Bürger sein Brod ent»
34
loaen wird ' ) . Ich besorge auch ihre Haushaltung und
Kücke leide. Verheoratbete Bürgerftauen / wenn sie
zu dem Erwerb,des Mannes Sorge hätten, würden gar
oft mehr nützen, als durch eine so weit getriebene In«
dustric: denn endlich fällt der Mann unter den Mann,
und das Weib steiqt über den Mann hinauf; und von
den vielen Mägden und Kickinen die jezt so starken
Miethelohn ziehen, würde man einen großen Lheil ab»
schaffen tonnen. Auch die Töchter gewöhnten sich mehr
an die Haushaltung. Das alte Gesetz in der Republik
war: Der M a n » soll erwerben; die Frau aber da«
Erworbene zu Rath ziehen und zu erhalten suchen.
Weil indessen jezt der Handel mit den ftemden Vedürf«
Nissen zunimmt; denn der Luxus steigt allemal mit dem
Handel—so treibt alles in Bern beynahe Handelschaft und
Krimerey, so ist auch der Verbrauch an Waaren stärker
als zu keiner Zeit: man sucht sich allerley Auswege,
aber man bringt dadurch allerley unnöthige Waaren ins
land. Wenn man die Zollbücker in unserm Kaufhaus
siehet, wo alle eingehende und ausgehende Waaren ver«
zeichnet werden, so haben die Geschäfte weit über, die
Hälfte seit den lezten 30 Jahren zugenommen. — Der
Staat ist aber nicht reicher geworden. Das eigentliche

*) Auch «as sonst »ul den! männlichen Geschlechte »igenthüm«


llch «ngehbri« gewesen, die Unterweisung der Jugend, dal
iibernelimen jezt welsche Dame» i» Instituten. M a n hat
»ade» auch schon l,ie und t « bemerkt, daß dies» fremd« <Zr<
zielxmg den Kindern fremd« Sitten giebt.
Schweizerische sollten wir in F l , r bringe«/ das ist,
das vortbeilhafteftt im Handel: Die Landesprodutte
cultiviren und fremde Waaren entbehren lernen, dagegen,
alles im Kanton selbst so gut bearbeiten als es möglich
seyn kann, da« ist patriotisch. Alle Lebensmittel stei<
gen i m preis. Warum thut man also nicht dazu, daß
der Landbau mehr Getraide als Gras giebt? Der fremde
Fruchthandel, der alle Jahre beschwerlicher und kostspie,
liger w i l d , würde nicht nach und nach den Gtaat.aus»
saugen. — Denn bisher hat die Obrigkeit unermeßliche
Summen dafür aufopfern müssen und thut es noch
tiglich. - W i r geben den Fremden je länger je weni«
ger von unfern Fabtikartikeln, und brauchen doch vom
Ausland stets das gleiche. Ist das klug? Ist da« fchweize.
tisch gedacht? Denn obgleich die Handelsbilanz in den
lezten zehn Jahren noch so'gehen mag, so ist doch augen-
scheinlich die Ausfuhr geringer — die Einfuhr aber
stärker. Hat man nicht in vielen Ländern, zum
Beweiß im Ocsterreichischen, selwtt unsere Schweizer«Ar<
tikel als Contrebande taxirt oder schwere Zille darauf
geworfen, und mit allen Arten von druckenden Beschwer«
den beladen? Wo will denn das zulezt hin? Raffinirt
nicht schon die ganz« Welt im Handel: und wo war
ehemals die starke Concnrrenz wie heut zu Tag?
Ich weiß keinen bessern Rath, als die im itcn B a n d
dieser Beschreibung gegebenen guten Vorschläge in Aus«
Übung zu bringen: denn dadurch allein kann der Auf-
wand vermindert, fremde Producte entbehrt, und ein-
35
heimische dafür benutzt »erde». Die Worte von Veite
i?» bis 186')/ michte ich mit goldenen Buchstaben hier
nochmals abdrucken lassen, wenn ich wüßte, daß es die
Aufmerksamkeit darauf vermehren konnt«. Wer Obren
hat zuhören, der höre! —

Kaufhaus der Stadt * * ) .


Alle Waaren, Ballen, Pakete von einigem Ge»
wicht, sollen ins Kaufhaus geliefert, dort gewogen und
verzollet werden. Käse zahlen kingangszoll i* Kreuzer
per Centn«. Transit-Waaren geben vom Centn« nur
i Kreuzer, und i Kreuzer an den Thoren. Ein Schiff,
das auf der Aare wegfahrt, giebt 30 Kreuzer: ein klei»
»er Nachen oder Weidlig 4 Kreuzer. Die Schiffleut«
müssen aber die Waaren die sie bey sich führen, noch
« t t a angeben. Sonst werden von den meisten Han»
delsartikeln, per Centner vom Bürger 4 Kreuzer, vom
Fremden und Ausbürger aber ; Kreuzer bezahlt.

»1 &t sind «ui Herrn H 0» fiter* Magazin der Naturlund«


Helvctien« gezogen. Auch eine Abhandlung von Herr«
H e i n z m a n » im Schweizer • Journal, i r Vand : Wai ist
bey dem abnelimenden Handel in der Schweiz zu *««»? „ —
»erdient gelesen zu weiden.
»») Die neueste Kausbausordnung ist vom Jahr rn4. Indes,
sc« sind viele neue Artllel hier ausgekommen/ die »in neue»
Reglement erfordern.

»
Wenn ftenide Waaren im Kaufhaus «in oder «ieh«
»ere Tagt/ lieg« bleiben, so wird 4 Kreuzer v«m
Centn« gefordert. Spetterlohn wird bezahlt für die
Zufuhr der Ballen, Waaren und Effekten in die Hiluser—
vom Kaufhaus bis gegen das Wirthshaus zur Krone —•
x Kreuzer per Centner; weiter hinab 4 Kreuzer. S o
auch die Stadt hinauf zum Ieitglockenthurm a Kr.
und höher hinauf 4 Kreuzer.
Alle Fuhrleute, Boten, Ammermehler MHiumer,
tonnen ohne einen Raufliausschein nicht verreisen;
sie müssen die Zettel am3bor vorweisen.
Auch sollen in den Wirthshäuser» keine Ballen
aufgeladen oder ausgepackt werden, ohne solche im
Kaufhaus angegeben zu haben. Die Lehntutscher
dürfe» nur Koffers, bardes und Mantelsäcke der Rei»
senden frey aufpacken, ohne solche erst dem Kaufhaus
anzugeben; hingegen sollen sie keine Waarenballen an»
Aehme» oder abladen, ohne einen Schein aus dem Kauf»
haus zu lösen.
Die Meßfremden und Ausländer, die hier baar
»der auf Credit verkaufen, zahlen 1 Rreuzer v o m
Gulden, welches man den pfundzoll nennt. Sie
declariren selbst den Werth der Waaren und der
loosung.
Die Frachten haben seit den letzten 1 Jahren sehr
stark ausgeschlafen, können aber nicht so bleiben. Sonst
zahlte man für 1 Centner von Basel auf Bern so Btz.
iezt 3- Batzen; ein Centner von Zürich auf Bern kostete
30 Batzen / Kit 48 Batzen; ein Centner von Schaffhau«
seit 40 Batzen, jc,t 50 auch 5; Batzen. Und so sind im
gleichen Verhältniß auch die Waaren schwerer zu bckom»
men/ je seltener die guten wohlfeilen Gelegenheiten
zur Herbeyschaffung sind. Das Stockacher Kayserl.
Mauthamt (liegt 8 Stunden von Schaffhauscn) nimmt
auch einen starken Zoll auf alle Güter die nach der
Schweiz gehen.
Uebrigcns ist in der S t a d t XSevn selbst der Handel
en gros weit weniger bedeutend, als im Kanton / son«
dcrlich im AcrgaU/ wo wir sehr wichtige Fabriken haben;
wir dürfen nur allein die schine Sndenhandlung des
Herrn Mayers in Arau, und die Leinwand«und Ziz»
Manufaktur des Herrn De £11 je zu Wildeag nennen,
auch die Wafferbrcnnereyen und den Kishandcl auf dem
Lande, um die Ausfuhr beträchtlich genug «nzugcbcn.
Diese auf den Glänzen angelegte Häuser, können um
so uorthcilhaftcr handeln, da sie die theure kostbare
Fracht durch das Innere des Kantons Bern nicht tragen
dürfen. Die Stadt Bern liegt auch zu weit ausser der
geraden Straße nach Frankreich und Italien; und die
Spedition welche nach Genf und Lausanne hinauf ge«
schiebet, geht gewöhnlich über Arberg, oder zu Waffe«
auf dem Vieler» und N<ucnburger»und R u r t e r » S « .
\
I

Gewerbe und Handthierungen im Kanton


und vorzüglich der Hauptstadt.
Der Gewcrbstand in unserm Kanton ist nicht so im
Ansehe«/ wie in vorigen Zeiten. Man weiß noch wohl/
wie schitzbar die Gerbereyen, Tuckscherel'und Wol«
lenweber» Arbeiten, der Pclz » und Lederhandel unsrer
Stadt in den Jahren der aufblühenden Größe der Re«
publik waren. Sie sind verschwunden jene Gewerbe —
die unsre Bürger » Familien reich machten / und dem
Staat in den kritischen Zeiten der Kriege, Geld und
Kredit verschafften f). — Iezt ist der Kleinhandel mit

+] Dcr Bürger in den ersten Zeiten der Republik


übergab ruhig seine Rechte in die Hände gcbil-
deter Staatsmänner, und er »rartete ganz fei-
nes Berufs. — Unter dem Schutz weniger und
guter Gesetze, blühctc Handel und Wandel. Dies
lehrreiche Beyspiel stellt Vcrn auf im Anfang
und in der Mttte seiner schönen Blüthe. Einer
der redlichsten Patrioten neuerer Zeit sagt da-
von folgendes: «Es stund nicht nur wegen der
sehr zahlreichen Bürgerschaft, dcr gemeine
Handwcrksstand damals in voller Arbeit, und
folglich auch bey reichlichem Auslommeu; son-
Allerley/ und die Kramerey mit allerley Mdewaarenda«
allgemeinste Geschäft bürgerlicher Familien. Alles will
handeln, und sollte es auch nur mit Pfeifenrihrchen und
Cchwefelhilzchen seyn. Wohlhabende Bürgersihne 1er»
nen kein Handwerk mehr. So ist es in der Hauptstadt/

dern selbst die Manufakturen, diese nun seit lan»


gem leider! vcrnachläßigte Quellen des Reich-
thums, waren in der vortrefiichsten Aufnahme.
Wenige Städte der Welt werden sich finden, die
in Absicht auf die Verfertigung der wollenen
Tücher, im Laufe des i^tcn Jahrhunderts sich
hätten mit Bern vergleichen dürfen. Eine
Kleidung von bernerifchem Gut«Tuch war zu
den damaligen Zeiten der Haupttheil eines
Brautschmucks, welchensichein adcliches Frauen«
zimmer in Oberdeutschland in den Ehevetträ,
gen ausbcdingte. D i e Gerberey brachte nicht
weniger grosse Summen ein. M a n schlage unsre
älteste Polizeybüchcr nach, und man wird er,
staunen wie blühend viele Geschlechter durch die,
st Gewerbe geworden sind. Diese reiche Quelle
der Arbeitsamkeit hat den Staat emporgehoben."
llCschiffelis Rede, vor dem äussern Stande, im
Jahr n66l.
und so wird es nach und nach auch in den kleinern Land»
stidty» gebräuchlich: ja selbst reiche Bauern thun ihre
Söhne in die Komptoiren ; aßociren sie mit den Kaufleu«
ten; schicken sie auf Genf/ Straßburg, Frankfurt und
andere Orte in die Lehre — und es scheint als wenn sich
alle Achtung und alles Ansehen bloß in den Handels«
stand verlohren hätte. Diese sehr zur Landesplage go
wordene Phantasie wird vorübergehe«/ aber uns manche
bift Nachweben zurück lassen, die von übertriebener Eitel«
keit und Hochmuth ihren Ursprung genommen. Die Km»
de« dieser Eltern werden erst recht die höchst schädlichen
Folgen empfinde«/ die eine solche Ausartung von dem
Wege des Mittelstandes und der Arbeitsamkeit nothwen»
dig nach sich ziehet.
D a , wo der Handelstand zu sehr im Ansehen stehet/
kann de« Gtwerbstand nicht recht aufkommen; denn
der gemeine Arbeitsmann fühlt am stärksten den Druck
der reichen Kaufleute; für sie soll er arbeiten/ sie machen
die Lheurung in den Lebensmitteln: siebringen soviel«
fremde Arbeiter ins Land: sie pflanzen den Luxus: sie
ziehen das Fett vom lande an sich, denn alle Materia«
lien machen sie zu ihrem Handels«Stoffe: sie lassen
viele Artikel aus der Fremde kommen, die man im
Lande noch besser selbst machen konnte. — Alle Werkzeuge
muß der gemeine Mann von ihnen kaufen: und wa<
er roh bekommt, muß er mit einem geringen Kaglohn
verarbeiten: und das benimmt ganz natürlich ihm die
Lust zu seinem Tewerb.
100

Also sollten nicht Slrmc, sondern vermöglicht angi»


sehcne Leute den Gcwerbstand treiben und ihn wieder zu
Ehren zu bringen suchen; die Bürger/ die selbst Vermi»
gen haben, sollten sich die Nothwendigkeiten dazu au«
der ersten und besten Hand anschaffen und kommen las-
sen. Wenn der Handwerker aber den Krämer und Vor»
kiuffer zum Mittelsmann zwischen sich macht, so gehet
ihm sein bester Profit verlohrcn; er ist arm und bleibt
ein bloßer Taglöhner.
S o zum Beyspiel sollten nur wohlhabende Leute
das Mezgerhandwerk treiben, die Geld und Güte«
besitzen. Denn wer nicht im Vorrath Vieh kauft und
es baar bezahlen kann, kauft immer theuer. — Auch muß
man zu Zeiten den Bauern Vorschüsse thun—undsiesich
durchworchalten und rechtschaffene Zahlung verbinden.
Eben s, sollten nicht so viele ihrer stärksten Kunden «st
Iahrlang auf Borg nehmen. Dies ist auch der Fall bey
dem Becker; und es muß mit eine Ursache seyn, warum
wir oft Fleisch und Brod theuer bezahlen und sparsame«
erhalten. («Man sehe das Schweizer »Bürger «Journal,
i t e r B a n d , Seite 204.,, -»)
Also würde auch das Baarzahlen, oder doch nicht
zu lange Aufschreiben, dem N«brungsstand mehr Muth
und Lust zur Arbeit geben. Gute und ordentliche
Leute thun das allemal von selbst; aber es giebt wie
überall einige zu eommode Wohlhabende und Reiche > •
die mit einer unverzeihlichen Gleichgültigkeit die Rech»
nullgen cmpfangen: und es mußsichihnen wohl schicken,
wenn
wenn sie ernstlich daran denk««/ ja sie lassen sich lieb«
lange und oft vergeblich darum bitten. Mancher Ge«
wcrbsmann verlangt lieber gar keine Arbeit als auf
solche Art. Und wer kein Kapitalist ist/ der kann auch
nicht wohl Kredit auf so unsicheres Warte» geben, er
müßte sich selbst in Schulden stecken, und der Hand-
werksmann, von dem es bekannt wird/ daß er Schulden
macht, ist ja ohnehin verlohrcn!
Sonst blieb doch wenigstens ein Sohn auf des Va»
ters Profession, ab« jezt nur sehr selten. Die Zünfte
verlieren daher immer mehr und mehr ihre angesehe»
nen Glieder. Das Schneider »Schuster» Tisckler» Sp»<
«er»Schlosser»Handwerk wird fast allein von Fremden
getrieben. Von den benachbarten Dorfschaften wird
vieles in die Stadt gearbeitet! dies sollte durchaus
nicht seyn, denn der Landbau gehört auf die Dirfer,
die Handwerker aber in die Städte!
Eine ziemliche Anzahl von Vauerssöhnen lernen
und treiben die Uhrmacherkunst: ja viele Profeffionisten
haben ihr gelerntes Handwerk verlassen, und sind Uhr»
mâcher worden.
Daß die Nacheiferung in den Städten fehlt, mag
auch von den bürgerlichen Aemtern herrühren! ein jeder
Bürger einer Schweizerstadt glaubt sich mehr dabey
geehrt, als bey dem Handwerk. Aber ich glaube doch,
«s sey für den wahren Bürger ein größer« Vortheil frey
und unabhängig zu bleiben, sein Brod als ein thiti»
«er. Mann selbst zu gewinnen, als es von einem Amt
II, ZiitiU 9
«Marte»/ da« oft mit vielen Verdrüßlichkeiten verbun»
den ist, od« von einen Patton zur Hülfe erbeten wird.
Wer die Abhängigkeit von einem Posten kennt, der
wird nicht in Abrede seyn, daß es sanfter und leichter
ist/ ein Gcwerb zu treiben, wo man sein eigener Herr
und Meister bleibt.
Hütte die Stadt Bern ehemals keine so angeschene,
respektable, ehrenfeste Handwerker gehabt, warlich die
vornehmsten Familien würden sich gewiß nicht in die
Fünfte haben einschreiben «nd aufnehmen lassen; sie "
rechneten es sich zur Ehre an, Zünftig zu seyn.—
Sonst mußte der Sohn des Bürgers die Kundschaft
seines Vaters übernehmen, dadurch wurde das gemeine
Wesen gut bedient, uud ehrlick behandelt, und immer
erhielten die Zünfte aus ihren Mitteln angesehene Zunft»
genossen; jezt übcrlißt man die Weltstadt meistens den
Gesellen. —
Wir haben von allen Professionen sehr geschickte
Gesellen hier; denn Pfuscher und Anfänger kann man
hier nicht gebrauchen, weil den Gesellen fthr vieles über»
lassen wird. Die deutsche Ha>»dwerkspursil)e, die
sich hier aufhalten, sind meistens aus dem IVirtember»
zischen; — aus Sachsen, Preussen, Niederdeutschland
trist man wenige an. Elsass«, Pfalz« und Hessen
lassen sich auch noch sehen; aus den Kantonen nur
wenige. Ob diese Leute gleich hier manchmal einen
hohem Wochenlobn als in Deutschland haben; so ist
hoch die Hauptsache d « Nebenverdienst, oder wie sie d
=•= ïoj SÜSS

nennen, die Weilarbeit — diesiehier anlockt. Auch dlt


Hoffnung die Boutik in Pacht zu bekommen. Viele
Vlbeiter gerathen in die bekannte Unordnung im Essen,
Trinken , Schlafen, sie legen den Hauptstoff zu einenj
siechen Körper und elenden leben, und sind für ihre Lan»
des • Gegend, wennsieja dahin zurükkchren, I n v a l i d e «
öder Murrköpfe geworden, ja die meisten sönnen sich
überhaupt nicht mehr «n Deutschland gewöhnen. Die
Weilardcit treiben viele stärker, als die Lag<arbeit:
da zwingen sie sich oft ganze Nichte durch zu arbeiten/
welches in Deutschland in keiner rechten Wcrkstadc ange»
bet: denn es ist unmöglich, daß einMensch die Nichte durch
wachen und doch mit gleicher Lust am Tag fortfahren
könne. — Viele werden auch wahre Lrunkenbolde, die
an dem wohlfeilen Wein sich so vergessen, daß sie zu
einer ordentlichen Wirthschaft nichts mehr taugen» Die
Gewohnheit vieler Meister, daß sie den Gesellen de«
Tisch nicht geben, sondern sie stückweise bezahlen, od«
ihnen da« Kostgeld vergüten, gefällt solchen unoldent»
lichen Leuten allemal. Ich kenne dergleichen Gesellen,
die Morgens Wein zum Frühstück nehmen: Wein, K i i
«nd Brod zum Mittag, und höchstens eine Suppe dazu;
das gleiche auch Abends «nd zu jeder Zeit. Kann die«
ab« gesund seyn? Kinnen die Leute dabey einen ordent»
lichen Lebenswandel führe»? Das ist unmöglich : Brafe
Gesellen, die für ihre Gesundheit besser sorgen, bleiben
gemeiniglich nicht lange bey solchen Meistern, wo sie
nicht eine brafe Hausordnung sehen ; und wir haben a«ch
G »
noch redliche Mcistcrlcute, die solche Unordnung verab»
scheuen; aber dafür gemeiniglich mit den Nebengescllen
aus andern Wcrkstadtcu in Handel gerathen. Die Hand»
Werksordnung ist also wirklich sehr schwer hier zu Laude
auszuüben, und doch ist es ein so wichtiger Stand —
der Gesellenstand. Und aus wirklichem Wohlmeynen für
Meister und Gesellen geschiehet bicr dieser freymüthige
Anzug/ den sei» brafcr Mann uns übel deute» wird.
Die Wilden « und Vrauskipfc aber werde» nichts über
uns vermögen. Die Handwerksgesellen machen eine so
««sehnliche Klasse in einem Staate aus/ und es sind
darunter oft so viele schöne, angesehene, woblgczogcne
und geschickte Leute, daß man wohl ein Wort zu ihrer
Erhaltung sagen darf. — S o uiele sind schon für ihr
Vaterland verlohrcn gegangen und auch für uns un»
brauchbar geworden, durch eine angewöhnte brutale/
»mordcntliche Lebensart.
Die Handwerke welche in unsrer Gegend vorzüglich
blühen könnten/ wären die in Leder-und Holzacbciteu:
denn unsere Gcrbereyen sind im Kanton noch sehr stark
besetzt, und »ie Meisterschaft weiß oft nicht wohin damit;
auch ist das bieländische Leder sehr gnt, und zum Ver»
arbeiten in Menge bey der Hand. — Wir haben auch
gute und wohlfeile Holzarten und Erdarten. Unsere
Tonerde ist zu herrlichem Töofcrgeschirr und Stukatur«
arbeit geschikt. Man könnte holländische Schneidemüb»
len errichten, um Bretter/ Diehlen und Blicke zu BC*
lymmen, und damit Handel treiben auf der Aare, —
Schöne eingelegte und Drechslerwaare würde weit ver«
führt werden können. Wir haben keine rechte Spiegel»
und Glasfabriken; es fehlt uns auch an geschickten
Mechanikern, und Bildhauern; aus unsern so guten
Steinalten und Kütten-Erde könnte man herrliche Mo»
belle verfertigen. Die Wolle zu verfeinern, könnte ein
besonders Handwerk seyn, und die G a r n » und Leinen»
weberey mit Kenntniß zu treiben, dazu sollten Weber»
Gesellschaften errichtet werden. Den Flachsbau und
einen verbesserten Obstwachs sollte man als ein bür«
gerliches Gewerb treiben. Das alles sollte die Industrie
unserer Bürger seyn, denn die Bauern hören doch aus
gute Vorschläge selten oder gar nicht. Also sollten die
Bürger in Städten die neuen ökonomischen Entdeck»«»
gen für sich.selbst anwenden, und sich einigermassen los»
machen von dem Bauernzwang, da alles was die Land»
lente zu Markt tragen fast gar nichtmehr zu kaufen ist.
Die Leute sind reich worden, und daher geben sie wenig
gute Worte mehr. Die Einwohner in den Städten
sollten sich also bemühen ihre Bedürfnisse selber zu pflan»
zen und vieles von den Marktartikeln zu entbehren.

Lebens-und Denkart des Bauernstandes


im Kanton Bern.
Man trift die grosse Verschiedenheit unter unsern
Landbewohnern an. An manchem Orte wohnen reiche,
wohlhabende Leute: die auch gemeiniglich einen fester«
G 3
io6

Charakter führen, als da, wo die Armuth oder Fabrik«


arbeiten die Einwohner abstumpfen. I n den Gegenden
wo Weinwachs ist, lebt der gemeine Mann viel gerin»
gcr; denkt wenig an Reichthum; und versilzs einen
guten Lheil des Jahrs im Wirthshaus. Da wo Wies»
wachs und Viehzucht ist, bedarf es schon etwas mehr
Arbeit, und das macht die Leute fleißiger. Aber der beste
landbcwohner ist derjenige, der feinen Acker bauet, eine
brafc Hauswirthfchaft besorgt: viele Knechte und Mägd«
hält, und wenn wir recht viele solcher landminncr
hätten, so wäre gewiß das Vrod nicht so theuer'.
Eigeimutz, Bequemlichkeit und Harte selbst gegen
Verwandte und Kinder, ist der herrschende Charaktcrzug
unsrer £ andiente; Daher die vielen Familienhindel,
Prozesse, Neidscliaftcn und Verfolgungen d.er Bauern.
Das Uebel ist so allgemein, daß man wenige Dörfer
finden w i r d , wo nicht offener Krieg der Nachbaurcn
gegen die angränzenden Bewohner ist; und die Ehestrci«
tigkcitcn um Erbschaftsthcile und mit den Gemeinde»
Vorstehern hören gar nicht auf. Nnfre Chorgerichte
find stet« wie belagert, von diesen streitenden Partheyen.
Gegen dieses Laüdübel sollte man wirksame Hülfsmittel
geben, und da« Erbrecht der Kinder nickt einem hart»
herzigen Vater »der einer neidischen Mutter überlassen.
Oo viele Nachbaren hassen und vcrfolacn sich wo
sie können und mögen. Vertraulichkeit und Freund»
schaft trift man bey den Bauersleuten also selten an.
Es braucht oft nichts anders, als daß ein Fluß, ein
Wald, oder auch nur ein Bach zwey Oerter in unserm
land von einander scheiden, so ist es schon genug / d a ß
die jungen Einwohner sich raufen und schlagen, so bald
sie einander antreffen. Dadurch werden auch die Hey»
rathen unter Benachbarten fast unmöglich / und allemal
wird derjenige so es doch wagt/ fein lebenlang dafür
büßen; er wird »erfolgt/ beschimpft/ und in seinen
Erbegerechtsamen geschmälert oder zurückgesetzt.
Prozeßsucht/ Tröhlsucht/ sind daher einheimi»
sche Krankheiten unter unsern Bauern; auch können
wir kecl iehauGten, daß die Aufstifter, die im Lande
wie die Blutigel sitzen/ die Hanptursache dieser Pest
der Familien sind.
Recht wahr habe» eifrige Patnoten (auch die öl»>
nomische Gesellschaft von Bern in ihren Schriften)
behauptet: daß der Aufenthalt der Bauern in den Stld«
ten / ihr Herumlaufen bey den Advokaten / und also das
eigentliche Proceßiren das allermeiste zu ihrer Verschlim»
merung und Ausartung beytrage. Wer also diel«
Leute vom Streiten abhalten kann und zum Frieden
bewegt/ der ist ein landesuatel/ ein Wohlthäter für
mehr als ein« Familie. - -
Die Trägheit / scheint ein zweyter Hauptfehler
unsrer kandleute zu seyn. Die wenigsten arbeiten mit
Luft und mit aufgeräumtem frohen Gemüth. Es gehet
alles sehr langsam und stet von Statten. Daher bleiben
die allermeisten beym Alten; sie wollen von feinen neuen
«ZersucheN etwas hören: sie lesen auch wenig; und sitzen
T 4
viel in den Witthshiusern. Die Wcibe« sind immer
noch fleißiger und sorgen treulich für die Landwirthschaft.
J a man siehet in vielen Landschaften mehr Weibsleut«
als Mannsleute auf dem Felde arbeiten.
Aberglauben und Leichtgläubigkeit, auch alle
Fehler eines schlechten Beyspiels der Eltern und oft eben
so schlechten Schul -- Unterrichts zeigen sich in sehr vielen
Gemeinden. Man darf darüber nicht in Detail gehen /
sonst würde man Ercmpel geben, die Abscheu erregen
könnten: aber gewiß ist es, daß sich viele Dörfer und
Genenden unsers Kantons durch eine ^sonders aber«
gliubische und stupide Denkungsart auszcichcn; so wie
es Gottlob auch noch andere giebt/ wo ein gesunder,
nüchterner, bescheidner und kernrcifer Verstand gleich»
sam einheimisch ist. Solche Leute zeigen sich eben so
großmüthig, mäßig und bescheiden ' als jene dumm —
falsch, boshaft, versteckt und tückisch sind. Wo kann
Herzensgute, Wahrheit, Rechtschaffenheit seyn, wenn
solche Leute mit alle» Keufeleyen der verwilderten und
unge^ihmten Einbildungskraft und mit trotzkopfifchcm
Eigensinn angefüllt sind. —
Kürzlich sagte mir ein sehr klalsthender junger Dorf»
Prediger : Er wollte noch heute aus allen feinen Bauer«
Katholiken machen, denn sie glauben alles was recht
sonderbar und wunderbar lautet: der gemeine Verstand
ist verdunkelt; Hercreycn und Lräumereyen plagen siej
und das Fabelhafte und Groteske lieben sie weit mehr,
«ls das simple Wahre und Klare. —
Zur Fröhlichkeit sind mehr die Vergbaucrn als die
im platten Lande gestimmt/ da hört man selten jauchzen,
singen, pfeiffen wie in dm Alpen. — Wenn sie ja i m
Slttgäu und um Bern herum lustig sind, so geschiehet
es nur nach eingenommener guter Portion von Wein,
da lärmen sie, und gerathen leicht i» Zorn und S t r e i t ;
andere fluchen und toben; nur wenige werden was man
sagt: de bonne humeur. —
Das lese» unter den Bauern will auch fast nirgends
recht Wurzel fassen; besser ist es freylich wenn die Leute
die Arbeit lieben als das Grillenfange» und mystische
Nachspüren von unerforschten Dingen. Aber doch giebt
es im Winter so manchen stillen ruhigen T a g , wo der
Bauer zu Hause sitzt, und auch für seine Seele leben
könnte, da er gewöhnlich nur für den Bauch lebt. Ein
nutzbares geistliches Buch würde ich ihm vorzüglich gern
in die Hände geben. Die Oberlander lesen noch am
meisten; aber die größere Zahl bekommt wenig gutes
und kluges zu lesen. Sie wählen die wohlfeilsten
Bücher, daher bekommen sie fast immer die schlechtesten.
Geld für gute Bücl,cr anzuwenden, reuet die meisten.
Daher sättigen sich die Landleute mit fabelhaften und
verlcgenm Waaren, man schleppt ihnen ganze Gicke
»oll alter theologischer geistlicher Schriften zu, darüber
gerathen viele in Melankolie und Liefsinn — e« giebt
darum auch viele Schwärmer unter ihnen. Die Vöh»
misten, Schwedenborgianer, Gichtelianer sind nicht
selten. —' €mige laboriren am Stein der Weisen und
© 5
^S! 110 5^3

in alchymische« Dunkelheit. Aber die dieses thun, find


immer noch die bessern Einwohner/ sie haben einen ruhi-
gen stillen Charakter, viel Ehrlichkeit, sie lieben Ord-
nung, sind gute Hausväter, hassen die Besoffenheit und
das Wirthshaus. — Und damit ist schon viel gewonnen.
Zur Mystick wenden sich viele Berner, nicht nur
aus dem Land sondern auch in den Städten. Es scheint
die Zeiten seyen da, wo die christliche Religion unter
dem Schleyer liegt, und wie ehemals in den finstern
Jahrhunderten'des Minchthums, die edelsten Seelen
sich zur Mystikflüchteten; da der äusscrliche Gottesdienst
fast kalt und lau geworden ist. Arndts wahres Christen»
thum, Kempis Nachfolge Christi, einige Schriften von
Lersteegen, Böhm und Schwedenborg sind diese» Leuten
die liebsten Bücher. Allgemeiuer aber ist die Frömmele»
U»d Herrenhuterey in den Bergen, wo die Leute mei»
siens alte verlegene Waare von Büchern zu lesen besoin«
men, die ihnen durch Landläufer und Hausierer feil gc»
boten werden »m geringes Geld. Unter diesen Schrif- ,
tcn fand ich folgende an, häulizsten: S a m . Cucü geist»
liche Sonnenwende, wie sich alle Menschen, in»
besondere jede Seele nach der Sonne der Gerech,
tigkeit wenden sollen. Gedruckt zu Bern ,734.
Ebendesselben Autors: die unter der Reiter de»
Zorns Gottes liegende und zerquetschte, doch hcrz«
»rfreuliche Weintraube, oder der in dein Garten
Getsemane blutschwiyende Jesus. 17:?. Ebendesi
selben Vernerischen Schriftstellers Lucii: wohl«
»iechender Strauß von schönen und gesunden Him<
melsblume». : Theile / in Nuartft. 1756. Gespräch
zwischen einem flüchtigen Pater aus Rom und ei»
nem Clerico, von der Offenbarung Iohannis, F.
Amsterdam. 1770. Girrendes Täublein / «der
Seufzer eines mit Gott verbundenen Herzens,
gesammlete Träpflein aus dem Vrünnlcin Gottes,
und geistlicher Stundenweiser, oder Betracht««'
gen auf aUe Stunden, 18. Bern 1751- Glückselige
Freyheit entgegen gestellt der beschwerlichen Dienst»
barkeit, oder einfältige Herzens» und Erfahrung?»
lehre einer durch die Wahrheit frey gemachten.
Schweizerischen Frauen, «. Bern, 174?. Der kleine
Görgel, das gute Leben, die rechte gute Tage in der
wahren Gottseligkeit, «. Basel. Der geistliche
Rrämer mit? verschlossenen Laden, worinn eine
kurze Erklärung der sieben Seligkeiten enthalten/
1«. Bern, 174«. Chr. Grebers, das geistliche Unge»
»vitter über die Gläubigen, oder von den geistlichen
Anfechtungen, ». Bern, 174,. Das Schweizerische
von Milch und Honig fließende tanaan und hoch»
erhabene Bergland geistl. vorgestellt, Theophrast
paracelsus kleine Hand » und Denkbibel, O.uirs»
feld geistl. Myrthengarten. wohlriechendes Rosen»
gärtlei», in sich haltend schöne und kräftige Lie»
der (von Chr. Huber), gedruckt zu Bern,74;.
Scheurers natur » und schriftmäßige Landtheologie,
oder der im Bauen und Schauen andächtige Land»
matin, gedruckt zu Been i-i*. Auch suchen die
L«ndl?ute vorzüglich die Ochriftcn von StaheliN/ Wer»
ners Himmelsweg; Woltcrsdorfs Psalmen; Bunians
Reist eines Gottlosen.
Eo viele gute , herzliche Sachen einige dieser Bücher
enthalten mögen, (denn alle slnd sie nicht zu verwerfen,
da man für den Landmann noch wenig eigentlich erbau»
liches in neuern Zeiten gedruckt hat, und man ihn
bloß mit Klügeleyen überfüttern möchte, welches aber
gerade die schlimmsten Bauern macht) ; — so muß man
in seinem Urtheil über dergleichen Schriften nicht zu
strenge seyn. Ich sehe die Leser an wie sie Spittlcr an»
siehet, da er sagt: S i e gehen zu einerOuclle, welche
trüb und unrein — aber doch noch de» Durst stillet.
Wcnn sie nur leine Heuchler, keine Pharisäer und stolze
Mamelucken machen, so ist noch unendlich viel dabey
gewonnen: Aber die Heuchler — die Heuchler '. '. i» alle»
Sekten und Glauben, diese — ja nur diese aNein, ver»
dienen unsern Haß, die innigste Verachtung nach Christi
Beyspiel.
Wenn die Reichen ein gute« Werk thun wollten,
und unter ihren Nachbaren und Untergebenen gemein»
«üyige Vucker zum Lesen austheilten; oder wie ehemals
ein deutscher Graf, die Bibeln auf eigene Kosten drucken
lies, und damit die Armen beschenkte; — wenn zum
Beyspiel folgende Schriften unter die Banren in An»
zahl gebracht werden könnten: Gellerts geistliche
Ode» und Lieder: Herrn Prof. Stapfers predigten;
Cramers neue Uedersttzung der Psalmen; S t u r m s
Betrachtungen über die w e r t e (Bottes i»> Reiche der
Schöpfung/ — o so würde gewiß der Geist dieser
Leute ohne Zwang gebildet werden I Ich nenne nicht
gerne vielerley Bücher, auch keine trockene Unterwei»
sungs'imd Lehrbücher, jene wünsche ich voraus »er?
breitet zu sehen; den» besser als alle andere sind sie für
jede Art uon Leser lehrreich, anzüglich, und zur Sin»
nesbesserung — zweckmäßig. Dabey bleibt auch die
25ibel immer das ehrwürdigste aller Bücher — denn
durch diese Schriften lern! man sie erst gut anwende» ;
oder nülzsich zu gebrauchen und recht zu »erstehen. —
Der Charakter der Vaucrn ist ganz verschieden in
unserm Lande. Der Oberländer und Aergaucr, der
Siebenthaler und der Rebmann haben in der Haushal»
tung wie in den Sitten und der Denkart eine anffcror»
deutliche Mannigfaltigkeit. Oft nur von einem kleinen
Landcsstrich zum andern herrschen andere Monieren,
andere Gebrauche, Gewohnheiten. Dort ist Rcinlichkeit,
Fleiß, Ordnung sichtbar; man bemerkt ei an den Häu>
fern wie auf den Gesichter», daß die Leute braf sind;
und kaum gehet man i;co Schritte weiter den Bcrz
hinan, so ist alles anders. Unreiulichkeit, Fanllenzerey,
ein trüber unfreundlicher Blick, begegnet unserm He»
zen, es tritt in sich mißvergnügt zurück, wir sind wie
in einer andern Himmelsgegend. S o ist das Land fast
wie die Städte: Die Einwohner, auch wenn sie unter
>er gleichen Regierung stehen, differiren unter sich an
Huinot wie an der Gestalt ! eine Familie zeichnet sich
vor dcr andern durch ihre gute Sitten, genaue Haus»
»rdnung / und schöne Kinderzucht aus; die ander« läßt
alles dahin schleudern, ist trotzig und grob, und alle«
gehet mit den gleichen Vorrechten und Landesprivilegic'n
zu Grunde. —
I n Gegenden des deutschen Nernertantons, »»
mehr Fabriken sind/ ist auch die Denkungs » und Le-
bensart dcr Leute wieder ganz anders. Auch hat man oft
genug die Erinnerung gemacht, daß je mehr man dit
Vauren vom Pflug in die Stadt und zu den Fabriken
ziehet/ je unbrauchbarer werden sie und ihre Kinder.
Vom Amt Schcnkcnbcrg sagt ein würdiger Patriot/
Herr uo:> Tscharncr: Es giebt auch unter diesem Volke
viel Redliche und Fromme / die größere Zahl aber
hat seine Fehler dem schlechten und ucrnachlißigte^
Sckliluutcrricht zu danken, und man muß in der That
bewundern/ daß die Mehrern nicht noch unartiger und
böser sind. Gewiß/ die Anlage des Menschen muß von
Natur gut seyn. — Von Natur ist der Mensch ein leiden»
des Wesen, diese Wahrheit erhellet sichtbar aus der Ge<
müthsart dieses Volks, das alle seine gute Eigenschaften,
feiner Lage; und seine Fehler der Erziehung zuschreiben
muß. Maßig — ohne Wirthschaft; sorglos ohne Freud«;
arbeitsam ohne Fleiß, eifrig ohne Kenntniß, wild ohne
Grausamkeit ,• eigennützig und leichtsinnig, barlnäckig
„nd gleichgültig zugleich. — Zur Fröhlichkeit ist diese«
Volk nicht aufgelegt! in Scheltwort«« ist d unerschöpf»
'

lich/ in seinen Ergötzungm ist es mehr ausschweifen»


als freudig; in seinem üusserlichen Verhalten grob und
unartig: doch kommt es selten zu Schlägen, und et
ist mehr wühlend al« böse. — Dies ist überhaupt der
Nationalcharakter desselben. Doch keine Regel ohne
Ausnahme; auch unter diesem Volk finden sich gesittete/
verständige und fromme. I n der Religion/ sind diese
Leute einfältig und gleichgültig; daher es unter ihnen
wenige Sonderlinge und Sektirer giebt. Der Aber»
glaube selbst erliegt unter dieser Gleichgültigkeit / ob»
wohl seine Anhänger weniger selten als der Schwärme«
rey ihre sind. Den Künsten sind sie nicht ergeben: aus«
sei de» Nothwendigsten sind die ander» kaum dem Na»
men nach bekannt; von Wissenschaften haben sie gar kci«
nen Begriff; die wenigsten können lesen, noch weniger
schreiben. ,,—
Ich habe mit Fleiß diese« traurige Bild hier eingc»
rückt / damit Obrigkeiten und Prediger stets ein solches
Gemälde vor sich habl» / um ihre Pfiicliten darnach ab»
zumessen, und zu erforsche», wie hic und dort der Roheit
des V o l t s , und der unglücklichen Härte und Sorglosig«
teit/'im Guten beyzulonimen sey; und wo Verbessern««
gen möglich — doch den Eifer dazu nicht erkalten lassen.
Noch füge ich znr Charakteristik unsrer Bauern von
»erehrungswürdigen Händen, folgende Zeichung des
edle» Herrn von Tfcharners bey:
Der Bauer fürcht« die Krankheiten mehr als den
Tod/ je entscheidlnder und positif« der Arzt mit ihm

X
spricht/ je angreifender die Heilmittel sind, je mehr
hält er ihn in Ehren. —
Die allgemeine Volksarmuth könnte vermindert
werden, wenn mehr Gutniüthigkeit unter î>cn Reichen
wäre; wenn die Armen eine bessere Erziehung erhielten
und mehr häuslich wären ; überhaupt aber sollten die Leute
sanftmüthiger, für die Ehre empfindlicher, für die Stell»
gion gefühlvoller gemacht worden. Auch dieser Wunsch
ist von dem edlen Tscharner, verst. Seckelmeister.

Hauswirthschast der Bauren. Nahrungs-


mittel. Reichthünler. Preis der Lände-
reyen. Haustrbau. Krankheiten
und Tod.
I n feinem Hause ist der Bauer nicht verschwenderisch
eingerichtet. Er bleibt bey seinen Erbschaftsstücken so
lange es halten mag. Auch in der Kleidung machen sie
nicht viel Aufwand, und ist sie fast im ganzen Kanton
gleich. Sie tragen ihr gewöhnlich selbst fabricirtes
Landtuch. Die Bergbau««, die nicht an der Heerstraße
wohnen sondern in abgelegenen Thälern , sind auch
meistens gute herzliche Leute ;siespinnen und weben im
Winter, und viele bleiben oft ganze Wochen zu Hause
ohne einen Nachbar zu sehen, einige sind sogar wohl
gezwungen in ihrer Hütte zu bleiben, wenn sie einge«
schneut aufhoben Bergen od« von Seifen «ingeschlossen
wohnen;
wohnen; wie die Bewohner der hohen Alpen, im @t*
benthal, imSaanenland, und in der Nachbarschaft von
den Gletschern.
, Ein anderes Mitglied von der Regierung von Bern «
schreibt: »Unsre Bauern glauben, daß ohne den Wein,
und ohne die gebrannten Wasser sie nicht leben könnten.
Sie sagen diese starken Getränke stärken den Leib. Aber
wie stärken sie ihn? Warlich, nur für eine kurze Zeit,
und bald daraufist der Leib schwächer als zuvor. Gebt
einen» Manne, der über Feld gehet, einige Schoppen
«uten Wein oder ein Glas Branntewein, er wird im
Anfang der Reife munter fortgehe», aber nach ein paar
Stunden Wegs wild ersichschwächer befinden und müder
seyn, als wenn er keines von beyden, und bloß Was»'
ser getrunken hätte. — Schüttet er nicht wieder frischen
Lrank nach, so bleibt er gar zurück; daher das öftere
Einkehren in den Wirthshäusern, — Die feurigen Ge«
tränke haben die gleiche Wirkung als wie die heftige«
Leidenschaften. I n der Aufwallung des Zorn« wird
man Wunder von Stärke beweisen, die man bey ruhi«
gcm Gemüthe nicht bitte, aber lasset den Wilden ans*
getobt haben, und er wird wie ein Espenlaub schwanken
und von selbst niedersinken. Vielen fallen die Knie zu»
sammen, wen» sie sich mit Wein zu stark erhitzt haben.
Auch wird niemand sagen können, daß dit Einwohn«
unser« landes, wo Wein wächst, stärker sind, und mehr
Muth haben als die, so bey ihrem Landbau leben und
Milch und frisches Quellwasser trinken. J a gewiß lit
II. Theil. H
ti gerade umgekehrt: der Bauer im p a y e de Vaud
«nd an den Secu ist viel schwächer/ ft<rchtsam«, und nut
im Rausch stärker Besonders sollte in den oberlän»
. tischen Gcgendm unsers Kantons der öftere Gebrauch,
des Kirscheuwasscrs unsern Bauern abgewöhnt «erden.
Und leider: gewobncn sie ihre Kinder schon frühe an
diese Getränke, welche ihnen so viele Krankheiten und
den £ed zuziehen, daher auch die Sterblichkeit unter
den Baucrukiildcr» größer ist als in der S t a d t , und
jciius; auch mit au« dieser Ursache vorzüglich. —
Die Wcibsleute trinken auf dem Lande oft 3 mal
Kaffee des T a g s , des Morgens, Mittags uud Abends.
Selbst Bauern und Hausväter nehmen für ihr Mitta«
und Ylachtessen. Doch sind das immer fast arme Leute,
die kein Gesinde halten, und Übst nur Dauner oder
Weher sind.
Ausserordentlich stark aber ist dies Raffeetrinken
im Saanenland. Ein glaubwürdiger Schriftsteller, Hr.
von Bonnstettc», der mehrere Jahre die Obcramt«
mannssielle in diese» Gegenden von Bern aus »ersehen
hat, schreibt in seinen Briefen, Seite 96. «Vom Kaffee
wird ein fast fabelhaft scheinender Verbrauch gemacht.
Nach der Hcucrndte pflegen sich beyde Geschlechter auf
zwey oder dreu Lage bey einer Hütte auf dem Gipfel
des nächsten Berges zu versammeln: die Mädchen brin°
ZcwKaffee, Zulcr und Milch, die Jünglinge Musik und
Wein > der Kaffee wird mit vielem Llahm in dem großen
Käsetesscl gekocht; ganze Zulerhüte. werden hinem«*»
stürzt; auf dem Gras um denselben her sieht, man die
Gesellschaft aus hölzernen löffeln Kaffee trinken., Hochf
zcitftste / zu welchen bis vierzig Personen gebeten werde«/
haben wohl eher eine Woche gedauert: Kaff«/ E b «
(worinn Zimmt und Safran) und Wein mit Spezereyen
und Zuker / wurde den ganzen Lag aufgetischte , Holz um
ein Haus zu bauen wird gemeiniglich von dem ganzen
Dorf herbey geführt: alsdann werden viele Schüsseln
Kaffee getrunken. Ein Mann aus der Ebene bat einen
Freund von Sanen auf Sonntag Morgens zum Kaffee;
dieser kam al« zur Kirche gelautet wurde, trank acht
Tassen, stand eilfertig auf, und entschuldigte sich, daß
er nicht Muße habe, heute Kaffee bey ihm zu trinken.
Auch die Abcndliesuche werden von ihm beseelt. Viel«
Bauern trinken ihn täglich zwcymal, die Armen, welche
leinen Juker haben, mit Salz. Vielleicht auch darum
werden die Gränzen des Freyburgische« und Bcrnischen
Antheils an der Grafschaft Grlyerz nicht mehr durch
jene Felsenwände, als durch die schöne Bildung des
erster» Volk« (das nur massig und wenig Kaffee trinkt)
und hingegen die Häßlichkeit, besonders der Weiber^ in
Sanen bezeichnet; bey diesen werden Kröpfe in sehr
großer Menge, lange hagere Züge, ungesunde Farbe
und alle Krankheiten, die die Erschlappung des Nerven^
fyftems hervorbringt, angetroffen."
••• TU Nahrungsmittel des Landmanns sind gar nickt
mannigfaltig. Er bleibt bey Einerley. Die Kirschen«
BirN'Aepsel'UNd Pfiaumenbaumucht,wird, in »iäftt
Gegenden fast gar nickt besorgt.. Man findet nicht Einen
eigentlichen Baumgarten im Ganenland ' ) . Die Leute
laufen lieber mit baarem Geld diese Früchte / um der
Mühe der Anpfianzung auszuweickeil. Fleißigere Ge»
genden im platten Lande treiben Handel damit. Aber
hier — »bschon das Maas Acpfcl in dem G'steigthal
für 18 Batzen verkauft worden, werden für Aepfel»
bäume doch keine Stellen gesucht. Diese Gegenden
wären so geschickt alle Pfiaumenartcn hervor zu bringen,
allein dieses überlassen die Einwohner dem Zufall; kein«
werden gcpropft. — Von der Wahl der Stellen, vom
Begießen, Umgraben, Prorfen und Reinigen der Bäu>
me, wissen sie beynahe nichts. I n den abaelegensten
Alpthälern, ja in dem rauhen Savoyen kann der Kirsch»
bäum blühen, sein Daseyn verhindert keine andere
Frucht, sein Schatten ist ganz unschädlich — seine
Frucht ist ein Gewinn, den man au« der Luft greift.
Aber lieber lassen diese Berghirten tint Mnge unfrucht»
bare» Bäume heranwachsen — und kaufen ihre Bedürf-
nisse mit baarcm Gelde, öder leben desto schlechter.
Vor $0 Jahren sind die Ordäpsel beynahe zugleich
in der ganzen Sckwei; gepflanzt worden, und seitdem
hat sich jährlich die liebhabercy dazu stark vermehrt,
ja man findet keinen Erdsscck in unserm Kanton w»
die Bauern sie nicht als ihre Licdlingsspeise anbauen.
Die Kinder schlugen sich anfänglich darum, die- Alten

') M»!» seh» Ul H«rn »»n «»nnsttttn»! %iitft.


wollten lange nicht daran, well es was' Neues war.
Es baben die Erdäpfel im Gebürge, mehr Mehl und
einen feinern Geschmack als auf dem flachen Lande. —
Es ist zu besorgen, daß der Anbau des'Korns in den
hohe» Geaenden nach und nach ganz, aufboren und von'
dieser Zehendfreyen, Frucht werde »erbringt werden i
wie es im Sanenland bereits geschehen ist.
Aelter und allgemeiner ist noch in einigen Gegen»
den der Anbau der Bohnen. Sie sind in den Alpen
sehr schmackhaft: ihr Mehl kommt in das Vrod, ihre
Blätter essen die Schaafe gern; der Stengel dient dem
Vieh zur Streue. —
Erdäpfel also werden jezt im "ganzen Kanton stark
gepflanzt, manche Familie ißt täglich davon. - Unsre
Art wird schon Anfangs August» reif; die-spätere Sor«
tcn sind aber besser.. Auch Schweine unl> Federvieh nährt
man damit. — Die Bauern sind eigentlich keine starke
Esser, aber sie trinken desto mehr; welches besonders
der Fall mit den Laglihnern, Fcldarbeitern und Fuhr«
leuten ist. Das Brod spare» sie; arme Leute sehen oft
ganze Monate lang kein Brod auf ihrem Tisch. Milch/
Obst/ Erdäpfel, das ist'die tägliche Nahrung auch der
wohlhabensten Hausväter. Fleisch essen sie auch selten;
Schweinefleisch ist ihr liebstes, weil es ihnen das Gcmük
fett macht. Sie dürren und salzen es ein> und man
findet, wo man hinkommt, doch wenigstens diese Speise,
wenn alle andere fehlt.
Darum ist die Schweinozucht im deutschen Kanton
H3
sehr beträchtlich; es ist keine Familie im «bern und un-
, lern Kanton die nicht mistet und des Winters schlachtet.
Speck ist fast ihr einziges Fett das sie beym Gemüß
haben, er dient ihnen für Schmalz, Butter und Fleisch.
Wäre der Obstbau besser bey uns «im Stande, so könnte
man die Schweine mit halbreifem abgefallenen Obste
nähren und mästen; so aber «ihren die Vauren meistens
ihre Schweine, im Sommer mit Gras und Garten»
kr'mtern; im Herbst mit Erdäpfeln und gelben und
weißen Rüben; die »enigsten kauftn Getraide, Grüsch;
wer es aber vermag, schüttet manchmal etwas Roggen
oder Haber dazu.
I m welschen Vcrngebiet will die Schweinszuckt
nicht recht fort. Die Bauern daselbst glauben, ohne
Eicheln könne man sie nicht mästen, und doch wissen
unsre deutsche'Bauern fast nichts «on Eicheln.
Als die Erdäpfel noch nicht so allgemein in großer
Menge gcpfianzt worden, oa waren gedörrte Nirnen
die Lieblingsspeise der landleute.
Unsere Bäurinnen sollten den Gartenbau besser
lernen. Die Weiber auf dem Lande, so nahe an den
Städten wohnen und Gartcnzcug für den Markt pflanzen,
verstehen denselben ,noch so ziemlich, aber in den ent»
fcrnterN Gegenden sind sie gemeiniglich darin« sehr un»
erfahren,, und e« wäre zu wünschen, daß man ihnen
oder ihren- Mägden Anweisung gäbe, damit ihre Män«
«er nicht gezwungen wären, den ganzen Sommer hin»
durch fast kein anderes Kraut als Mangold zu essen,
welches sie schlechtweg Rraut heissen, und warllch nicht
das iveste und Schmackhafteste ist.
, Doch auch hieiinn hat eine Gcaend vor der ander»
ttwas zum Voraus, und man kann auch nicht im ANge»
meinen sagen, daß die Landleute den Garten»und Obst»
bau versäumen,; einige Gegenden aber tritt dieser Vor«
wurf gedoprelt, und mit vollem Recht. Seitdem die
Erdapfel so stark gepflanzt werden, essen die Bauern
weniger gedörrtes Obst, und haben undankbarer Weise
die Obstzuckt in Abgang kommen lassen. . ,:.:
. einig« Güterbesitzer und Herrn fangen jetzt an auf
ihren Landgütern die Obstbaumzucht wieder starker zu
treiben! sie suchen diese vergessene Wohlthat der Natu»
aufs Neue in Anspruch zu nehmen ; und alle unsre Land»
Oekonomen finden dazu das Handbuch des Herrnpre»
digcr Christ, von der Obstbaumzucht, sehr brauchbar
und für unser Klima ganz gut gerathen.
H « u g wird jezt mehr im Kanton gezogen als vor«
nials, weil man einstehet, daß die Landwirthschaft auch
nothwendigerweise fortrücken m u ß , wenn man be»
dersteigendenEhcurung iu den Statten nicht ganz zu»
rückbleiden will. Nie von Herrn Pfarrer Christ aus
Deutschland zu uns gekommene Methode in Kästen
wild jezt der Bicnenzuchr in Korben von allen verstä».
digcn Bienenrätcrn vorgezogen.
Nu« ein einziger Wann, Namens M ö s i h i g ' ) ,
fr
») Man ses)* die Vliese v«n Hrn. «»u V»»nstetten, Seite <n.
ein vortrefiicher Oelonom / hatte den Einfall mit iem
Honig im Sanenland Handelschaft zu treiben, und
den Einwohnern ein Beyspiel zu geben / wa« sie alles
versäumen, und wie die Natur ihnen Güter anbietet/
die sie verschmähen. -
Niemand preßt Oel aus cornu« sanguinea, «och
aus Miagrum sativum. — Die Wälder werden so be«
nutzt, als hätte das Holz gar keinen Werth. —
Das Vermöge« der Nauern im Durchschnitt
mag gegen 12 bis 15 tausend Pfund (das Pfund zu 7}
Batzen) «n liegenden Gütern seyn.. Wer unter 5 und
6 tausend Pfund besitzt, hält man für mittelmäßig
«ick: die ersten aber werden mit allem Recht 'fut
reich ausneaeb»n. — Dagegen sind unter ihnen auch
ziemlich viel Arme; man rechnet fast überall den 5ten
oder 6ten Theil der Einwohner die von der Hülfe der
Gemeinde leben.
Herr Ecckelmeister von Cstharner schrieb don sei«
ncm Amt Scl>enfcndcrg im untern Avgau: «Ein Bauer
schätzt sich «ich, wenn er nur den halben Theil seiner
Güter schuldig ist! ei» Hausvater, der über feine Schul«
den , die er mit 5 vom hundert verzinset, noch 4 bi« ç
tausend Gulden freyes Vermögen besitzt, schätzt sich wohl
reich, und die Zahl derer, die mehr haben, ist so klein,
daß solche ganz unbedeutend ist.,, —
Den größten Wohlstand der Bauern findet man im
obern Acrgau um Langenthal, Wangen, Herzogen«
buchsee, im Emmenthal; auch vorzüglich in der Nach»
barschaft von der Stadt Ben»/ «eil sie alles tbeuer vtu
kaufen tinnen und die Ländereyen mehr als doppelt s»
viel gelten. — Bauern von « und 3 mal hundert tausend
Pfund, sind jedoch so wenige, daß man daven keinen
Schluß auf das ganze Land machen muß, so wenig als
auf den S t a a t , daß einige Bauern Strohhüte von 1
touisd'or am Werth tragen, da die meisten n u r ; ün>
6Batzige kaufe». (Man sehe im ite» Theil, Seite z ,
und 84).
Der Preis des Landes hat gar kein beständiges W>
nerley. Er steigt nnd fällt, mit den Zeitumständen,
und, nach der Lage des Orts sehr merklich. Ein land»
stück um die Hauptstadt, wird wenigstens zmal theurer
bezahlt, als ein gleichgutes auf 7 bis 8 Stunden Entfer<
nung. Auch die Abgaben und Beschwerden, die auf
einem Grundstück haften, machen einen großey Unter«
schied im Werth. Freye Güter werden sehr gesucht; be»
schwerte aber sehr vermieden. — Ein Landstück, das
nahe am Dorf liegt, gilt auch besser als das entfernte:
ei« Iauchart von gleichem Werth, bey dem Dorfe, zahlt
sich doppelt wie ein anderes so eine halbe Stunde davon
liegt. Auch kommt es viel auf die besondere Nutzung«»
art an, die man dem Acker oder Wiesenbau zu geben
weiß, wenn das Land gelten soll. Bald sind die Wiesen
gering geachtet, wo die Viehzucht gering ist; bald sind
sie hock geschätzt, wo man viel Heu braucht, und Fuhr»
leute, fremde Kutsch« einkehren. Auch kommt es auf
die Bevölkerung an, je größer die Anzahl der Bewohner
ist, je mehr Käufer, je theurer auch die Waare; je wott«
habender die Leute sind / je hiher treiben sie die Steige»
«,i«a der Güter. Blühet die Handlung, und ist de«
Verdienst gut/ so sind abermals die Güter höher i «
Preis; fällt der Handel und nimmt die Anzahl der Ar«
heiter und Fremden ab, so fallen wieder die Lände«
weit unter die Hälfte; ja man hat schon gesehcn'bis auf
s im Prciße. _ S o giebt es auch Ackerland wo die
Iauchart von 130 Gulden bis auf isoo Gulden zu stehe»
kommt Aeckcr kann man haben von :co Gulden bis
auf 800 Gulden die Iauchart. Was wohlfeiler erkauft
wird / ist Weid, oder unfruchtbares Feld. Der hoher«
Preis ist ein Lieblings • oder Anständiakeitswerth.
Landleute, die sich mildem Anbau ihrer Felder nicht
«bgeben können, leihen solche auch oft andern, um die
Hälfte des 3lbtrags. Und auf gleichen Fuß sind meh«
rcre Hcrrschaftslehen eingerichtet: Der Bauer qiebt
nach Abzug ics Saamens, das halbe Getraide für de»
lchenzins.
Uebcrhauvt sind die Bauern im deutschen Kanton
reicher als im Pays de Vaud. Der Bauer im Welsch»
land treibt seinen Ackeibau schlecht; dazu ist es meistens
Rebland,, und die Leute verlieren zu viel Zeit im Wirthe»
Haus; ihucn hingt noch, etwas von dem vormaligen Sa»
voyardcn < Charakter an.
Die reformirteil Bauern find reicher als die kalho»
lischt». Auch in Deutschland, Holland, England ist es
sichtbar ; da die Katholischen immcrlnoch zu, viel Abg»
Ben an ihre Geistlichkeit zu geben haben, viele unnithi»
%t Feyertage mitmachen müssen, am Aberglauben beym
Gäe» und Erndten noch zu fest hängen ; auch liegen die
besten Lindercycn in den Händen der Geistlichkeit, an
welch«sieals Schenkungen gekommen fiüd, und was von
ihnen gekauft worden, immer das beste Stück Land war.
Die Kantone S o l o t h u r n und Luzern,wo viele sehr
vrniünftige Bauern wohnen, haben darin» doch uor
vielen katholischen Ländern einen großen Vorzug. —
I m p a y s de v a u d ist die Bauart der Häuser ganz
ander«, als die der deutschen Bauern. Sie sind theu«
rer, viel unreinlicher und ungesunder eingerichtet, als
im deutschen Kanton. «Ich kenne die Wohnungen unse«
rer Bauern auf deN Dörfern (schreibt Hr. Pfarrer
M ü r e t "), es sind kleine, auf das genaueste zugeschlos»
sene Zimmer, ein Niedriger Boden; kleine Fenster, eine
erstickte Luft, eine unerträgliche Hitze; Gestank, daß
man ersticken möchte. Zwo Stunden Aufenthalt in
einer solchen Sckweißkammer, würde hinreichend senil
einen gesunden Menschen, der dessen nicht gewohnt ist,
krank zu machen. Braucht es da viel, solche?eute, wenn
sie krank sind, dem Tod zu überliefern? Dies ist eine
der vornehmsten Ursachen, warum bey Epidemien das'
Sterben so gräßlich wütet und eme Menge £cu|e dahin
rast. —
»Dazu kommt noch, daß in den engen Winkeln-

*) Preisschrist «o» der Entvölkcrui,« iti Pay? de Van5.

t
und 3 Vettel! neben einander stehen:.das unreine ©«»
wand wird am Ofen getrocknet auch in der Mitte der
Stube aufgeheult. S o stecken sie sich auch unter dicke
schwere Federbetten/ und der Dampf der da aufsteigt,
könnte allein schon den Athem unterdrücken, wenn diese
leute nickt zu einem fast unnatürlichen Grad von Un»
tmpsindlichkcit abgestumpft wären. —,,
Nichts aber ist wohlfeiler als der Häuserbau der
deutschen Berner^Bauern ; sie haben fast alle Materialien
umsonst; die Arbeitsleute sind Nachbaueru, die sich
einander helfen; oft kommen 6c> bis «-> solche Wärmer
zusammen, wen» ein »euer Bau errichtet wird, und
arnfei! frisch alle die Arbeit an. Die Reichen bringe»
Wcin und Eßwaarcn mit, und so gehet es wie bey einem
Fest recht munter zu : das Holz wird durch die Gemein»
fuh«n herbeygcschaft: selbst der Halch, so wenig sie auch
bedürfen, wird bey der Stelle gebrannt, und selten in
der Ferne, gekaust. I n kurzer Zeit ist ein solches Haus
fertig. Doch ist bey weitem diese nachbarliche Groß»
muth nicht überall in unserm Kauton zu Hause, man
findet sie uxistcns nur bey den Ackerbauern; diejeni»
gen so in eutfernte» Gegenden wohnen, und vom Neb»
bau lebe», sind darin« ganz verschiedene Menschen. Sie
baue» aucl, mehr steinerne als bilzerne Häuser; sie
stecken enge auf einander; sind unreinlich; und bey aller
Unbequemlichkeit noch theuer. Hingegen werde» solche
Häuser, die bloß «on Holz und mit Schanden zugedeckt
sind/ oft abgebrochen/ von einem Ort zum andernge»
führt/ und frisch aufgerichtet.
Der Bauer überhaupt/ wo e« Geld ausgeben soll/
»affiniri besser als der Städter. Man nehme nur zum
Beyspiel die oben erzahlte Weise ihre Häuser zu bauen.
Und man kann mit Wahrheit sagen / daß die meisten
Bauern ihren Boden wohl kennen.
Brauchen sie Kalksteine / so graben sie solche selbst/
und wenn die Ziegelhütten entfernt sind / so legen sie
auch Kaltiftn an, und brennen den Kalt selbst.
Um den Brienzcrsee her, hinauf nach Meyrlngcn
trift man sonderbare Hütten die keine Achnlichkeit mit
den übrigen Berner »Dörfern haben. Es sind diese Hin»
sei bloß von Holz. Runde Stimme von Tannen oder
Lerchenbiumen legt man ins Gevierte über einander:
schneidet aber an den Ecken die Balken fast zur Hälft«
«in, damit die Zwischenräume, welche beym Creuzwcis«
über einanderlegen, bleibe»/ ausgefüllt werden, und
die Seiten sich zuschließen. Die Dachung ist bloß Bret-
tcrwerk; die man quer übereinander legt, und große
Steine zur Haltung darauf sammelt. Das Lerchcnholz
soll die Lugend haben / daß es nicht springt, sondern
immer zäher w i r d , und durch Luft mid Wasser von Iah«
zu Jahr fester und fast unzerbrennlich wird. I n Wallit
findet'Man bloß solche Holzhäuser.
Es herrscht in unserm Kanton fast überall die Ge<
«ohnheit, taß sich die Bauern der Länge nach auf den
Ofen legen; diese geschwinde Abwechselung von Frost

*
lind üitze wenn sie aus der Kälte komme«/ und der
nicht selten dadurch erregte Durft, wo sie sodann kalt
trinken, verursachen schuierzhafte und langwürigc Krank»
Seiten; viele klagen über den Seiten » nnd Gallcnslich.
Ihre Sorglosigkeit gehet aber doch so weit, daß sie ihre
Kinder im Sommer fast nackend, im Winter auch seh«
leicht gekleidet, gehenlassen; allen Abwechslungen des
Wetters sollen sie trotz bieten; und wenn nicht eine lange
Gewohnheit diese Leute vor dem Untergang schützte, s«
müßten noch weit mehr Siechling und Krüppel seyn.
Von dem Baarfußgehen der Kinder sind die Schäden an
den Beinen sehr gemein.
Die Bauern um Bern haben fast durchgehcnds in
ihren Häusern sehr niedrige Zimmer, und darin« sehr
große sandsteincrne Oefcn, die sehr stark geheitzt werd m,
da sie das Hol; fast überall im Ueberfiuß haben: Nnd
nichts ist dem Landmann angenehmer als eine recht
warme oder vielmehr recht heiße S t u b e . — Viele
setzen sich hinter die Oefcn auf die dazu gemachten Sitze,
dorthin ziehen sie auch ihre Rinder, und es ist nicht
zu verwundern, wenn auch aus diesem unnatürlichen
Leben die Glieder geschwächt und die Anlagen zu den
Brüchen gelegt werden, denen unser Landvolk so allge»
mein ausgesetzt ist» Der Herr von Haller sagt: un»
sere Bauer» haben einen natürlichen und tin<jUirf>
lichen Hang zu dieser Rrankheit. —
(Und eben wegen der Allgemeinheit dieses Uebels,
läßt die Regierung von Bern, in dem Krankenhause
der Hauptstadt den Armc» die Bruchbänder umsonst
austheilen). —
An hitzigen Fiebern und der Wassersucht sterben dit
meisten. Jetzt kommt auch ein vormals wenig bekannte«
Uebel auf:— Engbrüstigkeit; kurzer A t h e m ; Neust«
husten. Junge starke Bauernpurfcht/ werden wie die
Alten davon befallen; ja sogar sind sie unter den jungen
Leuten noch gemeiner.
Ob diese Engbrüstigkeit nickt eine natürliche Folge
»on der immer stark« zunehmenden Raffee» Schwel«
gerey sey/ lasse ich einem jeden anheimgestellt, der
damit behaftet ist; er mache wenigstens die unschädliche
Probe, Kaffee und Wein nur sparsam zu trinken, und
dafür mehr reines Quellwasser und Milch; vielleicht
«erliert sich wohl das Uebel wie es gekommen ist.

Landbau im Kanton.
es wird im iten T h e i l , Seite 13; der Beschrei»
düng von B e r n behauptet, daß die Landwirthschaft in
Helvctien — nach England auf dem besten Fußestehe—
hierauf hat uns ein verdienter landgeistlicher geantwor«
tet: „Aus den neuesten und besten Büä)«n über die
Engländifche tandwirthschaft habe ich gelernt, daß sel»
bige der Helvetischen nachstehe. Erfindungen werden als
neu anaeqeben, welche hier schon vor vielen Jahren be-
kannt waren und »,n jedermann gebraucht worden, un-
ter denen aber viele, schon seit geraumer Zeit, als «n»
nütz verw»rfcn wurden. Die Gedanken des Hrn. V«<
fasserS über die vielen I r r t h ü m e r , selbst bey den
aufgeklärten Landwirthe» im Lande, in Aücksicht
der Lehre der Dungmittel und verbesserungsmit«
tel beweisen, daß selbst der unanfgcklirte Landmann die»
sc Lehre besser verstehet. Jedem ist bekannt, daß, Kalk,
Gyps und Kalkmcr,;cl den nassen und thonichtcn Boden
»u Grund richten würde, dazu braucht er Pftrdbau,
Gandmergcl, S a n d , Grien, ja oft mebr als Faust
große Steine, je nachdem das Land mehr oder weniger
sumpficht ist. Dem trocknen, harten und hitziaen Boden
giebt er Kalkmergcl, Kalk, Gyps, welches nicht den
Boden unfruchtbar macht, und bloß theoretisch ver»
muthct wird: sondern cs ziehet die frnchtbalmachenden
Lheile aus dem Dunstkreis an sich, und verbessert den
Boden, wie daraus erwcißlich ist, daß das Korn, wo
der Klee auf der Branche gegnpstt worden, viel rcichli»
cher ausgiebt, als da kein Gyps hingekommen. Doch
soll« der Landmann wohl wissen, daß er den Klee in
dem ersten Jahr nicht zu mähen hat, denn dadurch wird
das Erdreich ausgesogen, in dem andern aber muß eine
halbe Elle hoch eingepflüget und der Dünger nicht ver»
«essen werden, von dem er genug haben wird, wenn «
das Vieh im Stall futtert , welches durch den K l «
möglich seyn könnte, aber die vielen Alimenten sind noch
immer der griste Fehler in der hiesigen Landwirthschaft."
Diese uns sehr zutscheinende Erklärung über die
Land»
Landwirtschaft de« Bauern leidet doch die nöthige Ein-
schrinkung, daß wenn die Lhitiakeir größer und der
herrschende Eigendünkel unter diesen Leuten weniger all»
gemein wir« — man in der Kenntniß des Bodens in
der That die Englände« und jede andere Ackernation '
übertreffen würde, leider aber wird über die Dungar»
ten in der Schweiz so verschieden gedacht, wie ver»
schieden gehandelt. Die Leute folgen vielfältig ihrer
Bequemlichkeit und dem was ihnen größerer Vortheil
scheint. Wer den herrschenden Charakter der Bauern
kennt/ kann auch wie natürlich von selbst vermuthen/
es gehen hier viele Vernachläßigungcn vor.
Auch beweist schon genug die lang gefühlte und
laut erschollene Klage der besten VaterlaNdskenner / daß
der Bauer das Feld gleichsam nur aus Nothdurft bauet
um auch noch Brod fürsichselbst zu haben. Der berühmte
Herr von Haller schrieb daher, czanz wahr: «Es
entstehet in diestm Lande der große Fehler/ de»
auch England schmerzlich fühlt / daß allzuviel
Land zur Grässerey gelassen wird, und man den
Acker, der zu mühsam ist, fast mit Widerwillen
beibehält. Der Hauptfehler aber ist/ daß anstatt
zehn freyer streitbarer Familien / eine einzige für
den Staat erwachset, die sich durch fremde und
an den Staat nicht verpflichtete Tagelöhner, wie
in England durch die ihm nicht zugethanen I « »
länder hilft. Es ist auch ein Uebel, daß bey s»
großen Gütern die Nestyer au, ihrem Stand« tre«
II, 3heil. 3
tcn, da man bty tltintvn Gütern doch Vauer»
behielte/ die dem S t a a t nöthiger sind/ al« (Gült»
brief'Bauern u»d/ Pächter." (Göttinger gelehrte
Anzeigen 1762. Seite 9613. Und was ich gerne noch
beyfüge: Unsre Obrigkeit würde mehr Zehenden einzie»
he«/ der fremde Fruchteinlauf würde nicht alle Jahr
mit s» großem Verlust von vorn anfangen müssen , und
in den Zeiten der Noth hatte da« Vaterland dadurch
feine Unabhängigkeit sicherer erkauft/ als durch das Geld
einiger reichgewordenen Bauern.
Unsere trockene Wiese» werden gewöhnlich des
Jahrs «mal gcmahct, und dann noch im Herbst von den
meisten tandwirthen abgehütet. Letzteres ist aber ein
großer Schade«/ denn das Vieh zertritt mehr am Boden
als es düngt. DcrglciÄ>en Matten werde» je von 4 zu
4Jahren umbrochen/ -Jahre gedüngt/ und mit Ge«
traide besäet; und dann liegen sie wieder 4 Jahr lang
als Wiesen da. Brafe Ackerwirthe sollten aber bey
diesem Landbau nicht den Getraidebau zu «nterdrücke»
suchen; sich allein zu bereichern und das Vaterland arm
zu machen: denn die Quelle des Wohlstandes aller
Staaten ist — der Getraidebau. I n unserm Kanton
wird aus Gemächlichkeit/ Negliaen«, und weil geizige
Bauern wenige Hände zur Hülfe haben wollen, der
wjes'bau zum Nachtheil des Getraidebaues nur zu
stalk, getrieben; da hingegen, wenn man recht die Sache
Überlegen wollte, man finden würde, haß der Getraidc»
Un oder die Abwechslung des Anbaues/ mit Rlee und
SES l)5 sa
allerley Grasarten auch den vichsiand/ und so mit
den Dünger vermehre» könnten, also ein reichlicher
Rornbau ohne Nachtheil zu erhalten ist. Das Vater«
tand nlürde sodann nicht genithiget sey«, seine drin»
gendsten Bedürfnisse in großer Menge und mit theuren
Frachten uon dem Ausland zu ziehen, welches in allen
Sachen Tbcurung und Mangel an Vaarschaft nach sich
ziehet. J a der Mittelmann, lebt dabey beständig in Sor«
gen der Nahrung und in einer schwer drückenden Gl»
schäftlosigkcit.
Nur wenige reiche Bauern halten Mägde und
Knechte; zurErsparunz des Liedlohns nehmen sie armer
Leute Kinder in Dienst: denen sie bloß Nahrung uns
Kleidung geben. Dieser seltene und geringcDienst macht/
daß viele arme junge Leute von ,8 und mehrern Iahrett
ihr Glück ausser Lands suchen, und ihre Eltern darbem
Die Pursche gehen in Kriegsdienst, oder in die Städtel
verdingen sich als Hausknechte, Metzger, Kutscher; viele
kommen in Fabriken. Auf diese Art verlieren sich dit
besten Einwohner, denn die prägen und Faulen bleiben
lieber zurück und bettten, als daß sie etwas wagen woll»
ten. Aber kommen oft solche Ausgewanderte wieder «ach
Jahr und 3ag in ihre Gemeinden zurück, so müssen sie
um Gnadenbrod bettle«, und verzehren sich in Kummer
und Aergerniß; sie vermehren das einheimische Elend:
haben sie Kinder, so sind es Leute die weder zum Land«
bau noch zur Hauswitthfchaft viel taugen; — viele
kommen fünft als Gebrechliche heim, die von der Noth,
»der »on der Pelizey ihren Gemeinden zugefchickt wo»
den — ' ) .
Her griste Viebbauer braucht nicht mehr als ein
Paar Knechte, ein ebenso grosser «Lauer aber, der den
Feldbau treibt, bedarf wenigstens vier. Ein Wein«
gärtner oder Rebmann beschäftiget sogar bis auf« Per«
fönen; daher find die Ackerländer wenig« mit Armen
angefüllt, als wo nur Viehweiden gehalten werden.
Auch ist nur der Ackerbauer der Bevölkerung und dem
lande etwa« werth, denn sie helfen den Boden durch
viele Hände fruchtbar machen. Das erste Bedürfniß des
Lebens — Brod bringen sie uns zu: auch hat es mehr
Segen was der Bauer durch eigenen Fleiß erwirbt, als
was er durch den Reichthum erzwingt. Und, der Ar»
nrnth Beschäftigung geben, ist besser, als Almosen aus»
theilen, und die Hände der Einwohner braach liegen
lassen. —
Nur ein Beyspiel wie weit die Vernachlässigung des
Kornbauc« im Kanton gehet. Der Kornzebend im
Saanenland betrug vom Jahr 1730 bis 1740 doppelt so
Viel als vom Jahr »770 bis 1780. Es ist kein Pffug mehr
im ganzen Saanenland **). Wiesen sind jetzt die Lieh»

*) Verzl. auch dc« vcrstortcnc» Hr». Se.lelxielsterl von


T s c h n r » « » « Beschreibung de« Wim« Echenkenber«, Le!«
178.
•*; M«n seb« de« He^n von U»m>st»tt»ni Vriese üb« »««.
. Wmnenland.
>

linsisache, die Goldquelle — aber eine seh« unzuver-


lässige, denn man siehet die Armuth zfach vermehrt in
diesem landfirich ; die Menge der Armen nimmt so stark
zu, daß \ aller Einwohner de»» Bemittelten und Reiche»
zur last fallen, weil sie keine Arbeit für sie haben, und
die Fabritarbciten den wenigsten schmecken will; de«
Bckuer dieser Gegend liebt das bequemere Hirtenlebem
Daher mißlingen alle Versuche der Bernerischen Land»
«igte den Kornbau herzustillen, wie er ehemals in
diesem lande mit Vortheil getrieben worden. Die
schweisaustreibende und anstrengende Arbeit des Pfiü»
gens, Düngens, Säen«, Schneidens und Umbrechen«
hat das Volk verlassen ; und gegen die freye, wonnevolle,
fröhliche Berghütuug ausgetauscht. Aber da habe»
nur die Wohlhabenden und Reichen den besten Genuß
von den Bergen ! denn der Arme hat wenig Vieh, etwa
einige Geißen, und Schaafe; der Reiche aber macht sich
diesen Vortheil zu nutze, hütet die fetten Geisten ab/
und giebt dafür sein Almosen an die Armen; de«
Viehhirt braucht keine Taglohner. Als« gehet der
größere Gheil müßig einher, bettelt bey der Gemeinde
und empfängt Almosen ohne Schaam.' —
Welch einen grossen Einfluß diese veränderte Vauerl»»
wirthschaft in den landba» gehabt habe, mag auch
noch der schon im vorigen Abschnitt angezeigte vernach.
laßigte Garten«Obstbau (siehe Seite 120) beweisen. Wenn
man einmal vom rechten Wege abgekommen ist, so mqg
. 23
man lange «eben, es wird doch nicht ander« werden bis
der Erfolg gar zu drückend und lüstig wird. .
Und dieses zeigt sich schon häufig genug in den Dorf»
gemeinde«/ die beständig klagen, daß sie zu viele Arme
zu erhalten haben. Aber würden sie für ihr Almosen, so
sie ihnen geben, Hanf» und Flachsfelder ansäen lassen:
wollten sie guten fremden Saamcn kommen lassen, um
gute Pstanzen zu erzeugen, die Armen damit zu bcschüf»
tigen; so könnten die Gemeinden bald ruhiger seyn.
Auch ist e« edler Armuth verhindern als Armuth nah»
«en. — I m Winter könnte» Jung und Alt Hanf und
Flachs spinnen und Lücher weben, — welches die beste
und zu allen Zeiten vorteilhafteste, sicherste,- verkauf«
liehst« Landesmanufaktur wäre; dies sollte man nur
recht beherzigen, und wenn man es ernstlich will, und
die erste M ü h e nicht scheuet, so gehet alles gewiß vor»
treflich von Statten. Man kann alles — wenn man
Beharrlichkeit bat. ;
Aber man muß den Armen auch nicht zumuthcn,
daß sie stets in der Stube sitzen oder im Webcrkrllcr,
wo sie krank, mager und schwachen Leibes werden, son«
der« man halte sie an im Sommer zur Arbeit im Feld;
so bleiben sie munter und gesund; jetzt schließt man
sie gewöhnlich das ganze Jahr in Spinnstuben und Ar»
beitshluser ein, wo ihre halbe Lebenskraft zu Grunde
gerichtet wird, kein Wunder wenn sie nicht varireu
»sillcn. , , , ,
Um die Armuth und Bettele» unter dem Landvolk
zu Verhüten/ verdiente auch der Vorschlag de« berührn»
ten Hallers einige Resteetion. Er sagte: Man sollt«
die Zusammcnschlagung der Güter verbiete»/ da»
durch behielte der Staat mehr bemittelte obgleich
nicht gar zu reiche Bauer» ; und der anwachsende«
Größe einiger wenige«/ würde ei« heilsamer
Damm gesetzt. (Der Reiche sollte den Armen nicht
verschlingen).

Viehzucht. Stallfüterung. Käsemachen.


Küherey.
Der Bauer zieht sein meistes Geld aus dem jun-
gen Vieh, das er absaugt und verkauft.
Die Schweizer Landwirthschaft hat das Eigen»
thümliche, daß kein vorzüglicher Kornbau sich findet/ die
Bauern ab« doch reich werden. Sie suchen ihre Vortheile
in der Wässerung dcr Wiesen und in der Stallfütterung»
Die Bergbewohner benutzen die Alpe»/ um ihr Vieh
mit den gesunden Kräutern zu mästen. I m platten
kandc halten sie alles darauf/ gute weiche GraSarte»
einzusammeln / das Vieh mit grünem Futter zu nähren,
so lange die Iahrszeit es zuläßt; denn das allgemeine
Glaubensbekenntniß erfahrner kandwirthe stimmt darin»
überein: daß alles Weide», sonderlich aber des erwach»
fenen Hornviehes, sehr verderblich sowohl für die
Wiesen, als für das Wich sey. Von den Ulpen aber ist
34
hier nicht die Rede, denn ein Theil derselben ist zu
hoch gelegen , als daß solche anders als durch Abgrasun«
genützt werden tonnten.
Unsre Landwirthe sagen, die junge Viehzucht wird
«ufder Weide zu früh trächtig, und eben dadurch elend/
schwach und zur guten Zeugung ungeschickt. Ferner sage»
sie: prächtige Kühe sind auf der Weide zu vielen Ge«
fahren ausgesetzt; nichts ist gemein«/ als daß sie durch
Stoßen und Springen sich Schaden thun.
I m Stall kann man dem Vieh ein ausgewähltes
Futter geben; es frißt kein Stoppelzeug und hartes Gras.
M a n kann auch die Abtheilung der Mahlzeit besser ein»
theilen, als es das Vieh auf der Weide thut.
Und wie viel leidet das Vieh im Sommer von den
Insekten'. Auf der Weide stehet es oft den ganzen Tag
an der Hitze > erkältet sich des Abends / das faule Ge»
schmeiß läßt ihm keine Ruhe. — Diese laut gepredigte
Vortheile der Vtallfütterung wollen doch nicht allen
Vauern gefallen. Es giebt noch ganze Dorfschaften und
Gemeinden, wo alles nach dem alten Schlendrian ge»
trieben wird. — Und doch müssen diese Ungläubige selbst
eingestehen, daß die Viehseuche» nicht in den Stille«/
sondern auf dem w e i d g a n g gefährlich werden; den«
wenn auch das im Stall gewartete Thier damit befallen
wird, so ist ihm doch bald zu helfen / und weit leicht«/
als bey «in« große,, Heerde wo Ansteckung so leicht ist.
Und gewiß kommt der Ursprung solcher kandespla»
zen nicht aus dem Stall - , sondern aus ungesunden.
nassen/ feuchten/ morastigen Weiden/ und voin sausen
stinkenden Wasser. Das ist die Ursache der Viehseuchen.
Um dem Einwurf der Lheurung des Futters zu be»
gegnen/ hat man Schatthütten für das Vieh im Feld
«bauet/ wo es, gleich wie in einem S t a l l , vor Wind
und Wetter geschützt ist/ und frisches Wcidgras ohne
große Mühe des Eigenthümers erhalten kann; auch
wird es Morgens und Abends zur Tränke getrieben/
und diese Stallfütterung im Grünen ist der Triumph
des Landmanns. Es macht ihn reich ohne Mühe.
Eine gute Kuh soll auf einer guten Weide in den
Alpen täglich wenigstens 6 Maas Milch geben. Gesetzt/
ein Senn bleibe mit seinem Vieh 16 Wochen auf den
Berge»/ und da jede Maas Milch 4 Pfund wiegt/ so
soll er von einer Kuh in solcher Zeit s688 Pfund Milch
ziehen! die in Käs oder Butter verwandelt / i m m «
über 4 Louisd'or abwerfen. Wir wollen die Berechnung
hier geuau geben: Zu einem Pfund fetten Käs werde»
14 Pfund oder 3 und i Maas Milch gebraucht; obige
-68« Pfund machen also 19, Pf. fetten Käst/ die zu i *
Kreutzer das Pfund gerechnet . . . 576 Btz.
ausmachen —
Ziehet man für das hinzugekommene Salz ab 6 Btz.

so bleiben . » . . . z?»'BY.
Und da au« der Häsemilch noch Zieger gemacht
wird/ und ungefähr z Theile weniger als ma»
Käs erhalten hat, so muß man noch ??Pfnnd
24
Zieger »'i\ Batzen bat Pfund dazuschlage» n ç i Btz.
Ertrag einer Kuh auf den Bergen in 16
Wochen . . . . i » 685! Btz.
Sind also nahe zu 4; Louisd'or. —
Zu 1«° Pfund Käs sind 2 Pfund Salz nothig.
Will man nun sehen, wie die Nüher die Milch be»
rechnen, wenn sie Butter macheni so stehet es unge»
fähr folgender Massen: Vie sagen:
Zu einem Pfund Butter wird der Rahm von,? Pf.
Milch erfordert; also können von 2688 Pfund Milch
nicht mehr, als 99^ Pfund Butter verfertiget werden.
Diese das Pfund zu 4 Batzen gerechnet, betragen 398 Btz.
Wenn die übriggebliebene abgeräumte Milch zu
mageren Käsen gemacht wird, sosindnoch 2C8?i
Pfund bloße Milch übrig ; —da nun «4 Pfund
solcher abgenommenen Milck 1 Pfund magern
Käs geben ; so komme» noch 107 Pfund davon ,
heraus, die aber nur à 8 Kreutzer das Pfund
gerechnet werden mögen — und betrage«, nach
Abrechnung des Salzes . . . . ,12 Btz.

Kommt also beym Buttermachen nur heraus


die Summe von . . . . . 61« Btz.
freylich verkauft man feit den letzten Jahren den
Butter fast nie unter 5 Batzen; und den Käs auch nicht
unter c\ Batzen das Pfund; so, daß man sagen kann,
die Bauern wissen ihre Rechnung ganz gut zu treffen.
Sie machen aber weniger Butter damit sie ihn desto
I

theurer gebe» können; denn den Kn« können sie alt werde«,'
lassen und in das Ausland hoch genug verkaufen. Und
dic Theurung der Butter nimmt auch darum zu, weil
immer mehr und mehr Zins » Küher aufkommen, die
das Vieh zu ihrer Bergfahrt in Pacht nehmen; die
Mehbesitzer aber stets einen stirkern Zins fordern. —
Man rechnet, daß 8 bis 10 Maas Milch zu einem
Maas Rahm »der Nidlen erfordert werde»» ; und eine
Maas gute Nidlcn giebt nicht einmal recht i Pfund,
Butter (Anken). (HL. die Maas Milch wiegt 4 Pfu»»d).
Auch rechnet man 10 Pfund gute Milch auf 1 Pfund
fetten Kas, und :c> Pfund abgerahmte Milch ju 1 Pf.
magern Kas. Für den Centner Käs braucht man « Pf.
Ealz, um ihn vollkommen zu falzen, welches durch 6
Wochen gefäithet. Das Pfund Butter qilt in den Ber»
gen allezeit weniger als der Käs, daher machen die
Kühcr so wenig Butter als möglich. , ,
Gar zu alte Käse sind nichts nütze. Man findet der»
gleichen die über 150 Jahr alt find. Herr von Bon«-
stetten schreibt in seinen Briefen über das Saancn»
land, es sey ihm ein Käs verehrt worden, der vom
Jahr »643 war: Er fand denselben aber geschmacklos,
ja fade, trocken und ganz ungenießbar.
Scchszigjahrizer Kis stehet aus, wie gelbes Wachs,
ist auch so hart und springt wie Wach«. Diese Käse sind
poch von der guten Art; man braucht sie/als Arzney zur
Verdauung. Solche alte Kise werden aber nicht ver»
tauft, sondern iini.tU Hau« » Erbschafts - Stücke nur
merkwürdig. - Gesalzne Kise halten sich aber nicht s»
lange; auch werden auf den hohen Alpen die beste»
Kise/ ohne Salz gemacht. Man findet Laibe von 10
bis auf 5« Pfund. Sie liegen lange über einander wie
in einer Presse / unter schweren Gewichten, bis fie vol»
lends gar sind / die Feuchtigkeit herausgedrückt ist und
sie ihre rechte Festigkeit erhalten haben. Auch muß man
sie noch in der Kastbütte kühl und lüftig halten, denn
«lle Nässe , Feuchtigkeit und Kälte schaden ihnen.
I m ersten Theil der Beschreibung von Bern, SeiteZi^»
Sicbenthal: Zeile-? stehet: der Saancnkäs werde bloß
aus Rahm und Milch bereitet.— Nach besserer Belehrung
muß man dies so verstehen: «Kein Käs wird bloß aus
dem Nahm der Milch bereitet/ sondern der fette Kl«
aus ganzer Milch, auf welcher der Rahm noch stehet;
der maaere hingegen aus Milch, von welcher der Rahm
abgenommen ist. Nur allein zu dem Fätsiherin, wen»
er recht gut seyn soll, wird ein Dritttheil R a h m , und
zwey Dritttheile abgenommene Milch gebraucht. " —
Die (Beigïafe werden im Siebenthal vorzüglich
gut und in Menge gemacht. Denn in den dortigen ho»
hen Bergen weiden die Geisen ohne Schaden.
Der Mittelprei« eines Centners Saanenkis ist jetzt
im Lande selbst an 2J Louisd'or« : das Pfund 4 bis ?
Vatzen. Und recht guten bezahlt man auch bis 6 und
7 Batzen das lpmnd.
Seit dreißig Jahren hat sich der Preis des Käses
«ehr als ««doppelt, und mit ihm der Preis der Wie«
seit, und vielleicht auch die Einkünfte, die der Staat
und die Partikularen au« dem Lande ziehen : Die Aus»
gaben nehmen aber in gleichem Verhältniß in de»
Staatswirthschaft wie in der Priuatbaushaltung zu.
Und Geldrcichthum ist noch nicht wahr« Reichthum /
wenn alles im Preis steigt.
Ein Küher ist bey uns der Eigenthümer einer Anzahl
Kühen, deren Nahrung er sowohl im Sommer als im
Winter von den Landwirthen pachtet. Der tandwirth
giebt ihm gewöhnlich weiter nichts als das Futter, samt
einer schleckten Wohnung und der nothigen Stallun«
auf dem Gut. Der von dem Vieh des Kübers fallende
Bünacr bleibt dem Herrn des GutS, der aber dazu das '
gehörige Stroh hergiebt.
Das dürre auf dem Gut selbst verätzte Futter bezahlt
sich sehr verschieden, je nachdem es guter Art ist, und
der Küher feine Milch mit Vortheil absetzen kann.
Der Unterscheid ist von 5 bis 7 Thaler (der Thaler zu
30 Batzen) für jedes Klafter. M i t dem grünen Futter
tat es in Ansehung der Verschiedenheit des Preises die
gleiche Vewandiniß. Entweder führt der Küher fein
Vieh auf die Al»en, wo er es zur Weide treibt! biesen
Heisset man Senn. Oder er bleibt, wie im Winter, i n
der Ebene, und graset sein Viehfotter mit der Sense,
auf fremdem Boden ein. Dafür bezahlt er von jedem
Stück täglich ein gewisses, von 12 bis iä kr. des Tags,
je nach den Umständen; diesen heissen wir Sommer»
»der Heimlüher.
Diese Weist/ dem Küher das vorrlthige Futtee
grün oder dürr zu verkaufe«/ und auf dem Gut ätzen zu
lassen, ist fast immerhin, in verschiedenen Absichten/
für alle diejenigen Landwirtbc, die sich nicht persönlich
mit füttern/ melken und mästen abgeben können/ das
vorteilhafteste.
Bey einer solche« Landwirtbschaft kann man sicher
annehmen/ daß wenige Gegenden noch Braachfelder
haben. Bald sind es also Wiesen, bald Kraut »oder
Äckerfeld. Ist es keines von beyden / so dient ei zu«
Viehweide»
• Das frische Gras wird dünn in der Hütte aufge»
schüttet; damit es nicht warm werde; denn sonst verliert
es seine Kraft. Viele« Bauern fehlt zur Streue das
Stroh; aber sie helfen sich mit Tannen » und Fichten»
Reifem / mit Farnkraut und allerhand Laub (nur das
Laub von Buchen auc'gcnonimen).— Diese Streuarte«
geben zwar etwas langsamer, aber dock zuletzt eine»
tüchtigen Dünger. Lttick sammle» sie die Gauche in
Flßern/ und befeuchten damit ihre Wiesen/ ihre Gärten
und ihre Aecker.
Zur Stallfüttetung kommen ihnen die Rleefelder
ausserordentlich gut zu statten. Der Küher nimmt de«
Saamcn von den Kaufleuten in der Stadt/ die guten
Holländer » und Niederländische» Nleesaamen vor»
räthig habe». Diese Futterliäuter sind al« die beste
Sorten erprobt/ und fehlen niemals.
so Ceutner an Heu und Emd (Grxmet) wird auf
eine Milchkuh »on mittler« Gliß«, auf8° Wintertag«
lang gerechnet. Beym Klee braucht man etwas weniger;
und das Vieh giebt noch mehr Milch dabey.
Wie man den Kleesaamen säen soll, lehre man von
dem großen LanditonoM/ dem sel. Herrn Chorsckreiber
Tschiffeli, aus den Briefen über die Stallfütterung.
Sie kosten bey der typograph. Societät 8 Batzen.
Unsre besten Alpen des Berner Kantons liegen im
Emmenthal und in den Gegenden um Thun ; vornehm»
lich aber in dem sogenannten Oberland — in den Land»
vogteyen Unterseen und Interlachen; zu Oberhaßli / im
Frutigthal, im Simmcnthal, im Saanenland/ in den
Gegenden von AeleN/ Mois, Boumont. — Auf den
sogenannten zahmen Alpen bleibt das Vieh vom May«
monat bis spat in Herbst. Auf den wilden Alpen
können die Kühe und Stiere nur 12 bis i$ Wochen blci»
den; und zwar,» der Mitte des Sommers/ wenn er
noch dazu gut ist. vorberge oder Voralpen find fol»
che, wo die Weide bald da, bald dort ist; meist im ebe»
nen Lande: da wartet der Hirt den Sommer ab, und
im Herbst den völligen Winter, wo er die Stallung
sucht. !
Diese Alpen haben auch noch besondere Namen.
Man nennt Nühalpe» wo die Milchkühe weiden; Mast»
«lpen, wo Mastochsen weiden; Stierenalpen oder
Gustiberae, wo das junge Hornvieh hingetrieben wird-
Die Schaafalpen sind die höchsten und stcilftcn; —
diese letztere machen seltsame Wanderungen olne Hirten
' . - «uf den glissen Bergen; sie bleiben beysammen: matt-
siehet oft 3 und 4 Monate nickt nach ihnen; und wenn
man sie findet, so gehen sie allemal dahin, wo eines von
der Heerde hingezogen wird. Geißen begleiten oft diese
Schaafiieerden. Auch geschiehet es, daß alles dieses
Vieh viele Wochen durcheinander auf den Bergen wei»
det ohne Hirten.
Gefährlich aber für das Vieh ist es auf den hohen
Alpen wenn Hagelwetter einfallt; denn da suchen die
Thiere Schutz und finden ihn nicht; sie wollen zu Bau»
mm hin, und oft ist kein Baum nahe noch ferne. Mit
verschlossenen Augen f>>hren sie umher — und eben da
ist schon oft das Unglück geschehen, daß einige in das
Lbal herabstürzen.
Die Hirten des Oberlandes und in den Gaancn»
thilern lassen die Kühe, nicht vor dem dritte» oder vierte»
Jahr zu dem Stier, daher ihre Art die schönste ist. Da.
hingegen in der Wandt wegen Armuth der Pächter und
der Bauern die Kuh im zweyten Jahr bedeckt wird. —
Auch ist die Viehart daselbst klein und elend. Die
Schlachtkühe, die man bey uns groß und beleibt machen
will, bekommen den Stier nicht vor dem vierten Jahr.
Mehr als einmal hat eine «4 bis -8 Centn« gewo-
gen. Ochsen giebt es noch viel schwerer. — Sie werden
vertauft von ,8 bis 36 Louisd'or, der gemeine Schlag
aber ist von 14 bis »6 Centner.
Es ist eine wunderliche Grille, wenn die fremde»
Herrn, die unser Vieh taufen, meynen, sie würden damit
eine
çinc Schweizer«? aufrichte» können. Die Alpen machen
die Kühe, nicht aber die Kühe die Alpen. Daher
lliißliugen alle fremde Versuche mit hinausgezogenem
Schweizervieh.
Vor hundert Jahren hatte die Berner Regierung alle
Ausfuhr des Viehes verboten: zuletzt entschloß sie sich,
den Viehhanüel wieder frey zu lassen, doch so, daß das
Vieh nicht von de» Anzehirigen aus dem Lande geführt
werde. Denn die Verordnung sagt: w e n n die Fremden
unsre Vieh habe», wollen, so mögen sie e» w o h l
selbst holen. Die Bauern sind bey diesem Grundsatz
reicher und der Staat mächtiger geworden. Aber die
Butter hat man auszuführen verboten, damit sie wohl«
feiler werden sollte, und der Kishandel desto betracht»
licher für das Ausland sey.
Man klagt seit einiger Zeit über Mangel an Vutter
in B e r n , aber fast ohne Grund. B u t t « ist immer ge»
nug zu haben, nur ist der Preis wie alles andere fast
um die Hälft« gestiegen. Die Bauern arbeiten für rot»
nigeS Geld auch nicht mehr viel, und sagen — lieber
wollen sie ihre Nidlen selbst trinken als wohlfeile An«
ten oder Butter machen. Gewiß haben die Ursachen,
die man von der zunehmenden Ldeurung der Butter
angegeben hat, auch früher schon eriliirt: als verfchwen«
derischer Gebrauch, Schleichhandel, Kisemachen, Kalb«
fieischessen, Pftrdvermehruug. — Dazu lebten die Berg»
dauern vormals mehr von Milch und Niedlen als heut
zu Tag, wo sie auch die städtische Lebensart vielfiltiß
II. Theil. K
angenommen/ und der weinverbrauch jetzt in den Ber-
gen stärker ist als zu keiner Zeit. Man nehme aber an,
daß ebendarum der Bergbau« mehr Geld braucht/ daß er
indolenter wird / und für weniges Geld auch »nr wenig
Maaren liefert, (denn die Gemächlichkeit scheint da«
UntcrscheidilngeHciche» unsers Jahrhunderts zu
seyn), zu dem hat auch in den Städten alles im Preis
aufgeschlagen, und der Unterschied des Preises der
Butter gegen vormals und jetzt/ stehet noch so ziemlich
in der Proportion mit dem übrigen. Was hat den Preis
des Holzes so enorm steigen machen? Ist es nicht auch
gristcntheils dieser vermehrte Fuhrlobn / da Wald und
Nachwachs noch immer ihre Lieferung reichlich geben.
Die Butter kommt allemal häufiger zum Vorschein,
wenn der Preis hoch ist, als wenn der Preis niedrig
stehet. Man siehet / es ist wie mit allen Sacken: Der
Bauer raffinirt so gut ja noch besser wie der Städter, wie
wir dies schon an einem andern Orte gezeiget haben. Aber
Notabene: es muß ihm wohl gelten. Auch die Städ»
ter kommen hier mit ins Konfiikt: Sie wollen immer
mehr Pachtzins von ihren Gütern ziehen, da sie alle Jahr
die Küher steigern.
Auch das kann noch cine starke und wahre Ursache
der vertheurung der Butter seyn, daß es immer mehr
große OÄ'senhändlcr giebt, die unsere Gcnnercycn und
Alpen in N7astweiden verwandle» ; «eun ein solcher
Mann 5 und 6 der schönsten Alvenweideu mit seinem
aufgekauften Mastvieh besetzt, so wird der Küher arbeits»
les/ und jetter Großhändler hält sich bloß ritten Bau«
ernbuben zur Hütuny.' So fchine Berge, die viele
Küber«Familien ernähren könnten/ sind damit für das
Vaterland gleichsam unfruchtbar. — Weil der Ochsen»
Magnat, (wie ihn ein vaterländischer Ochriftsteller mit
Recht nennt * ) , unsre Berge mit Maftochsen besetzt,
«nd nur in seinen Beutel speculirt, wie er sie ausser
Lands gut verkaufen kann. Dadurch stockt die Milch«
fabulation, derNahrungszweig vieler Familien nimmt
ab, und einige Händler bereichern sich auf Unkosten
einer ganzen Nation, und vieler thätigen Menschen.

Die Berner ökonomische Gesellschaft.


Da diese wichtige Stiftung zum Besten des Landes
ausserordentlich wirksam war, vorzüglich in den ersten
1.0 Jahren ihres Zusammentritts, so muß sie in einer
Beschreibung von Bern einen eigenen Raum einneh-
men > und wir widmen solchen hier mit Vergnüge«.
Die Entstehung erzählt die Gesellschaft selbst in
ihren Schriften **) auf folgende Art:
»Es gebührt unserm patriotisch. gesinnten Befirde.
rer, dem Herrn Tschiffeli, lSekrctair des obersten
ChegcrichtS und unserer engern Gesellschaft beständigen

*) Man sehe JpWmvi Magazin ?l Van», Seit« »j».


»*) I n der SCwrt« zum »ritten Iahr««n»>
K 2
Statthalter) die Gerechtiakeit, daß wir ihn öffentlich
für den ersten Stifter unsrer Gesellschaft erkennen, so
wie er noch immer eine ihrer vornehmsten Stützen ist.
Derselbe lies im Christmonat 175z durch hiesiges Wochen»
blatt eine Einladung an alle Patrioten überhaupt, und
an alle Freunde der Landwirthschaft insbesondere erge»
he«/ daß sie sich durch eine freygebige Unterschrift ver»
binden möchten, eine Geldsumme zusammenzulegen /
und daraus die beste Auflösung-einer zur Verbesserung
d,es Landbaues abzwcckenden Aufgaben mit einer Preis»
münze zu belohnen. Diese Ankündigung ward mit einem
allgemeine« Beyfall aufgenommen, die Zahl der Unter» •
schritten überstieg die Hoffnung des Erfinders dieses Vor»
fchlags/ der die Gesinnung seiner Mitbürger auf diesem
Wege prüfen wollte. — «Herr Tsihiffeli wählte sich a
Herw als Vertraute, diese haben sich wieder 6 andere
gewählt; und so formirtesicheine engere Verbindung."
Welch einen grossen Einfluß diese Gesellschaft auf
die Industrie, Handlung, Gewerbe, Feldbau, Vieh»
zucht, nicht nur in der Schweiz sondern auch in allen
europäischen Lindern gehabt habe, kann man nur dar«
au« schließen, daß sie Mitglieder von Hohe» und Nie»'
der«, von Fremden und Einheimischen gehabt; ja »ach
ihrem Beyspiel haben sich in der Schweiz, in Deutsch»
land, Frankreich, gleiebe Gesellschaften zuwmmcnge»
than; die auch auf die entfernteren Länder wohlthätig
gewirkt haben,, und der kandbau ist vor 10 und ao Iah»

'
reit US lieblingsgeschHft fast jedes denkenden Menschen
geworden. k,)w ^ ••.>;:
Di« Schriften der ökonomischen^Gesellsiziaft
»Ott Bern lxstehen aus folgenden l^hlilch.-,.'.< , ^ « ~,
Ansang: die Jahre, inte)1761 17,6» i7<,g/,?64>^jede«
Jahr liefert« 4 Stücke, .•'.•:• 7,: }>«tf»fn§ftcB 'rt'j*'
(Der ,764 Jahrgang hat, ein General«Me»Hber die
5 erste n 2«tUfs>t'«. ; u\\^',(ab\iiiq,6^ sin»
, !,)«s, also frWii;) t.-",:.- i: '!?,Mwii,^Gtückk
I a h r g a n g 1765, 17M hat,ouch jeder4Ol<lü«s«>v!'N';' m:*
mache» • .' ;..•::::"'?. ii v?.:-y; .••? .Js|?ü»:®tRCffc
Jahrgang 1767 17H3 176s 1770 i7?'°,i?7>(.«'? ? 4}
,'> 1773- jeder bestehet- aus 2 ©tutfenj be» tânuòwt
tragen als« von i?67>73!^ %nitH-fa)B 14 Stücke.
Auch ist ein Hauptrcgister über die Iahre!«?65>'.-u5
l"'chw'7?? zu haben, überhaupt also ntf"--4» '@fûtké.
- Fcrn«r sind bisher erschienen 3 Bände, von «inet
neuen Sammlung ökonomischei: iSchriftm^'««v»n
der it«3beil zu Bern ,'der. «te uNKHtozOsütich ge.
druckt worden; jetzt soll die, Fortsetzung davon künftig
wieder in'Bern herauskommen, lind ei« neutl^Band
»irklichunter.der, <ß«ßc,,s«y»c^ ,v.-,,<,', àyà hüt iwH'08
. Obige Werke findetiMM.ganz unk^ückmeise biy:HH
Buckhandlung der,typographischen Societät Ai
Bern: die den größern Meildauon^lbftlyedtucklhati
.auch hat diese Buchhaudlung eine, llebelseynng in srnift
zösischer Sprach« üons Jahrgang! 764 bis 17^3 &**
SÜSS 1,54 *•=»

l>«Ut5,i besövgt! die «och zu haben find. Jahre i?6i


l?6l 1763 schien. •'--• ••'
,, Mlle, andere Jahrgänge sind nur noch in deutscher
Sprache zu sinden, werden aber täglich seltener.
^iAuch, folg end« Schriften lind DON der ökonomi»
schen Gesellschaft in Vcrn zum Druck verordnet wor>
-ve»?,Mhnndlung üb« die beste Art den Reps « und Kohl«
l«lt anzubauen (ä 4 Btz.> Abhandlung vom Bau und
Nutzen dl« türkischen Weizens (à « Vtz.) Abhandl. aus
dem Gchweäischtn^übcrsetzt/ «on dem Gleichgewichte der
NahtüNLsgeschifte, von dem Nutzen der Manufakturen
(» 5 Vtz-) Anleitung zum Forstbaü, zum Gebrauche de<
Landvolks in dep Schweiz (T i Btz.) Anleitung zur
lpfianzüng, Erziehung und Wartung der Fruchtbäume
( z u Btz.)?^Anlcitung zu'dor^Wanzungimd Wartung
Hlr,'v!»nebmstcn Küchtngewichsc, aus Millers, englischem
WvtntN^LerieönM^- Btz.), Anleitung wie die Reben
zu vfia>«m,!!»che3zitbtN und zu. warten / aus Millers
<n%lh]&^tatt*àej:ktrt',. auch unter dem Littel^, toi
Oünst Wein z» machen, '(to 10 Btz.) Baudcan Abband,
lnnainüber das erste und votnehmstc Bedürfniß des
Volke«: aus dem Franzistfchen,; auch unter dem neue»
Littelt BeobächwNgen. über den^Korn. und Brodhan»
bel in dcr Sckweiz^ (àso Btz.)' Bclls Preisschrift von
den Quellen und^lgen einer startn, Bevölkerung, (ä 3
Btz.) Hasts« von der Verbesserung der Schaafzucht,
nebst einem Rath gegen die Gchaafspocken. s 3 . ; Btz.)
Home, von den GrmMtzen des.Feldbaues und des
Wachsthums der Pflanzen : aus dem Englischen. (-> « Btz.)
Ialobi, von!"d« besteu Jubelcituna des Maucrkalckts.
O 3 951}.} konots Abhandlung über eine neue Art von
Mörtel, (à 3 Btz) Michaelis Gedanken über da« ftlt»
famc Gesetz Moses vomsiebendenRubcjahr aller Feld»
arbeit (à , Btz) Vö» der Natur des Torf« und von
Zubereitung morastiger Gegenden zum Ackerbau (à 3
Btz) Versuch von dem Mergel und dessen Würkungen
im Lande, (à 3 Btz ) Wallerius chymische Grundsätze
des Feldbaues, aus dem lateinischen Texte übersetzt-
(à 8 Btz.) Kffiii sur la recuite de la soye dans le pays
de Vainl. (à? Btz.) Manière de ramasser la jjraine de
treffle. 8. (à 2 Btz.) Mémoire fur une, Caisse d'assu-
rance contre les incendies dans le Canton de Berne,
(à 6 Btz.)
Alle diese Schriften findet man einzeln oder zusam«
wen bey der Typographischen Gesellschaftsbuch«
Handlung in Bern.

Kriegsverfassung.
(Man sehe im >iten Theil, Seite 13? bis 144) Seit
dem Druck des iten Bandes dieser Beschreibung, sind
wichtige Veränderungen in Absicht des Militairs in
unserm Kanton vorgegangen; einiges aber ist damals
schon nicht ganz genau richtig gewesen, wie es daselbst
beschrieben worden: als« rücken wir mit Vergnügen die
«„s darüber zugekommnen bessern Berichte hier ein.
A4
Nie Infanterie Regimenter Habens ihre Mme»
von den Distrikten, aus welchen sie «hoben werden,
«Haltcn4 Ihre Einthcilung in BataiNonc und Kom»
pagnien ist zwcyfach: I m Frieden, oder an den ge»
wohnlichen Musterungen in den Distrikten in welchen
die Regimcnicr erhoben werden/ bestchct einRcgiment
au« 16 Füsiliers 4 Grenadier und 4 Mousquctier Kompag«
«icn,, zusammen also aus 14 Kompagnien, welche in 4 Ba»
taillons eingetheilt sind. I m Felde ab« bestehet ein I n .
fantcrit Regiment nur aus den schon genannten 4 Vre»
nadicr < und 4 Mous<zuetier»Kompaani<n, welche alsdann
nur 2 Bataillons formieren, deren Staab au« 1 Oberst,
1 Oberst Lieutenant und > Major, der zugleich Landmajor
ist, besieht! letzterem ist noch 1 Aide-Major de Départe-
ment untergeordnet, der aber niemals ins Feld geht, son»
der« bestimmt ist, in Abwesenheit der Majoren, seinen
Posten bey Hause zu versehen.
Die alljährlichen Musterungen der Militz sind von
«icrfacherArt: Hauptmusterung! z» dieser kommt jedes»
mal i ganzes Bataillon: Vormusterungen und Schieß»
Musterungen, bey diesen erscheint nur; Bataillon ; und
endlich sind die Trüllmusterunge«, wo nur eine ge»
ringe Anzahl Volks zusammen kommt, um desto besser
unterrichtet werden zu können. Haupt » und Vormuste»
rungen; auch cin i^heil der Lrüllmusterung werden im
Frühjahr gehalten; der andere Theil der.Trüllmustc«
rung , auck die Schießmustcrungen geschehen im Herbst.
(Der Soldat erscheint nicht zwanzizmal im Jahr
beym Exerziren/ wie im itin Theil/ Seite 13? geschrie«
Ben ist; sondern die große Musterungen mitgerechnet tn
allem nur 7; mal. Nlmlich 1 Bataillons » Musterung,-
1 Vormustcrung / 1 Schießmusterung, 6 Trüllmusterun»
gen im Frühjahr, und 6 Trüllmufierungcn im Herbst).^
/ Vor« und Schicßmusterungen werden allein von dem
kandmajor ausgeschrieben, und unter ' feiner unmittel»
baren Aussicht gehalten; die Trüllmiisterungen werdelt
durch die Tritt » oder Exerziermeister besorgt, welche von
dem Landmajor ernennt werden/ und unter seiner dires«
ten Aufsicht stehen; die Trüllmeist« bekomme» eine
geringe jährlich« Besoldung, welche »on den Gemeinden
bestritten wird..-Die Hauptmusterungen werden vow
dem Kriegsrath (nach vorher deM^Landmajor abgeforder»
ten Project) bestimmt und ausgeschrieben. Bey diesen'
Musterungen allein sind die Staabsofficiers verbunden zu
erscheinen, wofür sie ab«/ so wie dfe'entlcqenen Haupte
lcute Taggclder beziehen. Erstere bekommen 3 Kronen'
(7; Batzen) letztere 2 Kronen (5° By.) per Tag. Der'
Major/ der zugleich Landmajor ist> hat eine jährliche'
bestimmte Besoldung. • <C '••'
Die Aufsicht üßer die Armatur u«d Möntu'r / ist dem
landmajor aufgetragen. An Ihn gelàngetr die von dem'••
Kriegsrath gemachten Verordnungen undAbinderungen 's
er bestraft die Unfieißigcn und Ungeßorsnmen; und refc^
riert directe an den Kriegsrath, üb« den bifindenden Fn«
stand und Conduite der Regimenter: Ihm »nüßcti MHW
lich von den Pfarrhcrnn, im Bezirk feines Regiments,
K5
genaue Listen der jMgen ,6 Jahr alte» Maonschaft,
der neu verehlichten, aus dem Land gezogenen und beim»
gekommenen, übergeben werden. Die jung« und wieder
aus fremden Dienste» heimgekommene Mannschaft,
wird an denVormusterungen, durch den Landmajor/ in
die Füsilier » Kompagnie » Rodel eingeschrieben ; diese
Füsilier » Kompagnien sind als der Depot anzusehen/ aus
welchen» alle andere Corps rekrulirt werden. Eine jede
Kompagnie hat, ihren besondern Rodel / welche aber alle
bey dem, Landmajor in Verwahrung liegen.
r,;:; Eine äusserst weise Verordnung ist es, daß kein Land,
mann von den Pfarrern kopuliert werden kann, er habe
denn vom Landmajor oder^rüllmeister, ein Certificat,
daß «r Montur und Armatur besitze. Dies zwingt das Volk
sich früher zu montieren als es sonst «geschehen würde.
u rD« Scharfschützen und J ä g e r bestehen gegen»
willig aus 2i Kompagnien. Ihre Uniform ist, ein
dunkelblau tuchner Rock, mit dunkelblauem Futter,
bimmelblaue» Aufschlage« ,• Ueberschlag oder Revers
und Kragen; Westen- und Hosen auch dunkelblau, wie
die übrige sämtliche Infanterie.
,;,• Die Uniform der Artillerie und Infanterie ist
dunkelblau, mit rothem Unterfutt«, rothem Kragen und
«ufschttgen ohne Revers; die Artillerie unterscheidet sich
von der Infanterie durck gelbe Knipse, Ermel und Auf»
schlüge à la Suédoise. Es sind jetzt, -3 Artillerie Komp.
die Komp. von 8Q Mann.
I m Feld erhält der Soldat taglich 4 Batzen an
Geld, ein und ein halb Pfund Brod und ein halb Pfund
Fleisch; ein zipeyt« Unterlieutenant, 13 Btz.üind ein und
«in halb Pf^H«cH! fin erster Untcrlieutenant 14Î Vtz. und
1' Pf. Brod^.ein Oberlicutenänt 16« Vtz. und i\ Pf.
Brod, ein Hauptmann 33 Btz.undL Pf.Brud. 24Pf. Heu
und 1 Mas Haber; ein Majorai Vtz. f\ Pf. Brod/6aPf.
Heu und «! MiS Haber; ein Oberstlieutenant 49 Btz.
?i Pf, Brod, 6c> Pf. Heu und 2! Mäs Haber ; ein Oberst
H\ Btz. 9 Pf. Brod, 72 Pf. Heu und 3 Mis Haber—
Die Jäger haben gleiche Besoldung; die Artillerie
aber hat etwas mehn ••.:: i.'.
l>»x. 13? 3,eile 19 im iten Theilstehetvon 3 über«
zähligen Bataillons; abersie.findnicht überzählici/ son»
dern ungerade Bataillons/ die wegen localumßanden
nicht, änderst konnten eingetheilt «erden. Sie find in
Ansehung, der Musterungen dm benachbarten Regimen»
lern angehängt. • - '"••• ;'vV/tuSC<?
I n , Kriegsrath sitzen 1) .Ihro Gnaden, der Her«
^Schultheiß so nicht am Amte ist/.oder der Alt «Schuld
heiß;,2) v i « Rathsherrn; '3) »cht Glieder de« große»
Raths. Letzte,«« sind gewöhnlich solche, die in 'äuswäl»
tigen Kriegsdieilsten gestanden sind. , .'"
., (Zu.Seite 14° des iteN Bandes). Die im vorig«»
Jahrhundert, von den Gemeinden des Landes zusammeir«
gelegten Reisgeldcr sind letzthin auf das Begehren det
Eigenthümer gegen .ntut Mün^forten von gleichem in«
nerlichen Werth ausgewechselt worden. Diese Sum«
me» sind nun von den Landschaften und Gemeinden ad
Sitte.gelegt/.tmb diese Zinse werden zu gemeinnützigen
meist militärischen Anstalten verwandte dock so, daß
immer ein Quart desselben zur ErspatuM eines neuen
Capitals zurückgelegt wird. Es muß' aifo jährlich i
procent zu Sammlung emes neuen Fondsin die Kriegs»
latbsschreiberey nach Bern gesandt werdem —'
siter Band S . 141.) Das Regiment von U7att«n»
wyl ist deswegen vom Staat im Sold behalten worden,
weil sowohl wegen dem Kriege der benachbarten Mächte,
«ls besonders zu VMütuna der Ausfuhr unsers Viehes
und Getreides, auf allen unseren Gränzen starke Polizey»
Wachten durchaus nöthig sind. Die Regierung hielt
diese Maasreael nicht nur für da« Land nützlicher als
wenn der Landmann feine Arbeiten verlassen und auf
tjese^GrHnzwachen ziehen müßte, sondern es würde auch
wegen den alsdann nothwendig oftern Ablösungen,
Märschen und Contremärschen für das öffentliche Aera»
rium kostbarer geworden, fenn, als wenn dieses schone
.und wohldiscirliniertc,, auch aus Vernein bestehende
Regiment im Solde -des Staats behalten würde.
>'.«Da es aber völlig gegen die Grundsätze der Ber>
Nischen Regierung ist, stehende £nippeit ,u halten, so
wird znvcrläßig, wenn endlich Ruh und Friede bey un«
^ r n Gränznachbarcn hergestellt senn werden, dieses
Regiment entweder in die Dienste irgend einer uns «er»
bündcten Wacht treten/ oder abgedankt werden.
- Da die Unruhen an dm Gränzen der Schweiz in den
Jahren i7yi und 93 stnndlich zunahmen j NN» der stan»
= = i6l 5S5»
zofifche Revolutionilfrieg ganz Europa zu erschüttern dro»
htte j so mußte auch die Wachsamkeit der Schweizer
verdoppelt werden. Unsre weise Regierung von Bern
hat mit eben so vieler Entschlossenheit als Weisheit sich
sehr thitig gezeigt. Eine Probe davon ist auch die im
Wintermonat 1792 im ganzen Danton ansgcschricbcne
Bewachung der Hochfeuer und aller Wackitbäuser zur
Bereitung eines'Landsturms. Diese merkwürdige Zeit»
cpoke verdient auck den spätern Enkeln Zun, Muster zu die«
«en, und da die Fremden davon keinen deutlichen Begriff
haben—was dieser National»Wehrstand bey uns für
eine Einrichtung habe/ so rücken wir die Publikation
die vom kleinen und großen Rath ergangen/ hiermit
wirtlich ein:
«Die Aufmerksamkeit, welche Wir stets auf alles
lichten / was Unsere getreue uud liebe Angehörige er»
leichtern kann, hat uns bewogen, die im Dienst stehen»
den liruprcn so weit zu vermindern, als es die Vor»
ficht und Wachsamkeit für die Ruhe uNd Sicherheit des
Vaterlandes erlauben wollte. Da aber ungcacht Unserer
wiederholten feycrlichstcn Erklärungen, die von der gan»
zen Eydgenoßschaft anerkennte Neutralität, auch Unsrer
Seits auf das genauste und sorgfältigste zu beobachten,
dennoch immer Gefahr vorhanden ist; so haben Wir,
fest entschlossen Unsre alte Verfassung, Unsre Religion,
Lande, Leute und Eigenthum, bis auf die schlechteste
Hütte, Unsrer Deutschen und Welschen Landschaften,
auf das äusserste zu vertheidigen, Unserer Landesräter«
lichen Pflicht zu seyn erachtet / folgende Anstalten durch
Unsern verordneten Kriegs * Rath anordnen zu lasse»/
und sie zum Verhalt Unsrer lieben und getreuen Bur» '
gern und Angehörigen durch den Druck bekannt zu ma»
chen: überzeugt, daß dieselben wie im Vergangenen, so
auch im Zukünftigen, für die Erhaltung des theuren
Vaterlandes, mit Uns Gut und V l u t aufzuopfcrn, im«
mer willig seyn werden.
, lkrstlich, wird alle Mannschaft, so in die M i l i z
«ingeschrieben ist, unter welchem Namen es feye, aus«
gefordert und gemahnt, sich zu einem stündlichen Auf»
bruch fertig zu halten.
Z w e i t e n s , sollen alle Wachtfeuer zugcrüstct und
bewachet werden, damit im Fall eines Angriff« der Land»
stürm alsbald ergchen tinuc.
Die betreffenden Gemeinden werden demnach die
Käuzen der ihnen zum Unterhalt obliegende» Wachtfeuer
ausrüsten, und so laden lassen , daß sie wenigstens eine
Gtillidc brennen tonnen. und die Wachtfeuer bewachen
lassen. Sie werden dafür treue und verständige Leute
wählen, doch nickt aus der ausgezogenen Mannschaft/
undsiewerden für ihre Treue verantwortlich seyn.
Diese Wacht soll, zu mehrerer Erleichterung, nur
aus 3 Mann bestehen, die mit ihrer Armatur versehen,
aber nur in ihrer gewöhnlichen Kleidung sind. Da aber
hie und da in den letzter» Zeiten diese Wachten «ach»
lißig und nicht ordentlich geschehen sind: so werden Un»
sere Amtleute, unter deren Befehl et!» Wachtfeuer steht,
in den nlchstgelcaenen D i l f e l n einen «erständigen und
thitigenVorgesetzten bestelle«/ der die Aufsicht üter diese
Wachtfeuer habe, darauf acht« daß die Wacht ihre
Pflicht tbue, zu den 4 Moldkllpfel! und 4 Steigraqueten
Oorg' traqe, und für letztere verantwortlich seye.
Das Holz, so zum Koclien und Heizung des Wachte
Hauses vonnitben ist, soll aus Unseren Waldungen an»
gewiesen werden; die Gemeindm werden aber die Fuh»
rung thun. • •"
Die Wackt soll fleißig auf die herumliegenden Wacht«
feuer durch die Dünkel schauen / um alsbald zu wissen
wenn sie in Brand stehen.
Sie soll ihr Wachtfeuer nicht anzünden, sie seye
dann vermittelst der Dünkel, und Wahrnehmung de«
übrigen Zeichen, versickert, daß diejenigen auf die da«
ihrige gerichtet ist, nicht unnützer « und unglücklicher
Weise angezündet worden seyen.
Diese Zeichen sind folaende: Bey £age wird ein
Rauchfeuer gemacht, und wenn selbiges bald abgebrannt
ist, di«4 Mordllsvfc nacheinander, v o n ; zw; Minuten,
loSgebrannt. Bey Nackt und Hellem Wetter wird das
Wächtfeuer angezündet, und d a n n , wenn dasselbige
verbrannt ist, die 4 Gteigraauetell ebenfalls von ; zu
; Minuten losgelassen. Bey Nacht und trübem Wet»
ter wird das Wachtfeuer angezündet, und die Mords töpf
v o n ; z u ; Minuten losgcbrannt.
Sobald nun eine Wache ihr Wachtfeuer angezündet
tot, so soll ein Mann v«n der Wacht alsbald dem nächst»
wohnenden Trüllmcister, oder in seiner Abwescuheit l«m
eisten Vorgesetzten davon die Anzeige t h u n , und von d«
weg alsbald zu Unserm Amtsmann des Orts gehen, um
ihm die gleiche Anzeige zu thun.
Die übrigen 2 Mann werden dann die Zeichen geben,
foie es oben angezeigt»und vorgeschrieben ist.
,,, Sobald nun der Trüllmcisier, oder der obbemeldte
Vorgesetzte in seiner Abwesenheit, die Anzeige von An»
zündung des Wachtfeuers hat, so wird er alsbald die
Glocke l ä u t e n , und durch die Tambours den Allarm
schlagen, auch durch die Feuerliuffer die nichstgelegc»
nen Dorfer aufmahnen lassen. Unsere Anitleute wer«
den dann desgleichen in ihrem ganzen Amt die Glocken
lauten und durch die Tambouren, den Lerm schlagen
lassen, und auch die nächstwohnenden Amtleute, in
deren Amt kein Wachtfeuer ist, aufmahnen, damit sie
bas gleiche thun.
D r i t t e n s , wenn nun die Wachtfeuer angezündet
sind, und der Landsturm durch Lautung der Glocken und
cZchlagung des Lermeus ergeht, so wird sich samtlicht
in die Miliz eingeschriebene Mannschaft, mit ihrer Mon»
kur, Armatur, ,-4 scharfen Patronen und dem Haber»
sack versehen, auf ihren Lrüllplatz begeben, daselbst sol»
le» sich auch alle Vorgesetzte einfinde» ; auch alles Fuhr»
wesen, so nach unten stehender Vorschrift gestellt wer»
den soll, soll dort erscheinen. Die so keine Habersacke
Haben, sollen anstatt dessen Sicke mitnehmen, worinn
sie i h n Nothwendigkeiten trag«« tonnen. An Kleidungs»
stücken
stücken werden sie nur das Nöthigste mitnehme«/ binge«
gen für 4 Tage Nahrungsmittel, welche ilMcn auf dem
Fuß von io fr. per Tag werden vergütet werden. Die
Fuhrleute werden auch für 4 Tage Nahrung für ihre
Pferde mitnehmen, die ihnen dann auch zu 1° BY.
per Tag werden vergütet werden.
Vom Trüllplatz soll alles was sich da befinden wird/
unter Anführung de« TrüllmeisterS/ wenn er aber ab«
wcfend ist/ unter Anführung des ältesten sich vorfinden»
den Ober» oder Unter » Officiers, auf den Allarmplatz
ihres Bezirks marschieren, und allda durch ihre Offi»
«iers in ihre Compagnien eingetheilt werden. Hie «
Füsiliers » Compagnien von 2 verbrüderten Bataillons
werden ein Bataillon ausmachen, das feinen besondern
Commandanten haben wird. Jedes Bataillon nimmt
bey seinem Abmarsch 2 Fahnen von seinen» Allarmplatz
mit. Die fernern Befehle über ihren Abmarsch wird
der commandirende Officier von Unserm verordneten
Kriege «Rath/ oder von denen Ober» Commandanten
Unsrer Truppen empfangen. Die ausgezogene Man»»
schaft wird immer zuerst marschieren. Kommt nun
der Befehl für ihren Abmarsch nicht alsbald, so bezie»
hen sie ihre Quartiere, die ihnen nach dem Befehl vom
»,ten September bestellt seyn sollen, und die Füsiliers
lehren in ihre Wohnungen zurück, von da sie ab«/
nach einigen Tagen, durch den Officier, den Uns«
Kriegs«Rath bestellt hat/ um si« zu «mmandiren,
Il< Theil. t :
wieder werden auf ihrem gleichen Allarmplatz versam«
melt werden.
Kommt aber der Befehl/ daß die ausgezogene Mann»
fchaft abmarschieren so««/ so beziehen alsdann die Fü-
siliers die für jene gemachten Quartiere bis aufweitern
Befehl. Damit nun dann auch sie Dienste leisten und
abmarschieren können, so soll durchaus das zur Infan-
terie bestimmte Fuhrwesen verdoppelt werden, da dann
das jetzo wirklich angelegte/ oder die erste HHlfte, für die
Füsiliers dienen wird. Darüber aus soll mit jedem Batail»
l o n , sowohl Auszüger als Füsiliers/ noch ein vierspän«
n i g « Wagen mitgehen / der zur Fuhr von Proviant
und allerhand andern Nothwendigkeiten bestimmt ist:
weil sich auf dem Weg und in der Gegend / wosichals«
dann die hiesigen Truppen zusammen ziehen werden,
wegen ihrer grossen Anzahl/ nicht Fuhrwesen genug zu
ihrem Behelf vorfinden kann.
Geben den 3°ten November 1792.

Kirchenordnung.
(Siehe den »ten Theil/ Seite 144-)
- Die neueste und vollständigste Ausgabe erschien 1745
in 4t». auf 124 Seiten/ unter dem Titel: prädikanten»
Ordnung des samtl. Ministern der deutschen S.an>
de der Stadt ver«. Der Inhalt ist folgender : i)Vom
Beruft der Prediger; ») Von dem Inhalt/ dir Form
und Gestalt der Predigten ; 3) Von den Predigten an
Sonn «und Feyertagen: 4) Von den Predigten an den
Werktagen: hier wird befohlen, daß ein Text au« dem
neuen Testament kurz und gemeinnützig paraphrastisck er»
klärt, und über das Vorgetruqene ein kurzes Eramen an»
gestellt «erde,- bey den leichenpredigten wird erinnert:
„die Leichenpredigten wollen wir vollkommen abgestellt
haben, weilsiein unsrer Hauptstadt selbst"nicht gebrauch»
lich sind, und dabey oft viel menschliches einstießet; "
5) Von den Kirchenlehrern und dem Examen der Alten:
6) Von dem Gebit und dem Kirchengesang; hier ist ins»
besondere der Artickel zu merken: «Es sollen auch die
Psalmen nicht der Ordnung nach abgesungen werden/
sondern das Gesang soll jederzeit nach der zu verhandeln»
den Materie eingerichtet, und der abzusingende Psalm
von dem Prediger von der Kanzel kund gethan werden,"
7) Von der Bedienung der heil. Bundessiegel, insbe»
sondere von der heil, staust! 8) Von dem beil. Abend»
mal ; 9) Von der Einsegnung der Ehe; hier stehet unter
andern: «Neben den Hochzeitscheine» soll der Verlobte
und Hochzeiter, so er unser Angehirige ist, von dem
Lrü llmeister seines Orts ein schriftliches Zeugniß vorwei»
fcn, daß er mit guter Kriegsmontur und Kleidung v«<
sehen sey, welche Scheine von dem Prediger verwahrlich
sollen aufbehalten werden, damit man im Fall dieselben
aufweisen könne : 1°) Von den Pflichten der Predig« bey
den Chorgerichten; 11) Von den Schulbesuchen: n ) V o n
Hauibesuchungen^ ,3) Von Besuchun« d « Krankeni
welcher ArticKl mit diesen Worten beschlossen wird:
«Wann die Prediger von eines Kran?cn Zustand Wissen»
fchaft haben / so sollen sie aud) unberufen hingeben,
und ihre Pflicht abstatten, damit nichts durch ihre Nach»
läßigkeit verwahrloset werde; ,, 14) Sßon Offenbarung
«erborgenir Verbrechen; iç) Vom Verhalten der Pre»
diger gegen die, welche irrige Lehren in der Kirche ans»
streuen; hier wird unter andern den Predigern die Klug»
Heitsregel gegeben: « I m Fall einer in irrigen Gedan»
ten, über unsre christliche Glaubenslehre stehet, diesel»
bigcn bey sich behalt, und sich von unsrer Kirche in allen
öffentlichen gotteSdienstlichen Pflichten nicht absondert:
sollen die Prediger einen solchen mit aller Sanftmutb
und mit überzeugenden Gründen aus Gottes Wort, den
Irrthum widerlegen, und den Irrenden, wo möglich,
wieder auf den rechten Weg führen, aber mit ihm Gc«
duld haben, und der Zeit erwarten, da Gott ihm das
Licht der Wahrheit aufgehen lasse;" 16) Von den Mich»
ten der Prediger bey den Kltchen»und Allmofcnrechnun»
gen; 1?) Von der Pflicht der Prediger, in welchen Fil»
len sie an uns oder an ein Departement der Regierung
schreiben sollen; 18) Wie sich ein Prediger zu verhalten
habe, wenn er sich in seiner Pfarr» Einnahme verkürzt
glaubt; 19) Von Erhaltung der Pfarrhauser : von Fristung
und Anbau der Landgüter. Hier folgen nun einige Spe»
cialvcrordnungcn für die Helfer; von ihrer Wahl und
ihren Amtspflichten; von den Kammern, ihrer ErwHh»
luilg und Nedi«n»»ö * von den Iekanen und ihren be»
sondern Pflichten: von den Kapiteln und dem Konvent;
diesen sind verschiedene Eidec>formulare beygefügt. 3-33.-
Forin des Eide« bey der Handauflegung zum Predigtamt.
Diese schwören, daßsiein der Lehre und in dem ilusser«
lichen Gottesdienst nach der Vorschrift der helvetischen
Koufeßio» sich verhalten, darüber wachen, und leine
dagegen streitende Meynunge» und Neuerunaen einführen
oder begünstigen wollen. Auch allen denjenigen, die sich
heimlich oder öffentlich solches zu thun unterstehen soll«'
ten, nach bestem Vermögen entgegen arbeiten, sie fleißig
und liebreich ermahnen, oder die Widerspinstigen gehi«
«gen Orts anzuzeigen, it.
Die Kirchenuerordnung für den franzosischen Antheil
tes Berner Kantons ist in vielen andern Absichten noch^.
merkwürdiger. Sie hatte, der Hauptsache nach, den be»
rühmten Elias Bertrand zum Vetfaffer. Unter ander«!
toleranten Einschränkungen und Erweiterungen kommt'
im 4ten Article! folgende Stelle «or: „Les Luthériens
qui souhaiteront communier avec nous, seront admis'
tomme frères, fans les engager à aucune déclaration de
leur croyance fur les articles où nous différons d'avec
,ux." . . :J •
Der Rirchenkonvent ist der Ratb für alles was.
dieReligionsverfassung angebet. Von hieraus geschehen
alle Vorträge für Räth und Vürger, wenn etwa« neues
oder besonders sich ereigmt, was die Religion und ihre
Lehrer betrift. Zu diesem Konvent «erden alle Predig«
1% .
der Stadt gezogen; der Präsident dabey ist der jedes»
malige Alt-Schultheiß der Republik.

Ehegerichtsordnung.
Mit der Kirchenordnung hingt auch die Ehegerichts»
Ordnung zusammen. Denn für gute Sitten soll auch
das Ehegericht mit der Geistlichkeit verbunden, gemein»
schaftlich wachen. Wenn die Eheftreitigkeiten überhand
nehmen / so ist das allemal eine Folge des turuS und
der »erinderten Mlllchenerziebung. Der Müssiggang,
die Moden und die zunehmende städtische Pracht unter
den niedern Stünden gehen in gleichem Schritt mit dem
zerstörten Eheglück.
, •„•! Auch vom Lande kommen die Ehescheidungen haust,
ger vor al« in vorigen Zeiten. Ehemals war es eine
Seltenheit/ jetzt gehört es zum ersten Bedürfniß/ »enn
m«ul die Leute nicht lebendig sich einander zu Tode mar»
t « n ' lassen will. ,
v! Von der vermiuderten Eltern » und Kinderliebe/
als» von de« schlechten Zucht entspringt viel Uebel«.
Hart und grausam gegen sein eigenes B l u t zu seyn /
ist vielfältig im Charakter d r Alten gegm die Iun»
get£;.!jtnb diese arten früh aus/ denn sie werden
nicht durch die Liebe an ihre Familie fest gebunden.
Die Ehegerichte bitten überall weniger zu t h u n , wen»
nicht Eigennutz und Lieblosigkeit zwischen Geschwister
und Eltern die jungen Eheleute chikanirten, und
bit Verschwendung nickt ihnen die Mittel raubte, billig
und wohlthätig gegen sie zu seyn.
Nack der neuesten Ebegerichtsordnung von 17W
heißt ti : «Falls die Eltern ihre Binder durch ver»
wcigerung einer billige» Chestener,. oder aus an»
der«Ursache«/ an einer ehrlichenHeyrath hindern
wollten; soll selbige nichts destoweniger ihren Fort»
gang habeil, und in diesem Falle / unserm tägli»
lichen Rath die Vestimmung einer solche» billige»
Ehesteuer überlassen seyn."
Eine Eheversprechung ist im Kanton ungültig/ wenn
von Eltern oder Verwandte» harte Drohungen/Schlige
«der Mißhandlungen angewandt werden; aber vor der
vollzogenen Heyrath muß solches bey de« rechte«
Stelle klagbar angebracht werden. Ist der Peyschlaf
erfolgt/ so hilft keine weitere Klage etwas/ «der es kom»
me eine neue Ursache zur Ehescheidung hinzu» ,:
Eine Eheversprechung ist ungültig, wenn eines der
Verlobten einen Erbschaden hat, eine ansteckende Krank»
hcit oder sonst ein geheimgehaltenes unheilbares Uebel.
Auch wenn während dem Eheversprechen eines, der Vex°<
lobten ein Glied verliert, und zum Erwerb seines B«d«
unfähig/ «der auf langt Zeit untüchtig wird.
Blödsinnige, die, ihres Verstandes nicht «echt Mei»
ster sind, sollen und dürfen nach dem natürlichen und
politischen Recht nicht heyrathen. Es geschehen aber
fteylich «ft Ausnahmen, und diese geben allemal böse
khen. ..„/
24
Di« älteste Ebeversprechung ist allein gültig. Ein
Betrüger der eine zweyte EheversvreÄiung thut/ wird
stark gebüßt. Auch ist die erste Person berechtiget ihr
Verlobniß zurück zu fordern/ wenn ihr die gehörige
Genugthuung vcrschaft worden.
Die Ehe mit katholischen Weibspersonen ist
gänzlich untersagt. Das Gesetz lautet: »Die Ehe mit
römisch » katholischen Weibspersonen bleibt in unsern
landen gänzlich verboten. Sollte aber jemand von un»
fern Bürgern oder Angehörigen sich ausser Unsern lande»
mit einer solchen Person ehelich einsegnen lassen, s»
soll er sein Vaterland samt allen daher inn » und ausser
Landes fiiissenden Genuß verwirkt haben; auch sein
habendes Gut zu Unfern obrigkeitlichen Handen confis»
eirt, er aber ine künftige in Unfern Landen etwas zu
erben unfähig seyn. " —
Eine Eheversprechung ist ungültig, wenn eine Witt»
tot sich vor verfluß eines J a h r s mit einem An»
der« einläßt.
Merkwürdig ist auch die Verordnung des Ebege»
richts./ welche allgemeiner bekannt seyn sollte: daß
«ämlich alle H u r e n , oder schaamlose Weibsbilder,
welche Geld für ihre Buhldienste nehmen, zum Staub-
besen verurtheilt und mit Schallenwerterarbeit bestraft
werden sollen. Und wer Hurengelder entdeckt, die den
Mannspersonen abgenommen worden , dem soll da«
Recht gehalten werden, daß er diese bey der Hure her»
«uSfordern darf. Man heißt es Vrandschatzunge«,
wenn unzüchtige Weib« und Dirnen unter allerley
Drohungen von denen die mit ihnen heimlichen Um»
gang gepflogen haben/Hurengeld er zu erpressen suchen.
Und eben diese Vrandschayungen werden hoch gestraft.
Eine Dirne, die geschwHngert worden, ruft das
ehegericht zur Schützling des Rechts auf die Erhaltung
des Kindes vom Vater an; der Vater übernimmt die
Gtrafe und die Gerichtskosten; 6 Rronett zahlt er an
die Mutter als Ammenlohn, für die ersten 6 Monate
nach der Geburt des Kindes. Hernach sorgt der Vater
fur des Kindes Unterkommen selbst, oder wenn er ar«
ist/ wird auch die Mutter zur Erhaltung mit angehalte».
Auf den Ehebruch war in Hltern Zeiten die Todes»
strafe in Bern gesetzt. Wer heut zu Tag eines Eb>
bruchs überwiesen ist, soll alle Aemter verlieren und zu
langer GcfHlignißiirafe vcrurtheilt seyn. — Wird die
Frau oder der Mann toll, so kann eine Ehescheidung
vor sich gehen. — Auch auf Ehebruch und Unvermögen«
heil zur ehelichen Pflicht kann die Scheidung folge».
Es heißt in der Beschreibung von Bern (Ner Band,
Seite 119): „Rein Gesetz schreibe den Vätern v«r,
ihre Rinder auszusteuern. Nach der neuen obrig«
Zeitlichen Verordnung aber soll ein Vater, seine»
Majorengewordenen Rindern, eine ziemliche Ehe»
steuer geben, wenn sie sich verheyrathe». "
Bey Hochzeiten werden wenig Nmstinde gemacht.
Wenn man wegen der Eheversprechung in Ordnung ist;
so holt man beym Ehegericht einen Chorzettel, ttiftt
ti
«ufs Land, lä<!t sich kopulireN/ zahlt dem PltdigtlSO
bis 60 Batzen für seine Bemühung; hält eine Mittags«
Mahlzeit mit ein paar Freunden, und lehrt sodann in die
Stadt zurück. Das Hauswesen fHngt an; und jede«
geht seinen Gescniften nach. I n Deutschland wird
dieser Schritt etwas ernstlicher behandelt. Man macht
lange Vorbereitungen zur Einrichtung der Haushaltung
und der Ehestcuer. I n der Schweiz denkt man wohl, be»
sonders im Kanton, Bern, über diesen Articlel leichtsin»
Niger, als es zur Zufriedenheit im künftigen ehelichen
Heben gut ist. Viele Ebcstrcitigkcitm, Betrug de»
Schwiegereltern gegen die neu Verehelichten, und
schlechte Harmonie, nehmenBON daher ihren ersten, her» ,
nach fast unauslöschlichen Brennstoff. ,.^

Das Gymnasium oder die Akademie:


(Man sehe iten Band, Seite ,5.)
Die Schulen der Stadt haben reicke Güter • Stif»
Jungen aus den Zeiten der Voriltern. Aus diesem Fond
werdend« Schulgebiude unterhalten, wo mehre« Pro»
fcssoren freye Wohnung haben; und in einzelnen Jim»
nicni werden 36 Studiosi oder junge Kandidaten loairt
lind gespeist. — 20 wohnen im sogenannten Kloster,
16 auf der Schule. Die Stidt« Thu»», Zofinge»,
Brück haben für ihre Bürgersohne », Pliye anzuspre»
che«. Welches Beneficium ihnen im Jahr 1610 zuge*
standen worden / da vormals jeder dieser Ort« nnr 2
Freyplitze hatte.
Eden diese Akademische Stiftung zahlt auch zuwei<
len Stipendia für fleißige und wenig bemittelte Alade.
misten um fremde Universititen zu besuchen. Die Sum«
me betragt für einen Stipendiaten 4<x>Rrone,l ; deutsch
Geld fast 600 Gulden.
Die Familien Frisching / Darelhoffer / TiNier
haben ebenfalls Stipendia ausgesetzt für reisende junge
Gelehrte au« dem Lande.
Der Schulrath bewilliget ein Stipendium für die
Beziehung der Lausänner Akademie. Ein StudiosuS
von B e r n , der dahin geschickt wird, bleibt: Jahre da>
selbst; er muß sich in der französischen Sprache und ©«<
lehrsamkeit eine gewisse Fertigkeit erwerben, und hält
bey seiner Zurückkunft eine französische Prob-Predigt.
Wirklich ist man nach einem von Herrn Professor
I t h entworfenen • Plane beschäftiget, der Akademie,
welche seit ihrer Entstehung ihre uralte Mönchsgestalt
behalten hat, zweckmäßiger einzurichte», und dabey auf
die moralische Bildung künstiger Volkslehrer und Secl«
sorger besser Rücksicht zu nehmen, und lieber etwas ucn
der Schulgelehrsamkeit und zwcyzün«igen Disputierkunst
zurückzulassen, als es an dem Wesentlichsten der wah.
rcn Predigerwüide fehlen zu lassen, — welche da ist:
ein vorzüglicher Mensch und guter Christ' zu seyn. Die
Hauptveränderung dürfte also darinn bestehen, daß bey der
nächsten Erledigung eines Theologischcn Catheders der
»olemische Lehrstuhl abgeschaft, statt dessen ein TVo-
logus practicus angestellt werde / welcher Katechetik,
Homiletik und Pastoralklugheit lehren könne. Der
zweyte Theologus theoreticus würde sodann Dogmatil,
Moraltheologie, Kirchenhistorie, nebst Widerlegung der
vornehmsten Irrthümer behandeln. Beyde Theologen
sollen künftig wöchentlich 6 Collegia, statt wie bisher
nur drey haben. Folglich wird dem hebräischen Pro»
sessor die Katechetik abgenommen. Jetzt Hai der »hiloso»
vlnsche Lehrer bereits dem mathematischen die Physik
übergeben ; dafür unterrichtet er seine Zuhörer in der Mo»
tal'Philosophie / welche sonst dem griechischen Catheder
nur neben bey angehängt war. Schon ist dieser Ver«
besserungs » Plan vom Schulrath genehmiget worden/
und ohne Zweifel wird er die obrigkeitliche Sanktion er«
halten. Denn es fehlt warlich nicht an dem gute»
Willen der Regierung, wo sie wahrhaft nützliche Wer»
besserungen bestätigen kann. S o wte der große Aufwand
an Geld und Prämien, die sie seit den letzten 10 Jahre»
diesen Schulen gewidmet hat, in den Wirkungen doch
endlich auch sichtbar werden müssen.
Der Schulrath bestehet aus einem venner oder
Seckelmeister als Präsidenten, aus 3 Rathsherrn, au«
dem Dekan, ferner den beyden Pfarrherrn im Münster:
8 Professoren die an der Akademie Lehr« sind; und *
Herrn des großen Raths. —
Dieser Schulrath veranstaltet alle neue Einrichtun»^
M i n d e r Lehrform; vor ihm stellen sich alle, die ein
Lehramt suchen in der Hauptstadt; dieser Schulrath
prüft die Disputanten, welche den Professorarad und
Velphnlingen erwarten; er besetzt auch die lateinischen
Schuldienste in den Municipalstädten; er theilt S t i -
pendia aus. — Er hat einen eigenen Fond , um die
nöthigen Bücher anzuschaffen, wie auch die täglichen
Ausgaben in allen Vorfällen zu bestreiten. —
Für die Lansänner Akademie ist eine eigene Com-
Mission in Bern »niedergesetzt. Sie bestehet aus 4Raths»
Herrn/ die fick die Ausnahme und gute Fortdauer die»
ftralt» berühmten Schule sollen angelegen seyn lassen.
Die Hauptangelegenhcit aber kommt vor den Schul»
rath.
I n den Schulen der Berner Munizipalstadte welch«
ihre Studierende nach Bern auf die Akademie senden,
nimmt die Liebe zum Studiren auch merklich ab. Nach
sickern Berichten die wir erst kürzlich mit allem Fleiß
eingezogen, hat der lateinische Schulmeister in Zofi»»
gen in den 2 ersten Klassen keinen Knaben; in der Zten
Klasse sind l 1, von denen nur einer gewiß dem geistlichen
Stand gewidmet ist; in Arau hat der lateinische Schul»
meister in der ganzen Schule nur einen Knaben; in
Lenzburg ;, von denen einer, und in V r u g 8, von do>
ncn vielleicht einer dem Kirchendienst gewidmet wird.
Ueberhaupt nimmt die Zahl der Kandidaten des Predigt»
amtS stark ab; die Ursachen suche man selbst auf. Wir
zählen eine der hauptsächlichsten in dem steigenden Han»
»elSgeiste, und in der fast start zugenommenen Terina»
I

schitzung des geistlichen Standes durch mehlcre unwül»


dige Glieder.

Die Landschulen.
A» den Landschulen fehlts ! Iln btn Landschu«
ICH fehlt« ! Das ist auch die Quelle aller Unordnungen
die nach und nach auf den Dörfern einreißen; die uns
hartherzige, unempfindliche, geizige Bauern verschaffen !
wir fühlen in den Städten den Druck der Bauern: und
wir sehen auch wie ihre Prozcßsuckt, ihre Ungebunden»
seit, ihre rohe Unwissenheit in vielen Gegenden unsers
sonst so gesegneten Landes — Elend und Armuth er«
zeugen.
I n unserm Kanton entstehen so viele Streitigkeiten
und Händel und große Weitlauftigkeiten, weil viele
Bauern nicht schreiben und lesen können l die wichtig«
sten Vertrage machen sie nnr aufs Wort hin aus, und
lassen sie selten in der rechten Ordnung schriftlich ver.
fassen, oder sie werden sonst betrogen ans Unkennt»
niß. Die Obrigkeit thut gewiß alles mögliche um
auch diesen Flecken vom Land zu vertilgen, aber man
weiß nicht wie es kommt, daß bey allen vorgeschlagenen
Verbesserungen doch kein Segen ist, und alle« beym
Alten bleibt. Geld herschießcn, das tbuts nicht allein —
man muß auch kehrer haben, die ein großes Gefühl
für diesen wichtigen Gegenstand haben'. Und daran
fehlts l Eine reiche Quelle vieler Prozesse würde vcr»
stopft/ wenn der Baueljunge besser unterrichtet IÏ.ÎK.
Wenn er Klugheit und einige Wissenschaften von den
nöthigen Kenntnissen des bürgerlichen Lebens Hütte.
Das beste Kapital das die Obrigkeit und die G<»
meinden anlegen tonnen / ist die bessere Erziehung ihrer
Ungehörigen. Nichts sind lie Menschen werth, durch-
aus nichts — wenn sie niclit gut erzogen, gesittet/ ver»
ständig sind. Man braucht eben keine Vielwisser und
Klügler zu machen, aber umgängliche, vernünftig«,
raifonable Menschen sollten sie doch alle seyn; — dabey
wird es Stadt und land/ Obere und Untergebene zu
genießen haben / denn nur bey solchen Menschen wird
man seines Lebens froh und sicher.
Ich weiß viele Fälle, daß wenn ein kandpredig«
feine guten Zwecke mit den Landschulen hat ausführen
wollen, er an der Regierung eine kräftige Aufmunterung
und thätige Unterstützung fand. Oftmals brachte man
in Vorschlag, das Einkommen des Schulmeisters zu
verbessern: die Gemeinden thaten etwas, aber n o c h » «
es nicht hinlänglich, den Arbeitsfluß eines redlichen
Arbeiters würdig zu belohnen. E« ward nach Bern
berichtet; und gleich bewilligte die Obrigkeit aus ihren
Mitteln 60 bis t,o Rronen Zulage! Und dergleichen
Beyspiele sind so viele: Aber was hilftS Geld geben,
wenn der Eifer von selbst bey denen geschwind wieder
erkaltet, die zuerst eine Verbesserung in Vorschlag brach«
t m , und da« geschiehet leider! bey uns tagtäglich.
Es giebt Landschule,, wo oft hundert und hundert
fünfzig Kinder zusammen kommen. Wie ungesund muß
das. seyn, und wie wenig kann ein einziger Schulmeister
bey einem solchen Haufen auslichten! Man nehme
noch die schlechte Wohnung dazu, wie eng die Kinder
sitzen; wie unnatürlich stark im Winter eingeheitzt wird,
«nd dann gehen diese Kinder oft eine halbe Stunde
weit nach Hause. Dies alles zusammen macht die Land»
schulen eher zum Unscgen als zum Segen für die Ge»
• meinden. — Zehn bis fünfzehn Kronen ist der gewöhn«
liche Lax, wofür der arme Schulmeister alle Tage 4,
bis 5 Stunden den ganzen Winter durch lehren soll:
Man denke/ was das für eine Aufmunterung giebt/ ob
der mürrische schwindsüchtige Man» mit gutem ftohen
Herzen einer solchen Gemeinde und ihren Kindern dienen
kann: Welch einen bösen Eindruck macht aber ein miß»
vergnügter Lehrer auf seine Lehrlinge!
Einige wenige Gemeinden, die eine vernünftige
Entschließung genommen haben, geben jedoch bis auf
«0 Kronen an Geld und viele andere Vortheile für
Holz und Speisen. Auch hat die Obrigkeit, wie schon
, «innert worden, auf Vorstellung hin — mit einer reich»
lichen Beysteuer diese Anstalten unterstützt, wenn man
nur siehet, daß es den Leuten Ernst ist. — Aber man
sollte doch auch nicht alles der Regierung zumuthen!
Die Gemeinden könnten und sollten mebr thun; es ist
ja ihr eigener Gewinn wenn sie brafe Leute in ihrem
Dorfe erziehen. Sic haben es am Armengut wieder zu
genießen,
genießen, denn da mir nimmt Betteley zu, no Nnwls»
senheit/ Trägheit/ Bosheit anwächst.
I n Landschulen kann es freylich nicht wohl anders
seyn, es müssen Kleine und Große, Wissende und Unwis»
sende neben einander in das Schulhaue kommen; aber dt«
Abtheilung sollte man doch mit den Stuben machen,
daß die Aeltesten ruhig schreiben und rechnen konnte«/
indessen die Jüngern in einer andern Stube Buchstabiere«
und Lesen. Stille/ Ruht/ Elnqezogenheit/ das müsse«
die Kinder voraus lernen / und ist wichtiger als allis
andere. Auch sollte der Prediger vom Dorf» gewöhn«
lich die Schule der Großem besuchen/ so oft er nur
könnte. Durch solche gemeinschaftliche Bemühung de«
Schulmeisters und Landpredigers, würde gewiß bald ei«
merklicher Nutzen verspürt werden. Aber ja nur nicht
wie es gewöhnlich gehet, daß man im Anfang eifrig/
im Fortgang lau/ «nd zuletzt ganz gleichgültig werde:
Dies ist der Fall schon so oft mit unsern Stadt» «Nd
Landschulen gewesen; daher sollte jedes Kapitel, »dir
jede Synode, allemal sich «in den Fortgang der Schule«
bey jeder Versammlung ernstlich befrage«/ und stets
neue Ermunterungen geben, so wie sich auch die Regit»
rung alljihrig einen Beucht vom Wachsthum und
Fortgang der Schulen sollte abstatten lassen.
Daß sehr viele alte Landschullehrer durch kein Qu
minarium gebessert werden können, ist augenscheinlich.
Die Leute sind gemeiniglich schon zu ««biegsam, und
lassen von ihten Gewohnheiten nicht ad. «la« sollt«
II. Iheil. M
ober auch leine ganz junge Leute dazu wähle»/ sondern
in den Städten wohl erzogene Söhne von den Annen
des Landes, die mit guten Fähigkeiten degabt und guter
gesitteter Aufführung sind: diese konnte man damit »er*
sorgen; und sie lassen sich auch einen mühsamen und
wenig einträglichen Posten lieber gefallen als der Bauer,
der sonst zu lebe» hat. Die Schullchrer sollten gewählt
werde«/ wie die Pfarrern und Ehre und Achtung muß
ihnen gleich nach dem Prediger zukommen, so wie der
Schulmeister auch iu der Abwesenheit des Predigers
durch vorlesen in der Kirche seine Stelle vertreten
könnte. Solche Schullchrer scheinen mir dem Land so
nützlich als der geistliche Stand selbst: denn der letzter«
wird erst durch die Zusammenwirlung der Schulen mit
denKilcheu recht gemeinnützig. Sonst dreschen die Pre«
dige« warlich nur leeres Stroh.
D a aber im Bernkanton nicht wie in Deutschland
die Dörfer zusammengebaut sind, sondern die Häuser
so weit auseinander zerstreut stehen, so macht dies frey»
lich mehr Schwierigkeiten als in keinem andern lande.
Auch dafür müßte man die schicklichsten Einrichtungen
treffen/ daß das Echulhaus an einem bequemen O r t
stehe, wo der Zugang am wenigsten beschwerlich und
der Weg am besten unterhalten sey. I n den ganz rauhen
ldagen kann ja das Schulhaus geschlossen bleiben, und
man fange das Schulgehcn desto früher an. Wie schön
wäre es/ wenn man im Kanton Bern an den Land«
strassen wo jetzt die Kornhäustl so herzerfreulich in die
»ugen fallen, auch nahe dabey kleine niedlich gebaut^
©chulhius« «blickte: 'Wie würde das Vaterland die
Stifter segnen, und einen neuen Bewciß der Wohlthat
«in« guten Regierung dankbar empfinden müssen:
Um diese Anstalten desto feyerlicher zu machen,
könnte man das Haus mit Bäumen umüflanzen; alle
Frühjahr den Kind«n beyn» Examen ein Fest geben, wo»
bey die Eltern und die Gemeindsvorsteh«/ auch d «
'Herr Landvogt Zeuge seyn sollten.
D i e S i t t e » der Bauern sanfter und edler z »
machen/ das muß der Hauptzweck seyn. «Auch der
Vauer ist zu gewissen wohlanständigen-Sitten ss
unaufgelegt nicht/ als man wohl denkt; und es gtteicht
einem Lande sehr zur Empfehlung/ wenn man auch bey
ihm WohlanftHndigkeit findet. Die Schule wlre da«
Mittel dazu. Man dürfte ja nur die Kinder daran ge»
wohn«!! / daß sie ordentlich und anständig redeten; an»
ständig und reinlich, so viel sich es nur immer thun
ließe, sich kleideten; laß sie höflich nach i h r « Art sich
bezeigten gegen jeden, und auch Gefälligkeiten sich u n t «
einander bewiesen, wo sie sinnt««. Besonders sollten
sie sobald sie i n die Schule hineintreten, den Hut odt«
die Kappe abziehen, dun Schullehrer die Hand reichen,
«nd erst wenn ersiegegrüßt hat, könnten sie wieber dat
Haupt bedecken und an ihren Play sich setzen. Eben
so sollten sie wenn sie aus der Schule gehen mit «6g««
zogenem Hut od« Kappe das Adieu sage». I n d «
Kirchen sollen si« » » mit bedeckten, K»»f hineingehen;
nicht reden/ nicht plump mit den Füssen auftreten/
auch wenn sie" unter dem Gebet kommen / sollen sie an
der Thür, stehe» bleiben und warten bis die Gemeinde
sich setzt. — Wäre aber an einem Ort schon eine ganz
verwilderte Jugend, so müßte man strengere Mittel ge»
brauchen; keine Bosheit erlauben/ und lieber alles
wagen als dem Eigensinn nachgeben. WaS man aber
mit Liebe ausrichte» kanu, muß mau nicht mit Affekt
lind Bitterkeit suchen und mit Trotz erzwingen.
: -, Zum Schullehrcr gehört darum ein durchaus sanfter
und guter Mann. Er lehrt mit seinem Erempel mehr als
mit den Worten: dieKinder und die Gemeinden müßen
ihn liebe» können. J a keinen Egoisten/ ja keinenPrah»
1er, ia leinen Zornige», ja keinen Säufer: Ei» mich?
teincr,,bescheidener / nicht viel'wissender / aber ein
simpler/. Hercchter guter Mann ist weitaus der Beste l
., i Man forge für gute Bücher. Hie besten Schulbücher
für diesen Unterricht waren : Seiler« Religion der Un»
mnndigen; Nschows 2Undersreu!ll> : Feddersen« Le«
Ken I e s u : GeUerts Vden und ©edetv Auch Göye
nnylichey Allerley wäre ein gutes Buch zum Vorlesen in
Schulen. Vabe» könnte man e» bewenden lassen : bin»
gegen, sollten die Lehrer nach Bcvero Aatechetik dil
Religio» unterrichten; die Hauptlehren des Christen?
thum« aber sollten aufzwcy großen Tafeln in kurzen Ab»
Men in der Schulstube aufgezeichnet stehen. Man könnte
das Bild Christ: in einer edlen Gestalt gemahlt dahin
stellen; wo er, mit dem Zeigefinger auf folgende Worte
hinweist-' .« i i
Im« Beyspiel: — Christus sagt: Liebe deinen Nach«
- ilen als dich selbst.
Selig sind die Sanftlnüthige!» / denn sie werden
da» Himmelreich empfange».
Selig sind die reines Herzens sind, den» sie wer«
den Gott schauen.
Ich bin-gekommen die Sünder selig zu machen,
durch den Glauben und durch die Liebe.
Folget mir nach.
Ich bin der w e g , die Wahrheit und das Leben,
wer an mich glaubet/ und meinen Worten
getreu bleibet, der wird den Tod nicht sehen
ewiglich. —
Ob du gleich stirbst, so lebt doch dein Geist in
Gott fort,
vergebet — so wird euch auch vergeben,
vergeltet Böses mit Gutem,
wer seinen Nächsten nicht liebet, den er siehet,
wie tan» er Gott lieben den er nicht siehet?

Wenn man einen kurzen deutlichen Inbegriff d «


Landesrechte und der Pflichten de« Menschen in der
iürqerlichen Gesellschaft drucken lassen wollte, sie im
Lande austheilte: so würden auch viele Verbrechen und
Uebel, die aus Mangel besserer Einsicht entstehen, ««»
terbleibcn. Auch sollte dies ein Lesebuch in den Schu»
len seyn.
Bessere M e l o d i e » , und ein frohmüthigere»
M 3
herzlicheres Gesangbuch, wette auch zur Charakter«
besscrung anzurathcn.
Daß der Heidelberger Ratechißmus noch in Schu»
len gebraucht w i r d , hat manches bittere Urtheil vcran«
laßt. Die Sache ist jedoch nicht so arg als sie scheint.
Die Lehrer sollen das Formular nicht brauchen um sich
pedantisch an den Buchstaben zu binden; sonder«/ wen»
sie ein wenig uernünftig zu unterrichten wisse»/ so be»
nutzen sie die Gelegenheit, das Alte mit dem Neuen zu
trliutern : die Wahrheit desto heller ins Licht zu stellen.
Gar zu harte Ausdrücke aber lißt der Lehrer niemals
«uswendig lernen. Der Heidelberger Katechißmus hin»
dert also so wenig/ wie eine alte Grammatik, daß eine
gute, klare, einleuchtende Methode doch dabey in Uebung
kommen kann: Die Hauptsachen müssen sich doch in
jedem solchen Lehrbuch finden, und der Heidelberg«
KateÄiißmuö hat seine alten guten Freunde die sich da»
be» als rechtschaffene Männer gebildet haben, und die
man schonen muß. Die competicrlichcn Richter über
diese Sachen, sind diejenigen, denen es um wahrhafte«
Lrost im Leben und Sterben zu thun ist, und denen die
Bildung des Herzens mit der Aufklärung des Verstan»
des gleich wichtig ist.
„Sonst: aber taugt auch de« beste Leitfaden für de»
«achlaßigcn Lehrer nichts, und der Treue wird gewiß
bey jedem anbringen, was die andern etwa Gutes ent»
baltcn, so daß wir bey dem Heidelberger Katechißmus
doch nicht übel fahren. Die Kenntniß der römischen
Lehrsätze ist g « trient unnothig, wenn man ihre Prose»
litenmacherey bedenkt / und daß wir neben einander
wohnen. Kennen und hassen sind zweyerlcy: letzterm
wird jeder, vorsichtige Lehrer besonders auch wegen de»
Verhältnissen gegen unsre Vundigenossen / mit aller
Gorgfall vorbeugen. "
Diese letztere Stelle ziehe ich auseinem Vchrei«
ben eines Bernischcn tandgeifilichen, da er sich gegen
den Ausdruck in der Beschreibung von Bern ite«
Band / Seite 157 erklärt hat. Er fügt noch hinzu:
»daß der Religionsunterricht in dem simpel« Auswen»
diglemen des Heidelberger Katechißmns bestehe, ist
ganz ungegründet. Man macht freylich in niedern
Schule» davon diesen Gebrauch, aber doch fangen die
Lehrer Überallan, nebenbey auch Unterricht im Denken
gebe»«. Doch dies freylich/ wie leicht z» erachten/ noch
sehr mangelhaft/ d« die Dorfschnlmeister «ine schlechte
Besoldung haben, und allerley Hindernisse in Weg trete«/
die fast weniger nicht/ als eine glnzliche Reformation
dieses Standes erforderten. Wobey aber auch die Herren
Prediger auf dem lande mehr in Thätigkeit kommen
müßten. "
»Daß man/ wie Seite 1,8 behauptet wird/ der Verbesse»
«mg und den guten Absichten entgegen arbeite/ ist fehl
selten, und wo es je etwa geschiebt, da sind besondere
Umstände die Ursache. Wer Gutes thun will — kann es —
wen« er e« nur ernstlich und auf die rechte Art an»
fängt. Er muß «h« auch nicht alle« vo« der Obrigkeit
$4
und durch Zwanggesctze erwarten, oder wie viele land«
Prediger zur Entschuldizung ihrer »erkehrten oder einmal
mißlungenen Versuche die Schuld damit gerne von sich
ttilzten. "
O , wie viel Gutes könnte noch auf dem lande ge<
fchchen, wenn man auch nur Halbwegs die Mittel ge«
brauchen wollte / die wir in Händen haben : Was ist doch
edler als ein empfindsamer, gutfühlender/ wohlgebilde»,
ter Mensch: Wie lebt man noch einmal so froh bey fol»
che« Leuten/ als bey den mürrische«/ hartherzigen/
geistlosen, an moralischen Gefühlen ganz armm und
todten Wenschenfiguren ! Gottlob daß wir auch in unserm
Kanton unter den Bauern noch sehr edle vortreffliche
Menschen zahlen können/ aber sie sind selten/ und sie
klaqcn am ersten über den jetzigen Verfall der Erziehung
und über die großen Vernachlißigungen der Jungen,
sie zürnen über ihre unglaubliche Gleichgültigkeit gegen
alte gut« Anstalten.
Wenn die neue Einrichtung in dem Berner Gymna»
si um zu Stande kommt, wovon oben, (Seite 17;) Mel»
düng geschehen/ so ist zu hoffen, daß auch dieses eine
beilsame Wirkung auf die Gemeinden hervorbringen
werde, und was durch keine noch so gute Vorschrif»
ten oder Mandate ausgeführt werden kann/ das muß man
allein von gut gebildeten Landgeistlichen erwarten/ die
selbst innigst ihre moralische Bestimmung fühlen und
in der Erfüllung ihrer Pflichten den größten Theil ihres
Vergnügens suchen. Sie können auch allein am JHÄ«
tigsten dabey wirken, weil sie die Nächsten dabey sind,
und dem Laudprediger ist ja die Aufsicht üb« die Ge»
meinie überlassen: folglich tonnen sie im Namen der
Regierung mehr als jeder andere Mensch im Staat c«
endlich zur Ausführung bringen, was.alle wahre Freun»
de der Tugend so lange schon wünschen. —
Dan» wird bey der Regierung neuer Muth wachse«
auch diese Landschulen zu solder». Und was Herr Professor
I t l ) in seinem neuen schätzbaren Werke der Antropol«»
gie des Menschen von den Stadtschulen rühmt: ,,Un»
sere gnädige Regierung hat durch ihre weise Thä»
tigkeit für da« Erziehuogswesen einige Zeit her so.
unendlich viel gethan; — das wird man auch getrost
für das Land hoffen dürfen:

Vcyspiel einer Schulverbesstrung i n der Lenk.


M i t den, innigsten Vergnügen geben wir folgende
Scliildelung von einem würdigen tandgeistlichen aus
dem Kanton, der es durch Eifer dahin gebracht hat,
feine Scnulen merklich zu verbessern. Herr Pfarrer
Lauterburg in der Lenk ist dieser edle Menschenfreund;
und er redet in folgenden Worten ' ) :
»Entweder ist der Schulmeister ein etwas bemittelte«
Mann, und dann nimmt er eine Schule a n , nur daß

*) Si«!,» bie «riefe liber dl, Schwärme»«, lrn Kant«, tc


Veite 179.
M 5
er sich «inen Nebenverdieft «werbe. Neben derselben
bat er seine häuslichen Gcfchûfte, die ihm keine Zeit
übli'i lassen, welche er zum Lesen und Studieren über
die zweckmäßigere Fühlulu, seines Dienstes anwnlden
könnte. Zumal feine Besoldung es nicht ertrage» mag,
daß er seine Hausgescbäfte durch Andere verrichten lasse»
Diese müütc er bezahlen, «nd wie selten ist die Liebe
zum allgemeinen Besten, und die Begierde zur Beför«
derung desselben, roa* man immer könne beyzutragen?
ja daß mau etwas darfür aufopfern möchte?
Oder es ist ein Armer, der den Schuldienst ange«
nomine», und der würde »erhungern müssen, wenn er
nicht neben der Schule seine Zeit zu solchen Arbeite»
und Beschäftigungen nutzte, wodurch «soviel verdicncn
konnte, seinen Leib zu nahm» und zu kleide», mehr als
daß er seinen Geist zu nützlicher Besorgung seines Schul«
dienstcs aufklare« möchte.
Wie ein grosses Hinderniß in der Verbesserung des
Selxilwesens die schleckte Besoldung sey, und was
durch Vermehrung de« Soldes tonne gewönnen werden,
d«s zeigt mir die eigene Erfahrung bey meiner jetzigen
Gemeinde.
Es sind in derselben fünf Schulen- Zu wenig für
ihre Weirläufigktit und Größe. I n die gröste sollte»
immer 90 bis 100 Kinder kommen. Der Schulmeister
Derselben hatte bis zum porigen Iabre iy Krone» Be»
foldung, und kann die Schule im Gemcind. Schulbaus
balte». Di« Andern hatten i* bis 14 Kronen, und
»nüßen ihr« eigene Hiuser zum Schulhalten hergebe«)
oder Andere auf ihre Unkosten miethen. Für diesen so .
geringen Sold halten sie 16 bls 20 Woche» taglich 4
und ç Stunden hie Schule.
Ich wollte bald, als ich zur Gemeinde kam, einige
Aenderungen in der Methode des Unterrichtes einführen:
denn es war mir ärgerlich, wenn ich in den Schulde»
füchungm hier einige Kinder am A. B . C . und Buchst««
bicrm nagen, dort andere im Lese«/ andere im Schrei»
»en, andere im Gesang sich übe«/ andere Auswendig
lernen sehen und hiren mußte / und wie das Eine hier,
das Andere dort den Schulmeister um Hilfe anrufte.
Allemal dacht ich, welch ein Babcl: Doch sollte die
Schule der Ort seyn, wo die Jugend zur Ordnung an»
geführt und gewöhnet werden soll. Ich fieng an,
in jede Schule eine Labelle zu geb:«, wie ich gewünscht
hätte, daß die Stunden zu jeder Art des Unterrichts
abgetheilt und angewandt würden. Da« einige Neue/
was ich einfühlen wollte, war eine Leseübung, für
welche 2 Stunden in der Woche sollrcn gewidmet «er»
den. Man sollte auö Millers biblischen Geschichten a
oder 3 Kinder eine Geschichte d»utlich vorlesen lassen«
sodann sollte der Schulmeister andere fragen: was sie
von derselben behalten, und als wichtig bemerkt hätten t
Ich trieb in jeder Schule diese Uebung einige male
selbst: um ein Beyspiel zu geben, wie mau die Kinder
<rnf das führen müsse, was sie sich hauptsächlich zu be,
merken hätte«. Man fieng mit Beydem a«,, trieb's f«
ziemlich genau einen Winter hindurch, aber im folgen-
den ließ man wieder ab! theils weil die Schulmeister
Schwierigkeiten dabey fanden, theils, weil verschiedene
Aeltern sich fürchteten, ihre Kinder möchten bey dieser
Einrichtung weniger auswendig lernen. S o sieng nach
und nach die vorige Unordnnng in de» Schulen zu
herrschen an, und der gute Miller ward zu nichts ge»
braucht, als daß sich die Kinder ob demselben im Buch»
stabieren und Lesen übte»,
Auch hatte ich einige fähige Kopfe durch mancherley
'Vorstellungen zu bereden getrachtet, daß sie zuweilen
einen Abend be» mir zubringe» «lichten. Ich habe
««hoffet, nach und nach etwas an ihnen zu gewinnen,
und die einen und andern im Falle zu einem Schul»
dienst« berede» und brauchen zu können. Vergeblich.
Die Besoldung war zu geringe, als daß ich Jemand
anziehen konnte, der sich einige Mühe mehr zu Ver»
fehuug eines Schuldienstes geben mochte, als sich
die gegenwärtigen Schulmeister gegeben haben. Noch
fahrt mires darum allemal durch Leib und Seele, f»
oft mir der Gedanke aussteigt, daß einer meiner jetzigen
Schulmeister sterben, oder sonst den Dienst aufgeben
könnte, weil ich einmal jetzt noch nicht wüßte, wie ich
leine Stelle, auch nur eben so g u t , wieder besetzen
tonnte.
Dock, ich habe Hoffnung, daß es allmälig besser
kommen weide , denn Mnhhr. Major Wyß, der die
Verwaltung hiesigen Amts übernommen hatte, richtet«
alsbald auch feine Aufmerksamkeit auf das Schulwesen,
Voll Eifer und Thätigkeit zur Beförderung des gemeinen
Besten und edler Mcnschenbeglückung, machte er die
Glieder der im Spatjahr 1786 gehaltenen gewöhnlichen
landkammer ' ) aufmerksam / daß es fick wohl der Müh«
lohne, die Schulmeister, welche an der Erziehung der
Kinder arbeiten, besser zu besolden. CS könnte aus dem
gemeinen landseckel keine gemeinnützigere und besser
angewandte Ausgabe gemacht werden, als wenn alljshl»
lich eine gewisse Summe in jeder Kirchgemeind zu die»
fem Zweck verordnet würde. Er felbst erklärte sich:
Daß er aus seinem eigenen Scckel / jedem Schulmeister
des Amtes ein Neujabrgeschenk von 3 Kronen bestimm»,
uno richtete dies Geschenk, welches ihn auf 48 Kronen
zu stehen kam, mit Freuden aus. Die Ehrende Land»
kammer, durch dies ermuntert, erkannte denn auch:
Daß liinfüro jährlich die Summe von «6 Kronen 3
Batzen in jede Kirchgemeinde aus dem Landseckel zur
Vermehrung des Schulmcistersoldes entrichtet werde.

*) Landkammer wird die «Njilhrl!ll>e Versxmmlun« «en«>n»


«uf welcher aus jeder der 4 Kirch.qemcwden des Amtei Vo«<
Leseytt i» Z«e»s>N!»:en, unter dem Voissy e!nei jewciltqcn
Herin Kastlaneu »uftimmenkommen., 3 » dieser Versamn»
!u»g werden die mangelnden Stellen, in den 4 Gerichten er,
flänit; lie Vlechnung über den gemeine» Landscctel stfrßeleat/
«emeinsnme Vcrordnunaen zum gemeinen Veste» entworfen,
«»d gemeinsam» ««»»«de» »u» dem Landseclel «evrdnet.
Der edle Minschenfteuud ließ cs dabey nicht bencndeu.
Er trat selbst mit u«s Pfarreren in eine gemeinschaft«
liche Unterredung, um zu berathschlagen, wie der Schul»
«ntenich't verbessert, und durch welche Mittel die ni«
thige Steuerung eingeführt weiden tonnte. Durch ihn
«ntustützet / brachten wir es nun im letzten Winter
(«786) dahin / daß Knaben und Mägdlein ohne Unter»
scheid zum Schreiben und Rechnen angehalten worden,
da bisher nur wenige Knaben schreiben lernen wollte»,
selten «ber ein Mädchen dazu zu bewegen war, und das
Llrchnen gar für etwas unnothiges und unnützes gehal»
len wurde. So sind nun Schreiben und Rechnen, dies«
zwey Hauptsachen zur Beförderung der Aufklärung und
des richtigere» Denkens, allgemein in unseren Sckuleit
eingefühlt: auch werde»» »un einige Uebungen und Ein»
lichtungen besser betriel'M, an welchen ich vorher «er»
glblich gearbeitet hatte. Freylich blieb es letzten Winter
nur in den Anfängen, aber Hoffnung , bessere Hoffnunz
zu Mehrerem ist nun doch da!
Eben so konnt ich, durch Hilfe eben dieses Mshhrn.
durchdringen, den Anfang zur Einrichtung einer Ar»
beitschul« zu machen ' ) . Er bezahlte für ein Jahr den

*) Wie vieles könnten nicht armer Leute Kin,


der schon in ihrer frühen Jugend verdienen?
Man nehme nur daö Neuenburgische (Be*
biet. Stchojählige Machen gewinnen,
Zins zu einer Stube, die zu dem Ende gemiethet ward.
S o darf ich hoffen, nach und nach manches Gemeinds«
glicd dem «erderdlichen Bettel zu entreissen, und Fleiß
und Arbeitsamkeit, welche unter den Armen uillig ve>
schwunden waren, allmllia unter denselben wieder cm»
porzubringen. Scane Gott deuMann, der in Nachah»
munq der Wohlthätigkeit unseres obersten Beherrschers
sein ihm anvcrtrautes £alent anwendet zur Beförderung
Menschcnalückcs und Wohlstandes: Segne Gott all«
wahre Landesviter:,,

Diese Darstellung einer Dorfschule und Pfarrge«


meinde taun nicht anders als höchst lehrreich seyn, und

wenn sie jährlich dreyhundert Tnge arbeiten,


hundert unb vierzig Livres; das ist 20 Livree
mehr als ein gemeiner deutscher Soldat
Löhnung hat. — D i e jungen Pnrsche fast dop-
pelt so v i e l , mit Strumpfstricken, Seiden-
arbeit, auch milden zurUhrmachcrlunst nö-
thigen Fabrikgeschaftcn. — Auch zu Rouge-
m o n t , im Bernergebiet, haben die Gemein-
den ein Spital errichtet, wo sie ihre Kinder
sehr nutzlich mit leichten Arbeiten beschäftig
gen ohne den Schulunterricht zu versäumen.
wen« ein jeder Geistlicher in seinem Amte sich 6e>
mühen wollte/ sich ein solches gutes Zeugniß zu verdie«
neu, so stünde es um unsre Landschulen gewiß besser,
und was noch fehlte, würde dann leicht noch binzuge»
tham werden können. Der gute Wille, der ernstlich«
Wille muß erst daseyn; und man muß sich Müllers
Henlspruch zur Aufmunterung nehmen *).- I m m e r
waren Glück und Ruhm Folgen der Beharrlich»
•tiit.

Alte Vernerische Landschulordnung.


Die Vernerische alte Schulordnung für da«
Landvolk, welche vor hundert und zwanzig Jahren,
also seit 3 Menschenaltern gegeben worden, scheint mir
mit so viel Vlrstand und Herzensgute aufgefetzt zu
feyk, daß mansiewohl noch nicht ganz vergesse» darf,
und sie tinnte in den Haupttheilen noch heute zum
Muster dienen. Sic ist 17:0 neu aufgelegt worden,
aber mit nicht besondern Verbesserungen. Den Geist
Her guten Alten erkenne ich ganz in dem ersten Aufsatz
von 167;, da heißt es sostarkund so wohlmcynend am
Schluß: Falls der eine oder andere Vorsteher der
Gemeinde die heilsame Erkanntniß Gottc« , es
si)' durch Sommerschulen und wöchentliche Nepe»
titionen, oder auf eine andere Manier zu «ufnen
• :.;.: '.. <ve»

») I » de« Vornte zur Grfiroeijctici'Aitl)»; ite Uulgobe.


(vermehren) sich getraut/ werden wir dasselbe j u
höchstem Gefallen aufnehmen; der Hoffnung,
wen» diese» alles durchgehend? werde geübt wer«
den, daß dadurch die Ehre des allerhöchsten Got«
tes, und li>er Rinder Hcil und Seligkeit werde
befördert/ wie auch viel abgöttische und aber»
gläubische Gräuel, darein viele wegen ihrer groben
Unwissenheit verfalle»/ abgeschafft/ und neue irri»
ge Lehren unterdrückt und Hinterhalten werden. —
Folgende Sätze der altern Verordnung müsse« bey
jeder neuen Vorschrift -zur Grundlage dienen :
Erstlich sollen die Schulen auf dem Lande, in allen
Kirchhören an den bcqunnsten vrten angestellt werden,
damit die Kinder,von den umliegenden Dörfern und
Höfen selbige desto besser besuchen können.
Demnach sollen,die Gemeinden dahin trachten, daß
sie, wo möglich, eigene Schulhiuser haben, kaufen
oder bauen, oder wann« nicht in ihrem Vermögen,
Häuser dazu um den Zins empfahen, auf Baß dieSchü»
len ohn« Hinderniß können gehalten werden,'•"/• '
• ' Der Anfang der Schulen, was die jungen imfr
kleinen Kinder betrifft, soll seyn auf ©allen «gag, und
der Ausgang den ersten April. Die andern «ber, se'
etwas stärker und größer, und zum Feldbau nothwendig
gebraucht werden/ sollen den ersten November anfangm,
und «was früher erlassen, inzwischen zu größerm Fleiß
angthalten werden. Weil aber die Beschaffenheit der
Feldgrbeit und des Orts «nglelch, kann Wch derseldi»
Uj Theil. s$
im die Zeit des Anfangs und des Ausgangs der Schu»
len eingezielet und ausgestreckt werden, nachdem es
de« Amtmann, und Vorsteher des Orts nothwendig er»
achten werden, Falls es sich thun läßt, und an denen
Orte« es seyn kann / und bereits eingeführt, sollen die
Schulen das ganze Jahr durch continuicrt werde».
>. Die Gemeinden sollen die Schulmeister nicht aus
eigner Gewalt- und Willen annehmen und bestellen,
sondern die- begehrenden Personen für die Amtleute uirt)
Vorsteher der Kirchen, als ihre Vorgesetzten, denen
solche Annehmung zusteht, weisensichvor ihnen zu stellen.
Zum Schuldienst sollen Gottesfürchtige, Gott »und
Tugendliebende Personen, und die von Natur geneigt
und tugendlich zur Unterweisung der Jugend, erwählt
und bestätiget werden, nachdem sie ihrer Tüchtigkeit
halber , durch ein vorgehendes Examen auf die Pro»
werden gesetzt worden sey».
Die Schulmeister sollen vor allen Dingen, ihren
Schulkindern ein gut Exempel vortragen, die Kinder
steißig, verständig und auidrückenlich lehren Beten, Lesen,
und Mvor, zum Ersten, nicht das Geschriebene, son»
der« das Gedruckte in dem Psalmenbuch, Testament,
«Nd Bibel, auf daß sie bey Zeiten zu dem Heil. Wort
Gottes gewöhnt «erden, darnach die grißern im «kaic»
chißmus und Unterricht getreulich unterweisen, und zum
Schreiben fleißig anhalten. , .-..
Es sollen auch die Lehrmeister sich beyzeiten in did
Schul begeben, da dann die Stunde», wann sie « n f w
«en und aufholen sollen, ein jeder Vorsteher/ nach B -
schaffenheit des Otts bestimmen soll, und die Morgen«
stund mit Gebet und Psalmensmgen anheben, und soll»
dcrlich zusehen, daß das Gesang i n den Schulen un>
Kirchen geiulfnet werde.
Was dann ihre Belohnung anbetrift/ sollen die ®*>
meindcn dahin sehen, daß ihnen ihr bestimmtet Lohn
eingehändiget werde, und so jemand darin« saumselig
»are, soll derselbe von dem Chorgericht oder Fürgesey»
ten, zu seiner Schuldigkeit angehalten werden, damit die
Schulmeister neben ihrer großen Mühe, nickt noch dgrz»
»iel Verdruß und Undank und Unkosten bey Einziehung
ihteS Soldes haben müssen. I m Fall aber des einten
oder andern Besoldung zu gering wärt, soll dieselbe
ihnen verbessert werden.
Arme und nothtürftige Eltern, die ihren Kindern
nicht vermöge» Bücher zu kaufen, auch in der Zeit,
Da sie in die Schule gehen, Nahrung und Kleider darzu»
reichen, sollen die Amtleut und Vorsteher, um Ratt)
und Hilf ersuchen, welche dann allen möglichsten Fleiß
anwenden sollen, wie ihnen au« gemeiner Steuer möchte
geholfen werden, weil ohn« das eine jede Gemeinde
ihre Armen erhalten soll, damit die Atmen ans Mangel
der «Nahrung von der Christlichen Unterweisung nicht
hinderhalten werden.
Die Schulen sollen sie Morgens und Nachmittags!/
zur bestimmten Zeit besuchen, und sich, bey dem Gebet
«nd Gesang einfinde«, und die Zeit wohl anwende^
N »
300 SS5

weil sie kurz, und die Schulen mchientheils nur den


Winter durch «Ähren, und sollen die Eltern sie dazu
fleißig anhalten.
, , Es sollen auch neben den Chonichtern und dem
Schulmeister, etlichf unter den besten Knaben, zu Auf-
sehern besteht weiden, damit ficißig Achtung geben werde,
auf die, welche sich in der Kirchen und Schul ungebühr»
lich verhalten.
Ob gleichwohl die Verständige» und Erwachsenen de.r
Schulen halben erlediget werden, so sollen sie dannoch in
den Kinderlehre» zu antworten, und das Gesang in de«
Kirchen zu besuchen verpflichtet seyn. Und damit das Ge»
fang desto glücklicher fortgehe, sollen sie es zuvor i»,h<n.
Schulen, oder an einem andern dazu bequemen Ort, mit
einander probieren.
., Nach Vollendung der Zeit, sollen auch die Examen,
mit Zuthun der Amtleute, da es seyn kann, Predikan«
ten und Eltestcu, in der Schul gehalten, (oder wenn es
die Gelegenheit giebt, in der Kirchen, vor der öffent-
lichen Gemeinde), angestellt werden, der Meynung, daß
es-ohne der Obrigkeit noch der Gemeinde Koste» gesche»
hen, und zu dem End vorgenommen werden solle, wann
der Amtmann etwann anderer Geschäften halber sich an
de»en Orten einfinden muß. , .,, .••,.
Wann dazu die Gemeinde» den fleißige» Kindern ein«
Gabe austheilen lassen wolle», selbige damit desto mehr
aufzumuntern, ist ihnen dasselbi«« ^freygestellt,, und
mögen sie zu dem E»d nach Mitteln trachten, gleich
andern, die solches schon löblich eingeführt haben. ,
Damit nnn biese Ordnung und Ge'satz desto besser be»
trachtet werden, so sollen alle Vorsteher ihre Pflich t
fleißig in Acht nehmen, und die Schulen alle Wochen
auf das Wenigsie einmal, so sie in ihrem Vors ist, im
Fall aber ausserhalb, alle 14 T a g , so weit möglich •,< und
die Angelegenheit und Vielheit der Schulen es zuläßt,
«illtireu, und so einiger Mangel an den Eltern so ihre
Kinder nicht fieißig in die Schul schicken und versäumen,
oder an den Lehrmeistern und Schulkindern verspühr^
würde, sollen sie die einten und andern ernstlich war»
nen, hernach weiters nach Gestalt der Sachen, es jene
an dem Cbörgcricht, oder auch Kapitel anbringen, auf
daß endlich durch Autorität und Ausehen der h.ohen
Obrigkeit dem Uebel gewehrt werde. ::

Zu dieser gewiß meisterhaften Schulordnung darf


man kaum etwas weiter hinzufügen, als einen herz»
lichen Wunsch: O w e n « man sie doch nur befolgte!
Für tüchtige Lehrer wird aber schwerlich die Gemein»
ie recht sorgen wenn es die Obrigkeit nicht selbst thut!
Und man sollte sie alle Jahr in die Stadt berufe», da
eraminiren und ihnen bevor, die Schulen angehen/
aufs neue ihr Verhalte» einschärfen, auch sie mit den
liothige» Büchern und Schreibmaterialien versehen.

N 3
Einige besondere Anekdoten unsre Stadtschule»
,„. •'..',.: betreffend.
Seit «40 Jahren hat man in Bern die Gchulorb«
nungtn 7mal verändert. Und von einer Verinlerunz
zur andern ist stets .über den schlechten Erfolg der Ver»
»ldnung geklagt worden.
Vo» iKi? bis 1674 herrschte ein« so große Uneinig«
keit zwischen den Schnlherr«, daß si« nicht med« zu»
lammen sitzen wollten, soaar will man sagen sie fegen
einmal gegen einander Handgemein worden.
I m Jahr ,674 setzte die Obrigkeit einen neue»
Schulralh ein; und obgleich noch Jwistigkeiten entsinn»
den / so war man doch jetzt gemäßigt« im Vortrag sei»
«er Meynung.
Unsre lateinische Schulen stammen noch von de»
Katholiken her, oder ans den sogenannten lateinischen
Zeiten der römischen Clerisey: darum finden wir'noch
immer die lateinische Sprache als die Hauptbcftbafti»
<ung der Jugend. Ve, der Airchen.Reformatio»
ließ die Regieruug verkündigen: Wer armen Schola-
ren Gutes thun wolle / sollte seinen Beytrag im Jakobs
Gpital abliefern. — Diese Aufforderung weckte de»
Eifer der Bürger/ und sie steuerten mit pollen Hjllden —.
weil sie selbst ihre Kinder einmal daran Theil nehmen
lassen wollten.
Hierauf machte die Obrigkeit die Anstalt, daß den
«ntictt, aberfleißigenStudierenden eine tuglicke Mahlzeit
gegeben werden sollte. Aus dem Schloß Neuenbürg kaufte
man einen großen Kessel für Bern, darin« locht« man
Mueß / und der Freytisch ward geöffnet. Auch wurde
eigenes Brod gebacken / welches nebe» dem Mueß in
großen Stücken ausgeschnitten und vcithcilt worden.
An gewissen Tagen de« Woche ward ein Riud geschlach»
tet< da gab es auch Fletsch ; das naimtcn sie die
Fleischtacje. '-:' .:;.Sr* . ' ; . ) " ilntoii: Î:">
36 arme Studenten wurden auch '-logltt. Ma«
gab ihnen die Zimmer des vormali<fettrBarfufsevkl«<
sters ein, und so nannt« man dieses H«!W""bas €*U
Icgiuitt. . ... '.ï'.'yi'lry.f'M :;>3$N!!ï!iJi<9 n>:îi!Ï3;(,
Nach dem Beyspiel vieler Gtldte M Deutschland
und der Schweiz, wo ganz ahnliche Stiftungen sind/
findet man auch noch eine damit verbundene Anstalt.
Man gab den guten Aöpfen Stipendia, und auf ge»
meine Unkosten tonnten sie fremde Universitäten be»
suchen: Die Bern« sandten ihre Söhne auf Straß»
lurg/Basel/, Zürich« \n:'.- - ' »«-
»Die von den Stiftungen leben > /ollen gewillt
«erden von den Schulhelln, Priditanten «nd Proses»
sore» ,,on alle« Anschen/ Gunst «der.Vitti,'.".:''
Sfon den Studenten/so auf fremde Universititen
gehen, heißt e s : - . . ) : . • . ., •r,.^ , ,v-::••)•.-,.
„ D a uff diejenige«/ die,man, vovnacher gen
S t r a s b u r g , jeyt gen Zürich schickt.', und A U * uff
die Universitäten, treffentlicher .Resten uff «an«
N «
gen, beb SmK^ze tragen ist, soll man einen jede*
für Rleyder/ Vücher, «nd gehrüng jährlich 90
Gulden bestimmen. " — •'••
Wenn ein Stipendiat: one MGHHerrn wylle«
lvybet/ der soll sein Stipendium verlohren han,
und die auf ihn ergangn« Rosten erstatten. "

,ijj,, Schulordnul^g, von 1553.


Sie enthält nichts befond««. Eine Ratheerkamit.
l»ißiIon.<,lti:!al>er-sagt folgendes:
^>I'»Wl'ritz<»MckultheiF und Rath der Stadt Bern, u.
a»f.>f. Demnach Wir hicvor und lange. Zyt har von
«etlichen Stipendiaten und Schuh leren, die in Unserem
„Collcgio und Mushasscil zu Unseren Kilchen > rtà
»SchuhldienftenMerzoge»werden, vylUnflyß,Muob,
»willen,iQU$). vinen ußschweyffigen, prächtigen/
»stolzen><!und.''av8«rlichen, Wandel gespürt, u.,s.,f.
«zum andern dicwyl euch Gesellschaft mit ärgcrli»
»chenl^ y a l k ^ g M Ingenia vexdirpt, und ader.ftiei
«mand in solliche Gesellschaften gerathet, dann die sa
«ußschtpexffig Gaffelltrettenmd Müßiggänger,, sol»
«letl sy ein.chledM^zunl Diener.und Uffsechm haben,,").;
In.d»liSchul«rdnung vom Jahr i;4» heißtest..)
Die WUni<2palstädte Thun^ Zofingen, Aruet
sollen eine» beständigen und gelehrten Schulmann haben :
dort sollen die »a auf Bern wollen uni weit« zu studi»
]
•'•' ai? '-Mii ' — ! ' '• "ij'ii i ! ii"

•) «it. ï«iô'Wiib'Buf zttlch«« Fuß gei>»r«O»n. '


«en, solang verbleiben, bis sie sich in den Schulen s,
weit gebildet haben / daß sie die Vorlesungen in der
Hauptstadt mit Nutzen anhören können. —,, '•••••
Auchstehetzur Warnung dabey : «Die Schulherr«
solle» diese Stipendiaten prüfen ; ihr Wesen, Gestalt
und Ingenium erkhunden. und besichtigen, und
die nit tugendlich (tauglich) zu Handwerken wystn:
damit myne Herrn ir G u t nit vergebens und un»
nütz anlegend.,,— ~ ••
' Für die Schulen auf dem Lande ist auch gesorgt
worden^ Von dem Dorf'Examei» heißt es : — «Die
Schulen sollen wenigstens alle Jahr einmal otamtairt
werde», zwar nicht auf bestimmte T a g / sonder«
unwissend, im Beyseyn MHGHerrn Amtleute, Vögte/
Räthen, Pladikanten,- u. s. wer dazu gehört.—»—
Auch die Schulmeister und Provisoren sollen: „Ler
und llibenshalb -epamim'rt werden « Sagt die glei»
che Verordnung. • '•'•••'•'• •> ••'."•'•:*• '.•>•;,
,,IN' der Stadt soll einer von den Pridikanten, de«
nicht WoOner ist, die Schulen fleißig visitireu.«''-^-
..:.:i -,N. , ii'j'ni M ' • • — ' 'i i ' i,''^ > ' ;' ji'iit
Schulordnung von 1616. .:.;ûtvm,t
Diese wÄ'ttcht ernstlich gemeint, aber es ka>n>
wie schon genWIdtf, zum Bruch mit der Geistlichkeit und
den weltlichen Schulräthen ! so/daß «»Jahrelang sich
lein Schulrath mehr versammelte.' -Das Convent in
Nerbindüng' mit dem täglichen Rath besorgte all« Schul,
fachen während dieser langen Zeit.- - '•'-• - '•'• • •?*&«
N;
I n de« damaligen Schulordnung kommt vor:
„Es sollen allein die auf die Hoche Schulen promo»,
.,yirt werden / von denen man hoffet, daß sie etwa«
«vorncmo studiren werden. Biese sollen auch ehe sie
,)biiiwegjieben / ihre Confeßiou in Schrift stellen und
»hinterlassen. Wenn sie wieder heimkomme»/ sollen sie
.>cin glychs zu thun uerhuuden syn.,,
Schön l>eißt e«:
« • Welche Studenten sich ungebührlich
halte«, und ehrwürdigen alten Lyte» »it ihr gebührend
Ehr,anthun, die sollen 8 Tag ercludirt werden.,,
$ K Eingang zu dieser neuen Schulordnung lautete
folgender masse« : «Alsdann UGHHercen und Obere»
„nun ein gute Zeit daher mit üsscrstem ircm Schuren
»in Lrfahrnis kommen, und gcspührt haben, wie daß
»ne Schulen je länger je mehr in Abgang und Vermin»
„derung gerathen; und hieueben ouch nach obrigkeitli»
„chem Eyfer zu Gemüth und Herze» geführt, daß die
»iSchuhlen nit das geringste Stut fygen, ires obrig^kcit»
«lichen »on Gott anbefohlenen und ufferlcgten Ampts,
«als welche das einzige von Gott verordnete^ üsscrliche
«menschliche und politische Mittel, dadurch die Jugend
«in wahrer Gottseligkeit und freyen Äunflen, nolhMN»
«digcn Sprache», und allerley vortrefiichen Tugenden
„tan ufferzogcn und underwicsen «ertzen, und daß in
«denselben das reckte Fundament aller wohlangestcllten
^cgimentcn, und derselben BoblfMt und ©lus*
«seligkcit bestände; als« dahar nit allcjn, die wahre «ci»,e
„Religion/ fond« <utd> der obrigkeitliche Stand «haï«
«ten, fortgepfianzt und geiuffnet werden müsse: Hin»
«gegen aber us Mangel rechter Untenrysung und Uff««
„ziehung der Jugend, die Kirche Christi tngendlich«
„teureren beraubt/ und/ wie leyder der Augenschein
„bishar nur zu vil erwiese«/ ein allgemeine Unwissen»
«heit in göttlichen Sachen/ und dadannen viele«»
„Abfall von G o t t in wahrer Religio»/ Ungehor»
„sarn wider G o t t und ein fromme Obrigkeit tttU
„steht/ und sonst mancherley Unrat und Muthwillen er»
„wachset. Also haben ihr Gnaden / nach dem löbliche»
„Exempel gottselig« Regende«/ aus obrigkeitlich«
„Pflicht und christlichem Eyfer gegen die wahre Rcli«
„gion und gemeinem Regimentswohlstand und deffelbi-
„gen Vefürderuna nun eine Zeit daher mehrmahlen
„obrigkeitliche Anordnungen und Ansechen gethan/ da»
„mit irc Schuhten in besseren Stand und Wesen gebracht
„werden möchten: Dicwyl wider alles ires Vethoffm
„follickS ir ernsthaftigeü Ansechen / Schuhlordnungen,
„Reformationes und andere gethane Tefelch bis daher
«so uil nit erschossen/ daß einige Verbesserung verspürt
„und «folget syge, „ u . s. f.
Aus der Folgesiehetman, wie der gemeine Mann in dett
damaligen Zelten immer roh und ungebührlich war;'mit
Trotz, Pocken, Müssiggang und Stolz als mitsein«»
angebohrnen Erbübeln zu streiten gehabt hat. Welche«
der besserdenkendcn Obrigkeit recht viel Mühe machte.^.!
S t o l z und Müßiggang; i« diese beyde Laster stobt»
sich immer beysammen, undsievollenden das sittliche und
«ligiöse Verderben manches Volkes, da« ursprünglich
gut und bieder war. Unter den Mußhafnern ließ sich
vorncmlich diese Abartung verspüren. Auch siehet ma»
aus dieser Verordnung,, wie sehr diese Wohlthaten miß«
braucht worden — und wie die Regierung gegen eine
solche niedrige Denkun!,sart im Streit seyn mußte.
-, I m Jahr 167,4 ward ein neuer Gchulrath einge«
seht. Es waren die beyden Herrn Geclelmeiffcr, die«
jüngsten Herrn Vcnner; die beyden Herrn Heimlich«/
der Herr Stiftsschaffncr, der Herr Großweibel, der
Dekan, 4 Professoren und der Prinzipal: Zusammen
14 Personen. ,
. ; Hierauf erschien wieder eine neue Schulordnung, —>
»ach hinein,,ande>!!» Leisten geformt; im Ganzen aber
steckie,:N«ch immer der alte Sauerteig darin«, Mönch»
geist, Visputazen, Logomachie»; Aristotelische, Carte»
lianische, Ramische Philosophie; durckwebt mit eine»
ziemlich derbeni.Sprgche. Daher kamen aus diesen gc>
lehrten. Schulen'nichts als Mortmacherund Streiter,
Casuistisch« Doppelzüngler, höchst selten aber ein brauch,
barer bescheidener Mann, der für die Geschäfte des
Lebens als Gelehrter genießbar war. DieS ists auch was
die Obrigkeit wohl einsah,. daher ihr steter Kamps
mitbin PridikiMteN und dem Gchulrath. —
S J : © 0 heißt ti .auch .im Schulrarhsmanual vom
Iah«, l 68«: M e funden,, daß keine andere Ursach sey,
»arum so wenig Knaben in die Schul gethan werden
«ls ein bises Prajmlicinm — man habe fit der Schuld
die rechte Manier nit zu instruire«, oder man könne
eine kürzere haben und man die Knaben übel
traktire. ,, . /. ;...-. :..;, -. • cat«
Und im Jahr 163; heißt e s :
» w e i l die untere Schule alhier ungezwyFelt-
gar übel stehet, und die Jugend durch die Un»
tüchtigkeit etlicher pr«viso»en mächtig versäumt
wird. « .
I m Jahr 1694 kommt endlich ein Heller Gedanke
hervor. Man veiVidnete: , ,s>
— » D a ß auch die Muttersprach« — die
Deutsche, gelehrt werden soll. » I n d e r achten
Blasse nemlich, soll Cicero de Officiis zur Erler»
nung eines guten deutsche» St£li ins Deutsch ver»
tirt und fleißig torrigirt werden. »
Wie konnte man doch eine Sittenbesserung «war»
ten , so lange die Denkungs ° und Sprachart noch
pöbelhaft, grob, zweydeutig, und jeder National < Aus»
druck unter dem Volk ein Beweis von rohem Gefühl
«n» unbändiger Grobheit war.
Bey einer so großen Unwissenheit und Unausgebild»
heit der Muttersprache, mußte auch die Religion leiden^
Wer schone Gefühle nähren und empfangen will, muß
auch die Worte dazu wissen. Und die Lehrer sollten das
Beyspiel geben, aber sie sprachen selbst wie der Pöbel. -*.•
Auch die Geistlichen auf der Kanzel, führten eine grobe,
hatte, pöbelhafte Sprache: daher man die Kirchen nicht-
fur so heilig ansah, und wie der katholische Aberglaube
abnahm, man desto freyer sich von aller Religion los»
machte: Auch lautet ein Rathszettel von 1696: ,,i£»
wird von Zeit zu Zeit gcîlagt, und bezeugen die-
vielfältigen S u n d und Laster, daß in der Haup^
stadt alhier nit wenig Nürger und Einwohner,
sonderlich in den Abgasstn, keine Erkanutniß 'in den
Sache» ihres Heils haben, die predigten nie be»
suchen, und ganz unwissend daher lebind. ,,—
3 Noch in den zwanzig« Jahren diese« lausenden
Seculums klagte Herr Schultheiß Steiger in ein«
Rede an die Zweyhundert, über das uiifleißige Predigt»
gehen. Aber man sorge nur für einen mehr rühren»
den Gottesdienst , und daß ei edle würdige Geistliche
gebe: man sehe wenig« auf Schulweisheit und Oricw»
tallsche Gelehrsamkeit als auf rechtschaffene Sitten, auf
gefühlvolle Minner ; — dann wird diese Klage von selbst
abnehmen. —

Die Landgeistlichen.
W i r haben laut dem Regimentsbüchlcin ohne die
Hauptstadt, 207 Pfarreyen im deutschen Kanton, und
»4? Pfarreyen im welschen Gebiet, überhaupt aber sind
452 geistliche Stellen; ncmlich »4? im deutschen, 203
im welschen Antheil. Dies« anschulich« Klasse von
Mlnnern des heiligen Lehramts müssen und sollen auf
»en Geist des Volks vieles wirken; dasieausdrücklich

',
dafür besoNet und beeydiget sind, Wahrheit, Christen«
thum und Tugend zu vermehren, und sie h»ben dieses f»
hoch wichtige Amt auch darum freywillig angenommen.
Ich kenne manchen brafcn Prediaer,, der ganz für feine
Gemeinde lebt, ihr Vater uud Rathgeber in leiblichen
und geistlichen Dingen ist, auch siehet man es einem
Dorfe sogleich a n , wenn es einen eifrigen Seelsorger
hat. Die Kinder sind bescheiden und sittsam ; die El»
tern halten etwas auf das Kirchengeben und die Schulen :
und wenn der Pfariherr eine Dienstgcfälligkeit »eilangt,
so ist jedes, A l t und Jung, herzlich ftoh, willig und be»
reit dem guten Herrn es zur Freude zu thun. Hingegen
kenne ich auch Dirfer wo es ganz das Gegentheil ist:
wo man erschrickt wenn der Pfarrer kommt; anch kenne
ich Pfarrherrn und Gemeinden die sich einander fast nie»
Mals sehen, als auf der Kanzel; und da ist schon mehr
frostiges Wesen, Gleichgültigkeit für Religion und
Schulen, sichtbar. Wenn nun oft ein solcher schlafen»
der Hirt 30 und 40 Jahre auf einer Pfründe ist, so kann
ja Unkraut genug einwurzeln, das det Vaterlandsliebe
und der Moralität für lange höchst nachteilig ist: und
kommt denn ein neuer besserer Lehrer nach, so findet er
die Leute an Sitten und Geist so verwildert, daß « d i e
griste Mühe hat nur etwas Gutes zu wirken oder gut«
Neuerungen einzuführen. Zu lang sind die religiösen
Gefühle erstorben und' brauch gelegen, sie wiederum zu
necken und für das gemeineVeste in Thätigkeit zu seyen,
ja das kann nicht daß Wert eine« «cmellltn Kopfes seyn.
Es muß ci» Man» »ontMern Herzen und großer Empfin»
düng komme». Aber wie viele giebt es derer<,?
Führt ein Geistlicher auf dein Laude noch einen un»
pennten ^ebenswondel'; hat er Töchter und Söhne,
.Hie, im Modeluxus aufwachsen und die Stadtsitten mit
,wlf das Dorf bringen; so fällt ohnehin das Zutraue»
.weg; denn der Mittelsmann und Bauer entfernt sich
.und hat Scheue, wo er fremde Manieren und hohen
Weltton bemerkt. Herzlichkeit, gute Laune, edle Frey»
müthigkeit, und ei» reiner Wandel — das zieht Herzen
an sich. Kann das der Geistliche nicht, so wäre es bes.
ser es. gebe gar keine Prediger, als solche, woran der
Gemeiuslnn des Publikums sich stoßt, und, die. Religio»
und Aufrichtigkeit dabeu untergraben wird.
Man muß es der wirtlich sparsamen Anzahl von
würdigen Laudgeistliche» zuschreiben,.daß wir auch in
unserm Kanton so uielerlcy Meynungen unter dem Volk
über die Religion herrsche» sehen, und der Bauer cntwe»
der ganz sich vo» alle» Pflichten des Christe» losmacht^
und bloß seine, zeitlichen Vortheile betreibt, und lau,
kalt, tückisch wird., Oder — daß viele sich mit beson<
dcrn Religionsuieynungen abgeben, und in die wun»
derlichsten Einbildungen verfallen, auch von jedem
Schwärmer angesteckt werden können; wie wir der Bey»
spiele i» unserm Ka«to» sckon viele erlebt haben. Ei»
einziger Mann konnte sich einen ganzen großen Strich
Landes — an, Vielersee, unterwürfig machen und zu
einer abscheulichen GMeMsterung eine Menge Anbänger
finden;
finden; ich brauche nur den Namen de,r Rohlerischen
S e t t e zu nennen/ um die Wahrheit recht fühlbar ztt
machen.
Wir haben oben (Seite 109 und folsj) von der in vie«
len Dörfern herrschenden Dcnkungsart Proben gegeben.
Wenn Schwärnterey, Qtïtivevey in den Gemeinden
einreißen, so muß man allemal gewiß glauben / daß der
Zleligionslehrcr seine Pflicht nicht gethan habe, oder daß
er das Talent niän gehabt hat, sich bey fem« Gtmcind«
interessant, beliebt un) geehrt zu' machen; wobey jeder
Sektenglaube freyes Feld erhalt. Denn etwas muß de»
Mensch doch haben. Wer aber ist dabey verantwortlich
wenn die Religion an solche gefährliche Klippen kommt?
Ich frage wer am erste» ? Wir haben gewiß viele acht»
bare würdige Geistliche; aber unter einer so großen Zahl
muß sich auch ein ansehnlicher Theil finden, die es nicht
nach ihrer wahren Vestimmung sind. Da schon oben «in
Beyspiel eines bescheidenen und eifrigen Lanigeistlichen,
an dem Herrn Pfarrer Lauterburg in der lenk gegeben
tvordcU, wie evseine Landschulen verbeffett hat; s» wol»
len wir auch an diesem wahren Seelsorger zeigen, wie
tr beym Autn'tt seines Amtes dii Schwärmer und Sek»
tirer behandelte Er fand gar viele solcher Leute, aber
er gebrauchte nicht heftige Mittel, auch nicht Satyre
«nd Spötterep, um, die Werfübrten und Irregeleiteten
zurückzubringen. Freundlichkeit — die schon im Charak-
ter des liebenswürdigen Mannes ist, wahre Theilnahme
„nd Güte, das gewann ihm bald die Herzen. Und wee
II. Theil. V
z«s Herz gewinnt, hat alles gewonnen. Recktschin
«nd als warnendes Beyspiel spricht e r ' ) : »Man sagt
freylich i» unsrer predikantenordnung: „ Es sey der
»Pfarrer Amt und Pflicht , ja selbst von. der hohen
»Obrigkeit anbefohlen/ alle schädliche scktirischcDücher
,,<n den Gemeinden zu unterdrücken / wo sie dergleichen
»antreffen und erfahren aufzusuchen: und durch Hülfe
«der Herr» Anitmänncr zu trachten, daß dergleichen
»böse Quelle» verstopfet werden. „ — Ich habe auch init
Verwunderung gesehen, daß Einige diesen Auftrag so weit
ausgedehnt haben, daß sie sich berechtiget gehalten, der«
gleiche» Bücher einzustecken uud wegzunehmen, — aber
ich weiß auch, daß durch solche gewaltsame Mittel mehr
verdorben als gutgemacht wird. — „(Man lese die sehr
lehneiche Schrift: Briefe über die Schwärmerey
in der Aeligioft; so zu Vern 1788 gedruckt worden,
und die dem Verfasser (Herrn Pfarrer LautcrdurF in
der Lenk) die griste Ehre machen). Man lernt daraus
den herrschenden Geist in den Thälern kennen.
Noch eine charakteristische Stell« ziehe ich aus dem
«b»n gedachten schönen Buche aus: (Seite 54).
— »Aber das ist gewiß, daß insgemein die Pfarrer
von einem großen Theil ihrer Pfarrgcnossen mit scheelen
Augen angesehen werden: ein Hauptgrund ist dieser und
liegt in der Art wie die Pfarrer ihr Einkommen bezie»

•) 3» lcn!8»!»sen übe« die Gckiwiivm«»!).


hen müssen *) Die Abgaben, die der Bauer dazu lie<
fern muß, find bey vielen eine Quelle des Neides und
Haße» gegen ihren Pfarrer ; sie murren als obsieihm ant«
^age «erschaffen müssen: daher kommt <-s auch, wie ich
glaube, daß die Bauern f» gerne von dem was sie liefern sol-
len, immer etwas abziehen; ja sogar betrügen sie ihn wo
sic sönnen, ohne sich ein Gewissen daraus zu machen.,, —

*) Interessant scheint die BemeMng welche H r .


Professor Michaelis über die Landgcistlichen
gemacht h a t , und wir wissen nicht, ob sie
auch auf unsre Pfarrherrn im Kanton paßt.
Er sagt: — „Wenn die Einnahme» aus
vielen tausend Kleinigkeiten zusammengesetzt
sind, so ist die Folge, daß der Mann geiyig
wird. Daher sind die Landprcdigcr gern
geizig (wenigstens ist es kein Wunder wenn sie
«s sind, undsiewerden es beschuldiget). S i e
würden es nicht i'eyn, wenn sie dieselben E i n ,
nahmen, aber in ganze» Summen hatten:
allein so wächst bey jeder kleinen Einnahme
die Freude über das Geld, und die Liebe
zum Gelde so unzahligcmal,, daß sie endlich
Geiz wird. " Michaelis M o r a l , »ter
Theil/ Seite 32.
o %
Doch finden wir Seite 112 einen Ausschluß! er
spricht: »Vielleicht ist der Hochmuth und das unficuud»
liche Betragen gegen die Gemeindsgenoßen, was sich
noch manche Pfarrer zu schulden summen lassen; und,
was an manchem Orte eine Ursache ist, warum sich viele
Gcmcindsglicdcr absondern / und von Ncbenlchrer» sich
anziehen und einnehmen lasse». Es giebt leider noch
manchen, Pfarrer/ der sichs nur zu sehr merken läßt/,
daß er sein Schicksal oeleufzet wenn er eine Dorfofar«
verfthen muß und unter Bauern leben soll, die er ver»
achtet.,,
«Was muß aber eine Gemeinde von ihrem Pfarrer
und seinem Christenthum denken, der seine Pfarrgcnos»
seu bevnahe mit eben so großem Abscheu anskhct, als
der Braman in Indien die Parias; (wenn ein Parias
einen Braman siehet, so fiichet er). Welche Sorge
für das Heil kann man von einem Manne erwarten,
dcrgegen seine Anvertrauten deutlich genug zu erkennen
giebt, daß ihm bange'wird, wenn er mit einem Gc-
nwindsgenosscn reden muß; und daß er in einer ange»
steckten Luft zu athmen glaubt,-wenn er sich nahe bey
der AtbmosphHre eines Bauern befindet. Wie können
gemeine Leute Zutrauen zu feine« Lehren fassen, wenn
sie denken müssen, daß er mit Widerwille» mit ihnen
redet.« —

Genug und mehr als genug für uns, um das übrige


was in solchen Gemeinden vorgeht, noch errathen z»
lassen! Und nuch genug für den Menschenlenil«) der
diese Züge mit Bedai'-«'' f ü r w.'.hr annehmen muß!

Unsere Sitten zn Stadt und Land.


Schwer ist es ein allgemeines Bild unser« Sitten
zu geben. Der Verfasser der Beschreibung von Bern
hat im iten Theil ein Gemälde ohne Schatten aufge»
stellt. Wo man aber nur Licht und keinen Schatten
Ziehet, da fehlt die Wahrheit, man thut der Natur
Zwang an/ und eben darum sind solche Schriften auch
gristcntheils unnütz. — Tournons la Médaille de deux
»ôtés. — Und laßt uns einmal einige zerstreute Züge von
dersichuns darbietenden Charakteristik entwerfen. Was
vorausgegangen ist, hilft das nöthige Licht ertheilen.
Wenn man den Sittcnzustand eines Landes kennen
will, so muß mau nicht die Hauplstädte zum Maasstab
nehmen, denn da herrschen die Moden, die Etikett
und die Convenienzien mehr als die Menschen; diese dür-
fen ihre natürlichen Triebe nicht äussern, sie müssen
sich alle nach den eingeführten Gewohnheiten richten.
Man weiß es auch schon genug, daß der Mensch nur
dann wahrer Mensch ist, wenn er ob::e Ziuang in dem
vertrauten Umgang seiner Familie lebt. Alles was wir
äusserlich an ihm sehen, ist das Decorum seines Sta»
des ; das wahre Bild sehen nur wenig« — die mit ihm
genauer verbunden sind.
03
Weniger verstellt sich der gemeine Mann und htt
kandbcwohuer. Sie glauben handeln zu dürfen wie
sie sich empfinden, und mit ihncn ist man also bälder
im Reinen. Der Bürger von Bern / der diesen Na»
wen wahrbaft verdient/ und seine Würde recht fühlt,
ist ein durchaus ehrlicher Mann; ein guter Patriot
und Freund der Ge«chtigkcit. Er liebt seine Vaterstadt,
aber er verachtet darum andere nicht. Er ist auch nicht
so kleillherzig, daß er meynt, er müsse seinen Stand an»
der« fühlbar machen, wie viel er vor ihncn voraus habe.
Der Bürger von B e r n , wenn er sich in der wahre»
goldenen Mittclstraße hält, daß er weder zum Hoch»
inuth noch zur kriechende» Armuth herabsinkt; — wird
ein Wohlthäter fcmcr Vaterstadt und eine Hülfe fei'
tien Mitbürgern seyn, die es verdienen. Mit Rath und
Lhat wird er jedem Hülfsbcdürftige» an Handen gehen».
Vergnügt seyn mit den Fröhlichen, das wird seinem Her«
zcn wohlthun; aber grobe Ausschweifungen in Saufen,
Fressen, Schwelgen wird er verabscheuen. So zeichnet
sich überall der wahre B ü r g e r aus, auf den feine
Vaterstadt zahlen kann. Und so ist auch der Berner
gestaltet, der dieses Namens wahrhaft würdig ist.
Und welcher jetzt anders gestaltet ist, als da« Bild,
so hier gezeichnet worden, der gehe in sich zurück, und
denke er habe seiner Väter Ebenbild verlohrcn; <l>«
l u g e n d e n , sein bestes Erbgut sey dahin. Er stehet
wie ein Baum, der seine Kraft und Blüte überlebt
bat, also auch im Staat nichts mehr wirkt. Ausnah»
ntcit Doit der Segel gab es immer. — M»n verschone
mich aber diese Ausnahmen recht kenntlich zu machen,
wie sie sich heut zu Hage zeigen. Das Bild thut den
Patrioten wehe. L u x u o , das wird jedoch niemand
IlugneN/ hat uns am meisten geschadet/ und des Prunk«
«esens ist ziemlich viel in Bern. Die Kleidungen der
Frauenzimmer erheben sich stolz/ und gehen weit über
das Zierliche, Nette und Reinliche hinaus. Das macht
auch die Ehen so unglücklich, so viele Familienfeind-
sckafteu! so uiel Haß und Neid. — Doch haben auch schon
edle Frauen das Beyspiel gegeben, daß si: sich durch
wirklich bescheidene Kleidungen auszeichnen/ und weni»
«er Aufwand machen als viele Weiber und Töchter der
mittlern und unter». Stande. Selbst die Herrn uo»,
der Negierung beweisen a»ch solchen Personen die sitt»
samlich ciuhcrgehen, die meiste Attention und Junei»
gung. Dadurch werden auch die Gesetze geehrt.
Das kob, welches anfSeite 87 und «8 des itcn B<M»
des de» schonenBerncrinne» gegeben wird/ ihre bey»
spiellost Vcschcidcndeit und Selbstkenntniß, mag
wenn es keine Satyre ist/ ein schmeichelhaftes Compli»
ment seyn: und wie ein verständiger Bürger von Bern und
Herr vom Stande bey diesem Anlaß gesagt hat: „ D i e «
Lob ist mehr schön — als w a h r » Ja er setzte hin»
l« : «Es wäre vielleicht im Gegentheil hier der schicklichst«
«Anlaßgewesen, zu sagen- daß das unbürtzerliche Di»
«stinguirell »misten« v o m Frauenzimmer hcrkom»
O4
j,me, und unter ihnen viel weiter getrieben x»ssi>i,
»als unter Mannspersonen.,, —
Daß auf den Ballen im Hôtel dcMutique bit Jrauett»
zimmer sich den Rang geben, wie in der Beschreibung
«on Bern (Seite 87) behauptet wird / ist ein Irrthum.
Die Sache verhält sich solacudnMassen: Nicht nur bey
den Tanz » Societäten im Hôtel, sondern auch bey
andern dergleichen Gesellschaften/ wird man durch Ein»
schrcibung aufgenommen ; jede Tänzerinn erhält zu den
Englischen Tänzen / von dem Direktor oder Ccremo»
nicnmcister d u r c h s £ 0 0 s eine Karte/ mit abwech»
feinden bessern und schlechter« Nummern / auf dieser
Karte ist die Colonne und der Platz welchen sie in der
Gesellschaft haben soll, auf den ganzen Abend bestimmt.
Der Charakter der Mannspersonen ist schon zutrau»
licher und umgänglicher, auch ihre Kleidung ist sehr
bescheiden und bürgerlich anständig; und man siehet
mit Vergnügen, daß sie überall dem Soliden den Vor»
zug vor dem bloß Scheinbaren geben. Selbst der über«
siüßige Aufwand einiger vornehmen Berner zwecket
ine&r auf Vergrößerung biuclichcr Bequemlichkeit, als
dahin ab, in den Augen anderer durch Pracht zu glin»
zen. Nirgends wird Pracht in Equipage« , Kleidung
«. f. w. weniger durch den Beyfall des Publikums aufge»
muntert als in Bern. Man kennt ohngefehr die Vcr»
migensumstände eines jeden seiner Mitbürger, und wenn
der Aufwand eines Mannes seine bekannten Reichthü»
mer übersteigt, so crudtet er durch seinen Luxus anstatt
Bewunderung / Geringschätzung ein. Sogar bey tim •
großen Häuft,! der so gern alle« Glänzende anstaunt und
hochachtet/ hat dieß bey uns nichtPlatz. Em reich« Pa<
trizi«, der in einer schönen Equipage ba&eccollt/ sich alle
Tage in einem neuen Frack und geschmackvollen Juwele«
spiegelt / wird deswegen in den beste» Gesellschaften um
lein Haar höher geachtet, als der weniger begüterte,
der alle seine Reisen zu Fuß thut, und alle Tage mit
dem gleichen simplen Rocke erscheint. S o wie aber über-
mäßiger Lurus nickt gefällt, so wird hingegen Knickere»
«nd besonders Eigennutz mit einer auffallenden Verach«
tu.'ig gcbranduiarkt.
S o vorthtilhüft diese Charaktcristick der uornehmen
Verner ist/ so auffallend ist auch die Gefälligkeit welche
ehrbare Minner dcs Mittelstandes gegen die Landleute
und die Fremde äussern, wenn sie in Gesellschaft«» und an
öffentlichen Vcrgrn'igensorten sich antreffen. Vffcicher«
zigkeit aber scheint nicht der herrschende Zug im Charak«
ter der Berner zu sey». Sie haben darin» das Eigene, daß
sie eher zu t a l t , als zu warm, eher zu zurückhaltend
und bedenklich , als zuvorkommend und zutraulich sind.
Was unsere Sitten noch am meisten geschützt hat,
die doch gewiß weit verdorbener seyn würde», das ist
das weise Verbot aller Schauspiele oder Coinödien—
Nichts zerrüttet den Geist eines Volkes geschwinder,
macht ihn fa»lle»zerisch, zum Müßiggang geneigter,
«nd zur wahren lebenswcisheit ungeschickter, als dos
»veichliche bildliche Vorstcllungsspicl der verdorbene»
Welt, der Em»findcleyen, der Ritterthorheit, des Prunk«
mit Lhcatcrtiiqcnden. — J e weniger ein Staat Balle
und Conwdien duldet, je langer wird er start und gc<
fund an natürlicher Denkart bleiben. Eber noch Spiele
des Hanswursts und der Hofnarren würde ich einer
Nation erlauben * ) , als die heilt zu Tag gewöhnliche»
Lranersviele und Singstückc.
Haß dennoch in Bern viel Müssiggang herrscht,
wird fein unpartheyischcr Beobachter leugnen. Viele
Leute scheinen äusserst beschäftiget, sie reden auch stet«
von ihren vielen Arbeiten, man siehet aber durchaus
nichts gethan, lie geringste Sache wollen sie aufschie«
bcn; sie «erlangen gar sehr ihre Bequemlichkeit. Frühe
an die Arbeit —und frite Erholung, das kennen nur
wenige. Die »iclerley Nedcngcschnfte, die mansichzu
seinem Vergnügen oder aus Ehrgeiz macht, und wobl
ebenso gut „»gethan bleiben könnten, verschlingen viele
kostbare Stunden des Lebens.
Die I^lldfrc^'heit (ob sie gleich sehr beschrankt
ist *'), Hai auf die Einwohner in der Stadt den nach»
tliciltaen Einfluß, daß sie die Sitten rauh und hart
macht! viele Zeituerschwendung führt sie ohnehin mit»
sich, da nichts so geschwind zur Leidenschaft wird wie

») Die doch zum Lache» rciieit möge», also heilsam für unsre
rdiuliiu melancholische Veisteistinnnuna ff»« tonnte».
**) Acht Monat lau« («om Icnner bis i» Herbst) ist aNei Iaaen
«erboten.
dieses Vergnüge«/ wenn man sich demselben überläßt.
Die HalishaltlMi,sgcschnfte müssen auch nothwendig bey
dergleichen paßiomrten J ä g e r « leide», und in Un«
«ldnung kommen.
Wenn es wahr ist/ daß der Fleiß und dlc^agesar-
bciten de« Einwohner in die Einnahme einer Nation
komme«/ daß sie um so mächtiger und reicher ist/ je
fleißigere Hände sie hat; um so gewisser ist es auch/ daß
.trägheit, Nachlässigkeit, Zeitucrschwcndung in dicAlls»
gaben kommen, die das Land drücken. Dem Fleißige»
wird mehr Arbeit aufgeladen als recht ist, die zuneh«
mende Bequemlichkeit der Kinder, die ein so schädliches
Vevspicl sehen, macht ihr Schicksal noch härter unb
schwerer, als alle Fürsten «Abgaben und Frohndienste.
Zum Beyspiel, ivcnn der Bauer der Bequemlichkeit
frolmt, so miisscn die Sladtlcute ihm alles noch so theuer
bezahlen; seine geringste Muhe wird er doppelt hoch
«»schlagen; alles was er zu Markt bringt, muß ihm mit
Geld aufgewogen werde« ; der saure Schweis des armen
Handwerkers fließt ganz in de» Sack des Vanern. So
braucht man in der Stadt mehr Geld als sonst; nia«
bat mehr Müssiggänger zn ernähren, die mit Cünoc«
ihr Brod essen. Wie riele Mäuler verengen das Mit»
tagsmahl, die es nicht «erdient haben ? deren Arbeiten
«ar niemals,i« die Einnahmen der Nation kommen?
Aber hier, muß,ich einem gemeinen Vorurthcil be<
geguen, da die gemeinen Leute glauben, »nd «orzüglich
der Baue» glaubt es, die Stadtleute thun gar nichts)
-»eil sie nicht mit Pflug u»d Karsch, mit Dreschen und Fut»
t««n sich abgeben. Mancher Mann, der in seiner Stube
ein stilles Geschäft treibt/ strengt seine Leibes - und Oee»
lenkräfte unendlich mehr an als solch ei» Lagwerk«.
Mau lerne doch billig seyn, und einem jeden Stand
seine Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen die ihm ge»
bührt. Fleißig sey», zu dem Gewinnst der Nation —
das kann auf tausenderley Arten geschehen ! und es wir«
kläglich, wenn alle ein oder das nämliche Gewerb und
Geschäft treiben wollten, da würde die bürgerliche Ge
sellschaft bald auseinander gehen müssen.
Man kann zur Ehre der vornehmen Verner sagen,
daß die Liebe zum Landleben täglich bey ihnen zunehme,
und uiele unter ihnen sind sehr geschickte Landwirthe,
dadurch vermehren sich die Landesprodukte, und auch
der V a u « verbessert hie und dort feine Qekonomie nach
dem Beyspiele der benachbarten Herren. Freylich ent»
fernen sich aber auch im Sommer eine große Anzahl
von Regierungsgliedern von der Hauptstadt, daß da«
durch die Arbeit derjenigen, die Pflickthalber zu Bern
bleiben müssen, um vieles erschwert wird.
Das Besuchen der Bäder und Gesundbrunnen,
hat, der Verfasser der Beschreibung von Bern l i t «
Theil, Seite »y) als ein Hauptvergnügeu der Berner
angegeben; es ist aber nur in so fern wahr, daß die Be<
sitzer von Landgütern selten an solche Orte kommen : denn
der begüterte Berner hält sich mehrentheitt auf seinen
Gütern still; ob man gleich gestehe,« muß, daß die Herz»
lichkeit, Zutraulichkeit und wahre landsm^iinische Em«
Verständniß unendlich dabey gewinnen würde», wenn matt
sich allgemeiner im vertrauten Umgang einige Wochen
genießen würde / wie es in einigen Bädern / zum wahre»
Lobe der Berner / wirklich geschiehet; — wo landman»/
Städter/ Fremde/ sich sehr aufgemuntert finde»/ weil
sie sich alle gleich herzlich gnt-sind, und sich einander
alles zu Gefallen thun; auch behält die Bekanntschaft/
die man so im Bade gemacht hat/ stets eine herzlich
frohe Zurückerinnerung. Wie oft dachte ich/ wenn ich
dies so mit ansah/ warlich der Mensch ist nur bist/ weil
er sich verstellen muß / weil er unter dem städtischen
Zwang lebt; wären wir der Natur näher — wir wären
«ns alle wie Brüder:
Die Sitten in der Stadt würden noch besser s«)«/
wenn die weibliche Eitelkeit nicht allmächtig wirksam
wäre. Man fühlt es aber jetzt in allen Ellropäischen
Staaten/ daß die Generationen herunter gekommen sind
durch die weibliche Weichlichkeit, die auch die Männer
angesteckt hat. Daher kann man fast nirgends mehr
reinen achten Rcpudlikancrgeist antreffen. — Alle Natio>
iK» find sich im Charakter gleich geworden. Daher
stehen auch die Schweizer mit allen cultivirten Völkern
m allen Bedürfnissen gleich, und also auch in den Sit»
ten, in ihren Tugenden und Lastern, —
226

Trunkenheit. Ausartung der Sitten meh-


rerer unsrer Landleute.
Es ist schrecklich, wenn man in viele unsrer Dörfer
fournit/ wie die Wirthshäuser so voller Bauem sind.
I n allen Iahrszeitcn wo oft der Landmann so überhäuft
zu thun hat, bringen sie halbe Gage lang darinn zu. '
Das macht viele Jinker und Prozeßbauern ; denn dir
««ordentliche Mann ist allemal zum Hader und Streit
aufgelegt. Man beschuldiget den Handwerker in Etäd»
ten wenn er unter Gags in ein Wirthshaus gehet/ er
sey ein Lump und schlechter Mann; was sollen wir aber
von betrunkenen Bauern sagen? Welche Erndte kann
man bey solchen Tagvcrderbern hoffen?
Damit man mich nicht beschuldige als übertreibe
ich diese Schilderung, so lasse ich gerne angesehene
wahre Vatcrlandifreunde (aber nicht Egoisten, die alles
nur mit der Brille der Eigenliebe sehen) statt meiner
das Wort führen.
Ein Mitglied der ökonomischen Gesellsthaft vo»
Neri, schreibt: Das Laster der VöNerey ist unter unser«
tandleutcn gar sehr im Schwange. Unter den Bürgern
,!>ld Einwohnern der Sind« hat dieses Laster merklich
abgenommen, aber dagegen nimmt es auf dem Lande
zu. Unter den Bauern find die Hausvater durckgehends
in geringer Anzahl, welche nicht dieser schändlichenNei»
gung anhangen. Dadurch wird diclandwirthschaft »er«
säumt, ProZrßsucht genährt/ der Ehefrieden ist gestirt,
die Kinderzucht ist ganz dahin; — und der Ruin vieler
Familien nimmt überhand. (Man sehe auch nur all«
8 Lage unser Berner Wochenblatt a n ; wo mehrere
BevogtuNlien und Vergantungen vorkommen und vor
Oiufern und schlechten Haushültern gewarnet wird.
»Wie können wir aber (fährt die ökonomische Gesellschaft
»von Bern fort) eine Verbesserung hoffen, da die meisten
«Taverneniechte Herrschaftliche Kleinodien sind; da
«unsre bürgerlichen Häuser bald alle zu Schenken ge»
«macht werden, und die Wciuhandlung fast die einzig«
«ist, durch die sich Patrizier und angesehene Bürger
«nicht entehrt glauben. Die fruchtbarste Anstalt würde
«diese seyn, dal man die Gelegenheiten zu den Sauf»
«gelogen und der Volksverfühlung lieber verminderte,
«als stets zu vermehren trachtete —„ ').
Durch Einlösung mehrerer Taverncnrcchte könnte
man viel Gutes stiften. Es ist laut den gedachten
Schriften der ökonomische« Gesellschaft, auch dem Ver»
fasscr eine Dorfgemeinde bekannt, die durch Einlösung
des Tavernenrechts und Unterdrückung desselben, sich
vor dem nahen Ruin bewahret habe. (Schriften der
ökonom. Gesellschaft 1766. S t . II. Seite - 7 )
Ein anderes Mitglied dieser patriotischen Gesellschaft/
Herr R- T . schrieb schon im Jahr 17» 0 von der Gemeinde

») Siel« die?!l'l,«,!>lun«en dcr bfonomistfcn VeseNi'chnfl m


83«», Inlirza», 1 7 « . gtiicf 2 , Elite 2«.
des Kirchspiel Nötzberg int untern Aergiu: «Matt
wird schwerlich in der Schweiz so abgehärtete Leut«
finden wie hier. Sonst wäre der Feldbau in diesen Ge<
gcndcn fast unmöglich; ist aber der Wein im «cberfiuß,
folglich wohlfeil zu haben, so ergeben sich die Bauern
dem Trunk dergestalt, daß sie aus rauhe» aber arbeit»
famcn Landleutcn, zu wilden und vollkommen unbän»
digen Menschen werden » — *).
Auch die sonst so guten Leute im Saancnlande tragen
ihre Bergwaaren nach Vivis, und nehmen dagegen den
testen Seewein in ihre Hütten zurück. —
Vie Vewohncr des Oberlandes am Bricnzersie,
zu Xtttyvingtn und Hasly schildert Herr Pfarrer
S p r ü n g l i folgcndcrmassen *): „ Diese Mann»
schaft ist schön, gesund und stark; die gewöhnlichsten
Krankheiten sind Fieber und der Stich; letzterer kommt
von den kalten Glctscherwi>»dcn, wenn man er»
wärmt ist/ und plötzlich wieder erkaltet.— Nahrung
und Kost ist geringe. Reiche und Arme leben von Milch«
speisen; von cingesalznem Fleisch / Ziegenmilch »nd Erd»
Äpfeln- — w e i n kommt gegen ICO:> Säume ins Land/
die etwas zu 16000 Kroncn kosten. Es mögen etwa neun»
hundert

*) S>»n»!lu„g iit ot»l!»mlschel! GescNschast »on "Bern, Itcr


V«»>/ (Seite 46?.
«) Al'l>n»dlun>> der ijfonwn. Glsellsckast von Bem ! ? « . ' <»
Htiick, Seil* 131.
hundert Haushaltungen seyn; folglich käme fast auf
eine Haushaltung i Saum ; ein Saum hält ico M a a s .
Jetzt ab« kommt weniastens dreymal soviel Wein i«
diese Gegend, weil die jährlich zunehmende Menge Dort
Reistnden e« nöthig macht, uno auch die Elmvohner sich
immer stärker daran gewöhnen. —
Das Kirchspiel Rrrzerz, oberhalb Vern, nahe
am Murterste, schildert ein Mitglied de, ökonomischen
Gesellschaft *) : Die Leute sino dienstfertig und freund»
Iich<— «Aber eines ist zu bebauten, vaß die vsrMgli«
«che Liebe zum w e i n , sie zu verschiedenen Aus»'
„schweifunFen verleitet, deren sie sich nüchtern, zu
»schämen haben. >,
Del kürzlich verstorbene Herr Seckelmeister voit
Tscharner, als er «och auf seiner Qbervogtey Sehen«
keuberg im Amt stund, schrieb an die ökonomische ®c*
sellschaft in Bern von seinen Angehörigen: — „De*
Mißbrauch des Weins ist auch hier sehr gemein; die
Hauswirthschaften leiben durch die Nachbarschaft des
Wirthshauses, die Pest der D ö r f t t , die der Oekö<
tiomie der Bauern nicht weniger als seinett Sitten
und seiner Lebensart schadet.,, (Oekonom. Adbandl.

Die Vesoffeicheit aber ist beynahe auf den höchsten

*) «lkmiluna »n V«tne« ïïi)iu>mi(t)tn ««stNschast 1 7 « .


<3<itt 7 3 .
II. Theil. m
Mpsel im Berner Wclschlande (Pays de Vaui) gestie-
gen. Die welsche» L a u e r n haben meistens dieses Loss,
daß ihr Aufenthalt das Wirthshaus ist: >vo sie auch al>
les sitzen lasse»/ was sie gewinnen und verdienen. —
Und es ist leider auch bey dem große» Theil unsrer
deutschen Bauer» wahr — daß sie den Wein zu stark
lieben.
Herr Pfarrer llluret zu M r i s schreibt von der
landschaft Waadt:
«Die Trunkenheit ist in einigen unsern Stidtcn
«nd Dörfern auf einen so hohen Grad gestiegen, daß es
«lle Aufmerksamkeit der Regierung verdient. Den«/
ohne von den,Trunkenbolden zureden/ die daraus ein
Handwerk mache», und die ein Cchandflcck dcr Mensch«
heit sind! die auch ihre Arbeit völlig verlassen, und die,
fo zusagen, ihren gewöhnlichen Wohnsitz im Wirths'
Haus haben; so sehe ich doch, daß fast alle unsre Hand«
werker täglich und regelmäßig in den besten Tages»
Stunden, zum grösten Nachtheil ihrer Geschäfte, tarin»
zubringe». — Was noch mehr ist, so hatte ich die Neu»
gierde eines Tags das Todtcnrcgistcr einer unsrer kleinen
Landstädte durÄizusehcn, und diejenigen auszuzeichnen,
deren frühzeitiger Tod dem Wein zugeschrieben werden
konnte; die Zahl derselben war so stark, daß icl> mich
nicht scheue zu versichern, der w e i n todte in unsern
Städten und Dörfern eben so viele oder vielleicht
noch m«hr Männer, als d« Seitenstich, die Fieber uni
die bisartigßen Krankheiten, die wir bey uns tfn&rt»
misch Haien ,, — • ) .
Bloß durch «ine bessere Erziehung der Landjugend
kann man diese häßliche Neigung schwächen. '. Die Vor«
steh« des Volks sollten ihr ganzes Ansehen dahin ver-
wenden, bessere Gefühle in diese ausgeartete Leute zu,
pflanzen. Verbote und Mandate helfen da nichts, wo
es zum allgemeinen Nationalübcl geworden ist. Nur
nach und nach kann es sich zur Besserung anlassen, wie
es auch, in Deutschland geschehen ist, wo ehemals die
gleiche Klage geführt worden. , Aber um Gotteswille»
man vermehre dock nur nicht stets diei Wirthshäuser/
die Keller und Pintenschenken:
Und nach diesem traurigen Gemälde siehet man,
nie es ganz natürlich zugehet, daß wir an vielen Orten
so schlechten Feldbau haben: und daß die meisten Bauer»
aus Liede zum Wein verarmen. Ueber d»S Vermögen
solcher Verschwender wird auch nicht eher ein Vogt ge»
setzt, als bis nichts mehr vorhanden ist.
Vielen Gegenden aber gebührt das Lob, daß sie
nüchterne Leute haben. «Die großen Markttage
ausgenommen, trift man hier fast niemals eine»
Vetruntenen a n ; , , - sagt H " in der Beschreibung
des Amts Vurgistei!» **J. Die ganze Woche hin«

*) Muret aeUintt Pretsschritt über »ie Enw»llcr«N« »es


Paui »e V,N!d. Seite 102.
**) 0c*»m>m. Al>l,«„l>lu»« ,7<l. «Seite 3S4.
P 3
durch gehet niemand ins Wirthohaus / und am
S o n n t a g sitzen da nur sehr wenige und nicht sehr
«eachtete Bauern. „ Dieses Lob gilt auch iioch von
manchem Berner « Dorfe. Wo wir es so finden, da
rufen wir voll Freuden aus: Hier sind die Leute so
braf/ wie die Bauern zu Burgistei» I
Wohlthätigkeit, Mitleide» findet man daher
bey den Gtadtleutcn uiel allgemeiner als bey den Bauern.
Auch dieses kommt aus der schlechte» Erziehung. Wes«
senHerZAicht gebildet ist/ wird immer hart, und wenn
«s dieUmstHnde mit sich bringen, sogar grausam seyn.
Selbst Kindel und Elternliebe ist geschwächt, die sonst
doch selbst das Ghier gegen seine Jungen hat, und die
auch der natürliche Mensch noch behalt, wenn er nicht
vom Geiz, Eigennuh und dem Geldteuftl angesteckt ist.
Die Armen unter den tandleuten sind daher oft sehr
übel daran, die von der Gunst und Mitleidensfihigkeit
solcher Menschen abhangen müsse». Doch füge ich hier
mit Vergnügen auch bey, daß wir hierinn nicht gar zu
allgemein klage» müssen, sondern an die bessere Mensch«
heft noch glauben sollen, daß es mithin noch Gemein«
den giebt, die sich rühmlich durch ihre Mildthätigkeit
auszeichnen. Freylich sind diese Charakterzüge, wie der
nachstehende, weit seltener und einer grossen Bemer,
lung werth, well sie unter unsern reichen Bauern fast
nicht erhört sind. Aber zur Aufmunterung muß es nicht
vergessen werde». Ein brafer Laudmann aus dem Amt
lenlbura, wohnte in der Nachbarschaft von den zwey
Heilbäder» : Schinznach und Baden, wo alle Jahr sehr
«rme Personen aus allen Nationen Hülfe suchen. Er hat
den trauriaen Anblick so vieler Elenden sich zn Herzen
gehen lassen / und gab im Jahr 173; acht tausend G u l .
de» an diese beyden BsHer ; nämlich Gchinznach »
tausend/ Baden 6 tausend Gulden. Sein Namen ist
G e o r g Löscher/ von Miriken.
So schön wie diese G r o ß m u t h eines gemeine«
Mannes ist; so erquickend für das Herz ist auch der Anblick
der alten ehrwürdigen Greise unter dem Bauern»
stände/ die sich noch al«Ueberbleibscl deraltcn,Welt/
und von gutem ächten Schweizerschlag in unserm Kan>
ton finden! Daraus schliessen w i r , daß die Zucht in den
vorigen Zeiten auch besser müsse gewesen seyn '. Ihre
alte Redlichkeit/ ihr heiterer freunvlicher Blick/ ihre
Dienstfertigkeit macht sie Fremden und Einheiniischen
schätzbar. Selbst bey abgenommener Leibeskraft habe»
sie doch guten frohen S i n n und mehr Liebe zur Arbeit als
die Jungen. Offenbar muß es sich also mit der Bauern«
Erziehung seit einem halben Jahrhundert sehr verschlim»
mert haben. Unter den Alten ist mancher belesen.«
weltkluger M a n « / der über alles was das Vaterland
angehet, sehr vernünftig urtheilen kann. Auch tonnen
viele bejahrte Bauern von so und 60 Jahren besser lesen
und schreiben als so viele Jungen v o n : ; bis 40 Jahren.
Wenigsten« fand ick Hies «n vielen Orten so. Die Zucht
der Alten mag auch darum mehr Kraft und Nachdruck ge»
^habt haben, weil sie religiöser, frömmer und eiftiger
i m Christenthum waren: denn die Religion all<in schafft
gute Menschen; sie giebt Würde, Sanftmuth; und
macht menschlich»wohlthitig,
Herzerfreulich — ich sage es noch einmal — ist es /
wenn man einen redlichen alten Bauern siehet; eine«
Altvater/ einen Großvater im Kreis seiner Enkel—:
und Gottlob, der gute Saamen ist «och nicht ga«l
tinter uns ausgegangen.
V « einigen Jahren ist es gesäiehen / daß die Obrig»
seit einen Landman» mit 100 Bern » Pfunden beschenkt
h a t , der an der Landmustcrung mit der hellparte in der
Hand / in Begleitung seinersiebenSohne erschienen ist/
die auch alle das Gewehr trüge«/ und alle schöne erwach»
sene, gesunde Männer und rechtschaffene brasc Bauern
waren. Vier dauon sind auch schon wirklich verheyrathet
gewesen / und hatten eine Schaar gesunder Kinder um
<ick her. — Solche Beyspiele sah man in vorigen Zeiten
viele/ jetzt aber erzählt mansieals Seltenheiten.

Vaurenmädchen; ihre Ausartung in den Städte»


und i n Wirthshäusern.
Betrachten wir auf der andern Seite das weibliche
Geschlecht unter den Bauern/ so find auch hier die
Spuren der Ausartung sichtbar genug. Die einen sind
so grob und unwissend, daß sie in einer Haushaltung
mehr zerstören als aufrichten. Andere die Witz und et»
was Lebensart haben / sind gar hiufig der Galanterie
und Koketterie ergeben. Haben die Magde in de« Stadl
gedient/ so taugen sie nicht mehr für den Feldban.
Von der vernünftigen Kinderzucht haben alle fast ga«
keinen gesunden Begriff. Schreiben und Lesen können
die wenigste«/ ja so gar siehet man in die Stadt «er«
hcyrathete Frauen von reichen E l t e r n , die von dem
lande abstammen, die aber so wenig wie die plum»
feste Viehmagd weder schreiben noch lesen tinnen.
Die Eltern wenden ihr Geld lieber an reich« Erbgüter
als an Sitten und Seelenbildung ihrer Kinder. Wa<
ist bey solcher Deukungsart für die Moralität zu er»
warten? Ack/ wir fühlen es nur zu gut, daß die Er«
Ziehung selbst bey den Reichsten auf dem Lande höchst
erbirmliä) ist/ und der Menschheit zur Schande gereicht !
Ware eine bessere Erziehung unter uns/ so würde
man auch ftohl ohne Zwangsmittel das Riltgehen ab«
kommen sehen, denn es beleidiget jeden Menschen von
einiger Sittlichkeit, Nackts wenn alles im Dorf schläft,
den Lerm von solchen muthwilligcn Leuten erdulden zu
müssen, und Vater und Mutter zu se»n, «nd seine
Lichter nicht sicher wissen, — wodurch auch schon die
jungen unmündigen Kinder mit allem bekannt werden,
was die Unschuld errithen machen könnte. Hoch leidet
das Riltgehe» unsrer jungen Banern auch eine Ein«
schränkung. Man beschuldiget gemeiniglich alle Berner
Landschaften (denn in andern Kantonen weis, man von
dieser Kiltgilby nichts) daß alle junge Bauernkerle diese
freche/ grobe und zudringliche Gewohnheit haben, sich
P4
d«s Nachts in die Häuser ihrer Nachbauern zu schleiche»
wo Mädels sind ; das ist aber nickt so : angesehene wohl»
habende Bauerntichter leiden dieses nicht; sondern der
Gebrauch ist nur unter Knechten und Mägden / und bey
muthwilligen Plirschcn , die es oft in der Trunkenheit
und gegen den Willen ihrei^Eltein thun. — Doch muß ich
hier den herzlichen WunsÄi belügen, daß dieser sittcn»
lost Gebrauch, an welchem sich auch alle rechtschaffene
Fremde irgcrn / die davon hören , einmal abkommen
mochte. Lange genug hat man diese frevelhafte Kühn»
heit geduldet-
Die geputzten Magdc aus der Stadt tragen nicht
wenig zum Eittcnvcrdcrbniß auf dem Lande bey; denn
wenn sie wieder in ihre Dörfer kommen, so spiegeln sie,
den Bauernmadchen ihren Stolz und ihren Kleiderstaat/
mit so vielem Geprlng, mit so vornehmen Manieren vor :
sie pralcn mit dem leichten Erwerb des Geldes und den
Freuden des Stadtlebent; so locken sie manches brafe Mäd-
chen zur Koketterie und Wollust. Auch die vielen galanten
Kammerdiener und Knechte, die wir in der Stadt habe»,
schaffen uns manche feile Dirne, und ziehen sie in die
Häuser der reichen Fremden und Vornehmen—
Könnten wir den Müssiagang und die Faullenzerey de«
«roßen Anzahl von Knechten und Migden vermindern,
o so würde unsern Sittcn ausserordentlich geholfen!
Denn der Müsslggana ist die Quelle alles Uebels:
Herr Pfarrer M u r e t sagt: S o . viele Vauerntöchter,
die von ihrer Geburt bestimmt sind, einen Landmann zu
heyrathen / ihm in seiner Arbeit Hülfe leisten sollten,
sind für ihren Stand vcrlohren, sobald sie in Stadt-
dienste treten. Fünf bis sechs Jahre/ die sie in der
Stadt oder auf Schloß«» zubringen, machen sie zu
ihrem Beruf für immer untüchtig. «Ein solches Mad«
cken, das an einen muffigen Hausdienst, und an eine
allzuniedlichc Nahrung gciröhnt worden, findet sich in
einem ganz andern Elemente, sobald sie in ihr D o r f
zurückkehrt; ihr geschwächter Körper kann die mühsame
Feldarbeiten nicht mehr aushalten, noch weniger starke
Kinder gednhrcn, die zur Fcldarb eit tüchtig sind. Glück»
licher Weise haben diese Geschöpfe selbst einen Wider»
willen auf das Land zurückzukehren, und rechtschaffene
Bauern haben »och Verstand genug, wahre Bauriunen
solchen Amphibien und ver;?.rtelleu Nymphen vorzu»
ziehen. — Diese Bauernsiaulcins finden in der Stadt
Heirnmäßige Bauern genug, die ihnen die Aufwartung
macheu; sie heyrathen einen Kammerdiener aus unfern
guten Häusern. Das ist eine Heyrath, die sich auf das
allerbeste zusammenschickt. Es fehlt ihnen beyden nichts
als die Häuslichkeit und die Lust zur Arbeit. — Was
wird aber aus dieser neuen Haushaltung werden? Zuletzt
wird doch die Baucrngemeinde sie aiifnclinicn müssen.
Inzwischen aber so lang eS gehen mag, geht c« so zieni»
lich zwischen wohl und übel hin. Ein Handwerk vcr»
sieht der Mann nicht! er wird ,wenn es gut geht, ein
Vintenschenk, Wirth «der Detailhändler. Die Kinder
fallen der Gemeinde zu. „
Hat sich «ine Ma,d in einem guten Dieusthause et»
was «spart/ so macht man ihr noch im Alter Anträge
zu« Ehe. I h r Geld hat Reize. Was für elende Ehen
täglich gemacht werden, kann man auf unsern Chorge«
«icktcn hören / denn diese Streithändcl endigen niemals.
Manche solcher Weibspersonen haben sich auch ins Bür«
gerrecht gehcyrathct, damit sie sich scheiden lassen, und
hernach als Bürgerinnen Handel und Gewcrb treiben
und an den GeftUschaftsgeldern Theil nehmen könnten.
Die Männer waren betrogen. Vor einigen Jahren hat
man aber in Bern die gute Verordnung gemacht, daß
alle solche Weibspersonen, die sich nicht wohl aufführen
und von Bürgern scheiden lassen, keinen Theil am Bür»
gerrecht haben sollen.
Auck die Mädchen die sich noch am besten halten,
werden doch verzärtelt, sie nehmen einen stolzen vor»
nehmen städtischen Ton an; und die Arbeit will ihnen,
wenn sie in guten Häusern gedient haben, nicht mehr
schmecken I h r Schicksal ist elend. Tißot, unser Lands»
man», sagt in seinem Avis au peuple sehr wahr von den
vornehmen Stadtmägden die im Putz, in der Tände»
ley, und im Müßiggang herangewachsen sind:
„ D i e Stadtmägde können nach einem Dienste
von zehn oder zwölf Jahren nicht mehr tüchtige
Dorfweibcr werde» ; und welche diesen Stand
noch ergreifen, erliegen gar bald unter der Ar«
beit, deren sie nicht mehr gewachsen sind. Wen»
man auf dem Lande ein Weib siehet, das aus der
Stadt gekommen und sich vcrchlichet; so tarn
man schon nach einem Jahre wahrnehmen, wie
sehr sie bey dieser Lebensart veraltet; oft scheitert
ihre Gesundheit bey dem ersten Wochenbette, w«
sie sich nicht so gemächlich pflegen kann, als eö
ihre Weichlichkeit erforderte; sie verfällt wohl
auch in einen Stand der Ohnmacht, Blödigkeit
und Entkräftung; sie bekömmt kaum mehrere Kin-
der; und diese werden, mit den Ehegatten, un«
nütze Glieder des Staats.,,
«Unzeitigc Geburten, verschickte Kinder nach
einer verschwiegenen Schwangerschaft, Unmög«
lichkeit einen Bräutigam zu finden, sind oft Wir«
lungcn ihrer ausgelassenen Lebensart.
Es ist zu besorgen, daß diese Uebel noch mehr
lunchmcn, seitdem man aus Mangel erwachsener
Leute, oder aus ökonomischen Gründen, angefan-
gen hat, Kinder in Dienst zu nehmen, deren Kör,
per und Sitten nicht gebildet sind, und die durch
den Aufenthalt in der Stadt sich der Faulheit,
den bösen Beyspielen und schlimmen Gesellschaften
in gleichem Verhältnisse ergeben.,, —
Bey einer solchen läge der Dinge muß ma« sich
fast wundern, daß nicht noch mehr Sittenlosigkcit un>
Roheit unter dem Volke herrscht/ als wirklich ist. Man
nehme «och dazu das Beyspiel so die Kinder von ihre»
Eltern sehen; und die immer stärker zunehmende Wan»
derunae» der Fremden durch unser» Kanton, die der
Eitelkeit der Bauernmädchen so hoch schmeicheln —:
so ist die weibliche Hauselire auf dem Lande in de«
»that noch besser beschaffen als man gemeiniglich glaubt.
Wenn aber die reichen wollüstigen Fremden ein Land
so überlaufen, wie das Oberhaoli, und die Gegenden
um die Gletscher, so müssen die Sitten von Jahr zu
Jahr noch mehr verdorben werden. Gegen die Verfüh»
rung der Fremden kann keine Obrigkeit schützen, oder
sie verbiete den Paß allen solchen muthwilligen Schwel»
gern: die nur reisen ihre Curiosität zu befriedigen, nicht
um die große Natur in unsern Alpen zu bewundern und
dem Gott der Schöpfung näher zu seyn: dazu haben die
wenigsten einen S i n n ; — Sich einige Monate aufKosten
reicher Väter »der eines erhcyratheteu Erbguts gute
Lage in unsern Bergen zu machen; voilà leur but! Der
Anmcrkungenschrciber z» der deutschen Uebersetzung des
Gouvernement de Berne, so zu Berlin I?93 herausge»
kommen, sollte also wohl ein wenig vorsichtiger urthci'
len können. Am Brienzcrsce, im Dorf Mcyringcn und
im yaslithal schildert er die Jerrüttuug der Sitten
folgendcrmasscn, und er bürdet sie gleichsam dem ganzen
Kanton Bern auf. — Er sagt : «Diese Sittenvcrderbniß ist
im Kauton so allgemein, daß man sie noch in den
entferntesten Alpen wiederfindet. Ich hatte im vorigen
Jahre Gelegenheit/ in diesem Punkte über die Hasli»
thaler Beobachtungen anzustellen, die mich in «nwillp»
ge« Erstaunen versetzten. Ich mußte wegen des schlech«
ten Wetters einen Sonntag in Meyringen liegen blei»
ben, w» ich eine Anzahl junger Herren ausDeutschlan>
antraf, welche um sich die Zeitz« verkürzen/ amAbenb
den Bewohnern von Meyringen einen Ball gaben *),
wobey auch ich nicht ermangelte / mich als Beobachter
einzufinden, und in der That reichen Stoff zum Beobach«
ten fand. Die Mädchen und jungen Weiber/ die sich
in ziemlicher Anzahl eingestellt hatten, zeigten nicht nur
bey den schmutzigen Scherzen und unanständigen Zumu»
thunaen, welche, «ohlgemerkt/ von Seiten der Frem»
den an sie ergingen, eine sehr bedeutende Duldsamkeit;
sondern waren selbst in Reden und Gebehrden so zuvor«
kommend, daß es jeden unbefangenen Zuschauer empören'
mußte. Wie sehr die Sittenvcrderbniß selbst schon auf
die Sprache gewirkt habe, bemerkte ich unter andern an
dem Worte, Heiratiien, welches die Mädchen, ohne
zu erröthen, ganz in dem niedrigen Sinne brauchten,
de» der verderbte Franzose dem Worte baiser beylegt.
Um dieses Gemählde Noch widerlicher zu finden, muß
man bemerken, daß bey dem Allen Väter und Gatten'

») D» sich« man die Haasenslitze; in einem Dorf einen «»N1


in »er Nachbarschaft so Himmlisch «r«ße» Natur einen «lall:
»! fifre* ose Ei«,nschilderer!
und Brüder nicht nur müßige Zuschaue« waren: sondern
wohl selbst noch durch Wort und That aufmunterten.
Vorzüglich, wiewohl auf eine unangenehme Art/ inte«
«ssant war es mir, die« in einer Gegend zu bemerken/
in welcher man sich durchaus nicht mit Manufaktur«»
lieit beschäftigt. Es ist bekanntlich eine in der Schweiz
fast allgemein angenommene Miynung, daß die Sitten
eben durch die Einführung der Manufakture» so seh«
verderbt worden seyen; indessen muß ich gestchen, daß
ich dies durch meine Beobachtungen nicht bestätigt ge»
funden habe/ indem ich oft in denen Gegenden/ wo alle
Industrie fthlte, die größte Sittenlosigkeit antraf. Ich
vermuthe, daß diese Meynung sich vorzüglich von den
Pfarrern hinschreibt, die vielleicht schon das, was erst
e,iue mitwirkende Ursache der SiUcnverderbtheit werden
lanN/ das weniger fleißige Besuchen der Kirchen / als
«ne Folge derselben auschcn. „ —
S o weit lasse ich meinen Herrn Reisenden sprc«
che». Nun will ich aber einen andern Mann vorfüh»
ren. Aamond auf seiner Fußrcise kommt in, Hasli
1» eine einsame Hütte. Er sagt: «Anstatt ins Dorf
Meyringe» hineinzugehen, wählte ich mir eine einsame
Hütte zum Wohnort um einige 3«ge in diesem reizciideil
Gcländ auszuruhen. Ein neu verheyrathetes / eben
nicht reiches junges Ehepaar empficng mich freudig in
seiner Wohnung unten am Housleberg, und ich zog
ihre Hütte den schlechten Wirthshäusern vor, wo man
nichts siehet als was man, aller Orten finde» kann:
Bauersleute/ die durch den Umgang mit Fremden »«*
dorben worden, welche auf diejenigen, die mit ihnm
umgehen, gewiß starkem Einfluß habe», als man nim»
mermehr glauben sollte. Dieses war auf allen meinen
Reisen durch die Alpen so meine Gewohnheit; und «in
derley engeres Verkehr mit den guten texten, die sie d*>
wohnen, hat mir viele süsse Freuden gewähret. « —
Hier der Rüchenzettel: «Vorerst trägt man eine
gute Portion Milch auf, satt oder warm, hernach ge»
• sotteue Erdäpfel und Zieger! und endlich Käs uom Jahr«
gang; dann noch ein Stück uon recht altem Käse folgt,
wenn man sich was zu gute thun will. Zu den Käst«
speisen trinkt man immer dünne Molken, um dessen Schäl»,
fe zu mildern; Brod bekommt mau selten. „ —
«Das Häuschen, das ich bewohnte, war nur ein
Boden hoch; es war alles enge und so niedrig, daß
kaum ein Mann von mäßiger Länge darinn aufreckt
stehen kann. Ich stieß, ungeachtet ich die Unbequem»
lichkeit dieser Bauart mehrmals schon erfahren hatte,
doch immer mit dem Kopf gegen die Diehlcn. Meine
Wirtholeute wohnte» im untern Theile des Hauses, das
aus einem einzigen Zimmer bestand, wo in einem Win»
kel der Ofen von ganz grober Maurerarbeit, etwa drey
Schuh hoch angebracht war, und gleich drübcrhin hatte
man ein viereckiates Loch gemacht: dieses war der Ein»
gang in mein Wohnzimmer, welches den ganzen Raum
des ersten Stockwerks einnahm. I n dasselbe konnte ich
nur kletternd gelangen,, nachdem ich erst auf den Osm
gestiegen, der die Stelle der Treppe versehe» nmß.
Mein Bett war ein breiter Sack mit dürren Blattet«
gefüllt, auf dem ich aber bey dem unausgesetzten fernen
Geräusche der Wasserfälle von Housleberg recht wonne»
voll einschlief. Zur Seiten hatte ick ein Gucklock/ wodurch
ich die Scheidegcz und die ungeheuren kegelförmigen
Spitzen des wetterhorii s und Wellhorns sehen konnte,
in Gesellschaft ihrer Gletscher, deren Oberfläche der Voll»
mond überülberte. ,, — S o reißte R a m e n d : — und
so reißt der Freund der Natur in diesen Thälern , und
dabey behält er für sein ganzes Leben eine süße me»
lancholisch « liebliche Empfindung. Andere Reisende aber,
die am Busen der große» Natur schwelgen , kommen
klein und dürftig und verächtlicher zurück, wie sie hin»
gegangen sind '. Und so soll es ewig seyn 1
Ich schließe mit diesen beyden contrastirendeu Schil»
dernngen, damit mau auch siehet, wir haben noch immer
edle Naturmenschen «nter uns — die neben der Ausar»
»ung ihrer wollüstigen Nachbarn ein stilles genügsames
patriarchalisches Leben führen. Wer sich aber lieber bey
der verdorbene» ausgeartete» Sorte aufhält, der klag«
sich selbst an ; der bescheidene einsame Wanderer findet die
bessern Me-ischen in der stillen Hütte, und ihm ist wohl !

»Noch eine Nachschtift müssen w i r hier mache»,


so ungern w i r es auch thun. „ Fast keine Reifebe«
fchreibuna über die Schweiz siehet man, wo nicht von
der
der Matte in B e r n , als einem berufenen fixte, die
Rede ist. Ab« gewiß ist es/ daß die Einwohner von
Bei«/ die alles was daselbst wohnt, besser kenne», ihn
bey weitem nicht für so verdächtig ansehen als es die
Fremde thun. Die wenigen Häuser, welche einen bösen
Ruf haben, stehen verlassen und werden von niemand
Gesittetem aus der Stadt besucht. Selbst Handwerks»
Pursche gehen nicht dahin, oder es müßten sonst Debau«
chanten seyn, die auch ohne Matte sich verderben wüt»
den; das wird ihnen aber hier bald so verleiden, daß sie
wohl nicht oft dahin zurückkehren ; denn sse zahlen, wie
man hört — ihren Vorwitz mit.einer tüchtigen Zeche.
Die Herausgeber der Schweizerbibliothek, so in Berti
gedruckt worden, sagen in dem iten Stück, Seite 39
ganz wahr: «Diese berüchtigten Oerter haben ihren Ruf
«gristcntheils den Ausländern zu verdanken, denn sie
«werden meistens nur von Reisenden und der niedrigste»
«Volksklassc besucht. »
Gut aber ist es doch, wenn solche Häusel ausge»
zeichnet sind, damit man sich zu hüten wisse. Auch ist
gewiß die Polizey viel schärfer in Bern, als sie in den
policiltcsten Staaten nicht angetroffen wird. Welche-
«lllsartung siehet man in Frankfurt, leidig/„Berlin,
Wien, ja auf den sehr besuchten Universitäten Deutsch-
lands, die doch auf gute Polizey so stolz sind'. Auch
bat zuuerläßig das weibliche Geschleckt bey.,un« nicht
jene Frechheit, Zudringlichkeit und niedert, ächtige Bet«
teley,, wie man sie wohl an jenen Orten so auffallend
II. Theil. Q
findet, wo'der Zusammenfluß der fremden auch die
Sitten verderbt, aber wo neben der geldhungcrigen
Wollustbegierde noch die Armuth dazu kommt und zu
allen niederträchtigen Schleichwegen, ja sogar zu Dieb-
siahleN die Netzen hinleitet; die sich selbst auf offener
Straße Schäarenweise neben einander stellen, die gesittete
Mannheit anrufen, guterzogene Jünglinge locken, und
was vor allem jedem gefühlvollen Manne auffallend ist,
daß diese wilde Zucht sich in so großer Menge findet,
und einem jeden feil stehet, am liebsten aber dem der am
bestmbezahlt, sey er Jude, M o h r , Lürk oder Philister.
Unsere verworfensten hieländischen Mädchen haben darin«
doch wohl • noch einen Grad von mehr edlem S t e l z ,
und würde» schwerlich sich so zur Bettelcy und kriechen»
den Nullität herabwürdigen lassen. Sie fühlen selbst in
ihreV Débauche noch etwas von einem bessern Natio»
nalgefühl. - - • • •
S o wenig ich unserer ziemlich freyen lebensait und
ausgearteten weiblichen Sitten eine Lobrede gehalten
habe: so billig war doch diese Anmerkung, da ich man-
Äen brafen Vater selbst in der Schweiz kennender
feinen Sohn um keinen Preis nach B e r n würde gehen
lassen, aus'Furcht verdorben zu werden; und eben dies«
Va^tl machensichkein Bedenken ihre Kinder nach 3rank«
Kich und in die obengedachte deutsche Städte zu sen»
'òtii'. Aber" man siehet, was das Worurtheil nicht thut.
ilLer die Welt kennt, wird gestehen müssen, daß man
um jenen Hrten, m her weibliche Charakter durch Ar-
mutb herabgewürdiget ist, weit schlimmer daran ist,
«l« wo noch National» Wohlstand den Geist erhebt, und,-
das geringste Individuum seinen Einfluß noch spurt.

S t a d t r e cht e.
Das im Jahr i?39 zusammengetragene Stadt»
r e c h t e n Bern blieb bloß Handscdrlftlich bis I&K, wo,-
es zum erstenmal gedruckt worden. (Eine verbesserte
neue Sammlung ward im Jahr 1762 in Folio, und im,
Jahr 17^8 in Öcfavformat veranstaltet, öi» neuer Ab»
druck dieses Werls mit dem Anhang, welcher die
seitherigen Zusätze und ein Register enchält, kam im
Jahr 1789 in Folio und in Octavo zum Vorschein.
Die Stadtverfassung von Hern heißt nicht Hand»
feste sondern die Urkunde, in welcher dieselbe enthal-
te» ist. Die >?tadnschc Verfassung hatte Bern be»
rcits von Nerchtold V. erhalten. Die durch die Hand»,
feste vcrgöuntcn NeNen Freyheiten bestehen vorzüglich'
in der Unmittelbarkeit (lmmedictas) vom Reich, u«d
in dem!/ der Gt^dt ertheilen Aiment ^Rechten. (Usiia-
giiim).
Verschiedene St>'dte und Landschaften haben be»
sondere Rechte, von denen-aber im deutschen Sands/
>mr die Handfeste von Thun gedruckt ist, nebst dcn»
jenigcn so in w a l t h e r o Geschichte der Berner Stadt»
rechte eingerückt sind. -
fis
Handschriftliche und gedruckte Privatrechte in»
Kantor» giebt es:

Arau. Gtadtsatzung. Lenzburg. Landrecht der


Arberg. Handfeste. • -Glafschaft.
Stadtsatzmia. Niedau. Handfeste,
Aeschi. Satzung d.Landsth. wieder « Simmenthal»
Brugg. StadtsiUillllg. Landrecht.
Büren. Handflste. Ober»Simmenth. Lande.
Burgdorf. Handfeste. Vesch. Satzung.
Stadtsatzung. Sanen. landbuch der Ls.
Emmenthal. Satzung der Schenkenberg. Landreckt»
Landschaft. Sigriowyl. Landrccht«
Erlach. Handfeste. Steffisburg, kandrecht.
Frutigen. Satzung der Thun. Handfeste.
Landschaft. Stadtsatzung. '
Hasle im Weisland. Satz. Zofingen. Handfeste.
Interlachen. Satz, der Ls. Satzung d. Stadt.
Lenzburg. Stadtsatzung.

, Nun giebts noch besondere Rechte verschieden« Gegen»


den, über Ehef^chen/ Erbrechte u.f w. Die Médiat»
Lande ab«/ so wie die welsche» Lande/ haben nochmals
ihre eigene Prouinzialrechte. '
Die Gesetze der Landschaft waadt sind im Jahr
l 6 i 6 , deutsch und französisch neben einander; und '730
ftanzisisch allein, und 176; und 1766 mit Boyve's An»
m«kun«en gedruckt worden. Lausanne/ Aelen («e»
VrueN i?7». 4to) petterlingcn (gedruckt 1733/ 4to)
und' andere Distrikte, haben wieder besondere Gesetz»
iùdtit. Darf mansichnun wundern, warum Hie pro»
zesse verlängert, «»gemein umstilidlich, langwürig und
oft selbst verwirrt werden? Zlbcr den Grund der Ver-
fassung darf man nicht umstossen, wenn man nicht die
teute überzeugen kann / daß es eine noch bessere Art der
Verfassung giebt, «ls sie geerbt haben. Man ttßt als,
diese geerbten Rechte von den Vorfahren in ihrer Gül»
tigkejt/ und die Regierung nimmt bey allen ihren Ent«
schliessungen und Urtheilen dabin vorzüglich Bedacht,
daß die allgemeinen Gestye geehrt, und in ihrer
Rraft ausgeübt werden.

Gerichtsordnung. S t a d t « und Landrcchte.


(Man sehe im iten Band, Seite ,12. f.) Hier
folgt noch einige« über die Rechtsform bey Prozessen und
Streithändeln.
Billig ist nichts interessanter in einem Staat, als
die Weist, wie das Recht—das M e i n und Dein ver»
waltet wird. Aber auch man mag in eine' Verfassung
treten in welche man w i l l , seysiemonarchisch, aristo«
kratisch, demokratisch, überall wird man Menschen
finden, die oft nach Leidenschaften handeln, und man
wird sich stets übel befinden, wo nicht gutgebildcte,
edeldenkende N7enschcn das Regiment führen. Man»
che Pelksregieruug hat die «rosten Ungerechtigkeiten und
s s 250 sas

Hyranneycn regelt feine eigene Mitbürger ausgeübt, sif


hat Grausamkeiten gutgeheißen wie sie in Monarchien
nicht geduldet werden; und hier tritt also der Wunsch
für alle Regierungen ein: Der Richter muß ein durch»
aus edler Mann seyn; und damit er das sey, so sey er
ein Mann von Gewissen: Ei» Christ!
Die Rcqicrmlgsform uo» Bern ist eine der edelsten,
sie kann unendlich wohlthätig seyn, Jïe erweckt Hochach»
tung und Liebe. Selbst ohne ein sehr vorzügliches Gc»
fctzduch halte der Staat blühen können, in sofern nur
die Marin«« der Alten nie ganz vergessen worden:
Wenn die Redlickkeit ihrer Entschlüsse, ihre Liebe zum
Vatcrlaiid, ;><r Rechtschaffenheit und zum Recht, noch in
de» Enkeln fortleben, die aus ihren Gcrichtsstühlen sitzen;
wenn edle fugenden in beyden noch wirksam sind, so»
wohl in denen die gehorchen als in denen die befehlen.
O , wen» die Sitten eine« Landes gut sind, so gilt das
mehr als das beste Gesetzbuch.
Der deutsche 2lntheil erkennt (mit Ausnahme eini»
gcr wenigen Orte) die Gerichtssatzung von Ver»y
für das allgemeine Gesetzbuch. Es giebt bey uns
Städte, wo man feine Sachen durch feine eigene Mit»
bürgcr entscheiden lassen kann, und wenn sich die Par»
theyen mit ihrem Ausspruch begnügen wollen, so hört
aller Streit auf, und alles ist damit abgethan.
Es giebt zwey Appellationskammern in B e m ;
eine deutsche, für Hie deutschen Lande: und eine wel«
sche, für das p a y s de v a u d . Wer bey der deutschen
Appellationskammer verliert, kann noch an den große»
Rath appelliren; wer bey der welschen Rammer per-
liert/ kann nicht weiter appelliren; oder es sey ei»
Streit zwischen einem Bürger von Bern und einem An«
gehörigen des Pays de Vaud, in welchem Fall auch die
Appellation vor «co Statt bat. -.-, .) •
Siai Instruire« des Prozesses/ und die nöthige Aus»
theilung der Schriften, der Beystand der Advokat<»
«ls Fürsprech«/ der Aufenthalt in Bern'selbst/ und die
oft lange Versnumniß aller häuslichen Arbeiten/ machen
die Prozesse noch kostbar genug : ja sie ruiniren manchen
Mann. Was an die Regierung für das Endurthcil zu
entrichten ist / macht nur eine Kleinigkeit aus. Aber
ein gnr nicht langwüriger Prozeß steigt leicht/ man mag
es rechnen wie man will / auf ein großes Kapital : denn
die viele Incidenzien, wie es so gewöhnlich durch In»
trikenmacher geschiehet, bringen die Hauptsache jus
Dunkel; fressen Zeit und Geld und Geduld. — Und wer
nicht Lust hat an seinem eigenen Herzen ein todfeind zu
werde«/ der giebt lieber nach — als daß er sein Recht
mit Gefahr seines Lebens und seiner Ruhe sucht. Eben
wegen diesen grossen Bedrückungen/ denen auch der
billige Mann der nur das Seinige sucht, bisher ausge»
seilt war, und wodurch so manche brafe Familie rninirt
worden, wendet die Regierung alle mögliche Mittel an,
die Formalitäten abzukürzen: einen faßlichern, we»
Niger complicirte», und natürlichern leichtern
Aechtsgang einzuführen, und den Chikaueur ausser
Q4
Fassung zu bringen. Wcnn sie nur so weit in ihre»
Verbesserungen gelangt, daß die Prozesse nicht über ein
halbes Jahr dauern dürfen, und daß die Prozeduren
statt mit großen Kosten gedruckt zu werden, mit weniger«
Zeitverlust, in effentiali zur Kenntniß des grossen Raths
gelangen tonnen'; wcnn Man den Intritenmackern ihr
infernales Spiel legt, wodurch sie die Richter und die
Partheyen necken und irre führe«/ so ist warlich die
Hauptsache gut gemacht '. Das Uebriae aiebt sich dann
leicht nach und nach. Aber wenn man d«S Reckt ver<
längert — so ist stet« wachsender Schaden, und jeder
Prozeß wird allemal ruinös für die streitenden Partheyen
man mag gewinnen oder vcrl«rcn: denn der so verliert
wird zu hart gebüßt, wenn er alle Kosten bezahlen
muß; und theilt man die Koste«/ so ist abermal das
Reckt zu theuer erkauft. Auch gegen den Verlustigen
noch milde und gerecht seyn, daß er nicht mit den Sei»
«igen zu Grunde gehe, das ist die höchste Rcgentcnwür»
de. Es scheint den meisten Prozeßführenden sehr be«
schwerlich / daß sie Caution für die Kosten schon im
Voraus stellen müssen, und in Verlegenheit und Muth»
losigkeit gerathen/ bevor ihre Rechtssache zur Sprache
kommen kann.
Die kandesaesetzc fordern/ ehe ein Prozeß anfangt/
die Freundlichkeit zu versuchen. Gerichtsherrn/ land»
vögtc sollen die zlwistigkciten gütlich benzulegen trach.
ten/ ihre Yauvtpfiicht gehet dahin. — Und dadurch kin»
nen sie ihr Amt zum Segen für das Land machen. Auch
ist ein Gasigericht verordnet, da sollen die Gerichts»
süßen und Amtleute des Landes die Streitsachen eror«
tern, schlichte«/ beylegen, um weitere Kosten zu ver«
meiden, und die Sachen die im wachsenden Schaden
stehen — sollen sie unverzüglich beendigen. Wenn auf
diese Art gastgerichtlich procedirt wird, soll eine jede
Parthey zu ihrem Beystand und Rath zwo Personen von
ihren Verwandten zum Beystand mit sich nehmen; die«
jenigen aber, so sich nicht wollen in Güte mit diesem
Urtheil begnügen lassen und weiters ihr Recht in Bern
, selbst suchen; werden, wenn sie mit Ungrund und Eigen«
. sinn ihre Trilerey zu weit getrieben haben, — mit Oe<
fangnißstrafe belegt. (Laut Erkanntniß und Landcsge«
setz de dato 25 Sept. 1711.)
Nach eben dieser Verordnung heißt e s : ,, Wann
»aber wider besseres Verboffen einer unserer Angehört«
«gen wider obrigkeitliche Verordnungen auch wider
»Recht und Billigkeit wurde gehalten werden, und er
»also ob seinem Amtsmann zu klagen llrsach hätte, s»
«wird er allezeit einen ungehinderten Zugang bey seiner
«Obrigkeit finden; zu welchem End der klagende Theil
»vor allen Dingen seine Klägdten schriftlich und in der
«Wahrheit aufsetzen, «nd nachwertS die Befugsame
«haben soll, sich entweder bey einem je wesenden Ehren»
«Haupt dem regierenden Herrn Schultheiß, oder bey
«einem Herr Seckelmeister «nd Venner, oder auch bey
«einem von den Herrn Heimlicher« anzumelden. — u.
yS. w. Ader es hat auch die billige Meynung, Falls man
Q5
„einen Amtmann ungültig und ungegründct bey de«
«Obrigkeit anklagen würde/ daß dann zumal, auch ein
«solch unbegründet Klagender gebührend abgestraft wer»
»densoll. « —
Zur Vermeidung aller Geldschulden »Prozesse/ soll
auf dem Land kein Kapital auf Güter gesucht wer»
den / ohne es zuvor den Amtleuten anzuzeigen: diese
sollen mit dem Gericht des O r t s zu Rath 'gehen,
ob dieses Anlchen dem Suchenden nü»!ich und g u t ,
oder aber ihm und den Seinigen nachtheilig seyn möchte,
auch in wie fern er Unterpfand und Sicherheit gebe»
lann, ohne sein Eigenthum tiefer zu verschuldcn, als
es werth ist / oder eine ungerechte Handlung an den
Sciniqcn zu begehen. Daher sollen auch alle Anlchen
bey den, Amt eingeschrieben werden, und wen» ein
frisches Anlehcn erlaubt w i r d , so kann der Glaubiger
sicher seyn, er habe noch Unterpfand genug. —
Die Landvögte haben zwar die Gerichtsbarkeit
ihres Amtes, aber sie können gar nicht willkührlich han°
dein, sondern sind verbunden, sich an die Verordnungen
des großen Rath« zu halten und an die Landesrechte.
Man kann auch von ihrem Rechtsspruch an vie Rc«
gienmg nach Bern appelliren, und alle bedeutende
Rechstsachen kommen obuehin für den großen Rath.
Die Hauptwrge der kandnögte gehet auf die gute <l)rd»
nunz in v«lizey5'chen, aus die Schützung des Eigen»
thums eines jeden Einwohners , Aufsicht über die
Bebenden und Abgaben: Verwaltung der obrigkeitlichen
SB— 2ÇÇ S^X ,

Domine«, die der Stand bey der Reformation rtrtgtj*'


gcn oder ansichgekauft hat.

Schon im M ä r z 1793 lies die Berner Regierung i »


das Wochenblatt, wie auch in viele auswärtige Zeitun-
gen folgende Anzeige einrücken, welche deutlich genua
den Eifer und die Bedürfnisse unsers Staats zeigt. Man
siehet was uns fehlt, aber man bemerkt auch darin«
den ernstlichen Willen dem Mangel abzuhelfen:
«Als bey der neuesten Ausgabe de« Bernerifchen Civil»
Gesetzbuchs (die Gerichtssatzung, Bern 1762.) die Pro»
zeßsorm neu ausgearbeitet wurde, so war der Haupt»
zweck, den man dabey vor Augen hatte, dieser : die bür»
gcrliche Freyheit und die Sicherheit des Eigenthums f»
fest als möglich zu gründen, und sie von der Willkühr
der Richter unabhängig zu machen. Die Erfahrung hat
nun aber gezeigt, daß. die gegenwärtige Einrichtung der
Prozeßform zwar dieser Absicht entsprochen, aber zu«
gleich die üble Folge nach sich gezogen hat, daß sie zum
Nachtheil des ganzen Landes die Rechtskiändel verviel»
flltigt, in die Länge zieht, und viel kostbarer macht.
Damit nun diese fehlerhafte Einrichtung verbessert, und
den daher entspringenden Uebeln abgeholfen werden sön-
ne , so hat die Regierung des hohen Standes Bern einer
dazu verordneten S t a n d s . Commission den Auftrag er»'
theilt, den Entwurf einer andern Prozeßform auszu-
arbeiten, und über diesen wichtigen Gegenstand einhei»
mische ,und auswärtige, theoretische und praktische
Rcchtsgelchrte zu Rathe zu ziehen. Dem zufolge wild
hiemit bekannt gemacht, daß für die beste Abhandlung
über die hiesige Civil »Prozeßform mit besonder« Rück»
ficht auf die Verfassung und Einrichtung des Landes,
«nd die zweckmäßigste neue Redaction des ganzen 2ten
und ztcn Theils der Bernerischcn Gcricktssatzung, ein
Preiß von Einhundert französischen Louisd'or«, und für
die, so ihr an Zweckmißigkeit und Vollständigkeit am
nächsten kommen w i r d , ein Accessit von Fünfzig franzi»
sischen Louisd'ors bestimmt worden ist. Der Hauptge»
gcnstand dieser Abhandlung wird die Entwicklung der
M ä n g e l , die die Umarbeitung und Verkürzung dieses
Theils der Gesetzgebung nothwendig machen, und der
M i t t e l seyn, durch die ihnen abgeholfen werden kann.
Die wohlthätige gemeinnützige Absicht der Regierung
bey diesem Vorhaben, läßt mit Grund «warten, daß
erfahrne, und mit der Verfassung des hiesigen lande«
bekannte Rechtsgelehrte, mit Freuden sich mit diesem
Gegenstand beschäftigen, und durch Mittheilung ihrer
Begriffe und Einsichten zu der vorhabenden Arbeit das
Ihrige beytragen werden. Die Abhandlungen müssen bis
ssufden i . Oct. nächstkünftig (an Herrn Commißionschrci»
ber Gruber) eingeschickt werden, dersichauch eine Pflicht
daraus machen wird, dcnenicnigcn Rccktsgelehrten, wel»
che über diesen Gegenstand zu arbeiten gedenken', die
Ei»fragen, welche sie nöthig finden würden, zu beant«
Worten. Die Abhandlungen werden mit Wahlsprüchen
»ersehen, und die Namen der Verfasser derselben »«sie»
gelt bc»gefügt, von welchen Siegeln man nur dieicni»
'*.-

gen «rifnen wird, denen der Preiß und bas Accessit zu»
bekennt weiden wird. Bern den «;ten Febr. 1793.
Noch ist das Resultat dieser wichtigen Preis« Aus»
gäbe nicht im Publik» erschienen; man bat aber Hoff«
nung, daß eS nicht lange mehr anstehen dürfte, eines»
dringendwichtige Sache durch eine obrigkcitl. öffentli»
che Entscheidung enthüllet zu finden. Die Wünsche
aller Patrioten-vereinigen sich dahin, wem'ge und gute
Gesetze seyen besser, als weitläufige Codices, die allemal
der bürgerlichen und allgemeinen Freyheit nur Fesseln
anlegen und der Chikane ein weites Feld öffnen. Die
Egyde aller dauerhaften Gesetze muß das Gewisse«
seyn, welches man also ber/den Richtern und bey den
streitenden Partheyen zu bilden und wirksam zu erhalten
suchen muß. Wir widerholen es: Gute Sitten find
die beste Brustwehr der Gesetze: ja die einzige
Garantie der Freyheit und Menschenglückseligteit.
, Weh, dem gedrückten S t a a t :
Der, statt der Tugend, nichts
Als ein Gesetzbuch hat!
(Lcssing.)

Criminalrecht.
(Man sehe im iten Theil, Seite 13;.)
Ein Uebelthitcr wird von dem täglichen Rath ge«
richtet. Dieser setzt eine eigene Criminal^Iommißion,
wozu der jüngste Herr Venner, der jüngsteMatüsherr,
die zwey Herrn Heimliche» gebraucht werden. Dies« un*
tersuchen die That, oder lassen solche von den Unter»
richtcrn untersuchen und darüber Bericht erstattn«. Bey
der Verurtlieilunl, giebt der jüngere Venner zuerst seine
Stimme zum Leben oder Tod. Klein « und Großrath
atcr srrewen das Urtlieil. Das Todcsurthcil «ird von
einem Prediger erst dem Malisi^anttn angezeigt, sodann
tritt der Großweibel vor ihn, und bestätiget solches durch
eine feyerlichc Anrede. Den Tag darauf gehet die Exe»
cutillli vor sich.
Die öffentlichen Anstalten zu mehrerer Fcyerlichkeit
der Hinrichtung, brstchen iu, der Aufrichtung eines Rich»
terstuhls und der dazugehörigen Schranken, an der
Kreuzgaßc. Der iüngste Rarhshcrr und die ztv.-o jrpeirn«
licher sitzen auf de« drey Lchnstühlcn dcs Richtcrstuhls;
Großweibc! >:nd Gldichtschrclber stehen zur Seite. Erste«
« r ließt öffentlich dag Urtheil dem unglücklichen vvr.
Der Rathel'err bricht den Otab, und der Scharfrichter
führt den V^rurthciltcn zur Executions « Stell: aus der
Stadt. ' ,
Die T o r t u r ist im Vcriiischcn durch kein förmli»
a>es Dekret ausgehoben; sie wird aber, zufolge eines
von der Regierung angenommenen Grundsasscs seit vie»
lcn Jahren niemals angewandt als bey wirklich über«
wicstncn Missethätern, die ihre Mitgchülfcn ucrläuguen,
und die man schon zum Theil kennt. —
Alle in den Landvogtcym aufgefangene öder «ingi«
zogen« Veebrecker erhalten ihr Cndurtheil vom kleinen
Stoth — w,von leine Appellation statt findet, wenn
feine Todesstrafe daraufgesetzt ist^Sonft aber «ntschei»
det de» große Roth/ wie oben gemeldet; tandesoer»
lächere» und Frevel gegen die Gesetzgebung gehört aber
stets für den großen Rath. ••''•

Polizeyordmmgen.
Einigt theils erst vor kurzem ergangene obrigteit«
liche Mandate, welche allgemein zu wissen
nöthig und nützlich sind.

- • • • • ' , -: , :.'(?

Stadtquartier - Ordnung. .......


Für die polizeyordnung der S t a d t ist im Jahr
1792 ein merkwürdiges Reglement erschienen. Es heißt:
Instruktion für die neu bestellten vier Quartier»
aufseher. Instruktion der acht Feuerbeschauer u.
s. w.
Die Stadt ist darin« in 4 ©.uartiee abgetheilt,
und stehet unter 4 Quartier • Aufsehern und « Feuer«
beschauern. Die Feuerbeschauer sollen auf alles Acht
habe«/ was in ihrem angewiesenen Revier vorgehet;
wo etwa sich etwas zeigt/ sollen sie Rapport an' di<
ihnen bestimmte Kammern erstatten. Auch sollen sie
alle landsassen/ so sich in der Stadt aufhalte«/ auf
ihre Rodel setze«/ um die einem jeden bewilligte Er«
laubniß Geschäfte in der Stadt zu, treiben / de« der ge-
hörigen Stell» zu conferirm. •._ :.'','•.•'. ;;.:•
•*\\

Wo Hülfsbedürftige, Kranke und Arme sind/ d*


mit sollen sie zum Beystand dienen / und Hülfe und
Rath schaffen durch schleunige Vcimeldung bey hihe»
rcr Stelle. — Wenn sich ansieckende oder bisaiti«<
Krankheiten aussein, so sollen sie dem Sanititsrath
«uncnblicklich Nachricht geben.
Alle Fremde sollen sie der Maréchaussée « und Polizcy»
lammcr anzeigen/ und darüber Bescheid einbolc».
Vorzüglich übet sollen sie auf die Feuerstätte, Ocfen/
Heerde, Kamine acht haben, und durch den obrigkeitli»
che« Werkmeister die Inspektion nehmen lassen; auch
wo die Hluser eine bessere Bauart bedürfen, sollen sie
es dem Vauamt anzeigen.
Die vier Herrn Nuartieraufsther aber haben
neben der allgemeinen Aufsicht über die Sicherheit und
gute Polizey der Stadt, auch noch insbesondere das Amt/
welches sehr wichtig ist, und die Fremden uorzüglich
interessiren muß. Nümlich diese Ordnung sagt:
„Sobald in denen unter seiner Aufsicht stehen»
den Quartieren ein Hin,tcrseß, es ftye, ein Haus,
vater, eine Wittwe, Mannö - oder Weibi-perfon,
d'ie für sich selbst ist,' ein Knecht oder eine Magd tu
mit Tod abgehet, und er dessen benachrichtiget
ft»n,,oder solches sonsien vernehmen wird, sobald
soll er sich in des Verstorbenen Wohnung/ doch
jeweile» mit Vorwissen des Hausherrn, verfügen/
las allfällig allda vorhandene baare Geld, Zins-
fchriften, ü. dergl. in das sicherste Gchalt ein,
schliessrn ..dasselbe, wie auch Cassette«, Schaft,
Trög, ie. wohl versiegten, jedoch in Gegenwart
allfalliger Vögte, oder so viel möglich der inte»
reßirten«
reßirten oder andrer in ihrem Namen bestelttee
Personen, und alles übrige was vorhanden, und
nicht eingeschlossen worden, also nur dasjenige so
nicht unter das Siegel gebracht werden kann,
vom kleinsten bis zum gröstcu, in einem expreß zu
dem Ende führenden Buch, mit Anzeigung des
Tags wann es geschehen, und aller dazu dienenden
Umstände, fleißig verzeichnen, die Schlüssel in
«in Papccr einwickeln und vcrpitschieren, und so»
dann selbige, mildem darauf geschricbnenNamen
des Verstorbenen, dem Herrn Waystnschreiber
alsobald zustellen.
Nach dieser Verrichtung wird ihm in ferne?
rem obliegen , sich ungesäumt zu einem jewcsen»
den Herrn Obmann des Stadc-Wanscngcrichts
zu verfügen, Wohldcmftlben den «^terbfall anzu,
zeigen, und ihn um den Zutritt vor die nächst
sich zu versammelnde Kammer zu ersuchen.
Wann er also den Acceß vor das Waystnge«
richt erhalten hat, soll er auf den bestimmten Tag
unausbleiblich erscheinen, und dcunzumal Mnhhrn.
dieser Kammer ein exaktes aus seinem Aufseher-
büchlein gezogenes Inventarium eingeben, auch
den etwa begehrenden mchrcrn Bericht erstatten,
zumalcn Mehhrn. darüberhin jeweilen das Gut.
findende veranstalten werden.
Sollte er aber Krankhcits halb, oder wege«
Abwesenheit, diese Versieglung nicht stlbstcn vcr«
richten können, so mag er diesen Auftrag einem
Fcuerbcschaucr übergeben.
Wenn der Quartier - Aufscher einmal auf
vorige Weise das Siegel aufgedruckt, soll er hu
«es derselben ohne Beyseyn und Gegenwart des
Hrn. Waystnschrechers'oder seines Stellvertrettcrs
erbrechen, bey Strafe der Verantwortung.
II, Theil, M
Für alle dahcrige Verrichtungen soll dem
Quartier-Aufseher bezahlt werden:
Von bemittletcn Personen die keine Kinder
hinterlassen, - - - - Pf. z.
Von minder bcmitlletcn, oder die Kinder
haben, S ; , - » Pf. 4 .
Von denen aber, deren Vermögen Pf. 1000
nicht übersteigt:
wann sie keine Nothcrbcn haben, Pf. 3.
wann sie aber Kinder hinterlassen, hoch-
stenö - - - - - Pf. 2.
V o n Unbemittleten aber und denen so wcni-
gcs Vermögen haben, soll nichts gefor-
dcrt werden.
M i t welcher Belohnung sich die Quartier,-
Aufseher für obige Verrichtungen völlig begnügen,
und ein mchrcres als obauogesctzt nicht fordern
sollen. „

Stadt» und Wirthshaus » polizey.


Nach dct Actraitc soll man nicht ohne Licht in det
Stadt !,ehen.
Nach 10 llhr Abends sollen keine Kutschen nichr in
der Stadt fahren.
Die Kutscher sollen einen langsamen Schritt fahren,
und wo es um Ecken oder Krcuzgassen gehet, facht«
thun. Ueberhaupt sollen sie nie stärker als höchstens
den kleinen Trab fahren. Die Reuter sollen nicht
gallopiren.
Nach 10 Uhr sollen alle Wirthshauser geschlossen
seyn; die Keller im Winter um « Uhr, im Sommer um
?UH».
I n dm Ställen Taback zu rauchen / wird hoch ge«
straft u. s. w.
Die Dachdecker sollen an Markttagen nicht in
gangbaren Straßen arbeiten.
Man soll nichts, weder Untath noch sonst etwas
zum Fenster hinaus auf die Straße werfe»
Man soll nichts in den Arkaden führen, keine schwer«
Lasten, keine Päcke, keine Küsten und dergleichen tragen;
dies alles soll auf der freyen Straße geschehen, damit
die Leute im Gehen nicht gehindert weiden. (Doch siehet
man auch noch oft zerbrochene Laternen von diesem v««
botenen Tragen.)
Handwerksgesellen sollen keine Degen tragen.

polizeyordnung für die ankommenden Fremden


und Andere.
Kein Fremder, der in die Stadt kommt, soll eine
Wohnung suchen, ohne einen Erlaubnißschein. Jeder
auch im Kanton wohnender Bürger I»nd Habitant, wenn
«nach der Grabt kommt, soll bey der Jeughauswacht
zwey Zettel abgeben lassen; wovon einer dem Herrn
Stadtmajor, der andere der Polizeykammer zukommt:
darauf muß seine Wohnung, Geschäfte, Dauer des Auf»
enthalts angezeiat stehen: — auch wenn er wieder uer«
»eist, soll dies durch eine gleiche Anzeige gemeldet
»»«den.
,8»
Un die Einwohner »et Stadt ist 51« wiederholten»
Aalen folgende Warnung ergangen:
„Mchghrn. der Burgerkammer müssen mit llnliel»
«sehen, daß sowohl die E. Bürgerschaft, als aber Htiv
tcrsasse», Leute zu sich in ihre Wohnungen und an ihren
Tisch aufnehmen, bevor sie die erforderliche Bewilligung
zu ihrem Aufenthalt in der Stadt oder im Stadtbe-
zirk erhalten haben. Hieraus entsteht, daß Personen,
die für die Toleranz abgewiesen worden, oder auch solche
denen die Aufenthalts « Bewilligung gezuckt (entzogen)
worden, nichts desto weniger hier verbleiben, un>
so den Erkanntnissen Mrhghrn. nicht Folge geleistet
wird. Wobldiesclbcn finden demnach nöthig, E. E .
Bürgerschaft und allc Hintersissen in der Stadt und dem
Stadtbezirk an den 1 ten Artikel der Hintersässcn « Ord»
nung von 1711 zu erinnern :
« S o viel die Wohnung in der Stadt betrift, soll
„kein Fremder noch Äusserer, er seye ein Unterthan ode»
»nicht, Mann noch Weib, unter was Schein und Na»
»men es seye, sich darinnen Haushiblichen niederlassen,
«oder Wohnung nehmen, er habe dann nach vorgewie»
«sencm genügsamen Hcimathfchein, von der Burger»
«fammer schriftliche Bewilligung von Jahr zu Iah«
«aufzuweisen, bey 20 Pf. Pfenning Büß von denen zu
«beziehen, so wider dies Vcrbott behauset und beher».
«berget haben werden. Betreffend dann die unerlaubten
«Hintcrsissen, wann selbige über einmaliges Hinaus»
^bieten nicht gehorche», »der wiederum unerlaubt hin»
„einziehen wurden, für das erstemal mit zweymal 14
»stündiaer Gefangenschaft, falls fernerer Uebertrctung
«aber, mit dem Schallcnwerk abgestraft werden sollen.,.
Welches «nmit zu jedermanns Verhalt öffentlich kund
gemacht wird. Besonders warnen Mchgbrn. dieje»
«ige Klaß von Hintersässen, die, obwohlsienicht im Fall
sind, Diensten zu halten, dennoch unter diesem Vor»
wand Leute bey sich haben, sich in Ächt zu nehmen, in«
dem ihr Thun und Lassen aufs genaueste wird untersucht,
und wenn sie im Fehler sich befinden, sie ohne Schone»
mit Zuckung, (Zurückziehung) der Toleranz ' ) werden
bestraft werden.,,

Rleiderordnung.
laut der Rleiderordnung von 1767, welche her»
«ach durch neuere Mandate ist bestätiget worden, soll
« a n nicht tragen
1. Kleider mit Borden besetzt. Doch sind goldene
und silberne Knopfe erlaubt, werde» aber von nie-
mand gesucht.
». Alle mit Seiden und Spitzen garnirte Kleiber.
3- Alle Kleidungen der Mannspersonen von Sammet
oder Manchester; doch Hosen und Westen maj
man von solchen Stoffen tragen.

*) E i ist &i<f*§ ein Tolermmettel, »en tin jeter «ich»ei>««n>


«cher Haien muß, der in der Stadt sich «»fh«l»«n »i«.
4. Den Frauenzimmern ist aller Perlenschmuck, alle
Vroderien mit Gold oder Silber durchwirkt/ alle
Sammetkleiduna tt. verboten.
Falsche pcrlcn sind zu tragen erlaubt : die Frauen«
zimmer aber tragen sie nickt.
4. Alle posclien und Rcifröcke sind straffällig.
5. Kneckte u'ld Mägde solle» nichts von Seiden und
Halbseiden: nickts von Manchester! keine garnirt«
Hemder / keine seidenen Strümpfe u. s. w. tragen.
Den Mädacn sind seidene Halstücher und Sam»
metbandcr erlaubt. f
Das mehrere ist in der VcrordnunL nachzusehen.

Häuserkauf, ist den Nichtbürgerlichcn verbotett.


„Megfilnn. die ÎHfcht, haben durch Hochdero Be<
sehl^etteln vom i6teu May 1793 und itcn D « . 1794.
Mns,,chrn. der Burqerkaminer aufzutragen geruhet/ die
unbefugten Besitzer von Häusern in der Stadt, und
Gütbcrn im Stadtbezirk/ anzuhalten, ihre Possession««
in bürgert, Hände zurückzugeben. Hochgcdacht Meghhrn.
die Räthe, finde» zugleich nithig, durch gegenwärtige
Publikation E. E. Bürgerschaft/ und alle Personen,
die es angehen mag , an den 4ten Art. der Hintersässcn»
Ordnung vom l6tcn J a n . 1711 zu erinnern, wörtlich
also lautend: 4. , , I " Ansehen des Kaufs der Häusern
«in der Stadt, oder Wohnungen, Güther und Gelegen»
«hcitcn um dieselbe, so weit der Stadtbezirk sich er«
«streckt, solle mißern und fremden Hintersassen und 3ln«
«züglingen, das ist, allen denjenigen, die weder Burg«
«noch ewige Einwohner sind, dergleichen einiges an
„sich zu kaufen, darunter auch Wirthschaften in de«
«Stadt verstanden, verboten seyn, bey Ungültigkeit dei
«Kaufs, und Straf gegen den Verkäufer; der Mey«
«nung, wann etliche schon mit verkauften Häusern ode«
»Güthern versehen wären, daß sie solche ihren Verkäu«
„sein wiederum anzubieten haben, und diese auch schul»
«tig seyn sollen, so fern sie des Vermögens, mit Er»
«sttzung des Kaufschillings, wieder abzunehmen; dieje«
«nigen aber, so ihre Verkäufer darum nicht belangen
«könnten, oder ihre Häuser und Güther ererbt hätten,
«sollen ein Jahr lang Termin haben, solche «nderwär»
«tig zu verkaufen. Nach Versiieß'.rng aber des Termins
«ohne befchehenen Verkauf, die Häuser und Gelegen«
«heilen abgetreten werden, und so lang unbewohnt ver<
«schlössen bleibe«, bis durch Veranstaltung der Burger»
«kammer , solche vermittelst öffentlicher Steige«
«rung/ oder sonstcn verkauft seyn werden.« Insbe«
sondere dann verbieten Meghhrn. allen geschwornen
Schreibern, leinerley Kauf» Tausch »oder sonst irgend
«ine Art Instrument, was Namens es immer haben mag,
zu verschreiben/ in welchem ein Haus in der Stadt,
oder ein Guth im Stadtbezirk, an eine Person veräus»
sert wird, die weder Burger noch Kleinbürger vo» Bern
ist; welches zu jedermänuiglichen Verhalt öffentlich kund
gethan wild, zumalen gegen alle diejeuizen, so im Jall
9i4
»bbemeldter Ordnung vom i6tm Januar 1711sichbefin«
de»/ und derselben nickt ein Genügen leisten würden/
»hne Ansehen der Person wird verfahren werden.

Feuerordnung.
Auch diese Anstalt ist merkwürdig, weil sie die ganze
Vtadtuerfassung zeigt. Erstlich soll in den 4 Haupt»
quartieren die ganze Bürgersibaft sich bewafnet stellen»
der kleine Ratl, versammelt sich nebst dem Kriegsrath auf
dem Ratbhaus mit dem Seitengewehr : alle Herrn Kunze«
listen, Beamte, müssen ebenfalls bewafnet zu ihren
Vürcaur eilen, um die Archive und Kassen, auch alles
was unter ihrer Aufsicht stehet, zu bewachen.
Wer bey dies« Versammlung fehlt, wird streng zu«
Verantwortung gezogen. Kein Bürger vom lüten Jahr
an, bis zum 6°ten soll fehlen, bey Straf vom s Pfund
B ü ß , oder -.istündiger Gefangenschaft. Auch wird des»
wegen alle Frühjahr, den ersten Sonntag im Monat
M ä r , , die allgemeine Visitation der Armatur und Muni«
tion der Bürgerschaft achaltcn ; — jeder Bürger muß sich
des Morgens um 8 Uhr auf feiner Gesellschaftstellen,und
zwar gerade so. wie er bey Feuer» und Lermfällen zu
flscheinei, verbunden ist. —
Alle Stadtsoldatcn begeben sich beym Feuerlerm auf
hie Haiiptwache, und werden von dort aus an verschie«
dene Plätze kommandirt.
Vie Hauptdirektion der zum Brand elforderlichev
Hülfspersonen / fuhrt der Bauherr mit Beystand zweyer
Rathsherrn/ die ihm sogleich zugeordnet werden. Auch
muß unverzüglich S r . Gnaden dem regierenden Herr»
Amts »Schultheiß der Rapport abgestattet weiden, um
das Weitere nach Umständen zu verfügen.
Es sind zum Brand eigen verordnete Brandmei»
ster. Diese eilen sogleich dem Brand zu, und nehmen
Küferknechte, Dachdecker/ Steinhauer, Zimmerleute
mit sich.
Die Bach «und Brunnenmeister bemühen sich gleich«
falls die werkthätigste Hülfe zu schaffen; da sie die
Stadtbäche schwellen und die Wasserleitungen besorgen.
Die Stadtthore werden geschlossen und die Fall«
brücken aufgezogen. Wer zur Stadt herein oder hin«
aus m u ß , kann durch die kleine Thörlein gehen.
Die erste Feuerspritze die auf dem Platz ankommt,
erhält zur Belohnung von der Obrigkeit selbst i2£6aler
oder 9 große Thaler Recompenz; die zunächst darauf
ankommt 8 Thaler oder 6 große Thaler — • ; die dritte
aber crlält nur 4 Thaler oder 3 große Thaler.
Des Nachts werden an allen Häusern Lichter in
Laternen ausgchangen, damit die Stadt zur Nothhülfe
desto bequemer erhellet sey.
Jeder Bürger soll seine Knechte und Dienstbothen
zur Hülse senden.
Jährlich werden die Feuerspritzen zwermal probirt
Mld die dazu verordnete Mannschaft excrcirt.
Jedes Bürgerhaus soll einen Feuereymer haben:
R;
«lle Gcscllschaftshäuscr baden sie in Alenge, alle ofrent-
liche und obrigkeitliche Gebäude ebenfalls. Die Müller
und Lehmißler müssen ihre Pferde parat halten um
Feuersaerithe zu führen. Es find auch ausser diese»,
7 ordentlich bestellte obrigkeitliche Brenn » Pferde da.
Wenn es in der Stadt brennt, wird auf der Schanz
«in Zwilfpfünder 4!»al abgefeuert; — brennt es im
Stadtbezirk, soll es nnal geschehen.
Alle Feuerspritzen sollen lederne Schläuche von
wenigstens ico Schuh Länge haben; an denselben sollen
alle meßingue Gewinde gleich seyn, damit sie im Fall der
Noth zum Verlängern auch zu den andern dienen ton»
nen. Es haben unsre Feuerspritzen gewisse Communi«
katious'Schläuche, die das Wasser desto leichter in sich
«ufnehmeu. Die Spritzen selbst sind nach dem Modell
der kleinen S t r a t burgisch en Feuerspritzen gemacht ; sie
sind sehr bequem zu transportiren, und können in das
Innere derHäuler selbst gebracht und demontirt werden.
Zum Austragen der Geiäthschaften soll man in den
Bürgerhäusern Feuersäcke im Vorrath haben, wozn die
Modelle im Zeughaus zu sehen sind. Auch sind eigene
beeydigteMänner beordert, die allesPersonale dirigiren
und selbst Hand anlegen.
Wenn das Feuerhorn vom Tbnrm geblasen wird,
so bedeutet es, daß derVrand nichtin der S t a d t , son«
der« im Umkreis der Stadt und bis ans i Stunden in
der Weite sc». Hingegen ist das Lermzeichen für die
Stadt das Trommeln und käuten. —
Die neueste Feuer<»rd,lung ist vom Jahr 1794*
Straßenordnung.
Als im Jahr 1744 der neue Straßenbau im lande
zu Stnnde gekommen war; (denn Vern war allen Kan»
tonen der Vorganger) so wollte die Obrigkeit/ wie billig,
auch den grosse» Kostenaufwand sicher stellen, damit
nicht nach wenigen Jahren das theure und mühsam
ausgeführte Werk wieder in Verfall und Abgang £»»
«athe ; — also setzte sie durch ein Straßen «Regle»
ment fest: »Essoll ein beständiger w e g . Inspektor
in jedem Dorfe seyn; lks solle» keine Bäume und
Häge zu nahe an die Straße gepflanzt n>er>
den, damit nicht der Schatten die Trockene uerhindere:
aufStraßeil die durch Wälder gehen, soll wenig»
stens 2; Schuh breit von jeder Seite der Straße
lein Gesträuch geduldet werden; auf Landgütern
die an der Straße liege», soll kein Baum näher
als il Schuh vom Zaun entfernt geseçt werde» 5
das Gesträuch, so heranwächst und Schatten auf
den N?eg wirft, soll fleißig abgeschnitten werden:
man soll keine» Schutt auf die Straße werfen;
von den Aeckcrn und Bauten keinen Abwurf dahin füh»
reit, keine Reiser, keine Schorrhaufen, es sey so weni«
ober so viel es wolle, darf gelitten werden; wer die
Straße freventlich beschädiget, soll ;o Pfund Strafe
• zahlen, und nach Umstünden stehet Züchtigung am
leibe und Gefnnguie darauf. Alle Jahre zweynml,
5
^ 5 272 ^
im Frühling und Herbst/ sollen die Barten un>
Fuhrgleise von den wegmachern ausgefüllt/ die
S t r a ß e wieder frisch überworfen und geebenet wer«
de»/ wozu eigene Leute angehalten unö die Gemein»
den und Landuigte zur Aufsicht bestellt seyn sollen. —
Jedes Dorf soll seinen eignen U?egmcister haben;
ihm soll die besondere Aussicht zustehen, und er ist fü«
Olle Verstumuiß und Verwahrlosung verantwortlich.
Vey Bestellung der Landvogtcyen werden die Herrn
Landvögte jeder in seinem Amt besonders instruier, die
General » Aufsicht wohl zu Handhaben; auch die Postil»
lions sind angewiesen so bald sie irgendwo Mängel eut»
decken, sogleich bey der Zollkammer in Bern die An»
zeige zu machen.
Das erste Weg » Reglement ist «schienen i?44/ de»
»?ten April.

Bauernwucher.
Bey der im Jahr 1794 und 179s und jetzt noch stet«
wachsenden Theunmg aller Lebensmittel, welche zum
Theil auch die im Ueberfluß zu Markt gebrachten Vie»
tualien betroffen, und womit die Habsucht der Bauer»
und ihrer Helfershelfer auch solche Artickel beschwerten,
welche gut gerathen, und gar nicht selten waren, als
Erdapfel, Gemüß, Erbsen, Bohnen; war es nöthig
ein Gesetz zu machen. Die Verlaufer wenn sie nicht .
theuer genug «erkaufen konnten, stellten da« Uebergeblie«
lene in die Keller ,md Häuser der Scadt eiN/ bis zu»
nächsten Markttag. Die Polizey hat weislich verordnet,
daß alle diejenigen so ihre Waaren unverkauft behalten,
solche nicht ferner in der Stadt en dépôt lassen dürfen /
sondern mit sich zurücknehmen sollen) bey Straf der
Wegnahme und höherer Ahndung.

Fremder Arztneyverkauf.
Aller fremder Arztneuverkauf ist zu Stadt und Lan»
»erboten. Diejenigen, so ein neuentdecktes brauchbare«
Mittel vorschlagen oder zum Kauf feil bieten, müssen
zuvor beym Sanitätsrath in Bern die Erlaubniß ein»
holen. Alle reisende Operatoren, Augenärzte und Jahn»
lrzte, Bruchschneider, und wie dergleichen Herrn Namen
haben mögen, werden oft gewarnet, nicht ohne vor«
her erhaltene Genehmigung ihre Kunst im Kanton zu
treiben. Noch in diesem Jahr C'795") ward durch eine «f»
fentliche Bekanntmachung folgendes geschärft empfohlen.
«Da noch erst letzthin durch das Auisblatt, sowohl
Arztueyen als medie. undchirurgischeHülfe angeboten
norde», so wird andurch von Seiten Mrhghrn. der Sa»
nitits» Räthe zu jedermanns Verhalt bekannt gemacht,
daß in Zukunft keine Artikel dem Berichthaus überge«
len werden sollen, durch welche man dem Publikum Arzt»
lieyen oder Besorgung in medie. oder chirurgischen Fällen
anbietet, der einzusetzende Artikel seye dann durch den
Herrn Sanitätsrathschreiber unterschriebe»/ welche« auf
erfolgte Genehmigung Mrhgbrn. der Sanititsrithen wn«
entgeltlich geschehen wird. „

Marktschreyer/ Hausirer, Bilder > und Gemälde«


krämer.
Schon in den ältesten Zeiten sind die Marktschreye»
aus dem Kanton abgewiesen worden; obgleich sie von
Zeit zu Zeit sich doch sehen liessen. , Vor ,5 Jahren sah
ich selbst noch einen Hanswurst auf der Bühne in Bern
öffentlich Q»acksalberar;tncycn feilbieten, und eine Men»
gc Volks um ihn her. Seit dieser Zeit aber hat nicht nur
in der HauVtstad: sondern auch im Kanton sich keiner
mehr einschleichen tonnen. I n einer Ücrner» Ordnung
vom Jahr »613 stehen diese Worte: »Den Schreier«
soll weder uff noch ussert den Märitten ihr Kunst us zu
fchryen und Gewcrd zu tryben in keinem Weg gestattet
sondern sie hinweg gewyscn syn: ,, —
Man siehet also / daß nicht bloß in den neuern Zei«
ten man klug dachte/ es hat nur oft an dem Eifer ge>
fehlt gute ältere Verordnungen in Uebung und im Ganz
zu erhalten.
S o war auch in eben diesem Polizeygesetz vom J a h r
1615 weislich und gut gesagt: «Den fremden Bilder»
Händlern soll eingeschärft werden / daß wenn sie auf die
Iahrmessen kommen — alle unnütze/ üppige/ ärger«
liche Schriften und Gemälde meiden / denn diese
sollen ihnen nicht gestattet syn uszulegen und feil
Zu halte«/ bey Strafe der Confiscation und höh«»
rer Verantwortuilg.
Wer hat sich nicht schon oft geärgert über die sitten»
losen Bilder und Gemälde welche zu verschiedenen Zci»
teil hier in der Stadt feil geboten, und öffentlich aus»
gehangen werden, die Neugierde der jungen und lüster«
«en Personen anzuziehen, Diese Frechheit, daß man
lüsterne, muthwillige und im ganzen Sinn des Worts —
scandaleuse Dinge — ohne Schaum öffentlich aushangt/
zeigt viel zu auffallend den Sittenverfall an, als dnß
man cs ungeahndet lassen sémite. Ein solches Fciltra«
gen und Anbieten der Erfindungskraft eines muthwilligen
Mahlers und Zeichners, der in irgend einer sittenlose»
großen Stadt seine Originale aufsucht »nd unter den
«crdorbcnsten Klassen von Menschen seine Käufer unV
Bewunderer findet; ein solches geduldete» Commerz hat
gewiß nicht dei> Beyfall guter Patrioten; und ihnen
gebe ich diesen Wink, damit sie es nicht für zu unbedeu«
tend ansehen, weil die Sitten dadurch stark leiden»
Denn weit mehr als die sittenlosesten Bücher Wirten
diese Gemälde und Situationen des Kupferstechers,
Mahlers und Zeichners. Er arbeitet für die Sinne
weit beredter, weit anfchaulicher, weit wirksamer als
kein Schriftsteller es kann. Auch das gemeinste Gefühl
wird crhilzt von dem Bilde, wenn cS bey den Büchcm
nur Langeweile empfindet. Die Sinne, die Sinne — wir»
ken allmächtig und auf alle Stände. Ungesittete Ge<
mälde lassen einen unvertilgharcn schädlichen Eindruck
zurück; der gemeinste Mensch fühlt ihn. Und darum
sollte man diesem Bilder • und Gemäldehandel eine meh-
rere Aufmerksamkeit wiedmen und ihn nicht dem Eigen«
nutz verdorbener Hausirer überlassen. Aber trägt man
doch auch kein Bedenke» seine Wohnzimmer, s, gar
die Wuthsstuben damit zu zieren. — Selten kommt
man so gar auf dem Laude in ein Logie, wo nicht
alles voll solcher Galanterie» hängt! Ù, wehe! wehe:

Sittcinnandat.
. -' Das obrigkeitliche Mandat über die im Schwang
gehenden Sünden und Laster, welches alle Jahre
und zwar am ersten Sontag nach Ostern in allen
2Urchc»l des Landes abgelesen wird, cuthält die allge»
meine Sittengcfttze; darin« kommt auch folgende Stelle
Vor: «Alle aderZläubische Beschwörungen des
Viehes; aller lUißdrauch des göttlichen Namens
bey sogenannten Zauberkünsten; alle betrügerische
Segnungen! alles was zur Schwarzkunst gehört:
auch alle Schaygrabcreycn und wahrsager.ülend»
werke, sind bey höchster Strafe verboten.»— '

Zinskasst f ü r Dienstbote».
Da in den letzten Jahren viele unglückliche Ban»
terotte im Land ansgebrochen sind,wobcy auck die Dienst»
ioten »um Theil ihre eingelegten Gelder ocrlohrcn haben :
und
«no diese unwissende Personen iure Sparpfenninge ick«
mer solchen Handelsleuten gaben, die am meisten Aufsehen
machten, so war die Errichtung einer Diensten'Zins»'
lasse eine wohlthätige Anstalt der hohen Regierung.
Nur für Dienstboten und arme Leute in der Haurtstadt
ist dieses sehr nützliche und wohlthätige Amt gestiftet.
Da können sie ihre Licdlohne um den jährlichen Zins
von il Procent einsetzen; die abgekündigten Kapital«'»
aber liegen zu jeder Zeit parat; so sind sie vor jedem
Unfall gesichert, und ihre Zinse erhalten sie auf Lag
und Stunden; die mindeste Einlage ist 30 Kronen; die
höchste 60 Kronen; sonst konnte man bis auf 3°° Kronen
steigen. Wenn andere unter den Diensten-Namen Geld
einlegen, die werden zur Verantwortung gezogen.

Die Gewichte und Maaße der Stadt


Bern.
Folqcndes ist gröstenthcils ein Auszug der im
Jahr 1770 erschienenen, von der ökonomischen Ge^
sellschaft in Bern bekannt gemachten Leschrei-
bung der Gewickte imd M.-aßc der S t a d t
B e r n , welche über das Verhältniß dieser Maaße
und Gewichte (auf hohen Befehl) sehr umständliche
und genaue Untersuchungen und Bestimmungen
hat anstellen lassen.
Mit Auslassung desjenigen, was über die bey
Untersuchung und Prüfung dieser Gewichte und
Maaße gemachten physischen Proben, Abwägun«
zen, Abmessungen und Vcralcichungcn in obge,
II. Theil. S
= 2?8 = 5

dachtet Beschreibung enthalten ist, wird hier bloß


das Wesentliche beschrieben, und mit einigen Be-
mcrkungen und Zusätzen vermehrt.

Lauge.
Der Werkschutz , der zu allen geometrischen
und mechanischen Verrichtungen gebraucht wird,
hüt sein Urmaaö an dem Klafter, von welchem
unten geredet wird. Der Schuh theilt sich in 12
Zölle, der Zoll in 12 Linien, diese in 10 Secun-
den: er ist gleich ic, Zöllen 10 Linien des franz.
königl. Schuhes; Oder wenn dieser in 1440 S c ,
cuud'en eingetheilt wird, so hat der Bcrnschuh
1300 dieser Theile.
Der Stcinbrecherschuh, nach welchem die
Steine aus den Steinbrüchen geliefert werden,
so« halten 1, Zölle des BcrnschuheS.
• Das Klafter von 8 Schuhen hat sein Urmaat
auf dem Rathhause. Es ist auch eines zum Ge>
brauche des Publikums unter dem Gewölbe des
Zeitglockenthurms angeheftet. Es sollen alle Hand-
werkcr ihre Arbeit nach diesem Klafter cinmcsscn.
Das Klafter von sechs Schuhen wird nur zu
Ausniessung der Hcustöcke gebraucht.
Die Ruthe hat io Schuhe, welcher in der
Feldmessung in <o Zölle eingetheilt wird.
Die Elle theilt sich in i, in • ', m: Schul, oder
auch in j , uud in !. Sie verhält sich zum Schuh
wie i n m 72.
Die Elle ist laut Dekret vom 2ten May 177«.
auf22 Zölle 2 Linien, oder 266Linien des Bern-
schuhes gesetzt. Eine eiserne Probe-oder Mutter-
Elle ist zum Gebrauch des Publikums unter dem
Vewölbe des Zeitglockenthurms festgemacht, und
I ,

hält i Schuh 8 Zoll und iT»s Secunden * Linie»


des franz. tönigl. Schuhes.

Gewichte.
Zum Verkauf aller Waaren und Lebensmittel
wird das Bernpfund oder sogenannte Eisengkp
wicht; zum Verkauf des Goldes, Silbers, der
Galonen, Seiden und des Salzes, das Pariser«
markgewicht ; und für die Apotheker und ihr«
Medikamente, das mcdicinisthe Pfund gebrauche
Aller dieser Gewichte Muttergewichte werden
auf dem Rathhause verwahret.
Das Bernpfund theilet sich
in )2 Loth
das Loth in 4 Quintlin oder Quart
das 'Quintlin in 4 Pfenning
Das Pfund hält genau i? Unzen, oder 9792 Gran
Pariser Markgewicht.
Es ziehet also ftwisaota» '
das Pfund Parisergran 9792.
das l Ib. 16 Loth 4896;
das l Ib. 8 Loth 2448.
das 3 Id. 4 Loth 1224.
2 612.
1 ;o6.
i oder 2. Quintlin 155.
- I oder,1. Quintlin 76z.
£ oder 2. Pfenning 38*
* ^oder 1. Pfenning 19I
. . - 17? oder oder Pfenning isi
Loth 32 Gran,979^
ÏOO Pfund machen den Centner.
ioo Pfund Berngewicht sind gleich io6£
Parisermarkgewicht.
Das Parisermarkgewicht theilet sich nach
franzosischem F u ß :
livres
» marcs

16 8 onces
128 64 8 gros
384 192 24 3 den.
9216 4608 576 72 2 4 grain

Nach hiesigem Fuß:


die Mark in Loth 16
das Loth in 4 Quintlin.
das Quintlin in 4 Pfenning.
der Pfenning in 18 Gran.
ioo Pfund machen den Centner.
100 Pfund Parisermarkgewicht sind gleich 941Mb.
Eisen-oder Berngewicht.
Die medicinische oder sogenannte Apothekcrgcwicht«
theilen sich
in 12 Unzen. Z
die Unze Z in 8 Drachmen. 3
die Drachme z in ; Scrupel. 3
«in Scrupel 3 in s« Gran. gr.
und hält genau französische Gran «71$, ode«
il Unzen 16 de«. J GraN poids de marc.
Es ziehen also
6 Unzen Parisergran 3?5"7|
3 Unzen 1678s
i Unze SS9-k
i Unze 559H
4 Drachme« 27955
2 Drachmen *39t§
i Drachme 69ßi
i Serupel 23 Hz
i Serupel 2)/W
io Gran «*B
4 Gran
3 Gran
2 Gran 2±§42
i Gran
i2 Unzen französisch Gran 6715.

Flüßige Dinge.
Der Wein und andere Getränke werden nach
der Pinte oder Maas gemessen, welche laut obrigk.
Décret vom 2tcn May 1770 auf 114,^ Ber-
ner-Cubikzölle festgesetzt sind, und deren Mutter«
maas auf dem Rathhaus «erwahrt wird.
Diese 114% Berner - Cubitzölle betragen 84,'
französische Cubikzölle.
GZ
loo Bern, Maas machen einen S a u m , wel,
cher folgende Abtheilungen h a t :
^ Bernzölle. Pariserzille.
Oaum . 1144? 842 s
4 Brmte
100 2s îOlaai «4& 84K
200 2>Maas Ç7-23-I A.2^-$
) £ 100 T * 100
400 1 0 0 4 Viertelt 2 8 ^ *i4g
r
800 2 0 0 f IO-^J

Eine Maas Soodwasscr wieat ; Pfund und


6 Un<cn , 2 den. 9 Gran Markgewicht, oder ;
Pfund 6 Loch 2 Qumtlin i $ Pfenning hiesiges
Gewicht.

Trockene Früchte.
Das Maas zu dem Gctraide aller Arten,
ausser Reis, so beym Pfund verkauft wird, auch
zu Kartoffeln, grünem und gedörrtem Obst , ist
das M ä s , dessen ciibifcher Halt laut obrigkeitl.
Dekret vom 2,ten Merz 1774 auf 96a Berner»
Cubik^oll gefetzt ist, welche 706-^ franz. Cubil,
zolle mache».
Das doppelte oder grosie M ä s , mit welchem
an verschiedenen Orten des Kantons die obrigkeitl.
Gefälle anZchcndcn, Bodenzinsen und dergleichen
gemessen werden, soll,996) Berner, Cübilzölle
halten, mithin genau 4 Proeent stärker seyn
alu das obgedachte einfache oder ordinäre M ä s ;
10 große oder doppelte Mäs geben demnach 104
einfache.
Seit vielen Jahren befindet sich zum Ge<
brauch des Publikums unter der Halle des
großen Kornmagazins ein Mütt von 12 Bern,
Mäßen in hartem Stein in der Form eines Ci«
llnders, eingehauen.
DaS M ä s wird für das Getreide bestrichen,
hingegen beym Obst, Kartoffeln, gehäuft gemes-
sen und verkauft.
Die Abtheilungen der Fruchtmaaße sind
folgende:
Bern«" Pariser"
MÜtt I l 72,0 8476135
12 M, il • 960 7°6M
24 2 iV äs 480 353iN

48 4 2 In li 240 1
/°10O
I
96 8 4 2 8terli 120

192 16 8 4 2 lsnerli^ 60 44i55

Es wäre zu wünschen, daß zwischen der Maas


zufiüßigenSachen und dem Kornmäs ein natürli«
chères oder schicklicheres Verhältniß angenommen,
und die Maas zu Flüßigkeiten genau auf 120
S4
Berner-Cubique festgesetzt würde; welches den
achten Theil des Kornmästs von 960 Cubilzoll
ausmacht; alsdann würdcn 8 Maasse gerade ein
Ma!> gcbcn.
Auf qlcichcn Fuß könnte auch die Elle genau
auf- Bcrnschuh gesetzt werden, »reiche260fratn
zösischc Linien betrafen; 2 solcher Ellen würden
dann bcimahc einen Pariserst>ib oder Aune (wel-
che eigentlich genau $26) französische Linien lang
befunden worden) aufmachen, und ; i 6 i doppelte
Berner - Ellen, würden alsdann ; 120 Pariscrstäbe
geben, mithin würde die doppelte Berner - Elle
nicht gar 1} Proccnt kleiner seyn, als der Pariser,
stab.
Ein solches gleichmäßigeres Verhältniß zwischen
Maas und M a s , Elle und Schuh, ist schon so
lang der Wunsch des grösten Theils des Pnblici
gewesen, und auch hin und wieder von erfahrnen
und sachkundigen Männern angcrathen worden;
und obgleich eine solche Abänderung der Maas und
Elle vielen Schwierigkeiten unterworfen zu seyn
scheint, so würden solche wohl zu überwinden seyn,
wenn man sich die Sache mit Ernst wollte ange»
legen seyn lassen.
Man könnte zu Abänderung unserer Elle und
Maas eine Znt von etwa ; öder 4 Jahren fest«
ft&tn, und hohen Orts dctrctircn, daß der Ge-
bra»ch der, neuen Maas Und Elle mit dem lten
J a n u a r 17,9 oder 180° seinen Anfang nehmen
soll. Ein jeder Privatmann hatte sodann Zeit ge«
«ug sich dicstlbcn bekannt zu machen und anzu-
schaffen.
Verschiedene Lebensmittel.
i •

B r o d . Die Pfister (Becker) sollen dasselbe nach


der ihnen vorgeschriebenen Ordnung vom 14««
Febr. »774 bey dem Gewicht verkaufen; tränt«
lich wenn der Mütt Dinkel (Spelz) 60 Btz.
gilt, so soll das 2 Kreuzer-Mütschlein (Brod«
lein) 19 Loth wägen: gilt der Mütt nur
30 Btz. so soll es ;ç Loth wagen: gilt er
aber 120 Btz. nur 9 Loch; nach diesem Ver-
hältniß steigt und fällt auch das Gewicht nach
dem Zwischenpreise des Mütts. Der Herr
Ohmgcldner der Stadt soll einigemal des Jahrs
zu unbestimmten Zeiten den Umgang den den
Beckcrn halten, um zu sehen, ob das Brod
das behörigc Gewicht habe: die Uebertreter
aber mit Kcnsistation des Brodes und einer
Busse bestrafen.
Sal< wird beym Markgcwicht verkauft, eö sey
Pfund - oder Centncrweise.
Vbst verkauft sich bey der Hulte, deren Innhalt
unten soll gezeigt werden; im Kleinen aber
und Gedörrten bey dem gehäuften Kornmafe.
Honig und Oel werden beym Weinmaas verkauft.
Ocl, das feine, oder Olivenöl, beym Pfund.
Milch wird im Kleinen bey dem Becher, so ein
halb Viertel hält, verlauft; im Grossen aber
bey der Milchmaas, welche fünf Viertel der
Weinmaas hält. Also sind 100 Milchmaas
gleich 125 WeinmaaS.
Heu wird bey dem 6 schuhigen Klafter gemessen ; hält
also das Klafter 216 Cubikfchuhc; von einem
grossen fcstgescssencn Futterstocke von $0 bis 80
Klafter, wiegt das Klafter ? biö 10 Ccntncr
Berngewtcht; von einem kleinen Futtcrstocke
aber nur 7 bis 8 Centner.
S t r o h wird bey der Bürde oder Bund verkauft;
welche 16 bis 17 hiesige Pfunde wägen sollen.

Brenn - Materialien.
Holz, soll laut der Ordnung vom yteu Fcbr. 1787
beym Klafter verkauft werden: das Klafter
soll lang scnn 6 Schuhe, hoch 5 Schuhe; das
Holz oder Scheit ; ; cchul) lang. Hält also
das Klafter 10c hiesige, oder 77^'- franzö,
fische Kubikschuhe.
Turbcn oder T o r f , soll laut Ordnung von 176»
bey dem Wagen verkauft werden: dieser soll
halten an Länge 17 Schuhe: die Breite auf
dem Boden 2 Schuhe, oben ; Schuhe: die
Ncbenwände hoch 2 Schuhe. Also hält der
Wagen 8 , hiesige Cubikschuhe.

Nc»hlen, Dafür ist kein bestimmtes Maas, so»-


dern selbige werde» beym Sacke verkauft,
welcher ungefehr t± Cubikschuh hält, oder
beym Wagen, der ungefehr 11 bis 12 Wa»<
nenkörbe hält: dieser hält 8 hiesige Cubik-
schuhe, also der Wagen 88 bis 96 Cubit-
schuye.
Steinkohlen werden beym Ccntncr hiesigen Gc-
wichts verlauft.
Bau - Materialien.
Sandsteine beym Fudcr, welches 16 Schuhe
Steinbrechermaas h ä l t , der Schuh zu i ,
Bcrnzöllen: also hält das Fuder 2a.'«'» hiesige
Cubikschul«?.
Bruchsteine beym Fuder, welches auch z° bis
21 hiesige Cubikschuhe hält.
S a n d bey der Venne, deren Mäs uuten wird
gezeigt werden.
Ralk wird nach der den 2,ten Augustmonats 177»
im Bauamte gemachten Verordnung in Fäß-
lein verkauft. Der Kalk wird zuerst in einer
dazu bestimmten und mit dem Stadtwappen
gezeichneten Kiste gemessen / welche z\ Schuh
lang, 2' Schuh breit, und z\ Schuh hoch fc
ist, also daß das Fäßlcin ungefehr 1?: hiesige
Cubikschuhe halten soll, oder 10 französische
Cubikschuhe.
Gypo beym Faßlein, welches 7 Brenten oder 21
gehäufte Mäße geriebenen Gnvs hält, oder 14J
hiesige Cudllschuhc. Dieses Maas ist im Jahr
174; bestimmt worden.
Gebackene Steine und Dachziegel, davon die
Formen oder Modelle bey dem Bauamce liegen *).
latlg. breit. dick.
Kaminsteine 10" 4 "8'" 2 " 6'"
Mauersteine 14" 7" 2 " 2'"
Dachziegel 17"^" 7" 10'"

' ) 'Bedeutet Schuh, " Z o l l , '"Linicn.


lang. breit. dick.
Dachziegel auf d. Seite n"6'"
Hohl-oder Forstzieacl 15 V " l"i'" ' 9'"
» - am kleinen Ort 6"
Bcsctzplatten 10" 10» , " 6'"
lang, breit, dick.
Dachlattcn 30' - z"6'" i"6<"
Doppcllatten 30' - 3 "6"' 3 "6"'
Gartenlattcn 30' - 5" , i"6'"
Laden 30' s , - 2" -
Boden - oder Falzlädcn 30' s s « i"<z"
Täffclladcn 30' , s s i ' V "
Vchindlen,tannige gevierte 15" - ;"6"< bis
au dem Bund sind 200) 4"
s , , eichene runde 9" j"6"i
an dem Bund sind 100)
lang. btcit. dick.
Zaunlatten z ^ b i ö ^ 4 " ^ " i"biii"6'"'
Zaunscheycn 8'biSiz' 4"biö;" 1"
Zaunstccken 6' i"6"'
Weinstöckc 6'biêioi1 4"bi»'s// 4"bi^"
Gartenstangc» o'biöis i"bUi"6'"

Fuhrwerk.
Schlikllbenne auf 2 Rädern, ist im Boden in-
wendig lang 4^7" oben lang 4^9" am »ordern
Theil auf dem Boden breit \%" von hinten
19" oben in der Mitte breit z' z\" tief 15
Zolle: hält also n hiesige Cubikschuhe.
Stoßbemie (Schubkarren) ist im Boden inwendig
l a n g : ; " von vornen her breit «8"hinten breit
16" tief l i " , hält 2' cubische Schuhe; weilen
aber selbiger an der vorder« Seite offen ist,
so kann mehr nicht als ungefehr 2 Cubikfchnh
darein geladen werden.
Hütten (Traghoten), welche zum Obstverkauf ge-
braucht werden, halten 2! hiesige Cubitschuhe,
oder 3 volle Mäse Obst.

Feld * Maaße.
I u c h a r t (Morgen). Diese hat kein bestimmtes
M a a s , wird aber insgemein auf folgende
Weise berechnet: die
Holzjuchart für Schuhe 45000
Ackcriuchart 40000
Matten - oder Wiesenjuchart ; 5 000
kleinere 32000
kleinste 50 Schritte breit
und 100 Schritte lang,
der Schritt 2 2! Schuh 31250
Auch hier wäre zu wünschen, daß durch den
ganzen Kanton durchaus eine gleiche Messungsart,
für Acker, Wiesen, Reben und Waldung ohne
Unterschied, von hohem O r t aus für ein-und alle»-
mal festgesetzt würde. Die schicklichste Messung
scheint das 'Quadrat von 40000 Schuh zu seyn,
dessen Wurzel 200 Schuh ist; auch müßte dab>-y
lein anderes Fuß « oder Schuhmaas gebraucht
werden können, als einzig und allein der Bern,
schuh.
2 CO

Metall - Proben
welche mit dem B. oder dem Stadtwappen als dc»n
Stadtzcichcn gestempelt werden sollen:
Gold in der Goldarbeitctey , 8 karat fein.
6 karat Zusatz.
Silber 15 Loth feines, 9 Loth Zusatz,
oder nach ftanzös. Manier $ den. ,g gr. fein.
2 den, 6 gr. Zusatz,
von Kupfer.
Zi,m, 4 lb- fein,
1 Jb. Zusatz von Bley.
ikhreuc Geschirre, 1 Ccntncr Kupfer, 2«, Pfund
Zinn.

Geld.
Geld - oder Münzfuß der Republik Bern, ist nach
dem Jahr 175; bestimmten Tarif, in welchem
alle Gold-und Silbersortcn nach dem Werthe
der feinen Mark gcwürdigct worden sind.
G o l d , die feine Mark 206 Kronen 10 Batzen/
oder hiesige Franken <n6.
S i l b e r , die feine Mark 14 Kronen 10 Batzen,
oder hiesige Franken 36, Also ist das Verhält-
niß der beyden Metalle» wie 1 zu 14}.
I n der Müi'Zstc.dt in Bern werden folgende
Gcldfortcn fabricirt:
Gold. Dukaten à 235 Karat Gewicht 65 ©ran,-
Seit 1793 werden auch Dublonen ausgemünzt,
von gleichem Korn wie die französischen Scliiid.
louiö'd'ors, und an Gewicht 14; französische Gra«
haltend, ä Kr. 6« 10. Btz.
Silber. 10 Btz. Stück, Gewicht 30,*, zur Mark.
, Blj. Stück, Gewicht 5; zur Marl.
10 Kzcr vtück. Gewicht 110 zur Mark.
Jetzt (1795) sind auch Nene Thaler zu 4° Btz.
ausgemünzt worden.
Scdeidmünzcn. Ganze Batzen 10; zur Mark,
halbe Batzen i;o zur Mark.
Kreuzer 240 zur Mark.
»Kzcr oder Vierer 400 zur Marl.
Unsere wirkliche Gcldsortcnsindnach jetzigem
Münzfuß:
Dukaten zu 7 L. oder 2 Kronen 22 Btz.
Zchcnbatzenstück zu 46 Kreuzer.
Fünfbatzensiück zu 20 Kreuzer.
Zchulrcuzersiück.
Ganze Batzen zu 4 Kreuzer.
Halbe Batzen zu 2 Kreuzer.
Kreuzer.
Vierer oder \ Kreuzer.
I n den Jahren ,755 und ,777sindalle fremde
Espèces chciis verboten/theils abgewürdiget worden.
Da ,nan aber die neuen Louisd'orö und Federthaler
in einem etwas höhern Preise als der Pari gewür«
diget hat, so sind alle fremde Llpece8-aus dem
Lande gewichen, und siehet man in hiesigen Lan,
den wenig andere mehr, als
Französische Louisd'orö oder Schildduvlonen z»
16 L. oder 16° Btz. welche geben 6 Kr. i ° Btz.
Ganze Laub, oder Fcdcrthaler, zu 4 L. oder 40 Btz.
Halbe Fcderthaler, zu i h, oder 20 Btz.
I d e a l e Gelder:
so nur zur Rechnung dienen:
Thaler von 30 Btz.
Cr. Kronen von 25 Btz.
L. Franken von 10 Btz.
W. Pfund von 7'Btz. oder ;o Kreuzer.
si. Schilling ,von 20' auf ein Pfund.
d. Pfennig von 12 auf einen Schilling.
I n dem Acrgän rechnet man anck öfters nach
Gulden, deren jeder 2 Ib. ausmacht.
Die Münzkammcr hat die Aussicht über die
G o l d - S i l b e r - u n d medicinische Gewichte, und
läßt dieselben durch ihren bestellten Fecker prüfen.
Die Ohmgeld-oder weinkamm^r hat die
Aufsicht über die Elfengcwlchtc; die Pinien und
Mäße trockener Früchte und die Milchbcchcr; sie
läßt solche durch den bestellten Maß-und Gewicht-
fecker prüfen.
Das Salzgcwicht, steht unter der Aufsicht der
Salzdirektion, welche stlbi.qcs auch durch den be-
stellten Mas - und Gcwichtfcckcr prüfen läßt.
Die Elle wird an den Märkten von einem
Ausgcschossenen der Kausicutenzunft geprüft.
Nach der bestimmten Beschaffenheit unsrer Ge-
Wichte und Maaße kann man leicht eines durch
das andere berechnen, und auch dag Verhältniß
anderer Lander gegen die unsern finden.
Damit aber ein jeder diejenige Basis wisse,
nach welcher dergleichen Prüfungen können angc,
stellt werden, so wollen wir bemerken, daß einen«
bischer Schuh Bernmaaö vom Soodbrunnenwasser
in temperirtcrWärme » « M a r k / 6Unzen22den.
13
12 Gr. poids de marc Wiegt; —oder 48 Pf«N>
izn, Loth Eisengewicht.
An distillirtem Regenwasser 102 Mark, , Unz.
ly den. i y l Gran.
Nach Herrn Belidors Berechnung wiegt der
ftanzösische eubische Schuh an Soödwasser 69
Pfund 1 4 $ Unzen , oder 65 Pfund 25 t Loth
Eisengewicht, und an Regenwasser 69 Pfund
iijVL Unzen.
Es hat eine halbe Unze^ SoodbrUnenniasser
l 8 i 4 . ^ hiesige, oder rn,^» französische cubische
Linien, und eine halbe Unze distillirtes Regen-
wasser ist gleich i8i6 T i s hiesigen, oder i;;6/H
stanz, kubischen Linien. Hat man nun ein mit
dergleichen Wasser gefülltes Gefäß gewogen, st
tan« man seinen kubischen Innhalt finden.
Eben so leicht kann man aus dem bekannten
tubischen Innhalte das unbeirusite Gewicht finden;
da ein Bernduodecimalzoll an Soodbrunnenwasser
274;; Gran, an distillirtem Rcgcnwasscr 274' Gr.
der franz. Duodccimalcubjc,oll an Soödwasser
?72>'H, und an distillirtem Rcgenwasser3723t Gr.
wägen.

Noch verdient bemerkt zu werden, daß der


hohe Stand B^rn von jeher gute und feine S i l -
bcrsortcn ausgeprägt hat, und er ist die Ursache,
daß auch die benachbarten Kantone besseres Geld
in Cours zu fetzen sich bestreben, als es in vorigen
Zeiten bey ihnen nicht üblich war. Mit großem
Nachdruck verbannte der Kanton Bern die im
Lande eingebrachten elenden Geldsorten von den
Schweizcrkantonen und dem Auelande. I m J a h r
1731 stellte die Regierung eine eigene Geld-Ver-
II. Iheii. K
äußerungs «Commifiion auf; lies alles fremde
schlechte Geld einwechseln,, und zahlte ncugcschla»
gcnc Landschafts - Münze dagegen. Hundert,
tausend Thaler wurden dazu bestimmt, diesem
Landvcrderblichen allgcmeingewordencn Uebel zu
steuren. Das fremde schlechte Geld ließ man durch
Partikularen wieder über das Gebiet mit Verlust
hinausschaffen. Der Erfolg entsprach doch noch
nicht ganz der Absicht. Bald kamen wieder diese
schlechte Gelder zum Vorschein, und die ernstlich«
sten obrigkMtlichen Ermahnungen hatten abermals
keine lange Dauer. I m Jahr 17«, nahm die
Regierung diese Angelegenheit nochmals vors sie
setzte allen ihren Ernst daraufund bestimmte große
Summen die Einwechselung zu veranstalten:
nach unabläßigem strengen Aufsehen ward endlich
das Uebel entfernt. Die Landmünzc wnrde überall
gesucht und angenommen, keine Zahlung war
KÜltig, die nicht in solcher geschah, nur allein
die französischen qroßen und kleinen I b a l e r
wurden für gut und äandcourfirend geschätzt;
alle fremde kleinere Gcldsorten waren verbannt:
Allein gültig waren die von Bern selbst ausgeprägte
Batzen, halbe Batzen; Zchenkreuzcrstücke, 5 Btz.
und 10 Vtz. Stücke, und nur sehr wenige 15 Btz.
Stücke. Noch jetzt siehet man keine andere kleine
Münze als diese.

Kunstsachen. Gemälde. Alterthümer.


Münzkabinette.
(Man sehe den iten 3heil von Gelte 201 bis 2,6.)
Es ist lein tinziges eiaentliches Gemihldekabinet in
B e r n , aber viel» Partikularen besitzen theils in der
Stadt, theils auf ihren Landhäusern, mehr oder wtrf*
ger, zum Theil sehr schöne Gemählde der besten Meisten
Herr Seckelmeister Strttl«, Herr Venner Fischer, Hr.
Fischer von Wangen, alte«/ Hr. Fischer von Oberried,
Hr. von Büren von Vaumarcus, Herr Hauptmann von
Sinner von Clendi, Herr Ober-Commißarius Wyß» Hr.
Hauptmann von Mülinen, Herr Landvvgt »on Muralt
»on Bipp/ Herr Oberherr von Grafenried von
Rersay, Herr von Frisching ton Rümlingen/ Herr
Landvogt von Sinnei von Mveidon, Herr Landvogt
Fischer von P o n t o n , Herr Cchultheiß von Wattenwyl
von Nidau/ Herr Hauptmann Till«« von Interlaken,
u. a. m. sind alle im Besitz zum Theil vieler, zum Theil
weniger guter Geinählde.
Auch sind die meisten Hiuser in Bern mit vortreff-
lichen Gemählden und Kupferstichen ausgeschmückt, die
theils von NationatkünstlerN verfertiget, theils aus
Italien geholt worden. Vorzüglich siehet man auf
historische Gemählde und Landschaftsstücke. Aber ei»
Vergessen der Polizev scheint es zu seyn, daß man in
den öffentlichen Gemählde »Magazinen, wo immer
neue Stücke zu Kauf ausgeboten werden, viel« obscène,
scheußliche, sittenlose und schandbare Stellungen und Fi»
«uren öffentlich duldet; besonders zur Marltzeit, u «
die Vorübergehenden anzulocken, die jungen Leute zu
belustigen. Die gesitteten Menschen aber, besonders da«
wohlerzogene Frauenzimmer ärgert sich daran, und macht
es zu errithen und nöthiget essichmit Eile zu entfernen.
" Mahl«/ Zeichner und Kunfthäudl« von solcher
Art, sind die Kuppler der Wollust; die Schande der
Zeit/ und sie sprechen Hohn den guten Sitten.

Der Mahler S t u n z zu Arlesheim / und M . La


Rive zu Genf/ haben beyde viele schon« Landschaften
des Vernerkantono nemahlt. Sie verdienen also hier
vorzüglich eine Stelle. —
, i ' . ' \ii;-r ..Ï" —•-••

Aberli hat mit seiner bekannten Geschicklichkeit ver«


schiedene Kleideltrachten des Kantons Bern in «ngeneb»
men und sehr guten Zeichnungen vorgestellt. —

(Zu pag. ,26 des iten Theil«). "Von dem ganzen


Pays de Vaud hat man sehr artige Relief» von Herrn
Exchaqnet ,* welche ehmals zu Genf in Porcellan ge»
modelt «ordcw, und die ganze Gegend um den Genfer»
sec, von Grandson an bis an den Montblanc, und von
Fort de l'Êclnsc bis über Sitten hinein, sehr treu
vorstellen. Sie kosteten zwey Louisd'or.
- •-•\i V ; -_i -, ;;

(Pag. ssTium Iten Theil.) Zum Verzeichnis der


HenZlschen Sammlung müssen folgende beygefügt wer»
den, von welchen ein großer Theil durch den geschickten
Künstler Aostnberg sind gemahlt worden.
26. Monument érigé ä la gloire des fondaturs de la.
Liberté Helvétique fui 1« Lac de Lucerne,
«7» tac & ville de Thun , avec la rivière de l'Aar,
prise à vue d'oiseau depuis la terrasse du château.
:8 Vue de l'Hospice & de la chapelle des Capucins
au haut du 8t. Gotthard. Dem Pabst dedicirt mit de«
Inschrift: 8ummo Pontifici summum templum.
29. Vue d'un Pont sur l'Aar, dans le'Canton de
Berne. Ist eine Brücke auf der Grimstlstraße.
30. Vue d'une partie du pays de Hasle contre le
Reichenbach , prise depuis le vieux ehateau de Resti.
31. Cascade du Rhin près de SchaFhousc.
32. Chapelle de Guillaume Tell fur le lac des quatre
Cantons, n)o Tell aus dem Schiffe gesprungen ist.
33 Vue de la chapelle de Guillaume Tell, dans le Can-
ton de Schweiz. Wo Lell den Landvogt erschossen Hat.
34. Vue dn Village de l'Hospital dans la Vallée
d'Ursero.
35. Glacier inférieur de la Vallée du Grindelwald,
36. Glacier supérieur de la même Vallée.
37. Vallon de Lenk & Glacier du Ràzliberg.
38. Glacier de Rostnlaui dans le pays de Hassli.
An der Straße über die Sckeideck.
30. Vue des environs du Lac de Thun, prise depuis
Thieracherri, durch Studer gezeichnet.
40. Plan des Montagnes & Glaciers des vallées du
Lauterbrunn & du Grindel wald. Ist aus GruNlls Eis»
gebirgen copttt.
(Zu pag. 2:4.) Von Eichler kann billig angebracht
werden/ daß « die schönen Karten von den Meyer»
2z
scbcn Reliefs gravir t , und schon ein gutes Stück davon
vollendet habe.
N a h l s Aunstwert zu Hindelb«nk, soll auch in
«incm Buch über die Merkwürdigkeiten unsers Kantons
nicht fehlen. Wir holen also hier die Beschreibung
«ach; und da ohnehin die Steinalt, worin» es gearbeitet
ist/ nickt für die lange Dauer sichert, so soll doch wenig»
stcns auf die Nachwelt kommen, was die Zeitgenoßen
bey der Künstler »Idee empfunden und bewundert haben.
Hirschfeld schrieb vor 30 Jahren, da das Werk noch
frisch war, folgendes: » E s befindet sich nicht weit von
Bern in der Kirche zu Hindelbank ein treffliche« Werk
der Bildhauerkunst das ich etlichemal mit Bewunderung
betrachtet habe, und viele Fremde zu demfclbem eine
kleine Lustreise machen. Es bestehet in einem Grabmal in
S t e i n , das ein Schwede, Namens N a h l , verfertigt
hat, und worunter eine in ihrem ersten Wochenbette
gestorbene Gattin des Pfarrers zu Hindelbank ruhet.
3>er Künstler hatte viele Achtung gegen sie, und setzte
ihr das Denkmal zum Beweis seines Schmerzes, und
nicht au« Eigennutz. Sie war eine Person, die Tugend
mit ihrer Schönheit vereinigte. Sie starb am ersten
Ostermoraen. Dieser Unistand gab dem Künstler die
I d e e , die Verstorbene in dem Moment einer Wieder«
«uferstchcndcn vorzustellen. Der Stein, der das erhabene
Grab bedeckt, ist zerborsten, und wird von der Bemühung,
die der wieder belebt werdende Korper gegen denselben
anwendet, in die Hihe und von einander gehoben.
Durch den Riß sieht man die Wiederaufstehende, die ihr
Kind im Arme hält/ das ebenfals wie die Mutter em>
porstrebt. Man kann sich nichts Feyerlicheres und Rüh»
«nderes denken/ als in dieser ganzen Vorstellung liegt.
Vas unschuldige Kind/ in den Armen seiner Mutter,
mit welcher eS gestorben, mit welcher es wlederum er»
»acht; der Ausdruck der Freude und Hofnuug in dem
Gesicht der Mutter, das mit der größten Ähnlichkeit
und mit einer meisterhaften Kunst gebildet ist: ihr Be«
streben-, die Decke des Grabes wegzuheben; die Größe
der Ideen, die dadurch bey dem,Zuschauer erwachen,
und das Interesse / das ein jeder Mensch daran hat —
alles diese« vereinigt sich / di« Seele in die lebhafteste
Bewegung zu setzen. Diese wird nickt wenig durch eine
Aufschrift vom Herrn von Halle« unterhalte«/ die aus
dem Stein eingegraben ist:

Horch: die Trompete schallt, ihr Klang dringt durch


das Grab:
Wach auf, mein Gchmerzenssohn, wirfdeine Hülftn ab,
Dein Heiland ruft dir zu ; vor ihm flieht 3od und Zeit,
Und in ein ewig Heil verschwindet alles Leid.

Auch Hr. Wiefonfr hat dieses Werk, von dem er


sagt, daß es nicht bloß das Meisterstück des Künstlers/
sondern der Triumvh der Bildhauerkunst sey, in seinem
Gedicht über die Natur oder die uolltommensic Welt
gepriesen.
*4
Geht/ wie vom Nonnerton des Weltgerichts erweckt/
Durch den zerrißnen Fels / der dieses Wunder deckt/
Die schönste Mutter sich aus ihrem Staub erhebet/
Wie den verklärten Arm Unsterblichkeit belebet :
Wie bebt von seinem Stoß der leichte Stein zurück:
Wie glänzt die Seligkeit schon ganz in ihrem Blick:
I h r trilimphircnd Aug/ im heiliacn Entzücken/
Scheint den enthüllten Glanz des Himmels zu er«
blicken;
Der Seraphinen Lied rührt schon ihr lauschend Ohr;
Ein junger Engel schwebt an ihrer Brust empor,-
Und dankt ihr jetzt zuerst sein theurerkauftes Leben.
Der Wandrer siehts, erstaunt/ und fromme Thräne»
beben
Aus dem entzückten Aug : er fiehts/ und wird ein Christ/
U»d fühlt mit heilgem Scham / daß er unsterblich ist.

Römische?lltertl)üiner findet man in unserm Kan<


ton auch zu B ü r g l e n ; I n « 5 Stauden und Kribeu
im Amt Nidau / wo vormals das alte Petenisca gestan-
den; und wo die alte römische Heerstraße von Aoenticum
nach 8'>loiiunim, sSolothurn,' noch immer zu sehen ist.
Merkwürdig ist dieser gan,e Landesstrich; viele römische
Münzen sind dahenim ausgegraben worden, vorzüglich
im Amt Fraubrunn. Ausser Aoenticum ist da« Mini-
dunum (deutsch Milde«) noch vorzüglich an Alter»
thümern reich. Die Hauptstadt in unserm Kanton aber/
von den alten Römern gebaut/ bleibt immer Aventicum:
lient zu Tag ein kleines landstädtchen aufdem Wea nach
dem Pays de Vaud. Die beste Beschreibung des vor<
maligen vermuthlichen Znstandes dieses Hauptortes/
und seiner heutigen unbedeutenden Gestalt/ lieferte vor
einigen Jahren Herr Architekt Ritter von Bern. Es
ist «ns ein Vergnügen seine wenig bekannt gewordene
Schrift hier näher zu schildern! der Titel ist: Mémoire
abrégé & Recueil de quelques Antiquités de la Suisse,
avec des Desseins levés snr les lieux, depuis 17831 par
M. Ritter, Intendant de !.. L. E- E. & Directeur à la
Rouanne à Berne; Architecte &c. &c, Berne 1788. Nebst
g Blatt Kupfer, architektonische Zeichnungen von Ruinen.
Von den Alterthümern wiflisburgs (Avanches)
findet man in verschiedenen Büchern Nachricht/ aber keine
that dem Kunstkenner Genüge: denn es haben meisten«
nur bloße Liebhab«/ ohne selbst Alterthumskenner zu
seyn, davon Meldung gethan; und noch gar nickt ein
eigentlicher Bauverständiger/ wie Herr Kaufhaus» Ver«
Walter Ritter/ der selbst ein gesck)iekter Zeichner und Arcki«
test/ dabey ein Mann von weitläufigen literarischen histo»
tischen Kenntnißen ist. Mit einem neuen Forscherblick hat
er diese Ueberbleibsel viele Wochen lang untersucht, und
er giebt in oben angezeigter Sckrift, sein Befinden der
alten romischen gagerstadt Aventicum. Er bemerkt, daß die
ßtadt nicht von gar großem Umfange müsse gewesen seyn/
denn das Terrain erlaube keine Ausdehnung. Tempel/
B i d « / Monument«/ die im äussern Kreis lagen, möge»
die Hauptsache gewesen seyn. Das alte Mauerwerk/
25
die Dichtigkeit, Festigkeit, und die Gute des Kalks/
die gute Wahl des Sandes und der Steinart zu den Ge>
biuden, welche aus der Nachbarschaft von Neuenburg
und über den Murtersce dabin müssen gebracht worden
seyn — verdienen unsere Bewunderung. Man pfiügt und
baut jetzt aufdieser verschütteten Stadt. Ein altes Stück
Siule mit Gcmiuer ( Cicognier genannt) ist 37 Fuß
hoch/ oben ist noch ein Stück von Architraben; Herr
Ritter erkennt daran die Corinthische Bauordnung—
Die Mosaike«/ wovon Stücke zu Bern in Verwahrung
liegen; bestehen aus einem grauen Sandstein; die Wür»
fel aber sind von ungleicher Größe/ sie waren in einen
Kütt von Kalk und pulverisirtem gelbe» Stein mit
leinöl eingemacht; und der Grund ruhet auf einem
Ciment von zerstampften Ziegeln von mehr«« Lagen. —
Er fand auch Würfel / die glasirt waren. Die gelbe,.
«othe und schwarze Farbe hatsicham besten «halten. Ein
Gewilb das gemahlte Wände hat; ein Bad, wo die
Treppen mit Marmor besetzt sind, beschreibt Herr R.
Er zeigt auch die ausserordentlich« Kunst des Marmor»
stgens/ da zu de« Römer Zeiten der Marmor nicht mit
Wasserstgmühlen geschnitten worden, wie beut zu Tag.
Eine Menge guter'Bemerkungen über die Sculptur d«
lllten machen dieses Werk noch fchltzbareres: kostet 1
Nthlr. mit 8 Kupfertafel» bey Herr © * « . Vielleicht ist
manchem Fremden mit dieser Kunstanzeige gedient/
»aher wir etwas umständlich waren.
Münzkabinette.
Die öffentliche Münzsammlung war vor ic> Jahre»
noch nicht sehr beträchtlich/ und bestund meistens aus
Antiken. An Modernen waren nur wenige Stücke da.
Geidem aber das ehemals Hallerische: (des verstorbe»
nen Herrn Landvogts von Neus und Verfassers des
Buchs : Schweizerisches M ü n z « und Medaillen»
tabinet/ worinn über viertausend Münzen aus der
ganzen Eidgenoßschaft beschrieben sind/ und mit einigen
Abbildungen im typographischen Societatbuchhandel
verlegt/ a Binde) damit vereiniget/ und noch vordem
Tode des gedachten Herrn' Landvogts von der hoben
Obrigkeit erkauft worden : feit dem ist es ein reich«
Schatz von vaterländischen Medaillen. Ein vollst/in»
diges, mit historischen und kritischen Anmerkungen bt»
gleitetes Verzeichnis der alten Münzen / hat Herr Hof»
fclireibcr Haller von Rönigsfelden ausgearbeitet/ und
sind vornemlich feine Bemerkungen über die Römische«,
die er auch zuerst in eine richtige Ordnung gebracht,
numerirt und ihrem Werthe nach recensirt hat, höchst
interessant, da er in diesem Felde son amore arbeitet,
und selbst seit 20 Jahren zu einer römischen Nnmisma»
tik sammelt. Dies Verzeichnis ist schon im Jahr , ? z ,
auf obrigkeitliche Kosten gedruckt worden, aber nicht
in Handel gekommen, sondern wird von dem Herr«
Oberbibliothekar an die Liebhaber ausgeliefert. Herr
Haller von Künigsfelden hat die Zufriedenheit der SX*.
fjtmmg sich s« damit erworben, daß er vor Räth «nd
Buraer mit ;o Neuen französischen Louisd'ors dafür
lemunerirt worden. Der Titel ist: Eniirneratio Numis-
m-lt. Vet. ein Heft von circa 10 Bozen.
Einzelne Münzkabinette in unserer Stadt und
Kanton konnte am besten der scl. Herr kanduogt vo»
Haller kennen. Er bemerkt darüber in seinem Werkt
folgendes:
,,i. Herr SprüngliN/ gewesener Pfarrer zu Stett«
len, so jetzt zu nächst bey Bern lebt/ hat ncbst eincm
sehr zahlreichen Naturalienkabinet^ auch eine betracht-
liche Sammlung der schönsten neueren Medaillen von
den vorzüalichstcn Künstlern / auch verschiedene sehr
seltene Stücke, die in mein Fach einschlagen. Ich habe
es benutzet.
2. Yen I t h / des großen Raths zu Bern lhcrnach
Landuogt zu Trachselwald), hat auch eine sehr reiche
Sammlung von antiken und modernen Münzen
3. Herrn Mörikofers Medaillen »Sammlung ver<
dient auch alle Aufmertsamkeit, und cntuilt sehr sel<
tene Stücke.
4. Verschiedene Partikularen von Bern besitzen ganz
artige Sammlungen. Es ist mir aber nicht erlaubt »vor.
den < solche hier bekannt zu machen.
5. Meine eigene Sammlung enthalt nichts als
ßchweizerische Stücke. Sie ist, wie man es aus meiner
Arbeit ftben kann, ziemlich beträchtlich , da sie an
Medeillen über ; « , , an Goldmünzen über 200, an Silber«
m ü n M über rooo ; und an Scheidemünzen bey isco,
also in allem über 3«» Glücke enthalt.,, (Dies schrieb
derV»'rfasser 177?! er hatte aber noch täglich gesammelt/
und bis 17»; einen ziemlichen Nachtrag von seinem
Nerzeichniß zum Druck fertig, welcher aber aus Man»
gel eines Verlegers un^edruckt geblieben.)
«6 Die Stadt Zoffingen besitzt auch ein öffentliches
Kabinct von Schweizer > Münzen / welches besonders
wegen der ungewohnten Menge der Bracteaten sehr
merkwürdig ist. Es wird täglich vermehrt.,,
So weit gehen die Nachrichten in der Schweizer»
Medaill. Sammlung, 2ter Lheil, Seite 477. Nun ist
noch das Münzk^»blnet von llömischcn allein, merk»
würdig, welches Herr Hofschrciber Haller zu Königs*
felden, wie oben erwähnt worden, seit mehr als 20
Iabren sammelt, eintauscht, selbst ausgraben lassen,
und mit »«ermüdetem Fleiße in allen Gegenden der
Schweiz aus den Ruinen hervorziehet, auch wo er Ge»
legenhcit findet, mit Münzlicbl,abern Vertausch««'
gen trift; die Duovletten auswechselt, und dadurch
zu einem Vorrath von Münzen aus allen Zeiten der
römischen Geschichte gelanget ist, der wenig oder gar nicht
seines gleichen leicht haben wird. Da unsere Vaterlands»
geschickte mit der Römischen sehr genau zusammenhingt,
so ist diese Bemühung desto schäzbarer und ruhmvoller.
Sein letztes Werk so im Druck erschienen: Gestl'icht?
Heloeticns unter den Römern • bewclßt eine flennt»
«iß in diesem Theile der Wissenschaften/ die man ver«
geblich bey einem andern erwartet/ die nicht wie Herr
Haller ganz in diesem seinem Lieblingsfach lebet »md webet
und also da wie zu Hause ist.

Wirklich lebende Schriftsteller im


Kanton.
W i r haben in unserm Bezirk Gelehrte und Freunde
der Literatur in so ansehnlicher Menge, daß es bloß
schwer halten dürfte/ sie alle zu nennen und ihre Schrif»
ten zn verzeichnen. Um jedoch einem bieherkommenden
fremden Gelehrten einen Fingerzeig zu geben, in wel»
chem Fache einige der im Kanton lebenden Männer
für das Publikum gearbeitet haben/ die zu kennen viel»
leicht ihm bey seinem hielindischen Aufenthalt angenehm
und nützlich seyn könnte; so bemerke ich kürzlich folgend«/
obgleich die mchiesten schon rühmlich jedem Reisenden
empfohlen und bekannt sind. Hier gilt aber vorzüglich
die Anmerkung, welche Zimmermann schon vor 3° Iah»
ren über unsre Gelehtte gemacht hat. Er sagte: «ich
«kannte in Bern ein» Menge fähiger Kipft/ die Schrift«
«steller von der ersten Größe hätten werden können, die
«aber nie eine Zeile drucken lassen wollten. » — Darum
wird das nachfolgende kleine Register um so merkwürdi»
g « / es giebt aber bey weitem keinen vollständigen
Begriff von unserm gelehrten Stande / weil bloß
Männer die für das Publikum haben drucken lassen/ hier

/
vorkommen/ also bleiben noch viele höchst schöybale
Namen ungenannt, die als Gelehrte und Schriftsteller
«inen vorzüglichen Rang behaupten könnten.
von Vonnstetten, (AWLandvogt von Nyon) ausser
verschiedenen interessanten Aufsitzen zu Journalen, sind
von dieser verehrten Hand: Briefe über ein Schweizer»
Hirtenland. «) Briefe über die Erziehung der Patrizier in
Bern. Müller hat Herrn von Bonnstetten seine erst»
Ausgabe der Schweizergcsckichte dedicirt.
D u r a n d (Professor zu Lausanne) als geistlich« Red«
ner haben ihn feine Sermons berühmt gemacht. Kürz«
lich gab er'in Druck: Statistique élémentaire, ou essai
fur l'Etat de la Suisse, à l'Instruction de la Jeunesse, 4
Vol. 8. I79S*
»on Crlach (Alt«Landv»gt von Lauis) code du
bonheur, ou Maximes & règles pour l'Homme 7 Vol»
t. Lausanne 1788-
SeUenbecg (Rathsherr) vielMrig« Präsident der
ikonomischen Gesellschaft von Bern, gab heraus: Iuris-
prudentia antiqua, Legurn. mosaiear. rom. & grsec.
thésaurus. 3 Tomi 4.
Fisch (zweyter Predig« zu Arau). Er Hatsichdurch
eine sehr interessante Reisebeschreibung durch die südli»
chen Provinzen von Frankreich besannt gemacht.
von Haller (Alb.) Kriegsrathschreiber, Sohn des
großen Mannes. Hat botanische Beyträge an verschie»
iene Gelehrte aeliefert.
H a l l « (Hoffchreiber zu Kinigsfelden bey Bruzg).
Ein großer Münzkenner; Münzsammler; Geschicktsfor«
scher. Sein Catal. Numismat. Bibl. Bern, ist geschätzt:
seine kürzlich erschienene Geschichte der Helvetier zu den
Zeiten der Römer, findet jeder Leser judiziös und tief
geforscht. Sein Kabinet von römischen Münzen ist be»
trächtlich. I m Schweizer »Museum stehen von ihm
wichtige Abhandlungen.
von Herrenschwand (Doktor der Arznetjwiss.) d«s
in französisch und deutscher Sprache gedruckte Werk über
die Hausarzneykunde/ oder von den vornehmsten Krank»
heiten/ 4. Bern 1788, ist allgemein geschätzt und bekannt»
Höpfner (Apotheker). Gab heraus: Magazin zur
Naturkunde Helvetiens. 4 Bande. Seine Aufsitze be»
treffen Mineralogie / Chemie «.
I t h (Professor der Philosophie). Gab schon vor
1» Jahren Cornelii Nep. Vitœ mit kritischen Anmer»
lungen heraus. Diese Arbeit zeugt von klaßiscker Gl«
lehrsamkeit. 2) Uebersetzxng des Ezour Vcdam ; von den
Braniinen ; mit vielen Anmerkungen über die Religion
der Indianer und ih« Geschichte. 3) Auswahl einiger
Prediaten. 4) Ein neuer Schulplan ,794, ;) Antvopo»
logie, oder von der physischen und intellectuellen Natur
des Menschen, 2 3bcile >?y;. Auch stehen von ihm in
Höpfners Magazin einige Reden von der Perfcctibi»
litit der Menschheit.
Ruhn (Professor) hat über die Verge im Kanton
eine Abhandlung in Höpfners Magazin geliefert; war
auch
auch Mitarbeiter an der Schweizer.« Bibliothek/ und lie»
fcrte mehrere« in Journale.
LanZhans (Doktor der Arzneywiffenschaft). Auch
in Deutschland ist sein Buch von den Lastern, die sich
an der Gesundheit selbst rächen, sehr bekannt.
Vttay von Romainmotier (landschreibcr zu Lands»
Hut) Verfasser der Histoire militaire de la Suisse, en
« Vol. 1788.
Morell (Apotheker in der Stadt Bern) gab heraus:
Untersuchung der Gesundbrunnen und Bider im Kanton
B e r n , 1783.
von Mülinen von Laupen ( N. Fr. ) des großen
Raths; lieferte in das Schweizer »Museum einige Auf»
sätze über die vaterländische Geschichte. Dieser Herr und
große Kenner der Geschickt«/ vorzüglich des Mittelal»
ters; besitzt auch eine der wohlgcwählteften diplomati»
schen Vibliotheken.
Müßlin (Helfer an der Münfterkirche) gab nicht
nur verschiedene Predigten in Druck, sondern auch seine
kürzlich erschienene neue katechetische Lehrfurm: Reli»
zionsunterricht für Töchter gebildeter Stände,
hat großes Aufsehen gemacht, das Wertchen ist ganz
philosophisch »kantisch. S o eben wird auch von dem»
selben ausgegeben: Rede über die Unentbehrlichkeit
der vcrstandeoauebildung für den Bürgerstand.
Pestalozzi (lebt im untern Aergiu) Verfasser der
schonen landsminnischen Geschichte Lienhardt und
Gertraud; s, im Jahr 1733 neu verändert hcrausgege»
II. Theil. U .
fett worden; auch hat dieser Volksschriftsteller noch meh°
»crc Werke mit Beyfall herausgegeben, und wurde uon
der ökonomischen Gesellschaft von Bern mit einer Prämie
beehrt.
Nengerer (Doktor der Arzncywisscnschaft) zu dem
Hallerischen Kaacbuch, oder Sammlung Hallcrischer
Medicinisckcr Rezensionen aus der Gittinqer gelehrten
Zeitimg/ hat er einen Aufsatz geliefert, der seine gute
Lheorie, die er mit einer glücklichen Praxis verbindet,
beweiset. Auch bat er noch einige andere Aufsatze in
periodischen Schriften geliefert. Eine kleine gedruckte
Rede < zuerst vor der Oltner Gesellschaft 1793 gehalten:
vo» der politischen verteyerungssucht unsrer Cage ;
fand großen Beyfall, und zeigt mehr als ein glückliches
Talent zum anten Schriftsteller.
Ritter (Architekt und Kaufhausvcrwalter in Bern)
gab eine artistische Untersuchung der Antiquitäten zu
Wistisburg i» Druck, und zierte sie mit architektonischen
Zeichnungen der Ueberblcibsel, und einem Plan der ©««
gend des vormaligen Aventicum.
Salchli (Pfarrer zu Stcttlen, eine Stunde von
Bern) ist durch fein philosophisch • moralisches Gedicht
Über das Uebel (Le mil. Poëme philos. Berne 1789),
jedem Denker «in interessanter Schriftsteller geworden;
auch viele vaterländische Gegenden schildert er darin«
mit dem ^cucr der Imagination,
Lchärer (Prof. der Hebräischen Sprache) gab Un»
terredungen über die Himmelskörper/ und einige Schul-
bücher für das Gymnasium heraus.
Schnell ( von Burgdorf ) ein junger feuriger
Kopf! voll Talente, voll Lerneifers, Er besitzt Klaßi»
fche Litcraturkenntniß. Seine kleine Schriften enthal-
ten liebliche Stücke der Mule und des Dichtergeniesi,
Sonderbar im Idyllen»3on ist der Verfasser glücklich.
Sprünglii, (ehemals Pfarrer zu Stettlen, lebt
seit etwa «5 Jahren auf seinem Landgut nahe bey Bern)
Ueber die Ornitolosia helvet. hat cr einen schätzbaren
Catalog im Manuscript ausgearbeitet; auck zu Coores
Ileistn durch die Schweiz Beyträge geliefert- Sein
Kabinct von einheimischen vögeln wird stets die Auf»
merksamkeit der Reisenden verdienen.
S t a p f e r (Prediger an der Nydeckkirche in Bern)
gab heraus eine deutsche Uebersetzung der Briefe des
Ferdinand Kortes/ an Kaiser Karl V. nebst dem Leben
des Kortcs (die vielen beygefügten Anmerkungen martert
diese Ausgabe höchst schätzbar, und dem Gesichtsforscher
nothwendig), »Theile. Neu ausgegeben 1793. Ferner
besorgte er den Abdruck der letzten Bände der Halle«»
scheu Bibliothek der Schweizergeschichte; verfertigte
auch ein Generalregister über das ganze Werk. Vor
»; Jahren lies er einen Plan ausgehen zu einem
neuen Englischen M u s e u m ! diese periodische Schrift
sollte ; uns mit der Englischen Literatur geschwinder be»
sannt machen, und zwar in guten Uebelsetzungen der
besten englischen Journale; dieses unterblieb aus Mangel
U-
<n Subscribenten. Er war auch uielc Jahre Sekretär
ler ökonomischen Gesellschaft.
Stapfer (Professor am politischen Institut) Rede
über die Entwicklungsmethode der Fähigkeiten des Men»
scheu; und von dem ersten Princip bey der Erziehung/
nach Kantischcn Grundsätzen, 1793.
S t r u v e (Professor der Physik und Naturgeschichte
zu Lausanne) schrieb über die Salzquelle» im Kanton.
Er gab ein Itinéraire du pays de Vaud heraus. Er hat
ein wichtiges Manuftiipt über die Schweizer-Minera»
logie zum Druck fertig: eine Nomcnclatur des Stein»
reichs, wie Haller eine über das Pflanzenreich gnb.
Cissot (Professor der Medizin in kansannc) dieser
berühmte Man» ob cr gleich schon sehr alt ist/ hat
doch noch jugendliche Thätigkeit. Seine viele Schriften
sind weltbekannt.
Tralles (Professor der Physik und Mathematik in
Bern) gab ein Lehrbuch der Mathematik heraus;
auch Beyträge zur Geologie der Erde. — Bestimmung
der Höhen einiger Berge im Kanton Bern j mit einer
neuen Karte über das Oberland.
Tribolet (Seitalverwalter und Doktor der Arzney»
«el.) ein Schüler des großen Haller«. Er übersetzte dessen
Primœ lineœ physiologie, und nach dcm Tode desselben
bearbeitete cr aus dcm fast unbrauchbaren Manustript
noch einen Theil der Bibliotheca medico-pract. ; wollte
auch die neue Ausgabe der große» Hallerischen Physi«..
beendigen helfen.
1£sâ><(ttttt (Alt'Landvogt von Nydau) Historie der
Stadt Bern, i Theile. 8. i?6;. Ist ein Auszug aus
alten Chroniken des Vaterlandes; mit eingestreuten
Bemerkungen.
von Wagner (Gnmnasiarclia: Vorsteher des Gvm»
nasiums in Bern) hatte Antheil an der vor 2 Jahren
erschienenen Schweizer » Vibliothek. 3ür die uater»
ländische Literatur besitzt er wichtige Sammlungen ; anch
ein Herbarium viv. helvct.
Walther (Professor der Geschichte). Seine vielen
geschätzten Werke zeugen von tiefer Kenntniß des Mit-
telaltero, der alten Literatur, von Svrachgelehrsam»
leit und scharfer Kritik historischer Probleme.
von w e i ß (Landvogt zu Moudon) Principes phiU-
sophiqnes, moraux & politiques. 3 Volumes 1788. Coup-
cl'œil fur les relations politiques de la Suisse avec la
France. — 1793. Beyde Schriften Haben großes Auf»
sehen gemacht/ und sind allgemein gelesen worden.
w i l d (Direkter der Salzwerke zu Bevieux) ein
großer Kenner der Bergwerkskunde; der Hydrau»
lis; der Maschinenlehre; über folgenden Gegenstand
hat er ein Meisterwerk geliefert: Essai furies monta-
gnes salifères d'Aigle, mit einer genauen Charte — I??I.
Supplemente dazu erschienen 1793 -- 94*
wyttenbach (Pfarrer an der H. Geistkirche) zur
helvetischen Naturgeschichte bat er die wichtigsten Simm»
lungen in Handeu! öffentlich sind aber nur mit Unter-
schuft seines Namens erschienen: Beyträge zur Natur-'
U3
Geschichte des Schweizcrlandes, 3 Stücke: (fit enthal»
ten auch Gruners Mineralgcsch. der Schweiz) Berner»
Maaazin zur Naturkunde HclveticnS, ; Stücke. Zusätze
ZU der deutschen AebcrsetzUNg de« Dictionnaire hist. &
phyf. de la Suisse; wo seine Artikel mit einem XV. bc<
zeichnet sind. Noten zu Bessons Manuel de Mineralo-
gie pour le Voyageur en Suisse. Kürzlich Hat Cï für
die Verlagshandlung der Typographischen Gesellschaft
zum Druck besorgt: A. Halleri Icones plantar. Helvet»
Defcript Alpiurn notis editoris (Wyttenbachii,) Foli»
1795. mit 54 Kupferplatten.
Zeender (Em.) lies in diesem Iaßr 1795 drucken:
Diss. de SccpticiTmo. Diese akademische Preisschrift hat
dem Verfasser bey allen Gelehrten eine große Achtung
erworben. Das neue Rantisihe System wird darin«
mit vielem Scharfsinn angewandt. Dieser junge Gelehrte
besitzt auch eine schöne Bibliothek von klaßischen Wer«
ken, und m der «rientalischett Literatur ist er be<
sonders stark.

Sollten hier einige Namen und verdiente Minner,


die als Schriftsteller bekannt sind, aus Versehen über»
gangen worden seyn, so muß es der Leser für nichts mehr
als für eine Schriftstcllersünde ansehen, da man
so leicht/ wenn man bloß aus dem Gedächtniß schreibt,
irren kann.
Erklärung einiger zu Bern gewöhnlichen
Redensarten/ die dem Fremden, selbst vielen
Schweizer», unverständlich sind.
Da das (Stite 197 des itcn Lheils ) erwähnte
Berner I d i o t i k o n noch lange nicht erscheinen dürfte;
und man doch gewünscht hat, daß einige der gebrauch'
lichsten Redensarten in V e r n für die Fremden er«
klärt werden möchten, so geben wir hier einige Proben):
Abbreche. Lichtputze. Lichtscheere.
Aeky, ein wunderlicher chikaneuser K e r l , der gern um
jeden Bettel von vorn anfängt,
«se, schon; afe menge, schon viel.
Sich abreblen. Sic!, abschinden; elend werde»,
ig wott ihm agä, ich will ihm angeben,
aufmutzen, einem etwas vorhalten.
Anken. Butter.
Äusserer, ein fremder Einwohner.
V a b y , ein Tropf; dummer weibischer Kerl.
Balgen, zanken; schmähen.
Venne, ein Karren. Stoßbenne,Stoßkarren oderSchub»
karren. Schnellbennc, ein Karren der hinten ausleert,
vitz B r o d , ein Stück Brod. B i g Fleisch,
bitzelechtig, sauersüß.
Vräglen, rosten, braten, (griller.)
Ein ganzer Vrägel, ein ganzer Plunder,
beschossen, die Leute anführen; auch beschissene Kleider,
besteckte Kleider.
«4
drittle«, etwas heimlich machen «nd vertuscht thu».
Chorczcricht, Ehe>,ericht/
©argen, verdargen/ beschmutzen; besudeln,
Dolten/ ein Dintcnfieck.
dreyßen, langsam umherziehen, nicht« zu Ende bringen.
Dröhler, ein Prozeßtrimer, Strcitmacher. (Chicaneur.)
Dotsch / ein plumper Kerl, (nigaud.)
Lyerdetsch / ein Eycrkuchen.
lLinist / kommet einist zu mir/ kommt doch einmal
zu mir.
l5sse» überthun, das Essen über das Feuer setzen.
&s ist Eppcr da, es ist jemand da.
Gag>', ein rahncr hoch aufgeschoßcner Mensch,
gaumcn, hüten, bewachen; dieKinderod. dasHaus hüten.
Fägnest, ein unruhiges Weibsbild, der es nirgends
recht ist. (Rodeusc.)
ful, schlimm; fulcr Aerl, ein listiger Pursch.
Ein Kind fas>1)en, in Windeln wickeln, (emmaillottcr.)
Finke«, Socken. (Chaiiflbn , Socque.)
galle»,, z» allem ja sagen; schmcill'eln.
Gauch, Narr, einfältiger Tropf, Geuchcl; Nirrin.
gcniß, wenn eine Frau ins Kindbett kommt; so viel
als sie ist in der Gcburtsarbcit.
Gexnasi, ein vorwitzigesDing; ein nasenwcifesMädchen.
Glorhanß, ein lcicksinniger Kerl, (Faquin.)
G ö t t y , (Botte, Gcvater, Gevatterinn,
geng wie geng, stet«, immerfort; allezeit gleich,
g l i , sogleich; t l i , klein.
go!) Io, gehen lassen.
gradglych, es ist mir gleich.
Stiftn, anrühren; fühlen.
es grustt mer / es grauset mir.
G r y n c n , Weinen.
grüselj, grausam: entsetzlich.
Güldtbrief, Obligation; Zinsschrift.
(Busen, Stccknalieln.
Gyzi/ eine junge Geiß.
Hamme/ Schinken; Schweinskeule.
Hampcrschfrauen / Handwerksfraucn.
Du bist eine Hächlen, du bist ein losesMensch (méchante.)
d»-.s wird Hiy Hahn, das wird Mühe kosten.
Hauen, hau mir Brod/hau das Fleisch; wie schneide«.
heuftlien/ begehren, verlangen.
heimelig, wo man gerne zu Hause ist.
Hcrdäpfel, Erdipftl.
Hintersassen, Leute die bloß geduldet werden und kein
Einwohnerrecht haben,
höhn mache», verdrießlich machen (fâcher.)
Honk, Honig.
jo / ja-
I « Wäger, ja wobl; es ist dem als».
Ralberen, herumflacken, wie ei» Kalb sich gebärde«.
Ribig fyn, maulen, (bouder).
Rahry, ein Vesudler.
Rang (chang) fort, geh fort-
Radis, cchabi«) Wcislraut.
Rilbi, tin greller primkuollcrStaat, da nichts dahinter ist.
Röli, (Cböli)Wersicht; Federkohl.
S'Röch/ grünes Jugemüß. (jardinage.)
Rlöty , ein iirober unartiacr Mann.
knietig / überdrüßig: verdroßen.
Icmmli i bequem; kommod.
Rlappcrn, Plaudern, (babiller.)
Rliechli , Kucken.
Lätschmul / ein Schimpfname.
Licemen, stricken, Strümpfe liesme».
Losen / hören.
Luegcn, sehen. Lueg d s , sieh da.
tcbdig, gut oder übel leben.
Leuen, ausruhen: auch faullen,en.
teutsch/ liederliches Mensch. (Garce.)
M i r a , meinetwegen.
mäogist / manchmal; öfters.
M i n t , Markt.
Meer.Trübli/ Johannisbeere.
Muster, eine liederliche Weibsperson.
2 s fuls M u l haben, ein böses Geschwäz treiben.
Müntschi gä/ einen Kuß geben.
d'Mcitleni, die Migde.
Nadisch, so viel als wirklich; gewislich. Mehr auf
dem Land als in der Stadt.
Naselumpen, ein Schnupftuch.
Niedle 3i°hm oder Suane.
Nlggcler, ein langsamer Mensch, der immer daran ist,
und doch nichts zuwege bringt.
öppige, sonst; ehcvor. (autrefois.)
Operator/ Wundarzt.
p>irisöhly / Sonnenschirm.
Vfister, Vrodieck.
prigkcn/ Weinen.
pumpelruhrig syn, bösen Humor haben.
Räsihy, Weibsbild das bösartig ist.
pfnüstl/ der Schnupfen. (Rhumes.)
reiche»/ boten; reich mite, hol mirs.
Sagt/ Säge, Holzsagen / wie Hol< absägen.
Saucrnibcl/ ein sanerfthender Mensch.
Schallcnhaus/ Zuchthaus in Bern.
Schmäderfräßig, meisteilos im Essenseyn.(Lc>ulM3n<l.)
Schwclli, Damm,
fettig / soldes, dieser Art.
Serbet/ er hat den Gerbet; hat die Auszehrung;
Dörrsucht,
b'suchigt / gesucht, b'suchiger / oft darnach gefragt.
Sigrist, Meßmcr; Kirchenpfortner.
du söttist, du solltest, die fettige, solche; diese,
g'sait, gesagt.
Staachel/ Feuerstahel.
Ein großes Sterbet: wenn viele Leute sterben.
Auf die Stör gehe«/ im Taglohn arbeiten, wie die
Schneiderinnen.
Surtrut, Sauerkraut,
täubelen, zornig seyn; wild werden.
Trümlig, schwindlicht.
Tsihampel, ein dunîmes Weibsbild.
àe Vizcly, ein Bisge» ; klein wenig.
VevÇdintsUn, in Stücke schneiden.
Verweser, so viel als Verwalter.
w a s füriZi? Was für einige?
wadlich, gesckiclc eine Sache angreifen; unwadlich/
ma! adroit.
»värlj, warlick: gewiß.
w.^sihbütte, eine Waschstande.
lveidlig/ ein kleines Schiff. Machend
Zapperlcn, tänzeln.
Zlelifäkcn/ ein unoldcntlickieshcriimschwcifeudesWeibsb.
Züttel/ ein einfältiger Kerl, (pauvre bete.)
Züglen, feine Wohnung verändern; ausziehen.
Zucterzeug, Zuckcrbcckcrwaarcn.
Zwürig/ zweymal. (deux sois.)
òyt, Zeit. Zitig, frühzeitig.
Ountlg, Sonntag: Mäntig, Montag; Ziestig/ Dien«
siag; Mittwuche, Mittwoche: Donnstig, Don»
nerstag;Freytig Freytag; Samstig, Samstag—

Bey einem sogenannten Deutsch, ist «< gar kein


Wunder, wenn die Fremden, bey einer bessern deutschen
Aussprache die Antwort erhalten — Vi G o t t ! Herr i
versteh «it walsch: [Wie Hirschfeld anmerkt, und
jeder ausländer in Bern erfährt ]
Ueberhauot muß man um berncrifck zu «den,
kein c neben einem i aussprechen. Also sage man:
wiblich, nicht weiblich; m i n , nicht mein; F l i ß ,
nicht Fleiß: Byw o r t , nicht Beywort: syn, nicht
seyn; sy net wegen / nicht seinetwegen: i i ch, nickt
«ich ; auch kein e neben einem u , also d i'it sch, nicht
deutsch; frün dlich, nickt freundlich. Wer diese ein.
zigc Regel beobocktet, und das arme e verschluckt, wird
schon vielversläudlicher Bernerisch reden.

Bauernsprache beym Landbau.


Fufen, Iauchart. Bley oder kleyichter So«
Meder, ein Meher. den, [iftlett,Leim oder an
Die Sense dängele», die einigen Orden Eygrund^
Sense schärfen. Nrummet oderSpät-Heu.
NirliF/ ein Haufen Heu. [€rni>.]
Tenne, ein Heuschopf. Vau [Dung«.]
sSckeuer^ Raden, [jflbme £roe.]
Gras abhaue», statt ad. Dinkel, [Spelt.]
schneiden, Grien, [Kies]
zurren, zu Acker fahren. wasen, [Rasen.]
Mueß, Gemi'lß. Stufflen, [Stoppeln.]
Hcrd, Erdreich. Matten, [Wiesen,]
Nustig, allerley durchein«
Neiteren, ein grobes Sieb.
ander. Cine Menge Sa»
Vriesthmilch, ist die erste
ehern
Milch , von der Kuh die Ein Hufe» Nustig, will
kalbert.
sagen ein Haufen allerley
Ufa gogere, hinaufsteigen Jeuqs.
hinaufklettern. Gegessen, Senfe.
Schlegel dicte M i l c h , Geschictlj, eine Gelegen»
dicke gestandene Milch. hcit etwas zu pfianzen /
»iifii, doch so; 'Lischt nüsti oder irgendwo zu wohnen.
w a h r , es ist dennoch V u r d i S t r o h , ein Bun»
wahr: Stroh.

Baurengespräch/ zur Kenntniß der Spra-


che und der heutigen Denkart.
^Zwischen einem Üandtischmacher, einem Schul»
meist«/ und einerreichen Öâurinn]

I n unserm Berner priuilegirten Kalender ward bey


der Theuerung von 1773 folgendes Gespräch bekannt ge»
macht! und es soll wirklich vorgefallen, auch der Wahr«
lieit ganz getreu erzählt seyn. Ich lasse diß dringe»
stellt seyn. Die «spräche aber wird man nach der Natur
und auch in diesen theuren Tagen anwendbar finden,
zur Verständigung setze ich meine deutsche ucbersetzun«
gerade unter die Worte:
Tischmacher. Guten Tag Mutter Kilchu-eyereu:
wert ihr 0 ga Bern?
Guten Tag Mutter ICirchmcyerin, wollt ihr auch
nach Bern.
Rilchmcyer«. Dank ech Gott Durs! Ja i will 0
ne wenig z'märit tragen, «« ist sich nadisch Hm wohl
der wärt.
Dank euch Gott, Durs! J a , ich will auch ein
wenig etwas zu Markt tragen; es ist fich gewiss dies lahr
wohl der Mühe werth.
Tischm. J a Heur giftet alles wohl, das erfahr ig
leider mehr als genug, und wenn mans denn nummt
no finden kint; aber wenn wir andere, die uit Herd
bey, öpvis by den Vauren kaufen wey, so sy sie e so
stolz und trotzig mit ihren Sachen, es ist nit z'sige,
und doch müssen wir auch g'lebt ha.
Ja dies Jahr gilt alles wohl; das erfahre ich leider
mehr als genug; und wenn man es denn nur noch fin-
den konnte; aber wenn unser einer, der nicht selbst
Erdreich hat , will etwas bey den Bauren kaufen,
so sind sie so stolz und trozig mit ihren Sachen, das
nicht genug zu sagen ist ; und doch müssen wir auch
gelebt haben.
Nilchm. J a mi guter Durs, ig will ech wohl slge
warum > i»r andere wert mänigst öppis dings, und
das hen mir je; nit nothig, sy «länis z'Bern innm
d'z Gelt grad i d'Hand, und batte ms no schier der
Gottswillen um d'Eache.
Ja mein guter Durs, ich will euch wohl sagen
warum ? Ihr andere mochtet freylich oft allerley Sach«n,
aber wir brauchen euch jezt nicht, sie geben uns in Bern
das Geld gleich in die Hand, und bitten uns noch schier
um Gottcswillen für die Sache.
Tisch»,. J a me sent mers neuen/ wenn«'« alben
in d'Stadt ckummen, wie doch alles auf dem Märit
so thür siig/ und wie mc so schindi.
Ja man sajj(- mirs genug , wenn ich so in die Stadt
komme, wie doch alles aus dem Markt theuer sey , und
wie man die Leute schinde,
Rilchm. H a ! was schinde, wenn sis nit we? so
laye sis blyben, sie ml'isse doch aftesse ha, s'ifi in der
Stadt innen chriedik von Suren, wenns eine »it will
so nimts der andere, er ist no ftol> wenn ers minime
hat, wir wären wohl när'sch wenn niirs nit thür gäben.
Ha > was schinden ? wenn sie es nicht wollen , so
lassen fie es bleiben; lie müssen doch zufressenhaben ; es
ist in der Stadt gesteckt voll von Leuten, wenns dereine
nicht will, so nimmts der andere; er ist noch froh wenn
er es nur hat ; wir wären wohl närrisch , wenn wir es
nicht theuer gäben.
Schulmeister. E das ist <wohl grob und «»christ»
lief) a'redi für ne Kilchnieyere. Heist das synen
Nächsten lieben als sich selbst?
He, das ist wohl grob und nnchristlich geredet
für eine Kirchrneverin ; heist das seinen Nächsten lieben
als sich selbst ?
Rilchm. J a ! verzieht mer Aetti Schulmeister,
me löst eimel 0 wyl me cha.
Ja verziehet mir Vater *) Schulmeister > man lüsst
einmal auch weil man kann.
> Schuln«.

») %tti ist ein Ehrentitel fii» alle, tenen man am* dem 8«n*
nicht Herr i'.iatn kann.
Schuln». J a ! es bet aber alles doch Iihl und M a s ;
und me muß doch o denke daß sie z'Gelt i der Stadt
inne nit numme am Bode auflasen.
j a «5 hat aber doch alles Ziel und Maas, und
man muss doch auch denken, dass sie das Geld in der
Stadt drinnen nicht nur vom Boden aufheben.
Rilchm. Da ist mir nadifch nit dra g'lege / n»o f«
z'Gelt Hernäme, wennsiemir« nnmme gä.
Va ist mir warlich nichts daran gelegen , wo sie das
Geld hernehmen ; wenn fle mir es nur geben.
Schulm. Und, mi liebiNachbüri, wenns deNn einist
zum sterbe chunt / weit ihr da z'Gclt 0 mit eck na? —
öder meinet ilit, ihr wellet öppe gar d'Seliakeit drum
chauffe? Wüst ihr 0 daß der Geiz ein Wurzel alles
Uebels, und daß der Wucher eine himmelschreyende
Sund ist?
Und meine liebe Nachbarinn, \venns denn einst
ZUM Sterben kommt, wollt ihr dann das Geld auch
mit euch nehmen? Oder meynet ihr, ihr wollet etwa
gar die Seligkeit darum kaufen ? Wisset ihr auch dass der
Geiz eine Wurzel alles Uebels, und dass der Wucher
eine himmelschreyende Sunde ist?
2tilcbm. J a ihr fco e D'epist, und ig mâches wies
andri Lut me mache, eüri nacKli Nachbaun ist ns
Viel reicher weder ig, sie ist deck geina die lelti auf
M i n t , sie hat lett cinist ein Chorb »oll Ever a« ^ « n
trent, es sy meh weder der balb 3beil fuli drund« gsy/
sie het se qradglich alle wohl verkauft.
II. Theil. 3
3=5 32Ö 555!

Ja ihr seyd ein Pietist , und ich mach es Wie andere


Leute mehr machen ; eure nächste Nachbarinn ist noch
viel reicher als ich, sie ist doch stets die Letzte auf dem
Markt, sie hat letzt einmal einen Korb voll Eyer auf
Bern getragen., es sind mehr als der halbe Theil faule
darunter gewesen; sie hat sie dennoch alle wohl ver-
kauft.
Tischm. Es (jet mer öpper g'seit es Heigcre c Fra»
«s fuli i z'Glicht geworfen, wyl sy sie so betrogen heig»
Es hat mir jemand gesagt, es habe ihr eine Frau,
ein paar faule ins Gesicht geworfen , weil sie sie so be-
trogen habe.
Bilcfom. 5« 6fl o dervo tort/ aber me bet m «
gseit, sie frei« die glicht Frau scho einist unteren Anken»
Hallen betrogen gha, die mehr weder halb Ziger gst syg.
Ich habe auch davon gehört , aber man hat mir
gesagt, sie habe die gleiche Frau schon einmal mit
einer Butterballen betrogen ; die mehr als halb Ziger
gewesen sey.
Schulm. O ihr elenden l u t / was machet ihr doch
um Gottswillen, denket dock o , ihr müsset einist Rechen-
schaft ga, und zwar einem Herrn der alles wohl weis,
was hilft ech doch de so nes elends Gwinli? denket doch
og, ob ihrs o gern hättet?
0 ihr elenden Leute, um Gotteswillen was ma-
chet ihr doch, denket doch auch, dass ihr einmal müs-
set Rechenschaft geben, und zwar einem Herrn, der
alles wohl weiss ; was hilft tuch dach denn l» ein
Gewinnlein? denket doch auch, ob ihr es auch gern
hattet ?
&s<Üm. Mys Wyb ftct Icjt z'MüHli kauft, es het
g'mcint wie mi schins Gwächs hcig, und wo es es
in d'Mühli bringt, ist es med weder halb Svreuer gsy.
M»s Wyl» bet fy schier ztod briegget, es ist aber le»
Wunder, wir müsse by dieser Zeil gnug thu wenn wir
ns mit üfe siebe Chinde mit Gott und mit Ehren dar»
dur bringe wcy, nenn i nit in der Otadt inne gut Herr«
hHt, so hatten wir den Winter verriblen müssen.
Mein Weib hat lezthin Korn zum Mahlen gekauft >
Le hat gemeint wie ein schönes Gewächs sie habe, und
wie sie es in die Mühle bringt» ist es mehr als halb
Spreu gewesen. Mein Weib hat sich schier zu tod ge-
weint, es ist aber kein Wunder , wir muffen bey dieser
Zeit genug thun wenn wir uns mit unfern sieben Kin-
dern mit Gott und m st Ehren durchbringen wollen;
wenn ich nicht in der Stadt drinn gute Herrn hätte, so
hatten w i r den Winter verhungern müssen.
Schuln». Gott erbarm sich doch der ArMen und
«olle die viele Seufzer erhiren, Vie zu ihm sl'fchtft
worden syn.
Gott erbarme sich doch der Armen, und wolle die
vielen Seufzer erhören, die zu ihm geschickt worden
find.

X a
Zusätze und Berichtigungen / auch neue
Abänderungen die Posten im Kanton
betreffend.
(Man sehe den iten Band von Seite 261 und folg.)
Wegen jetzt steigender Tbeurung der Fütterung und
allen Nothwendigkeiten beym Fuhrwerk, ließ das hoch»
lobl. psstaint zu Bern den iZtcn April 179; bekannt
machen / daß der Preis der Diligence, laut »brigkeitli»
chem Tarif, von nun an auf 8 Batzen für die Stunde,
also von Nern auf Basel \(> Franken, oder 1 Louisd'or ?
von Bern aufBrugg 16 Franken oder 1 Louisd'or —
von Bern auf Lausanne 16 Franken oder 1 Louisd'or —
von Bern auf Genf 24 Franken oder if Louisd'or —
von Bern auf Neufchatel 8 Franken oder \ Louisd'or
festgesetzt worden.
Gut und brauchbar sind die übrigen Nachrichten
vom Abgang und Ankunft der Posten ; wie auch der Ein«
richtungen in unserm Kanton. Vorzüglich empfehlen
wir, was»»» der Landkutsche «ufZürich (iter Band,
Seite 266) gesagt wird, auch die allgemeinen Anmer«
lungcn zum Besten der Einheimischen und Fremden. —

Briefpost. Reiserouten.
Es bleibe» jährlich viele hundert Briefe auf dem
Post «Bureau liegen, weil man unporsichtiger Weist
solche in das loch wirft, ohne zu fragen ob zu ftanliren
sey; auch fremde Knechte und Migde begehen diese Un»
achtsamkeit/ viele thun es vielleicht erpreß. Damit diese
für das Publikum und das Post »Bureau höcl,ste Unan»
nehmlichkeit seltener werde, so wird es gut seyn, daß
mansichnicht so leicht bey seinen Briefen dem Gesinde
überlasse. Auch zeigen wir hier die Orte an, wohin die
Briefe, ohne zu frankiren, richtig ablauftn. Nach Mey»
land, Piémont, Savoyen, nach Schwaben, Bayer»,
Westphalen; für die Stidte Frankfurt, Nürnbern/
Leipzig, Hamburg; auch nach Straßburg, Lothringen
und ganz Frankreich darf nicht bezahlt werden, wenn
man nicht will. Hingegen müssen jede andere Briefe
frankirt werden. So muß man vorzüglich bemerken,
daß für ganz I t a l i e n , Spanien, England, por«
tugall, Nußland, Schweden, Dänemark, sorgM«
tig frankirt werden muß. —
Für Spanien und Portugall, bis Genf.
Für ganz Italien, bis Milano.
Für England bis Engen.
Für Oesterreich, Sachsen, Schlesien, Preukcn, bis
Nürnberg.
Für Rußland, bis Frankftirt.
Für die Pfalz, für Worms, Speyer, Mannheim,
Heidelberg, und was am Neckar liegt, bis Canstadt.
Bey jedem Zweifel ist es ja besser am Posthause
fragen zu lassen, als einen Brief für den «but ge»
schrieben zu haben.
X3
Will man durch den Kanion reisen / so wird man
folgende Nachrichte» nutzen tonnen.

Postpreise von Bern nach Basel.


*; Liv. Sous. I Liv. Sons
Hindelbank I 12 1 Dürrcnmühle 7 4
Kirchbera 3 4 1 ^allstall 8 —
S t . Niklau« 4 —1 langen »Brugg 9 I»
Secberg 4 i6 S Wallenburg li 4
Herzogenbuchsee 5 il Licstall is 16
Nützberg 6 %1 Basel 16 —

Von Bern nach Thun.


Liv. SOUS. | Liv. SOUS,

Muri - . , 4 Wichtrach i «
Münsingen , - > Tbun 2 —

Zu Thun fährt wöchentlich viermal, ein ordinä.


res Schiff über den See nach Untersten, nämlich zwey»
mal fährt das Frühschlff, und eben so oft das Poftschiff.
Hingegen S o n n t a g und Donnerstag geht reines.
(£in Ertraschiff, wenn man - Schiffleute mit nimmt/
kostet von Thun bis zum Ncuhaus i Laubthaler.

*) Der Livrcl z» io Batzen! V»ui l» s Krcuzcr.


Von Bern nach Brugg.
Liv. Sous. Liv. Sous.
Hindelbank i ii Arbnrg 9 !l
Kirchbcig 3 4 Ölten io z
S t . NiklauS 4 — Arau 12 —
Geeberg 4 16 Lenjburg 13 12
Herzogenbuchse : 5 i2 Schinznacht 1; 4
Bützberg 6 8 Brugg 16 _
Morgenthal 8 — Nach Zürich 26 1«

Von Bern nach Genf.


Liv. Sous. Liv. SOUS.
Allenlüften 2 8 Morse« 17 14
Murten 4 2 Allamand 18 i
Wifiisburg S 14 Roll 19 6
Petterlingen 7 6 Neu« 20 iz
Luccns 9 H Coppet 22 6
Milden il 6 Versoir 2! 4
Montprevayre 12 IS Genf »4 3
Lausanne 16 t

Von Bern nach Neuenburg.


Liv. Sous. Liv. SOUS,
Slrttttf 3 4 S t . Bllsy si IE
Inß S 4 Neuenbürg 8 —
Iihlbrugg t —
JÊ4
Pays - de Vaud.
Liv. SOUS»
fie Lausanne à Morges • » I 12
Rolle , 3 4
Nyon » 4 16
Coppet . 6 6
Versoix 7 '
Genève » . » 8 —
Moudon » . » 4 l6
Paycrne . 8 isi
Mo rat . . lî —
Berne » • » l-> —
de NeuFchatel à Berne S —
Der Pieiß der Plätze m den Dilissmeen von Genf
nach «tfcuenburg und vice versa Hat nicht abgeändert,
also iönnen die schon ausgesetzten stehen bleiben.

Reiserouten i n die Ferne.


Von Bern auf Wien / fährt man über Schaffhause«
nack Ulm. Daselbst kann man alle « Tag mit den ordi«
nairen Schiffen für ein geringes Geld nach Wien körn«
men. Gehet man aber zu Land über Augspurg und
München, so hat man 43 Poftstationen von Zürich.
Man fährt über Winterthur, Frauenfeld, nach Con»
stanz; oder man geht auch über Schaffhausen; letzte«
rer Weg ist etwas kürzer. Der ordinaire Postwagen
bleibt 3 Tage von Schaffhausen auf Ulm unterwegs.
Von Bern auf Augspurg sind 3? Meile«, wenn
man über Zürich und Memmingen gehet.

Will man von Bern über Schaffhausen nach Stutt-


gart»; so kann man mit der Post über Brugg alle Wochen
zweymal dahin abgehen. Es sind 15 Meilen von Sckaff»
Hausen. Der Weg gehet über E n g e n , Duttlmgen,
Hechiogen / Tübingen. —

Will man von Bern über Basel nach S t u t ' g a r v


«che»/ so ist der beste Weg über Kalteherberg, Mülheim,
Krotzingen, Freyburg, Kenzingen, Friefenheim, Offen»
bürg, Rastadt, Cailsruh. Es sind von Basel *7 Meilen,
ober 13I Posten.

Verreist man von Bern nach N ü r n b e r g , so läuft


die Route über Schaffhausen. Man rechnet von Schaff»
Hausen auf Nürnberg 35 Meilen.
Hingegen wenn man über Basel nach Nürnberg
gehet, so muß man 9 Meilen mehr rechnen» Von Basel
bis Nürnberg bleibt man mit der fahrenden Post 7
Lag unterwegs. Die Route gehet sodann über Stutt»
gard. Hingegen wenn man über Schaffhausen aus der
Schweiz gehet, so kommt man über Ulm.

Nach Mannheim ist von Bern die beste Route über


X ;
Basel. Von letzterem Ort sind es 32; Meilen, oder 16
Posten. Der Postwagen fahrt es in 4 Lagen. Hinge,
gen über Schaffhaustn sind es 33 Meilen; man bleibt
;3age von Schaffhauscn auf dem Weg.

Von Bern ans leipzig sind es go Meilen. Die


Route gehet über Schaffhausen und Nürnberg. Will
man aber über Basel und Frankfurt, so sind es 91 Meilen.

Von Bern auf Hamburg reißt man kürzer über


Vascl. Es sind von letzterem Orte, so wie von Schaff«
bausen 91 Meilen.

Will man von Bern über Zürich nach Schaffhausen


gehen; sosindes 16 Meilen. Hingegen gehet der gerade
Weg über Kayscrstuhl, und ist nur überhaupt iijMeilcn.
Auch über Brugg und Jurzach gebet es leichter/ und
man kann höchstens 15 Meilen rechnen.

W i l l man von Bern auf Frankfurt reisen, so ist


der Weg über Basel der nächste! über Sckaffbausen sind
es 57 Meilen, über Basel aber nur 53 Meile».

Von Bern nach Chur gehet der Weg über Zürich


den See hinauf nach Lachen. Von Bern auf Zürich
sind es l i M e i l e n ; von Zürich auf Cbur auch 11 Meilen.
Man kommt auch über den Wallenstidtersee.
Von Bern nach dem S t . Gotthardt gehet man
über Langnau durch das Entlibuck zu Pferd nach -ujern;
von da auf dem See bis Ältorf. Der große Umweg
von Bern über Iojingen mit der Kutsche, macht eine»
wahren Lriangel; ist kostbar, und macht die Reise lang»
wüug.
Eine bequeme Aeistkarte durch die Schweiz ist
kürzlich erschienen, und in Bern bey der typographischen
Societitsbuchhandlung neben dem Hotel de Musique ï
i ; Batzen zu haben : Carte des Routes , où l'on a marqué
les distances d'un endroit à l'autre. Ockweijeikarte der
Hauptstraßen und der Entfernungen von einem
O r t zum andern. Zu der Berichtigung dieser Karte
haben die erfahrensten Schweizerkenner ihre Hemer«
tungen geliefert.

Schasshausm.
Herr Vberpostmeister von Meyenburg in Schaff»
hausen, hat die Gütiakeit gehabt, uns über die An»
kunft und Abgang der dortigen Posten (den i?ten Otto»
ber 1794), folgendes zu berichten; welches wir zum
Dienst der Reisenden von Bern sehr brauchbar finden/
weil bisher bekannt war, daß es schwer halte, von
Schaffhausen tiefer in die Schweiz mit ordinaire« Ge»
legenheilen zu reisen. Er schreibt u n s :
«Wir haben einen deutschen Postwagen welcher
Mittrvoch Morgen« um 7 Uhr von dem Bureau ab«
gehet, man mußsichDienstags bey guter Zeit melden,
lind seine Sachen abgeben. Er ist zu 8 Personen einge»
richtet. Der Passagier hat ;a Pfund frey. Man zahlt
für eine Person, nach Stuttgard, wo man Frcytags an»
kommt, fl. 6.4 kr. und für lao Pfund Uebergewicht fi. 4-
Ankunft i n : Fl. Kr. Pfund Fl. Kr.
Mannheim Sonntags il 8 ioo 6 24
Frankfurt Montags 14 — ioo 6 39
Ulm Frcytags 5 3<-> ioo 3 3o
llugspurg Samstags ? 6 ioo ; 20

München Sonntags ii 3« ioo 6 -4


Nürnberg Montags 13 39 ioo 9 36
Nach Zürich ist feit einem Jahr eine Diligence
errichtet worden; sie gehet Montags um 7 Uhr a b ;
wechselt in Eglisau mit jener von Zürich, und ist
Abends hier und in Zürich zurück.
Die Person zahlt 1 Nthl. hat 50 Pfund frey, und
zahlt von einen Pfund Ucbcrgewicht einen Schilling
Zürcher Valuta.
Nach 33>,sel gehet von hier alle 14 Tage eine land«
kutsche durch das Ocsterreichischc. Diese Kutsche kommt
von Konstanz, geht auch von Basel wieder durch Schaff»
Hausen nach Konstanz zurück. Sic macht ihre Reise i»
2 Tagen.
Von hier nach Konstanz zahlt man auf der Land»
kutsche fl. i. 4? kr, und hat 50 Pfund frey. Nach
Basel zahlt man auf eben dieser Kutsche fl. ç. 3° kr.
hat 50 Pfund freu. Die Kutsche von Konstanz kommt
am Dienstag hier an, jene von Basel am Sonntag.
Nach Konstanz gehet auch alle Donnerstag ein
Schiff den Rhein und den Unterste herauf; bey widri»
gem Wetter kann diese Fahrt (zu Lande 9 Stunden) 2
Lage dauren.
Will man von hier aus, hie oder dahin mit Mieth»
lutschen reisen, so zahlt man vom Pferd des Hags
fi. 3. 20 kr. Reichsgeld, und Retour *).
Man kann mit der Ertrapost nach Vasel, V r u g g " )
und nach Konstanz fahren. Nach Basel sind es 6 Posten,
und «ach Konstanz *i Posten durch das Schwabische
nemlict, Singen, Zelle
Ich bemerke noch in Betreff der Extraposten, daß
ihr Preis seit ein paar Jahren erhöht worden, für
eine Station von 4 Stunden zahlt man jetzt auf das
Pferd 1; kr. mehr, d . i . fi. 1. is kr-
Basel.
Von Nasil a u f Frankfurt gehet der ordinaire
Reichs.Postwagen Mittwoch Morgens ab; und ferner
am Sonntag Mittags um 2 Uhr. Man muß sich aber
<tags zuvor einschreiben lassen.
Eine Kutsche auf Hüningen nimmt die Passagier

*) So viel ttv Hcrauigcbcr dieses Buch« sich erinnert/ znl>ltt


« i» vorigen Zeiten i Muenthaler per Pfcrd, als« für eine
Kutsche »lit 1 Pseide» 2 Ntlialer. Per Prei« l,at als» ans;
geschlagen. Die Retour rechnete man freülicl» auch.
*•) M«n sehe dieVeschreibun» von Bern, « Band, Sei« 2*3.
nach l o l m a r und Sttnßburg. Die vormals so reguttl
abgehende Straßburgerdiligence hat jetzt keine be«
stimmte Zeit mehr.
Nach M ü h l h a u f t n gehet von Basel alle Frcytag
um i2 Uhr eine Kutsche ab.
Die Pariser Diligence verreißt jeden franzisischen
Monat von Basel 6 m a l , und zwar jede Dekade 2 mal,
v o n ; zu ; Tagen. Wenn aber schlechter Weg od«
andere Vorfälle solche aufhalten, so kann man auf
etliche Tage nicht darauf zählen.

Wer in Bern Packctc durch die Post ins Aus-


land senden will, muß solche an einen Spcditor
an der Gränze addrcßiren, weil man nicht weiter
als woh^n die Schweizer-Post gehet, dafür gut.
spricht; auch auf keine fremde Stadt etwas ein-,
geschrieben wird.
D e r Kanton
in
seinem Umfang.

Die Gegenden um Bern.


Die innere vogteyen oder vier Landgerichte/ die
»on den vier Herrn vennern regiert weiden / liegen
um die Stadt her; sie heissen: Seftigen, Sternen»
dcrg, Zollltofen/ Ronolfingen: sie gehen bis auf
5 und 6 Stunden in die Runde, und enthalten über 40
Dörfer, so in dem aesegnetcstcn Landesstrick liegen.
Sckine Wiesen, fetter Bodcn, wobl unterhaltene Wal»
düngen «ieren das Feld. Alle Lebensbedürfnisse wer»
den in Menge für die Stadt gebaut. Auch Holz brin»
«en die Bauern in Menge — und doch ist es theuer.
Die Landgerichte waren die erste Erwerbschaft der alte«
Berner zu ihrer Sicherheit und zur Proviantirung de«
Stadt. Ihre Eintheilung ist im itcn Theil der Be»
schreibung von ZScvn, Seite 287 angezeigt. Nur
muß noch anacmerkt werde», das, jedes Gericht eine«
Frcyweibcl hat, der so viel alz Ammann des Distrikts
ist, und auch an den kleinen Rath Berichte ersiatttt.
Der Landbau wird gut besorgt. Man siehet Kornfelder,
mit Haber, Spelz, Roggen, Flachs, Hanf abwechseln.
Leinwand und Zwillich bringen die Bauern als eigene
Fabrikwaarcn auch noch zum Verkauf in die Stadt.
Aus allen diesem erhellet, daß die Stadt Bern von ihrem
Bezirk hinlängliche Fruchte ziehen sollte — wenn sie
nicht andern ihren entfernter» Angehörigen davon mit»
theilen müßte, und vieles durch Unterhändler erschwert
und theurer würde.
Das erste und älteste Gebiet der Stadt waren aber
die Kirchspiele und Dorfschaftcn: Vollingen, Stett»
len, vcchüigcn, M u r i ; worinn noch verschiedene
kleine Dörfer und Ortschaften eingepfarrt sind. Diese
stehen noch heut zu 3ag unter dem Stadtgericht, und
ihre Armenpflege und ganze Oekonomie des Landes be»
sorgt der Herr Vcnner zu Mctzaern; der tägliche Rath
aber richtet alle Beschwerden, und verordnet das Wei«
tere in allen Vorfällen.
Die kandvogtcy Thsrbcrg im Amt Zollikofcn,
kann mit Recht für eine gute Landesaegcnd gelten.
Sie liegt in einem ganz abgelegenen Thale; und eben
darum
darum sind die Sitten der Bauern noch sehr gut/ un>
die Preise der Lebensmittel ziemlich billig.
Auch die Landvogtey Buchsee wird wenig von
Reisenden bemerkt, denn sie liegt ganz a»f der Seite.
Hier giebt es schöne und fruchtbare Felder; viel ebe»
nes Land: die Viehzucht und der Ackerbau sind wohl
unterhalten; der Charakter der Bauern ist meistens gut.
Die Landvogtey Fraubrunn ist nur klein, hat aber
herrliche fruchtbare Ebenen. Wegen der Nähe von Bern
sind die Bauern reich, denn alles was sie nach der Stadt
zu Markt bringen, wird ihnen wohl hezahlt.
Die Landvogtey R ö n i y liegt vor den Thoren der
Stadti sie ist klein an Umfang, aber reich an innerm Ge«
halt. Diese erst in diesem Jahrhundert an Bern ge<
kommene Landschaft, ziehet aus ihren Natur « Erzeug«
nissen den höchsten Preiß von der Hauptstadt, da die
Leute keine große Kosten mit dem Marktführen haben
und sehr nahe sind: auch wohnen in diesem Umkreis
viele reiche Partikularen auf ihren Landhäusern. Ein«
starke Bevölkerung unter den Bauern siehet man aber
doch nicht. Einige gar zu Reiche rühmt man jedoch
zu stark.
Die Landvogtey Frienisberg hat schöne vormalige
RIoster»Nnkünfte ; sie ist aber von keinem großen Um«
fang. Schupfen und Seedorf sind die ansehnlichsten
Pfarrqemeinden dieses Amtes. Der B a u « ist nicht
sehr reich, ab« auch nicht arm.

IL Theil. s»
Die Gegenden um den Vieler - und '
Ncuenburger - See.
Die kandvogtcy ArberF, etwa 4 Munden lang/
hat einen fruchtbaren Boden; dahin gehören auch die
schönen Dörfer Affolter» und Rappelen, die an wah»
rem landbau und Ackerkultur wenig ihres gleichen in
unserm Hanton haben. Auf der Seite liegt B ü r e n
' und Gottstadt.
Die kandvogtey Vüren hat auch einen angeneh»
'mcn Landesstrich , doch von den nahen Wassern der Aare
'und der Ziel werden die Äecker mit öfter« Ucbcrsckwcm»
mutigen heimgesucht , und müssen oft lange im Sumpf
liegen. Die höher« Gegenden aber sind desto reicher.
Die Dörfer Lengnan, Hüt}', Dießbach sind ganz
' vorzüglich wohlhabend durch den 2lckerbau. Auch
Werden ziemlich viele und gute Pferdein dieser Gegend
gezogen. Die große Landstraße von dem Acrgäu über
' Solothurn und Büren nach dem p a y s « de v a u d und
Frankreich macht diesen Strich Landes noch belebter.
Unterhalb Nidan liegt die Landuogtey Gottstadt;
war auch ein vormaliges Klosteramt; es gehören nur
wenige Dörfer dazu, aber desto reicher sind die Zehen»
*dei: und obrigkeitlich cn Gefälle.
"Die kandvogtcy Niedau macht eine ganz cigeneLan»
deöart aus, sie ist nickt sonderlich gcbnrgig. hat wenig
schweizerliches » das meiste ist ein niedres Gelinde —
theils morastig/ theils Wiesen ! überhaupt aber ist es ein
mooßigter Boden, der von den östcrn Ueberfchwem«
munacn recht viel leidet. Keine Landschaft ist den
Hagelschäden so unterworfen wie diese, da selten ein paar
Jahre vergehen, wo nicht die ganze Erndte verwittert
oder von Wolkcnblüchcn zermalmet wird. I n dem
Wcingcl^nd ist oft rauher stcinigter und nackter Vodcn»
Gute Weiden giebt es überhaupt wenige, daher die
Vichait auch nur geringe ist. Doch enthilt es noch
ziemlich Äckerland, da« fleißig angebaut wird. Auch
Klee und Futtcrkiäuter kommen aut fort. Wo aber
Gemeindweiden gelten, da ist das Land gering und die
Leute find arm. Die Dörfer liegen nahe an einander.
Das Land ist überhaupt nocl,. volkreich, und fast alle
Einwohner leben in gleichen mittelmäßigen Glücksum»
standen.
Die Landvogtey Vrlach ist sehr schön gelegen; reich ist .
diese ganze Gegend nicht; auch hat sie nicht eigentliche
Vorzüge für den Nahrungsstand, hingegen besitzt sie
die schönste malerische Aussicht auf eine heitere und
stille Landschaft. Nicht« aber ist herzerfreulicher als die
Lage des Dorfes I n » (Anet), wo die nahen Seen den
Naturfreund entzücken. Auf dem I o l i m o n t hat die
Natur ihre gristcn Schönheiten ausgelegt; wer ihn
besteigt, hat die Schweiz in ihrer schönsten Lage
gesehen.
Die kandvogtey O t . I o h a n n s t n war sonst eine
Klosterabtey. Und da es Benediktiner waren, so kann
Va
man schon wissen, daß sie fein schlechte« land werden
gewählt haben, denn sie sind bekanntlich Renner guter
uild reicher Landesgegende». — Die Landvogtcy ist
an Umfang klein , aber an beträchtlichen Einkünften
greß.

Oben am See liegt die

Landvogtey Vvcrdon. Sic ist eine der grösten im


Umfang/ denn sie hat 5 bis 6 Stunden in die länge»
Die Stadt Z?verd»n ist eine der artigsten, reinlichsten,
wohlhabendsten des Pays »de Vaud. Gute Manieren ohne
französische Windmacherey findet man da in einem an»
genehmen Lande, in der Nachbarschaft der herrlichen
Neuendurger Gcbürge. — ,Weinwachs ist nicht sonder»
lich viel, aber die Bcrgwciden und Obstgärten wechseln
anmuthig neben einander ab. Die Snaße von hier
nach Burgund macht die Handlung noch wichtig genug,
obgleich keine Fabriken angelegt'sind, die auch nur mehr
liederliches Gesindel und wenig bessere Einwohner dem
Land verschaffen würden.
Die Landuogtcy Romainmotier liegt hinter Iver»
don; sie ist unstreitig die reichste und auch angenchinste
im Pays «de Vaud. Sie hat eine ehemalige Rloster»
Herrschaft unter sich, so wie auch der Landvogt in dem
Venediktinerklostcr» seine» Sitz hat. Herrliche £hä»
1er, fischreiche Wasser, ein See, wohlgebaute Dörfer,
ansehnlich? Häuser / reiche Ackerfelder nnd noch schönere
Wiesen zeichnen diese ganz herrlicht Landschaft aus,
die auch eine mehr hohe als niedrige läge hat. Da«
Thal alleill ist 6 Stunden lang: und was diesen Erd«
strich noch schätzbarer macht, das sind die geschickten
fleißigen, wohlhabenden Einwohner. Hier werden
eiserne Oefen und Schießgewehrein großer Menge uerfer»
tiget. Es giebt unter den gemeinen Leuten Künstle«
aller Art: Vorzüglich aber Uhrmacher, Stahlschleifer,
Holzschnitzlcr und Steinhauer. Auch noch das bcson»
dcre findet man bey diesen, Volk, daß es Musikalisch
ist: und von Jugend auf die Kinder zum harmonische«
Singen gewöhnet.

Die Straße ins Pays - de Vaud.


Wenn mansichvon Bern auf den Weg nach M u r t e «
macht, sofindetman ihn anfanglich etwas langweilig, aber
««vermuthet enthüllen sich hie und dort Schönheiten;
da ist ein Hügel, der eine schöne Aussicht gewihrct;
dort kommt man durch ein Dorf, das Wohlseyn und
deutschen Fleiß ankündiget; aber je naher man Murren
kommt, so schließt sich alles, der Weg gehet durch eine
melankolisch stille Waldgegend: doch eben diese bereitet
den Reisend:« auf die herrlichsten Naturscenen vor,
die ihn um Murten bezaubern: er genießt den überra»
schenden Anblick des See« desto wonnevoUer.
Murten stehet unter den Kantone« Bern und
Freyburg. Die Seefarth auf Neufchatel; die benach?
batte schöne Weinberge; die wohlgebaute Straße nach
3)i
Äubc>m»e; alles ladet zur Freude ein. Man athmet
schon die heitere freyere Luft des lieblichen Pays »de
Wand.
Bevor man nach Murre» kommt/ wandelt man
durch einen Lhcil der Landvogtc« Laupcn; Gümmmei»,
3 Stunden von Bern, wo die Hauptstraße vorbeygehet,
ist nahe bey Laupcn.
Die Landvogtey Laupen grenzt an Freyburg und
Murten. Der Baucrncharakter ist gui geartet, der Feld»
bau geehrt, der Fleiß allgemein. Diese Landschaft ist
eine der iltcstcn, so zu der Republik Bern gehört. Auch
ist hier der erste Sieg für die Freyheit von den Bcr»
nern gewonnen worden.
Herrlich angebaut, blühend und beseelt ist das Amt
Iviflisburg oder Avanches. Unter den welschen Bauern
sind das die fleißigsten; da ist auch schöne Viehzucht:
man siehet große Hccrden Schaafe und Schweine; die
Bauern führe» ihren Reichthum an Vieh und Gewichs
iiach den Ncucnburgerbergcn, wozu ihnen der See die
natürlichste Hülfe darbietet. Wohlstand ist also da sehr
sichtbar.
Der Lobacksbau hingegen ist im Amt petterlin«
ge« ziemlich stark. Aber doch liegt hier herum viel
land «»angebaut; ja die Gegend ist, wenn man einige
Stunden über Pcttcrlingen hinaus ist, wie ausge»
sterben. Man sieht auf der Straße weder Dörfer
noch Menschen: das Land scheint verwayset und öde;
bis bey HxKcrn sich wieder das Herz über den Anblick
von Menschen erfreuen kann. Hier lasst ich «uch gerne
Sulzern 'seine Empfindungen mittheile», die er bey
feiner letzten Reise durch unsern Kanton in dieser Ge»
gend äußerte ; und die wohl jeder Kenner als wahre
N a t u r erkennen wird: «Es ist auf diesem Wege nach
Lausanne ziemlich sichtbar, daß das Land weder so gut
bevölkert, noch das Volk so arbeitsam ist, als in dem
deucschen Theil des Kantons Bern. Das Landvolk siehet
hier etwas armselig aus , und man entdeckt ohne Mühe,
daß es bey weitem nicht so fleißig und ordentlich ist, als
seine deutsche Nachbarn. Die nicht sehr hohen Verge
dieser Gegend sind, meistens ««angebaut, und folglich
ganz ««fruchtbar, sie scheinen überhaupt rauh, und-
viele sind zu steil, um angebaut zu weiden, indeß ist
es gewiß, daß sie, wo es nicht an fleißigen Einwohner»
fehlte, gar leicht in Terrassen abgetheilt und bebauet
werden könnte». Auch ist überhaupt in diesem Lande
da« Geblüt bey weitem nicht so schön und so gesund,
als in dem deutschen Theil des Kantons, wo man un»
ter dem Landvolk die schönsten. MannZ - und Weibspcr»
fönen antrift. «

Die Landvoatey <Dvon zwischen Moudon und Frey«


hurg ist nur klein; liegt sehr seitwärts, die Bevilkc«
rung ist geringe. Doch ist noch ziemliche Viehzucht da,
welches die Gebürge von selbst zu fordern scheinen.
M o u d o n die Landuogtey liegt zum Hheil im I o r a t »
gebürge. Auch hier kann man eben nicht viel rühmen.
I 4
Einige schöne Thäler findet man allerdings, die auch
allmälig fleißiger angebaut werden; aber der größere
Theil der Landvogtey liegt an rauhen Bergen, die land«
schuft kann also nicht start bevölkert seyn. Sie liefert ihre
wenige Früchte / Gartcngewichse, und Getraide nach
Lausanne und Mvis.'
So wie man über M o u d o n hinaus ist/ wird das
land wieder etwas trübe und vcrstekt: die einsame
Straßen fallen dem Reisenden auf. Er findet wenig an»
zügliches von Naturschinheiteu : kein Volk das ibn ver»
anügen könnte, kein Wirthshans wo er ausruhen und
sagen möchte: Hier ist gut bleiben. Man sehnt sich
nach Lausanne.
Endlich wenn man bis auf eine gute Stunde noch
vom Genfersie entfernet ist/ thut sich das Land wie»
der auf. Man athmet leichter; die Höhe de« I u r a /
auf welcher man wandelt/ neigt sich allmilig, und man
kommt an die offene Felder , die den Gesichtskreis
einer paradisischcn Welt öfnen.

Die Gegend um den Genftrsee.


S u l z e r hat sie auch empfunden, diese herrliche
Lausannerhöhe. Er schreibt: «Wenn mansichder Stadt
Lausanne nähert/ so hat man im Heruntersah«« eine
Aussicht von unbeschreiblicher Mannigfaltigkeit und
Schönheit. Man übersiehet den großen Genftrsee fast
«anz, und dabey einen ansehnlichen Theil seines diesseitige«
«ichen und mit viel Städten und Dörfern besetzten
Ufers. Jenseits des Sees fällt der schönste Theil des
Herzogthums Chablais / mit verschiedenen Städten,
Dörfern/ abwechselnden Hügeln und Ebenen; hinter
denen die erstaunlich hohen/ mit Schnee bedeckten Sa»
voyischen Alpen / und weiter aegen Morgen die wilden
Gebirge von W a l l i s , nebst den daran stoßenden yerner«
Alpen, alles auf einmal ins Gesicht. Ich zweifle, ob
irgend au einem Orte des Erdbodens eine reichere und
mannigfaltigere Aussicht anzutreffen sey. Man siehet
«in Stück Landes von etwa 40 Quadratmcilen vorsich—
die höchste Fruchtbarkeit neben den wildesten Gegenden;
«nd dies alles liegt um einen See her, der von der
Höhe ganz übersehen wird, und die reizendeste, höchste
Abwechselung dem menschlichen Auge gewähret.» —
Er fährt an einem andern Orte fort:
„An dem diesseitigen Ufer übersiehet man die ganze
sogenannte Cote mit den Städten M o r g e s , Rolle /
ï î y o n , Coppet bis Genf; — und hinter diesen die
«llmälich sich erhebende» Höhen, die mit den schönsten
Weinbergen und unzähligen Landhäusern ganz wie be»
deckt sind. Gegenüber liegen die Savoyischen Städte
Euian, Lhonon und das schöne Kloster Ripaille. Alles
dieses macht eine bezaubernde Mannigfaltigkeit und Ab»
wechslung der angenehmsten Gegenstände aus. Man
bat sich also nicht zu verwundern, daß s, viele vermö»
zende Fremde, die kein anderes Interesse haben, als
J> 5
ihr Leben ruhig und vergnügt zuzubringen / sich in
Lausanne oder der dortigen Gegend/ niederlassen.,,—
S o weit spricht Sulzer.
Die Landuogtey Lausanne ist mehr durch den Ein»
ju« uon Fremden und Reisenden uls durch eigenen
National • und Volksrcichthum berühmt. Die Frucht»
felder liegen meistens auf Felsen, und der Voden hat
oft nur wenig Jolle tiefes Erdreich. Daher sind die
Bauern auch gristentheils arm, und die Nachbarschaft
des guten Weins vom llyfthal und der Cote vollendet
ihre Indolenz, da sie sich fast alle ohne Unterschied der
Trunkenheit ergeben. Man findet viel ödes Land/
niedrige schlechte Häuser, kleine Dörfer / geringe Ein»
wohuer. Meistens sind es Fuhrleute und Huttentriger
für die benachbarte Städte und Herrschaftssitze; ihre
Kinder ziehen fast alle in die.Stadt und suchen Dienste
bey den Nachbaren. Da die Speditionsbandlung nach
Italien und Piémont über Vivis und Ouchi noch
ziemlich stark gehet, so werden dadurch sehr viele sonst
müssige Leute nützlich beschäftiget.
Die reichen Fremden / die sich unaufhörlich in die»
sen Gegenden niederlassen/ reizen doch die Indolenz Vie»
lcr zum Erwerb, und geben auch den wenig Vemittel»
ten ein erträgliches Auskommen.
Die Lausanner ?lkademie ist in einer ziemlich
gleichgültigen Lage. — Die fremden Studirenden die
dahin kommen,, benutzen mehr die angenehme Gesell»
schaft/ den Umgang der Engländer und Reiche»/ als den
der Gelehrten. Es ist viel Bcaumonde daselbst, und
dies schon ist hinlänglich den Trieb zu den ernsthaften
Wissenschaften zu dämpfen und zurückzuhalten. Auch
siehet man die fleißigsten der dortigen Professoren in
ihre Häuser eingeschlossen; der, Zulauf ihrer Kollegien
ist geringe, obgleich die Lausanner Akademie jetzt seit
der französischen Revolution die einzige französisch
reformirte ist. Für wirklich deutsche Gelehrte ist
der Aufenthalt daselbst eine Verbannung — weil sie mit
allem was in der deutschen literarischen Welt vorgehet,
villig uubekaunt bleiben, und keine Buchhandlung und
keine Privatbibliotbek der Begierde nach deutscher Lite»
raturkcnntniß nur einigermassen nachhilft.
Dieses sind Klugen, die ich oft von angesehenen
deutschen Gelehrten schriftlich und mündlich hörte,
und auch sonst schon wohl kannte. Hingegen was jeden
Mann von gesundem Kopfe schadlos hält, das ist der ge»
fällige Umgang der dortigen Einwohner und Fremden,
die sich bald kennen und sich lieben. Auch Sulzeö
fühlte diesen Eindruck. Er sagte: «Die Einwohner
scheinen ein freyes, vergnügtes, feinen Wohlstand füh»
lendes, dabey angenehmes und gefälliges Volk zu seyn.
Die beträchtliche Anzahl vermögender Einwohner und
die verschiedenen fremden reichen Familien, die sich
hier bloß der Annehmlichkeit halber aufhalten, haben
auch in den Städten den Ton der guten Gesellschaft
überall eingeführt. Und die Lausanner sehen ihren
Ort gleichsam als den Hof des Wclschlandcs an, auch
Valte» sie tägliche Zusammenkünfte und eine hofmißige
Lebensart/ ihre Abende bringen sie mit Spielen und
gesellschaftlichen Unterredungen zu. Fremde sind in
diese» Gesellschaften allemal willkommen, und könne»
also das ganze Jahr täglich diesen Zeitvertreib génies«
se». „ — Go spricht S u l z e r , und so ist es auch.
Auch der Bürger des Mittelstandes fühlt sich ein
Herr zu seyn. Arbeitsamkeit, wie sie ei» deutscher
V ü r g e r in den Stidten übt, der in seiner Wertstadt
sitzt, seine Gesellen selbst zu den Geschäften beseelt, das
ist hier nicht der G e b r a u c h . Auch hier hat Sulzer
gut beobachtet uud er trift das Rationelle des Bürger»
geistes genau, wenn er schreibt: «Selbst der gemeine
B ü r g e r hält sich zu vornehm durch irgend ein Hand»
»erk seinen Unterhalt zu verdienen. Die Handwerks»
leute sind Fremde, meist Deutsche. Handlung ist we»
n i g , und der gemeine Bürger lebt zum Theil von den
Einkommen kleiner Bedienungen bey der S t a d t , auch
bey der Landesregierung, zum Lbeil von dem Ertrag
seiner liegenden Gründen, die hier hoch genützt werden.
Andere haben ihr Einkommen vom Vermuthen ihrer
Hauser und von Pensionen der sich da aufhaltenden
Fremden. Ucberhaupt wissen sie sich so zu kehren, daß
sie mit einem geringen jährlichen Einkommen doch leben
können. » —
Auch zur Bevölkerung der Landvogtey v i o i « trage«
mehr die vielen Fremden als die Nanonaleinwohner bey;
denn die romantische Lage am Genfersee, Roußeaus
Schilderungen davon, und aller Reisebefchreiber hochNin.
gender Iubelgesang/ ziehen ganze Haufen von Ansiedlern
herbey. Vas freye ungenirte leben im Pays ° de Vaud/
die Nachbarschaft des schönen Gcnfersces/ die Jovialität
der heitern Einwohner, die von Fremden meistens sich
nähren / die ihnen also in allem so freundlich und Hof»
lich zuvorkommen: das ist, was diesen ganzen Strich
Landes, von Vivis bis gegen Genf hinauf, zu einem
wahren EliNum macht. Große Reichthümer find unter
dem Volk eben nicht; die reichsten sind die, so sich mit
Fremden abgeben, so wie es auch die Kaufleute find.
Daß aber der Wein viele Unordnung in die Familien
bringt, ist schon oben geklagt > worden, und die vielen
städtischen Herrndienste der Knechte und Mägde, schaden
den ländlichen Sitten und dem Ackerbau noch vollends.
Fast alles was zum Leben gehört, wird von aussen
her verschrieben und eingeführt; darum ist der Luxus,
das Wolleben hier herum sehr groß, welches von dem
leichten Erwerb des Geldes von den fremden Einwände»
rungen kommt'. S o steigt auch der Preis der Haus»
miethen mit jeden» Jahr. Sonst konnte man vor der
Revolution ei» bequemes Appartement von 3 und 4 <
Zimmern für 1; und lo kouisd'or haben; jetzt muß man
schon 40 bis 50 Louisd'or jährlich zahlen, und bekommt
es noch schwerlich und mit großer Präcaution. Das
sanfte milde Klima aiebt nicht nur den »ortrefiichsien
Wein, sondern ziehet auch Maulbcer, Feigen, Kastanien
»nd alle feinere Obstarten. Die niedlichsten Blumen
wachsen am Wcoc, und der Noßmarin ist in solch«
Menge da, daß die Einwohner allen Fremden zum Will»
komm damit Kränze stechten.
Auch der Landbau, die Produkte und der Preis des
Rebqeländes haben in hiesiger Gegend viel Sonderbares
und Tigentln'lmliches. Der feine Beobachter , der Natur»
und Völkerkenner SulZer hat auch darüber viel Neues
und Gutes gesagt, und seine Worte verdienen auf im«
mer einen Play in einer Beschreibung dieses Landes.
Er sagte:
«Während meines Aufenthalts in Haafanne machte
ich mir einen Tag das Vergnügen einer Spazierfahrt
nach v c v a y , einem O r t , von dessen sonderbarer An«
nchmlichkcit ich so oft sprechen gehört. Dieser Ort liegt
drey starke Stunden oberhalb Scutsaniie , an dem
obern Theil des Kenferfccs. Der Weg dahin ist
sehr angenehm an dem Fuß de» Berges/ der sich dicht
an dem See von Lausanne bis Vevay erstreckt. Dieser
ganze Berg ist an der Mittagsscite, die eigentlich die
Küste des Sees ausmacht/ mit Weinreben besetzt/ cini«
ge wenige schmale Striche ausgenommen, wo die her»
unterlaufenden Bäche tiefe Tobet ausgehöhlt haben.
Weil aber der Berg durchaus sehr steil ist, so ist er durch
eine unzählbare Menge kleiner Mauern in Terrassen ' )
abgetheilt, welche verhindern, daß das Regenwasscr die

•) Eine »orzi<!>lich große Menge vo» dergleichen Tcrmssin sieht


man mi den stellen Halden d«i V«rgei «wischen Ciilli und
Erde nicht herunterspült. Man muß die erstaunliche
Arbeit bewundern / die diesen Berg durch so viele tausend
Mauern zum Anbau des Weines tüchtig gemacht hat.
Es fiel mir bey dieser Gelegenheit wieder ein, was ich
gar oft bey ähnlichen Veranlassungen gedacht habe, näm»
lich: daß wenig kultivirte Grundstücke sind, deren jetzi«
gcr Werth/ wen» sie ucrtauscht werden, die Arbeit,be»
zahlt, die daran hat müssen gewendet werden/ um sie
urbar zu machen und in urbarem Stand zu erhalten.
Hier hat es nicht nur ungemeine Arbeit gekostet, die
Mauern aufzuführen und jede Terrasse abzuebnen, son«
dcrn es kostet, seit so viel Jahrhunderte» , fast jede«
Jahr neue Arbeit sie im Stande zu erhalten. Denn oft
drückt die durch lange» Regen weich gewordene Erde
nach, und macht hie und da die Mauern bersten. Auch
stürzen an verschiedenen Orten große Felsenstücke, die
sich ans der Höhe des Berges, losgerissen, über diese
Lcrrassen herunter, und schlagen die Mauern ein, so
daß man mit der Arbeit daran nie fertig wird. Durch
diese Weinberge gebt der Weg Nach v e v a y meistens in
einer kleinen Erhöhung über den See; nur hie »nd da
laust die Strasse herunter, und eine Zeitlang an dem
Ufer desselben.
Etwan eine Stunde oberhalb Lausanne fängt de«

St. Iiiüyorin, w» ein kleiner Distrikt/ Tezaley qennnnt/


den besten «nd stärksten Nyswein «icbt, und „bijttnll»«»
»«« «t»»t e«us«nne mtlsitt.
lleineDistrikt an, der eigentlich l a v a u d , im Deutschen
das Nyffthal, genannt wild/ wiewohl man einen an
einem Berg fortlaufenden Strich Landes nicht schicklich
ein Khal nennen kann. Diese Gegend ist wegen ihres
Weines berühmt / der unstreitig alle andere in de«
Schweiz wachsenden Weine weit übcrtrift *). Von den
Weintrauben aber behaupten erfahrne Kenner / daß sie
allen andern Weintrauben den Vorzug streitig machen,
und ich habe nichts dagegen einzuwenden, da sie mir
vor allen Spannischen, Französischen und Italienischen
Trauben, die ich gekostet, den Vorzug zu haben schienen.
Sie haben nicht einen so zähen Honigsaft, wie viele
spannischc lkraubcn, aber, bey einer sehr dünnen Haut
und einem ganz flüssigen Saft, eine ausnehmende Lieb»
lichkcit.
Dieses Weines halber find die Weinberge hier i«
sehr hohem Werth, und vielleicht das theuerste Land
von der Welt, wenn man die seltenen Lindcrcyen dicht
an großen Städten ausnimmt, die zu Gärten gebraucht
werden, und darum ausser allem Verhältniß mit großen
Ländereyen stehen. Ein Arpent oder Post wie es hier
genannt wird (ungefähr 40000 Rheinl. Quadratfuß) ist
bisweilen mit 8, auch ICCOO Pfund, das ist mit 13 bis
iCcoo Französischen Livres bezahlt worden. Eine sehr
große

l •) Viele Personen lieben diesen Wei» nicht ; er fättt stört auf


»ie Nerf«». De« Wein de U\ Co« ttMrt mein- zesxch».
grosse Summe/ in Verglcichung dessen/ was in ittt
bellen und fruchtbarsten Gegenden Deutschlands für so
viel Land bezahlt wird.»
«Unterwegs zeigte man mir einen Oit, wo sich vor
wenig Jahren eine seltsame Naturbegebenhcit zugetragen,
bat. Man fand nimlich an einem Morgen, daß ein,
kleines an dem steilen Berg liegendes Stück land mit
dem daraufstehenden Haus/ den Obstbäumen und Wein»,
»eben, eine ziemliche Strecke heruntergerückt w « /
ohne daß weder in dem Haus/ noch an den Bäumen
die geringste Veränderung wahrzunehmen, gewesen »
„Nach einer sehr angenehmen Fahrt von etwa
vierthalb Stunden kam ich in v e v a y an. Diese kleines
Stadt hat eine ganz besondere Lage / wodurch sie zum
Wohnsitz (litt«/ von der Welt abgesonderter und an
romantischen Schönheiten der Natur sich ergötzender
Menschen bestimmt zu seyn scheinet. „

Die Landuogtey Aubonne liegt ganz im 3 i e b ^


l«nde. Sie gehet jährlich mit dem besten la Cote«
Wein schwanger.
An die vorstehende nur kleine Lanivo'gtüy schließt
sich die größere und reichere an: — die Landvogtey
Morste, (Morges) die über 70 große und kleine Dör«
fer zählt, deren ganze Gegend voll Weinbergen, Schlöft
fern und Herrschaften ist, also sehr belebt und reich mV
4 « Triumph de» schönen Natur ist. —
» . Theil. 3
ïTeus (ÏTfon) diese Landvogtey; ist auch weit»
läufig; sse hat schöne Dörfer und Schlißer ; sehr guten
Obftwachs und ziemliche Viehzucht, aber fast keinen Ackev»
bau. Rastanien ziehet man in Menge. Der Holzha»«»
liel vorzüglich des Städtchens Ny»N/ ist sehr groß. Dee
w e i n gedeihet vortrefflich.
Hier an diesem offenen heitern Orte XXyon, an der
Gränze vom Bernerkanton, an der Hauptstraße nach
Frankreich und am Ufer des schönen See« gelegen —
hat vor 5 Jahren Hr. Snell eine Rostschule errichtet/
da er mehrere Jahre vorher zu Zofingen ein dergleichen
Etablißement gemacht hatte, das sehr gut gefunden
worden. Bey dieser Ortsveranderung sah er aber vor»
züglich darauf, wie er seinen künftigen Kostgängern
und Schülern die feinere Lebensart besser beybringen
möchte als es im deutschen Kanton und in einer Muni»
eipalstadt nicht wohl möglich war, wo ein bürgerlich
eingezogenes Leben die Leute zum gesellschaftlichen Um»
gang etwas weniger stimmt, als in dem heitern und gc»
stllschaftlichen p a y s »de v a u d , wo Fremde aller Art
sich wie zu Hanfe finden. Hr. Snell vereiniget also mit
feiner deutschen Lehrart zugleich die Civilität der unge»
zwungenen gesellschaftlichen Welt, und man findet schon
Lehrlinge aus allen Ständen in seinem guten Hause.
XTj'oii hat auch eine Porzellanfabrik, di« vortrefiich«
Arbeit liefert.
Die Landvogtey B o n m o n t hat das Eigenthum»
liche, daß sie di» reichsten Viehheerden hat, und die besten
Vttg.Weiden. Das Amt ist nickt groß, aber oriflctietnfc
Es liegt an der äussersten Gränze des Kantons: bat Franl«
reich und Gmf zur Nachbarschaft.
Die Rechnungsart ist im Päys « de Vaud sehr üblich/
daß man Florin sagt: ein solcher Florin ist 4 Batzen:
«nd ist keine reale sondern nur ideale'Münze. —
Die Hugenotten, oder französischen Protestanten, die
sich am Ende des vorigen Jahrhunderts nach der Schweiz
flüchteten, haben das p a y s » de v a u d mit den «ich»
sten Leuten bevölkert. — Allein in dem kleinen Etädt»
chen vivi« am S e e , sind von dem Jahr 1694 bis 1764
«lso in einem Zeitraum von 70 Jahren, 138; Kinder sol»
cher französischer Eltern getauft worden. Man kann
eben so viel für die Städte Morste, Roll, Neus anneh.
Men, wohin eine ziemliche Menge dieser Berfolgtin sich
geflüchtet haben ; 4 bis ; hundert darf man für die übrigen
42 Kirchspiele des Welschlandes ansetzen, da sich ai
jedem Orte mehrere niedergelassen haben *)/ worunter
geschickte Kaufleute, arbeitsame Künstler, fähige Köpfe
auch Modefabrikanten aller Art waren. Der LaudeSge»
nius bat sich also dadurch seit hundert Jahren in dem
3ott der Gesellschaft sehr geändert; (outre que laSocie'td
du bonton a sort travaillé ce pays là).
Nichts ist lieblicher und schmelzt so das Herz als
bie Nundetanze im pays» dt Vaud an bell Sommer»

, *) Man ftlic Hrirn Psaiirr Muret Prellschnft Mti Ml «•>


M«»un« »er «»«dt, i?«,.

«vende« auf öffentlichen Plätzen und Spaziergängen.
Wenn da der helle Mond dazu scheint, die Luft stille ist/
der glänzende Gcnftrsee sich spiegelt — und da« froh»
Getöse der Jugend in solchen Reihetänzen erschallet —
o —dann glaubt man sich in Elysium, im Vorhof de<
Allerheiligsten zu seyn: Ich gebe hier meine Empfin»
düngen wieder, wie ich sie zu hundertmalen und jedesmal
mit ungcschwäch ter Freude empfunden habe. —
I n der französischen!Schwei; herrscht ein apar-
tes Volksgenie : — diese Nation hat beynahe mit den
übrigen Schweizern und also den deutschen Bernern
nichts gemein; sie weichen so sehr von einander ab/ daß
man sie laum für Mitbrüder ansehen kann. Schon an«
dere haben daher gesagt, daß der helvetische Gemein»
geist/ wie er zum Beyspiel in Ölten und Arau bey der
belvetischen Gesellschaft sich äussert, von den Einwob»
nern des Pays» de Vaud fast gar nicht gekannt ist, ja sie
scheinen mit der übrigen Schweiz beynahe in gar keine«
Verbindung zu stehen. ,

Das Emmenthal.
Dieser vort'refliche Theil des Bernerkanton« fängt
«n wenige Stunden von der Stadt, und erstreckt sich auf
9 bis lo Stunden in die Länge, und 4 bis 5 Stunden in
die Breite. Unsre Landwirthschaft ist in keiner Gegend,
vielleicht in der ganzen Schweiz nicht blühender, als
»bei, b i « . Die Viehzucht wird mit Kenntniß und Fleiß
betrieben; Gewerbschaften, Fabrikationen aller Art be<
schHftigen die fleißigen Einwohner: Wohlstand ist überall
sichtbar; Ehre und Reichthum gebühret jedem fleißigen
Berne« ; und so theilen wir diesen Ruhm vorzüglich den
Emmenthalern zu.
Hie landvogtey Brandis ist gleichsam der Eingang
»der Vorhof des Enimenthals; so wie auf der andern
Seite die schöne Landvogtey S i g n a » ; sie sind beyde
«oller zerstreuten schönen Bauernhäuser/ Viehweiden und
tandsitze; die nahe Nachbarschaft von der Hauptstadt
giebt dm Bauern einen guten Ausweg ihre Erzeugnisse
gut abzusetzen; so wie die Nachbarschaft des betriebsa-
men T h u « / N u r g d o r f s / Langenthals/ die besten
Ablagen für den Handel ihrer Fabrikwaren sind.
Man findet in diesem reichen Emmenthal kandlcutt/
die die Handelschaft mit Sachkenntniß treiben; die Kauf»
Mannschaft ordentlich erlernen; ihre Sohne gehen auf
Reisen, und sie schreiben und rechnen wie die stidtische
Komptoristcn; sie beschiftiqen viele Dörfer mit schöne»
Webereyen/ mit Band »und Leinwand »Fabrikationen/
sie helfen den Flachsbau starker betreiben; geben Nah»
rung den Dürftigen. — Auf dcr Zurzacher Messe sind
die Artikel dieser Kaufleute sehr gesucht.
Auch die Ackerfelder werden herrlich angebaut. Der
Roßhandel ist sehr beträchtlich / und die Bauern dieser
Gegend wissen nicht nur ihre Pferde groß und stark zu
ziehen; sondern ihnen auch die Eigenschaften zu ««bey/
33
daß sie zu jedem Gebrauch abgerichtet und dauerhaft
sind.
Die besten Schweizerpferde findet man dah<r auf
dem Markt zu Langnau,
Der beste Emmenthaler Ras wird um Tschangnau
gemacht; er kommt in Menge auf die Märkte nach
t a n g n a u / 23m«/ Burgdorf/ Thun.
Die landvogtey Trachselwald liegt im Herzen des
Emmenthals, sie ist eine der gesegnetesten des Landes»
bat einen ungemein reiche» Viehstand/ und bey der
Naturalicnzihlung vor einigen Jahren hatte sie nah«
an 10 tausend Stück/ theils Knhe, Stiere und Kälber;
bey 6 tausend Schaafe und Geißen; 348* Schweine;
1377 Pferde. Nach Proportion der Größe dieses Amts/
das reichste im Lande.
Die Landvoqtcy S u m i s w a l d , auch im grnmett«
that gelegen, verbindet eben die Fruchtbarkeit, auch
die affiche fleißiqe Viebzucht. I m Jahr 1787 zählte
man nur allein über tausend S t i c « und Kühe, ; dun«
dert Halber. — Die Geißen und Bocke; Sckaafe und
Schweine, Pferde und Füllen sind in gleicher reicher
Anzahl da zu Hause.. Uebcrhauot sino aber wenig eigent»
liche Dörfer in diesem Lande — sondern es ist voll zer»
streutet- Wohnungen und Stallen.
Die Gegenden der hohen Alpen.
Das sogenannte Oberland sänat bey Thun an;
dort gehet man in das Allerheiligste der hohe» Alpen
ei«. — Wo sich das Auge hinwendet/ da tritt es auf
«ngeheu« Gebürgt und entsetzlich steile Felswände; ein
Bollwerk ruhet übe« dem andern, die sich bis in die
Wolken thl'ilmen ! das Vieh weidet in der Nachbarschaft
der höhern Elemente/ der menschliche Geist wundert
sich/ wie so schweres Vieh diese Höhen ersteigen kann;
da scheinen die grossen Stiere / wenn man aus der
Liefe hinaufblickt / wie Tupfen auf einem ausgespann»
tcn Tcppich. Wenn man nicht zuweilen das Schellen
der großen Stierglocken hörte, so würde man gar keine
lebendige Kreaturen da vermuthen. — Und was noch
las Merkwürdigste ist/ diese schwere Thiere fühlen sich
dann erst wohlauf und muthig / wenn sie aus der Ebene
in diese höhere Regionen steigen; sie schreyen in ihren
Stillen trübselig bis wieder die Zeit der Alpenweide
kommt.
Wenn man über T h u n hinauf das Land bereiset/
so findet, man zwar fruchtbare, angebaute Erdstriche/
aber das Ganze entspricht doch nicht der Erwartung.
Je tiefer hinein man in die Alpen kommt, je »nfrucht»
barer und steiniger wird der Boden / er giebt bloß noch
Fütterung dem Vieh, das aber oft einen Umkreis von
vielen Stunden bedarf/ um seine 3S:ii>c aufzusuchen.,
34
Vorteilhaft aber ist cs dem LandmanN/ daß er feine
Geißen, Schaafe, Vicfe auf die Felsenspitzen zum Ab.
grasen der Kräuter treiben kann, wo diese Thiere die
schmackhaftesten Gesträuche auszusuchen wissen; und
wo es dem menschlichen Fuß unzugänglich wird, die
zahmen Hausthiere für den Menschen angewiesen sind,
die verlohrnen Reichthümer der Natur zu sammle« :
Wie wunderbar ist doch die Oekonomic Gottes!
Das Amt oder die kandvogtey Thun ist groß, hat
einige schöne Dörfer, worunter vorzüglich Stäfisburg
wegen seiner Schönheit bemerkt zu werden verdient:
nicht leickt wird man in unserm Kanton einen wohl«
Ijubeiidcni Ort finden. Die Herrschaft Spiez ziert auch
diese Landvogtey. Die Viehzucht und der Handel ist sehr
ansehnlich, wozu die Aare auf welcher die Frachten s»
sekr gering sind, und die Nachbarschaft von Nern vieles
beytragen. Alles aus dem Oberland kann in hohem Preis
abgesetzt werden. Die Oberländer wenn sie ftcißig sind,
sönnen sich also noch Reichthümer genug verschaffen.
Thun sol! sonst ins Oberland einen starken Handel
getrieben haben; nun'aber finden sich eine Menge
Krämer und ansehnliche reiche Bauern in den Thälern,
die selbst die deutschen Messen besuchen und mit allen
möglichen Artikeln handeln; sie führen auch National»
Produkte aus, und nehmen dagegen andere Waaren in
ihre Berge zurück, leider kommen auch damit viel«
Waaren des Luxus, der Mode und der Weichlichkeit
in diese Hütten. Auch »erkauft man vielfältig Zucker,
Haff«, Gewürze wohlfeiler in den entfernter» tbälern
als in den Städten.
Die Landvogtey Oberhofen am Thunersee ist auch
nur sehr klein, hat etwas geringen Weinbau ; die ganz«
Gegend ist mager und wenig bewohnt.
Die landvogtey Unterste«/ deren Landuogt den
Litel Schultheiß hat/ ist nur klein; und'unfruchtbare
Berge sind in übergroß« Menge da / darum kann auch
nur ein geringer Verkehr mit den Nachbarn statt haben.
Einige Mühlwerke und Holzmanufakturen beleben
jedoch das Städtchen Unterseen; sonst aber liegen in die»
ser Vogtey die Häuser so zerstreut, daß man kein eigent»
liches Dorf nennen kann. —
Die landvogtey Interlacken hat merkwürdige
Naturgeqenden zum Unterscheidungszeichen; man ist
hier mehr unter den Bergen als unter den Menschen,
mehr unter Steinen, Schnee, Eis und Wassern, als
unter lebenden Wesen; — auch die Thierzucht kann
darum nicht ser/r ansehnlich seyn, und der Ackerbau fehlt
beynahe ganz. Wer lange daselbst leben sollte, würde
«in Heiliger oder ein Melankolikus. Mit Recht siedelte»
sich "vormals Mönche in diese verlassene Gegend, denn
Intcrlacken war ein Kloster. Die Reisende finden hier
was sie suchen; ein sonderbares ungewöhnliches Berg»
land: zum Beschauen interessant, zum Bleiben aber
höchst ennuyant. —
Zu der Landvogtey Interlacken zählt man auch da«
«auttrbrunnenthal, welches; Stunden lang ist; die
35

•-.'
gröste Breite aber beträgt kaum eine Viertelstunde. Auch
lillgesund ist dieses Thal wegen den vielen abwechseln,
den kalten Winden , die oft in der grossen Sommerhitze
durchstreichen. Fast kein Obst kommt dort fort. Die
Ahorn «und Eschenbiume aber wachsen desto ungestörter
und prächtiger empor.
Das G r i n d e l i v a l d t h a l / ist ein anderes zur fand«
vogtey Interlacken gehöriges Alpengebürge. — Tannen»
wälder find der gröste Reichthum neben den hie und da
fetten und wohl benutzten Alpen. Ungeheure Schnee,
berge stehen im Umkreis Das Thal liegt voll von Kalk»
steine«/ Schiefern und Granitblicken. Hie und da siehet
man doch lachend liebliche Gegenden / blühend und
fruchtbar. S o gar die Viehzucht ist noch ansehnlich
genug. Es leben höchstens drcytauscnd Menschen in
diesem langen weiten Thale. EinestarkeMenschenzahl
würde in solchen Gegenden gefährlich seyn , denn sie
riskirtcn auch bey dem sorgfältigsten Landbau — i n Miß»
jähren alle zu verhungern.
Die Landschaft Hasli liegt ganz versteckt hinter 2
Seen; hat 10 Stunden in die Länge/ aber eine kleine
Breite, ja selten ist da« Thal eine halbe Stunde breit.
Den M i n e n hat es von den Haselstauden, die daherum
in Menge wachsen. Der Landvogt von Interlacken hat
die Aufsicht über das Land, und die Hasler geben ihren
eigenen Landammann, der sowohl dem Rath zu Bern al«
der Gemeinde schwört, und alle 6 Jahr neu erwählt
wird. Die Südwinde bestreichen fleißig diese Landschaft/
»«durch die empfindliche Kälte gcmißiqet wird / welcke
von den nahen Eisbergen kommt, und wodurch auch
die Alpen noch fruchtbar werden. Das untere Hasle
ist eigentlich das bessere Gelinde; es ist 3 Stunden
lang und wird von herrlichen Wassern durchflössen. —
Meyringen ist der Hauptort; schön gebaut und reich l
weiter hinaus wird das land immer wilder/ sogar tfcr»
lieren sich alle Waldungen, und man siehet zuletzt bloß
einzelnes wildes Gesträuch, Schnee und Steinmasse«.
Daher kann man auf dieses weite Gebürgsthal nicht über
6 taufend Menschen zihlen. Die Haslithaler wandern
auch stärker als alle Oberländer aus: selbst Mädchen
und Kinder liehe» häufig in Dienste in und ausser dem
Kanton.
Diese Lust zur Wanderschaft kann auch von dem
guten Humor und der lebhaften Denkunasart dieses
Volkes kommen, das zum Ausharren und dürftigen
Leben nickt gemacht ist. Der Feldbau kann fast gar
nicht getrieben werden, denn der grosse Acker ist kaum
über eine halbe Iauchart groß. Hanf und Flachs wird,
noch an den Vcrgcn gebaut. Kartoffeln machen den
Hauptartikel der Nahrung aus, dazu kommt die Schaaf«
und Schweinszucht. Schaafe können die Hasler jähr»
lich noch über 3 tausend Stück verkaufen, und etwa 3
hundert Schweine. Auch die Käse bringen ihnen so
viel ein, daß sie zur Handclschaft noch Mittel genug
haben, und Reichthümer sammle» können. Auch von
den Fremden, die unaufhörlich in diesen Gegenden wall-
fahrten / ziehen sie manche gute Prise; welches ab« lc»
Eitlen des Volks schon sehr geschadet hat; auch haben
sie gar zu starke Bedürfnisse an Wein, Zucker und Kaffee.
Die Armen des Landes werden zwar von reiäicn Armen«
gutem unterhalten, sie fallen aber dem Lande beschwer»
lick, denn es sind keine Arbeitsschulen und keine Ar«
bcitshiuscr da, wo sie etwas verdienen könnten; und
der Landbau bcschnftiaet ohnehin nur wenige Hinde.
Die Kastcllancy Frutigen fingt beym Lhuncrsce
«n, und liuft bis an die hohe Gemmi ins Walliscrthal.
Das Hanptgcwcrb der Einwohner ist die Viehzuckt und
Kästmackcn; auch die Schaafzucht gedeihet wohl. Hier
herum liegen die schönsten Gletscher, Das Ränder»
thal ist 3 Stunden lang und etwa drey Viertelstunden
breit. Das Pfarrdorf Adelboden ist das reichste und
fruchtbarste dieser Landschaft. Auck Frutigcn ist ein
offener schöner Ort mit einigen ansehnlichen Gebiuden;
überall herrscht ein glücklicher Wohlstand; aber der
Einwohner sind wenige. —

Die Landuogtcy Unter »Simmenthal oderKastcl«


lancy w i m m i s ist 7 Stunden lang, läuft durch ein
enges Thal von Thun hinweg bis an den Landbach ; das
Thal ist selten über eine Viertelstunde breit. — I n diesem
Amt liegen die Gewaltsberge Gt«ctl)<>,rtt und Niesen,
«nd der Weissenburger Gesundbrunnen. Die Gegend ist
wenig belebt, ab« noch reich genug an Vieh, vorzüg«
lich an Schaaftn und Geißen. D « Flachsbau wird
noch ziemlich stark getrieben, sonst aber ist der Ac?«
bau fast unbekannt in diesen Gegenden / selbst Obst und
Gartengewächse kauft man in Thun. Einige reiche
Kaufleute wohnen \n diesen Bergen, die mit Spczercyen
aller Art Handel»/ und in Zucker und Kaffee einen star»
len Absatz finden. Das obere und niedere Simmen«
tbal beträgt 13 Stunden in die Länge.
Die Landvogtey O b e r - S i m m e n t h a l / oder Kaste!»
laney Zweysimmen, ist ziemlich volkreich und gut ange«
baut; hat herrliche Viehweiden und reiche Waldungen»
Da diese Gegend worinn das schine Pfarrdorf Lenk
liegt, fast ganz mit den hohen Walliserbergen einge»
schloffen ist, so ist der Sommer und die Temperatur so
gemäßigt, daß man mehr eine anhaltende Frühlings»
luft als Hitze empfindet. — Die Sitten dieses Berg»
»olkes sind ziemlich gut: der Wohlstand gemißigt, der
Zulauf von fremden Reifenden Gottlob noch nicht so
gemein.
Die Landvogtey Qancn (Geflenay), hat 13 Thäler
und 8 Kirchspiele von etwa 9 tausend Menschen ; gränzt
an Wallis und hat also auch gleiches Klima, Hitze
und Frost in ungewöhnlichem Grade. Die Berge
sind fast die höchsten des Bernergebiets; die Thäler die
ingsten. Die Südwinde bcfreyen da« land von dem
ewigen Schnee, der sonst auch wohl durchs ganze Jahr
in diesen Thälern liegen bleiben würde, denn die Sonne
lann in viele Gegenden nicht zukommen, oder nur auf
* und 3 Stunden: das Land liegt heut« voll Schnee,
und Morgen «der in roentgen Fagcn sind die Berg«
wieder offen und die ganze Natur erscheint in frischem
Schmuck. Zum Glück wehen die Nordwinde nicht oft:
und der Ostwind ist noch seltener. S o ist das Klima
dieser Gegend, das also wegen seiner Unbeständigkeit
leinen rechten Landbau zuläßt. Nur die Hihen sind
fruchtbar/ die Ebenen und Thäler aber morastig/ oft
voller Sand und Steinen. J e näher man aber den Al»
pen kommt, je fruchtbarer und fester wird das Erdreich;
da ist die Viehzucht noch sehr gros!, und selbst der Land«
bau tonnte auf diesen Höhen getrieben werden/ aber die
Leute lieben das freye ungezwungene Hirtcnleben. Sie
sind fcdlank und groß von Wuchs/ und da sie nickt von
derAckerarbeit hart ermüdet werde«/ so sind sie auch
empfindlicher/ delikater. Die Gegenwart der großen
Natur hat ihr Gefühl veredelt, und wirklich liest und
denkt dieser Landmaun mehr/ als die Bauern im platten
x
Lande.
Das Amt Aclen, war in den ältern Zeiten ein Tbeil
des Pays« de Vaud, kam aber schon früher an Bern als
der übrige Theil; und besitzt darum feine eigene Ver<
fassnng und mehr deutsche Einrichtung. Das G«uver»
nement Aelen / (so wird es genannt) liegt auch unsern
hohen Alpen am nächsten, und schließt sich oben an da«
Saanenland an. Der ganze Landstrich ist auch mit
den steilsten Bergen durchsiochten / bringt aber viel«
Früchte und Weine hervor. Die herrlichsten Viehweide«
machen die Einwohner wohlhabend. Auch hat die ©«•
«end reiche Salzquelle«/ und berühmt ist der herrliche
posrnewem. Durch die ausserordentliche Hitze aber, die
hier im Sommer herrscht/ wird diese Geacud/ vorzüg«
lich an den Sumpfmatten / sehr ungesund. Marmor»
arten werden um Roche gebrochen, die man weit ver»
führt. Die Einwohner sind thätige Leute, haben meh«
von deutschem Charakter als vom welschen, auch giebt
es fleißige Bergbauern und Sennhirten : das benachbarte
Saanenland wirkt aufsie/ und familisirt sie mit dem
deutschen Bauernstand; es giebt auch ihrem Charakter
etwas Eigenthümliches von Solidität und Ordnung«»
lieber

Das obere Aergäu.


ES fängt 3 Stunden von Bern an, läuft? Stun»
den fort, und schließt eine blühende gesegnete Landschaft
in sich. Der Ackerbau ist darinn vorzüglich gut. Dahin
gehören 8 Aemter oder Landvogteyen, welche wir kürz»
lich durchgehen wollen.
Die Landvogtey «der Schultheisenamt vurgdorf,
liegt am Emmenthal an; hat also einen reichen Zufluß
von wohlhabenden Nachbaren; die Landstraße nach dem
Unter»Aergäu läuft durch einen Theil dieser landvog»
tey, worunter da« schone und reiche Dorf Rilchberg
«orzüglich jedem Fremden gefällt. Ueberhaupt ist dieser
Landesstrich mit Inbegriff des Emmenthal«, einer der
bevölkettesten des Kantons.
Die Landvogtey Landshut hat auch schine Acktl»
ftldcr; «nd gehört mit dem benachbarten Emmenthal
in die Reihe von unsern anten Nährländeriu Dabey
liegen auch die 2 Laiidvoateyen Wangen und Arwan«
gen. Sie sind ebenfalls wegen ihrer Bauernikonomie
berühmt; obgleich noch zu viel Land zum Wieswachs ge*
lassen wird/ und diese Gegend unser bestes Getraideland
seyn könnte. I n Herzogenbnchsee und Langenthal
giebt es nicht nur reiche Bauern weil Ne ihre Früchte
gut verkaufen können, sondern es haben sich auch Sibne
von solchen kaudlcutcn der Handclscnaft gcwiedmet/
und die Gegend mit fleißigen Leuten angefüllt / die un»
ter guter Aufsicht nicht bloß als Fabriklcr, sondern auch
als Landbaucrn dem Wcbcrhandwerk obliegen / auch sin»
det man viel Flachsbau; man halt eine gute Schaaf»
zucht, und treibt den Lcinwandhandel bis nach Italien
und Spanien. Die Langenthaler Elle ist die größere
unserer Gegend/ und das ist keine geringe Empfehlung;
auch sind zur Verhütung alles Betrugs recht gute Orts»
gcstye für die gewissenhafte Ausmessungen der Lein-
wand gemacht.
Die Landvogtcy B i p p ist fast ganz im Kantott
Solothurn eingeschlossen ; sie hat viele Berge, die nichts
tragen; auch der Umfang des Amts ist nicht groß / der
Nahlungsstand geringe. Das Städtchen wiedlisbach/
f, aufdcr großen Straße liegt, hat noch das Meiste zu be<
Heuten; und da herum ttift man auch schine Getraidc.
felde»
fclder a«; die mit der nahen schönen Landvogtey Wai»>
«en harmonisch sich vereinigen.
Die Landvo,itey Aeburg ist eine der kleinsten; fit
hat aber noch eine gute Nachdafschaft und blühenden
Feldbau; auch sind die Dörfer itflt Fabrikanten ieuöl»
sert. Das sogenannte Rübelizeug lassen die Bauer»
hier in Menge verarbeiten. Die Anhöhen sind meist
»litEichenwäldern beftyt; dahingegen man in dem obern
£heil des Kantons weit mehr Tannenwälder siehet.
Die Stadt und Gchaffnerey Zofingen liegt im An«
gesicht Arburgs. — Große und schöne Felder zeichnen
diesen Landstrich aus. Vorzüglich ist das Müllithnl be«
rühmt wegen seiner Fruchtbarkeit und dem guten fleißigen
Feldbau. Die Obstzucht und der Gartenbau haben um
Zofingen viele Freunde. Die Zofingcr verarbeite» Herr«
lichcs leinen Strichelzeug. — Auch der Sveditionshan,
del nach de» kleinen Kantonen , und der stets lebhafte
Durchpaß nach dem Liizernergebiet/ fckaft den Wirthen
vielen Vertrieb. Die Zofinger Lipftrwaaren sind ge»
sucht und von recht guter Art. Zofingen ist eine der
ältesten Städte; sie ist in vorigen Zeiten eine Hofstadt
gewesen / und hatte stets Grafen und Fürsten in ihren
Mauern. — Man siehet noch Ueberbleibsel solcher G«.
iaude.

II. Theil. A«
Das untere Aergäu.
Die Munizipalstädte im untern Aergäu zeichnen
sich durch Wohlstand und Reinlichkeit aus. Sie habe«
ei» schönes Bezirk; obgleich die Bevölkerung selbst ge»
ring ist/ so macht doch noch die Haudclschaft und der
Durchpaß diese Orte ziemlich lebhaft. Die in hiesi«
gen Gegenden verfertigte Hanfleinwand ist gesucht/
^besonders da die Acrgiuer Elle etwas größer als die zu
Bern ist. —
Arau hat ein artiges Geländ / hüpsche Hiuser/
gute Straße»/ fleißige Einwohner. Es mögen zwischen
3 und 4 hundert Bürger im Städtchen und in der Vor«
siadt wohnen. Einige Reiche zeichnen sich durch ein
ansehnliches Gewerb und Handelschaft aus. Die Stück«
gießerey/ die Messerschmidtarbeiten / die Baumwollen»
und Scidenfabriken sind berühmt. Vormals waren es
auch die Gerbereien / die aber nicht mehr den Absatz
«ach Italien und Spanien haben wie in vorigen Zeiten.
Es ist gewiß, daß ?lrau in den vorigen Jahrhunderten
mehr wohlhabende Bürger zählte als beut zu T a g :
der größere Theil der Einwohner klagt über Mangel
an Verdienst; obgleich wirklich noch in Messer » und
Stahlarbeitcn ,viel gethan wird /, so sollen doch vor i;o
Jahre» übcc soo Messerschmidte in Arau gewohnt
l'llben/ die alle ihr reichliches Brod hatten, jetzt sind
ÎAUM 50 in Thätigkeit/ und ihre Arbeittn bleiben meistens
in der Schweiz, da sie für das Ausland nicht so wobl«
seil arbeiten können, wie es jetzt die überall etablirten
Fabriken thun mögen.
Lenzburg ist ein kleiner offener Ort/ städtisch ge«
baut, und man siehet auch/ daß da eine gute Polizey
herrscht. * Die Handelschaft ist nicht sehr groß, doch
ist in dem nahen U?ildegF ein desto lebhafteres Gewerd.
Fitzdruckereyen / Modelstecher, Bleicher giebt es in vor«
züglicher Menge. Die landvogtey Lenzbürg hat 20
Pfarrdirfer und 6 Herrschaften, und sie alle könnten
nicht blühender seyn. —
Die Landvogtey Lenzburg ist das weitläufigste Amt
im deutschen Gebiet. Wiesen und Ackerfelder wechseln zum
Vergnügen mit einander ab. Der Bauer in dieser Ge«
«end liebt den Feldbau, daher er auch noch in andere
Theile des Kantons sein Korn verkaufen kann, denn er
arbeitet nicht bloß für seinen Hausgebrauch das Feld > <r
bedenkt auch seine Mitbürger mit seinen Früchten.
N r u g g hat gegen 2 hundert Hiuser, und ist nicht
stark bevölkert. Man kann auf jedes Haus 6 Menschen
rechnen. Doch ist der Ort berühmt durch mehrere gute
talentvolle Köpfe, die da gebohren worden und ihre erste
Studien daselbst gemacht, auch unter dem Einfluß der
Hauptstadt Bern ihre weitere Ausbildung erbalten
baden. — S o viele verdiente Prediger im Kanton stam»
men von Brugg.
Das Hofmeisteramt, ober die landvogtey Rönigs»
felden ist nicht groß, bat aber ziemlich Klofterejnlünfte.
«««
Sehr fruchtbar ist der dasige Boden nicht, meist kiesigt
und sandjgt und schwer fruchtbar zu machen. Diese
^niedern vorder« Orte liegen am Eintritt des Kantons
von der deutschen Seit«/ und, zeige» nicht sonderlich
den blühenden Wohlstand/ den man weiterhin im in«
nern des Landes bemerkt.
Die Landvogtcycn Biederstem «nd Schcnkenberg
grinze» an das Bafelgebiet an; mittelmäßiger Wein ist
der ganze Reichthum dieser, Gegend: kein Boden ist so
rauh, so steinigt,- so.,eisenschüßig wie dieser hier. —
Mangel ist überall; auch das Vieh ist dürr, hager, und
die Fütterung schlecht.
Die Landvogtcy Rastelen liegt fast mitten in der
tandvogtey Schenkenberg. Beyde aber können sich
leiner großen Kultur rühmen, weil auch das Erdreich
den Fleiß nur schlecht belohnt. Der Boden ist hart und
von Waldungen deschattet. Die Berghohen bringen
w e m , der noch gut genug ist, aber kaum weiter als
zum eigenen Gebrauch binlangt. Die Leute find recht
gut geartet. Sie sind mit Wenigem zufrieden und be<
gehren keine Reichthümer, die aber auch schwer in dieser
Gegend zu erhalten wären.

Geographisch - politische Eintheilung des


ganzen Kantonsi.
Stadtgericht. Ammann für: i) Völligen, ,) Stett«
len, 3) M u r i , 4) Vechingen.
Landgericht. Freyweibel für: i) «Festigen, 2) Conol«
fingen, 3)Zollilofen, 4) Sternenbcrg. Schaffner
für: ;) Stiftamt zu V«n. Vögte zu: 6) Köniy,
7) Laupen, 8) Buchsee, 9) Frienisderg, ,0) Frau«
brunnen, 11) Signa«; 12) Arberg! (wegen ver»
schieden«Gerichte), 13) Büren (Schultheiß; wegen
Wcngi), 14) Lhorberg : (wegen der einten Gerichte)
1«) Tbun (Schultheiß; wegen der einten Gerichte)
16) Wimmis (Castlan; wegen Reutigen).
Oberland, ltbun, (wegen der andern Gerichte). i)Ober»
Höfen, -) Unters««, 3) Interlaken, 4)Oberhaßle,
;)Frutigen, 6) Zweysimmen, Wimmis, 7) Saunen.
Emmenthal- 1) Lrachselwald, 2) Brandis / 3) ©«mj«*
«ald.
Ober • Aergäu. 1) Burgdorf, 2) Landshut ^ — 3b»r>
berg, 3) Bipp, 4) Wangen, 5) Arwanqen, 6) Ar>
bürg, 7) «) Zofingen (Stadt und Schaffner).
Unter-Aergäu. 1) Lenzburg, 2)Ki>'igsfclden, z)Wil»
denftein, 4) Castelen, 5) Biberstein — Städte,
6) Arau, 7) Lenzburg, 8) Brugg.
Seeland. 1) Arberg, 2) Erlach, 3) St. Iohanfen,
4) Nida», 5) Büren, 6) Gottstatt. .,,.
U?clschla«d. l)Wiffisburg, 2) 3) Petterlingen (Stad»
und Gubernator), 4) Milden, 5) Oron, si) ViviS,
7) Lausanne, 8)Morsee, 9) Aubonne, 10) Ncus, n )
Bonmont, i2)R,mainmotier, l3)Ifcrten, i4)Aelcn.
Zweyherrschaftlich mit Freyburg. 1) Tscherliz,
.. «) Murten, 3) Schwarzcnburg, 4) Grandson.
81« 3
Allgemeines Gemälde vom Kanton;
zur leichternUebersicht.

Ein allgemeines Bild ungekünstelt aber wahr, gebe


ich hier. Wer aus unserm Lande ist, wird darin« sich
zu Hanse erkennen.

Rlima und Vftdett.


Das Klima im ganzen Kanton ist sehr gesund / und
nur von einzelnen Sumpf »Gegenden muß man eine
Ausnahme machen; die kraftvolle Natur, die selbst oft
den harten Anfällen einer ausschweifenden Lebensart
widerstehet, und das hohe Alter, welches fast durchge»
hends unsre Bauern erlangen ; beweisen auch sckon viel
für diese gesunde Landesgegend. Nur selten herrsche»
epidemische Krankheiten.
Fast alle unsre Wasser ergießen sich in die Aare: die»
ser Fluß macht wunderliche Krümmungen bis er alle
unsere Verge durchloffen und sich zuletzt in Rhein ver»
liert, — Alle Gletscherwasscr kommen an den Mauern
der Stadt Bern vorbey! zuerst fallen sie in den Brie«»
zer » und Tbunersec ! von diesen in die Aare. Wir haben
6 Qetn, die mit allen Arten von schmackhaften Fischen
reichlich bevölkert sind.
Fast jedes Vauernhaus h a t seinen Vrunne«.
Dieser Reichthum an Wasser ist einer der grösten Vor«
theilt unserer Landwirthschaft und Viehzucht. Dit
Natur kommt hier dem landmann zu Hülfe/ das Wasser
macht feine Dunghausen kräftiger/ und die Gesundheit
von Menschen und Vieh wird durch die nahen lebendi»
gen Wasserbrunnen gestärkt und erfrischet.
Auch Gesundbrunnen und Bäder haben wir all«
Orten. Die berühmtesten sind: Das Schinznachter»
b a d ; der weifstnburger Gesundheitsbrunnen; das
vlumensteinbad; das Gundischwilerbad; der Gur«
nigel; das Schwarzbrünnli; das Langnauerbad:
das Vad zu 3?verdon> das Schwefelbad in Fruti»
gen; das Bad zum Neuhaus bey Bern selbst ; das
Sommerhausbad bey Burgdorf; der Schwefel»
brunnen bey viois u. s. w. Alle diese Wasser sind
zum Baden und gröstentbeils auch zugleich trinkbar.
Unter allen Schweizerkantonen bat Bern die besten
Wiesen, die herrlichsten Grasarten: die schönsten Ebe°
nen ; die fruchtbarsten Ackerfelder. Am unfruchtbarsten ist
die linke. Seite des Kantons am Iuraberg hinab; selbst
das eigentliche Hochgebürge und die Gegenden um
die Schneeberge sind reicher und in größerem Wohl»
stand. Auch alle gute Gewässer entspringen auf der rech»
ten Snt«/ in uilsern hohen Alpen; der dürre trockene
J u r a hat keinen einzigen beträchtlicken Fluß / der von
ihm ausläuft. Stehende Seen, Waldungen, steinigtcs
Nebgelände und etwas Weide — das ist sein «anj«
Reichthum. —
A«4
Doch mus das Iurteilgebürge, so aus dem Va««
«enland almilig gegen Neuenburg fiel, hinüberziehet,
nicht mit dem I u r a verwechselt werden! wie es häufig
geschiehet.
W ä l d e r haben wir vortreffliche. I m obern Aergäu
sind recht schöne Eichenwälder: in den Forsten von Nidau
desgleichen! Buchen / weisse und rothe Tannen trift man
überall a n ; weniger aber Espen, Lerche«/ Erlen, Linden,
Ulmen, Ahorn :c. : diese findet man nur einzeln. An«
häufigsten sind die Sannen »Nuß » Maulbcer » und Kasta»
nicnbäume. (Zum Einzäunen der Gärten und Felder,
der Wiesen und Weiden, wird zu viel H o l ; verschwendet.
Die ganze Bauart der Bauern gehet auf recht vielen
Gebrauch des Holzes. Der hohe Preiß ist also auch aus
dieser Ursache empfindlich für die Stadtleute.)
Die bey uns einheimischen Tyiere sind wie in
Deutschland neben allen bekannten zahmen Hausthiere»
auch die Gemse! das noch und kleine Gewild. Die
Hirsche, die Rehen, die Hasen ; das wilde Geflügel:
die Forellen: vorzüglich findet man im Vrienzersee
einen sehr guten Fisch von ganz eigener Art und von
sehr zartem Geschmack, die man Arienzlinge nennt,
Sic sind eine Art von Heringe ; man fängt oft in einem
Netzzug i i bis ,; tausend. Man räuchert sie und bringt
sie z» Markte. Forellen giebt «6 im Oberland, gegen
Interlacken zu, von ;. 6 bis so Pfunden schwer. — Doch
find die kleinern Sorten zärter und schmackhafter. Uebri«
gens gicbt es auch Hechte, Narsche, Aalen, Rarpfen.
Ralk, Marmor/ Sandsteine / Gyps giebt es
fast in allen Gegenden unsers Kantons. Schiefer, Ton»
erde, Rristalle findet man auch reichlich. Torfund
Steinkohlen sammelt man mehr, als die Unterneh»
mer zu gebrauchen wissen. Rupfer und Bleyerze fin«
>en sich hingegen selten i überhaupt find die Metalle
bey uns nicht einheimisch. Steine, U?asser und Wal»
der das find die Schweizer »Produkte im Großem
Unser Emmenthal ist immer noch die Krone an
Fruchtbarkeit in unserm Kanton. I h m kommt am nach»
ften das obere und untere Aergnu, auch die Gegend um
Bern; — hingegen ist das linke Ufer der Aare weit un»
fruchtbarer, ein dürrer, steinigt«, überhaupt harter
u»d zäher Boden zeichnet ihn aus.
Auch waren einige Gegenden der Waadt unter die
fruchtbarsten Ackerfelder zu zahlen, wenn der Anbau
wissenschaftlich und ernstlich betrieben, und die Zehen«
den »Frucht nickt von den gar zu bequemen Bauer»
lieber gegen eine weniger abträgliche aber freye pflan-
zung vertauscht würde.
Unsere reizendsten Landschaften liegen im Welsch»
land; am Bieters« — in den Höhen von Hasli — aber
alle diese sind eben nicht die reichsten und ergiebigsten.
Unter allen doch übertrift keine an majestätisch« heile»
« r Schönheit die Höhen von Lausanne, die Hix«
sicht nach Savoycn und über den Genfersee. —

SU?
Menschenschlag.
Ueberhaupt hat der Kanton Bern einen kräftigen
«Schlag von Menschen. Robust/ beleibt/ gesund/ und
wenn keine falsche Erziehung und keine fatale Familien»
wandtschaft den Humor verstimmte, so würde auch der
Charakter noch ziemlich aufgeräumt, munter und gesel»
lig seyn. .
Fast durchaus ist das Volk an Bildung schön ; be»
sonders der mittlere Theil, zwischen dem Pays» deVaud
und dem untern Aeraiu. Die Gesichtszüge der Oberlin»
der »der Bewohner des südlichen Theils des Kamons,
sind viel edler / feiner und charakteristischer als die der
Aergiuer und des lange» Strich« am Lebcrberg hinab.—
Die Oberländer stellen ihre Füße wie wohlexercirte Sol«
baten; ihr Blick ist offen und frey; sie sind schlank/
laufen mit Nettigkeit und Anstand, ja sie fühlen sich in
jeder Mußkel, in jeder Bewegung ist Seele.
Auch das weibliche Geschlecht, wenn e« sich nicht
durch Kaffeetrinken und frühe Wollust verderbt/ ist
so lebhaft und reizend/ daß es die Bewunderung aller
Fremden ist.
Das Kiltgehen und die frühe Buhlschaften im plat-
ten lande verderben manche edle blühende Schönheit:
machen sie zum Opfer der Wollust in den Städten: sie
werden gegen das eheliche Leben gleichgültiger/ also zu«
gesunden Kinderzeugung unbrauchbar. Die Bevölke»
rung leidet bey der weiblichen Galanterie.
Auch die Eifersucht der Bürger und Bauer« auf
ihre Vorrechte, machen es unmöglich, daß eine starte
Bevölkerung in unserm Kanton entstehen kann. Jedoch
«n der Menge der Menschen wire so gar viel nicht ge»
legen, wenn nur die Menschenart von vorzüglicher Güte
und Werth bliebe, denn eine starke Bevölkerung von
Gesindel kann keinem Lande nützlich seyn, und es ist
recht gut, daß man mit der Ertheilung des Heimat»
rechts vorsichtig umgehet: aber egoistisch und lieblos
muß es die Leute nicht machen, sonst verliert sich wieder
aller Nutzen. Denn mit Freuden sollte man brafe Leute
gegen die Ausgewanderte und zu Grundgegangenen frey»
willig aufnehmen, sie gleichsam mit Vorrechten an sich
fesseln, damit da« Land blühend bleibe, und Industrie
und Wetteifer stets zunehme und wachse. Diese goldene
M«nme kluger Regenten scheint man an vielen Orte«
nicht kennen zu wollen. — Denn wo ist der beste Obst»
garten, wo man nicht zu Zeiten neue Arten nachpflanzt,
wenn alte Stimme ausgehen; ja wie pflegt man fie
so sorgfältig diese fremden Arten, daß sie sich desto besser
«n den neuen Boden gewöhnen und fremdes Klima er»
tragen mögen:
Der Verstand der Berner zu Gtabt und land ist ge»
«adsinnig, nicht schwärmerisch, nicht enthusiatisch, nicht
leicht von der Frivolität einzunehmen. Was der jungen
Blüthe geschadet h a t , sind in den S t i d t t n die Lese»
lädenlcktüren, der Iournalgeist, der alles zu umfassen
glaubt und nichts unifasset. Daher sind unsere ältern
Köpfe weit brauchbarer zu dem thätigen Leben , sie
haben ein natürliches Talent sich stark und uct auszu»
drücken: sie besitzen eine gesunde bestimmte Urtheils^
kraft; Gewandtheit und Entschlossenheit zur Betreibung
«nstbafter Angelcaenhciten! an richtigem Beobachtungs»
geist fehlt es ihnen gar nicht. Man ist unter Leuten von
Charakter und Würde/ wenn ma» es mit einem rechten
Berner von gutem Schlag und ächter alter Kraft zu»
thun hat. — Auch haben wir Landleute/ die zu den tief»
sinnigsten Wissenschaften/ der Mechanik/ Mathematik
und Physik angebohrne entschiedene Talente zeigen,
und zu kunstreichen mühsamen Entdeckungen und Erfin«
düngen eine ausgezeichnete Ruhe und Gewandtheit des
Geistes mitbringe«.
Die Einbildungskraft des Bauern ist nicht sehr
lebhaft, aber seine Denkkräfte stark und derb. Bedacht»
samkcit/ Sorgfalt, Ueberlegung bemerkt man überall»
Seine Arbeiten sind daher solid / und weniger in die
Augen fallend als nützlich und dauerhaft. Er liebt die
Verstellung nicht, aber auch dicOffenherzigkeit ist nicht
in feinem Wesen. Eigensinnig beharret er auf seiner
uorgcfaßten Meynung! billige Nachgiebigkeit siehet man
selten, er hält sie für Schwäche; daher die unselige
Prozeßsuckt, die tägliche» Brennstoff findet / wodurch
Familien zertrümmert und mit Feindseligkeiten ganze
Dirfer angesteckt werden. Diesen harten Karakter zu er»
weichen und milder zu machen, das sollte die Haupt^
sorge der Landgeistlichen und der Schulanstaltcn seyn.
Herr Mensel beschuldiget die ' Schweizer Berg«
dauern der Rachsucht/ der Trägheit/ der Melan»
tolie. (Man sehe Meusels Lehrbuch der Statistik/ Seite
31;). Eher könnte man sie im platten Lande dessen
beschuldigen, wenn man ihr tvirthshaussiyen, ihre
proceßsucht, ihre wiesenkultur statt der Ackerkultur
für etwas charakteristisches wollte gelten lassen. Viel
friedlicher und heiterer auch gutmüthiger scheinen mir
die Bergbauern zu seyn. Nachsucht ist eine besonders
harte Beschuldigung für eine Nation^ die der christli»
che« Religion in ihrem Glaubensbekenntnis huldiget, daß
ich meyne Herr Hofrath Meusel werde billiger handeln,
wenn er diese Stelle einschränkt und mitAuszeichnung der
<l)rte wo dieses Laster vorzüglich herrschen soll, genauer
angiebt; eine ganze Nation fühlt sich dabey beleidiget.
Melantolie ist selten bey Rachsucht; ein melankolischer
Mensch ist mehr furchtsam, als rasch und thätig. Huck«
mäusler und Mückenfänger giebt es unter allen Natio»
neu, warum nicht auch in unsern Bergen? Aber
daß es hier eine charakteristische Eigenthümlichkeit seyn
soll — dieß glaube ich sey viel zu gewagt und kühn ab»
gesprochen.
Wahr ist tt, daß der Bauer im ebenen Lande kalt
ist, oft niedergeschlagen und finster. Mißvergnügen
sitzt ihm auf der Stirne. Er liebt zwar die Ordnung,
ist aber langsam, zeigt zu viel Ernst und Bedenklichkeit!
« r ist als» selten ein guter Geschäftsmann. Vielfältig
kommt Geiz dazu, der aus z» großer Sparsamkeit im
Hauswesen entstehet. — Andere aber haben gerade das
Gegentheil von diesem Charakter: sie sind nicht geizig/
aber auch nickt ordentlich z und sie lassen es mit dem
gemeinen Sprüchwort zu reden —gehen so lang es ge»
hen mag.
Reiche Vaucrn haben wir ziemlich, aber dann
sind sie herrschsüchtig und eigennützig. , Mittelmäßiger
Wohlstand ist den Leuten besser. — Reichthümer machen
immer stolz/ ja oft widerspenstig und trotzig, der ärmere
Nachbar wird unterdrückt/ ausgekauft und darbet; der
Reiche wird fein Vorgesetzter und so konimt die Vater«
landsliebe in Verfall; viele starkmüthige edle Männer
wandern lieber aus/ als daß sie Unterthänigkeit gegen
ihres gleichen ertragen wollten. -
Eigennutz und Geiz sind zwey jetzt allgemein ge«
wordene Bauernübel. Sie plagen sich selbst und andere
damit. Zum Beweis dessen führen wir nur an, wie
so viele Gemeinden gegen die Obrigkeitlichen Verord»
nungen widerspenstig sind, wodurch man sie zur Scho«
nung der Wälder auffordert. Sie halten diese lande«»
väterliche gute Sorgfalt für eine Schmälcrun« ihrer
Rechte: und denken nicht an ihre Kinder und Nachkom»
men. Also fahren viele fort/ keinen frischen Nachwachs
zu schonen. Wo wären aber die schonen Waldungen
wenn ihre Großväter auch so gedacht hätten? Gewiß
wäre der große Reichthum von schönen alten Eichen
die man «befall an den Straßen anttift, nicht 6«, wenn
sie bloß bey der Pflanjung an sich selbst gedacht Hütten.
Sie thaten aber vieles f ü r die Nachwelt. Eine
solche Denkungsart machte sie auch sonst edel und braf.
Jetzt aber macht die entgegengesetzte egoistische Selbst»
liebe ein fatales Lebe» sowohl zu Hause als im Umgang.
Man ist unzuverlißig, treulos seinen Worten, in der
ehelichen und kindlichen liebe kalt und frostig. O Eigen»
nutz — du bist die Quelle alles Uebels/ die Mörderinn
aller schonen Empfindungen l
Der Landmann im französischen Bernergebiet ist
durchgehend« viel umgänglicher, frölicker und von bieg«
samerm, lebhafterm Charakter. Seine Manieren sind
höflich und dienstgefillig. Durch diese schätzbare Eigen»
schaften bat er auch ganz die Liebe seiner Obrigkeit er»
halten: und beyden letzten Aufrubren im Vax««de
v a u d , war der Bauer stets mit Herz und Mund für
die Berner Regierung gestimmt. Wenn nicht das
Land viele besondere Herrschaften hätte, die noch nach
den alten Verkommnissen regierten, so wäre die
Industrie und der Wohlstand unter diesen Leuten auch
allgemeiner. Aber die Regierung «on Bern kann hie»
nicht so wohlthätig wirken wie in vielen Lheilen des
deutschen Gebiets, weil ihr bester Willen durch Muni»
zipalitäten, Feodalsatzungen und Coutumes — beschränkt
ist.-
Unsere National-Industrie.
Der Nahrungsstand in der Hauptstadt sollte blü<
hend seyn / weil die Gegenwart von s» vielen reichen
Familien und der Regierung des Landes, den Absatz
nichtig und lucratif machen. B e r n , die Hauptstadt
eines in Wohlstand stdjniden ansehnlichen KantonS,
wo jährlich von den Aemtern so viele Personen zurück«
kommen und nun mit ihren Familien in der Stadt leben;
wo auch so viele Gerichtsstcllen, Aemter und Bedienungen
lind! so reich« Gntcrbefiyer leben, die mit ihren Angehi«
«gen so viele Bedürfnisse haben; eine solche Stadt kann
Handwerker / Künstler und Geschäftsleute wohl nähren.
Die lebhafte Circulation des Gelde« im Kanlon
baben wir auch unsrer Freyheit zu danken, da wir
in einer Gegend wohnen / die von keinen stehenden 3rup»
pen/ von keinen Kriegsplagen seit vielen Jahrhunderten
«usgesogen worden : daß auch noch ersparter Reichthum
von häuslichen Altvordern übrig ist; daß ihre Kapitale
noch steigende Interesse trage«/ und man mit baarem
Gelde im Ausland besser kaufen kann, als mit Lausch«
Waaren. — Auch darum ist die Circulation des Geldes in
unserm Kanton noch ziemlich beträchtlich/ weil unser
viehhandel wohl mehr bedeutet, als man ihn gemei»
niglick anschlägt. — Die Reisen der Fremden, ihre Nie»
Verlagen die sie im Lande machen, wegen der Sicher«
heit und der bequemen Lag«, und da wir an die grösten
Otaaten,
Maaten, an Frankreich/ Italien, Deutschland angrin»
zen, daS alles hilft zur Vermehrung des Geldumlaufs/
und der National»Industrie.
Auch haben die reichen Kapitalisten viel bauen las»
sen; andere haben ihr« Fonds in die Handlung gegeben,
und den Geldumlauf dadurch sehr merklich befördert —
sich aber selbst wenig dabey genützt, weil viele groß«
Verluste sie erwarteten, die bey solchen Speculationen
selten ausbleiben. Jetzt bleibt das Geld mehr im Lande
weil man nicht mehr aus Frankreich , England und
Holland so starke und sichere Interessen erhalten kann.
Reicher wären viele Familien, wenn sie niemals in die
auswärtigen Fond« gesetzt hätten. , • •. -,
Man hat sich gewundert, daß man, behauptet hat/
die Einfuhr ausländischer U?aaren sey nach d «
Schweiz ungemein groß, und viel größer als die Aus»
fuhr«: —und man erstaunte, daß doch der Geldmangel
dabey im lande nicht sichtbarer werde; denn obgleich
viele Familien und Städte verlieren, —so ist doch in
andern, die sich mit dem Handel en gras abgeben, desto
mehr ungewohnter vormals nicht gesehener, Reichthum»
Und man brachte bey der Berechnung der Einfuhr
nicht in Anschlag, daß ein großer Theil dieser einge«
führten Artikel nicht für Schweizer — sondern für die
hier im Lande sich aushaltenden Fremden angeschaft
werden müssen, die mit ihren Reichthümern einen un»
gemeinen Aufwand in unsern Städten machen, zum
itbeil auch «n de« herrschenden Lheurun» schuld sind/
«»Theil. B»
«Weich sie auch einen, großen Theil der Einwohner
Nahrung und Beschäftigung geben. Gewiß leben in der
Schweiz über 2 mal hunderttausend Fremde/ theils
reiche Familien: Engländer/ Dänen/ Russen/Fran»
zostn, Deutsche, Holländer. Sollte man diese nicht
in der Handelsbilanz spüren? Sollte man nicht die vic<
len Reisenden spüren / die alle Jahre Gchaarenweise
laher geflogen kommen? — Wie viel haben nicht unsre
Geldwechsler mit allen diesen Fremden zu thun ? Welche
ungeheure Summen laufen nicht in einem Jahr durch
ihre Hände; und diese Summen ziehen sie aus den
vorgedachten Ländern ; ein ansehnlicher Theil dieser
Gelder bleibt bey uns/ und ein anderer ansehnlicher
Lbeil wird wieder durch den Kaufmann für Waaren »er«
wandt, die eben diese Fremde brauchen. Man mache nur
die $rWe und sehe, wohin die meisten Güterfuhren
gehen, wohin auch am mristcn Vieh getrieben wird;
ts O n M ' b e m p a y s » de v a u d und Genf; dahin
bebatf is^iel/'1>cnn der Zusammenfluß der Fremden ist
dort auffallend groß zu aNcN Seiten. — Eben daher sind
«irch Wohmlngcn, Häuser, Mcubels so theuer, obgleich
ble Nn'tionalpöpulation nicht wächst; und alles siehet
in» Verhältniß wie sich die Anzahl solcher Fremden bey
uns vermehrt. Und man siehet auch, daß an den Or»
reir we wenig oder fast gar keine Reisende und Fremde
hinkommen, alles viel wohlfeiler ist; aber auch alles
viel nahrungslofer und geldärmer.'
Man setze auf den Kamen Bern nur jährlich 6 tan«
send Aeismde M Fremde/ wovon jeder nur 10 Louis«
>'or in unserm Lande verbraucht, so kommt schon di<
Summe von 6° tausend Louisd'ors heraus! urld roi«
- haben noch ziemlich von dergleichen Personen, die Jahr
aus Jahr ein bey uns bleiben und richtig jahrlich ihre
300 Louisd'ors gebral7chen. Daher aber auch erwächst
die enorme Thcurung in allen Bingen. —
Kein Statistiker hat noch in seiner Talkulation über
den Kanton dieses in Anschlag gebracht. Kein Reis>
beschreib« spricht davon; kein Géographe thut deffc»
Meldung. — Man bemerke wie sie so oft die Haupt«
sache übersehen, od« zur unbedeutenden Nebensache
machen, und lieb« im hohen £raum von Ideal »Sveku»
lationen schwärmen, als sich an den einfachen simple«
Augenschein halten; wodurch sie so oftsichan der Wahr»
heit schwer versündigen.
Bey allen diesem Reichthum — ist doch der Gew«bs«
stand nirgends in der Blüthe/ nirgends ergiebig/ Nir»
gends sehr ansehnlich. Die Handelschaft verschlingt «Ue
Industrie.
ES werden so viele Eisenwaare« von Eisenhänd^
lern in unserm Kanton aus dem Ausland gezogen/ die
doch wohl von unsern Mitbürgern bearbeitet werden
könnten? Haben wir doch so geschickte Rupferschmide/
Messer ' und Nüchsenschmide inÄrau, warum sollen
diese ehrlichen Lcute'nicht in ihrem Beruf unterstützt, und
ihre Arbeiten allen ftzmten Arbeiten vorgezogen «erden ?
J a , wenn mehr Patriotißmu« wäre, s, würden auch die
Vh 3
Kaufleute vorzüglich darauf denken / wie sie arbeitsame
bürgerliche Familien in Städten mit Arbeiten unter»
stützten, und fremde Krämer und Arbeiter möglichst z»
entfernen suchten: so hätten die vielen Unterhändler und
Untcrhändlcrinnen weniger zu thun, und die Thätigkeit
im Handwerksstand würde wachsen. Aber NB. NB. der
Handwerksmann muß aber auch ganz bey seiner Werk»
statt bleiben; selbst mit Hand anlegen, und nicht, bloß
fremden Gesellen seine Werkstatt überlassen; dann
«erden die Meister auch wohlfeilere Arbeiten liefern
tonnen; und ein fleißiger und billiger Arbeiter erhält
allemal Zutrauen und Arbeit. I n Absicht der Kunst«
gewerkt ist unser Kanton noch gar nicht überflüßig be»
setzt, also können hier noch immer viele gute Wünsche
geschehen. J a es ist oft wirklicher Mangel an Arbeitern,
daß man zu den Fremden seine Zuflucht nehmen, und aus»
ser dem Kanton arbeiten lassen muß. I n Genf, Neuen»
bürg, Vasel, Zürich wird vieles für Bern gearbeitet.
Mit Recht sagen alle Statistiker: — « y e r n ist in
Unschung seiner Lage, seines Gebiets, und feines eigcnt»
lichen Staate «Interesse vorncmlich als ein Ackerb«,»»
tzreibender Staat anzusehen; der in der höchst migli»
che« Kultur seines Bodens, und also in der Vervoll»
kommung der Landwirthschaft, seinen einzigen Reich»
t h u m , seine einzige Vevölkerung, seine festeste
Sicherheit und Unabhängigkeit suchen muß.,, Han»
del und Manufakturen sind uyF bey weitem nickt so
nothwendig; Ne helfen zwar, daß viel Geld circulirt
und fremde Waaren eingetauscht werden/ aber fie machen
das Land nicht reicher. Der Voden, der durch fieißige
Hände fruchtbar gemacht wird / dieser allein kann bey
der Schätzung de« Reichthums einer Nation in Anschlag
komme»! Alles andere ist zussllig/ den Umständen und
den Abänderungen unterworfen; die Bevölkerung von
Fabrikarbeitern und Manufakturisten hilft zur Stärke
und Sicherheit eines Landes nichts: denn sie wandern
ein und aus wie die Zeiten kommen. Nur Ackerbau
und e.in brafer Gewerbsstand/ der alles Fremde ent-
behrlich macht/ ist uns nothwendig,: besonders als Re<
publikaner / die auch daran denken müssen, wie sie ihre
Sitten rein und brauchbar für das Leben erhalten wol»
le«/ daß nicht Luxus und Geldgeiz und Ambition die
Nerfen des Staats schwächen und zittern machen.
Die LandlVirthschaft wird nicht überall im Kan«
ton gleich eifrig und wissenschaftlich getrieben: wer
unser Land durchreist/ bemerkt e« bald, daß in vielen
Distrikten man mit der wahren nutzbaren Pflanzung der
Futterkriuter wenig in Uebung ist; — woran «icht
Mangel an Kenntniß und Einsicht/ sondern Eigensinn
und alter Schlendrian, bey einer natürlichen phlegma«
tischen Trägheit die gemeinsten Ursachen sind. Auch
liest überhaupt der Bauer keine Bücher über de»3eldbau;
« glaubt das alles schon besser zu wissen. Unter tausend
und zehntausenden denken nur einige wenige wie der
Bauer Alcinjogg: « ist doch noch eine» Versuches
werth.
Bb3
Vie Obrigkeit sucht zwar die Vertheilung derGemein«
«tiden immer allgemeiner zu machen; sie kann aber
pickt überall frey genug wirken, «eil sie nicht Zwang»
mittel sondern die ruhige Sprache der Ucberredung ge»
brauchen will. Daher findet man noch ^vicle schone
große Landstrcckcn, lie angebaut weiden tonnten und
sollten—zu Gtoppelwciden und Braachftldern bestimmt:
Auch wollen die Landleutc ihr Zelgcnrccht behaupten;
wodurch sie ihren Nachbar zwingen kinnen, seinen Acker
oder Wiese das 3te Jahr braach liegen zu lassen für die
Gemeinweide. — Das legt dem Feldbau beschwerliche«
Fesseln an, als aller Fürsten »Despotißmus; auch bemmt
«in solches Iwangrecht die Viehzucht/ weil man weniger
Futterkräiiter zur Stallfüttcrung cinthun kann.
Die Wässerung der w i e s t « ist vorzüglich um
zofinge», Lenzburg/ Arau fast allgemein. — Ihre
Schleusenwelke und Einrichtung der Laufgraben verdient
Bewunderung K und zeigt Fleiß und Erfindungskraft.
Die Berner Bauern haben hierin» etwas vor allen ihren
Nachbgrn zum voraus/ denn selbst die Zürcher, die sich
d»ch rühmen es in der Wässerung zur Vollkommenheit
gebracht zu haben / kommen ihnen lange nicht bey.
Oft wird ein so wohl gewässertes Feld von 36 tau«
send Quadratschuhe» , die ein Iauchart betragen/ für
1; hundert Kronen verkauft:, ja diese Wiesen gelten da«
doppelte mehr al« Ackerfeld. Kein Wund«/ wenn
der Kornbau sinkt; ein solche« Feld braucht nur wenige
HHiide un) fast keine Kosten zur Unterhaltung; die
Erndte geschiehet ohne Gefahr: der Hagel kann nicht
ganze Erndten zerschlagen. Diese Vortheile kennen die
Linderbesitzer zu gut/ als daß man sie bereden kinntt/
freywillig dauon abzugehen. Auch nehmen die vielen
Bleichen die grösten und schönsten Felder weg. — Und
wo giebt es weiiliufigere Bleichen als in unserm natül>
lichen Ackerland um Langenthal/ und im Aergau.
Auch der Weinbau erstreckt sich sehr zum allgemeine»
Landesschaden durch alle Gegenden unsers Kantons. Am
Tbunersee und im Aergau wo doch der Wein nicht son»
derlich gut ist/ wird er lieber gepflanzt/ als die noth«
wendigern Lebensbedürfnisse/ die das Brod wohlfeiler
machen konnten. — Zudem kann der w e i n ausser Lan«
des nicht vortheilhaft abgesetzt werde»/ weil wir mit
Weinlandern umgeben sind : Burgund, Elsaß/ Marg-
grafthum. Man sucht also den Wein im Kanton selbst
starker abzusetzen / vermehrt noch die Wirthshäuser und
Vintenschenkcn, und eben die Wohlfeilheit und Gelegen«
heit verdirbt so manchen Hausvater'/ und macht ihn
zum Tagdieb/ Schuldenmacher / Drihler und schlechten
Mann:
Dieser Weinbau wird selbst mit großem Nachtheil
in Gegenden getrieben / wo der Fruchtbau viel besser
uud ergiebiger wäre; man verliert damit den Dang —
und viele Laglohnerarbeit. Würde der Erdboden besser
ausgewählt, so könnte man alleGetraidcarten und Feld»
fruchte im Kanton hinlänglich erziehen; wenn man die
Stellen besser aussuchte und auch nach der Natur des
Bb 4

!
Bodens gehörig bearbeitete, <o würde sich der Weinbau
nicht so stark vermehrt haben, daß man manche schone
ebene Landschaften abgetragen, dem Kornbau entzogen
und mit Reben besetzt hätte. Darüber sollte man un»
scre junge Bauern in der Schxlc unterrichten. Auch
würde Hagel und Mißwachs nicht gleich einen so große»
Manael im land verursachen,, wenn noch andere Ge«
genden wären, wo die Früchte gedeihen tonnten! eben
auck darum sind die Fehljahre für une desto empfindlicher,
weil so viele einzelne Orte und Gegenden keine andere
Früctile ziehen wollen als die, so sie von hundert Jahre«
her gewohnt sind zu pflanzen.
Das P*yo - de v a u d ist darum auch am schied)«
testen bestellt, und bedarf vom deutsche» Kanton stet«
großer Unterstützung an Vieh, Korn und Obstarten»
Wogegen es uns seinen Wein giebt, der aber gewiß nickt
binlänglich entschädigen Wie arm der dortige landbau
sey, kann man auch daraus abnehmen, daß nur allein
«on der Seite von Burgund vor der französischen Revo«
lution gegen das Pays • de Vaud jährlich über 7 bun»
dert taufend Franken Geld aus dem Lande gieng, bloß
für Schweine und Korn. Iitzt müssen die Zufuhren
desto stärker vom deutschen Kanton her geschehen. Man
lenke was die Fracht koste:
Ausser dem ansehnlichen Viehhandel und Räohan»
del bringt auch der Handel mit Rirschengeist jährlich
wohl gegen 2 hundert tausend Franken ins Oberland: da-
mit es Hess« ausgiebt, und die Menge vermehret werde,
vermischt man ti öfters mit Branntewein aus Pflaume»/
wie auch mit andern Gewächsen • SpiriNls. —
Milchzucker kommt auch noch in auswirtiqen Ha«»
del, denn nirgends wird er so gut und in so schon«
Menge verfertiget/ als im Bcrngcbiet. Ein Apotheker
in Bern ist vorzüglich stark damit beschäftiget. Unsre
Alpenbauern wollen aber auch nicht mehr recht an diese
Fabrikation, weil sie ihnen zu viel Mühe macht/ und
der Preiß ihnen zu niedrig ist. — Man bereitet ihn zu
der Zeit, da die Milch nicht zum Kis benutzt wird/
auf frischer Milch durch Abseigen / Einkochen und An<
schiessen im Kühlen. Er dient zum Arzneygcbrauch.
I m Emmenthal und Hasliland haben sie eine gute Ma»
nier ihn auch von rückständigem süssen Schotten «de»
Molken zu verfertigen. Das Pfund gilt 3 und 4 Btz.
I n de» Alpengegenden ist die Alp » oder Senn«
wirthschaft überall eingeführt. Viehzucht ist da mehr
werth als Landbau. Der gröste Theil dieser Alpm ist
Gemeindgut, oder-Allmende. Die reichern Bauern
und Viehhändler ziehen den grossen Nutzen davon; da«
hingegen viele Arme unter ihnen bloß von den Steuer»
der Reichen leben.
Wir haben fast überall herrliche v i e h a r t m , doch
kommen unsre besten Stiere (Ochsen)/ Küh«/ von den
Bergen herab. — I m platten lande findet man oft
ganz ordinäres deutsches Rindvieh; auch selbst in Gc<
genden, wo der Wieswachs nicht schlecht ist, findet ma»
viel kleines und schwache« Vieh, es scheint aus einer
Bb5
z«nz andern Hcltgegend zu kommen. Die Alpen un»
die Alpenhirten, die Ruhe die diese Thiere auf den Vcr<
«eu genießen, das trägt zum bessern Gedeihen bey.
Hingegen der Bauer im ebenen Felde braucht dies«
Gtallthiere zum Feldbau und zum Zug, das zehrt die
3biere ab, die Arbeiten machen es trig, wohingegen
das Bergvieh Ruhe und unausgesetzte Pflege und gute
Nahrung hat, also munter, frisch und kraftvoll wird.
Schaafzucht findet man im Haslithal am häufig«
sten. Honig und w a c h s verkauft man nicht ausserhalb
Landes, denn noch ist die Bienenzucht nur das Vcr«
gnl'igcn reicher Partikularen, und weniger landlcutc.
Sckaaf'UNd Ziegenkäse, auch unsere andere Sorten
Mse werden in alle Gegenden der Welt versandt.
Zug »Reit»und Cavalleriepferde ziehet man in
Menge. Nach der Franche « Comte gehe» die meisten.,
Ueberhaupt ist das Schwer »Vieh bey uns zu Hause,
und wird in Europa wenig seines gleichen finden. Die
besten Pferde kommen aus dem Emmenthal, aus Fruti»
gen, Hasli und Simmcnthal. Die Haupt »Pferd»
markte find zu B e r n , Langenthal und Langn«».
Mit Haber werden die wenigsten Pferde gefüttert; die
fetten gute» Weiden und Kräuter auf de» Alpen ! die
Minderung anf den Bergen, die gesunde kräftige Quell«
Wasser — dieses macht sie stark und dauerhaft.
Hingegen ist der ganze" linke Strich von der Aare
auf der Seite des Iura mit geringen Pferden versehen;
fie haben weder das gute Ansehen noch die Frischheit
mit die Alpen »Pferde.

Regierung und Sitten.


I n der Stadt Bern weiß man nichts von Vermögens»
©teuern, nichts von Kopfgeldern und Gcwcrbsabgaben,
nichts «on Acciftn, Mauthe« und Pachten/ nichts
von Gtcmpclpapier » und Diätcngeldern. — Die Zehen»
den sind so vertheilt/ daßsiezur Unterhaltung derPolizey»
«ufsicht dienen müssen. Darum haben die Landvögte,
die Pfarrer und Schullehrer Theil daran. Die Grund»
zinse dienen desgleichen. I m welschen Gebiet muß
mau zwar beym Verkauf der Güter eine Abgabe zahlen,
die ziemlich ansehnlich ist/ doch zahlen die adelichen
Güter mehr als die gemeinen. I m deutschen Gebiet
kennt man an einigen Orten eine Abgabe unter dem
Titel: El'rschay. I m Acrg>w kommt sie am öftesten
vor. Die Zölle bringen etwas ansehnliches ein; weil
Handel und Durchpaß besonders in Kriegszeiten in de«
Schweiz stark ist; - aber billig ist der £ar und ohne alle
InquisitionS'Formalitäten, wie mansiein despotischen
landern gewibnt ist. Auch der »brigkeitlichc Salzhan»
del ist mehr eine Wohlthat für das land als eine Ab»
gäbe: denn die Negierung giebt es wohlfeiler als es
die Dichter in andern Lindern geben; und weil die
baare Zahlung und öftere Vorschüße, so sie an die
fremde Salzwerk» thut/ ihr eiuen lcidentlichern Prejß
SSS 400 ^TÜ

«erschaffen. — Seit - hundert Jahren ist keine neue


abgäbe im Lande aufgekommen/ obgleich der Staat oft
sehr schwere Zeiten gehabt hat, und die Ausgaben der
Vlegierung täglich steigen. Die gute Oekonomie macht
über alles möglich / und vorzüglich die einfache Rech»
«ungsführung über die Staatsgelder/ da man mit
keinen Pächtern/ mit keinen Monopolisten, mit keiner
Schaar hungeriger Schreiber zu rechnen hat; da kein
Heer von Ober « und Unter » Einnehmer die Fonds
«mbrouillirerf und das Fett oben abschöpfen; sondern
wo alles so simpel als möglich in die Haupt. Etaatökaslen
stießt. ,
So lanae diese gute erceNente Nechnungsführung
die Hauptmarime der Berner Regierung bleibt/ so lange
wird der Staat ohne Schulden seyn, er wird Ansehen,
Macht und Kraft behalten.
Gewiß ist es, daß in keinem Staat in der Welt die,,
Staatsgelder gewissenhafter verwaltet werden/ wie in
Bern. Da ist niemals Mangel gewesen! nie hat der
Credit gefehlt; nie hat der Staat Schulden gemacht:
stets aber andern Staaten noch helfen können. — Die
Besoldungen von den Aemtern / besonders der in der
Stadt/ wären kaum hinlänglich, daß ein Mann mit
einer Familie davon leben könnte, wenn nicht der eigene
häusliche Wohlstand und der Güterbesitz der Regie«
rungsglietzer dazu käme. Was der Regierung von Bern
am meisten zur Ehre gereicht, ist die Denkungsart der
vornehmsten Glieder, daß sie den Schmeicheleyen nicht
frohnen s daßsiekeine Lobschrifttn weder hören noch lesen
mögen; daß ihnen die bescheidene Schilderung i h r «
Verfassung weit besser gefällt, als das gesuchte meist
aus niedrigen Absichten gefrcvelte Weihrauchftreuen
und Fuchsschwänzereyentreibcn. Das ist auch der
Charakter jeder guten Regierung, daß sie lieber im Stil«
len Gutes wirkt. Denn es ist mit der Staatshaushal»
tung wie mit der Privathaushaltung, die glücklichste
Familie ist diejenige vou der man am wenigsten spricht.
I n diesem Iahlhundert wurden die meisten Pfar»
Heuser auf dem Lande neu gebaut / wozu die Regierung
das Geld hergegeben hat Wie viel thut sie für das
Ariegswestn jährlich, wie ist sie so sorgfältig und wacht
für die gute Unterhaltung der Rüstungen und Waffen,
und der Kriegsmaterialien aller Art. Die Besoldun-
gen der Eierciermeister und Inspektoren und ihre An»
zahl wird täglich vermehrt. Und diese der ganzen Schweiz
zur Sicherheit gereichende Wachsamkeit de« Bernerkan»
tons wird lein brafer Eidgenoße mißkennen oder leng«
nen; und das alles geschiehet, ohne daß dem Volk ein
Theil dieser drückenden Ausgaben aufgebürdet würde.—
Bloß eine gute Oekonomie und die rechtschaffene Ver»
«altung macht iies alles ohne Auflagen möglich. —
Hier können noch viele aufgeklärte Staaten vom Kan«
ton Bern lernen ! ! ! ,
Es ist falsch und ganz boshaft qeurtbeilt, wenn
man die Regierung beschuldiget, sie haße die Freyheit im
Denken, und sie sehe eine e«yptische Finsterniß unter
ŒS! 402 SS5

Hem Volk lieb«, als eine vernünfliae Anfkllrung. War«


lich, wenn es in itjrcr Macht stünde, alle Vormtheil«
aus dem Lande zu verbannen/ so würde es gewiß noch
heute geschehen. Aber so sehr sie den gemeinnützigen
Wissenschaften forthilft und durch ihr Beyspiel vermehrt,
«den so sehr hasset sie die trotzigen anmassenden Sckrift»
steller, die nur Neuerungen erregen wollen, nur schim»
mern und glänzen und in Worten paradieren , ohn«
selbst praktisch weise zu seyn — also zur Menschenbe«
glückung gar nichts beytragen. Man weiß allgemein,
wie oft die Verner Regierung verdienstvolle Minne»
mit Vorzug, Ebre, und Belohnung überhiufte; wi«
sie einen Hallcr noch im Tode durch ein öffentliches
Schreiben ehrte; wie sie die Mitglieder der ikonomi»
fchen Gesellschaft in Schutz nahm, ihnen Gcldpreißc zu»
theilte, und wo sie durch Mitwirkung Gutes befördern
konnte, nie lau und kalt blieb; nie wartete bis Schmeich»
lcr sie baten, sondern mit der Belohnung jedem V««
dicnstc entgegen kam. Wie gesagt, in einem S t a a t ,
»0 man aber vorzüglich auf das N u y b a r e , w a h r e ,
Gemeinnüt;<Fe siehet, und wenig auf das Glänzend«,
da gelten freylich Enthusiasten, Proiektmacher und
Komödianten wie Journalisten und Reisebeschreiber
de métier für das was sic sind, sie werden als Windbeu»
tel, oder als der Tugend und allgemeinen Sicherheit
gMrliche Leute verachtet, und mit den Pasquillanten
wenn sie anonym schreiben, in ein« Klasse gesetzt.
Falsch ist es was Herr N o r r m a n n in feinem neuen
Buche sagt : «daß dieVerachtung der Wissenschaften sonst
eine Staatsniaxime der alten Berner gewesen sey, und
erst jetzt nach und nach aufhöre / seitdem mehrere aufge-
klarte Minner in den regierenden Rath kamen.« — Kein
Mensch, der die Berner Geschichte kennt, wird sagen kön»
neu, daß die Regierung weniger für die vernünftige
Aufklirung that, als irgend ein Staat in Europa. Man
sehe nur unsere alte Polizey» und Schulordnungen! und
wie eifrig die Obrigkeit dem Aberglauben gesteuert hat,
da der'Kanton sonst, mit katholische» Mißbräucheii auge«
häuft war, und noch mit katholischen landen umgeben
ist. Wo fand man früh« eine so gute Polizey, wie sie
im Kanton Bern seit mehr als' 2' hundert Jahren aus«
geübt worden? Wo war eine so allgemeine Emulation
das Land zu verschönern und zu verbessern? Wo lebten
freyere Bürger und Bauern? Man sehe auf Sachsen,
Brandenburg, wo man gemeiniglich die gristc Aufklä-
rung zu sehen glaubt! und man stelle unsere alten
Milmer dagegen, und vergleiche wo mehr Bonscns und
praktischer Verstand, mehr Freyhcttsgcfühl und Thltig«
leit herrsche, welche Menschen in der politischen und
moralischen Waagschale ein stärkeres Gewicht haben?
Auch die Verbesserung der Schulen ist nicht erst
ein Gedanke au« dem letzten Viertel unsers Jahrhun-
dert«, sondern wir haben oben c Seite *aa) den Ve»
weiß gegeben, daß es der stet« lebhafte Wunsch der R «
«ierung seit einigen Jahrhunderten war; abc» so oft
ein Plan eingeführt worden, arbeiteten schon «iede«
die Nachkommen ibn umzustoßen und mit Neuerungen
zu belasten, die selten gut sind. Schon vor 100 Jahren
war Coniel. Nepos in Bern für die biesiaen Schulen ge»
druckt, und die alten Schulbücher waren auch fast durchau«
gut — sie sind vergessen und abgcschaft, ohne daß man
etwas besseres bitte. Auch die Censur in Bern ist für zu»
verlißigc Schriftsteller, die sich nenne», nicht strenge.—
Und eben darum wird in Bern die Preßfteyheit höchst
selten mißbraucht, weil die Erfahrung lehrt, daß unsere
Buchhändler und Buchdrucker und Verleger, d« für
jedes gedruckte Buch verantwortlich sind, nichts drucken,
was den Staat beunruhigen, die Sitte» beleidigen und
die Religion erniedrigen kinnte; hingegen in tändern,
wo die Censur scharf ist, man Schleichwege gebraucht,
und man ein Verdienst darin» sucht, die Regierung
irre zu machen ; dennso wie in Flankreich die Censur schfa«
fer geworden, brauchten die Autoren und Buchführer
desto gefährlichere Mittel; sie bestachen die Aufseht«
und die Regierung ; und das Reich war zu einer Revo»
lution desto geschwinder reif. Man wird nicht sagen
können, daß jemals in Bern paßquillantifche und odiöse
Schriften gedruckt worden: vielmehr ist man sehr ge<
neigt alle gute Bücher recht in Umlauf zu bringen.
Obgleich der Herausgeber dieses zweyten Theils
der Beschreibung von Bern, die Mingel, die im Natio
nalcharakter liegen und sonst dem gutmüthigen Freunde
>er Wahrheit im Kanton auffallen, mit aller Frcymüthig«
keit
Kit angeführt hat/ so fürchtet er doch nicht/ daß er d»
mit der großen Anzahl edler aufgekllrter Patrioten
dadurch mißfallen werde. Er hält es vielmehr für ei»
neu wirklichen Beweiß für die oben behauptete Liebe
der Regierung zur Rechtschaffenheit/ d«ß sie seinen
Bemühungen, auch wenn er in der Darstellung oft ge»
irret bitte — doch seinen guten Absichten den Beyfall
nicht versagen werde.
Daß die Schulen noch immer in einer Art von
Lethargie liegen, ist gewiß nicht die Schuld der Re«
gierung ; sie verlangt schon lange, einen festen Erziehung«»
plan, und wenn nur diese Plane nicht zu oft abgean»
dert würden, so wire auch schon viel gebessert, auch
das Zutrauen des Publikums würde größer seyn.
Hier füge ich einen Wunsch bey:
(Neben jeder Schulanstalt sollte allemal eine wohlge«
wählte kleine Schulbiblisthek seyn; diese Bücher nur»
den an die fleißigen ordentlichen Schüler umsonst zum
lesen ausgegeben; reinlich müßen sie gehalten «erden,
auch zuweilen sollten die jungen teute Auszüge daraus
machen und den Lehrern vorlegen, um zu sehen, ob sie
mit Nutzen lesen, und damit man darüber sprechen und
weiter unterrichten könnte. Warlich — warlich — ich
wüßte nichts, was die Neigung zum Schulgehen mehr
befördern könnte, als ei» solche» Lese » Institut.
NB. es müßten aber ja nicht spéculative abstrakte kehr»
buch«, sondern w e r t e der schönen Rünste, der Na»
turwissenschaft «nd der praktischen Erfahrungen g»«
II. I h e i l . <le
ttühlt werbe:», sonst artet abermals das ganze Unternehmt»
in eine Chimire aus. S o etwas sollte man auch in
unsern Landstädten und Landschulen einführen, das wür»
de auch die Eltern aufmerksam machen, denn viele lesen
gerne, haben aber keine gute Bücher. — Wenn so der
Geist von Iißiae» und Alten zur edlen Empfindung ge»
stimmt würde/ so wären die Regierungen überall viel
ruhiger).
Mas den Geist der jungen Leute in der Hauptstadt
frühe abstumpft und zur kernbegicrde gleichgültig macht/
da« ist der ftühc Umgang mitFrauenzimmern, die viele
Ferien / Lustbarkeiten und das Visitengehcn. Was in
vorigen Zeiten den Geist der guten Alten solid / stark
«md kraftvoll gemacht bat, das war die schamhafte, aber
ehrbare, die thätige aber dabey eingezogene stille Aufer»
zilhung ;siesahen das Beyspiel der Eltern wie sie im hius»
Nchen Vergnügen sich glücklich fühlten; es bestimmte
den Charakter von jung und alt zum Fleiß und zur
OidmlNgsliebe. — Das beste Genie, der fähigste Kopf
wird im Taumel der Nergnügungen fade, eitel, zerstreut,
und inclinirt zum Stolz ohne wahre Ehrbegierde. —
6 , wie wohlthätig ist in Republiken das stille häusliche
Vergnügen ohne Prunk und ohne den Firlefanz der Mode,
»elt: Und wo am meisten noch die gute alte ehrliche
Hausordnung gilt, da stehet es auch in den Familien
warlich noch im Äeusstrn und Innern an Ehre und
Wohlstand am besten:
Hfe irunkcnheit «nd pr«zeßfucht h«t die Vater»
landsliebc auf tcm land ziemlich geschwächt: denn WV
diese Laster einheimisch sind, da lebt es sich nicht ruhig/
Doch wenn man das Ganze betrachtet, so findet man
immer noch bey uns von d« ehemaligen ländlichen alt«
herzlichen Lebensart einen guten Ueberrest; wir bemer»
ten noch überall mehrere fleißige, arbeitsame, bidere,
^ottelfiirchtige, ehrliche Bauern; und so lange dieser
gute.Saamen nicht ganz ausgehet, so wollen wir noch
An die helvetische Großmuth glauben.
Die Nationaltugenden der Schweizer wann vor z
und 4 hundert Jahren — eine ausserordentliche Neigung
zum 2lriegsdienst. Diese haben sie nach und nach ver»
lohren, so wie der Nationalwohlftand unter ihnen zu»
genommen bat. Jetzt tragt man einen fast allgemeinen
sLiderwillen gegen den auswärtigen Dienst; Vorzug«
lich ist dieses bey den reförnnrtrn Rantonen merkbar,
die auch an Nationalwohlstand etwas vor den Katsioli»
fchen voraus haben. Schon lange hat man im Nerner»
schien weit weniger Nekruttn machen können, als in Ott«
dern kleinen KantoNen; obgleich der HoNändisch«
Rriegsdienst sonst allgemein in Ebren aekalten worden/
und stirkern Zulauf hatte als der Französische und
piemontesische «. Alle Schweizer brauchten bisher zur
Entschuldigung dieser Menschenwerbung: — man b««
komme dadurch wohlexercirte Truppen, die im Fall
der Noth dem Vaterland zur Hand sind, ohne daß li*
bbrigkeiten nöthig haben, Geld dafür z« zahlen, «der
wenn im Berncrkanton ein wohlhabender Vauelnsoh»
in auswärtige JDiuiste gieng, so forderte er von seinen
Verwandten ein starkes Iahrgcld; — die Geldsendungen
in die Länder wo Beiner Regimenter waren / Hirten
nie auf; und die Aermern selbst wußten mit ihren «i»
chcn Landsleuten sich gute Tage zu machen. Solch»
Soldaten reicher Väter brachten auch alle galante
Krankheiten mit in ih:e Familien zurück; sie waren nun
des Müssiggangs und des Wollebens gewohnt worden/
und selten gab es aus solchen Leuten noch tüchtige
tandbauern und gute Hausväter. Viele haben sich mit
fremden Weibslcuteu vcrheyrathet, die unsrer Landcsge»
brauche ungewohnt waren; den Eltern zum Verdruß/
den Kindern zum Unglück; auch die ärmern Soldaten
brachten oft viele Kinder mit in ihre Gemeinden aus
der Fremde. Viele haben sich auch in andern Ländern
niederaclassen und ihre Heymath nie wieder gesehen:
sie haben ihr Vermögen aus dem land gezogen/ andern
hat man es zurückbehalte,,/ und ihre Gelder lagen oft
viele Jahre in todten Händen uuvertheilt, und eben da«
gab schon zu so vielen Prozessen und Streithändeln Ge-
legenheit. Andere, wenn sie ihr Glück versucht, kamen
sie oder ihre Kinder alt und arm in ihre Gemeinden zu«
rück. — Man mag also die Sache betrachten wie man
will, so nützt dieser fremde Dienst dem Lande nichts.
Ueberdiß waren so viele Ausländer in die Schweizer»
Regimenter »ngeworben, die doch niemals ins i«n>
kamen; und e« ist nur scheinbar, wenn man glaubt/ daß
die Zurückbekommenen die Nationalmacht »«mehren
könnten; sie sind so zertheilt und untergesteckt in den
kohorten / daß sie unter der Militz «ohl weder ihre
militärische Talente zeigen können, noch ihre vorige Euo-
lutlonen machen werden.
Freylich muß man auch das zur k h « der fremden
Krieasdienste sagen , wa« man zur Ehre der Bürger in
Städten sagen kann, wennsiegereisetsind: — »Sie sind
umganglicher, genießbarer im Leben; weniger
taub, trotzig und stolz auf den Erdfieck den sie
bewohnen, weil sie auch andere Nationen und
Länder kennen, w o man eben so lebt, und eben so
gut leben kann „
I n den wohlhabenden Gegenden des Kantons zeigt
sich noch überall Ordnungoliebe, Fleiß, Nachdenke».
X>a tat alles seine rechte Stelle, seine gewisse feste Ein»
richtung, seine gute Psteg« und Wartung. Reinlichkeit
ist fast allgemeine tandessitte. Mensch und Vieh b<-
finden sich wohl; Haus und Hof sind im besten Zustand,
Aecker und Gärten liegen da, wie die Pfianzschulcn —
Froh und heiter macht es den Reisenden ; die Landschaft
wild dorptlt verschönert durch den sichtbare» Wohlstand/
der allemal aus Ordnungsliebe entspringt. "
Der Landmann, der fleißig das Land bauet, ist
von der Regierung hochgeachtet, und wird sehr gut be»
handelt.— Weniger geschätzt sind die Landleute, die sich
Cc 3
bloß mit dem Handwerk und dcr Krimerey abgeben, de»«
der Ackerbauer ist allein die wahre Etütze de« Staats,
Auf ihn blickt also das Auge der Obrigkeit und des Bür<
gers in Stldten mit Doblgefallcn, weil er. bauet die
Erde, die uns nihrti weil cr macht, daß sie fruchtbar
wird; und cr fchaft uns Brod. — Alle diese Achtung
verliert d « Bauer, wenn cr den kandbau versäumt/
und mit andern Geschäften sich abgiebt. Er ist dann
nur der Conkurrcnt von dem Städter, dem er auf eine
gedoppelte Art schadet, einmal durch seine unberufene
Einmischung in bürgerliche städtische Gewerbe, zwey»
tens durch den versäumten Ackerbau und theuern Preis
Mer Lebensmittel, der von solchen gcwcrbtrcibcnden
Bauern zu erwarten stehet.
Viele neu gestiftete Ehe» kommen nicht auf, oder
gerathen ins Eiend, weil es viele neidische hartherzige
Müner und recht arobe Väter giebt, die dem jungen Paar
gar keine Unterstützung zum Fortkommen angcdeihen las»
sen; und da aller Anfang schwer ist, sie noch durch eine
solche falsche Behandlung den Muth verlieren. Wo
seine brafc Schwiegereltern sind , da ist auch das Leben
Ivcnia angenehm. I n vielen Gegenden darf das junge
Ehepaar auf gar keine Ausstattung (Droßcl) zählen. Die
Eben dcr Kinder werden also durch die Eltern erschwert,
und oft g « vereitelt, da sie ihnen die so natürliche
und gerechte Hülfe bey der ersten Einrichtung des Haus»
wefetts verweigern oder recht schwer machen'.: — Die«
sen Ochandsteck kann ich nicht mit Stillschweigen û*««
gehen, denn c« ist auf unserm Chorgericht bewiesen und
trift vorzüglich das Hauernvoli und die untern Stände.
Wie bartberzia diese Leute zum Theil seyn müssen,
schließe • man auch aus einer nahe bey Bern am le<>
tcn Lage des Jahrs gehaltenen und gedruckten Predigt,
worinn der Redner über den Tod der vielen durch die
Ruhr in fem« Gemeinde verstorbenen Kinder sich iuf»
sert: — ,,Iedesn<al empörte sich meine Empfindung/
„wenn mir ein unnatürlicher Vater oder S o h n
«das Absterben seiner Eltern oder da« Erblasse»
«eines Rindes mit eben der Gleichgültigkeit an«
«zeigte — als wenn da ein Aas vor seine« Füße»»
«läge." — Gottlob — er fügte hinzu: — «Aber dem
„öfnete sich mein Herz/ — dem eine Thräne im Auge
«stand. " —

€c 4
Haupttheile der Berner Geschichte
zur geschwinden Uebersicht.

Jahr:
l i ? i Anfang de« Erbauung der S t a d t / da Bern vor»
he« nur ein Schloß und Mühlenwerk hatte.
i*i8 Stadtzeseye vom Kays« gegeben.
1**4 Der erste Nund geschah mit Freyburg.
i»*8 Bern rufte einen Fürsten von Savoyen zum Schuft-
Herrn an»
1**8 Dieser baute die Neue S t a d t / vom Zeitgloclen«
thurm bis zum Kefichthurm-
i*88 Belagerung der Stadt durch den Kayst«.
1*89 Scklacht in der Schooshalden.
i*91 Bund mit Solothurn.
l*?8 Sieg am Donnerbühl gegen die Kraft« und
Freyburger.
»339 Schlacht bey Laupen, gegen die verbündete»
Grafen und Freyherrn im jetzigen Kanton Bern.
Dieser Sieg war die Grundlage aller folgenden
Erweiterung dcS Kantons und der eingeerndtele»
Vortheile und Eroberungen.
«4« Bau der Epitalgaße und Nebengaßen vom Kefich»
thurm bis zum obern Thor.

t
Jahr:
5553 Aufnahme der Berner in den allgemeinen Vydg«»
nößischeil Vund.
J375 Hrcffcn gegen die sogenannten Engländer, bey
Fraubrunn und Tlrberg.
»4°; Verbrannte die Stadt Bern, bis auf wenige Hlu»
ftr. Auch damals sind alle Urkunden und Ochrif«
ten mit in Flammen aufgegangen.—
'4'5 Besetzung des untern Acrgäu.
,418 Abtrettung des Herzogs von Oesterreich seine»
irgäuischen Länder an Bern.
14:1 Grundlegung des Münsterbaues. (Zu dessen Dol«
lcndung aber 100 Jahre nöthig waren).
1474 Anfang dcr Burgundischen Rriege.
,476 Höchster Sieg! - die Schlacht bey Murten.
»499 Der Schwabenkrieg , alle Evdgenoßen gegen
Oesterreich lind den Kayser.
( I n einem Jahr folgten 7 blutige Schlachte«/
und über 2c» Gefechte ! wobey die Schweizer fast
immer Sieger waren. Kein Krieg ward mit solche«
Erbitterung geführt/ keiner war der Schweiz g«
fihrlicher/ keiner gab aber auch beym Friedemachen
mehr Ehre al« — dieser. Er war der letzte Natio«
«alwehrkrieg der Schweizer gegen die ausser«
Anmassungen, und setzte also damit der Sckwei»
z« Unabhängigkeit die glorreichste Krone auf.)
i«i« Ewiger Bund mit Frankreich.
15,0 Anfang der Riechen. Reformation.
Cc 5
Jahr t
15-; Ward die erste Nibel delannt gemacht und jurn
Druck erlaubt.
îji3 Räumte man in der Stadt Bern alle Bilder und
katholisch« Altäre aus: setzte eine neue Rirchen»
srdnunF fest; zog die Hlostergüter ein / und
versandte die Mönche ausser den Kanton.
1536 Eroberung der Waadt. Nigeli ziehet mit seinem
Heer au« der StadtBern: nimmt die aufaebotene
Völker auf dem Wege in seine Armee auf: und in
14 Tagen sind die Berner Meister vom ganzen
Welschlande und von einem Hhcil Savoyens.
1537 Einführung der Reformation in den eroberten
landen durch die Bern«.
15É4 Endlicher Friedensschluß und Beylcgunz der Hin»
dcl mit Savoyen ; Rückgabe einiger Orte und be»
stätigtes Recht auf die eroberte W<pdt. —
1617 Ein zweyter Friede mit Sauoyen wird gemacht/
und das Wclfchland aufs neue an Bern abgetreten
und zugesichert.
1653 Vauernkrieg ; ihre Niederlage bey Herzogen»
b,,chsce und im Aergäu. — Man war in Bern
ohne Furcht: denn «ic wutden die Stadtthore
geschlossen.
16;; Der erste villmergenkrieg / mit de» Katholischen
bricht aus. Die Berner verlieren.
1712 loggenburgerkrieg: auch wegen der Religion:
der herrliche Siez bey vilmerge,,, durch de«
Geckelmeister Frisching gewönne»/ »sachte diesem
traurigen Gezänk ein Ende.
'?<>« Die Bcrner besetze» Neuenburg/ und stifte»
Frieden. • .
i?8l Zug nach Freyburg, zu« Hemmung de« ausge»
brochcnen Unruhen.
•f7$z General Lentulus besetzt Genf/ in Verbindung
mit Französischen und Vavoyischen Gruppen.
i7'ji Lruppcnmarsch nach demPays»d«Vaud/ beyden
Unruhen an der französischen Grinze, und alS die
Stadt Genf von Franzose» bedrohet worden.
Anhang
Von den öffentlichen Gebäuden.

Da beym Abdruck des Artikels von den Ge«


täudcn (oben Seite 16 bis ,4) ein Theil der Hand«
sihrift verlegt worden; so wird hier noch nach-
geholt, was daselbst—als an seinem schicklicher«
O r t e , hätte stehen sollen.

Das Stift.
(Zu Seite 16.)
I m Jahr 1745 ward das alte Gtiftaeblud« abaerlf«
scn, und das neue,748 von Herrn Gtiftschaffn« I o h .
BernK, Effinger, Herrn von wildegg bejoa.en. Die
Obrigkeit bestimmte zu diesem Ba» 180 tausend Bern»
Pfund. Die Angeblilde, das Chorhau« und die Deca»
ney machen diese Reiht von Gebäuden zu einem der
seheniwürdiqsten und edelsten Quartiere der Stadt, auch
haben sie alle im Rücken die herrlichste Aussicht auf d «
land / über die Aare nack den Schneegebüraen.
Der Stiftsschaffner ist ein Glied derReaierung, und
verwaltet als eine Landvogtey die sehr reichen Güter die»
ser.alten Probstey. S o gehören dahin unter andern
ifin groles Landgut und Weinberge zu Neuenstadt am
Bielersce/ und ein andere» Gut zu <l)derh«fen am
Lhunersce; auch viele Zchende» von Dörfern. 3 »
Äüggioberg hat der Stiftschnfner von Vern die Ge»
richtsborteit und eigene Wohnung: auch Hill er sich
des Jahrs zu verschiedenen Zeiten daselbst auf.
I n diesem Stiftigebnude hält man alle Woche «mal
Ehegericht: Montag und Donnerstog. Alle Eheftreitig»
leiten, alle Hurenhändel, zu Stadt und Land, und von
letztern allein solche welche vor den untern Tdorgeiichten
nicht können beendiget werden, kommen vor dieses Ehe»
gerickt; auch ist ihm die Aufsicht über die Sitten und di«
Kirchcnzucl't aufgetragen. Es bestehet aus dem Prisiden»
te«, der ein Glied des kleinen Raths ist. und welcher alle
Jahre, auf den ersten Donnerstag, im Maymonat, neu
erwihlt wird; ferner aus 2 Predigern am Münster, die
unter sich alle 6 Monate abwechseln, und 6 Assessoren
aus dem großen Rath.

Das Aommerzienhau« neben der französischen


Rirche.
Dieses uralte Gebäude der Stadt ist in neuern
Feiten sehr verändert worden. Bis 1528 war es ein
Dominlkanertloster. Nachher ward es zu einem Er«
ziehungihaus für Wapsen bestimmt , die in allerley
Handarbeiten Unterricht erhielten, damitsiein reifern
Jahren ihr Brod zu gewinnen wüßtu..

ii
isissi nahm Man aber in dicscs Haus die Französische
und PiemVntesische Réfugiés auf, welche um der rcfor-
mitten Religion harte SSctfolaima erlitte» und bey ihren
Glaubenedrüdern Schul; suchten. Da ward dieses Hautf
ein Aommerzhaus für ©trumpf « und Scidcnfabri»
kanten.

D a s Sicchenhaus u»d Töllhail? ausser der S t a d t .


Beyde Häuser liegen eine halbe Stunde von der
Stadt entfernt, etwas auf der Seite vom Weae nach
dem Badhaus oder Papiermühle, hart am Walde.
Furchtbar ist die Stille, die dahcrum herrscht; noch
furchtbarer der Eintritt in diese Hiuser. I n das Siechen»
haus kommen nur vencrischkranke, oder mit Krätz
und Aussatz angesteckte Personen, die man in der
I n s e l (im Spital) nickt aufnehmen kann und darf.
Unter den Weibspersonen siehet man manche freche schäm»
lose Dirne ; auch viele von der Wollust aufgezehrte
Physiognomien und sonderbare Karrikaturen zeichnen
sich daselbst, au«. Das Tollhaus aber ist für Wahn«
finnige, Verrückte und Desperate ; es ist mit einer
Hofmaner umgeben; liegt auf der Höhe/ und siehet wie
cilie Heine Festung aus. Die Unglücklichen können bey
gutem Wetter und in guten Momente» so wie bey an»
scheinender Besserung frey im Hof herumgehen oder
sich Bewegung machen; doch immer in «Zescllsenaft an»
>,r«r. — Man findet hier eine Llcihe kleiner Zimmer.

*
die mon d«n Fremden und Ncilgiengen durch <inen Schit'
bcr ftfnet/ wo die Kranken in ihrem ParoxismuS hinge«
streckt liegen, oder auck in wüthender Gebilde an den
Banden rasseln. O / berzzerschneidcnd ist solch ein An«
blick! Man findet hier Leute aus allen Ständen und
Gegenden des KantonS/ vorzüglic« viele aus dem Pays»
de Va:>d und der obere» Schweiz; denn in dieses Un»
glücksbaus werden auch Fremde aufgenommen, wen»
ihre Verwandte eine nicht kostbare aber doch mißige Un»
terhaltung bezahlen können.

Alle öffentliche Gebäude, Strassen und Stiftungs»


hiuser werden nach und nach erneuert und verschönert;
und man siehet nicht wie in andern Staaten die best<n
Anlagen nach und nach in Verfall gerathen , vielmehr
gewinnt jede Anstalt, jedes Werk unter du» Handen
«mer weisen Regierung nach und nach seine Ausbildn»«,
und weitere Vervollkommnung. Gerade im umgekehr«
ten Fall ist es mit dem Aegentenpomp große» Herrn
und Fürsten; sie prahlen mit neuen loloßalisckcn ©«<=
banden, und lassen sie nach wenigen Jahren wieder
in Schutt verfallen; bewohnen sie oft nicht einmal, oder
geben sie in Pacht. Gerade alles so, wie es ihnen durch
Pl,lln»«sle in K°»f schießt. S o werden Gelder und
Mühen und Bau ° Materialien elend verschwendet, s»
werden Schweiß und Vlut, des besteuerten Unterthanen
»«rgeudetl und so wird die Achtung/ die man gegen
SSS 430 ^üü?

solche Fürsten haben soll — in Verachtung verwandelt,


und zwar ist eine solche bittere Empfindung gegen jeden
Verschwender höchst lobenswürdig.
Die Regierung von Bern baut hingegen keine andere
•Causer, als die sie zum allgemeinen Besten zu nutzen
weiß, und sie richtet auch alle» so ein, daß sie mit der
innern Solidität zugleich Würde im Aeussern zeigen.
Man glaubt nicht wie viel es auch auf den Charakter
der Einwohner wurst, wenn sie in einer / in einem
«dlen Styl gebauten Stadt wohnen. Die Empfind««»
gen werden von Jugend auf an Zierlichkeit, Symetti»
«nd Nettigkeit gewöhnt! das Auge blickt freyer und
zuversichtivollcr empor, als wo elende Hütten, verfallene
Winkel den Geist trübe machen; oder wo geschmacklose
Malcreyen und Zierrathen nur Kindheit und Roheit in
den Gefühlen ankündigen.

Berichtigungen lind Zusätze zum ersten


Theil der Beschreibung von Bern.
Seite 12 unten; die große Glocke» zu Bern wiegt
«e? Centncr.
S . 14 die Hihe von der Rirchhof Kerrasse bey dem
Münster gegen die Aare, beträgt nicht 3co und mehr
Schuhe, sondern ihre wahre Höhe ist 108 Schuhe.
Sie hat auch einen Baugrund von 3» Schuhen i» die
Breite.
Seite 14. Ni« Geschichte des weinzapfli, der
den
len,;ten J u l i u s i6;4 mit einem Pfcrd von der Kirchhof,
mauer oder Platteform an die Matte gestürzt ist/ und
wovon die Dentschrift auf einem Stein, und an de«
Stelle, wo es geschehen, noch zu lesen ist! scheint vie»
len unglaublich. Und doch ist es so wahr: Es war
eigentlich ein Siumerroß, das da weidete, und welches
der junge Student aus Muthwillen bestiegen hatte;
«ine Schaar muthwilliger Jünglinge trieb das Pferd
herum, der ungeschickte Reiter fiel über den Kamm des
Pferdes herab und schleuderte ihn über das schmale da»
mals nur niedrige Gelände. Also ist weder der Mantel
des Reiters noch das Pfcrd schuld, daß der arme Weiw»
zäpfli noch so glücklich fiel: denn das Pferd blieb oben.
Der Reiter fiog hinunter in einen Krautgarten: daß
er aber ganz unbeschädigt blieb, ist gegen die Wahrheit.
Er brach Arm und Bein; konnte aber noch curirt »er«
den, man brachte ihn in das öffentliche Krankenhaus/
die Insul, und die Rechnung für seine Kur wird »och
in der deutschen Seckelschreiberey aufbewahrt. — Er
war Student, kam als ein armer Knabe «on katholi»
•fchen Eltern auf Bern, und trat zur reformirten Kirch«
über; ifiçs ward er deutscher Schulmeister in Bern,
und i66y Pfarrer zu Rerzerz: daselbst ist « 1694 ge«
sterben, und liegt auch dort begraben. —
S . 19 (Zeile 2). Der Gottesacker bey der Biblio»
thek ist jetzt eingegangen. Nicht dort, fondern auf dem
Kirchhof bey de, französischen Kirche liegt HaUer *>e
graben.
lit Theil. Dd
ÎTote zu Seite n, oben : Ma« kann nicht sagen,
daß die Salzquellen bei) Aelen am Fuße des Gebürg,«
entspringen: denn einige derselben befinden sich 173»
und Î084 Fuß ob Lex.
Zu Seite ,0. Der Katalog über die Münzsiimm»
lung ist gedruckt/ wird aber nicht verkauft, sondern
gleich wie der Vibliothekkatalog unentgeldlich an die
Glieder der Re»icrunq ausgetheilt; die Liebhaber können
ihn bey dem Herrn Ober • Bibliothekar bekommen.
Zu Seite 2,. I n dem Hôtel de Mulique sind zwey
Gesellschaften, dle man hier allgemein unter dem Namen
der großen und kleinen Societät kennt. Beyde haben
ungefähr die gleichen Gesetze und Anordnungen; nur
«lit der Ausnahme, daß zu der Aufnahme in die kleine
Societät ein Alter von wenigstens no Jahren «forde»
lich ist; hingegen i» der großen Societät kein Gesell«
schaftsglied unter 2; Jahren angenommen wird. Die
Assemblée» bey den hihern Ständen fangen gewöhnlich
«m 6 ttbr a » , u»> dauern bis 9 Uhr. Auch darf man,
ohne besondere Erlaubniß, wenn Ball ist, nicht über
9 Uhr daselbst tanzen.
Zu Seite - 5 . Die Operation des Getraidekaufs
und Verkauf«, wie sie dort erzählt wird, ist nicht wirk»
lich so, sondern nur ein unausgeführter guter Vorschlag.
Zu Seite 36, Zeile 4. Statt *c Schellenwerter,
die die Stadt säubern, sind es nur 20 bis 30 Personen.
Seite 3s, oben, Zeile ç. Nicht nur bey der 2nt»
lassanI, sondern, monatlich und sonst, erhalten die
ZücktlilV«, so sich wohl aufführen und fleißig arbeiten,,
eine besondere Belohnung. Auch können sie damit ihre
Strafzeit abkürzn. —
S.50. Der Tlusftre S t a n d hat seinen Ursprung einer
Waffenbrüderschaft zu danken, die in Bern unter dem
Namen des freyen Harsis unter den jungen Bürgern
in ältern Zeiten existirtc, und nach Aufhirung der Auf»
fern Fehden allmälig eine politische Forin annahm. —•
Zu Seite ;;. Daß wir kein gutes Wasser in Bern
haben, weiß man so ziemlich allgemein. Auch die beste«
Brunnen geben ein rauhes, schweres und oft recht
unreines Wasser; im Kochkessel setzt es eine scharfe £on«
und lcttcrde an. Wenige Leute trinken daher das Was-
ser gerne,• und wer seiner Gesundheit wegen keinen
Wein trinken darf, laßt es vorher abkochen,, und er«
kalten. — Der Brunnen beym Schützenhau« vor dem
Arbcrgerthor soll ein gutes Trinkwasser haben ; frey«
lich ; aber wer uon der untern Stadt mag sich alle seine
Bedürfnisse da holen '. Man lobt auch in der Stadt den
Klosseibrilnncn und den Städtbrunnen hinter dem
Schlachthaus. Das Lob das man dem Wasser bey der
Krone gegeben h a t , hält aber dock auch nicht recht
Stich.
Zu Seite e«, Zeile 26. Die Markttage in Bern
sind Dienstag, Donnerstags und Samstags. Doch ist
der Dienstag d« eigentliche wahre Wochen»Markt»
t a g , m welchem viele Bauern zur Stadt kommen,
Dd,

-
Großer Viehmartt ist alle 4 Wochen in Bern, an jeden)
Dienstag zu Anfang des Monats.
Zu Seite 6». Spaziergänge: einer der ange°
nehmsten Svalierginge ist auch der Weg nach dem Bad»
Hause, durch den Wald, hart am äussern Krankenhaus
vorbey. Man kommt hier wahrhaft in das freye, land»
liche und Schweizerische. Nimmt man den Weg
über die neue Straße aufZImn — so bat man die beste
Uebersicht der Stadt Und Gegend. — Der Weg gegen das
äussere Krankenhaus durch den Wald über Bolligen
nach der Stadt zurück, ist für eine mäßige Promenade
gerade eben genug. Viele Fremde, die der Beschreibet
dieses geführt bat, waren äusserst dabey vergnügt, —un>
wir nahmen Gelegenheit im Vorübergehen Herrn pfar»
rer S p r ü n g l i in seinem Landhaus unsre Aufwartung
zu machen, der noch immer fortfährt, jedem Fremden
mit Freundschaft und Güte seine Natursämmlung zu
zeigen. Hat man Zeit, so besteigt mau aufdiesem Wege
mich den panthigerhubet, wozu aber ein Führ« aus
dem,nahen Dorfe nöthig ist.
Zu Seite 7°. Man soll nicht Aarziehle>3hor,
Aarziehl« » Bad u. s. w. schreiben, wie seit wenigen Iah«
ren gethan wird. Die Vorstadt wo die Bäder liegen,
und die vordem viel ansehnlicher war, heißt von Alter«
her Marzili.
ZU Seite 7 1 , Zeile 6. îter fectürn at\ne munitum.
Diese Inschrift am neuen Weg auf der Aergäuerftrnfe
finden viele Leser dunkel. Di» Zweydeutigkeit w

»
schwindet, wenn man her durch eine gebahnte Straße
übersetzt, wie Julius E i s « dieses Wort and) »st ver«
standen wissen wollte.
Zu Seite 71. Der neu« Weg gegen die Papiermühle,
vom untern Thor an, hat 284 taufend Kronen gekostet.
Zu Seite?6, Zeile 20. Das Rlafter Holz kostet in
Bern zwar im Durchschnitt, es mag so gering seyn al«
<« will, «abe an 4 Thaler das Klafter. Nun aber kann
man sagen, daß das Buchenholz, wie natürlich zu
vermuthen, auch theurer seyn werde, als Tannenholz.
Der Verkäufer und die Iahrszeit seyen diese Preiße fest.
Zu Seite?«, unten. Statt drey Rlafter Holz,
so die Bürgerlichen beziehen; find es sechs Klafter ode«
mehr, -dufieaus den Stadtwaldungen erhalten.
Zu Seite 82. Den grossen Wohlstand der Bauer»
findet man im obern Aergau; um Langenthal, Wangen:
im Emmenthal, und auch vorzüglich in der Nachbar«
fchaft von der S t a d t Bern herum. —
Zu Seite 8*. Die Erlaubniß zum Tanzen wird
selten bis über 8 Uhr gegeben.
Der Artikel Staatsverfassung von B e r n , von
Seit«?, bis 119, ist von Herrn Alt.Laudvogt A.L. von
w a t t e n w y l , -Verfasser der bekannten vortrefflichen
Histoire de la confédération helvétique. Herr Raths«
Herr Füßlin in Zürich bat die Urschrift zuerst deutsch im
Schweizer « Museum 1783 bekannt gemacht. Gedacht
ter Herr tandvogt hatt« den Aussatz in ftanzisffcher
Dd 3
Gprache geschrieben/ und Herr Nathsberr Füßlin hatte
die deutsche Uebcrsetzung besorgt.
Zu Seite?;. Bis zum Jahr 17°; wurden die er»
lcdigtcn Stellen im kleinen Aath jedesmal erst am
darauf'fölgcrden Oster-Dienstagwieder besetzt. Den
3ten September 1705 aber ward v»r Rath und Bürg«
erkannt / daß diese Besatzung nicht mehr aufgehoben/
sondern sogleich den ersten Tag «ach der Beerdi»
aung eines verstorbenen Rathsgliedes vor sich gehen
soll.
Z» Seite 96. Die ausser Landes angelegten Gel»
der, stehen nicht unter der venncrtammer; sondern
unter dem geheimen Rath.
Zu Seite 98. Die Compctenz der deutschen Appel«
lationskammer ist nickt 1 « Pfund sondern icx» Pfund.
Zu Seite 100, Zeile 1. Bey den Chorgcrichten auf
dem Land verwaltet der jedesmalige Landvogt die Prän»
dentenstelle.
Zu Seite 701. Gegenwärtig sind nicht mehr als
«.56 bürgerliche Familien; sobald 3 aussterben, werden
3 andere gewählt.
Zu Seite 102, unten. Jedes Glied des kleinen
und großen Raths nimmt am £a<j der Promotion/ wenn
dallotirt w i r d , aus einem Sack eine Kugel; hinter
einem Vorhang stehen 2 Trichter/ in einen derselben legt
« die gezogene Kugel ab.
Zu Seite 103, Zeile 17. Zu der Erwählung der CC.
is noch hinzuzufügen; »Wenn ah« niemand sitzen a>
bliebe«/ der ist einstimmig «wählt: dessen Stimmen
werden auch nicht gezählt/ sondern ist wirklich bcfir-
dert. „ -
Zn Seite HO. Von den veunern ist am erste«
Meldung geschehen im Jahr 1333.
Zu Seite ic8. Das Schulchcißenamt bleibt Le«
ienslänglich/ und wird segleich £aaâ nach der Begrib»
«iß des verstorbenen Schultheißen wieder von Räth
und Burger besetzt. Den 29KN November 1746 ist
durch «inen Schluß des großen Raths diese Verordnung
in das Rothe Buch eingetragen worden; da sonst dieses
hohe Ehrenamt bis am darauf folgenden Ostermontag
ledig blieb.
Zu Seite 111. Die Kanzley bestehet aus einem
Staatsschreibcr,, 1 Rathischreiber, 1 Unterschreibcr;
3 RatbSersvcctanten , 1 Registratur / 4 Commißions»
schreibcrn und 3 Kanzluisubstituteu; nebst einer unbc«
stimmten Anzahl von Fteywilligen.
Zu Seite 112 Zeilen'. Der Großweibel ist nickt
nur der Stadt » Ciuil ° und Criminal » Lieutenant, son»
der» auch aller 4 Landgericht«.
Zu Seite a « , Zeile «. Diese Stellen dauern vier
Jahre und werden sehr gesucht.
Zu Seite m . Das Amt des Großweibels / Ge<
richtsschrcibers / Ammanns dauert 4 Jahre.
Zu Seite ,1«. Die Standcsglied« trage«/ wenn
sie in die Rathsversammlung gehe» / Barète / das ist:
runde S&lt, der alte Kopfzierrath der freyen Schwei»
Dd 4
zer. Dieses Ehrenzeichen kommt von der ersten Ein«
fctzung des Regiments her. Die Herrn des tigliche«
Vlatbs tragen Pemissen, die von den Bareten durch
«ine höhere und zugespitzte Wölbung verschieden sind.
Der große Rath versammeltsichgemeiniglich Montags,
Mittwochs und Freytags; nach den Zeitumständen
aber, besonders während den Unruhen in Frankreich,
noch öfter. Aus diesem großen Rath werden alle Raths»
Herrn des kleinen Raths, und die Landvigte, auch viel«
andere Civilbedienungen besetzt.
Zu Seite m , unten. Gleich nach der Hirchcnre»
formation hat die Regierung von Bern das erste merk»
würdige Sitten » Mandat ergeben lassen; es ist datirt:
vom 27 April 1Ç29 ; dessen 3itel heißt : « O r d n u n g
und Satzung betreffend Schweren, Zutrinken, Spie«
len, und die zcrhawenen Kleyder. ,,—
Zu Seite >i8. Die Loos > Ordnung von 171«,
bey Besetzung der Landuogtey'en und Rathsstellen, ist
im Jahr 1776 verändert, und auf eine andere Weis«
«ingerichtet worden. —
Zu Seite , , 8 , oben. Ein unverheyrathetes Stands«
glied kann auch Sechszehner werden, wenn aufsein«
Zunft kein alter landvogt ist.
Zu Seite »20. Bey Aufzählung de« verfchiedene«
Quellen von Staatseinkünften sind zwey der wich«
tigsten nicht angezeigt: Die Handlung mit dem
S a l z , und die Interessin von den ausse^Lande,
««gelegten Gelder» / vorzüglich in der englischen
Vank. (Man sehe jcdoch die Beschreibung von Bern
iter Band , Seite 100.)
Die Staatseinkünste lassen sich nicht bestimmen:
aber 20 tausend 3haler sind zu wenig für den Neberschuß.
Freylich sind Einnahme und Ausgabe stets im Steige»
und Fall««/ und lassen sich nie genau voraus berechnen.
Wie es in jeder Privathaushaltnng ist/ so ist es auch in der
Staatshaiishaltung: die ausserordentlichen Zeiten, er«
fordern ausserordentliche Anstrengung — aber dock im«
mer müssen auch diese dem Haupt« Kapitalvermögen und
den Hülfsmitteln angemessen seyn. Setze also Seite
120, unten, statt 20 etwa ,<x>,«x> Thaler.
Zu Seite u z . Mit Roche ist kein anderes Amt
verbessert worden. Ausserdem ist in diesem Jahrhundert
ein wichtiger Posten, den' man als eine tandvogtey an»
rechne«, eingegangen : das Commissariat in England,
welches bloß für die in der dortige» Bank angelegten
Gelder Rechnung zu führen h a t t e ; woraus also zu
schließen ist, daß der Kapitalfond daselbst ansehnlich
seyn müsse.
Zu Seite 123. Mit Inbegriff der ; Aemter in der
S t a d t , die für tandvogteyposten, gelten, sind es über«
baupt 59 Landvogteyen. —,
Zu Seite 126. Zu mehrerer Unpartheylichkcit wir»
bey der Wahl eines Landvogts noch vor den Balloten,
die Numeros von der Rangordnung gezogen. Unten
beyzufügen: S i t nehmen auch öfters gern geringe Vog«
Dd?
teyen, damit sie das Wahlrecht für Sechszehner er«
hatten können.
Zu Seite i«8, Zeile ;. Die Frau Schulthcißi»
hat den Titel gnädige F r a u , zum Unterschied der
Frauen Schultheißinnen von Buradorf/ Büren / Thu»
und Unterseen. —
Zu Seite 131. Auch von den Angehirigen müssen
jetzt von Zeit zu Zeit, wenn bürgerliche Faniilien abge»
hen oder aussterben, zu regimentsfihigen Bürgern an-
genommen werden. —
Zu Seite 131, Zeile 2;. Die Juden find schon im
Jahr l«88 aus Bern bannisirt worden. Bloß tolerirt
waren sie in spitcrn Zeiten, auf Durchreisen fürStun»
den und Tage, die sie theuer bezahlen muften. Vor 5
Jahren aber haben sie auch dieses Vorrecht im Kanton
«erlobren, «eil sie öfters auf schelmischen Händeln find
ertappt worden, und einige Berner Landleute um Kapi»
talsummen betrogen wurden, die ihre Associrten nicht
gut machen wollten.
Zu Seite 147. Die Jährlichen Sr»nc»dalversämm<
lungen der Prediger find nicht alle auf Mittwochen nach
Pfingsten festgesetzt; die Synode von Nydau hin ihre
auf Dienstags nach Pfingsten, und deren sind mehrere.
Zu Seite 147. I m Münsterthal find nicht? sondern
nur ; Pfarreyen l die andern 2 sind auf dem Tessenberg,
der aber nicht im Münsterthal liegt.
Zu Seit« 14z. Die Rardinalpfründen darf man
keck von 15 hundert Gulden, auf 2,3, ja bi« mis 4 tau«
send Gülden wenigstens anschlagen : — Die Naturalien
so sie beziehen und verlaufen können/ gelten ja jetzt drey»
mal soviel als vor 100 Jahren.
Zu Seite i ; l / Zeile *6. (Prediger < Wittwen»
!*fii). Der Mann muß aber mit dem Ehrlichen Ben»
trag fortfahren, und nur so kann die neue Frau eintre-
ten. Seit ohngefebr 30 Jahren sind auch solche Stift»»»
gen in Thun und Brugg errichtet worden. I n Thun ist
eine allgemeine/ und eine für die Dürftigern. I n
V r u g g ist eine für die Prediger» Burgerwittwen und
ihre Waysen/ die zu ihrem ehrlichen Unterhalt und
Auferziebung nicht genug Vermögen, oder nicht ander»
wirtige hinlängliche Beyhülfe haben.
Zu Seite 15; »i;*. Herrn Pfarrer wyttenbachs
Arbeitsschule hat ein Ende genommen — weil fast un» ,
überwindliche Hindernisse die Fortsetzung für ihn unmog»
lich machten. — Jetzt «wer wird ein weitlauftigere«
Armcninstitut projectirt.
Zu Seit« 163, Zeile « . Bey dem Getraidekauf
de« Regierung, verdient die von jeher bewiesene landes»
väterliche Sorgfalt unserer gütiggesinnten Obrigkeit auch
noch einen Zusatz. Man sehe die im Bück Seite 161 und
163 gemachte Erinnerung/ was sie für das Land im Iah«
1789 bis ,790 für den Ankauf der Früchte aufgeopfert
$<rt; wie die Summe bis Auf eine Million sieigt ! dtfs
alles ist schoil detaillirt angezeigt. Hier wollen wir
als, noch beyfügen: —daß bey der schwerenTheurung
»w I a h p i??? der hohe S t a n d V e r n , für etliche Ml»
ItanctJ Franken, Flüchte aus Sizilien hat kommen lassen,
mit schwercnFrachtcn und hoher Gefahr die ganze Summe
zu verlieren , weil die Fruchtsperre überall angelegt,
war. Damals/ obgleich die Frucht glücklich ins land
gekommen, hat der Stand 350 tausend Thaler aufge,
opfert, weil er das Getraide viel wohlfeiler erlassen,
als der Ankauf war.
Zu Seite 161, oben. Die Zahl der Geschlechter so
an der Regierung Theil nehmen, dürfen nie weniger
als 76 seyn. Nicht 72, sondern 76 Familien sind fest»
gesetzt worden.
Zu Seite 17;. Was da von dem reinsten Quarze
gesprochen wird, darin» das Blcyerz in Lauterbrunnc»
brechen soll, ist falsch. Man kann «hersagen, daß an
den Nfcrn des Thunersecs, an sehr vielen Stelle»
Quarzsand aenug gefunden werde, welcher zum Glas»
machen vortrefflich wir«.
I n Seite 163, Zeile iz. Den Bernern ist verböte»
in der Stadt mit mehr als 2 «Pferden zu fahren.
Zu Seite 178, unten. Dermalen hat das Valzwerl
im Gouvernement Aelen, Englisch » und Bittersalz,
zu fabriciren angefangen.
Zu Seite ,8», oben. Auch zu O r o « wird l « r f
ißstochen ; hingegen zu Tsihangnau im Emmenthal trist
man keine Steinlohlengrub«n an: man hat nur dann
n»d wann einzelne Stücke gefunden.
Zu Seite 198» Der Oblist Polier ist in Avignon
«mordet worden, und seine schone Sammlunzen waren
lange vorher emigrirt.
Zu Seite ,3«. Jetzt versammelt sich die Helveti»
scke sonst Schinznacher Gesellschaft zu Ärau. Diese
Verlegung ist wegen dem starken Zusammenfluß all«
Arten von Gastfreunden — nothig gewesen; denn Arau
hat mehr bewohnbare Wirihshauser als Ölte».
Zu Seite 23«. Als Mitstifter der ^eluetischen
Gesellschaft muß der sel, verstorbene Herr Seckclmeister
von Tscharner aus Bern vorzüglich genannt werden.
Zu seile 270. Die Aare wirdstarkzur Schiffarth nach
Bern gebraucht. Ordinir gehen Montags, Mittwochs
und Samstags unbedeckte Schiffe von Thun ab, die man
die sogenannte Ralberflotte nennt, weil das Mch aus
dem Oberland und Simmenthal darauf spcdirt wird.
Obgleich die 2lare ein sehr unbequemer Fluß zum
Handel und Spediren ist, weil er große Krümmungen
macht > und man zum Beyspiel um nach Arau zu kom»
men erst von Bern über Arberg fahren muß, welches
3 Stunden von Bern zurück liegt, so ist doch der
Strom staiklaufend, und man macht die Fahrt doch
noch geschwinder als zu Land , in sofern man nicht
selbst Aufenthalt macht. Die Wasserzölle sind «ter
doch auch hoher als die Wegzille.
Zu Seite «73. S a u m ist ein fiüßiges Maas, uni
hHlt in Bern 100 Maas, zu Zürich aber nur 90.
Zu Seite 27;, Zeile 11. Nuadratschuhe nicht
Kubikschuhe. Eine Stunde Wcg« rechnet man »war z»
stausend Schritten, aber es sind nicht geometrische
von ; oder r> Schuhen, sondern bloß gemeine Schritt«
von 2; Schuh. — Falsch werden also von den auelin»
dischen Geo^rap^en i8 tausend Schuhe auf eine Schürn«
zcistündc gerechnet / höchstens sind es 15 tausend
Schuhe. — Fnns Schwcizctstundcn Wegs , darf man
aber immer zu 6 deutschen Stunden Wegs anschlagen.
Zu Seite sgi., von unten. Zu einem Begleiter aus
den Vergreisen kann man den Fremden ausser dem ge»
nannten Herrn w e r r e , noch empfehlen : I a k o d Michel
zu Untersten, der auch noch 2 Brüder hat, Sie spre»
chcn sämtlich deutsch «nd französisch; sind im Prciß
noch gelinder als jeder andere.

NB. Der ganze Abschnitt von Seite 28Î an,


wird bey einer künftigen neuen Ausgabe viele
Verällderung-en erhalten. Das Ganze sollte nur
«ine kurze Uebersicht dco Rantons vorstellen;
und dieses wird es zum Theil auch thun. Da man
aber zu wenig Unterstützung im Lande selbst, zu
solchen Beschreibungen erhält, so kaun man kaum
hoffen, jemals etwas fehlcrfreyes liefern zu können.
Zu Seite 287. Ist zum Landgericht Srftigen bin»
zuzufügen: Obergurzeln, Zimmerwald, Reutigen.
Bey den Landgerichten ist auch üderhaupt anjtt»
mttfrn, daß wo die Pfarreycn unter Landvöaten oder
Frcyherrschaften stehen, nur dnS Militär und Krimi-
nale zum Landgericht gehört; und auch letzteres nicht
allemal: wie z. B . bey der Frcyherrschaft B e l p , Aig«
Zioberg.
Zu Seite 596. Mühlinen ist kein Städtchen mehr!
jetzt nur ein kleines Dorf.
Nicht weit von Frutiaen sind große Lagen voll
Steinkohlen, wo schon oft gearbeitet, und ehemals viel
«uf Bern gefühlt norden.
Ueber Reichenbach hinein geht das 2Uenthal, w»
ausserordentlich fruchtbare Berge sind. Dieses Thal
läuft an die höchsten Eisberge hin, und bildet daselbst
einen der schönsten / auch von Bern aus sichtbaren Glet»
sch«/ der Gamchigletscher genannt.
Z» Seite 301. Zu Lauterbrunnen. Zuhinterst in
diesem Thäte sind Bleybergwerkt/ in welchen seit eini-
gen Iabrm mit vielem Fleiß gearbeitet wird. Schon
in den ältern Zeiten trieb man daselbst an verschiedenen
Stellen mehrere Stollen auf Eisenerz/ welche«, inson»
derheit in der Höhe, octaedrische sehr kleine Kristalle
bildet und von sehr guter Natur ist. — Die Alp Sefi>
nen ist durch die sogenannten Sefinerkäse, welche vor»
züglich sind, bekannt.
Zu Seite 303. Das Dorf Vrunek gehört nickt
nach Klniasfelden, sondern ins Amt Lenzburg z ist
aber in das Dorf B i r r , Klrngsfelder Amt«, Pfarr»
gmlßig.
Zu Seite 207. VeUmont gehört nicht in die Pfarre
Bürgten, sondern in die Pfarre Nida». — Dieser 3 K «
thlii» kommt schon im Dictionnaire de la Suisse vor, und
scheint au« demselben hier aufgenommen zu seyn.
Zu Seite 3-7- S t . pctcro . Insel gebiet zu
T w a n n und nicht zur Pfarre Ligerz.
Zu Seite 507. Tcssenberg, Montagne de Diesse, wie
es gewöhnlich geschrieben wird; ist Mediatland zwischen
Bern und Prnntrut. Bern hat nicht die Criminalge»
richtsbarkeit, sondern uur das Consistoriale allein. Btrn
fetzt die beyden Pfarrer nach Liesse und Nodz. _ Auch
hat es die Criminalgerichtsbarkeit über die Diebstähle.
Es ist merkwürdig, daß die Acte sagt: ,zEiu Dieb und
ein Bar sollen in das Schloß Nidau geführt werden ie.
Zu Seite 308. Bey der Landvogtey Saanen ver»
dient noch bemerkt z» werden das T h a l von Lauincn !
das eine so sonderbare wilde aber doch fruchtbare Lagt
hat, theil« auch des prächtigen Duugelgletschcis/ des
berühmten Dungelgeißkäses, der schönen Dungel »und
Gelten ' Kaskaden wegen.
Zu Seite z u . Zu dem Amt Trachselwald gehört
auch TsthanFn.-.», Gericht »und Kirchgemeinde.
Zu Seite 312I Schwarzrueck ein sehr Hochgelege«
«es Kirchspiel, welches seiner Lorfgründe und des d«'
selbst in Menge ausgegrabenen Toifcs wegen, für die
Landschaft sowohl, al« auch für die Hauptstadt stets
wichtiger wird.
Ibidem. S p i e l ist kein Städtchen, nur ein Dorf,
welches
welches so wie die Gegend daherum seines Obstwachfe<
wegen berühmt ist.
Zu Seite 3°°- Interlacken liegt in einem schmalen
3halc. — Die lütsckin^en, die A«e> der Thun« »und
Bricnzersce schließen es, ein. —
Zu Seite 3«!. Die 2 Gletscher zu Grindelwald/
so dem Pfarrhaus gegen über lieaen/ und welche alle
Fremde am meisten besuchen / ncissen der obere und
der untere Gletscher; die Lütschinen entspringen aui
ihnen undfiiessenin den Vrienzcrsee.
Das Lauterbrunnenthal ist s bis 3 Stunden lang.
I n diesem Thal wird seit wenigen Jahre» ein Bergwerk
bearbeitet, das etwas Bley, und nur gar wenig Silber
zur Ausbeute giebt.
©'steig bey Interlackcn liegt i Stunde von Inter»
lacken; die Kirche hatte vor der Reformation großen 3«'
lauf aus dem Oberland als Mutterkirche.
3» Seite 312. Unterseen, etwa ,2 Stunden von
Bern. Das kleine Thal bringt doch sehr viele und feine
Baumfrüchtc hervor. Das Ami begreift:
D a s Städtchen Unterseen, welches schöne Rechte
und Freyheiten hat, als das Rechtdes Zolls, des freyen
Handels für jeden dafigen Bürger; gewisse Frevel e«t<
weder allein oder zum halben Theil mit dem Amtmann
zu strafen; einen Wochen »und 7 Jahrmärkte zu halten j
feinen Pfarrer selbst zu wählen, u. 0. m, welche von
der Obrigkeit, wegen erzeigter Treue in dem Aufstand
von 1529 sind bestätiget worden.
U. Theil. Ee
Das D o r f Interlacken hat mit denen von Unter»
feen das Recht ihren Pfarrer selbst zu wählen.
Habkern, eine Pfarre in einem Vergthal, auf den
Grenzen gegen das Amt Lrachfelwald und den Kan» -
ton kuzcrn.
Gt. Beatenberg. Eine Pfarrey auf der Höbe oben
am lthunerf«. Am Abhang deS Berges etwa \ Stunde
vom Geeufer ist die bekannte Hole des heiligen Beat,
des seynsollenden ersten christlichen Missionars bey den
Helvetieri«.
Sundlauenen oder Sundglauenen, ein kleine«
Hirschen am Fuß des Beatenbergs, und am Ufer des
Lhunerfees.
Diese letztere 4 Dörfer gehlren erst seit 176» in da«
Amt Unters««/ vorher zählte man sie zur Landvogtey In»
terlackcn, und wurden gegen die Herrschaft Unspunnen
ausgetauschet.
Beym Ausfluß der Aare in den Lbunersce liegen
Ruinen von einem alten Schloß weisen«», davon
man aber leine Umstände weiß. Nahe beym Nenbaus
ist ein Heilbad für offene Wunden, das aber nur aus der
Nachbarschaft besucht wird.
Zu Seite 316. S t . Steffen ist die erste Kirche
lm Obern'und Därstetten die erste im Untern-Simmen«
t h a l j diese 2 Khiler haben nie zusammen gehirt. D «
Bach, welcher sich mit der Simmen vereinigt, heißt
die kleine I i m m e .
Zu Seite 316. Das alte Schloß Blanfenburg ist
jetzt neu erbauet.
Zu Seite 317. Wild Arau eine kleine Stadt ge»
nannt, wie sie es auch wirklich ist; doch hat sie in ihrem
kleinen Umfang 4;» Häuser. Worunter einige recht
wohl gebaut sind.
Zu Seite 318 Zeile 10. Das Arauer geistliche Kapi»
tel bestehet nicht aus 2 0 , sondern aus 24 Pfarreyen.
Es sind in dieser Claß noch 10 Collatur» Pfründe, ausser
Arau- B r u g g und Lenzburg erwählen wie Arau
gleichfalls ihre Prediger selbst.
3» Seite 3*>- Zofingen liegt nicht an der Wigge»/
welche kein Fluß sondern bloß ein großer Bach ist. —
Von dieser Stadt gehen nicht nur von Verbürgerten son»
dcrn auch von andern, keine Appellationen nach Bern,
wie von den 3 übrigen Aergauer Municipalstädten.
I u Seite 327. Zu XXyon ist seit einigen Jahren
eine porzellansabrike, die wir nicht bergessen wolle»/
da sie dem Land die Einfuhr des fremden Porzellans er»
spart; und an Güte und Schönheit wenige auslindi»
sche Arbeiten dieser gleich kommen.
Zu Seite 3^,1. Iferten am Auslauf des Neuen»
blirgcr Sees : sollte heißen: am Auslauf der Orbe, welche
sich daselbst mit der Lhielle vereinigt und, in den Neuenbur»
ger See'ergießt. Der Auslauf des Neuenbürg« See»
ist bey dem Rothhaus, 2 Stunden untenher Neuenbürg :
dahingegen Iferten zu oberft am See liegt.
J » Seite z « . Man so« von Avenche nickt sagen,
Ee a
daß feilte Alterthum« mehr daselbst zu sehen seyen. Hin.
Ritters Vuch über dieselben und die Zeichnungen darin«
neu beweisen das Gegentheil ; freylich ist es gegen das wai
nian nach der vormaligen Wichtigkeit des Orts zu sehen
glaubt / fast wenig und unbedeutend ; wie es Herr Rit>
ter auch selbst gestehet.
(Ueber de» Aufsatz Seite 347 bis 354 ) Die Vetrach»
tungen über de» Ranton 8 e r » / welche den, Schluß
des itcn Bandes beygefügt worden, haben vielen Per»
fönen wohl gefalle«/ die das Herzliche, w a r m e / ab»
sichtlich Gute, zu schätzen wußten; ohne die im Eifer
der Gefühle begangene Allgcmeinmachung zu stark zu
rügen. Andere/ nicht weniger gute Patrioten/fanden
darinn Uebertreibung, und was dem Verfasser doch wohl
nicht zu Schulden kommen kann — Unlunde des Landes :
da er nur zu gut von vielem unterrichtet ist, vieles
mit Leuten jeder Art zu thun hat,- nicht aus Bücheiil/
sondern aus der lebenden Natur feine Empfindungen
hernimmt. Wollte Gott er hätte unwahr geschrieben:
Aber wenn auch nur der zwanzigste Theil de« Bildes so
er aufgestellt, t r i f t , und ähnelt — so wäre es schon
lobcnswürdig genug , daß er auf diese Fehler des Landes
aufmerksam gemacht h a t , denn man kann leicht zu
jovialisch denken, und was dem einen hypochondrisch
gemahlt scheint, kann es in der Wahrheit doch weit mehr
seyn, als was so viele im täuschenden Sonnenglanze
aus alter Vorliebe für ihre Landsleute für besser und
Mffend« halten. Ich wünsche nicht, aber ich befürchte,
daß in « J a h r e n , wennsichdie Folgen der heutigen
Lebensart noch stärke« entwickelt haben werden, das
Bildsichnoch mehr bewahrheite, und allgemeiner trefft/
als es jetzt scheint! —
Zu Seite 34<>- Die Zählungstabelle ist von 1764
nicht 1784' (Siehe die Berichtigung im «ten Theil,
Seite 4° )

Zusätze zum zweyten Theil.


w e r t h des Geldes.
ZuSeitc 6. I m I a h r 1360 verkaufte SchultheißIohann
von Bubcnberg an die Stadt Bern, die Schwellt/
mit Sig» Sckleif»und andern Mühlen, mit Fischrecht
und mit dem Bach, der die Matte hin » und durchlauft,
welches alles die Edlen »on Bubenberg als Reichslehen
besassen, um 1300 Rheinische Gulden.

Umfang der Stadt.


Zu S. ?. 1346 wurde der Gpitalthurm, mit den
andern Thürmen und die Stadtmauern, von einem Ende
bis nach der jetzigen Schützenmatte, in Zeit von &
Monaten erbauet.

polizey.
Zu S. 8> 1393 wurden Stockbrunnen in die Stadt
geleitet, und die Gassen mit Steinen «epfiasttrt. Vor
Nicht viel mehr als 100 Jahren, waren in der Haupt«
gaße Schweinftille, und nach vorhandenen Polizeyver«
«rdnungcn mußten diese Ställe zu gewissen Stunden
zu, und die Schweine eingeschlossen werden.
Neoölterung.
Zu Seite 40. Die Zahl der jährlich Sterbenden au»
de« bürgerlichen Familien in Bern, da auch die Aus»
wirtsdegrabenen dabey gerechnet werden: ist laut hi<<
figera Wochenblatt seit mehr als 30 Jahren immer zwischen
1:5 als die Mittelzahl. — Ein paarmal stieg es über 140,
6 mal aber auch fiel es unter die Zahl ioo. — Rechnet
man nun für unser gutes Clima den z;tcn Menschen auf
dm Tod - so ist, wenn man die Zahl von 12; Todten
mit 3; multiplicirt, die Anzahl der Kopfe von leben»
den bürgerlichen Personen aus allen Ständen und Al»
tern 4375- Welches auck so ziemlich .der Gcneralzih.
lung im Jahr 1737 nahe kommt, da man 45;; Per»
sonen (oder Köpfe) heraus brachte.
I n einem Zeitraum von 26 Jahren, nämlich von
,764 bis i7S9, inclus, find bürgerliche Personen ver»
siorben 3°38- —
, Und in der N7ünsterkiche sind in dem gleichen Zeit»
taum bürgerliche Rinder getauft worden 2279.
Dieser Zuwachs und Abgang wurde bis zum Jahr
178:, allemal am Ende des Iabrs im Wochenblatt an»
gezeigt. Da aber so viele bürgerliche Personen in
Aemtern in dem Kanton und ausserhalb angestellt sind,
deren Tod wohl im hiesigen Wochenblatt allemal be»
merkt wird, abcr deren Kinder, wenn sie nicht in der
Münsterkirche zu Bern getauft waren, nicht zu bew
Zuwachs gezählt wurden , so ist es gut, daß man diese
irreführende Berechnung abgeschaft hat.
Auch wird es überhaupt schwer sey«/ den Stanb
der Bürgerschaft und au« wie viel Köpfen sie bestehe,
eben so genau zu wissen; wie man die Familiennamen
wohl weiß, die man in Register und Wappentafeln—
gebracht bat.
Ein Kalkül darüber wird nie viel bedeuten, wenn
man nicht jeder Familie eine eigene Rechnung von S o l l
und Habe« hilt, allemal — Anwachs und Abgang genau
eintragt/ und die auch auswlrts Lebenden und frühe«
oder später in die Stadt zurückkommenden Bürger mit
in Anschlag bringt; die auch den Stand ihrer Familie
von Jahr zu Jahr einzuberichten verpflichtet seyn soll»
ten. Ueberhaupt aber kann man bemerken, daß in Bern
die Leute sehr alt werden. Personen über 70 I a h « sind
gar nicht selten: im Jahr 1737 waren unter 13« £00«
ten, au« bürgerlichen Familien, 40 Personen die
zwischen 70. «0 bis 9° Jahr alt geworden; so auch 178!
unter ?6 Todten, fanden sich 23 von diesem hohen Alter.
(i?8y/unter 171 waren es 36)? (r?9°, unter „ » w a r m
es 13); O791/ unter 119 sogar 3«); (179*/ unter 116
waren es 26); (1793, unter 13? waren eS , ; ) : (1794,
unter 159 waren es 38) ; (und »79; / unter 141 fanden
sich 35).—
Auch in Lausanne trist man diese glückliche Leibes»
Konstitution an; im Jahr 1737 fanden fich unter « «
Ee 4
Lohten/ 40 ©reiße; im Jahr 1788, waren unter 216
Todten 44 ©«ige ; im Jahr i789, unter 202, 39 ©reiße;
im Jahr 1790 / waren von 216 Todten/ 35 ©reiße; im
Jahr 1791/ unter 210 Todten waren 3, ; und 17?',
unter 257 waren 3 8 — Hingegen ist auch die unver»
bilrnißmäßiae große Zahl der Todgebohrnen Rinder
in dem Lausi^nner Wochenblatt merkwürdig: da sin-
det man zum Exempel vom Jahr 1757, 29; vom Jahr
I78</ i s ; vom Iah« ,789, 3«! vom Jahr 17ÇO, 38;
von 179! / : ? ; vom Jahr 1792, 32 todgebllhrne oder
vor dcr Tauft verstorbene Kinder: und so fährt es fort.
Dies verdiente dock einige Aufmerksamkeit der Regie«
runa. Vielleicht ist es in andern Gegenden des Kanton«
wegen der schlechten Hebammenpflege auch so / das wäre
also der ^ Theil fast aller Gezeugten, die nicht das Tages«
licht erblicken odcr im ©ebohrcnwerden schonsterbenII
Man denke erst noch an die Blattern und Kinderkrankhei-
ten, und wer wirdsichferner wundern dürfen, daß die Po»
pulation im Kanton von Eiugebohrnen im Sinken ist. —
« i m . •. möge» " . ' ^ w niKim wr* i*Mjim-m.<+AM j m « . m i j.mni.Mm

Druckfehler und Auslassungen welche im


Neu Theil zu verbessern sind.
Gleite 13, Linie 18 statt MCXI. soll stehen MCXCI. ,
Veite 67, Zeil« 5 von unten: zwey Laubthaler/
statt t\.
Veite 92, Kamme* angestellt. Setz« hinzu: als Sekretär.
S . 94/ Zeile 9, statt regierender lies: nidit legierenden.
S . 98/ Zeile 8, von unten Obern / lies Oberherrn.
G. 174, Zeile 3 , statt keine einzige, lies eine einzige
Glashütte (nämlich zu p^udcx bey Lausanne).
S . ÎCQ, unten Zeile 3 , nivalis statt niralis.
S . *i6/ unten / lies Lory statt Loni.
S . 217/ Zeile 3 / auszustreichen: zweyer junger Mahler
anschließen/ dafür setze von Aberli und Nieter
anschließen. -
S . «!?/ Zeile , 4 , lies aufwärts: statt auswärts.
©; =25, Zeile 8 , lies zu Vern statt Basel.
S . 220, Zeile 11 und 1 1 , lies Janinet sciilpsit (lfltt
Descourtis sctilpsit,
©. 234, unten / lies Meyringen statt Mennigen! statt
Tennenalv, lies lannenalp.
©. 250, und anderswo / lies Schinznach/nichtSchinl«
nacht.
©. 274, von unten, ausgeschossenen, statt ausge«
fchloßenen.
©• «7?/ Zeile 8> nicht 10 sondern 15 Batzen ; und bes-
ser unten statt 1 Nthaler; muß i' Nthaler gesetzt
«erden.
©. «83/ unten, drey französische Thaler statt zwe,.
G. 183, unten, lies 3 große Thaler statt 2.
G. 284/ lies 3° Batzen statt 2;.
©. 2,3, lies Erlach 7 Stunden von Bern.
S . 293, Zeile 7, lies nieder Oesch, nicht äsch.
S . «94/ Frieni«berF 3 Stunden von Bern.
Ee 5
©. 500, unten Zeile 5, lie« Rasen statt Besen.
O. 304/ Zeile 8, Rrägligen/ und @f. 313, Zeile 9
Aoppigen.
O. 315/ Zofingen it Stunden von Bern, nickt 14.
G. Jï4/ Coriier ist nicht | sondern £ Stunde von Viviö.

Die Kunsihindler in Bern, besonders Herr B ü r k y ,


und Schimper, besitzen von den angezeigten Kunst»
malereyen nicht Nachstiche und schlechte Originale.
Vorzügliche Arbeiten trift man bey ihnen an: so wie
sich mehrere Künstler selbst öffentlich erlllrt haben, sie
als ihre Rsmmißionaire «»gestellt zu haben. Die An»
merkung im Buch Theil 1 Seite «14 muß also nicht zum
Nachtheil aller Kunsthändler verstanden ««den. Die
Urquelle dieser Anzeige ist unrein — wovon man mir
Proben gezeigt bat.

Nach«
Nachricht
von der Entstehung dieses Buches, und
einige Anmerkungen über die
Reistbeschreiber.

Billig gebe ich den, Publikum auch Rechen«


schaft von der Entstehung dieses Buches, da feine
jetzt zu zwey Bänden angewachsene Größe durch-
«uö nicht in dem ersten Plane fast.. Schon seit 5
Jahren habe ich den Gedanken gehabt, zum Dienst
der hiehcrkommenden vielen Reisenden und Frem,
den ein Wcrkchen zu veranstalten, das gleichsam
ein cicérone für sie sey, und worinn alles was
zu Stadt und Land sie intcreßiren und ihre Auf-
mcrkfamkeit sixiren könnte; w r z , genau und po»
sitif beschrieben w ä r e ; das Ganze aber sollte
mehr eine bloß Nomenklatur oder ein Fingerzeig
für sie seyn, als daß über die Sachen raisonnirt
oder im Urtheil den individuellen Beschauern vor-
gegriffen würde. Ein jeder möge mit eigenen
Augen sehen, und mit seinen eigenen unbe«
fangenen Empfindungen die Resultate ziehen.
D a man der weitläufigen raisonnir'enden Werte
über die Schweiz schon so viele hat, so wäre ein
* = 448 = ,

solches planes Sachregister um so wünschcnswnrdi«


gcr; und ein cissentlichcr Guide du Voyageur dans
le Canton de Berne wird bey aller Menge von
Schriften doch noä) vermißt, wie ich so oft als
Buchhändler diesen Mangel fühlte, wenn man
mir dcrglcichcn Nachrichten abforderte. I c h sprach
daher oft hierüber mit mchrern hiesigen Gelehrten
und Vaterlandükenncrn; legte ihnen meine Ideen
lur; und klar vor, und wünschte, daß sie unter
sich, jeder in dem Fache wo er am meisten Keni«-
nisse hatte, mir ein solches Büchlein zu Stande
bringen helfen wollten; das nicht reich an Bo«
gcnzahl, aber desto reicher an Sachen und I n n -
halt seyn möchte. I c h nahm zum Muster die
dem kleinen Mannheimer Hofkalendcr beygelegte
Anzeige der Merüwürdigkciten in Mannheim,
Heidelberg und der Pfalz. Welches kleine artige
Wcrlchcn mir immer sehr Wohlgefallen hat, und
auf 4 eng gedruckten Bogen in Taschenformat
einen Reichthum von Sachen und so ordentlich
verzeichnet, enthält, daß ich noch kein besseres
Modell für jedes große und kleine Land vorzu,
schlagen wüßte.
Leider konnte ein sehr fähiger und Wissenschaft-
lichcr junger Mann damit nicht zu Stande tom-
mcn,dcr mir bereits dao Versprechen gethan, mit
Hülfe seiner Freunde meine Wünsche zu bcfricdi-
gen. Berufs - Arbeiten ruften ihn davon ab.
D a ick) aber den Gedanken damit nicht fahren
lassen wollte, so suchte ich immer noch vorzüglich
am liebsten einen Berner selbst, weil ich glaub«,
solche vaterländische Notizen könnte lein Ans«
ländcr so gut geben. Da ich lange herumgcforscht
hatte, fand ich endlich einen für Geld und gute
Worte;— ob ich aber mein Loos nicht zu bereuen
gehabt habe, mag das Folgende erklären.
Voraus,kamen wir überein, daß das Werk,
chcn als ein Taschenbüchlein, nicht über 8, höG
stens io oder 12 gedruckte Bogen geben sollte.
Ich machte ihm selbst die Rubriken, die ich ans-
gefüllt zu sehen wünschte; ich verschafte ihm die
Hülfsmittel mit großer Mühe, und lies über ?»
bis 60 verschiedene Bücher über den Kanton für^
ihn zum conftrircn binden; — ich gab, ihm —'
weil er es haben wollte, auch Pränumeration. Er
verlangte, daß man mit dem Druck anfange, und
er werde immer hinlänglich Manuscript liefern:
Aber kaum war die Arbeit im Werk, so sah ich
mit wem ich es zu thun hatte : Er glaubte mich
in Händen zu haben — und mir so viel oder so oft
als es ihm beliebte, mir die Handschrift versagen
zu können. Ganze Monate stund die Arbeit in
der Druckercy still; 7 Bogen lagen beynahe ein
halb Jahr abgedruckt ; und die Beendigung sah
kein Mensch voraus. Auch was nur cinverzeich-
niß der Berner Merkwürdigkeiten styn sollte,
ward eine Abschrift aller Erzählungen der neue-
sten Ncistbeschrcibungcn aus Meinero, Cocx, :e.
(Da wäre nun meine Sorge einen gcbchrnen
Berner zum Verfasser zu haben, eben nicht nrthig
gewesen). Und er hat dabey de» Ruhm seiner
Landsleute nicht behauptet. Aach nahm er so
viele Discußioncn aus andern Büchern auf,
welche wenige Berner für durchaus ächt erlen-
nen, auch zum Theil schon in der Censur ver-
werfen wurden. Bereits waren auf diese Art
in Zeit von 14 Monaten 17 Bogen abgedruckt,
ohne daß noch ein Wort vom Kanton geredet wer-
den, der doch das Hauptinteresse für den Fremden
hat: Und wenn nach Proportion der Gegenstände
die Behandlung eben so weitläufig hätte ausfallen
sollen, würde das Buch auf 4 Bände stark gewor-
den und kaum zu erleben gewesen seyn, da die un«
aufhörlichen Einschiebsel und Unterbrechungen die
Dauer dieser Arbeit iucalkulabcl machten; und
das schon ohnehin nicht immer deutliche Manuscript
die beschwerlichsten Korrekturen erforderte, Druck-
fehler und Versetzungen also auch bey aller Acht-
samkcit des Setzers doch unvermeidlich blieben. —
Bey solchen immer mehr und mehr wachsenden Bc<
schwcrdcn, haben endlich der Verfasser und der
Verleger bey Seite 284 ihren Accord aufgehoben,
und was also nach Seite 285 folgt, daran hat der
erstere keinen Theil, und wurde bloß als Anhang
noch beygefügt; weil das Buch schon seine Grän«
zen überschritten hatte. Und wirklich wird der
Kanton Bern von einem Sachkundigen Manne
neu und vollständig bearbeitet. Auch vielleicht
Prospelte damit vereiniget werden.
Der Titel, so wie ich dao Werk projektiv hatte,
war auch bereits gedruckt, und mußte abgeändert
werden, er hieß: Wegweiser für Eiilheimische
und Fremde. Oder B e r n , die Stadt und der
Kanton. , Der erste Bogen hatte folgende kleine
Vorrede von mir.
«Der Kanton N e r n hat mr den Reisenden s» viel«
»Merkwürdigkeiten / daß es Einbeimischen und Fremden
»angenehm seyn muß, ciuen Wegweiser zu finden, der
„sie gleichsam bey der Hand nimmt, und zu allen Gegen»
»ständen hinführt, die ihrer Aufmerksamkeit vorzüglich
»würdig sind. Die Stadt Bern wird durch den Kanton/
»und der Kanton durch die Stadt interessanter. Wer
«dies Land kennen lernen w i l l , muß also den Kanton
«fieißia bereisen, und nur Ruhcvuukte in der Stadt
«machen. Auch Einheimische werden in dieser Schrift
»manches finden, wa« sie noch nicht beobachtet haben,
»oder nickt im Zusammenhang wußten. "
Auch diese Note mußte wegfallen, weil sie nicht
zu dem Buch paßte. Man siehet also, daß bey der
Ausarbeitung der Plan—der doch die Basis unsrer
Konvention war — ganz verfehlt und aus den
Augen gefetzt worden ; und bloß durch die nun
möglich gemachte Berichtigungen des zweyten
Theils, darf ich hoffen, daß das Publikum es nicht
bereuen werde, weil es jetzt was ziemlich vollständig
gcs über das Land erhält.
Bey diesem zweyte» (Theile habe ich Mich nun
selbst bemühet, 'die begangenen Irrthümer des
iten Theils zu berichtigen, und mit Hülfe von wah.
ren Patrioten die Sache in ihr gehöriges Licht zu
stellen; ich habe schriftlich und mündlich die
Urtheile kluger Männer eingeholt; ich glaube auch
. darin» glücklich gewesen zu seyn. — Nicht aus
gedruckten'Quellen, am allerwenigsten aber aus
Reistbcschreibcr« Ziachrichtcn—sondern aus wah-
rcn zuucrläßigen Datiö sind die Berichtigungen
geschöpft ; und in der weitern Ausführung—da daö
Werk einmal in einem andern und weitläuftigm
Plan angefangen war — habe ich es möglich zu
verbessern gesucht, so viel meine Zeit und meine
Hülfsmittel erlaubten. Und wäre es mir auch
mcht überall gelungen richtig zu sehen, so wird
doch das Buch, wie es jetzt ist, viel nützen, und
der Brauchbarkeit näher gebracht seyn.
Damit aber auch mein erster Plan nicht ganz
vertilgt sey, so wird nächstens ein solches kleines
M a n u a l über die Hauptmcrkwürdigkeiten zu Stadt
und Land, f ü r Reisende erscheinen.
Hier könnte ich schließen; aber ich habe noch
einige Anmerkungen über,die Menge von Rcisebe-
schrcibungen über die Schweiz, zu machen.
Es ist durchaus falsch und nichts als eine stolze
Eigenliebe sagt es, daß kein Fremder über ein
Land schreiben sollte. — Tout au contraire ! Der
Fremde siehet mit vorunheilsfre»ern Augen, ihm
fällt eine ungewohnte Sache stärker auf als dem
Einheimischen, er kannVergleichungen mit andcrn
Ländern anstellen, er dependirt nicht von der Gunst
der Patrone, ihm ist Wahrheit — wo er sie findet,
heilig, ohne Rücksicht ob ersichdamit einen Patron
mache; er hat weniger Furchtsamkeit; und wenn
er
er eine geraume Zeit an einem solchen Orte
gelebthat, dabey einen freyen Kopfzum Beobachten
mitbringt — ohne Animosität und Bitterkeit
schreibt, sich zum Gesetze macht getreu zu senn —
so ist sein Urtheil und seme Meynung auch dem Ein«
heimischen desto interessanter und neuer. Aber
Noiadene man muß nicht mit der Post durchs
Land reisen ; nicht in den vornehmen Cirkeln leben!
man muß als ei» Geschäftsmann seine eigene Em«
psindungeu von vielen Jahren dabey walten lassen;
und eben darum sind die Rcisebeschreiber fast allge^
mein verachtet und unbrauchbar, weil sie nur ein-
fertig, fiüchtig, und mit Vorurtheilen sehen;
die Data, so wie sie ihnen in die Hände geliefert
werden, oder vom Zufall in die Hände fallen,
begierig aufraffen, und daraus übereilte Schlüsse
ziehen; genug wenn sie nur auffallend und neu seyn
können. Kein Genie, kein hypochondrischer 9te
zensente;— kein Stubengelehrter der die wirkliche
Welt mit siinen hohen Idealen verwechselt, ist
dazu geschickt. J e mehr Bücherweisheit ein sol-
cher Schreiber hat, je weniger praktische Klugheit
und Verstand wird sein Urtheil auszeichnen. Da-
her hört man oft lieber das Raisonnement eines
Handweeköpurfchen, der das Herz am rechten Flecke
fitzen hat, über ein Land, das er oft bereifet nnd,
aus Erfahrung kennt, als die trivialen wieder»
kauenden Sarcasmen, oder die bald hochtönende
bald absprechende Ieremiaden der Länderbe,
schreibet.
II* The«. Ff

^
Unausstehlich ist es, wie die täglich noch sich
vermehrenden Ueistbeschreibungen über die
S c h w e i z , auch den Kanton Bern in einem fal,
schen Lichle vorstellen, oft schöner, oft häßlicher gc-
mahlt haben, als er in der That ist; und wozu
ihnen die bereitwilligen Hände dienstbarer Geister
im Lande selbst den Stoff liefern, den sodann der
Bücherfabritant nach seinen individuellen Ab-
sichten entweder ins Schöne oder ins Häßliche be,
arbeitet; und geradeso, wie er und seine Gehülfen
schon dafür gestimmt sind. Auch scheint die Reise-
beschre^'er Wahrheit mit der poetischen w a h r -
heit synonym zu seyn. — Genug, wenn nur dat
B i l d in allen seinen Theilen gleicht, eine Wahr,
schcinlichkcit davon eristirt; so ist es schon genug
sie für Wirklichkeit und Allgemeinheit auszugeben.
Und so schreibt einer den andern aus, ohne lange
Komplimente zu macheu; denn es ist leichter zu
vergnügen und zu unterhalten, als zu belehren
«nd zu beweisen ; und eben darumschreibensieauch
am liebsten anonym. Zu keiner Zeit war da«
Uebel so allgemein wie es jetzt ist, und die Menge
solcher zudringlichen Reisedcschreibcr gehört ganz
zu dem Charakteristischen unsrer heutigen Schrift-
stellerwelt; sie machen gegen die so gerühmte Auf,
llärung einen seltsamen Kontrast, undsiesindauch
das nächste M i t t e l , sie gänzlich wieder auszulöschen
und alle Preßfreyheit odiös zu machen.
S o sehr ich ein Feind alles Preßzwanges bin, «nfc
die in einigen Fürstenstaaten angelegte Inquisitions,

•\
«»stalten bemitleide; so unwillig werde ich doch,
wenn freye Schriftsteller dieses goldene edelste
Vorrecht muthwillig herabwürdigen und gegen die
Privatsicherhcit mißbrauchen. Denn diese V ö l -
lermahler verursachen nach Proportion ihrer Men»
ge und ihres Anhangs eben se großes Unheil—als
die Libellistcn in der Streitfache der Franzosen.
D a streichen sie, die Reisebeobachter, durch die
Städte und Länder wie die Schcermäuse wenn sie
nach Brod gehen; sie schnüffeln an allen Thüren,
hatten sich aber nirgends lang auf; und wo sie
nichts finden, da schaffensieselbst etwas scheermäu>°
seartigcs, sie wühlen gern den alten Schutt auf,
und bey solchen umgewühlten Haufen lassensieihre
Spuren zurück, daß sie einmal da waren^
Solche Leute wissen auch durch die heillosesten
Kunstgriffe da und dort unter guten Menschen M i ß .
trauen und Feindschaft zu erregen; und sie dienen
vorzüglich gern zu S p i o n e n . Was in jedem Lande
in Absicht auf Religion , Erziehung , S t a a t s
Verfassung u. dergl. geschiehet, wissen sie zu ihren
Absichten zu benutzen. S i e schreiben alles auf,
machen Anmerkungen, Untersuchungen und Be«
schreibungcn von Sachen, die sie nicht verstehen,
die sie nur halb gesehen, oder mit Vorurtheil ge«
sehen, und da entstehen Bücher von so superfizieller
A r t , daß oft in den allbewunderten Schriften,
unter vielen hundert Behauptungen nicht eine ein.
zige wahr ist. (Hierüber klagte ich schon in met»
Ff,
nem Bürger - J o u r n a l / «nd gab Proben in mel-
nem neuen Werke Appel an meine Kation.)
Wie lächerlich die Reiscbcschrciber ihr Lob oder
Tadel austheilen, mag man auch nur aus einem
kleinen Beyspiel sehen: Ich weiß nicht in welcher
Rcisebeschreibung gesagt wird, daß in Bern das
beste Brod gebacken wird. Der Reisebeschreiber
fügt hinzu, daß er in den Hauptstädten Deutsch-
lands kein solches gutes Brod gegessen habe; —ja
selbst in Wien, wo bekanntlich ein recht schmack«
Haftes Kernbrod gegessen wird, sey es nie so gut.
O h ! Herr Reisebeschreiber, die Sache ist ein we<
nig übertrieben. Wir haben auch wie aller Orten
«nsre Zeiten, wo gutes und schlechtes Brod ge.
backen wird : S o wie es auch auf die Meister und
Gesellen ankommt. Aber nach der löblichen Ge«
wohnheit — muß alles übertrieben, alles allge«
mein im Lob wie im Tadel seyn.
Herr Norrmann nennt mich immer als
Verfasser der Beschreibung von Bern. I n dem
ersten Theile ist aber nichts von mir *) als die v e ,
trachtungen über den Ranton, von Seite 347
bis 357. Ich werde mich nie scheuen zu allem was
ich schreibe, meinen Namen zu setzen, daher nannte

' ) Ausser daß ich der Schreibart und der Orthographie


des Herausgebers wo er selbst reden wollte, bie mit"
dort nachhelfen mußte, der S t y l also durch mich'
verbessert worden; wobey einige kleine Zusätze mit
einstoßen.
ich mich auch im Schweizer - Museum zu diesem
Aufsatz ; und ich bekenne mich eben so ohne Furcht
als Herausgeber dieses zweyten Theils. Denn d»
ich seit i 8 Jahren im Lande lebe, so konnte ich
diese Arbeit umso zuversichtlicher wagen, als ich
die Blüthe und Kraft meiner Jahre da zurück«
lasse, wenn ich einst von hinnen ziehe. Bern muß
mir wichtig bleiben , denn die Erinnerung des
Vergangenen ist dem menschlichen Geiste allemal
angenehm, wenn auch Mühseligkeiten die Menge
diese verschwundenen Tage umschattet haben.

B e r n , geschrieben am letzten Tag


IennerS 1796.
J o h a n n G e o r g Heinzmann.

Ff,
Orts - und Sachregister.

Die römische Zahl I. bedeutet erster Cheil;


I I . zweyter Theil; und die andere die Seiten
des Buchs.
Aare, IL 4 ; , . Alchistorf, I. 3,».
Aarwangen, liehe Arw. Allischwyl, I. ;os.
Aarztlithor, I. 70. Alpen, II. ,47. ,63.
Abcrli, (Mahler) I.202, Alpcnsalz, I. 13,.
II. 296. Alpcnspeise, 1.28».
Abgaben, 1.16 ?.!!.; 99. Alpcnwirthschaft,II.i47
Ablenschen, I. 308. Altenburg, I. 302.
Ackerbau/ II. 392. Amsoldingen, 1.3,2.
Acker-Maas, II. 289. Ammerschwyl, I. 325.
Acker-Preiß, II. 125. Amvyll, I. 306.
Adelboden, 1.296. Appcllationslammcr, J.
II. ;68. 98. II. 426.sseheauch
Aelen, I. 288. I. <5. '34- II. 2S0.
II. 370. 422. 432. Siran, I. 317. 82.
Aergäu, I. 290. II. l?4.4N<4'9.
Ii. 124. 371. ArauerSynode,!. ,47.
Acrliöbach(Ober-)I.29<, Arbeitshaus, I. 33.
Acschi, 1.196. Arbeitsschule, t i<;6.
Affoltern bey Arbcrg, I. II.400.II.431. II. 194.
289. Arbcrg, 1.289. N. 341.
Affoltern(imEmmcnth.) Arburg, 1.289. II. j 7 h
I.JM. Asch, I. 292.
Akademie, I. 1c.II.174. Aristokratie von Bern,
Akademie von Lausanne, II. 44.
I. 145. II. 177. 350. Arkaden, I. ?. und
4Î*
Arkaden, N. 14.11,26z. Bauerncharalter/ll.114.
Atmen,II. ,35-137. 384. 409-
Armenanstalt, 11.67. li. 232.
Armen,HßspitiuM,11.56. Bauerngüter, 11. 125.
Artillerie, 11. 158. Vaucrnerziehunq, II.18;
Arwangen,l.2«8ll.;72. Bauernhäuser, 11. 127.
Arzneyverkauf, 11. 27z. Baucrnreichthum,ll.l24
Aubonne, I. 321. Bauernwirthschaft, 11.
1 3 ; « 138.409.
Aucnstem, I. 2,;. Baucrnmadchen,, II.234.
Aufklärung, 1.161. 236.
11. 403, Bauernsprache, 11.3-1.
Der äussere Stand, I. Beatenberg, I. 301.
50. 11. 423. H. 4Î8.
Avanche, s. Wifiisburg. Beaumont, s. Bonmont.
Baden, I 336. Beckerordnung, 11. 28c.
Badgesellschaften, I.89. Bellmont, I.307.II.435.
250.11. 225. Belp, I. 237.
Bäder, 1.250.11.379. Bcrchtold,V.Il.ll.;.9.
Bärengraben, I. 53. Berchtorf, 1.304.
Bätterkinden, I. ,04. Bergbauern, 11. 335.
Ballgesellschaft, I. 36. Bergfarth,ll.i4iu,i47.
Ballhaus,!. 5;. 11.24.
Banquiers, I, 3«. Bergreisen,!. 275-280.
Barete, 11. 427. 11. 454.
Bergwerk, I. 181.
Bargen, I. 289. Berichtigungen, II. 42«.
BaölerDiligence,I.26z. Bern, (erbaut) 1.1,4.
Bas-Reliefs, I. 21. ll. 5 ' 8.
11. 296. (das alte) I. 1,6.
Bauart, I. 5. IL 14. verbrandt, 11. 4,3.
Baumaterialien, 11.28?, (erstes Gebiet) 11»
Baumeister, I. 22;. 340.
Bauren, I. 32.11.105. (Lage und Bauart)
Bauern (reiche), 11. ;86. I. 12. 6 1 . ll. 12.14.
—i,mWelschland,ll.;8?. (Bürgerschaft) I.
Ff 4
• I2Y. I?0. I 6 l . 218.Bidermann, 1.218.
346. 11. 46. ci. 384. Bienenzucht, I. 184.
Bern (Gegendund Feld- II. 123; 398.
bau) II. 339. Bigten, I. 309.
• (Nahrungsstand), Biidcrgallcrie, 1.19.
U. 97. 388. I Bilderhälldler, II. 274.
-(katholisch ll.2a.4l. jBipD, I.290. II. 372.
(Ewige Einwoh« ! B i r r , I. 303.
ü t r ) I. 10 , ; » . »61. Birrhard, I. 303.
H. 48, Birrwyl, I. 305.
(Insassen) 11. , 9 . Bittersalz, II. 432.
Bcrner, 11. 220. ,84. Bli'nkcnburg, 1.31s.
I. 91. II. 439.
Bcrncrinnen, I. 37. Bleichen, II. 395.
• II. 2 1 9 . 2 2 5 . Blcycnbach, I. 288.
Bcrnergcsckicdie,II,4l2. i Blcybergwcrk, 1.133.
Borner (Republikaner)! H . 4 , 5 .
II. y. 44. Blumcnstein, I. 287.
Mcrncrsproche, II. z i , Bötzbcrg, I. 309.
B»rner Wappentafel, i Bötzbergcr, II. 228.
II. 48. Bötzcn, I. 309.
Mctllclhcrbergc, I. 29. Bogenschützen, I. 8?<
Bcvieuc, I. 288. 230.
Bevölkerung voll 1764. Bolnngcn, I. 3,6.
I. 34Ç. Bonmont, I. 323.
Bevölkerung, I. 9*11. II. 3 58.
IL u = 4°. 382. 442. Bonnsicttcn, II. 3°?.
Ber, I. 288. Botteiistein, I, 326.
B'l'cru, I. 304. Bottcnwnl, I. 306.
Blbcrstein, I. 29a. Brandis, 1.291.11.361.
II. 176. Bremgarten, I. 291.
B'bliothck, 1.18. II, 17. i Bremgartcnwald, 1.6z.
Biblwtheksaallcrit, I.19 !Brienz, I. 284.3°i.
Bibliothels'katalog, I. > 9 > Brienzerschiff, I. 183.
B»bliotheken(Privat-)I. Brienzlinge, II. 38» 1
'9?. Brittnau, I. 289.
461

Brodtax, II; 72. Bürgcrzahl uon 1787.


Brütteln, l. 295. I. ,46. II. 442.
Brugg, I. , ' 8 . II.,?,. Bürgten bey Nidau, I.
Bruggcr-Diligence, I. 307. II. 500.
262. Burgistciner, II. 2,1.
Bnmegg,!. ;°;,H.4,5. Butter-Preis,, II. 7;-
Bubcnbcrg, (Schloß) I. Butterhandcl, II. 149.
und,42.
Bubenbcrg, I. 1. II. 6. (lasse litiraire , I. 91,
441. Castelcn, I. 29?.
Buch, I, 504. Cattchißmus, II. 136.
Büchcrtittl, (mystische) Censur, II. 404.
II. 110. Charakter,!. 91. II.22».
Buchdruckcrcyen,!. 81. der Bauern, II. n j .
Buchhandlungen,!. 81. Chorgcricht, I. 100.
Buchsee, I. 29».II. ,41.
II. 200. 417.
auf dem Land, I.
Buetingen, I. 295. 100. II. 426.
Bümplitz, I. 287. Chorhaus, II.16.417.
Büren, I. 292.II. 341. Clima, 1.4. II. 12. ,78.
Burgdorf, I. 292. Commcrzienhaus,!. ^9.
II. 17'. l
Burgdorfcr Synode, I. K*i> . *
,47. Comniißanat «n Eng-
Bürgerannahme, 1.162. land, II. 429.
Bür'gcrbcsatzung, 1.102. Comödien, II. 221.
II. 426. Concerte, I. 88.
Alter Bürgcraeist,II.4;. Conchiliologie, I. 201.
Burgcrholz, II. 425. Conolfingcn, I. 310.
Bürgerltcke Familien, Contingent, 1. 159.
La Cote, II. 349.
I. l o i . II.426.
Bürgerrechte , I. .101. Criminalrecht, I. 135.
128. II. 47. II. 257.
Bürgerschaft, s. Bern. Darstellen, I. ,15.
Bürgerstand, II. 213. Denkfrcyhcit, II. 401.
220. ; ; 2 . Dentsch-Büren, I. ,«,9.
Diemtigcn, 1.315. -
Ff 5
Dienstboten / II. 2,6. Erdäpfelbau, IL na*
Iahrlohn, II. 79. I2l.
' Zinökasse, II. 276.
Ertswyl, I. z u .
Diesbach, 1.292. vonErlach,ll.;o7.
Diligence, I. 261. Erlach, L 293. n. 343.
II. ,28. Erlcnbach, I. jiç.
Döringen,!. 29,. Ersingen, I. 310.
Donnerbühl, II. 412. Erziehung, II. 406.
Dücroö, (Mahler) I. Ettiswyl, I. 310.
224. Erchaquct, II. 296.
Dttngnrtcn, I. 185. Eydgenöß.Bund,II.4i,.
II. 1,2. Extrapost,!. 26,.
Dungmitttl, II. 146. Fabriken, I. 79.il. 8<$.
Dunler, I 21,. Fätschcrinkäs, II. 144.
Dürrenroth, I. jio. Fayance, I. ,30.
ltggiwyl, I. ,09. Fellenberg, 11. ,«,7.
Ehebruch, II. , 7 , . Familienabnahm,I.l,«.
Ehegcrichtsordnung,!!. (ausgestorbene),
17a. I. 129.
Ehesachen, II. 49.171. . (lebende), I.iz«.
2},8> 4'0« I L
' 5l.
Farwangcn, I. ,°s.
Ehestcuer, 1.119,11.171.
171. 4>«. Festungswerke, II. 14.
Feucrbeschauer, II. 2,9.
Eichlcr, 1.22;. II. 29?.
Einzuggeld, II. 49. , Feuerordnung, II. 268.
EllenmaaS, II. 27z. Fisch, II. 307.
Emmenthal,!. 8z. 168. Fischartcn, II. 33«.
II. ,6°. ,77. Fleischpreiß, I. 7?.
Emmenthal« Kaö, II. Fleischtar,!. 6;.II. 72.
362. Forellen, II. ,8°.
Die Enge, I. 65. Frachten, I. 271. 283.
Englischwyl, I. ,06. II. 95.
Entvölkerung, II. 135- Französische Kirche,!. 59.
1,6. 444» Fraubronn, I. 294.
Equipagen, I I . 22». II. ,4l>
Erbrecht, 1.118-119. ' Fremde, II. 26z. 389.
4<l,

Frenisberg, I. 294. Genfer Post, I. *6i.


II. H L Gcnfersee, II. 548.
Frcndcnberger (Mahler) Gerichtsordnung, II.24,
I. 208. Gerichtsfchrciber,I.ii2.
Frey-Aemtcr, I. ; ; 8 . Gericht zu Galz, I. 302.
Fruchtmaas, II. 281. Gcrzenste, I.287.
Fruchtprciß, II. 71. und Geschlechter (regierende)
II. 432.
Frutigcn, I. 295. Geschlechtsregister, I.
II. 368. 129.
Fueter (Medailleur) I. II. 5l.
222. Gesellen, II. 102.
Funl(Bildhauer)I.22,. Gesellschaften, II. 49.
(gelehrte) 12 ;«,.
Fußreisen, I. 245.
Gadmen, I. 299. 189. »9l.
Gammen, I. 304. Gesellschaft (Militär.) I.
2JJ.
Gampelcn, I. 294.
Gartenbau, II. 122. (Hclvet.)l.2;».
Gassenkehren, L 6. II. 4 „ .
II. 422. Gesetzbuch, II. 2,,.
Gesundbrunnen, 1.250.
Gastqcrickt,II.2;i.
Gasthöfe, 1.54. II. ,79.
Getraidkauf, 1.25. i6z.
Gcheimdcrrath, 1.96. II. 412. 4JI.
Gcldcirculation, II. ;88 Getraidcmaas, II. 281.
Gelder ausser Lands, I. Gewässer, II. 378.
96. II. 426. Gewerbe, II. 97.
Geldsortcn/1. 27;. Gewichte, I. 27;.
II. 291. II. 87 88. 279.
Gelehrten, 1.192,194. Glashandel, 1.174-
II jo6. Glasmaterie, I. ,77.
Gemäldehandel, II. 27; 181 « 82. II.412.
295. Gletscher,! 6<;.28?II.?6g
Gemaldekabineue, I. Gletscherreisen, I. 249.
225. II. 294. 276.
Gemeimveiden, II. 394. Glockenthurm, 1.1«.
Gottstadt, I.2Y?. II. ,42. Haller vonKönigsfeldc»,
Grafenricd, 1.287. II. 3 ° ; . ; O Ç . 507.
Grandson, I. 334. von Nyon, I. 20.
Gränichen, I. 30$. Hallwyl, I. 306.
Grlmsel, I. 297. Niedcr-Hallwyl,!. ;«,<;.
Grindelwald, I. 300. Hammerwerke, I. 18?.
II. ; 66. 4,7. Handelschaft, 1.79.27«.
Groswcibcl, I. 112. II. 86. 96. 364.
II. 427. 369.
Grundriß der S t a d t , Handfesten, II. 248.
I. 6«. Handwerker, I. 77.
G'stcig de» Interlackcn, II. l o i . 352. 391.
I. 301. II. 437. Handwerksgesellen, n .
Gütcrbesihcr, II. 145. 102.
Güterprcisi, II. 125. Hasli, I. 297. II. 240.
Gümmcncn, I. ,04. 366.
Klein Gümmencn, I. Haslithal, II. 228. 240.
3°4. Hasliim Grund, I.299.
Gundischwyl, I. z«5. bey Burgdorf, I.
Gurten, I. 9«. 293.
Gymnasium, I. 15. Hausyaltungskosten, II.
II. 174. 79.
Habkcrn, II. 4? 8. Hausirer, II. 274.
Habsburg, I. 302. Hausmiethen, II. 7.3c?.
Händschickcn, I. 306. Hebammcnschulc,1.29.
Hcbammenwcsen, II. 69.
Häuser-Prciß, II. 8. 444.
Häuscrbau aufdcmLand, Heidelberger Katechtß-
11. 128-29. MUs, II. l86.
in der Stadt, II. Heimiswyl, I. 29z.
33. 419. Hcirathcn, 1.117.110.
Häuscrkauf, II. 266. Henzische Prospekte, II.
Haller, (Alb.) I.84. 296.
Hcrrenhuterey, N. n « .
Hall'cr, (Kriegsrschr.) Hcrrenkncchte, II. 237.
Il, z«?. Hcrrenschwand,Il.zoz.
Herzogenbuchsee, 1.313 I n s , I. 294. II. 39».
II. 372. 34Î-
HeMthsgltt, s. Ehen. Insassen, I. n . II. 36.
Hiltcrfingcn, I. 307. Ordnung, II,
Hindelbank/ I. 287. 260. 264. 266.
II. 298. Insel, I.27. II. , 8 .
Hintcrsässcn, s. Insassen, Intcrlackcn, I. 300.
Hiröboden, 1.296. II.365.437.437.
Hirschgrabcn, I. , 3 . S t . Iohannscn,!. 302.
Hochzeiten, II. 173. II. 343-
Hochzcitscheinc, II. 167. Iolimont, II. 343.
Höchstetten, I. 287. Ital. Vogtcyen, 1.34«.
Höpfner,!. 190.11.308. I t h , '1.3°8.
Holdcrbank, 1.306. Jubeljahr, I. 243.
Holzmaas, II. 286. Juden, I. 131.
Holzmagazine, I. 78. II. 64, 430.
Holzmangel, II. 75. und Iuraberg, 11.379-
die Note 70. Iurtengcburgc, II. 380.
Holzpreiß, I. 76. Justiz, I. 98. II. 251,
II. 73- 42^. Räömachen, II. ,41.
Honig, I. 184. Msepreiß,!. 77.II. 144.
II. 123. 398. Kaffccvcrbrauch,II. HZ.
Hospital, I. 27. II. 21. Kaffeehäuser, I. 90.
Hôtel deMufique, 1.22. Kalnach, I. 239.
88. 91. II. 422. Kandersteg, I. 296.
Hnpercrdc, I. i«o. Kandcrthal, II. 36».
Hurcngelder, II. 172, Kandidaten, I. 148.
II. 24;. ihre Anzahl, I.
Hurenstrafe, II. 172. 150.
Hutweil, 1.3il.
e eglstorf, I. 287.
Ifcrten, s. Bocrdon.
Kanonmgießerey, II. 30.
agdftcyheit, II. 222. Kanton, (Einthcilung)
II.376.
Kanton Große, I. n .
Industrie, 1.174. — Bevölkerung,!!.^.
II. ioç. 383. Kanzlcy, I. m . II. 4,7.
Infanterie, II. 15 6, KappeleN/ 1.289.
Kapitel, I. 146. Konsumtion, 1.76;
Karl von Burgund, I. Koppigcn, I. 310.
44- Koppingen, I. 313.
Kastelen, II. 376. Kornbau, II. 134.
Kaufhaus, II. 94. Kornhandel, 1. 163.
Kaufleute, s. Handel. Kornhaus (das neue) II.
Kcrzcrz,!. 3 » . II. 229. 23-
Kienthal, II. 439. Kornhaus, I.24.II. 2 ) .
Kiltgchen, II.235.382. Koruprciß, II. 75.
Kilchbcrg, I. 293. Kostgänger, I. 195.
Kinderliebe, II. 411. Krämercy, II. 92.
Kirchberg, I. 290. Krankenspltal, f. Insel,
Kirchdorf, 1.237. äusseres, 1.58.
Kirchcnkonvcnt, II. 169. II.418.
Kirchenordnung, II.i66. Krankheiten, I I . 127.
414. und unten Seite 129.
Kirchenverfassung,!. 144 f. 130. und 131.
Kirchhofterrasse, 11.42°. Kralligen, 1.296.
.1. 14- Krauchthal, I 31a. ,
Kirchlindach, I. 287. Krayligen, I. 304. *
Kirscheuwasscr, I. 284. Kriegsdienst, (fremder)
I I . 396. 1.143II. 160.407.
Kleebau, I I . 146. Kriegsrath,!. 97.11., 59.
Klcidcrordnung, H.26?. Kricgosold, s. Soldaten.
Kleidcrtrachtcn^ 1.206.» Kriegeverfassungsl.137.
II. 296. II- 155.
Klciderstaat, I I . 22°. Kriegozeiten, II. 161.
Klima, s. Clima. Küfer« Umzug, I. 2291
Köllikcn, I.306. Küher, II. 145.
Königsfeldcn, I. ;°2 Künste, I. 201.
II. 375. Künstler, I. 202.
Königostein, I. 290. Küttigcn, I. 290.
Köniz, I. 287- 3°!. Kuhn, IL 308.
II. 341. T Kunsthändler, II. 446.
Köppingcn, I. 293. Kunstsachen, I. 301.
Konolfinzen, I. 287. II. 294.
= 46?
Kunstschule, 1.18. Landschtllmeister,II.i8l.
Kuvftrstecher,I.2i,.22;. UNd 190.
Lafond, I. zi6. Landschulordnung, I I .
Landagenten, 1.134. 196. 2 0 ^ .
Landban / s. Landwirth- Landschulhäuscr,II.i82.
schaft. Landshut, I. 394.
Landctsitten, II. 409. II. 3.72.
Landgeistlichc, II. i$s. Landstraßen, 1.70. und
210. ?2. 71-11. 271. 42s.
Landgerichte, 1.287. Landvögte, I. 100. 107.
II- 339- ?77»4H. vornemlich 124.
Landguter, II. 125. II.254.
Landkammer, II. 19;. Landvogten Besatzung,
Landcharte, vomKanton, I. i«,?.
I. .87. Landvogten-Pflicht, II.
Landcharten, L i 87.226. 252. 428.
254. I I . N5. Landvogtcyen«Anzahl,I.
Landcharten - Samm- 12;. 285. I I . 429.
lnng, I. 199. - Claßen, I. 12;.
Landkramer, I I . 89. I I . 429.
Landleben, I I . 224. Einkünfte, I. i 2 l .
Landmajor, I I . i;?. Landlrirchschaft,!. i z ; .
II. 131.392.
Landmann, II. 409. sieheLangcnthal, 1. 313.
Baner. II. 372.
Landrcchte, II, 248. Langenthaler Synode,
Landsassen, I. 1,2.166. 1.147.
II. 6;. Langhans, II. 309.
Landsassenversorgung, H. Frau Langhans Grab-
56. I J 8 . mal, I I . 298.
Landschaft, s. Kanton. Langnau, I. 311.
Landschaftsgemälde, I. Laudcmien, I. 121.
202.11.296. Lanenen, I. 303.
Landschulbücher, 11.184. Laupcn,!. 3n4.il. 34s.
Landschulen, 1.159, schlacht, II. 4'2. '
II. 178. 2«,;. Lanperswyl, 1 . 3 " .
Läusanne, I. 525. Lescsucht, II. 384.
II. 3 ?o. 444. Leutwyl, I. 309.
Lausanncr - Akademie,ß Siebes, 1.305.
1.145. II. ; so.17?. p Lldlohn, I.77. II. 276,
Laüsanncryohc, II. ^48. Ligerz, I. 306. 307.
Lauterbrunuen, 1. joi. Limpacl», I. 287.
II.439. 437- Loru (Mahler) I. 2i6<
Lautcrbrunnenthal, Il LoMyl, I. 283-
)6s 437- Lütschine», II. 437.
LauwiS, I. ,40. Li'ltzelflüh, I. 291.
Lebensrnittel, I. 76. Luggarue, 1.341.
Luxus geschmeichelt, I.
II. 70. 8l. 167. und stehet im
Lcerau, I. 309. Widerspruch mit 171.
Lchnkutfcher, I. 257. und ist wahrer, sowie
II. 91. II. 92.389.364. n8v
Lchcnlcutt, II. 1+9.
Leibeigenschaft, II. 12. Lyß, I. 289.
41. M a a s , I. 273. II. 87.
Leichenvrcdiqtcn,II.l67. 277. 433.
Leimbach, I. 306. Madiswyl, I. 288.
Leinwandfabrikation, I. Mägde,II.-3 6-23 8.266.
179. II. 87. 89. Mahler undMahlcrcyen
Leinwandhandcl, II. 89. I. 202.206.208.217.
Lcißinqen, I. 301. 224. II. 294.
Der qroße Lcist, I. 2;. Mandach, I. 309.
Der kleine Leiste I. 2;. Manufakturen, I. 79.
Lengnau, I. 292. II. 86.
Lenk, I. 316. Marechaufcc, II. 68.
Lenker-Dorfschule, II. Mariz, I. 43. II. 30.
189. Markttage, II. 423.
Lcnlulus, I. 192. Marktpreise 1.76.II.82.
Lenzburg, I. 305. 319. Marktschreyer, II. 274.-
I I . 9°. ; ? i . Marmorartcn, 11.37».
Lcnzburgcr Synode, I. Marzili, II. 424.
Matte in Bern, II. 24s*
Lescladen,!. «»<-. II. 6. 441.
May
46y
Sftat) von R. II. 309. Morste,!. 32c. II. jiï,
Medaillen - Sammlun- Mühleberg, I. 304.
gen/ I. 199. II. 303. Mühlinen, II. 296.
Medailleurs, I. 222. !I. 4; 5.
Medlailande,I.;;l.z;6. von Mülinen v. Laupen,
II. ,77. II. 309.
Mccrlach, I. 333. Müllithal, II. 37Ϋ
Meisterschwanden, I. Münster, I. 12. 145.
306. II. 413.
Melchkirchen, I. 295. Munsterthal, I. 147.
Mclchnau, I. 233. II. 430.
Mendris, I. 341. Die Münz, I.23. II.292.
Menschenschlag, II. 382. B Mün cours, II. 293.
Messerschmiede in Arau, I. 273.
II. 374. Münzkabinette, I. 20.
MetaU-Proben, II. 290. II. 303. 422.
Mclt, !. 307. Municivalschulen, I.i<6
Metzgerummq, I. 229. II. 177. 2°4.
Mener von Arau, 1.226. Munizipalstädte,!. 317.
Meyringen, l. 299. II. 374.
II. 24». 367. • (Stadtrechte) n .
Mcynthal, I. 342.- 248.4)9'
Milchhandel, I..79.' Muri, II. 3,6.
II. 141. Murten, I . ; f z .
Milchzucker, II. 397. II. 34?- '
Milden, I. ,26. Murtenftst, I 234.
II. 30«. 347. Mußhaftn, II. 203.
Militär- Gesellschaft, Münsingen, I. 287.
I. 233. Müslin, I. içç.ïl. 309V
Militär, (auswärtiges) 8, Musiksaal, I. 22.
I. 97. und 143.II.407. Musterungen, II. \%U
Militz, I. 142. II. I>Ç, Mystik, II. 110.
Mineralien, I.21. 145. Nägcli, II. 414.
II. 3 8 ' . 4)2. Nahl, II. 298.
Modehandel, II. QU Nahrungsmittel, L76,
Morell, II. j«9i II. I2l» . .>^
» . Theil. Gg
Nahrungsstand, II. 89. !l> Oberländer, 11.38*.
Oberweite I. 292.
Natlonalfchler, II. 93. !Obern'vl, 1.315.
39?. Obstzucht, II. 120. l22.
Nationalindustrie, I I . 123.
388» Ockoliom. Gesellschaft,
Narrcnhaus, I. 59. I. ,88> »64. II. 151,
II. 4 »8. Ocsck, I. 308.
Namralienkabinctte, 1. Ostrinqcn, I. 289.
21. 198. 199 H- 17. Obmqcldkammer, 1. 64.
N<,'ss?ltnchfabrikcn,I.i8° II. 292.
Ntufchatcllcr Diligence, Oltigen, I. 304.
I.265.II. 331. Orbe,.I. 33 s.
Ncucneck, I. 287. Ordnungen, 11.259-277.
Niuhaus, II. 4; 8. Ormont, I. 289. '
N<'US, s. N»on. Oron, I. 328. II. 347»
Nydau, I. 306. II. 300. Ostcrmontaq,!.109.228.
,42. und nom äussern Stand
RydaucrSynode, I.147. der Umzug, I. ^ i . 52«
Nicdcr-Aesch, 1.29?. Ouchi, II. 350.
Niedcrgurzcln, I. 287. Pächter, II. 145.
Nicdcrkulm, 1.3°$. Panttterhubel, I. 59.
Niedcrwyl, 1. 289. II. 424.
Niesen, I. 31c. Papiermühlen, I. 59.
Nyon, I. 327. Patrizier, I. 91.
II.-JÎ8. 459* Peinliche Frage, s. Tor-
Ober-Aergau, 11. 377. tur.
Oberbalm, I. 287. Verrufen, II. 428.
Oberburg bey Burgdorf, Pest, II. 47.
I. 2Yf< Pestalozzi, II. 309.
Obcr-Emftlden,I.306. Pctersinscl, I. 307.
Oberflachs > I. 293. Pettcrlingen, 1.3,8.
Oberhoftn, 1.307. II. ?46.
n . 365. Pfarrcycn, 1. 150.
Oberland, 1. ?x*. II. 2,».
U. ; e ; . m. — — Synoden, I.»47»
4-7»
Pfcrdzucht, II. ,98. Räzliberg, I. j i * .
Pfcrdhandel, II. ;6l. Ramond, n. 242.
;y8. Rapverswyl, 1.295.
Pftrdfütterung/II. 398. Rath (täglicher),!. 9;.
Pflanzensammlungen, 1. 105. HO. II. 426.
198. Rath (geheimer), I. 96.
Pfründen, I. 148. Rath der 2«°, l. 94.
II. 430. II. 428.
Die Platteform, I. 13. Große Rathsbefatzung,
Polier, I. ,98. II. 4*2. I. 103. ÏI. 50.
PollttschcoInsiitut,I.l6. Rathhaus, I.46. II. 2;.
Polizei), I. 61. II. 65. Rathhaus (das werdende
Polizeyordnungcn, II. neue) I.49. II. 2;.
2,9. Rachhausammann, I.
112.
Porzellanfabrile,!. 180.
Rcbland, II. 136.
II. HS. 4Î9." Rcbenpflanzung,II.356.
Postwesen, I. 256.
II. 328. Recht, s. Prozesse.
Pottasche, I. 176. Reformation, II.20.42«
Predigcrcid, II. 169. 414. 428.
Predigcrwahl, I. 145- Réfugiés, II. 359.418.
148. Regierung, 1.161.
Predigerwittwenkasse,!. II. 44. 39?.
151. II, 431. Regimenter (fremde),
Predigtgehcn, II. 210. 1.97.14;. I I . 4<>7.
Privatkabinem, I. 198, Rcglmcntöbcsatzung, I.
Produkte, 1.169.11,38°. ,02. II. 50.
Professoren, I. 15. Reiclienbach, 1.296.68.
Provisoren, I. 157. Rein, I..Î09.
Prozesse, 1.1,2. , Rcisebeschreibcr, II.452.
II. 251. Reisende, I. 243.
Pulver, 1.183. II- ?-i. II. 390.
Quartier-Aufseher, II.
260.
Reisekosten,!.^?.?;?.
II. 32«.
Quarzkristallc,l1,'7.i75 Reiserouten/U. ,32.
Radelfingen, 1.289. Gg 2
Reisaelder, IT. 159. Sancn, I. 308.
Rcitnau, I. 305. II. 136.369436.
Reitschule, I. 52. IL 24. Sanenta?, II. 144.
Rctrucenlammcr,1.97. Sanitätorath,II.66.273.
S a u m , IL 433.
Rengger, n. 310. Scharcr, II. 310.
Rentingen, I. 3*î. Schasalpen, IL 147.
Rbcineck, I. 339« Schaffhauscr Post, II.
Rheintbal, L 33 9. 331-
Rictcr (Mahler),!. 206. SchallcnhauS, I. 3 3.
Ricken, 1.289. II. 24.
Riukcnberg, I. j o i . Scharfschützen, IL 158.
Ritter, IL 301. 310. Scharnachthal, L 296.
Römische Alterthümer,» Schauspiele, II 221.
1.21.11.500. Schcidekuust, I. 184.
Röschmund, I. 308. ^chcllenwerker, I.6.33.
Röthenbach, I. 309. II. 14.422.
Roggivyl, 1.283. Schenkender«,, I. 309.
Romammoticr, I. 329. IL 114 229. 376.
IL 344- Schinznacher Gesell-
Rothe Buch, I. 137. schaft,!. 230.293.303.
Rübelizcug, II. 37).
Rued-, I. 305- Schnell von Burgdors,
Rüdcrschwyl, I. 311. IL 3ll.
Rucgsau, 1.291. Schöftland, 1.305.
RÜMsdcrg, I. 287. Schriften der ökousmi-
Rüthi, I. 292. scheu Gesellschaft, IL
Rüthi bey Hlndclbaltt, ,53. 154.
L 293. Schriftsteller, 1.192.
Ryffthal, U. 356. IL 306.
Rynach, 1.3° 5- Schupfen, I. 287. 29$.
Salchli, II. ,lc>. Schützenhaus, 1.90.
Salveter, I. «77. Schul bibliothck, II.405.
Salchandch II.74. 399- Schulbücher,II.l844<'4-
Salzquellen, IL J7*- Schulen,!. 15. ,6.157.
4,2. 11177. 203.204,
Schulexamen, n. 200. Schweizcrprospeckte, I.
205. li8.
Schulhäuser, II. 182. Schwcizerstundcn, II.
197. I. 15. ig. 4-H«
Schulmeistcrbcsoldung, Schwingen der Bauern,
II. 180.190. 193. I. 22«. 2 } f .
Schulmeistcrwahl, II. Tchwingfeste, I. 214.
198. 182. 2:8.
Schulordnung von 1,5; Sechszchncrwahl/I.ioJ.
II. 202 118. II- 428.4)0.
• von 1Ö1Ö. II. 205.
Sccbcrg> I/.'jn,
Schulplan, II. ,76. Seedorf', 1.29;,
Schulrath, (.alter)!!.: «8
Seeland, II. 377.
(neuer) II. ,76. Seen, II. 378.
Schulthelß(d.erste)I.n.Sengen, I. 306.
Schulthcißcnamt,I.lo8. Scsincrlä?, II. 43 5.
II. 427. Scftigcn, I.287.
Schulvisitation, II. 20 s.
Scktircr, II. 168. 213.
Schwabcnkricg, II. 4M- Sennwirll)schaft,II.i45.
Schwängerung, II. 17;. Seon, 1.305.
Schwärmercyen,II.2l;. Siebenthal, s.Simmen-
168. that.
Schwarzenburg,!. 18 >. Siechenhaus, II. 418.
Signalfcucr, 1 139.
Schwarzencck, I. 312. II. 161.
II. 4^6. Signa«, 1.309.II. 361.
Schweinszucht,!!. 121/ Sigriswyl, 1.312.
Schwefelkiese, I. 18;.
Schweizer «Bibliothek, Simmenthal, I. 314.
.316. II. 368.4)8.
I- 191' Sinners Grundr. I. 60.
Schweizergeme,!. 19;
II. ?84- ' Synoden, I. i47> 's°<
Schwcizerkarte (neue) I II. 4*°«
226. I I . 33 Çi Sieselcn, I. ;°7-
Schweizerleinwand, II Sitten in der Stadt, I.
z?. H-3ÎÏ. 8?. 351.11. HI?« 231.
Gg ,
47+
Sitten auf dem Lande, gaben, I. 100. 120.
I. 348. II. 116. i s o . 162.163. II. 401.428.
226. 410. StaatSmarimcn, IL 9.
Sittenmandat, 11.276. / 4 2 . 4 5 . 4 0 2 .
Snell, II. 358. Staatörcichthümer, I.
Kleine Societät, 1.23. 84. II.. 192.429.
II. 422. - Staatsverfassung, I. 92.
Große Societät, I. 23. II, 41.42c.
II. 422. Staatsverwaltung, II.
Soldaten, s. Militär. 400. 429.
Soldatensold, II. i;y. Stadtarme, 1.28.II.22.
Soldatenübel, II. 408. Stadtbach, I. 6. II. 13.
Solennität, I. 230. Stadtbau, 1.1 - 4.
Sommerlustbarteiteu, I. II. 1 -8. 441.
88. 9°. II. 224. Stadtgarnison, I. 144.
Sonnenscheins Kunst- II. 68.
fachen, I. 222. Stadtgebiet, II. 34°.
Spaziergänge, I. 68. 3'6.
II. 424.
Spiele, I. 23.86. Stadtpfarrcr, II. 49.
Spietz, I. 3'2. Stadtpolizcy, I. 62.
II. 364. 416. II. 262. 441. ,
Stadtrcchtc, I. 118.
Spinnsiubc,I. 30. II. 247.
Spital, 1.28. Stadtschulen, I. 157.
Spitalbau, II. 21/ , II. 202.
Spitalkirche, I. 31. Stadtverfassung, 1.113.
Sprache, I. 196. II. 11.
II. 209. 315. Stadtwacht, s. Stadt,
Sprünglin v. Sttttlen, garnison.
II. 304.311. Stallfüttcrung, II. 1,9.
146.
Sprünglischcö Natura- Stapfcr,
lienkabinct, I. 200. (Pfarrer) II.
Svrünglin(Baumeister)
I. 22.223. (Prof.) I I . ,12. .
Staatseinkünfte«. Aus- Staufberg/ I. ; ° ; .
S t . Steffen, l, z,6. Sur, I. ;»f. ,
II. 4,8. Sutz, I. ,»7.
Steffisburg, 1.312. lanzen, I. 8s.
II. ,64. II. 22«. 425.
Steinarten, II. ,81. Taussisten, II. 44z.
Steinlohlen, II. 77.78. Tavernenrcchte, I. u9t
U.4,5. . II. 227.
Steinkohlenssotze, 1.17c.Tcßenberg, 1.3.07.
181. II. 4,2. II. 4)6.
Steinschneider, I. 222. Testamente, I. tig.
Sterblchen, II. 442. Teufelen, I. ,07.
Stift. 1.15.11.10.416. Thierarten, II. ,8».
Stiftschaffner, II. 416. Thierachern, I. 287.
Stipendiaten, II. 175. Thorberg, I. jio.
204.
Stockhorn, I. ;IÇ. II. ?20.
Sttättlingen, I. 507. Thorschluß, I. 272.
Straßenbau, s. Land- Thun, I. Jii.ll. jtfj.
strassen. Thuner «Diligence, l.
Straßenbctttl, I. ,0. 264. I I . 330.
Strengelbach, L289. Thun« Postschiff,! 284.
Struve, II. ?i2. II. no-
Stuben d. Bauern, II. Thuner-Synode, 1.147..
127. 1,0. Thun stet««, 1.288.
Studcntenordnung, II. Thurgäu, I. ;;?.
204. Thurnen, I. 237.
Studer Prospekte derAl- Tißot, II. ,12.
pen,I. 67. Titulaturen, I. 123.
Studerische Conchiliolo- TodtgebohrneKinder,!!/
gie, 1.201. ' 444-, -..- .
Studienordnung,I.i45. TodtcnliftevonBern,!!.
I I . 20}. 442. ' .
Stunz, II. 296. Tochterschulen, I. «„.,-
Sulzer, II. ,47^5 2. Toggenburgcrkricg, II.
Sumiswald, I. 110. 414.
II. 3*2- Tollhauö, II. 4l8.
Torf, 1.78 - Vilnachern, I. 293. '-*
II. 77. 432.4;6. Viehfütterung, II. 141.
Tortur, I. 136. II. 2sg.| 145. 146. 398.
Trachstlwald, I. 310. Viehhandel, II. 14»^
II. 362. 416. 149.361.397-
Tralles,, II. 312. Viehseuchen, II. 66.140,-
Tribolct, II. 312. Viehzucht, I. i6 S . ,
Trinkwasser, I. 55. II. 139. 148.
II.42,. Viehweiden, II. 139.14»,
Trul»,'i z u . Vinnelz, I. 294.
Trüllmusterutlgen, II. Viviö, 1.3 3«. 11.352-54.
156. - , Vivie-Winzerfcst, I.236.
Tschangnau, II. 4,6. Volksfeste, I. 227.
Tscharncr, II. 313. waadtland, 1.321.
Tschcrliz, I. ; , ; . II.248. 353.360.3??.
Tscklffcli ( Stifter der 381. 396. 23c«. 387.
ökon.Gesellsch.)l.i88. — Bevölkerung, II. 38.
II- isi-;: — Baucrnhänser,II.i27
Tuchmanufakturen, II. — (inBas Relief), II.
.89. 296.
TwaUN, I. ;c>7> Wachfeucr, f. Signal.
Ucrthcim, I. 30$. Wälder, II. 38". 373«
Umickcn, I. ;oç. von Wagner, II. 313.
Unfpunneii, I. 312. Wagnerische Prospekte,
Untcrärgät«, II. 37?. I. 218. II. 296.
Untersten , 1.283.312. Walkringcn, I. 310.
5-,II.4; 7> ."• Walpcrswyl, 1.307.
Urkunde, II. 247. Waltcrswyl, I. 313.
Ursenbach, I. 3,3. Walthcr, II. 313.
Utzcnstorf, I. 304. Wangen,!. 313.II. 372.
DieVenncr, 1.1a4.il«>, Wasser in Bern, I. 55.
II. 339.427. II: 423.
Vennerwurde,!. 114. Waysenhaus, 1.31.
Vcnnerkammcr, I. 86. Wattenwnl, I. 287.
Velcheim, I. 3°9- Weber (Mahler), I.21.
Vilmergen, 1.3)9. II. 17.
Weg-Inspektoren, II. Wirthshäuser auf dem
27i.Sichc Landstraß. Lande, II. 227.
Weibspersonen (lathol.) Wissenschaften, I. 186.
II. 172. II. 403.
Weinbau/ II. 395. Wohle«, I. 287.
Welnigcn, I. 293. Wohnstllben,II.i 30.127.
Weinmagazin, I.26.II.23 i Worb, I. 287. u
Weinmaas, II. 282. Word (Land», Zlidau)
Weinzäpffi, I. 14. * I. 307.
II. 421. Wucherergcsctz, II. 272.
Weistnau, II. 458. Wyl, 1.287-
Weisenburgerbad, I.315. Wyttcnvach, 1.189.19«'
V.Weiß, II. 193, 313. 219.Il 313.
Welschland, s. Waadt. Wyttenbachö Arbeits-
Wcngi, I. 2y2. schule,!. » 16. II.431.
Werbungen, I. 144. Wyttenbachisches Kabi»
II. 407. net, I. 200.
Wichtrach, I. 287. Zvcrdon, I. 33°.
Wiedlisbach, I. 291. I I . 344. 4)9.
II. )72. Zehendcn,!. 121.11.399*
Wiesenbau, II. I ? ? . I ; 4 . Zeender, II. 3'4-
Wicsenpreis, II. 394. Zchcndcr (Kunstmahlcr)
Wiesenwässerung, 11.3 94 I. 224.
Wiflisburg , I. 322. Zcitglockenthurm, I. 53.
II. 301.346. Zclgcnrecht, II. 394.
Wild, II. ? , ; . Zeughaus, 1. 4; - 46.
Wildegg, 11. 37c- II. 3°.
Wildenstein, I. 309. «dasneue) II. 32.
Wimmis, I. 314. Zinßkasse, II. 276.
II. ,68, Zölle,!. l 6 ; . II. 399.
Winau, 1.288. Vi' Zofingen, I. 320. und
Windisch, I. 302. 315. II. 305. 375-459.
Winzerfest, 1.236. Zollikofen, I. 287.
Wirthe und Wirthihäu- Zuchthäuser, I. 30.4«.
ser, I. 55. II. 24.
Gg 5
Zuchthausordnung(alte)' Zweylütschlnen, I.,«,,.
II. 25. s. auch Schcl.z n ._
lenwerkcr. I ' "/ _ e
Zünfte, II. 49. [ Zwey-Eimmen, I. j i *
Züricher Landkutschc, I . | II. 369.
266.

Zu dieser Beschreibung von Bern ist auch als


Anhang erschienen , und könnte dem ersten Theil
welcher an Bogenzahl schwächer ist; bcygebun»
den werden: «Berner Addreß'Handbuck der
«Handelehäuser, Fabrikanten, wie auch der
«Rünstier, ansehnlichen Gewerblrcibenden
»Personen und profeßionisten im Ranton."
179;. ($>;Ǥ 6 Batzen.)

Nachricht wegen dem Rupferblatt.


Dle Mittdung eine« der merlwüidlgssen Gletscher in unsnm
Kanton 1 hatten die Verleger noch in Mena« «orrätliig; sie mc»
che« damit de» Käufern zur Verzierung de« Werket / «in <8*»
schenl.
Der Buchbinder heftet in« Kupfer hinten an.
'.S.Grün .ad': JVa/:de/.

Der Zinke Glchrhcr ode/- ,

/
S.B.Grtm.ad.: Mantel A. Ttittaq tsf///f •

Der Zinke Gletscher oder ehe Eiàwanddes Lauteraar ûle/sehe/TS ,


//// (tili/. /Irin ,
Verzeichniß
einiger Hauptwerke/ welche die Berner Ty»
pographische S o c i e t ä t s - Buch»
H a n d l u n g grdstentheils selbst gedruckt
hat/ und bey derselben nebst vielen anderu
Büchern zu verlaufen sind.
(Die preise sind in Schweizergeld, L, 3
mad)cn 1 Gulden.)

Encyclopédie , ou Dictionnaire raisonné des


Sciences, des Arts & des Metiers; par une
Société de Gens de Lettres , mis en ordre &
publié par M. M. Diderot & d'Alembert,
gr. 8. 72 Vol. ou 3 6 Tom. de texte & 3 Vol. de
Planches & Cartes géographiques, conte-
nant plus de 1000 figures fur 293 Cuivres.
Preis 150 ©uïbett oder L. 225.
Buffbn, Oeuvres d'Histoire naturelle, 40 vol.
complet, 8> édition de Berne, où les addi-
tions se trouvent jointes à leur endroit, avec
ç2o Planches, qui contiennent. 640 figures.
l'Impression à été finie en mars 1792. Prciß
per Vol. L. 2. 10 L. 100 oder fl, 66. 40 ft'.
Héptaméron français, ouNouvelles de Marguerite,
Reine de Navarre, avec 144 vignettes, culs
de lampe , & 74 grandes planches ; nou-
velle édit. 1791. Preist 2 Louisd'or. netto.
D'Alembert, Mélanges de Littérature, d'Histoire
& dS Philosophie, s Vol. très belle Edition
de 1783. L. 9 oder fl. 6.
Archenholz, les Anglois aux Indes, ou déscrip.
Verlagsbücher.
tion des Indes orientales par Orme, traduit
avec beaucoup de changemens, 3 Vol. 12.
1791. à L.7. oder st. 4.40 kr.
Beaufort, la République romaine , ou de l'ancien
gouvernement de Rome ; format in-4. divise
en 2 Tom. très-belle édition. 1766. L. i j . 10s.
ober st. 9.
Bibliothèque de la Campagne, ou choix des meil-
leurs Romans à l'amusement. 12 Vol. 12.
1782. L. l i . odcr fl. 14.
Bibliothèque Orientale, ou Dictionnaire uni-
versel qui comprend tout ce qui regarde les
peuples de l'Orient, avec Supplement de
M. Herbelot, 6 Vol. 8. edit. originale de
Paris 1789. L. 24 oï)Ct fi. 16.
Bonnet, Oeuvres complettes 10 Volumes, belle
édition en grand]{format in Quarto; avec
Planches & Vignettes en taille douce 1779-
178;. à L. 7 Î oder st. 60.
le même ouvrage format in F. divisé
en 18 Volumes , au Ni complet & avec les
mêmes figures. L. 54 ober st. 36.
Boyve (Chanceliier de Neufchatel) recherches
fur l'Histoire Helvétique, & de l'indigenat.
8. i79s. L. 2 odcr fl. 1. 20 kr.
Bruce, Voyages en Nubie & Abyflinie, traduit
de l'anglois , 14 Volumes, 8- 1791 »I7YZ>
L. ?6. odcr st. 24.
—, ditto, avec les Gravures & Cartes géogra-
phiques. L. 60 oder st. 40.
Cérémonies & coutumes religieuses de tous les
peuples du monde. Réprésentées par des
Figures dessinées & gravées par Bernard
Piccard & autres habiles artistes.
Nouvelle édition , enrichie de toutes les figures
comprises dans l'ancienne édition en sept
Volumes, & dans les quatre publiés pai
Verlagobücher.
forme de supplément, par une Société de
gens de lettres. 4Volumes, avec 26j gran-
des planches. Folio, Paris 1789. à L. 12«.
oder ff. 80.
Condillae, Cours d'études , contenant : la Gram-
maire , la Logique , la Physique, la Géogra-
phie & l'Histoire, &c. 16 Volumes, nouvelle
édition in 12. avec fig. 1781. L. 24OÏHT jî. 16.
Corneille (deux frères Pierre & Thomas) Oeuvres
de Théâtre, nouvelle, édicion, y joint leurs
autres ouvrages; avec fig, ij Volumes, 12.
Hollande. L. 18 oder fi. 12.
idem , édition in-4to par Voltaire, avec de
belles fig 8 Volumes, 1774. L. 90. ober fi. 60,
Crébillon le jeune. Oeuvres badines & agréables,
édition en 12 Vol. 1779. L. i<; obeï fi. 10»
Dictionnaire historique , politique & géographi-
que de la Suisse, par Mr. de Tscharner,
augmenté & rectifié par MM. de Haller,
"Wyttenbach & Mallet. } Vol. avec une
grande Carte de la Suisse. 8.1788» L. 6.15s.
ober fi. 4- 50 tv.
Durand (Professeur à Lausanne)année evange-
lique ou sermons pour toutes les fêtes &
dimanches. 9 Vol. gr. 8- 1780-1793. L. 15.
ober st. 10.
Encyclopédie ou Dictionnaire universel des Con-
noissances humaines, par M. Felice. 42 Vol.
A-Z. & 6 Volumes de Supplements, avec
10 Volumes de Figures & Cartes ; en tout
58 Volumes, gr. 4W. Yverdon 1770-1778-
der Substriptionspreiß war L. ,44. jetzt
L. 300 oder st., 200 netto.
Filangieri, la Science de la législation ; traduit
de l'Italien , avec des notes du tiaducteur,
7 Vol. 8vo 1787. L. 16. ober fi. 10. 40 fr.
Fragmens de tous les Voyages faits par la Russie,
verlagebüchen
i Volumes in 4to. avec Cartes, Figures &
Portraits 179z. L. 18 oder fi. 12.
Genlis, (Mac!, de) Oeuvres complettes; Adèle
& Théodore, Annales de la Vertu; Veillées
du Château ; Théâtre d'Education, & Théâ-
tre de Société; Leçons d'une Gouvernante
à ses élevés, & autres pièces d'Education ;
21 Volumes , belle Edition 1792. L. 24
ober fi. 16.
Herrenschwand , (médecin à Berne) Traité des
maladies, ou médecine domestique, les
moyens de se conserver en santé , de guérir
& de prévenir les maladies, par le regime
& les remèdes simples. Ouvrage utile aux per-
sonnes de tout état, gr. 410, Berne, wird
Noch à L. 4 oder fi. 2, 40 lr. netto erlassen.
Histoire des Découvertes dans l'Empire Russe,:
faites par divers savans Voyageurs, 2 Vol.
8. 1778. avec Fig. à L. 7. 10 f. oderfi.<;.
Howard, (anglois) Etat »des prisons, des hôpi-
taux & des maisons de force; avec22plan-
ches, 2 Vol. gr. 8- 1788 !.. 12; — oder fi. 8.
May (de Romainmotiers) Histoire militaire de
la Suisse, & les traités d'alliance avec les
puissances étrangères, 8 Vol. 8. 1788. L. 12
oder fi. 8.
Mercier, Tableau de Paris ; Nouvelle Edition
complette en 6 Volumes 8. »78;. L. 9 oder
fi. 6.
Millot , Elcmens de l'Histoire d'Angleterre,
; Vol. 12. belle édit. 1779. L. 4. 10. f. oder
fi. ; .
Montesquieu , Oeuvres complettes; contenant:
l'Esprit des loix, lettres personnes, temple
de Gnide, considérations fur la décadence
'4

des romains, lettres à ses amis, &o, &c.


7 Vol. 12. 1788. L. 9; — odcr fi. 6
Oeuvres complétées de Frédéric I I , roi de Prusse,
divisées en 24 Vol. avec la vie du roi* gr A
1791. L. 45 odcr fi, 30.
Portefeuille politique , ou 19 tableaux, représen«
tant l'état actuel des différens états de l'Eu-
rope, par M. Beaufort, loi. Paris. L. 16
Ober fi. 10. 40 si.'.
Les privilèges des Suisses dans l'Etrangsr, avec
des observations fur la justice des Suisses,
4. 1770. L. 3 odcr fi. ?.
Riccoboni Oeuvres de Romans, 9 Volumes, 12»
1789. L. ,6 odcr fi 10 40 fr.
Rousseau (Jean Jaques) Oeuvres complétées en
29 Volumes, belle édition imprimée à Berne
fous le nom de Genève , gr. 12.1782-1792.
L. 30 odcr fi. 20.
Rousseau (J. J.) Oeuvres compl. édition originale
de Genève, 410 17 Volumes 1782-1791.
L. 120 odcr fi. 80.
Smith, Recherches fur la richesse des nations,
trad. de l'anglois par M. Roucher, 5 Vol.
12. 1792. L. 9 oder fi. 6.
Tissot (Médecin de Lausanne) Oeuvres complet-
tes, 15 Volumes 12. 1791. L. 24 oder fi. 16.
Vies des hommes illustres de Piutarque; tradui-
tes en franqois , par M. Darier; avec por-
traits , 14 Vol. 12. Hollande 1778. L. 30
odcr fi. >«o.
Voyages du jeune Anacharfis en Grèce, dans
le IVe lîècle , par l'Abbé Barthelemi ; nou-
velle édition, augmentée & enrichie d'un
Atlas plus ample que celui de Paris, 9 Vol.
i2. L. , ; odcr fi. 10, .
Voyages de Pallas chez les peuples Kalmoucs &
VeriHgsbucher/
- • k s Tartares, avec 2; figures & 2 cartes, g;
1792. L. <; oder fl. ;. 20 lr.
Voyages de Pallas en Sibérie & extraits des jour->
naux. de divers iavans voyageurs, 2 Vol.
avec cartes & planch. gr. g. 1791. L. 8
oder st. 5. 20 tr.

Alberti von Halicr Icones Plantarum helvetiœ,


ex ipsius historia stirpium He'.veticarum
denuo récusa;, cum descriptionibus clarissi-i
, tni auctoris, ejusque prœfatione de rebus
historiam naturalem Alpium Helveticarum il-
lustrantibus. Additis notis Editoris (j. S.
"Wyttenbach). complectens 92 Tabb. am.
Bernœ sumptibus Socictatis Typographicas.
1795. L. 22. 10 f. oder st. rç.
Alb. von Malier Physiologia, feu de partium
corporis humani prœc'ipuarum fabrica &
functionibus, ' F. Tomi, 8 ma^'. cum figurisy
Editio noviflima , 1777-78. L. ig oder si. 12.

Göttlich Em. von Hlillcrs Münz «und Medaillen-


Kabinet, oder Beschreibung der Eldgc'nößi,
schcn Schau-nnd Denkmünzen aller Kantons
und zugewandten Orten, mit 12 Knpftrblät«
tcrn, iBändc, gr. 8. L- &. oderst.2.40 kr,netto.
Abbildungen der Gemälde und römischen Alter«
thümcr, welche aus der Stadt Herkulaneum,
als auch in Pompcit und in den umliegenden
Gegenden an das Licht gebracht worden, nebst
ihrer Erklärung uon C. G. von Murr, in Um,
- rißen herausgegeben von G. C. Kilian, 7 Xt)I«v
M i t , Z4 Kchftrtaftln. Prciß z Louisd'or.

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