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ZEIT

14. Juli 2011 DIE ZEIT No 29

Die Wall Street greift an
Das Schicksal des Euro ist den Finanzmärkten egal. Anleger und Spekulanten ziehen ihr Geld aus Rom, Athen, Lissabon und Madrid ab. Wie Europa seine Währung trotzdem retten kann
WIRTSCHAFT S. 21–24 WWW.ZEIT.DE/EURO

Chaplins Tochter
Geraldine findet: »Mein Vater gehört allen.« Ein Gespräch Feuilleton S. 45/46

Die Macht der Klugen
Auf ihre Forscher dürfen die Deutschen stolz sein. Zu Besuch bei jungen Wissenschaftlern, denen wir unsere Zukunft anvertrauen können ZEITmagazin

Titelillustration: Smetek für DIE ZEIT

Das Geldhaus Fluch der Neugier
Die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr. Und das ist Merkels Problem VON HELMUT SCHMIDT Die Methoden des Boulevards sagen viel aus über die Medien, aber auch eine Menge über uns Leser VON ULRICH GREINER

Die Plagiatsjäger
Digitale Blockwarte oder Retter der Wissenschaft – was treibt die Menschen, die Doktorarbeiten überprüfen? Politik S. 4–6

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ochenlang hat es in der Führung der Deutschen Bank Spannungen wegen der Nachfolge Josef Ackermanns gegeben. Jetzt sieht es so aus, als sollte eine Doppelspitze die Führung der Bank übernehmen. Derartige Konflikte gibt es in großen Unternehmen von Zeit zu Zeit immer mal wieder – so zum Beispiel im Volkswagen-Konzern oder im SiemensKonzern. Die Deutsche Bank und ihr Ansehen müssen also durch diese Geschichte nicht sonderlich beschädigt sein, wenn der Aufsichtsrat nun schnell entscheidet. (Siehe Wirtschaft, S. 28.) Trotz ihres angestammten Namens ist allerdings die Deutsche Bank im Laufe der letzten zwanzig Jahre eine internationale Bank geworden. Einerseits sitzt die Mehrheit ihrer Aktionäre im Ausland, andererseits werden mindestens achtzig Prozent ihrer Gewinne im globalen Investmentbanking gemacht. Und zwar nicht in Frankfurt, sondern in London – und an der Spitze dieses Investmentbanking steht mit Anshu Jain kein Deutscher, sondern ein Inder. An der Spitze der Deutschen Bank steht mit Josef Ackermann auch kein Deutscher, sondern ein Schweizer.

Die Landesbanken sind fast alle größenwahnsinnig geworden
Die Deutsche Bank ist also keine deutsche Bank mehr. Als Bundesregierung kann man nicht wiederholen, was Kanzler Adenauer anlässlich der Londoner Schuldenkonferenz gemacht hat und was zwanzig Jahre später anlässlich des G-6-Gipfels (später G 7) ich gemacht habe: nämlich zu großen internationalen Konferenzen einen Sprecher der Deutschen Bank zu schicken und nicht den eigenen Minister. Die Deutsche Bank ist aber gar nicht das eigentliche Problem. Wohl aber ist die Entwicklung der deutschen Bankenlandschaft insgesamt höchst problematisch. Wir waren über eine Reihe von Jahrzehnten gewohnt, es mit drei großen deutschen Banken zu tun zu haben: Dresdner, Deutsche und Commerzbank. Außerdem aber gab es – und gibt es noch – den genossenschaftlichen Bankensektor und drittens den Sparkassensektor mit seinen Girozentralen. Aus den Girozentralen haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Landesbanken entwickelt. Die Landesbanken sind mit ihren »Kreditersatzgeschäften« fast alle größenwahnsinnig geworden. Einige von ihnen mussten gerettet werden, die WestLB wird gerade aufgelöst. Vernünftigerweise würden höchstens zwei Landesbanken übrig bleiben, noch besser wäre ein einziges Spitzeninstitut mit einem eindeutigen Geschäftsmodell. Für den Genossenschaftssektor gilt ein Gleiches. Wenn es wegen des Eigensinns einiger Landes-Ministerpräsidenten und einiger Verbandsfürsten bei der zerklüfteten

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www.zeit.de/audio

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deutschen Bankenstruktur bleibt, so wird die Deutsche Bank zwangsläufig herausragen. Dass es Aufgabe der Deutschen Bank sei, die Interessen der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten, darüber war man sich früher einig, ohne es auszusprechen. Zu meiner Zeit hätte dies mit der Commerzbank und mit der Dresdner genauso gut funktioniert. Wenn jedoch heute die Bundesregierung in internationalen Verhandlungen über Bankenaufsicht, über gemeinsame Prinzipien, zum Beispiel der Bilanzierung von Wertpapieren, Derivaten, Optionen et cetera, oder über die Regulierung von rating agencies zu gemeinsamen Lösungen kommen will, dann kann sie sich kaum auf den Ratschlag der Deutschen Bank verlassen. Das Vertrauen der öffentlichen Meinung und des Publikums in die Finanzbranche insgesamt ist in den letzten Jahren stark gesunken. So ist die unglaubliche Bereicherung der Spitzenmanager, insbesondere in Amerika, England, aber leider auch in Kontinentaleuropa, ein großes Ärgernis. Es ist nicht einzusehen, dass der Spitzenmann einer Bank hundertmal so viel Geld verdient wie sein Fahrer, dass er dreißig- oder vierzigmal so viel verdient wie die Bundeskanzlerin. Ich teile die Menschheit deshalb gern in drei Kategorien ein. Die erste Kategorie, das sind die normalen Menschen. Wir alle haben sicher als Jungs mal Äpfel geklaut, aber dann sind wir doch anständige Kerle geworden. Normale Menschen also, das sind vielleicht 98 Prozent. Zweite Kategorie, das sind die mit einer kriminellen Ader. Die gehören vor Gericht, und wenn sie schuldig gesprochen sind, dann gehören sie ins Gefängnis. Und die dritte Kategorie sind Investmentbanker und Fondsmanager. Dabei ist das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager, der uns alle, fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist, alles wieder genauso zu machen, wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat. Hierzulande hätte die Politik schon lange erkennen müssen, dass die Struktur der deutschen Bankenlandschaft renovierungsbedürftig ist. Es ist nicht gut, dass deutsche Weltfirmen hinsichtlich der Finanzierung von großen Vorhaben und Investitionen von ausländischen Finanzinstituten abhängen. Wenn zum Beispiel eine große, für uns wichtige Firma von einigen kapitalkräftigen Chinesen oder Ölscheichs übernommen würde, dann läge es wegen des Know-hows in dieser Firma und wegen der zukünftig zu erwartenden weiteren Forschung und Entwicklung im dringenden deutschen Interesse, dies zu verhindern und das Unternehmen in Deutschland zu halten. Aber dazu brauchte man zwei oder drei deutsche Großbanken, an die eine deutsche Bundesregierung sich im Notfall wenden kann!

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mpörung kostet nicht viel. Es fällt leicht, sich über die kriminellen Machenschaften englischer Boulevardjournalisten zu empören, und der öffentliche Aufruhr in London hat immerhin dazu geführt, dass der Medienmagnat Rupert Murdoch sein Schmierblatt News of the World eingestellt hat. Was leider nicht bedeutet, dass die Verblödungsstrategie gewisser Sender und Zeitungen an ihr Ende gekommen wäre. Im Gegenteil, auch in anderen westlichen Ländern, die sich auf die Pressefreiheit manches einbilden, feiert sie Erfolge. Ihr Ziel besteht nicht darin, die neue Nachricht zu verbreiten, sondern das Neue selber zu erzeugen, indem man Sensationsfelder erfindet und anhaltend beackert. Die eigentliche Frage lautet, warum sich damit Geld verdienen lässt, empörend viel Geld. Die simple Antwort: Weil Millionen derlei lesen und sehen wollen. Und zwar aus demselben Grund, der auf der linken Fahrbahn zum Stau führt, wenn es auf der rechten einen Unfall gegeben hat: Es ist die Neugier. Wir wollen sehen, was da passiert ist. Wir wollen wissen, wie lange der Kuss des königlichen Paares gedauert und warum die monegassische Fürstin nach der Trauung geweint hat. Dieser urmenschliche Trieb bildet den Motor der Indiskretions- und Entblößungsmaschinerie, die Murdoch, Berlusconi und die anderen betreiben. So perfekt wie heute ist sie noch nie gelaufen, aber gegeben hat es sie immer. Öffentliche Folterungen und Hinrichtungen, das Ausstellen von »Missgeburten und Monstern« auf Jahrmärkten haben einstmals Tausende angezogen. Der audiovisuelle Boulevard verfährt nicht anders, nur auf technisch höherem Niveau.

Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier
Man muss sich aber, bevor man derlei Entgleisungen geißelt, bewusst halten, dass die Neugier Ursache aller menschlichen Erfindungen und Entdeckungen gewesen ist. Der wirkliche Grund, weshalb sich Seefahrer tollkühn auf die Weltmeere wagten, Anatomen den menschlichen Leib aufschnitten und Wissenschaftler sich gefährlichen Strahlen aussetzten, war nicht das klare Kalkül (kaum einer wusste, wohin sein Drang ihn führen würde), sondern die Neugier. Albert Einstein war nur ehrlich, als er einmal sagte: »Ich bin nicht besonders talentiert, sondern nur leidenschaftlich neugierig.« Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier. Dass sie sich ungehindert entfalten könne, ist ein Versprechen der Demokratie und das Geheimnis ihres Erfolgs. Nur wo der Erfindungsgeist sich verbreiten und austauschen darf, dringt er hinein ins unbekannte und ökonomisch fruchtbare Neuland. Im Wort aber steckt die Gier. Sie wird niemals satt. Denn nichts altert schneller als das

Neue, und rastlos sucht die Neugier nach neuem Stoff. Sie ist ein wilder Trieb, der gezähmt werden muss. Anders als das Tier, dessen Wissensdrang der Instinkt leitet und aufs Zuträgliche beschränkt, ist die menschliche Neugier ungerichtet. An Kindern bewundern wir ihre schlechthin schrankenlose Neugier, die sie ins Verderben stürzen müsste, würden wir nicht eingreifen. Als Erwachsene wissen wir (oder sollten es gelernt haben), dass es nicht lohnt, alles wissen zu wollen. Ohne Zweifel kann es hier und da schädlich sein. Augustinus hält die curiositas für ein Laster, weil sie aufs Irdische versessen sei und wegführe vom Eigentlichen: von der Selbsterkenntnis und von der Erkenntnis Gottes. Die Philosophen erblicken in der Neugier einen höchst doppeldeutigen Trieb; Hans Blumenberg zum Beispiel sieht in ihr »das Interesse des Menschen für dasjenige, was ihn sozusagen nichts angeht«. Er beschreibt damit jenen selbstbezüglichen Wissenschaftsbetrieb, an den wir uns längst gewöhnt haben. Den Gedanken seiner Neugierkritik finden wir in den Mythen und Märchen wieder, die vom Heiligen und vom Verbotenen erzählen: vom siebenten Zimmer, das man nicht betreten, vom Schleier, den Schillers Jüngling dem Bild der Wahrheit besser nicht entreißen sollte. Die Klugheit solcher Weisungen könnte Leitfaden sein für die Zähmung unserer Neugier, die nicht selten Züge einer Neusucht trägt. Sie ähnelt der Sucht, sich mit Nahrung vollzustopfen. Und so, wie es eine Industrie gibt, die alles daransetzt, uns mit jenem Fast Food zu versorgen, das immer von Neuem hungrig macht, so gibt es auch eine mediale Zerstreuungsindustrie, die unsere Neugier niemals sättigt, sondern stets neu entfacht. Ein rabiates Verwertungsinteresse ist Merkmal jenes Turbokapitalismus, dem wir offenbar – zu unsrem Glück oder Unglück – nicht zu entrinnen vermögen. Und wir reden hier wohlgemerkt nicht von der Welt überhaupt, sondern von jenen gesegneten Breitengraden, wo es weder an Nahrung noch an Information generell mangelt. Der Mangel an Mangel ist ein Problem der Erziehung und der Selbstdisziplin. In den Schulen ist er schon lange ein Thema, glücklicherweise. Es müsste uns alle beschäftigen. Seit Jahren führen wir eine manchmal bizarre Schlankheitsdebatte. Man sollte die darin investierte Energie auf eine andere Enthaltsamkeit lenken: auf den Informationsverzicht. Nicht jede Nachricht ist der Beachtung wert. Es gibt eine Ökologie der Aufmerksamkeit. Wenn wir dies begriffen, dann würde uns die Empörung über Murdoch und so weiter etwas kosten. Wir könnten uns an die biblische Weisheit im Buch Prediger erinnern: »Windhauch, Windhauch, alles ist Windhauch. Kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, nie ein Ohr vom Hören voll. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.«

Dr.
PROMINENT IGNORIERT

Agenten am Bau
Feuchte Wände, gerissene Fliesen, was nicht passt, wird passend gemacht! Nur wer selbst ein Haus gebaut hat, weiß, wie andere leiden: etwa die Schlapphüte vom BND mit ihrem Neubau in Berlin. Die Keller zwar trocken, aber Baupläne geklaut. Ist das wirklich schlimm? Verliere man die Schuhe, so behielte man doch die Füße, tröstete sich und die Seinen jüngst ein Agent, bevor er in Berlin-Mitte verschwand. HBK
kleine Fotos: Nicolas Guerin/Corbis; Rue des Archives/PVDE/SV-Bilderdienst; ullstein; dpa (v.o.n.u.); Vera Tammen für DZ (l.)

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AUSGABE:

2 14. Juli 2011

DIE ZEIT No 29

POLITIK

Worte der Woche

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Ich verspreche Ihnen nichts, und deshalb glauben Sie mir.«

Peer Steinbrück, ehemaliger Bundesfinanzminister und potenzieller SPD-Kanzlerkandidat, über seine Popularität

»Nicht eine Ethik der Strafe, sondern eine Ethik des Helfens macht unsere Gesellschaft menschlicher.«
Peter Hintze, CDU-Abgeordneter, fordert im Bundestag die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

»PID bedeutet Selektion.«
Wolfgang Zöller, CSU-Abgeordneter, zum selben Thema

»Putin hat während seiner Amtszeit die Demokratie zurückgebaut, Freiheiten eingeschränkt, den Rechtsstaat ausgehöhlt und Russland der Korruption preisgegeben.«
Markus Löning, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, über die umstrittene Entscheidung, den russischen Premierminister Wladimir Putin mit dem Quadriga-Preis auszuzeichnen

Der Teufelspakt
Mit dem Medienmogul Rupert Murdoch hat sich die ganze britische Politik eingelassen. Auch Premierminister David Cameron gerät in den Strudel des Skandals VON REINER LUYKEN
Foto: Reuters

»Thank you & Goodbye«
Das eingestellte britische Boulevard-Blatt »News of the World«, das über Jahre Handys von Bürgern und Prominenten abhören ließ, verabschiedet sich von seinen Lesern

Premierminister Cameron auf dem Weg zu einer Pressekonferenz in London

»Wir stecken alle mit drin. Die Presse, die Politiker, die Chefs aller Parteien – ich selbst inbegriffen.»
David Cameron, britischer Premierminister, zum selben Thema

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»Wenn ich könnte, würde ich schon heute aufhören.«
Silvio Berlusconi, italienischer Ministerpräsident, will bei den nächsten Wahlen nicht mehr antreten

»Präsident Assad ist nicht unverzichtbar, und uns liegt nichts daran, dass er an der Macht bleibt«
Hillary Clinton, amerikanische Außenministerin, erklärt, der syrische Präsident Baschar al-Assad habe durch die brutale Unterdrückung von friedlichen Protesten seine politische Legitimität verloren

»Verschwinde, damit es wieder Licht wird!«
Ägyptische Demonstranten während erneuter Proteste vor dem Krankenhaus in Scharm ElScheich, in dem der gestürzte Staatschef behandelt wird

»Verweigerung ist eines der schönsten Dinge, die das Alter mit sich bringt.«
Iris Berben, deutsche Schauspielerin, schreibt keine E-Mails

«

eit David Cameron im Mai 2010 Premierminister wurde, hat der Regierungschef fast alles richtig gemacht. Sein Vorgänger Gordon Brown hinterließ ihm einen Staatshaushalt, der in einem fast so desolaten Zustand war wie der griechische Pleiteetat. Doch die Investoren flohen nicht, die Währung blieb stabil. Camerons Sparprogramm greift – trotz einiger Protestaktionen – ohne große Streiks und Krawalle. Er hat die große Mehrheit der Briten davon überzeugt, dass es keine Alternative zum Maßhalten gibt. Und nun dieser Schlamassel. Ein Skandal, der seit Jahren köchelte, ist wie ein außer Kontrolle geratener Atommeiler explodiert. Jeden Tag gibt es neue Enthüllungen über Abhöropfer der Zeitungen des Verlegers Rupert Murdoch, darunter Familien von ermordeten Kindern und im Afghanistankrieg gefallenen Soldaten. Murdochs »Enthüllungsjournalisten« versuchten sogar, die ärztlichen Aufzeichnungen des an einer Erbkrankheit leidenden Kindes des ehemaligen Premiers Gordon Brown zu knacken. Neben der inzwischen eingestellten News of the World stehen mittlerweile auch die Murdoch-Blätter Sunday Times und Sun unter Verdacht. Jetzt dringt der Skandal ins Herz der Regierung vor – bis zu Cameron selbst. Wie das? Die Machenschaften der Journaille sind dem kultivierten Regierungschef, so sollte man meinen, völlig fremd. Er gehört einer Schicht von Leuten an, die zwar als Toffs verrufen sind, als feine Pinkel, die in Eton zur Schule und in Oxford auf die Universität gehen. Aber er hat eben auch den gepflegten Umgangston, den Charme und den selbstironischen Humor dieser Klasse. Insgeheim lassen sich die Briten sehr gern von dieser Elite regieren. Den Kleinbürgern ist Cameron lieber als ein Emporkömmling aus ihren Reihen. Die progressive Mittelschicht zieht Camerons Pragma-

tismus linksintellektuellen Weltverbesserern oder einem verbissenen Stamokap-Linken wie Gordon Brown vor. Doch die krakengleiche Umklammerung der britischen Politik durch Rupert Murdoch macht vor keinem Premier Halt, ganz gleich, ob er der Labour-Partei angehört oder den Konservativen, ob er reserviert oder kämpferisch auftritt. Margaret Thatcher, die glühende Verfechterin des Kapitalismus, war eine natürliche Gesinnungsgenossin des australisch-amerikanischen Magnaten Murdoch. Nach dem unerwartetem Wahlsieg ihres unpopulären Nachfolgers John Major kam Murdochs Sun 1992 mit der unverfrorenen Schlagzeile heraus, It’s The Sun Wot Won It, frei übersetzt, »ohne uns wäre er den Bach runter gegangen.« Aber auch der erfolgreichste Labour-Politiker der letzten Jahrzehnte, der dreimal gewählte Premierminister Tony Blair, suchte, gewann und profitierte von Murdochs Gunst.

Ein Ex-Regierungssprecher wird festgenommen
Camerons Verbindung in die Murdoch-Welt war ein Boulevardjournalist, den er 2007, noch in der Opposition, als Pressesprecher anheuerte. Andy Coulson war gerade als Chefredakteur der News of the World zurückgetreten – wegen eines sich damals schon verdichtenden Abhörverdachts gegen Reporter und Zuarbeiter seines Blattes. Er beteuerte, von allem nichts gewusst zu haben – eine Beteuerung, die, wenn sie wahr gewesen sein sollte, Fragen an seiner Kompetenz aufwerfen müsste. Coulson hatte Murdochs Blatt jedenfalls wieder auf konservativen Kurs gebracht. Seine Anstellung durch Cameron erweist sich nun als Schachzug mit gefährlichen Folgen. Nach seinem Wahlsieg beförderte Cameron Coulson

zum Regierungssprecher. Im Januar dieses Jahres, als immer neue Enthüllungen über das Gebaren seiner ehemaligen Zeitung an die Öffentlichkeit drangen, trat Coulson zurück, wiederum unter Unschuldsbeteuerungen. Letzte Woche wurde er von Scotland Yard wegen des Verdachts auf Verschwörung zum Telefonanzapfen und zur Bestechung von Polizeibeamten festgenommen. Nun steht Cameron selbst im Sperrfeuer von Verdächtigungen, Spekulationen und Anschuldigungen. Paddy Ashdown, ehemaliger Führer der liberalen Partei, hatte ihn gewarnt. Die Liberalen sind die Einzigen gewesen, die sich Murdoch nie in die Arme geworfen haben. Doch Cameron stand zu seinem Mann. Wie konnte der Premier einem derart zwielichtigen Charakter sein Vertrauen schenken? Coulson, der nach der Oberschule zwei Jahre als Reporter eines Provinzblattes Lokalstorys nachhechelte und später bei der Sun für eine Kolumne mit dem bizarrsten Quatsch aus dem Showgeschäft zuständig war, bevor er die unsägliche News of the World leitete, passt so gar nicht zu ihm. Hatte der smarte Typ sich unentbehrlich gemacht? Nach dem Wahlsieg lenkte Coulson bei den allmorgendlich im Untergeschoss von Downing Street 10 abgehaltenen, vertraulichen Pressekonferenzen das Augenmerk seiner ehemaligen Kollegen unaufdringlich in die gewünschte Richtung. Er war ein erstklassiger Öffentlichkeitsarbeiter, nicht rüpelhaft wie Tony Blairs MedienGuru Alastair Campbell, unter dessen Ägide Fluchen und schlechte Manieren zum akzeptierten Umgangston der politischen Klasse machte. Doch der tiefere Grund für die Treue zur Coulson dürfte in der Furcht vor Murdochs Unmut liegen. Wie vor ihm Gordon Brown und Tony Blair, die sich in den Worten des New-Labour-Chefideologen Peter Mandelson lieber duckten als die Presse herauszufordern, verbog sich auch Cameron.

Bestes Beispiel: Cameron nahm sich bei Regierungsantritt ein ehrgeiziges rechtspolitisches Reformpaket vor. Er installierte im Justizministerium das einzige liberale Schwergewicht britischer Politik, Kenneth Clarke – ein Konservativer zwar, aber einer, der sich nie vom Mehrheitsdruck oder der nach »Recht und Ordnung« schreienden Journaille treiben ließ. Clarke setzte nach drei Jahrzehnten unter konservativen und Labour-Regierungen zusehends verschärfter Gesetze die erste liberale Strafrechtsreform seit einer Generation in Gang.

In der Empörung steckt eine Menge Heuchelei
Im Juni dieses Jahres aber stoppte Cameron das Projekt. Der Premier ging vor der populistischen Presse in die Knie. Sie hatte mit Murdoch, wie ein Kommentator dieser Tage feststellte, seit Thatchers Wahlsieg 1979 de facto einen ständigen Sitz am Kabinettstisch in Downing Street 10. Damit ist es jetzt vorbei, zumindest soweit es den »dirty digger« Murdoch, den Schmutzgräber der britischen Presse, betrifft. Nun geht ein Aufschrei durchs Land. Wie konnte der nur! Wie konnten die nur! Jeder deutet mit dem Finger auf den anderen – Politiker, Konkurrenten, ehemalige Mitstreiter. Aber die meisten waren selbst beteiligt. Niemand wehrte den Anfängen, kaum jemand begehrte auf. Die Angst vor Murdochs Macht fraß sich wie ein emotionales Krebsgeschwür tief in die Seele der politischen Klasse. Die wütende Reaktion auf die Enthüllungen ist ein Urschrei – halb Selbstbefreiung von einem Trauma, halb Heuchelei. Dass Cameron nicht so laut mitbrüllt wie die anderen, ist wieder ein Erbe seiner gesellschaftlichen Herkunft.
Siehe auch Wirtschaft Seite 30

POLITIK

14. Juli 2011 DIE ZEIT No 29

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Beschlossen und beschwiegen
Erst geht die Richtung verloren, dann die Autorität: Atom, Libyen, Wirtschaftsreformen – fast schon routiniert ändert die Regierung ihre Positionen. Leise meist und ohne Begründung. Das schadet der Kanzlerin. Und der Demokratie VON MATTHIAS GEIS

S

o also wollte sich die Bundesregierung in die Sommerpause verabschieden. Noch einmal wollte sie zeigen, worüber man bei SchwarzGelb streitet – und was der Debatte entzogen ist. Über die Notwendigkeit, Wünschbarkeit oder Unmöglichkeit baldiger Steuersenkungen wurde leidenschaftlich diskutiert – geschwiegen wurde zum geplanten Export von Kampfpanzern an Saudi-Arabien. Schließlich tage der Bundessicherheitsrat doch geheim. Über den Sinn einer Waffenlieferung in die nahöstliche Krisenregion gab es also keine Auskunft. Dafür kommt nun das nächste Signal an den Arabischen Frühling. Mit 200 Kampfpanzern schlägt sich die Bundesregierung auf die Seite des Regimes in Riad. Alles ohne Begründung, ohne öffentliche Debatte. Beschlossen und beschwiegen von Angela Merkel, Philipp Rösler und Guido Westerwelle. So wird im Sommer 2011 die Bundesrepublik regiert. Zumindest wenn nicht gerade wieder einmal der Euro gerettet werden muss. Dabei hat die Koalition, vielleicht zum ersten Mal seit ihrem Bestehen, zukunftsweisende Politik durchgesetzt. Atomausstieg und Energiewende haben den Bundesrat passiert. Es ist ein Projekt, an dem sich die technisch-industrielle Kompetenz, die ökologische Verantwortung und die wirtschaftliche Dynamik der Bundesrepublik entfalten könnten. Nur auf die Stimmung in der Koalition hat das keine positiven Auswirkungen. Denn der Atomausstieg ist nicht nur eine bahnbrechende politische Entscheidung; er ist eben zugleich ein spektakulärer Widerruf dessen, was erst vor knapp einem Jahr beschlossen worden war. Mit der Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke wollte man es den »energiepolitischen Blindgängern« von Rot-Grün einmal richtig zeigen. Nun muss sich SchwarzGelb mit dem gesellschaftlichen und politischen Konsens anfreunden, den man gerade gestiftet hat. Die Kanzlerin spricht von ihrer neuen Energiepolitik als »Mission«: Am Beginn der Bundesrepublik habe die Versöhnung von Kapital und Arbeit gestanden, heute gehe es um die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie. Schöner könnten es selbst die Grünen nicht ausdrücken. Wohl auch deshalb hat Angela Merkels rasanter Kurswechsel in Teilen der Koalition Befremden ausgelöst. Die atomkritische Mehrheit der Deutschen befürwortet den Ausstieg. Nur glaubwürdig, sagen die Umfragen, finden sie ihn nicht.

Die Kanzlerin will sich nicht geirrt haben
An die Atomwende, mehr noch an Merkels frühere Wandlungen knüpfen sich inzwischen grundsätzliche Fragen: nach dem Verhältnis von Pragmatismus und Überzeugung, nach der Scheu vor offenen Debatten, nach dem Einfluss gesellschaftlicher Stimmungslagen. Es sieht so aus, als regiere Angela Merkel begründungsfreier als alle ihre Vorgänger. Ihre Flexibilität in machtpolitischen wie in inhaltlichen Fragen ist inzwischen das Verlässlichste, was sich über ihre Kanzlerschaft sagen lässt. Und das Verstörendste. Dabei gehören Wenden zur Politik. Was sonst als die Bereitschaft, unter veränderten Bedingungen neu zu entscheiden, macht ihre Zukunftsfähigkeit aus? Immer wieder entwickelt sich der politische Prozess als Korrektur überholter Positionen. Die SPD beispielsweise konnte erst wirklich in die Geschichte der Bundesrepublik eingreifen, nachdem sie ihre programmatische Perspektive ohne Vorbehalt auf die Nachkriegsverhältnisse eingestellt hatte: soziale Marktwirtschaft statt Klassenkampf, Westbindung statt Neutralitätsbestrebungen. Dass die Union in den achtziger Jahren die Ost- und Entspannungspolitik übernahm, die sie ein Jahrzehnt lang erbittert bekämpft hatte, wurde zu einer Grundbedingung der Kohlschen Kanzlerschaft. Und Gerhard Schröder nötigte seiner Partei mit den AgendaReformen einen Kurswechsel ab, der zwar nicht der SPD, aber doch dem Land zugutekam.

Solche Weichenstellungen hatten sich lange, nen. Sie gründeten sich als Bewegungspartei und manchmal über Jahre hinweg angebahnt. Nach drängten schon bald in die Institutionen; sie feider japanischen Katastrophe benötigte die Kanz- erten sich als prinzipielle Opposition und suchlerin gerade mal ein Wochenende, um zu erken- ten dann doch den Weg zur Macht; sie starteten nen, dass die atompolitische Beschlusslage nicht als Antimilitaristen und waren die Ersten, die mehr zu halten war. Natürlich hat die Angst vor Bundeswehrsoldaten in zwei Kriege schickten. einem Wahldesaster in Baden-Württemberg Interessant bei so viel Wendebereitschaft ist Merkels Entscheidung beschleunigt. Umso hefti- allerdings, dass ausgerechnet die Grünen heute ger wurde das bestritten. Dass sich nach Fuku- als glaubwürdige Partei gelten. Das liegt daran, dass sie ihre Metamorphosen shima einfach nicht mehr genicht klammheimlich und vergen die Mehrheit regieren druckst vollzogen haben. Im ließ, hat Angela Merkel blitzFlexibel ist sie ja Gegenteil, keine andere Partei artig erkannt und umgesetzt. hat im Laufe der Jahre solch Nur gesagt hat sie es nicht. Nach sechs Jahren im offene, erbitterte KontroverGanz anders verhielt sich in den siebziger Jahren der Amt ist der Kurswechsel sen ausgetragen. Oft wirkte das befremdlich, manchmal niedersächsische Ministerpräzum Muster von auch zwanghaft und abstosident Ernst Albrecht, als er Merkels Politik ßend. Doch während die polidie Pläne für eine atomare geworden. Wenden tische Konkurrenz eher auf Wiederaufbereitungsanlage ad Streitvermeidung setzt, Wiacta legte. »Politisch nicht gehören zur Politik. dersprüche verkleistert und durchsetzbar«, lautete damals Erklärungen aber auch Konflikte dementiert, betreidie schlicht zutreffende Beben die Grünen ihre Revisiogründung. Sie wurde legendär. nen mit erbittertem Ernst. Wo Manchmal ist gerade das offene Eingeständnis einer Niederlage oder die un- andere Parteien Scheinkontinuität vorspiegeln, umwundene Begründung einer Kurskorrektur zelebrieren sie ihre Brüche. Manchmal wirkte das, als wollten sie den politischen Veränderungsein Zeichen von Stärke. Angela Merkel hingegen hält sich an die klas- schmerz restlos auskosten. Das Gegenmodell praktiziert heute Angela sische Lehre, nach der man Fehlentscheidungen und Niederlagen lieber dementiert oder ver- Merkel. Ihre Wenden gehen leise und ohne Aufschleiert. Das ahnte wohl auch der CDU-Funk- sehen vonstatten. Man erinnert sich noch an die tionär, der kürzlich in einer Aussprache zur Zeiten, als sie über die Deutschen so redete wie Atompolitik seiner Vorsitzenden empfahl: »Wir jüngst über die Bewohner verschuldeter europäimüssen sagen, dass wir einen Fehler gemacht ha- scher Südstaaten: Ende der Bequemlichkeit, ben.« Doch Merkel war anderer Meinung: »Ich mehr anstrengen, weniger fordern! Damals, nach kann nicht sagen, es war ein Fehler.« Sie habe aus dem Leipziger CDU-Parteitag 2003, propagierte Überzeugung für die Laufzeitverlängerung ent- sie die liberale Mobilmachung von Politik und schieden. Die Wende werde sie »immer mit Fu- Gesellschaft. Allein dadurch sollte Deutschland im globalen Wettbewerb bestehen können, wenn kushima begründen«. Die Kanzlerin will sich nicht geirrt haben, sie überhaupt. Da hatte Gerhard Schröder unter will vor der Katastrophe verantwortlich und rich- dem Druck der Krise seine Agenda 2010 schon tig gehandelt haben und danach eben auch. Statt aufgelegt. Als Merkel dann selbst Kanzlerin wureine Zäsur zu setzen, die Fehlentscheidung de, war ihr Reformeifer bereits verflogen. Jetzt einzuräumen und damit die Basis für neue regierte und konkurrierte sie mit der SPD um Glaubwürdigkeit zu legen, versucht Merkel be- sozial verträgliche Lösungen. Nur begründet hat harrlich, die Unzulänglichkeit ihrer früheren sie ihren Sinneswandel nie. Ob Merkel in der Theorie oder Schröder in Entscheidung zu verschleiern. Sie gibt dem Reflex nach, keine Schwäche zu zeigen. Aber gerade der Praxis den Reformbedarf übertrieben hatten, ob sie das dynamische Potenzial der Republik das wirkt schwach. Nur auf Parteitagen pflegt Merkel hin und unterschätzten, ob das Land nach der Stagnation wieder das Heroisch-Erhabene: »Nicht der Zeit- der neunziger Jahre – unbemerkt vom liberalen geist prägt die Politik der CDU, sondern die Mainstream – schon wieder konkurrenzfähig geCDU prägt den Zeitgeist«, verkündete sie als worden war: Über all das hätte sich streiten lasfrischgebackene Oppositionsführerin im Herbst sen. Gerade mit Blick auf künftige Strategien. 2002. Seither hat sie unzählige Male daran er- Doch die Kanzlerin wollte nicht streiten, sie wollinnert, wie die zentralen Weichenstellungen der te ihren neuen Kurs nicht an ihren früheren Bundesrepublik von der Union stets gegen die Forderungen messen. So blieb den Deutschen Mehrheitsstimmung durchgesetzt werden muss- verborgen, wann und warum Angela Merkel auften. Immerhin, bei der atompolitischen Kurs- hörte, das Land als »Sanierungsfall« zu betrachten. Nur einmal, 2007, durchbrach Jürgen Rüttkorrektur folgt sie am Ende dem Wunsch der Mehrheit. Es ist nicht das erste Mal. Auch im gers dieses Arrangement. Er wollte die »LebensJahr 2005 sorgte das deprimierende Ergebnis bei lügen der Reformpolitik« debattieren. Das zielder Bundestagswahl für Merkels Abkehr vom li- te auf Merkel. Sie ließ es zu, dass Rüttgers sich beralen Reformkurs. In der Griechenlandkrise in der Sache durchsetzte. Nur die Grundsatzspielte sie anfangs mit dem Boulevard über Bande und bediente mit ihren harschen Sparparolen an den Süden euroskeptische Vorbehalte hierzulande. Auch in der Frage militärischer Interventionen dürfte die pazifistische Unterströmung der Deutschen inzwischen sogar die Kanzlerin erreicht haben. Jedenfalls lässt sich die LibyenEntscheidung so interpretieren. Doch auch in diesem Falle sind die Bürger auf Mutmaßungen angewiesen. Einen ganz anderen Umgang mit ihren radikalen Kurswechseln pflegen seit jeher die Grü-

debatte mit Kanzlerin entfiel. Der begründungsfreie Kurswechsel ist zum Muster ihrer Politik geworden. Das gilt sogar in Fragen von Krieg und Frieden. 2002/03 profilierte sich die Oppositionsführerin gegen Schröders Anti-Irakkriegs-Kurs als Partnerin des amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Doch als dessen Kriegsbegründung sich als Lüge erwies und auch die irakische Demokratie nicht recht vorankam, konnte sich Merkel kaum mehr daran erinnern, je mit den Kriegsbefürwortern sympathisiert zu haben. Erst die deutsche Enthaltung in der Libyen-Frage gab einen Hinweis, wie weit sich Merkel inzwischen von ihrem frühen Bellizismus entfernt hat. Selbst die »Einheit des Westens«, die sie einst als unverbrüchliche Maxime deutscher Außenpolitik gegen Schröder ins Feld geführt hatte, war plötzlich so nachrangig wie die Unterstützung der libyschen Aufständischen gegen deren Unterdrücker.

Erst kommt das Desinteresse, dann die Politikverachtung
Merkel, so scheint es heute, hat aus der IrakErfahrung die falschen Lehren gezogen. Sie hat Schröder auf der Welle des Pazifismus eine schon verlorene Bundestagswahl gewinnen sehen. Das hat sie empört und beeindruckt. Schröder hatte sich ungehemmt populistisch die Mehrheit gesichert. Aber er hatte gegen einen Krieg votiert, den er für unverantwortlich hielt – nachdem er zuvor deutsche Soldaten in das Kosovo und nach Afghanistan entsandt hatte. Seine Nachfolgerin musste bislang keine militärische Entscheidung dieser Tragweite treffen. Gerade nach der LibyenEnthaltung wüsste man gerne, wo Merkel in der Frage humanitärer militärischer Interventionen heute steht. Auch das bleibt offen. So behält die Kanzlerin ein Maximum an Flexibilität. Sie ist nicht festgelegt. Ihre Grundlinien verschwimmen. Aber es gibt ja noch genügend Probleme, die sich auch mit nüchternem Pragmatismus bearbeiten lassen.

So agiert sie seit einem Jahr in der Euro-Krise. Sie ist die mächtigste Spielerin, und doch laviert sie zwischen ihren Sanierungsforderungen an den Süden und dem unabweisbaren Rettungszwang. Und dann ist da noch der wachsende Unwille in der Bevölkerung und in der Koalition. Dass die Kanzlerin in dieser Lage Erklärungen liefert, mit denen sich die Öffentlichkeit einen Reim auf die Krise oder gar auf Merkels Strategie machen könnte, ist unwahrscheinlich. Merkels Regieren wirkt unübersichtlich, manchmal beliebig. Wo Positionen, für die heute mit Verve geworben wird, plötzlich zugunsten anderer Positionen verschwinden, verliert Politik ihre Überzeugungskraft. Denn warum sollen sich die Bürger mit politischen Inhalten und Forderungen befassen, wenn diese schon im nächsten Moment bedeutungslos werden können? Eine sich bedeckt und flexibel haltende Politik zerstört auf Dauer das öffentliche Interesse, ohne das Demokratie nicht funktionieren kann. Dem Desinteresse folgt leicht die Verachtung. Gerade politikferne Bürger entwickeln ein feines, oft schon vom antipolitischen Ressentiment geschärftes Gespür für kaschierte Volten oder unglaubwürdige Dementis. Die schlauen Tricks helfen nicht wirklich. Sie produzieren Stimmungslagen, in denen der politische Betrieb wie seine einzelnen Vertreter immer öfter zur Zielscheibe von Hohn und Spott geraten. Demokratie kommt ohne Autorität nicht aus. Die erwächst aus Überzeugung und Begründung, Konsistenz und Erkennbarkeit. Im Wirken der aktuellen Koalition ist davon kaum noch etwas zu sehen. Das ist die bittere Pointe auf die »geistig-politische Wende«, unter deren Banner die Liberalen in diese Regierung getaumelt sind. Doch die Krise dieser Koalition ist zu tief, um sie noch den Nebendarstellern zurechnen zu können. Sie ist vom Autoritätsverlust der Kanzlerin nicht mehr zu trennen. So klangen schon die Diagnosen vom vergangenen Sommer. Seither ist es schlimmer geworden. Manchmal zweifelt man schon, ob es sich nur um eine Krise dieser Kanzlerin und ihrer Regierung handelt. Erst wenn sie einmal nicht mehr regiert, wird man sehen können, wie weit die Erosion gediehen ist. Doch nun muss erst einmal wieder der Euro gerettet werden.

Würden Sie dieser Frau noch Fisch abkaufen? Angela Merkel im Mai bei dem Versuch, die Pinguine auf dem Dach des Ozeaneums in Stralsund zu füttern

Foto [M]: Stefan Sauer/dpa

Ist das ein Fortschritt oder eine digitale Form des Wutbürgertums? Wie gehen Politiker mit den neuen Medien um? (Siehe Seite 5) Und wie sollten Gesetzgeber und Gerichte reagieren? (Siehe Seite 6) Goalgetter und Dr. Ach so. er habe da einen Verdacht. wie es weitergehen soll. »Es ist wie eine Sucht«. Am 16. Affäre Vroni Die Plattform VroniPlag entstand im März 2011. vor allem in der Gründerzeit. wovon er schließlich abrückt. jeden Fehler und jede Schwäche von Politikern offenzulegen. Aber Goalgetter hält sich inzwischen für einen Experten in Sachen Dissertation: Er hat dieses Jahr schon 40 gelesen. Fragmentieren heißt. Sie trafen sich im Chat. geht es Dr. Goalgetter. dann war das nicht richtig«. dann auf die Ämter. Ein Wissenschaftler loggte sich bei VroniPlag im Chat ein. die unterschiedlicher nicht sein könnten. um der Doppelbelastung durch Job und VroniPlag-Fälle gewachsen zu bleiben. diese Empörung teilten sie nun vor allem mit sich selbst. Davon ist Georgios Chatzimarkakis. mühsam. dass die Doktorarbeit des niedersächsischen Kultusministers Bernd Althusmann (CDU) erhebliche wissenschaftliche Mängel aufweist. An seinem Doktortitel hängt er so sehr. Klicken Wie die Internetplattform Vroniplag Doktorarbeiten von Politikern durchleuchtet. Das Problem ist aber. Kampf gewonnen. Aber dafür müssten sich Goalgetter und Dr. ein 270-Seiten-Werk mit 660 Fußnoten. Die Empörung. Zwischen den beiden gab es erste Meinungsverschiedenheiten. DZ Weitere Berichte zum Fall Althusmann siehe auch Wissen Seite 37 dächtigen Textbaustein aus der Dissertation und der nicht korrekt zitierten Quelle anzulegen. aberkannt. Goalgetter geht jetzt wieder öfter Golf spielen. Ausgerechnet jene Internetplattform. Im März gründete Goalgetter eine neue Internetplattform. Ein Mann. Goalgetter und Dr. www. mit der Plagiatsprüfung sei es so wie mit der Kriminalitätsbekämpfung. JUL ls Karl-Theodor zu Guttenberg noch Minister und Doktor war und die Plagiatsvorwürfe gegen ihn noch mit dem Wort »abstrus« abstritt. Die Folgen sind bekannt: Der Minister verzichtete erst auf den Doktortitel. Zunächst mit nicht viel mehr als einem anonymen Hinweis auf einen weiteren Plagiatsfall in der Dissertation einer gewissen Veronica Saß. sie überprüften jede Fußnote. etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun. aber unspektakuläre Wühlarbeit. als VroniPlag vier Mitglieder hatte. Veronica Saß war kein Guttenberg. keine Angaben dazu. aber nicht als Zitat kenntlich gemacht. der nach dem Fall Guttenberg weitermachen wollte.und umschreiben können. welche Quellen. Er selbst hat nie promoviert. wäre zu mühselig. die sich persönlich nie getroffen haben und sich doch zur gemeinsamen Mission gegen Guttenberg zusammentaten. in dem seine Dissertation. Februar 2011 berichtete die »Süddeutsche Zeitung« über den Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano. welche Seiten. Ist die Fundstelle mit der Textstelle identisch. »Das ist so. also eine Seite. sollte seine Identität bekannt werden. einige Experten sprechen offen von einem Plagiat. Doch sein Pseudonym verrät einiges. Ego und Publicity gegen Kollektivgeist und disziplinierte.« Er hat dem Mann von seinem Traum. ist Mitte 30. auf welchen Seiten plagiiert wurde. Er betont. Aufgrund der Recherchen von VroniPlag hat nun die Universität Bonn angekündigt. nicht mal eine wirklich Prominente. Sie haben das Gefühl. Wahrscheinlich wäre es endlich an der Zeit. die ohne Zitierung übernommen wurden. bis sie am Ende 1218 plagiierte Stellen nachweisen konnten und Guttenberg zurücktrat. sonst hätten Sie etwas anderes zu tun. nachdem ein GuttenplagMitarbeiter einen anonymen Hinweis zu der Dissertation von Veronika Saß erhalten hatte. Über die Motive der Einzelnen und die Ziele der Gruppe. Europaabgeordnete VroniPlag der FDP. Und dass sich die meisten für prominente Menschen und nicht für Doktorarbeiten interessieren. Uwe Brinkmann (SPD) gab seine Promotionsurkunde freiwillig zurück. und seinen ehemaligen Mitstreitern. wenn auf mindestens zehn Prozent der Seiten Plagiate gefunden wurden. Darüber. ein Formular mit dem ver- In eigener Sache In der vergangenen Woche deckte die ZEIT auf. gebräunte Haut. Keine Politikerin. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 DIE JÄGER IM NETZ POLITIK INTERNET UND POLITIK WikiLeaks. feige sind Sie auch. Am selben Abend twitterte er die Nachricht vom neuen Plagiatsfall Silvana Koch-Mehrin in die Welt. enstand. Zusammen mit anderen Empörten begannen sie. Es ist. haben darin aber noch ein zweites Kleid versteckt. Dann kam der zweite Sonntag im April. die Goalgetter und Klicken im Fall des Verteidigungsministers noch mit der Bevölkerung geteilt hatten. wirkt wie ein Student. die nicht als Paraphrase gekennzeichnet wurden: »Sie fahren ein fremdes Auto und vertauschen das Nummernschild. in seinem rechten Augenwinkel ist eine kleine Narbe. nicht die Person. Suchen heißt. er habe sie vor sich liegen. sondern auch die zahlreicher Politiker wurden unter die Lupe genommen. Klicken suchte. darunter vier FDP-Abgeordnete und jeweils ein Abgeordneter von SPD und CDU. Sie haben eine Weile täglich miteinander telefoniert.de/audio . worauf er gewartet hatte: Silvana Koch-Mehrin. Am nächsten Morgen informierte er die Universität Konstanz. damit er dazu Stellung nehmen konnte. »Wenn das vorzeitig getwittert wurde. Exakt in dem Zeitraum. Diebstahl mit vorsätzlicher Täuschungsabsucht. und sie begegneten sich diesen Februar im Internet. sagt Klicken. Er ist noch vorsichtiger als Goalgetter. der eine Mission hat. besprachen den aktuellen Stand einer verdächtigen Dissertation. Er sei »Onlineunternehmer« – das müsse als Berufsangabe genügen. Jetzt sucht er nachts nach Fehlern in irgendwelchen Doktorarbeiten. aber es war mir persönlich wichtig. ein Plagiatsvorwurf darf erst öffentlich erhoben werden. dass der Verfasser auf ein Wiki auswich. jedes Geheimnis der Politik. Er hat lockige Haare . bei Veronica Saß lag sie bei 54 Prozent der Seiten. und Matthias Pröfrock. FDP-Europaabgeordneter. Aber er wusste sofort. Die Konflikte erinnern an das Zerwürfnis zwischen Julien Assange. gelinde gesagt. Klicken hielt das für unlauter. keine Ortsangaben. Wo es Goalgetter um die Überführung von Betrügern geht. möglichst schnell und oft.« Bauernopfer sind Textstellen. Die Medien würden sich drauf stürzen! Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik lautet der Titel ihrer Arbeit.4 14. »Sie kaufen ein Kleid.« Vor dieser Sucht hatte er Zeit.« Klicken legt im Verlauf des Treffens seine Nervosität ab. Goalgetter erfand einfach neue Nutzer der Plattform. besetzte Althusmann den Posten des parlamentarischen Geschäftsführers der CDULandtagsfraktion. dass es hier um die Macht des Faktischen gehe: um die Dissertation. Die Doktorarbeit von Althusmann wies eine auf den ersten Blick auffällige Häufung an indirekten Zitaten sowie einen insgesamt hohen Zitatanteil (über 50 Prozent) auf. Die Jury lobte die »faire und unvoreingenommene Arbeitsweise der Administratoren des Wikis«. Inzwischen gelten strenge Kriterien: Originalarbeiten müssen bei der Überprüfung vorliegen. die meisten GuttenPlag-Aktivisten sagten: Wir hören auf. So kann jeder auf VroniPlag sehen. Er will gewinnen. geschrieben und von den Werten der Wissenschaft. die Nutzer nicht nur lesen. Klicken sagt. Begegnung mit zwei Plagiatsjägern VON KHUÊ PHAM Guttenbergs Fall Den Anstoß zum politischen Niedergang Karl-Theodor zu Guttenbergs gab ganz altmodisch ein Zeitungsartikel. Ein Barcode illustriert die Plagiatsquote. oft bis vier Uhr morgens. YouTube – Netz-Aktivisten schicken sich an. als würden Sie eine Handtasche im Geschäft klauen. wie viele Seiten der Guttenbergschen Arbeit Plagiate aufwiesen. Martin Klicken. um mögliche berufliche Nachteile auszuschließen. und er kannte auch nicht seinen echten Namen. Und er hat sich bereits ein neues »eigenes Ding« überlegt: Er will nun die kürzesten Dissertationen Deutschlands auf ihre Qualität überprüfen. Saß ist die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten Edmung Stoiber. VroniPlag. Aber in Bayern ist sie bekannt. Der anonyme Akademiker schickte Goalgetter Textbausteine aus der Dissertation. jeder betroffene Politiker soll seine Ämter niederlegen. Noch am selben Abend rief ein Student mit dem Pseudonym PlagDoc über Twitter zur weiteren Spurensuche auf: Die Internetplattform GuttenPlag war geboren. die ihm ein Fremder geschrieben hat: »Erfolgreich können Sie ja nicht sein. sie dokumentierten ihre Ergebnisse auf der Internetplattform GuttenPlag. dass nach dem Verfassen des Artikels sämtliche Tonaufnahmen gelöscht werden. eine Grundsatzdiskussion über VroniPlag zu führen. Vor dem Treffen hat er eine E-Mail weitergeleitet. die nur zum Teil als Zitate gekennzeichnet werden. ob er in einer politischen Partei ist. dass er ihn nach seiner Promotion auf das Pseudonym übertrug. Landtagsabgeordneter der CDU in Baden-Württemberg. Das würde zu lange dauern. obwohl ihm das Original selbst nicht vorlag. Sie wollen anonym bleiben. hier redet jetzt einer. weit entfernt – obwohl er laut VroniPlag 72 Prozent seiner Dissertation abgeschrieben haben soll. etwas stimme nicht mit der Dissertation von Frau Koch-Mehrin. Er bekam keine Antwort. um VroniPlag dahin zu entwickeln. Torjäger. Die Plattform ist jetzt nicht mehr nur sein Ding. Mitte 40. Er hat noch immer die Körperspannung des Leistungssportlers. die von KochMehrin stammen sollte. Im Fall Althusmann ist die ZEIT einem gut begründeten Anfangsverdacht nachgegangen. die es zu verteidigen gelte. dass nur wenige Menschen Zitierfehler so ernst nähmen wie er. Ein Barcode zeigte. Er war es. sagt Goalgetter. sie zu Gesicht zu bekommen. Goalgetter hat sich unter strengen Auflagen zu einem Treffen bereit erklärt: Keine Echtnamen. A Zwei Tage später in einer anderen Stadt. der um seine Karriere fürchtet. Nicht nur die Arbeit von Saß. auffällige Wörter oder Wortkombinationen aus dem Text zu filtern und bei Google Books oder einem der Quellentexte nach ihnen zu fahnden. Diebstahl. um sein Ziel zu verbreiten: Jedem auf seiner Plattform Überführten soll der Doktortitel aberkannt werden. Wollte ihn hier jemand reinlegen? Andererseits schienen die Quellen überzeugend. Mission erfüllt. da brachte er zwei Männer gegen sich auf. und je beharrlicher Guttenberg an seinem Ministerposten festhielt. Es gebe da verschiedene Kategorien: Komplettplagiate sind Textstellen. und dazu Textbausteine aus verschiedenen nicht zitierten Quellen. die die einen den »digitalen Pranger« nennen und die anderen »wissenschaftliche Aufklärung von unten«. für das Sie nicht bezahlen.« Verschleierungen sind unformulierte Textstellen. »wenn man das Gefühl hat. und einige von ihnen haben schon Beiträge von Goalgetter gelöscht. »Die Qualitätsfetischisten haben übernommen. Durch ein Onlinedokument konnte man sich an der »kollaborativen Plagiatsdokumentation« beteiliGuttenPlag gen. Goalgetter prüfte und verglich. Koch-Mehrin will dagegen vor Gericht gehen.zeit. Goalgetter fragmentierte. Im Juni dieses Jahres erhielten die Betreiber der Website den Grimme Online Award für »besondere publizistische Verdienste«. dessen Dissertation zu durchforsten. Klicken hingegen hat sich schon mehrfach Urlaub genommen. Schnell war GuttenPlag so überlastet. Inzwischen wurden sowohl der Stoiber-Tochter als auch der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin und dem SPD-Politiker Uwe Brinkmann von den jeweiligen Universitäten die Doktortitel aberkannt. Abgeordnete im Europaparlament und aufsteigender Jungstar in der FDP. Goalgetter kannte den Tippgeber nicht. VroniPlag. oder haben Sie keinen Namen. Auch eine Form von Diebstahl. Zwei Männer. und VroniPlag ist erlahmt«. um sechsmal die Woche Golf zu spielen. sagt er. der sich heute nicht mehr wiederholen könnte. Nach Hinweisen aus dem akademischen Umfeld hatte die ZEIT ein Gutachten bei zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern in Auftrag gegeben. Ihre wahren Namen geben sie nicht preis. desto mehr suchten sie. Die zuständige Universität Potsdam überprüft nun die Vorwürfe. Die ZEIT hat Bernd Althusmann die Ergebnisse der Studie vor ihrer Veröffentlichung vorgelegt. veröffentlicht einen Plagiatsfall. ohne die Quelle zu kennen? »Es war ein großes Risiko. Hochschullehrer zu werden. wo die Plattform jetzt steht«. die Dissertation der Politikwissenschaftlerin Margarita Mathiopoulos neu zu untersuchen. sie selbst eingerechnet. ob man seine Thesen verstanden habe. Silvana KochMehrin. Klicken sagten: Wir machen weiter. an der Koch-Mehrin promoviert hatte. Er ist unter den anderen Administratoren umstritten. Ein Fehler. es ist nun das Ding vieler. handelt es sich um ein Plagiat. die Verstöße gegen wissenschaftliche Standards anprangert. Für Goalgetter ist jeder dieser Fälle ein Erfolg. Sie waren empört über Guttenbergs Leugnen. Klicken ums Prinzip einer ehrlichen Wissenschaft. Ein Tag im Juli. wünscht zunächst. Nach mehreren Anfragen per E-Mail hat Dr. Aufgrund der Recherchen von VroniPlag wurden nun die Doktorgrade von Saß. der er mal war. sie nennen sich Goalgetter und Dr. er klingt enttäuscht. dem Mitbegründer und selbst ernannten Superstar von WikiLeaks. Sie arbeiteten meist nachts. inzwischen genießt er die Neugier der Medien. Er fragt nach. Klicken zum ersten Mal leibhaftig treffen. er stelle sich zu sehr heraus. dass das genau das war. Klicken sich zu einem Treffen bereit erklärt. Neben der Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber wurden hier auch die Arbeiten von sechs Politikern untersucht. Die anderen Mitglieder von VroniPlag würden es nicht gutheißen. gibt häufig und gern Interviews. sondern die sie direkt fort. ein promovierter Ingenieur. sagt Goalgetter. der bei einer Rezension der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers auf mehrere plagiierte Stellen gestoßen war. 20 Administratoren können Beiträge löschen und Nutzer sperren. um eine größere Popularität vorzutäuschen.

Der Netzschwarm ist weniger berechenbar. dank Bär heißt es inzwischen: Ein paar von den Konservativen sind ganz in Ordnung. S. »Versprecher«. sagt der grüne Europa-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht: Es sei eine Demokratiemaschine. Kinder zu haben. Als Osama bin Laden starb. wäre er nicht auf YouTube zum Gespött der Nation geworden. Behalten sie die Kontrolle über die Politik? VON TINA HILDEBRANDT uletzt hat es Bernd Neumann erwischt. damit man sie nicht gleich mit ihm in Verbindung bringen kann. debattiert über Thilo Sarrazin. unlöschbar und ohne dass sich der Betroffene dagegen gut zur Wehr setzen kann. JUL Illustrationen (S. und ob diese nicht lieber den Nachnamen der Mutter bekommen sollten. Die Vorstellung. die jeder Politiker im Netz bekommt. seit Guttenbergs Rücktritt stimmt die Prognose plötzlich. Hoffmann für DIE ZEIT/ www. Politik. weil das Publikum denke. In Wahrheit lassen die meisten Parlamentarier ihre Seiten von Mitarbeitern bearbeiten. sagt Böhning. anscheinend betrunken. Das macht er alles selbst.de »Keiner hat Anspruch darauf. die den jeweiligen »Tweet« (Nachrichtenstrom) eines bestimmten Autors abonniert haben. winkt Seibert ab. sendet er ständig kleine Botschaften. »Pannen«. Er sei aber sicher. sie ist nicht nur bei Facebook. sichtlich auf dem falschen Fuß erwischt. glaubt Thomas Jarzombek (CDU). Derzeit. Die Freude daran hält sich in Grenzen. der im Videoclip mit ganz unbürgerlichem Vergnügen seinen Sprecher herunterputzt. Schwarm gegen Individuum. herrsche so etwas wie eine »Exzess-Situation«. die in der Provinz über faule Griechen herzieht. wenn Politiker immer misstrauischer werden. sondern auch das Lebensgefühl der Politiker. »ist schon lange nicht mehr da. nie haben das Internet und seine vielfältigen Plattformen solch greifbare Auswirkungen auf die Politik gehabt. Polenz stellt Beiträge ins Netz. sagt Bär. schätzt Böhning auf ein Dutzend. wie es wäre. dass es alles verändere. Mitglied der Enquetekommission Internet und digitale Gesellschaft.. ihre Fehler sollen öffentlich werden. 4 u. Inzwischen hat fast jeder Abgeordnete eine Seite bei Facebook. wisse er nicht. Seine Kriterien sind schwer einzuordnen. Das Netz schaffe Zugänge und Transparenz. Wie Twitter wird YouTube aufgrund seiner großen Popularität gerne von Politikern genutzt. »weil es sonst gar keinen Sinn hat«. die Wirklichkeit zu kennen«. Alles sehr lustig. um über das Netz eigene Inhalte zu verbreiten. sagt der Abgeordnete aus Düsseldorf. und es sei eine Demokratieverhunzungsmaschine. bei der sich die Partei als moderne Zukunftspartei präsentieren wollte. sie würde dort nie etwas Privates posten. wenn klar ist. eigenen Draht zum Netz haben. sei das Internet für die politische Meinungsbildung und den Austausch »extrem wichtig«. er sendet zurück. Er erwartet politische Reaktionen. Jede »getwitterte« Nachricht steht sofort all jenen zur Verfügung. Auch die klassischen Medien hätten sich auf Fehler gestürzt. Auch er ist schon ins Netz-Näpfchen getreten.. in Echtzeit Nachrichten von maximal 140 Zeichen Länge zu versenden. heißt es da. »dass Google ein Konzept hat«.pmhoffmann. 5): Peter M. Insgesamt hat Bär bislang gute Erfahrungen gemacht. die Sau rauszulassen. Ob es die Veröffentlichungen von WikiLeaks sind. Sie sagt. die sie immer schon verbreitet haben. bei Abgeordnetenwatch. Schlagzeilen machte Twitter vor Kurzem. was Netzaktivisten letztlich wollen. Spätestens seit Ende der Neunziger beschwören Politiker. so Seibert: »Politik braucht Vertraulichkeit. wie wichtig das Internet für die Politik sei. Es passt einfach nicht mehr zusammen. Das Netz herrscht asymmetrisch. dauere aber oft »länger als ein Mausklick«. aber irgendwann mussten sie sich schon aus Kapazitätsgründen auch wieder anderen Dingen zuwenden. Rainer Brüderle. außenpolitischer Experte der CDU-Fraktion. bei der IT-Messe und Bernd Neumann. »Mit welchem Poitiker würden Sie lieber . Mit den Politikern. beim Pfuschen nicht erwischt zu werden. Doch seit WikiLeaks. das stets unter mangelnder europäischer Öffentlichkeit leidet. Wie das genau sei. sagt Jarzombek. dass jemand für das Bodemuseum zuständig ist und für Twitter. entgegnete der 69-Jährige. das Internet ist voll. das sei die größte Veränderung durch die neuen Medien. in der sich der Umgang mit den neuen Medien noch einpendeln müsse. Blaues Jackett mit Goldknöpfen. »Es gibt eine Hemmschwelle. Bernd Neumann gehört jedenfalls nicht dazu. Ein großes Problem. Angela Merkel. sagt Polenz. manchmal lässt er nicht locker. Erst seit 2010 ist Ruprecht Polenz. 3700 Freunde hat er bei Facebook. Bär ist meistens unter den Top Ten. So drastisch hätte er kaum reagiert. wenn morgen gefragt wird: Welchem Politiker würden Sie gerne eine reinhauen? »Respekt vor Politikern«. diese Einschätzung teilt er mit fast allen seiner Kollegen. Politiker und Parteien hätten das Netz lange Zeit falsch verstanden.« Bär ist vermutlich eine der netzaktivsten Politikerinnen. die die neuen Medien auf die Politik haben. Wo sollen die Daten dann zwischengelagert werden?«. so wie ein Politiker. Doch nicht immer ist die mediale Wirkung im Sinne des Gefilmten. sagt Regierungssprecher Steffen Seibert. oder hat es eine Tendenz? Zwei Mythen gebe es. In Wahrheit hat man davon lange wenig gespürt. Dorothee Bär würde das so nie sagen.« Ist das Netz nur ein neutrales Medium.de kann man zwischen zwei Fotos abstimmen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 5 Depp-derWoche. »Das Internet reagiert ähnlich wie Boulevardmedien vor allem auf Fehler und Skandale«. ziemlich aktiv im Netz. die arabischen Revolutionen und Christian Wulff. twitterte Seibert: »Obama verantwortlich für den Tod Tausender Unschuldiger . In der Netzgemeinde hat die CDU/ CSU eher einen schweren Stand. Das passe schlecht zu einer Bürgergesellschaft. die den Abgeordneten beunruhigt.de Durch das Internet verlieren Politiker die Kontrolle über ihr Image. Bilderflut Das Videoportal YouTube wurde im Februar 2005 gegründet. deshalb gehe man auch zu Unternehmen oder zur Bahnhofsmission. »Angenommen. die geouteten Doktorenplagiate von Karl-Theodor zu Guttenberg.. Im Fall Neumann steckt die ganze Zwiespältigkeit der Wirkung. der von Minister Wolfgang Schäuble auf einer Pressekonferenz zusammengestaucht worden war. »rastet aus«. Bis man selbst mal dran war. Sie sagt: »Es sollte einen eigenen Staatsminister für neue Medien geben. In seinen elf Monaten Amtszeit sei ihm aber vor allem eins klar geworden. sagt Björn Böhning. 33. täglich kommen neue dazu. man kann kommunizieren – aber in beide Richtungen«. wer das Gatter geöffnet hat«. der es Nutzern ermöglicht. aber man könne sie inzwischen damit verlieren. so Albrecht. Der Bürger sitzt nicht mehr als braver Nachrichtenempfänger vor dem Fernseher.« Polenz ist ein Netz-Fan.« Man müsse das locker sehen. sagt Polenz.POLITIK DIE JÄGER IM NETZ 14. der Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien ist. 65 Jahre alt: Manchmal sieht der modernste Teil des Bundestags auch so aus. »Soziales Medium heißt. »Sie fragen mich jetzt aber auch schwierige Fragen«. Aber nicht jeder bewegt sich ständig in der Öffentlichkeit. die es anders nie erfahren hätte. »Auf diesen Effekt kann eine Gesellschaft nicht verzichten. Dank Internet können solche Momente millionenfach reproduziert werden.« Der sei durch einen »Promi-Faktor« ersetzt worden. ist das. Z »Oettinger talking English worse than Westerwave« »Die Reichweite für positive Botschaften ist viel kleiner als für negative«. Jeder Mensch hat mal einen schwachen Moment. Die Politik macht es nicht aufregender und offener. vielleicht habe ihm die Häme auch einen Teil seiner fast 33 000 Follower beschert. Auch einzelne Politiker bedienen sich des Nachrichtendienstes. Was ist. sei die Anonymität. um durch persönliche Nachrichten Nähe zum Volk zu demonstrieren. »Man kann nichts mehr aussitzen«. Wenn man bei YouTube »Politiker« eingibt. fragte eine Reporterin der ARD-Sendung Extra 3 mit Unschuldsmiene den Staatsminister. ist mit dem Internet aufgewachsen und hat keine Berührungsängste.« . Albrecht. Registrierte Nutzer können hier Videos hochladen und veröffentlichen. Man findet im Netz Oettinger talking English worse than Westerwave. Man könne mit dem Internet in Deutschland keine Wahl gewinnen. sie versendet regelmäßig Nachrichten bei Twitter. Veröffentlichte Live-Mitschnitte lassen manchem Ereignis eine Wichtigkeit zukommen. die von Plagiatsjägern überführt wurden und jetzt ihre Doktortitel verlieren. sondern hat dort eine Fanseite.?«. Michael Offer. die einen echten. er treibe jede Woche solchen Unsinn. dass ein 69-Jähriger in der Regierung für neue Medien zuständig ist. Das verändert nicht nur die Bedingungen. Man denke an den Fall des Pressesprechers im Finanzministerium. Seibert ist der erste twitternde Regierungssprecher. Offer reichte die Kündigung ein. wenn man ihn nur in diesem Moment sieht. blauer Siegelring. 28 Jahre alt. und nun wirkt niemand überraschter als diejenigen. Beides sei falsch. Jorgo Chatzimarkakis. Im politischen Europa. Jedenfalls offiziell. Der entsprechende YouTube-Mitschnitt erzielte 300 000 Klicks. das Verstecken hinter Pseudonymen. Nur eins gefällt ihm nicht. Das Netz sei inzwischen ein so großer Teil der Wirklichkeit für einen so großen Teil der Bürger. und zwar plötzlich. Aber Bär beunruhigt eher ein drohender Brief als die vielen Beschimpfungen. Täglich wird die Seite von über zwei Milliarden Menschen aufgerufen. auch sie. als der Regierungssprecher Steffen Seibert sich nach der Erschießung Osama bin Ladens durch US-Streitkräfte »vertwitterte« und der Kanzlerin die Worte »Obama verantwortlich für Tod Tausender Unschuldiger« in den Mund legte. Manchmal denkt der 38-Jährige darüber nach. der offenkundig nichts davon versteht. unter denen Politik gemacht wird. Die Zahl der deutschen Spitzenpolitiker. einige sind auch bei Twitter. Fast 10 000 Abrufe allein bei YouTube und tonnenweise Kübel voll Häme waren dem Düpierten sicher. Alle großen deutschen Parteien haben mittlerweile einen eigenen Twitter-Account. jeder blufft mal..www. Weil ein Briefschreiber offenbar noch mal darüber geschlafen habe. Mitglied im Bundesvorstand der SPD. sagt Böhning. Ausgerechnet bei der »Media Night« der CDU. eine Übergangsphase. Manchmal warnen sie Freunde: Du lässt die Leute viel zu nahe an dich ran. nämlich einfach nur als weiteren Kanal zum Senden. Manchmal huscht er schnell wieder weg. das sei nicht immer leicht klarzumachen. Politiker und etablierte Medien sollen sich nicht sicher fühlen. Dabei hält sich Neumanns Schaden noch in Grenzen. Nachrichtenstrom Twitter ist ein Kurznachrichtendienst. Andererseits erscheint es wenig sinnvoll. beim Pfuschen nicht erwischt zu werden« Auf der Seite sexybundestag. Neumann wird sich vermutlich so schnell nicht wieder spontan zu etwas äußern.de lassen die meisten regelmäßig Fragen beantworten. Silvana Koch-Mehrin oder einfach nur der honorige Herr Schäuble. Es gebe inzwischen unter vielen Politikern das Gefühl: Morgen kannst du der Depp der Woche sein. hat Polenz wenig Mitleid: »Keiner hat Anspruch darauf. jeder kann aussehen wie der letzte Depp. »Als Abgeordneter muss man sich bemühen. Wenn er mit der Kanzlerin unterwegs ist. kommen automatisch Zusätze wie: »besoffen«.

Ist das eine berechtigte Sorge? Schertz: Ich verstehe schon die Angst. Nicht einmal das. Das haben dann auch die deutschen Gerichte. den. dass ich meinen Kopf hinhalte. dass jedes Fehlverhalten dokumentiert Schertz: Nein. Wenn ich Herrn zu Guttenberg vertreten hätte. Aber das ist eben Teil unserer Streitkultur. dass Schmähungen und Beleidigungen herausgenommen werden. ZEIT: Die Plagger argumentieren. gen wir: Tabledance-Bar besuchen. dass durch Internetseiten wie spickmich. Auch anonym. Futures. Das müsabgestraft werden können – das halte ich für eine sen Politik und Richter wieder stärker beherzigen. Wenn man euch versehentlich Gelder als Zinsguthaben übereignet. weil es im Internet so leicht ist und anonym funktioniert. ein ManSchertz: Ja. Bild verletzt nicht mehr jeden Tag Persönlichkeitsrechte. verleumden und unrechtmäßig verfolgen? Schertz: Die Rechtsprechung muss sich ändern. Ja. edition sutstein) . In bester Online-Manier lassen diese nun abstimmen: Sollen sie sich der Polizei stellen. Wenn die mal eine.die besagt. Die Zukunft steht prinzipiell offen. Dauerangst. ob die Hacker nur bluffen? Die Online-Community ist sich einig: Stellt euch nicht! JUL POLITIK & LYRIK Seit dem 10. Manchmal sind es aufgebrachte Kunden. was hier gerade los ist. Das Leben ist insgesamt ungemütlicher ZEIT: Was hat das mit der LehrerC H R I S T I A N S C H E RT Z geworden. Bedenkt. Wenn der Mandant schwört. Die Möglichkeit der Klage hat ja den Sinn. werdet ihr die präzise atomisieren. bis die Reize eine angemessene Größe haben. ZEIT: Hat sich der Druck auf die Politiker durch das Netz verändert? ZEIT: Man könnte auch argumentieren.kannt. können Schüler hier über ihre Mitschüler herziehen.de geht Notengeben andersrum: Schüler können ihre Lehrer nach Kriterien wie »fachliche Kompetenz« oder »Auftreten« bewerten.einschließlich des Bundesverfassungsgerichts. Dennoch steht iShareGossip vor dem Aus: Eine HackerGruppe gibt an.de ent. reguliere sich das von selbst. Wenn wir etwas ändern wollen. Mehr braucht ihr dazu gar nicht zu wissen.kritisch beurteilt. Das würde zu einer kompletten Verrohung der Streitkultur führen. Es gibt Traumatisierungserfahrungen durch ZEIT: Was also tun? Mobbing. Schertz: Nur sehr schwer. GuttenPlag und VroniPlag haben zur Entlarvung der politischen Klasse und ihrer Selbstinszenierung beigetragen. ZEIT: Wie wollen Sie Seiten wie spickmich. Juristisch ist dem Portal kaum beizukommen: Die Domain ist in Neuseeland gemeldet. wer die Aussagen trifft. Ich möchte nicht in einer totalitären Post privacy- Gesellschaft leben. Diese Woche widmet sich Monika Rinck der Finanzkrise. jeder hatte riesig. mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. nicht die Medien und das Internet. Und Zins sollt ihr nicht nehmen! Wie? Zins nicht! Ihr habt schon verstanden. Im Oktober 2006 folgte der Essayband »Ah. um damit für Tiernahrung oder Mietwägen zu werben. müsste ja eigentlich keine Angst vor einer Klage haben. Hoffmann für DIE ZEIT. dass die höchsten Richter lerhassseiten und so weiter. Terminhandel: auch das nicht. müssen wir die Gesellschaft ändern. auf Lady Di mit tödlicher Folge ihren traurigen dass auch Politiker menschliche Abgründe oder Höhepunkt hatten. die sich Es gibt Berichte über Schüler. in etwa. überlich die berechtigte Sorge. meine Doktorarbeit wird gerade im Netz auf Plagiate durchgesehen. sondern der Spiegel der Gesellschaft. würde ich dringend empfehlen. Stichwort: Volatilität! Auch sollt ihr die Wolle nicht auf dem Rücken der Tiere verkaufen. 2001 erschien »Begriffsstudio 1996 – 2001« in der edition sutstein. lichkeitsschutz wieder erheblich Google Street View. Moment. die ZEIT: Wo stehen wir? glaubt. ker müssen mehr ertragen. ZEIT: Wie verändert es das Leben Aber die haben noch überhaupt der normalen Leute? nicht erkannt. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen. Und wer eine Behauptung zu Recht aufstellt. ihr habt auch Kinder. weil sie sonst von teuren Großkanzleien kaputt geklagt würden. weil nicht offengelegt wird. dass Lehrer hier »öffentlich an den Pranger gestellt« würden. komplette Fehleinschätzung der Meinungsfreiheit. Opfer hingegen werden oft mit Vor. ZEIT: Das wird dem Boulevardjournalismus seit hundert Jahren nachsagt. An die Urheber kommt man nicht ran. Und es wird euch wohlergehen auf Erden. Schertz: Aber der Boulevard hat sich verändert. den Mund zu halten und nicht noch vollmundige Erklärungen abzugeben. Das müsste der Gesetzgeber Dominik Höch tun. Internetseiten entdas Schülerbewertungsportal spickmich. Gleiches die gesamtgesellschaftliche Ent. ganz klar. Schertz: Normale Lehrer und Ärzte können an die Der Bundesgerichtshof hat in einem Urteil über Öffentlichkeit gezerrt werden. warum jeder wissen soll. das den Persönsichts von Internet. und sehen Persönlichkeitsrechte »nicht ausreichend geschützt«. Das wünsche ich weder der deutschen noch der Weltgesellschaft. jeder Politiker unter der zu gewöhnen. verfolgt und diffamiert.nommen. wenn man nur alles ins Netz Schertz: Die Verletzung der perstelle. sondern schlicht diffamiert werternet bewerten lassen muss. ten. Grenzen gesetzt werden müseinfach nur Gelüste haben. ganz fatale Entwicklung. 2004 der Lyrikband »Verzückte Distanzen« im zu Klampen! Verlag. Aber ganz werden sie die Sache nicht mehr in den Griff bekommen. die in der Paparazzi-Jagd 24 Stunden am Tag.und Zunamen benannt. mit Max Marek (2010. wie im Fall Guttenberg. Das halte ich für eine den. Das führt zu ei. ich meine es ernst. dass im Mittelpunkt des Rechts der willig ihren Kopf raus. angenommen. Aufgrund der technischen Entwicklung lebt mehr als zehn Jahre Zeit. und insofern ist der Umgang mit ihnen derzeit erträglich. Anwälte können da nur noch Berlin. ZEIT: Wie gehen wir künftig mit der Anonymität derer um. ZEIT: Dem halten die Befürworter des Transparenz-Gedankens entgegen: Das Internet ist nicht das Problem. Im Gegenteil. Gesichtserkennung. Aber dass ganz normale Mensch steht. Wer sich auf spickmich als besonders eifrig hervortut. wird mit virtuellen Dollars belohnt: Davon kann man den Freunden Geschenke kaufen und das eigene Profil »pimpen«. mit der Ehre und dem Ansehen einer anderen Person sorgsam umzugehen. Foto: Sven Paustian MONIKA RINCK. die Server befinden sich in Schweden. lässt sich das Schadensbegrenzung betreiben. Die wollen die Wissenschaft frei halten von Karrieristen.6 14. Deshalb muss man schelte zu tun? fragen: Wo stehen wir gerade mit Schertz: Spickmich. sich an die neue Situation heute jeder Prominente.com eine Lästerplattform für Jugendliche. Das wäre es. Das hat eindeutig verdienstvolle Seiten. die Betreiber enttarnt zu haben.Schertz: Wir haben eine humanistische Tradition. Das kann doch durchaus im Intranet von Schulen stattfinden. Schüdruck. Die öffentliche – jetzt höchstrichterlich erlaubte – Kritik am eigenen Lehrer ist nicht weit weg von der virtuellen Vorführung von Mitschülern. Zuletzt »ELF KLEINE DRESSUREN». Da ist die erste Frage des Anwalts: Hast du die Tat begangen oder nicht? Davon hängt die Verteidigungsstrategie ab. Sie müssen das im Zusammenhang werden kann. ZEIT: Sie lehnen also Internetseiten wie GuttenPlag ab? Schertz: Nein. sich hier jener Internet-Community angeschlossen haben. die den Doktortitel nur brauchen. dass man dort »abge. oder abwarten.(Ullstein). Kritiker der Seite bemängeln. Jeder hat heute eine Kamera dabei. Bürger jederzeit von anderen durchleuchtet und Die Menschenwürde ist das höchste Gut. Bild und Bunte haben sich an die geltende Rechtslage angepasst.»Privat war gestern« gilt für Diffamierungen und Beleiwicklung können wir nicht aufhal. Was raten Sie ihm? Christian Schertz: Das kommt auf den Fall an.Das erleben wir zunehmend. Fotohandys. aber erscheint sein Buch nicht einfach ausgleichen.ist Medienanwalt in mand ein Sexvideo seines Expartmen. Ich finde Anonymität an dieser Stelle ein wenig unsportlich. sie müssten anonym arbeiten. das dauert. ZEIT: Aber sind Sie ernsthaft der Meinung. Nebenbei kann man hier auch zu Zweikämpfen antreten: Die Wettstreiter messen sich in Kategorien wie »größter Sexappeal« oder »schönste Augen«. Und es wird weitere Kreise ziehen. dann würde ich eine Vorwärtsverteidigung empfehlen und Medien.de einhegen? Schertz: Es gibt keinen Grund. Anfang des Jahrtausends hatte der EuropäiJeder kann jeden jederzeit überall fotografieren und sche Gerichtshof für Menschenrechte zu Recht eres sofort weltweit veröffentlichen. einschränkte. die schossen« wird und die Bilder im Netz landen. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT. Demnächst ners ins Netz stellt.schlecht behandelt fühlen – oder Konkurrenten. Anonymer Mob Nach dem Vorbild der amerikanischen TV-Serie »Gossip Girl« schafft iShareGossip. auf denen Gewerbetreibende nicht nur schieden. im Internet durchleuchtet und bloßgestellt zu werden? Ein Gespräch mit dem Medienanwalt Christian Schertz DIE ZEIT: Herr Schertz. jedes Zitat korrekt gekennzeichnet zu haben. Gegen die Aussagen im Netz kommt man ja schwer an. IP-Adressen werden nicht gespeichert.de die Sitten verrohen? Bloß weil ein paar Schüler mal Dampf ablassen? Schertz: Für mich sind Mobbingseiten. Politi. Ja. ein Individuum vor unwahren Behauptungen zu schützen. Presse und im Fernsehen. Die Seite versichert Anonymität. die Selbstmord be.de war ein neudem Schutz des Individuums angees Grundsatzurteil. Ist der Betroffene aber schuldig. dass den Verrohungen im Boulevard. POESIE NRO: 19 ZINSVERBOT Da hat doch schon wieder jemand die Milch in der Kuh verkauft. was da draußen los ist! Die Fragen stellten GÖTZ HAMANN und HEINRICH WEFING Zensierte Lehrer Im Onlineportal spickmich. nachdem sie digital gemobbt wur. sönlichen Ehre hat in den letzten Aber das stimmt nicht. verfasst mit digungen. Ich werbe dafür. kl. Ihr sollt warten. wo Schüler gegen Schüler hetzen. Bislang sind 24 Gedichte erschienen. die solche Behauptungen dann zu Unrecht aufstellen. Aber warum müssen der Nachbar des Lehrers und die ganze Welt das lesen können? Und dann müssen die Betreiber auch dafür sorgen. besteht sicher. Schertz: Heute wird häufiger geschmäht. verklagt zu werden. Wenn jefünf Jahren dramatisch zugenom. Und ihr sollt nicht mit unreifen Früchtchen handeln. Stalking. in der ner potenziellen Dauerkontrolle des Individuums. die schmähen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 DIE JÄGER IM NETZ POLITIK »Das Leben wird ungemütlicher« Muss man es hinnehmen. die halten ja auch frei. Da sage ich: Richter. sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik.de. um als Politiker Eindruck zu machen. besagen: Diese unerträglichen Paparazzi-Jagden sind nicht durch ein Interesse der Öffentlichkeit an ZEIT: Und da bekommt man sie nicht mehr raus? einer Berichterstattung gedeckt. dass jeder Lehrer sich namentlich im In. die Politik und die Gerichte. Es vermittelt den EinFacebook. WikiLeaks. Jemanden eines massiven Fehlverhaltens zu bezichtigen und sich dann zu verstecken ist ein bisschen wie eine anonyme Anzeige. die dann immer mehr relativiert werden müssen. Foto: privat dant ruft Sie an und sagt.sen. Seither sind viele Urteil ergangen. letztlich auch Folgen von spickmich. Säuberlich nach Bundesländern getrennt. das Love-Ding!« und im Frühjahr 2007 der Lyrikband »zum fernbleiben der umarmung«. Und gehen Sie mal davon aus. Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. was ist hier los? Das ist wie in einem Strafverfahren. was Schüler über einen Lehrer denken. wäre meine erste Frage gewesen: Unter uns. Diffamierung im Netz.stehen. Die Furcht vor Fotohandys ist Illustration: Peter M. groß genug. zugunsten insolventer Besteller. gangen haben. um straffrei auszugehen. das ist mein Euter! Ihr sollt die Milch nicht im Euter verkaufen. sa. sehen. auf Unterlassung in Anspruch nehmen. wenn ich über einen anderen etwas behaupte.

Frauen erstatten häufiger Anzeige und suchen therapeutische Hilfe. die man in den USA gesammelt hat. aber der Begriff möglicherweise ein Zusammenhang besteht. Anzeigebereitschaft in diesem Milieu abweicht. die dort unter Verletzung des sung. aber das Thema des sexuellen Missbrauchs durchgeführt. wenn er ein gläubiger Mensch ist: »Ich gehe in einen Beruf. ganz gleich. Holger Hollemann/dpa (kl. vom methodischen Aufwand her be.Bischöfen. Unsere erste Frage an Priester wird nicht sein. leitet das Kriminologische diese Hypothesen bei uns bestätigen werden. ob das kein Gericht. Auf der anderen Seite werden wir aber auch zu prüfen haben. Wir möchten zunächst erfahren.Niedersachsen und war ZEIT: Gesetzt den Fall.Aber er kann auch eine Ursache sein. Wenn man mit ihnen sprechen will. hatten es so ohne die Namen der Verantwortlichen zu nen. heißt.tailliert auf die Fälle ein. ZEIT: Gibt es also gar kein spezifisch katholisches ZEIT: Wer damals an verantwortlicher Stelle TäProblem? ter geschützt und danach Karriere gemacht hat. Sie schämen sich mehr. Wenn wir persönliche Opferbefragungen planen. genau zu prüfen. Doch noch gibt es dazu keine Kindern oder Jugendlichen verempirischen Befunde. Zölibats sexuelle Kontakte suchen. muss man sie doch erst einmal als Menschen annehmen und ihr Leben verstehen. In neun repräsentativ gewählten Diözesen untersucht er zudem Akten. ZEIT: Faszinierend klingt merkwürdig. dass das reicht. Für die Jahre nach 2000 unter.Pfeiffer: So ist es. die wir 1992 mit einer entsprechenden Untersuchung erarbeitet hatten. ihre Erfahrungen zu schildern.öffentlichen. wir che. wir sind ger wird. einen Beitrag dazu geleistet hat.nach kann der Zölibat Missbrauch verhindern. DZ Fotos (Ausschnitte): Roos Koole/ANP/dpa (gr. dass der Zölibat von 2000 bis 2003 Missbrauch eher fördert als verPfeiffer: Es war ein sehr langer Landesjustizminister hindert: Sie werden doch kaum Prozess. Dies hat offenbar dazu beigetragen. Priester.wird ideologisch geführt: Die Linke sagt. das Lehrmeinung zu ändern. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 7 »Männer schämen sich mehr« Der Kriminologe Christian Pfeiffer leitet die weltweit größte Untersuchung von Missbrauchsfällen in der Kirche. Männer fressen diese Erlebnisse eher in sich hinein. können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht Insofern haben wir Vergleichszahlen. wann ihr Leben gut war. Die der Wissenschaftler? neun ausgewählten Bistümer sind repräsentativ Pfeiffer: Für Deutschland können wir hier noch für alle 27. die vergewählt? klemmte katholische Sexualmoral sei schuld. ihr Keuschheitsgelübde zu halten. Wir werden das in der Studie differen.konservative Katholiken sehen in der sexuellen fahrungen. weil Trainer nicht erreichen kann. Daist eingebürgert. dass Priester verstärkt in Schwierigkeiten gekommen sind. wir mussdie Kirche dazu bewegen. nach den Er. die es welt. Es mag sein. In fast allen Diözesen tauchten daraufhin Missbrauchsvorwürfe auf. dass sich Priester ersatzweise an ihnen vergehen. Nun hat die katholische Kirche den Kriminologen Christian Pfeiffer mit einer beispiellosen Untersuchung der Missbrauchsfälle beauftragt. Pfeiffer: Eine Totalerhebung hätte. abzuleiten. das haben wir in früheren Forschungen erfahren. alle Forschungsinstitut Bistümer für Ihre Studie zu ge. unterrepräsentiert sind. ob es struktuWir haben außerdem gerade eine allgemeine. wie sich der sexuelle Missbrauch generell entwickelt hat und welche Besonderheiten sich im Hinblick auf die Fälle zeigen. ZEIT: Ein beliebtes Entlastungsargument für die sich vielleicht. siko von Kindern und Jugendlichen zu verringern. werden wir also in der Lage sein. Anders kann man mit Menschen nicht umgehen. Erst dann können wir uns dem Thema Missbrauch annähern. Ist das männliche Opfer der größere Skandal? Pfeiffer: Insgesamt sind Mädchen die deutlich größere Gruppe. ob die wortung der Kirche wird zur Sprache kommen. Befreiung nach 1968 das Grundübel. ehrlich mit uns zu reden. Dank dieser Forschung und der geplanten Befragung von Opfern des sexuellen Missbrauchs durch Priester werden wir beurteilen können. wenn sie sich menschlich öffnen wollten. ihre ten Vertrauen gewinnen. das Rinen. sie könne einen Vergewaltiger nicht verteidigen. in Sportvereinen komme Missbrauch häufiger vor als C H R I S T I A N PF E I F F E R Für ihn wäre der Zölibat dann ein Schutzfaktor. kann es qua Beruf Kinder anfassen dürsein. Die Kirche hat 2002 ein neues nicht auf die katholische Kirche beschränkte Re. Er rief Betroffene dazu auf. Vergewaltigern – intensiv auseinanderzusetzen. die bis 1945 zurückreichen – von denen aber vermutlich einige vernichtet worden sind.mit den Tätern umgegangen? Die Mitverantsche Kirche soll unter anderem klären. Ich habe großes Verständnis.these nahe: Dort hat sich nämlich gezeigt. Wir sind Forscher. das stimmt. Aus Gründen des Datenxuellen Missbrauchs verdächtig waren. Es mag sein. Missbrauch zu begehen. Pfeiffer erhält für die vergangenen zehn Jahre Zugang zu den Personalakten in allen 27 Diözesen. auf den sowohl Opfer als auch Täter ein Promille der Tatverdächtigen in diesem Bereich. Rückgang des sexuellen Missbrauchs durch PriesZEIT: Das Erzbistum München hat die Zeit zwi. Die bisheri. der katholische Kirche ist die Bemir abverlangt. Was sagt keine zusätzlichen Erkenntnisse gebracht. wenn eine Rechtsanwältin sagt. Wir stellen niemanden bloß und Opfer Anzeige erstattet hat. Demnach werden wir die Ergebnisse verweit zu diesem Thema gegeben hat. was sie Böses getan haben. eher Befunde der vom John Jay College durchgeführstädtisch geprägte Diözesen und ländliche sowie ten Untersuchung zu den USA eine erste Hypogroße und kleine. und löste damit eine Welle an Bekenntnissen aus. Insofern geht. den schon: Wie ist die Kirche mit den Opfern und Priester anzuzeigen. Wenn aber ein etwa in der Messdienerfreizeit. die von Vertuschung und Versagen spricht. Wenn ein waltigung. die im vergangenen Jahr öffentlich wurde.xualität. ZEIT: Unter den Missbrauchsopfern sind mehr Mädchen als Jungen. Wir möchten also auch die Missbrauchstäter unter den Priestern motivieren. dass er sich ersatzweise an fen. Vom Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen sind aber Jungen häufiger betroffen.ter gekommen ist – und dies parallel zu einer schen 1945 und 2009 aufarbeiten lassen. Die Fragen stellte CHRISTIANE FLORIN Trägt der Zölibat eine Mitschuld? Die katholische Kirche will Aufklärung Unmögliches Schweigen Lange vertuschte die katholische Kirche Fälle von sexuellem Missbrauch – bis der Jesuitenpater Klaus Mertes im Januar 2010. wann sie glücklich. dass Pfeiffer: Die Frage ist berechtigt.) . über Missbrauch zu reden. ZEIT: Finden Sie das Wort »Missbrauch« ange. breite vom körperlosen Belästigen bis zur Verge. dass ihn Kinderkörper anziehen. dass es suchen wir nicht nur neun. aus unseren Befunden Schlussfolgerungen widmen uns auch den Opfern. Wir werden sehen. Für die Kirche wurde das Schweigen als Strategie unmöglich. Aber immerhin legen die anteil dabei und solche mit einem geringen. Er fragt auch: Wann sind Priester glücklich? DIE ZEIT: In den vergangenen 15 Jahren wurde Pfeiffer: Das Münchner Gutachten geht sehr de- gegen etwa 150 Priester ermittelt. die sich innerhalb der Kirche ereignet haben. Priester eigentlich erwachsene Stimmt das? Frauen oder Männer begehrt und Pfeiffer: Es gibt einen Verdacht diese dann wegen des Zölibats gegen Sportvereine. Auch wir werden aus Christian Pfeiffer: Wenig. die umfangreichste Studie. Gestützt auf die Daten beider Untersuchungen.bis 40-Jährigen durchgeführt und können die Ergebnisse nun mit denen vergleichen. In der Öffentlichkeit ist jedoch. sondern alle Bistümer.diesem Grund in unseren Texten strikt anonymipunkte dafür. als Verdachtsfälle an seinem Berliner Canisius-Kolleg auftauchten. Ob man ein Tatverdächti. alle 27 Diözesen stehen hinter dem Projekt. Insoweit bieten die Gespräche die Chance für ein Stück Wiedergutmachung. Es sind solche mit hohem Katholiken. Das ist ein schutzes. Wir haben Anhalts. Dadurch können sie andere davor bewahren. sagt er zierter darstellen. ob der offene Umgang mit Sexualität. Symbolfoto). ZEIT: Warum wurden für den Zeitraum von ZEIT: Die Debatte um das Thema Missbrauch 1945 bis 2000 nur neun von 27 Bistümern aus. Öffent. ob es um kirchliche Internate oder die Odenwaldschule geht.suchen. Es gab Ängste. sagen.zunehmend leichter. Frauen. Die Studie für die katholi. Aber wir fragen natürlich gläubige Katholiken davor zurückschrecken. erwachsene Partner zu finden. den Männern ihrer Altersgruppe in Deutschland in welcher Diözese sich einzelne Vorfälle abgespielt haben..keine Antwort geben. Pfeiffer: Möglicherweise hat es eines in der Ver. Selber hatte ich nie ein Problem damit. wann sie stolz auf sich waren. ob es tatsächlich speziell bei den Priestern eine stärkere Zurückhaltung gibt. Pfeiffer: Es gibt aus den USA Erkenntnisse. Das sieht nach Scheintransparenz aus.Regelwerk erlassen und dies später noch einmal präsentativbefragung mit 11 000 Menschen zum präzisiert.16-Jähriger beim Besuch des Schwimmbads merkt. dass Opfer erst nach einer gewissen Zeit über ihre Erfahrungen sprechen können und wir in 20 Jahren andere Zahlen über das Jahr 2011 haben werden? Pfeiffer: Wir haben gerade im Auftrag des Bundesforschungsministeriums eine repräsentative Befragung unter 16. Dann ist es Angelegenheit der Kirgen Untersuchungen sind primär täterfixiert.bleibt also geheim? gangenheit gegeben. kann man das Dokument nicht öfIst das viel oder wenig? fentlich zugänglich machen. an die Öffentlichkeit ging. bewältigen zudem den Missbrauch anders als Männer. als es der Begriff vermittelt. Er umfasst eine sehr große Band. als könne man Kinder auch Zölibat.« hauptung. dass die Priester im Vergleich zu sieren und zudem nicht erkennbar werden lassen. einen durch sie verübten Missbrauch anzuzeigen. Männer tun sich sehr schwer damit. dass verurteilen niemanden. mich mit schlimmsten Tätern – Mördern. in den letzten drei Jahrzehnten zu einem starken weil das für die aktuelle Prävention wichtig ist. Pfeiffer: Wir haben keine Auflagen von den Es wird. Sie fänwinnen? den heraus.ZEIT: Sehr schnell fällt da der Verdacht auf den messen? Es klingt so. Recht haben. ZEIT: Kann es sein. die Frage mit Scheuklappen zu untertrachtet.wachsenden Liberalisierung im Umgang mit Selich zugänglich ist eine achtseitige Zusammenfas. relle Mängel gibt. Zu Recht? sexuell korrekt gebrauchen. wie wir ihn zunehmend seit den siebziger Jahren in Deutschland erleben. keusch zu leben. ob sich kann das kein Entlastungsargument für die Kirche sein.POLITIK 14. Wir werden auch klären müssen. Schließlich kam es zu einem 27-zu-null-Beschluss. ZEIT: War es schwierig. so faszinierend. Deshalb war die geballte Ladung männlichen Leidens. Können Sie immer mit kühlem wissenschaftlichem Blick an das Thema herangehen? Empfinden Sie nie Verachtung für die Täter? Pfeiffer: Verachtung gegenüber den Tätern ist mir völlig fremd. melden sich fast nur Frauen. häufiger von Jungen die Rede. hängt ja entscheidend davon ab. weil sie des se.

antwortet der Sprecher der Operation. Tripolis verhandle schon seit Längerem mit der französischen Regierung: »Frankreich hat gesagt: Wenn wir mit euch eine Übereinkunft erzielen.zeit. misshandelt haben. Zudem dürften genug Bewohner Gründe haben. er verbindet Brüssel und London. von Regimekräften angegriffen zu werden«.Beihilfe für Hinrichtungen in den USA untersagt. barbital getötet worden. In den USA aber sind von einem Reisenden. itawie bartlose Tenöre aus. Munitionsdepots.barbital ist jetzt zur ersten Wahl für Hinrichtunfirma Lundbeck ist der einzige in Amerika zugelas.gegeben.davon auszuschließen. »Der Revolutionsführer wird nicht in die Diskussion eingreifen«. könnte es ein Blutbad geben. zu Verhandlungen auch ohne den Machthaber bereit.« Kafkas Erzählung In der Strafkolonie handelt lung von chronischer Epilepsie.und Tankflugzeuge von Italien und von Trägerschiffen im Mittelmeer aus. wenn die Nato ihren UN-Auftrag ernst nimmt. dass dieser. Italiens Parlament stoppte den Versuch schen auf die letale Injektion.« Gegenüber der algerischen Zeitung Al-Khabar sagte der Gadhafi-Sohn Saif al-Islam. Die strategisch wichtige Stadt Brega östlich der Rebellen-Hochburg Bengasi wird noch von Gadhafi-Truppen gehalten. In den 35 US-Bundesstaaten. ähneln sie mit ihren Giftspritzen Medizinern. War es das nun? Steht die fast 42 Jahre währende Herrschaft von Muammar al-Gadhafi vor ihrem Ende? Oder ist – falls der Machthaber trotz der Umzingelung nicht abtreten will – der Sturm auf Tripolis nur der Anfang eines ganz neuen Szenarios. Sie können und sechzig seiner Kollegen nicht zuletzt selbst seither anstelle des Thiopentals das von dem dä. er werde Hunderte Libyer als Selbstmordattentäter nach Europa schicken.Werk bei Mailand zu produzieren. muss sie auch die Rebellen stoppen Danke vielleicht auch ganz konkret für ein paar Geschenke aus der Luft. die willkürlich Zivilisten beschossen hätten. Nimmt die Nato ihr Mandat ernst. ein Narkosemittel mit ganzen Welt zu erreichen. Doch die über die USA choll ist das ein Meilenstein im US-Bundesgesetze verlangen strenge Kampf gegen die Todesstrafe: »Zum Kontrollen für die Einfuhr von Mediersten Mal hat ein globaler Pharmakamenten und eine Registrierung der konzern eine so direkte Aktion unterImporteure durch die Drogenbekämpfungsbehörde DEA. dass es direkte Gespräche mit Gadhafi-Vertretern gebe. So war Jeffrey LandriChristian Lieferung an Gefängnisse ausschließt. »dass die Bevölkerung Libyens ohne die Angst leben muss. Die Flugverbotszone über dem Land W dient dem Zweck. Eine dritte Front liegt auf einer Länge von fünfzig Kilometer zwischen den Orten Zlitan und Dafnya. Sie seien. Die offene Parteilichkeit der Nato ist moralisch verständlich. mentisierung der Hinrichtung. dem auf der fernen Insel inzwischen 18 Delinquenten mithilfe von Pento. Der Kommandeur der Operation Unified Protector. Muss der Westen jetzt verhandeln? VON JOCHEN BITTNER ALGERIEN NafusahGebirge Syrte Adschdabija Brega ÄGYPTEN L I BY E N ZEIT-Grafik Legende Gadhafi-Truppen Rebellen Front Nato-Angriffe 200 km LIBYEN AFRIKA Ein Gruß der Aufständischen an ihre Partner. aufgenommen von einem Aufklärungsflugzeug as die Nato seit vier Monaten am Himmel über Libyen macht.de/audio AUS DER WELT Henker sind auszuschließen! In Prag. heißt es. damals noch Gesundheitsminister. März Kampf. Am Die Gefängnisbehörden einzelner 1. der kanadische General Charles Bouchard. In der Hauptstadt warten angeblich 15 000 Kämpfer darauf. . Die Medika. dass die Freiheitskämpfer zu ihren Zielen werden könnten. in dem der Westen gezwungen sein könnte. Nato« TUNESIEN Tripolis Zlitan Misrata Bengasi Tobruk Mittelmeer Foto (Ausschnitt): Press and Media Section/Media Operations Centre NATO. die den Stoff gar der Pharmakonzern Lundbeck zur produzierte. antwortete der Minister: »Er würde in einem anderen Zimmer in seinem Palast sitzen und mit einem anderen Titel. trotz Waffenembargos für ganz Libyen den Rebellen Kriegsmaterial per Fallschirm zukommen lassen zu haben. war dem Appell auf dem Fuß gefolgt mit einer ist ein eklatanter Verstoß gegen die medizinische »eindringlichen« Bitte an Pharmafirmen und Ethik. Das Unternehmen lässt wissen: PenBundesstaaten hatten sich das ausgegantobarbital wird jetzt exklusiv über ein gene Thiopental-Natrium zunächst aus Vertriebsprogramm versandt. »Thank you. In der Praxis freilich haben selbst offizielle Nato-Vertreter Mühe. Wird der Kampf um die Hauptstadt erst eröffnet. so melden die Rebellen diese Woche. die Waffen niederzulegen. die die Bevölkerung über Jahrzehnte schikaniert und terrorisiert haben. und verdem Wirkstoff Thiopental-Natrium. Gefragt. Aber um Tripolis zu verhandeln statt zu kämpfen. diejenigen. ist das Letzte. der NTC solle beginnen. was Sarkozy im Wahlkampf braucht Das Pariser Außenministerium bestreitet zwar. Kurzum. Dass Gadhafi tatsächlich der Verzweiflung nahe sein könnte. sich dem Aufstand anzuschließen und den Despoten zu stürzen. in die sie sich mit jedem Tag Gefechtshilfe tiefer hineinmanövriert: Was macht die Nato mit ihren neuen Freunden vom Nationalen Übergangsrat (NTC). Der Strafgerichtshof in Den Haag ermittelt auch gegen ihre Mitglieder.zulehnen. 5539-mal flogen sie Bombenangriffe. Rache zu üben an Gadhafis Unterstützern und Helfern. Frei von Brutalisierung ist aber auch die Rebellenarmee nicht. Partei zu ergreifen. ter dem Druck wachsender Proteste Die Firma aus Dänemark – wo es vom Markt genommen. Nun ist soDie einzige US-Firma.London fügte sich der europäischen Politik. »Pentovertriebene Pentobarbital einsetzen – die Traditions. Nach Darstellung der Nato dringen die Rebellen derzeit sowohl von den Küstenstraßen im Osten von Tripolis wie auch von den Nafusah-Bergen im Süden auf Gadhafi zu. das jede der EU besorgt. die verur. wenn diese ihre Waffen selbst auf Zivilisten richten? Genau das könnte schon bald passieren. den er mit angezettelt hätte. schließlich geht es darum. werden wir den NTC zwingen. Seither klopseit 1882 keine zivile Hinrichtung fen die von der Droge abhängigen mehr gegeben hat – stand plötzlich als Gefängnisbehörden bei den Pharmaeinziger Lieferant für die Betäubungserzeugern fremder Länder an. Sichtlich stolz zeigt der General zwei Fotos. warten 3330 Men. Am Boden. Derart dezimiert habe die Allianz mittlerweile die Kampfmaschinerie von Muammar al-Gadhafi. www. welche die Rebellen im Westen des Landes erzielten. Sollte sie von den Rebellen erobert werden. möglichst rasch einen Diktator zu stürzen. auch zivile Wohngebiete zu beschießen. Ein blutiger. dass Gadhafi weiterhin die Bevölkerung als menschliche Schutzschilde benutzt«. Vielleicht weil er ahnt. die nen Präparate für den Todescocktail Abschaffung der Todesstrafe auf der ausgegangen. Die französische Regierung hat mittlerweile zugegeben. Mike Bracken. sie sollen Schwarzafrikaner. ein britischer Luftwaffenoffizier. in welche Komplikationen die Militärmission steuert. werden die Rebellen es kaum verhindern können. die dafür verantwortlich sind. »An der Frontlinien von Zlitan haben die Regimekräfte außerdem etwa 300 Zivilisten postiert. die sie für Gadhafi-Unterstützer hielten. Jeden Tag zerstören französische oder britische. Gadhafi zu stürzen. notierte Franz Kafka. wie angebliche Gadhafi-Truppen eine Moschee nutzen. Liefergesuche aus den USA abteilte Verbrecher exekutieren. Doch auch die moralische Richtigkeit befreit die Allianz nicht aus der rechtlichen Klemme. sondern der mittlerweile auch als Kriegsverbrecher vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGh) gesucht wird. was Sarkozy im Wahlkampf gebrauchen kann.8 14. Für ner aus England stammenden Giftmiberichtet heute den irischen Neurologen David Nischung exekutiert worden. hängte ein Exportverbot. wie ein Nato-Sprecher sagt. die Die EU hatte schon Anfang des Jahres jegliche den Eid des Hippokrates verraten. Deshalb haben Oklahoma und nommen. Die Hafenstadt Misrata wird zwar von Regierungstruppen beschossen.und Ölleitungen sowie zu dringend benötigten Kraftwerken. Und selbst frist. Das wäre allerdings wirklich revolutionär. steht da mit dicken Lettern auf eine Straße und auf ein Dach geschrieben. und zwar ganz gleich. dass sein Produkt nur gegen chrosind dem Beispiel gefolgt. Einige von ihnen der US-Firma Hospira. ZEITGrafik Wenn Libyens Rebellen Tripolis erobern. die Seiten oder zumindest die Schussrichtung zu wechseln? Laut Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates ist es der Nato im Libyen-Konflikt verboten. gewönne der NTC eigenen Zugang zu Gas. der nicht nur als skrupelloser Gewaltherrscher bekannt ist.« Lundbeck müsse sene Hersteller des Mittels. »falls Zivilisten attackiert werden.einer europäischen Großmacht stolz die Exekution mittels einer Maschine vorgeführt wird. seien es ausschließlich Regierungstruppen gewesen. lobt im Hauptquartier in Neapel die »sehr guten Erfolge«. die seine Aufklärungsflugzeuge in der Nähe der Front geschossen haben. verkündet der Ministerpräsident. Der französische Staatspräsident war der ambitionierteste Verfechter eines militärischen Eingreifens in Libyen. schrieben sie Annischen Pharmakonzern Lundbeck in Amerika fang Juni im Medizinjournal The Lancet. arbeite weiter daran. Dann doch lieber ein Ende ohne den Einmarsch in Tripolis? Der Führungsclique in Gadhafis Palast scheint diese Aussicht ebenfalls zu gefallen. mit dem Gadhafi-Regime zu verhandeln.« Bisher allerdings. lässt sich nicht zuletzt aus seiner neuerlichen Drohung lesen.« Den Anstoß dafür hatten Nicholl Ohio ihr Exekutionsrecht geändert. hatte ihn im Herbst unTat geschritten. gan am 25. um von deren Hof aus Granaten auf Wohngebiete zu schießen. das hat er nicht geglaubt. Juli zog Lundbeck die Reißleine. diese Variante dürfte Nicolas Sarkozy mittlerweile durchaus entgegenkommen. was beweist. vor allem dem Einschläfern von Tieren. ihr Selbstverständnis zu verbergen. sagt Mike Bracken. Artilleriestellungen und Radaranlagen. ob Gadhafi dabei selbst am Tisch sitzen könnte oder erst zu- rücktreten müsse. so Bouchard. sollten die Nato-Staaten nicht »zu Sinnen« kommen. Den USA ist eines der drei vorgeschriebe. Auf all diese Kampfzonen konzentriert die Nato derzeit ihre Luftangriffe. habe der Vormarsch auf Tripolis begonnen. Bloß dass es so lange dauern würde. haben wir den Auftrag. In den US-Gefängnissen lienische Parlamentarier und deutsche Politiker. Die Nato.« Ein blutiger Bürgerkrieg ist das Letzte. Thiopental in ihrem zehren derzeit von einer ungeplanten Gnaden. müsste sie dann nicht den Vormarsch der Rebellen auf Tripolis stoppen? »Unser Mandat ist klar«. außer zur Behand. protokolliert sie präzise: 14 804-mal (Stand Dienstag) starteten seit dem 23. machte der französische Verteidigungsminister zu Wochenbeginn den Vorschlag. die »humaner« Philipp Rösler. Nato«. spritzen in den Todestrakten da. Die Nato kann Luftaufnahmen davon zeigen.Arzneihändler. Diese Tatsache verdrängt die Nato ebenso wie die Möglichkeit. anzugreifen. es ist möglicherweise das letzte Bollwerk Gadhafis vor der Hauptstadt. außerdem würden sie die Hauptküstenstraße zur Autobahn Richtung Tripolis kontrollieren. Oktober in Arizona mit eiSchmidt-Häuer die letale Injektionen vornehmen. belgische oder dänische Jets Militärlastwagen. anhaltender Bürgerkrieg.gen in den USA geworden. Das 1916 von Bayer nische Epilepsie eingesetzt werde: »Henker sind entwickelte Präparat dient heute. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 POLITIK »Danke. sehen die Henker verbreitet. von wem sie ausgehen. heißt es ergänzend aus dem Brüsseler Nato-Hauptquartier. Weitere Bundesstaaten dafür sorgen. »keine größeren Offensivoperationen mehr starten kann«. sein soll als der elektrische Stuhl oder Erhängen. nämlich sich eigentlich als Luftwaffe der Rebellen zu fühlen. Angriffe auf Zivilisten zu verhindern. Laut einem Bericht der New York Times haben sich in dem Gebirge um die 2000 Kämpfer gesammelt und feiern schon das »Neue Libyen«. Auf dem Alten Kontinent ist der Widerstand Zum Glück gibt es eine solche Großmacht in gegen die amerikanische Exekutionspraxis weit Europa nicht mehr. »Wir sind entsetzt«. ist aber nicht mehr belagert.

4 Prozent des BrutMerkel nicht jüngst in Washington mit Glanz und toinlandprodukts für die Verteidigung aus Gloria empfangen? Verlieh Präsident Obama ihr (785.euch Deutschen deshalb wirtschaftlich so gut. wächst ein Unbehagen. müssen im Werben für die deutsche Politik immer eine »ExtraMeile« gehen. Um Himmels willen jetzt nicht nicht verlassen zu einer auch noch Libyen! Zeit. Und die Fragen des noch darum. dass sie einen Rie. spottet David Marsh. die Mischung von markigen jüngst Pekings Premier Wen Jiabao Europa besucht habe. seufzt David Marsh. Ziel der In. um deutlich zu machen. Deutschland möge endlich seine Führungsverantwortung übernehmen – und die Erwartung. Europas Stabilität und Sicherheit lägen Land gebracht. »und sie haben keine liberalen Werte. ist paradox: »Die Enkel der Weltpolitische Entscheidungen kommen im. Aber da war es zu spät.« Dem stehe der Aufstieg Chinas und Indiens gegenüber. sagt das so. wir aber nur gelernte Demokraten.« So wenig wie ihr Schlingern in der und umsichtig ausgeweitet hat. Paris und London votierten für ein Sicherheitsrat.« Aus dem Munde eines Briten ist dies ein überraschender – und etwas übertriebener – Vertrauensbeweis. Das werde nur gemeinsam städten des Westens über die Berliner Diplomatie gelingen – unter deutscher Führung. sagt er. zieht eine weite historisch-politische Linie. Mit den Einsätzen der BunWeißen Haus beschwichtigend heißt: »Dies ist deswehr in Bosnien und im Kosovo keine Beziehung. die repariert werden muss. dann vertieft geradezu von Deutschlands »gutem Kapitalisdas nicht die Liebe zwischen Berlin und Paris. der nicht würdigte.Foundation.von Merkel gewesen. ein Fels in der die Auslandseinsätze der Bundeswehr vorsichtig Brandung. der als Verteidigungsminister Marsh. lange Jahre Korrespondent der Financial Times in Bonn. »prinzipientreu. Wer kann diese liberalen Werte schützen und bewahren? Deutschland. Libyen hat den Glauben an die Berechen. der geht dabei nicht um Libyen allein. habe einfach »kei. Was aber nichts daran ändert. In den ersten Jahren ihrer Kanzlerschaft tung«. Der innenpolitischen Agonie der Regierung land. woran man mit dem Land ist. Amerika tion geworden. bei Franksidential Medal of Freedom? Das alles. da seien in London Verträge im Wert Worten und mageren Taten.4 Milliarden Euro. Staatsschulden. Eines kommt bei den Deutschen hinzu: Sie einer Botschaft: Wir wollen euch wieder im Boot haben. Und schon gar nicht ist ihr Wie sieht Deutschland seine Rolle in der Welt? Außenminister ein neuer Hans-DietFür welche Prinzipien ist es bereit zu kämpfen? rich Genscher. der diesen tervention: das von Staatschef Gadhafi angekün.Jetzt muss Europa seine Rolle in der globalisierpolitik tief erschüttert. die nisteriums von China ab und sich in die Ecke gedrängt fühlt«. Deutschland sei »einMerkel begann es vielversprezigartig in seiner Kombination chend.7 Prozent (60. Neid und Missgunst. Aber haben wir uns wirklich erneut auf einen »Sonderweg« begeben? Kaum jemand befürchtet das.« habe Rot-Grün einen ParadigmenSeit dem 17. Briten und Amerikaner. wurde Angela Vereinigten Staaten geben 5. Berliner Diplomaten. Mit ihren Soldaten haben sie gewill sich endlich auf die Probleme daheim konzen. die europäiD AV I D M A R S H : gehen lassen. »Geschafft! Auftrag erfüllt! barkeit und Verlässlichkeit der deutschen Außen. Immer umwehe die Deutschen »ein Hauch von Unheimlichkeit«. meint Stephen Szabo von der Transatlantic Academy in Washington. Kein Verbündeter. Ein Reisebericht VON MATTHIAS NASS Man hätte Deutschland im Westen gern als verlässlichen Partner – und weiß immer noch nicht. amüsiert sich Fukushima waren mehrere Atomreaktoren in die Hans Stark vom Institut Luft geflogen und hatten die von der Bundes. »Mal sind sie zu schlecht für die Welt.« Die einzelnen EU-Länder Wer in diesen Sommertagen in den Haupt. da der deutsche GeIn der aufgeheizten Berliner Atmosphäre. »Europa hat seine Vergangenhabe »die deutsche Nabelschau ihre Apotheose« heit hinter sich gelassen«. das wissen die Klugen unter ihnen. Es gab Zeiten. sagt Charles A. Inzwischen aber verfolvon wirtschaftlichem Durchgen die Nachbarn die Windungen der Berliner Europa-Politik mit wach.4 Prozent (45.es niemanden. warum die Rolle Deutschlands so wichtig sei. de vor der neuen deutschen Unberechenbarkeit. als für Amerikaner. Cem Özdemir nannte die Es dauerte keine 24 Stunden.« sein. Noch nervöser ehemalige Chefredakteur des Observer und heuhat die Verbündeten das Euro-Krisenmanagement tige Leiter des liberalen Thinktanks The Work der Kanzlerin gemacht.4 Milliarden). In Berlin dürften sie Anlass Zeiten eines Joschka Fischer zurückzur Beunruhigung sein.Charles A. Es Warum das so sei. wird. An diesem Tag enthielt sich Die Deutschen hätten sich damals Botschafter Peter Wittig im UN-Sicherheitsrat auch an der intellektuellen Debatte der Stimme. bei Großbritannien nicht Amerikas höchsten zivilen Orden. heißt es anerkennend. Es gehe nur Libyen zu. der hört nicht viele freundliche Worte. Die Politik dieser Länder aber sei unkalkulierbar.setzungswillen und militärischer Abstinenz«. John Lloyd aber. das Gefühl. Kohl. kann schnell als Ausrede.ihre Regierung den Eindruck »einer Gruppe. digte Blutbad an den Bürgern der Stadt Bengasi Überhaupt die Grüzu verhindern. schlechten Klang. atlantische Bündnis«. Washington/Paris/London or einigen Wochen im State entschieden. auf die wir uns zu Recht viel zugutehalten. Wittig musste auf Weisung Ber. Bei Europäern und Amerikanern mischen Merkel korrespondiert ein rapider außenpoliti. Aber aus Verständnis. auch wenn es aus dem zudenken. Seine Kollegen aus Barack Obamas Nationalem Washington. Haben wir nicht ähnliche Debatten vor zwanzig.laut wird aber auch die Frage gestellt: Geht es krise und Atomausstieg: Ratlos stehen die Freun. Was man den Deutschen vorwirft.sich Bewunderung.nen.nug Unheil über die Welt und über das eigene trieren. der wollte deutumweht die Deutschen Hans Kundnani vom European Council on Foreign sches Geld nicht länger in ein Hauch von Relations schreibt in einer Brüssel »verbraten«. Der Unternehmens. Bei Gerhard Schröder mal zu gut. »sich an der Macht zu halten«. Verteidigungsminister Karl-Theodor bindung und Bündnissolizu Guttenberg war gerade zurückgetreten. sagt ein Mitarbeiter von n mung aufgerufen wurde.Part spiele. »Die große Erzählung der angelsächsischen Welt ist der Niedergang Amerikas – und der damit verbundene Niedergang Großbritanniens. das muss Opportunismus Verweigerung militärischer Hilfe bedarf einer Rechtfertigung. so staltungswille eher noch wichtiger iger schildert es einer der damaligen Hauptakteure. Volker Rühe. Parteichef Seiten gewechselt. verlängerung für deutsche AKWs obsolet geAber auf die Grünen macht. standfest.päer und die treuesten te – für einen kurzen.stehen heute für Westre Sorgen. Er gilt als Dilettant im Amt.0 Prozent (52 Milliarden) und bei der in Washington unmittelbar dabei war. Auch die nicht Ignoranz sein.nomischen Macht in der Welt heute«. reich 2. Berlin hatte im März ganz ande. März 2011 hat die deutsche wechsel in der deutschen SicherheitsAußenpolitik bei den engsten Freunden einen politik vollzogen. möglicht habe. mal zu gut«.de/Außenpolitik » « .8 Milliarden Dollar). miteinander verbinden? Das sind. Vertrauen zu gewinnen. Kupchan. Als ratische Hin und Her. Deutschland hat.Fast nostalgisch scheint man an die staunliche Fragen.beteiligt. Unter der KanzMal sind sie zu könnten. Es ist viel mühsamer für uns. festgesetzt.für Internationale Bezieregierung im Herbst beschlossene Laufzeit. folgte Deutschland nur 1. von Deutschland Hilfe zu erwarten. Franzosen und Briten. Die Meinungen über Wie will es seine Interessen und das Völkerrecht Guido Westerwelle sind schlicht verheerend. intellektuelle Trägheit. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 9 Illustration: Anne Gerdes für DIE ZEIT V Vernagelt Deutschlands Verbündete sind entsetzt über Berlins Außenpolitik. Es ging darum. vom abrupten Ausstieg aus der Atomenergie in Berlin aber im Wert von 10. ließe sich einwenden. Es ging um ein angeseines neuen Buches über den Euro (The Euro. wir brauchen euch! Es sei eine Geste mehr sind eine durch und durch kriegsunwillige Naan das Land gewesen als an die Kanzlerin. als die Resolution 1973 zur Abstim. glaubt erlebt. Immer schon weniger. fehlender politischer Ehrgeiz. der das nicht zuallererst in den Händen der Europäer. Man hätte gedacht. das können wir nicht«.Anti-Pershing-Proteste mer unpassend. Sie ist wohl doch kein zweiter Helmut Kohl: sehr hochrangigen Diplomaten. »Das kann moralisch begründet werden muss. kündigtes Massaker an der Zivilbevölkerung von The Battle for the New Global Currency) mitge. Staatsschuldenkrise kann er ihre abrupte Wende »dass nicht allein der Einsatz militärischer Mittel in der Atompolitik nachvollziehen. Kommentator der Financial Times und Direktor am Reuters-Institut der Universität Oxford. Aber Lloyd formuliert nur besonders klar die Hoffnung. der ein »zweites Wirtschaftswunder« erbeunruhigt Franzosen. gewissermaßen »das reinste Beispiel einer geoökosendem Befremden. ganz gewiss in der Ära ein deutscher Botschafter. die Pre. dass wir die unter denen hätten die Deutschen nun mal das Lehren aus unserer Geschichte gezogen haben. sagt einer. ten Welt definieren. sagt David den. Jetzt mache Chefetage des US-Außenmi. für den engsten Verbündeten.seien dafür zu klein. weil ihr so wenig für die Verteidigung tut? Die Aber.nen »Affront gegen das senfehler begangen hatte. dass wir verlässliche Verbündete geworden sind. Sind die Deutschen eine egoistische Nation denkrise gestarrt »wie ein verängstigtes Kaninchen«. mit ruhiger Hand: Das sei das Bild Department. als Alibi ausgelegt wer»Ich hatte ein Klischeebild von ihr«. Stetig. ihr ewiges Zögern. Libyen. schrieb jüngst. Heute gebe militärisches Eingreifen in Libyen. und lerschaft Helmut Schmidts war schlecht für die Welt. dass es sich die Deutschen mit ihrem PaziBisher hat die Bundesrepublik fismus auf Kosten anderer gut immer verstanden. Die Kanzlerin. dass sich Deutschland nicht in berater und Autor.geworden? Jeder versteht.Bengasi. spricht. werden plötzlich sehr grundsätzlich.sind es 2. illustriert Will Hutton. Tatsächlich hat kein europäisches Land von dass die deutsche Abhängigkeit von russischen der Globalisierung mehr profitiert als DeutschGaslieferungen nun noch größer werden wird. Und verstünde. historischen Moment – die Transatlantiker. Sie gelten heute bei lins die Hand gemeinsam mit den Botschaftern vielen als die besten EuroRusslands und Chinas heben. hat in London zum Kriege hineinziehen lassen will. Kupchan det sich das Gespräch in der vom Council on Foreign Relations.zeit. Es mus«. So wird auch in Paris und in London gedacht.allein möchte man sich tagswahlen an. Halbscher Vertrauensverlust. Was ja nicht ganz falsch ist. bis zumindest Libyen-Entscheidung eidie Bundeskanzlerin begriff. liberal und international? Wohl nicht. so weit waren wir schon einmal. In darität«. ob die Weltgemeinbracht. als schen Interessen als die eigenen ob wir eine große Schweiz sein zu definieren.POLITIK Ähnlich ist es in Washington zu hören. Merkel habe auf die europäische Staatsschul. an den Beziehungen zu China. durch die Nachrichtenagenturen erfährt statt »Fast das Zehnfache!« Will Hutton schwärmt durch einen Anruf Angela Merkels. die Deutschen stünden unverbrüchlich zum Westen. Die »Kultur der Zurückhalnen Sinn für die Märkte«.1 Milliarden).schaft aus dem Versagen in Ruanda und Srebrenica gelernt hat. der sich leider nicht namentlich zitieren las.3 Milliarden Pfund unterzeichnet worden. er. Nachsicht und Geduld breiteste Kreuz. Unvermittelt wen. dreißig Jahren geführt? Kann es wirklich einen Zweifel geben. In Libyen aber Gespräch die druckfrische Taschenbuch-ausgabe ging es um etwas anderes.Dieses Urteil über die deutsche Kanzlerin hat sich sen möchte. schien sie Europas neue »Eiserne Lady« zu sein.hungen (ifri) in Paris. dass uns bis heute der »Hauch der Unheimlichkeit« umweht. da verstanden das sogar die Kanzler und die Außenminister. das er. ist Mangel an strategischem Denken. Schließlich ist sie Physikerin!« 14. Bei Angela Unheimlichkeit Studie. I Deutsche Außenpolitik – Analysen und Hintergründe: www. Und wenn der französische Staatspräsident von 1. »Wir tun so. Die Regierung Obama etwa habe es aufgegeben. In Baden-Württemberg standen Land. Diese sind in ihrer Selbstwahrnehmung geborene. Es Der Keim des Zweifels war gelegt. Das Profil einer wirtschaftlich beängstigend ambitionierten Nation kontrastiert auf das Merkwürdigste mit deren politischem Provinzialismus.

anläuft. der Anfang einer Globalisierung.zeit. Diese Wahl wird »von einer kleinen Elite. es ist korrupter als die üblichen Verdächtigen in Schwarzafrika. Aber es scheint natürlich zu sein. Kein Wunder. aus.com/zeitonline Foto: Soe Zeya Tun/Reuters . Wieder andere sichern sich eigene Areale.zeit. Und wer sich die quälenden Bilder aus den Flüchtlingslagern vom Leibe halten will. Eine andere Platitüde. dem so ehrbare Leute vorsitzen wie Lothar de Maizière und Richard Schröder? Das den Quadriga-Preis seit 2003 an so ehrenwerte Menschen wie Michail Gorbatschow. Das Regime kontrolliert fast alle Medien und erlaubt keine Kritik. Ein Irrtum. »Als Wasser in Lastwagen kam«. zur Not in fruchtbarere Regionen auszuwandern. Sagt Ihnen nichts? Der Filmmusikkomponist hat die neue Harry-Potter-Episode vertont. in die sich seine Heimat gerade verwandelt.de/musik Live-Blog zum Finale Schade. diesen Rat zu befolgen. Offiziellen und Wirtschaftsinteressen. Der eine Rat lautet. So abstrakt hört sich das gut oder wenigstens nicht komplett abwegig an. am Montag zusätzlich eine Zusammenfassung der Wochenend-Themen www.zeit.de/newsletter ZEIT ONLINE auf Facebook GUATEMALA TRANSPLANTATIONEN FILMMUSIK FUSSBALL-WM Im Würgegriff der Kartelle Mexikos Drogenkartelle reagieren auf den blutigen Konkurrenzkampf im eigenen Land – und weichen auf andere Staaten aus. selbst Libyen und Jemen kommen besser weg. das Jahr »Als man unreines Fleisch aß«. Gu und Deyr genannt. eröffnet uns gerade einen Ausblick in die Zukunft Afrikas in Zeiten des Klimawandels.zeit. wie eine Leber oder Niere. Todesmärsche durch die Wüste. Aber Putin? Die Werkstatt bemüht ganz ironiefrei Orwell-Sprech in der Begründung: »Im Inneren . liberal Parteien auf der Leinwand: Was wir im Kino über SPD und FDP lernen Am Freitagabend saßen wir. Diese Hungersnot ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die Fortschreibung von etwas Altem.« Auf der Korruptionsskala von Transparency International (2010) liegt Russland ganz unten auf Platz 154. Der andere Vorschlag legt nahe. Aber es ist zu einfach. wenn auch erschöpften Lächeln. Geehrt werden müsste ein anderes Vorbild: der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. die Dürre und Hunger am Horn von Afrika verursachen oder zumindest dazu beitragen. Oppositionskandidaten werden eingeschüchtert und disqualifiziert. »Engagiert« ist Putin tatsächlich: bei der Perfektion dieses Systems. Umso größer ist unsere Freude darüber.. die sich zu dieser Zeit zutrugen: 1914.facebook. dünnen Fäuste mit den heraustretenden Adern – so sehen Friedenskämpferinnen aus. Die eigenen Leute werden belohnt und protegiert. Nun. taucht im Umkreis solcher Speicher bisweilen so viel Vieh auf. Von wegen Klimawandel – Dürren gab es in Somalia schon immer! Wissen kann man allerdings. was Klimaforscher seit vielen Jahren vorhergesagt und immer häufiger auch beobachtet haben: die Folgen eines zunehmend unregelmäßigen Monsuns. mit zum Gruß gefalteten Händen. in der Katastrophe am Horn von Afrika das wiederzuerkennen. die gerade getestet wird. wenn sie auf die Wirklichkeit des Klimawandels stoßen. Foto: Mathias Bothor/photoselection www. Engagement und Gemeinschaftswohl verpflichtet« seien. Wir kennen die birmanische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi meist nur in friedvollen Posen. Wladimir Putin? Und dann ein so honoriges Gremium wie die »Werkstatt Deutschland«. möglichst schnell reich zu werden. das Jahr der »Dürre mit dem langen Schwanz«. das jährlich den Zustand der Freiheit auf der Welt misst: »Politische Rechte und Freiheiten sind in Russland so eingeengt worden. HEUTE: 11. Geben wir ihm als Sonderpreis die Mini-Version eines Quadriga-Pferdes auf dem Brandenburger Tor. in diesem Elend nichts anderes als eine Fortsetzung der somalischen Leidensgeschichte zu sehen.« Im März 2012 wird wohl Putin gegen den heutigen Präsidenten Medwedjew antreten. nicht vom Wähler entschieden werden«. der die Lebensgrundlage der Menschen in trockenen Erdregionen zerstört. 1964. Da macht sich der Halbblutprinz Philipp Rösler auf die Suche nach dem Stein der Weisen – und hat noch nicht einmal ein eigenes Narrativ dabei! Die Liberalen. sondern der 9.« Wie das realiter aussieht. Juli. April. Gerade hat Aung San Suu Kyi die alte Königsstadt Bagan besucht. wird gnadenlos verfolgt. Plausibler aber ist es wohl. die Somalier helfen sich. Höchste Zeit. sind noch immer ein Zukunftstraum www. sondern durch Beschreibungen der Hungerkatastrophen.de/sport Werden Sie einer von über 63.de/organspende Zum Hören ins Kino Schon viermal war Alexandre Desplat für den Oscar nominiert.com/zeitonline ZEIT ONLINE twittert Folgen Sie ZEIT ONLINE auf twitter. dass die Menschen sich an die neuen Verhältnisse in einer zunehmend wärmeren Welt anpassten.« Knapper sagt es die Historikerin Christina Eibl in ihrem Überlebensbericht aus dem Herzen Moskaus (2011): »Wer sich nicht unterwirft. Definieren wir es mit Lenin als »demokratischen Zentralismus« plus Staats.de/ausland Organe aus dem Labor Vor zehn Jahren transplantierten Ärzte eine künstliche Blase – mit Erfolg. in einem Berliner Kino und schauten uns 18 Monate unter Genossen an. kann Schaden anrichten. der die Erosion der dünnen Schicht fruchtbaren Bodens verhindert. und dass der Ausfall dieser Regenzeiten eine seltene Katastrophe war – so selten. Wirtschaft und Identität. einfacheres und gerechteres Steuersystem. beschreibt Stanford-Politologe Francis Fukuyama in seinem neuen Buch The Origins of Political Order: Seit Putin sei Russland zu einem »autoritären Regime mit Wahlen« geworden. so lernen wir daraus. einen verfluchten Vorsitz niedergelegt und – anstatt umgehend durch das Verschwindekabinett zu disapparieren – seine Seele in insgesamt sieben Horkruxe ausgelagert. Unter Politiker hinterherlatschenden Cineastendarstellern sagt man auch: Es fehlt das Narrativ. in dem die Regierung nicht einmal die eigene Hauptstadt Mogadischu kontrolliert. die »Aufklärung. der wird Gründe finden. Aber man wüsste doch gern. das sie sich trotz jahrzehntelanger Schikanen und Hausarresten bewahrt hat. die sie einzäunen und notdürftig bewässern.zeit. Es herrsche ein »Schattennetzwerk von Politikern.000 Follower. Kann man gar nicht wissen!. sondern Regen gemäß dem seit Jahrhunderten bekannten Muster der Jahreszeiten ist inzwischen die Ausnahme.zeit. die Platitüden entwicklungspolitischer Zyniker zu hinterfragen. Es sollte eine unauffällige Erholungsreise werden. Das sind die Kreml-Getreuen im Big Business und Sicherheitsapparat – die Putinsche Machtelite. kann selbst das für Zufall halten. Ein Land. Er hat genauso wenig zu erzählen wie diese momentan selbst. das Wahlen abhält. Dies ist eine gute Gelegenheit. es war nicht der 1. den ihr die Militärjunta auferlegt hatte. Überfüllte Flüchtlingslager. schafft er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand. Juli 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 29 MEINUNG POLITIK Werkstatt Orwell JOSEF JOFFE: Wieso ehrt ein honoriges deutsches Gremium Wladimir Putin? Unwillkürlich schnellt der Blick nach oben. der sich im Kuratorium »strikt gegen Putin ausgesprochen« hat. Wer unbedingt will. in der wir leben. Dies ist auch unsere Katastrophe. 2011 wird wieder so ein Jahr. Jahre werden bisweilen nicht durch Jahreszahlen bezeichnet. Die Bilder aus den Flüchtlingslagern in Kenia und Äthiopien zeigen.7-Grad-Welt. 1974. theoretisch ein Mittel der Wahl zur Anpassung an zunehmende Trockenheit. Aber Sicherheitsbeamte ließen sie nicht in Ruhe. Andere treiben Ackerbau auf ungeeignetem Land und ruinieren es damit für die Viehhaltung. wenn Menschen gezwungen sind. dass die Böden überweidet werden. auf das Erscheinungsdatum der Zeitung. deutsche Autos und chinesische Kraftwerke. Vier Jahre nach Beginn der Putin-Präsidentschaft meldete Freedom House. um sein politisches Ableben hinauszuzögern. sie produzieren und verkaufen Holzkohle – und dünnen so den Baumbestand VON FRANK DRIESCHNER BERLINER BÜHNE Potter. Vor acht Monaten endete erst der letzte Hausarrest. Beim Versuch. Die mäßig erwärmte 0. Nein. »Vorbild« wäre richtig. Der Rechtsstaat dort droht zu kollabieren www. Aber auch nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalelf bleibt die FrauenFußball-WM natürlich spannend und macht Spaß. Es wäre leicht. Es schürte die Hoffnung. das sich schnaubend aufbäumt. die kleinen. wenn man statt »Aufklärung« Mediengleichschaltung setzt. Schimon Peres.2011 Kämpferin Es ist nicht ihre natürliche Haltung. wo sie sie sahen. dass sich die Somalier daran noch Generationen später erinnern. so gut sie können. ihn aufhalten zu wollen. Dies aber ist die sechste schwere Dürre seit der Jahrtausendwende. so wie schon mehr als 77. um eine wassersparende Hightechlandwirtschaft und andere Anpassungstechniken finanzieren zu können. die Schlange Kubicki und Philipp Rösler selbst. Auf solche Fragen gibt es zwei Standardantworten – aber beide klingen hohl.zeit. Ganz besonders leidet Guatemala unter den Gewaltorgien der kriminellen Organisationen. Der Film ist eine ganz wunderbare Momentaufnahme über den Zustand der ältesten deutschen Partei. während die Menschen sie mit Blumenketten begrüßten. Das verschärft die Not der Ausgesperrten. Teil 2. der schwarz-gelben Koalition: »Ich will ein niedrigeres.. sich ein zu Unrecht unterbelichtetes Musikgenre genauer anzusehen www. ÖT Selbst schuld? Von wegen! Die Hungerleidenden in Somalia sind die ersten Opfer des Klimawandels Somalia hat seine eigene Zeitrechnung. wie es zugeht. es ist kein zweites Sommermärchen geworden. fällt Philipp Rösler in Teil 2 in ein Fass Vielsaft-Trank und hört sich nun an wie Ihr-wisst-schon-wer in der Kammer des Schreckens. Wolfgang Schäuble und Sylvia von Schweden verliehen hat? Dass sich die Jury mit Guttenberg (2010) ein wenig geirrt hat. sind halt kein Orden des Phönix.000 Fans von ZEIT ONLINE auf Facebook und diskutieren Sie aktuelle Themen mit uns www.und Oligopolkapitalismus. Komplexe Organe. helfen könnten sich die Betroffenen nur selbst. die afrikanischen Hungerleidenden selbst für ihr Unglück verantwortlich zu machen: Somalia. eine Dokumentation aus dem Innenleben der SPD. als die Süddeutsche berichtete: »Preisrätsel: Deutscher Verein ehrt Putin als mustergültigen Staatsmann«. POLITIK WIRTSCHAFT MEINUNG GESELLSCHAFT KULTUR WISSEN DIGITAL STUDIUM KARRIERE LEBENSART REISEN AUTO SPORT Lesen zur Ferienzeit Redakteure und Autoren von ZEIT ONLINE empfehlen Bücher für den Sommer www. einem gutmütigen.« Traurig. und statt »Gemeinschaftswohl« das Wohlleben der neuen Bojaren. Es sind amerikanische Flugzeuge. Kadaver nämlich. Die FDP ist ihr eigener Todesser. traurig. dem Film wie den Sozen. dass diese Woche endlich die Harry Potter-Adaption Philipp Rösler und die Heiligtümer des Todes. dass sie Haltung hat. Verarmte Viehzüchter haben sich eine zweite Einkommensquelle gesucht.de DURCHSCHAUEN SIE JEDEN TAG.10 14. Not. als hätten wir nichts Schöneres zu tun. in dem islamistische Milizen den Ton angeben. wie sich ein somalischer Viehzüchter an das Leben in der Wüste anpassen soll. Es sei unrealistisch oder zu teuer.« 2011 klang es nicht besser: »In diesem Jahr fiel Russland im Demokratie-Ranking ab. PETER DAUSEND Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT dass es von ›teilweise frei‹ auf ›nicht frei‹ herabgestuft wurde. ist so ein Satz. dass sie dort hungern. Man kann die Angst der Beamten verstehen: die wachen Augen. Weiter mit Orwell: Mit dem Quadriga-Preis werden »Vorbilder« ausgezeichnet. sondern der Beginn von etwas Neuem.07. Im ersten Teil hatte Ihr-wisst-schon-wer seine Macht verloren.twitter.und Entwicklungshilfe helfe nicht. betrifft den Klimawandel selbst. Am Sonntag bloggen wir ab 20:45 Uhr live zum Finale in Frankfurt am Main www. Das ist nicht einmal völlig falsch.de/literatur Foto: Luke MacGregor/Reuters Foto: Fabrizio Bensch/Reuters Foto: Edgard Garrido/Reuters Täglicher Newsletter Foto: Srdjan Suki/EPA/dpa Erhalten Sie zwei Mal täglich eine Auswahl der wichtigsten Themen auf ZEIT ONLINE. die übrigen Horkruxe zu zerstören. Sie erhalten ausgewählte Hinweise aus dem Netz www.com. Viel sinnvoller sei es. dass Somalia einmal zwei halbwegs regelmäßige Regenzeiten hatte. Labor-Organe könnten den Transplantationsmarkt entspannen. rufen die Besserwisser. Unter den vergangenen fünf Jahren war nur eines mit normalen Regenfällen. Wird anderswo das Wasser knapp. sondern Liebling der Nation. das ist doch der Piratenstaat. Sogar der Bau von Wasserspeichern. war menschlich: Damals war »KT« noch kein Plagiator. um seinen Machterhalt zu legitimieren. die nicht durch Warenströme oder Nachrichten vermittelt wird – sondern durch Kohlendioxid in der Erdatmosphäre. verfolgten sie. darunter das Auswärtige Amt. verendetes Vieh – die Rede ist von der schlimmsten Hungerkatastrophe seit Jahrzehnten. so geht das Argument. Nicht Dürre.

Gleichzeitig verändern Zahlen. wie viele denken VON MORITZ HEISER DAMALS: 1970 Kleiner Drache Es ist seine natürliche Haltung. dass Steinbrück eine gute Wahl für die Genossen wäre. So eine »Anliegersich etabliert.sich in den Parlamenten nicht ausreichend von lässlich mit Stimmen kalkulieren? Sie müssen ihnen vertreten fühlen. Die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzungen vor Fotos: IMPRESS. In Deutschland hat Parteienkritik eine lange Tradition. schnell erlangte er in der Martial-Arts-Szene den Namen »kleiner Drache«.verlässig reagieren. Wer sollte stellvertretend für sie an freien Wahlen teilnehmen? Welche anderen repräsentativen Gruppen wären gleichermaßen politisch legitimiert.der Universität die Parteien Fantasie und Gebote für die Mitte. pardon. wenn die Bürger nicht mehr an das heitsschwund: Wähler scheinen nicht mehr da. Man geVolksparteien zu mehreren mittelgroßen Par. Gänzlich vergessen scheint zudem. dass das Parteiensystem Wir ändern häufig spontan unsere politische als ein System kommunizierender Röhren lebenMeinung. 25. sie müssen ten Gesellschaft. ihnen scharenweise neue Mitglieder zutreibt. was Bündnisse mehr kalkulierbar mehrheitsfähig.Glaubwürdigkeits. Die Denn wir Wähler und Bürger machen es Grünen bieten wertorientiert Sicherheit an. ist Direktor der NRW ter an. Aber wie kann die Zukunft der Parlamente Über allem liegt ein dramatischer Gewiss. Zuge. die den Wandel mit ihren Grundüberzeugungen verzahnen kann.winnt den Eindruck. suggeriert Peter Dausend in seinem Artikel Auf Messers Schneide (ZEIT Nr. dass aus dem Krisenmanagement der Großkoalitionäre noch Risiken von Hunderten Milliarden Euro für den Bundeshaushalt in den kommenden Jahren bestehen.und der Wechselwähler hat drama. Wir modernisieren allzu gern unsere Vorurteile gegenüber den Parteien. manchmal so grundlegend und dig geblieben ist. gehört dabei zu den erkoalitionen zu verhindern. Sie muss auch unter den Bedingungen Orientierung mehr für Bündnisse.te. die Gefahr witternd. Jenseits der sich ständig präsentieren und getradierten parteipolitischen Lager sind keine raten so unter »Kommunikationsstress«. Heute wird der ehemalige Finanzminister für seine Distanz zum Politikbetrieb geschätzt. Was die einen an tisch zugenommen. um stabile Mehr.und Vertrauensvorsprung. Orte in einem »vorpolitischen« menbedingungen längst pleitegegangen. wie Dausend es tut. dass sich die Natur der Politeien führt. die sich beliebig wandelt. Mitgliederschwund zehrt Themenhoheit verlieren. Die Parteien zeigen sich en ohne Risikokompetenz spielen auf dem Wähhierbei beweglich.infrage und suchen sich Empörungsorte abseits ternehmen wären unter solchen prekären Rah. soll Bruce Lee bereits zwanzig Filme gedreht haben. die aber ist längst Geschichte. Ein Stresstest pur für die Parteien. der keit unserer Parteien. Die Ablehnung des Kandidaten Steinbrück auf Agenda 2010 und Rente mit 67 zu reduzieren. Denn auf den StimmungsVON KARL-RUDOLF KORTE kurven von Meinungen wird nicht die Partei belohnt. einem der größten Länder Europas. die finanziellen Ressourcen der Parteien auf. Moritz Heiser. dort als Sympathieorganisation vor allem das besondern bringen strategisch denkende Köpfe in sorgte Bürgertum. Sie begleiten und organisieren den Grünen sind hinzugekommen und repräsentieren Wandel. gewinnen die anderen. also lange vor Ausbruch der Finanzkrise und schon vor Steinbrücks Amtsantritt. die nicht nur spontane Betroffenheit widerspiegelt? Insofern müssen wir weiterhin die Parteiendemokratie stärken. Dausend stellt gar nicht erst in Zweifel. Politik. ist sofort öffentlich. Ohne klassische Volksparteien vielleicht. Wer zudem in Zeiten dem Wählerauftrag am Wahltag eine Regie. wie lernfähig Parteien sind.und Lernfähig. dass auch er es war. Das prominenteste Beispiel dafür sind die Und dennoch zeigen sie sich extrem robust. sondern nur diejenige. Risiko. traditionellen sein. mehr dem Panzer einer Schildkröte gleichend als der Haut eines Menschen. Wie ein Mensch diese Spannung aushält? Nicht lange zumindest. Doch man sollte wissen. die MehrheitssuDemokratie« bevorzugt immer che wird darin zum Kernprodie unmittelbar Betroffenen. nicht gegen sie. bekannt waren. Auch wenn viele Kritikpunkte berechtigt sind: Parteien stehen für die modernste Form politischer Willensbildung in repräsentativen Demokratien. Alles. um Entscheidungen für uns zu treffen? Wie könnten wir ohne Parteien politische Teilhabe fair organisieren.des Gewissheitsschwundes als Partei nicht normarungsmehrheit zu bilden – und so große Dau. verfasst von einem Redakteur. studiert Politikwissenschaft an der Uni Leipzig Jede Woche erscheint an dieser Stelle ein »Widerspruch« gegen einen Artikel aus dem politischen Ressort der ZEIT.Wirkungsversprechen der Politik glauben? Die ran zu glauben. Heute behauptet Steinbrück. Nicole Maskus (u. nutzt die Erklärmacht der Politik. Eine Würdigung Unsere Parteien lernen und passen sich extrem Die politische Mitte sortiert sich neu. Schocks wie Fukushima lähmen nicht. Absolu. oder sie nicht mehr automatisch durch bieten Parteipolitiker als Schlicheine von beiden repräsentiert. Aber es wird übersehen. Die Personalie Steinbrück ist ein Paradebeispiel für das kurze Gedächtnis von Medien und Öffentlichkeit. setzte er die Politik der Deregulierung der Finanzmärkte seines Vorgängers Hans Eichel nahtlos fort. Sie mussten schnell und zurot-grünen Koalitionen zu grün-roten Ver. Wie Viele Bürger kritisieren die Parteien.tiv entkernt daherkommt. Doch die Beispiele zeigen.diese Ressource mit Gemeinwohl-Metaphern auf schen Willensbildung mitzuwirken: Der Anteil dem Wählermarkt in Deutschland anbietet. der feine Schweißfilm auf den Muskeln. kann. Er bleibt professionell unterscheidbar und authentisch.und Politikerverdrossenheit sind Chiffren für die Unzufriedenheit der Bürger mit den Unübersichtlichkeiten einer komplizierten Demokratie. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 11 WIDERSPRUCH Der Überschätzte Peer Steinbrück ist nicht so gut. So zeigt sich einmal mehr. Meist war Lee in Todeskrallen-Pose zu sehen. Die schnell an. schickt seine Replik (maximal 2000 Zeichen) an widerspruch@zeit. sie tun. als ein Ereignis das andere jaghältnissen wie in Baden-Württemberg do. Ihre Leitkultur ist die Nachallen Parteien hervor. Der politische Wettbewerb verlangte von ihkumentiert anschaulich die Entwicklung. 28/11). der gespannte Körper. Es bedarf von Komplexität. Kleiner Poser. Die Bürger fühlen sich Parteien als Initiatoren. von den Ereignissen der Finanzkrise überrascht worden zu sein. Es ist Zeit für eine kleine haltigkeit. Das fällt auch der ZEIT-Redaktion auf. Wer ihnen auch nicht gerade einfach. die nen.de.Terrain. Wir kennen ihn nicht anders. immer der Hab-Acht-Blick. der die Bankenkrise verursacht hat. Dabei täte er gut daran. um außerparMitgliederorganisationen ver. Den ersten mit sechs.Forschungsschwerpunkt lamentarische und parlamentarifügen auch die ehemaligen ist das politische System sche Verfahren enger miteinander Volksparteien nicht mehr über Deutschlands zu verzahnen. eine starke Bindekraft in einer Der öffentliche Druck auf die immer weiter ausdifferenzierParteien ist enorm. Parteiheiten zu kreieren. Bei blem. immer noch weitaus sich Form und Gestalt der klasmehr Bürger als in den Verfahren sischen Volksparteien SPD und der direkten Demokratie. schnell wie nach dem Fukushima-Schock. Wir beziehen unsere Kritik dabei auf die alte westdeutsche Volks- parteiendemokratie. wo sich bürgerlicher Protest entfalten geben: Auch die Parteien sind angeschlagen. hat sich Peer Steinbrück auffallend unauffällig als Kanzlerkandidat ins Gespräch gebracht. ten die Parteien mit einem neuen Rhythmus der Die Umkehrung der Mehrheitsverhältnisse von Politik konfrontiert. Auch in diesem Bereich sie erkennen in ihnen immer School of Governance an neuer Gesellschaftsberatung zeigen weniger lieb gewonnene Ange. aus lermarkt keine Rolle mehr. Als er nach der verlorenen Wahl in NRW vom Düsseldorfer Ministerpräsidentensessel ins Berliner Finanzministerium wechselte. an der politi.eine Erfolgsformel gefunden. einem Politiker oder einem ZEITLeser. In Deutschland ist ein K A R L  RU D O L F KO RT E jeder Parlamentswahl beteiligen echter Koalitionsmarkt entstansich. schließlich verbreitet Steinbrück auch hier seine beim Volk anscheinend beliebten Botschaften. trotz insgesamt rückläufiger den.der Parlamente. Mit 18 Jahren.des Unwahrscheinlichen über das Wahrscheinlite Mehrheiten wie in Hamburg stehen neben che – von der Finanzkrise bis zur Katastrophe von Experimenten mit Minderheitsregierungen wie Fukushima – hat in den zurückliegenden Monain NRW. tik unter dem Druck der komplexen Ereignisse Eine Lagermentalität bietet heute keine verändert.sendem Nichtwissen entscheiden können. Sein sprächsbereitschaft. ist deshalb sehr kurz gegriffen. gerbeteiligungen) kann sicher kein alleiniger AusEin Fünf-Parteien-System hat weg sein. Proteste gegen Stuttgart 21. Wie andere Duisburg-Essen. wuchs kein Bambusstrauch mehr. Diese dreiste Lüge Steinbrücks spielt in der heutigen Debatte allerdings keine Rolle mehr. dass Politik eine gemeinsame direkte Demokratie (mit allen Spielarten von BürVerabredung von Regeln und Prioritäten ist. Wiederauferstanden von der allseits beliebten Gattung der Politrentner. Unsicherheit und wachneuer Formeln zur Macht. ÖT Lob des Opportunismus Die Wandlungsfähigkeit unserer Parteien spricht für. sein Agieren während der Finanzkrise gilt als vorbildlich. Wer widersprechen will.POLITIK MEINUNG 14. Sie erodieren und lassen dem: Hinter vielen Bürgerbegeheine Repräsentationslücke zuren stecken häufig auch wieder die rück. aber mit neuen Angeboten in der politischen Mitte. weil er nie anders konnte: Immer auf der Lauer. Wer das anschaulich begründet. so die Legende.aussehen. dass die Risiken in den Bankbilanzen im Finanzministerium schon spätestens 2003. großen Gewinnern. krisenfest und wandlungsfähig. Wirtschaftsun. Drache starb mit 32 Jahren.) . weil sie können Parteien unter diesen Umständen ver. hat der Nicht. AußerCDU. Sie stellen die Rolle der auf all diese Veränderungen schnelle und Parlamente als legitime Orte von Entscheidungen verlässliche Antworten liefern. wenn es darum geht. Ein Gespenst geistert durch Deutschland. Ob in Die Todeskralle schlägt zu oder Der Mann mit der Todeskralle oder Die Todesfaust des Cheng Li – wo seine Hand oder sein Fuß landeten. Doch will ihn die SPD wirklich als Kandidaten? Ist der wirtschaftsnahe Ex-Finanzminister der Parteilinken überhaupt zu vermitteln? Dass dies die entscheidenden Fragen seien. flexibel. Auch hier zeigen sich Bunte Koalitionsmuster kennzeichnen deshalb die Parteien robust und lernfähig: Der Triumph die Vielfalt in deutschen Parlamenten. Die Augen fixieren den unwürdigen Bösewicht. und die propagieren sie mit einem Würdigung dieser Wandlungs. leistungsstark und strategiefähig zu von den einst mitgliederstarken.

muss mitunter ein halbes Jahr lang warten. präsentiert von Katrin Bauerfeind und Anja Goerz: Am Freitag 18–19 Uhr auf radioeins vom rbb (in Berlin auf 95.und Jugendbuch gründen »Typisch Deutsch e. BUND VON JOCHEN BITTNER VON C. Frankreichs großer Intellektueller. Perfektion und die Kunst des Loslassens WIRTSCHAFT SEITE 34 18 WOCHE NSCH AU Berlin-Wahl Die Kreuzberger verbreitete sich rund um das Mittelmeer – per Schiff VON ALINA SCHADWINKEL CHANCEN 67 Rechenschwäche Vier Millionen Kandidaten der großen Parteien haben alle türkische Wurzeln VON JENNI ROTH 43 KINDERZEIT Energiewende Woher kommt künftig unser Strom? leiden darunter. Begleitet wurde er von ZEIT-Reporter Stefan Willeke (oben am Empfang eines Restaurants in Tokyo).de/japan GESCHICHTE 19 Kapuzinergruft Das gloriose Foto: Michael Staudt/Your Photo Today/SUPERBILD der vermissten Dinge« In Deutschland erschwert. das war das Ziel der Japanreise des RWE-Chefs Jürgen Großmann. Harald Wohlfahrt.IN DER ZEIT POLITIK 2 Foto: Androniki Christodoulou/Agentur Focus TITEL Währungskrise: Die Wall Street greift an 12 AUSGABE: 23 Italien Die neue Angst VON BIRGIT SCHÖNAU 52 Kulturpolitik 60 Jahre Goethe-Institut – eine Weltreise VON THOMAS E.zeit. die Firma Tepco. SPIEWAK Ein Plädoyer für die Reform akademischer Qualitätsprüfungen VON PETER GAEHTGENS 63 Windrad Bayern bläst zu einem ungewöhnlichen Gipfelsturm VON WOLF ALEXANDER HANISCH DOSSIER Foto: Deniz Saylan für DZ 64 Lesezeichen 65 Athen Auf dem Hausberg Párnitha suchen Wanderer Ruhe und Spieler ihr Glück VON HANS W. V. dem kostenlosen Newsletter www. den Meisterkoch Teil 8 VON ELISABETH VON THADDEN Harald Wohlfahrt? Gelehrtenrepublik Deutschland: Zu Besuch bei den originellsten Wissenschaftlern der neuen Generation Alfred Grosser. dem Chef von RWE VON STEFAN WILLEKE 17 Frauenfußball-WM 2011 38 Grafik Wie hat sich die Nutzung der Medien seit 1970 verändert? 39 Pharmazie Besser verträgliche Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft – ein Stimmungs. Wie geht es den Menschen dort jetzt? Eine Bestandsaufnahme www. Spielpläne (Seite 58).« Luchs des Monats: Kate de Goldis »Abends um zehn« VON S. Die meisten der Anlagen belasten die Umwelt mehr. KEMPER UND O. HENNIG 20 Krieg für Menschenrechte? Gespräch mit Geraldine Chaplin Literatur Der Wettbewerb in 71 Eine Debatte mit Tradition VON DANIEL SCHULZ Kita Eine Erzieherin und eine Landwirtin betreuen Kinder auf ihrem Bauernhof VON JULIA NOLTE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www.radioeins. dann ein Tsunami den Nordosten des Landes überrollte. Unterstützung erhalten sie kaum VON PETRA HEMMELMANN VON M. ROHWETTER 32 Chinesen Wie solide sind Baden-Baden über den guten Geschmack VON W. wie ein verpasstes Treffen ihm das Leben rettete Von der Schönheit des Welkens: Michael Weselys Blumenbilder zeigen. JULI 2011 58 5 Gehetzt und beobachtet.8 MHz) und www.de Foto: Andri Pol Christian Pfeiffer wird den Missbrauch in der katholischen Kirche untersuchen VON CHRISTIANE FLORIN 33 Forum Helft nicht einfach so! VON HANS-WERNER SINN 60 GLAU BE N & ZW EIFELN Fantasy Der letzte Harry-Potter- . wie die Zeit vergeht 10 Zeitgeist VON JOSEF JOFFE Hungersnot in Somalia WISSEN 35 Energie Viele Biogasanlagen REISEN 61 Montreux Vor 40 Jahren machte Selbst schuld? Von wegen VON FRANK DRIESCHNER belasten die Umwelt Internet »Wiki-Watch« schädigt der Song »Smoke On The Water« den Badeort weltbekannt VON RALPH GEISENHANSLÜKE 11 Parteien Sind besser als ihr Ruf! VON KARL-RUDOLF KORTE den Ruf der Viadrina 37 Plagiate Jura-Professor 62 Hoteltest Ein neues Sofitel Widerspruch Peer Steinbrück ist überragt das barocke Wien VON TOMAS NIEDERBERGHAUS der falsche Kanzlerkandidat VON MORITZ HEISER Wolfgang Löwer kritisiert das Promotionsrecht VON M. ASSHEUER 8 Libyen Beginnt die Schlacht Stuttgart 21 Die Bahn macht um Tripolis? Aus der Welt 9 sich unglaubwürdig teuer VON K. HEIKE BUCHTER UND MARK SCHIERITZ Orten des postmigrantischen Theaters VON KILIAN TROTIER 49 Roman Martin Walser »Mutter- Worte der Woche Stimmt’s?/Erforscht & erfunden Früher informiert! 28 Macher und Märkte 48 Impressum 49 Gedicht/Wir raten zu 50 Hörbuch 59 Biostrom. Wer dort ein Menü genießen will. Museen und Galerien (Seite 55). Aber normal war dieses Mal eben einiges nicht mehr... erzählt. Neue Investoren finden: So etwas schüttelt der Mann normalerweise aus dem Handgelenk. Ein Interview mit Ralph Fiennes über seine Rolle als Voldemort und über das absolute Böse Das Beste zuletzt »Harry Potter«. Bildungsangebote und Stellenmarkt (ab Seite 70) Klagenfurt VON MARIE SCHMIDT 88 ZEIT DE R LESE R 47 Zeitgeist Über das schnelle WIRTSCHAFT 21 Euro Angriff auf die 48 Vergessen unserer Tage VON MORITZ RINKE RUBRIKEN 2 42 Bühne Eine Reise zu zentralen Gemeinschaftswährung VON MARC BROST. ULLRICH Nachruf Zum Tode des Malers Aktien aus der Volksrepublik? VON HEIKE BUCHTER 7 Cy Twombly VON T.de/brief Gasprom Dürfen die Russen sohn« VON ADAM SOBOCZYNSKI RWE kaufen? VON CHRISTIAN TENBROCK 50 Politisches Buch Timothy Immer mehr Landwirte satteln um und erzeugen auf ihren Höfen Strom aus Mais oder Gülle.zeit. dass in Japan erst die Erde bebte. HAMM Vereinsmeierei Neudeutsche 44 Kinder. vor allem wenn dabei auch gut gegessen wird. steht seit Jahren für eine Küche auf Drei-Sterne-Niveau.zeit. M. erlaubte dem Deutschen nicht.und ein Taktik-Fazit VON A. Politik zwischen Twitter und YouTube VON TINA HILDEBRANDT Gesellschaft Die Affäre Strauss-Kahn als Triumph des bürgerlichen Tugendideals VON BARBARA VINKEN nah 6 Der letzte Saurier Eine gute Show hinlegen für Fondsmanager.de/audio Anzeigen in dieser Ausgabe Link-Tipps (Seite 42). Ein Gespräch mit dem besten Koch Deutschlands über Führung. 13 Versagt das Recht im Netz? Ein Interview mit dem Medienanwalt Christian Schertz Aufklärung Der Kriminologe 31 Frauenquote Wirbel bei SAP 59 Kunst Eine Ausstellung in und Telekom VON M. Der Betreiber des Atomkraftwerks von Fukushima. Deutsche Außenpolitik Berlins Verbündete sind entgeistert VON MATTHIAS NASS 34 Was bewegt . Thackeray Wörterbericht/Finis ZEIT-Scrabble-Sommer (2) aus aller Welt VON THOMAS FISCHERMANN »Das Buch der Snobs« VON MANFRED SCHWARZ 87 LESER BR IE F E Das Wochenmagazin von radioeins und der ZEIT. die Anlage zu besichtigen. der Perfektionist. GASCHKE Jugendroman »Das Geheimnis 68 Ehrenamt Soziales Engagement von Schülern kann prägend sein 69 Leistungssport und Studium Sie blicken nach vorn Vier Monate ist es her. FRITSCH Medikamente gegen Schlaganfall VON JUTTA HOFFRITZ 66 Leipziger Zoo 42 Archäologie Eine Schnecke Die neue Tropenhalle »Kochen ist Entbehrung« Sein Reich ist die »Schwarzwaldstube« in Tonbach. JUNGCLAUSSEN 29 14. SCHMIDT Großbritannien Der Pakt mit dem Presseteufel VON REINER LUYKEN 24 Finanzmärkte Bundesbank-Chef Jens Weidmann im Interview 28 Deutsche Bank Ein Inder 54 China Der Dissident 3 Kanzlerin Schweigsam Warum erklärt Angela Merkel ihre Politik nicht? VON MATTHIAS GEIS 4 Die digitalen Häscher Wer rückt an die Spitze VON MARK Liao Yiwu erzählt von seinen Jahren im Gefängnis 55 ZEIT-Museumsführer SCHIERITZ UND ARNE STORN 29 EU Haushaltskommissar Janusz Das Gleimhaus in Halberstadt VON BENEDIKT ERENZ sind die Plagiatsjäger? Ein Besuch VON KHUÊ PHAM Lewandowski will eine Billion Euro für Brüssel – ein Gespräch 30 Murdoch Wer erbt das umstrittene Medien-Imperium? VON JOHN F. in den USA gefördert VON NIKLAS SCHENCK Sponsoring in der Schule Endlager der Habsburger VON JOACHIM RIEDL FEUILLETON 45 Kino Vaters Tochter – ein Ab wann ist es Werbung? VON LEONIE ACHTNICH Zeitmaschine VON KLAUS J. nein danke! VON HANS SCHUH Die aktuellen Themen der ZEIT schon am Mittwoch im ZEIT-Brief. SCHMIDT-HÄUER Riestern Bürokratisch und oft zu VON RÜDIGER JUNGBLUTH Film kommt in die Kinos. Dem Atommanager war es womöglich ganz recht DOSSIER S. KORFMANN Foto: Kazuhiro Nogi/AFP/Getty Images 13 Atomenergie Eine Japanreise mit Jürgen Großmann. als sie ihr nutzen: Sie schädigen das Klima und zerstören die Artenvielfalt WISSEN SEITE 35 Snyder »Bloodlands« VON JÖRG BABEROWSKI »EINE STUNDE ZEIT« Google Elegante Lobbyarbeit 22 Konjunktur Gefahren drohen 51 Klassiker W.

Juni die Hauptversammlung für seine Aktionäre im Ballsaal eines Hotels in Tokyo ab. groß und Mann.« Der RWE-Chef möchte den Japanern ein Atomkraftwerk abkaufen Großmann ist 59 Jahre alt. und Jürgen Großmann muss sich hetzen. fragte Großmann. neues Geld zu heben. dass ihn das Management der japanischen Firma Tepco. Es wird erwartet. und um acht ist er mit einem japanischen Geschäftsmann im Restaurant Yamazato zum Frühstück verabredet. Investoren. Warten bedeutet. Selten hatte er so viel freie Zeit an einem RWE-Montag. seinen Einfluss in Europa zu verstärken: Miller traf vergangene Woche nicht nur Großmann. bloß weil ein paar Idioten am Hotelempfang die Uhr nicht lesen können. Der Minister hatte Großmann vor der Tür warten lassen. Großmanns Reich. sagt er mürrisch. dass ein anderer über die eigene Zeit bestimmt. 50 Mal war er schon hier. der sich für Atommeiler interessiert. Er blickte auf die begrünten Schallschutzmauern neben der Autobahn und schwärmte davon. wo er für zwei Mark ein sterbendes Stahlwerk kaufte. von dem Deutschland schon 32 Prozent seines Gases bezieht. Als er vor vier Jahren an die Spitze des komplizierten Großunternehmens RWE wechselte. Eine Verbindung zwischen RWE und Gasprom »müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen«. es zum Menschen zu bringen. Bei einer Roadshow geht es darum. in das Land der Atomkatastrophe führt. Sie haben es vermasselt. antwortete Großmann. einen erwachsenen Sohn. nach einer RWE-Präsentation vor japanischen Fondsmanagern Der letzte Saurier Was will ein deutscher Atommanager im Land der Atomkatastrophe? Eine Reise nach Japan mit Jürgen Großmann. Ihm wurde abgesagt. sich mit dem Japaner zu treffen. der sich in den Kopf gesetzt hätte. das machen Vorstandschefs von Aktiengesellschaften öfter. Allerdings ist der Einstieg der Russen in Deutschland – unabhängig von kartellrechtlichen Gründen – längst nicht ausgemacht. ruft Jürgen Großmann in die Hotellobby in Tokyo und eilt nach dem Frühstück in sein Zimmer. »Das lohnt sich nicht. der Japaner wartet. Um eine weitreichende Verknüpfung der beiden Konzerne sei es gegangen. empfangen werde. Gasprom lockt Von wegen Geheimtreffen! Weil sie weder in Deutschland noch in Russland zusammen gesehen werden wollten. Aber der Tag seiner Ankunft in Japan ist leer geblieben. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 Berlin-Wahl: Die Kreuzberger Kandidaten der großen Parteien S. Der Abend in der Hotelbar war lang. müsse schon einen Teil des Risikos übernehmen. Die Geschichte des Unternehmers Großmann begann 1993 in dem Industriedorf Georgsmarienhütte in der Nähe von Osnabrück. »er hat einen bestialischen Job. vergangenen Freitag in Paris getroffen. werden Sie sich von der Lage im Katastrophengebiet ein Bild machen? »Ich habe bei Tepco um eine Erlaubnis gebeten. Großmann ist dort Vorstandschef. Sogar als langfristiger Großaktionär komme Gasprom in Betracht. Schon jetzt liefert Gasprom 32 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs. In Paris wurde er außerdem von den Chefs der französischen Energiegiganten GDF Suez und EDF empfangen. Warten heißt: sich unterordnen. Sie würden sich vor Fukushima nicht drücken. ein Zwei-Sterne-Restaurant in Osnabrück. die man immer schon von Weitem hört. in einem Haus in Hamburg. blieb er freundlich. das ihm der Japaner hier anbietet. Die Karriere des Jürgen Großmann war eine fantastische Geschichte. dass die Welt ihn weiterhin braucht. Alexej Miller (Foto unten). weit über strittige Gaslieferverträge hinaus. sie reden ihre Aktien schön. ihn rechtzeitig zu wecken.« Danach war das Gespräch schnell beendet. Ein Atom- manager aus dem Land des Atomausstiegs. es gibt Städte außerhalb der evakuierten Zone. als das Wort Fukushima fiel. das klang nicht unbedingt nach einer überzeugenden Vorstellung. nicht auf die Feiglinge in der deutschen Industrie. vor übertriebener Eile. Auf einem Bild sind Großmann und Miller samt Begleiter am Tisch in einem tristen Hinterzimmer zu sehen. Man kann darin die Standhaftigkeit eines prinzipienfesten Managers sehen. Nach Informationen der »Süddeutschen Zeitung« sei aus RWE-Sicht eine strategische Beteiligung Gasproms an RWE oder an Konzerntöchtern denkbar. Von den Arbeitern wird er bis heute vergöttert. Röttgen und Großmann sprachen noch miteinander. dem Chef des Energiekonzerns RWE VON STEFAN WILLEKE J ürgen Großmann könnte an diesem Morgen ein japanisches Atomkraftwerk kaufen. 14 Fotos: Androniki Christodoulou/Agentur Focus für DIE ZEIT (o. ein Unterhändler mit einem Atomkraftwerk. Sie sehen in seinem Erfolg auch ihren. Großmann besitzt ein Weingut in Australien. außerdem Zugriff auf das strategisch wichtige Leitungssystem von RWE. die ihn jetzt. eines in London. ein Hotel in der Schweiz. der Liberty Valance erschoss. Aber da ist nichts zu sehen. er wolle sich im Hotel unbedingt noch massieren lassen. Mit einem Einstieg bei dem deutschen Stromriesen bekäme der russische Konzern. weil er es liebt. vertiefte sich nicht in Papiere. Es ist acht Uhr. der auf ihn wartete. »Perspektiven der Kooperation« habe man diskutiert. Aber der Weckruf kam nicht. Das änderte sich. Jürgen Großmann liebt Roadshows. nicht einmal mehr auf die japanische Rezeption –. ein Haus am Tegernsee. Was er nicht sagt.und herzuschieben. Auf nichts kann er sich noch verlassen – nicht auf die Feiglinge in der deutschen Politik. das wäre eine Idee. Gäbe es irgendwo auf der Welt einen Grizzly. Der Japaner weiß: Sollte es in Deutschland noch einen Menschen geben. Lücken im Kalender zu suchen. sondern schaute sich einen alten Western mit James Stewart an. die über den Hotelflur donnert. Er trägt eine graue Anzughose zum blauen Jackett. gleich werden die Gespräche mit anderen japanischen Investoren beginnen. das war Großmanns Plan. Jürgen Großmann stemmte sich gegen einen schnellen Atomausstieg.« Bei einem Podiumsgespräch in Düsseldorf haben Sie vor Hunderten Zuschauern Ihre anstehende Reise nach Japan erwähnt und behauptet. Großmann will seinen Konzern umbauen und sucht finanzstarke Partner. Aber auch über diese Geschichte schiebt sich schon wieder eine neue.« Man kann zum Beispiel in die Stadt Iwaki fahren. die das Atomkraftwerk in Fukushima betreibt. er warnte vor einem Blackout.« Man müsste ja nicht nach Fukushima fahren. dass Japan das Reich des Funktionierens sei. Großmann konnte nicht begreifen. Es gibt eine Wohnung in Mülheim an der Ruhr. Seine Dominanz auf dem deutschen Gasmarkt würde weiter wachsen. und die Angestellten an der Rezeption hatten versprochen. Vor ein paar Monaten hatte der Asiate mit Großmann einen Termin in Deutschland vereinbart. und er zerlegte in diesem Kleinbus seinen Namen auf Japanisch in zwei Teile. eine Viertelstunde. Andreas Mundt. die Anlage in Fukushima besichtigen zu dürfen«. »Ich bin nicht gut«.« – »Jürgen muss auf sich aufpassen«. der Firmenchef blieb deshalb in Tokyo. Und Gasprom will mehr als nur Erdgas nach Deutschland liefern. »Ich weiß. Aber als Großmann aus dem Restaurant kommt. Aber auch den Starrsinn eines Verblendeten. eines in Frankreich. Etwas Erstaunliches ist geschehen: Jürgen Großmann hat keine Termine. ein Sieg der Selbstgewissheit über den kleinen Glauben. haben abgesagt.« Die britische Regierung. Danach war er bereit für ein Gespräch. schiebt sich ein 2. Das ist das Problem.« Waren Sie denn in diesem Jahr schon in Japan? »Nein. Die RWEAktie ist abgestürzt. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin ist auch dorthin gefahren. Er übernahm einen Berg Schulden. »Was soll ich da?«.WOCHENSCHAU DOSSIER 14. Die neue Geschichte handelt von einem Grizzly. das hat der Japaner durchblicken las- sen. Für Großmann war es ein Signal. Nach der Bundestagswahl im September 2009 wollte Großmann den neuen Umweltminister Norbert Röttgen von der CDU kennenlernen. Beim nächsten Treffen würde er den Japaner dafür strafen und ihn warten lassen. »ich kann dir nicht mehr helfen. aber er schläft noch. Doch noch am selben Tag machte Gasprom das Treffen auf seiner Internetseite publik. Mit Risiko ist die große Investition gemeint. ist. das Risiko der Kernspaltung erwähnt Großmann nicht. 18 GESCHICHTE Krieg für die Menschenrechte? Eine Debatte mit Tradition S. der Chef des Energiekonzerns RWE. Wegen Fukushima. Er drohte der Bundesregierung mit Klagen und zog vor Gericht. Denn Deutschland hat ihn über Nacht ins Museum gestellt. sagt er. er fuhr nach Berlin. wenn ihn jemand warten lässt. Schauen. 20 13 Jürgen Großmann in einem Büroturm in Tokyo. seit 26 Jahren verheiratet. und Großmann ärgerte sich. sagt er: »Die wollen nicht ins Risiko gehen.on-Chef Johannes Teyssen. Er lebt mit seiner Frau Dagmar Sikorski. Sie treffen Fondsmanager und Analysten. wie das Geschäft läuft«. »Da gibt es nichts zu sehen. Trittin hat mit Menschen gesprochen. das für Gabel. Die japanische Regierung wollte Krisengespräche führen. aber keine bekommen. auf der Stirn sammeln sich Schweißperlen.) . dann sähe er aus wie Jürgen Großmann. Fortsetzung auf S. ließ sich nach Tokyo bringen und erzählte von diesem faszinierenden Land. »Nein. Die anderen Männer der deutschen Atomindustrie wurden kleiner und leiser. Großmann ist für eine Roadshow nach Japan gereist. die auf ihn neugierig waren. hängt auch von dieser Geschäftsreise ab. dass vieles hier anders läuft.). hat ihm ein anderer Freund gesagt. aber noch immer auf die Gewalt seiner Stimme. wo RWE Geschäfte macht. DZ Ins Katastrophengebiet will Großmann nicht fahren – »was soll ich da?« Herr Großmann. das Geld der anderen. die er in der Fabrik unterstellte. am Rande der evakuierten Zone. sein Vermögen wird auf 1. Großmanns Gesicht ist gerötet. aber es wurde der Auftakt zu einer Serie von Konflikten. es wird Viertel vor neun. dass ihn jemand bloß wegen Fukushima versetzt hatte. Es war die Story vom Amerikanischen Traum in der bundesdeutschen Republik. Tepco hält an diesem 28. Sie neiden ihm nicht einmal die Sammlung teurer Oldtimer. so war zu lesen. Damals schien noch alles offen. hätten sich RWE-Chef Jürgen Großmann und der Chef des russischen Energiekonzerns Gasprom. für Großmann ist keine Zeit. in der Eile hat er nichts Passenderes gefunden. Die deutschen Wettbewerbshüter reagierten alarmiert. als er Japan besuchte. aber all das ist nicht mehr entscheidend. Er scherzte. Es wird halb neun. »Ich habe mich ja um eine Erlaubnis bemüht. In Deutschland beschäftigt Großmann eine kleine Schar von Sekretärinnen damit. aber der Deutsche lässt sich nicht blicken. dass er sich nicht beeindrucken lässt vom deutschen Atomausstieg. »Einen Moment noch!«.« – »Jürgen«. die in Notlagern leben. er müsse noch schlafen. aber auch der Freund konnte nichts für ihn tun. sagte der Präsident des Bundeskartellamts. Noch vor wenigen Wochen hatte er keinen Zweifel daran. die Verabredung dann aber platzen lassen. das er mit sich herumschleppt. um die Folgen des erzwungenen Ausstiegs aus der Atomenergie besser verkraften zu können. wie es dort aussieht. heißt es dazu. seine Termine hin. Will Großmann das Kernkraftwerk nicht mehr? Hat er es sich anders überlegt? Endlich. RWE einen weiteren. Wie seine Geschichte weitergehen wird. begann eine neue Geschichte. Bleibt die Frage: Soll er zum Frühstück noch ein Atomkraftwerk schlucken? In England. Ein langjähriger Freund in Deutschland hat über ihn gesagt: »Jürgen ist inzwischen der meistgehasste Mensch. dass er das Spiel noch nicht verloren hat. als er gehofft hat. Den Aufsichtsratschef von Tepco nennt Großmann einen Freund. Menschen etwas zu verkaufen. mit einer Stunde Verspätung. Gasprom hat viele Optionen. Der Mann. er lachte. Er braucht einen frischen Anzug. Alexander Zemlianichenko/Bloomberg/Getty Images (u. So saß er in der First Class des LufthansaFluges LH 710 nach Tokyo. Solange es um James Stewart ging. setzte sich Großmann in den Kleinbus. »aber keine Erlaubnis bekommen. er hat zwei erwachsene Töchter. »Noch drei Fragen«. hat sein Bruder über ihn gesagt. Im März dieses Jahres ereignete sich im japanischen Kernkraftwerk in Fukushima der schlimmste Atomunfall seit Tschernobyl und versetzte Deutschland in Angst. er schnauft. »verdammt. Großmann hasst es.4 Milliarden Euro geschätzt. mindestens. Beim Gehen hält er sich am Treppengeländer fest. ich bin nicht gut!« Er sagt es mit dieser bedrohlich tiefen Stimme. dann ist es Jürgen Großmann. der in die Manege musste. Er könnte allen beweisen. dass er sich fügt. wechselhaft und voller Widerstände. nur Jürgen Großmann behielt seine Stimme. Jetzt steht der wichtigste Termin der dreitägigen Reise nach Japan an. Es hätte ein harmloses Treffen werden können.« Man kann auf der Küstenstraße mit dem Auto Richtung Norden fahren. die einen Musikverlag besitzt und finanziell unabhängig ist. schließlich unhörbar. Als die Maschine in Japan gelandet war. Hysterie. sagte Großmann barsch. Ende Juni. könnte er das Kraftwerk aufstellen lassen. sondern auch E. eine Wette gegen die Wahrscheinlichkeit. Schon länger hatte er vor. die den Südflügel des Hotels Okura in Tokyo mit dem Hauptgebäude verbindet. Er sagte. schuf aus dem Nichts ein Reich aus Fabriken. überwand die Krise. Großmann kennt das japanische Wort für Messer.04 Meter großer Riese die Stufen der Treppe hinunter.

wirft er sich in Pose. um sich einen Helikopter zu leihen. Jürgen Großmann sitzt da und lacht. Der Jürgen hat für ein Fest auf Sardinien ein ganzes Hotel gemietet. Sie könnten einen Teil dieses Geldes in RWE investieren. Fuhr der kleine Jürgen mit seiner Mama zum Bahnhof in Mülheim. die Entenbrust ist sein Konkurrent. etwas zu tun. und Großmann muss jetzt Deutschland sein. die über sein Stahlreich wacht. Plötzlich kündigte Großmann im Vorstand. als sein Lachen abgeklungen ist. antwortete Großmann. überall sei RWE stark. Er rieb sich auf. Die meisten von ihnen verbergen ihr Leben hinter Zahlen und Tabellen.« Jürgen Großmann saß in einem Sessellift im Skigebiet von Arosa. Mit Alexej Miller. der in einer Bochumer Fabrik als Wirtschaftsprüfer arbeitete. Als die Fotografin ihm das erste Mal in Tokyo begegnete und ihn auf eine Fahrt nach Norden ansprach. Was er einmal gelernt hatte. big picture. und telefonierte sechs Stunden lang. Von den Schäden in Japan sagte er nichts. So reden seine Bewunderer über ihn. dass er ihr ein Stück Butter vor die Tür legte. sagte der Chauffeur. Eine herrliche Anekdote. Wollte seine Mutter die Anziehungskraft ihres Sohnes Jürgen erklären. Er sagte damals: »Es gibt noch keine Toten durch Fukushima. AFP/Getty Images (v. Das Foto wurde zum Symbol für die Übermacht der Wirtschaft. und Großmann ruft lachend durchs Lokal: »Ich bin Brad Pitt. der Chef der Sparte Kraftwerke im Konzern. März 1952 zwischen acht und neun Uhr in Mülheim an der Ruhr. richtete er sich auf und sprach darüber. zum Beispiel um ein Stahlwerk zu retten. Manager aus der Stahlindustrie haben sich um einen Tisch versammelt. ist dort plötzlich verschwunden und Stunden später mit einem frisch geschossenen Rehbock zurückgekehrt. die ihn verachten. Der Jürgen würde mit einem Fallschirm über dem Kühlbecken von Fukushima abspringen. bis ganz nach oben. wurde der Jüngste im Vorstand. unter Umständen.5 Gramm. das Hollywood-Schauspieler besuchen. das ist die Faustformel der Branche. das er für zwei Mark aufkaufte und sanierte Mit Kanzler Gerhard Schröder 2005 bei der Büroeröffnung der Georgsmarienhütte Holding in Hamburg Mit Jürgen Rüttgers (M. habe seine Frau ihn damals. Großmanns Vater. »Ich war nicht erfolgreich«. Er umschwärmt einen jungen Manager. »willst du kommen?« Sie hatte keine Zeit. Steffi Loos/dapd. Es ging um viel Geld. der ehemalige Bundeskanzler. abgegriffenes Nokia-Handy. das ist es. hört er das Wummern des Elektroofens. Es ist ein Geräusch. Also habe der Jürgen den Kameramann die unzähligen Stufen des Fabrikschlots hochgetrieben. der Georgsmarienhütte. Jetzt hat er das Stahlwerk und 48 weitere Firmen. Er strahlte die Zuversicht aus. kam auch sein Freund Gerhard Schröder. Manchmal fährt er zu seiner Georgsmarienhütte. den sogenannten Dino des Naturschutzbundes. Jeden Tag kommen Firmenbosse und erzählen ihnen Geschichten. gefragt. wollte die Mutter dadurch erobern. mindestens.« Er drehte sich weg. dann sprach er von seinem Abiturjahrgang. Oktober 2010 sah es so aus. Er ist jetzt froh. Er hatte sich vorgenommen. Er fing im Stahlkonzern Klöckner an. aber Jürgens Firma habe damals nicht genügend Geld gehabt. sich vor die Fensterfront hoch über Tokyo zu stellen. dass eine seiner beiden Herzkammern nicht mehr mitmachte. Man muss ihn nicht fragen.« Das waren seltsam düstere Gedanken für einen Mann. die ihn auf der RWE-Hauptversammlung als einen bedrängten Mann zeigten. Bei ihm ging es immer um Energie. dass er ihr die Bilder abkaufen werde. Am 28.« Dicker Pinsel. sagte er. Es war halb zwölf.) brecht von BASF und Gerhard Cromme von ThyssenKrupp. das wird er noch öfter in Japan sagen.l. sagt Großmann. die wie Funken stieben. Großmann muss sich jetzt gegen den Salat durchsetzen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 DOSSIER Der RWE-Chef in Tokyo. Großmann steckte in der Defensive. Er wird gefragt. entgegnete der Journalist und bedankte sich.« Der Jürgen. Schily. »ich wollte Fukushima besuchen. »Wenn ich auf eine einsame Insel nur eine Frau mitnehmen dürfte. »Die politische Situation«. zu der lauter Gäste eingeladen waren. der Künstler Markus Lüpertz. die Überschrift lautete: No one listens to Jürgen Grossmann. sagte Großmann damals beim Essen in Hamburg. er sagt zu ihr: »I like you. nach einem Tagesausklang wie ein Feuerwerk.« Ein schwülwarmer Tag in Tokyo ist angebrochen. Er ließ sich in dieser Lage sogar von einem Journalisten aus der Nähe beobachten. was wohl kein anderer Chef einer Aktiengesellschaft wagen würde. Morgen ruft sie dich an. zusammen mit leitenden Angestellten. Er war sich schon sicher. Niemand hört auf Jürgen Großmann. und er fragt nebenher nach dem Einfluss des Tsunamis auf das japanische Nationaleinkommen. hat er bis zum Hauptbahnhof 50 neue Freunde. Am Abend ist Großmann mit japanischen Freunden in einem Restaurant verabredet.« Die Japaner lächeln höflich und wenden sich ihren Tellern zu. terer Versuch. der in der Bundestagsfraktion Stimmung gegen den atomkritischen Umweltminister Röttgen machte.« Er nennt die Türkei. jedes einzelne. Schon als Kind bewunderte Jürgen Großmann die Macht einer Turbine. habe ihn ein Redakteur der Bild-Zeitung angerufen und ihm berichtet: »Ich habe es Merkel gesagt. Der Jürgen hat seine Vorstandskollegen bei RWE zu einer Sitzung in seine Jagdhütte bei Kevelaer eingeladen. der Beste in seiner Jahrgangsstufe. aber ich habe keine Erlaubnis bekommen. als habe Großmann gewonnen.« Es wurde dann tatsächlich ein Großmann-Event. sagt er in die Runde und versucht es mit einem Scherz. fragte der Journalist. aber er verschanzte sich nicht. er war unabhängig. Gegen eins in einer Nacht Ende Juli vergangenen Jahres. als wolle er seine eigene Laufzeit verlängern. »haben Sie die Regierung gefragt?« Zur Silberhochzeit kamen Schröder. das durch kein Schild den Chef verrät. Die Zuhörer blicken von den Salattellern auf. Am Ende unterzeichneten viele seiner treuen Weggefährten das Papier. Später schaute er sie prüfend von der Seite an. Robert Schlesinger/lbn/dpa. habe einen Film über die Fabrik drehen wollen.14 14. »Akzeptieren Sie diesen Atomausstieg der deutschen Regierung?«. findet er Gefallen an der Kulisse. Jürgen Großmann war plötzlich das. als aussterbende Gattung.r. Nach dem Essen fuhr ihn ein Chauffeur zum Gebäude der Firma. Es schien. Aber dann.) und Karl-Theodor zu Guttenberg 2009 vor dem Kohlekraftwerk Niederaußem in NRW Großmann und DaimlerChef Dieter Zetsche 2009 an einer RWEStromladestation für Elektro-Smarts in Berlin Kanzlerin Angela Merkel und Jürgen Großmann 2010 zu Besuch im RWE-Atomkraftwerk Emsland in Lingen kl. vor vier Jahren. aber Großmann sah das nicht ein. dem Chef des russischen Imperiums Gasprom. So geht er mit Frauen um. dass in Deutschland das Licht ausgeht? Großmann stellte diese Fragen öffentlich. wann die Mitte des Lebens überschritten wurde.« Er mag sie. die Slowakei. der zu immer präziseren Fragen ausholt. »Warum willst du zu RWE?«. sagt er. Und an einem Bergsee wurde Champagner serviert. Es ist schon ein Erfolg. dass er gleich einen Schmähpreis kriegen würde. die Show gehört jetzt ihm. die deutsche Atomkraft zu verteidigen. vielleicht. übernachtet in einer Wohnung auf dem Gelände der Fabrik. Politik war eine Verabredung zwischen mächtigen Männern. »200 Meter. trafen die Fernsehbilder aus Fukushima ein. erzählt einer der Manager. wenn es eine gute Show wäre. Zetsche und der Maler Lüpertz »Ich habe es über Tepco probiert«. wir akzeptieren das nicht. Großmann nickte und schüttelte ihm die Hand. das ihm gehört. den Urlaub abzubrechen. womit niemand rechnete: den Dino-Preis persönlich entgegenzunehmen. Der Fahrstuhl bringt ihn in die 27. großes Bild. weil er sein Glück in einer dreckigen Hütte finden wollte. aber davon spürte er zunächst nichts. »Ist es deine Ego-Show?« »Ja. »Nein«. Ein Bekannter riet ihm. erleuchtet von den Öfen der Stahlindustrie. auf dem Weg zu Geschäftsterminen. Der Tag hat sich in ihn verliebt. Aber Großmann war guter Dinge. Er berichtet so detailgenau. Großmann dachte sich einen energiepolitischen Appell aus. Ralph Orlowski/Getty Images. 13 Am späten Nachmittag tauchte ein japanischer Zeitungsjournalist in der Hotellobby auf. enormen finanziellen Schäden. Ein Stimmenwirrwarr. und wenn er nachts wach wird. alles ist jetzt anders. Damals musste er ins Krankenhaus. Der Ausstieg aus der Atomenergie überzeugte ihn nicht. Drei Monate ist es jetzt her. Chef der Deutschen Bank. als ihn am 11. ist Großmann nicht mehr zu bremsen. dann wäre das nicht Frau Merkel. nur hundert Kilo schwerer!« Anschließend verspricht er der Fotografin. als er 750 000 Mark im Jahr verdiente und einen Mercedes fuhr. »Ihre Fragen sind besser als meine Antworten. und er strengte sich dafür nicht an. eine Solidaritätsadresse für die Kernenergie. einem zierlichen Gartenrotschwanz. zu einem Geschäftsessen mit japanischen Fondsmanagern. Man fragt sich in solchen Momenten: Was kann diesen Mann bloß davon abhalten. daneben einen Artikel aus dem britischen Magazin Economist. seine Freunde aus der Industrie waren verstummt. an. und Großmann beruhigte sich. er war besorgt. sagte er. die Laufzeiten für die 17 deutschen Kernkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre zu verlängern. »Werden Sie in Japan Minister treffen?«. Hinterher sagt er: »Big brush. Er hat seine Kindheit konserviert. Er war 39. die in Berlin studiert. ein unabsehbarer Prozess. habe er geantwortet. 120. erzählt der japanische Manager. dass das Leben auf seiner Seite sei. »15 Prozent sind schon tot. dass die Fotografin da ist. Das ist jedenfalls Großmanns Version der Dinge. habe er neulich telefoniert. das für seine erstklassigen Rindersteaks bekannt ist. März die Nachricht aus Fukushima erreichte. Und Großmann hebt an zu einem Rundflug über seine Welt. nein. Großmann hat die Gießerei in Mülheim. dessen Vater im RWE-Vorstand war. Er hat sich in den Mittelpunkt geschraubt. ihn in dem unauffälligen VW-Bus mit den getönten Scheiben zu den Naturschützern zu bringen. Es blieben ohnehin nur noch wenige Tage. März. Später würde er einmal sagen. das diese Menschen zu verteilen haben. Gerd Jäger war in der Leitung. keine Fotos von mir in Japan. Wenn Jürgen sich in eine Straßenbahn setzt. Jürgen Großmann umgarnte Merkel und kämpfte gegen Röttgen. Otto Schily. so erinnert sich Großmann daran. Großmann erzählt von seiner Geburt am 4. Erfolgreiche Politik. Fotos: Walter Schmidt/Novum. dass er das Angebot annahm. Großmann steht da wie ein Denkmal. Der Journalist legte sein Diktiergerät auf den Tisch vor Großmann. dass kein Tag sein Leben so sehr verändert habe wie dieser 11.« Großmann lacht. 160 Meter hoch. Fuchs sprach auch mit der Kanzlerin. Großmann lobt ihn wie einen Musterschüler. alle sind erschienen. Seine Frau Dagmar versorgte ihn mit Nachrichten aus dem iPad. Auf einem der Bilder stand die Kanzlerin klein und zerbrechlich vor dem gewaltigen Großmann. Ein abgeschriebenes Atomkraftwerk wirft jeden Tag rund eine Million Euro ab. das waren für ihn die Deals. Am Abend. fand Großmann. 18 von 21 Abiturienten lebten noch. Der Kampf um die Verlängerung der Laufzeiten für Deutschlands Atomkraftwerke hatte ihm so zugesetzt. dass er als Sieger hervorgehen würde aus dieser Preisverleihung. der als Soldat aus dem Krieg heimkehrte. »Die Apokalypse hat nicht stattgefunden«. Daimler-Chef Dieter Zetsche. Aber daraus. stieg der Jürgen auf einen Fabrikschlot in Japan. fragte der Journalist auf Englisch. Großmann schätzt das Vermögen. schrieb seine Diplomarbeit in Rio de Janeiro. Etage. Als Vorspeise wird Entenbrustsalat gereicht. Den Tag der Butter feierte die Familie später jedes Jahr mit einem Essen in einem Restaurant. hat niemand eine Schlagzeile gebaut. Er genießt ihre Aufmerksamkeit. in Richtung Fukushima. Industriebosse wie Jürgen Ham- In Georgsmarienhütte ist Großmann ein Arbeiterheld Er versuchte. er muss jetzt die Blicke fangen. Großmann hatte sein Herz vergeblich riskiert. was in ihm arbeitete. auch der Fußballmanager Oliver Bierhoff. die lauter fauchen konnte als er selbst. um den deutschen Konzernchef zu interviewen. als Jürgen Großmann den Turm der Deutschen Bank betritt. »bloß nicht provozieren. Sie war dagegen. eine Ego-Show«. Jürgen Großmann selbst nahm sein altes. sagte Großmann. um nichts Geringeres als die Energie dieses Planeten sei es gegangen. Nicht über die Regierung. beim Handstand mussten ihn zwei. erwidert Großmann. er war kein Frontmann der Kernenergie. Es ist gut. die ihm am Strand hinterherliefen wie einem Sektenführer. Er rief seinen Freund. indem er sie gekauft hat. Großmann hält das nicht aus. so genau kann sich Großmann an den Anruf nicht erinnern. irgendetwas musste ihn bewegen. schon als Junge sein Ziel gewesen. »Mit anderen Worten«. Großmann hörte sich den Bericht an. Er fragte den Anrufer: Was genau ist in Japan geschehen? Und was heißt das für die deutsche Diskussion? Später fuhr er zurück in das Arosa Kulm Hotel. Ein ganzes Land ringt um kleinliche Kompromisse. und die Runde johlt vor Entzücken. wenn sie in Tokyo zu tun haben. Nur im Sportunterricht tat er sich schwer. die über den Himmel herrschte. die RWE entstanden seien. Die anderen Gäste schauen neugierig auf. Er stellte sich neben das Plakat mit dem Vogel des Jahres. Das Thema Fukushima wurde freundlich verabschiedet. Sogar sein Handy musste er abgeben. zum Beispiel den November 2010. Brüderle sah blass aus. Als der Jürgen in der Schweiz seine Silberhochzeit feierte. Markus Hansen/action press.n. Politiker aller Parteien reden mit. dass der Natur zu viel zugetraut wurde? Wenn im Winter der Energieverbrauch steigt. »ist interessant. Selbst die Industriebosse von der Ruhr begrüßten plötzlich die Energiewende Die Fotografin der ZEIT darf ihn danach vor der Skyline der Stadt ablichten. nach Pointen. aber der Wind ausbleibt? Will man dann Atomstrom aus Frankreich kaufen? Oder riskieren. Energiewert: 463 Kilokalorien. wenn keiner der übernächtigten Fondsmanager beim Essen einschläft. auch damit rechnete keiner. die er mit dem damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder in Niedersachsen verhandelte. um den Vater abzuholen. der an den Widerständen in seiner Firma zerbrochen war und es nie an die Spitze schaffte. er lenkt von Deutschland ab. dann lernt er bis zur Landung nicht einmal seinen Sitznachbarn kennen. Als sie ihn dann bittet. Er war der Beste in seiner Klasse auf dem Gymnasium. Das sei. dass man nicht weiß. dann sagte sie: »Wenn mein Sohn Arnd in ein Flugzeug nach Australien steigt. es kamen der frühere Innenminister Otto Schily. dass Großmann im Hotel Adlon in Berlin saß und sich mit der Idee vertraut machte. Der Jürgen hat sich am Morgen eines Konzerntreffens im holländischen Noordwijk nackt ins Meer gestürzt. Vom Auto aus rief er seine 22-jährige Tochter Anne an. Rechts: Bei einem Mittagessen macht Jürgen Großmann japanischen Analysten die RWE-Aktie schmackhaft Fortsetzung von S. sagt Großmann. Er sei kein Feind der erneuerbaren Energien. später übernommen. als könne er sich an alles erinnern.« Er würde den Satz später wiederholen. Jürgen Großmann wollte Chef eines Stahlwerks werden. das Publikum lacht. manchmal drei Jungen stabilisieren. »Ist das ein wei- Großmanns Welt Jürgen Großmann 1997 im Stahlwerk Georgsmarienhütte. und Großmann antwortete: »Nein.« Er sprach von Schäden. wen er für den Burschen mit dem dicksten Pinsel hält. Er war als Vorstandschef mit 99 Prozent der Stimmen bestätigt worden. Er war unglücklich über die Bilder in den Zeitungen. auf 100 Milliarden Euro. »Höher«. Er bat seinen Chauffeur. zu entkommen?«. Großmann spürt die Gefahr. ließ die Fotografin in der Hotellobby stehen. als er in einem Restaurant sitzt. »Über die Regierung müsste es klappen«. die einander Rotwein nachgossen. wenn die Wende nicht so schnell klappt? Will man die deutsche Industrie ins Ausland treiben? Was. Großmann telefonierte mit seinen Freunden aus Politik und Wirtschaft. sagte Großmann. einer von ihnen ist inzwischen Aufsichtsrat des staatlichen Fernsehsenders NHK. Doll. Die Politik der Energiewende ist davon weit entfernt. wenn man feststellen sollte. Er verstand die Welt nicht mehr. Man hört die Geräusche des Restaurants erst wieder. wie er in den Sommerferien des vergangenen Jahres täglich zwölf Stunden lang telefonierte. um gegenüber Politikern seine Interessen durchzusetzen. ganz anders als in einer Kraftwerkszentrale. die Tschechische Republik. sagte er. neue Fragen!« Er schaut in die stille Runde. Großmann in einem Kleintransporter. Nippon Steel. weil sie nicht mehr mit seinem Leben verschmolz. Am Abend zuvor hatte er im Innovationsrat der Kanzlerin gesessen. Ein stattliches Haus. Großmann verlangt nach weiteren Geschichten. USA. Was. blickte er fasziniert in den glutroten Horizont.« Großmann ließ sich mit Merkel auf einer sogenannten Energiereise der Kanzlerin im Kernkraftwerk Emsland in Lingen fotografieren. und . Sie sind verwöhnt. was die Medien suchten: ein Unbelehrbarer. habe ihn seine Frau gefragt. Der Bundestag beschloss. er ruft: »Weitere Fragen. Vor vielen Jahren. erwiderte der Journalist lächelnd. So erzählte er das Ende April in seinem Lieblingsrestaurant am Elbufer in Hamburg. in Osnabrück ein Arbeiterheld. Während sich die anderen Chefs der Energiewirtschaft duckten. Alle. Großmann sprach im Restaurant plötzlich sehr offen. Sie lächelte. gleich hat er die Entenbrust bezwungen. »Hier ist Paps«. und als er vor die Tür trat. schwer wie ein Stein. Ihre Gefühle behalten sie für sich. 62. Frank Augstein/AP/ddp. Josef Ackermann. Wann immer die Fotografin die Kamera auf ihn richtet. sah er den FDP-Politiker Rainer Brüderle telefonieren. auch den früheren Betrieb des Vaters.« »Das kann ich nicht glauben«. den CDU-Abgeordneten Michael Fuchs. Er hatte schon Schlimmeres überstanden. Bevor der Appell als ganzseitige Zeitungsanzeige veröffentlicht wurde. der sich aufgemacht hatte. das ihn beruhigt. Als der Bus vor dem Haus der Naturfreunde hielt. was die deutsche Atompolitik zu bedeuten habe. doch warum diese Hetze. später Betriebswirtschaft in Indiana. »Man gerät ins Nachdenken«. sagte er staunend: »Da steht sogar einer von der Security. erfuhr die Kanzlerin auf Umwegen davon. den plötzlich unter Beschuss geratenen Freund der Kernenergie. wurde er unhöflich und sagte: »Nein. Er brauchte das Gehalt nicht. vielleicht auch zwölf. viereinhalb Monate später. der sich mit Bodyguards vor Atomgegnern schützen musste. Als Dinosaurier der Atomindustrie sollte Großmann dastehen. Seine Frau Dagmar erlebte. »Die Atomgegner«. fragte er. vergaß er nicht. der letzte Meiler sollte erst im Jahr 2040 vom Netz gehen. Großmann studierte Eisenhüttenkunde in Clausthal-Zellerfeld. JFE Steel Corporation. die Wunde des Vaters zu schließen. sich in der Nähe des Unglücksortes Fukushima umzusehen? Fürchtet er die nukleare Strahlung? »Angst ist nie mein Thema gewesen«.

Ein Ort voll schöner Erinnerungen. was schiefging. die Abende der explodierenden Fröhlichkeit. auch über ihn. Ich weiß nicht. Keiner wird ihn auf Knien bitten. Fukushima beginnt mit Reihenuntersuchungen der Bevölkerung. Nichts bringt mehr Geld ein als ein altes Kernkraftwerk. »Ich bin doch Vergangenheit. die Jürgen Großmann von der japanischen Katastrophe mitbekommt. Dann kam der 11. presst sie unter seine Augen und baut mit den Fäusten einen Damm gegen die Tränen. und sein Wecker klingelte nicht. Das eine ist die Spendenbox für die Opfer des Unglücks.« Als sein Gegner dann prophezeite. Aber niemand von ihnen traut sich. und rechnete hinterher aus. Jürgen zu unterstellen. die auf dem Tresen an der Hotelrezeption wartet. So war der Springer-Verlag früher mit der DDR umgegangen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 15 Großmann im Speiseraum des Hotels Okura. saß Großmann so vergnügt daneben wie einer. Das war die Zeit. er lacht zu laut.« Seitdem sagt auch Arnd Großmann Rewe statt RWE. Gerd Jäger. und man wird sagen: Was für ein blasser Typ – gemessen an Jürgen.DOSSIER 14. Er isst zu viel. um über die Energiewende zu beraten. rund eine Milliarde Euro. erzählte Arnd Großmann. dass jetzt keiner dieser Leute öffentlich über ihn reden will. Die Zeitung bringt auch Fotos von Japanern. Er ist in diesen Zeiten das falsche Gesicht. auf Großmann geschoben. Jürgen Großmann. dann könnte ein anderes Unternehmen den zweitgrößten deutschen Stromkonzern schlucken. schimmerte am Anfang noch grün. er fährt zu hemmungslos Ski. sein Rückzugsgebiet in dieser Stadt. Noch versuchte er. habe ein Patient zu ihm gesagt: »Ihren Bruder habe ich im Fernsehen gesehen. seine Ärzte und seine Freunde haben ihn oft gewarnt. fragt er. als Heckenschützen auf Großmann feuerten. die eigentlich der Regierung gelten. Er holte den früheren Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt zu RWE und räumte ihm ein Budget für erneuerbare Energien ein. erfüllte Jürgen Großmann ihr noch einen Lebenstraum und bezahlte ihr eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn von Sankt Petersburg nach Peking. RWE-Chef zu bleiben Fukushima starts health checks. Arnd ist vier Jahre jünger. Er weiß das alles. sprach der Redner Großmann von der Energiewende als »sogenannter Energiewende«. Jürgen Großmann hat sich vor wenigen Monaten mit einem alten Freund getroffen. der Landrat Frithjof Kühn aus dem Rhein-Sieg-Kreis. in dem auch einige Hollywood-Schauspieler zu den Stammgästen zählen sagte. Sein Bruder Jürgen. Wenn doch nur diese verfluchte Schutzmauer in Fukushima ein bisschen höher gewesen wäre. die hinter seinem Rücken flüstern. ihm offen zu sagen. Er ist Arzt in Recklinghausen. nicht als Sinnbild. »Jürgen hat gerne eine heile Welt«. sein Bruder zu sein. er hat geschlafen. Sein Bruder Jürgen rechnet schon lange nicht mehr. Vor der Tür dieser Bar fragte er seine Dagmar vor einer Ewigkeit. Ihr Sohn Arnd flog zu ihr und setzte sich an ihr Bett. Der ist doch jetzt Filialleiter bei Rewe. Es geht viel durcheinander in diesem Moment. Großmann dachte viel nach. Keiner der Leute. Er hatte stets die befreienden Augenblicke gesucht. März. Selbst die Chefs der Schwerindustrie an der Ruhr.« Sterbende sind kein schöner Anblick. die bombastischen Feiern. Während seiner ersten Pressekonferenz als RWEChef zwängte sich Großmann in ein Elektromobil. elegant gekleidete Geschäftsleute. erzählen sie ihm ständig. werden die elektrischen Geräte und das Licht später eingeschaltet. das Tuscheln wird weitergehen. den Saurier als faszinierendes Lebewesen zu betrachten. sagte Arnd zu ihm: »Komm nicht hierher. Menschen aus dem Aufsichtsrat von RWE: die Mülheimer Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld. er arbeitet zu viel. Anfang Juni. Er mache die Menschen in seiner Umgebung gleich.« Die beiden verstehen sich. Das andere sind die Öffnungszeiten der Hotelrestaurants. Arnd Großmann war mit auf einer gigantischen Segelregatta über den Atlantik. aber es kommt nichts mehr heraus. wäre kein guter Arzt geworden. Das ist nichts für dich. sagt Arnd Großmann. Der Freund soll einmal Großmanns Testament vollstrecken. Aber es wäre falsch. Großmann hat den grünen Energien nicht getraut. Er sieht. vielleicht steigt der russische Energiekonzern Gasprom bei RWE ein. dass sein Leben irgendwann mit einem Knall enden wird. erzählte Arnd Großmann. dass doch endlich das geplante Streitgespräch mit den Naturschützern beginnen müsse. Die Frage kam damals für beide überraschend. seinen Vertrag als RWE-Chef zu verlängern. ob sie ihn heiraten wolle. während des RWE-Sommerfests in einem Restaurant gegenüber dem Kanzleramt. hat es im Fettdruck in ein internes Papier geschrieben: »Der Unfall von Fukushima wurde nicht durch ein Restrisiko verursacht!« Der Wall gegen Tsunamis war neun Meter zu niedrig. Das macht den Laden sympathischer. er wolle die Menschen mit seinem Geld zuscheißen. es Großmann in Berlin mit dem Schmähpreis »Dinosaurier des Jahres 2010«. steht auf der Titelseite der Zeitung The Japan Times. Weil das Land jetzt Strom spart. ist noch nicht bekannt. An einem Abend in Tokyo setzt sich Großmann in die Hotelbar Highlander. Wer Großmanns Nachfolger werden soll. Geld bedeute Jürgen nichts. Warum auch? Großmann kannte ja die Zahlen. das ins Meer fließen könnte. sechs Zentimeter kleiner. die in Tokyo gegen Atomkraft demonstrieren. er geht zu spät ins Bett. was er sehen will: gesunde. Als sein Bruder Jürgen anrief. aber Großmann lobte die Robustheit der Dinosaurier. äußerlich ähneln sie einander. von Tausenden Tonnen hochradioaktiven Wassers. um Seidenstoffe zu kaufen. In einem Krankenhaus in Hongkong lag sie schließlich im Sterben. der keine Silbe seiner Laudatio verpassen will. Der Moderator bestand darauf. den ihm Umweltschützer verliehen Explosion in Block 3 des japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1 am 14. und in einem Restaurant. Er ist eingeschlafen. dass es Großmann besonders wehtut. Sie haben sich verkrochen. er will noch etwas sagen. Im kommenden Jahr läuft er aus. wegen der gerichtlichen Klagen mit den Energiebossen zu reden. um über letzte Dinge zu sprechen. Es fehlt nicht viel. dass jede Minute der zweiwöchigen Tour 20 Euro gekostet hatte. bis zur nächsten Attacke. Das Interessante ist. Von einer unübersichtlichen Lage im Atomkraftwerk ist die Rede. einen Smart. Eine Atomruine droht auch sein Leben zu verstrahlen. Jürgen könne kein Blut sehen. bevor sein Bruder nach Japan aufbrach. was Sie von mir wollen. Er wird seine Biografie aus den Trümmern von Fukushima retten müssen. Wenige Tage vor Jürgen Großmanns Reise nach Japan saß Arnd Großmann im Hobbykeller seines Einfamilienhauses in Oer-Erkenschwick und sagte: »Ich bin stolz. »Was wollen Sie eigentlich von mir?«. Aber wer in Deutschland will das wissen? Großmann lässt sich in einen Sessel sinken. Großmanns natürliche Verbündete. den Großmann einschlug. März 2011 Fotos: Androniki Christodoulou/Agentur Focus für DIE ZEIT (auch S. er hat sie selbst geschaffen. Sogar der Rohstoff Uran kostet fast nichts. August zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Der Weg. er regt sich zu sehr auf. Die Aktien von RWE verlieren seit Jahren dramatisch an Wert. die er seinem Land geschenkt habe. Großmann sucht nach neuen Geldquellen. und als sie ihrem Minister Ronald Pofalla den Auftrag gab. In den Wochen danach wurde es einsam um Jürgen Großmann. Dann fängt er an zu weinen und sagt: »Ich bekomme Morddrohungen. wo er seit vielen Jahren absteigt. Er setzt noch einmal an. die im Hotel in Tokyo jeden Morgen in einen Spalt neben den Zimmertüren geklemmt wird. wenn man über ihn redet – und nicht mit ihm. »165 Millionen Jahre haben sie die Welt regiert. Er läuft durch die Stadt wie durch einen Tunnel. der Fachmann für Kraftwerke bei RWE. dass er kein Mikrofon brauche. Jetzt haben sich die Überraschungen gegen ihn gewendet. die Oldtimer-Rallyes. meinen seine Gegner im Konzern. nimmt einen Schluck und redet von Millionenbeträgen. Es gibt während der Reise nur zwei Dinge. und Großmanns Gleichung ging nicht mehr auf. begrüßten mit einem Mal die Energiewende. »Jürgen. Einmal. wird ihn noch auf Knien darum bitten. Großmann wird sich in Deutschland von enttäuschten Arbeitern in abgeschalteten Atomkraftwerken Vorwürfe anhören müssen. Vielleicht wissen sie. sagte Arnd Großmann noch. Aber das blieben Experimente. Die Kanzlerin zeigte sich mit anderen. RWE werde von der Erde verschwinden wie einst die Echsen. Sie brachten ihm trotzdem eines. Danach wollte die Krebskranke unbedingt noch weiterreisen. Niemand wollte an seiner Seite gesehen werden. Aber Jürgen Großmann interessiert das nicht. Wie erschlagen liegt er da. Der Atomausstieg bringt Großmann in eine schwer überschaubare Lage. traf Pofalla sich mit Großmann in dessen Hamburger Haus. zu der ihn sein Bruder vor vier Jahren eingeladen hatte. indem er die Rechnung übernehme.« Er ballt die Hände. Als es mit der Mutter zu Ende ging. Sie fürchten.« Großmann lässt sich vom Kellner ein Glas Whiskey bringen. aber man wird diesen Menschen ganz sicher mit Großmann vergleichen. du machst alles richtig«. Mit einem Mal wurde alles. Der Aufsichtsrat des Konzerns wird am 8. er sieht erschöpft aus. Unheil hält Jürgen Großmann schwer aus.14) . Es sollte nach einem privaten Besuch aussehen.

MS In den USA zählt allein der Sieg. Die traditionellen Länder hingegen sind für den derzeitigen Stillstand verantwortlich. deren Name für so viele Erfolge steht. die mit ihrem Traumpass die deutsche Abwehr aushebelte. das ist so ein typischer Stoff. Und vielleicht wird dann Kim Kulig ein überragendes Spiel machen. im Damentennis gibt es auch einen Gewinnsatz weniger. lieber Giuseppe Panini. die vor ein paar Wochen kaum jemand kannte. das Merchandising lief besser als erhofft. doch das Team verlässt sich trotz aller Modernisierungsversuche ihrer Trainerin auf Athletik. Man sollte ihn vom Männerfußball abgrenzen und ihm zu einer Identität verhelfen. zu viele Fehlpässe und krasse Patzer in der Verteidigung. was man sich vom Fußball wünscht. zeigt. Nicht allein das Ergebnis. ist das Einzige. dank Ihres Sammelalbums wurde der deutschen Mannschaft während der WM nie langweilig. Mit dem Fall Prinz waren die Spielerinnen nach all den Kosmetikgeschichten rund um die WM in der Fußballwirklichkeit angekommen. Zumal die Europameisterschaft 2013 in Schweden stattfindet. Deutschland hat mit Ausnahme des Siegs gegen Frankreich gerumpelt: viele lange. Aber sie sind nicht im kollektiven Fußballgedächtnis verankert. Geschichten. us sportlicher Sicht hat die WM viele Anhänger des Frauenfußballs enttäuscht. Aber dann liefen Samstagnacht die Spielerinnen mit rot geränderten Augen durch die Katakomben des Wolfsburger Stadions und sagten immer wieder diesen einen Satz: »Das ist Fußball. schauen. zu den Verlierern dieser WM. vor allem beim Versuch. die schon lange dabei sind. Es könnte ja sein. Beim Spiel mit dem Ball offenbarten die Frauenmannschaften jedoch Schwächen. ihrer Ballbehandlung und ihrem Mut. Eine Ausnahme ist Japan. auch das gehört zum Fußball. die der Fußball geschrieben hat. zum Ball verschieben. die auf dem Platz entstehen. Spielzüge sieht man selten.) Das Spiel ist aus: Babett Peter und Verena Faißt nach der Niederlage gegen Japan Mehr Drama! Nicht nur große Siege. was am Ende vor allem übrig bleiben sollte von dieser WM – dass der Fußball eben vor allem eins ist: unberechenbar. stolpert sich Le Figaro durch die eigene Begeisterung. die mit einem Stichwort vor dem inneren Auge jedes Fans ablaufen. Und dann riefen plötzlich alle aufgeregt durcheinander: Das nicht erkannte Tor der Engländer gegen Deutschland! Maradona damals! Wembley! Das Handspiel. das ist die Verwirklichung des amerikanischen Traums. selbst wenn Frauen sie äußern. dass sich doch niemand für Frauenfußball interessiert. Es hat sogar eine zaghafte Diskussion darüber eingesetzt. die schwedische Bild-Zeitung. Aber. Nur Schweden und Frankreich haben Tempo mit Präzision verbunden Japans Erfolg im Viertelfinale lag aber auch an der Einfallslosigkeit des Gegners. und was liest sich langweiliger als die Chronik eines angekündigten Sieges? Vielleicht ist bei den Halbfinalspielen gestern Abend wieder so ein dramatisches Spiel dazugekommen. einem Spiel durch eine Anweisung im Detail eine andere Richtung zu geben: In der zweiten Halbzeit gegen Nordkorea ließ sie Stürmerin Abby Wambach über links angreifen statt durch die Mitte. müsste man ihn von zwei Tabus befreien. Aufstieg und Fall eines Helden. Das Umschalten haben fast alle Mannschaften vermissen lassen. Die Erfolge der Frauen sind Balsam für die Fußballseele der Franzosen. dann wäre aus dem wohlwollenden Interesse der deutschen Zuschauer vielleicht Leidenschaft geworden. sie werden immer langsamer laufen und lockerer schießen. Ein Taktik-Fazit VON OLIVER FRITSCH nicht im glänzenden Fifa-Presseheft stehen. wenn die deutsche Mannschaft diese Momente erzeugt hätte. Aber wie sagt Abby Wambach. ihr 2 : 1. Ob Saskia Bartusiak und Nadine Angerer ihre Bilder der japanischen Torschützin Karina Maruyama jetzt gern tauschen würden? Ob es Birgit Prinz am Ende gestört hat. das alles hatte. alles populär zu machen. Solche Überlegungen werden jedoch als chauvihafte Belehrungen abgetan. Man könnte auch die Halbzeit wieder um fünf Minuten verkürzen. die den Frauenfußball mit allerlei gesellschaftlicher Bedeutung aufladen wollten. Die jungen Spielerinnen konnten dem Turnier nicht ihren Stempel aufdrücken.« Und genau das ist das Gefühl. wurde offenbar zu wenig trainiert. In einem solchen Moment schafft es die WM ausnahmsweise einmal in die Zeitungen. die den Ball zirkulieren lässt. auf dem Platz – und die Mehr Spielfreude! Frauen können viel schöner und besser Fußball spielen. Zum ersten Mal gab es Ihr Album zu einer Frauen-WM. Und Marta aus Brasilien bewies erneut. von ihrem überstrengen Kollektivkonzept abzuweichen. oder den Schützinnen fehlte es schlicht an Kraft. Bis zu 18 Millionen Zuschauer schalteten bei den Übertragungen im Fernsehen ein. weil die deutsche Trainerin Silvia Neid nicht bereit war. für die der Männerfußball Maß aller Dinge ist. Um den Frauenfußball weiterzuentwickeln. Es herrschte Einigkeit und Langeweile. Einen Tag nach dem Ausscheiden der Deutschen spielte Brasilien gegen die USA. beim Freilaufen oder bei Überzahlangriffen. Ein Spiel. In die Offensive ist die gesamte Elf eingebunden. wenn der Schmerz Mannschaft und Publikum vereint. die Bogenspannung des Körpers. wie attraktiver Frauenfußball aussieht. der WM-Sieg sollte geholt und Deutschland zum Frauenfußball-Land Nummer eins gemacht werden. bei der Europameisterschaft. auch das gehört zum Fußball Es ist wohl die einzige große Geschichte. Immer mehr Mädchen werden in immer mehr Ländern immer früher von immer besseren Trainern ausgebildet. die WM ist ja noch nicht zu Ende. tiefer als jede Plakatkampagne es kann. AG Fotos: Clemens Bilan/dapd (o. Es war kein gutes Spiel. wie es die Fußballfibel vorsieht. Viele Schüsse litten an Streubreite. Es bleibt zunächst der fast unheimliche Eindruck. Mängel bei der Ballannahme und -mitnahme. etwa bei der Spieleröffnung aus der Abwehr. und das auch nur in Ansätzen. Ein Bild mit Sammlerwert: So wird man sie nie wieder sehen. Manchmal stürzt der Favorit eben.). sie schauten auch alle Spiele. Aber diese Zeilen gehören den Männern. Was Borussia Dortmund auszeichnet: Stiehlt die Mannschaft dem Gegner den Ball. was seine Vorgeschichte ist und was es bedeutet. spielen«. als in der Herrenfußballliga noch gespielt wird. Situationen. das staatliche Fernsehen erzielte mit dem Viertelfinale gegen Australien einen Marktanteil von 80 Prozent. Die viel gelobte Carolina Morace fiel dagegen dadurch auf. weil vor der WM niemand hinschaute. aus dem die Fußballmythen gestrickt sind. Kalkuliert werden kann das vorher nicht. Die Chronik eines angekündigten Sieges schien schon geschrieben. sogar auf die Seite eins. Gut ist. Aber in einem Moment der Sendung blitzte auf.FRAUENFUSSBALL-WM 2011 14. Ein Stimmungs-Fazit VON ANNA KEMPER m Ende war es kein Sommermärchen. dass die WM trotz des Ausscheidens der Deutschen ein spannendes Turnier sein kann. mit dem tragischen Ende ihrer Karriere den Frauenfußball in diese Wirklichkeit holte. Diese Momente gab es sicher auch in der Geschichte des Frauenfußballs. In der Tagespresse las man die Nachricht nicht auf der ersten Seite. und man wird sagen: Weißt du noch. anfangs ist alles schön. zu deren Übertragung die staatlichen Fernsehsender in Frankreich verpflichtet sind. Aber keine Illusionen: Die Tour de France bleibt dieser Tage das Sportereignis Nummer eins. dass der DFB es schaffen kann. nach einer Stunde in Unterzahl! Und wie Hope Solo dann noch einen Elfer hielt! Es war das ganz große Drama. auf Zufall ausgelegte Pässe. Die Stadien waren gut besucht. Was den FC Barcelona. Die Mannschaft gehört. stählerne Nerven und der Wille zum Sieg. Heute: Den Gebrüdern Panini Lieber Benito Panini. Die Klischees waren besiegt. Nicht mal Frank Plasberg schaffte es. Wie geht es weiter mit dem Frauenfußball? Sein Topniveau ist noch lange nicht erreicht. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 17 Nur der Sieg zählt Welche Rolle spielt die WM in den Ländern der besten vier? Japan schlägt Deutschland – das war die Schlagzeile in den Sportzeitungen. dass sie gar keine seien. Der Frauenfußball wurde behandelt wie Fußball. Aber dass andere Teams mitreißend spielen. Zwar sind Frauen nicht so athletisch wie Männer. Doch sie durfte ihre Anlagen nicht zeigen. Und man könnte Regeländerungen erwägen. Während der WM werden zumindest die japanischen Spiele im Fernsehen übertragen. Und dann wartet am Sonntag noch das Finale. dann nach dem Motto »Stoppen. und das ist das Gute für den Frauenfußball. wenn er in einem so dramatischen Spiel errungen wird wie im Viertelfinale gegen Brasilien. Doch allenfalls die Schwedinnen und Französinnen haben Tempo mit Präzision auf diese Weise kombiniert. durch Tempodribblings Abwehrreihen aufzureißen. Ideenlosigkeit. So viel mehr war von deutscher Seite versprochen worden. als sie es bei dieser WM gezeigt haben. Viele Kommentatoren wünschen sich Sundhage als nächste Nationaltrainerin. Deutschland. Natürlich wäre es schön gewesen. Selbst Frauen in einer vermeintlichen Männerdomäne. das die Schwedin Pia Sundhage trainiert. Norwegen und Brasilien sind ausgeschieden. er wird seine gute Entwicklung wegen zunehmender Konkurrenz fortsetzen. weil es sie an ihre Schmach erinnert? Das begehrteste Bild auf dem Panini-Transfermarkt war übrigens das deutsche Mannschaftsfoto. sondern ein Sommerflirt. Heldinnen sollten geboren. MS . wusste die Abwehr nicht. Plötzlich kennen einige Amerikaner den Namen ihrer Torhüterin. und wenn mal kombiniert wurde. sondern vor allem spannende Spiele können den Frauenfußball in den Herzen verankern. Es war der Schlüssel zum Sieg. heißt. kurze Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld sowie zwischen Mittelfeld und Sturm. Doch sie können besser und schöner Fußball spielen. und der Halbfinaleinzug des US-Teams. Deshalb richtete sich ja auch die Aufmerksamkeit so sehr auf Birgit Prinz. die US-Stürmerin? »Vielleicht sollte man im Fußball ein Tor mit 50 Punkten gleichsetzen.« MAK Diese WM gehört nicht zu den 21 Top-Ereignissen. Umfragen zufolge erfreut sich Frauenfußball in den USA wachsender Beliebtheit. dann kommt die Ernüchterung und mit ihr die Enttäuschung. wird ebenfalls als nationaler Erfolg verbucht. das den Fußball im Herzen verankert. nicht nur weil sie frühzeitig ausschied. Die besten Spielerinnen im Turnier waren die. Es bleibt auch die Enttäuschung. und man erinnerte sich daran. Wie die 32-jährige Japanerin Homare Sawa. dass die Teams aus der zweiten Reihe aufgeholt haben. Diese zwei Formen des Reagierens auf Ballverlust und Balleroberung sind Chiffren des modernen Fußballs. Doch wie man auf lange Pässe in den Rücken reagiert. etwa als Befreiungsschlag aus der Abwehr heraus. An so einen Sommerflirt erinnert man sich mit gemischten Gefühlen. in seiner Sendung hart aber fair mit dem Titel Müssen jetzt alle Frauenfußball gut finden? eine kontroverse Runde zusammenzustellen. dass sie mit ihren Kanadierinnen überambitionierte Eckballvarianten einstudieren ließ. Auch in Niederlagen kann ein Team die Herzen erobern. Ob das geschehen ist. es gibt auch public viewing. Die große emanzipatorische Debatte wie in Deutschland gibt es nicht. Die USA sind als Einzige der Big Five ins Halbfinale vorgedrungen. weil sie den Ball weiter schießen können als der Gegner. mit ihrer Bewegungsvielfalt. die Außenverteidigerinnen schalten sich immer wieder ein. Der Fußball liebt diese Mythen. Und Silvia Neid agierte im entscheidenden Moment mutlos: Warum hat sie ihre degradierte Torjägerin Birgit Prinz gegen Japan nicht wenigstens eingewechselt? Ohnehin ist es nicht die WM der Trainer. jetzt aber halten die Mädels den football tricolore hoch«. GVR Noch nie wurde in Schweden so intensiv über Frauenfußball berichtet wie jetzt. Denn das. zumal sie mit Vornamen Hope. »In der vergangenen Saison hatten die Jungs das Land in Bestürzung versetzt. Aber als sich die »Bleues« gegen England für das Halbfinale qualifizierten. werden wir 2013 sehen. wie sie sich gegen Japan das Kreuzband riss? Und jetzt das! So ist Fußball. die das Album vollgekriegt haben. das man nicht vergisst. A A Manchmal stürzt der Favorit eben. Aber es war ein Spiel. Häufige Fehlpässe. die sagten. denn die Abwehr des Gegners ist noch nicht formiert. Die Rote Karte! Der Elfmeter. Räume verengen. sondern wie es entstanden ist. Das ist umso bemerkenswerter. Warum nicht mit kleineren oder leichteren Bällen spielen wie die Handballerinnen? Momentan haben Mannschaften wie die USA einen enormen Vorteil. ein irres Tor! Der Ausgleich für die USA. Und vor einem großen Publikum werden die Ligaspiele wohl auch in der nächsten Saison nicht stattfinden. auch ein bisschen aufregend. etwa die wuchtigen Distanztore der Mexikanerin Monica Ocampo und der Amerikanerin Heather O’Reilly. DER 12. wie gut der Ball ihrem linken Fuß gehorcht. was er will. dass das Bild von Silvia Neid so fest auf der Seite klebte? Ob die Spielerinnen. Auch wenn einige Kopfballtreffer fielen. verzeichnete das Privatfernsehen Quoten wie während der großen Spiele des Männerfußballs. Das Aftonbladet. MANN Auf dem Rasen spielen die Frauen. Die deutschen Spielerinnen hatten außerhalb des Spielfelds ja jede Menge Gegner vom Platz gefegt: Die Skeptiker. China war erst gar nicht qualifiziert. geht es in Überzahl rasant und steil nach vorn. Und es ist eine Ironie des Schicksals. eine technisch durchgehend beschlagene Mannschaft. wenn die Frauen spielten. Und so sind Sommerflirts eben: Man erwartet vorher immer zu viel von ihnen. Eine Lira Bajramaj hätte das Zeug dazu gehabt. es auf eBay verkaufen. den die US-Torhüterin Hope Solo hielt und den die Schiedsrichterin wiederholen ließ und den Marta dann reinmachte! Überhaupt: Marta. Die Verteidiger. So sieht der Frauenfußball der Zukunft aus. was auf dem Platz geschieht. das Nonplusultra des Weltfußballs. widmet dem Turnier täglich vier bis fünf Seiten. aber auch dort wurde groß berichtet. Vor allem. Die vermeintlichen Gegner des Frauenfußballs betonten. Dann würden die Amerikaner Fußball lieben. was am Ende zählt. dass doch eine Freundschaft aus dem Sommerflirt geworden ist. um Frauen zuzuschauen. Tempo und Leidenschaft. dass das auch im Männerfußball vorkommt. direkt zu spielen. dass ausgerechnet Birgit Prinz. wenn auch nicht im gleichen Maßstab wie bei den Männern. ob die Qualität des Spiels wirklich am männlichen zu messen sei. Falsches Timing bei springenden Bällen. Die Schweden sind begeistert von ihrer Mannschaft. Die moderne Raumdeckung beherrschen mittlerweile fast alle Mannschaften: Viererkette. neben den technischen Fähigkeiten so stark macht: Die Spieler wollen sich den Ball schnell in einer Position nahe dem gegnerischen Tor zurückholen. die man nicht vergisst. Ein letztes Aufbäumen aus der Verzweiflung. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Verächter. dass diese körperlich unterlegene Mannschaft im Turnier so weit gekommen ist. die von der deutschen Mannschaft bei dieser WM bleiben wird. Frauenfußball bei einer WM läuft in Japan unter Familienunterhaltung. Oliver Lang/dapd (u. Ein gutes Zeichen für den Sport. wo bei großen Turnieren ganze Baseballstadien zum Gucken gemietet werden. Der US-Trainerin Pia Sundhage gelang es als ei- ner der wenigen. Selbst Außenseiter wie Mexiko und Kolumbien verrieten Spielfreude und ließen ahnen. als sie es bei dieser Weltmeisterschaft zeigen. was dem Frauenfußball noch fehlt: Da ging es um die schlechten Schiedsrichterleistungen. Hoffnung. durch das Frankreich sich für die WM qualifizierte! Es ging um Spiele. und die Spielerinnen sammelten fleißig. in der Nachspielzeit der Verlängerung.

findet auch Altug. wie Aras sagt. die Mutter aus Ghana. Identität und Verantwortung. »Wer wählen darf. 20 Prozent der Kreuzberger dürfen nicht wählen. auf den Getreidefeldern seiner Eltern nahe Mersin in der Südtürkei.te aber in Stuttgart.r. Leute. 29. Der ZEIT: Was soll man stattdessen sagen? Idealzustand. Christentum. er ist verheiratet und hat zwei Kinder.Berliner Sozialstrukturatlas liefert ihr Arguelmut Kohl ist das Idol seiner Kindheit. Ich würde aber sagen. 2001 wurde sie Mitglied der PDS. Die Fragen stellte FOKKE JOEL Joshua Lupemba. Wir kommen nicht als Lehrer. sekundiert der SPDler Aras. Ich bin hier geboren.« Der 41-Jährige geht als Kreuzberger Direktkangern pflanzt Turgut Altug im Park Obst. wie wir sie zu lösen versuchen. er in der Türkei nicht finden konnte.Jura in Bremen. ob er Deutsch spricht oder sich danebenbenimmt: Alle haben das Recht. Der Sohn empfand früh die Ungerechtigkeit der Verhältnisse im Land.und Weihnachtsbäume. und das finde ich gut! Du willst immer wieder zurück nach Hause. Multiethnische und Multilinguale repräsentiert. dem ist das Land nicht egal«. später das Studium der Sozialpädagogik.« . dass es eine Identitätskrise gibt: Man weiß nicht genau. Die Linken wollen 150 000 Jobs. Es gibt viele Migrantenvereine. ihnen ist es gelungen. wo er herkommt. Warum? etwas anderes bin.« Jetzt. Der Christdemokrat Taskiran hält dagegen: »Doppelte Staatsbürgerschaft und kommunales Wahlrecht. Vor fast 20 Jahren schon trat er in die CDU ein. sagte er aus dem Kreißsaal heraus ein Treffen ab. durch Bildung aufzusteigen. die diese Spaltung heilen kann. die alternativen Integrationsverein Allmende. muss. September putsch gar nicht gut an«. weil er nahelegt. Als Monteurin bei Siemens in fällt die Entscheidung. Was finden sie an Typisch Deutsch e. erst Monteurin. und zu den Neudeutdie Italiener – aber eben keinen. Dank seiner Grundschullehrerin durfte er eine weiterführende Schule besuchen. Der Vater kommt aus dem Kongo. Die Grünen sind für mehr Eigentumswohnungen – und damit nah bei der CDU. Darin sind sie sich vollkommen einig: »Bis auf die Herkunft haben wir nichts gemein. als Schüler schloss er sich einer Demokratiebewegung an. einen für die DIE ZEIT: Warum haben Sie Typisch Typisch Deutsch e.schaftsschulen zu verhindern!«. einen für ist unser aller Land. Auch Kreuzberg droht inzwischen die sogenannte Gentrifizierung. das uns eint. der angepasst werden Altdeutschen. Figen Izgin trifft man nach Feierabend beim Plakatekleben. ist natürlich. Bildung ist im Café Ahorn einen Latte macchiato. arbeitet beim Bundesverband WindEnergie e. dass ich gleichzeitig Patriotismus. »den Teufelskreis zu durchbrechen«. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 18 Der Jurist Muharrem Aras tritt für die SPD an.zierliche Frau. in Berlin geboren und aufgewachsen. Aras hat studiert. was deutsch ist. V. ihr Vater kommt aus Italien. aber es muss etwas geben. Ich weiß nicht. jeder sagt darin nur seinen Namen und dass er typisch Noch ein Verein! Wozu? Seine neudeutschen Gründer antworten deutsch sei. »Endlich wird sich jemand für unsere Belange einsetzen. V. Am nächsten Tag holte er es nach. ZEIT: Zum Beispiel? Sezen Tatlici: Da war ein Junge aus türkischer Familie. rot und rot. Die Oranienstraße ist zum Laufsteg geworden. der grüne Kandidat. Turgut Altug kämpft für die Grünen und Ertan Taskiran für die CDU ser halten konnte. ist jetzt vielerorts in privaten Händen.« ZEIT: Auf Ihrer Website haben sich Polizeibeamte begeistert geäußert. Nur neulich. welcher Herkunft die Leute sind. geboren und aufgewachsen in Berlin. und das ist nicht die Türkei oder Syrien. egal. und Deutschland ist kein Land. erweitern. Als ich noch im Bundestag bei Otto Schily gearbeitet habe. Der gebürtige Hamburger tritt für die Izgin. die selbst gedrehte Zigaretums Abgeordnetenhaus – am 18. ZEIT: Es heißt ja. grün. seit er denken sich doch selbst verraten. Sezen Tatlici (nicht im Bild). Und sie machen Politik. was bist du?«. die Jobs. gab es Kollegen. die sagten: »Dass finde ich mutig. »Unverschämt!«. sehr wichtig. wurde uns gesagt: Wir sind jetzt Europa. »Die christlichen Werte ». Auch ihre Sichtweise verändern wir manchmal. es müsste Typisch Deutsch e. Berlin und Chicago. an meinem SchlüsDeutsch e. Aras hat sich vor dem Platzregen aus der Menge zum Stand geflüchtet und bläst rote SPD-Luftballons auf. aus Berlin zu kommen. weil sie die Verhältnisse in ihrer Stadt. Michelle Piccirollo: Wir sind hierzulande sehr fixiert auf die problematischen Aspekte des Zusammenlebens verschiedener Kulturen. Pastor.gemeinsam eine Lösung suchen. Die 14-Jährige sprach kein Wort Deutsch. Michelle Piccirillo. Er träumt von autofreien Vierteln – aber nur in Abstimmung mit den Bürgern. als sein erstes Kind geboren wurde. was deutsch sein soll. Sabrina Corsi. Die Grünen hätten kraft-Button.nicht gerecht verteilt ist? Diese Frage be. weil es »Eine Stadt für alle«. Gerechtigkeit und Freiheit prägen unser Menschenbild. das meinte: »Ich finde es gut. was das Ideale ist. sagt Altug. Alle Kandidaten prangern die soziale Verdrängung an. Deutschland ist meine Heimat. Er weiß. erklärt ErtanTaskiran. haben wir erbit. »Aber es kann doch nicht sein. denn in Berlin liegt die Arbeitslosenquote bei fast 20 Prozent. Sie biss sich durch: erst die Ausländerklasse. schaffen. Flyer mit der Aufschrift »Berlin liebt dich nicht« machen die Runde. seine CDU-Broschüren zu trocknen. dass ich Deutscher bin. Schon als kleiner Junge half er bei der Feldarbeit. 27. rot oder grün – schafften es.« Ich würde nicht »Deutschland« brüllen und die Fahne schwenken. V. Investoren und Mittelständler in den Kiez locken. deshalb fordert Figen Izgin: Jahr von der Bundesregierung die Integra. studierte Business Administration. wir verwickeln sie in ein Gespräch und fragen: »Wie fühlt ihr euch. der uns versteht«. schwarze Korkenzieherlocken schmücken die kleine. die ernsthaft soziale Ihr Kandidat trägt einen buschigen Zopf aus angegrauten Locken und einen Anti-Atom.dem kein Problem damit. Izgin eine Herzensangelegenheit. Er mischt sich gern unters Volk. und jetzt im Wahlkampf hat der Fußballfan natürlich Termine über Termine. was ich sagen muss – bis ich merkte: Man muss vor allem zuhören! Sezen Tatlici: Die Lehrer lechzen nach Hilfe. Und dafür hatte die SPD gekämpft. Mit Einschränkungen. Gegenüber versucht Taskiran. promovier. Ich habe trotzals Sarrazin Furore machte. Aber Bildung sei in Kreuzberg oft ein Pri46-jährige hat 2008 das erste türkisch-deut. selbund eine deutsche Fahne zu tragen. schen berücksichtigt werden. die EinAußerdem gibt es auch in unserem Verein wanderer mitbringen. uns über den Ausschluss von Dritten zu definieren. Dann die Ausbildung zur Erzieherin.ging nur. Wir haben ein Video gemacht. Strittig ist das Thema »Touristen« – die Zahl der Übernachtungen betrug 2010 über neun Millionen. findet Figen schaften. jetzt Sozialpädagogin. die Aufwertung und Teuerung von Wohngebieten. Mieten sind 2009 teils um 14 Prozent ge- stiegen. hat ungarische. Jetzt lebt er mit seiner schaftsmitglied. nachmittags aber musste er mit anpacken. befindet Izgin. Werte wie Familie. wo alle drin schen: Wir müssen uns am Riemen reißen sind und wo auch die altdeutschen Men. Ohne Deutschland wäre ich nichts.schäftigt Muharrem Aras. »keine Politik von oben herab!«. »Aber poli- Der Kreuzberger Traum tert diskutiert. mit 39. Und wir brauchen endlich eine Initiative. Der CDU-Kandidat will Krawallmacher und Drogendealer vertreiben. Islam« für die fünfte bis neunte Klasse. auf ihrem Kiez mitbestimmen wollen. dass ihr mir zugehört habt. Ich habe viel darüber nachgedacht. Deutschland problematisch. An einem Sonntag sind die Vertreter aller vier Parteien auf dem Oranienplatz beim interkulturellen Umweltfestival zu finden. würdevoll behandelt zu werden. in Berlin geboren. weil ich mich mit Bafög über Was. Was aber bringt alle Freiheit. Kulturwissenschaftlerin an der HumboldtUniversität. Mit den Kreuzber. sie »versuchen sogar. Aber in Zei. rund um den Moritzplatz sind es bis zu 75 Prozent der Kinder. das Zugehörigkeit und Verantwortung ausdrückt. besonders den ersten Artikel. unsere Gemeinklapprigen Fahrrad angebraust und bestellt SPD an. dass diese Menschen Steuern zahlen und sonst nicht mitbestimmen dürfen«. und in der Türkei liegen meine kulturellen Wurzeln. so wie viele »Gastarbei. fordern die Grünen. wenn sie »die einzige Partei ist.« Michelle Piccirillo: Am meisten berührt haben mich die Worte: »Danke.Berlin war sie vom ersten Tag an Gewerksauberes. die Kommunen kürzen weiter ihre Mittel. »Unfassbar!«. mit 18 der erweiterte Schulabschluss.« Ich mache auch Projekte zum Thema »Judentum. Selbst wenn die Integration ökonomisch funktionieren sollte. glaubt Taskiran. Er ten raucht. und er hat auf unsere Frage: »Wie fühlst du dich. das ist Berlin-Schöneberg. ler Schwäche. was harte Arbeit heißt. sie sagen: Ich bin stolz. Joshua Lupemba: Wir sprechen von »defidass alle nur noch deutsch sind.V. Vielleicht sagen die Leute ja in ein paar Jahren: Wir kommen aus Deutschland und sind stolz darauf. didat der CDU in den Berliner Wahlkampf tisch aktiv sein. Alle vier Kreuzberger Kandidaten sind türkischer Abstammung. Joshua Lupemba: Wir sind alle gegen den Begriff »Integration«. sicheres und drogenfreies Kreuz. V. Die Grünen wollen eine »City-Tax« auf Hotelübernachtungen. sagt der Grünen-Politiker Altug. später gründete sie den Tochter in Berlin und liebt die Freiheit. So kann länder« ist es schwer. dass er Deutscher ist. das sind Randthemen. so toll? Sabrina Corsi: Sie werden täglich mit Problemen konfrontiert. einen für die Türken. berg – für alle«. Egal. Sezen Tatlici: Ich finde den Begriff in Sabrina Corsi: Letztes Jahr im September. weißrussische. Das ist sehr. Heute trägt der Kandidat Anzug und Schlips. das kam nach dem Militär. italienische und dänische Wurzeln. den wir anstreben. »Das ist doch blauäugig!«. Wir alle finden unser Grundgesetz toll. ist Direktkandidatin der Linken. ZEIT: Auf Ihrer Website geht es auch um ich will auch ausdrücken. weil sie keinen deutschen Pass haben. müssten wir trotzdem darüber diskutieren. ein kleiner Rabauke.Gerechtigkeit fordert«.. geantwortet: »Ich bin Deutscher und dankbar dafür. 24. Taskiran will »ein blieb dann noch zum Studium.) H mente: Jedes zweite Kind in Kreuzberg lebt von Hartz IV. Darauf gab es Wahnsinnsreaktionen! Den Altdeutschen wollen wir damit sagen: Leute.Michelle Piccirillo: Das ist ein großes Streitdeutsch schließt auch sie ein. lobt eine junge Frau sie. Die Grünen 100 000 in der »Green Economy«. sondern eine Region. Ich würde mich das nicht trauen. »Die jungen Gutverdiener sind eine Chance für den Kiez!«. 46 Jahre ist sie alt. Wir wollen das thema bei uns! Bild davon.Integration zu tun? boren. das schnell zu erreichen. Sie kommen aus einfachen Verhältnissen. Sie sind Taskirans Thema. Turgut Altug kommt auf einem kann. vor allem in der »Kreativbranche«. dass jeder sagen darf. die sagen: Ich bin nicht nur deutsch. Die Direktkandidatin der Linken kam vor über 30 Jahren aus dem nordtürkischen Kars nach Berlin. Sezen Tatlici: (lacht) Genauso war es bei uns auch. Was früher öffentlicher Wohnungsbestand war. ZEIT: Wie meinen Sie das? Michelle Piccirillo: Die Sarrazin-Debatte hat gezeigt. Familie und Tradition sind ihm wichtig. Er trägt einen »Stolz auf Berlin«. dass ZEIT: Altdeutsche Menschen? Sezen Tatlici: Wir unterscheiden zwischen jemand außen vor ist.WOCHENSCHAU 14. »Das »Eine Kindergrundsicherung muss her!« Der tionsmedaille verliehen. aber mit ausländischen Wurzeln. und du hast dann gesagt: Jetzt muss was gemacht werden! Sezen Tatlici: Es ist einfacher zu spalten als zu einen. sie sind erstaunt über die Beiträge ihrer Schüler. wer seid ihr?« ZEIT: Wie ist das Echo? Sezen Tatlici: Das Schönste für mich war: »Endlich darf ich sagen. Sabine Gudath für DIE ZEIT (u. aber wir müssen darüber reden und nicht versuchen. sie hat arabische und türkische Wurzeln. der SPD-Mann Aras ist empört: »Wir sind hier doch nicht in der schwäbischen Provinz.« Und dann war da ein altdeutsches Kind. es gibt Wichtigeres!« Die Wirtschaft zum Beispiel. und dafür wurde ihm im vergangenen ter«-Väter seiner Kumpels. das ist ja fast schon fremdenfeindlich!« Altug schlägt vor: Die Touristen könnten doch mitdemonstrieren. der das Multikulturelle. Als ich in die Schule ging. vor allem aber sind sie schwarz. man auch die Stärken einbeziehen. 30. das haben auch die Investoren begriffen. Sabrina Corsi: In Berlin erlebe ich einen starken Lokalpatriotismus. auf ihn berufen wir uns. will Aras als SPDKandidat »etwas zurückgeben« und für die Rechte der Schwachen kämpfen. gegründet? Sezen Tatlici: Weil es hierzulande keinen Verein gibt. er ist Doktor der Agrarwissen. ZEIT: Welches ist Ihr wichtigstes Projekt? Sezen Tatlici: »Typisch Deutsch geht zur Schule«: Wir sprechen mit Schülern über Heimat.und Verantwortung übernehmen. kommentiert der SPDMann Aras. gründen sie erst mal einen Verein. Bildungsfern gehe oft einher mit sozia5/11). in Kassel geboren. Nach Für die Berlin-Wahl im September haben die vier großen Parteien türkischstämmige ihrer Scheidung lebt sie nun mit ihren beiden erwachsenen KinKandidaten aufgestellt VON JENNI ROTH dern in einer WG.nieren« oder »neu definieren«: Wir wollen ten von »Migrationshintergrund« und »Aus. was habe ich mit und Neudeutschen. Das gilt auch für Hamburg oder Frankfurt. Hip-Hop-mäßig gekleidet. »finde ich im Islam wieder. wie jemand aussieht. Und der Begriff Neu.Dort war sein Vater Werftarbeiter und Gesche Umweltzentrum gegründet (ZEIT Nr. V. wie wir es sind: hier ge. den Eingeborenen sozusagen. werkschaftsmitglied. Alle vier Kreuzberger Kandidaten – ob schwarz. Der Anstecker – und liebt seine alte Heimat. Sie waren Analphabeten und hatten wenig Geld. auf jeden Fall geben.. dies Koreaner. wenn drei Deutsche zusammentreffen.vileg. Da kann es leicht zur Ausgrenzung kommen. Figen Izgin. gegen Lärm etwa und Feinstaub und für soziale Gerechtigkeit. Er ist ein gläubiger Mensch und betet jeden Freitag in der Moschee. Egal. Vorsitzende des Vereins Jung und jüdisch e. Fotos: PR (4). Weit oben auf der Wunschliste der Linken-Politikerin stehen die doppelte Staatsbürgerschaft und das kommunale Wahlrecht für Einwanderer.

um den Sarg. zweieinhalb Kilometer langen Weg zur Ewigkeit. gab es einmal ein modernes Fensterbild. in der einst evangelischen Gnadenkirche – sie gehört heute den Russisch-Orthodoxen –. die verdorrende Erde küssend als die Mutter der Fruchtbarkeit. für die noch Platz ist in dieser Totenherberge einer Herrscherdynastie. Sind auch nicht alle lustig. die verlöschende Sonne als Lebensspenderin preisend.und Deutschmeister. Jährlich 200 000 Besucher zwängen sich durch die scheinbar endlosen Reihen mit Zinnsärgen. die republikanische Gegenwart zu betreten. lossagen müssen. wenn nun im Namen eines Toten. dem letzten Kronprinzen. zu besuchen. Sie wird aller Voraussicht nach die Letzte der Sippe sein.. Wie soll da je all den Majestäten und Erzherzögen. und der alte Kapitän muss seine Ladung in Pozzuoli löschen. zumindest dort. An ihrem Ende pilgert der Letzte eines Geschlechts von treuen Untertanen. mit ihrer Hymne. Juli 2010 DIE ZEIT No 29 Krieg für Menschenrechte? Eine Debatte aus der Französischen Revolution S. Gleichviel. der beim Segelbergen das Tuch aus den Händen reißt. grinste ein Clownsgesicht. in denen 13 Kaiser und Könige und deren engere Verwandtschaft ihre letzte Ruhestatt gefunden haben. Denn die Kapuzinergruft ist ohnehin bereits ausgebucht. Paulus oder so ähnlich. zuletzt begnügten sie sich mit einem südosteuropäischen Imperium.und Nebenlinien über den ganzen Erdball verstreut und in vielen unterschiedlichen Brotberufen tätig. in denen die cadaveri eccellenti einer wechselvollen Geschichte ruhen. andere einen Helm oder sind verschleiert. Genau in ihrer Mitte. Werkzeug. wir seien auf der jonischen Insel Kefalonia gelandet. kann sie nicht anführen. All diese Schädelornamente haben Zahnlücken.. auf seiner letzten Reise zurück nach Wien. wenn der Pater Guardian. nannte er die Romanelegie Kapuzinergruft. wo eines Tages für seinesgleichen alles endet: in die Kapuzinergruft. das können viele schon gar nicht mehr erwarten. dem Gott erhalte. er sei ein Gott . Die Pforte zur Kapuzinergruft blieb 1914 selbst der Gattin des Kronprinzen Franz Ferdinand verschlossen. der Zeremonienmeister des Trauerkonduktes. Nach genauer Lesart der Gesetze hatte er sich 1961 sogar von seiner eigenen Familie. Jetzt ist er weg. der. noch einmal sein Gefieder plustert. in Haupt. Das muss dieser Häftling sein. wo Österreichs Behörden offiziell mit dem Leichnam befasst sind. wer denn der Tote sei. Manche sind böse oder gemein. Wir trocknen uns an einem Feuer. Die Habsburger hingegen residierten in ihrem Gottesgnadentum. auf sämtliche Vorrechte seiner hohen Abstammung und auf alle dynastischen Ansprüche. Weit voraus ein sandiger Uferstreifen. der aus Abscheu vor den Nazis zum Verzweiflungsmonarchisten geworden war. sagt er. vor der Klosterpforte antworten müssen: ein ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments? Ein Abgeordneter der CSU? Ein Politiker aus – Bayern? Jene Verwandten von Otto Habsburg. ein todgeweihtes Geschlecht. hier einmal begraben zu sein?« Sie sagte Ja. an dem der Doppeladler. Der Alte hofft nur. König. Unter all die erlauchten Leichen schafft es seine Angetraute niemals. Es heißt. nach dem Zerbrechen des Vielvölkerreiches. Verdächtigte uns.7 Tonnen wiegen. in dessen Machtgebälk es bedrohlich ächzte. hier einmal begraben zu sein?« Es gibt dennoch kaum einen Ort in Europa. noch im Pluralis Majestatis an. eine prächtige Rosette. die ihn am Samstag im Trauerzug begleiten werden. D Ein Totenkopf mit Kaiser krone ziert den Sarkophag Karls VI. mit lahmen Lenden. wird ihnen und uns allen die Zeit bis dahin geistig versüßen. wurde zu einem Schwerkranken gerufen. deren ärmlichen Stammbaum in die Annalen einzutragen. So ähnlich werden einmal die Menschen einen Tag vor dem Jüngsten Gericht leben. Und so heißt der Kaisersohn auch jetzt. Anderntags verstopft der aufquellende Weizen die Pumpen. soll nach Angaben seines Schöpfers Balthasar Moll 1. das der Tod verschmäht hatte . Spätestens mit dem Tod von Otto Habsburg. wo sonst das Auge Gottes wacht oder die Taube des Heiligen Geistes. Der Heiratsantrag klang vielversprechend: »Wie würde es dir gefallen. dass Kaiser Claudius’ Entschädigungszusage noch gilt. und Treibanker ausbringen. wer seine Legionäre und die Gefangenen hier monatelang verpflegen solle. Raulus. da. Der Centurio Julius fragt. am Samstag mit seinem Hermesstab an die Klosterpforte der Kapuziner zu Wien pochen wird. Als der traurige Dichter Joseph Roth. Der Autor ist Publizist und lebt in Köln.19 14. notariell beglaubigt. Es ist der einzige Ort. eigentlich ist die Liste der Titel ziemlich lang. Till Eulenspiegel dürfen wir jetzt schon feiern: Vor 500 Jahren erschien erstmals das Volksbuch mit seinen lustigen Streichen. In den sechs Jahrhunderten seiner Herrschaft entwickelte das Haus Habsburg ein sehr n sechs Jahren ist das Lutherjahr. ein respektloser Kerl. die Tochter eines Stahlbarons Thyssen zur Seite gelegt werden.. der noch dazu seine Nobilität einer Adoption verdankt? Eine müßige Frage. Paulus – was ist mit diesem Paulus? Wo steckt er? Die ganze Zeit hat er gezetert. den kriegerischen Fürsten ebenso wie den Lebemännern. von Karl I. der Witwe von Carl Ludwig. haben das Protokoll vor kein vergleichbares Dilemma gestellt. Der Tag zeigt uns eine weite Bucht. im Pariser Exil sein Epitaph auf die untergegangene Donaumonarchie schrieb. die sich nur noch aus dem Geist der imperialen Begräbnisstätte nährt: »Wir aber waren heillos unfruchtbar heimgekehrt. Saulus. Ein katholischer Ewigkeitsbunker. jener. der Hoch.E. Im Nu türmen sich wütende Seen auf. macht allen Angst: Das Schiff solle unbedingt in Kreta bleiben und dort überwintern. Auch der einzig noch freie Marmorsockel ist bereits reserviert: für den Sarg von Yolande de Ligne. in dem sein Kaiser Franz Joseph ruht. lässt der Alte alle vier Heckanker werfen. Auch das ging seinerzeit nicht ohne eine turbulente Staatskrise ab. der 1922 im Exil auf Madeira gestorben war. Doch weder Kreta noch Phoinix: Als die Insel Gavdos in Sicht kommt. dem alten Zeremoniell gemäß. wenn es tüchtig krachte und die Fetzen flogen. So steht es in seinem Reisepass. Mit dem Südwind könne er die westlichen Kaps runden und Nordwest anliegend Phoinix auf dem Peloponnes anlaufen. Margot Käßmann. Noch bis zum 30. Wollte dies. können auch Land riechen. der Sturm hat nachgelassen. um Zypern. So führte Karl Habsburg. Was soll er antworten. Wohl nirgendwo anders blüht die morbide Kunst des Craniums so prachtvoll wie in der Wiener Kapuzinergruft. Hat ständig auf den Kapitän eingeschwallt. Der Taten. der sich freute. aber die Leutchen hier glauben. Auch vor Top und Takel machen wir zu viel Fahrt. für die das Universum keine Verwendung mehr hat. da liege man geschützt. Andere Herschergeschlechter kamen und gingen. September zeigt die Galerie Eigensinn in Jena seine Fotos von alten Schiffsfriedhöfen in der Bretagne en Herold. welche die Leichentruhen aus den unterschiedlichen Epochen zieren. B. Sie gewannen mit einem geschickten Schachzug neue Provinzen und verspielten sie wieder in einem kriegerischen Abenteuer. gefürsteter Graf . die an der Seite des Thronfolgers dem Attentat von Sarajevo zum Opfer gefallen war. Sie mehrten oder vergeudeten ihren Besitz.. Juli in Pöcking am Starnberger See. ist ihr imperiales Vermächtnis entschlafen. Honig saugend aus giftigen Blumen. ein hageres Männchen mit zausigem Bart. Sowohl seine Mutter Zita – die letzte Kaiserin starb 1989 in einem Kloster in der Schweiz – als auch sein Bruder Carl Ludwig – der Erzherzog lebte bis zu seinem Tod 2007 im Exil in Brüssel – hatten sich zeit ihres Lebens geweigert. Wenn in wenigen Tagen die beiden Särge von Otto Habsburg und seiner bereits im vergangenen Jahr verstorbenen Frau Regina im Kreis ihrer Ahnen stehen werden. Da heißt es Tauwerk um den Rumpf spannen. In Hamburg. das er zufriedenstellend nicht lösen kann. jener einer Mikrobe. Denn auf all diese Titel hatte Otto bereits vor fünfzig Jahren. Vor Palästina. I . Des Seins. Unfassbar. Einlass in die Kaisergruft! Soll der Herold denn an diesem wohl allerletzten Tag. der Schützen aus Tirol. Dragoner aus Salzburg. glich doch seine ganze Existenz nach dem Ersten Weltkrieg.. die Auserwählte dorthin. 500 Jahre Thesenanschlag. Lycien und Rhodos. Doch nach wie vor einigt sie ein ausgeprägter dynastischer Familiensinn. Prunk und Pracht in Bronze und Zinn – ein letzter Sockel ist noch frei In den Ohren der katholischen Korpsstudenten und der Kaiserschützen. Der Ideen. eine Art Rabbiner. das den Zeitgenossen mitunter wie ein Naturgesetz erschienen sein muss. als er vor mehr als 15 Jahren die lebenslustige Francesca Thyssen-Bornemisza freite. Davon soll ihre Familiengruft künden. manche Dynastien regierten nicht viel länger. der ihm geblieben ist. plagt ein Problem. beanspruchte die Dynastie eine historische Kontinuität. er muss über Bord. Da hatte der Habsburger-Spross aber ein wenig geflunkert. der die Welt auf den Kopf stellte. 20 GESCHICHTE Zeitmaschine Ein Ausflug in die Vergangenheit – diese Woche mit KLAUS J.« Die Habsburger sind heute eine weitverzweigte Familie. den Schwachsinnigen. Seit Ende August nur widrige Winde. alles von Gewicht geht hinterher. die einstmals die Geschicke des Kontinents bestimmte. woran man bei ihm ist. robustes Selbstbewusstsein. Einige tragen Kronen. Amphoren. Reservespieren. Meine Traumreise! Mal auf einem Weizenfrachter der römischen Annona-Flotte von Ägypten bis nach Italien segeln! Das Ganze hat sich allerdings zäh angelassen. in dem Maria Theresia und ihr Gemahl Franz Stephan von Lothringen bestattet sind. Sie traten ihren letzten. die über die Zeitrechnung hinausreicht.. Doch der Herold. die mit seinem Namen in Verbindung gebracht werden könnten. der Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und des Souveränen Malteserordens – in den Ohren all dieser Kaisertreuen. die Luther-Beauftragte der Evangelischen Kirche. muss es allerdings geradezu gotteslästerlich klingen. den einst der Allmächtige selbst zum Monarchen bestimmt hatte. in deren Stammbaum sich 14 untadelige Adelsvorfahren finden. Er war ein genialer Narr. in dem sich Weihrauch zu nihilistischem Helium zersetzt hat. wo wir sind. die vorgeschriebene Frage stellen wird. Am Samstag wird dort Otto Habsburg bestattet VON JOACHIM RIEDL ZEITLÄUFTE Heute ist die Kapuzinergruft vor allem eine museale Sehenswürdigkeit. Damals wurde sein Name vom Innenminister des republikanischen Österreich in einer amtlichen Verordnung festgeschrieben: Otto Habsburg-Lothringen. der bei allem erlösungsüberzeugten Totenprunk so sehr erfüllt ist von der beklemmenden Atmosphäre der Vergeblichkeit. Sie bestaunen die Prunksarkophage. Gott ein Narr? Und die Welt nur ein Witz? Martin Luther jedenfalls mochte den Till Eulenspiegel nicht. der Männer aus den Traditionsregimentern von allen Ecken der weiland Kronländer. zu der Gruft. Und sie schaudern vielleicht ein wenig angesichts der Vielzahl an Totenschädeln. Und diese Sophie Chotek von Chotkowa war immerhin die Tochter eines böhmischen Grafen. Lange wussten sie ein Weltreich untertan. um noch zu Lebzeiten sein Heimatland wieder betreten zu dürfen. längs Kilikien. deren sterbliche Überreste zuletzt der Obhut der Kapuzinerpatres übergeben worden sind. wollte das. das neue Oberhaupt des Klans. Jetzt liegt Kreta an Steuerbord. Herzog. die Otto Habsburg 1922 von seinem Vater geerbt hatte. der vom Stephansdom quer durch die imperial geprägte Wiener Innenstadt zur Grablege ihrer Vorfahren führt. den Romantikern und den aufgeklärten Geistern. ihn ermorden zu wollen. dem letzten Kaiser in Wien. seine Streiche. Ebenso wie sich die Zinnpest durch das Metall der dynastischen Reliquienschreine fraß und nur durch moderne Restaurierungsmethoden gestoppt werden konnte. nach seinem Tod am 4. als die Chronisten Zeit benötigten. Foto: MK/STAR-MEDIA Im Reich der Cadaveri eccellenti Die Wiener Kapuzinergruft ist die berühmteste Grablege Europas. um die Verbände zu unterstützen. Eines Nachts hören wir Brandung. die über den Tod hinaus das Dasein barocker Potentaten glorifizieren – der prächtigste. »Wie würde es dir gefallen.. HENNIG Der Streit auf dem Achterdeck wird lauter. das habsburgische Wappentier. dann ist kaum noch Platz in den zwölf Gewölben. Niemand weiß. Als das Lot 15 Faden Tiefe anzeigt. Wie man überhaupt nie so genau weiß. Ob er wirklich gelebt hat? So genau weiß man das nicht. die anno 1617 von Kaiserin Anna unmittelbar vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges eingerichtet worden war. Die meisten sind auf gekreuzten Schenkelknochen gebettet und grienen herüber aus dem Moder der Vergangenheit. Er prophezeit. überfällt uns ein Nordost. plötzlich ganz ohne »von und zu« Einlass begehrt wird. dem Herrscherhaus der Habsburger. verzichtet: auf Krone und Thron. der um diese Stunde Einlass begehre in die kühle Gruft seiner Ahnen? Kaiser. Seltsamer Mann.

Und doch griff Frankreich nicht ein. sondern diente der Aufklärung über die allgemeinen Prinzipien der Menschenrechte und letztlich dem universalen Frieden. und unsere Siege werden der Würde des Menschen neuen Glanz verleihen. Er werde das Land in die Anarchie stürzen und die Prinzipien der Verfassung gefährden. Er beauftragt die Exekutivgewalt.« Die universale Freiheit gelte für alle Völker der Erde. der in Liebe zur Freiheit erglüht und in Hass entflammt ist gegen die Tyrannen«. der alle Throne gleichzeitig trifft. Während der Debatte um die Hilfe für die Aufständischen in Lüttich mahnte er zu Zurückhaltung. Appelliert wurde an das Heilige und das Höchste der Revolution: die Menschenrechte. Erst im Sommer 1791. ganz alleine das Antlitz der Erde verwandeln und alle Tyrannen auf ihren Thronen erzittern lassen können. Ein Krieg sei weder in seinem Ausmaß noch in seiner Dauer vorhersehbar. »unsere siegreiche Armee zu allen benachbarten Völkern. höhnte er in Richtung Brissot. nicht um uns zurückzutreiben. Die Kriegsdebatte. Abgeordneter des Départements Var und Anhänger der bürgerlichen.. im Paris der Revolution VON DANIEL SCHULZ D ie Nato greift ein.: Photo12/StudioX (o. sie auf ein Blatt Papier zu schreiben oder in Erz zu gravieren. Der Wunsch von Präsident Nicolas Sarkozy. um aus seinem Schoß jene Männer zu entfernen. Der Konflikt spiegelte die widersprüchliche Dynamik. der Rednertribüne der Nationalversammlung. Die Freiheit der französischen Nation wurde dabei mehr und mehr zum Auftrag.). April 1792.GESCHICHTE Quatorze Juillet 2011 DIE ZEIT No 29 20 Die ganze Welt wird Republik Abb.« Auch der Journalist Jacques Pierre Brissot. Größere Zustimmung erhielt der girondistische Deputierte Jean-Baptiste Mailhe. Unsere schlecht berechnete Menschlichkeit würde grausamer sein als unsere wohlüberlegte Unmenschlichkeit. weil die Bürger einander nicht nahe genug sind«. Nachdem das Reichskammergericht in Wetzlar jedoch die – notfalls auch gewaltsame – Wiederherstellung der Ordnung bestimmt hatte. einer der Wortführer der Girondisten. diesem Plan überhaupt Widerstand entgegenzusetzen. das allen Menschen gleichermaßen leuchtet. 1755 als Spross einer holländischen Kaufmannsfamilie in einem Schlösschen nahe Kleve am Niederrhein geboren und auf Pariser Schulen und der Berliner Militärakademie ausgebildet. Frankreich blieb keine andere Wahl. Gedeckt von einem UN-Mandat. Primärversammlungen zu bilden und die Freiheiten und Rechte in der Landessprache an alle Bezirke zu versenden. entwickelte sich der Anhänger der konstitutionellen Monarchie zum sendungsbewussten Republikaner. um im Namen der Freiheit diesen Völkern Schutz zu bieten und diejenigen Bürger zu verteidigen. November 1791 zum Sprachrohr der zunehmend kriegerischen Stimmung. rief er den Parlamentariern zu. das sich gegen die Herrschaft des Papstes erhob). wollen Länder wie Frankreich und Großbritannien sie mit militärischen Mitteln in einem fremden Staat durchsetzen. Im Moment der Bedrohung entwickelte sich eine neue patriotische Begeisterung.. Robespierre verspottet alle »Nation-Building«-Visionen Die Aufklärung hatte den Menschen als Bürger und den Bürger als Menschen deklariert. in das jene geraten. November im Jakobinerklub damit. Niemand mag die bewaffneten Missionare!« Mit Blick auf Deutschland erinnerte Robespierre an die Schwierigkeit. Menschenrechte. Man warf dem Kosmopoliten Verrat an der Nation vor. radikalen Kosmopolitismus. in der sich die Sprengkraft der politischen Aufklärung mit allen Konsequenzen entfaltete. und es muss schließlich Krieg führen. Sie ließen keinen Zweifel daran. vom Feuer der Freiheit entflammt und bewaffnet mit dem Schwert. Die Nationalversammlung bürgerte ihn ein. die der Krieg erzeugte. die Waffen der Vernunft mit den Waffen des Krieges zu verbinden . sahen durch den Krieg die neue Ordnung in Frankreich selbst gefährdet. war nach langen Reisen an die Seine zurückgekehrt. Jetzt will er die Freiheit notfalls auch gewaltsam verbreiten. Der Kampf der revolutionären Franzosen – der »Neufranken«. Die innere Gewaltspirale endete wenige Wochen später. glich einem rhetorischen Feuerwerk. »Die Menschheit«. Es war die Revolution von 1789. Der Nationalkonvent erklärte. die Völker befreien und schließlich in eine neue Weltordnung münden. für die Freiheit zu streiten – einen ganz neuen Charakter an. am 29. so klagte Cloots. Erstmals verpflichtete sich ein Land zur Intervention im Namen der Menschenrechte. »Ein Volk muss seine Freiheit selbst erobern«. das auf die Nationalversammlung gefolgt war – schien jetzt den Ideen der Universalisten zu folgen. Der Befreiungskampf für die Menschheit aber verwandelte sich nach der Machtergreifung Napoleons 1799 in einen imperialistischen Eroberungskrieg. die revolutionäre Gewalt wurde in Form der Guillotine zum zentralen Integrationsfaktor der jakobinischen Politik. Jahrhunderts.« Lüttich blieb sich selbst überlassen.« Zurückhaltender in der Kriegsfrage zeigten sich dagegen Maximilien Robespierre und die Jakobiner. Staatliche Souveränität gilt nicht mehr als sakrosanktes Prinzip zur Abwehr jeglicher Einmischung in innere Angelegenheiten. Das Schicksal der menschlichen Gattung liegt in den Händen Frankreichs. dass die Wahrheit und der gesunde Menschenverstand diese herrlichen Voraussagen Lügen strafen. Als »Redner des Menschengeschlechts« sah er sich. Ebenso aber geht es um die Menschenrechte und die »legitimen Forderungen des libyschen Volkes« – um Demokratie. Zusammen mit dem englisch-amerikanischen Revolutionär Thomas Paine verhaftet. So warnte der Architekt Louis Becquey am 20. artikulierte die realpolitische Zurückhaltung der französischen Revolutionäre. Es muss Krieg führen. Der Konvent – das Parlament. der Menschenrechte und der Demokratie geführt werden? Die Delegation wurde mit großer Sympathie aufgenommen. der in der späteren Kriegsdiskussion eine bedeutsame Rolle spielen sollte. mag unterstützend hinzugetreten sein. dass Sie damit vielleicht die Freiheit der ganzen Welt deklarieren. Cloots selber ging mit patriotischem Beispiel voran: 12 000 Livres opferte er der »Religion der Menschenrechte« auf dem »Altar des konstitutionellen Gottes«. Die Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen von 1789 und die Verfassung von 1791 wurden zu sakralen Texten aufgeladen. als die Abgeordneten ein Hilferuf der Revolutionäre aus der wallonischen Bischofsstadt Lüttich ereilte. wenn man daran denkt. Das gefürchtete Revolutionstribunal erhielt größere Kompetenzen. . Auch kam es ihm sicherlich nicht ungelegen. Zu Beginn des Jahres 1791 marschierten die Österreicher ein. den Generälen die nötigen Befehle zu geben. um die Freiheit auf unerschütterliche Grundlagen zu stellen. die sich in der politischen Kultur der Französischen Republik mit der Vorstellung von Demokratie und Menschenrechten verbindet. So machte sich der Parfümhändler Maximin Isnard. das nach zehn Jahrhunderten der Sklaverei die Freiheit errungen hat. als sich mit der Kriegsfrage zu befassen. militärisch zu intervenieren. Ihre schrecklichen Schreie dringen an unser Ohr. wo die Bürger gegen die Patrizier rebellierten. aber die Politiker haben eine aufgeklärtere Moral. die Leidenschaften und den Despotismus ausgelöscht wurden. forderte wenig später mit enthusiastischen Worten den Krieg: »Ein Volk. Wir kämpfen für die Menschenrechte. will nicht immer gelingen. Direktorate und Nationalversammlungen ein . Denn der kosmopolitisch entgrenzte Republikanismus verpflichtete die Bürger nun gleichermaßen auf zwei Gemeinschaften: die Nation und die Menschheit. Mit Luftschlägen kommt sie den Rebellen in Libyen zu Hilfe. unser Feldlager ist eine Schule des öffentlichen Rechts.. als ihre heiligen Lettern. sondern um uns zu lauschen! Es ist schade. Alexandre Courtois aus dem Stab des Generals Dumouriez (der in Belgien einen Nationalkonvent einrichten sollte) hielt Cloots’ Idee von der Weltrepublik für »vielleicht schöner als durchführbar«. die auch für ähnliche Fälle galt (wie im schweizerischen Fribourg. die Schmach der französischen Diplomatie nach ihrem Desaster in Tunesien zu tilgen. darf.« Für Frankreich stell- te sich jetzt ganz konkret die Frage: Kann. »strecken die Arme nach uns aus. die von Gerüchten über eine Mobilisierung französischer Emigranten jenseits des Rheins noch angefeuert wurde: »Sollten auch alle Adligen dieser Erde über uns herfallen. Zum einen wurde er idealistisch vom Glauben an die Weltrepublik und die universelle Geltung der Menschenrechte befeuert. Bei schweren Verletzungen der Menschenrechte kann der Weltsicherheitsrat einen oder mehrere Staaten ermächtigen. ob und wie ein Staat Demokratie und Menschenrechte mit militärischer Macht in einem anderen Staat durchsetzen kann. Seinen Vornamen änderte er – wie es Mode wurde – in antikisierender Weise und nannte sich nach einer populären Romanfigur Anacharsis. das Ancien Régime wiederhergestellt. unbewegliche Zuschauer zu bleiben. in eine République universelle. als dass sie konstitutionelle Ideen zum Keimen brächte.. das Invasionsheer des Reiches bei Valmy in der Champagne aufzuhalten. »Ein Volk muss seine Freiheit selbst erobern« Viele Jakobiner indes blieben skeptisch. »Mehrere unterdrückte Völker«. wieder in die Herzen der Menschen einzuschreiben. die sich gegen den Militärdiktator Gadhafi erhoben haben. den Rückzug auf eigene Sorgen und Interessen. Sie fürchteten eine Falle der Gegenrevolution. Die Redner schöpften sowohl aus dem Vokabular des traditionellen Republikanismus – Tugend. »Sie führen«. sondern angeboren.« Andere rieten ebenfalls zur Vorsicht. gerade die deutsche Geschichte hat es gezeigt. August 1791 verkündeten Kaiser Leopold II. in der Nationalversammlung vor der unkontrollierbaren Dynamik einer militärischen Auseinandersetzung. »wenn die Unterdrücker des Menschengeschlechts vernichtet sind«. Es ist leichter. und die der letzten Kriege wachrufen. denn die Masse des Volkes in diesen Landstrichen kennt jene Ereignisse besser als unsere Verfassung. Herbeigeführt wurde sie durch die Initiative Frankreichs. aber die Politik zwingt uns. Seine Freiheitsrechte waren jetzt nicht mehr.« Auch Isnards Hoffnung auf eine allgemeine Verbrüderung der Völker im Angesicht der universalen Menschenrechte hielt Robespierre für Trug. Die Debatte jener Jahre zeigt wie in einem fernen Spiegel das tiefe Dilemma. in deren Namen man alle Bürger zu einer letzten Entscheidungsschlacht für die Freiheit aufrief. Zunächst war dies jedoch nicht mehr als Metaphorik. und der preußische König Friedrich Wilhelm II. 1792 wählte ihn das Département Oise in den Konvent.. Am 19. RMN/bpk Das Marseillaise-Relief des Pariser Arc de Triomphe erinnert an die Kriege des revolutionären Frankreich Militärische Interventionen im Namen der Menschenund Bürgerrechte? Kriege für die Freiheit? Schon lange vor der Libyen-Resolution der UN wurde über diese Frage gestritten: Ende des 18. Die außenpolitische Zurückhaltung wurde fallen gelassen. »Die Erklärung der Rechte ist keinesfalls das Licht der Sonne. an einen Ort oder Stand oder eine bestimmte Ordnung gebunden. Damit aber nahmen auch die traditionellen patriotischen Tugenden – allen voran die Verpflichtung. die ihre Freiheit wiedererlangen möchten. Sie unterschätzt die symbolische Macht. Man mordet sie an der Schwelle unseres Landes. eilen uns entgegen. Es begann der Weg in die Schreckensherrschaft. Fast zeitgleich mit dem Bastillesturm hatten die Bürger dort 1789 den Bischof verjagt und eine Republik gegründet. Im September 1792 gelang es. um fünfzig Soldaten für den Krieg auszurüsten. November verabschiedete er sein berühmtes Befreiungsdekret. »So werden sich die Völker – wenn mitten im Kampf zwischen den feindlichen und unseren Armeen das Licht der Philosophie ihre Augen trifft – im Angesicht der entthronten Tyrannen. Kurz darauf gingen die Franzosen zur Gegenoffensive über. sind nur noch Missionare der Verfassung.« Wenige Wochen darauf wurde das Dekret noch erweitert: Die Generäle hatten nun die Volkssouveränität in allen eroberten Gebieten zu proklamieren.. zumal im nächsten Jahr Präsidentschaftswahlen sind. Sie richten überall Gemeindehäuser.. der Vernunft und der Beredsamkeit. die ganze Menschheit zu befreien. brüderliche Hilfe und Schutz gewähren wird. der allgemein als Verrat empfunden wurde. und »dass in ihm weniger Patriotismus herrschen kann. Im Januar 1792 ironisierte der Anwalt aus Arras im Jakobinerklub das universale Sendungsbewusstsein der liberalen Republikaner und ihre – in heutigen Begriffen gesprochen – »Nation-Building«Visionen. Der Autor ist Politikwissenschaftler an der TU Dresden . in Zeiten desaströser Umfragewerte in der eigenen Bevölkerung als erfolgreicher Feldherr wiederaufzuerstehen. dem Tag der Abstimmung. Am Tag nach der Entscheidung in der Nationalversammlung predigt er enthusiastisch den Krieg: »Die Verzweiflung der europäischen Tyrannei zwingt eine edelmütige und freie Nation. weit davon entfernt.. in dem Elbschlösschen bei Dresden ihre Unterstützung für Frankreichs König (und Leopolds Schwager) Ludwig XVI. Es geht um den Schutz von Zivilisten. Spätestens aber nach der Deklaration von Pillnitz gewann die Diskussion in Frankreich eine neue Dynamik: Am 27. . Die Entscheidung beflügelte nun auch diejenigen Revolutionäre. »leidet zweifellos. Unsere Der holländisch-preußische Baron Jean-Baptiste (Anacharsis) Cloots entwarf eine »République universelle« Generäle . Am 18. Freiheit und Demokratie entfalteten die mobilisierende Kraft eines revolutionären Heilsversprechens. die Revolution war beendet. als sie Robespierre und seine Anhänger selbst traf. Die heiligen Rechte der Menschheit drängten zum Kampf gegen alle inneren und äußeren Feinde. Robespierre kannte schon im Januar 1792 »nichts Leichtfertigeres als die philanthropische Aufwallung des Herrn Anacharsis Cloots«. dass mit der Kriegserklärung der Tod von mehreren Tausend Menschen deklariert wird. schrieb 1798 – mit Blick auf den französischen Freiheitsexport – der deutsche Revolutionssympathisant Georg Friedrich Rebmann. die von einer universalen Republik zu träumen wagten – wie Jean-Baptiste Cloots. als »Tribun. um die Revolution zu unterstützen. sah sich die Lütticher Republik in ihrer Existenz bedroht. der getrösteten Erde und des befriedigt zuschauenden Himmels umarmen. ja muss sogar eine Intervention im Namen der Freiheit. wenn ein befreundetes Volk geopfert wird? Das Volk von Lüttich wird verfolgt: Man will es versklaven. geführt in der Nationalversammlung und den politischen Klubs ebenso wie in der breiten Öffentlichkeit. zum Schutz der monarchischen Ordnung in Europa ihrerseits militärisch zu intervenieren. Die Menschlichkeit befiehlt uns.. radikalliberalen Gironde. zum anderen bewirkte er mehr und mehr die »Nationalisierung« Frankreichs. die durch die Unwissenheit. wenn man sie herausfordert. Jean-Baptiste Cloots.. wie deutsche Sympathisanten sie da- mals nannten – zielte für Isnard nicht auf Eroberung und imperiale Beherrschung. unveräußerlich und universal. die wie das ganze Fürstbistum bislang zum alten deutschen Reich gehörte. Robespierre und sein Vertrauter Saint-Just schürten zudem das Misstrauen gegen Fremde. oder im provenzalischen Carpentras. Aber auch das..« Der Krieg sollte die Verfassung verbreiten. Der Libyen-Einsatz stellt nur das jüngste Beispiel einer neuen Rechtsentwicklung dar. muss Krieg führen. Die konstituierende Nationalversammlung in Paris war noch mit der Arbeit an der ersten Verfassung beschäftigt.. um die Freiheit von den Lastern des Despotismus reinzuwaschen. es muss Krieg führen. welche die Freiheit verderben könnten. Vor allem aber folgte dem Krieg nach außen der Krieg im Inneren. Seine Ablehnung begründete er am 21. Auch für Cloots hatte diese Wende Konsequenzen. Seine Mission werde sich erst erfüllt haben. Die Moralisten machen uns Vorwürfe. in dem er mit der Zerstörung von Paris drohte. September 1790 appellierte die Lütticher Gesandtschaft in der Pariser Nationalversammlung an die universalen Prinzipien der Französischen Revolution: »Franzosen. Diese Erklärung allein greift jedoch zu kurz. wie noch in den Republiken früherer Zeiten. dieser Tempel wird nicht wanken. März 1794 in Paris guillotiniert.« Am Ende beschloss die Versammlung mit nur sieben Gegenstimmen den Krieg. Der Krieg begann – mit Niederlagen. Reichstruppen waren bereits in Bewegung gesetzt. Wir befinden uns in einer Krise des Universums. dort als Befreier zu erscheinen. duldet ihr. wurde er auf Betreiben Robespierres in einem Schauprozess abgeurteilt und am 24. die Mörder zurückzuschlagen. »dass in einem solchen Staat die Sitten lax sind. aber bedenken Sie auch. dass 10 Millionen Franzosen. Ausländer und »Spione«. Damals wurde in Europa erstmals die Frage gestellt. »dass er allen Völkern. Die Revolution mobilisierte alle Reserven. Patriotismus – als auch aus dem des neuen. die beleidigt wurden oder es hätten werden können. Sagen wir Europa. Der ebenso vermögende wie kosmopolitische Baron. wo man vor gar nicht allzu langer Zeit noch als Besatzer aufgetreten war: »Eine solche Invasion könnte viel eher die Erinnerung an die Verwüstung der Pfalz durch die Truppen Ludwigs XIV. weil die Tugenden vernachlässigt werden und die Laster unbestraft bleiben«. Zudem seien seine konkreten Ziele noch gar nicht benannt. Die Frage einer Intervention stellte sich bereits im August 1790. So geschah es auch in diesem Falle mit der UN-Resolution 1973. Im Juli 1792 veröffentlichte der Herzog von Braunschweig ein Ma- nifest. sie ist nicht der Blitz. die Vasallen der fremden Monarchen. Wir schlagen die Despoten und erlösen die Menschen. nach dem täppischen Fluchtversuch des Königspaars. die für Interventionen im Namen des Guten streiten.

dem man den Kopf abgeschlagen hat und das noch eine Weile herumrennt. Sie sehen keine Massendemonstrationen wie noch vor Wochen in Athen und Madrid. Vorausgesetzt. das Kartellamt würde zustimmen. Es ist ein Argument. Der Portfoliomanager arbeitet bei der Investmentfirma Cumberland Advisors in New York. an dem der russische Staat 51 Prozent der Anteile hält. werden die Europäer niemals bereitstellen können. T I T E LG E S C H I C H T E 14. vergrößern sie die Unsicherheit.on und RWE nacheinander zum Tête-à-Tête. zögerlich. den Kontinent mit Pipelines und Firmenbeteiligungen in die Zange zu nehmen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 21 GASPROM Der falsche Freund? Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas wird größer Vor drei Jahren. Immer mehr Tabus fallen. Google wehrt sich mit allen lauteren Mitteln. Der andere – gern verschwiegene – Teil lautet: Ausgerechnet durch ihre Rettungsmanöver vergraulen die Staaten Europas jene Finanziers. Nachrichtenagenturen verbreiten die I Weitere Informationen im Internet: www. Banken und Versicherungen werden schließlich dafür bezahlt. und das ist das Gefährliche an ihr. Gasprom. Das Volumen der ausstehenden italienischen Schuldverschreibungen beläuft sich auf 1600 Milliarden Euro. Die Finanzmärkte trauen der europäischen Politik nicht zu. davon 35. Aus dem gleichen Grund finanziert Google einen Thinktank namens Col:laboratory und bindet hier führende Köpfe der deutschen Internet. um vom europäischen Rettungsfonds aufgefangen zu werden – im Gegensatz zu Irland. die nach Griechenland. in Spanien mehren sich die Probleme. in Deutschland stärker Fuß zu fassen. Google vergibt inzwischen auch einen Förderpreis für innovativen Journalismus in Höhe von 2. dass die Schuldenquote fortan »rascher sinken« werde. die Finanzen der Privathaushalte solide (siehe Seite 23). GÖTZ HAMANN Illustration: Smetek für DIE ZEIT/www. gibt es kein Halten mehr. um unsere Währung zu retten. dass sie das Geld ihrer Kunden gewinnbringend anlegen. dass an der Wall Street häufig zu hören ist. Aber dem Kontinent fehle das politische Fundament für eine gemeinsame Währung. Die europäische Idee sei »nobel und irgendwie bewundernswert«.zeit. Neu ist allerdings der Gleichmut. während des russisch-ukrainischen Gaskonflikts. Nun wackelt der ewige Wackelkandidat. mit dem die Avancen Gasproms betrachtet werden. Es stimmt zwar: Italiens Wirtschaft war innerhalb der Euro-Zone immer ein Wackelkandidat. die Europa längst abgeschrieben haben. die mehr als 1. Gemäß den Regeln hätte Italien den Euro niemals bekommen dürfen. die den Euro schwächen wollten. Der Euro ist mehrfach unter Druck: Griechenland kommt nicht aus dem Schlamassel.smetek. die alles zerstören. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. von den unerbittlichen Finanzmärkten.7 Millionen Dollar und richtet eine Konferenz für bekehrte Gewalttäter aus.WIRTSCHAFT Euro am M Abgrund an sieht diese Krise nicht. Und deswegen braucht Europa die Finanziers. Es gibt einen. möglicherweise erhält er mehr Geld und neue Kompetenzen. Sorgen macht der Rating-Agentur also. diese Geschichte lässt sich den Bürgern gut verkaufen. weil sie am Ende die Rechnung immer weiter in die Höhe treibe. »Europa hat den gefährlichsten Moment der Schuldenkrise erreicht«. dann rückt auch die ganz große Katastrophe näher: das Ende des Euro. wir unternehmen doch alles. den die Regierungen zögern. und überall auf der Welt stoßen Investoren sofort portugiesische Anleihen ab. Peter Demirali gehört zu denen. Europa gegen das Treiben auf den Finanzmärkten. Chefökonom der Berenberg Bank. Moody’s hat sich in den Wochen zuvor die Haushaltszahlen von Portugal angesehen. Vor allem im Gespräch mit RWE soll es dabei um eine enge Kooperation und eine substanzielle Beteiligung an dem deutschen Energiekonzern gegangen sein. im Fall Griechenlands sind es nur 280 Milliarden. Daran sollten sich deutsche Ministerien ein Beispiel nehmen.de Euro verliehen. Aber dem Gründungsmitglied der EU die Gemeinschaftswährung vorzuenthalten galt als politisch unmöglich. so rasch und so massiv. Grundsätzlich ist nichts gegen ein stärkeres Engagement eines russischen Unternehmens auf dem deutschen Markt zu sagen. Zu wesentlichen Themen (Urheberrecht. mit Regierungsvertretern und Notenbankern gesprochen. Am Abend des 5. Das alles ist ehrenhaft – aber zugleich interessengeleitet. Der Rettungsfonds soll ausgebaut werden. Allein deutsche Banken haben in Italien – Stand März 2011 – 116 Milliarden Meldung. Die Europäische Kommission begnügte sich damals mit der Erwartung. Sonst entstehen globale Regeln. könnte der weltgrößte Gasexporteur hier leicht helfen. Nabucco planen die Europäer eben deshalb. Dies sind die Tage der Wahrheit für die Währungsunion.8 Milliarden Dollar für internationale Anleger verwaltet. soll das heißen – und es sind die Spekulanten. Seht her. Vergangene Woche traf Gasprom-Chef Alexej Miller die Spitzen von E. Washington legt nach. am Dienstag der vergangenen Woche. So geht Europa tief gespalten ins Endspiel um den Euro. der Staat im Netz) geben sie Bücher heraus und verteilen sie an alle. Portugal und Spanien nun auch Italien »aufs Korn« nähmen. Seit Wochen tourt er mit einer Botschaft durch die Hauptstädte: Die Zwangsbeteiligung des Privatsektors sei hochgefährlich. aber notfalls mit der Androhung von Zwang.8 Milliarden an den Staat. dass eine Beteiligung des Privatsektors« bei der Vergabe neuer Rettungskredite gefordert werde. Und es stimmt ja auch: Die italienische Staatsverschuldung mag zwar hoch sein – im Gegensatz zu anderen Ländern aber steigt sie nicht weiter. im Fall Italien. Von amerikanischen Großbanken. Die Banken sind gesund. Die Geldgeber haben ihr Urteil bereits gefällt. die es gerade vertreibt. An dieser Stelle kann man Google nur danken. Aber: Die Deutschen würden im Falle von RWE einen möglicherweise hohen Preis zahlen: Gasprom würde sich wohl nur beteiligen. Das Land ist zu groß. Google ergänzt sein gesellschaftliches Engagement durch hartes Lobbyhandwerk. um alle Schuldenstaaten zu finanzieren. Man darf nicht naiv sein. In Griechenland sind sie bloß mit 25 Milliarden Euro engagiert. Der Kurs des Euro bricht ein. ob es »missbräuchliches Verhalten« gab. die Probleme zu lösen – obwohl die Euro-Zone insgesamt weniger Schulden hat als die USA. In Brüssel und Berlin hat er die Mannschaft verstärkt. Die soll zukünftig Gas aus der kaspischen Region – und an Russland vorbei – nach Europa transportieren. Der Euro? Hat für ihn keine Zukunft. Man sieht die Bedrohung nicht – selbst wenn es um die Zukunft eines ganzen Kontinents geht. Vom »Angriff der Wall Street« auf den Euro ist die Rede. überzeugt sie nicht. Ob sich überhaupt noch Geldgeber finden. Und damit die Krise. Umgekehrt suchen E. Drohen Verluste. Die internationalen Geldgeber ziehen ihr Kapital ab. Ohne RWE wäre das ohnehin schon sieche Nabucco-Projekt wohl tot. Irland. Seit dem Wochenbeginn befinden sich italienische Staatsanleihen im freien Fall. Genau das wird nun zum Problem. in ein strategisches Dilemma hineinmanövriert. Sie sehen auch keine Hassplakate gegen Deutsche wie in Dublin oder Lissabon. Und Europas Regierungen können sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen. Man sieht als Gast nicht sofort. und Finanzminister Wolfgang Schäuble lässt prüfen. wie man brauchte. Er tut das subtil und elegant und finanziert nun ein wissenschaftliches Institut zur Erforschung von »Internet und Gesellschaft« in Berlin. Warum also geraten die Märkte in Panik und warum jetzt? Auch darauf finden sich Hinweise in der Mitteilung von Moody’s. Zugleich aber hofft der Konzern natürlich. füllt in Deutschland eine klaffende Lücke und kann der deutschen Internetpolitik sehr nützlich werden. ob ein Land vor dem wirtschaftlichen Kollaps steht. Versicherungen und Investmentfonds auf der ganzen Welt. Das tat sie nicht. der vor der unerbittlichen Logik der Märkte immer gewarnt hat: JeanClaude Trichet. Sie werde Investoren verunsichern und andere Länder unter Druck setzen. sprachfähig werden. HEIKE BUCHTER UND MARK SCHIERITZ Jetzt auch Italien Was noch alles schiefgehen kann Seite 22 Panik in Rom Der Bundesbank-Chef rät Das sagt Hans-Werner Sinn Seite 23 Seite 24 Seite 33 GOOGLE Und jetzt im Chor Kein Konzern macht so elegante Lobbyarbeit wie Google Der Suchmaschinenkonzern Google rüstet sich für die Debatten um die Regulierung des Internets. dessen Staatspapiere am Dienstag von den Rating-Agentur Moody’s auf Ramschstatus herabgestuft wurden. Es ist eine Schande. Aber Italien war eben immer auch der Beleg dafür. Portugals Kreditwürdigkeit wird zurückgestuft. sagt Demirali. dass es auch die Insider an den Finanzmärkten überrascht. weil in den kommenden Monaten Entscheidungen über die Regulierung des Internets anstehen. die diese Botschaft unters Volk streuen. dass ein Land mit großen Problemen sich irgendwie durchwursteln kann. Denn fällt Italien. Brüssel legt vor. Sie ziehen aus vielen Ländern ihr Kapital ab. galt damals in Teilen der deutschen Politik und Wirtschaft als Kreml-gelenkt. Der Devisenspekulant John Taylor verglich die Gemeinschaftswährung schon mal mit einem Huhn. Putin-treu und darauf aus. dass keine Universität solch eine Einrichtung aus öffentlichen Mitteln finanziert. die sich in der Hauptstadt dafür interessieren. ohne dass die Deutschen etwas Substanzielles beitragen. Damit hier kein Missverständnis aufkommt: Das Institut ist unabhängig. Damit haben sich die Europäer. der Chef der Europäischen Zentralbank. damit der Dollar weiter die Devisenmärkte dominieren könne.de/euro . Dass die Deutschen als Folge des Atomausstiegs in eine größere Abhängigkeit von russischem Gas geraten: Ob die schwarzgelbe Regierung das bei ihrer Energiewende bedacht hat? CHRISTIAN TENBROCK Die Finanzmärkte haben ihr Urteil gefällt: Die Europäer versagen in der Schuldenkrise. ihr Kollege Michel Barnier will die Bonitätsbewertungen für bestimmte Länder verbieten. was vor allem die Bundesregierung unbedingt durchsetzen will: dass Banken und Versicherungen ihren Beitrag zur Finanzierung der Rettungspakete leisten. Freiwillig. weil sie sich aus der Umklammerung durch Gasprom befreien wollen. wenn die Deutschen ihr Engagement bei der Nabucco-Pipeline aufgeben. Und wenn auf einmal das Undenkbare denkbar wird – die Staatspleite Italiens –. Entweder verzichtet man auf die kurzfristige Beteiligung der Großfinanz – und verprellt die Parlamente. sagt Holger Schmieding. So haben es Merkel und Schäuble dem Bundestag – und den widerspenstigen Abgeordneten der Regierungskoalition – versprochen. zaudernd: So nehmen die Investoren Europa war – und deshalb legen sie ihr Geld lieber woanders an. die sie für die Rettung brauchen. Es sind auch Europas Politiker. Sie diene nur vordergründig dem Schutz der Steuerzahler. Die Schuldenlast lag und liegt bei 120 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung – doppelt so viel wie erlaubt. müssen sie sich zurückziehen. Oder man setzt sie gegen den Willen der Wall Street durch – und riskiert damit die massive Kapitalflucht. Zigtausend Bundesbürger verbringen in diesen Tagen ihren Urlaub in Italien. Juli.und Wissenschaftsszene ein. der Konzern. Ob diesem Land das Geld auszugehen droht. verschickt die Rating-Agentur Moody’s eine kurze Mitteilung an ihre Kunden – Banken. Dass es trotz hoher Schulden und latenter Regierungskrisen als vertrauenswürdig gelten kann – bei Touristen und Investoren. sie entspannen am Strand von Viareggio oder bummeln durch die Straßen von Florenz. An den Fakten hat sich seither nichts geändert. Aber klar ist auch: So viel Kapital. doch was die Experten der RatingAgentur zu hören bekommen.on und RWE infolge der schwarz-gelben Energiewende nach neuen Geschäftsmodellen jenseits der Atomkraft und benötigen frisches Kapital. dass dadurch das Verständnis für seine unternehmerischen Belange wächst. Auch jetzt wieder. Zerstritten. Und so geschieht es jetzt in Portugal und Italien. Ein wichtiger Grund für die Herabstufung sei »die gestiegene Wahrscheinlichkeit. So geschah es in Griechenland und Irland. Und immerhin werden hier die globalen Kapitalströme dirigiert. So oder so: Mit jedem Tag. In einer EU-Krisensitzung am Montag in Brüssel darf Trichet seine Einwände zu Protokoll geben. die Zinsen auf Hilfskredite sollen gesenkt werden. Prompt fordert EU-Kommissarin Viviane Reding die Zerschlagung der großen RatingAgenturen. Dass Gesprächspartner in Politik und Gesellschaft künftig auf höherem Niveau diskutieren können – und Google dabei gut wegkommt. Mehr erreicht er nicht. angeführt von den Deutschen. In Washington sucht der Konzern zwölf (!) neue Lobbyagenturen. aufrüsten. um dann tot umzufallen. die Abhängigkeit der Europäer von russischem Gas ist eher noch gewachsen. machte man sich in Deutschland noch Sorgen um die Dominanz Russlands als Gasversorger Europas. Sie sollten aufstocken. Ist die Gemeinschaftswährung noch zu retten? VON MARC BROST.

der Ukraine? Werden nach Staatsbankrotten europäische Banken kollabieren? Zerbricht der Euro? Braucht der Kontinent eine neue Währungsordnung? Die Unsicherheit lähmt die Kreditvergabe und schreckt Investoren.nocoii.und Rohstoffpreise gehen wegen der starken Nachfrage in die Höhe. in vielen wichtigen Industrieländern schrumpfte die Wirtschaft gar. Vulkanausbrüche in Island. aus ihrer Abwärtsspirale nicht heraus. indem sie Dollar drucken. Unsere Exporteure sind beim Verkauf von Waren und Produkten in andere Länder ausgesprochen erfolgreich. falls die Amerikaner irgendwann keine andere Wahl mehr haben. wenn Italien & Co umschulden müssen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Wall Street greift an WIRTSCHAFT Eine gefährliche Welt Nicht bloß Griechenland und Italien: Unserer Wirtschaft droht Schlimmes von allen Kontinenten VON THOMAS FISCHERMANN (TEXT) UND NORA COENENBERG (ILLUSTRATION) ? la l e i t e n ke n ko l Ko m m t e s z taatsp n u e i n e r Ke t t e n r e a k t i o n v o n S ße Ba ro D ro h t e i n e n e u e R e z e s s i o n ? We r d e n w i e d e r g l d ? n Ge Ko m m e n U ht mehr a nter nehmen dann nic bie re n ? W i rd d i e Re g i e r u n g i h re l a h m e W i r t s c h a f t b e l e b e n u n d i h re n riesigen Schuldenberg abtrage n . um überhaupt noch neue Schulden aufnehmen zu können. w e n n d i e Ko n Wa s p a s s i e r der be sich dann auch er n in d e m Ta k t g e r ä t ? F ä l l t llenländ en Schwe d it? l o s e R o h s t o ff b o o m i n taaten m ßt a nd e re S z u s a mm e n u n d re i ie gute Nachricht zuerst: Deutschlands Wirtschaft blüht. Das führt dazu. Irland? Spanien. die früher nach großen Weltkrisen stets die Wachstumslokomotive waren. Die größte Zeitbombe allerdings tickt in der Finanzwelt: Die beiden wichtigsten Ankerwährungen der Weltwirtschaft sind bedroht. Produktionsanlagen. Belgien. Häfen. Technische Durchbrüche – die Amerika früher aus Schwächeperioden geholfen haben – sind nicht in Sicht. Vor allem aber wachsen die Selbstzweifel: Sind die rasch steigenden Waren-. und das ist für Deutschland besonders vor- D teilhaft. und manche Wirtschaftsforscher sagen für 2011 ein Wachstum von drei oder gar vier Prozent voraus. besonders in der ersten Jahreshälfte 2009. Dieses Mal kommen auch die USA.und Weltwirtschaftskrise aus China und den Schwellenländern? Die Weltwirtschaft ist 2011noch enger verflochten als je zuvor. Hurrikan-Verwüstungen im Golf von Mexiko – sich weltweit auswirken. viele Amerikaner sind verschuldet und kaufen wenig ein. A k t i e n k u r s en u n d Wo h l s t a n d s ve r s p re c hen schnell vergä ng lich? Sind Spekulations blasen entstande n . Portugal. e indem sie den Dollar in di rei b t? Inflation t Euro pa Ist der Boo m bei Immobilien p re i s e n . d e re n P l a t ze n d e m n ä ch s t die chin esische V olkswir tschaft beschädigt – und die de r ganzen We l t ? $ 100 $ 500 $ 30 0 us China a junktur in spieli t . Zwei Drittel des weltweiten Wirtschaftswachstums entstanden im ersten Quartal 2011 in den Entwicklungs. Die Stabilität des Euro ist in Gefahr. Noch sind hierzulande die Konsumenten zuversichtlich. Im Augenblick wächst die Weltwirtschaft mit einer Rate um die fünf Prozent im Jahr.22 14.com . ob noch weitere Länder demnächst vor einem möglichen Staatsbankrott stehen. das massenhaft Soja. Die Stabilität des Dollar ist in Gefahr. Rohstoff-. Was die Wachstumschancen beschneidet. Präsident Barack Obama muss außergewöhnlich harte politische Kämpfe ausfechten. Gegenwärtig weiß niemand. Überschwemmungen in Amerika. weil das Boomland jahrelang mehr exportierte als importierte und in der Folge riesige Dollarberge angehäuft hat. die Fabrikanten auch. Bislang lag es fast ausschließlich an den Chinesen. Wenn Euro und Dollar ständig extrem schwanken. hat sie auch anderswo die Wirtschaft angefacht: zum Beispiel in Schwellenländern wie Brasilien. denn für Öl. Wer hätte das kürzlich noch gedacht? Gleich nach der Eskalation der Finanzkrise. Treibstoffe und Erze nach China liefert. Hauspreise fallen. Allerdings zeigen sich nun überall dunkle Wolken am Horizont. Auch auch in China und anderen Schwellenländern mehren sich die Warnzeichen. Flughäfen und Straßen sind überlastet. die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. eben weil Schwellen. dass Ereignisse irgendwo auf der Welt – Dürren in Russland. eine Atomkatastrophe wie in Fukushima. Aktien. Indem die Volksrepublik Land und Volkswirtschaft in atemberaubendem Tempo ausbaute. Treibstoff.und Immobilienpreise in diesen Ländern wirklich ein Signal dafür. dass die Weltwirtschaft ihre Krise so schnell überstehen konnte. Was passiert mit Griechenland. Erz und Soja gibt es ja einen Weltmarkt. als ihre Schulden abzutragen. Auch in Deutschland. Das schadet auch anderen Volkswirtschaften. Rumänien. Griechenland und Italien hin oder her.und Schwellenländern. Einige Ökonomen sagen eine erneute Rezession voraus. Doch ein Kollaps des Dollar wäre auch der größte Albtraum für die Weltwirtschaft insgesamt. Das Problem ist: Der deutsche Boom steht und fällt mit der Lage anderswo. standen weltweit die Räder still. Die Industrie wächst nicht genug. Im Weltdurchschnitt gab es damals überhaupt kein Wachstum. Und jetzt? Italien ist nur der jüngste in einer langen Reihe von Problemfällen – und wohl auch nicht der letzte.und Entwicklungsländer so stark eingebunden sind. Das wiederum ist der größte Albtraum der Chinesen. auf welcher Verrechnungsgrundlage soll man dann noch Geschäfte machen? Illustration: Nora Coenenberg/www. dass mehr Wohlstand entsteht? Oder vielmehr für Spekulationsblasen? Zerplatzen demnächst wieder Träume? Werden dann Finanzinstitutionen in den Untergang gerissen. Ungarn. kommt die nächste Finanz.

hilfe zu leben. großer italienischer Privatbankier. es detti vorbei den Zuschlag für das Verlagshaus werde nicht gezagt und gewackelt. Montag. Zwar sei der Mondadori zu erhalten.653 % Die Spekulation sei Arbeitsmarkt sei er. Früher leistete sich Italien sogenannte »Baderegierungen«. vor der eindeutigen Schuldzuweisungen. Über »Er kümmert sich nur um die Märkte. In der mung und Wählerstimmen besteht.nicht mehr kandidieren zu wollen. der Verstarrt. Die Kanzlerin Aber auch Draghi sagte: künftig. dafür in Bausch Sein wirkliches Pround Bogen namenlose blem sei vielmehr der BIP 2011*. 2181 310 3518 in Milliarden US. Das ist wahr: Italiener überschuldeten Staat zur Generalabrechnung. den sen. Plötzlich ist das Land von einer nie gekannten Standard & Poor’s im Mai.6 % daraus folgenden Verden chronisch unterkäufe von Staatspapieentwickelt. »Wir sind höchst gefährdet. 7.er werde Tremonti schon noch zurückpfeifen: nale betrat. auf einmal spürt man blanke Bank gekostet.5 % de Consob weigerte das Land zu stabil. um Ende September ebenso lautlos abzutreten. warnte der *geschätzt vom Internationalen Währungsfond (IWF). So sprach vor ein paar Tagen auch noch ein hatte ihn angerufen.« Deshalb großzügigen Schalterhalle aus der Gründerzeit werde er Tremontis Spargesetz im Parlament »abtauschten ein paar Italiener ihre alten Lire gegen mildern«. Eine Stange Geld habe das auch seine Aufregung erfasst. als die Staatspapiere zum de Töne. dafür sei Wirtschafts1% –3 % 2. Man schlägt sich an die Brust. Diese Panik vor dem Untergang ist neu personifiziert. das daran gewöhnt ist. so der NoBörsenaufsichtsbehörtenbanker. Wir müssen sparen. Er sagte: »Wir haben unsere Staatsfinanzen weitaus besser unter Kontrolle als andere Länder. doch das übrige Italien wollte sich nicht dem Land die Abwertung androhten.in zynisches Triumphgeheul ausbrach: Die Akte der Finanzmann über einem feinen Mittag. die AkBanca d’Italia gekauft.Tribunal befand. dann ist das Silvio Berlusconi. die nach den VON BIRGIT SCHÖNAU W dramatischen Ereignissen des Wochenbeginns ergehen. der Staat werde härter und mehr sparen als geplant. Zuletzt sah man ihn bei öffentlichen Auftritten einfach einschlafen. lia an der römischen Via Nazio.-$ Spekulanten verantStillstand. ist ebenso allgegenwärtig wie die Hoffnung auf eine kathartische Wirkung der Krise. der Sü. ob es um Investitionen in die Bildung geht. Il Giornale feierte lich sei eigentlich nur die Panikmache durch die Verluste von Berlusconis Rivalen auf der Tijene US-amerikanischen Ratingagenturen.beben und Vulkanausbrüchen. Schweiß und Tränen. aber man sitze schließlich Nacht kommt es für den Unternehmer Berlusschon eine ganze Weile gemütlich darauf. das durch Skandale beschädigte Ansehen seiner eigenen Person sind die Ursachen für einen Vertrauensverlust mit unabsehbaren Folgen. könne es gefährlich werden. Berlusconi schwieg künftige Präsident der ZEIT-Grafik/Quelle: IWF. Seine Minister bleiben alle Antworten auf drängende Fragen schuldig. Unverantwort. Hauptgebäude der Banca d’Ita. 81 Mio. die Produktivi14. Das wird sich nicht wiederholen. Die Reformuntüch- tigkeit seiner Regierung. die seinen heruntergewirtschafteten.Arbeitslosenquote 8.WIRTSCHAFT T I T E LG E S C H I C H T E : Die Wall Street greift an 14. die die lange Sommerpause regungslos überstanden.« Und. Seit seinem letzten Wahlsieg 2008 erweckt Berlusconi immer weniger den Anschein. Wenn coni und für den Regierungschef Berlusconi und der Staat auch hoch verschuldet sein mag. Und hinter den massiven Bürotüren verkündete er. hoffnungslos Bürger sind es nicht. also ein Sturz in den Staatsverschuldung 120 % 152 % 80 % Und die italienische Abgrund. nein. Am Dienstagnachmittag meldete sich der Regierungschef schließlich doch zu Wort.erklärte Berlusconi in einem Zeitungsinterview. gab er zu. über Jahrzehnte Entscheidendes versäumt zu haben. Das war am Freitag. aber ich die weiten und kühlen Korri. sondern der einheimische Schlendrian ausgemacht. dann Moody’s im Juni. aber führungslos«. versprach der Premier. und warum gerade jetzt? Es ist Krankheit«.tien des Erbfeinds Carlo De Benedetti hätten essen in einer römischen Villa. 5.über sieben Prozent verloren.8 % 6. heißt es unisono in allen nicht vom Regierungslager kontrollierten Medien. Ebenso ungewöhnlich sind die nisters Giulio Tremonti eine Zumutung. ja. Italien Griechenland Deutschland tienkurse der Banken Keinesfalls drohe fielen ins Bodenlose. Als Verantwortlicher der schwersten Krise seit 1993 werden nicht finstere ausländische Spekulanten. verurteilt. Die Ereignisse der vergangenen Tage könnten ein rasches Ende für die Regierung von Silvio Berlusconi einläuten. dass in den dore schritten lächelnde Angestellte in Leinen. Italien sei das vor allem aber warnend. die als Vater der Krise ebenso einstimmig nur einen ausmachen: Silvio Berlusconi. morgen. dass man gleichzeitig hoch noch am Dienstag. Als in einem Land. Risikoaufschläge auf und sie haben bisher italienische Staatsanunverdrossen neue leihen erreichten ReStaatspapiere von der Wirtschaftsdaten im Vergleich: kordniveau. mit Erdsei das ohnehin längst überfällige und vollkom. Die Erkenntnis. der nicht zu lange anhalten darf. zwei Tage. Es bestimmt die Gespräche auf den Wochenmärkten. starrt auf die Börsennachrichten wie auf das Jüngste Gericht und erwartet gefasst das Verdikt: Blut. Italien! Innerhalb von drei Tragen verfällt das Land in Panik und macht dafür gleich den Schuldigen aus: Silvio Berlusconi er vergangene Woche das der Regierungschef die Bürger bewahren müsse. kein Wachstum. Inzwischen erscheint der fast 75 Jahre alte Premier regelmäßiger als Angeklagter in den Gerichtssälen als im Parlament. formulierte es die große Tageszeitung La Repubblica – ein gefährlicher Zustand. 2011 druckend.Staatsanleihen** marginal. das Land wirklich zu regieren. Gleichzeitig Euro. Es gebe wortlich zu machen. Reuters an diesem schwarzen Europäischen Zentralbank Mario Draghi. Nicht künftig. ren hingegen beeindas noch lange so weitergehe. an denen viele Italiener ih. ein bisschen aufmunternd. **12. gegen das man sich liener kurz die Augenbrauen: Was wollen die bislang immun wähnte – der »griechischen Amerikaner. Aber vor dem Wochenende sagte er Jahr 1991 Richter bestochen. der Rendite auf 10-jähr. Lange absehbar und doch gleichsam wie über Schuldenberg von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung gewaltig. Berlusconi schwieg auch beste Beispiel dafür. um an De Benenoch: Sein Land sei nicht wie Griechenland. Ansonsten aber hoben die Ita. bei den nächsten Wahlen 2013 der Nationalbank erklangen erst recht beruhigen. Der Sturm brach zählen zu den fleißigsam Montag los. gleichgültig. fand – Ruhe. Wie schlimm steht es? Foto (Ausschnitt): Minnella/Graffiti/ROPI . er schwieg über den Inhalt eines Telefongesprächs mit Angela Merkel.Konkurrenten und politischen Intimfeind. Wenn es einen Mann gibt. Der hochrangige Manager der Bank will sich nen Euro Schadensersatz an seinen schärfsten inzwischen nicht mehr namentlich zitieren las. Nur wenn Bevölkerung 60 Mio. lächel. erst mehr ablenken lassen. Doch dann kamen der Montag und der ersten Mal nachgaben. das ist seit der Attacke der Finanzmärkte auf Großverleger Carlo De Benedetti. der diese Haltung terrassen. aber ohne Sozialmen unzureichende Sparpaket seines Finanzmi.erinnere ihn immer wieder daran. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 23 »Die Finanzen sind unter Kontrolle«: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi Ach.543 % 2. 11 Mio. Das italienische Staatspapiere eine zu heikle Angele.765 % 17.Angst vor einem Virus. um Energiepolitik oder um die Erneuerung der hoffnungslos veralteten Infrastrukturen. in den Bars und auf den Dachdoch alles wie immer. Am Samstag wurde der Dienstag. wachstum 2011* sich. die telseite. als sein Hausblatt Il Giornale verschuldet und grundsolide sein könne. Die ten Sparern Europas. nicht morgen.Bilanzen der Politik der Gewinn aus Zustimanzügen oder luftigen Sommerkleidern.Ministerpräsident von einem Mailänder Gericht in zweiter Instanz zur Zahlung von 560 Millioren Gleichmut verloren haben.6 % trauensverlust und die tät zu niedrig. Berlusconis Fininvest habe im genheit.

und uns so in einen permanenten Interessenkonflikt begeben. die Verluste aber der Allgemeinheit aufgebürdet werden. ZEIT: Warum ist das ein Problem? Weidmann: Weil wir so die konjunkturellen Ausschläge und den Preisdruck verstärken. ist nicht ein noch größerer Schirm.. Diese Probleme und ihre oft zu zögerliche Bewältigung machen mir viel mehr Sorgen als die Urteile der Agenturen.. von der politischen Akzeptanz in den Hilfe gewährenden Ländern ganz zu schweigen. auf jedes neue Problem reflexhaft mit einer Vergrößerung zu antworten. wie sich bei einem Scheitern des griechischen Programms die drohenden Ansteckungseffekte eindämmen lassen. ZEIT: Würde sich der Kanzlerberater Jens Weidmann über den Bundesbanker Jens Weidmann ärgern? Weidmann: Meine Aufgabe als Präsident der Bundesbank ist.. Das ist unseres Erachtens nicht der Fall. Und zweitens bringt es nichts. Mittel aus dem Fonds für den Ankauf von bereits am Markt platzierten Staatsanleihen der Krisenländer zu verwenden. sondern ein Mangel an Wettbewerbsfähigkeit und unsolide Staatsfinanzen in einigen Ländern der Währungsunion. aber nur bei entsprechender Gegenfinanzierung. sondern ein konsequentes Sparprogramm. sie spiegeln reale Probleme in den betroffenen Ländern wider. die Einnahmenverluste müssten durch Einsparungen an anderer Stelle ausgeglichen werden. Es ist nicht unsere Aufgabe. bei dem die entscheidenden Teile rasch und nicht erst in einigen Jahren umgesetzt werden. Ratings können krisenverschärfend wirken. der langjährige Wirtschaftsberater der Kanzlerin.. ZEIT: Die Bürger haben aber das Gefühl. Gerade in einer Währungsunion ist eine antizyklische Finanzpolitik geboten. die dies aus eigener Kraft nicht schaffen können. Die jüngsten Reformbeschlüsse des Parlaments sind zwar ein wichtiges Signal. also des Phänomens. Deutschland wäre gemäß dem Kapitalschlüssel der EZB mit gut einem Viertel beteiligt. ist unerheblich.. Der Markt wird von »Die Politik braucht einen Plan« Bundesbankpräsident Jens Weidmann über Europas Schuldenkrise. daher ist die Haushaltskonsolidierung entscheidend. wann ein Land zahlungsunfähig ist. und die Löhne ziehen an. ZEIT: .und Exportbasis. war es eine Rückkehr: Angela Merkel hatte Weidmann einst der Bank abgeworben. ZEIT: Viele Investoren sind wegen der von der Bundesregierung losgetretenen Debatte um eine Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten der Krise verunsichert. die Schuldenkrise weitet sich aus. Die Ausgangslage ist insoweit günstig. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 T I T E LG E S C H I C H T E : Die Wall Street greift an WIRTSCHAFT wenigen Anbietern dominiert. dass wir Schritt für Schritt unsere Prinzipien aushöhlen. Der Bundespräsident hat sich für eine Beteiligung der Gläubiger ausgesprochen. Italien kann seine Probleme aus eigener Kraft lösen. die griechischen Banken von der Geldversorgung abzuschneiden. reden. sondern um die Frage.24 14. dass sie handlungsfähig sind. Griechenland ist trotz erheblicher Anstrengungen hinter den Vorgaben des ursprünglichen Anpassungsprogramms zurückgeblieben. Die Ratings sind nur ein Faktor bei der Bewertung der Sicherheiten. sie lenkt aber von den eigentlichen Ursachen der Krise ab: Die kritisierten Bonitätsnoten sind ja nicht willkürlich. ZEIT: Sie haben in der Bundesbank so viele kluge Volkswirte – sie könnten die Anleihen einfach selbst bewerten . aber das tun sie schon ohne weitere Entlastungen: Die Arbeitslosigkeit sinkt. Muss das sein? Weidmann: Ja..de/euro . welchen Namen er trägt. Weidmann: Diese Diskussion geht zum Teil in die falsche Richtung. egal. nur weil sie auf die Notenbankbilanzen geschoben werden. Länder freundlich zu bewerten. Dadurch würden die Anreize für eine solide Haushaltspolitik weiter geschwächt. dass die Arbeitnehmer in höhere Steuerstufen rutschen. Weidmann: Der Schirm ist Teil der Diskussion.. Dies aufzufangen ist Aufgabe der nationalen Ebene. ZEIT: Nun hat die EZB ihre Regeln aber doch längst gelockert. Weidmann: Die Bundesbank ist nicht per se gegen eine Gläubigerbeteiligung. im Mai an die Spitze der Bundesbank wechselte. zum Beispiel den Ansteckungseffekten und den daraus resultierenden Belastungen für die Steuerzahler. ZEIT: Die Griechen kämen aber leichter an Geld. Italien ist eine Volkswirtschaft mit einer starken Industrie. Die Mitgliedsländer benötigen Instrumente. ZEIT: Dabei unterwerfen Sie sich dem Diktat der Rating-Agenturen. auch Sie haben in Ihrer vorherigen Position als Kanzlerberater an einer Insolvenzordnung für Staaten mitgearbeitet. Es birgt im gegenwärtigen Umfeld mehr Risiken als Chancen. müssen die Staaten des Euro-Raums jetzt dringend zeigen.und der Haushaltspolitik liegt er keineswegs auf Regierungslinie. Aber erstens kann eine solche Entscheidung nur die Politik treffen. wenn die Gewinne privatisiert. um die möglichen negativen Auswirkungen auf die heimischen Finanzsysteme abzufedern. für Geldwertstabilität zu sorgen. dass die Bürger von dem Aufschwung profitieren sollen. Zu Recht? Weidmann: Angesichts der Risiken in der Finanzplanung und eines krisenbedingt sehr hohen Schuldenstands muss die Haushaltskonsolidierung Vorrang haben. Anleihen im Fall einer Zahlungsunfähigkeit weiter als Sicherheiten anzunehmen ginge aber auf jeden Fall einen entscheidenden Schritt zu weit. Der politische Druck wäre enorm. Auch nach Abzug der Inflation wird hier ein deutliches Plus verbleiben. Weidmann: Richtig.. denn letztlich diszipliniert vor allem das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit die Finanzpolitik. und zwar im gesamten Euro-Raum. ZEIT: Die FDP argumentiert. insolvente Banken. Prinzipiell müssen in einer Marktwirtschaft alle Akteure die Konsequenzen ihres Handelns tragen. dass die Risiken nicht verschwinden. Kam die Idee zur Unzeit? Weidmann: Die Vielstimmigkeit in den öffentlichen Diskussionen der vergangenen Wochen – nicht nur über die Privatsektorbeteiligung – hat jedenfalls nicht dazu beigetragen.zeit. Weidmann: Diese Diskussion ist zwar berechtigt. Warum stellen Sie sich ausgerechnet jetzt quer und machen der Regierung das Leben schwer? Weidmann: Ihre Frage zeigt doch gerade die Gefahr eines Glaubwürdigkeitsverlusts. ZEIT: Warum garantieren wir dann nicht einfach für die griechischen Schulden? Das würde die Märkte beruhigen. ZEIT: Vor den Folgen einer Pleite wurde doch immer gewarnt. ganz abgesehen davon.. Sie und Ihre Kollegen drohen im Fall eines Schuldenschnitts. Nach unserer Einschätzung steigen die verfügbaren Einkommen 2011 und 2012 um dreieinhalb und drei Prozent. ZEIT: Also keine Steuersenkungen? Weidmann: Man kann über eine Bekämpfung der kalten Progression . Um die Unsicherheit zu stoppen. Deshalb müssen wir eine rote Linie ziehen. Diese Maßnahmen müssen nun aber auch zügig umgesetzt werden. Weidmann: . dass es nicht mehr gerecht zugeht. ZEIT: Italien überlassen wir den Finanzmärkten? Weidmann: Was Italien braucht. Zur Stützung von Mitgliedsstaaten.. dass das nicht mit den EU-Verträgen – konkret dem Nichtbeistandsgebot – zu vereinbaren wäre. Das zu entscheiden ist aber die Aufgabe der Regierungen und Parlamente. Und auch die beabsichtigte weitere Verringerung der Zinskosten für die Programmländer ist nicht zielführend. Insofern schützt der Rückgriff auf externe Ratings unsere Unabhängigkeit. Andernfalls sollten keine weiteren Zahlungen an Griechenland mehr geleistet werden. geschweige denn Länder zu finanzieren. Die Vergemeinschaftung der Schulden würde daran rein gar nichts ändern. einen geringen Nutzen und gefährliche Nebenwirkungen zur Folge. Warum? Weidmann: Das Eurosystem vertraut keineswegs blind dem Urteil der Rating-Agenturen und bildet sich durchaus eine eigene Meinung. Das heißt. gegen die Bonitätswächter vorzugehen. Foto [M]: Gaby Gerster/laif I Weitere Informationen im Internet: www. Das Geld des Rettungsschirms sollte nicht für den Ankauf von Staatsanleihen am Sekundärmarkt eingesetzt werden. Mit der bereits geplanten Aufstockung hat er ein Volumen von insgesamt 750 Milliarden Euro. ZEIT: Warum schützen Sie dann die Banken? Weidmann: Es geht nicht um einen Schutz der Banken. Wir stünden sehr bald vor noch größeren Problemen. Deshalb verleiht das Eurosystem Geld nur gegen angemessene Sicherheiten. ZEIT: Wie meinen Sie das? Weidmann: Für Verluste des Eurosystems steht am Ende der Steuerzahler gerade. Weidmann: Die Politik muss einen Plan haben. ZEIT: Die Europäische Zentralbank trägt nicht gerade zu einer Deeskalation der Lage bei. Zweitens muss rasch Klarheit über das neue Programm für Griechenland hergestellt werden. wenn wir Anleihen eines zahlungsunfähigen Landes akzeptieren würden. im Gegenteil: Eine staatliche Insolvenz im Euro-Raum darf nicht ausgeschlossen werden. Was der Kanzlerberater in Berlin darüber denkt. Weidmann: Die Ursachen der Krise sind doch letztlich nicht Fehleinschätzungen der Märkte. ZEIT: Sprechen wir über Deutschland. Im Ergebnis würden Lasten zwischen den Steuerzahlern der Euro-Länder umverteilt. Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit der Politik zu schaffen. Das Eurosystem muss sich am Durchschnitt der Euro-Zone orientieren. denn es geht um die Glaubwürdigkeit der Notenbanken. die festlegen. das die Märke ihnen derzeit nicht geben wollen. die Finanzmärkte nehmen Italien ins Visier. nur sie sind dafür demokratisch legitimiert. Den Konflikt mit Berlin hat der neue Präsident – ein promovierter Volkswirt. der für den Internationalen Währungsfonds und den Sachverständigenrat tätig war – seither nicht gescheut: In der Währungs. Italien und die Rolle der Rating-Agenturen Der Rückkehrer Als Jens Weidmann. Griechische Anleihen werden immer noch akzeptiert. Die Bundesregierung will die Steuern senken. ZEIT: Im Gespräch ist auch.. ZEIT: Geht es konkreter? Weidmann: Erstens. Weidmann: Das denke ich nicht. obwohl sie Ramschstatus haben. die Beschäftigung wächst. es kann keine maßgeschneiderte Geldpolitik für ein Land geben. ob in der aktuellen Situation die Chancen einer Beteiligung des privaten Sektors – also der zu erwartende Beitrag des Finanzsektors – im angemessenen Verhältnis zu den Risiken stehen. Hinzu kommt. Weidmann: . ZEIT: Muss er noch größer werden? Im Gespräch ist eine Verdopplung auf 1500 Milliarden Euro. Wie ernst ist die Lage? Jens Weidmann: Die Lage ist sicherlich angespannt. Die Fragen stellte MARK SCHIERITZ DIE ZEIT: Herr Weidmann. selbst wenn das Lohnplus nur die Inflation wettmacht . ZEIT: Die EU scheint entschlossen. steht der Rettungsschirm zur Verfügung. Ursache der Krise sind unsolide Staatsfinanzen. Gegen diesen Grundsatz würden wir verstoßen. Die Eindämmung der Krise darf nicht dazu führen. Außerdem könnte eine Steuersenkung die ohnehin schon lebhafte Konjunktur zusätzlich befeuern. die Gewährung weiterer Hilfen der Staatengemeinschaft an den Zwang zur Beteiligung des Privatsektors zu knüpfen. Das hätte hohe Kosten. um die Abwärtsspirale zu stoppen.. im Gegenteil.

dass Ackermann. Das Hoffen auf den Bonus. aber Siemensdie unsauberen GeRechtsvorstand Peter Y. Delhi und São Paulo heißen. die Industrie und die Gesellschaft enthalten ist. obwohl es von denen sehr viel mehr gibt. noch weiter abgenommen hat.und Kleinstbetrieben (1. Wirtschaftsverbände fürchten um den deutschen Einfluss auf den internationalen Kapitalmärkten. dass Fitschen aus redeten. Rolf Breuer (1997–2002).2 Die chinesische Zentralbank hat ihre Devisenreserven. Sogar für den Posten des Aufsichtsratschefs empfahlen ihn einige plötzlich. lange Jahre der Kopf aktuelle Afrikareise mitgenomdes Investmentbankings. einen Porsche Cayenne Star der Wall Street. der das Unternehmen von 1992 bis 2005 führte und bis 2007 Aufsichtsratschef war. sorgt er als Head of Dynamik dieser Tage. Davon entfielen 12 Milliarden Euro auf Großbetriebe. voller Gerüchte. 2011 einen Gewinn von 10 Milliarden Euro zu erwirtschaften. die ihnen bei der Eroberung neuer Märkte zur Seite steht. Ein Ort. in ihren Steuererklärungen falsche Angaben zu machen. Ganz sicher ging es ihm aber um das Wohl der Deutschen Bank. Und wenn jetzt in Berlin Erinnerungen an Ackermann als Berater in der Krise und Bankenretter aufgewärmt werden. eine Betriebsprüfung über sich ergehen lassen zu müssen. Geburtstags 2009 ein Abendessen im Kanzleramt veranstaltet zu haben. Es sind turbulente Tage bei der Deutschen Bank. der Druck. Ackermanns großes Ziel. wollte Ackermann offenbar Fitschen ver. Die Zentralbank hat die Zinsen zuletzt mehrfach erhöht. mit diesem System illegaler Zahlungen zu leben. den über Jahre steht: Jürgen Fitschen kommt aus Jürgen Fitschen das offen ausgetragenen Konflikt dem Investmentbanking. so Solmssen in einem Interview. Bis vor Kurzem war es im politischen Berlin noch eher unschick. Solmssen erwartet von dem früheren Vorstandschef Heinrich von Pierer eine öffentliche Entschuldigung. Die Notenbank kauft Devisen an. Die aktuelle Statistik zeigt allerdings.Deals. Die Politik wird mit Jain leben lernen.35 Milliarden Euro) und von Klein. seriösen Herrn an der Spitze der den Stühlen. breit banking hin. Pierers Lebensleistung sei aber »viel mehr als die Affäre«. den Kauf der Postbank hat er unterstützt. dass im Fall eines Rückzugs von Ackermann ein wichtiger Ansprechpartner verloren gehe. 62 Jahre alt. Fit. im Schnitt alle 4. aap. ehrgeiziger Investmentbanker. Da Harsefeld nahe Hamburg stammt und heute in brach der kalte Neid aus«. Visum. wenn wir mit Herrn von Pierer in jeder Hinsicht einen Ausgleich fänden. Allein mit Krediten an schwäbische Mittelständler und der Beratung vermögender Kunden lässt sich so viel Geld nicht verdienen. Hilmar Kopper (1989–1997). weil sie nun dauernd über Bezüge Deutschen Bank. vario images. www. Heute nennen Händler später in London die Sparte geweltweit »Deutsche« in einem führt. Vergleichsweise niedrig waren dagegen die Zusatzeinnahmen von Mittelbetrieben (1. das Denken in Städtchen. ist ohne Jains Mannen nicht zu erreichen.7 Jahre geprüft werden und Mittelbetriebe alle 14. Genauer gesagt: das Bild des Josef Ackermann. dass Großbetriebe. Als Josef geschätzt wird.zeit. insbesondere in der Zukunft nicht Frankfurt.48 Jahre alt. und Finanzmetropole residieren. Sie wollen eine Bank. dafür aber eine Einfahrt haben.sich die Deutsche Bank zu einer ernst zu nehmenden Konkurrentin für die alttrauen vieler deutscher Konzerneingesessenen Adressen in Lonchefs genießt und von Politikern don und New York. die ohnehin schon die größten der Welt waren. geschäft in der Heimat neu schätzen gelernt. Überdies ist die Einarbeitungszeit in diesem Bereich relativ lang. Oppenheim. JUN osef Ackermann durchläuft derzeit eine seltsame Wandlung. Es geht auch um die alte Frage. Vorstand aufnehmen? »Den kennen wir doch gar Mehr und mehr wird Jürgen Fitschen dieser nicht«. der das Ver. in den hindern. der Nachfolger Herrhausens. Was selten im Vordergrund was andere begonnen hatten. was als wahrscheinlich gilt. Oder anders formuliert: wie viel Patriotismus ein Land von seinem größten Geldhaus erwarten kann. Parlamentarier warnen. Viele Topsich für die Schweizer UBS. schnell eine LöRegional Management seit Jahren weltweit für eine sung zu finden. im Grünen und doch Frankfurt nahe. Die Protzerei seiner Branche ist ihm fremd. für die Jain steht. Für Ackermann ist die Entscheidung eine krachende Niederlage. Hinzu kamen mehr als 1. lancierter Berichte und Dementis. Dafür handelt die Bank heute aber umso mehr im Auftrag ihrer Kunden – und leitet einen immer größeren Teil der globalen Kapitalströme über ihre Plattformen. Unwidersprochenen Berichten zufolge gehören den Investmentbankern zudem mehr als 20 Prozent der Bank. sich mit dem Chef der Deutschen Bank in der Öffentlichkeit zu zeigen. von denen es derzeit rund 192 000 gibt. Die die derzeit so gern betont wird. so reizvoll war es auch. viele Kleinunternehmer davon abhalte. erinnerte sich später Hofheim am Taunus wohnt. Sie sei »in dieser Prüfungsklasse ohne Aussagewert«. ohne Ackermann sei die Stabilität der Republik in Gefahr. Er hat in den zieren und die Bank an den Kaneunziger Jahren die Expansion pitalmärkten zum Begriff zu Schweizer ersetzen in Asien vorangetrieben und machen. den Chef der Briten. die die Abhängigkeit Deutsche Bank betrieb damals noch vor allem das von den schwankenden Finanzmärkten verringern. in Berlin umhört. dass Investobessere Verzahnung der Banksparten vor Ort. fielen die durch die Betriebsprüfungen erzielten Einnahmen 2010 um rund 1. heißt es. Mit umgerechnet 2. einen genug für einen Mercedes. sondern Peking. diesem Gesicht der Bank in lukrativen Geschäft mit Börsenzwischen Frankfurt und London der Heimat. Die die immensen Kundengelder. genau wie sie lernte. die die Betriebsprüfer bei Bauherrengemeinschaften und sogenannten Verlustzuweisungsgesellschaften holten. hat Ackermann das klassische Bankchen. London oder Tokyo Gehör verschafft. das die Journalistin Ursula Weidenfeld mit ihm führte und das in dem von ihr herausgegebenen Sammelband Nützliche Aufwendungen? Der Fall Siemens und die Lehren für das Unternehmen. Düsseldorf und Mün. Als Weber aus dem manager fremdelten anfangs. die Berliner Bank. Wie deutsch ist die Deutsche Bank? Die Antwort auf diese Frage hat das Institut längst gegeben. die kein Na. Während aus der Statistik der Länderfinanzbehörden ersichtlich ist.und Kleinbetriebe so selten dran. Häuser. in seinem Gefolge ein ganzes und einen Mini nebeneinander. die PostInvestmentbanking hat in der Deutschen Bank eine bank und Sal. der den deutschen Interessen in New York. Wilfried Guth (1976–1985) und Friedrich Wilhelm Christians (1976–1988). Solmssen schäfte konnten in dieser Zeit unbehelligt gedeihen und sich ausbreiten«. Wer sich nun in diesen Tagen.5 Jahre.65 Milliarden Euro). Verglichen mit dem für die Finanzbeamten besonders ergiebigen Vorjahr. an Anshu Jain kommt daher niemand in der Deutschen Bank vorbei. wie gemacht für den ihnen: Anshu Jain. für den Wunsch der Deutschen nach einem diese Gehälter! »Die Kollegen fielen reihenweise von bodenständigen. dass es bei den Erbfolgekriegen in den Frankfurter Zwillingstürmen nicht nur um persönliche Rivalitäten und den Ruf der Bank bei Kunden und Investoren geht.den wolle man sich »erst mal anschauen«. Deutschlandchef Jürgen Fitschen.8 Milliarden Euro. was längst Realität ist.warum? John Craven.3 Milliarden Euro niedriger aus. Er weiß um die Bedeutung des Heimatmarkts. Es ist kein Zufall. wohlhabend. »Er müsste nur sagen.6 Millionen Klein. Fusionen und Kapitalauf ein erträgliches Maß zu redusam sollen sie den marktgeschäften. Parallel zu seiner Rolle als Deutschlandchef.2 Milliarden Euro rund drei Viertel bei. Zwar hat Ackermann sich von vielen der hochriskanten Bereiche wie dem Handel auf eigene Rechnung verabschiedet. dass bereits die Befürchtung. »Ich würde es sehr begrüßen. vorzeitig geht. anlässlich Ackermanns 60. Nahost und Nordamerika hat.nen Wettbewerbsnen Jahren angehäuft vorteil zu verschaffen.« JUN Ackermanns Erben Ein Duo steht kurz vor der Machtübernahme in der Bank. Montage: DZ . Handwerkern und Wirten hin und wieder ganz genau hinzuschauen. dass es ihm leidtut«. An London. für den nur die Rendite zählt. Doppelpack dass die Kanzlerin ihn auf ihre Ackermann. Tage zu einer Projektionsfläche für allerlei Sehn. noch einmal stark vergrößert. Nun folgen wohl Jürgen Fitschen und Anshu Jain Solmssen über Pierer Siemens-Rechtsvorstand Peter Y. vollendete er. Schritt für Schritt entwickelt zurückhaltend auftretenden Fitschen. Interfoto.Finanzkrise. Investmentbanker. 2007 war die Truppe noch um 454 Frauen und Männer stärker. JUN Chefs der Deutschen Bank (von links oben): Hermann Josef Abs (1957–1967). ddp. imago (2). dass die Zahl der Prüfer. Alfred Herrhausen (1985–1989). Er hat Der globale Ansatz und die Ausrichtung aufs die Norisbank gekauft. Da passt es. Möglich auch. Möglich. das Liebäugeln mit dem Risiko – so neu dies berg. Josef Ackermann (seit 2002). kommen die rund 7. dass am Ende dieser Woche wieder alles anders aussieht als an ihrem Anfang. Die Kehrseite dieser Politik ist ein starkes Wachstum der Geldmenge. Getty Images. sucht man in Hof. dass die Behörden lieber gleich auf eine Angabe des durchschnittlichen Prüfungsabstands verzichten. er habe das System der Bestechung erfunden. hielten die Kollegen Herrhausen entgegen. Im vergangenen Jahr waren es 13 210 Finanzbeamte. wie deutsch die 141 Jahre alte Deutsche Bank ist. die Zugang zu den großen Investoren in Asien. sagte Solmssen. Es scheint aber gesichert. Es ist ein beschauliches Hilmar Kopper. An der internationalen lange Tradition. dann auch.Heer junger. in ihren Reihen genügend geeignete Kräfte für die anspruchsvolle Aufgabe der Betriebsprüfung zu finden. So hat es sich Oberkontrolleur Clemens Börsig gewünscht. Und süchte. Jain ist wie sein Vorgänger sachlich versiert und nach 16 Jahren im Haus keineswegs blind für die Rolle der Deutschen Bank als Ansprechpartner für Wirtschaft und Politik. die nun noch vom gesamten Aufsichtsrat abgesegnet werden muss. die Spitze rückte.net.3 Billionen Euro lagen sie im Juni um 30 Prozent über dem Vorjahreswert.ren und Wirtschaftsmedien die Führungskrise in schen weiß. 2002 an Anshu Jain ist men hat. Ackermann – er gilt heute als Mann der sozialen Markwirtschaft. Ihm gelang es. Dem Vernehmen nach misslang auch das. dessen Vertrag erst 2013 endet. Doch Jain ist in erster Linie ein kluger Banker.de/audio Fotos: dpa (2). Der Chef der Deutschen Bank ist vor allem eines – ein Banker. Im vergangenen Jahr trug das Investmentbanking zum Vorsteuergewinn von 7. Manchem Finanzchef war die alte Deutsche Bank zu piefig. Die Länderfinanzminister glauben allerdings. Atemzug mit »Goldman« oder »Barclays«. Die Verbraucherpreise steigen in China mit einer Jahresrate von 6.Ausrichtung ändert das aber nichts – und Grund hausen. die ausgewählte Firmen gründlich unter die Lupe nahmen. Alimdi. in denen die Nachfolge des Schweizers geregelt wird. Gemeingängen. auch bei Händlern. rührt vor allem daher. sagte Solmssen über Pierer. um den Anstieg des Wechselkurses der eigenen Währung Yuan zu verhindern und Billionen Dollar hat den Exporteuren eiChina in den vergange. aber weit weniger protzig als Kron.so gab die Deutsche Bank sich dem Investmentmensschild. 1995 holte man Edson Mitchell. doch dann entschied dieser Konzernbeteiligungen in der Heimat. wo viele andere Einkommensmillionäre der für die Frankfurter war.28 14. dass es falsch war. die Bank ist und dass die Wachstumsmärkte der In den vergangenen Jahren. Englisch sprechen – Spiel war. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 WIRTSCHAFT MACHER UND MÄRKTE Prüfungserfolg Die Betriebsprüfer der deutschen Finanzämter haben dem Fiskus im vergangenen Jahr Mehreinnahmen von fast 17 Milliarden Euro beschert. weil die Vergangenheit immer in einem freundlicheren Licht erscheint. Er wollte den früheren Bundesbankpräsidenten Axel Weber als klassische Kreditgeschäft und pflegte ihre zahllosen Nachfolger installieren. Jain spricht kein Deutsch und ist wohl auch mit den deutschen Befindlichkeiten nicht allzu vertraut. Alles begann einst mit Alfred Herr. die weit höher waren als ihre eigenen. Politiker mieden die Empfänge des Geldhauses. sollen die Deutsche Bank gemeinsam führen. Und die deutschen Konzerne schätzen die Internationalität sogar. der 1989 die britische Investmentbank für den Kauf der Postbank war weniger deren GeMorgan Grenfell übernahm – gegen das Votum schäft mit Kleinsparern als vielmehr der Zugriff auf engster Berater und gegen große Widerstände. Die Haltung zu Pierer und anderen Vorständen spalte die Belegschaft und sorge für Unfrieden. Der Sinneswandel offenbart. die bereits seit mehreren Jahren rückläufig ist. bis heute wird Angela Merkel vorgehalten.4 Prozent. Gut möglich. wie wichtig das Investmentbanking für Frankfurt mit Argwohn verfolgen. Den Finanzämtern fällt es schwer. DZ. ullstein. die nur noch ein bisschen »die Deutsche« ist VON MARK SCHIERTZ UND ARNE STORN J Geldmeister China 3. dass der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats sich vor wenigen Tagen für eine Doppelspitze entschieden hat. »Keiner sagt. Eine Berufung Jains an die Spitze macht nach außen für alle sichtbar. Josef Ackermann – er galt als Agent des globalen Finanzkapitals. alle rechtlichen Hürden für solch einen fliegenden Wechsel außer Acht lassend. Die Steuerbehörden wollen daher nicht ganz darauf verzichten. sich mit Ackermann zu arrangieren. dass es Ackermann auch um das Wohl des Landes gegangen ist. unter heim vergebens. der gewinnt auf einmal den Eindruck. und der oberste Investmentbanker Anshu Jain.

auch in J . arbeite in Straßburg und Brüssel mit Menschen aus vielen Nationen zusammen. Jetzt bin ich EU-Kommissar. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 29 »Wir betreten Neuland« Er will eine Billion Euro – und hat unzählige Gegner. die Verwaltungs. Deutschland. wie ein Finanzfrieden für Europa. die kann der Kommission neuen Länder zu förim Zweifel das Misstrauen Ich habe alle Hauptdern. sondern um eine Änderung der Finanzierungsstruktur. bei den bislang letzten Investitionen. Umso mehr hat mich gefreut. Es geht bei den neuen Eigenmitteln nicht um Mehrausgaben für Europa. Wir wollen darüber hinaus Schluss machen mit dem gegenwärtig komplexen System von Rabatten und Ausnahmen und den Haushalt auf der Einnahmenseite radikal vereinfachen. ging es um die Verteilung der Agrarmittel. ZEIT: Dänen kontrollieren plötzlich wieder ihre Grenzen. Das ist für Deutsch. werden von Ihnen in diese Debatte nicht mit einbezogen. DIE ZEIT: Herr Lewandowski. ZEIT: Die nationalen Parlamente. Das Gespräch führte CLAAS TATJE . und eine Fi. dass man seinen der achtziger Jahre zu den dem Haushalt auf die Bürgermeister abwählen Beratern Lech Wałęsas. Als Haushaltskommissar Janusz Lewandowski den Entwurf kürzlich präsentierte. Die polnische bescheiden. Ehrgeizig sind auch die populär. aber das ist politisch sehr schwer: Ich habe alle Hauptstädte und Parlamente besucht – und die Hälfte der Zeit. Lewandowski: Mit mir gibt es keine Besteuerung ohne demokratische Vertretung.Periode von sieben Jahren ist. Bis vielen Rettungspakete kann. etwa indem er beim Agrarbudget spart und 50 Milliarden Euro zugunsten von Verkehrs. Eine Billion Euro ist er groß geworden. folgte schnell Kritik aus den Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament. der Landwirtschaft fast 400 Milliarden Euro zu versprechen. Pordent Barroso aber nicht. dass unser Entnanzmarktsteuer für den EU-Haushalt wäre ein manchen Beamten und sicherlich nicht gerade wurf die Grundlage für die nun anstehenden Verhandlungen sein wird. Euro. Wie kann Haushaltsverhandlungen. die neben schied. Dabei ging fast unter.Kommission und Parlament einigen. haben Sie in den vergangenen Wochen Zeitung gelesen? Janusz Lewandowski: Ja. In ihrem Zentrum: das Haushaltsvolumen und der Vorschlag. in der man ZEIT: Die Reicheren – versucht. mit der Bitte. Das war kein nung zu tragen.nanzminister Wolfgang Schäuble mir vergangene haben wir mehr Europa vereinbart. deren größtes Vorrecht traditionell der Haushalt ist. um den künftigen Haushalt zu finanzieren? Lewandowski: Das ist schon eine Revolution – es geht uns jedoch nicht um neue Steuerbefugnisse für Europa. Das ist nicht so einfach mit Woche in Berlin versichert haben. Lewandowski: Das war ZEIT: Trotzdem sind Ihre Pläne lebensfern. Erst vor Kurzem habe ich den größte Einzahler. ZEIT: Eine Erfahrung. die deutschen Gemeinden in Skandinavien. Lewandowski: Unser Versuch ist ehrgeizig. wobei wir uns in der Höhe sehr lichen Maklers zwischen den Mitgliedsstaaten und Ausgangspunkt für die echten Verhandlungen. Insbesondere eine Finanzmarktsteuer würde im gleichen Ausmaß zu niedrigeren Überweisungen der Mitgliedsstaaten nach Brüssel führen.Präsidenten aller europäischen Institutionen einen dass Außenminister Guido Westerwelle und Fiben. Ich gehöre der Generation Solidarność an. dass Europa Ich bin sicher. nomen die Freiburger Schule tugal und Irland guLewandowski: Das eurodes Wirtschaftsliberalismus cken. und damit hat die griechische Regierung keine andere Alternative. den haben eigene EinnahmeNiederlanden. dass der Anteil der Landwirtschaft am EU-Budget bis 2020 von heute über 40 Prozent auf 33 Prozent sinken wird. zugege. All das will ich nicht missen. pas Regierungen werden niemals zustimmen. ZEIT: Sie haben ein Jahr lang an Ihrem Siebenjahreshaushalt für Europa gearbeitet. Lewandowski: Die Rahmenbedingungen für diese genmitteln finanzieren soll.kosten einzufrieren. Ich verwurde 1951 in Lublin stehe die deutschen ZEIT: Mit dem Untergeboren und zählte Anfang Steuerzahler. etwa in Energie. ohne den reiaussprechen. Prototyp. Natürlich bestädte und Parlamente cheren zu viel wegzutreten wir Neuland. Kommissionspräsiheute begeistert den Ökofür Griechenland. Die Kunst der päische Parlament ist deVerhandlung besteht mokratisch gewählt und für mich darin.etwas wert in diesen turbulenten Zeiten. Was ist damit gemeint? sich die EU seit den römischen Verträgen aus Ei. während Zukunftsprojekte wie die Galileo-Satelliten und das Kernfusionsprojekt ITER um Geld ringen? Lewandowski: Zunächst einmal weise ich darauf hin. die Sie anderen voraushaben. wenn wir in die EU aufgenommen werden. und setze Verhandlungen sind schwer. sein Anteil an vor dem blutigsten Verteilungskampf seiner Gewerden. Eurobesucht – und die nehmen. 50 Milliarden Euro Staatsvermögen zu privatisieren? Lewandowski: Mit meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Das ist der explosive Teil des Rettungsprogramms. Das Paket ist aber nun einmal genehmigt.ZEIT: Eine Billion Euro. und mehr Geld für Bildung und Forschung. das klingt nicht gerade Kompromisse eine Einigung zu erzielen. Derzeit reist Lewandowski durch die Hauptstädte und verteidigt seine Pläne. Sie fordern mehr ZEIT: Sie müssen sich bis Ende 2012 mit Rat. ich bekomme aus allen 27 Ländern einen Pressespiegel. die ich Einrichtung. das gelingen? Dem versuchen wir in unserem Vorschlag Rech. ist die Arbeit als Privatisierungsminister. auch wenn es der Haushalt für eine ist ein Kompromiss mit 27 Mitgliedern so etwas Ratspräsidentschaft wird im Herbst eine Konfe. Wünsche der Mitgliedsstaaten. dass wir das Ende des Kommunismus erleben werden. das Budget um die Verteilung der tischen Mitteln zu lösen. dass wir da Fortschritte machen wachsen – real bleibt er also gleich. Wir brauchen eine Debatte ohne Tabus. halt um 110 Milliarwir sind der weltweite den Euro zu stutzen. verteilt auf die Jahre 2014 bis 2020 und viele Ressorts.Wunschkonzert. L E WA N D OW S K I quellen. Das ist keineswegs Schritt in diese Richtung. noch zu leben. Auf welche Erfahrung hätten Sie in dieser Zeit gern verzichtet? Lewandowski: Auf gar keine. die ich in den Parlamenten verbracht habe.und Energienetzen umschichtet. Die Mitglieds- staaten müssen unseren Plänen einstimmig zu. Wir wollen nicht in die nationale Haushaltssouveränität eingreifen. pa ist eine einzigartige Hälfte der Zeit. dass der 60-jährige Pole weitere Tabus gebrochen hat. Das ist wirklich renz mit Beteiligung der nationalen Parlamente Lewandowski: Nach unseren Plänen soll der Haus. dass in unserem Vorschlag die Agrarausgaben nominal eingefroren werden. es gibt land nichts Neues. Für mich stimmen und diese sogar ratifizieren. Im Gegenzug steigen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um real 46 Prozent! Natürlich hätte man noch mehr umschichten können. formulierte die ProdiKommission zunächst einen Vorschlag wie ein ze. und das kann man in Griechenland nicht schnell und billig verkaufen. Was glauben Sie – wie schwer wird es für Athen.und Transportnet. für den neuen HausAgrarmittel Das ist nicht einfach. Wir konnten nicht erwarten. ging es überschreitenden demokragefordert. grenzüberschreiallen voran Deutschin den Parlamenten tende Fragen mit grenzland – haben bereits verbracht habe.rückläufig. EU-Steuern auf Finanzgeschäfte und zusätzliche Anteile Brüssels an nationalen Mehrwertsteuern einzuführen. dass der europäischen Wirtschaftsleistung ist deutlich schichte stehe. damit der Haushalt inflationsbereinigt konstant bleibt. um diese Fragen offen zu diskutieren. selbstverständlich: 2004. völlig unrealistisch. ZEIT: Ist es zeitgemäß. was privatisiert werden soll.. und die ist immer sehr optimistisch gewesen. Die Griechen betrachten all das. Griechen zünden Europaflaggen an – und in dieser Stimmung fordern Sie eine EU-Steuer. als Tafelsilber.WIRTSCHAFT 14. zurückhalten. EU-Kommissar Janusz Lewandowski über seine Haushaltspläne Fast ein Jahr lang hat die Europäische Kommission intern um ihren neuen Haushalt gerungen. sondern nur das Verhältnis zwischen den direkten Zahlungen der Mitglieder und den eigenen Mitteln der EU ändern. Aber mit dem neuen Vertrag von Lissabon Brief geschrieben. Man spürt.Lewandowski: Ich sehe mich in der Rolle des ehr.doch zu erwarten – Deutschland ist schließlich der tungskosten ein.dass dieses Geld sinnvoll eingesetzt wird. Ich muss zudem daran erinnern. ohne politisch dafür bestraft zu werden. sogar die Nachrichten aus Berlin. und wir haben erwartet. dem Parlament. mit dem Auftrag.mich sehr für eiserne Disziplin bei den Verwal. durch viele Jetzt haben wir von oben für alle Bereiche Limits » « Fotos (Ausschnitte): Uwe Steinert/imago festgesetzt. Ich fühle mich verantwortlich dafür. auch Grenzen der Solidarität. Ich habe in Danzig einst den Widerstand mit organisiert. halt gegenüber 2013 nur gemäß der Inflationsrate ZEIT: Aus Ihrem Umfeld ist zu hören. Das führt dazu. abhalten.

Sie ist inzwischen Chefin des britischen Vernational in London befördert und übernahm dort lagsgeschäfts von News Corp und eine sehr enge jene Medien. Bestechungsgelder bezahlt. »Je härter die Bandagen. kürzlich bei Twitter.extra nach Australien. doch in diesen Tagen zeigt sich: Der junge Murdoch ist mindestens so ambitioniert und ruchlos wie sein Vater – nur ist er noch nicht so geschickt. minister vor Rupert in die Knie gegangen«.»Wir müssen weiter expandieren oder untergehen«. wenn er die News of the World einstellt. die entscheidende politische Instanz im Land zu sein. seine ZuVater über Nacht auf einen neuen stimmung zu geben. führer mit seinem Spindoktor Alastair Campbell Jedoch hatte er sich. Doch das wird ihm vorerst nicht helfen. das ist die klassische MurdochMethode«. Die Gespräche von Hinterbliebenen gefallener Soldaten zu belauschen entfachte landesweite Empörung. Damals war die Welt noch in Ordnung.« Anders gesagt. www. erklärte der 39-Jährige kürzlich am Rande eines »Ich habe eine Knarre in meinem Schreibtisch liegen.zeit. sagt später von Sky Italia. Amerikanische Aktionäre von News Corp reichten zu Beginn der Woche eine Klage gegen das Management wegen mangelnder Sorgfaltspflicht ein. Nach 168 Jahren wurde die größte Sonntagszeitung. nachdem die Sun sich im britischen Wahlkampf auf die Seite der Opposition geschlagen hatte. JUNGCLAUSSEN Für den Fisch von morgen: Die letzte Ausgabe der »News of the World« s war an einem Mittwoch. und »weder sein Vater der Sun im Wahlkampf gegen die dahinsiechende noch starke Kollegen. Als solcher handelte er auch. der seit seiner Geburt an Mukoviszidose leidet. sobald ein Murdoch auftaucht. die Abhöraffäre wird die Rolle der Medien in der britischen Gesellschaft grundlegend verändern. Es ist der Sohn. aber nicht länger entziehen. sunde Kinder geboren hat. sondern Sohn. Aber mit seiner augenzwinkernden Attacke hatte der Independent einen Verhaltenskodex der englischen Presse verletzt: »Die Hunde in der Meute beißen sich nicht gegenseitig«. ebenfalls Millionen Dollar Verlust. und um ihn zu verstehen. der im vergangegraf Michael Wolff. ren Chefredakteurin von News of the World und Der wurde 2007 an die Spitze von News Inter. Hin zum Sohn und zu Corp zum ersten Mal die Aufmerksamkeit des Va. was er kann. Also kam James Murdoch persönlich vorbei. Sein Plan war kühn und riskant. dass er seinen BSkyB-Deal retten kann. Bisher koner damals.Medienkonzern müsse sich in Zukunft gegen »monointelligente James das Filmstudium in Harvard hin. das die Murdochs eigentlich Indien. den er don Browns Frau Sarah entwickelte eine persöngebraucht hätte«. schrie er. Denn nicht der Vater steht im Zentrum des größten Medienskandals. welches seiner Kinder schönen Frau. gibt die aggressivsten. und 200 Journalisten wurden entlassen. letztes Jahr im April. »Nicht Rupert Murdoch wird diese Wahl entscheiden. und die geplante volldenn einige von den Typen kommen mit ’ner MP ständige Übernahme des Bezahlfernsehkanals BSkyB unterm Mantel zu Vertragsverhandlungen«. Er wurde stellvertretender Vor. James. sagt Michael Wolff. so eng mit dem politischen Establishment verwoben zu sein.30 14. den die britische Presse je erlebt hat. die mal Model war und ihm zwei geihn beerben soll. James gab den chinesischen Markt auf und Retten. erinnerte das Blatt seine Leser. Zudem würde es die Gewichte im Konzern deutenden Internetaktivitäten im Konzern.de/audio Fotos [M]: Ian Nicholson/AFP/Getty Images. da tummelte sich die politische Elite des Landes auf dem Rasen vor einem 500 Jahre alten Anwesen. endgültig von der Presse hin zum digitalen Geschäft »Durch James fand das digitale Geschäft von News verschieben. Aber das Handy eines minderjährigen Mordopfers abzuhören und den elektronischen Briefkasten zu manipulieren.bringen. Stets war der alte Murdoch die treibende Kraft. um die Ehre seines Vaters zu verteidigen. Großbritanniens wichtigstes Massenblatt setzt seit Jahrzehnten bei jeder Wahl auf die richtige Seite und brüstet sich jedes Mal selbstbewusst. konnte er trollieren die Murdochs nur 39 Prozent. Die politische Klasse kuscht nicht mehr. Ein Journalist soll sogar ärztliche Informationen über Gordon Browns Sohn Fraser ergattert haben. »Auf einen Schock reagiert man am besten mit einem noch größeren Schock. schmiss der hoch. und das brachte die Kabelsender schrieb damals 100 politische Klasse dazu. wie der Fox-News-Chef Roger Tory-Regierung von John Major zu sichern. Im Kampf um die Auflage hatten Journalisten des Blattes jahrelang die Handys von fast 4000 Menschen abgehört und daraus krasse Titelgeschichten konstruiert.Andrew Neil. Das Geschäft sich dem direkten Wettkampf mit seinem Bruder würde zwar rund zehn Milliarden Euro kosten. Alastair Campbell.war der Kulturminister Jeremy Hunt für die Genehsein von Diplomaten: »Alle paar migung der Übernahme zuständig Jahre wurden die beiden von ihrem – und war drauf und dran. auch als Chef der britischen Konzernmedien nichts von den Machenschaften gewusst zu haben. sondern auch die Murdoch-Blätter Sun und Sunday Times auf höchst dubiose Weise Zugang zu vertraulichen Unterlagen verschafft haben. In seiner Hand die aktuelle Ausgabe des Blattes. anders als sein Bruder. »jetzt nimmt jeder Politiker die Beine in die Hand und rennt. einfach abgeschafft. in dem James’ Schwester Elisabeth mit ihrem Mann. meint Andrew Neil. und James wurde Chef der damals noch unbe. befriedigender. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 WIRTSCHAFT Monströse Hinterlassenschaft James Murdoch soll einst den zweitgrößten Medienkonzern der Welt übernehmen. Beim »News of the World«-Debakel in Großbritannien erweist er sich als wahrer Erbe seines Vaters VON JOHN F. Der von seiner Familie kontrollierte den Aufstieg im Konzern begann. »Was zum Teufel bildet ihr euch ein?«. Stundenlang habe er am Telefon um die Zustimmung seines Vaters gerungen. Seit Sonntag ist nämlich bekannt. Die Auflage war ihr wichtiger als ihre Freundschaft zur Mutter des Kindes. um die Schadensbegrenzung zu koordinieren. als ein jungenhafter Mann in tadellosem Anzug das Großraumbüro stürmte. gaben ihm den Vertrauensvorschuss. James Murdoch muss daher geglaubt haben. Doch inzwischen ist klar: Sein Gesellenstück misslingt. ist sein eigenes Lebenswerk in die Schusslinie geraten. lithische Marken« wie Google und Apple etablieren. um sich die Rückendeckung stieg kein eigenes Feld erobert. dass sich nicht nur die Reporter der News of the World. James Murdoch (39) ist nicht irgendwer.dem Geschäft. Lachlan verließ liche Freundschaft zu Rebekah Brooks. Erfüllter kann man sich Lange schien es. und James Murdoch beteuert. sagt Michael Wolff. An dieser Stelle zog James Murdoch die Notbremse: Er stellte die News of the World kurzerhand ein. der seit 42 Jahren eine der entscheidenden Figuren in der Londoner Medienszene ist. Olivia Harris/Reuters (u. beim Auf. »Wettbewerb ist für Rupert Murdoch die Essenz des Unternehmertums«. Und nicht nur das: Seit Rupert Murdoch in London eintraf.« Und durch den direkten ZweiKeine vierzig. haben britische Journalisten seit Jahrzehnten zwielichtige Praktiken angewandt: Telefone verwanzt. Es ist erst zwei Wochen her. Weil BSkyB seinen Sitz in Großbritannien hat. Milliardär und verheiratet mit einer kampf entschied er auch. erklärt der politische Kommentator Andrew Neil. Die Anzeigenkunden wandten sich ab. Nächsten Dienstag müssen Vater und Sohn Murdoch und Rebekah Brooks vor einem Ausschuss des britischen Parlaments Rede und Antwort stehen. schrillsten Zeitungen in Großbritannien heraus (Sun. Er muss zurück ins Glied. Zugleich steckte James sein Terrain als Thronfolger ab. sondern Sie«. Schatzkanzler George Osborne und auch der Oppositionsführer Ed Miliband feierten fröhlich.Vertraute der Familie. ters«. Der verdutzte Chefredakteur Simon Kellner schob den aufgebrachten Eindringling in sein Büro. All diese Vorwürfe reichen viele Jahre zurück. als er die Strategie des Konzerns im aktuellen Medienskandal bestimmte: Zum Murdoch-Imperium gehörte bis vor wenigen Tagen die Sonntagszeitung News of the World.standschef des gesamten Konzerns. was sich in kürzester Zeit Murdoch in London nicht kennen.) E . Unterdessen war Lachlan in der New Yorker Zen. ohne gegenüber James Murdoch ein kritisches Wort über den BSkyB-Deal zu verlieren. Medientreffens in Cannes. was zu retten ist: auf Distanz zu gehen. Er wurde Chef des Mrs.rund eine Milliarde zusätzlichen Gewinn pro Jahr ma. Die konzentrierte Ruhe in der Redaktion der Londoner Tageszeitung Independent wurde jäh gestört. Politischer Gegenwind ist etkonzentrierte sich stattdessen auf James und Rupert was. sagt eine Mitarbeiterin der Sun. nationale Expansion seines Vaters gewesen sind. sagt Familienbio. Zunächst hätte das eigentlich niemanden überrascht.schon seit Jahren die Wochenenden in der ländlichen Idylle von Oxfordshire. der die Murdochs aus seiner Zeit als Chefredakteur der Sunday Times bestens kennt. Tony Blair flog als Oppositionstrale von News Corp bis in den Vorstand aufgerückt. »Jahrelang ist die Politik Murdoch hinterhergelaufen«. auf dem sie sich zu für die Murdochs größte anzunehbeweisen hatten. die einst die Keimzelle für die inter. desto nen Jahr 32 Milliarden Dollar umgesetzt hat. Der BSkyB-Deal wird auf absehbare Zeit nicht genehmigt. Als der junge Rebell 26 wurde. ist sie doch mit einem alten Schulfreund von ihm verheiratet. eine britische Institution. Die Familie kontrolliert News Corp. Der Konzerns ab. lebt.« Im Jahr 2000 ging mende Zwischenfall: Die Briten James nach Hongkong und überwandten sich von den Medien des nahm die Führung von Star TV. während die Polizei noch nach dem Mädchen sucht. der frühedas Unternehmen und räumte seinen Platz für James. tenfirma für amerikanische Rapper aus dem Ghetto. Grund für den Wutausbruch in der fremden Redaktion war ein Seitenhieb des Independent gegen den Vater. »Seit den Tagen von bezahlt machte. Sein Besuch beim Konkurrenzblatt Independent vermittelte einen frühen Eindruck von seiner gewachsenen Rolle. Sunday Times). Thatcher ist jeder Premierbritischen Bezahlsenders BSkyB. Die damalige Chefredakteurin Rebekah Brooks machte daraus eine Titelgeschichte. hat das amerikanische Wall Street Journal übernommen und will sich gerade den größten europäischen Bezahlfernsehkanal BSkyB endgültig einverleiben. Die Idee kam von James allein. färbte sich die Haare blond und gründete eine Plat. als würde James’ älterer Bruder ein Leben nicht vorstellen? Lachlan das Rennen für sich entscheiden. Doch dann ereignete sich der Posten geschickt. News Corp kaufte seine Fir. das er mit aufgebaut hat. GorAiles. ließ sich eine Viertelstunde von James Murdoch anschnauzen – und machte die Sache hinterher öffentlich. Um ihren Auftrag auszuführen. Weg vom Vater. Im Auch der aktuelle britische Premierminister David vergangenen März vollendete James schließlich seinen Cameron verbringt mit der Murdoch-Vertrauten Marsch an die Spitze. rot vor Zorn. Während Doch für einen Murdoch geht es immer weiter er mit 22 Jahren bei einer australischen Lokalzeitung und weiter. den zweitgrößten Medienkonzern der Welt. Erbe und so gut wie bestellter Nachfolger des erfolgreichen Medienunternehmers Rupert Murdoch (80). erzählte sollte ein großer Schritt nach vorn sein. das ging selbst den Briten zu weit. muss man sich James’ Werdegang anschauen. Er vergleicht das Leben der beiden Söhne innerhalb des Konzerns mit dem Da. schrieb der Meister der politischen Scharade. dem PR-Guru Matthew Freud.Sun.

wohl aber mit der Tatsache. Und Angelika Dammann demonstriert. Damit wurde die Telekom zum Modellfall für Frauenförderung in Deutschland – und zugleich wichtigstes Argument der Politik gegen eine gesetzliche Frauenquote. Die Telekom ist diesem Ziel etwas näher gekommen. Im vergangenen Sommer kam Dammann als Personalvorstand zu SAP. dass man sich schon lange vor Amtsantritt ziemlich unbeliebt machen kann. Doch genau diese Idee wird auf europäischer Ebene zurzeit populär. Wird wegen ihrer Nähe zur Politik kritisiert. bis 2015 weltweit 30 Prozent aller Spitzenjobs mit Frauen zu besetzen. eine echte Aussprache über die Personalie habe es nicht gegeben. die im Herbst das Europaressort im Vorstand der Telekom übernehmen soll. sich bis Ende 2011 eigene Zielquoten zu geben. Vorher war sie Direktorin bei der Beratungsfirma McKinsey Beraterin Fotos: dpa (2). die Staatsferne des einstigen Staatskonzerns infrage. ddp (m. der die Frauenquote bei der Telekom durchsetzte und nun einer Frau Platz macht. Wirtschaftspädagogin Personalvorstand Personalvorstand Hat ihr Amt in der vergangenen Woche niedergelegt. So hatte man sich das bei der Telekom vorgestellt: Als erster deutscher Großkonzern hatte er sich vor mehr als einem Jahr verpflichtet. so etwas gehört zum Alltag von Alphatieren der Business Class. Am vergangenen Mittwoch verabschiedete das Europäische Parlament mit großer Mehrheit einen entsprechenden Entschluss. Der Aufsichtsrat bestellte die Unternehmensberaterin – und alle sind zufrieden. Die Angestellten hatten da schon etliche Sparrunden hinter sich. Das mag genehmigt und völlig korrekt gewesen sein – ungeschickt war es trotzdem gegenüber einer tief verunsicherten Belegschaft. Doch vor Kurzem wurde bekannt. Denn nichts symbolisiert Luxus und Abgehobenheit stärker als ein privat genutzter Firmenjet. Dammann stolperte über fehlendes politisches Taktgefühl gegenüber den Mitarbeitern und bestärkt damit jene. Soll helfen. Innerhalb weniger Tage sorgen gleich drei von ihnen für viel Wirbel – zwei bei der Telekom. Erst in der vergangenen Woche hatte sich der Bundestag in einer Stellungnahme an die EU-Kommission gegen eine gesetzliche Quotenregelung ausgesprochen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 31 Frauen und Learjets Bei SAP und Telekom gibt es Streit um weibliche Führungskräfte – ein Zeichen neuer Normalität VON MARCUS ROHWETTER Claudia Nemat G 42 Jahre alt. Angelika Dammann Marion Schick 51 Jahre alt. Marion Schick zeigt. werden die drei Managerinnen zu Prototypen in einer Debatte. Die Vorkommnisse an sich sind kaum der Rede wert. könne man nicht allein auf die Selbstverpflichtung von Unternehmen und Mitgliedsstaaten hoffen. das Osteuropageschäft der Telekom flott zu bekommen esetzliche Frauenquote oder doch lieber unternehmerische Selbstverpflichtung? Wie unterscheidet sich die weibliche Führungskultur von der männlichen? Und was bedeutet das für deutsche Konzerne? Zahlreiche Fragen bewegen derzeit Politik und Wirtschaft. »bis 2012 legislative Maßnahmen einschließlich Quoten« vorzuschlagen. dass Unternehmen eine Selbstverpflichtung durchaus ernst meinen können. inwieweit sich Gesetzgeber in die Besetzung der Führungsgremien einmischen sollen. wie man nach gerade mal einem Jahr in der Chefetage entnervt die Brocken hinwirft. eine beim Softwarekonzern SAP: Claudia Nemat ist der Beweis dafür. wenn es um die Förderung von Frauen in Führungspositionen geht. Reibungslos lief es demgegenüber bei Nemat.de/Telekom . Physikerin Europavorstand Kommt im Oktober 2011 zur Deutschen Telekom. Das hat mit dem Geschlecht zwar nichts zu tun. dass die Managerin den Firmenjet für Heimflüge vom badischen Walldorf nach Hamburg genutzt hat. Doch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Konzerns fühlten sich übergangen und kritisierten. Doch nur weil derzeit politisch auf europäischer Ebene ausgelotet wird. sie ist Mitglied der CDU I Weitere Informationen im Internet: www.) Sammelte bei McKinsey viel Erfahrung im Technologiesektor in Europa. weiblicher und männlicher Führungsstil seien gar nicht so unterschiedlich. Juristin 52 Jahre alt. Die Parlamentarier forderten die EU-Kommission auf. die zuvor Kultusministerin in Baden-Württemberg war. In diesem Frühjahr zogen dann die anderen großen bösennotierten Konzerne nach und versprachen gegenüber der Bundesregierung. Vor ihrer Zeit bei SAP gehörte sie zur Geschäftsleitung bei Unilever Kommt im Mai nächsten Jahres zur Telekom.WIRTSCHAFT 14. dass die Besetzung des Personalressorts bei der Telekom grundsätzlich heikel ist – die Jahre nach der Privatisierung waren von zahlreichen Stellenstreichungen und Lohnkürzungen gekennzeichnet. die glauben. Verlässt das Unternehmen nach nur einem Jahr wegen Kritik an Nutzung des Firmenjets für private Heimflüge Politikerin Nachfolgerin von Thomas Sattelberger. In der vergangenen Woche wurde sie als künftiger Personalvorstand der Telekom der Öffentlichkeit präsentiert.zeit. Schon Marion Schicks Berufung stand unter einem schlechten Stern. Weil der Anteil von Frauen in Führungsgremien der Wirtschaft bloß um einen halben Prozentpunkt jährlich wachse. Noch immer gehört ein knappes Drittel der Telekom-Aktien dem Bund und der öffentlich-rechtlichen Bankengruppe KfW. Außerdem steht mit Schick. um den Anteil weiblicher Führungskräfte in europäischen Unternehmen bis 2020 auf 40 Prozent zu erhöhen. Aber SAP ist weiter entfernt denn je. Afrika und dem Mittleren Osten. Vorher war sie Kultusministerin in Baden-Württemberg Vielfliegerin War die erste Frau im Vorstand des badischen Softwarekonzerns.

« Aus Birds Sicht sind dies aber faule Ausreden. Auch bei der Deutschen Börse freut man sich. »Bisher hat sich in jedem Fall.8 % 2506 US$/ TONNE +0. Für deutsche Investoren ist es dennoch schwer. Und statt der ausgewiesenen 18 Millionen Euro Gewinn ermittelten die Rechercheure von Claimpicker nur einen Betrag von 248 457 Euro. »Betrugs. Das Forstwirtschaftsunternehmen Sino Forest.5 % 97 US$/BARREL +8. da diese eine Form von Marktmanipulation darstellen und auf den Preis der notierten Aktien einwirken können. Mehr als ein Dutzend chinesischer Unternehmen sieht sich jetzt Vorwürfen oder zumindest großer Skepsis ausgesetzt. sagt von Preysing. teilte im April Alexander Höptner mit. »Die Unternehmen im Prime Standard unterwerfen sich freiwillig dem Regelwerk für deutsche Aktiengesellschaften«. Die meisten chinesischen Firmen sind kompliziert konstruiert: Oft sind verschiedene Holdinghüllen über die eigentlichen operativen Geschäfte gestülpt. der von der BaFin abgesegnet wurde.3 % 6. nach der Höhe des angegebenen Umsatzes zu schließen.« Die schöne chinesisch-deutsche Erfolgsgeschichte droht gerade böse Kratzer zu bekommen. bestritt allerdings weder die Existenz der Unterlagen noch die von Claimpicker angeführten Zahlen. Powerland selbst erklärte auf die Frage.40 US$ +4. Sie bürgen für die Richtigkeit. Doch zuletzt häuften sich die negativen Schlagzeilen.9 % 12 526 +8. befand er.« Für chinesische Entrepreneure sei ein Börsengang im Heimatland kompliziert und mit langen Wartezeiten verbunden. Doch eine Prüfung. Seine Verluste werden auf über 700 Millionen Dollar geschätzt. Trotz der Ungereimtheiten empfahlen die Analysten die Powerland-Aktien Im Fall Powerland AG handelt es sich bei den Konsortialbanken um Macquarie Capital Europe und die Berenberg Bank.32 14. man versuche. Powerland. erklärte Powerland für das Jahr 2009 einen Umsatz von 82 Millionen Euro. Auch BDO. um eine Geschäftslizenz zu bekommen oder zu verlängern. In Deutschland sind solche Transaktionen die Ausnahme. die den Börsengang betreuen. später herausgestellt. Die Börsen konkurrieren heftig um die Neulinge. Powerland wies den Vorwurf der Bilanzmanipulation in einer Presseerklärung zurück. Interessant: Auf der Website der Deutschen Börse werden die Chinaspezialisten von BDO als Ansprechpartner genannt.3 % Millionen für Herrn Guo Powerland-Chef Shunyuan Guo schlägt den Gong zum Börsenstart in Frankfurt D er 11. und diese Holding wiederum ist der Eigentümer des eigentlichen Betriebs auf dem chinesischen Festland. die es an westliche Börsen zieht. Aber kann man ihnen trauen? VON HEIKE BUCHTER . Der Börsenprospekt der Powerland AG etwa ist ausschließlich auf Englisch erhältlich – selbst für sprachkundige Laien ist das 245 Seiten starke Werk kaum zu verstehen. das potenziellen Klägern anbietet. was sie dem heimischen Team erzählen«. 75 Millionen Euro hatte der Hersteller von Lederhandtaschen und Koffern von den Anlegern einsammeln können – 7. ob der Börsenkandidat die Bedingungen für eine Notierung formal erfüllt. die wiederum ihren rechtlichen Sitz in einer Steueroase wie den Cayman Islands hat. Bei China Sky One Medical zum Beispiel. werde am chinesischen Luxusmarkt weiter kräftig expandieren. Gegenüber der chinesischen Behörde für Industrie und Handel AIC meldeten die beiden chinesischen Powerland-Töchter. Nur wenige Tage nachdem Claimpicker auf die Diskrepanzen bei den Jahresabschlüssen hingewiesen hatte. gehörte zu den Großaktionären des Forstwirtschaftsunternehmens. Bird ist ein Zahlenfuchs. man sei 2009 noch ein Privatunternehmen gewesen und habe »aus Wettbewerbs. sagt Alexander von Preysing. April war ein guter Tag für Shunyuan Guo. fiel ihm auf. hieß es in einer Mitteilung. an der Börse in Toronto notiert. Es sind die Investmentbanker. sagt Sprecherin Anja Engelland. bestätigten die Analysten des Konsortialführers Macquarie ihre Empfehlung für die Aktie und behielten auch ihre Bewertung »outperform« – besser als der Gesamtmarkt – sowie ihr Kursziel von 24 Euro bei.3 % 1. sagt Bird. die von denen im Börsenprospekt deutlich abwichen. durch die niedrigeren AIC-Angaben Steuern und Gebühren zu sparen.57 US$/ SCHEFFEL +4. Die SEC hat inzwischen eine Untersuchung eingeleitet. Der Grund der Schachtelei? Das sei für die Unternehmen oft die einzige von den Aufsichtsbehörden erlaubte Möglichkeit. hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der ZEIT. Und wer prüft. Foto: Bernd Kammerer/dpa Chinesische Mittelständler holen sich Geld an westlichen Börsen. »Ihre Aktien sind hier in Euro notiert und werden in einem hochliquiden Markt gehandelt. im Ausland an die Börse zu gehen. Im Mai 2011 habe man die korrekten Zahlen für 2010 als auch die Zahlen für 2009 bei der AIC hinterlegt beziehungsweise nachgereicht und damit diesen »historiebedingten Fehler« korrigiert. die Produktion eigenartig perfekt und reibungslos laufen und der Lagerumschlag rekordverdächtige sieben Tage betragen müsste. »Was sie uns erzählen.1 % RTS: 1918 +8. ist was ganz anderes als das. »Für potenzielle Partner und Kunden hier im Westen erhöht es das Vertrauen und die Sichtbarkeit«. das Unternehmen habe massiv bei den An- gaben zu seinen Waldbeständen übertrieben. Mitte Juni meldete ein Internetportal namens Claimpicker.und Vertraulichkeitsgründen niedrigere Ertragszahlen bei der AIC hinterlegt. Der 62-jährige Texaner ist ein sogenannter Short Seller. die ihnen lukrative Gebühren einbringen. einem Anbieter von chinesischer Alternativmedizin wie Abnehmpflastern und Hämorrhoidensalben. abgenommen werden. ob die Angaben der Unternehmen auf dem Papier tatsächlich der Wahrheit entsprechen? Die Deutsche Börse stellt lediglich fest. mit den Bilanzen für steuerliche Zwecke oder Finanzinformationen für Investoren hat das nichts zu tun. Da besitzt die eine Holding die Anteile einer weiteren Holding. der Börsenkandidaten vor Ort prüft. Powerland gehört zu der wachsenden Zahl mittelständischer chinesischer Unternehmen. Allerdings sind Bird und seine Kollegen an den Finanzmärkten nicht unumstritten: Sie profitieren schließlich vom Kurseinbruch. wie die Aufsicht SEC sie bei einem direkten Börsendebüt anwenden würde. Schwer durchschaubar ist vieles in diesem Geschäft Begründungen gibt es dafür freilich. sagt der Spekulant.9 Millionen. sagt: »Das ist eine Formalität: Die Unternehmen reichen dort Zahlen ein. Schwer durchschaubar ist in diesem Geschäft aber ohnehin so einiges. die von einem erfolgreichen Börsengang profitieren. »So einen schnellen Lagerumschlag hat höchstens ein Donut-Shop!«. erklärte. ob die Angaben im Börsenprospekt tatsächlich zutreffen. Ein Vertreter einer großen internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. hat fast 90 Prozent des Aktienwertes verloren. Derzeit notiert der Handtaschenhersteller bei knapp 14 Euro. Der Börsenprospekt muss von der Aufsicht. hieß es in dem Macquarie-Research-Bericht. sich ein Stück vom Chinaboom zu sichern. Leiter der Emittentenbetreuung bei der Deutschen Börse. die das Unternehmen im Wesentlichen ausmachen. der zuständige Wirtschaftsprüfer für Powerland. Dabei übernimmt eine bereits börsennotierte leere US-Firmenhülle die chinesische Holding. sich kundig zu machen. Der Vorstandsvorsitzende der Powerland AG feierte das Börsendebüt seines Unternehmens in Frankfurt. Bei der Mehrheit der Unternehmen. sagt John Bird. in dem es Abweichungen gab. handelt es sich um Börsengänge durch die Hintertür. »Mittelständische chinesische Unternehmen schätzen Frankfurt als Listingplatz«. laut Claimpicker lediglich einen Umsatz von 14. die bisher nur in China tätig seien. Schadensersatzprozesse vorzufinanzieren. erhebliche Zweifel an den Bilanzen von Powerland an. Bird ließ sich die bei der Handelskammer AIC hinterlegten Bilanzen übersetzen und stellte – ähnlich wie Claimpicker im Fall Powerland – teilweise erhebliche Abweichungen zu den Zahlen fest.5 Millionen davon kassierte der Gründer und Großaktionär Guo selbst. Juli 2011 Kursverlauf DIE ZEIT No 29 FINANZSEITE WIRTSCHAFT $ DAX DOW JONES JAPAN-AKTIEN RUSSLANDAKTIEN € GOLD EURO ROHÖL (WTI) MAIS ALUMINIUM Veränderungen seit Jahresbeginn 7174 +2.4 % 1553 US$/ FEINUNZE +9. das gelte sogar für Unternehmen. warum es bei der Meldung an die AIC und den Angaben im Börsenprospekt erhebliche Unterschiede gebe. der Milliarden mit seiner Wette gegen US-Schrotthypotheken verdient hat. Damit unterliegen diese Börsenneulinge nicht denselben strengen Regeln. »Ein direkter Börsengang eines chinesischen Unternehmens im Ausland ist von den Behörden dort in den vergangenen Jahren in keinem einzigen Fall genehmigt worden. man äußere sich »berufsüblich« nicht zu einzelnen Mandaten. Grund für die positive Bewertung sei der positive Zwischenbericht. sagt von Preysing. die in den vergangenen Jahren in den USA in die Kritik geraten sind. Das ist verboten und wird von der BaFin als zuständiger Aufsichtsbehörde untersucht«. In dem Prospekt. dass bestimmte Unternehmensaktien fallen. den das Unternehmen für April und Mai veröffentlicht habe. Zudem bringe eine Notierung etwa in Frankfurt ein positives Image mit sich. Allerdings sind Investmentbanker wie auch Wirtschaftsprüfer Dienstleister. Hedgefonds-Superstar John Paulson. »Die Meldungen finanzieller Informationen an die AIC dienen der jährlichen Registrierung und Verwaltungszwecken und können sich deutlich von den chinesischen GAAPund IFRS-Anforderungen sowie den Angaben gegenüber den Steuerbehörden unterscheiden«. kündete Guo an. die den Anlegern im Westen präsentiert wurden. Berater und Vertreter von Unternehmen erklären. nachdem Vorwürfe erhoben wurden. Der Lederwarenhersteller habe an eine Behörde in China Zahlen gemeldet. »Alles reine Abkassierbuden«. Seit 2006 gab es nach Informationen des Finanzdatendienstes Dealogic 115 Börsengänge chinesischer Unternehmen in den USA und 48 in Europa. Leiter des Bereichs Markets Services. die den Bilanzen ein Gütesiegel verpassen. und BDO wird als Partnerunternehmen in Sachen Listings ausgewiesen. dass es reale Probleme gab«. der darauf spekuliert. Anleger im Westen stürzen sich auf die Gelegenheit. sowie die Wirtschaftsprüfer.oder Bilanzierungsfälschungsvorwürfe spielen aber auch für uns eine Rolle. dass. Macquarie wollte auf Anfrage der ZEIT zu Powerland keine Stellung nehmen. und auch bei Claimpicker sind die Initiatoren mehr als dubios. da die AIC-Daten in China für die breite Öffentlichkeit relativ einfach zugänglich sind«.2 % NIKKEI: 9926 –4. nimmt auch die Finanzaufsichtsbehörde nicht vor. der BaFin.

manchmal legt er auch seine Hand kurz auf dessen Unterarm. Da das Bundesbank kurzfristige. dann in klaren. mit marktgängigen strömende Zentralbankgeld und normal verzinsten Wertverdrängte in den Kernlänpapieren dafür kompensieren.10 abzweigt. Er sei schließlich an Verträge gebunden. Doch Grube setzt einiges aufs Spiel. Ohne dieses Testat kann die Bahn aber nicht im großen Stil weiterbauen. Die Strategie der harten Linie mag für die Bahn am Ende aufgehen. Berücksichtigt man die Indiskretion aufflog. tralbankrat diese Selbstkorrektur der Märkte Irland und Portugal vom Rettungsschirm der EZB unter allen Umständen mit öffentlichen Mitunter den Rettungsschirm der Euro-Staaten ge. dass aktuell.6 Stand: 31. aber ausreichend ist sie wohl nicht. bestätigte das Projekt aber im Großen und Ganzen. er kommt aber einem fiskalischen Hilfsschweren Zahlungsbilanzkrise von der Art. hilft die Notenbank mit frisch gedruck.41. Man wolle auch mit der neuen Landesregierung. Und sind die erst einmal ausgegeben. um die absehbaren Versicherer den für das Alter sparenden Bürgern Einbußen bei der gesetzlichen Rente auszugleivon ihren Beiträgen abziehen. dass Vordem der Versicherer verkün. Hätte die man sie von Festkurssystemen kennt. Die war aber nicht mehr Versicherung oder die Bank. Die Selbstbedienung den Euro pro Jahr. Dabei ist die richtige Auswahl wichtig.der Geldmenge. mit der Vergabe der Großaufträge wäre Stuttgart 21 praktisch besiegelt. Das würde dauerhafter. Portugal und Im US-amerikanischen System wäre ein Spanien) zusammengenomähnlicher Vorgang nicht mögmen für 314 Milliarden Euro H A N S  W E R N E R S I N N lich gewesen. dass die beiden häufigsten. Irland. einfachen Sätzen.8 für sich und ihre Vertreter rechnet hatte. wie viel ein Baustopp bis zum Herbst kosten würde: mehr als 400 Millionen Euro. ihrer Güter und ihrer Arbeit. die geschöpft und verliehen. die lange schon Partei mit hand. die Notwendigkeit des Bahnhofsbaus zu begründen. Vergeben wird sie die Aufträge aber erst später. Steuerregeln und Eigenbeitragsvorschriften überfordert. die sich viele Sparer entgehen lassen. dauert länger als geplant. den Ausweg aus der Sack. dass der neue Bahnhof leistungsfähiger ist als der alte.ist aber auch nicht gut.59 Millionen Förderung zuschießt. Die Bahn ging gestärkt aus der Schlichtung hervor. »konstruktiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten«. Für die Befürworter wurde es leichter. Private Altersvorsorge Auf die harte Tour Bahnchef Rüdiger Grube überzieht bei Stuttgart 21 – und schadet sich nur selbst Wenn Rüdiger Grube spricht. deren wesentliche Grundlagen sie nicht begreifen. Fast alle Bürger sind mit dem Wirrwarr der Riester-Sparformen. bis das Kapital EZB könnte in diesem Fall die Banken der wieder Interesse an ihr findet und das ZahlungsKernländer mit ihrem Hauptrefinanzierungs. Die Initiative ist löblich. da legte sich die Auf. was bei einer Unterbrechung des öffentfesten Eigeninteressen im europäischen Rettungs.ausgehen. Anstatt zu triumphieren. um von ihrer ökonomischen Podie Zahlungsbilanzdefizite dietenz her mit den Ländern ser Länder zu finanzieren. hätte sich weil die Aufnahmefähigkeit der anderen Län. SymAn diesem Freipathischer wird tag also wollte die Bahn zwei große das StaatsunterTunnelaufträge vergeben. Als die Stiftung Warentest vergangenes Jahr Riester-Rentenversicherungen auf den Prüfstand stellte.bedrohlicher gemalt werden könnten. sagte er den StuttMehrfach haben garter Nachrichten sich die Drohunvor gut einem Monat. dass der Anbieter. Das ist noch nicht alles: Vergangene Woche wurden Vorwürfe laut.ter-Regeln staatlich gefördert werden kann. ebenso anstößig wie die damalige FalschberechDie rot-grüne Bundesregierung. sie höheren Kosten. der nachweisen soll. Sein Technik-Vorstand Volker Kefer drohte gar mit Schadensersatzklagen und rechnete vor. Doch als die Landesregierung die Bahn dann aufforderte. die die Versiversicherungen über Jahre 14 cherung von dem Spargeld hinweg höhere Kosten be. erforderlich. in der die Grünen gegen das Projekt sind und die SPD dafür ist.2 dete. Es ist vermutlich nicht überspitzt.Universität München zufließt. und sie des Euro-Raums zu ermögvergemeinschaften ihre gegenlichen. Die Botschaft war klar: Nichts kann Stuttgart 21 jetzt noch stoppen. Bei ihnen übersteigen Kunden bei Riester-Rentendie Summen. zu sagen. hat es versäumt. in die sie sich manövriert hat. sich aus litätsmechanismus ESM die der Schuldenfalle der periAnschlussfinanzierung für die befreien pheren Länder zu befreien. würde ein ohnehin schon teurer Ausstieg aus dem Projekt wohl völlig unrealistisch werden. Und das erklärt auch. So regung schnell wieder. Nun kommt dieser Tag. weil er die fehlende Wettbewerbsfähignur Erfüllungsgehilfe ohne eigene Kompetenzen. Das Projekt würde sich dann um eineinhalb Jahre verzögern. beliebig erweiterDeutschland in die Knie barer Rettungsschirm von zues unserem Land zwingen. Sie ließ die Bagger wieder anrollen und verkündete.und lebensfremd. wie programm der Bundesbank gleich. weil der Versicherer diese Quote kurz zu. und es passiert – nichts. Das erzwingt in der Defizitregion Milliarden Euro geschrumpft war. Der Grund: Die Überprüfung des Stresstests. es betrifft Altersgeld kostengünstig verwalten.Ländern ergeben. Das war völlig welt. die 2005 einen Versicherungsvertrag nach den RiesDamit eine bestimmte Sparform nach den Riester-Regeln geschlossen hatten.Autor wirtschaftspolitischer fenem Gemeinschaftsgeld fizent desjenigen Teils.zu Beginn der Rente mindestens die eingezahlten vor auf 16 Prozent angehoben hatte. droht er im eine Senkung der Preise ihrer VermögensobjekJahr 2013 gänzlich zur Neige zu gehen.2 14. dass die Das Problem stellt sich nicht bei allen Versicherungsunternehmen das eingesammelte Riester-Vertragsformen gleichermaßen.anderen Notenbanken zum Hauptrefinanziemene Geldmenge. nicht selten die tragsformularen aufgeführt 8 Beträge. Irland und Portugal haben IWF Pump finanzierten Lebensstandard zu schützen. im Umfang von über 300 Milliarden aufbringt. bis der Schwindel durch eine In. Und das Projekt? Verzögert sich dadurch trotzdem nicht. Sträflich unterschätzt haben die Politiker die Tendenz der Versicherungswirtschaft. ob es sich um ein günstiges Angebot handelt oder nicht. Heiner Geißler sorgte dafür. Für die Gegner war das eine Provokation. dafür zu sorgen. hieß es zur Begründung.12 10. dere Notenbank. die sie mit »gut« bewertete. Die Bahn wird am Freitag nun ein paar Absagen an die unterlegenen Bieter verschicken.dessen. wird er so jedenfalls kaum näher kommen. was Grube in einem Interview zu Stuttgart 21 verkündete: Der 15. Seither stellt die Bahn auf stur und erhöht den Druck. Insbesondere muss eine fasst derzeit 59 Prozent des Sinn ist Präsident des ifo Notenbank. Juli sei für die DER STANDPUNKT: Bahn »ein immens wichtiges Datum«. Kosten im Kleingedruckten zu verstecken. Nach Schätzunund für Griechenland sollen Die Falle gen der Citi-Bank wird man noch einmal 120 Milliarden im Endeffekt Rettungspakete folgen. dass die Versicherungsgesellschaften ihre Angebote künftig transparenter und verständlicher darstellen. den Massenprotest wiederzubeleben. Es fällt selbst Ökonomen und Juristen schwer. gleiche reale Güterstrom zwischen den EuroBis zum März 2011 wurde in den GIPS. Grube hatte den Eindruck erweckt. Eine Renaber keineswegs bewältigt. Dieses zusätzliche seitigen Kreditbeziehungen Geld (die Target-Salden) umnicht. die das Riesnung bei Ergo sind die hohen Kosten. müsste der Konzern die Aufträge komplett neu ausschreiben.bilanzdefizit verschwindet. Die Bundesbank war bei der Finanzierung der se Weise ginge. Entwicklung Rentenversicherungen und Riester-Investmentfondsversicherung einem Teil ihrer von 2001 bis zum ersten Quartal 2011 träge. Führt mehr Transparenz zu besseren Angeboten? VON RÜDIGER JUNGBLUTH te einfach auf den Wettbewerb der Anbieter und darauf. wieso die mögensbesitzer vor Verlusten und die BevölkeEuro-Staaten überhaupt in Aktion traten.an die Wirtschaft und die Staaten der GIPStem Geld aus. Die te. um Einspruchsfristen einzuhalten. Sie sollen verpflichtet werden. den Europa auf diegasse. Wie immer entsteht die Krise. Das Misstrauen gegenüber dem Staatskonzern wächst. Unter dem Eindruck anhaltender Kritik von Verbraucherschützern will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dafür sorgen. Diese Kapitalgarantie ist nicht schlecht. dass die Sparer sich schon die günstigsten auswählen würden. Für die BahnVON KERSTIN BUND hofsgegner wurde es danach schwieriger. Grube drohnehmen so nicht te: Würde dieser Termin nicht eingehalten. satz nicht mehr erreichen und verlöre ihr wichIm Euro-System will der von Frankreich tigstes geldpolitisches Instrument. Der Kredit floss zu verweigern. weil sie sie nicht beantragen. in einem sogenannten Produktinformationsblatt die wesentlichen Angaben zu Kosten und Risiken übersichtlich aufzuführen. Nur zwei Tage nach der Landtagswahl im März verhängte er einen Bauund Vergabestopp. Da der Restbestand dieses durch die Druckerpresse ist in Amerika ausKredits Ende letzten Jahres schon bis auf 180 geschlossen. dass Griechenland. Seine Glaubwürdigkeit schrumpft. dass es beim Bahnhofsstreit wieder um die Sache ging und Gegner und Befürworter auf Augenhöhe diskutierten. Er kommt dann sehr glaubwürdig rüber.4 kann es passieren. flation. Seinem Ziel. dass 15 Millionen Menschen in diesem Land Vorsorgeverträge laufen haben. Irgendwann müsse auch mal Schluss sein. Für rung dieser Länder vor Einbußen bei dem auf Griechenland. sich der grenzenlosen Kreditvergabe in die GIPS-Länder zu verlagern. nächst 700 Milliarden Euro schwerer fallen. desto glimpflicher wird die zwar über die EZB und wird gemeinsam von allen Sache für Deutschland und das Euro-System Euro-Staaten gemäß ihren Kapitalanteilen be. . 2011 4. man habe den Stresstest locker bestanden. Dafür sind unermessund Euro-Länder bislang schon liche öffentliche Kreditströme 273 Milliarden Euro bewilligt. Dabei schien es in Stuttgart lange Zeit gut zu laufen für die Bahn. das hat Heiner Geißler in seinem Schlichterspruch verordnet. Tatsächlich Beiträge und die staatlichen Zulagen zur Verfügung berechnete Ergo den Kunden dann heimlich die stehen. wäre in Wahrheit noch bedrohZahlungsbilanzdefizite durch die Druckerpresse licher. Geldschöpfungskredite. wenn sie ein Zahgesamten Bestands an kredit. ZEIT-Grafik/Quelle: Bundesministerium für Arbeit den. als in den An. Denn mindestens ditegarantie gibt es nicht. den Baustopp bis zum geplanten Volksentscheid im Herbst zu verlängern. keit der südlichen Länder zementieren und den Sie war gezwungen. »Hier ist sozugen des Bahnsagen eine rote Lichefs als haltlos nie – bis hierher und nicht weiter. die viele ter-Sparen eingeführt hat. sind Minusgeschäfte für Sparer (und Staat) Mit der Wiedergutmachung ist der Skandal nämlich dadurch nicht ausgeschlossen. Er bietet der EZB. der aus Sachbücher. Ländern (Griechenland. der das Geld Das von außen herein. der Konzern habe seine Kalkulation für den Prestigebau und die dazugehörige Neubaustrecke nach Ulm jahrelang geschönt und die Öffentlichkeit getäuscht. Hinzu kommt der Ärger mit den Zulagen. Es geht immerhin um 750 Millionen Euro. sagte er. Je früher die Politik den Mut gestellt hätte. Und so fällt auch Drohkulisse Nummer zwei in sich zusammen. 3. Formal ist sie im Recht. um Banken und andere Verschubst wurden.zinste Eurobonds der Luxemburger Zweckgeportüberhang nicht mehr finanziert werden sellschaft gekauft. dass die Gesamtkosten zunächst gar nicht wesentlich steigen würden. Zahlungsbilanzdefizite der peweil die Schreckensgemälde ripheren Länder sichern.teln verhindern. ihdes Euro-Raums vergleichbar nen also den Nettoerwerb sind. riss dem Bahnchef der Geduldsfaden. garantieren muss. seit 2008 etwa 100 Milliar.rungssatz verschulden. Die Schlichtung im Herbst hatte den Konflikt zivilisiert. Er verpasste Stuttgart 21 am Ende zwar ein paar Auflagen. Juli entpuppt sich als Drohkulisse.WIRTSCHAFT FORUM ANALYSE UND MEINUNG Keine maßlose Rettung! Die Politik muss den Mut haben. die wirtschaftlich unBetroffen sind angeblich und Soziales sinnig sind. die gleiche Haftung und der zen stößt. mithilfe der Vertragsunterlagen herauszufinden. aus der Bahn ein sympathisches Unternehmen zu machen. Er lehrt zudem nanzieren will. die gleiche Verteilung der für das zuströmende Außengeld an Gren. dern der ehemaligen D-Mark-Zone eins zu eins Sie kann sich nicht einfach wie in Europa bei die durch Notenbankkredit zustande gekom. hat der lagen war eine sogenannte Kostenquote von Gesetzgeber festgelegt. nach. hielt Rüdiger Grube sich zunächst zurück. bis dann ab 2013 Mit jedem weiteren von mehr als zwei Billionen endlich mit dem ESM ein Rettungspaket würde Euro benötigen. Gleiches gilt bei den Kosten für den Tiefbahnhof. chen.Anzahl der Riester-Verträge. die der Staat als waren. Der 15. die Riesterzur Ergo-Gruppe gehörende Hamburg-Mannheimer Ver. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 33 Altersverwirrung Riestern ist bürokratisch und oftmals zu teuer. er werde die Kunden 2001 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 sorgeverträge mit Steuergeldern bezuschusst werallesamt entschädigen. In den USA gibt zusätzliches Zentralbankgeld es zwölf Distrikte der Fed. immer poker geworden ist. obwohl das abschließende Urteil der unabhängigen Gutachter noch gar nicht vorliegt. und den peripheren Ländern dominierte ZenDas ist der Grund dafür.der gleiche Kreditfluss. die Lebensstandard der Deutschen dauerhaft einsie sonst der deutschen Wirtschaft zur Verfügung schränken würde. In ihren Unter. Aber der Weg in die Transferunion. rund 14 000 Menschen. fand sie unter 23 Angeboten nur sieben. sich Mit jedem weiteren Reterrichtet sein wird. Foto: Eventpress aber bedauerlicherweise die Als herauskam. deren Verkaufserlös sodann kann.lichen Kreditflusses passieren würde. Man vertrau- A DIE ANALYSE 14. zu einem Prozent verKapital aus dem Defizitland flieht und der Im. Gerade aus der europäischen tungspakt würde es unserem noch rechtzeitig soll der StabiSchuldenfalle zu Land schwerer fallen. Nun berichtet die Financial Times Deutschland aber. Länder weiterverliehen worden wäre. Der Bahnchef schaut seinem Gegenüber dabei direkt in die Augen. die jeweils anan der Ludwig-Maximiliansden GIPS-Ländern stammt. sich zu verweigern VON HANS-WERNER SINN Der Euro-Raum leidet derzeit unter einer sichert. also die 12 Prozent ausgewiesen. Überzeugend wirkte auch. Die Distrikt-Notenbanvon Gütern und Vermögensken haben keine Beziehungen objekten in anderen Ländern zu den Bundesstaaten.« erwiesen. Denn der größte Brocken der Auftragssumme würde erst viel später fällig.Instituts für Wirtschaftslungsbilanzdefizit ihres Disgeschöpftem Zentralbankgeld forschung und trikts mit zusätzlich geschafim Euro-Raum oder 90 Pro.

Das Gespräch führten MARC BROST und ANNA MAROHN Fotos: Deniz Saylan für DIE ZEIT/denizsaylan. Das hier ist die ZEIT: Sonst? Südseite. Druck gemacht. warum ich meine Leute antreibe. Wohlfahrt: Hier hört man eher die Nadel fallen.immer weitergeht. bei uns zu essen. wir ha. Das war nie meins. bett geholt und nach Hause gebracht und bin sofort gab’s einen Anschiss. habe schnell zwei Sterne erkocht. dass alles gefragt. Wirft man Mitarbeiter Wohlfahrt: Auch das habe ich durch das Buch geins kalte Wasser. Ich hab autoritäre Küchenchefs kennenge. Er hat sich geoutet und gesagt. verwinkelter Gang. zur Sterneküche geSchnitt ist so perfekt. Wohlfahrt: Hauptsache. der hat das Gespräch mit den Mitarbeitern gesucht.ZEIT: Sie könnten gelassen sein. der ins Dunkle führt. Der eine ist beseelt davon.com (gr. Ein Gast hat gesagt: Komm mal rein und guck. dazu die riesigen Edelstahlkochfelder. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert? machen die anders. Ein haus. dass der Druck mäßige Spieler als Mannschaft über sich hinaus. jetzt musst du dich richtig bemü. steht da ein Greis mit langem Bart. hatte oder nicht. wer hier auch wirklich hinwill: In die Traube. Wohlfahrt: Ich konnte das nicht.ZEIT: Es geht weiter. und das Arbeiten an sich? Wohlfahrt: Früher hatten wir hier drin eine Riesen. an den Wänden die Arbeitsplatten. Oder wilde Brunnenkresse. ZEIT: Was genau machen Sie? ZEIT: Es dauerte allerdings noch mal neun Jahre. Dahinter: die Küche. Ein schmaler. er hat es gegessen. Die Zutaten. die hab ich aufgenommen und verarbeitet. die uns die Natur zum Kochen zur Verfügung stellt. Wohlfahrt: So ging es auch nicht. das sind Unterschiede er muss gegen alle kämpfen. Aber da habe ich gemerkt. Einsatz. die perfekt im Vakuum in Butter gegart werden. in dem es nur zwei Grad junger Mensch will der größte Ich habe keine teure hat. Ich konnte nicht gelöst sein. das erschließt sich mir nicht mehr. weiter. dass es nicht geschmeckt hat.. noch nicht. Heute habe ich lieber schön gleichmäßige Stangen. manche liegen unter Blättern und. aber keinen WettZEIT: Sie werden nie laut? Wohlfahrt: Ich hab mich immer als Führungskraft kampf mehr bestreiten. was Sterne-Niveau. In der Spitze wird man vernachlässigen Sie die anderen. der größte Kämpfer aller Zeiten zu werden. Genuss empfinden. wie mein Team funktioniert. in den Mülleimer schmeißen. Ich schaue. schmeckt ja nicht jede genial. Aber wir komponieren die Gerichte anders. kannte Fachkraft. oder in den Tiefkühler mit Schwertkämpfer werden. ist mit Stärken und Schwächen. Eine Speise kann ten Chef? Wohlfahrt: In so einer Küche arbeiten Menschen noch so schön dekoriert sein – schmeckt es nicht. Wenn der einen Lachs filetiert Wohlfahrt: Ich habe für dieses Restaurant mein Lehaben wollte. wer morgens fit ist und wer ZEIT: Haben Sie den dritten Stern gefeiert? abends vielleicht etwas zu lange weg war. jeder weiß. Der Druck war ZEIT: Beim Fußball sagt man ja. denn es war klar. Die Grundprodukte waren damals vielleicht sogar besser. ZEIT: Das hat Ihnen Mut gemacht? DIE ZEIT: Herr Wohlfahrt. ich. Weg. Der Sinn der Kochkunst ist ja. in der Zeit. man hatte Hühner.. Ich möchte die drei Sterne behalten. Ich bin zum Chef und hab Wohlfahrt: Das Buch heißt Musashi. Ich kann mich nicht auf die faule Haut legen und dann um 23 Uhr in die Küche kommen und den Jungs hier sagen. Blick dafür haben. ZEIT: Wie wichtig ist Erfahrung beim Kochen? Wohlfahrt: Das macht viel aus. Das kann ich Gericht für Gericht abrufen. Haben Sie mal wilde Brunnenkresse probiert? ZEIT: Nein. bei denen nur ihre eigene Meinung gezählt Wohlfahrt: Ich finde schon. Man braucht ein Team. Eignest du es dir so verbracht. geguckt. dann essen Sie besser als in einem Drei-Sterne-Haus an einem schlechten Tag.es mir empfohlen. PR (3) . Es klar ist: Wer das getan hat. weniger Sahne. Ich weiß. Oder junger Bärlauch! Oder die Ölrauke! Oder der junge Löwenzahn! Aus dessen Blüten kann man wunderbaren Honig machen und damit schön eine Ente la- ckieren. Dann habe ich mir das Küche ist sehr entfettet worden . weiß ich noch genau. ist nicht mein Problem. jedes Ostern. und das habe ich geschafft. ich war in Paris. ZEIT: Sie sind Perfektionist. so sitzt jedes Weihnachten. die Galle hatte.den dritten Stern wollte. dass ihm hört ein brüllender Sternekoch. Wille. ZEIT: Haben Sie sich damals gedacht: So nicht? Wohlfahrt: Nicht durch andere. Wohlfahrt: Ja. so viel Gänseleber verarbeitet. Sie ist erstaunlich klein. das große Hotel am Fuße des Bergs. dreimal. Sie haben alles ter Mann. Ist das in der Küche auch so? ZEIT: Was ist schwieriger: Auf den dritten Stern Das Gemüse wird ja nicht besser. Ich bin auf dem Land auf dem Bauernhof meiner Großeltern aufgewachsen. anonymer. aber da ist Feingefühl drin. dem habe ich mich identifiziert. die ich gebe. Da Wohlfahrt: Sonst hätte ich aufgehört. dass irgendwann auch die hen haben? Eigentümerfamilie denkt. In der Mitte die Kochfelder. dass ein Gast alles schnell herunterschlingt . und. das würde ich heute nicht mehr machen. Die Arbeitsflächen waren auf 70 ZEIT: Sie haben mal als Lieblingsbuch ein Werk Zentimeter. Franzose. Es war immer in ihm. Ich sage: Go. nicht mehr die Stimme. Als er wird hochkonzentriert gearbeitet. Wohlfahrt: Ja.dem dritten Stern klappen muss.mehr. das war regelrechte Selbstversorgung. Lebensjahr mit ZEIT: . Wenn ich einen. dass meine Zeit kommt. das ist eine der die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. 1981 in Paris bei Joël Robuchon im Jamin. wo ich zwei Jahrzehnte war? Mir ist klar. Ich ZEIT: Es geht kein Teller raus. das geht stark auf die Bandscheiben und die Knie. Er wichtig. Im Grunde spiele ich mit den Aromen der Natur. dann lassen die sich permanent verglichen. und dennoch werden neue Musikstücke geschrieben. Ich brauche minus 18. zweimal. Aber am Ende bin ich nur ein ganz normaler Angestellter.erreicht. was kann ich noch mehr tun? Mehr geht heiß ist.ZEIT: Gibt es das perfekte Gericht? lernt. Ich muss einen guten Madeira von einem hervorragenden Madeira unterscheiden können. Bleibt was auf dem Teller. kosten die zwar noch 180 Euro. ich bin der Chef im Ring hier. ging an die Gesundheit. musste ich geduldig sein. Durch mich selbst. Wenn ich ein Körbchen Erdbeeren habe. was sich hier ab. was möglich ist. hoch aner. Ich dachte: Wenn ich so nah dran bin. Als wenn man eine Rakete anzündet.34 14. den Sie nicht gese. Ich mache das anders. Das ist mein Herd. Hausschlachtung. Da kommt mehr raus. Ich war dabei. Kochen ist sieht im Garten vor dem Haus Zeit: Wie funktioniert ein Team eine Bauernrose.. in denen Und dem jungen Mann kommt die Erleuchtung: Er man zeigt. Ich musste meinen Weg gehen. Das ist mein Arbeitsfeld. Da muss man einen es gar nichts. dass er alles ganz toll fand. Das ist der Moment. soll er das Bestmögliche bekommen. ZEIT: Die geben für Sie den Ton an? Wohlfahrt: Ja. schaffe ich das. Wohlfahrt: Aber die Erinnerung bleibt. Sie könjeder sein eigenes Süppchen kocht. vergessen. Ich weiß..Wohlfahrt: Da waren Jahre dabei. würde wie einen räudigen Hund. Wohlfahrt: Wir haben. Ich stülpe die Silbercloche ZEIT: Wie haben Sie es gedreht? Wohlfahrt: Einerseits bin ich raus. ZEIT: Sie schaffen etwas Perfektes. Ich schme. ben gegeben. dass es eine Zeit nach mir geben wird. um das zu verstehen. da hab ich mich cke die Saucen noch mal ab. dass einer glänzt und die anderen unterdrückt werden. um mitzuhören. wird es auch bei dir funktionieren. Es geht um den Weg ben Induktionskochfelder und eine Klimaanlage. durch die Licht fällt. muss der Beste sein. Das sage ich kein großes Auto. Wohlfahrt: Ich tranchiere das Fleisch. wird das nichts. vom Kochen? Wohlfahrt: Ich hab relativ große Hände. aber dann freue ich mich. ZEIT: Müssen Sie heute für drei Sterne filigraner kochen? Wohlfahrt: Einen schönen Spargel zu Püree oder Mousse zu verarbeiten. Von da an war für mich klar: Es sollen drei Sterne werden. die mir eine neue Dimension des Kochens offenbart haben. Das ist nicht immer der teurere. Ich will Perfektion. wir waren ständig in Bückhaltung. zu verkrampfen. Wie jemand isst. das heißt. der Gemüse. sonst sehe ich schwarz. Beim vierten Mal gucke Kochen ist mir wichtig. Uhr. einmal. jedes Pfingsten bei mir jeder Schnitt am besten. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 WAS BEWEGT HARALD WOHLFAHRT? WIRTSCHAFT »Kochen ist Entbehrung« Harald Wohlfahrt richtet seit 20 Jahren Essen auf Drei-Sterne-Niveau an – ein Gespräch über Führung. weil sie denken. in dem Sie den ersten Bissen schmecken. hitze. und. wenn Sie das Gefühl haben. die war auch eine Sache der inneren Einstellung. was kann ich verbessern? Es Wohlfahrt: Weniger Butter. ZEIT: Sie sind ein Getriebener. Ich hab so viel Hummer. Nur das Milchlamm war ihm im Geschmack nicht ausdrucksstark genug. auf die Teller. vielleicht 40 Quadratmeter. dass sie keine Lust mehr haben. Und warum ich mich selbst antreibe. auch wenn ich es nicht so machen wollte wie er. sich so zu artikulieren. Die großen Essen. muss ich davon ausgehen.musste ja damit rechnen. die Eigentümerfamilie mich nicht vom Hof jagen ZEIT: Sie haben bei Eckart Witzigmann gelernt. Durchhaltevermögen. derbekommen. ZEIT: Können Sie besser schmecken als vor 30 Jahren? Wohlfahrt: Geschmack entwickelt sich. und jetzt muss den Alten nicht umbringen. Ich kann meine Gäste nicht betrügen. Dann kam der Michelin raus posten und die kalte Küche. tator. demoralisiert. Heute sind die Arbeitsflächen höher. Ich sage wieder hierhergekommen. Die Sonneneinstrahlung ist anders. Wenn Sie einen guten Tag in einem ZweiSterne-Restaurant erwischen. Perfektion und die Kunst des Loslassens Tiefster Schwarzwald. ich es mir vielleicht noch an. Aber früher musste ich auch mal Gänseleber. hätte woanwar man abends stehend kaputt. Den Spargel im Mixer klein zu hauen und alle Vitamine klein zu schlagen und mit Sahne zu versetzen. 20 Jahre drei Sterne. um das beste Ergebnis zu kriegen. Ich muss dabei sein. Stufe. Ich bin hier 1980 sehr jung Küchenchef geworden. wachsen können. wenn man da den Anschluss fallen.ich hab andere Häuser angeschaut. ich brauche an. lieber Freund. dass es bis zum 40. Im Frühjahr 1983 war ein Tester da. wird man sofort infrage gestellt. ZEIT: Mal unter uns: Kann man den Unterschied zwischen zwei und drei Sternen schmecken? Wohlfahrt: Den kann man nicht mehr in Worte fassen. zweier junger Männer. die ich gemacht habe. Und in die Schwarzwaldstube. ZEIT: Warum wollten Sie nach den Erfahrungen von damals überhaupt Koch bleiben? Wohlfahrt: Bei Eckart Witzigmann hat es mich ge- packt. bis ich 60 bin. Ich habe keine teure Uhr. Dessen Koch – manche halten ihn für den besten Deutschlands – wartet schon vor dem holzverschnörkelten Eingang. Kochen ist Entbehrung. der Fleischposten. In das kleine Dorf Tonbach kommt nur. wenn das Fleisch hinzuarbeiten oder den dritten Stern zu behalten? besonders gelungen ist. Da gibt es nur eine bestimmte Anzahl von Tönen. also noch fünf Jahre. Aber selbst wenn Sie das perfekte Gericht geschaffen haben. Jetzt bin » « Die Schwarzwaldstube in Tonbach: Die Tische sind mittags und abends auf ein halbes Jahr ausgebucht Ohne sein Okay geht nichts raus: Wohlfahrt an seinem Platz. Ich muss wissen. Klar gibt es Momente. die mit einem unter solchen Bedingungen? mir wichtig Schwert durchtrennt wurde. Der ist für einen härteren Umgangston bekannt. Das sind gendwann kommt er an die letzte Das ist mir nicht extreme Belastungen. Ziel gesetzt. ob man was getan ders weitergekocht. Das ist mein Ziel. Dafür stehe ich jeden Morgen auf. immer weiter? hen. dass man aus den bestehenden Dingen etwas Neues schafft. Mit ZEIT: Ist Kochen ein Knochenjob? Wohlfahrt: Schauen Sie mal die Steinböden hier. dass viele mittel. Das hat auch was Haptisches. irgendwo in den Bergen. Aber das passiert mir heute nicht mehr. ZEIT: Was macht einen guten Koch zu einem gu. das hoteleigene Restaurant. Ich habe mir gemacht werden. der Fischposten. Man kann den Stand von 1992 und heute nicht vergleichen. die ist so etwas ganz Besonderes. und ihn meine Küche interessiert. wo ist Ihr Platz? Wohlfahrt: Das war für mich Feuer unterm HinHarald Wohlfahrt: Genau da.. Die anderen Köche kochen auf mich zu: einfach nicht. hat er einem den Fisch hingeworfen. Wenn Sie den höchsten hat und sonst nichts. ZEIT: Sie wollten Sternekoch werden. Ich habe in dieser Küche meinen Köchen: So filetiere ich den Lachs. Wenn die ersten Morcheln am Markt sind. wo ich jetzt stehe. auf denen Wohlfahrts Köche jetzt Trüffel in Scheiben hobeln und Lachshaut bearbeiten – erste Vorbereitungen für den Abend. in dem einer für den morgen nicht mehr können sollte: Wen interessiert anderen einsteht. wenn wir sie dieses Jahr wieWohlfahrt: Es ist eher so: Haben Sie nur einen Star. Wenn jemand darauf spart. wie Kartoffeln gepflanzt werden. sind auch entdeckt. wie toll sie gewesen sind. Die Besuche. was an die Tür klopft. und unglaubliche Auszeichnung. Wohlfahrt: Die hat so einen bestimmten Charakter. welches Material ich einsetze. wo die Vorspeisen – und dann: wieder nicht geschafft. ZEIT: Sie kochen seit zwanzig Jahren auf Drei. um der Größte zu muss die Order laufen. nen mir den Bocuse herholen. Bild). das ist mir alles nicht wichtig. Hat man den Lachs verschnitten. so viele Jahre. im Sommer bis zu 48 Grad. wir nutzen heute viel mehr die Jahreszeiten. Monsieur Bernard. wo ich nicht mehr die erste Geige spielen darf. Da habe ich mich im Restaurant hinter einer Säule versteckt. von mehr als 50 Grad. Beim fünften Mal sage Das weiß ich. als wenn dann. Man hatte Most. Ich kann nicht loslassen. Das ist der Grund.mehr geht nicht. Da war sein zwei. der könnte immer noch eine geniale Sauce machen. an dem er die Speisen anrichtet So sieht ein Wohlfahrt-Teller aus: Mousse und Tatar vom Stör mit Imperial-Kaviar und grünem Spargel ich älter und weiß. tern. weil ich elf Monate im Jahr keine Morcheln gesehen habe. Wir folgen Harald Wohlfahrt in sein Reich. Ich muss spüren. Der Man sagt ja. Er ist es schon. kann es sein. Wenn hier sein. dass ich es nicht bringe.. wie ein frischer Meerrettich in der Erde steckt. Ich habe meine Frau vom Wochenso. kleiner. der hat eh nur Blick für den verliert. Direkt vor mir wird angerichtet. als ich unbedingt spielt. Wohlfahrt: Nicht einer. Der hat die Reflexe nicht verstanden und nicht als Rausschmeißer und Dik. Stallhasen. ZEIT: Sie haben sehr kräftige Finger. Das des japanischen Autors Eiji Yoshikawa genannt. aus welchen Gründen auch immer. Ich wusste. Kochen ist wie Musik. so viel Trüffel. mach mal. ZEIT: Warum? Und wenn wir hier 35 Grad haWohlfahrt: Man muss es gelesen ben und einer muss ins Kühlhaben.so groß. sind die überfordert und schnell so lernt: Als ich jung war. Pädagogisch nicht gut. er machen muss. Und wenige Minuten später ist es weg.ich habe alles gegeben. Irkein großes Auto. Dann eine schwere Tür mit Glasfenster.

»mit dramatischen Folgen für die biologische Fortsetzung auf S. Vogelschutzgebieten und Lebensräumen nach der Fauna-FloraHabitat-Richtlinie (FFH) willkommen. Blockheizkraftwerke. Heute. editierte unter diversen Pseudonymen Artikel in der Enzyklopädie. nein danke! Satter Sound Wolfgang Palme arbeitet in der Gemüseabteilung der Höheren Bundeslehr. dass sie kein Honorar erhalten. Intensive Monokulturen gefährden ihre Lebensgrundlage. flexibel und effizient. möglichst bald. ein Antiatomkreuz hängt an ihrem holzverkleideten Haus. die unter anderem für das Bundesumweltministerium und das I Biosphärenreservat Elbe forscht. Auf einem hohen Pfahl thront ein Storchennest. verlieren sie Nahrungs. umgepflügt und industrialisiert. Von den einstigen Kiebitzschwärmen keine Spur. Die Landschaft wird zum Kraftwerk. Sellerie. Antiatomplakate und -kreuze prägen die Landschaft. der neue Agrarboom könne die Verluste wieder beschleunigen. 36 Foto [M]: Michael Staudt/ Your Photo Today/SUPERBILD Biostrom. sauber. Doch sie hadert mit den Folgen der Alternative: »Bitte keine weiteren Maisäcker mehr! Vor allem nicht mitten im Biosphärenreservat oder Vogelschutzgebiet!« Bernardy zeigt auf eine Karte des Landkreises (siehe nächste Seite).und Wärmequellen. Früher gingen diese in weite Feuchtwiesen über – ein Dorado für Störche. 43 14. Landwirtschaft ist in Biosphärenreservaten.und Solarstrom lässt es sich speichern. wenn Brachflächen verschwinden und Grasland umgepflügt oder intensiver genutzt wird. Im Gegenteil: Sie zerstören die Artenvielfalt. Die ökologischen Nebenwirkungen kennt kaum jemand besser als die Biologin Petra Bernardy. nahe der alten Eisenbahnbrücke nach Dömitz. Kürzlich wandte sich ein Orchester an den Wissenschaftler. das unter dem Deich durchsickert. es brauchte noch ein Instrument. Das Ensemble bringt Gurken. Es ist paradox: Im Prinzip ist Biogas sinnvoll und wichtig für die Energiewende.oder gar Mehrfachexistenz im Internet führte: Der selbst ernannte Wiki-Wächter. der ergiebigste Kraftstoff für die Ökomeiler. Sie sollte »Wiki-Watch« schnellstens den Stecker ziehen. Vielerorts gelang es. Gärtner Palme ließ Samen von Kürbissen keimen. Qualmwasser. Da ist eine genehmigt. das EEG als »Auslöser der Vermaisung ganzer Regionen«. »Ich bin für Biogas«. Möhren. Und jeder Stromkunde finanziert gemäß dem gerade renovierten Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) die fortschreitende Industrialisierung der Landschaft mit. satteln Landwirte um und erzeugen lieber Biostrom. als sie ihr nutzen. Sie kommen aus der Praxis und bringen für einen »Ehrenlohn« ihre Erfahrungen in Forschung und Lehre ein. Schon versorgen sich die Wendländer vollständig mit Ökostrom. evangelikaler Aktivist. Bernardy warnt nun gemeinsam mit Kollegen der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft davor. Eine Hauptrolle spielt dabei die Produktion von Biogas. Wirsing HALB und Petersilie zum Klingen und füllt damit Konzertsäle. Einen Zusammenhang bestreitet Wolfgang Stock. den Rückgang etwas zu bremsen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 35 WIKIPEDIA Doppelexistenz Das zweifelhafte »Wiki-Watch« schädigt den Ruf der Viadrina Honorarprofessoren zeichnen sich meist dadurch aus. betont die Wissenschaftlerin. dass Stock eine Doppel. CHRISTOPH DRÖSSER Die meisten Biogasanlagen belasten die Umwelt deutlich mehr. die Unternehmen bei ihren Aktivitäten in Sozialen Netzen berät. Warum nicht Kürbisse in Gitarrenkörpern wachsen lassen? Als Saiten empfiehlt Palme Gurkenschalen.und Biogasanlagen sowie Äcker voller Energiepflanzen. Solar. Ludwig Sothmann. garantiert auf 20 Jahre. auf der Landseite des Deiches. Doch sie wollen mehr: grüne Energie exportieren – möglichst viel. Umweltverbände kritisieren schon seit Langem die lebensfeindlichen Monokulturen. Pfefferschoten. Das hat seinen Preis. sondern weite Teile der Republik. Vögel sind empfindliche Indikatoren für die Artenvielfalt. und rät nun zur Verfeinerung nach chinesischer Methode. Von Heinegg hat nun angekündigt. bekommen sie dafür eine hohe Vergütung. Das ist erlaubt. das legen Recherchen von Wikipedianern nahe.und Brutgebiete. Viele der Biogasanlagen liegen in oder neben Naturschutzgebieten. rein in die Ökoenergie« nicht erst seit Fukushima. Noch dominiert vielerorts Grünland. quaken Frösche. Sie zerstören die Artenvielfalt. baut sie ihr Spektiv auf. so darf man vermuten. Die Wärme der Motoren ließe sich auch zum Heizen nutzen. Davon ist nur ein schmaler Streifen am Qualmwasser geblieben. Im Reich der Mitte ziehen Gemüsevirtuosen längst Gewächse in Gefäßen zur gewünschten Gestalt. Sie lebt nördlich von Dannenberg in Hitzacker an der Elbe. Dort kommt noch eine hin. sondern schon seit den Anfängen von Gorleben. Außerdem besitzt Stock eine PRAgentur. schädigen Gewässer und das Klima VON HANS SCHUH Aufschichten von gehäckseltem Mais für eine Biogasanlage in Schleswig-Holstein m Landkreis Lüchow-Dannenberg lässt sich die Zukunft der Energiewende besichtigen. Kiebitze. Schon dicht dahinter sprießen junge Maispflanzen. Doch zum kompletten vegetarischen Soundteppich fehlen dem Vienna Vegetable Orchestra vitaminreiche Gitarren. Jeder steht für eine Biogasanlage und ihr Einzugsgebiet. Wolfgang Stock war kein unbeschriebenes Blatt: ehemaliger Redakteur von FAZ. Lerchen. In den vergangenen Wochen stellte sich aber heraus. Es ist leer. Berliner Zeitung und Focus. Wenn sie ihn einspeisen. Dreißig rosa Kreise leuchten darauf. Zerstörung der Artenvielfalt Petra Bernardy steuert ihr Auto durch die Landschaft ihrer Heimat. WILL WISSEN . Kurze Zeit später begann er. Er verändert nicht nur das Wendland. Doch für die meisten Biogasanlagen trifft dieses Idealbild nicht zu. Erst kürzlich geißelte der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Schillernde Persönlichkeiten können das akademische Leben bereichern. In die wenigen freien Zonen zeichnet sie weitere Kreise: »Hier ist eine neue Anlage im Bau. die ein kritisches Auge auf die Diskussionen und Bearbeitungen der großen Online-Enzyklopädie werfen sollte. Das ist überfällig: Solange das Siegel der Viadrina auf Stocks privater Website prangt.und Forschungsanstalt für Gartenbau Schönbrunn in Wien. Immer neue Kuppeln von Bioreaktoren sprießen aus dem Boden und oft gleich daneben: kilometerweit Mais. ist die Reputation der Universität gefährdet. So wurde die Vogelvielfalt in den letzten Jahrzehnten stark dezimiert. bereut er das zutiefst. Das lässt sich belegen.« Auf dem neuen Elbdeich. belasten die Umwelt und schaden teilweise sogar dem Klima. Hier gilt das Leitmotiv »Raus aus der Atomkraft. viele Wind-. Sanofi-Aventis in Internetfragen zu beraten.WISSEN Promotionen: Dürfen Doktorväter sowohl Betreuer als auch Benoter sein? S. lässt wertvolle Flachgewässer entstehen. solange sie im Einklang mit der Natur betrieben wird. Der »ungesteuerte Wildwuchs bei den Biogasanlagen« beschleunige die Industrialisierung der Agrarwirtschaft. Im vergangenen Oktober trat Wolfgang Stock an die Fakultät heran und erbot sich. die zur Gitarrenform neigen. der aggressiv gegen Homosexuellen-Verbände auftrat. bei Flaute oder bedecktem Winterhimmel könnten die Bauern ihre Gasmotoren anwerfen und so Strom erzeugen. so heißen die dezentralen Strom. Doch weil die Milch von Weidekühen kaum mehr Gewinne bringt. »die erforderlichen Schritte« zu tun. erzkonservativer CDU-Politiker. Denn anders als der unstete Wind. Unten. Diesem geschenkten Gaul schaute der Lehrstuhlinhaber Wolff Heintschel von Heinegg nicht weiter ins Maul. 1. Auf solche Lehrbeauftragte stützt sich auch die juristische Fakultät der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder) in ihrem Forschungsschwerpunkt Medienrecht. unentgeltlich eine »Arbeitsstelle Wiki-Watch« einzurichten. 37 KINDERZEIT Energiewende: Woher kommt künftig unser Strom? S. unter anderem zugunsten eines Insulinprodukts der Firma Sanofi-Aventis. und da …« Das Wendland wird Gasland. Gitarrenernte ist frühestens 2012. Punkt für Punkt. gelten als umweltfreundlich. doch immer wieder deutet sie auf Mais- äcker links und rechts der Straße: »Das waren früher Weiden.

Sollte tatsächlich ein Sturm über das Land ziehen. wo auch der Försterbach fließt. Ihr Laich entwickelt sich geschützt in den Hohlräumen zwischen den Kieseln. die fossiles Erdgas nutzen. Die beiden Ingenieure sind im Kreis Herzogtum Lauenburg für die Gewässerpflege zuständig. der Energieträger im Biogas. Reparaturen oder Druckschwankungen schwer erfassbar sind. Sie müssen bei Störungen zugänglich sein. ruft sie.de/audio . Der Bach ist eher ein Graben. ohne die Bestände zu verringern. Ein Sturm hatte den Staub von den offenen Ackerflächen herübergeweht. lässt sich jedoch kaum exakt beziffern. Krume und Agrochemie landen dann in nahen Gewässern – und konterkarieren deren aufwendige. um die zuvor fast tote Steinau wieder zu einer naturnahen Heimat für Bachforellen zu machen. vor Schädlingen zu schützen. kiwitt!« In akrobatischen Sturzflügen verfolgen sie eine Elster. Sie ist das größte Rückzugsgebiet naturnahen Bachlebens im Kreis. Für die Reduktion schädlicher Emissionen gibt es Gutschriften. Wind und Regen können dessen Krume und Inhaltsstoffe direkt in den Bach befördern. die Biogasanlagen regulär verursachen. murmelt Bernardy und sucht den Streifen ab. da Leckagen. umströmt von Frischwasser. Weil Methan ein so hohes Treibhauspotenzial besitzt. »Solche Erosionen gefährden unsere jahrelangen Bemühungen. Zwar verbrennt Biogas klimaneutral. ein Junges!«. A www. erklärt die Biologin. Was die Wasserbauingenieure damals angerichtet haben – nicht nur hier. Belastung der Umwelt Christian Foth und Henning Giese stapfen am Försterbach entlang. Häckseln. eigene Recherche wiesen talwärts. dann steigt der ganze Schwarm auf und watscht ihn so ab. Am linken Bachufer geht es stellenweise steil hoch auf einen sandigen Hügel. Wird Weideland umgepflügt zum Maisacker. ihn zu düngen. sondern laufen stur rund um die Uhr. wird deshalb spät ausgesät und beginnt erst im Mai oder Juni gut zu wachsen. Kein gutes Zeichen. Drei Millionen Euro wurden investiert. »Das könnte ein Brutpaar sein«. teils auch Mist oder Gülle. In der Fachliteratur werden Biogasverluste mit bis zu 15 Prozent beziffert. Dabei ließen sich die 3. Ein lokaler Einzelfall? Keineswegs. In einem ihrer Einzugsbereiche liegt das Schloss Wotersen. Doch kein Lüftchen weht. 2. Diese jahrelangen Bemühungen und ersten Erfolge stehen nun wieder infrage. Bernardy Stark schwankende Klimabilanz Vier typische Anlagen ( 1 – 4 ) zeigen. Erst nach einigem Suchen entdeckt die Vogelkundlerin vier Kiebitze. So wie im April in Mecklenburg-Vorpommern: Auf der A 19 bei Rostock kollidierten Dutzende von Autos. mäanderte auf steinigem Grund in langen Windungen durch Bruchwälder. Sie nutzen nachwachsende Rohstoffe (Nawaro)*. die über das Junge hinwegfliegt. Kein bewachsener Uferstreifen trennt Gewässer und Acker. Trockengefallene Altarme zeugen davon. Dadurch verschwenden sie besonders im Sommer viel Wärme. Doch gerade das ist oft fraglich. wenn Biogas hervorragend das Klima schützte. 18 weitere Anlagen haben die Genehmigung oder warten darauf. etwa aus GärrestLagern. erklärt Foth. Da sich große Felder schlecht ganzjährig komplett abdecken lassen. wie sich das Steinaubett früher in weiten Schlangenlinien wand. Uba. Der Gesetzgeber hat das Problem der Vermaisung erkannt. das zwischen den Maisfeldern erhalten geblieben ist. um sich fortzupflanzen«. Die Erosion lässt neu angelegte Kiesbänke versanden und verschlammen. Ein grauer Federball steht auf hohen Beinchen reglos neben einem kräftigen Grasbüschel.zeit. Naturbelassene Uferstreifen schützen vor Stoffeinträgen durch Erosion. Hinzu kommen Lachgas. »Naht ein Feind. wird in Klimabilanzen ein Schätzwert benutzt: Etwa 1. die Steinau zu renaturieren«. liegen Maisäcker die meiste Zeit nackt da. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 WISSEN Fortsetzung von S.und Stromproduktion Den undichten Anlagen entweichen Anteile vom Biogas (Methan). erklärt Henning Giese. wie Biostrom das Klima belastet.bis dreimal so hoch. Umweltschäden einfach vermeiden. Einst machte die Steinau ihrem Namen Ehre. Und Lachgas (N2O). um die Klimabilanz kräftig zu verhageln. hat ein 300-mal so großes Treibhauspotenzial wie Heikles Spiel mit Klimagasen Auf diese Weise fördern Biostromerzeuger die Erderwärmung CO2 CO2 Lachgas (300-mal so stark wie CO2) CO2 Methan Methan (25-mal so stark wie CO2) Treibstoff Pestizide. Neben Schloss Wotersen. Das tropische Süßgras Zea mays ist frostempfindlich. Zudem treiben Biogasproduzenten ein heikles Spiel mit zwei potenten Treibhausgasen: Methan. sondern deutschlandweit –. dem Stromgenerator (»Schlupf«) oder durch Betriebsstörungen. Auch der wurde durch Stauwehre kontrolliert. Wasser) +200 +100 16 0 –100 –200 –300 254 207 Lachgas CO2 CO2-Einsparung durch Abwärmenutzung Minderemissionen von Mist bzw. Biostrom ist meist schlechter als Ökostrom. Ernten. Hälfte Gras und Grünroggen ZEIT-Grafik Quelle: Biogas Forum Bayern. Der Schlossherr hat in eine der acht Biogasanlagen investiert. zu häckseln. dann Futter für Tiere liefern. Sollten die Jungen dennoch schlüpfen und den Pestizidduschen des Bauern entgehen.und Methanemissionen (umgerechnet in CO 2-Äquivalente). Und dem Klima auch. Der neue Bachlauf schneidet die weiten Schlaufen der Altarme und bahnt so dem Wasser den schnellsten Ablauf. CO2 / kWh (in Gramm) Netto-Emissionen +400 +300 Methan Vielfalt«. Sümpfe und Feucht- 1 2 3 4 370 zum Vergleich: 340 Erdgaskraftwerk 230 ErdgasHeizkraftwerk 40 Ökostrom (Sonne. Schon Ende September beginnt die Ernte. um ihre Lachgasemissionen zu messen. Das nährstoffreiche Dreckwasser landet dann in der Steinau. Mit dem Fernglas ist die Ursache auszumachen: Das aufgescheuchte Damwildrudel wirbelt massenhaft Staub auf. »Mit Pumpen wird sie trockengelegt. um Überdruck abzubauen. »Normalerweise sind Kiebitze Koloniebrüter«. renaturieren Ingenieure wie Foth und Giese seit vielen Jahren behutsam: Sie beseitigen Schlamm und Wehre. erzählt Giese. Noch schwerer messbar sind die Lachgasemissionen. für eine Anlage Tausende Tonnen Mais anzubauen. Düngen. weil ihre Fahrer nichts mehr sahen. hat der Investor kilometerweite Maiskulturen angepflanzt – und das fördert jene Erosion. Noch ein weiterer. Mit dem Sauerstoff (O) aus der Luft produzieren Mikroben daraus N2O. Sie führt weiter zu einem Waldstück. durch die Wasserrahmenrichtlinie geforderte Sanierung. um allein diesen Klimaeffekt auszugleichen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich durch die intensivere Landwirtschaft die Zahl der Kiebitze mehr als halbiert. Christian Foth deutet auf einen tief liegenden Maisacker am Ufer der Steinau. Denn während Weidegras den Boden ganzjährig deckt. Der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen veranschlagt neuerdings die Lachgasemissionen zwei. Biogas. Sie sei ein Sammelbecken für Schmelzwasser und Drainagen aus den umgebenden Feldern. doch das neue EEG schiebt ihr nur einen allzu schwachen Riegel vor. mit Gärresten aus der Biogasanlage gedüngt und zur Maiszucht genutzt«. genügen schon wenige Prozent Verlust. Die Gesamtemissionen für diesen Biostrom liegen meist viel höher als jene für Ökostrom aus Wasser. Doch dem stehen erhebliche Klimabelastungen (siehe Grafik) entgegen. auch für Abwärmenutzung. sagt er. So kehrte auch in die Steinau ein vielfältiges Leben zurück. Biogasanlagen sind nicht absolut dicht. Wind oder Sonne. rülpsen und furzen überdies die sie zersetzenden Mikroben im Gärrestebecken munter weiter. Es würde Vögeln wie dem Kiebitz und Gewässern wie der Steinau helfen. wären Verwehungen unausweichlich. 35 Wendland wird Gasland Immer mehr Biogasanlagen (rosa) gefährden die Natur (grün) über 1000 kW 500 bis 1000 kW Hitzacker Dömitz LANDKREIS LÜCHOWDANNENBERG Dannenberg Gorleben El unter 500 kW Anlagen Einzugsgebiete be Lüchow Schutzgebiete 5 km ZEIT-Grafik/Quelle: P. »Diese Senke steht am Ende des Winters jeweils unter Wasser«. Der Mais nimmt beim Heranwachsen nur einen Teil des üppigen Stickstoffangebots auf.« Hier aber haben jetzt Krähenvögel die Lufthoheit. Das würde die staatlich geförderte Massenproduktion frischer Pflanzen für Biostrom verbieten. sogar Strom aus Erdgas kann besser sein als Biostrom. Gülle 1 Nawaro mit 2 Nawaro mit 30 % Hühnermist 30 % Rindergülle und Wärmenutzung und Wärmenutzung 3 Nawaro mit Wärmenutzung 4 Nur Nawaro *Nawaro: Hälfte Mais.und insektenarmen Maisfeld kaum Nahrung finden. Die Kiebitze führen einen aussichtslosen Überlebenskampf. dann enthält der Boden zunächst viel Humus. dass er nie wiederkommt. »Forellen brauchen steinige und kiesige Bachbetten. die den Gewässerschutz aushebeln. Belastend wirken die CO2-Emissionen bei der Beschaffung der Rohstoffe und beim Anlagenbetrieb. das überdüngte Wasser veralgt.25 Prozent des eingesetzten Stickstoffs werde in Lachgas umgewandelt. So kostet es viel Energie. Methan kann in die Umwelt entweichen. Die Steinau entspringt im Herzen des Kreises Herzogtum Lauenburg im Süden Schleswig-Holsteins. das gerade international zum Standard wird: Landwirtschaft soll zuerst der Ernährung von Menschen dienen. dann wird klar: Strom aus Erdgas kann sogar klimaschonender sein als solcher aus Pflanzen. zu transportieren. Gülle und Gärresten. Doch zu Beginn des 20. zu ernten. Aus den Kuhlen schreckt ein Rudel Damwild hoch. als drehe sich dort eine Windhose. Dann würden sie zur größten Klimabelastung. dann werden sie im kräuter. wie eine offene Kanalisation verläuft er schnurgerade durch Maisfelder und mündet im Flüsschen Steinau. Silofüllen (Hintergrundfoto) erfordern Energie und setzen CO2 frei. Zwei davon trippeln im schmalen Wiesenstreifen unten am Deich herum. Plötzlich steigen die Altvögel auf: »Kiwitt. tatsächlich. Dünger und Pestizide austragen. unter Umwälzen zu vergären und die gewaltigen Gärrestmengen wieder auf den Feldern zu verteilen. Deshalb müssen die Vögel ihr Heil auf dem Wiesenrest suchen. Früher wurden seine Eier in Norddeutschland zu Tausenden als Frühjahrsdelikatesse gesammelt. dann Rohstoffe wie Baumwolle und erst zuletzt Energie aus Bioabfällen und -reststoffen. Lachgas stammt aus Dünger. das entstehende Kohlendioxid haben ja Pflanzen zuvor aus der Luft geholt. »Da. geben den weitgehend toten Kanälen einen naturnahen Bachgrund und teilweise ihren gewundenen Lauf zurück. Die kürzlich erschienene Übersicht Brutvögel in Deutschland 2010 zählt den Kiebitz zu den vier am stärksten gefährdeten Arten. Vergleicht man sie mit jenen moderner Kraftwerke. Und sie sinkt weiter. In der Ferne steigt auf einem trockenen Maisfeld eine braune Wolke auf. Man müsste sich bloß an ein sozialökologisches Grundprinzip halten. wichtiger Aspekt wird in den Klimabilanzen für Biogas oft übersehen: die Änderung der Landnutzung. das als Filmkulisse und Konzertstätte des Schleswig-Holstein Musikfestivals bekannt ist. Dünger (in der Herstellung) Treibstoff Foto [M]: Mauritius Pflanzenanbau und -bereitstellung Spritzen. zu silieren. Sie entstehen hauptsächlich aus Gärresten und wenn die Felder mit Stickstoff (N) gedüngt werden. »Ihr ursprünglicher Lauf wurde von 40 auf 25 Kilometer verkürzt«. Erschreckende Klimabilanz Die Gefährdung der Artenvielfalt und der Gewässer ließe sich allenfalls rechtfertigen. die auch der Steinau zusetzt. befeuert den Treibhauseffekt 25-mal so stark wie CO2. Je nach Bodentyp können diese Emissionen so hoch sein. Leider werden Biogasanlagen außerdem nicht als intelligente Lückenfüller für Ökostrom genutzt. Während zwei Dritteln des Jahres können deshalb Wind und Regen die ungeschützten Böden erodieren. Der darin gespeicherte Kohlenstoff verwandelt sich durch verstärkten Luftkontakt in CO2. Umweltschutz absurd: Die Gemeinschaft finanziert millionenteure Renaturierungen – und zugleich über Zwangsbeiträge agroindustrielle Gasquellen.36 14. Zudem verbrennt Biogas wegen seiner geringen Qualität unvollständig im Motor. Oft sind diese Becken nicht einmal abgedeckt. Wind. sagt Foth. das bei der Biogasproduktion entsteht. oder sie lassen Gas ab. dessen zahlreiche Seen Touristen anlocken. Jahrhunderts wurde die Steinau ähnlich radikal begradigt wie der Försterbach. »Methanschlupf« heißt dieser Verlust. etwa wenn ihr Rührwerk klemmt. die im Lauenburgischen laufen. Da die Gärreste nie voll vergoren sind. Mehrere Menschen starben. dass man jahrelang Bioenergiepflanzen darauf anbauen muss. Vermutlich ist das jedoch viel zu niedrig bemessen. Dies passiert häufig. CO2.

machen Si doch Schluss! n Sie ie sprachlich von den Schriften seiner Kollegen und Sie brauchen die Promotion weder für Ihr berufliches ür schafft etwas Eigenes. Ebenso sollte lich schreiben. die gegen diese ZEIT: Sollte man die Rollen von Betreuer und BenoRegeln verstoßen. Bewertung und Benotung der Dissertation werden Opfer von Konfliktvermeidung und missverstandener Kollegialität. Kupfern Sie ab. braucht nicht abzuschreiben. besser ZEIT: Warum reicht dann die Formulierung »Ver. Das vergrößert auch die Chancen. die Aberkennung des Gremiums »Ombudsman mehr promovieren. laufen wir Gefahr. wundere ich mich schon. Quantität statt Qualität zu belohnen. Wissenschaftliche Neutralität ist bei dieser Gestaltung des Begutachtungsprozesses im Regelfall nicht gegeben. Da setzt man einmal eine ZEIT: Gerade externe Promotionen ziehe sich oft in onen ziehen en Fußnote mit der wichtigsten Literatur. die des Plagiats ver. notiere ich am Rand immer: »Warum ge. fremdem Gedankengut umzugehen hat. Im heutigen Wissenschaftsbetrieb. der Betreuung und der Benoetreuung dächtigt oder überführt werden. Nicht jeder Akademiker besitzt ker schließlich die Kreativität. kann er sich nicht damit solcher Eindruck vom Wissenschaftsbetrieb ist desasrausreden. Mit den neuen ten über die plagiierten Doktorarbeiten nicht gespielt. Nur durch systematische Qualitätssicherung kann das Vertrauen in Verfahren und Strukturen des akademischen Betriebes wiederhergestellt werden. Die von der »guten wissenschaftlichen eingese Praxis« geforderte Neutralität und Unabhängigkeit des Gutachters wird dabei missachtet. Und jeder.Löwer: An Geld mangelt es der Forschung eher nicht giats in der Welt ist.voller Doktorvater nicht öfter zum Aufg m Aufgeben drängen? geben nen Artikel. wer zu ihm spricht: Spricht der Dokto. hören. in dem eine kritische Bewertung kein persönlicher Affront ist. Dafür müssen Sie lehrt. Dabei schaden solche Verstöße gedam im Fall Althusmann ziehen? Löwer: Prüfen. ja für Halbsätze. so wird ausgerechnet der bisherige Betreuer als Erstgutachter gerechn eingesetzt. Manche Professoren an nche Hauptstadt der Bundesrepublik« eine Quelle angeben? sehen ihre Doktoranden nur einmal im Jahr. gbar Anführungszeichen kenntlich zu machen sind. weg. was ihm droht. mit digkeit. ver. Es gibt umgekehrt aber auch die ekehr hrt nicht belegt werden. eine Dissertation zu verion Jeder weiß. Wenn der substanzielle Verdacht eines Pla. muss überhaupt Löwer: Das geht nicht. vend erbring gen. kenne niemanden. die nicht mehr unbedingt qualitätsfördernd ist. Allein die kritische Selbstkontrolle. wissenschaftliche Kritik fälschlich als Kritik an der Person zu verstehen und daher gegenüber Fakultätskollegen als ungehörig zu empfinden.einer Täuschung durchzukommen. Das ist hier anders als etwa in Großbritannien. Herrscht bei ZEIT: Was sollten die Universitäten tun? itäten den wissenschaftlichen Standards Willkür? Löwer: Sie sollten zum einen viel genauer Wolfgang Löwer: Nein. l m Löwer: Was allgemein bekannt ist. den besonders wenig zu sagen sagen? rs n? ZEIT: Nun haben einige von denen. egal.prüfen sollten. wie ich zitiere. Diese »gute wissenschaftliche Praxis« hat sich bewä bewährt. Berufungen un und gsanträgen.genannten Zweitgutachter häufig nach unten ab. prüfen die Ergebdurch meth kritisch nisse kritis und fördern damit insgesamt die Qualifikation der Betreuten »zu eigenständiger Qualifikat wissenschaftlicher Arbeit«. Fachliche Kompetenz und Unabhä Unabhängigkeit des Gutachters begründen das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des wissenschaftlichen Urteil Urteils. Der CDU-Politi. Ohne Internet wäre die ZEIT: Muss jedem Plagiat der Titelentzug folgen? Löwer: Nicht jeder Regelverstoß muss mit der Höchst. ben Sie mir Leseempfehlungen? Ich möchte Belege. Ich habe eher schwachen Arbeiten. das – gleichgültig. dass wörtliche Zitate mit für eine Dissertation unabdingbar ist. ist die Bereitschaft zum Steinigen groß. Ich bin n. zeichnungsregeln eingehalten hat. Sanktion sollten in angemessenem Verhältnis stehen. Seit tung der Doktoranden gibt es offenkundig Mängel. dass sie bislang zu hart ders: Sie fordern mehr Geld für mehr Wissenschaft. Als ich Anfang der siebziger Jahre gig von den Beweggründen derer.gegeben werden. ja Fußnoten gesetzt und andere auch bei Kultusminister Alttusminister Althusmann – entstand die ProAutoren genannt. die unter Pla.Deutschen ForschungsZEIT: Erlaubt das den Universitäten. .gen die eigenen Regeln der Wissenschaft noch mehr. bedarf längst der kritischen Revision. wäre deutlich mehr Transparenz möglich. von dem im weiteren Verfahren der zweite Gutachter – meist ei ein Fakultätskollege und mit dem Erstgutachter und de dessen Bewertung der Dissertation wohlvertraut – in d der Regel nicht abweicht. die Einführung eidesstattlicher Erklärungen von Promovenden oder die Klage über angebliche Folgen einer leistungsabhängigen Finanzierung reichen nicht aus. mit der wissenschaftlichen Qualität des Projekts implizit auch seischaf nen eigenen Beitrag dazu zu bewerten. Ich tik sollte sich nicht zu laut wundern. Dieses in den deutschen Universitäten immer noch übliche Verfahren der Einzelpromotion. ZEIT: Das betrifft aber nicht nur Doktoranden.Entdeckungswahrscheinlichkeit im wissenschaftlichen strafe geahndet werden. Wissen Den Wahrheit g Wahrheitsgehalt wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Angemessenheit ihrer Verfahren kann Angemes nur die Wissenschaft selbst kontrollieren. Sollte ein ver verantwortungsrantwortungsverschiedenen fremden Texten. in einer juristischen Prüfungsarbeit »Vergleiche« zeug ein Bild machen kann. Wer in das extra noch einmal in zehn Anleitungsbüchern seiner Promotion etwas zu sagen nachschauen lassen. In einem Klima des Vertrauens. die wissene nicht jeder dasselbe. Und motion neben einer andas ist keine ehrpusselige Lappalie. kann sie von dem Verdacht befreien.blicken kann. Das ist ein bedeutender Unterschied. mehr ist dazu zunächst nicht an. Nicht zufällig weichen die Noten der soen ZEIT: Dann freuen Sie sich darüber.WISSEN DIE ZEIT: Die Kette der Politiker. wissensch Wird die Dissertation eingereicht und damit das formale Promotionsverfahren eröffnet. wenn es sich um PerZEIT: Sollte man die Zahl der DokD k sonen des öffentlichen Lebens handelt. Bei Althusmann wie bei zu Guttenberg u senschaftler erstellt dann jedoch keine Collage aus den dauerten sie sieben Jahre. dass er die Kenn. Die durch Titelentzug und öffentliche Diskreditierung gestraften prominenten Delinquenten haben damit unbeabsichtigt etwas aufgedeckt. Zwar wird rechts gegen einen Hochschullehrer mit der Begründas moralische Versagen der überführten Doktoran. diesen Standard or auch tradierten akademischen Verfahren au an ihre t uch Denn a anzulegen. eiben. Das Erstguta ach achten endet mit einem Notenvorschlag. Dennoch müssen sich Universitäten fragen. Dennoch dürfen Sie als Dokto. ergebnisoffen und selbstkritisch überprüfen. Er lehrt als schwache Arbeiten durchzuwinken? handelt oder den Partner einer großen Rechtsprofessor in Bonn Löwer: Natürlich nicht. reißt nicht ab.den Universitäten sogar sehr gut an.die Länge. für die freilich die Wissenschaft selbst zuständig bleiben muss. Dieser Gedanke ist in der Wissenschaft weniger ver. der nach Titelentwenn ihre Leistungsanreize negative ziehung seine Karriere hätte fortsetzen können. dass jede Universität eigene promoviert werden konnte. ob es sich um einen Politiker gemeinschaft.Distanz zwischen Doktorvater und Promovend offennd Promo ovend stößt das gegen das Urheberrecht.nicht rezipiert wird. wie korrekt zitiert werde. um wen es sich handelt. wie vielleicht der Fall z Guttenberg er zu nicht wortwörtlich abschreiben. Das ist ein Anreiz eiz Doktorgrades ist ein gravierender Ein. ZEIT: Nur versteht unter Abschreiben anscheinend fassen. muss versichern. reagieren. Regeln habe. wenn sie ist Sprecher des Löwer: Nein. die Entrüstungstäuscht sehen. Ein Gespräch mit dem G Jura-Professor Wolfgang Löwer über Jura-Professo Professo die falschen A Anreize O rigin elle Id een au s Du tz en d e n Q u el l e n s c h r e d d e r t d e r A b s ch re ib e r zu m f ad e n P l ag iat sh ack . sondern die Glaubwürdigkeit der selbstorganisierten Wissenschaft. dass nun diejeni. Sie Wissen sichern die Neutralität wissenschaftlicher BegutNeu achtung.bis hundert Journale. ihren Prüfpflichten adäquat nachkommen. an J Jetzt ist es a den Universitäten. immer wissen.In allen aufgedeckten Fällen – edeckten giatsverdacht stehen. schlechtem Gewissen? Löwer: Ein schlechtes Gewissen sollten sie schon ha. Praktisch schafft diese Trenktisch wenn er beim Pfuschen und Schumnung einem anderen Professor enorm m meln erwischt wird. ter deshalb besser trennen? esser Löwer: Der Abschreckungseffekt ist poLöwer: Theoretisch mag man das erretisch sitiv: Jetzt sieht jeder. denn der ErstGu gutac gutachter kann kaum vermeiden. Die strengen Regeln des peer Forschungsför review halten den Begutachtungsprozess von mögliw cher Einflussnahme durch die zu Begutachtenden Einflus frei: Die nach ihrer fachlichen Expertise ausgewählten Gutachter bleiben den Begutachteten gegenüber sogar anonym. Der Mediziner Peter Gaehtgens ist Professor für Physiologie und war von 2003 bis 2005 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Illustration: Martin Burgdorff für DIE ZEIT. man wisse ja.schaftliche Innovation zu leisten. Ein guter Wis. muss die Uni diesem nachgehen in Deutschland. ohne die Sprachgestalt der angegebenen Löwer: Ich habe Promovenden schon öfter gesagt: n Literatur zu benutzen. schon Ihre eigenen Worte finden.Professoren gehen Unis laxer um als mit Täuschungen bei Promotionen. ob nicht die en n. Die oft unbewusste Haltung. Was mir weniger viel Arbeit. dass wir ht. Denn Fehlverhalten und Diskurs viel geringer. Dadurch entfernt er sich Warum quälen Sie sich so. Es ZEIT: Sie selbst schreiben niemals »Vergleiche«? n soll nicht der Regelfall sein. »Ver. zum Beispiel in Beiträgen für ein Hand.« welche Forschungsfrage er klären möchte.originär zu genügen. Schon heute beiten fentlichkeit. eine unabdingbare Voraussetzung für Wissenschaftsfreiheit und Universitätsautonomie. nicht unbedingt für Klasse. sondern schreibt sei. schaftlichen Arbeiten steht. wo der Gutachter auch nicht anonym bleiben muss. ob sie dass man mit professoralen Fehlern milde umgeht.Löwer: Inhaltliche wie he rand zu ihm oder der Wissenschaftler X durch den formale Schwächen finden n Doktoranden. griff in den beruflichen Entwicklungs. Daher ist die Reform akademischer Qualifikationsprüfungen und damit die Auseinandersetzung mit der Verantwortung von Wissenschaftlern und ihrer Verpflichtung zu akademischer Redlichkeit dringend nötig. Das gebietet das Integritätsinteresse ten für das öffentliche Recht.ZEIT: Haben externe Doktora n Doktorananhaupten. Die Universität muss daher ihre eigenen Verfahren der Quaih lifikationsprüfung k konsequent.der Doktorand grundsätzlich selbst wissen. ist im akademischen Deutschland leider noch sehr verbreitet. einmal reichert der Doktorand eine Quelle mit eige. die Zahl der Verdächtigten wächst und damit der Schaden für die Universität. dass Professoren ihre den dadurch nicht weniger schlimm: Auch wenn der Beiträge von ihren Assistenten schreiben lassen.ZEIT: Die Wissenschaftsorganisationen sehen das anben. die geringe Anzahl der Verstöße belegt ihre hoh hohe Akzeptanz in der scientific community. ZEIT: Tun sie es? Das Gespräch führte MARTIN SPIEWAK 14. Mit Verfehlungen ihrer ZEIT: Welche Konsequenz sollte die Universität Pots. die Grundwerte sind klar: prüfen. Universität Bonn (l. Wissen zusammenfassen. Sie D rand oder als sonstiger Autor auch Allgemeinkundiges ist auch schädlich. da er sich in die Promotion behagt. und unabhän. dahmen der gleiche« heißt: Lieber Leser.an einem Seminar teilnehmen muss. Keiner kann be. gab es etwa zehn juristische ZeitschrifRollen brachten. dass die Geldbörse auf dem Küchentisch trös – und man zerstört ihn jedenfalls nicht dadurch. Ich meine jedoch nicht. dem Thema Dissertation abgibt. ob der Promotionswillige überillige haupt fähig ist. wie man zitiert. du kannst bei Professor X mit der Doktorvater oder die Doktorellektuelles Weiteres zum Thema lesen. das zu korrigieren lange an der Zeit ist. ZEIT: Es herrschen doppelte Standards? ZEIT: Warum sollten die Universitäten Ihrer Meinung Löwer: In Darmstadt hat die Staatsanwaltschaft ein nach dennoch ein schlechtes Gewissen haben? Ermittlungsverfahren wegen Verletzung des UrheberLöwer: Weil sie Mitverantwortung trifft. Warum reicht das nicht? stand Löwer: Es kommt auf die Art an. Hier stünde es breitet.) D Vergleiche? Belege! Universität Universitäten locken zu viele le Doktorande Doktoranden an – und profitieren ofi davon. vielleicht stilistisch schwach verändert. Das behindert die sachliche Bewertung wissenschaftlicher Qualität.Löwer: Auch Professoren schreiben ab.solchen Arbeiten an einer deutschen Universität utschen ker rechtfertigt sich damit. Die Aberkennung von Titeln. die sten.zu große Nähe zwischen Professor und Doktorand. W O L F G A N G L Ö W E R torarbeiten deshalb nicht begrenzen? nzen? ZEIT: Plädieren Sie für Mitleid mit Der Promotionsexperte Löwer: Bedenken Sie. er habe nicht gewusst. Ein Enkel seine Oma beklaut. lernt man Das Abschreiben verdeckt die eie Thema zudem während des Studiums. der Universität angehören. schraube stärker anzuziehen. Der Leser muss deren Tätigkeit. Wie man wissenschaftlich mit hat. zumerken. Im anderen Fall präsentiert er die Promotionsanwärter. Die dafür gültigen Kriteüberp rien sind längst etabliert und als Arbeitsgrundlage des etab gesamten Wissenschaftsbetriebs unbestritten. technischen Möglichkeiten kommen Sie heute Abschreibern auf die Sprünge. dass man mit ich Bernd Althusmann unter Verdacht. nen Gedanken an. ück. Wir produzieren längst Wissen. dass die Univerden betroffenen Politikern? sitäten mehr Mittel erhalten. die nicht Quelle nur. Auf dem Prüfstand steht die Qualität der Promotion an deutschen Universitäten und darüber hinaus die Selbstkontrolle der Wissenschaft. vor allem an uns den Professoren. Fortkommen noch für Ihr Lebensglück. Erkennbar steht nicht mehr nur der einzelne Regelverstoß zur Diskussion. Weil die Universitäten sich so substanziell ge. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 37 Faules deutsches Promotionswesen Die heutigen Verfahren verstoßen gegen die »gute wissenschaftliche Praxis« VON PETER GAEHTGENS ie öffentliche Diskussion über prominente Plagiatsfälle hört nicht auf. Dies schützt sie. Effekte haben. ist die Jagdleidenschaft der Öfneu einarbeiten muss.dung eingestellt. Das Häufig finden sich die Plagiate ja in te gilt auch für einzelne Sätze. De die üblichen Promotionsverfahren verstoßen gegen eine elementare Regel der wissenschaftlichen Praxis« – die klare Tren»guten wissen Betreuung und Prüfung: Doktorväter nung von B Doktormütter vergeben das Thema der Disund Doktor begleiten die Arbeit der Doktoranden sertation. dass jeder externe Kandidat Löwer: Weil diese Formulierung nichts erklärt. deren Beiträge niemand übermal die Wahrhaftigkeit. ü ZEIT: Muss ich für einen Satz wie »Berlin ist die ZEIT: Das setzt Nähe voraus. das auf einer in der Regel nur fakultätsinternen Begutachtung beruht. um dem Vertrauensverlust entgegenzutreten. die funktionsgemäß bekanntes muss vornehmlich der Promovend erbringen. verwendete Fotos: Nico Baldauf. bei dem man die Frage stellen kann. zum B Beispiel bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen oder auch bei Anträgen auf Forschungserge Forschungsförderung. die den Fall ins Assistent war. Menschen zur Strecke zu brinExamensarbeiten stark in Beschlag. ihrer Verantwortung (als Gegenleistung für die ihr gewährte Freiheit) nicht ausreichend gerecht zu werden.allerdings der Ansicht. Zu viel Nähe trübt die UrteilsUrteil jedem Doktoranden eigentlich klar sein. nd bereiten.für die Wissenschaft« der für Masse. in dem die Anzahl von Promotionen als Kriterium für die Mittelzuweisung dient. verpflichtet sie aber anon auch zu einem Urteil nach ausschließlich wissenschaftlich schaftlichen Maßstäben. und das heißt uns. vornehmlich. sich bei externen wie bei inden der Autor der Dissertation markieren muss. gen.Löwer: Bei der Auswahl. fähigkeit. lag. Denn ternen Doktoranden. fig gen zur Rechenschaft gezogen werden. Diese intellektuelle Leistung tellektuelle L buch oder Lexikon. Deshalb ist die Entrüstung vieler Universitä. Heute haben wir sechzig der Wissenschaft. Ihr wichtigstes Kapital ist nun ein. Wenn meine Studenten mutter sich über sein intellektuelles Rüstnn. Auch das sollte sichtlich gefehlt hat. wägen. der Veröffentlichung in der ZEIT der vergangenen Wenn ich mir manche der inkriminierten Dissertatioriminierten Woche steht auch der niedersächsische Kultusminister nen anschaue. dass Themen vorLöwer: Doch. Einigen – auch aus Ihrer nimmt uns die Begutachtung von ns n Profession – scheint es Vergnügen zu Forschungsanträgen. dass er nicht abschreiben darf. der eine gene Unfähigkeit. Löwer: In jedem Lehrbuch zum korrekten wissen. b methodische Hinweise. Ohnehin hat unser WissenschaftssysZEIT: Reagieren die Universitäten zu hart – gar aus tem mittlerweile eine Größe erreicht. k g. Daran hängt ihre Glaubwür. Sinnvoll wäre es zum ll terne gleiche Professor X« nicht aus? Beispiel. Aber die PoliAnwaltskanzlei: Beide stürzen ab.

Nutzungsdauer in Min. Im Lauf der Jahre kamen immer mehr Kistchen dazu. Statistisches Bundesamt. Zeitungen belasten das Portemonnaie dagegen doppelt so stark wie früher.com Quellen: ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation (in: »Media Perspektiven« 1/2011). wann manche Apparate wieder verschwanden. Produkte und Dienste für die Jahre 1970. man kann ablesen./Tag 220 187 Illustration: Von B und C. Radio.net 23 83 50 Recherche: Mathias Brandt statista. Hahn und Zimmermann von-b-und-c. die Größe des Kreises veranschaulicht die tägliche Nutzungsdauer. wann es erstmals erfasst wurde und welcher Anteil der Haushalte im jeweiligen Jahr darüber verfügt hat – und auch. wie das Urteil der 14. die das jeweilige Motiv nannten. desto größer die Reichweite der Medien im Jahr 2010. öffentlich-rechtliches Radio. je satter der Farbton. das Radio berieselt. Zeitungen und Zeitschriften. durch das sie sich aktuell und unabhängig informiert fühlen. aber völlig unmodern. Nutzungsmotive: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Reichweite: 86 % 1 2 3 4 5 6 7 8 9 109 THEMA: MEDIEN Die Themen der letzten Grafiken: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 sich informieren macht Spaß entspannen Nützliches für den Alltag erfahren sich ablenken aus Gewohnheit mitreden können Denkanstöße bekommen sich nicht alleine fühlen 108 107 Mausefallen Smartphone 106 Frauenfußball Weitere Grafiken im Internet: DAS IMAGE DER MEDIEN Fernsehen. die Tageszeitung informiert.bis 29-Jährigen (schwarze Linie) vom Durchschnitt abweicht: Die Jungen halten Tageszeitungen für anspruchsvoll. Beispiel: Zeitungen (orangefarbener Kreis) werden heute nicht mehr so lange gelesen wie früher. 1990 und 2010 (ausgehend von 1970 = 100). das Internet bringt praktischen Nutzen: Die Schattierung der Schrift in dieser Grafik gibt die Motive der Nutzer wieder. Und trotz Internet wird nicht weniger ferngesehen.de/grafik Reichweite: 79 % 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Reichweite: 44 % 1 2 3 4 5 6 7 8 9 aktuell Anteil Nennung Motive in % Reichweite: 43 % 25 50 75 100 anspruchsvoll glaubwürdig informativ PREISSTURZ BEI ELEKTRONISCHEN MEDIEN Zwar stehen in jedem Haushalt heute mehr elektronische Geräte als früher. Heute wetteifern unüberschaubar viele Sender. und sie erreichen nur noch 44 Prozent der Menschen (gegenüber 76 Prozent im Jahr 1980). Juli 2011 DIE ZEIT No 29 No Die Medien und wir Vor 40 Jahren war die Welt noch übersichtlich: Drei Fernsehprogramme./Tag 75 113 35 73 Nutzungsdauer in Min. Und je höher die Schrift. Die zwölf Kreissektoren stehen für jeweils ein Medium. in % 100 50 1970 1974 1980 1985 1990 unterhaltsam vielseitig 60 80 Medienimage in % 1995 2000 2005 2010 Hörfunkgerät Fernsehgerät Videorekorder Kassettenrekorder CD-Player PC MiniDisc-Rekorder DVD-Player MP3-Player Laptop Spielekonsole Smartphone RADIO UND FERNSEHEN LIEGEN IMMER NOCH VORN Die Grafik zeigt auf der senkrechten Achse die Reichweite der unterschiedlichen Medien.zeit. ARDMarktanalyse 2011. www. kompetent kritisch locker/ungezwungen modern objektiv 1970 1990 2010 sachlich sympathisch unabhängig Computer Bild-/Tonaufnahme und -wiedergabe Telefon Buch Zeitung 40 20 IMMER MEHR ELEKTRONIK IN DEN HAUSHALTEN Im Jahr 1970 hatten die meisten Haushalte zwei Arten von elektronischen Geräten: Radio und Fernseher. Interessant ist. Tageszeitung und Internet werden von Nutzern unterschiedlich bewertet. desto höher der Anteil der Befragten. Printprodukte und Websites um unsere Aufmerksamkeit – und unser begrenztes Budget DIE REICHWEITEN DER MEDIEN UND DIE MOTIVE DER NUTZER Das Fernsehen unterhält. AGF Alle Angaben zur Zeit vor 1990 beziehen sich auf die alten Bundesländer 35 25 Reichweite in % 22 6 5 1970 Fernsehen Tageszeitung Radio 1974 1980 Bücher Zeitschriften CD/LP/MC/MP3 1985 Video/DVD 1990 1995 2000 Internet 2005 2010 . ihre Sympathie gilt dem Internet.38 GRAFIK 14. Gezeigt werden die inflationsbereinigten Preise verschiedener Medien. dafür ist der einzelne Fernseher oder Computer aber viel billiger geworden.

Im Zweifel 112 wählen Beim Schlaganfall kommt es auf Schnelligkeit an: Blutklumpen. wirkte er direkt auf einen der Gerinnungsfaktoren im Blut. Immer wieder kommen zu ihm Patienten auf die Station.« Ingwer jedoch bringt ihre Gerinnung fast zum Erliegen. Die erste der Pillen – sie heißt Pradaxa – ist gerade in den USA auf den Markt gekommen. Das wäre knapp ein Sechstel dessen. Zwar kommt in diesem Fall noch der Aufwand für die Bluttests dazu. Worauf die Patientin beschloss. Das Debakel soll sich nicht wiederholen. »Das ist ein Durchbruch in der Schlaganfallmedizin!«. sagt sie. dass Jutta Geurten doch noch einmal Einladungen zum »Blockseminar für Marcumar-Erstanwender« hat drucken lassen. dass es bei keiner dieser Studien Hinweise auf Leberprobleme gegeben habe. »Wir sind froh. hält die Mitglieder via Website und Handzettel über den Umgang mit Ärzten. denn der Wirkstoff kann auch Menschen töten – wenn er falsch dosiert wird. Der Freiburger Pharmakologe Lutz Hein ist weniger beeindruckt. die Gerinnungsparameter während der Ferien vielleicht noch in einer Fremdsprache diskutieren zu müssen. stellte sich bei einem Zypern-Urlaub heraus. urteilt Ulrich Schwabe. Wie misst der Arzt dann die Gerinnungswerte? Wie stellt er das natürliche Gerinnungsvermögen wieder her? »Bei Marcumar weiß ich. medizinische und auch ganz praktische Gründe hat. wie stark deren Arznei noch wirkt. Auch um Geld geht es dabei. Bei Marcumar fiel das finanziell nicht ins Gewicht. dass manch einer auf die eigentlich erforderliche Prophylaxe verzichtet. Your Photo Today/A1PIX (klein) Mühsamer Weg: Therapie gegen Lähmungen nach dem Schlaganfall Sichere Auflösung? Sogenannte Blutverdünner schützen vor Schlaganfall. sagt Diener. Ohne Ergebnis: Der Hersteller arbeite noch an einer Lösung. nach Unfällen oder für Notoperationen. Andere weichen auf Aspirin aus. Er hat ausgerechnet. sagt der Schlaganfallexperte. Er soll verhindern. dass sie auch auf Hitze reagierte. die trotz Gerinnungshemmer einen Schlag erlitten haben. »Vieles spricht für das Medikament. dass die Hauptattraktion der Europäischen Schlaganfallkonferenz Ende Mai in Hamburg das Begleitprogramm war: Die Pharmaindustrie präsentierte eine neue Generation der Gerinnungshemmer. 2006 zog AstraZeneca die Pille zurück. Sie haben ein fünfmal so großes Risiko. Das Medikament war als Thromboseprophylaxe nach Knieoperationen schon auf dem Markt. Kritischster Gegenspieler: Vitamin K. Vitamin K fördert die Bildung von Gerinnungsfaktoren. kann der Gemeinsame Bundesausschuss eine außerplanmäßige Prüfung einleiten. die dann Blutgefäße im Gehirn blockieren – und zum Schlaganfall führen. einen Blutverdünner. sagt HansChristoph Diener. wenn die Gerinnung wieder normalisiert werden muss. wenn neue Arzneien schon aufgrund einer einzigen Studie in Therapie-Leitlinien aufgenommen würden. »Wenn ich nicht weiß. man gibt Gerinnungsfaktoren oder Vitamin K«. In Amerika blockierte die Gesundheitsbehörde FDA den Verkauf. Entsprechend groß war der Andrang der Ärzte beim Satelliten-Symposium des Herstellers Boehringer Ingelheim. Und die Vorstellung. dass Kohl bei ihr die Wirkung von Marcumar kaum beeinträchtigt. Salat sowie fast allen Kohlsorten vor. das Herz wieder in den richtigen Takt zu bringen. Allerdings schützt Aspirin weniger als Marcumar. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 39 Fotos [M]: Jochen Tack. Bisher müssen Schlaganfallgefährdete meist Phenprocoumon schlucken – besser bekannt unter dem Markennamen Marcumar. Seither muss die 66-Jährige unter anderem einen Gerinnungshemmer einnehmen. aber inhaltlich seien noch Fragen offen. Mit entsprechend happigem Preis: 7.« Auch der Freiburger Professor Lutz Hein wünscht sich. Wolfgang Steinke etwa. Zu Recht. 1994 baute er im Essener Uniklinikum die erste von 187 deutschen Stroke-Units auf. Pradaxa ist kein Routinekandidat für dieses Verfahren. Den Preis für die neue Anwendung will Firmensprecher Sebastian Wachtarz aber nicht verraten: Der Entscheidungsprozess sei »noch nicht abgeschlossen«. Ab August soll sie auch in Europa verkauft werden. Kassen und Blutverdünnern auf dem Laufenden. wenn wir endlich Alternativen anbieten können. Auch Bayer. Auf Geheiß der US-Gesundheitsbehörde wurden die EKGs aller Probanden. Marcumar unterdrückt dies. »Bei vielen Patienten reicht das einfach nicht«. »Ich hörte nichts. Das Vitamin kommt in Spinat. kann es zu inneren Blutungen kommen. nicht mal meinen Herzschlag«. Er fände es problematisch. Ihre Hausärztin diagnostizierte Herzrhythmusstörungen. um die Blutwerte mit dem Speiseplan abzugleichen. »Aber was tut man bei Pradaxa?« Selbst die Experten zerbrechen sich darüber den Kopf. Umso mehr Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die neuen Arzneien. wenn der Patient spätestens nach vier Stunden in der Klinik eintrifft. Die Pille ist extrem unbeliebt. den Jutta Geurten nie vergessen wird.08 Euro pro Tag. der vor zehn Jahren viele Hoffnungen weckte. Trotzdem nimmt nur die Hälfte der Betroffenen entsprechende Medikamente – und wenn. So kam es. das aber rechtfertige den Preisunterschied nicht. was die Kassen 2010 insgesamt für Arzneien zahlten. Aber was ist mit der Diskussion um Herzinfarkte. »Ich bin da sehr zuversichtlich«. sagt Diener. Pfizer und Daiichi Sankyo – die an ähnlichen Produkten arbeiten – sorgten für Gesprächsstoff. denn unter den europäischen Nutzern mehrten sich bald die Leberschäden. Die Bedenken sind nicht ganz unberechtigt. um die Gerinnsel aufzulösen. wenn diese Anlass zu Nachfragen gegeben habe. die Interaktion ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Ist die verabreichte Menge zu gering. Als sich die Forscher die Substanz danach als Blutverdünner schützen ließen. der an den Studien für alle vier neuen Mittel mitwirkte (und dafür Industriemittel bezog). Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Folgende Symptome deuten auf einen Schlag hin: • Sprachstörungen • Sehstörungen • Hörstörungen • starke Kopfschmerzen • Schwindelgefühl • Taubheitsgefühl beziehungsweise Lähmung einer Gesichtshälfte oder in den Gliedmaßen • plötzliches Hinfallen . warnt er. weil ich sonst Blutungen riskiere«. Das gelte »erst recht«. bevor die Reform Anfang 2011 in Kraft trat. Es gebe viel PR. Am Morgen des 31. warnt Joachim Röther. Oder umgekehrt: In einer niedrigeren Dosis bietet es den Schutz der alten Pille und senkt das Blutungsrisiko um ein Drittel. August 2006 wachte sie auf und nahm um sich herum nur beklemmende Stille wahr. Herausgeber des industriekritischen Arzneiverordnungsreports. Doch kaum hatte sie den Faktor Essen unter Kontrolle. erzählt sie. Ist sie zu hoch. Knapp eine Million Deutsche leiden unter dem sogenannten Vorhofflimmern. Statt in den Vitamin-K-Stoffwechsel einzugreifen. Patientin Geurten etwa stellte fest. sondern auch mit Nahrungsmitteln. was historische. Es geht um viel Geld: Schlaganfallgefährdete müssen meist über Jahre Blutverdünner nehmen. allen Deutschen mit Vorhofflimmern Pradaxa zu verschreiben. die Behandlung kostet im Schnitt nur 20 Cent pro Tag. kann ich kein Mittel geben. Als Pharmakologe befasst er sich mit Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln und hat schon viele scheitern sehen: Exanta etwa. Im Gegenteil: Pradaxa könne in der hohen Dosierung ein Drittel mehr Schläge verhindern als die bisher empfohlenen Gerinnungshemmer – bei gleichem Blutungsrisiko. Sollte der Hersteller Boehringer künftig für die Schlaganfallprophylaxe ähnlich viel verlangen. sind aber gefürchtet. weshalb man es – wenn man sich halbwegs gesund ernähren will – kaum vermeiden kann. sich fortan lieber selbst zu testen. Die richtige Dosis zu finden ist schwer. Sie ist in einer Kölner Selbsthilfegruppe aktiv. sagt. sagt die Frau mit dem roten Pagenkopf. Hersteller Boehringer weist die Berechnung als »überzogen« zurück. Beim Schlaganfallkongress in Hamburg habe man darüber diskutiert. dass die Ära Marcumar zu Ende geht. denn sie basieren auf demselben Wirkprinzip. aber die Infarkte müssen wir im Auge behalten«. dann häufig falsch dosiert. So kommt es. »Da passiert nichts. hatte Marcumar einen schweren Stand bei den Patienten. So kommt es. »Der Unterschied ist nicht mehr signifikant«. warnte jüngst die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft. sagt Geurten. drohen Blockaden in Hirngefä- ßen durch Gerinnsel. dass sich im Vorhof ihres unregelmäßig schlagenden Herzens Blutgerinnsel bilden. Viele Patienten schrecken die zahlreichen Blut-Checks. landläufig auch Blutverdünner genannt. wenn die Hersteller die Vorteile ihrer Pillen nicht zweifelsfrei belegen können. Statt monatlich bestellte ihre Ärztin sie anfangs täglich ein. Vor allem treibt die Patienten um. sagt er. Der Professor. als ob das neue Medikament die Zahl der Herzinfarkte erhöhe. Die neue Pille wird also weiter für Diskussionen sorgen. und der Krankenkasse ein Messgerät abhandelte. Bei der ersten Auswertung der Pradaxa-Studie habe es tatsächlich so ausgesehen. der Leiter der StrokeUnit im Düsseldorfer Marien Hospital. lassen sich nur dann erfolgreich auflösen. einen Schlaganfall zu erleiden. die entweder den neuen oder den alten Blutverdünner erhalten hatten. 2003 wurde Exanta zugelassen – allerdings nur in Europa. Jetzt kommen Alternativen auf den Markt VON JUTTA HOFFRITZ E s gibt einen Tag.9 Milliarden Euro pro Jahr kosten würde. denn Marcumar interagiert nicht nur mit vielen Arzneien. die Pradaxa in einer Studie angeblich verursacht haben soll? Auch diese Gefahr scheint den Neurologen wenig zu beunruhigen. Nach der jüngs- ten Gesundheitsreform dürfen die Kassen den Preis herunterhandeln. dass es – den bisherigen Preis vorausgesetzt – rund 4.WISSEN 14. »Ich kann einen ganzen Topf Sauerkraut essen«. die die Sauerstoffversorgung des Gehirns blockieren. Immer wieder wird sie nach dem neuen Mittel gefragt. Doch er ist von Berufs wegen skeptisch. Das lindert nicht nur Schmerzen. sondern hemmt nebenbei das Verklumpen der Blutplättchen. Der Neurologe befasst sich seit 23 Jahren mit Schlaganfällen. was geschieht. Die Ärztin schickte sie mit Blaulicht in die Kölner Uniklinik – wo jedoch alle Versuche scheiterten. Der Vorläufer des Wirkstoffes wurde schon vor knapp 90 Jahren entdeckt – und war als Rattengift sofort der Renner bei Hausmeistern und Kammerjägern. noch einmal geprüft.

de/audio MEHR WISSEN: Im Netz: Die Wartelisten für Organspenden sind lang. Die Forscher entschlüsselten die DNA und ermittelten daraus die Verwandtschaftsbeziehungen. vermutet die Studie. dass die weiß bis orange-rötlich schimmernden Schleimer aus Italien stammen und die Mittelmeerküsten mit größter Wahrscheinlichkeit bereits vor 8000 Jahren zu erobern begannen. Online). Wie also verbreiteten sich die langsamen Kriecher? Und wo begann ihre Reise? Mithilfe von molekularen Markern und neuen statistischen Methoden haben Pfenninger und seine Kollegen die Besiedlungsgeschichte jetzt rekonstruiert. Die Technik sei vorhanden und billiger als jene für Dieselautos. wie die Bläschen durch die Adern wandern. so kann die aufgestaute Luft auch hier den Kreislauf stoppen.zeit.42 14. Luft in einer Arterie kann Organe von der Sauerstoffversorgung abschneiden und beispielsweise zu einem Schlaganfall führen.4 Milliliter pro Kilo Körpergewicht pro Minute an – das wären bei einem 75-Kilo-Mann 30 Milliliter. wieso das Weichtier einen so großen. Von Sardinien nach Algerien und anschließend in die südfranzösische Provence ging die Reise. Das kleine Bläschen in der Spritze ist also nicht lebensgefährlich. die online auf PLoS ONE veröffentlicht wurde. online). dann wandern die Bläschen in Richtung Herz und Lunge. Präzise wurden VON ALINA SCHADWINKEL Tudorella sulcata ist an sich ein sehr passives Wesen Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT. Kleine Luftbläschen kann der Körper aber resorbieren. wie der Mediziner die Spritze »entlüftet« und eine kleine Fontäne herausspritzt. zerrissenen Lebensraum hat – die Küsten waren zuletzt vor 30 Millionen Jahren direkt miteinander verbunden. weil es Benzin spart. um neue Ufer zu erobern? »Erwiesenermaßen laufen die Strömungen genau umgekehrt zur Ausbreitungsrichtung der Tiere«. wenn es regnet. Mit 15 bis 20 Millimetern Höhe ist die Schnecke nämlich ein ganz schöner Brocken. Umtriebig ist anders.de/audio ERFORSCHT UND ERFUNDEN »Staubige« Benziner Moderne Benzinmotoren mit Direkteinspritzung erzeugen mehr Feinstaubpartikel als Dieselmotoren. Seehandelswege wurden eingerichtet. Generell geht man davon aus.de/stimmts www.de/organspende Kuriose Psychotherapien werden populär – und haben gefährliche Nebenwirkungen. müsste man eine ziemlich große Spritze benutzen. Es besteht die Gefahr einer Embolie: Enthält eine Vene Luft. erklärt der Molekularbiologe. wie er mit seinem Maul Muscheln gegen Felsen stieß (Coral Reefs. Diese sehr kleinen Partikel sind besonders gefährlich. Markus Pfenninger/Sebastian Klaus Stirbt man. Wie also konnte die Schnecke das Mittelmeer überwinden? Zwei Möglichkeiten schlossen die Forscher gleich aus. Doch nun haben Reptilien auch noch gezeigt. geradezu passives Wesen. wie für Dieselautos erlaubt sind.de . oder stimmts@zeit. Die kleinen Schnecken hatten somit leichtes Spiel. Wissenschaftler von der Duke University ließen puerto-ricanische Chamäleons in zwei Näpfen nach Würmern suchen (Biology Letters. und um einen Menschen mit einer Luftinjektion zu töten. Aktiv wird sie – falls überhaupt –. Das neue ZEIT Wissen: am Kiosk oder unter www. Sie brauchten für den Intelligenztest sogar drei Versuche weniger als Vögel. Die Beute war in einem der Näpfe unter einem Deckel verborgen. Smarte Tierchen Schnell sind sie. 138 Schnecken aus 28 Gebieten mussten für diese Forschung dran glauben. weil sie tief in die Lunge eindringen und ins Blut gelangen können. Sie fanden heraus. ist für den Patienten beziehungsweise das Opfer tödlich. »Es gibt keine Zugvögel. Erstens: Vögel. es kommt darauf an. Die DUH fordert nun auch einen Grenzwert und Partikelfilter für Benziner. »Für eine Landschnecke ist es ungewöhnlich. wenn Luft in die Adern gespritzt wird? … fragt Jürgen Sander aus Braunschweig Wenn im Fernsehen ein Arzt eine Spritze verabreicht. Nun ist Tudorella sulcata an sich ein sehr ruhiges.zeitabo. Das ergab eine Untersuchung des ADAC im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe DUH und des Verkehrsclubs Deutschland. Deshalb wunderten sich Forscher schon seit einiger Zeit. Es war angeblich der erste beobachtete Werkzeuggebrauch eines Wildfisches.2 TSI und ein BMW 116i. das ist amtlich. mitgenommen wurden oder sich als blinde Passagiere an die Schiffe hefteten. sagt Pfenninger. Luft hat in den Adern tatsächlich nichts zu suchen. dass mindestens zehn Kubikzentimeter für eine tödliche Wirkung nötig sind. Sie entstünden durch die Direkteinspritzung. ihnen Teile des Fußmuskels entfernt. Dieses moderne Verfahren ist beliebt.zeit. sagt Pfenninger. »Also nur an ganz wenigen Tagen im Jahr«. stießen bis zu 14 Mal so viel ultrafeine Partikel aus. etwa als Schmuck. dann geht die Kamera gern nahe ran und zeigt. kein zusammenhängendes Verbreitungsgebiet zu haben«. Stimmt’s?. Evolution und Diversität in Frankfurt. Wikipedia gibt (ohne Quelle) 0. etwa auf einem Baumstamm treibend. dass Feuerstein von Sardinien bis nach Nordafrika gehandelt worden ist«. Die getesteten Modelle. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www. Schon die kleinste Menge Luft im Blutkreislauf. Und ähnlich wie Luftbläschen in der Kraftstoffanlage eines Autos den Benzinfluss zum Erliegen bringen können. Die Tierchen lernten schnell und schubsten das Hindernis mit der Schnauze beiseite. Bleibt nur noch eine Möglichkeit: der Mensch. www. erklärt Pfenninger. Die Frage ist nur: Wie viel Luft braucht man dafür? Das lässt sich nicht allgemein beantworten. das suggerieren diese Szenen. Sie lebt versteckt im Geröll der Küsten Südfrankreichs.zeit. 20079 Hamburg. CHRISTOPH DRÖSSER Schleimer auf großer Fahrt Frühe Seefahrer sorgten für die Verbreitung einer Landschnecke Die Landschnecke Tudorella sulcata ist ein unscheinbares Tier. In Krimis wird das Spritzen von Luft gern als Tötungsmethode verwendet. dass sie schlau sind. Wann können Zuchtorgane dieses Problem lösen? www. mehrere Wochen quer über das Mittelmeer gereist sein. Auch Fische demonstrierten jüngst ihre Cleverness: Der Taucher Scott Gardner erwischte einen Schwarzfleck-Zahnlippfisch dabei.zeit. ein VW Golf 1. Damals verbreitete sich die neolithische Kultur im westlichen Mittelmeerraum. die eine Schnecke dieser Größe überhaupt transportieren könnten«. Im Lauf ihres Lebens legt sie keine großen Strecken zurück. Sardiniens und Algeriens.de. Zweite Vermutung: Könnten einige der Schnecken mit der Meeresströmung. »Das spiegelt sich unter anderem darin wieder. Die Ausbreitung der Schnecken überschneidet sich verblüffend gut mit der des Homo sapiens in der Jungsteinzeit. heißt es in der Studie. Dr. Ob sie allerdings absichtlich. wird wohl weiterhin ein Geheimnis bleiben. Juli 2011 STIMMT’S? DIE ZEIT No 29 KOMPAKT WISSEN Foto (Ausschnitt): Prof. sagt der Biologe Markus Pfenninger vom Institut für Ökologie.

etwas gegen Windräder. Sondern sie wollen den Prozess nachahmen. Schiebedach. An den Küsten in Norddeutschland weht der Wind stark genug. 9. es den Pflanzen gleichzutun und das Sonnenlicht zu nutzen. dass sie ein ganzes Buch füllen. Doch woher kommt in Zukunft unser Strom? Es gibt eine Menge Ideen VON MAGDALENA HAMM Dein Vorname: Wie alt bist Du? D WAS SOLL ICH LESEN? Viele. erhältst Du ein Lösungswort. erhält man Sauerstoff und Wasserstoff. Mit vollem Namen hieß er Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Autobahn. In Flautezeiten könnte man diese Batterien dann anzapfen. Lesetipp: Ein Mann. Die Frage »Atomkraft?« beantwortet sie stets höflich mit einem »Nein danke«. zum Beispiel Strand und Meer. »Kernfusion« sagen die Wissenschaftler dazu. Zum Beispiel arbeiten Physiker daran. Rembrandt: Alfredo Dagli Orti/The Art Archive/Galleria degli Uffizi Florence. Ihr langes Warten hat sich gelohnt.zeit. »Offshore« sagt man dazu. Damit er dorthin fließen kann. ob hoch – wer’s will. ab 8 Jahren SC H E H U NI B Bleeker ie rote Sonne ist geduldig. sagen die Anwohner. platte liegen in Fluren. Zu seiner Zeit galt das Malen von Bildern als Handwerk wie Tischlern oder Schneidern. Gäbe es nicht ein paar Haken. Reiselust. Wind. Mittlerweile hat sich der Rätselmacher Eckstein so viele Knobeleien ausgedacht. als sie erzeugt. die Strom erzeugen. W I S S E N . In Zukunft brauchen wir daher eine bunte Mischung aus vielen Stromquellen. Diese Technik kostet sehr viel Geld. außerdem seien sie laut und würfen flackernde Schatten. Biogas und Erdwärme werden wir auf die nicht erneuerbaren Energien wie Kohle. aufbrechen. auf einer Postkarte an DIE ZEIT. (11) Rembrandt Er war ein berühmter Maler. die bei starkem Wind zu viel produziert wurde. haben viele Leute Angst.de/fragebogen EIN KNIFFLIGES RÄTSEL: Findest Du die Antworten und – in den getönten Feldern – das Lösungswort der Woche? U M S E C K C H E N G E D A C H T 1.de/mikado Blase. 7. 5. Er malte Szenen aus der Bibel. er male das Licht. Niels Schröder (Wappen). auf Ansteckern. die rote Sonne hat es vorgemacht. Lösung aus der Nr. wenn in einem solchen Kraftwerk ein Unfall passiert. © OOA Fonden (im Wappen). Dann müssen die sich nicht alles von ihren Stromkunden zurückholen. Dieses ist nun pünktlich zum Ferienstart erschienen und hilft garantiert gegen Langeweile auf langen Urlaubsfahrten. Aus ihrem Licht lässt sich mithilfe von Solarzellen ja auch Strom gewinnen. viele Eckchen Seit es die KinderZEIT gibt (das sind jetzt bald drei Jahre). Deshalb tüfteln Wissenschaftler an Batterien. wenn der Wind mal nicht weht. Außerdem können selbst modernste Solarzellen immer nur einen kleinen Teil der Lichtenergie in Strom umwandeln. Aufklebern und Fahnen. Leider konnte er nicht mit Geld umgehen. 6. Dafür gibt es in Deutschland einfach zu wenig Sonnenschein. 27: 1. Juli. Rembrandts Spezialität war das Spiel mit Licht und Schatten. das bedeutet weit weg von der Küste. Dort wohnt niemand. die nicht aufgebraucht werden. Für Kricket braucht man größere als für Tischtennis 5. dass es erst in über vierzig Jahren so weit ist. Obendrein lernst Du zu jedem Thema noch eine überraschende Tatsache: Wusstest Du zum Beispiel. die in Norddeutschland wohnen. abbiegen. Wenn Du alle zehn Begriffe herausbekommen hast. der auf der Sonne abläuft – und damit praktisch selbst Sonnenstrahlen erzeugen. Daneben werden noch eine Menge andere Energiequellen erforscht – und da kommt die Sonne wieder ins Spiel. Und was passiert. Wir müssen geduldig sein. Neben den erneuerbaren Energien wie Solarund Wasserkraft. In Frankreich entsteht eine riesige Testanlage. Für die Wasserspaltung braucht man aber einen »Vermittler«. Wasserstoff wiederum ist nützlich. wollen die Stromkonzerne aufs Meer ausweichen und ganze Felder von Windrädern in die Nord. In letzter Zeit sah man die rote Sonne wieder häufig. weil man damit Brennstoffzellen betreiben kann. ullstein. Ferienanfang. Jüngere Sportler werfen den Ball. So wie eben die Sonne eine ist. Einmal soll er gesagt haben. Tunnel. Zum Beispiel haben viele Menschen. Unmittelbar vor der Sommerpause hat der Bundestag mit großer Mehrheit die »Energiewende« beschlossen: eine Reihe von Gesetzen. aus »erneuerbaren« Energien.. Strom sollte im besten Fall aus natürlichen Quellen stammen. ältere stoßen die 6. der die Sonnenenergie aufnimmt und auf die einzelnen Wassermoleküle überträgt.. ist also noch viel zu tun. blase! Die Atomkraftwerke in Deutschland werden abgeschaltet: Das finden viele Menschen gut. Kräne und Bohrer. der auf Windräder klettert Seite 63 Wo wohnst Du? Was ist besonders schön dort? Und was gefällt Dir dort nicht? Was macht Dich traurig? Was möchtest Du einmal werden? Was ist typisch für Erwachsene? Wie heißt Dein Lieblingsbuch? Bei welchem Wort verschreibst Du Dich immer? Willst Du auch diesen Fragebogen ausfüllen? Dann guck mal unter www. wonach es in Deutschland bereits in elf Jahren keinen Strom mehr aus Atomkraftwerken geben soll – vor allem. Ob weit. So ein Stoff ist noch nicht gefunden. Aber woher soll der Strom stattdessen kommen? Als sich die 22-jährige Dänin Anna Lund 1975 an ihren Schreibtisch setzte und das Anti-Atom-Symbol mit der roten Sonne entwarf. 5 Euro. Fast die Hälfte der 17 deutschen Atommeiler steht schon still. weil es sehr gefährlich werden kann. Am Ende vom Sportfest: Im Wettkampf gegen den GEGNER SEI RUH. Um es im Meer aufzubauen. Über 350 Bilder hat Rembrandt gemalt. der vor mehr als 400 Jahren in den Niederlanden gelebt hat. Der allererste Ladenbesucher? Wer genug Punkte sammelt. Eine andere Idee ist. braucht man jede Menge technisches Gerät. Ein Offshore-Windrad ist über hundert Meter hoch und tonnenschwer. Öl und Gas vorerst nicht verzichten können. – SERPENTINE . als sie noch zur Uni ging und Wirtschaftswissenschaften studierte. Höchst knifflig. und bis es so weit ist. r/Reifen. Sie erzeugen weder Abgase noch gefährliche Strahlung. Bis wir uns ganz auf erneuerbare Energien verlassen können. wenn sie dran ist N D D 1 2 3 E G AE 5 Diese Windräder stehen in Dagebüll an der Nordseeküste AE 4 U U I H 6 7 F 8 N 9 R 10 Schicke es bis Dienstag. 3. bisher benötigt die aber leider viel mehr Energie. Landschaften und bekam sehr viele Aufträge für Porträts. außerdem ist Wind eine unerschöpfliche Quelle – klingt perfekt. den 26.und Ostsee pflanzen. muss Anlauf nehmen 3. Nach vier Jahren Ausbildung zog er von Leiden in die Großstadt Amsterdam. die letzten drei sollen 2022 in den Ruhestand gehen. Abb. nicht nur die Energie aus den Sonnenstrahlen zu nutzen. 10. Denn der Windstrom aus dem Norden Deutschlands wird ja auch in Süddeutschland benötigt. KinderZEIT. also kann sich auch keiner beschweren. Spritpreise. Das Bundesumweltministerium schätzt. dass es nicht nur weiße und braune Sandstrände gibt. und mit etwas Losglück kannst Du mit der richtigen Lösung einen Preis gewinnen. hatte sie schon eine Vorstellung davon.ndr. das »innere« Licht. große Transportschiffe. wie man die Atomkraft ersetzen könnte: »Die Sonne spendet für alle reichlich und gratis Energie«. wo er sich schnell einen Namen machte.05 Uhr in der Sendung »Mikado – Radio für Kinder« auf NDR Info oder im Internet unter www. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 43 P O L I T I K . Seit mehr als dreißig Jahren ist sie das Symbol der Atom kraft gegner. kannst Du Dir jede Woche den Kopf über unser kniffliges Rätsel »Ums Eckchen gedacht« zerbrechen. um Offshore-Windparks zu bauen. den Stromkonzernen Geld zu geben. Der meiste Strom soll nach den Plänen der Regierung aber bald aus Windkraft stammen. 8. um Tausende Windräder anzutreiben. auf denen zu laufen – die mit Bach können fliegen 2. dass der Strom bald viel mehr Geld kostet. Die Radiogeschichte über Rembrandt hört Ihr am Sonntag um 8. K U LT U R U N D A N D E R E R Ä T S E L F Ü R J U N G E L E S E R I N N E N U N D L E S E R Fragebogen WER WAR EIGENTLICH . Allerdings nicht genug. »Sie verspargeln die Landschaft«. Ein Problem sind auch die Stromkabel. können noch zwanzig Jahre vergehen. Und so ging Rembrandt bei einem Maler in die Lehre. Damit wird der Sportler besser – ANNI und GRIT sind dabei 9. Extra-Anstrengung mit Ziellinie in Sicht 8. muss das Leitungsnetz erneuert und ausgebaut werden. die Energie speichern können. das von den Gegenständen und Personen selbst ausgehe. war er völlig verarmt. Große treten beim Sportfest an. darf auf eine hoffen 10. Sie müssen von den Windrädern durchs Meer an die Küsten gelegt werden – und danach noch durchs ganze Land. um 17 Atomkraftwerke aufzuwiegen. das neue »Ums Eckchen gedacht«-Buch für Knobelfans. Weil der Ausbau der Windenergie so teuer ist. sondern auch schwarze oder rosafarbene? Eckstein: Ums Eckchen gedacht – Kreuzworträtsel für Kinder Fischer Verlag 2011. als er 1669 starb. Apfel Zet (Piktogramme) ELEKTRO ER S AU HR SC AT HR SC RIT 14. Die Regierung hat aber schon versprochen. so sah es Anna Lund damals. Um sich Ärger zu ersparen. um Wassermoleküle zu spalten. fällt dann der Strom einfach aus? Das darf natürlich nicht passieren.Foto [M]: Frank Krahmer/corbis. Du findest darin 66 Rätsel zu je einem Thema. Wenn man Wasser zerlegt. Daran arbeiten zum Beispiel Forscher in Rostock. Dabei muss der Renner auch abgeben können 7. 4. 2. hölzerne werden übers Brett gezogen 4. V/verfahren. 20079 Hamburg.

Ich konnte ihr Sachen erzählen. als habe einem jemand einen Eimer über den Kopf gestülpt. In den Augen von Mo Wren aber ist diese Straße die ganze Welt. dass Frankie sich sogar vorstellen kann. und Frankie erzittert jedes Mal.. ob er Hepatitis oder Lebensmittelvergiftung und das Futter für die haben könnte. dass irgendwann tatsächlich der erste Abrissbagger anrollt. genannt »das wilde Kind« – und alles hat seine Ordnung.nimmt und dass das bei anderen Menschen nicht rigen über Gebühr beunruhigen sollten. Sein Therapeut hilft ihm. Frau ihren Gleichmut her. »Am einen Ende war die Paradise Avenue. die jeden Sommer in die Fox Street kommt. geschweige denn.« Es gibt für Mo kein Zurück zur alten Ordnung – aber. desto deutlicher wird. . »Langsam öffnete sich in ihr eine kleine Tür. Es ist so viel besser geworden. dass sie zuvor geschlossen war«. Um glücklicher. Und das ist inzwischen so gut wie alles auf der Welt. neben dem Grummeln der Nagestimme«: dass sein Bruder Louie und seine Schwester Gordana wie sein Vater waren – »kühn und sorglos. »der schrecklich und trotzdem so offensichtlich und so unbestreitbar war. am anderen die Schlucht. was Jungen im Naturwissenkeine Hepatitis bekommen. das notwendig ist – und ein Übel zugleich? Und darf es sein. wie es Recht Sorgen: Nach einem schlimmen Ereignis ihm selbst lieb wäre. nationale und globale Probleme eine Weile links liegen zu lassen – und versuchsweise an schöne Dinge zu denken. Fragen quälen Mo: WaVON CHRISTIAN STAAS ab 12 Jahren rum heißt eine Straße Fox Street. er freut sich mehr und fürchtet sich weniger. mit einem hübschen. wenn Franseiner Mutter gehen und sich von DIE ZEIT und Radio kie und Gigs sich in ihrer gemeinihr beruhigen lassen. Es ist immer schlimmer geworden. in Gestalt der neuen Mitschülerin Sydney. In jeder Fox Street lebt irgendwo ein Fuchs. Mercedes ist in den Zeitbeschleuniger der Pubertät geraten und trägt plötzlich die gleichen trendigen schwarzen Jeans wie die »beliebten Mädchen« in Mos Klasse: »›Merce! Du siehst so anders aus!‹ – ›Mo! Du siehst noch genauso aus!‹ – ›Nein. Am liebsten möchte man einfach nur zitieren. Doch so lächelnd. zugewandt. liegt ihr noch ferner. das sind nicht mehr als fünf Häuser links und rechts. © Carlsen Verlag Hamburg D Haus nicht mehr. und ein kleines Wunder ist auch dieses Buch selbst. Was zum Teufel ist logisch daran. auf den ersten Blick eine klare Außenseiterin. Tricia Springstubb: Das Geheimnis der vermissten Dinge Deutsch von Siggi Seuß. Sie hat Fragen gestellt. wie es war – und weder Freunden noch Eltern kann man trauen Die Fox Street. wo das Herz schlagen würde. Manchmal war es aber auch. Doch für Frankie wird dieses Beschweigen auf die Dauer gefährlich. Doch plötzlich ist hier nichts mehr. die sich erwachsen nennen. gar vergnügten vorstellen. 16. klügste und witzigste Buch über die Erkenntnis. um die fehlt die Milch fürs Müsli. Mo Wrens Haus stand in der Mitte – dort. Schon etwas weniger Jeden Monat vergeben normal mutet es an. die BriefBesonders abends quälen kastenklappe von Haus Nummer Frankie die dunklen Gedanken. erforschen: Sie machen eine Reivergiftung hätte man zehn StunDas Gespräch zum Buch ist abrufbar unter henuntersuchung zum Thema den nach Verzehr eines Hühnwww. ›Da sieht es sogar noch schlimmer aus. 222 Seiten. Carlsen Verlag 2011. heißt es an einer dieser Stellen.radiobremen. sah alles so – ich weiß nicht – so heruntergekommen aus. Und dass er so war wie Ma: furchtsam und beklommen. Nicht nur.« Weil alle Familienmitglieder vor der psychischen Störung der Mutter die Augen verschließen. dass diese Mutter nicht ruhig und entspannt zu werden scheint. dass er sie senkrecht aus dem Sessel hob«: dass all das. Mit einem Konditoreibetrieb. Mos bester Freundin. Das klappt so gut. eingebauten Schutzraum für sich allein. genannt »Mr. die dafür sorgt. die Alltagssorgen mit ein paar intelligenten Strategien einzuhegen. 15. Sondern der größte Teil von Frankies Problem. trifft auch den Leser in die Magengrube. Alles beginnt mit der ersehnten Ankunft von Mercedes. Doch Sydney ruht in sich. so zart wie ein Glühwürmchen in der Abenddämmerung. Das ist m itunte rend r k om verstö isch.) Was auf dieser Suche alles geschieht. an denen Springstubb die Poesie so kraftvoll in ihren Text einbrechen lässt. von »notwendigen Übeln« zu sprechen.. um Mos Fox-Street-Kosmos und seine Bewohner in jenes verunsichernde Zwielicht zu tauchen. die ihr merkwürdig vorkommen. dass alles im Leben vergänglich ist und dass es sich trotzdem lohnt. Dinge. Die Autorin Kate de Goldi prangert das in keiner Weise an. den sie von zu Hause aus führt. was in seinem Kopf vorgeht: »So eine Rattenstimme. das sich zwischen Kindheit und Erwachsensein erstreckt. Sorgen um seine berufliche ZuKatze (die unergründli. Juli. doch jeder Schritt über die Türschwelle versetzt sie in nackte Panik. meist aber tief VO N AN SUS NE G C AS HK E er Tag beginnt ein wenig Frankie unter immensem innerem Druck steht: anstrengend für Frankie: dass er sich nicht nur Sorgen um fehlendes KleinWieder einmal ist kein geld und nachzukaufende Milch macht. die zwar ein »Allyou-can-eat-Büfett« für Waschbären ist.44 14. Es regnet auch nicht mehr. nein. dass es zu dieser Sorte Übel zählt. Es würde so lange dauern wie der Roman selbst.95 Euro Wo ist Kiki? Unser Vorlesesommer macht eine Pause. »Fettkontrolle« auf seinem Schoß liegt. die Idee einer neuen. vielleicht könnte tatsächlich alles anders werden . aber . ohne sich die geringsJungen lernen wir Frankie zuten Sorgen um militärische Ausnächst kennen. als er mit seinem bildung oder Krieg oder Verwundungen zu machen. hält das Leben also noch Wunder bereit. Doch in diesem Jahr ist etwas anders. weit fort. weil er weiß.‹ Mercedes schluckte. Und jetzt geht Sydney weg. Hilfe für Frankie muss. cherweise den Namen »Fettkontrolle« trägt). Die Worte der »neuen Merce« erwischen den Leser denn auch so kalt wie Mo: »›Als ich letzte Nacht hier ankam. sondern Geld für den Bus da. im vermutlich letzten Zehn-Uhr-abends-Gespräch: »Ich möchte nicht so werden wie du. Die nächste Kiki-Geschichte lest Ihr in der kommenden Ausgabe Buchcoverillustration: Formlabor/Kerstin Schürmann.« testelle hinuntertrottet. seit sie da ist! Irgendwie war alles besser. so ist: »Das war das Tolle an Gigs. liebevoll.& JUGENDBUCH a b 10 Jahre n Rattenstimm st e i ng D e der A n Fra ki tet s fürch e ich vor fast allem. Es geht hier nicht um eine »Problemfamilie«. die Gefahren einer Flugreise auf sich zu nehmen. Aber auch ein harter. denn kein Satz darin ist überflüssig. mit der Mo die Veränderung ihrer Welt erfährt.. die all das ausspricht. meinsames Schulprojekt ist nicht lich und geduldig: Nein. ruft sie dann. Wren«. und vertraut seiner Tante an. »Frage!«. Tricia Springstubb braucht nicht mehr als eine Handvoll Seiten. Immer habe ich vor irgend etwas Angst. ich habe einfach immer Angst.20 Uhr. der wie Mo Wren eine »Nachdenkerin« ist und gerade das unwegsame Reich betritt. Die Wucht. die einen normalen Zwölfjäh. fragt dass selbst sein leicht aufbrausenman sich – und merkt erst allder. die Mitte der Welt zu verkaufen. er weiß.‹« Nichts passt in diesem Sommer mehr zusammen im Kosmos Fox Street. Cecilie Dressler Verlag 2011. Sydney ist eine Art Hippiepunk. Mit Mo Wrens Geschichte ist ihr etwas Großartiges gelungen – oder zumindest das denkbar zärtlichste. ans andere Ende des Landes. Und auch ihr gefür Abend. von einer Lebensmittelschaftsunterricht normalerweise Redaktion: Libuse Cerna. und ihrer Schwester Dottie. lässt sich unmöglich nacherzählen. Oder: »Ein nachdenklicher Mensch zu sein. Bis Mo ein Gedanke beschleicht. wie Mo ihn an der fünfjährigen Dottie erlebt.« Ein notwendiger Satz.de/ chen-Sandwiches sicher schon »stresslösende Wirkung von Katfunkhauseuropa zen auf Erwachsene«. er wird Am 14. so rar und »voller Anmut und Schönheit« wie Mos Fuchsmutter. Einziges Gegenmittel: Er muss einfach abends Codewort zuraunt (täglich wechum zehn Uhr ins Schlafzimmer selnd). trägt sie zum Familieneinkommen bei. Frage. extrem stressanfälliger Vater mählich. die für ihre Probleme die falsche Bewältigungsstrategie gewählt hat. ihre Erwachsenen sind sympathisch. Radio Bremen das Buch vor. eines Tages untergehen könnte. hat sie hinter sich gelassen. von außen kommen. muss Frankie seiner Mutter etwas sagen. ein kleines Stück Amerika. sofort anzusprechen.90 Euro Darf man die Mitte der Welt verkaufen? Nein! Die zehnjährige Mo liebt das Leben in der Fox Street.« Diesen Weltmittelpunkt bewohnt die Zehnjährige mit ihrem Vater. stellt das. als Sydneys unstete Mutter mit ihren drei Töchtern schon nach wenigen Monaten wieder umziehen will. Oder Freund Gigs den Berg zur BushalAmeisen in heißen Ländern. Und um seine Mutter. die sich auf die Suche macht. wovor ich Angst habe. dass sie irgendwann die entscheidende Frage stellen wird: Warum geht deine Mutter nicht vor die Tür? Mit Sydney als Freundin fällt Frankie das Leben etwas leichter. um Sydney an ihrem neuen Wohnort zu besuchen. Im Alltag ist sie »stabil«. so flüchtig wie der Anblick einer Füchsin im Regen. es auch um Kriege und Naturkatastrophen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 KINDER. sondern um eine Familie. weil ein Immobilienmakler ein verführerisches Angebot macht?! Das Geheimnis der vermissten Dinge ist der erste Jugendroman der 1950 geborenen Amerikanerin Tricia Springstubb. Frankies Verzweiflung treibt ihn über eine Grenze. Denn um seine Mutter macht er sich zu Frankies Interesse am Thema Stress ist aber nicht ganz so distanziert und akademisch. erträglicher. in das jeder gerät. Manchmal fühlte man sich wie eine Schildkröte. sie wird als unhinterfragbare Normalität akzeptiert. 12. Je näher der Leser an den in ihrer Kindheit und mehreren ZusammenJungen herankommt. sieht auch niemand die seelischen Nöte des Kindes. 335 Seiten. das war eine verzwickte Angelegenheit. gegen die Vergänglichkeit anzukämpfen. Die Familie versucht alles zu ignorieren: Niemand spricht über die psychische Ausnahmesituation der Mutter. wenn die Fox Street ein Mensch gewesen wäre. Ich hab mir gesagt: Guck dir’s lieber noch mal am Morgen an. »Im Grunde hatte er es immer gewusst. um freier zu werden. Der Anstoß etwas gemerkt. Den magischen Kinderglauben. am offenen Ende. Auch nach dem »Ende der Magie«. wenn die nur eine Trösterin ist.kunft. Frankie spürt durchaus. wie Mos Vater es tut? Kann es denn etwas geben. dass es sie gab. eine kleine Tür. und sie hat eine unglaublich direkte Art.. gelassen und freundJugendliteratur. Und das tut sie. dass es fast nicht auszuhalten ist. Umso größer ist seine Fassungslosigkeit. so optimistisch und heiter das Ende dieser ungeheuer einfühlsamen Geschichte daherkommt: Der Kampf mit Depressionen hat seinen Preis.. wie ein Kapitel des Romans überschrieben ist. könnte man meinen – aber nem Inneren außergewöhnlich viel Raum einkeine Umstände. in der aber niemand jemals einen Fuchs erblickt hat? (Jedenfalls niemand außer Mo. Der Gedanke war immer da gewesen. dass er allein nicht mehr zurechtkommt. ich möchte nirgendwo anders sein . fröhlich. den schlecht gelaunten Dackel Rorauben ihm den Schlaf und lassen nald erschreckt (ebenfalls wie ihn in einer Endlosschleife der immer) und dem Busfahrer ein Angst kreisen. dass die Schweigespirale durchbrochen wird und Frankie in psychologische Behandlung kommt.und unterhalten.« Frankies Tante ist eine vernünftige Frau. Abend für Kinder. ihre Familie weit dysfunktionaler als Frankies. Ich konnte nicht mit ins Camp fahren. was ihre Welt ausmacht. das liegt nahe. um die verrutschte Realität wieder mit sich selbst zur Deckung zu bringen. angstfrei. wie Mo von einem neuen Gedanken getroffen wird. 41 zuschlägt (wie immer).. General zu sein. tu ich nicht!!‹« Springstubb erzählt von Mos aufkeimender Panik mit einer solchen Leichtigkeit. der irgendwie ständig kauerte. Gefangener düsterer Vorahnungen. Ich möchte keine Angst vor der Welt haben. Bremen den LUCHS-Preis samen Geheimsprache »Chilun« Sie beruhigt ihn auch. Er konnte sich Als einen solchen normalen. dass die Angst in seiAlles etwas lästig. Die unhinterfragte Logik derer aber. und der ließe die Welt ohne Ende dröhnen und schallen. der auf Deutsch erscheint. und ich dachte. von der sie nicht einmal gewusst hatte. dass brüchen verlässt sie schlicht und einfach das Luchs Nº 294 Kate de Goldi: Abends um zehn Deutsch von Ingo Herzke. ständig auf den Hieb der Sense wartete. Wo nimmt diese dazu war Frankies Beobachtung.

Deshalb gibt es in Der große Diktator ständig jemanden im Hintergrund. das seine erzählerische Stimme zu nicht-literarischen Sprechweisen unterhält. ZEIT: Aber dann holten Sie schnell auf. den Kampf um Selbstbehauptung als Individuum. dessen Urteil mein Vater respektierte. weil er wusste. ZEIT: Was heißt das? Chaplin: Dass ich nie ein schlechtes Gewissen hatte.« Marxismus war für mich damals die coolste Sache der Welt. der Disziplin des Balletts. schrieb er in sein Tagebuch. sondern seiner Geschichte Gehör zu verschaffen. die auf der Suche nach dem Zeitgenössischen in Klagenfurt ein kritisches Instrumentarium zum Einsatz brachte. dass er nie kommen werde. 49 GLAUBEN & ZWEIFELN Der letzte »Harry Potter« kommt ins Kino: Ein Interview mit Ralph Fiennes über das Böse S.FEUILLETON DIE ZEIT: Mrs. wenn sie sich nicht auf meinen Ruhm stützen kann. Der Disziplin meines Vaters. weil sie damals noch auf Hitler setzten. Ich bin einfach durch alle Türen gegangen. Warum nicht? Chaplin: Aus Solidarität mit den Verfolgten. ZEIT: Erst 1972 fuhr Charlie Chaplin wieder in die USA. Aber spielen musste ich den Part schon selbst. Es war ein KatzFortsetzung auf S. das mit sehr traditionellen Literarizitäts-Begriffen umgeht. Und genau das habe ich dann ja auch hemmungslos getan. Mein Vater hat die politischen Verhältnisse seiner Zeit immer konsequent auf der Leinwand reflektiert. In solchen Momenten hatte man das Gefühl. dass es bei dieser spröden Veranstaltung um einen utopischen Literaturort geht. Was sie nicht mochte. In den Filmen Ihres damaligen Lebensgefährten Carlos Saura wurden Sie zum Kinogesicht des spanischen Widerstands gegen die Diktatur. Da hier in drei Wochen achtzig Filme gezeigt werden. Und meine Eltern spielten für uns Komödie. verweigerte ihm Hoover die Rückkehr in die USA. Und dass er dahinter eine tiefe Unsicherheit vermutet habe. wie toll er ist. die die Texte zur Weltwirklichkeit einnehmen. Beachtung schenkten. Wie haben Sie den Verlust Ihrer damaligen Heimat erlebt? Chaplin: Ich war damals acht Jahre alt. Er war ein Pazifist und Antimilitarist. Und der sich einen Sinn für Schönheit und Romantik bewahrt. Oder auch Der große Diktator. Aber er war kein Kommunist. den vierzehn in diesem Jahr beim Klagenfurter Literaturwettbewerb lesenden Autoren. Seine Filme waren damals in Deutschland noch nicht gelaufen. Ein völlig mittelloser Vagabund. Erst mit fünfzehn Jahren bekam ich heraus. Es waren die längsten Standing Ovations in der Geschichte der Oscars. wie ungewohnt »Mein Vater gehört allen!« Erstmals wird Charlie Chaplins Gesamtwerk im Rahmen einer Berliner Retrospektive gezeigt.« Das machte ihm so große Angst. ZEIT: Wie war überhaupt Charlie Chaplins Verhältnis zu Deutschland? Chaplin: Als er 1921 zum ersten Mal in Berlin war. dass die Diskussionen aufregender sein könnten. ZEIT: Charlie Chaplin verbrachte seine Kindheit in großer Armut. Und die Grazie. Auch nicht darüber. dass man sich fragen könnte. Wir reisten für die Premiere von Rampenlicht nach London. Als eigenständige Person wurde sie immer unterschätzt. dass Chaplin von amerikanischen Konservativen für Der große Diktator angefeindet wurde? Chaplin: Der Film war ihnen ein Dorn im Auge. dass er selbst den Herrgott ausstach. MARIE SCHMIDT Foto: © Nicolas Guerin/Corbis . Tatsächlich zogen am Nachmittag des ersten Lesungs-Tages sowohl Gewitter als auch ein kleiner Generationenkonflikt auf. Und er besuchte Albert Einstein in dessen Wohnung und diskutierte mit ihm über Politik und Wirtschaft. was er allerdings nie richtigstellte. dass wir aus Amerika herausgeworfen worden waren. mich mal zu besuchen. 1931. Chaplins Hitler-Bild. Die Wölkchen der herannahenden Zukunft haben sich damit aber erst mal wieder verzogen. sich von den Begleitumständen des alljährlichen Ereignisses nicht kirre machen zu lassen. »Ein in jeder Hinsicht notwendiger Text«. die in Badehosen auf Holzstegen sitzen und abends hinter großen Tischen voller Cremeschnitten den Sonnenuntergang über dem See betrachten. Kärnten nicht nur Jahr für Jahr mit überwiegend Berliner Literatur-Chic zu bevölkern. Die Nonnen unseres Schweizer Internats flippten aus. So in Leif Randts Text. das sich der Geister des Partisanenkampfes der Kärntner Slowenen im Zweiten Weltkrieg bewusst wird. konnte ausgehen. Dann gingen wir dort zur Schule und dachten immer noch. seinen Rauswurf aus den USA und eine entwendete Leiche »Ich war halt ein Spätzünder« – Geraldine Chaplin er es finde. Ähnliches galt manchmal auch für die Jury. dass wir irgendwann zurückkehren würden. Er erwarte. wurde ihm als mangelnder Patriotismus ausgelegt. berühmt zu sein. Was einem kurios vorkam. der noch mit körperlicher List gegen die Tücke des modernen Objekts kämpft. Bis ich meinen Vater aufforderte. Obwohl ich lange Zeit noch sehr naiv war. wurde er manchmal schwermütig. Deshalb bin ich so glücklich über diese komplette Werkschau in Berlin. als Ihr Vater mit seiner Familie in England war. Die damals bereits existierende NaziPresse führte jedoch eine Kampagne gegen ihn. kommen ihre politischen und zeitgeschichtlichen Bezüge erst richtig zum Vorschein. Wir kämpften mit schmutzigen Tricks. da sein Besuch als Verneigung vor dem Regime ausgelegt werden würde. er hat all seinen Kindern eine liberale. Aber er wollte auf keinen Fall. als antikommunistisches Bollwerk. Der große Diktator zu drehen. Und diese Ehrung gab ihm noch einmal ungeheure Lebenskraft. Dass seine Gesten ein wenig zu groß gewesen seien. Aber dann musste ich die Sache selbst in die Hand nehmen. ihn abzulehnen? Chaplin: Er nicht. in dem von einem Dokumentarfilm über die totalitäre Ästhetik eines utopischen Ortes gesagt wird: »Indem der Film ausschließlich Bilder von CobyCounty zeigt. ihn an dieser Reise zu hindern.« In Anbetracht der soliden philologischen Interessen der Juroren nahm es dann niemanden Wunder. laudatierte Daniela Strigl. ZEIT: Chaplin wurde elf Mal Vater. kritische Haltung mitgegeben. ZEIT: Für viele Amerikaner war das damals leider dasselbe. erfanden alle erdenklichen Hinderungsgründe. Aber dann fuhr er doch. die sich mir geöffnet haben. wenn man. Als ich sehr jung nach Spanien ging. wurde gestrichen. Übrigens sah mein Vater 1931 in Berlin auch zum ersten Mal Filmaufnahmen von Adolf Hitler. Er enthält alles. Aber meine Schwester Josephine und ich. um die Vorstellung. ZEIT: Sind Sie durch Ihren Vater zu einem politisch denkenden Menschen geworden? Chaplin: Ich denke. dass er den Amerikanern diese Geste gewährte. Ich hatte keinerlei Bewusstsein für die Diktatur. ZEIT: Chaplin wurde in den folgenden Jahren irrtümlich als Jude bezeichnet. sahen die Dinge ganz anders aus: Marlene Dietrich begrüßte ihn am Bahnhof. und beides wurde als erfrischend begrüßt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt? Chaplin: Als eine Mischung aus Liebe und Kampf. Hatte das einen Einfluss auf Ihre Erziehung? Chaplin: Er sprach nie über das Elend und den Hunger und die Londoner Armenhäuser. warum unsere »Ferien« so endlos waren. ZEIT: Ist es nicht ein Treppenwitz der Weltgeschichte. Und möglicherweise eine notwendige Entscheidung. der Disziplin der Nonnenschule. wurde er wütend. Und es war wirklich ein Kampf. wie ich wollte. Für mich war diese Figur immer eine Art verklärte Kindheitserzählung meines Vaters: die Verkörperung eines Humanismus. Die antisemitische Hetze gegen ihn war dann sicher auch ein Anstoß. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 45 Chaplins Tochter. Man hatte meinen Vater gewarnt. dass wir noch Ferien in England machen würden. die seine Figuren der Schwerkraft zu entrücken scheint. Vor Kurzem habe ich mir noch mal Moderne Zeiten angeschaut. Geraldine Chaplin: Eine wunderbare Mutter! Sie war nicht nur die große Liebe meines Vaters. Erst da fiel bei mir der Groschen. Ich war halt ein Spätzünder. Man versteht nur in Klagenfurt selbst. vom Fernsehstudio zum Strandbad gelange man in einer Viertelstunde. 60 14. sondern auch ein wichtiges Gegenüber für seine Arbeit und in seiner Auseinandersetzung mit der Welt. Er war kein Prediger. bewohnt von Büchermenschen. Dieser Held. dass sie recht hatte. Er sagte: »Ich bekam als Kind nur eine Orange. Erst dann erzählte sie mir. Warum? Chaplin: Zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen gehören die Tage. In guten Jahren. Als nämlich in der Schule jemand sagte: »Dein Vater ist ein Kommunist. sofort seine Gravitationskraft spürte: Die Wassertemperatur des Wörthersees betrage 23 Grad. genauso wie seine filmische Kritik an den Auswüchsen des Kapitalismus. wie sehr ihn die Anonymität verunsichere: »Vielleicht ist meine Persönlichkeit schwach. Dass er seinen britischen Pass behielt. weil sie 36 Jahre jünger war als er. verweist er ganz subtil auf eine Welt da draußen. der sich nicht kleinkriegen lässt. Und ein paar Seiten weiter schrieb er dann. dass er sich schon als Neunjähriger mit Auftritten in einer Music Hall durchschlagen musste. Aber nur Sie sind ihm ins Rampenlicht gefolgt. Und er hatte vollkommen recht. dass der »makellose Text« der in Klagenfurt lebenden Maja Haderlap den Bachmann-Preis gewann. Chaplin: Als liberaler. dass wir seinen Namen ausbeuten würden. als er den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk entgegennahm. der hier in Selbstgenügsamkeit untergehe. das ist Freiheit!« Ich hatte meine eigene Wohnung. war dieser Schritt für mich vor allem eine Flucht vor der Disziplin. an denen mein Vater mich von der Schule abholte. Wir wollten nicht. Und er hat ihn dann ja auch mit seinem eigenen Geld finanziert. wenn er kam.« Mit Sicherheit hat seine berühmteste Filmfigur The Tramp mit dieser Kindheit zu tun. es gäbe eine Kleinstadt. Wir hielten die Annahme des Oscars für einen Verrat seiner Prinzipien. was das Werk meines Vaters so groß macht: die Mischung von Ohnmacht und Aufbegehren. Aber an Weihnachten. Ohne meinen Namen hätte mich David Lean wahrscheinlich nicht zum Vorsprechen für die Rolle der Tonya in Doktor Schiwago eingeladen. 1947 wurde er gleich mehrmals vor J. gerade von den Routiniers des Events über dessen Umstände aufgeklärt. Ein Gespräch mit seiner Tochter Geraldine über ihre Kindheit. ist immer noch unser Zeitgenosse. Chaplin. kritischer Weltbürger passte mein Vater nicht in das gängige Bild eines amerikanischen Filmstars. auf der Straße nicht angesprochen zu werden. Edgar Hoovers Komitee für unamerikanische Umtriebe zitiert. und auch den Bürgermeisterempfang möge man nicht vergessen. der dennoch Würde und Manieren hat. Vorsitzender der Kritikerjury. Dann waren wir irgendwann in der Schweiz im Hotel. Damals kam ich also in Francos Spanien an und dachte: »Yeah. Sie sind so sehr Charlie LITERATUR Martin Walsers neuer Roman »Muttersohn« S. ZEIT: Was macht für Sie Chaplins Kino aus? Chaplin: Dieser Humanismus und eine große politische Wachheit. sagte Spinnen über den Text der Autorin Antonia Baum. Nur an spärlichen Stellen blitzte die Ahnung auf. Die autobiografische Erzählung folgt einem Mädchen. Wenn sie sich auch für den Weltausschnitt interessierten. Ein Mann. während am Horizont die Literatur der Zukunft erscheint. Er sagte. Aber meine Mutter war der einzige Mensch. Wenn ihr etwas nicht gefiel. dass wir zum Film gehen. gemeinsam mit Ihrer Mutter hatte er acht Kinder. die Ferien würden verlängert. wenn sie der Haltung. Wir bekämpften das System von innen heraus. ZEIT: 1952. Für meine Mutter muss unser Rauswurf aus den USA ein Albtraum gewesen sein. ZEIT: Warum nicht? Chaplin: Weil er fürchtete. Mein Vater liebte es. und für das Verhältnis. ZEIT: Was hat er darüber erzählt? Chaplin: Dass ihm Hitlers rhetorisches Talent erschreckend wirkungsvoll vorgekommen sei. wenn meine Mutter für mich und meine Geschwister diese tollen Geschenke unter den Baum legte. Hatte er darüber nachgedacht. dass er abreiste. Interessant zu beobachten war auch. 46 L I T E R AT U RW E T T B E W E R B Kärntner Weltfremde In Klagenfurt gab es jede Menge Cremeschnitten und Philologie Zur Begrüßung empfahl Burkhard Spinnen. Ich kam nach Hause und berichtete es stolz meiner Mutter. wir versuchten vehement. den ein Autor wählt. von den Jungen einen »Gegenwärtigkeits-Überschuss«. wie andere mediale Formen in der Prosa auftauchten. Sie behaupteten einfach. dass der Film für großen Ärger sorgen würde. wenn er seine Drehbücher schrieb. der Hitler sagen muss. als er zur Premiere von City Lights zurückkehrte. der immer wieder aufsteht. und es hieß. ob Sie auch eine Mutter hatten.

die Augen sind abgesenkt. der auf dem Kunstmarkt jemals für ein Gemälde erzielt wurde. als seine Leiche aus dem Grab entwendet wurde? Wir wussten erst nicht. dass uns unsere Prominenz vor Gefängnis und Folter schützte. Oder nehmen wir die Münchner Kammerspiele. tatsächlich wurden bei George etwa 20 000 Fotos gefunden. Der Rumpf ist unbequem zurückgelehnt.babylonberlin. TOBIAS TIMM T H E AT E R M A N N H E I M Das Teufelslogo G. Selbstporträt mit Buch. dass Sie damals erst zur Schauspielerin wurden? Vom unerfahrenen Doktor Schiwago-Star zu einer Heldin des internationalen Autorenkinos? Chaplin: Doktor Schiwago und der Name Chaplin waren der Schritt zur Celebrity. dann ist das kein Problem. also im grausamen Herzen des Theaters. Aber auch komisch. für mich sehr prägende Zeit. die Knie sind zusammengepresst. Viele Beispiele aus der Pionierzeit des neuen Mediums. einen Feind zu enthaupten und ihm die Wirbelsäule aus dem Rumpf zu reißen. Aber immer sehr überschwänglich und allgemein. die dann zum Glück gefasst wurden. Auch nicht. französisch gelesen. Es ist einfach nur das Blut. Später wurde sogar ein Fernsehfilm darüber gedreht. ein Jesus-Bild: Leonardo hat ihn mit langen. Kalifornien. unter anderem Robert Altman. sie zeigen seine Natur. mich formen zu lassen. im Gewimmel der Anspielungen. und die perfiden Theaterleute behaupten. Das Nationaltheater Mannheim. das nicht nur er. Über das nun aufgetauchte Bild war in der Literatur schon lange gestritten worden. auch die London School of Economics. Seine eigenen Filme hat er sich hingegen immer wieder sehr genau angeschaut.5 Millionen Dollar) als teuerstes verstei- Es ist der Tageszeitung Die Welt hoch anzurechnen. 45 und-Maus-Spiel mit der Zensur. er hat mich gerne gelobt. Chaplin gehört zum Menschheitserbe. Ein wiederentdecktes Leonardo-Gemälde ist eine Sensation. etwa die linksintellektuelle Fabian Society. Experimentelle Eigenprodukte. so hört man. Seitdem arbeitete sie immer wieder mit großen Autorenfilmern. dabei müsste jeder wissen. das in meinen Adern fließt. Was ist daraus geworden? Chaplin: Es gibt den Plan noch. Chaplin: Sie meinen. Die Eigentümer verlangen für das Bild. In welcher Sprache sind Sie zu Hause? tors spielen wollen. der Tennisplatz ist voller Moos. welche für Titel wie Damage done berüchtigt ist. neue Ideen verbreitet. Unser Haus war von Fotografen umlagert. die nackte Radikalität. 1904 Foto: Intertopics Geraldine Chaplin (hier 1967 zwischen ihrem Vater und ihrer Schwester Josephine) wurde 1944 in Santa Monica. dass DT das Kürzel der Death-Metal-Band Dark Tranquillity ist. Shaw vorwerfen. wurde sie zum Weltstar. ZEIT: Ihre Brüder hatten einmal den Plan. Das Deutsche Theater Berlin etwa begeht die Blasphemie. Und ich hatte keine Lust mehr. Es gibt dafür zwei Vorzeichnungen Leonardos. Seine Augen scheinen – auf den digitalen Reproduktionen zumindest – unter einer Bindehautentzündung zu leiden. Die langgliedrigen Finger seiner Rechten hält der »Retter der Welt« erhoben. an Arthur Millers Hexenjagd. feinen Locken gemalt. mit den anderen ständig darüber zu streiten. Wiltshire zu sehen. würde er sich alle achtzig Filme anschauen. Man kann die Ikone Charlie Chaplin gar nicht vulgarisieren. die sich in der königlichen Bibliothek in Windsor befinden. in seinen Frauenporträts (bekleidet) den Sinn für Schönheit. um ein schlimmes Beispiel zu erwähnen. In meiner Familie gab es Leute. Und da das Haus meines Vaters seit Jahren verlassen ist. Shaw. Wissen Sie. ich sehe das ganz unsentimental. dass sie den Teufel entdeckt. Irgendwie war es wie ein letzter Chaplin-Gag aus dem Grab heraus. Ich teile diese Ansicht nicht. Eine Auswahl der Kollektion Shaw ist von dieser Woche an im Fox Talbot Museum in Lacock. will es fortan auf jede seiner Publikationen schreiben: ›Fick deine Mutter!‹« Dem Nationaltheater Mannheim bleibt jetzt nur eines. 7. Das Blatt hat übrigens versäumt. Im Pool wächst ein hoher Baum. mehrere seiner Schüler haben das Motiv gemalt. PETER KÜMMEL . B. es gibt nichts Schlimmeres als Erben. wird es von einem Händlerkonsortium zum Kauf angeboten. Nur einmal durfte ich auf der Leinwand so sprechen wie im Leben. Und selbst NTM. die Auffahrt ist von Baumwurzeln gewellt. was hat er sich gedacht?! Vermutlich wie immer viel. das öffentliche Leben vorangetrieben. Die überkandidelte Hochzeitsplanerin in Robert Altmans Eine Hochzeit habe ich zum Beispiel einer altjüngferlichen Agentin meines Vaters nachempfunden. dass man die Filme meines Vaters sozusagen nur vor einem andächtig knienden Publikum in einer Kathedrale zeigen dürfe. natürlich die Labour Party. ZEIT: Eine schöne Vorstellung. die Arme eng am Körper. Ich führte die Verhandlung mit den »Entführern«. Und ich war bereit. Spanisch und Französisch gedreht. Dabei kommentierte er sich selbst in der dritten Person: »Das hat er gut gemacht. Zugleich hatten Carlos und ich stets ein Bewusstsein dafür. der irische Dramatiker George Bernhard Shaw hat in seinem langen Leben (1856 – 1950) wenige geistige Abenteuer ausgelassen. 60 Dramen.« Oder: »Der Gag ist nicht schlecht. Auch eine rüde französische Hip-Hop-Band heißt so: NTM. Vor einigen Jahren stand ich mal in einem Geschäft in Cannes. im Berliner Kino Babylon statt. Vor allem die lange Nase des Dargestellten scheint manchen Forschern nicht besonders leonardesk zu sein.de/stummfilme. vermutlich Zeit um 1650 ist es zu von Leonardo sehen. dass noch andere Verbrechersyndikate des Theaterwesens ihr übles Spiel mit Andeutungen treiben. egal. Wenn Sie das Stück eines lebenden Au- K U N S T S E N S AT I O N Leonardos Segen Der New Yorker Kunsthändler Robert Simon ist auf ein Ölgemälde gestoßen. sind wir da ganz nahe bei Shakespeare. Wenn man in der Schweiz einen Parkplatz bauen will. darauf hinzuweisen. Bisher gilt ein Picasso (Preis: 106. das sei die Abkürzung für Nationaltheater Mannheim. ich bin einfach über das Tor geklettert. Oder auf Zigarettenpackungen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON Fotos: Society of Authors/The Bernard Shaw estate/London School of Economics (o. Er gehört allen. Es besteht aus den Buchstaben NTM. November für drei Monate als Teil einer Leonardo-Schau ausgestellt werden. 8. Das neue Logo des Kopf ab? WirNationaltheaters belsäule raus? Streng Mannheim genommen. ob er die Nachbarn oder irgendeine seltene Insektenart stören könnte. wird erst geprüft. in dem weiland Schiller – noch so ein Rabauke – ein und aus ging. Dank Carlos Saura traf ich Regisseure wie Robert Altman und Jacques Rivette. Chaplin: Es ist ja nicht so. Hingegen erinnert uns der Aufwiegelungstext der Welt in seinem tollwütig-intriganten Kern eher an einen Klassiker des modernen Theaters.« Wäre er jetzt hier in Berlin. 200 Millionen Dollar. Namensvorschläge bitte ans Feuilleton der Welt. Hinter mir in der Schlange tuschelten zwei ältere Damen. so ein Gerücht. weil es genau zwischen britischem und amerikanischem Englisch angesiedelt ist. sondern auch maßgebliche Kunsthistoriker für ein eigenhändiges Werk Leonardo da Vincis halten. www. Scorsese sagte den anderen Schauspielern: »Hört Geraldine zu! Das ist die Sprache eurer Klasse. Die Welt zieht aus diesen Informationen den Schluss: »Das ehrwürdige Haus. Sollte aber dieser Zweifel nicht hegemonial und die Nase nicht noch länger werden. hat sich jetzt ein neues Logo gegeben. By George. politische Pamphlete über die Welt ausgestreut. Wir drehten metaphorische Filme. Es handelt sich um den Salvator mundi. Im privaten Kunsthandel soll ein Tropfbild von Jackson Pollock vor ein paar Jahren sogar 140 Millionen Dollar gebracht haben. B. was ihm noch fehlt. ist das ein Albtraum. SUSANNE MAYER Chaplin: Der Vorteil meiner Kindheit ist. woher ihnen mein Gesicht bekannt vorkam. wenn Sie ihn auf Toilettenpapier drucken würden. Chap- gertes Kunstwerk. Und wir waren Teil eines konspirativen Netzes. Gleichzeitig waren meine Figuren auch immer ein wenig »hausgemacht«. dass NTM im Französischen die Abkürzung für eine Obszönität ist – Nique ta mère. Füchse und Rehe laufen darin herum. ZEIT: Das haben manche Leute nach seinem Tod ganz buchstäblich so gesehen. ob es ein verrückter Fan war oder die Mafia oder wer auch immer. Am liebsten versteckt er sich in der Sprache. Jacques Rivette. Jetzt sieht es darin aus wie in Angkor Wat. Ein kleiner Paparazzi-Traum. Es war eine wichtige. Ihren ersten Auftritt hatte sie als Achtjährige in Rampenlicht von Charlie Chaplin. In der National Gallery in London soll das Bild ab dem 9. das Gras ist mannshoch. Ich schwöre es! ZEIT: Wer hat eigentlich die Rechte an den Chaplin-Filmen? Chaplin: Die Familie. Alain Resnais und Martin Scorsese lins Schweizer Haus in ein Museum zu verwandeln. Oder dass sein Gesicht nicht auf T-Shirts oder Unterwäsche oder alkoholischen Getränken abgebildet werden dürfe. Dann erlernte ich erst mein Handwerk. Jetzt könnte es der Altmeister Leonardo den Modernen so richtig zeigen. ist nichts anderes als die Inhaltsangabe eines sehr frühen Dramas.). dass ich Schwärme von Paparazzi an meinen Fersen hätte. Wissen Sie. Sie sind sonderbar gerötet. ZEIT: Könnte man sagen. bereit. also niemand könnte G.« Das Gespräch führte K ATJA NICODEMUS Die Charlie-Chaplin-Werkschau »Chaplin complete« findet vom 15. Es ist seltsam. Die Welt hat aber entdeckt. zu dessen Spielaufträgen es gehört. holt die Natur es sich zurück. Ehefrau von Doktor Schiwago. die Freunde mit 250 000 Briefen überflutet. könnte das Bild schon bald für eine weitere Sensation sorgen: für den höchsten Preis. denen man auf den ersten Blick nichts nachweisen konnte: Züchte Raben. Doch es gibt auch Zweifler an der Eigenhändigkeit. ZEIT: Sie haben auf Englisch.46 14. Anna und die Wölfe. nachdem mehrere LeonardoKenner – unter ihnen Martin Kemp von der Universität Oxford – ihr Okay gegeben haben. Aber ich habe meine Anteile vor zwölf Jahren an meine Schwester verkauft. bis 7. Naturbetrachtungen von großer Tiefe. ZEIT: Hat sich Ihr Vater Ihre Filme angeschaut? Hat er Ihre Rollen kommentiert? Chaplin: Ja. Auch mein Englisch ist nicht einzuordnen. Offenbar überlegten sie. Als Tonya. Im Wohnzimmer wachsen Büsche. er habe sich auf diesem Foto als Sexobjekt inszeniert. wo er sich versteckt. ZEIT: War das ein schwerer Schritt? Chaplin: Nein. tief in ein Buch vergraben. dass inmitten der adretten Schweiz so ein Dschungelhaus steht. Aber es ist ein langer bürokratischer Weg. keine Wurzeln zu haben. mit zunehmendem Alter sieht man auch die absurden Seiten der Prominenz. Plötzlich sagte die eine: »Ich hab’s! Das ist die Tochter von Laurel und Hardy. Es war ein Albtraum. denn es gibt von ihm nur wenige erhaltene Gemälde.« Offenbar spreche ich genauso wie die New Yorker Upperclass um die Jahrhundertwende. Wenn Sie es mit Erben zu tun haben. auch auf einem Stich des Böhmen Der »Retter der Wenzel Hollar aus der Welt«. die sich MK nennen – ein Verrat am Bildungsauftrag! Schließlich ist MK die Abkürzung für das Kampfspiel Mortal Kombat. In Martin Scorseses EdithWharton-Verfilmung Zeit der Unschuld. In allen anderen Rollen musste ich entweder meine britischen oder meine amerikanischen Anteile unterdrücken. wenn ihm seine Zukunft lieb ist: Es muss sich sofort umbenennen. Romane. Wenn das stimmt und sich ein Käufer fände. In den Filmen von Carlos Saura verkörperte sie in den siebziger Jahren den Widerstand gegen Francos Diktatur. auch die National Gallery hätte einen neue Aufgabe gefunden: als Marktplatz des internationalen Kunsthandels. in ein blaues Gewand gesteckt und ihm eine große Glaskugel in die linke Hand gelegt. den Segen zu spenden. Haut käsig. geboren. wäre das nicht nur ein neuer Kunstweltrekordpreis. Das bin nicht ich. kurzerhand erfunden. Denn angeblich. Dort im Archiv lagert sein Nachlass. des Ödipus von Sophokles. ZEIT: Haben Sie noch einen Schlüssel zum Haus Ihrer Kindheit? Chaplin: Nein.htm FOTOFUND IN ENGLAND Bei George Gestalt: dürr. die der Ansicht waren. sich mit DT abzukürzen. © 2011 Salvator Mundi LLC Fortsetzung von S.

nein. Und dann höre ich keinen Hall mehr. tyrannische Minute der politischen Entscheidung: Erst also die Ereignisse ohne Nachklang. die nur einen ereignispolternden Augenblick feiert und überhöht. Oder ALLES umgekehrt . für alles verfügbar zu sein? Die zwanziger Jahre entluden sich in Grausamkeiten. steht Deutschland plötzlich im UN-Sicherheitsrat Seite an Seite mit China und Russland gegen die Nato. Wäre. aber Jasminrevolution in Nordafrika: ja.. Ein bisschen so ist es mit der Wahrnehmung und der Verarbeitung. nicht zu unserer Eilkrankheit. Helene Hegemann mit Sarrazin. Beharrer brauchten wir! Eine Partei der Beharrlichen. kämpften deutsche Politiker in BadenWürttemberg um ihre Ämter. sie freue sich. dann die Entscheidungen ohne Gedächtnis. die man wohl Realpolitik zu nennen pflegt. wenn es ergreifende. dann wird umgeschaltet: TOOOR in New York! Sofitel. dieser ganze Irrsinn vom Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg: Was Fataler Andrang auf der Love Parade soll es anderes sein als Tyrannei beziehungsweise ein ständig über uns hereinbrechender Opportunismus als Folge der Augenblickstyrannei? Vielleicht gibt es zwei grundsätzliche Bewegungen innerhalb unseres Hypes um den Augenblick: Zum einen die rasenden Personalgeschichten. zu behorchen. die wir. wenn plötzlich wichtige Nachrichten wie »Revolution in Nordafrika« oder »AtomGAU in Japan« neben den Kachelmanns und Westerwelles stehen? Konkurrieren sie dann in einem System von Nachrichten. wenn wir heute wie in Zeitlupe von Musikern wie David Bowie sprechen.und Erlebnisfolgen. allerhöchstens würde sie in einer kleinen Zeremonie achtsam ihr Display putzen. New York. Und warum? Landtagswahlen in Baden-Württemberg? Brauchten die FDP und der Außenminister ein Thema zur Profilierung? Und als dann also die Rebellen in Bengasi um ihr Leben kämpften. Ich komme nichts und keinem Ereignis mehr auf den Grund.r. Was aber. sie immer von Neuem zu besehen? . damals auf dem Tahrir-Platz? Und die neue Verfassung regeln jetzt locker die Armeegeneräle? Und Libyen? Syrien? Griechenland. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 47 Ex-Hypo-Real-Estate-Chef Georg Funke Osama bin Laden vor dem Fernseher Skandal. warum solche Sätze über bin Laden eigentlich nicht gehen. und uns schwirrt der Kopf: Wo ist Ehec hin. aber der ungeheure Satz der Kanzlerin hat sich schon versendet – und Strauss-Kahn eigentlich auch. Wenn die Kanzlerin dabei eine ZenMeisterin wäre. sondern sie läge bei den Beharrern. »Erde ist rund!« – das waren die Schlagzeilen des 15. ruft sie der Kellnerin nach. Guttenberg! Und Mubarak! Und Steuersenkung: NEIN! Tsunami! GAU! Prinz William! Pippa! PID! Peking und Ai Weiwei! Gunter Sachs und Steuersenkung jetzt wieder: JA! Kretschmann oder Kachelmann.l. Paris bebt. H1N1..FEUILLETON 14. dass wir heute vor lauter Ereignissen schnell zum nächsten wechseln und gar nicht in der Lage sind. Demokratie da? Hat Ägypten also in zehn Tagen die Demokratie bekommen. und einer Zukunft. Fischstäbchen. Broker. bevor wir uns wieder dem nächsten Reiz übergeben. hochemotionale Bilder über ein so reißerisches Thema wie »griechische Staatsanleihen«. der den vorherigen aus dem Bewusstsein schiebt: Dioxin? Nitrofen? Acrylamid. Kachelmann und bin Laden. in Ereignis. Baerke van der Meij habe ein Gefühl im rechten Fuß wie David Beckham. aber dieses Hin und Her und Kreuz und Quer – Steuersenkung: ja. dass ihr vielleicht einmal ein Sozialist erklärt. Libyeneinsatz: nein. ja. aber sie haben sich nicht so groß herumgesprochen wie in unserem globalen Dorf. man könne die Entwicklung eines Spiels gar nicht mehr »lesen« und analysieren. und 16. Dafür sorgen jetzt die BIOSPROSSEN. aber die jeweiligen Türme laufe ich nicht mehr hinunter. Und Guttenberg mit dem Gorch Fock-Kapitän. Geflügel. »Gläubigerbeteiligungen« oder »Das wahre Gesicht der EZB« im Fernsehen der bei YouTube gäbe . es waren die GURKEN aus Málaga!« Also redet das ganze Land jetzt über Gurken. ich bekomme ja hier so einen richtig moralischen Unterton. Japan. das nicht mehr unterscheiden kann zwischen Substanz und Klatsch? Ist in der Wahrnehmung dann letztlich alles gleichwertig: Guttenberg und Gadhafi. Peter Malzbender/WAZ PhotoPool. Strauss-Kahn et cetera. hatte ich das Gefühl. als »Tyrannei des Augenblicks« beschreiben könnten. wo Mubarak? Wo sind unsere EuroRettungsmilliarden? Und wieso ist Fukushima kein Thema mehr? Gedanken über eine verlorene Zeit VON MORITZ RINKE Vielleicht ist deshalb die SMS-Technik für Angela Merkel genau das richtige Regierungsinstrument? 160 Zeichen für einen Entscheidungsaugenblick. wenn wir beharrlicher. Eine ungeheuren Finanzmarkt. Bevor sie überhaupt die Chance haben. die nicht sofort dem nächsten Reiz erliegt und die ihr Programm nicht auf Ereignismodus eingestellt hat. Michael Kappeler/AFP/Getty. Biosprossen und Fukushima? Man muss das gar nicht verurteilen. Kicker et cetera) Nietzsche nennt es ein »rasend-unbedachtes Zersplittern und Zerfasern aller Fundamente«. »Buchdruck erfunden!«. ihre Konturen abzutasten. wirklich ihr Handwerk und ihren Beruf zu erlernen. dass die rasenden Überinformationen uns ratloser und uninformierter werden lassen. dass es gelungen sei. Housekeeping. Bei Eriksen bedeutet diese Tyrannei.. Pestizide? BSE. er spricht von ihrer »Auflösung in ein immer fließendes und zerfließendes Werden«. sofort weiterschalten! Wie war das in anderen Jahrhunderten? »Jungfrau besiegt England!«. v. und man hätte sich wünschen können. Joern Pollex/Getty. Doch wo finden wir solche Beharrer? Ja. würde sie zwar tun. »Reformator in Prag aus Fenster geworfen!«. Irland. gegen Banker. nur haben wir heute ähnlich adrenalinkickende Schlagzeilen nicht in zwei Jahrhunderten. Rind. Ich schreie meine Eindrücke ganz oben in den Wind.l. So etwas scheint heute. Selbst der US-Nachrichtensender CNN setzte die Szene auf seine Website. bestimmt aus Spanien!«. grellen Gegenwart. Wir brauchen eine Partei am Rande der Zeit! Und wie schön und fast schon grotesk ist es. Ägypten. Fanatiker des Augenblicks Die Ereignisse überstürzen sich. radikal zu vereinfachen? Wäre also insofern unser Ereigniswahn eigentlich ein Segen? Eine angenehme Resignation? Oder sind diese Fülle und dieser Wahn nur die raffiniertere Form einer Vereinfachung. gab der VVV Venlo bekannt. Und nur wenn ich schnell durch den Turm nach unten lief. beruhigt sie: »Schuld sind die BIOSPROSSEN aus Uelzen! Gurken können wir jetzt wieder essen!« Bewusstseinstechnisch können wir auch wieder Eier essen. Volkmar Schulz/Keystone. Und jeder kennt wohl dieses erschöpfende Gefühl beim Anblick einer Zeitung von letzter Woche. Es liest sich heute wie ein Kommentar auf die Tyrannei des Augenblicks: »Die durchdringende Stimme der Gegenwart ist nicht zu übertönen. trotzdem aber bitte ohne Diskussion deutsche Kampfpanzer für die Saudis! – also diese Willkür. Und dass es in den Neunzigern eigentlich wieder einen neuen Bowie gab. Focus. Wie anders er war in den Achtzigern. wo unsere ganzen Euro-Rettungsmilliarden am Ende landen werden. aber Seite an Seite mit dem Kriegsherrn George W. Wie es gefallen ist? Warum es gefallen ist? Und vor allem: Wie sich das Spiel danach in Uelzen. Tunesien. unmöglich. Der Film wurde mehr als drei Millionen Mal angeklickt. Und ob wir dann. die sofort in dunkler. der Euro zittert!« Eigentlich war Strauss-Kahn auf dem Weg nach Berlin zu Angela Merkel. zerhackt. Angela Merkel schickt eine SMS. Zu beharren.. Es ist. stehen wir noch greller im Licht des Tages? Zwingen uns die neuen Medien immer weiter und unbarmherziger. wir haben keine Ahnung . Merkel in einem ZEITInterview vom 12. Mai: »Ein Ausstieg mit Augenmaß zu schaffen ist die große Herausforderung im Augenblick. wie Lania schreibt. dass wir keine Ahnung haben. aus der Ereignisfülle heraus. Mark Zuckerberg befreundet sich bei Facebook mit Gott. Wie er in den Siebzigern geklungen hat. »Westerwelle tritt ab!« oder »Guttenberg schreibt Doktorarbeit ab!« irgendwo finden lassen? News dieser Art hatte bestimmt auch das 16. etwas Tröstliches darin. Eine Zeit. Stuttgart oder Syrien oder auch in Iran entwickeln wird? Ausblenden. die man noch nicht zu lesen geschafft hat. v. wenn sich diese Tyrannei mittlerweile auf ein ganzes politisches System anwenden lässt? Vor Kurzem noch galt für die Bundesregierung die Atomkraft als die einzig sichere und verantwortbare Energiequelle. aber sie täte es. bin Laden zu töten. von Leuchtturm zu Leuchtturm. ich könnte ihren Widerhall noch unten einfangen. Libyen. 43. wie schön. Ein aufstrebender Künstler hat heute ungefähr die Haltbarkeit eines Handys auf dem Smartphone-Markt. Spekulanten und Rating-Agenten nicht auf die Straße oder wenigstens in eine Facebook-Revolution ziehen? Und dass wir es vielleicht nur tun würden. Autokillerbenzin E10! Stuttgart 21! Steuersenkung: JA! Abschaffung der Wehrpflicht! Abschaffung Deutschlands. um tiefere Auseinandersetzung zu vermeiden? Statt Diktatur und Zensur nun Ereignisfülle wie Tausende von Zuckerwatten? Ja. Entscheidungen ohne Sinn für Vergangenheit und Zukunft. Moritz Rinke.« (Der Spiegel) Es geht noch besser: »Ein Niederländer ist seit einer Woche der jüngste Fußballprofi der Welt. Genauso ist es mit den Konferenzschaltungen: Das nächste Tor ist immer das interessanteste. Zuletzt erschien sein Roman »Der Mann.): Reuters. Ahmed Asad/Polaris/laif ann sich noch jemand an Adolf Sauerland aus Duisburg erinnern? Regiert er weiter? Ist er zurückgetreten. Und die Last der Fehlersuche. unverarbeiteter Vergangenheit liegt. in lauter adrenalinkickende Sequenzen. »Mönch nagelt Thesen an Tür!«. Die Gegenwart wird zerlegt. Jörg Kachelmann in U-Haft Dioxinvergiftetes Ei im Januar »Nach zwei gefeierten Filmen gilt der 22-jährige Xavier Dolan als größtes Regietalent der Welt. und wahrscheinlich könnte man bald auch schon wieder getrost Gemüse aus Fukushima vertilgen. »Strauss-Kahn verhaftet!«. 12 Uhr. es gab einmal ein OZONLOCH! Baharren wir auf dem Ozonloch! Wo das wohl geblieben ist?? Wenn wir es wiederfinden und hineinschauen würden. nachdem es bezeichnenderweise kurz davor nur über WESTERWELLE geredet hatte. In einem Restaurant in Köln sitze ich neben der Schwester der RAF-Terroristin Susanne Albrecht. Fotos unten (Ausschnitte. sondern in einer Woche! Aber werden sich in 400 Jahren die Schlagzeilen: »Kachelmann freigesprochen!«. die beschriebene Tyrannei und das rasend unbedachte Zersplittern anzumahnen. später. Es ist immer der nächste K weg . Vogelgrippe? Gammelfleisch. Bin Laden und Westerwelle mit einer verwelkten Jasminblüte. Lena singt.. Und Christoph Schlingensief performt. weil die rasende Augenblickskultur nicht gerade das Beharren auf einer Untersuchung von Fehlern in der Vergangenheit befördert. Komischerweise muss es dieses Gefühl schon früher gegeben haben.. Jahrhunderts ohne Massenmedien. Mubarak und die Biosprossen. und es wurde der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg beschlossen. wir aber gegen diesen Wo sollen wir damit anfangen? Vielleicht beim guten alten Ozonloch? Ja. also schalte ich aus. flogen meine Worte weg mit dem Wind. »Fifa korrupt!«. vom »unermüdlichen Zerspinnen und Historisieren alles Gewordenen«. Jahrhundert. der den Mut hat. aufmerksamer. in die wir blind hineinlaufen. ist Schriftsteller und zählt zu den bekanntesten Dramatikern Deutschlands. was würden wir sehen? Die verlorene Zeit? Eine kleine Erinnerung an unsere Gegenwart? Unsere verlorene Zukunft? Und am Rande des Lochs würden die Veteranen des Augenblicks sitzen und winken: Adolf Sauerland und dieser Funke. so gesehen. müssten wir also gerade doch den Mut haben. Bei meinen Fußballfreunden ist die BundesligaKonferenzschaltung schwer in Verruf geraten: Ständig werde von einem Tor zum nächsten geschaltet.. 1926 und heute? Wird unser Augenblickskult mit der heutigen Technologie noch durchdringender. »Leonardo da Vinci tot!«. die sich zwischen den einen und den nächsten Augenblick wirft. Zum anderen die schnelle. was der Augenblick verlangt.? Als Kind stand ich immer gerne auf den Leuchttürmen in Dänemark. Das ist in der Politik so wie in der Musik und immer mehr auch in den anderen Künsten. Der 18 Monate alte Baerke van der Meij überzeugte die Verantwortlichen des niederländischen Erstligisten VVV Venlo. dass sich daraus ein anderer Umgang mit Wirklichkeit ergibt. unsere Ereignisse genauer abzutasten.« Und der Unterschied. als trete man die Probleme wie eine Büchse oder einen faulen Apfel nur immer weiter die Straße hinunter. Eine Partei der Aufmerksamkeit. ein Spiel habe überhaupt keine Geschichte mehr: TOOOOR in Abbottabad. wie die Soziologen Thomas Eriksen und Hartmut Rosa meinen.« (Handelsblatt. wie früher die altgedienten ZEIT-Kommentatoren! Aber vielleicht wäre es der zarte Beginn von so etwas wie Moral. Davor war Bioethanol. Koch-Mehrin. ohne an die kommende Landtagswahl zu denken. geschmeidige Regierungskunst beschrieben. Koch und Ypsilanti mit Walter Mixa und Ben Ali. der sich über die soziale Reportage Gedanken macht. Babynahrung et cetera. sie verwandelten die Zeit in eine radikale Vereinfachung. Johannes Simon/ddp. Köhler und der Kachelmann.n.. der durch das Jahrhundert fiel« Atomkraftwerk in Fukushima Prinz William und Kate Middleton Ehec: Die unschuldigen Gurken Karl-Theodor zu Guttenberg im Einsatz Die Ägypter und ihre Revolution Fotos oben (Ausschnitte. auf dem sein Sohn drei Bälle in eine Spielzeugkiste schießt. Washington jubelt!« Angela Merkel kann gerade noch in Berlin sagen: Oh. man serviert ihr einen Salat. StraussKahn mit Berlusconis Musen. rasender Abstieg – Guttenberg. Glykol. Portugal.« Augenmaß im Augenblick? Eine ähnliche Tyrannei des Augenblicks in der Libyenpolitik: Im Irakkrieg ist die künftige Kanzlerin gegen den Antikriegskurs ihres Vorgängers Gerhard Schröder. Aber gegen diese Tyrannei könnten wir uns ja noch theoretisch wehren. OSAMA BIN LADEN in einer Blitz-Aktion erschossen. lebt er eigentlich noch? Und Georg Funke? Wer ist Funke?? Und wo sind die Milliarden Steuergelder hin für die Pleitebank Hypo Real Estate? Hat sie jetzt etwa die Fifa? Und wohin ist das Dioxin in den Eiern? Ist es weg? Ist es durch Ehec weg? Und der Missbrauch in der katholischen Kirche? Auch weg – durch Kachelmann?? Mubarak?! Mubarak weg. die Tochter von Jürgen Ponto. An die Gegenwart zu erinnern. das ist eine seltsame Zeit: eine Mischung aus einer rasenden. im Fall Libyens. Der Rechtsfuß erhielt einen Zehn-Jahresvertrag. Alles sei zerfahren. UPPA/face to face.): Reuters. Entscheidungen ohne Sinn für Entwicklungen. Nudeln. Oh je. Suite 2806. »TOOOR in Spanien. doch ihre Tischnachbarin. Eine Zeitung von gestern wäre etwas für Schildkröten. wenn aus unserem Bewusstsein die japanische Strahlung verschwunden ist.. Ich springe von Ereignis zu Ereignis. Fischwürmer. Bush. der Begründungen und Aufarbeitungen von endlosen Ernährungsskandalen oder wieder und wieder neuen Finanzskandalen und Rettungspaketen – sie liegt nicht bei den Augenblickspolitikern.n. Der Vater des Profis hatte bei YouTube ein Video hochgeladen.. also rasender Aufstieg. sie immer von neuem zu besehen. Nach Fukushima waren dann die deutschen Atomkraftwerke innerhalb von drei Tagen plötzlich doch irgendwie unsicher. mehr am Rande der rasenden Zeit wären – ob wir dann wohl wieder mehr Aufbegehren in uns hätten? Ist es nicht sonderlich. in der rasenden Gegenwart der Lenas oder Röslers. sie scheucht den sanftesten Träumer aus den letzten Winkeln in das unbarmherzige Licht des Tages. sondern vielleicht nur feststellen. In der Berichterstattung über Angela Merkel wird diese Form von Politik gern als eine flexible. Italien? Europa? Und die Lage in Japan? Haiti?? Ich glaube. Wenn ich von oben herunterrief. Mäusekot? Alles verschwunden und vorbei.r. »Beben in Konstantinopel!«. Hans Ulrich Gumbrecht zitiert in seinem Buch 1926 – Ein Jahr am Rand der Zeit den Journalisten Leo Lania. Uli Deck/dpa. »Kolumbus gelandet!«. Sarrazin! Und dann Guttenberg. diese Augenblicksanpasserei. Und der 18 Monate alte Profi Baerke van der Meij schießt mit rechts in das Ozonloch. Wir könnten sagen: Die Ereignisse werden mir eins nach dem anderen wie Konsumgüter verkauft. sind sie schon alte Zeitung passt nicht in unseren Beschleunigungszwang. schwarzes Zimmermädchen! STRAUSSKAHN läuft nackt aus dem Badezimmer . und ihr Sinn und ihr Wesen erschließt sich nur dem. Da bekommen alle Dinge neue Form und neue Farbe. aber da mache ich nicht mehr mit. Was jedoch. »Wollen Sie mich umbringen?! Da sind ja Gurken drin.

Katja Nico de mus. dass ein Stadttheater voll auf das Thema setzte. Großflächige Gedanken über Migration. deutschen Handwerkern und Händlern. Christof Siemes Chefredakteur: Glauben & Zweifeln: Evelyn Finger (verantwortlich) Giovanni di Lorenzo Stellvertretende Chefredakteure: Reisen: Dorothée Stöbener (verantwortlich). ins Telefon schreienden und sackkratzenden Jungsack schauspielern. Mitglied der Chefredaktion). an dem Zukunftsvisionen in die Praxis umgesetzt. Broadway. Christian Tenbrock Autoren: Dr. Dort entscheidet sich. 20080 Hamburg Abonnentenservice: Telefon: 0180-525 29 09* Fax: 0180-525 29 08* E-Mail: abo@zeit. Thomas E.luyken@zeit. gration zum Leitfaden. E-Mail: stefan. sind gefragter denn je. als Teil einer internationalen Kulturboheme. die sich eröffnen. es gibt Altmeister und Aufstrebende. Multimedia-Formate. werden in Diskussionen über eine potenzielle neue Zielgruppe gezwängt.de. Residence Palace. um in den Ländern. 10117 Berlin. Aber bei der Frage nach dem Wie scheren die Meinungen auseinander. Konkret heißt das: in die Stadt gehen. Gründerin »haben der deutschen Theaterlandschaft bislang bitter gefehlt. Jasmin Müller-Stoy Matthias Krupa. ist keine. Hanno Hammacher.70. Dr (verantwortlich) Katrin Hörnlein Feuilleton: Jens Jessen/Moritz Müller-Wirth (verantwortlich). Tel. 11. je mehr er in Deutschland heimisch werde. sagt er. C.10. Matthias Weidling Empfehlungs anzeigen: iq media marketing. E-Mail: mark. Robert Leicht Dr. Heidelberg lud die Türkei als Gastland zum Stückemarkt ein. Anna Kemper. »Das«. Sebastian Horn. Abschluss des Festivals »Odyssee: Heimat«.schieritz@zeit. David Hugendick (Literatur). ohne familiären Bezug zu Deutschland. wenn man über Migranten am Theater spricht. wer den Faust spielt. Total am Anfang seien die Theater da. Klaus-D. Reinhard Bardoux. Helmut Schmidt Dr. sie verpflichten zu wollen. der von Lampedusa kommt. in die Alibifalle namens Migration zu treten. Helga Ernst. Christian Bangel. M. Thomas Fischermann (Koordination Weltwirtschaft). Tina Groll (Karriere). Überraschend heftig seien die Reaktionen gewesen.P. Dr.koeckritz@zeit. 20079 Hamburg. und der Hartz-IV-Empfänger in Deutschland dieselben Sorgen haben. Angela Köckritz. Erste Generkreis. Peking. Stefanie Flamm. Wolfgang Gehrmann. 27. »muss unsere gemeinsame Utopie sein. Spanien € 5. Heinrich Wefing Redaktion ZEITmagazin: Dorotheenstraße 33. Marie. auch nach der Tagung. Marion Gräfin Dönhoff (1909–2002) Dr. KG. Fax: 00972-3/525 03 49. Sascha Venohr (Entwicklung) Geschäftsführer: Dr. Kurhessenstr. Gunter Hofmann.00 per annum. Jana Simon. 20095 Hamburg Telefon: 040/32 80-0 Fax: 040/32 71 11 E-Mail: DieZeit@zeit. Christoph Dieckmann. Vieles wird vermengt in dieser Debatte. aber wenig labert. Hilal Sezgin oder Feridun Zaimoglu. So nannte der Spiegel das Stück Verrücktes d Blut über eine Lehrerin. sie folgten Mark Terkessidis auf seinen Pfaden der Interkultur und resümierten: »Statt auf die Realität der Vielheit mit Angst zu reagieren.de New Yorker Redaktion: Heike Buchter. Arne Storn. Christian Spiller (Sport). Dietmar Dänecke (Beilagen) Gestaltung: Mirko Bosse. Slowenien € 5. wie Mark Terkessidis es formuliert. D. Carolin Ströbele (Leitung: Kultur.Häuer. Parvin Sadigh (Gesellschaft). Für das Theater bedeutet das: Es geht nicht darum. »Denn erst wenn es egal ist. Kornkamp 11. Tel. Ulrich Bahnsen. Griechenland € 5. ein multikulturelles Ensemble zusammenbringen zu wollen. Dr. Klaus Harpprecht. Martin Hinz Druck: Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH. Tel. Wenke Husmann . Sie alle haben sich an den verdrehten Blick von außen gewöhnt. zuerst von der Politik propagiert werden darf. die damals nach Papua-Neuguinea gingen. die vieles zunichtemachen könnte. mit anderen ins Gespräch kommen und am Ende etwas gemeinsam machen. PO Box 9868. in dem jeder seine Rolle hat: Es gibt Theoretiker und Praktiker.de Wochenschau: Ulrich Stock (verantwortlich) Geschichte: Benedikt Erenz (verantwortlich). Steffen Richter (Meinu ng).20. 20045. Florian Fritzsche. als Umriss auf dunkler Oberfläche.: 0044-2073/54 47 00. Peter Dausend. Buceriusstraße. Chefredakteurin). Januar 2011 Magazine und Neue Geschäftsfelder: Sandra Kreft Projektreisen: Christopher Alexander Bankverbindungen: Commerzbank Stuttgart. sondern in den Theatern der Republik erprobt werden soll. »Weil es immer falsch ist. was Frauenquoten in anderen Bereichen bewirkt hätten. Axel Kuhlmann Anzeigenstruktur: Helmut Michaelis Anzeigen: Preisliste Nr. Dr. der Maître des multikulturellen Theaters. wie es Theatermacher und Schauspieler packt und durchschüttelt. ist in Südafrika aufgewachsen und 2001 nach Berlin gezogen. Der t«. die nicht selber migriert sind. Video. sagt Erpulat. Kerstin Bund. max. können wir vernünftig darüber reden. Es war das erste Mal. urteils den unsere Gesellschaft u auf Jugendliche mit MigraJugen tionshintergrund hat. Dagny Lüdemann. Tel. Alexandra Endres. Kai Biermann (Digital/Wissen). Subscription price for the USA is $ 270. Frank Siemienski. »Diese Geschichten«. Dossier: Dr. Konto-Nr. es bordeauxrote Wände. Weil das. Domenika Ahlrichs (Stellv. dritte eneration. Da entfaltet sich ein ganz eigenes Stück hinter den Bühnen. Tina Klopp. wenn unsere Gesellschaft irgendwann aufhört. als Deutschland noch ein geteiltes Land und das Wichtigste an dem Wort Gastarbeiter die erste Silbe war. Thomas Groß. Dr. Christian Denso. 75015 Paris. Ludwig Greven. ein zweiter Kreis. 940 National Press Building. Migration wird zum großen Movens unserer Zeit.95. Dr. 10004 New York. Philipp Schultz. Periodicals postage is paid at Englewood NJ 07631 and additional mailing offices. von Freiburg nach Heidelberg. Fabian Mohr (Entwicklung.70. Dietmar H. Er. Belgien € 4. dass er sich immer fremder fühle. mit seinem Ensemble zu gastieren. E-Mail: leserbriefe@zeit. Chef redakteur). Rüdiger Jungbluth. E-Mail: jochen. Tel. Rabea Weihser (Musik). Hamburg Geschäftsführer: Dr. die eine Migrationsgeschichte haben. funktioniert weiter prächtig. Gründungsverleger 1946–1995: Thomas Ass heuer. ist es zur Experimentierstube geworden. wo alles um 1900 begann. und mit Begriffen. 1040 Brüssel. Dagmar Rosenfeld. das eine Grunderfahrung des globalisierten Menschen sei. E-Mail: peer.: 007-495/680 03 85. 0014259) is published weekly by Zeitverlag. helle Bluse. Luxemburg € 4. Reisen). Einen Schritt in die Wirklichkeit. Christiane Grefe. Grafik. einen anderen Blick einzuüben. Christian Staas Verantwortlicher Redakteur Reportage: Stephan Lebert Wirtschaft: Dr. Das Fachjournal Theater heute war voll von Artikeln über Migration.riedl@zeit. Tibor Bogun. 10117 Berlin. Anne Fritsch. Ostra-Allee 18. Die Blonde auf der Bühne erklärt das so: »Die Weißen«.. Identität. CH-5400 Baden. die tastet und sucht. Susanne Mayer (Sachbuch). Fax: 030/59 00 00 39. Tel. Barbara Mundel. Jan Roß Fotoredaktion: Michael Biedowicz (verantwortlich) (Koordina tion Außen politik). brauchen wir eine Neujustierung unserer Wahrnehmung dieser Vielheit. Und da beginnt der Streit. Tel. Dorothee Schöndorf. ironisch und doppelbödig. sagt Langhoff. rue Cambronne. Postmigrantisch.de Artikelabfrage aus dem Archiv Fax: 040/32 80-404. das verschmitzt aus d einer sechsstöckigen Häuserfront hervorragt. Anne Gerdes. Arnfrid Schenk. Ulrich Greiner. Karin Geil.: 0032-2/230 30 82. Perger. Dr. Anita Blasberg. das ist ihre Vokabel. Redakteur). C Chris tian Schmidt. Christiane Schott Bernd Ulrich Chancen: Thomas Kerstan (verantwortlich). 50. Tschechische Republik CZK 175. Posta kutusu 2.teuwsen@zeit.« der Film. Finnland € 6. Dr. Marcus Rohwetter. Shermin Lanhoff und Nurkan Erpulat zum Beispiel. die diese dokumentarische Form des Theaters ausprobieren. 22926 Ahrensburg Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder übernimmt der Verlag keine Haftung. A www. Wer sich nun. was es dort gibt. Ungarn HUF 1605. Frida Thurm (Nachrichten). alte Konfliktlinien werden neu gezogen. Von den letzten dreißig. Englewood NJ 07631 Telefon: 001-201/871 10 10 Fax: 001-201/871 08 70 E-Mail: subscribe@glpnews. Gerhard Jör der. um Faust zu inszenieren. E-Mail: angela. Mit seiDu nem Markenkern. direkt daneben. Seitdem hadoppel ben sie nicht genug Karsi ten für all die Anfragen. Sie sprachen von »Möglichkeitsräumen«. am Ende dieser Spielzeit. Gunhild Lütge. Tel. schlohweißes Haar. Aus vereinzelten Diskuszelten sionsflicken wurde binnen einer de Saison ein deutschlandweiter utschlandweiter Debattenteppich. » sagt Shermin Lang Langhoff. Marcus Gatzke (Wirtschaft). die nicht mehr. E-Mail: joachim. ob sich auch strukturell etwas bewegt oder ob nicht doch nur die »nächste Stufe von Gelaber« erreicht wird. 0.zeit. Wolfgang Sischke Bildredaktion: Ellen Dietrich (verantwortlich). Portugal € 5. Reporter: Dr.60 (inkl. Dr. Mariam Lau. auf der Bühne oder in der Nachbarschaft. einen Kontakt auf Augenhöhe.: 069/24 24 49 62. der als Junge aus einem kleinen kurdischen Dorf nach Deutschland floh. 39. und sie malt einen dritten Kreis.ca Abonnement USA DIE ZEIT (USPS No. sondern darum. auf die Reise zu denen macht. Sabine Etzold. Tilman Steffen. Harro Albrecht. Schon 1972 schrieb Aras Ören das Gedicht Was will Niyazi in der Naunynstraße?. (Computer). das kann sie auch.klingst@zeit. Wie die Deutschen. Für das Ballhaus ist Verrücktes Blut der endgültige Durchbruch. Jörg Lau. Häuse »Ballhaus Naunynstraße« steht darauf. die Fibel für ein neues Verständnis unserer Gesellschaft. . Tanja Stelzer (Stellv. Sabine Rückert. c. begierig nach Kopftuchfrauen im Publikum Ausschau zu halten oder alibimäßig jedes Jahr ein Stück über. Michael Schlieben (Reporter). Intendantin. Ein Theater von und für Menschen. de Dresdner Redaktion: Stefan Schirmer. Denn die sind ihrem ureigenen Anspruch nach der Ort. so hoffen sie. Istanbul. Heute gibt es Schriftsteller wie Akif Pirinçci. Und es gibt ein Zentrum der Bewegung. Norwegen NOK 60. wie Menschen mit Migrationsgeschichte das Bühnengeschehen mitprägen können. Franziska Kelch (Community). Vor einigen Jahren rollte eine Welle der Erziehungsprogramme durch die Theater und Opern der Republik. Diejenigen. Jörg Burger.Luise Hauch-Fleck. Konto-Nr. wie so lange. Urs Willmann Tomas Nieder berg haus. Und nur der Vollständigkeit halber: Die Blonde heißt Yvette Coetzee. dogmatisch zu sein«. sondern um Innovation für das Ganze geht. Wissen: Andreas Sentker (verantwortlich). in der es nicht um »Eingliederung« der anderen. Der Film hat die Ikone Fatih Akin. sagt Mundel heute. die von Matthias Lilienthal 2004 aus der Filmbranche ans Hebbel am Ufer geholt wurde und dort Festivals mit dem pragmatischen Titel »beyond belonging« organisierte. E-Mail: martin. Schweden SEK 61. dachte und machte er internationales Theater. Washington. Kanarische Inseln € 5. Rue de la Loi 155. Gestaltung: Nina Bengtson.00. Anette Schweizer (Reisen). In der Branche interpretieren das einige anders: Eine gute Idee. die sich schnell aus der Deckung wagt. Alserstraße 26/6a. Einige Projekte laufen weiter. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Sie. Josef Joffe Kulturreporter: Dr. das könne schon sein. will schneller sein und weiter kommen als alle anderen. aber in diesem Kontext leben. Dr. merhaven. aber ihr Experiment ist nicht aufgegangen. Katrin Guddat. entwickeln. Özlem Topçu. verkündete sie. A-1090 Wien. von dem fremden Blick. muss es sich öffnen. René Dettmann. Lieferung frei Haus Schriftlicher Bestellservice: DIE ZEIT. E-Mail: gero. Dann denken wir weiter über Einwanderer und ihre Nachkommen nach. Khuê Pham. Sie kamen nach Vunapope. Ihre Familie kommt aus Namibia. Migration kletterte in der Aufrte merksamkeitspyramide schnurstracks mide an die Spitze. Markus Horeld (Politik). 153 S Dean St. Adrian Pohr (Video). Claus Spahn. Bildbearbeitung: Anke Brinks. Eschersheimer Landstr. Generation. Großbritannien GBP 4. sitzt im Theater Freiburg an einem riesigen Planungstisch im dritten Stock. die Tabus ansprechen: Bist du schwul oder bist du Türke?. sprachen von Jesus. der von Asylbewerberheim zu Asylbewerberheim zog.. Anzeigen: DIE ZEIT. Sonja Mohr. Eine Quote? Ja.40. GLP. M3B 1Y8 Telefon: 001-416/391 41 92 Fax: 001-416/391 41 94 E-Mail: info@gcnews.com Moskauer Redaktion: Johannes Voswinkel. gilt wie selbstverständlich als Muster-Deutschtürke auf der Bühne. Nina Grunen berg. weil seine Familie mit Stromschlägen von türkischen Soldaten gefoltert wurde.50. Dr. Davina Domanski.de Abonnement Jahresabonnement € 187.00 Ausland: Dänemark DKR 43. Wolfgang Lechner (verantwortlich) ZEITmagazin: Christoph Amend (Chefredakteur). Fax: 0032-2/230 64 98. in die Hauptschule musste und es schließlich auf die Theaterschule in Rostock schaffte.de Mittelost-Redaktion: Michael Thumann. Mit Stücken an ihrem Theater. Eingang Speersort 1. Pascal Struckmann. Ressentiments kochen hoch. die in die Türkei ziehen. Tel. Stiefel. seit dieser Spielzeit Ensemblemitglied in Freiburg.de ZEIT Online GmbH: www.de Schweiz-Seiten: Peer Teuwsen. Kerstin Kohlenberg. Tillmann Prüfer (Style Director). de * 0. vorsichtig Suchende und tatkräftig Vorpreschende.de. Slowakei € 6. Tel Aviv. Heike Faller. oder ist das in den Zwängen des Alltagsgeschäfts nicht möglich? Eines ist gewiss: Die Profischauspieler.: 030/59 00 48-0. In Bochum holten sie einen chum Istanbuler. »und die bekamen Kinder«. Fax: 007-495/974 17 90 Österreich-Seiten: Joachim Riedl. Und genau wie Nurkan Erpulat. Gisela Dachs. und vor allem erst einmal durchdacht werden müssen. Andere reagieren reservierter. Ulrich Ladurner. Lon don. Die Blonde ist die einzige Schauspielerin und erzählt eine fast vergessene deutsche Auswanderergeschichte vom anderen Ende der Welt. Postmaster: Send address changes to: DIE ZEIT. auf die tionshinterg Bühne geworfen und von dort gewo mit blitzendem Sarkasmus und bitS terem Ernst zurückreflektiert wird. 60322 Frankfurt a. der er gar nicht ist. Maria und Alfred.20. Anna Marohn. Heuser (verantwortlich). Das Thema . in d. eine längere Historie. Heute ist Beier wieder offen für alle. einfordern. Martina Schories (Bild. nennen es die. wenn die Rückkehr in den »Musentempel« ein für alle Mal ausgeschlossen bleibt. dem die Debatten um ten Multikulti und Migration im vergangenen Jahr einen grotesken Höhepunkt erepunkt reichten. Sie ist gleichzeitig Migrantin und Nachkomme von Ausgewanderten. für Studenten € 119. bei und den Mülheimer Theatertagen Mülhe gewannen sie den Publikumspreis. Theo Sommer (Editor-at-Large). Steffen Dobbert. Burk hard Straßmann.: 0039-339-229 60 79 ZEIT Online GmbH: Wolfgang Blau (Chefredakteur). startete den ersten Austausch zwischen deutschem und türkischem Theater. von denen die weiße blonde Frau mit dem Pony in der deutschen Auswandererstadt Bremerhaven auf der Bühne erzählt. denkt man. sagt Mundel. Man müsse sich nur angucken. Birgit Vester. Tel. folgte dem Verlauf der Seidenstraße. das Buch von Mark Terkessidis.de © Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Werner A. Christian Röpke Verlag und Redaktion: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. BLZ 200 100 20 Börsenpflichtblatt: An allen acht deutschen Wertpapierbörsen ZEIT-LESERSERVICE Leserbriefe Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Srednjaja Perejaslaws ka ja 14. Mark Spörrle Die ZEIT der Leser: Dr. Eine. Rainer Esser. Jürgen von Ruten berg. an der Thematik zu kratzen. Fritz Vorholz Reporter: Tina Hildebrandt. die irgendwann einmal aus Deutschland in die ganz ferne Welt aufgebrochen sind. Stefan Willeke (verantwortlich). Achiltibuie by Ullapool.: 0044-7802/50 04 97. Und Bühnendeutsch? Ja. auch für das Naheliegende.O. um zu sehen. Bartholomäus Grill. dass der Migrant. Er kooperierte mit einem Roma-Theater. Dr.de. raus aus der Festung Theater. um ihr Glück zu finden. was ist daran noch Kunst? Und: Ist Migrantentheater nicht vor allem eine Chiffre für Partizipation und damit Vorbote des Niedergangs der Hochkultur? Die Rede schlug hohe Wellen. mitsamt Gegenstimmen und Ergänzungen. die h haben eine breitere Basis. aus dem deutschen Festnetz. E-Mail: archiv@zeit. Doch dann brach etwas n auf. die Narrative aus den Einwanderergenerationen zu draEinwandererge matisieren. Volker Ullrich Berater der Art-Direktion: Mirko Borsche Art-Direktion: Haika Hinze (verantwortlich). Lisa Wolk. 64546 Mörfelden-Walldorf Axel Springer AG.: 0033-972 23 81 95. Elisabeth Niejahr Dorotheenstraße 33. oder? Also: Helle Haut hat die Frau auf der Bühne. Neu-Delhi. Matthias Breitinger (Auto). sondern die Komplexität eines postmigrantischen Raums anerkennt und die jeweils subjektiven Sichtweisen zu akzeptieren lernt. n So war es bis zu dieser Spielzeit. sagt sie. Als jemand. Visionäre und Pragmatiker. »nahmen sich die Frauen«.bittner@zeit. von seinen dialektischen Erfahrungen..: German Language Pub. Mechthild Fortmann. Dr. Christine Meffert Textchefin: Anna von Münchhausen (Leserbriefe) (Textchefin). Patrik Schwarz. Sina Giesecke. und nd von ihnen handelt das Theaterelt stück. Kronengasse 10.48 14. Christoph Dowe (Geschäftsf. E-Mail: blumegeorg@yahoo. mit denen bald ein unverwechselin bares Kauderwelschdeutsch auschdeutsch sterben wird. Katharina Schuler.de Abonnement Kanada Anschrift: German Canadian News 25–29 Coldwater Road Toronto. 01067 Dresden.de Europa-Redaktion: Dr. Tel. Nicole Hausmann. Rainer Esser Verlagsleitung: Stefanie Hauer Vertrieb: Jürgen Jacobs Marketing: Nils von der Kall Presse. Layout).zeit. und es schwingt eine Angst mit.50. Kirsten Haake. Frank reich € 5. Gabriele Vorwerg Dokumentation: Mirjam Zimmer (verantwortlich). Hans Schuh-Tschan (Wissenschaft). Mit Pistole: Sesede Terziyan als Deutschlehrerin Die Schulkinder in »Verrücktes Blut« eden wir doch erst einmal übers Aussehen. Tel. 4 –6. Niederlande € 4. aber von der Anfangseuphorie ist wenig übrig geblieben.00. E-Mail: hbuchter@newyorkgermanpress. Wahrscheinlich kommt sie aus der Mittelschicht. Eines mit 99 Sitzplätzen und einem kleinen schwarz-weißen Banner.« Und kratzen bedeutet: die mühevolle Kleinarbeit. Herausgeber: Iris Radisch (Literatur). Ontario. und alle lasen Interkultur. ist so etwas wie die Dampflok der Bewegung. Reiner Luyken. große Themen auf pragmatische Theaterlegitimationsantworten zu falten. sagen sie. In Bremerhaven machten sie Heimat. Wenn man die Migranten von der Straße auf die Bühne zerrt. Kleines Haus. über Mülheim nach Berlin und Bremerhaven fährt. die erst einmal Dimensionen abstecken Junge Leser: Dr. Es erreicht nun endlich auch die deutschen Bühnen. hat deutsche Wurzeln. Österreich € 4.de/audio Schauspieler mit Migrationsgeschichte sind gefragter als je zuvor Der Widerspruch kam prompt. im regumarkt lären Programm spielten sie Orhan Pamuks Schnee und Fatih Akins Gegen nd die Wand. was sie maWe chen. 525 52 52. aber genauso über Auswanderer wie die gut ausgebildeten Deutschtürken. die sie für ihr Theater definiert. Dr. Nur ansehen kann man ihr das alles nicht. gucken. die da diskutieren. t Die Liste ließe sich problemlos verlänich gern.20 ISSN: 0044-2070 Fotos (Ausschnitte): Ute Langkafel/Maifoto R ten. von dem Strahlkraft ausgeht. Kinder sollten möglichst früh möglichst kreativ und möglichst leichtfüßig an die Hochkulturhäuser herangeführt werden. vor denen die Theater die Augen verschließen. die viel sagt. Fax: 040/32 80-404. den jeder auf sich selbst richten solle. Ehrenmord zu machen. Aber irgendwann. Italien € 5. Suite 851. BLZ 600 400 71. ihre blonden Haare sind zum Pony verfranst. Meike Fries (Studium). Geschichten von Fremdheit in unserer Zeit aus der Mitte der Gesellschaft zu erzählen. aus dem Kreuzberger Kieztheater. Das Theater faden. Eine Migrationsgeschichte mit umgekehrten Vorzeichen. dass unsere Gesellschaft ihre Probleme nur auf die Gruppe der Migranten abschiebt. Dr.und Öffentlichkeitsarbeit: Silvie Rundel Herstellung/Schlussgrafik: Wolfgang Wagener (verantwortlich). dass es keinen Unterschied zwischen Migranten und Nichtmigranten gibt. die ihre Rabaukend klasse mit vorgehaltener Waffe zu Schiller zwingt. egal wo. ration. und sie wird sich verfestigen. Chef vom Dienst: Jeannette Otto. 19. 56 vom 1. Martin Spiewak. Es ist ein Ringen um die richtige Interpretation. Susanne Gaschke (verantwortlich). wird sich niemand mehr darum scheren. Elisabeth von Thadden (Politisches Buch) Dr.de Pariser Redaktion: Gero von Randow. Meike Dülffer (Textchefin). Adam Sobo czynski (Koordination). KG. Dr. Kerstin Wilhelms Korrektorat: Mechthild Warmbier (verantwortlich) Hauptstadtredaktion: Marc Brost (Wirtschaftspolitik)/ Matthias Geis (Politik). Kw. sagt sie und malt auf einer Schultafel einen großen Kreis weiß aus. Die Perspektive weitet sich. »Wir haben gerade erst begonnen. zurü Von pöbelnden. Peter Kümmel. Eine der zehn heiß bege begehrten Einladungen zum Theatertreffen in Berlin Theater ging an die Regisseure Nurkan Erpulat un Jens Hillje.20. den Kinderkreis. Matthias Stolz. Philip Faigle. Noch bevor Karin Beier 2007 ihre Intendanz am Kölner Stadttheater antrat. Gerd Bucerius † Ijoma Mangold. In Bree. Konkret heißt das aber auch: die Vielfalt der Gesellschaft auf der Bühne abbilden. Intendanten und Dramaturgen en trafen sich auf Tagungen. stritten und polemisierten. Politischer Korrespondent: Lamparter. Mimat.« Also ist er optimistisch? »Nur dann. die Einheimischen heirateten und mit ihnen Kinder bekamen. Nele Heitmeyer.de. Genau wie Sesede Terziyan. h. debattier- Das Gefühl der Fremdheit ist die Grunderfahrung der Moderne Das Thema Migration – eine Modeerscheinung? Tja. auf die ganz Theaterau deutschland blickt. Arnavutköy 34345. fü Denn nun wollen auch Bildungsbürger aus CharBildun lottenburg in dem kleilottenb nen Saal mit OrnamentSa säulen und Stuckdecke neben Kids aus dem nebe Kiez sitzen und zusehen. Roland Kirbach. Es ist das Einst maleins der Migration als ration theatrale Methode.de Weitere Auslandskorrespondenten: Georg Blume.randow@zeit. Ulrich Schnabel.20.20. der andere folgten. gemeinsam verantwortlich.: 0041-562 104 950. E-Mail: johnf. John F. Rom. Hauke Friederichs. Petra Pinzler. zweite Generation. wenn ich mal was spiele. machten Geschäfte und heirateten einheimische Frauen. Dieses Ziel scheint in allen Gesprächen auf: Normalität. ZEIT Campus). Birgit Schönau.: 030/59 00 48-7. und sie wissen: Wenn das Theater überleben will. Erwin Koch. ja. von Stadttheatern als »soziokulturellen Zentren in der Mitte von sozial und kulturell divergierenden Stadtgesellschaften«.: 0091-96-50 80 66 77.: 001-212/269 34 38. rufen die einen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON Bist du schwul oder Türke? Das große Thema unserer Zeit ist die Migration. Wolfgang Büscher. Auch auf und hinter der Bühne. Andrea Böhm. Jan-Martin Wiarda Iris Mainka (verantwortlich). Jungclaussen. Es war die Essenz aus vielen Gesprächen und Reflexionen. Chefredakteurin). der diese Frage am besten beantworten kann.: 0043-664/426 93 79. Aber das Theater? Da hat Shermin Langhoff das Heft in die Hand genommen. was nichts mit meinem Aussehen zu tun hat«.00. Wilfried Herz.: 0351/48 64 24 05. die im besten Falle nicht durch die stereotypbelasteten Brillen unterschiedlicher Herkünfte und Religionen auf sich schaut. Sie fordert und sie provoziert. KG. Frank Drieschner. Jochen Bittner. sagt Orhan Müstak. Stefan Schmitt. durch die dieser uralte Handelsweg führte. Tel. Henning Sußebach E-Mail: zeitmagazin@ zeit.). Fax: 030/59 00 00 40 Frankfurter Redaktion: Mark Schieritz (Finanzmarkt). ob der Vater aus dem Kongo oder aus Kaiserslautern kommt. Hartmut Neitzel.00.14 €/Min.de Washingtoner Redaktion: Martin Klingst. Jutta Hoffritz. der nach dem Schauspielstudium in der Türkei nach Berlin kam. sitzt in einem schwarzblauen Sessel im Theater an der Ruhr und empfängt zu Kaffee und Kuchen. E-Mail: michael. wer einen Migrationshintergrund hat. Die Literatur und gefehlt. oder fehlt es schlicht an Quantität und Qualität? Muss man konsequent ein paar Jahre auf den Nachwuchs setzen.50. wie dieses Thema vibriert. Gespielt in ein nem Deutschland. Jessica Braun. Jutta Schein. Englewood NJ 7631. »Aber die Substanz wird bleiben. Ein Miteinander zu schaffen. Oder über die. Sven Stockrahm. 129110 Moskau. gespielt von einem Ensemble. Dieter Buhl. Schmidt (Kulturkorres pondent). Eine Reise zu den zentralen Orten des »postmigrantischen Theaters« VON KILIAN TROTIER Das Stück der Saison: »Verrücktes Blut« am Ballhaus Naunynstraße in Berlin.« wollen. Alexander Schwabe (Chef/-in vom Dienst). Nur: für welche Rollen eigentlich? »Ich freue mich jedes Mal. Roberto Ciulli. als Italiener lange Jahre der einzige Intendant mit Migrationsgeschichte. Oliver Nagel. der erlebt.30. Hanno Rauterberg. Petra Kipphoff. Kolja Rudzio.00.42 €/Min. Zum Vorsprechen durfte nur kommen. Wir sind in PapuaNeuguinea. K. Dr.com Einzelverkaufspreis Deutschland: € 4. in dem jeder fünfte den berühmten Migrationshintergrund hat und in dem die Theatermacher sich lange her Jahre nur zögerlich tastend auf ch die riesengroße Themenwiese namens Migration trauten.20. Intendantin und 2008 Gründer des Ballhauses. Daniel Erk (Online) Politik: Bernd Ulrich (verantwortlich). E-Mail: reiner. die da hinter den deutschen Bühnen ausgefochten wird. 129 00 02 07. Schon zu einer Zeit. Christoph Drösser Dr. Ein Theater für eine Gesellschaft. Theater heute druckte sie ab.von. aus dem deutschen Mobilfunknetz Abonnement für Österreich Schweiz restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice 20080 Hamburg Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. So nennt sie ihr Theater. Kreuzb kommt der »Hit der Saiso Saison«. nun ja.« Eine Utopie. Tel. Denn darum geht’s doch. sagt Nurkan Erpulat. Schweiz CHF 7. sondern eine. Und so haben es die Jurys in diesem Jahr ents entschieden. mit deutschen Missionaren. wer da auf der Bühne steht. witzig und durchgew dreht ist. Niedergang einer deutr schen Auswanderertrarer dition als Bühnenhnenstück. Alle Intendanten reden davon. eines um Deutungshoheit. Zusammen mit ihrem Chefdramaturgen Josef Mackert hielt sie vor einem Jahr bei der Jahrestagung des Deutschen Bühnenvereins einen Vortrag über die Entwicklungen des Theaters in einer multikulturellen Gesellschaft. Typisch deutsches Theater. Delia Wilms Infografik: Gisela Breuer.« Und dann spricht Ciulli vom Gefühl der Fremdheit. und von ste dort.thumann@zeit.jungclaussen @ zeit. Postbank Hamburg. Prof. um Veränderungen auf der Bühne zu sehen. Uwe J.« Das bedeutet? »Wir müssen endlich lernen. Karsten Polke-Majewski (Stellv. wie sinnvoll das wäre. Der über Jahre antrainierte Reflex. Fax: 069/24 24 49 63. Lebensart. Dr. Gibt es genügend professionelle Schauspieler mit Migrationshintergrund auf dem Markt. Moritz Müller-Wirth Michael Allmaier. Langhoff prescht vor. wie wer dort lebt. Dr. die Augen zu öffnen. Die aus der dritten Generation heißen Hilde und en Günter. Sie wollen alle weiter. Sieling (i. ob es diesmal nicht doch besser der große Blonde sein sollte«. Droht den Migranten am Theater dasselbe? Der Mann. Art-Direktorin: Katja Kollmann Alice Bota. wie der vorsehen urteilsgesättigte Blick. eine Frau mit multiplen Identitäten. Internationaler Korrespondent: Matthias Naß Titelgeschichten: Hanns-Bruno Kammertöns (Koordination) Ilka Piepgras. V.schirmer@zeit. die gerade als Lehrerin in Verrücktes Blut gefeiert wird und deren Eltern Christen armenischer Abstammung sind. Wolfgang Ucha tius Götz Hamann (Koordination Unternehmen).

Niemand kann sich an mich noch erinnern. ein Gläubiger. spendet er umgehend Trost. das ist das. andere dichten besessen oder suchen. von der Liebe und vom Hass. er ist »ein Engel ohne Flügel«. Münster 2011. bevor er zu einer Rede ansetzt. Großer Raum wird Ewald Kainz geschenkt. und so bewegt sich dieser anmutige Pfleger einer Irrenanstalt am Bodensee gern tänzelnd und mit hochgerecktem Kopf. es muss angesichts dieses Romans natürlich: schicksalhafterweise heißen. Bruderhofer. von der heiligen Stille. s ragt aus dem Roman die Novelle Mein Jenseits heraus. sei kein Weg. wie es vielleicht nur jemand kann. um ihn zu lindern. Religion und Kunst fallen in diesem Roman in eins: »Glauben heißt die Welt so schön machen. Jemand. genauer und emphatischer: ein Genie ganz im Geiste des 18. die in der arkadischen Klinik leben und vom fröhlichen Glauben Percys und Feinleins angegangen werden. it Muttersohn hat Walser mit bester Laune das Reich der Zeitgenossen verlassen und die Kunstreligion gefunden. In den Gesprächen mit einem 25-jährigen Journalisten plädiert Hessel dafür. Jetzt weiß ich: die äußerste Freude ist es. Erst recht aber der Umstand. schrieb ihm zahllose Liebesbriefe. sondern muss es als heiteres. wer denn eigentlich gesund ist: die da draußen. sagt der alte Herr. der sich zwischen der Geliebten und der Ehefrau. 227 S. der Feinlein einst die große Liebe ausgespannt hat. vom körperlichen Ausdruck eines inneren Einsseins.95 € E s heißt über Percy. Kleinheinrich Verlag. eine Monstranz aus der Stiftskirche seiner Klinik entwendete. So gut wie jeder Figur in diesem Roman droht eine Art heitere Umnachtung. Und natürlich soll sich der Leser fragen. Heinrich Seuse und Emanuel Swedenborg zu huldigen. Ullstein. Jetzt hat Hessel – politischer Frühling des hohen Alters – gleich noch ein Buch herausgebracht. 64 S. dass Feinlein. ohne dass die beiden sich je richtig kennengelernt hätten. gar genießen. ohne dass dies seltsamerweise auf Kosten des Lesevergnügens ginge. heißt es. Martin Walser. erfindet einen sorgfältig ausgeführten Genickschuss.FEUILLETON LITERATUR 14. nicht Augstein) leitet sie. »lauter / schweigend jeden Tag«. biografisch anspielungsreichen. einer Metapher bei Percy ist so dunkel wie seine Zeugung. Und davon. Frz. als ausgesprochen gelungen empfindet. aber das kann sein Geschöpf nicht wissen. Ein Freak zwar. international. Der Ursprung eines Gedankens. Gleich mehrfach gespiegelt! WIR RATEN ZU Empört reicht nicht Derlei darf man natürlich nicht ernst nehmen. Martin Walser: Muttersohn Roman. im Kreis seiner Lieben zu sterben – in der Stunde von Krampf und Ersticken in ihre tränenden Augen zu fliehen. karrieregeile. die bitte schön herrschen soll unter den Menschen. hatte da gerade eine seiner großen religiösen Reden gehalten. Wie fast immer bei Walser ist es nicht der Plot. v. als von seinem Sohn zu hören. dass nur die Patienten der Klinik auf abschüssige Wege geraten.. Walsers neuester Hauptprotagonist. von seinem Glauben an etwas. die in nur 53 Tagen abgefasst wurde und gleichfalls überstürzt endet. der sich schlechterdings nicht verstellen kann. Reinbek bei Hamburg 2011. mithin etwas arg ausufernd geratenen Romans speist sich aus den illustren Figuren der zauberberghaften Klinik (die natürlich zuvor ein Kloster war). Mutter Fini versicherte ihrem Sohn. Sucht er Patienten auf. Jetzt bin ich grau und leicht wie ein herabgefallenes Wespennest von reizbaren Gedanken sirrend. die im Mittelpunkt jedes zeitgenössischen Romans steht. er ist Percys Ersatzvater und behandelt seine Patienten vor- zugsweise mit Johanniskraut. Wie Georg Büchners Lenz. die jeden Zauber. ein Gleichklang der Gefühle. altersweises Spiel begreifen. Jahrhunderts: poeta alter deus. die im Banner der grellen Medien und der Zivilisation stehen. Und es gibt natürlich nichts Schöneres. der Hure und der Gottesmutter nicht entscheiden kann und schließlich in der Klinik landet. Er heißt. sei eine Missgeburt. »daß er nicht auf dem Kopf gehen konnte«. Und damit einen Gegenentwurf zu liefern für unsere durchrationalisierte. Auf dass es sei. in dem er für die Belebung der Demokratie wirbt. etwa ein prächtiges Gedicht von Percy. Kogon. Walser! Mit seinem neuen Roman »Muttersohn« treibt Martin Walser ein wildes Spiel mit dem Glauben VON ADAM SOBOCZYNSKI Der Schriftsteller im vergangenen Oktober. der Himmelsgöttin. Bruderhofer. sagt er über sich. Walser ist der Gott. 25 € Großer Gott. immer stärker gealtert. Der Reiz dieses verspielten. eines Wortspiels. um diese wie »ein Kind aus einem brennenden Haus« zu retten. wenngleich halbwegs ironisch. Im Gegenteil: Es geht zu wie in der Kartause von Parma von Stendhal. der Himmel. der zunächst keine Müdigkeit kennt auf seiner Wanderung. dass er angeblich aus einer unbefleckten Empfängnis hervorging. das politische Erbe des Widerstands heute in demokratisches Handeln umzusetzen: in den Parlamenten. dass sie in Gefahr gewesen wäre. kam in Berlin Stéphane Hessel zur Welt. war einst Percys Mutter in Kainz verliebt gewesen. wie sie nicht ist. Percy erschaffen. Percy hat nämlich sehr wohl einen Vater. das von Normen und Begrenzungen nichts mehr wissen will. von den Lebenströstern und den schlimmen »Heruntermachern« (man darf im Walserschen Kosmos für Heruntermacher auch Aufklärer. er tischt in Stendhalscher Manier die aberwitzigsten Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten auf. Wissenschaftler. Es wird jedenfalls einiger Aufwand betrieben. treibt ihn an.. er ist immer unvorbereitet. stets einem großen Tänzer gleich. an die Schönheitskonzeption der Weimarer Klassik also. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 49 GEDICHT: KJELL ESPMARK Ich wollte unsterblich werden und die treulosen Götter erhörten mein Gebet. d. heißt es gegen Ende. Ein Gott steht schließlich jenseits von Kritik. der über Reliquien forscht. die Erzählstränge rabiat zusammengeführt. nur dass es ihm manchmal unangenehm ist. sich mit Eifer umzubringen. die von einer Vereinigung von innerer und äußerer Schönheit träumte. Das Jenseits findet durch den irren Glauben bereits zu Lebzeiten statt. der auch unter arabischen Demonstranten die Runde macht. genauer: von der reinen. Angestellte und entrückte Patienten komplettieren das Kuriositätenkabinett. Percy macht sich. reich aber ist die Hinterlassenschaft. Er wurde Widerstandskämpfer. Gegen Ende des Romans wird es dann doch noch handlungsreich: Es wird munter gestorben. eifrig Psychopharmaka verabreichende Konkurrent Dr. als dass er spräche. Er sei ein Stern. M. sondern spirituelle Begegnungen. Rowohlt Verlag.99 € E . sondern vor allem ein Künstler. den Percy so glühend sucht.. Walser hat.« Walser darf sich alles erlauben. keine Notizen. Und unterdessen erscheint Empört Euch! in China. UN-Diplomat und unlängst Autor des Millionen-Bestsellers Empört Euch!. ohne sie jemals abzuschicken. diskutierend. einen körperlichen Zusammenbruch. Wohlgefühl geht Percy Anton Schlugen halt immer in die Beine. Foto: Karin Rocholl Kjell Espmark: vintergata/milchstraße – Epiphanien. ELISABETH VON THADDEN Stéphane Hessel: Engagiert Euch! Im Gespräch mit Gilles Vanderpooten. 3. Er bewegt sich. der offenbarten Sprache handelt. nein. Schwedischen von Klaus-Jürgen Liedtke. Revolutionäre Gewalt. Sie erblickte ihn in den frühen siebziger Jahren bei einer Demonstration. Berlin 2011. Wie denn überhaupt Martin Walsers neuer Roman Muttersohn eindringlich von der Sprache. trotz seiner Leibesfülle. 24. ein Liebender im umfassenden Sinne: Keine schnöde Paarbeziehung. da sie eindringlich sind und allen zu Herzen gehen. der Vater. wie damals in Russland. der den Augenblick feiert. vor allem aber auch: Kritiker einsetzen). Sein Gegenspieler ist der junge. dass dieser sich. vom Kampf gegen Dr. Der Dichter ist hier nicht mehr nur Dichterfürst (wie noch in Walsers Goetheroman Ein liebender Mann). Walser muss ähnlich rasant vorgegangen sein. einen menschenfreundlichen Erzählergott entschieden. a. Manche hören Stimmen. von seiner leiblichen Mutter. Anfang Dreißig. Percy. für die man ihn rühmt und feiert. oder jene. einen Selbstmord. hat sich Walser für einen verrückt gewordenen. heiteren. von der Anziehungskraft des Unerklärlichen. der erfüllte Augenblick. d. Und nicht. allen Wirren zum Trotz. der für Spannung sorgt. Nur so lässt sich die »Verlassenheit« im Leben ertragen. er ist jetzt gleich Messias und folgt einer radikalen Maxime des Romans: »Ziellos zu erzählen. Sekretärinnen. M Als in Russland im Oktober 1917 die Revolution ausbrach. die lustvolle Entfaltung schwerer Dilemmata. indem er sich schweigend neben sie setzt über Stunden oder mit ihnen mystische Verse rezitiert. aber er trotzt dem Publikum durch gläubige Unbeirrtheit und Spontaneität durchaus Beifall ab.« Dass mit den gottgleichen Kreativitätsschüben seiner Figur der Autor eine kokette Selbstcharakterisierung vornimmt. darf boshafterweise durchaus vermutet werden. sich einmischend. Sein Glaube macht ihn für die Außenwelt zum Kuriosum. Ein Auserwählter ist dieser Mann. was du tun musst. 505 S. Es spricht aus ihm mehr. Er spielt hier Gott auf lau- nige Weise. man denke bei seinem Anblick an »Anmut und Würde«. Das Banalste ist der Tod. als jemand. Nicht. was das Verhältnis der beiden naturgemäß einigermaßen belastet. Der neue Messias bringt es mit seiner ungeklärten Vaterschaft gar in die Talkshows. Bei Walser ist das Glück gnädige Vernebelung. Sie ist aus der Perspektive Feinleins abgefasst und erzählt von einem Romaufenthalt des melancholischen Klinikdirektors. den im Roman herbeizitierten Mystikern Jakob Böhme. die bereits im vergangenen Jahr vorab veröffentlicht wurde. Weshalb denn Percy natürlich nicht einfach ein Laienprediger ist. Sagt man dem Altersstil von Schriftstellern oftmals eine formale Strenge nach. sondern das vertrackte Innenleben der Figuren. Zufälligerweise. Die Welt. prosaische Gegenwart. jeden Wunderglauben schreckhaft zurückweist. auf dem Weg durch die politischen Institutionen. es herrsche in ihr ein furchtbarer Mangel. in dem er sich als »Fürst der Freundlichkeit« bezeichnet. es habe keinen Mann zur Zeugung bedurft. Enkeln und Ururenkeln bin ich ans Grab gefolgt. der folgerichtig seinen Schöpfer preist: »Ich bin eine prima Konstruktion«. Es spricht aus ihm von der Muttergottes. Der wunderliche Professor Augustin Feinlein (sic! Augustin. a. »was nicht ist«. der den KZs der Nazis entkam und seither Europäer ist.

2 mp3. als diese im Juni 1941 die Sowjetunion findung war im zweiten Jahr des Krieges für beide überfielen und die Völkerpyramide des sowjeti. Hörstoff braucht. den Polizeichef des »Reichskommissariats Ostland«. dass auch er einen ten die Bolschewiki tun. Denn die Bloodlands waren natürlich daten der Sicherungsdivisionen. der im August 1941 die erste Massenerschießung von Juden in Kamenets-Podolsk anordnete. Abseits aller bürgerlichen Sicherungssysteme. An einer Stelle verweist er auf Friedrich Jeckeln. wenn es darum geht. weil auf verwüstetem Terrain gelang. Heute man darf man mit guten Gründen prophezeien.. mit den Nationaleinen Ort hatte. Die Nahmen die nationalsozialistischen Täter. Zum ersten Mal ist inzwischen nur für wenige Historiker noch eine schien die Propaganda mit der Wirklichkeit überTerra incognita. dann müsste man Snyders Text schon deswegen zu den Meisterwerken der Geschichtsschreibung zählen. mal heroisch. nicht VON JÖRG BABEROWSKI von Zwängen. dass in einer noch zu Dieser amerikanische Klassiker aus dem Jahr schreibenden – und dann von ihm einzu1929. Snyder erspart seinen Lesern kein Detail des Schreckens. dass die Nationalsozialisten die sowjeland Kriegsland wurde. C. ohne sich vor irgendjemandem für ihre Verbrechen rechtfertigen zu müssen. stalinistischen Diktatur zu verbinden. mit seinem Buch Bloodlands entzogen.Brückner. konnten die Mord. In der Ukraine führte das stalinistische Regime einen blutigen Krieg gegen Partisanen und Deserteure. Niemand konnte über die Gewaltexzesse des Stalinismus schreiben. was vor ihnen im Osten Europas Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Snyder: Kriegsjahr begriffen. das ganze Kolorit und fantastische Dialoge einer zelner Vorleser und nicht als Stimmorchestersimulator. Antwort schuldig: wie nämlich die Verbrechen die ihr Mordhandwerk gelernt und erprobt hatten. dass das Blut in den Adern gefriert. ohne ihn mit den Exzessen der schichte des Judenmords alles gesagt. Snyder spricht von Überzeugungen und Ideologien. und mit ihren Opfern konfrontiert wurden? konnten Stalins Nachfolger Frieden schließen. dem sei Brückner als diesmal völlig anders auftretender akustischer Begleiter bekannt aus vielen Kinofilmen als die markante deutsche Stimme Robert De Niros. die nur wenige Todesopfer forderte. Alles konnte miteinander verglichen werden. Engel in der großzuletzt seinen zehnten Geburtstag feiern artigen Neuübersetzung von Irma Wehrli. zurück.und Vernichtungsfantasien der totalitären Regime Wirklichkeit werden. mussten ihre Soldaten erfahren.Bloodlands Zweifel daran ließ. Diesem Wettbewerb des Schreckens hat sich Timothy Snyder. Unverwechselbar ist seine vielfach Schau heimvon Brückner mit dazu passender Leidenpreisgekrönte Stimme: rau und irgendwie wärts. wird men wird. das deren verbunden waren und wozu man die Kategorie der Bloodlands benötigt. was andere vor ihm auch schon ohne dass sich Klarheit darüber einstellt. Sie entstanden vielmehr in den lone und der Waffen-SS von den stalinistischen Schlachten des Ersten Weltkrieges und des russi. der Polizeibatailnicht einfach da. was er doch erzählen V Wenn es die Bloodlands nicht gegeben hätte – die Nationalsozialisten hätten sie erfinden müssen. ohne ein Bekenntnis zur Einzigartigkeit des nationalsozialistischen Mordprogramms abzugeben. wovon Hitler Europa zwischen Vernichtungskrieg führte.dem Ende des Zweiten Weltkrieges spricht. Historiker sollen Geschichten erzählen. Moby Dick und Geschmäcker. indem der nationalsozialistischen Vernichtungsexzesse.H Beck Rücksicht auf Zivilisten. die totale darauf. rung der Bloodlands musste einen Opfer noch Täter auf die Gewalt vor. monumental wulesenden – Geschichte des deutschen Hörchernde.50 14. der Kampf ums Im aktuellen Parlando-Programm glänzt er mit einer Dasein im tosenden Strudel der Welt rückt uns beängssubtilen Lesung der Komödie in Moll des kürzlich tigend nahe auf den Leib. Die Bloodlands waren damit begonnen hatte. Es scheint mir kein Zufall zu sein. über. weil er Ereignisse in fremdes Licht taucht und sie auf solche Weise erst verständlich macht. der sich auf dem Territorium der SowjetJuden und ihre kumulative Radikalisierung hat union und in den Vernichtungslagern im Osten Saul Friedländer in seinem Buch über die Ge. Er verschenkt sein Thema. schreibt Snyder. und als Stalins Armeen 1944 in die Region zurückkamen.stellen. werden.sozialisten und den Bloodlands zu tun? Synder räumen kamen. So las Brückner die Odyssee oder den Pferdeflüsterer. und sie wird die schen Imperiums auf den Kopf stellten? Gewaltpraktiken beider Seiten beeinflusst haben. Und wer jetzt in den Sommermonaten am Strand interpreten hierzulande geworden: Christian Brückner. Niemand betrat sie voraussetzungslos. War es ohne Bedeutung. und welche Erfahrungen hatten um Loyalität zu erzwingen.« Wo. empfohlen: Mehr als 28 Stunden lang liest er Gemeinsam mit seiner Frau Waltraut betreibt mit inwendig glühender Energie das amerikanische Großepos schlechthin. mal 29 Std. auf dem verwüsten. Und auch über die nationalsozialistischen Mordexzesse im Osten Europas weiß Snyder auf eine Weise zu erzählen. dass die alten Machthaber für immer zurückgekommen waren. Die Soldaten re Krieg gegen das eigene Volk führten. er nur erzählt. sondern auch Schriftsteller. und während des Zweiten Weltkrieges. für selbstverständlich gehalten.und Klassenkonoder auch mal Adalbert Stifters Werke: immer als ein. Es ist ein klassischer Bildauerheiser. Snyder erzählt nacheinander. Die Mordexzesse des 20. Auch Snyder sieht den Zusammenhang Timothy Snyder. als einen Vernichmen und während der grausamen Getungskrieg zu führen. dass die stalinistischen Funktionä. jener 1947 erst. geschehen war? Und hatte diese Wahrnehmung Seine Spezialgebiete sind das Zarenreich und der Stalinismus Folgen für ihr eigenes Gewalthandeln? Foto: Verlag C. die Bloodlands verschwanden für immer. Hitlers Helfer aber ten und legitimierten und warum sich diese Ra. sodass der Hörer sich oft ängs. auf Konventionen und Regeln. in denen die Täter ihre Gewaltpotenzen überhaupt erst zur Entfaltung bringen konnten. Denn die Soldaten der Wehrmacht sahen mit er ordnet diese Geschichte nicht in den Wahr. Keine Untersuchung über staatliche Gewaltexzesse kommt heute noch ohne vergleichende Hinweise aus. um zu verstehen. was sonst nirgendwo erreichbar war. Wie haben Menschen. vernichtet zu Der Boden war also schon bereitet. der in der Kleinstadt Altamont aufwächst. aber sen. was andere ihnen an. dass sie ihre schlimmsten Verbrechen dort verübten. wie man einen Vernichtungskrieg entfacht. schreibt er..vertrautem Terrain. Nicht einmal nach dem Ende des Krieges hörte die Gewalt auf. 29. Denn sie sind nicht nur Sachwalter der Wissenschaft.Europas vollzog. Eine Antwort könnte lauten: Als Wen identifizierten sie selbst als ihre Feinde. Sie wollen verstehen. Auch über die Ausgrenzungs.erfährt man wenig. die Kornkammer des Imperiums auszuplündern und die Landbevölkerung Sklavenarbeit leisten zu lassen. der Deportationen und des Massenterrors packender und ergreifender beschrieben worden. was ihm anderswo verboten worden wäre. was einmal als anstößig galt. der die Tragödien und Triumtigt.95 € blutigen Preis für diese Entgrenzung bereitet werden mussten. exzessive Sprache: Gerüche cholie ausstrahlend. Ohne die Massaker der stalinistischen Geheimpolizei. Denn mittlerweile ist der Holocaust zum einzigen Maßstab für die Beurteilung staatlich organisierter Gewaltverbrechen geworden. Doch auch damals wusste jeder. Historiker zwischen diesen Gewaltexzessen und dem stalian der Universität Yale nistischen Terror. Judenpogroeine andere Wahl. Als die Wehrmacht in den Westen der Ukraine und in die baltischen Republiken einmarschierte. weil Stalin den Befehl gegeben hatte. weil sie sich Hitler und gegen organisierten Widerstand schon Stalin. nachdem Hitler waltexzesse des Bürgerkrieges ums Leben gekommen. wäre die mentale Zurichtung der Täter unmöglich gewewollte. Familien. weil Stalin keinen Nur im staatsfernen Gewaltraum konn. die baltischen Republiken und den Westen der Ukraine mit Terror und Gewalt heimsuchten. Die Bevölkenicht mehr durchsetzen und weil weder Verlag 2011. Landschaften zu von Gewalt verseuchter Boden. expressiv ausgemalte Südstaatensaga buchs Brückner ein eigenes Kapitel bekom. was die Leser schon wissen. Über die Begegnung der verwandten Feinde Was aber bedeutete es für die nationalsozialistischen Täter. T. drangen sie in kontaminiertes Gelände vor. Was schah. ohne dass es dazu einer Aufforderung der SS bedurft hätte. die in Europa ihresgleichen suchten. Historiker an der Universität Yale. Und tatsächlich relativiert jeder Vergleich. die Gewalt gegen das eigene Volk einzuMacht für ihre Zwecke zu nutzen? Woher ka. ALEXANDER CAMMANN In verwüstetem Land or zwanzig Jahren wäre das noch undenkbar gewesen: dass ein Historiker die Mordexzesse und Vernichtungsstrategien der Nationalsozialisten mit den Bluttaten der Bolschewiki in einer Geschichte miteinander verbindet.Handwerkern des Todes? Nahmen Stalins Scherschen Bürgerkrieges. vom Antisemitismus in der Sowjetunion nach was auf den killing fields im Osten Europas ge. Nirgendwo.Seiten unabwendbar geworden. Inzwischen wird. erlebt. 1986 und in den dann folgenden Jahren des Historikerstreites.gen wahr. men die Täter. Stalin starb. was den Taten der Nationalsozialisten entspricht. Denn ohne den Exzess der stalinistischen Diktatur wird überhaupt nicht verständlich. phe und das ganze alltägliche Getriebensein genommen und doch eindringlich. Städte aushungern zu lassen Menschen Gewalt erfahren und erlitten und Menschen auszurotten? Denn wer hatten. dass Ukrainer und Litauer Juden und Kommunisten töteten.Beck Der Historiker Timothy Snyder stellt in seinem Meisterwerk »Bloodlands« die Verbrechen Hitlers und Stalins in einen Zusammenhang. bevor sie die Bloodlands betraten lismus besiegt und das Imperium stabilisiert war. Auf den killing fields im Osten Europas konnte das Denkbare zum Machbaren. was zur gleichen Zeit geschah. dass sie und Geheimpolizisten Stalins bewegten sich auf scheinbar sinnlos Menschen töteten. muss mit ihr umzugehen hatte.H.der sie keine Siege erringen konnten. Diese Wahrheit hatten Hitler bevor Bolschewiki und Nationalsoziaund seine Generäle schon im zweiten listen ihn besetzten und verwüsteten. weil sie keinen Feind mehr benötigten. Wenn die Qualität des Erzählens der Maßstab für die Beurteilung von Büchern wäre. Jahrhunderts. war die Deutungshoheit über die Geschichte ein Politikum. die sie nicht verstanden und auf was erwarteten Stalins Schergen von ihren Wider. und mehrere Hunderttausend Bauern verhungerten.Verbrechen verübten. als die Nationalsozialisten ihr monströses Menschenvernichtungsprogramm in den Bloodlands exekutierten. wie man Völker deportierte. In der angelsächsischen Welt ist es von der Kritik als wegweisend aufgefasst worden. Als die Nationalsozialisten die Ukraine eroberten. dikalisierung in den Bloodlands im Osten Europas Menschen erschoss und vergaste. Nirgendwo ist der Horror der ukrainischen Hungersnot. Als der Nationalsoziasie gemacht. die nicht wahrhaben wollten. fernen Epoche dringen in unser Ohr. Snyder aber will beides verbinden: nicht im Vergleich. starben in solch kurzer Zeit so viele Menschen wie in der Ukraine und in Weißrussland: während der Kollektivierung der Landwirtschaft. sie würde plötzlich wegbleiben.Sprecher Chr. Dennoch lässt sich über Meisterliches auch Kritisches sagen. Man hätte ihm vorgeworfen. Aber keine Sorge: Christian 101-jährig verstorbenen Hans Keilson. obgleich das Geschehen doch in seiner Verschränkung verstehbar werden soll. die sich aus der Gewalt in den Bloodlands für die Täter ergaben. die über Leben und Tod entschieden? der Autor aus. konnten die Schergen Hitlers und Stalins Herren über Leben und Tod sein. in der Ukraine tun zu können. wird niemanden überraschen. worauf der Nationalsozialismus auch eine Antwort war. Ihr folgt eine Erzählung haupt nicht. Und warum hörte die Gewalt nach taten? Mit welchen Erwartungen begegneten dem Tod Stalins auf? Auch darüber schweigt sich sie jenen. Parlando. Denn in die ethnischen Säuberungen und die Deportation den Bloodlands hatten die Armeen des Zaren und von »Feindvölkern« Reaktionen auf den rassistides deutschen Kaisers gegeneinander gekämpft.Brückner erweist sich als erfahrener Lotse durch die mals erschienenen. konnte.einzustimmen. Deshalb waren die Bloodlands Experimentierfelder der Unterwerfung und der Gewalt. den Städten in der westlichen Ukraine und im Was in der Sowjetunion der Stalin-Zeit geschah. Aber auch dieser Wandel steht im Dienst des Politischen. was der Gegner beim Abzug aus nehmungshorizont von Tätern und Opfern ein. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON LITERATUR HÖR B UC H Leidenschaftlich heiser Hörstoff für unterwegs: Der preisgekrönte Christian Brückner als Sommerbegleiter Auf die Frage »Was verabscheuen Sie am meisten?« gab das holländische Paar Wim und Marie. in dem Waffen in allen tische Bevölkerungshierarchie veränderten? Waren Machtfragen das letzte Wort sprachen. dass Jeckeln in Riga geboren und aufgewachsen war? In jedem Fall glaubte Jeckeln offenbar.Jörg Baberowski ist Professor für Osteuropäische haupt wahr. Denn die Erkenntnis. dass Einzigartigkeitsnachweise ohne Vergleich und Kontrast nicht zu haben waren. selbst damit rechnen. höchst anrührenden Geschichte um pralle Fülle Amerikas. der Holocaust aber durfte in seiner Einzigartigkeit nur er selbst sein. unerzählt zu lassen. Die Bloodlands wurden von Menschen bewohnt. er will Neues und Spektakuläres mitteilen. dass das Geschehen aber hat diese letzte Kampagne Stalins. fast gar nichts.eigenen Augen. Aber damals. die aus den Gewalt. Engel schaft dargeboten. die anderen betraten eine rem Zufall zu Feinden erklärt worden waren? Und Terra incognita. oft eine gewisse Melanübertreibende. die aus pu. dass Historiker weder Richter noch Ankläger sind. Sie hätten sich in Räumen ereignet. Bisher haben Historiker entweder das eine oder das andere beschrieben.mussten erst lernen. aber auch verstanden. dungsroman. schen Mordexzess der nationalsozialistischen BeMillionen von Menschen waren bei den satzer und ihrer Helfer? Vor allem aber: Hatten die Gegner ethnischen Säuberungen. Thomas er den kleinen Hörbuchverlag Parlando. zwischen 1939 und 1941. Auf die eigentliche Frage bleibt Snyder die Stalins Schergen waren professionelle Killer. schreibt er. Niemand nahm in einem solchen Krieg noch 1933 geträumt haben mag. im rechtsfreien Raum.po versteckt. während des Großen Terrors der Jahre 1937 und 1938. Für schlimm darf offenbar nur gehalten werden.Thomas Wolfe: um das Leben des jungen Eugene Gant. 1943 geborener Schauspieler und Synchronsprecher. der Wolfes Schau heimwärts. Klarheit zu schaffen und Ordnung in einen Text zu bringen. betraten sie ein von der stalinistischen Gewalt verwüstetes Land. Diese Empsachern. verständigten sich seine Nachfolger und welche Möglichkeiten hatten sie. wo schon die Bolschewiki Tod und Verderben verbreitet hatten. wie die wussten: dass nämlich beide Regime grenzenlose Gewalttaten der einen mit den Exzessen der an. und niemand bewegte sich in ihnen folgenlos. 29. Lernten die Solvollzog. die Verbrechen der einen durch den Hinweis auf die Mordtaten der anderen zu »relativieren«. Solch ein Verfahren ist wahrscheinlich ohne Alternative.528 S. Snyder erzählt vom großen Morden.Nico während der deutschen Besatzung vor der Gestamöglich deshalb ist er zum prominentesten Hörbuch. Baltikum angerichtet hatte. als aus staatsfernem Bauern. als Hitler und Stalin Polen.verrät es nicht. der einen die Verbrechen der anderen radikalisier. Aber Snyder erzählt Hungersnot der Jahre 1932 und 1933 und endet von dieser Verschränkung des Geschehens übermit dem Großen Terror. Snyders sowjetische Episode aber beginnt mit der der Gewalt zahlen. diesen Raum zum ersten Mal betraten. Snyder nennt sie »Bloodlands«. Andererseits muss der Autor dafür den Preis bezahlen. Snyders Buch endet mit einem Kapitel.bevor der Krieg ausbrach. die das Inferno des stalinistischen Terrors und der interethnischen Kriege erlebt hatten. Snyder aber erzählt vom Massenstrategie der Nationalsozialisten gegenüber den mord. Noch fünf Jahre später führten Einheiten der Roten Armee und der Staatssicherheit Krieg gegen Partisanen und aufständische Bauern. Aber die eigentliche Frage beantwortet er nicht . was die Verstorbenen getan haben. das den Juden er einmal die Antwort: »Zu große Lautstärke.99 € des dortigen Way of Life ausformt in wild weise. sondern in der Beschreibung ineinandergreifender Gewaltpraktiken. Auch Snyder weiß.flikte. Snyder will nicht nur erzählen. jene ungebärdige. seien nicht vom Himmel gefallen.

hat mit seinem ungemein populären. feineren Gesellschaft aufsteigen zu wollen als er sie selber bietet. an dem er im gleichen Zeitraum. der am ner Vertrautheit mit den Feinheiten liebsten – und am amüsantesten. In so will. zum Literaten. mit Geld umzugehen. zum Humoristen. dass ihm das auch noch heute gelingt. M. die City. Über das feine Leben. Thackeray. durch Arbeit oder trotz aller Brillanz im großen Ganzen und aller irgendwelche Geschäftemacherei Geld zu verdie. Er hatte es also um die gleichen Phänomene kreisend. Leider ist dabei nicht nur.in seiner Falschheit und Borniertheit. seine Seziermesser geschärft für der englischen Oberschicht. bei aller berechtigten. gentlich doch festen gesellschaftlichen Gefüge. wie die grundsätzliche Ablehnung. fitabel – hatte der junge Müßiggänger eine be. Und in seinem Buch der rade erst volljährig geworden und beSnobs. eine gewisse Schwäche für die Schwächen hat. denn die traditionelle erschienen. weil er so dicht dran ist. nutzliam Makepeace Thackeray. der uns diese köstlichen Einblicke in die Welt des schönen Scheins und der haarfeinen Unterschiede. Immer. aber de facto nicht besitzt. Könnte es eine bessere Voraussetzung geben? Niemand kennt das Laster besser als derjenige. brachte seine stattliche Erbschaft in seine Akteure. schon in jungen Jahren ein gearbeitet hat. Der Snob.95 € neuer Übersetzung von Gisbert Haefs dingter Eleganz. im »Schwung seiner Jugend« eine »neue Form der Schuhschnalle« erfunden zu haben. was meist übersehen und immer unterschätzt wird: In Gegenreaktion auf die florierende Arroganz und Blasiertheit der Regency-Epoche. wie es der Earl of Chesterfield in den 1774 veröffentlichten und dann rasch berühmten Briefen an seinen (illegitimen) Sohn formulierte. hin hat er dies nicht mit anrüchigem Handel ver. Aber auch ein König mag nach anderen Meriten gieren. Thackeray schlagartig berühmt maAber immerhin: Thackeray war gechen wird.Und über sein Zerrbild: den Snob.der Snobs werk viktorianischer »Gesellschaftsgaben zufolge. gehöre das zum guten Ton. spiel natürlich. by One of Themselves. steht im trächtliche Summe in Zeitungen gesteckt. geschafft. Der perfekte Gentleman-Hochstapler: William Makepeace Thackeray Foto (Ausschnitt): akg-images . Er hat hier. Auch bei der einen oder ande. Jahrhundert hegte. der am 18. auch den Tisch gefallen. da es ja für einen Monarchen per se unmöglich ist. Er führt uns die literarischen. der ohnehin eine große Liebe zum 18. William Makepeace Thackeray aber hat mit seinem Buch der Snobs zahllose Gentlemen geschaffen. Außerdem jedoch – und ebenfalls unpro. vom corteggiano der Renaissance und vom hônnette homme des grand siècle. schreibt er im betreffenden Kapitel. Dem Snob geht es nicht etwa um die Macht. Unfähigkeit.. hat Edmund Burke einmal geschrieben. über den Thackeray spottet. die politischen. in den Mittelpunkt von Thackerays großen Romanen. GeburtsDas mag einerseits vielleicht nur eine Gisbert Haefs. bei uns schon immer hübsche – oder schlaue – Pose sein. der gar nicht erst in Gefahr geraten könnte. oder der. so die die monumentale Chirurgenarbeit im schriftstellernde Aristokratin Nancy W. weit unterschätzten Schriftstellers in führt aber andererseits auch zu unbe. damals allgegenwärtigen Snob mit all seinen Ambitionen demaskiert und der Lächerlichkeit preisgibt. ebenso bissiges wie hätte eigentlich ein bisschen misstrauamüsantes Panorama der besseren Geisch machen müssen. Den ungeniert Mobilen in einem eiren unglücklich verlaufenen Börsenspekulation. wie ihn Thackeray versteht.nicht mehr feinen Triebkräften offengelegt wird. obwohl es solche nach gängigen Definitionen des Snobismus gar nicht geben dürfte. Mitford. A. basierend auf Natürlichkeit.feinsten Verästelungen verfolgt und in seinen gar dienen. auch die des königlichen: ums Eindruckmachen. dann doch bitte nicht zum Geldver. Es wäre zu wünschen. lautet vollständig: The Book of Snobs. Über den Gesellschaftsmenschen. bei exzentriab 1848 in Fortsetzung erscheint und schen Hobbys ein Auge zuzudrücken. im handlichen Almanach- Format. obgleich man in sellschaft im viktorianischen Zeitalter England immer bereit ist. sondern er giert vor allem nach dem Märchenbild. So wie George IV. die ihn nicht verachten. Er genügt sich nicht selbst und verzehrt sich unentwegt nach Anerkennung. »Ich kenne so viele Nachfahren irischer Könige«. Uneitelkeit des Betragens. Ein König könne jemand zum Edelmann machen. der ihm fast erliegt.das 1848 erschien. vielleicht ja sogar in Deutschland. weil er irgendwie auch dazugehört. hoffnungslos ruiniert. auf Bescheidenheit. entspannter Weltläufigkeit und unaufdringlicher Höflichkeit. Er verachtet all diejenigen. Schlichtheit. ja prägenden Snobbuch eine entscheidende Weichenstellung vollzogen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 51 Hauptsache Eindruck machen König der Snobs: William Makepeace Thackerays köstliche Lästerei über den ewigen Kampf ums Dabeisein VON MANFRED SCHWARZ E r hat nicht lange gefackelt. als die hemmungslosesten und einfallslosesten von allen. und das Fair.« Und selbst die »königlichen Snobs«. um der sucht. Manesse 2011. wie Franz Werfel einmal bemerkte. reits gründlich ruiniert.das Adelsprivileg verleiht.und die Country-Snobs. Juli 1811 losen. der ihm ganz verfällt.FEUILLETON LITERATUR 14. wenigstens eigenen An. den Aufsteiger und englische Stenze. Weil er. ein gelegentlich etwa altfränkischer Ton ins Spiel gekommen. und indem er den typischen. wie es sich seit jeher gehört für den Geltungssüchtigen. wie ihn noch Nietzsche ersehnen und verherrlichen wird. basierend auf den antiken Vorstellungen vom Edelmann. die militärischen und die geistlichen Snobs vor. was man zwar für erstrebenswert hält. der als großes. Es handelt sich also nicht nur um einen »intimen Kenner der Szene«. Er entpuppt sich also schließlich in jeder Hinsicht als das vollkommene Gegenbild zum Ideal des englischen Gentleman. das sich davon absetzt – und bald schon das dominierende Leitbild guten gesellschaftlichen Betragens wird in der ewigen Epoche Queen Victorias. derjenige dagegen.und genauen Beobachtungen unmissverständlich bejer seinen Lebensunterhalt verdienen. das bis in seine allerdenn wenn man schon Derartiges zum Zeitvertreib macht. am genauesten vornehmer Lebensart zu geben: Wil. aber höchst fashionablen Zeitvertreib als Sohn eines Kolonialbeamten in Kalkutta ge. dass er überaus stolz gewesen sei. sind dafür wesentliche Voraussetzungen. Denn darum kreist ja die ganze Existenz des Snobs. von Philologie« ist nun zum 200. Von Barry Lyndon und vor allem Vanity National Standard zum Beispiel. d. kaum dass es begonnen hatte. wenn man ganzes Vermögen zu verschleudern.nisten. vom »Wohlgeratenen«. Der Titel des Werkes. Thacke»Jahrmarkt der Eitelkeiten«.Liebe zum Detail. über die er schreibt. mitunter auch leidenschaftlichen Kritik und geradezu missionarischer Absicht. 22. Die irischen Snobs natürlich. Das Gesellschaftsleben. hat letztendlich nicht die geringste Ahnung davon.– über englische Stenze und ihren eitlen. Engl. der Hochstapelei und Angeberei gewährt. »dass man aus ihnen eine ganze Brigade aufstellen könnte. strebt immerzu woandershin. sondern überdies nen. Sondern vielmehr um einen. Beim Glücks. Für Thackeray war jedoch das feine Leben der auch irgendwie der Untertitel des Originals unter leisure class. aber nicht zum Gentleman. seine Regeln und boren wurde.456 S. atemberaubend kurzer Zeit durch. propagiert er unwiderstehlich jenes Idealbild des englischen Gentleman. tag des großen. den Streber. Etwas vorspiegeln zu wol- len. der nur deswegen so genau hingeschaut hat.schrieb. die Universitäts-. Und das ist das Entscheidende an Thackerays Snobbuch: seine vollständige Kenntnis des snobistischen Milieus.Stenz wurde also notgedrungen zum Feuilletobe seines guten Geschmacks und sei. zu einer höheren. nach dem Theater der Macht.Blender. mit grünem Einband – und zuvor 52 Wochen lang als Fortsetzungsreihe in der satirischen Zeitschrift The Punch veröffentlicht worden war –. der diesen ungemein scharfen schon wieder vorbei: Er musste nun wie ein Ple. alle ray: Das Buch Dieses geistreich-witzige MeisterAdeligen seien. sondern mit dem Schreiben: Der junge Londoner Gesellschaft eine Kostpro.

Draußen unterbricht ein apokalyptischer Regenschauer 14. dabei an die türkische Das Goethe-Institut in New York ist ein PrestiErzähltradition anzuknüpfen: Menschen. Und für wie viele Besucher? Trotzdem ist als Kooperationspartner unverfernsehen. sonst bleibt es aufgepfropft. auf eher vertrautes Terrain. Früher wurden die Goethe-Leute von konservativen Politieinfacher Leute. pa (im Bild das Institut in Mosrecht klein und spröde. seiner Standorte geht es ausgesprochen sparsam Bundesrepublik mitgeprägt – Das New Yorker Publikum ist der Maßstab. Was ist falsch daran. das ist für dort ganz anders aussehen. fasst seine Erfahrungen mit Goethe folgendermaßen zusammen: »Anders als manche andere Kulturinstitute aus Europa suchen die Deutschen die Augenhöhe mit ihren Partnern. oder jemanden. Zwei charismatische Bürgermeister setzten diesen Wandel in Gang – und zwar über eine Mobilisierung der städtischen Kultur. zum Filmegucken und Plattenhöihre Filme drehen wollen. der in manchen Gegenden der Welt beschwerlich ist. fantasielose ließen Deutsch lernen sie tatsächlich aus Freude am Lernen. Die meisten haben studiert und leitet. die die Frage steht aus. Die Kunst darf nicht spalten. kein deutdas Goethe-Institut. kluge Pädagogen und talentierte Manager lich nie endet. Es ist ein Idyll. Im Schilf unter der Long-Bien-Brücke in Hanoi Alltags. Edéa hat gut 120 000 Einwohner. den öffentlichen Raum zu verändern. wo Deutsch mit gestifteten Dies ist eine kleine Reise durch das Netz der deutschen Kultur. die einem entgegenschlägt. schützen. denn inmitten des wahnwitzichtbar geworden. aber eines. verwirklichte Claudia Hahn-Raabe ein großes Literaturprojekt. wo kein breinicht länger interessant. Reste deutscher Kolonialbauten in Kamerun wie das ländliche Leben Kalkuttas Fotos mitte (Ausschnitte. von zähen Bürokratien. Es wird eingewandt. Bei Goethe ist man darüber nicht Goethe-Institute Zum Umfeld der GoetheInstitute gehören (im Uhrzeigersinn) Slums in Bogotà ebenso wie der New Yorker Times Square.Lehrmitteln und einer eigens ausgebildeten Lehrkraft unterrichtet wird. auf europäische Unterstützung einzugehen? Die Afrikaner schätzen das Goethe-Institut. erstKehren wir in den Westen zurück. Bald schon wird es hinter Brasilien das politisch wichtigste und wirtschaftsstärkste Land Südamerikas sein. sich. kannst du um Auch in der Türkei. Dann will das Goethe-Institut selbst Kultur sein. Die Sache versetzt Edéa in Aufregung. wie es die Deutschen machen. Von zehn Euro gehen bei uns acht in die wird erkennbar: Es kommt nicht auf »deutsche« Inhalte an. nur polniBundestags hat das Institut inzwischen einen vergeduldige. die sich. In den Kunstrepublik in New York eine Galerie betreiben Unterstützung für den traditionellen Tanz in szenen vieler Länder ist Goethe Kambodscha. In der Dunkelheit meidet man nach wie vor bestimmte Straßenzüge und benutzt nur bewährte Taxidienste. Das Ganze ist ein Kulturprojekt. nun ja. Doch von oben lassen sich solche Vorhaben in Afrika nicht durchsetzen. sollen die wichtigen Leute Stellung beziehen – unter ihnen der Verwaltungsleiter. leicht größen. sehr südamerikanische Nächte zu feiern. welches der Kultur ermöglicht. auf sein Bildungskeine Bundeseinrichtung so sehr von Einzelpersönlichkeiten geprägt system. ob die Bundesfilmprojekt mit dem Schwerpunkt in Hanoi oder Asien verlagert. weil die meint einer der Männer: »Niemand soll sagen. Willy Brandt sprach Er betritt einen Galerieraum. sondern Arbeit. aber immer wieder aufgebaut wurde. genauer ein Format zu entwickeln. wo man von der uns fast alles!« Das stimmt. Dann Handke stimmt wieder eine Retourkutsche vom Kulturministerium. das man säubern muss. dass es richtig war. Hier erhebt sich das Kollegium. Nationen gesendet wird. dass Südamerika Marianne Rosenbergs oder Michael Holms in Bataillonsstärke hervorgebracht hat.Kulturarbeit machte. einer der bekanntesten Theoretiker des Postkolonialismus. punkt seiner Arbeit in Osteurosam wird er doch. Gemessen am Stadtbild.« Vielleicht beleuchtet ein Beispiel aus Zentralafrika am besten. Und viele drückten danach ist dem Wahren. und der Gouverneur bekommt sogar noch ein paar Zeilen aus dem Erlkönig zusammen. in deren geistigen Biografien das Deutsche Das Leben der Anderen aufgeführt wird. die eine Künstlervereinigung Die Autoren. sondern öffnet ein solches. wo die Party angebwie das Goethe-Institut.hat enorme Kräfte der Idealisierung geweckt. gewiefte Diplomaten. brachte. lange bevor im Unterricht andere. alle 17. »Jedes Jahr. vor allem mobil. Das war ein langer Prozess. und Nie wird dieser Film im vietnamesischen Fernsehen zu sehen sein. zu Werke. dass die Versuche. auch nicht stolz zeigen. ist bei Goethe nicht mehr zu finden. an der sich auch die Ausland zu fördern. aber der Zukunftsoptimismus ist nicht kleiner. nur zwei benötigen wir. Kulturförderung im großen zeigt sich. Es will die Wirkungen und die Potenziale von Kultur in einer Metropole wie Bogotá untersuchen und leistet damit Hilfe zur kritischen Selbstbeobachtung einer Gesellschaft im Übergang. aber sie achten darauf. bringt von sich aus indische und deutsche Künstler minister Westerwelle dort mit den Oberen der Religionsgemeinschaf. Sehr kontrovers. In Johannesburg beispielsweise. Ratlos die Referenten. irgendwo unterhalb der amerika ohne Not dem Einfluss der USA preisgegeben. An einigen Orten. Es mals mit Mitteln der Europäischen Union.und Bildungsland. Die Kälte hindert die Leute keineswegs daran. und Denker der USA und der Bundesrepublik Manchmal ist es auch nötig. RegioMenschen an Deutschland. um unseren Apparat zu erhalten. die Brücke zu bombardieren. es ist nach Downtown gezogen und hat seit 1951 gegründet. ein Bild. Die Erfahrung zeigt.über ihre gelegentlichen Aussprachefehler. um Westdeutschland wieder als Kulkaum waren die Gefühle zu bändigen.in Kontakt. oft allein. und die Antwort auf derschönen weißen Goethe-Villa in Hanoi gibt es ein »Doc-Lab«. Die den Sonnenschein. Ihr gefällt auch nicht. Sein Kumpel mit den schwarzen Füßen ant. auf dem Subkontinent. der gerade aus dem People. Wollte man eine Liste erstellen all der Intellektuellen aus ten im Land. dass so etwas kein Interesse weckt. Es zeigt sich.« Nicht alles gelingt den Goethe-Leuten. die Qualität der Lernenden sei insgesamt gestiegen. Es herrschen mit der Bewegung von Körpern möglich ist. aber was heißt es. sich darüber zu besechs deinen Hintern im Internet bewundern. Der patriarchale Rest. Dafür realisiert es. das Projekt sei zu verkopft. aber schweigeinem Zentralinstitut in Jakarta zugeordnet. Dokumentation irgendwann einmal im Saal des Goethe-Instituts und sei es nur für die Zeit seiner Ausbildung.Stück Land ist. Alles welches auch das Budget der Region verwaltet. ermuntern. um ihre Liebweiht. In den Gastländern versucht Goethe. muss sich das Goethe-Institut wieder und wieder in die aktuellen Debatten einfädeln: Wie weit ist es für eine lange unterdrückte und erst zaghaft sich entwickelnde schwarze Kultur fruchtbar. hatte das Goethe-Institut lange Zeit die Auf2008 mit einer Galerie in der Ludlow Street 38 Deutschland und China aus der Taufe. neuen Bibliotheken. so würde diese Liste sehr lang ausfallen. den zehnte. hinsichtlich der Kunst und mehr Bildungsprojekte. Er zeigt ein Stück Viet. Traditionalisten streiten mit Modernisten. in die Bundesrepublik später die Boat Deutschlerner allerdings zurück. die Attraktivität seiner Stadt werde sich erhöhen.). der wieder ausgeladen die überall auf der Welt die Augen dafür öffneten. nalleiter Franz Xaver Augustin resümiert: »Man kowski. dass das Deutsche überhaupt nicht wärtigen Amtes weitgehend unabhängig den schönen Künsten und schwierig sei. Abends ging man entweder in das Kulturinstitut der WestDas Doc-Lab ist für jene. Nachdem die künstlerischen Vorhaben vorgestellt wurden. In den vergangenen Jahren Ludlow 38? Schnell von dannen. das Jubiläum wird groß gefeiert. Stolz führt der Gouverneur vor. statt zu begeistern. Seitdem hat das klären: Ein deutscher Kurator bespielt die politischen Stimmungslage entsprechend. auch Häuser für die Künstler stehen bereit. kaufen ließ. mehr Goethe-Institut viele DialogkaGalerie für ein Jahr. ohne dass ein Zensor die Stirn runzelt. angeregt vom Goethe-Institut aus Yaoundé. Joachim Ölsner/Goethe-Institut Kamerun. hoffend. nur um die Luft noch feuchter zu machen. und man lernt. seine Künste – oder auch nur auf Berlin. Doch überall auf auf den Ort und sein Publikum einzulassen. Lange schon ist das Goethe-Institut kein Reisebüro für deutsche Künstler mehr.oder MissioAndere Goethe-Chefs gehen neue Wege. Wenn die Sonne sinkt. die eingespielten waren in 1014 5th Avenue zu Gast. bestehen darauf. begleitet von einer Kunstinitiative aus Douala. was sie an einer singen sie a cappella Durch den Monsun von Tokio Hotel und kichern neugierig machenden Außendarstellung der Bundesrepublik als Kul. wenn Indien oder anderswo. ein Ausstellungsraum für dung mit der Maus und neuneinhalb. um neue. Erst seit wenigen Jahren sind die Einwohner wieder stolz auf ihre Stadt. junge Menschen frühzeitig an Deutschland zu binden. Goethe stellt nichts manchmal die Rede. im.und Kulturangebot das aufmerken ließ. wo der Auftrag zur Kooperation mit ausländass Edéa bereits die Standorte für die Kunst ausgewählt hat. die technikbegeistert und aufstiegsorientiert ist. Von Gedas? Man weiß. Die Verdacht nicht loswird. Das Goethe-Institut fängt diese Neugier auf. die deutsche Sprache im eine neue Vorzeigeadresse. Lohnt sich Tag des Besuches von leiterin Devi Kar das Lehrerzimmer betritt. selbst Kunst ten ist klar: Es wird das Projekt geben. in bester Qualität. das ausländische Publikum unmittelbar zu beteiligen. aber fünf sender gut ausgebildeter junger ist. Wahrscheinlich wird der Welt gibt es diese Neugier auf Deutschland. des Wohlstands. die Kunst werde verstören. spielerische Methoden angewandt werden. Goethe will nichts vorführen. zum Beispiel diejenige von Józef Robabis sechs Millionen Zuschauer sehen zu. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON FEUILLETON Seit 60 Jahren gibt es Goethe-Institute im Ausland. menarbeit. die sich geunternehmen.« sagt Frau Kar.« Nivedita.wie ein Schneekönig auf Studium oder Job in Düsseldorf oder nam. meint: »Die Einwohner müssen das Projekt als ihres annehmen. irgendwann Früchte tragen. an einige Orte.« Heute ist Pooja Sood selbstverständdank eines klug und zäh ausgehandelten Kulturabkommens zwischen liche Kooperationspartnerin des Goethe-Instituts. einer Schicht. Arindam Mukherjee/Sipa Press. Irene Bark. Ebenso in Kolumbien. aber dann ermüdete Goethe in New York Ländern und ihren Erwartungen entsprechende irgendwann und war für ein junges Publikum Projekte zu entwickeln. ein riesiges Wasserkraftwerk und eine alte Eisenbahnbrücke aus den Zeiten der deutschen Kolonisierung. erst zögerlich gentrifiziert. auch dischen Partnern eher Zurückhaltung geböte. was die große chinesische Städte. große JahrGoethe-Muster zu vergessen. hob Michael Kahn-Ackermann in den vergangenen Jahren dig. der Ordnung. dessen Gegenstand genau das ist. »Aber Goethe war cooler«. die in Indien neu waren und die Hunderte. Die Stimmung ist dann mal so. wo Deutschland mit starken Erwartungen Eine Bundestagsabgeordnete jubelte einmal: »In Indien gelingt oder Erinnerungen konfrontiert ist. Erst 1968 Mit kleinem Tross stoppt also Lammert. nicht jedes Konzert ist ein Leuchtturm. Er spielt an einer Badestelle Berlin. Eine gute Stunde lang quält sich der Wagen durch Was tun die Leute vom Goethe-Institut eigentlich den Verkehr von Kalkutta. Die Republik hat sich entspannt. und die Event-vertematischen kulturellen ZusamFassaden anlangt. sagt Der Karriere ist das nicht förderlich. Es wird ein Hearing in der Halle des Rathauses veranstaltet. oder dorthin. Juni 2011. Kein Land bleibt wahnsinnige Intendanten. was Goethe im Grunde immer tut: eine Idee. Es heißt. freut sich Kerle treten in einem Dokumentarfilm auf. Wer in NowosiEr entspricht so gar nicht dem offiziellen Selbstbild des Landes. das abgehängt. die Stellung des Deutland heute als die beliebteste Nation weltweit gilt. Mithilfe von Festivals. kafrühen Fünfzigern eine Villa an der 5th Avenue men über ihre persönlichen Erlebnisse ins Reden. in einer anderen Welt. der in den meisten Formen von Entwicklungszusammenarbeit in Afrika steckt. im Ausland fragt niemand mehr nach Realismus. drohen die Nigerianer. Die wichtigen Künstler erwies sich als ein beträchtlicher Katalysator. liebten Chinesen hatten eine Menge Spaß daran. zum Beispiel das Dokumentarhat sich der nach Afrika und Die Frage stellt sich natürlich. Manche Institutsleiter vertrauen vielleicht zu sehr hier nackt sind und schwimmen? Es ist unsere Kultur. Nicht dass Lammert sich so etwas wie EnttäuInstitute zwischen Hanoi und Melbourne sind Nach 1989 lag der Schwerschung anmerken lassen würde. Das Goethe-Institut ist tatsächlich ein zensurfreier Raum.vieles an. Und es darunter. kuratieren. Streitereien sind überholt.Russland genauso wie in der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun.Bidisha. Für viele war die ästhetische Moderne mit Kunst aus 39 Grad.« Das Wichtigste für die Vertreter der Stadt ist Konsens. für die deutsche dem fernen Westen gehört. deutsche Wirtschaft beteiligte. Auf der anderen Seite der Welt gießt es in Strömen. Die Globalisierung vorgeführt werden. Herzblut-Künstler.Programmarbeit. Immer wenn Kamerun und Nigeria sich über Ölvorkommen streiten. der eine ganze Generation erweckt Goethe-Institut gezeigt werden. sie seien vor allem in die eigene Tätigkeit Bananenblätter glitzern. an den Goethe-Instituten kann man Guido Westerwelle walt auf dem Schulhof oder Drogen hat man nur aus Deutsch lernen. Nicht jede AusDafür braucht es Fingerspitzengefühl und die Bereitschaft. so hell. die Straße ist Schlamm. das Oberhaupt der traditionellen Stammesgemeinschaft. dort glänzen. Eitan Abramovich/AFP/Getty Images. Ein Film über die schäbige einmal Epoche gemacht hat. die sonst in Manhattan nicht zu sehen 135 000 Euro hat das Ganze gekostet.« Dann werden. Kolumbien erlebt einen Aufstieg. in Schilf tritt. erscheint die Modern High School wie ein Ort aus da draußen in der Welt. wie New York oder Kalkutta? Was gilt dort überhaupt als deutsch? »nimmt die private Schule ein festes Kontingent von Kindern aus arUnd wie bemisst man die Leistung einer Einrichtung. Dabei ist die Normal High Kultur zu stehen – in so unterschiedlichen Städten School kein Eliteinstitut. Die Brücke über den Sanaga hat für Kamerun strategische Bedeutung. In den kommenden Jahren legt es ein großes Stadtentwicklungsprojekt auf. die das Land mit eigenen Blick sehen und deutschen oder in das der Sowjets. sind nicht mehr ganz jung. es ist ein großer Spaß für sie – auch weil der schönen deutschen Sprache widmen darf: Soft Power. Zum Ausklang gibt es Fleisch. aber insgesamt ist die Stadt von Neuem zu einem öffentlichen Raum geworden. ruft der eine. ren oder um sich Bücher auszuleihen. Etwa in der Region Südostasien: Die als Kultur. auf halbem Weg zwischen der Hauptstadt Yaoundé und der Wirtschaftsmetropole Douala liegt Edéa.): blickwinckel. Genau dort soll bald zeitgenössische afrikanische Kunst stehen. Trotzdem bewerben sich Sood. in Tokyo oder Kalkutta. In Neu-Delhi erzählt Pooja Sood. sogar durch pantomimische Zivilisierung des Straßenverkehrs haben sich die Leute wieder mit ihrem Gemeinwesen identifiziert. ist erstaunlich. demokratisch ging es zu. dieser jungen Leute erfüllen kann. Und es zeigte das kleine Wunder von New York bestaunen. das in sieben Sprachen und in sieben das Projekt richtig. so freundlich und geordLondon und Shanghai? Fast 3000 Leute arbeiten im Das Goethe-Institut in deutschen Kulturaustausch.r. vor allem: Heldinnen und Helden des einfach stumm. sich stellung. denn dort entstand er. Nicht überall gibt es für reisende Politiker etwas zum Staunen. Filme zu machen.52 14. oder Thomas Bernhard. Der Schwerpunkt des Projekts lag in Bundestagspräsident Norbert Lammert möchte den Kurdenstädten der Osttürkei. Vorbilder sind die SenSprach. Auch so kann man eine Tradition mindestens zu 30 Prozent refinanziert. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 53 Zarte Diplomaten ch bin ganz nackt!«. Deepal. Endzeit einer kommunistischen Diktatur kann in Vietnam nur im Immer wieder wird Brecht genannt. Oder ein formidables Kindermuss. Die Sympathie. Eine Ausbildung wird nicht angeboten. Die bogotanos konnten ihre Stadt – weitgehend – dem Verbrechen entreißen und nutzen sie wieder als die ihre. Seit ein paar Jahren betreut auch nicht nur an BMW oder Bastian Schweinsteiger.birsk oder Jakarta sitzt und eine Zukunft hat. die Frangipani-Bäume duften. keine ethnische Gruppe darf ausgeschlossen bleiben. Das Haus Deutschland identisch. dass dies ein dreckiges Menschen dort andere Sorgen haben oder die Obrigkeit keine geis. dass viele von ihnen in Deutschland studiert haben. der mittlerweile ins Stocken zu geraten droht. wenn die Schulhelfen. Im Souterrain der wun. von woher einst zahllose Gastarbeiter Studium in Deutschland interessiert. wie sie ihre Jugend in den Siebzigern mit und bei Goethe verarbeiten in irgendeinem Job. lässlichen Verbündeten. es etwa 1500 »Partnerschulen« weltweit. der Schuldirektor. die Goethe-Leiterin. die freimütig über ihre Hoffnungen und Sorgen kern dafür gezaust. der Sicherheitschef. politischen Bremsen ins Schaufenster. auch der lokale Chief. Folglich haben die art people Ludlow 38 weiß eigentlich kaum. 1. ein Ort der Zuversicht. im Uhrzeiger von o. Zwischendurch es beinahe verkommen. befruchtet dessen Vietnam und Deutschland. Schiller-Institut). dass Deutsch. eine kulturelle Roadshow. Sie tanzen Vallenato oder die Cumbia. net. Konzerten. Sie zog durch begann es vor Ort mit einer sysbestaunt die Lower East Side. bildungswillige junge Leute sind sehr am Beispielsweise nach Vietnam. Ar. der schaft meint. kleinteilige Routine spieße. ob die Bundesrepublik die Hoffnungen all Möglichkeit. Inzwischen weiß die Politik. Aber was tun sie? Eine Reise an die Grenzen des Deutschen VON THOMAS E.zeigt sich. Hier hakt das Goethe-Institut in Bogotá ein. Devyani und jünger ist als die Bundesrepublik und sich unter dem Dach des Aus. so breit wie ein Finanziell fielen die letzten Jahre gut aus für damals von der »dritten Säule Handtuch: kein deutsches Ölbild. dass es nirgendwo echte Fremdheit gibt. was werden muss. Achille Mbembe. eingelegte Fischköpfe und Rotwein. Solche Neubauten weichen wie ihr kleines Schilfparadies am Ufer. keine Bevölkerungs-. was seither sches Opulenzfoto an der Wand. Guten und Kühlen gesogar die Bänke des Goethe-Instituts. das von Anderslingsliteratur im Original lesen zu können. wo die Leute Grund hätten. auch die Russen nicht zeigten. Mit der Sprache fängt turnation hat. organisieren. Auch von Stillstand ist auf den Nachweis. die von amerikanischen Bomben zerHistorische Ressentiments scheint es nicht mehr zu geben. Die zwei fidelen alten mindest nicht unter den Jüngeren. Literatur turnation vorzustellen. Und der Wesauf die Künste als Mittel zur Veränderung der Welt. Nach langen Debat. aber im Grunde doch die gleichen sind: Goethe eine gewaltige Summe. dass sie sozialkritische Kunst ins Ausland truplaudern. Hanoi am 4. Bernhard Ludewig/Goethe-Institut Moskau I besorgt. wie sie von Deutschland auf Distanz zu Europa gehalten »Und um sieben sind wir in den Nachrichten. dass die Anforderungen an eine zeitgemäße Kulturarbeit Stil ist auch für die EU etwas Neues. Long-Bien-Brücke in Hanoi. institute. der hält Ausschau beitslosigkeit und Not darf es nicht geben.75 Millionen Euro. Das ist die berühmte Von dort aus werden Kultur. zustört. wo man heute nach seinen europäitauchen sie beide entschlossen in die Fluten des Roten schen Wurzeln sucht und uns vorwirft. Vor einigen Wochen traf sich Außen. Der Erfolg solcher Programme hängt vom Geschick ab. Alle der Begriff erfunden wurde? Fantasievolle Außenminister konnten sprechen sie außer Englisch noch mindestens zwei indische Sprachen. wortet: »Wenn wir jetzt gefilmt werden. bote konzipiert. In wenigen Jahren werden sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt sehnsüchtig erwartet. schieben sich blauschwarze Wolken über die Anden und setzen Bogotá unter Wasser. dass auch die DDR Tee. Und eine Besonderheit der Arbeit des Goethe-Instituts beiten besonders effizient. eigentlich gabe.« Der Erste: schweren. herrscht eine kommode. »dort gab es Dinge zu sehen. Es liegt bestimmt nicht nur an Goethe. Wahrscheinlich wird die nach einem Land des Friedens. wo die Wunden der Apartheid immer noch offenliegen und wo man sehr sensibel auf die Besserwissereien des weißen Mannes reagiert. mit der Arbeit des Goethe-Instituts etwas anfangen. Deutsch erfreut sich höchster Beliebtheit Bundesrepublik tatsächlich nicht mehr kennt als Fußball und Bier. Wer Deutsch büffelt. Im Gegenteil. Draußen ist Zensorland. Durch sein zigen Kulturangebots der Stadt entstand etwas. oder mangelnder Organisationsfähigkeit der Partner. An den meisten näle eröffnet und das Bild der gibt es keine Verpflichtung auf die Heimat. Pauli am Anfang der Achtziger. regen an. sehr vor. dass wir tige Freiheit will. In China. was Mbembe meint.das gehört zum Bild. kleine Fotos: Hoang Duc Thinh/Goethe-Institut Hanoi (l. die nur wenig men oder kastenlosen Familien auf. wir hätten nach 1989 SüdFlusses wie zwei kleine Wale. Der Gouverneur ist für die Kunst. Das gefiel der Partei nicht. SCHMIDT Welt ist selbstbewusst geworden und an Zusammenarbeit interessiert. machen. In Kamerun. um auch die schroffen Seiten der BRD zu zeigen. seit Theodor Heuss in den jahrzehntelang Schweigen auferlegt hatten. dass das Goethe-Institut schnell adoptiert. sodass man den ten hat doch die gleiche Kultur?« . wie es sonst nicht zu sehen ist. Manchmal kommt der Zensor zum hat (wobei man an dieser Stelle einfügen muss. Weltweit geht die Anzahl der in die DDR gekommen waren. Und wir in Südostasien arfortführen. dass sie nicht zum Mittel eines deutschen Zweckes werden. Es könnte also sein. dass Goethe auf Augenhöhe seines jeweiligen Standortes Kultur organisiert. Schönen. gelegentlich hartnäsche Anarchokunst aus den frühen Achtzigern. Irgendwann gibt es be. mal so. aber es liegt eben schen als zweite Fremdsprache zu stärken. In Istanbul nierungsversuche der angereisten Kulturleute verbeten. Und tatsächlich ist das Deutsche in vielen Ländern zur Zweitsprache der aufstrebenden Mittelklassen geworden. die dort ihr Material bearbeiten oder miteinander diskutieren. Jetzt ist es wieder lebentes Netz von Instituten existiert. und dieses Jahr ist die Galerie sich aus den Einnahmen des Sprachbetriebes zu einem der besten nicht kommerziellen Kunstorte der Stadt gewählt worden.verliebt. die ersten Choreografien von Pina Bausch. die Lokale sehen aus wie die Punk-Kneipen in Hamburg St. denkenden in Hanoi sehr bewusst und sehr intensiv genutzt wird. Nur weckt es das Interesse ZehntauKunst.und Sprachangekau). Der Schnaps inspiriert zum gemeinsamen Spontan-Karaoke. der existenzbedrohende ckig eingeforderte DialogbereitNorbert Lammert lässt sich das Konzept erSparzwänge abwehrt. Edéa hätte sich Überredungs. Bald wird ihr Viertel unterhalb der Brücke ebenso den gen. Im Kulturausschuss des der Außenpolitik«.

Die Zellenverwaltung und die Rotfelle traten hervor. das ist bitter!« Und dann stimmte er ein Lied an. von dem du gesprochen hast. Er zeigte sich erkenntlich. dass die Schatten hier verwirrt waren. Aber erst als er eine frische Hose angezogen hatte. brüllte der Kerl rechts von mir und rüttelte an meinen Fesseln – die Stahlzähne bohrten sich knirschend ins Fleisch. was zu seiner Verhaftung im Februar 1990 führte. packte er sich den Verletzten auf den Rücken und lief zum Krankenhaus. fügte ich selbstkritisch hinzu. Juli 2011) Foto: Axel Schmidt/dapd/ddp images . also habe ich mich wohl oder übel möglichst eng in mein einziges Bettlaken gewickelt. die Grillen zirpten. ein Schlachter. um mit aggressiven Verhören fertigzuwerden. »noch ein paar Tage und ich muss da wieder hin. Einmal hat er dann nicht aufgepasst. »Ein sehr liebes Mädchen«. sehr erotisch. stellte er fest. ich hatte meine Wache noch nicht lange angetreten. Die Freundschaft zwischen mir und meinen beiden zum Tode verurteilten Bettnachbarn ist in diesen Nächten entstanden. wobei er so fürchterlich mit den Zähnen knirschte. komm. nun steht er vor einem Neuanfang von hinten kam eine Hand wie eine Schlingpflanze und drückte mir den Hals zu. es sah aus. fiel es wieder zu Boden. dass ich mit ihm seine Decke teilte.. Es war heiß. Lan war aufgebracht. Frankfurt am Main 2011. hob der Tote Liu die Schale mit beiden Händen hoch (. also lag er in nassem Hemd und nasser Hose auf dem nassen Boden und las.. rief den alten Liu heraus und brannte ihm den Elektroknüppel über. sagte der Tote Lan böse. Salbe auftragen.« »Mein früheres Leben. Er hatte eigentlich vorgehabt. die alle so gut kannten.) begegneten. sage er. oder besser gesagt. war es früh am Morgen. An diesem Abend habe ich ausgesprochen gut geschlafen. das Traumdorf gibt es. Der kleine Liu zog sich weiter zurück. In vier Jahren Gefängnis erlitt er Zusammenbrüche. was er gesagt hatte. und die Männer drängten sich mit ihrem Paket auf den Hintersitz eines mittleren Jeeps.) . Und der alte Lan. dass er übelste Geschwülste am ganzen Körper bekam. mit mehr als 1000 Dioptrien kurzsichtig. Ich widersprach nicht. In einem Kreis drum herum standen die Leute und gafften. ist er ein großer Haufen Scheiße. ich war gezwungen. und ging draußen zum Teich. der ihn umgab. Juli hat er China verlassen und lebt jetzt bis auf Weiteres in Deutschland In jener Nacht kam Wind auf. dass die Gefangenen im Wechsel nach vorne kamen und seinen großen. stellte er einen Fuß auf den Kang.« »Weiß der Himmel«. Wie die Gefangenen aus seiner Zelle später erzählten. ihre Klageschriften und ihre Testamente. Nach 15 vereitelten Ausreiseversuchen konnte Liao im letzten Jahr erstmalig ins Ausland fahren. denn sein Mund hat dieses halbe Mantou bis in den Tod nicht mehr losgelassen. Sein Buch erzählt von den Jahren im Gefängnis. Shizhong heißt ›generationentreu‹. ich nahm ihm die halbe Schale mit klebriger Flüssigkeit ab.« »Hast du sie noch alle?« Wie auf Verabredung kamen die anderen Gefangenen hoch und beschwerten sich. hatte erst einen Mundvoll von dem Reisbrei herunter und schob gerade ein Mantou nach. »Das ist Widerstand gegen die Staatsgewalt!«. und er sah mit starren Augen zu. dass seine Gewohnheit war. Juli in Berlin ein. da sagte dieser dreiste Kerl mit lachendem Gesicht: »Konterrevolution. »Ist schon an einen Fremden vergeben«. allein deine Drei Reiche habe ich dreimal verschlungen. versuchte. Als der Gefängnisarzt die Blutung gestillt hatte. wie ein Aal im Schlamm. Auf einmal warf er das Buch zur Seite. Der Tote Liu.« »Von wegen Traumreisen.) als ich klein war. dann knallte die Tür zu. Als die Verwaltung weg war. in der Hoffnung auf Kühlung. als mir die Augen aus dem Kopf zu studieren und aus einem Tag zwei Tage Leben zu machen. ich habe vor. wie es Liao Yiwu traf am 6. herein: »Lan. schade. schwoll seine Brust plötzlich an. was dazu führte. gab ich an. Konterrevolution. er sah aus wie ein ungehorsamer kleiner Junge. aber Unter Toten Der chinesische Dichter LIAO YIWU wurde verfolgt und inhaftiert. wieso hast du eigentlich drei Titten bekommen?« Der Tote Lan musste jeden Tag die Salbe erneuern. fette Kind auf die aus vier Armen gebildete menschliche Sänfte. Aber nach noch nicht einmal der Hälfte der Strecke sank ihm dessen Kopf schlaff auf die Schulter. schwebte hoch in der Luft und lud das feige. S. Der alte Lan richtete sich auf. der noch nicht nach Hause will. als werde ein dünner Schlamm weggetragen. Ein Vorabdruck deine Generation so treu und ergeben ist. und die purpurfarbene Zunge hing ihm auf den Hals. und seufzte: »Jetzt habe ich sämtliche Bücher hier drin gelesen. Ich kämpfte etwa fünf Minuten um mein Leben. dass mich eine Stimme rief. Ich reichte ihm Toilettenpapier. wie sich das Ding des Toten Lan ungeschickt bewegte. und nun so ein Ende. das war so ein Traumdorf«. das Denken war mir zuwider. Ein paarmal durchbrach er den Ring aus Menschen. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen. obwohl mir ein Kerl seine stinkenden Füße ins Gesicht drückte. wischte sich reihum den Körper ab. Ich hob ein Hemd auf und legte es ihm um die Schultern. der mäandernde Umgehungsring unter den ineinander verzahnten Fängen der Hochhäuser weich wie die Lippen eines Mundes. sein Anwalt hatte vergeblich Berufung eingelegt. ich war tot. lachte der Tote Liu. Ich hatte keine Decke.. ich steckte die Hand durch das Gitter. Ich weiß nicht. Musiker und Dichter Liao Yiwu wurde 1958 in der Provinz Sichuan geboren und wuchs während der Hungersnot zur Zeit des »Großen Sprungs« auf. Es war wie im Traum. Es gab Expeditionen. wehrte er mit rotem Kopf ab. schien es. Ich schlief und war nicht wach zu bringen. Der Fettsack auf dem Fahrersitz griff sich ein Handy und schnarrte hochnäsig hinein: »Zentrale. und die Kerle wurden in die Zelle getrieben. die Umerziehung durch Arbeit hatten. in hoher Tonlage. der in diesem Augenblick wieder ein Kind wurde. Der Tote Lan entschuldigte sich: »Nur noch ein paar Tage. brav. Er sang gerne Schlager. Sein Partner stand auf und zog sich schweigend zur Seite zurück. Die Meute wusch ihre Schalen. die Adern traten blau hervor. und es war keine Seltenheit. seine Brust schrumpfte schlimm zusammen.. während er in Windeseile seinen runden Brustverband aufriss und Milch in das Schälchen drückte. (. (. stand alles um den alten Lan herum und veralberte ihn: »Brav.. habe ich den Liu. sprang vom Kang. »Liao Yiwu!« Der Ruf wurde deutlicher. ihn mahnten. wo er oft saß. dass das hartnäckige Eisen nach und nach wärmer wurde. Erst als er blinzelnd seine Brille vom Boden aufhob und aufsetzte. Die anderen Gefangenen hielten vorsichtig ihre Schalen in Händen und nahmen die Haltung von Unbeteiligten ein. Der Polizeibeamte tat einen Schritt in den Raum hinein. gehen auf den Markt. mit dem Gesicht am Buch zu kleben. ein paar Salven abschoss und in seiner Unterhose einen großen feuchten Fleck hinterließ. als bringe er es nicht über sich. ein anderer lutschte wild an seinem lädierten Ringfinger. rief er schließlich mit seiner extrem weibisch-traurigen Stimme. auf den Weg machte. sie gaben ganz gegen ihre Art keinen Laut von sich. als die Zellentür leise aufging. man müsse die Schwellungen abstützen. Er hatte die Angewohnheit. aber weil er an irgendeinem Tag mit jemandem gestritten hatte. Ich war der Einzige in der Zelle. Mein bester Trick war bei der Wache. schob schamvoll das Teil zu Seite. »Wenn der Mensch tot ist. die am helllichten Tag in das Dorf eindrangen.. der Tote Lan. Meine Augen waren schon aus Gewohnheit halb geschlossen (. ich hatte das Gefühl. die Lampen leuchten.). der Zellenchef. in meinen ganzen Körper hätten sich wilde Tiere verkrallt. aber in seinen Augen war ein ungewöhnliches Strahlen. Unter den Schatten würde er keinen Hunger mehr leiden. Er breitete freundlich die Arme aus und sagte: »Liu. dann tappen sie verzweifelt zu Hause herum und warten auf den Mann. Juni 1989 schrieb Liao die Litanei »Massaker«. dass der andere zuckend in einer Blutlache lag. um die Belustigten zu verprügeln. kommen Sie einmal heraus!« Die Atmosphäre war mit einem Mal eisig. schlug mir zweimal die Handschellen dagegen. »ich kann mich um meine schwangere Frau draußen nicht kümmern. Ein Polizist wischte sich vor der Scheibe das Blut von der Nase.. knallte seine Fesseln gegen die Wand. und nie war etwas vorgekommen. hatte der ihm paar Ohrfeigen verpasst. Wen Zhi schlug ihn auf der Stelle nieder. Die Schatten wurden wirklich. schwoll seine Brust gefährlich an. eingepackt in militärische Regenoutfits. Zwei Rotfelle. dass einem die Haare zu Berge standen. Ich war ganz von der Rolle und setzte einen linken Haken an. Er Die Verhaftung Liao Yiwu!« Geistesabwesend hörte ich.. schob nicht nur für mich Wache. er solle sich vorsichtig aus Gaze einen Büstenhalter schneiden. Zwei große Kerle hielten mich in der Mitte. die ich mir hätte überziehen können. Der gute Liu schaute dumm. und jeder geht nach Hause. Guang und Zhang in dem Buch sehr gemocht.95 € (Erscheint am 21. 592 Seiten. Der gute Liu hatte ein Leben lang alle Widrigkeiten über sich ergehen lassen. mit untergeschlagenen Beinen auf einer Ecke des Kang und wartete. Im diffusen Licht streckte der Tote Lan einen Finger aus und stupste mich wach und malte von oben ein Essschälchen. die Verwaltung schaffte den Gefängnisarzt heran. die Hände auf dem Rücken. sich für den Weg von drinnen nach draußen zu waschen und sich sauber in ein Gespenst zu verwandeln. wie ein naives megalozephales Baby. Eine Kolonne von Polizeiautos raste mit Blaulicht und Tatütata davon. es schien fast. von anderen zum Ausruhen ermahnt zu werden: »Die erste Hälfte meines Lebens habe ich mit Schweinen zu tun gehabt. beeilte sich. schüttelte ratlos den Kopf und schnippte hinter seinem Rücken mit dem Finger. Draußen mischen sich Regen und Wind. 24. eine Lesereise durch Amerika wurde ihm untersagt. Schweiß oder Blut. die dabeigestanden hatten. Nun ist er in Freiheit. war außer sich. was es war.« »In einem Staat in Südamerika gibt es ein Traumdorf«. Die beiden lebenden Toten trugen immer Wortgefechte aus. der Räuber. die Hände wurden mir auf den Rücken gefesselt. Jetzt erscheint sein Buch »Für ein Lied und hundert Lieder«. griff nach dem Obstmesser und fuchtelte damit in der Gegend herum. wenn er auch nur ein wenig trödelte. Am Schluss drehte er durch. ignorierte. sie fanden heraus. stießen sie fast zusammen.. stand auf. auf den Gesichtern der anderen Kerle stand ein schiefes Grinsen. das Traumdorf. ich hatte das Gefühl. die einzige Macke.« Aus: Zelle 10 Ich hatte immer noch Wache bei den Todeskandidaten. stürzte wie ein tollwütiger Hund nackt und mit eingezogenem Kopf heraus. ach. der Wachhabende kam gerannt.« »Du bist nicht auf den Kopf gefallen«. damit er sich sorgfältig abwischen konnte.. er saß. Der Körper des kleinen Liu lag auf dieser Sänfte hingebreitet. er hatte mehr als zehn Jahre Schweinefleisch verkauft.). Am 6. dann fangen sie an zu gähnen. ein paar Zeilen von sich geben. aber er erntete immer sofort das Gelächter der Meute. erst als die Leute. ein Polizeibeamter kam herein. zwei für die Brust und einen für seinen lädierten Kopf. am Arsch«. bis der Tag anbricht. dass ich mit einem Bein an die Wand gestützt – schlief. ein Lied aus der Sichuan-Oper. treiben Handel. eine Zelle voller Räuber. der öde Regenvorhang. ich eilte. durch zusammengekniffene Augen schaute ich mich um. über die Mauer kommen die Geister der Gehängten. Der Tote Liu war von ausgeglichenem Gemüt.) Als er mit dem Essen begann.54 14. die Augen in sich versunken. wenn ich schlief. den Kopf nach oben. Er steckte noch in seinem engen Unterzeug. Der gute Liu verbarg sich schüchtern. wird zum Kiefernberg gebracht. Den Tonfall kannten wir nur zu gut. durchbrach die Menschenmauer. erschnüffelte er die Schriftzeichen regelrecht mit den Augen. ist vom Kang gefallen und hat sich seitlich an der Stirn ein Loch geschlagen. die hochstanden wie Brustwarzen. hieß mit Vornamen Shizhong. der 30 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Sie bestellen die Felder. sagte ich nachlässig. zog er sich auf seine Ecke des Kang zurück. in der Zelle fiel auf einmal die Temperatur. unterbewusst war es mir sogar zuwider. und alles ordentlich zubinden. »da sind die Menschen nachts aktiv. an meine Familie zu denken. Ein paar Tage bevor sich mein anderer Nachbar.« Der Tote Liu wurde in die Zelle 5 verlegt und machte sich dann auf den Weg. in der sich seine Seele auflösen und davonflattern würde. in der Kindheit hatten unsere Mütter uns mit diesem Tonfall nach Hause gerufen. Zögernd blieb ich stehen. Als er in die Zelle kam. wurde gefoltert.« Liao Yiwu Der Reporter. ich war längst an der äußersten Grenze meiner körperlichen Leistungsfähigkeit angelangt. aber jedes Mal versperrte ihm Wen Zhi den Weg. schaute zum Himmel und sagte mit einem langen Seufzer: »Liu Shizhong. doch als er sich umdrehte. Er quälte sich eine geschlagene halbe Stunde herum. Wenn man mich unvoreingenommen ansah.« Am nächsten Tag nach Mittag war es unerträglich heiß. der gute Liu war wie immer. Er wurde ein bekannter Dichter. er konnte am Fuß der Wand. Als ich mit der Wache an der Reihe war. Instinktiv wich ich zurück. einer in Zivil griff sich mein rechtes Handgelenk. und er zog die stille und verlassene Gefängniszelle in einen Wirbel. der sich nie über ihn lustig gemacht hat. aber ich sah in einem Ärmel Handschellen baumeln. wie ein Mini-Mörser. folgten ihm in ihren blauen Kitteln und blauen Hosen auf dem Fuß. Irgendetwas lief ihm über das Gesicht. aber er kam leider zu spät. Doch kaum hatte der seine Strafe kassiert und war zurück in der Zelle. Er rappelte sich auf und setzte sich schnaufend wie ein Ochse vor das Gitter. runden Bauch streichelten.Als Gegenleistung schrieb ich ihnen ihre Briefe nach Hause. jetzt bleibt mir nichts übrig. seine bebenden Brüste waren kurz davor aufzubrechen. Diesmal war die ganze Zelle außer Rand und Band vor Vergnügen. dass er anfing zu lachen. baute sich vor dem Eisengitter auf und war für eine Weile tief in Gedanken. Liu bestand darauf. las der Tote Liu immer noch Die Drei Reiche. die er hatte: Er schlief sehr wenig und verbat es sich. Nach der Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. »wenn der Bauch der Frauen einmal dick ist. jäh den Kopf heben. Die Zellentür ging unbemerkt auf. Fischer Verlag. die armen Gefangenen beim Essen zu stören. Drei Schatten. Sonnenlicht bestrich die Zelle mit Salven. knospenden Mädchen. über dem Scheitel des Toten Lan öffnete sich eine aus zahllosen goldenen Kreuzen gebildete Passage. Autos und Passanten wichen zur Seite.« Der gute Liu sah ihn von der Seite an. Meldung zu machen. Instinktiv zog er die Beine zurück und stieß dabei die Reisschale um. sie war von einem blassen Gelb und roch nach vergammeltem Fisch. Triefend und dumpf vor sich hin starrend stand er unter den bunten Sprenkeln der Sonne. Auszug aus: Liao Yiwu: Für ein Lied und hundert Lieder. Mit einem frischen Windhauch wehte der Ruf dieser weichen weibischen Stimme. Aus dem Chinesischen von Hans Peter Hoffmann. Auf diese Weise haben wir einander lange gegenseitig die Beine umklammert. er sprach nicht lange mit mir und zog einfach mein Bein unter seine Decke. aber er machte sie nicht zu. und ich habe selbst auch geschlafen wie ein totes Schwein. Tränen. er rannte im Kreis herum. sie dampften vor Wut. Zentrale! Nummer eins zappelt im Netz. machte sich ohne einen Faden am Leib auf den Weg. nacheinander suchten sich alle ein Decke. Wen Zhi. er war ein begeisterter Leser und schmökerte Tag und Nacht. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON (. In diesem Augenblick war mein Herz ein Knäuel aus Sorgen. die Menschen hielten sich sehr aufrecht nach vorne. »Zu schmutzig«. Damals konnte es vorkommen. schüttelte es und wanderte ins Reich der Träume. meinen Gemütszustand zu kontrollieren. wurde ich Zeuge. Und selbst die Hunde konnten dem Teufel begegnen. wie das Wasser im Teich immer weniger wurde. warf sich in den Teich und schöpfte scheppernd mit einem Napf Wasser. die beiden fanden keinen Schlaf und haben oft an meiner Stelle Wache geschoben. »Liu Shizong!«. Und Liu. Manchmal war er von den Geschichten in den Büchern so mitgerissen. Die Brustwarzen sahen aus wie Kirschen. um ihm zu helfen. aber auch er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. und wenn sie sich zufällig (. bevor sie einander auswichen. lobte ich. er biss sich auf die Lippen. das Sprechen war mir zuwider. es war zum Steinerweichen. »hätte sie einen Vater wie dich gehabt …« »Ich bin auch kein guter Vater«.. Mir drehte sich alles. schloss die Augen und entspannte sich. wehten über die Straße und lösten sich jäh aus den Zahnzwischenräumen. die Bergspitzen. dass man ihn zum Tode verurteilt hatte.. er schenkte mir auch ein Foto von seiner Tochter. bei diesem extrem heißen Wetter! Außerdem hatte er beide Arme schützend vor die Brust gelegt. als wäre ich in das Lernen von englischen Vokabeln vertieft. sei brav!« Während er das sagte. war es schon über 20 Tage her. in welches Kapitel er sich gerade vertiefte. den feuchten Wänden entstieg kalter Nebel. ich ging irgendwohin und schlief. einige steckten Schnauze und Gesicht in ihren Reisbrei. dem Ganzen ein schnelles Ende zu machen. dass sein Speisepartner das Frühstück bringen würde. es wölbte sich eine weibliche Brust heraus wie bei einem jungen. die Spatzen saßen auf den Elektronetzen und putzten sich sorglos das Gefieder – das war wohl einer der herzerfrischendsten Sommertage in der Bergstadt. man konnte nicht sagen. In der Morgendämmerung. die beiden Brüste des Toten Lan waren wieder angeschwollen wie am Anfang. das Zeugnis von dieser Zeit gibt. sagte er und lachte hart. aber ich war schon ganz apathisch. sich zu töten.

mit Winckelmann. Der Junggeselle Gleim. die zänkische Geliebte und der reiche Onkel. Meisterwerke der Porträtkunst sind unter den Gemälden. um sich versammelt wissen. 130 Gemälde zählt diese Sammlung. Dicht an dicht bedecken sie alle Wände im oberen Stockwerk des Hauses. Er unterstützte sie. mit Wieland. Herder. Schiller und Goethe sind denn auch die Einzigen. sammelte Porträts. Halberstadt. ungelesene Romane und verblasste Silhouetten: der versumpfte Sohn. Zu den Gemälden. 2008 neu eröffneten Domschatzkammer. Bürger und Voß.? Da die Feder. hier darf wirklich ein Jahrhundert besichtigt werden: die großen Jahre des 18. Moritz. schon aus Platzgründen. von Anton Graff gemalt. als der er sich später ironisch inszenierte. Es ist mehr Gemäldegalerie als Memorialmausoleum. Das Gleimhaus in Halberstadt. der zugleich das Forschungsinstitut Gleimhaus repräsentiert. auch sie wurde über alle Kriege und Verwüstungen gerettet. um 1750 och ein Dichterhaus? Hier schrieb und schnarchte . zitterndes Vitrinenglas. Zusammen mit der fantastischen. an die 13 000 Blatt. die an bessere Wirtshausschilder erinnern. in ihrer sozialen Enge und ihrer staunenswerten kosmopolitischen Weite. Oder die hinreißende Porträtstudie des Dessauer Architekten Erdmannsdorff von Johann Friedrich August Tischbein. dem sich kein Besucher entziehen kann. als Dichter herzlos vergessen. dem Berend Lehmann Museum. seiner einzigartigen Porträtgalerie aus dem Geist der aufgeklärten Empfindsamkeit. Lessing im blauen Rocke von Anna Rosina de Gasc und Jens Juels Klopstock-Bildnis.KUNSTMARKT TÄGLICH GEÖFFNET. heftig überdachten Anbaus. der sein Testament jeden Monat zweimal änderte? Das nun nicht. korrespondierte ausschweifend und nimmermüde mit allen: mit Lessing und Klopstock. Und er sammelte sie nicht nur. und ermutigte sie. Herder. das den Mittdreißiger zeigt – nicht den biedermeierlichen Bonhomme. Seume und Jean Paul.. die fehlen in Gleims »Freundschaftstempel«. und den über zehntausend Briefen kommt die grafische Sammlung des Hauses. Foto: Ulrich Schrader . Es befinden sich berühmte Porträts darunter. die auch eine kurze Kunstgeschichte des bürgerlichen Porträts in Deutschland ergeben. Aber auch mindere Qualität gibt es. muffige Gardinen. zeitgenössische Kopien oder Bilder. meist kleinere Formate. manch fröhlicher Vers glückte. und dem internationalen John-Cage-Projekt im Burchardikloster bildet das Haus ein Ensemble. dort das Kissen für den Gichtfuß? Rote Kordel. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 55 Bühne einer Epoche Der ZEIT-Museumsführer: Das Gleimhaus in Halberstadt VON BENEDIKT ERENZ N 108 N° Der junge Gleim lädt in sein Haus. wie Schiller meinte. Denn Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719 bis 1803). wiewohl ihm manch kraftvoller. in diesen Bühnenräumen einer Epoche. ein Psychogramm des Künstlers als alter Mensch. Er wollte die ganze deutsche Dichter. Sie ist heute das Herzstück des modernen. Doch im Zusammenspiel der Gesichter und Gestalten entsteht ein sanfter historischer Zauber. Hier. AUSSER MONTAGS 14. mit Elisa von der Recke. als Domsecretarius ein Mann nicht ohne Vermögen.und Gelehrtenrepublik. der »aus dem Mond gefallen« war. in deren heimlicher Mitte er sich sehr im Stillen fühlte.. kann man sich die literarischen und politischen Debatten jener Jahre vorstellen. Porträt von Gottfried Hempel. so plastisch wie sonst allenfalls noch in Weimar. Und sie schauten gern herein bei Vater Gleim – obgleich es ihm nicht gelang. das der bedeutsamen jüdischen Kultur Halberstadts gewidmet ist. wenn die Noth ans Fenster klopfte. er gab sie selbst in Auftrag. den kleinen Zank und das enthusiastische Deliberieren über die großen Projekte. Jahrhunderts. sie dauerhaft in Halberstadt zu halten und aus dem Ort ein zweites Weimar zu machen. der Karschin und Sophie von La Roche. die verwitterte Gemahlin. sondern den Hungerkünstler und Geisterseher aus dem Fichtelgebirge. Hier stimmt es einmal. zeigt ganz andere Schätze und Relikte. den jungen Mann. wie man es in dieser außergewöhnlichen Zusammensetzung kein zweites Mal in unserem lieben Vaterlande findet.: Das Gleimhaus. Abb. kommt die viele Tausend Bücher zählende Bibliothek Gleims. die deutsche Aufklärung in ihrem Glanz und ihrer Gräue. ein stattlicher Fachwerkbau gleich neben dem ungeheuren gotischen Dom der kleinen Stadt am Harz. die unser Bild vom jeweiligen Meister bis heute prägen. Oder als junger: Das allen Jean-Paul-Lesern liebe Konterfei des Dichters von Heinrich Pfenninger aus dem Jahr 1798.

adelige Männlichkeit dagegen gründlich reformiert zum treuen Ehemann und sorgenden Vater. das tugendhafte. Frauen kommen in öffentlichen Diskursen entweder als Opfer männlicher Übergriffe vor. dafür aber in der seriellen Monogamie der einzige legitime Ort für Sex geworden. wer bei der Lust mehr Lust habe. halten an der – durch irgendwelche Darwinismen neu aufgepeppten – Vorstellung triebgesteuerter Lüstlinge fest. die vielleicht irgendwann in dunklen Zeiten. Der Puritaner Samuel Richardson schrieb einen sagenhaften Bestseller: Pamela oder die belohnte Tugend. Für sie gehören in der neuen Rolle der Ehefrau und Mutter Sex und Ehe untrennbar zusammen. adeligen Lüstling.58 14. hält der adlige Verführer es für ein Recht. Zuletzt erschien von ihr »Flaubert – Durchkreuzte Moderne« . in der Presse umstandslos zur Hure zu mutieren. aber jedenfalls nicht mehr im 18. als die Sitzengelassenen. sprach Tiresias neun Zehntel den Frauen zu. Bereits zu seinen Lebzeiten wurde dieser Roman als neues Evangelium gefeiert. Dagegen steht nun das Bollwerk der bürgerlichen. als betrogene Ehefrauen oder aber als Huren. Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen. Durch die bürgerliche Tugend wird der adelige Mann von seiner perversen Lust geheilt und vor den adeligen. die französische Adelige. Nicht nur die bürgerliche Öffentlichkeit. fast dreihundert Jahre später. und die Institution Ehe wird zum einzigen legitimen Ort von Sexualität. das ihr lüsterner. Einer breiten Öffentlichkeit wurde sie mit ihrem Buch »Die deutsche Mutter« bekannt. die sonst nichts von ihnen wissen wollten. der in seinem Leben das seltene Schicksal hatte. sondern nur ihrem Vergnügen dienstbar macht. welche die Männer nicht wirklich liebt.). In Amerika und in Deutschland – Länder. nach Lust und Laune mit niedriger geborenen Frauen zu verfahren. dass sie über jeden Dominique StraussKahn mit Ehefrau Anne Sinclair Zweifel erhaben blieb. Nach über zweihundert Jahren Feminismus muss man sich verzweifelt fragen: Was ist mit der weiblichen Lust? Wieso schreiben wir nur den Männern – und das neuerdings pseudowissenschaftlich untermauert – Lust zu? Weshalb hängen wir an der verfolgten Unschuld? Und weshalb sind ausgerechnet große Teile der Feministinnen zu den überzeugendsten Vertretern dieser letzten Endes patriarchalischen Institution. sondern große Teile des Feminismus. Sie hat u. korrespondiert das Schreckbild einer nicht minder perversen Verführerin. über Mode und dekonstruktiven Feminismus geforscht. Frauen. lustgetriebenen Frauen geschützt. Das Bürgertum setzte seine Machtinteressen gegen den Adel bekanntlich im Mantel einer moralischen Revolution durch. der adelige Verführer. Der reformierte Ehemann ist das älteste ihrer Kinder. und wir haben ein armes. Am Ende triumphiert die bürgerliche Tugend über den adeligen Perversen: Der Herr selbst bekehrt sich und heiratet statt standesgemäß eine Adelige. zum Wohle ihrer Tochter schwer arbeitende alleinerziehende Mutter dargestellt wurde. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 FEUILLETON Der neue Pamela-Feminismus In der Affäre Strauss-Kahn triumphiert die Ideologie des bürgerlichen Tugendideals VON BARBARA VINKEN Fotos: Xinhua News Agency/eyevine/Picture Press (l. Denn letzten Endes ging es in der bürgerlichen Revolution auch um das Aufräumen mit einem Frauentypus. Verallgemeinert gesprochen. (Ausschnitt) Horst Galuschka/action press I m Jahr 1740 erschien in London ein Roman. Heute. Die Männer mussten sich mit einem lächerlichen Zehntel begnügen. den man nicht anders als Pamela-Feminismus bezeichnen kann. a.zeit. Zu diesem Zweck wurde ein Feind erfunden. Und das erklärte Hauptziel des Pamela-Feminismus besteht nun darin. Gesteuert wird das öffentliche Interesse für diese Geschichte aber von ebendiesem bürgerlich-reformierten ideologischen Szenario. Dem perversen. A www. Adelige Weiblichkeit wird durch bürgerliche Mütterlichkeit aus dem Feld geschlagen. geworden? Wieso ist der Raum des Eros bei Männern auf den Trieb. bei Frauen auf bloßes Vorteilsstreben – Sex für Geld. der unser Denken über Sex und Macht verändern sollte. Sex für sozialen Aufstieg – reduziert worden? Vielleicht ist es deshalb an der Zeit. wenn es nicht zur Ehe gekommen ist. der sich Rechte anmaßte. Dabei wurde ihr Körper unablässig von den prüfenden Augen der Leser auf Zeichen der Lust hin getestet und gerade in seiner sinnlichen Unberührbarkeit hypersexualisiert. sich die große Verliererin der bürgerlichen Reform. der mit allen Mitteln auf Sex aus ist. das zuerst als tugendhafte. Von Zeus befragt. aber tugendhaftes Hausmädchen. in ihrer diffamierten Weiblichkeit näher anzusehen. Richardson brauchte viele Hundert Seiten. sowohl Mann als auch Frau gewesen zu sein. eingewandertes Zimmermädchen. das Recht der ersten Nacht. scheinen wir an ebendiesen Punkt zurückgeworfen. Jetzt aber scheint sie den Tugendtest nicht bestanden zu haben und ist dabei. welche im Roman allesamt sittlich anrüchig und von französischer Galanterie infiziert sind. Jahrhundert Praxis waren: Das Jus primae Noctis. wenn betrügende Ehemänner nach der Beichte öffentlich Besserung geloben. die ihre Macht dazu missbrauchen. Was wirklich zwischen Strauss-Kahn und dem Zimmermädchen passiert ist. bürgerliche Dienstmädchen. Wir haben einen »perversen«. Pamela ist ein armes. Das zweite Feindbild dieser moralischen Revolution ist dabei seltsam unter die Räder gekommen: die adelige Frau. der sich nicht zur Ehefrau und Mutter reformieren ließ: dem der französischen adeligen Frau. unverführbaren Tugend auf. von seiner Geilheit blind getriebenen Lüstling – einen der reichsten und mächtigsten Männer der Welt –. moralisch verkommener Herr mit allen Mitteln der Kunst ins Bett bekommen will. Tugend führt zu spektakulärem gesellschaftlichen Aufstieg. an die Wäsche zu gehen. Der pseudoreligiöse Charakter der Ehe tritt in Amerika besonders deutlich zutage. der bürgerlichen Ehe. in denen das gründlich refor- mierte Bürgertum gesiegt hat – ist die Ehe zwar keine Institution mehr. um die Tugendhaftigkeit seiner Pamela gegen alle Anfechtungen so ins Bild zu setzen.de/audio Barbara Vinken ist Professorin für Allgemeine Literaturwissenschaft und Romanische Philologie an der Universität München. werden wir wahrscheinlich nie erfahren. ist das verschrienste dieser Privilegien. Vielleicht sollte man auch an den antiken Seher Tiresias erinnern.

. Man verweilt gerne und schult die eigene Sensibilität etwa an wunderbar nuancierten Verblauungen.kunsthalle-baden-baden. hungriges Schnäuzchen an warme. Im Katalog zur Ausstellung arbeitet Johan Holten ideengeschichtlich versiert heraus. hängt mittlerweile kaum noch jemand der idealistischen Vorstellung an. in dem Landschaftsgemälde aus der Zeit um 1800 hängen. und man ertappt sich vielleicht sogar dabei. »Der Strich von Cy Twombly«. Er ist insgeheim mindestens so sehr ein Kunstsoziologe wie ein Museumsdirektor. um die Aufmerksamkeit zu lenken und Geschmacksvorstellungen zu verändern. wie sehr es viele selbst Jahrzehnte nach den ersten Readymades noch beeindruckt. an denen sich heute Geschmacksfragen Fotos: Francois Guillot/AFP/Getty Images (l. er zeige Werke. aus der die Autos wie Geschosse fliegen. Er möchte ergründen. Und so präsentiert Holten in seiner Ausstellung gerade auch Künstler. mit der Entwicklung von Geschmack einen sensus communis. ihn nachzuahmen: Was Sie machen. der den Kunstbetrieb unvoreingenommen und genau genug anschaut. Denn Cy Twombly Twombly befreit die * 25. dass heute alles Mögliche als wertvoll und als Kunst angesehen werden kann. dass frühere Künstler allein mit ihren sozialen Utopien der Kunst gesellschaftliche – geschmacksbildende – Relevanz verliehen. Über die glanzvolle Zeit der Weiberhelden und Schürzenjäger legt sich schon der Grünspan. wo man es bekanntlich mit besonders hohen Preisen zu tun hat. um Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen zu können. schwer. Wahrheit – in äußerster Askese hat Twombly noch einmal die Pathoswörter des Abendlandes versammelt. erlebte man ihn als jemand. analysiert oder einfach gezeigt werden. Nicht nur hat ihre ursprüngliche Aufgabe an Anerkennung verloren. auf jeden Fall aber erwartet sie jetzt die Rendite. Twombly mache »Intellektuellenkunst«. das kleine. künstlich angespitzte Kind natürlich. bis hin zur Liebe – Eigenständigkeit beweisen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 59 Das Letzte Wie sieht das denn aus? Eine ungewöhnlich kluge Ausstellung in Baden-Baden über den guten Geschmack und die ratlosen Museen VON WOLFGANG ULLRICH Am Kopf wärmt es sehr schön: Der Künstler John Bock lässt die Kunst zur »Modenschau« auflaufen unst beginnt dort. Doch wirkt es auch so. Konjunktur haben Frauenversteher und Checker. von einem sentimentalischen zu einem kulturpessimistischen Blick zu wechseln und es einseitig als Verlust zu sehen. galoppierende Pulse zu drücken. sie schaukeln ihre Brut auf traktorgroßen Pneus. Sie sehen nichts. was anderswo geschieht. THOMAS ASSHEUER 14. als alle Frauen besitzen zu wollen. an der Tüten und Taschen für die Brut oder auch der Maxi-Cosi für das Zweitkind baumeln. zahlbar bei Tod durch die Versicherung oder bei Lebzeiten durch die Kinder. und 19. dass es als tödliches Geschoss im Herzen einer unerbittlich um den Aufstieg konkurrierenden Mutter enden soll. Am Dienstag vergangener Woche ist Cy Twombly nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren in Rom gestorben. sondern als »Argumente« einer These zu verwenden. also gemeinsame ästhetische Normen oder sogar allgemein verbindliche Werte fördern zu wollen. die darauf wartet. seiner bisherigen Wirkungsstätte. Hier herrscht nicht die Kälte des white cube. Doch taten sie sich oft bereits schwer. liegen solche platten Parolen nicht. Weh ihnen! FINIS WÖRTERBERICHT Frauenmarder Mit den Männern verändern sich auch die Bezeichnungen für jene. unter dem spekulativen Himmel des Mittelmeers. dass in einer pluralistischen Gesellschaft ohnehin nichts mehr an sich einen guten oder schlechten Geschmack verkörpert. wurden binnen eines Tages vierzigtausend Soldaten hingeschlachtet. Auch ein Raum. Ursprung. Sammlung: The Dakis Joannou Coll. Arbeiten von Katharina Grosse oder dem Pariser Künstlerduo M/M lassen den Besucher ratlos zurück. Warum sonst sollte man diese Strategie so oft wiederholen und so viel darüber reflektieren? Ihr Erfolg scheint beunruhigend zu sein. Daher wendet man den Blick vielleicht sogar etwas sentimental auf jene Epochen.zeit. Was sind das für Muttis? Konnte. Von Orpheus bleibt bei ihm nur ein filigran vibrierender Strich. als misstraue man im Letzten – von den Künstlern bis zu den Kunsttheoretikern – der völligen Freiheit.] öffentlichen Institution [.de Die letzten fünfzig Meter zum Kindergarten sind die gefährlichsten. Gekrakel«). Holten hat gerade die Leitung der Kunsthalle Baden-Baden übernommen und widmet nun seine erste Ausstellung dem Phänomen des Geschmacks. während Virgil von einem Grauweiß verschluckt zu werden droht. 04. Versuchen Sie. sie sei † 05. wenn die Panzertür sich öffnet. als sein nasses. wofür der neue Direktor Sympathien hegt. Doch was die Kritik als »Feier platonischer Schönheit« rühmte. Jahrhundert noch als zentrale Aufgabe gerade von Museen und Ausstellungen galt. Ganz im Gegensatz zum Checker und Versteher.. In Fontanes Roman L’Adultera stößt man auf die ergötzende wie erschöpfende Bezeichnung »Frauenmarder«.de/audio . und genau in dieser Kargheit liegt die Sensation. auf dass es steiler und höher hinaufsteige als selbst der Geländewagen mit seinem teuer bezahlten Klettervermögen. dass allein die Inszenierung – vor allem die Kombination mit angestammt Hochwertigem – ausreicht. und doch »erzählte« Twombly von ihm nur skriptural. also Malerei für die Theorie-Schickeria und die Insassen des akademischen Sektors. So sind Markt und Marketing die Orte. wie er künftig seine Frage nach den Kategorien des Ausstellungsprogramms beantworten wird. Jahrhundert Die Beliebtheit dieser künstlerischen Praxis verrät. Später hat sich Twombly von seiner Skripturalkunst losgesagt und in Farbkaskaden die maßlose Schönheit der Natur besungen. Die Konstellation war einzigartig. um das Billige zu nobilitieren und zu einem Statussymbol avancierten Geschmacks werden zu lassen. die in den letzten Jahren gehypt wurden. Da sie darüber jedoch nicht verfügt. »ist unnachahmlich. sensibler sind und daher auch als soziale Wesen einfühlsamer agieren. von dem der Krallenlack blättert. hier wird gewürdigt. im Geschmack hingegen nur Kompromiss und Spießertum erkennt. Bei Twombly steht die »Venus« so selbstverständlich und unschuldig auf dem Papier. Im Gegenteil will jeder – wie auch in anderen Bereichen des sozialen Lebens. Ihre Konzepte waren zu theoretisch oder nur bedingt in ästhetische Formen übersetzbar. von Ehrgeiz krumm gezogen wie ein Bogen unter dem Zug der Sehne. ist dabei – so Holtens These – das Geld.) © 2009 John Bock. Wahrscheinlich wurde seine Karriere von der Frau ebenso teuer bezahlt. In Werken etwa von Anselm Reyle oder Josephine Meckseper lässt sich die Willkür von Geschmacksurteilen sogar als Thema erkennen: Wie zahlreiche andere Künstler nutzen sie banale oder trashige Objekte und Ästhetiken und führen vor. unstillbares Rot. Nichts von der Kraft der Motoren ist auf sie übergegangen. Während die Geschmacksbildung im 18. schrieb er. Wie eine Sphinx antwortet sein Werk auf die Mutmaßungen philosophierender Betrachter – es spricht in den tausend Zungen der Andeutung und mit jener diskreten Menschenfreundlichkeit. den Pfeil abzuschießen. Ein »Frauenmarder« kann gar nicht anders. kann es schlagartig angesagt sein. als seien die Buchstaben noch nie für ein anderes Wort benutzt worden – als seien sie die Sache selbst. Und in der Caravaggio-Anspielung Schule von Athen erscheinen Platon und Aristoteles als zwei ovale Kringel. Wäre die Welt ein Hühnerstall. Wird etwas teuer verkauft. als die Flotte des Osmanischen Reiches auf die der christlichen Allianz stieß. der eine Neigung dazu hat. Bis zum 9. zur amerikanischen Moderne. in denen eindeutig geklärt war. Dieser Vater – breit. der »Frauenmarder« würde hier zwischen Leghörnern und Suppenhennen keinen Unterschied machen. Es ist nicht die ampellose Hauptverkehrsstraße. der als Miniretrospektive des Avantgardisten Constant gestaltet ist.FEUILLETON Schönheitsschmerz Wenn die Welt zur Schrift wird: Zum Tode des Malers Cy Twombly Als in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine internationale Weltwutgemeinschaft gegen die abstrakte Malerei zu Felde zog und dabei auch den Maler Cy Twombly ins Visier nahm (»Gekritzel. Das stärkste Mittel. der von seinen Eltern unklug zu Fuß gebracht wird. es wird NICHTS sein. Vielmehr bestimmen willkürliche und schnell austauschbare Setzungen darüber. der von den Reifenstollen fliegt. Da wollen wir ihm doch in unserem Sprachbiotop eine glückliche Wiederansiedlung wünschen! HEIKE KUNERT www. Die Schlacht bei Lepanto (1571) war das erste Seegemetzel der Neuzeit. NACHRUF die sich ins pastose Nichts entfernen. wonach Menschen. Ganz falsch war das nicht. Jahrhundert allein noch übrig blieb. folgt in der Sandale ein kalkweißer Hinterlauf. Holten hat in seiner Ausstellung einen Raum eingerichtet. In Italien. eine solche Anziehungskraft auf philosophische Geister ausgeübt wie der 1928 in Lexington/Virginia geborene und 1957 für immer nach Italien übergesiedelte Cy Twombly. Denn schon im Kunstverein Heidelberg. stille Sackgasse. bissbereit grinsend im weißen Hemd (das Sakko nach Vertreterart im Autoinnern aufgehängt) – ist ebenfalls ein Panzer fürs schwere Gelände. wo Geschmack aufhört«. in seltsam provisorischen Chiffren und Wörtern. von der Gesellschaft unbemerkt. eine krallenmagere Klaue. Es ist alles von ihrer Kraft in den Autokauf gegangen. kann in einer Kunsthalle nur – ziemlich folgenlos – gutgeheißen. Auf ähnliche Weise wird man auch bei Holtens Ausstellung bezweifeln müssen. dass sich bei grundsätzlich allem in nur wenigen Schritten eine völlige Geschmacksumwertung erzielen und eine spektakuläre Wertschöpfung betreiben lässt. Es lächelt. entdeckte er seine Faszination für den mythischen Kosmos der Antike. Erst recht gilt es in Zeiten eines wohlstandsgeprägten Individualismus als anmaßend. Doch darf man einem Kurator unterstellen. sie hören nichts. schwarz verspiegelten Geländewagen dem Waldkindergarten entgegenwalzen. darunter Mark Rothko und Ad Reinhardt. 2011 »kalt«. von Diäten ausgemergelte Gestalt. die der Kunst im 20. sie spielt auch keine entscheidende Rolle bei der Auswahl dessen. wenn er nicht sein Leben zweidimensional auf den Asphalt gestreckt verhauchen will. der alles isoliert und für eine Umwertung bereit macht. wird weder von ihm noch von Ihnen sein. vielmehr sind die Wände in warmem Grün gestrichen. weitere Informationen unter www. folgt schließlich die ganze. Daher ist eine traditionelle Institution wie eine Kunsthalle gleich doppelt in der Defensive. was als ästhetisch vorbildhaft deklariert wird. 07.] zusammengestellt werden soll«. dass die präzise Ausgangsidee überall deutlich genug umgesetzt wurde. solange es nicht von den Blicken der Konkurrenzmuttis erdolcht oder vom Vater abgeholt wird. zwei Generationen jünger als Ammann. ist von Schrecken durchtränkt. was einen guten Geschmack repräsentierte und wie das Publikum darin geschult werden konnte. Das kleine Kind. den Muttis geht es schlecht.« Der zweite Vorwurf lautete. Als Erstes erscheint. das noch nicht weiß. Es muss der Wicht. 1928 Schrift von dem uralten Vorwurf. Diese Kategorien sind alles andere als offensichtlich.. Und als Kontrastmittel gibt es Gemälde aus dem 18. lächelt zaghaft. eine sichtbar-unsichtbare Craquelé auf bleichem Grund. wann etwas als geschmackvoll angesehen wird. um auch die Problemfelder und Paradoxien nicht einfach verdrängen zu können. »nach welchen Kategorien das Ausstellungsprogramm einer [. es ist nicht die uneinsehbare S-Kurve. Twomblys leuchtendes Rot war ein Strom von Blut. sie zerstöre die namenlose Unmittelbarkeit zwischen Mensch und Welt und presse das Einzigartige in die gleichgültige Kombinatorik austauschbarer Buchstaben. Und dies gilt gerade für die Kunst. ihr Publikum zu erreichen. Foundation (Foto: Jan Windszus) K entscheiden. Johan Holten. Atmosphärisch ist also klar. Werke zu Teilen einer größeren Versuchsanordnung zu machen. Vor ihm verblassen alle modischen Synonyme. ein Muttergeschlecht von Zyklopen entstehen. für deren Charakterisierung das Wort »verhärmt« ein Hilfsausdruck wäre. aus dem Gelb sickert ein dünnes. die über einen geschulten und differenzierten Geschmack verfügen. Dazu müsste sie selbst die Mittel haben. der Kunst als Tabubruch und Provokation begreift. Twomblys Lepanto-Zyklus leuchtet dem Betrachter im fantastischen Sonnenhell entgegen. Cy Twombly arbeitete mit den Augen gen Süden und mit dem Rücken zum Norden. Welchen Pfeil? Nun. Auf jeden Fall ist er jemand. um sie zu kritisieren? Ganz sicher ist man sich bei Johan Holten nicht. Fassen wir zusammen: Den Autos geht es gut. Es ist die kleine. behauptete vor einigen Jahren der bekannte Museumsdirektor Jean-Christophe Ammann – und pflegt damit einen machohaften Geniekult. Man darf gespannt sein. Oktober. besitzt noch eine gewisse Wärme. und übrig geblieben ist nur ein trockenes Holz. beiseite springen. sie also nicht nur als autonome Kunst zu präsentieren. Tatsächlich haben nur wenige Maler. auf der die Muttis in ihren panzerbreiten. spritzen wie der Kot. alles andere ist uncool. die nicht anders können. platzte dem französischen Literaturwissenschaftler Roland Barthes der Kragen.. ja ihnen gar als obszönes Faszinosum erscheint. Mythos. bis die Muttis ausgestiegen sind. denen alles nicht oder schwächer Motorisierte ins Ameisenhafte entrückt ist? Warten wir.

verschwommenes Bild in einem Albtraum. ZEIT: Bleiben noch der Stein der Auferstehung. Die Hingabe an eine Sache und das Bekenntnis zu einer Aufgabe können etwas Heiliges haben. wir haben nicht mort. Voldemort ist eine sehr theatralische Figur. Voldemort will die Welt beherrschen und unsterblich werden. ob das Gute sich in der Welt lächerlich macht. stellt er die Frage fast all seiner Leser: »Professor. Macbeth – sie alle sind blind. stellung des Bösen? und doch hat er eine Familie. K. Ich wollte mich im Kino nicht vor Gewaltszenen fürchten. weil Sie nicht an das absolute Böse glauben? Ralph Fiennes: Um ehrlich zu sein. nicht wahr? das in jedem von uns steckt.nicht so eindimensional ist. Es werden nicht einfach Körper zerstört und gefoltert. eine poetische Konstellation. Er spielt damit. Woher wissen Sie das? ZEIT: Die Filmfirma Warner Bros. Buch. Je mehr Finsterlinge ich spiele. seine Anhänger quält. ohne ins Kleinteilige oder Sentimentale abzugleiten. die hoffen. Er kennt die Fallstricke des Menschseins.) Angst vor dem Ende Das Beste zuletzt: Harry Potter. Und J. zu erklären. der alles zerstört.nem das gelingt. besaß dramatische Wucht. Weil der Film uns mit der Todesangst konfrontiert. aber Fiennes sieht am Tag der Londoner Premiere einschüchternd gut aus. flacher Moralität und Gefühls-Folkore verläppern lassen könnten.Regisseur. Das nenne ich gegensätzliche mensch. mit immer denselben Hauptdarstellern. die seit je den Menschen in Mythologie. Meine Eltern haben mich grundlegende Normen des Respekts und des Anstands gelehrt. kann man nur hoffen. Dieser Film konzentriert sich. gleichzeitig. in den die 3-D-Technik den Zuschauer schwindelnd hineinsaugt. Dann wendet er Voldemort von der Bestie Amon Göth? unendlich langsam den Kopf und schaut uns an. zu ergreifen und blitzschnell einen Fluch zum Himmel zu schleudern. Als sie Krebs bekam und anfangs erfolgreich behandelt wurde. das trauten die »Harry Potter«-Verfilmer nur einem der Besten zu. die man nun mal in dieser Welt hat. Es ist eine angedeutete Sterbegeste. stammt eine davon zu ergreifen. Herauszufinden.cher Despot ist? tioniert und was nicht.und unserer Blindheit. Aus dieser Wut seinen Geliebten und seiner Arbeit als Lagerkom. oder findet es in meinem Kopf statt?« – »Es findet in deinem Kopf statt«. sondern ließ mich ein Regiment besuchen. stimmt es. die Kaben. Aber wie zeigt man es im Film? Aus den Seelenbruchstücken eine plausible Leinwandfigur zusammenzusetzen. dass Voldemort doch Macht? Diese lässige Art. einer Geste. in unserer Angst Man weiß nie. Vol. ZEIT: Was ist das Allerschwierigste bei der Darandere zu liquidieren. Das ist ein Bekenntnis zum Leben. Aber ich denke. ZEIT: Das ganze Potter-Epos der kühle Gentleman. ist dies hier wirklich. Fiennes: Ich kann nur sagen. nach all dem verwirrenden Gerenne und Gesuche. zur Rettung der Welt. Die Bosheit um. schließt ihn wie einen Käfig. sondern das Wort sacred benutzen. Doch der Abschied ist nicht vermasselt. Fiennes zeigt. Die Fragen stellte EVELYN FINGER ie hatte ich Angst. Medea. Aber am Ende hat es mir doch Spaß gemacht. ZEIT: In jedem? Dieser extreme Hunger nach Fiennes: Könnte schon sein. und dem Jungen Harry Potter kehrt buchstäblich Ruhe ein. der auch so ein fürchterliden Regisseur. So leicht würden wir Potter. um den Zauberstab. um sich allein den Feinden der Zivilisation zu stellen.hinterher nicht raus. warum die Messe in Latein gelesen werden muss. die strah- lende Erlösergestalt Albus Dumbledore oder den geheimnisvollen Lehrer Severus Snape? Fiennes: Dumbledore.Das Menschlichste an Voldemort ist seine Angst zu ten waren die Beschreibungen Voldemorts im sterben. Die Friedhofsszene. sondern als freie Entscheidung. Es ist RALPH FIENNES wie bei Ödipus. der mir sagen musste.der sich immer nach den existenzialistische Grundgefühl: rung der Guten im Kampf gegen alten Theaterrollen sehnt dass alles absurd ist? das Böse.Fiennes: Dass er so isoliert ist. ob die Todesangst überwindbar ist. ein man ihm etwas Menschliches nahebringt. Jetzt. Dieses Bestechende und Zupackende. Er lehrt. dem Herrn des Bösen. Fiennes: Ich würde den Mantel wählen. Sonst hätte meine nische mal mit den zwei Experten Schauspielerei keinen Sinn. Harry und seinen Freunden gefunden und vernichtet wird. Ich glaube. in der Wirklichkeit existiert es nicht. Ich fürchte mich vor der unendlichen Macht. und das will etwas heißen. wer wir sind. desto misstrauischer werde ich gegenüber Menschen. aber nicht an Gott.). Weil ich mir immer öfter wünsche. über Dumbledores marmornem Grab aufragen. Er ist unter Existenz von Anfang an. Nun hat er zum letzten Mal Lord Voldemort gespielt. Dieses Leben ist voller Widersprüche. Manchmal hat Recherche DIE ZEIT: Mister Fiennes. den es je gab. Mit dem letzten der Filme haben der Produzent David Heyman und der Regisseur David Yates nicht nur alle bisherigen Folgen überboten. Kann die Zivilisation gegen das Chaos obsiegen? Zunächst muss der Abstieg in einen höllenartig tiefen Schlund gelingen. todernst und heiter bis zuletzt.entspringt dann der nächste Vergeltungsschlag. Das ist des Tyrannen andere trifft. der des Bösen. Wenn eiZEIT: Ihr Voldemort scheint keine Wahl zu ha. behauptet es. der uns das Hantieren mit dem Zau. Fiennes: Vollständig. zuletzt dem Verderber. vor den Heiligtümern des Todes. antwortet Dumbledore weise. Man denkt. Und weil der erste Film mich nicht ansprach. Rowlings Kunst: Sie hat etwas erfunden. Haben Sie das MessiaFiennes: Nein. zudem die mythologisch einschlägige Schlange. Was haben Ihre Eltern Sie gelehrt? Fiennes: Meine Eltern wollten. Kalt glitzert Triumph in seinen Augen. aber sie hielt mich nicht auf. dass ich lange mit mir gehadert habe. Wir sehen Voldemort als Mephisto. Am Set gab es aber einen Also habe ich nach Augenblicken gesucht. der unsichtbar macht. ein Gegenspieler mit scharfen Konturen. Voldemorts Fiennes: Ich will zeigen. Hermine und Ron. anderer Professor für Theologie. Nicht rausgeschnitten wurde dieses Zucken von Fiennes: Voldemort ist so etwas wie die Essenz Voldemorts Hand. Oft wirkt er in sich gekehrt. Teil 2. Meine Mutter war eine engagierte Katholikin. Mit seinem Verhalten begann für sie eine Distanzierung. Dass er Interviews hasst. wie es im Kino zuvor nie geschah. der kürzlich in die Kinos kam. wann der Zorn aus ihm heraus. dass man sich für das Richtige entscheiden kann. dass er ausschließlich seiner eigenen Wahrexplodiert er. deshalb ist er unfähig. Religion und Literatur begegnen. Sie einzufangen in liche Potenziale. Der Nazi ist eine echte Per. aber wir ahnen. dem achten Film einer Serie. ihn zu spielen. Oft doch. aus dem er nicht ausbrechen kann. dass die Willkür Adelsfamilie. beglückend. einem Gesichtsausdruck. denen sein Schüler Harry ausgesetzt ist. in schwarzem Mantel und gebieterischer Haltung. der Regisseur von Harry Potter und der Feuerkelch. seine wusst. in einer heilsgeschichtlich gefärbten Klimax. ins Kino zu gehen. Coriolans Tragödie besteht bricht. die Einsamkeit im dunklen Wald ist zu meistern. als ich zur Armee wollte. Dieses ist der beste Potter. die das Theater liebte. wenn er gewonnen. Ich weiß. kann? Als Privatmann unterstützen Sie Unicef. Was half bei Voldemort? Fiennes: Ja. nicht wiedersehen. um sein Dilemma zu Fiennes: Ja. den heutigen Filmstars sein Schmerz. berstab beibrachte. Aber ich würde nicht das Wort holy. Er ist auf zauberhafte Weise gelungen: bedrängend. und der Mantel. so allein. Deshalb kann man es auch so schwer spielen. Hamlet ist die Der Voldemort des Films liebt interessante Ausnahme. Deshalb spaltet er seine Seele in sieben Teile. Anders als sonst brauchte ich Shakespeares Coriolan. bleibt man in seinem Bann bis zum Schluss. die einem zufäl. ZEIT: Glauben Sie. es gibt komplexe Kräfte. Fiennes: Ich möchte jedenfalls daran glauben. ob mit Kindern etwas anderes in die Welt kommt als nur Fortsetzungsvarianten des ewig dursleyhaft Gleichen. Fehlbarkeit zu erkennen. in der er wiederkehrt. immer aber davor. den endlosen Zauber. Rowling wollte es nicht verraten. dass es nicht wahr ist. dass Voldemort eine starke Rolle ist. jenen schlangengesichtigen Satan. Er wirkt wie gefesselt durch seine finsteren mera hält es fest und der Regisseur schneidet es Weltunterwerfungswünsche. wenn der letzte Horkrux. dass ihre Kinder so sehr sie selbst sind wie möglich.taucht sein Gesicht fern am Himmel auf oder als len gehört. Hat das Wort heilig irgendeine Bedeutung für Sie? Fiennes: Ja. ZEIT: Glauben Sie an Gott? Fiennes: Ich glaube nicht an Gott als eine von uns Menschen getrennte Instanz. »aber das bedeutet nicht. ich kann mich nicht erinnern. ZEIT: Warum? Fiennes: Ich mochte seinen Look.das Wesen des Bösen zeigt. Voldemort gleicht weniger einem Menschen als einem Monstrum. dass Sie die Rolle des Voldemort ablehnen wollten. In seinem ZEIT: Sie haben für Ihren Hamlet maskenhaften Gesicht blitzt eine sogar einen Preis am Broadway verächtliche Freude auf. die sich über zehn Jahre des erlebten. ich wollte keine bloße Idee spielen. Man verpflichtet sich beispielsweise der Kunst. wenn er die blasse Hand in den Sarkophag senkt. Im Buch sind sie so vieldeutig: die Frage. Nein. Er tut schreckliche Dinge. Das Beängstigendste am Bösen ist entfalten. wenn Voldemort spürt. im großen Finale. der Abschied könnte vermasselt sein. mal abgesehen von der Angst? geredet. alsdann der Kampf mit dem entfesselten Feuer. die er verleiht. wie Angst in son mit einem eigenen Leben: seiner Ehefrau. die ihn liebt und Fiennes: Die Momente zu finden. Wir können wählen. Sie können zerstören oder heilen. sondern auch im Vergleich zu dem mit Details überfüllten Buch den Stoff zu sich selbst kommen lassen. ein neu erscheinendes Buch aufzuschlagen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 60 Fotos: 2011 Warner Bros. wohin er sich entwickelt. in Ihrer Familie diskutiert? ZEIT: Welchen hat sie denn? Fiennes: Welchen Experten? Fiennes: Das Publikum zu verändern. ein Seelenbruchstück schützend umschloß. unternahm sie eine Pilgerreise und schrieb ein Buch darüber. ZEIT: Spielte Religion dabei eine Rolle? Fiennes: Ja. dass die Bilder des Films all die furchtlos gestellten Menschheitsfragen der Potter-Welt in gewaltberauschtem Budenzauber. dass es zu unseren menschlicheen Potenzia. was funk. Ich habe gerade von einem mexikani. Ich konnte mir nicht vorstellen. der noch mit regloser Miene ein Seelendrama entfalten kann. dass da etwas ist. Aber ich fand. wo Tanzlehrer. ZEIT: Dumbledore hat selbst eine nicht wiedergutzumachende Schuld auf sich geladen. auch diese.« Darin besteht J. Seit Filmen wie »Der Englische Patient«. ZEIT: Warum? Fiennes: Vielleicht weil er ein Mentor ist. K. indem ZEIT: Einer Ihrer Onkel ist Jesuitenpater. Aber leider hatte ich lig im Weg sind. überzeugte mich. welches würden Sie wählen? Fiennes: Voldemort will natürlich den Zauberstab. sie bricht auf halbem Weg zum Herzen ab. Man legt sich fest. Er ist das Böse. was Herrschaft geboren 1962. ZEIT: Sie bereiten sich auf Ihre Rollen sehr genau vor. wie das Böse in die Welt kommt. der unbesiegbar macht.und Gewaltsequenzen der ersten Teile.und wir sehen an seinen Augen. Vielleicht ein Fehler. Eines Tages gehen Kinder aus dem Haus. dieses Machtspiel. Es wird immer nur kurz berührt. von ZEIT: Trotzdem hat man fast Mitleid mit ihm. war es am schlimmsten: Es war die Angst. zu machen. obwohl die Welt nicht bis ins letzte erkennbar ist. Er ist liebesfähig. gottverlassenes Kind. N . Er ist ein demort ist eine so simple Kreatur. von lagen ausprobiert. man überantwortet sich der Suche nach der Wahrheit.ZEIT: Warum handelt dann Ihr erster Film als beitet: verschiedene Gewänder. dass meine Mutter. das Gute nur in uns selbst liegen. Doch am lästigsten war die Angst.seine menschliche Natur durchschimmert. Gesten. ZEIT: Der letzte Harry Potter-Roman heißt Die Heiligtümer des Todes. Der Film setzt den Betrachter den bedrohlichen Urmächten aus. dass man die Welt retten die behaupten. Später verlor sie den Glauben an ihre Kirche. Es hat mehr mit dem Geheimnis des Menschseins zu tun. einfach keinen Sinn. Das erfolgreichste Erlösungsbuch aller Zeiten (gleich nach den Heiligen Schriften) schildert das Böse nicht nur als Unfähigkeit zum Guten. die mit Abermillionen ihrer Leser erwachsen wurden. ZEIT: Ja. Pictures (o. mit dem man die Toten ins Leben zurückrufen kann. Er ist human. Und falls ja: warum und wie. Tatsächlich ist der Anfang des neuen »Potter«Films großes Theater. auf das Eigentliche: auf die Frage. Er sieht die auch heißt: Unterwerfung der Feiaus einer englischen Sinnlosigkeit der menschlichen gen. dass es nicht wirklich ist. weil es ein gigantisches Lizenzgeschäft war. dessen Job es ist. Mit einem harten Schwung des Zauberstabs lässt die mir als Schauspieler helfen. dass die Hindernisse für Unberechenbarkeit ist uns ganz gut gelungen. die ich so oft wie möglich gelesen habe. dass wieder ein Teil seiner ZEIT: Wie unterscheidet sich die Fantasy-Bestie Seele zerstört worden ist. wenn doch jeder Lesende von Anbeginn weiß: Die Sache geht gut aus.ZAUBERN & ZWEIFELN 14. ich könnte einfach verschwinden. in denen sich die er liebt. ZEIT: Hätten Sie die Wahl zwischen den Heiligtümern des Todes. die Figur lebendig Voldemort die Schutzglocke über Hogwarts bersten. ob die Liebe mehr ist als Stoff für die Partnerbörsen im Netz und die Freundschaft mehr als eine gemeinsame Shoppingtour. wegzusprengen? nicht genug Screentime. schen Drogengangster gelesen. was sich ihm nicht unterwirft. Für den schizophrenen Helden in Spider verbrachten Sie Wochen in der Psychiatrie. um die neueste Verfilmung eines Potter-Bandes zu sehen. Leute. erschrak. Aber keine Angst: Das heißt nicht. in den der Held auszieht. obwohl das Spiel des Lebens soviele Unbekannte hat. Wie in diesen urmusterhaften Erfahrungen zeigt sich auch die Gewalt eher archetypisch: Ein Lichtstrahl ist in den Heiligtümern des Todes als Waffe entscheidend. Hier sind nicht die üblichen Action-Techniken am Werk. der alle Schwierigkeiten sieht. und er Alternativen seines Handelns lässt sie um seine Gunst winseln. Danach war ich von der Idee geheilt. Für den KZ-Kommandanten Amon Göth in Schindlers Liste haben Sie viel Literatur über das »Dritte Reich« studiert. ohnmächtige Wut umschlägt. Ausgerechnet in der schreckensreichen abschließenden Konfrontation zwischen Voldemort. Einmal forderte sie jedoch unseren Priester auf. »Roter Drache« und »Der ewige Gärtner« gilt er als Spezialist für abgründige Charaktere. Fiennes: Gar nichts. Stimm. So kommt das Böse in die Welt. Es ist nur eine abstrakte Idee. Am hilfreichs. dass sie nur eine helle Seite haben. dass so eine Rolle Spuren hinterlässt. der unbesiegbar macht. mandant. die uns ewig ein Rätsel bleiben. das jedes Menschenwerk verschlingen will und bis ins Kino ausgreift. Ralph Fiennes ist ein Magier der Menschendarstellung. ZEIT: Und was wäre das Menschliche an VoldeFiennes: Ach so (lacht). Wir wissen es nicht. ZEIT: Glauben Sie an das absolute Böse? Fiennes: Nein. ZEIT: Kennen Sie selbst dieses handelt von der Selbstaufopfe. Er ignorierte sie auf der Straße. Erst Mike Newell. Fiennes zeigt sie uns in dem blutigen Blick. Fiennes: Deshalb habe ich viel am Äußeren gear. lesenden Lebens erstreckt hat. Das macht er beheit folgt und unfähig ist. Er ist weise. Ein gefallener Engel. Aber weiß man es wirklich? Als Harry in einer Art Nahtoderfahrung im lichtdurchfluteten Bahnhof Kings Cross zuletzt dem Mentor Dumbledore begegnet. in denen Jugendliche bloß Fantasiebilder einer Zauberwelt sehen. Fiennes hebt kurz und wie resignierend die Hand. Toby Melville/Reuters (u. Sie haben sich unseren Entscheidungen nie in den Weg gestellt. aber plötzlich darin. Teil acht VON ELISABETH VON THADDEN Voldemorts letztes Gefecht: Todesfluch gegen Harry Potter auf dem trümmerübersäten Schulhof von Hogwarts »Das Böse ist nur eine Idee« Ein Gespräch mit Ralph Fiennes über seine Rolle als Voldemort in der Harry-Potter-Verfilmung »Die Heiligtümer des Todes« Wie besiegt man das Böse? Indem man herausfindet. ZEIT: Wen würden Sie lieber spielen. Kriecherisch Fiennes: Hamlet überblickt alle scharen sie sich um ihn. Mir flößt dieser Stab Angst ein. Das gefiel mir. Leider fühlte er sich angegriffen und wollte nicht mehr mit ihr sprechen. ZEIT: Voldemort hat nur eine dunkle. dann die befreiende Auseinandersetzung mit dem Drachen. ahnt man nur an seinem durchdringend grünen Blick und seiner ausgesuchten Höflichkeit. diese vertrauten Erfindungen. Wir Schauspieler sind ja sonst Schwerter oder Pistolen gewohnt.

brennt die Luft – ein spiritueller Höhenflug in der für Montreux typischen perfekten Soundqualität. an der Fassade entlang. Des. Nach dem Feuer ZEIT-Grafik 3258 m Genf 15 km half er Frauen und Kindern aus dem Saal. die von Schloss Chillon über neun Kilometer bis nach Vevey führt. spielten sie einfach weiter. zunächst bloß Füllmaterial für das Album.ch. Bis heute spielt hier jeden Sommer die Musik VON RALPH GEISENHANSLÜKE Der Genfer See bildet die ideale Kulisse für das Jazzfestival von Montreux. und dieser Moment ist nur noch ein paar Stunden entfernt.14. geboren im Stadtteil Territet. wie es hier erst SCHWEIZ zugegangen sein muss. Auf dem Genfer See blitzt die Morgensonne. hofs. hat schon als Kind auf den SchulAnreise: Mit dem Flugzeug nach Zürich (Swiss. Warum gehen wir nicht alle raus?« Bei dem Feuer verlor er seine ganze Ausrüstung bis zum letzten Plektron. wie sie damals hieß. »haben wir nicht so gut geklungen. Der Gitarren-Roadie präpariert die acht Instrumente. »Stopp«. Die After-Work-Party im Tralala ist einch. Man schrubbt sie einfach runter. ohne den es das alles hier nicht gäbe«. zu Händen von Santanas Frau Cindy Blackman. Nach wenigen Tagen wurde die »lauteste Band der Welt«. zum Jubiläum am Wochenende. in schwarzes Metall geschmiedet. Avenue des Alpes 45. nicht nur quer durch die Gärten am Seeufer. Der Rauch rührte von einem Brand. in der weniger prätentiösen Altstadt oberhalb des BahnUnterkunft: Tralala Hotel. Unterschied zu den anderen Palästen bezahlDas Jahr über ist Montreux keine musikalische bar. Die langen Wege erwiesen sich als Vorteil. Roadies schieben schwitzend Kisten mit Equipment über die Laderampe. gern auch mit bekifften Hippies. dass er bis heute in den größten Konzerthallen mitgegrölt wird. Nach dem Brand waren sie eine Band ohne Raum. Die Aufnahmen für die sieben Songs von Machine Head dauerten drei Wochen statt sechs Monate wie sonst. von der Polizei verjagt. Hämmer klopfen. »Vor 40 Jahren«. um dem angestaubten Badeort mehr Zulauf zu verschaffen. Seine bunte Auswahl. außer vielleicht Frank Zappa. Das Feuer der frühen. DZ ab circa 190 Euro mal im Monat der Hotspot für alle unter 40. Es gibt nur zwei Discos und keinen einzigen Tel. Zwei Wochen lang wird es swingen. Montreux ist ein ruhiger. ebenso sauber davor geparkt die Bentleys und Aston Martins. Inzwischen ist der Song durch alle Institutionen marschiert. modern. Es trug den Arbeitstitel »Drr Drr Drr« und enthielt die berühmten Akkorde. Erneut war Nobs zur Stelle. King. B.com zeilen inszeniert. Kilometer von Kabeln führten zum Mischpult. wilden Jahre glimmt in Montreux nur noch sehr verhalten. als Abschnitt eines Zauns an der Uferpromenade.com Schall und Rauch Vor 40 Jahren machte Deep Purples Song »Smoke On The Water« den Schweizer Badeort Montreux weltbekannt. Hinter dem anderen Ufer ragt der Grammont dunkelgrün in den Himmel. Sie gehören zu den ersten. 1820 Montreux. Nach Montreux fährt man nicht. tern ihrer Eltern Konzerte besucht. Wenn Santana später im Konzert ein paar Töne von Don’t Let Me Be Misunderstood in ein Solo einflicht. im Halbschlaf der Text dazu ein. die jede Feinheit aufsaugen. Von der Seepromenade. Den Altersdurchschnitt würde man auf 65 schätzen. Vevey In solchen Momenten ahnt man. Stadt. Dass aber der Name von Montreux mit einem Mal um die Welt ging. Sicher war es lauter im Casino. Hierher kommen Gourmets. Ethnoschmuck. C. gelernter Koch. die in den Parks und im BahnChillon hof schliefen. heißt es in Bern Smoke On The Water. Zappa blieb cool und fragte ins Publikum: »Es gibt ein Feuer. Nobs holte schon Anfang der sechziger Jahre Rockbands in die Stadt. In der Ferne schimmern die Dreiecke der Bootssegel. Auftritt. Es war aber gar nicht das Festival. In jedem Zimmer Rue du Temple 2. Damals brannte der Saal buchstäblich. Deep Purple selbst haben ihn oft neu interpretiert. Tonnen von Gitarren. Auf der Straße stauen sich die Autos wegen der vielen Trucks. was ein Künstler trinken möchte. hängt ein riesiges Foto von einem Musiker beim Tel. Die Rocker von Deep Purple hätten da gut hineingepasst. er quartierte sie im Pavillon ein. Davon später. wie ihr Kollege Dennis Chambers bereits mit der Band durch die irrwitzigsten Arrangements fliegt. vornehmer Ort. hängt zusammen mit einem einzigen Gitarrenriff: G. Quincy Jones und Bootsy Collins geben sich in diesem Jahr das Mikrofon in die Hand. Grand Hotel Suisse Majestic. B. Eine feuchtwarme Brise rauscht sanft durch Pinien und Zypressen. wo Frank Zappa 1971 auftrat. Schlagzeugen. ehe der es ausgesprochen hat. Inoffizielle Stimmen erklären das mit den jungen Liebhabern vermögender Witwen. Aber in einer Schweizer Kleinstadt gelingt manchmal. Sonnenbrillen. seinen Heimatort aufzumischen. weiter links strahlen die weißen Spitzen der Dents du Midi. Fotos Montreux-Festival zeigen ihn sogar mit einem Feuerwehrschlauch in der Hand. Zappa blieb cool: »Es gibt ein Feuer. allen voran das Montreux Palace. bevölkert von den Pensionären der unweit ansässigen Pharma. B. »They burned down the gambling house / It died with an awful sound«. Vor drei Jahren weiter mit dem Zug nach Montreux hat sie aus ihrer Passion ein Hotel gemacht.und Lebensmittelkonzerne und von Reichen aus aller Welt. Juli aus. C / G. die darauf warten. wie er Geld für das Fes2172 m FRANKREICH tival auftreiben konnte. das sie 1971 nach Montreux brachte. Claude Nobs. Straßenmusiker stellen ihre kleinen Batterieverstärker auf und klampfen mit selbst gestrickten Songs gegen die Techno-Beats aus den Partyzelten an. hinaus auf die Veranda. war es kalt und dunkel. grooven. »Smoke On The Water«. kommen sie mit Sinfonieorchester. Sie gehören zu dem Song. Unter dem Eindruck der Ereignisse fiel Roger Glover. Der herrschaftliche Bau aus dem Jahr 1905 wurde in den Glanzzeiten des Stadtteils Territet errichtet. B. Da die Musiker die Lust daran verloren. die Gitarrenschüler lernen. Bäcker und Optiker dekorieren ihre Schaufenster mit E-Gitarren. Sie haben in den Siebzigern viele Aufnahmen eingespielt. um sich im Schlamm zu wälzen wie bei einem Open-Air-Spektakel oder um Handy-Kameras in die Luft zu halten. Für die Gitarristen wird es eine Premiere. bestimmte er. der schon weiß. Hinter den schwarzen Vorhängen wabert der Geruch von Räucherstäbchen. der vor vierzig Jahren hier entstand. Hier spielen neben der Derek Trucks Band (oben) auch Rockgrößen wie Carlos Santana. über den im Nachhinein alle glücklich waren. Paul Simon. in den Hinterhof. Nun. denen das Schweizer Steuerrecht so wohltut wie das subtropische Klima im Schutz der Alpen. Plattenladen. Warum gehen wir nicht alle raus?« Aber einmal im Jahr wird es laut in Montreux. Das Haus aus dem 16. Jazz ist hier ein weites Feld: Sting. vorbei an der Rezeption. Die Band baute ihre Instrumente am Ende eines Korridors auf. Mischpulten. Dank guter Kontakte in die USA schaffte er es. Schon am Nachmittag erkennt man die Stadt nicht wieder. 1967 begründete er das Festival. Akkuschrauber surren die Ouvertüre für das Montreux Jazz Festival. neu. 62 . Eigentlich ohne Publikum. und er ist noch immer der Chef. unweit der Statue von Freddie Mercury. Jahrhundert sieht von gepflegt mit musikaffinem Publikum. Anderseits war er auch immer ein guter Grammont Geschäftsmann. was in den USA undenkbar wäre: sich an den Aufpassern vorbeizumogeln. der triumphierend seine Faust in den Himmel reckt. Ein unfertiges Lied hatte die Band aus dem Pavillon mitgebracht. Er fand das gerade geschlossene Grand Hotel des Alpes. einem kleinen Theater. 75. rocken. als ein Fan vor lauter Begeisterung mit einer Leuchtpistole in die holzverkleidete Decke schoss. www. Kinder springen herum. Heute wird eine kleine Fotoausstellung eröffnet. www. brandet Jubel auf. Die Nachbarn. 0041-21/966 33 33. in dem sie ihr sechstes Album einspielen wollten. heute internationaler Musikstrippenzieher mit dem Nimbus eines Renaissancefürsten.« Er zählt mit dem Zeigefinger vier Schläge vor und schickt die Band weiter im Schnelldurchlauf durch das Repertoire. vorbei an Ständen mit bunten T-Shirts. Und auch die Zuhörer waren um einige Jahre jünger. um sich das Ergebnis anzuhören. dem Bassisten. G. »Da ist noch zu viel Durcheinander. Batikkleidern. die allein Santana an diesem Abend spielen wird. Auf der Veranda eröffnet sich ein Panorama in allen Tönen von Blau Als Deep Purple einzogen. Sie schieben sich durch die Budengassen rund um die Kongresshalle. nach jedem Take zum Mischpult hinunterzugehen. Liza Minnelli. Auf jeden ihrer 24 000 Bürger kommen jetzt zehn Besucher. sagt Santana mit weicher Stimme. erschien erst ein Jahr später als Single. In Restaurants werden Teller mit Noten und Klaviaturen hervorgeholt. Inhaberin des Tralala Hotels in der Rue du Temple.tralalahotel. das renommierteste und schillerndste seiner Art. die damalige Crème der schwarzen Musik ins Waadtland zu holen. 0041-21/963 49 73. als sie sich auf den Knien warm trommelt und zuhört. Fortsetzung auf S. Dass es jeden Sommer unter dem Wohlstandsmehltau von Montreux vibriert. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 61 REISEN Fotos: Cyrus Saedi für DIE ZEIT/www. Draußen wacht ein Türsteher darüber. Darum besteht es bis heute. Lautsprechern abzuladen. B. ist ausverkauft. Zwei Stunden vor dem Eröffnungskonzert stehen sie in Shorts und Hawaiihemden auf der Bühne des StravinskiAuditoriums. der seine acht Gitarren (links) mitgebracht hat Z artblau und glatt wie Frischhaltefolie. über Betten und Badewannen. auch durch alle Stile und Schulen. Wegen amtlicher Auflagen dürfen sie keinen Fuß auf die Straße setzen und auch keine GeMontreux Lausanne tränke mit herausnehmen. Festivalchef Nobs ist im Flur verewigt. »Funky Claude« Dents du Midi haben Deep Purple ihn genannt. Verfügbare Karten für andere Der Fotograf Pascal Corbat hat seine LieblingssongKonzerte unter www. dass die Rauchenden wirklich nur auf dem Trottoir stehen. sagt John McLaughlin. Palmwedel wiegen sich. Jetzt proben nämlich zwei Veteranen jener Jahre: Carlos Santana und John McLaughlin. Ihre Afro-Mähne wippt leicht mit. innen aus wie ein Designhotel. renovierter hat Estelle in Pop-Art-Manier an die Wand malen Klassiker. sogar eine Swing-Version spielten die gereiften Herren 2006 in Montreux. Diese Akkorde könnten von Jazz nicht weiter entfernt sein. der »Salade Nobs«. C / G. Und doch prangen gerade diese Noten. 1820 Montreux. alles verstummt sofort. muss nicht einmal die Position der Finger verändern. Direkt vor der Tür hielt der Orient-Express. Zu Guttenberg wünschte ihn sich zu seinem Abschied. Erste Paraglider leisten kreisenden Falken Gesellschaft. aber anders als Zappa hatten sie immerhin noch ihr Equipment. Estelle Mayer. Belle Epoque mit Seeblick – im lassen. man führt seine neue Sonnenbrille Festival: Das Abschlusskonzert von Deep Purple with Symphonic Orchestra am 16. Gotthilf Fischer intonierte ihn. Die Besetzung ist für das Konzert aufgestockt worden. Wer spielen sollte. früher Mitarbeiter des Fremdenverkehrsamtes.« Besser wäre es. sondern das Casino. Funky Claude half. B.montreuxjazz. unter anderem um ein zweites Schlagzeug.cyrus-saedi.suisse-majestic. der sich um alle und jeden kümmert. ging weit über Jazz hinaus. offiziell wird er mit 40 Jahren angegeben. das verdankt die Stadt ihrem mittlerweile bekanntesten Sohn. Sie sehen aus wie frisch gewaschen. Ein Impresario alter Schule. Er beginnt mit den Worten »We all came out to Montreux«: Deep Purples Smoke On The Water. der wusste. Air Berlin) oder Genf (easyJet). gemeinsam aufgetreten sind sie bislang nicht. Als Cindy Blackman mit McLaughlin ein Duett für Schlagzeug und Gitarre spielt. als der junge Claude Nobs Genfer See beschloss. denn viele im Publikum hören schon so lange Musik. Der Akustik halber verbarrikadierte man die Räume mit Matratzen. Sauber aufgereiht stehen die BelleÉpoque-Hotels an der Grand Rue. könnte man Sushi essen. als er seine Gitarre von der Schulter nimmt. IhDZ ab circa 110 Euro ren »Helden.

Das eigene Zimmer ist eines der grauen.« Hier oben in Caux. Vor weiß gedeckten Tischen stehen drehbare Fauteuils. Die beiden hängen in einer Gondel vor der Fassade und reinigen die Fenster. sagt die Dame am anderen Ende der Leitung. Zweige. als man verloren und auch ein wenig verdutzt in der Lobby stand. beruhigt später Ramin Gholami. sie lassen die darauf ruhenden Gäste wie Teile eines Kunstwerkes erscheinen. Wie Ameisen kriechen die Autos am Ufer entlang. Stehen da etwa zwei junge Männer unmittelbar vor einem? Ja! Besser gesagt steht man nackt vor zwei jungen Männern und ist erschrocken. Stattdessen aber öffnet sich die Tür. 61 Das »gambling house« wurde am selben Ort neu errichtet. und über allem strahlt ein Deckengemälde der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist. was man da sieht. als setzte es sich über dem Wiener Nachthimmel fort. Berge. Bloß: Wo steht das? Herr Nouvel legt offensichtlich nicht viel Wert auf Beschilderung. Nobs behandelt sie alle wie Familienmitglieder. die Fliesen sind so heiß. um Quincy Jones persönlich abzuholen. Wer nach einem langen Tag im barocken Wien in eines der 182 Gästezimmer zurückkommt. dunkel geflieste Flure. das zunehmend nach den Regeln des Investment-Banking abläuft. ist Nobs wohl der letzte seiner Art. In jedem Raum mindestens ein Monster-Flatscreen und eine Sound-Anlage zum Preis eines Mittelklassewagens. DZ ab 270 Euro . beherrscht die Entspannungsmassage so perfekt. Das Grand Hotel in Territet schloss 1975 endgültig. Das Ankommen zum Beispiel wäre gestern nur halb so angenehm gewesen. Und den Hotelbetreibern untersagt. bis der Horizont sich biegt. eher ein Sarkophag. Man geistert durch leere. »Sie sind nicht der Erste. nichts. klar und einladend erscheinen die weißen Gästeräume. Es war der Moment. Gebratenen Milchlammrücken gibt es. Da sitzt man also und versucht. kein Teppich. King war schon zwanzigmal da. Decke. Im eigenen Loungebereich macht man es sich gemütlich und entdeckt auf dem Tisch eine Broschüre mit den Angeboten des Spa. Barock siehe unten Das Sofitel Stephansdom überragt Wien mit formklarer Eleganz A Blick aus dem Restaurant im Dachgeschoss des Wiener Sofitel-Hotels ch. wenn der Angestellte einen nicht im richtigen Moment abgefangen hätte. läuft um ein paar Ecken und entdeckt. er lebt im Augenblick. wohl um noch besser reinsehen zu können. bewohnt Nobs zwei Häuser. ein Wallfahrtsort.30 Uhr noch einen Termin bekommen? Geht klar. gewöhnt sich wohl daran.com/de Sofitel Stephansdom. Boden. der sich verirrt hat«. dass man im Frauen-Hamam gelandet ist. Praterstraße 1. Im Konzertgeschäft. Heute erscheint das Casino von Montreux wie ein Westentaschen-Vegas. sich in die Empfangshalle eines Versicherungskonzerns verlaufen zu haben. Noch immer kommen die großen Namen. Es zeigt Szenen aus der Natur: herbstliche Blätter. weil man dachte.prco. 3-D-Brillen auf der Nase. Eine Art gläserner Adlerhorst. Aber das gehört wohl zum Konzept des französischen Architekten Jean Nouvel. zu erreichen über ein Parkdeck. auf 1100 Metern. sie sind nach Westen ausgerichtet.62 14. O weia. gewinnt das Haus jedoch an Stil. Der Raum ist schlicht gestaltet. Diesmal hebt man einfach die Zeitung. den Gedanken zu verdrängen. Nur ein großer dunkler Marmorblock. Die Konzerte. dass man unter seinen Händen für Momente einschlummert. Steht auf. schaut sich Nobs nicht im Saal an. ob das. sagt sein Assistent. Himmelblau – und erweckt durch die Spiegelung in der Glasscheibe den Eindruck. Anthrazit glänzen die Oberflächen. als wir vor dem gläsernen Fahrstuhl im Innern des Chalets warten. Heute ist es ein Apartmenthaus. hinten links: die Rezeption. 15 Minuten sind es bis zum Termin. 0043-1/90 61 60. Nobs lässt Besuchergruppen. Für Funky Claude war der Verlust seiner Hauptspielstätte im Nachhinein ein Gewinn: Die Wanderschaft zwischen wechselnden Terminen und Bühnen ließ das Festival immer länger und opulenter werden. Man ist glücklich. 1020 Wien. Nobs ist nach Genf zum Flughafen gefahren. Herr Gholami. läuft zurück ins Zimmer – und traut seinen Augen nicht. Er hat den 18-stöckigen Glasturm im zweiten Bezirk von Wien entworfen. frische Blumen in der Empfangshalle aufzustellen – sie könnten ja sein Werk profanieren. Maximal entspannt fährt man später mit dem Aufzug in den 18. digital aufbereitet und gepflegt von seinem Lebenspartner. läuft schlaftrunken ins Bad. er wird mit Gemüse und einem Kartoffel-Fenchel-Auflauf serviert. »Nobs ist wie Jazz«. bis unters Dach vollgestopft mit Kostbarkeiten und Erinnerungsstücken. Draußen auf der Veranda eröffnet sich ein gigantisches Panorama in allen Tönen von Blau. jetzt noch mal schnell ins Hamam. Jones wird später mit John McLaughlin einträchtig auf dem Sofa sitzen und Video gucken. Mit jedem Stockwerk. ägyptische Baumwolle wahrscheinlich. unten das Wasser. sie zeigen in Richtung Norden. wirklich stimmt. Gute Idee: jetzt eine Massage! Könnte ich für 17. In einem Nebenteil richteten sich Freddie Mercury und seine Band Queen ihr Mountain View Studio ein. Wer mit dieser Aussicht lebt. Stock des Sofitel Stephansdom hinunter auf die Stadt. über das der Rauch einst zog. In dem Betonbau ertönt die Kakofonie der Daddelmaschinen. Golden leuchtet Wien in der frühen Morgensonne. Leider hat das Hotel es versäumt. An der ergrauten Fassade laufen Kabel von Satellitenschüsseln entlang. und man fährt runter in den fünften Stock. Eine Frau tritt ein. sondern in seinem Heimkino. Es stellt sich heraus. an dem Besucher aus aller Welt mit Filzstift ihre Botschaften hinterlassen. dass diesen winzigen Schwitzkasten jemand von außen absperren könnte. nimmt eine Dusche. Dabei gab es am Service bisher gar nichts zu mäkeln. TOMAS NIEDERBERGHAUS Foto: www. und schaut aus dem 13. Man rekelt sich in feinster weißer Bettwäsche. am Vorabend auf den ungewöhnlichen Besuch hinzuweisen. Wände und Möbel – alles grau. Tel. ein kräftiger Mann und ausgebildeter Physiotherapeut. weiß die schlichte Eleganz mit klaren Linien und ohne Schnickschnack zu schätzen. reißt die Augen panisch auf und beginnt zu schreien. B. Die Mannschaft des elsässischen Drei-Sterne-Kochs Antoine Westermann sorgt dann noch für einen richtig schönen Abend. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 REISEN HOTELTEST Fortsetzung von S. mit LEDStrahlern von innen beleuchtet. dass man am nächsten Morgen beim Frühstück für einen Moment zweifelt. Sponsoren durch sein Anwesen führen wie durch ein Museum. Stock und damit direkt ins Restaurant Le Loft. die gläserne Eingangstür gegenüber einem Whirlpool. das man sich gen Himmel bewegt. sagt sein Assistent. In den abblätternden Arkaden um den früheren Haupteingang warten ein Friseur und eine Apotheke auf Kundschaft. das ist bekannt. kein Sessel. die zur Südseite liegen. so beginnt der Tag wunderbar. In einem Bunker lagert sein persönliches Archiv der Mitschnitte sämtlicher Festivalkonzerte aus 45 Jahren. Auf den Dom und auf die Donau. das vom Zimmer durch nichts getrennt wird. Was bewegt diesen Mann? Leider kann das vereinbarte Interview nicht stattfinden. Im Atrium stehen weiße Liegen. Es ist ein futuristisches Spa. Die jungen Männer von gestern hängen vor der Scheibe des Restaurants. Hinter der riesigen Panoramascheibe liegt einem Wien zu Füßen. Es gibt Zimmer komplett in Schwarz. eher zufällig. weit zu blicken. Und so viel guten Bordeaux. Seit Mercurys Tod ist die unauffällige Studiotür. Medienleute. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt des Hotels. dass man ohne Unterlage für immer gebrandmarkt wäre. »er ist unberechenbar. Mancher wie B.

Der Turm 80333 München.Anfragen bei Betreibern gebe es genug. das Fach. seinen Windstromanteil zu ver. Jede hat er nach dem Kirnern seines Halses bis zum Rotor chenheiligen des nächstgelegenen klettern und mich mit ihm versöhnen. Im Inringsum. blickt er in den Himmel. Plötzlich reißt der Wind ab. Sofort heult es durch die Röhre. wird da wie der Inbegriff des Homo faber. eine Stille.geschlossen. Haydn-Sinfonie fahre ich durch die baye. Aber möchte man der Koloss aus einer Waldlichtung.sport-piraten. Wie gigantische Beile zerhawerk. Dorfs benannt. Fünf Minuten später ist das ruft Herr Fürst. und hinter jeder Kurve Augen für die Sprossen. weil es Vorschrift ist. kommt das nächste Unwetter. Ssssit. einem Feld in der Oberpfalz. Ssssit. der die Fürst meint es ernst.kommt mir jetzt vertraut vor. gottgewollt ist. Ssssit. als sie bei 600 Kilowatt angekom. Sie wurden Plötzlich bricht die Sonne durch die Wolkenzehnfachen – mit mahlendem Gedecke und schüttet Licht aus mehreren stänge. in Deutschland solche Besteigungen durchführen. Wie ein patenter Bühne.David betrachtet die Flügel beinahe zärtlich. das den Regensburger Dom Löchern.« Ist das Oberpfälzer Humor? Nein. Ssssit. zu halten. Ich will Er zeigt auf weitere seiner Anlagen dort ein Windrad besteigen. Regen prügelt www. »Volllast! Mehr geht nicht!«. Es herrscht jetzt will von der Energiewende profitieren und überall Energiewende nicht zusammenpassen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 63 I Ssssit. hinter diesem Glanz noch die Brust weiten in einem Land. Er Seine Agentur baut dem Windkraftgewerbe eine bekommen wir Sie nie rechtzeitig ins Kranken. Vielleicht ist es ja mit den WindDa zwängt sich auch Herr Fürst rädern wie mit vielen anderen Dingen: aus der Röhre und erklärt mir. die Wälder. Herr Fürst lächelt unergründlich. der Generator jault. Ssssit. Eine Digitalanzeige rast zu schwankt.schiene ein und tapse los. gleiten Störche vorbei. die Hände packen so Männer wie Ludwig Fürst befeuert. es hier um mehr gehe als nur um den Kick. monen in sie gefahren. weil sie die Schöpfung In Bayern können Touristen nun auf In gleißend weißer Lackhaut ragt bewahrt. »Bei einem Infarkt da oben Jacobus verfolgt mich lange im Rückspiegel. Im Handumdre.) . Die Füße suchen nach zum Ausdruck jener Technikerseele wird. wohne Gott. Die Hauptrolle bei jeder Kletterpartie haus. Dabei ist das erst der Anfang. sagt einer der beiden Industrie. Er dass Heimatgefühle und die Minarette der hen sinkt die Anzeige auf null. Er bestellt. düsteren Wolkenfetzen durchwirbelt. Wir sind da. unter uns im prangenden Grün.Siehe auch KinderZEIT Seite 43 14. dass zu bergen. Das lasse ich lieber. »Nur die Pfarrer nicht. die Höhenzüge zu beherrschen.Dutzend Windräder strahlt. Altmodi. Und ich merke. Kurz darauf fahre ich mit dem Auto vom Feld. Segnungen seiner Branche erklärt. Klar. dass die Windenergie Kunden. Ludwig Fürst scheint nicht viel davon und hüpfe fast übermütig über die Sprossen. sagt seit Kurzem im Landkreis Neumarkt Fürst und kneift die Augen zusamWindradbesteigungen für Touristen men. Bayern hat »Kann losgehen«.de (kl. ein Münchner Veranstalter.« Und das hat überzeugt? Windräder klettern. »Vor zehn Jahren war hier ten. So hoch sind wir geklettert? Die Felder möchte ich lauter jubeln. Ich bin einer ihrer ersten ben gepredigt. dass das ganze Land sogar der Chef persönlich: Ludwig Fürst. Wie eine Eidechse steige ich weiter. Einer der mehr Menschen ins Windgeschäft Sport-Piraten ist schon da. Heute ist es Ich klinke meinen Gurt in die Sicherungs. Enhuberstraße 4. auf den man sich auch im Sturm verlassen kann. An den Durchbruchstellen locker überragt. Nähere Informationen Als ich mich bis zur Mitte emporgearbeitet und Buchung bei Sport-Piraten. bricht das Gewitter los. Und mit ihm meine Beklommen. David. Die Angst. sie zu schätzen. Doch irgendwann beginnen Windräder Oben sind es gerade eineinhalb. Zum trompetenhellen Blitzen einer kilometer schnell!« Der Herr über knapp zwei blendet Licht meine Augen. wird schnell offenbar: vergewissert er sich. ein einsteigen lassen. dass ich gegen diese Vorstellung bis heute das aussieht wie ein Nadelkissen? machtlos bin. als wollten sie jede Sprosse erwürgen. Aber ins Herz habe ich ihn nicht spielt ein Abgesandter der Betreiberfirma. Der Turm hat unten tragen Mandalas aus Traktorenspuren. Über 200 Sprossen musst du gehn: Auf der Windradplattform belohnt ein Panorama unseren Autor für den mühsamen Aufstieg Fotos: Olaf Tiedje für DIE ZEIT. die immer 87 Meter monströs genug.sport-piraten. auf die Röhre ein. der noch jeder gegen die Windkraft«. als habe jemand einen Stecker gezogen. Unser Windrad heißt Möglich machen das die Sport-PiraJacobus.kletterer. Beim Abstieg lehne ich mich in den Gurt drahtiger Bursche mit Weltenbummlerbart. »Sie haben doch keine Herzprobleme?«.heit.habe. Darum geht es heute auf Gott mit den Windrädern zu tun hat. Was er damit meint. Jetzt fällt mir auf. Der hat mittlerweile sein Mehr als 200 von ihnen führen senkrechte 65 gemütliches Weiß-Blau abgelegt und wird von Meter nach oben.Gewitter fort. Aber kann mir Haydn Kind glaubte ich.de immer neuen Ziffern. www. was Erst aus der Nähe lernt man. Als indiskutabel. 089/80 91 95 00. Als wir den Turm betreten. die sche Brille. wirken seine der Beteiligungsfonds. zerzauste Frisur – der 62-Jährige wirkt dem richtigen Rhythmus.REISEN st das jetzt Patriotismus? Es fühlt sich so men ist. Herr Bursche. Stunde und kostet 99 Euro. angekündigt. oben nicht kleiner. Mein erster Blick in die Tiefe Die Windradbesteigung dauert insgesamt eine bleibt auch der letzte. Sie wächst. »Der Rotor dreht sich jetzt 300 Stunden. als seien Dä. Ich aber habe nur Als ich auf die Plattform unter der Nabe trete.einen Durchmesser von mehr als vier Metern. rische Oberpfalz. Kernkraft ist gleißen die Ränder wie vergoldet. Die haanbietet. die dazugekommen sind.staune ich. cken die Rotorblätter die Luft. Tel. Dann an. Und um im Notfall zwängt mich in einen Hosengurt und betont. Auch wenn die neueste WindradgeneDann schwärmt er von den Renditen das? VON WOLF ALEXANDER HANISCH ration doppelt so hoch ist. die über mir im dämme. Angespannt fest zu. Über die Hügel rigen Nadelöhr verschwinden.

Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte. den Daumen hoffnungsvoll in die Luft gereckt. Außer. »Die Alpen werden in ein Renditeobjekt verwandelt. 14.. mit wenig Geld möglichst weit kommen. Edition Tranvía. H. Kultur und Politik. stünden kurz vor dem Kollaps. bunte Sammlung persönlicher Eindrücke und Erlebnisse. WH lich gestaltete Weg-Zeit-Höhen-Diagramme den jeweiligen Schwierigkeitsgrad der Routen. K. schuld daran seien Verkehr. »hatte die Chance. bibliophil gestaltetes Buch. die eine wesentliche Grundlage für die Schweizer Mentalität bildeten. als das Trampen für Tausende wohlbehüteter Wirtschaftswunderkinder nicht nur eine billige Form des Reisens war. um bei einer Tour durch die Marmoralpen Ruhe acht Regionen sortiert sind.K. locker geschrieben und Wehmut weckend bebildert. Und so standen sie dann.« Nielsen schickt ihre Leser zurück in eine Zeit. Oli. seine vertrauten Kreise zu verlassen und in Umstände geworfen zu werden. Wer das sportlibeschreibt die schattige. Die Autorin lässt ihre Protagonisten Max und Sine ein Jahr lang um die Wette trampen. besser gesagt: mühsam lernen muss. die. schreibt Maiken Nielsen. was sie zwischen Norwegen und Marokko an Glück. die Stiefel zu schnübei den übrigen 34 Tourenvorschlägen. die angesichts erster zaghafter Reformen nach dem Rückzug Fidel Castros die neuen Spielräume auslotet. Kuba zwischen Alltag.und Rundblicke auf die höchsten Gipfel zu genießen. sondern vor allem den Reiz des Unvorhersehbaren bot. 205 S. Sie gehören als Idee und als Landschaft allen. seit Langem hauptberuflich Wander. wieder »die schönste Hafenstadt am nördlichen Wendekreis« werden könnte. vom ersten Tomatenkauf mit Währungswirrwar bis zum gewagten Protest einer Künstlergruppe. Grenzwertigem und Grusel erleben. Eine pralle. könne sich niemand identifizieren. so Schmidt. H. Durch die Welt mit Neugier und Glück. Hamburg 2011.Zentren schon gut kennt. beschreibt. Tourismus. schildert Barbara Dröscher in ihren »Havanna Lektionen«.. Berlin 2011. behutsam saniert.90 € Zu Fuß durch die Toskana zusammengestellt. Gegen die »Kolonisierung durch Investoren« richtet sich der Autor nun mit einer materialreichen Streitschrift. pografische Kartenausschnitte und GPS-Tracks Selbst wer die Toskana abseits der touristischen bei der Orientierung in Esskastanienwäldern.90 €. Juli 2011 LESEZEICHEN DIE ZEIT No 29 REISEN Daumen hoch Sie waren jung und wollten weg. Und nun sitzt sie mit Sack und Pack in einem fast 50 Jahre alten Chevrolet. und was die Dozentin lernt. Verlag Walter Frey. an Autobahnauffahrten und warteten: »Wer per Anhalter fuhr«.64 14. die sich zudem der Geschichte der Schweizer Alpen widmet. 232 S. Ein schönes. Britta Ullrich: Toscana.Ziele entdecken. Maiken Nielsen: Trampen. Schmidt fordert: »Die Alpen sind ein öffentliches Gut. 19. Barbara Dröscher: Havanna Lektionen.« ALB Aurel Schmidt: Die Alpen. so der Befund des Publizisten. Frauenfeld 2011. auch als iPhone-App führerin in Italien. So gibt Sienas markante Silhouetes unter anderem einen te begleitet den WandeStrandbummel für Murer.« Dabei seien es doch gerade die Berge. als wäre dies die selbstverständlichste Sache der Welt. Mit Parkplätzen und Banken..90 € . Corso Verlag. Zusätzlich helfen to. Trittsicheren Italienisches Idyll in der Provinz Siena klärt sie den StreckenWanderern empfiehlt Britta verlauf so detailgenau wie Ullrich..17. Michael Müller Verlag.80 € Alpen für alle Aurel Schmidt sorgt sich um seine Heimat: Die Schweizer Alpen. Was sie in der Karibik-Metropole erwartet. und beleuchtet dabei ganz en passant ein Stück europäischer Geschichte. Die Autorin. der auf den etwa zehn Kilometer südlich der Stadt schelsucher und Ornithologelegenen Lehmhügeln ungen entlang der Lagune von terwegs ist: Britta Ullrich Orbetello. Verlag Huber.Erlangen 2011. Dabei erno bevorzugen. durchaus auch kinderwird das Auf und Ab enttaugliche Route in ihrem lang der schweißtreibenden variantenreichen ToskanaRoute nach San GimignaWanderführer. kann mit diesem zuvervenhainen und auf antiken Hohlwegen. Verstädterung und der Umbau der Berge in eine Konsumlandschaft der Freizeitgesellschaft. Ihr Auftrag ist politisch heikel: In Havanna soll Barbara Dröscher halb offiziell ein Zentrum für den akademischen Austausch zwischen Kuba und Deutschland leiten und an der Universität deutsche Literatur lehren. dass es sie gab. che Programm bevorzugt.lässigen Guide neue Wege und wunderschöne dem verdeutlichen Stern-Symbole und anschau. Wissenschaft und Philosophie. die nach ren. 384 S. 29. ihrem Widerhall in Politik. der sie vom Flughafen José Martí zu ihrem neuen Zuhause bringt. 112 S. von denen er vorher nicht einmal wusste. hat ein breit gefächertes Angebot erhältlich Foto: Clemens Zahn/laif Kubanische Studien Sie hatte Lust auf Neues.

Sie alle schreiten durch die schweigen. Rentner ohne Rente. die stieg von der stolzen Höhe. Doch die meisten Griechen kommen nicht zum Wandern. als es Griechenland noch besser 15 km Maria kommen ins Schwärmen. war das Spielcasino. Oder sie diskutieren über das neue Gesetz. um malgeschwindigkeit. kostete die Fahrt mit nach oben. ist spendabel.Jahre nach der Olympiade brach Feuer am Gipfel vorzukommen. elegantem Teakholz herrscht im Saro Saronischer bis zur Akropolis inmitCasino Tristesse. die unberechenbar über noch immer am Casino auf dem Berg hält. Aber die Spieler wollen nur eins: schnell zum Nationalpark beförderte. mit ihnen zum Casino Mont Parnes fuhren. Jacketts. Majestätisch. Aber Fanis fühlte sich nicht freunde mischen sich Hostessen in Stöckelschuhen wohl unter all diesen hundertprozentigen Grie. Männer. und wenn am Nachmittag dann noch die Spieler hinDem »Párnitha«. sagt Fanis. und unter die Naturund tranken Kaffee.Zorn der Götter war noch nicht verflogen: Drei dung. wurde aus dem Hotel bei der Gipfelstation ein Früher. wenn die Athener auf die Idee kommen. da drüben«. an der Talstation des »Teleferik«. Aber selbst mit den Verlierern griechischen Mokka nennen. Sogar die Liebe zum Meer fehlt Geldbündel im Handschuhfach bereit. nach Piräus. still steht das Berg den Griechen etwas wert.tionalparks lagen in Asche. »Maria. Sie suggerieren. da haben wir Spanakopita gegessen. in aller Ruhe. Damals war der Kabinen der Seilbahn den Berg hinauf. an denen Jahren komplett erneusie vor einer halben Stunde ihr Pir Piräus r GRIECHENLAND ert wurde. Acht Minuten braucht die Gondel bei NorWanderschuhe an und fahren zum Fuß des Párnes. Korridore. Frank Sinatra. Ihm ist es egal. mit über der Stadt am Meer. sich die Räder der neuen Bahn ebenso wie die Zwar entstand wenig später bei ThrakomakeGlücksräder des Casinos. dass man hier hin. der Gipfel. www. sind zu Mahnmalen geworden. Tel. 16 000 Sportler aus die Griechen gut gebrauchen. ein weiterer um 18. »und dann tenboten von Marathon würden keinen einzigen ist es besser. In der Berghütte von Flabouri sind 40 Schlafplätze eingerichtet. In kurzen Abständen schwingen sich die der Seilbahn noch 50 Drachmen.« Durch die Padenlang sitzen stumme VerlieAt At Athen noramascheiben der Seilrer an der Bar und schauen zu bahn. und seine »goldenen Jahre« erlebte. In Griechenland aller Welt siedelten am Fuß des Berges. MaximaleinEinzig das Casino hat überlebt. das im Sonnenlicht zwischen den Baumstümpfen sprießt. »Mont Parnes.de/audio Foto: Dimitriadis/laif für DIE ZEIT . aber kein Messingschild kündet beim Ausaufgelaufen ist. für einige Stunden nicht mehr passieren. »Es gibt Leute. die noch mal hochmüssen. In fünf Höhenmeter zu Fuß gehen. nach dem in Cowboystiefeln. Die Zinihm. wie er sagt.15 Uhr ab Omonia und ein letzter um 20.« Es ist noch immer eine stolze Landschaft. da drüben!«. erklingt. sondern zum Párnes von Athen. Gebannt verfolgen Roulettespieler den Lauf chische Staat wolle seine Anteile verkaufen. stehen für die Athener im Casino des Athener Hausbergs aus. Er hat nie getrunken. die über die Seilbahn nebst luxuriösem Hotel mit Pool und weißen Steinflure zwischen Kiefern und Tannen Dachterrasse inmitten des Waldes eröffnete und ihn springen. nur im Casino Gesichter sind zerknittert. Nähere Auskünfte beim Acharnes Alpinclub. kauen an lackierten FingernäGrieche. reicht der ganzes Geld gelassen haben. verkünden die Betreiber trotzig auf Plakaten Zeit wieder herunter. Kostüme und 1413 m auf dem Berg. den die Griechen hat. sagt Fanis zu Maria und deutet auf ein rotes Haus. zupft er am zarten Gras. Knapp drei Stunden dauert der Aufstieg. 0030-210/614 98 00 Casino: Das Restaurant mit großer Terrasse und Blick auf Athen ist an Werktagen abends und an Wochenenden ganztägig geöffnet. spielen sie erst recht. die fahren jeden Wiederbelebung eines Mythos – die Geschichte geht Tag um die gleiche Zeit hoch und um die gleiche weiter«.mountains. »Das ist Flabouri.gr. sogar den ein. kleine zur See gefahren. dann schlägt er die mit Wanderabzeichen und hölzernen Spazierstöcken. Es war schon der Blick des Wanderers über einen kahlen Berglange nicht mehr so viel los. zusätzliche Informationen unter www. er raucht nicht.« deren kurze Aststümpfe wie abgehackte Gliedmaßen Párnitha Anreise: Ein kostenloser Bus des Casinos zur Talstation der Seilbahn startet um 14. pern entrindeter Bäume. hat er lassen sich Geschäfte machen: Die Fahrer halten aufgegeben. Wenn der Himmel blau ist und wenn auch sen für die Privatkredite sollen den deftigen KiloMaria gerade Zeit hat. Und da. Doch der gibt es nur noch ein Thema: die Staatsverschul. ein kerkönige und Bankertöchter auf den Berg.Meer.regencycasinos. 24 Stunden am Tag drehen standen sogar die Räder des Glücksspielhauses still. spielt nicht. gestürzten Köreben Spieler. deren letzte aus dem Fenster! Die starren auf ihre Schuhe und Leidenschaft das Spiel ist.15 Uhr ab Piräus.und Croupiers in Livree. das Olympische Dorf. die vor wenigen den Tischen herüber. »Schau. satz 1800 Euro.zenter Beleuchtung und lässiger Croupiers in allen armiger Banditen im öffentlichen Raum erlauben drei großen Spielhallen: Im Schein der niedrigen soll. an dem jedes Unwetter hängen bleibt. Doch draußen schweift sagt der Inspektor der Talstation. Er flucht nicht und ist nie für diejenigen. dem Göttersitz bei Delphi. Die zukommen. Von hier aus Denn der einzige Weg in den Nationalpark führt fuhren sie dann mit der Gondel auf den Gipfel durch die Gänge des Casinos.gr Wandern: Eine gute Wanderkarte für den Párnitha gibt es in der Stoa Arsakio Nr. Sie suchen das Glück im benachbarten Casino VON HANS W. Aber an schönen Wochenden sich einst griechische Propheten zum Belau. Und die Spieler: Männer chen. taucht tatsächlich ein Hirsch auf. tische bereit. 0030-210/32 18 04. 0030-210/246 15 28 und 246 42 22. »Die gucken nicht mal Schmuck behängte Frauen.gereizt. zum 50-jährigen Bestehen. Doch da. Statt der Ausflügler kamen jetzt Tananders. Als gingen sie zur Arbeit«. albanische Ausstieg rauchten. Trotz der sonoren Stimme des Entertainers. »Um noch mehr Steuergelder zu kassieren!« Lampen über den Spieltischen wirkt die Stimmung Und sie debattieren über das Gerücht. das auf dem gegenüberliegenden Berggrat zwischen den Bäumen auftaucht. KORFMANN Sichere Gewinne fahren nur die Taxifahrer anis Papakostas ist kein Grieche. spielen sie. Also über das von Las Vegas.station auf »Full Speed«. wem Räder des Spielautomaten »King Kong das Casino gehört. hoch weil einer von ihnen einmal gewonnen hat. übersät von den bleichen. stunwar ich nie. Nur der Párnes scheint von allen guten Geistern verlassen. schen der Götter und anschließendem Orakeln das kostenlose Vergnügen einer Seilbahnfahrt mit versammelten. der grie. Mindesteinsatz 5 Euro. durch dieses Tal da. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 65 Von der Terrasse des Casinos reicht der Blick über ganz Athen Pokern auf dem Schuldenberg Von Athen führt eine Seilbahn hinauf zum Párnitha-Nationalpark. Tel. wenn man schwindelfrei ist«. Golf Gol ten des weißen HäuserFrüher war das anders. dann ziehen die zwei ihre meterpreisen um nichts nachstehen. Die verkohlten Stämme. Vielleicht geht die Geschichte doch noch weiter. Kein steiniger Pfad empfängt den WandeHände über dem Kopf zusammen. Vor 50 ZEIT-Gra ZEIT-Grafik meers von Athen. wurde der Betrieb eingestellt. »Die Griechen sind rücken. Und wenn sie keins haben. die ihr schwer verdientes Geld verlieren. gar nicht weit von der Talstation des TeleGlück ständig verfügbar ist.zeit. die an der Talstation warten. Blick bis zum SaroniTrotz Zigarren. Fanis und Jahren. Um wenigstens der privaten Insolvenz zu. schaltet der Steuermann in der Basismeisten Nachkommen des berühmten Nachrich. die er der kleinen Schicksalskugel. 6a in Athen. Zehn Jahre später Wunderwerk österreichischer Seilbahnbaukunst nie.eosacharnon. wie die Griechen sagen.enden. »Ich war oft becher. Fanis ist kein Cash«. All diese nervösen Spieler.gr F über die verbrannte Erde hinweg auf grüne Wälder in der Ferne weisen. die vor dem Einstieg rauchten. dass das dones. der weiße Hügel vor der Kulisse dunkler Wälder im Hintergrund. trinkt geln und füllen reihenweise AschenPárnes nicht. dedas in Griechenland künftig das Aufstellen ein. während über Lautsprecher die Stimme dann meistens über das Glück. nie geraucht. die Arbeiter. www. Wer gewonnen türkischen Mokka. Denn der Párnes ist ein echter Berg. In den Tälern und auf den Bergen ringsum stehen unversehrte Tannen. sondern ein ausgerollter Teppich. Nähere Auskünfte bei Regency Casinos. Whiskey und schen Golf. »Wenn Minuten sind die Gondeln 1055 Meter über dem man einem Griechen erzählt. Geld. Und Glück können ferik. statt die Seilbahn zu nehmen. Weitere Infos unter www. Frauen starren auf die rasenden Fanis kichert. kein Souvenirladen noch dazu keinen Cent kostet.REISEN 14. ging und Präsident Karamanlis die erste erzählen von verwilderten Ziegen. einem Ausflug in die Natur zu kombinieren.30 Uhr vor dem Hilton Hotel. Wenn sie Geld haben. Nicht zum Parnass. Doch die Spielsucht wenn es zu windig war. als noch die alte Bahn verkehrte. sind wir heraufgekommen – mitten durch den Wald.« Früher parkten auch Maria und Fanis ihr Auto rer.« Wenn die Spieler doch einmal reden. die Stege hüpft. 56 Hektar des NaMont Parnes 1500 Spielautomaten und 110 Spiel. der Griechen muss die Götter erzürnt haben: 1999 Seit den Olympischen Spielen 2004 kann das ließen sie die Erde erbeben.

66 14. Juli 2011

DIE ZEIT No 29

REISEN

»Am sensibelsten sind die Großen«
In Gondwanaland, der neuen Tropenhalle des Leipziger Zoos, gewöhnen sich die Tiere langsam an die Besucher
DIE ZEIT: Die riesige Tropenhalle GondwaZEIT: Zu sehen gibt es in der Tropenhalle jede

Fotos (Ausschnitte): Sebastian Willnow/dapd; Zoo Lepzig (kl.)

naland ist die neue Attraktion des Leipziger Zoos. Allein am Eröffnungstag am 1. Juli sind 3500 Besucher über die Bohlenwege spaziert und den künstlichen Fluss heruntergeschippert – dem Publikum scheint das Konzept zu gefallen. Aber wie haben die Tiere reagiert? Michael Ernst: Unterschiedlich. Das Faultier saß am Anfang immer etwas verschüchtert ganz oben in seinem Baum, einer toten Robinie. Inzwischen traut es sich allerdings schon etwas weiter runter. Den Komodowaran dagegen stört der Trubel ringsrum gar nicht: Die Echse braucht eine Stelle, die 45 Grad warm ist, und die haben wir ihr einfach direkt vor der Scheibe eingerichtet. Genau da legt sie sich jetzt auch hin. ZEIT: Vom Serval, einer afrikanischen Wildkatze, waren bei der Eröffnung nur die Fußspuren im Sand zu sehen ... Ernst: Er hatte auch nur wenige Tage, um sich einzugewöhnen. Mit der Zeit wird er aber sicher zutraulicher werden. Normalerweise gilt: Je größer die Tiere, desto sensibler sind sie – wie die Schabrackentapire, die sind bisher noch unsere Sorgenkinder. Wir haben ein Weibchen aus Nürnberg und ein Männchen aus England. Wenn wir die beiden jetzt schon zusammen rauslassen würden, hätte ich Sorge, dass sie in Panik irgendwo gegenrasen. ZEIT: In der Tropenhalle kommen Besucher den Tieren näher, als das in Zoos sonst üblich ist. Gibt es da besondere Verhaltenstipps? Ernst: Na ja – man sollte vielleicht nicht gerade schreien, wenn man etwas sehen will, aber das ist im Wald ja auch so. Langsam gehen, lange gucken, den Rundweg inklusive Baumwipfelpfad ruhig zwei- oder dreimal machen. Man muss sich hier schon ein bisschen Mühe geben, stehen bleiben und suchen.

Menge. Wie bringt man als Tierpfleger eigentlich 300 Tiere aus mehr als 40 Arten in einer einzigen Halle zusammen? Vertragen die sich überhaupt? Ernst: Die Gehege und Becken sind schon getrennt. Zusammen lassen wir zum Beispiel Riesenotter und Weißgesichtsmakis, südamerikanische Affen. Aber direkt aufeinander treffen sie trotzdem nicht, weil die einen nur am Boden oder im Wasser bleiben und die anderen auf den Bäumen. So eine Tiervergesellschaftung ist aber immer ein Versuch, und der kann auch mal schiefgehen – etwa wenn ein Affe runterfällt und gebissen wird. ZEIT: Und was das Klima betrifft? Ernst: Da gibt es kein Problem: Wir zeigen hier die Vielfalt von vier Kontinenten – alle, durch die sich der Regenwaldgürtel um den Äquator zieht: Afrika, Asien, Südamerika und Australien. Dadurch haben die Tiere schon mal gemeinsam, dass sie ähnliche Temperaturen brauchen und etwa zwölf Stunden Licht. ZEIT: Momentan ist es doch aber viel länger hell. Ernst: Ach, das macht nichts, die Tiere kommen so oder so in ihren Rhythmus. Ich finde, man darf das mit den Zeiten nicht so genau nehmen, bei der Fütterung zum Beispiel: In der freien Wildbahn fängt der Otter ja auch nicht jeden Morgen um acht einen Fisch. ZEIT: Nach welchen Kriterien haben Sie die Tiere ausgewählt? Ernst: Wir haben uns gefragt, was das Publikum mag, was aus fachlicher Sicht interessant ist, welche Tiere in der Halle gehalten werden können – und welche wir überhaupt bekommen. Als vor zwölf Jahren die Idee entstand, las sich die erste Wunschliste für das Gondwanaland wie ein Who’s who der Tierwelt. Über die Jahre mussten wir die Liste dann allerdings

der Realität anpassen. Seekühe etwa sind ein- Ernst: Ach was, die bekommt von dem ganzen fach zu groß für eine Halle, auch wenn sie Hype gar nicht viel mit. Außerdem hat Heidi 16 500 Quadratmeter misst. längst gemerkt: Wenn man den Leuten nicht ZEIT: Kann man als Besucher mit den Tieren die Schiele-Augen, sondern den Hintern zudreht, gehen die auch schnell weiter. Aus Sicht auch in Berührung kommen? Ernst: Nicht direkt, aber zumindest kommt eines Tierpflegers ist sie ohnehin nichts wirkman ihnen sehr nah, den Totenkopfaffen zum lich Besonderes, in Amerika gilt ein Opossum Beispiel. Denen haben wir eine eigene Insel sogar als Schädling, ein Fall für den Kammergebaut, die Gäste auch betreten dürfen. Not- jäger. Aber ich finde es wunderbar, dass wir falls benutzen die Tiere mal einen Besucherrü- mit einem Schädling so viel Aufmerksamkeit cken zum Abspringen, die Kontaktaufnahme erregen. Das bringt uns ja auch zusätzliche sollte allerdings den Affen überlassen bleiben. Einnahmen, die wir einer bedrohten Tierart Wir hoffen nur, dass sie dabei keine Brillen zugutekommen lassen können: den Sabahmitgehen lassen. Die Affen im Londoner Zoo Nashörnern nämlich. Von denen gibt es nur haben mal eine ganze Weile Sonnenbrillen re- noch etwa 50 Exemplare in freier Wildbahn. Ich war sechs Wochen lang selbst auf Borneo, gelrecht gehortet. wo wir ein Projekt für diese ZEIT: Welche Tiere mag das Nashörner unterstützen. Publikum bisher am liebsten? Ernst: Am längsten stehen die ZEIT: Und? Fühlt sich GondBesucher bei den Zwerg- und wanaland ähnlich an wie der den Riesenottern – weil die Regenwald dort? niedlich sind und immer in Ernst: Na ja, fast – das Klima Bewegung. Zoo-Freaks gehen ist hier bei uns mit etwa 26 dagegen eher zu den SundaGrad und bis zu 75 Prozent Gavialen, südostasiatischen Luftfeuchtigkeit zumindest Krokodilen, zum Tüpfelbeutel- Michael Ernst, 40, ist vergleichbar – nur nicht ganz marder oder zu den Flussschild- Cheftierpfleger in so extrem, sonst würden die kröten. Und manche bleiben Leipzigs Gondwanaland Besucher ja reihenweise Kreisda dann einfach den halben laufprobleme bekommen und Tag stehen und sehen zu. umkippen. Außerdem ist der ZEIT: Haben Sie selbst auch ein Lieblingstier? echte Regenwald in Bodennähe oft dunkel Ernst: Mich begeistern die schnöden Blatt- und braun. Grün und lebendig wird er erst in schneiderameisen. Wenn man beim Bootsan- den Baumkronen. Das haben wir hier natürleger ansteht, dann kann man sie beobachten. lich anders gemacht. Bei uns läuft man nicht Diese soziale Organisation! Darin sind die uns durch einen Stangenwald, sondern durch grünen Urwuchs: eine ästhetische Überspitzung, haushoch überlegen. ZEIT: Der eigentliche Gondwanaland-Star ist klar. Aber Sie gucken ja auch keinen Krimi, aber doch sicher Heidi, das schielende Opos- um echte Polizeiarbeit zu sehen, mit stundensum. Stresst sie das nicht extrem, wenn da langem Aktenwälzen. zehn Stunden am Tag zig Menschen vor ihr an Interview: TINKA DIPPEL der Scheibe kleben?

Der Totenkopfaffe kommt auch mal auf einen Sprung vorbei

CHANCEN

S. 71

BERUF

Spielen zwischen Kühen und Hühnern: Eine Landwirtin und eine Erzieherin in Niedersachsen leiten einen Bauernhofkindergarten

SCHULE HOCHSCHULE BERUF

LESERBRIEFE S. 88 DIE ZEIT DER LESER ab S. 72 STELLENMARKT
S. 87

14. Juli 2011 DIE ZEIT No 29

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POLITIK UND FORSCHUNG

Wissenschaft für alle
Merkel will mehr Verständlichkeit, das sollte auch für die Politik gelten
Kann man das nicht einfacher formulieren? Das ist es, was Angela Merkel in einem Absatz ihrer Rede auf der Jahresversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft fordert. Sie bittet die Forscher, »die Sprache der Wissenschaft so zu benutzen, dass diejenigen, die nicht ganztägig wissenschaftlich beschäftigt sind, sie auch verstehen können«. Ein schöner Aufruf zu mehr Verständlichkeit. Akademisches Schreiben ist eine elitäre Angelegenheit – schade, wenn die schriftlichen Wunder des Fortschritts sich nur Eingeweihten öffnen oder gar nicht erst gelesen werden. Natürlich passt die Quantentheorie nicht auf den Bierdeckel. Wo man es aber einfaSEI T EN cher sagen kann, da soll man das auch tun. Wo es gar nicht geht, darf man den Nutzen hinterfragen. Dem Ansehen der Wissenschaft tut es gut, wenn mehr Leute Zutritt haben. Dann gibt es auch andere Gründe, eine Doktorarbeit aufzuschlagen, als nur die Jagd nach plagiierten Stellen. Vom Inhalt kann man schließlich profitieren, wie auch die Kanzlerin in ihrer Rede befindet: Die Ergebnisse könnten »bis weit in das persönliche Leben hinein von Relevanz sein«. Das hat sie hübsch einfach erklärt. Bei ihr und in der Politik ist das leider nicht immer so. Ein guter Tipp an die Wissenschaft also, der auch für Angela Merkel selbst gilt. LEONIE ACHTNICH
VON PETRA HEMMELMANN

Fehlkalkulation
Vier Millionen Deutsche leiden an einer Rechenschwäche. Die Schulen nehmen darauf kaum Rücksicht

E

s ist nur eine kleine Zahl. Aber da steht es schwarz auf weiß. Eine Vier in Mathematik. Die Leistung ist ausreichend, heißt das. Für Lea Breitenbach und ihre Eltern ist sie weit mehr. Sie ist ein lange erkämpfter Sieg. Lea besucht die fünfte Klasse der Glauber-Realschule im unterfränkischen Karlstadt, und die Vier im Zwischenzeugnis ist die erste Mathe-Note ihres Lebens. Seit der ersten Klasse war die Notengebung in Mathe bei ihr ausgesetzt worden. Noch vor zwei Jahren waren eine Vier in Mathe und die Realschule weit entfernt. Wäre es nach den zuständigen Politikern und Beamten gegangen, wäre Lea heute auf der Förderschule. Dabei ist das zierliche Mädchen mit den langen braunen Haaren eine passable Schülerin. Eine Eins in Religion, eine Zwei in Erdkunde, Dreier in Deutsch und Englisch. Doch Zahlen sind für sie eine fremde Welt. »Rechnen ist was für die anderen«, sagte sie schon in der dritten Klasse. Die Elfjährige kann bis heute nicht sicher bis zwanzig rechnen, Größen und Mengen nicht schätzen, hat Probleme in der räumlichen Vorstellung. Lea fehlt die Fähigkeit, Mathematik zu verstehen. Dyskalkulie ist das Fachwort für diese Rechenschwäche. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet sie als Teilleistungsstörung. Das heißt: Wer Dyskalkulie hat, bringt auf anderen Gebieten ausreichende Leistungen, ist mindestens normal intelligent. Die Rechenstörung zeichnet sich aus durch das vollkommene Missverstehen der Mathematik. Dyskalkuliker haben vor allem mit den Grundrechenarten Schwierigkeiten. »Sie haben keine Vorstellung, dass sich hinter Zahlen Mengen verbergen. Für sie ist Mathematik wie eine Fremdsprache, die sie nicht verstehen«, erklärt Inge Palme, Beraterin beim Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL).

Mädchen. Wenn ihre Klassenkameraden rechnen, beschäftigt sie sich selbstständig mit Lernmaterial aus einer Rechenkiste. Als Lea in die dritte Klasse kommt, beginnen sich ihre Eltern zu fragen, was nach der Grundschulzeit aus ihrer Tochter werden soll. Elke und Uwe Breitenbach wissen: Wenn es keine Note in Mathematik gibt, kann diese auch nicht in den Notenschnitt im Übertrittszeugnis einfließen. Die Schulbehörden sehen das ähnlich: Ohne Mathe-Note keine weiterführende Schule. Ob man nicht mal über die Förderschule nachgedacht hätte? Die Breitenbachs kämpfen sich durch die Behörden, werden von einer Zuständigkeit zur nächsten verwiesen. »Ein Spießrutenlauf«, sagt die Mutter. Im Ministerium sitzt Elke Breitenbach sechs Beamten gegenüber: Ohne MatheNote keine Realschule. Dyskalkulie hin oder her. Lea dürfe aber zum Nachholtermin der Prüfung für eine nachträgliche Realschulzulassung antreten, lautet der Vorschlag. »Na ja, dann schaff ich das jetzt halt«, sagt Lea tapfer, als sie davon erfährt. Eifrig bereitet sie sich mit alten Prüfungsfragen vor. Schriftlich läuft es durchwachsen, doch im mündlichen Teil überzeugt Lea die Prüfer. Sie sei neugierig und weit über Hauptschulniveau. Sie bekommt eine Vier. Ausreichend für die Realschule.

lich bezeichnen«, sagt Johannes Mierau, dessen Spezialgebiet das Schulrecht ist. Im Grundschulbereich sei es oft zumindest über Umwege möglich, einen Nachteilsausgleich zu erwirken. So geht die bayerische Volksschulordnung zwar nicht speziell auf Dyskalkuliker ein, sieht aber vor, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf von der Schule einen Nachteilsausgleich bekommen können. Andere Bundesländer wie Niedersachsen, Baden-Württemberg und Berlin haben inzwischen eigene Verordnungen zur Rechenstörung. Gängiger Nachteilsausgleich ist eine Zeitzugabe. In Berlin, Bremen oder Rheinland-Pfalz zum Beispiel können rechenschwachen Schülern sogar andere oder weniger Aufgaben gestellt werden. Ein Rechtsanspruch

besteht jedoch nicht. Es liegt im Ermessen des jeweiligen Schulleiters, ob und in welcher Form Nachteilsausgleiche gewährt werden. Verglichen mit dem Bereich der weiterführenden Schulen ist die Situation in der Primarstufe noch geordnet. An Gymnasien und Realschulen sind weder Nachteilsausgleich noch Notenschutz vorgesehen. Hauptargument der Kultusministerien ist, dass Dyskalkulie nicht ausreichend erforscht sei. Die Grenze zwischen Schülern, die sich einfach mit Mathe schwertun, und solchen, die tatsächlich eine Rechenschwäche haben, sei schwer zu ziehen. Verantwortlich für die politische Zurückhaltung könnte jedoch auch die zenFortsetzung auf S. 68

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Dyskalkulie fängt bei den Grundrechenarten an
Der Fall Lea zeigt, wie überfordert die Politik mit der Problematik Dyskalkulie ist. Vier Millionen Leidtragende – das ist mehr als Berlin Einwohner hat –, aber im Schulrecht ist die Rechenschwäche bis heute ausgespart. 2007 rang sich die Kultusministerkonferenz (KMK) zu einer gemeinsamen Empfehlung zur Förderung von Schülern mit »besonderen Schwierigkeiten« durch. Während für Legastheniker Zeitzuschläge und sogar das zeitweise Aussetzen von Noten angeraten werden, gibt es für Schüler mit einer Rechenschwäche keinerlei Fördervorschläge. Eine Berücksichtigung der Rechenstörung bei der Notengebung würde gar den Grundsatz der gleichen Leistungsbewertung verletzen. Bei Rechenschwachen ist häufig schon der Rechenweg falsch, das Ergebnis folglich unbrauchbar. Wie soll ein Lehrer so eine Leistung bewerten? Der Würzburger Jurist Johannes Mierau beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Legasthenie und Dyskalkulie. Er kann die Unentschlossenheit der Politik teilweise nachvollziehen: »Wenn ein Legastheniker ein Wort falsch schreibt, kann der Lehrer trotzdem erkennen, was der Schüler inhaltlich ausdrücken wollte. Das ist bei einem Dyskalkuliker in Mathematik weit schwieriger.« Während die Legasthenie nur einen Teilbereich der sprachlichen Fähigkeiten betrifft, wirkt die Dyskalkulie auf das Fundament der Mathematik. Lea hat, wie mindestens 17 Prozent aller Dyskalkuliker, auch eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Beide Teilleistungsstörungen sind von Kinder- und Jugendpsychologen bestätigt. »Uns bringt aber nur die eine Bescheinigung wirklich etwas, die andere könnten wir auch als Klopapier verwenden«, sagt Elke Breitenbach energisch. Während Lea aufgrund ihrer Legasthenie in jedem Fach bei Tests und Prüfungen einen Zeitzuschlag von 50 Prozent bekommt, hat der Dyskalkulie-Bescheid nur symbolische Bedeutung, im Grunde bundesweit. »Ich würde kein Bundesland hinsichtlich der Dyskalkulie als fortschritt-

Schlechte Mathe-Noten können Schülern die Zukunft verbauen
Zwischen vier und sechs Prozent der Bevölkerung haben eine solche Rechenschwäche, schätzen Wissenschaftler. Das entspricht rund vier Millionen Deutschen. Im Schnitt sitzt damit in jeder Schulklasse mindestens ein Dyskalkuliker. Wenn es Zeugnisse gibt, bangen vor allem oft solche Kinder und ihre Eltern um die Mathe-Note. Denn gerade beim Übergang in die weiterführenden Schulen kann diese Note entscheidend sein. Obwohl die Rechenstörung weit verbreitet ist, ist es das Wissen darüber nicht. Anders als bei ihrem Pendant in der Buchstabenwelt, der Legasthenie, sind mit der Rechenschwäche konfrontierte Politiker, Lehrer und Eltern vor allem eines: ratlos. Dass Lea anders ist als die anderen, bemerkt ihre Mutter Elke schon in den ersten Schulwochen. Die Erstklässler sollen Mengen einkreisen. Während ihre Klassenkameraden längst fertig sind, ist Lea noch am Zählen. Selbst Zahlen zu schreiben fällt ihr schwer. 53 oder 48 – was ist größer? Lea grübelt. »Wieso weiß das immer jeder außer mir?« Eine Diagnose beim Kinder- und Jugendpsychiater am Ende der ersten Klasse bestätigt den Verdacht: Lea hat Dyskalkulie. Auf Vorschlag der Schule wird die Notengebung in Mathe ausgesetzt. Zum damaligen Zeitpunkt ist das in Bayern noch auf unbestimmte Zeit möglich, mittlerweile nur noch für maximal sechs Monate. Der mobile sonderpädagogische Dienst übt fortan einmal in der Woche mit dem

Illustration: Niels Schröder für DIE ZEIT/www.niels-schröder.de

HI

EB

68 14. Juli 2011

DIE ZEIT No 29

SCHULE

CHANCEN

Pflege, gemeinnützige Vereine, Versorgung von Bedürftigen: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für Schüler, sich sozial einzusetzen

hrenamt bewegt was
Jugendliche sollen soziales Engagement auch in der Schule kennenlernen, fordert der Bildungsforscher Heinz Reinders
ZEIT: Wie wollen Sie das ZEIT: Sie meinen, die Schule müsste das Eh-

DIE ZEIT: Herr Reinders, Sie

arbeiten an einer Längsschnittstudie mit dem Titel »Jugend. Engagement. Politische Sozialisation« und haben gerade die erste Befragungsrunde ausgewertet: Haben Jugendliche überhaupt noch Zeit, sich sozial zu engagieren? Heinz Reinders: Das war einer der überraschenden Befunde: Fast 50 Prozent der 2400 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 15 Jahren, die wir befragt haben, haben sich in den letzten zwölf Monaten ehrenamtlich engagiert. Sie waren dabei rund 22 Stunden im Monat aktiv. 47 Prozent gaben an, dass sie schon länger als ein Jahr engagiert sind. Das sind deutlich höhere Werte, als sie zum Beispiel der Freiwilligensurvey erhoben hat. ZEIT: In welchen Bereichen spielt sich das Engagement ab? Reinders: Die Schüler engagieren sich in der Kirche um die Ecke, bereiten Kindergottesdienste vor oder sind in der Schule oder in Sportvereinen aktiv, in denen sie ohnehin schon selbst Sport treiben. Die Alltagsnähe ist eine wichtige Voraussetzung für das soziale Engagement. Niemand würde dafür 60 Kilometer mit dem Auto fahren. ZEIT: Sie versuchen mit Ihrer Studie auch einen Zusammenhang zwischen Ehrenamt und politischem Engagement herzustellen. Hängt die Entscheidung, später wählen zu gehen, wirklich davon ab, ob einer mal Kindergottesdienste vorbereitet hat? Reinders: Einen direkten Zusammenhang nehmen wir gar nicht an. Viel spannender ist die Entwicklung, die dahintersteht. Wer sich sozial engagiert, erlebt eine Selbstwirksamkeit, spürt, dass es möglich ist, im Kleinen die Gesellschaft zu verändern. Die meisten Jugendlichen sagen, sie finden ihre Aufgabe sinnvoll, und haben das Gefühl, etwas zu bewirken. Auf diese Weise erleben sie sich als jemanden, der in der Gesellschaft einen Beitrag leistet, und Stück für Stück fangen sie an, sich als Teil dieser Gesellschaft zu begreifen – mit bestimmten Verantwortlichkeiten, die sich daraus ergeben. Von diesem Bewusstsein ist es nur noch ein kleiner Schritt, sich auch politisch zu beteiligen.

politische Interesse der Jugendlichen messen? Reinders: Wir begleiten die Jugendlichen über vier Jahre, bis sie zum ersten Mal wahlberechtigt sind. Auch jetzt haben wir schon gefragt, ob sie wählen gehen würden, wenn sie denn könnten. Von den sozial Engagierten würden 63 Prozent bei Landtagswahlen ihre Stimmen abgeben, 69 Prozent bei Bundestagswahlen. Da liegen jene Jugendlichen, die sich nicht engagieren, deutlich zurück – von ihnen würden nur 51 beziehungsweise 59 Prozent wählen gehen. ZEIT: Wer hat den größten Einfluss auf die Jugendlichen, wenn es ums Engagement geht? Reinders: Lange Zeit galt in der Forschung die Prämisse: Weiß man, ob die Eltern engagiert sind, weiß man, ob sich später auch die Kinder engagieren. Die Eltern sind aber nicht allein ausschlaggebend. Die häufigsten Zugänge finden sich über schulische Projekte, bei Hauptschülern auch sehr oft über Freunde. ZEIT: Ist auch das Ehrenamt wieder eine Frage der Bildungsschicht? Reinders: Es ist ärgerlich, dass die bekannten Befunde in dieser Frage stabil bleiben. Hauptschüler engagieren sich seltener als Realschüler oder Gymnasiasten. Das ist ein problematisches Ergebnis, weil wir ganz klar zeigen können, dass mit sozialem Engagement auch das Selbstwertgefühl der Jugendlichen steigt – womit ein Hauptschüler in diesem Punkt einmal mehr hintendran wäre. Ehrenämter sind eine Art Türöffner in die Gesellschaft und führen zu einer größeren Bereitschaft, demokratisch zu handeln. Das sollte unserer Gesellschaft in allen Bildungsgängen ein wichtiges Ziel sein. ZEIT: Ist es das nicht? Reinders: Wenn es in Deutschland um den Bildungsauftrag zur gesellschaftlichen Erziehung geht, dann wird das noch rein auf der Wissensebene abgehandelt. Die Erfahrungsebene kommt da viel zu kurz. Im Bewusstsein unseres Bildungssystems ist es noch nicht angekommen, dass soziales Engagement nicht nur der Gesellschaft nutzt, sondern eben auch denjenigen, die in diese Gesellschaft hineinwachsen.

renamt stärker zu ihrer eigenen Sache machen?
Reinders: Wir wissen aus unseren Befragungen,

Fotos (Ausschnitte v.o.n.u.): Jens Büttner/dpa/Picture-Alliance; Dirk Eisermann/laif; Thomas Bernhardt/Visum; privat

dass gerade Hauptschüler vor allem durch schulische Projekte zu ehrenamtlichem Engagement kommen. Sie wünschen sich »interessante Projekte«, in denen »sie ihre Fähigkeiten einbringen können«. Es wäre durchaus vorstellbar, dass die Schulen sagen, wir machen zwei Stunden weniger Geschichte und dafür mal ein Projekt mehr, in dem die Jugendlichen reale Erfahrungen sammeln. ZEIT: Vor allem bei Privatschulen gibt es da Bewegung: Einige haben das Fach Soziale Verantwortung in ihren Stundenplan aufgenommen. Warum tun sich die öffentlichen Schulen so schwer mit dem Thema? Reinders: Die Ausreden hören sich immer gleich an: Wir haben keine Ressourcen, sind schon mit der Umsetzung des Lehrplans genug ausgelastet. Seit Pisa geht es vor allem um Leistung. Dabei spreche ich ja nicht davon, dass man sich 20 Stunden in der Woche dem sozialen Engagement widmen muss. In den USA fordern die Highschools von ihren Schülern 40 Stunden Engagement, verteilt über zwei Schuljahre hinweg. Das ist nicht die Welt, und trotzdem zeigen die Studien dort: Das wirkt bereits und führt zu einer höheren gesellschaftlichen Sensibilisierung. ZEIT: Was wird passieren, wenn die Schule das Thema weiterhin vernachlässigt? Reinders: Der Bundesfreiwilligendienst hat schon jetzt erhebliche Akzeptanzprobleme. Viele Einrichtungen, die bisher fest mit Zivildienstleistenden geplant haben, wissen nicht mehr, wie sie bestimmte Tätigkeitsbereiche abdecken sollen. Wir müssten dahin kommen, dass sich soziales Engagement wie ein roter Faden durch die Biografien junger Menschen zieht, dass es zum Heranwachsen einfach dazugehört.
Interview: JEANNETTE OTTO

Heinz Reinders, 39, ist Professor für Empirische Bildungsforschung an der Uni Würzburg

Fortsetzung von S. 67

trale Bedeutung von Mathematik als Kernfach und Basis vieler Naturwissenschaften sein. Ohne »ausreichende mathematische und rechnerische Kompetenzen« sei das Erreichen von Abitur oder mittlerer Reife gefährdet, heißt es etwa in einer Stellungnahme der bayerischen Landesregierung. Eine Abiturprüfung in Mathematik hätte Andreas Kern* wohl seinen Traum vom Jurastudium gekostet. Der 19-Jährige hat gerade in Niedersachsen das Abitur bestanden – mit einem Durchschnitt von 2,9 –, obwohl auch Andreas die Welt der Zahlen nie verstanden hat. Um das Fach Mathematik als Pflichtfach in den Abi-Prüfungen zu umgehen, hat Kern die letzten beiden Schuljahre in einem Internat fern seiner sächsischen Heimat verbracht. In Niedersachsen, wo er Mathe zwar belegen, nicht aber Abitur darin schreiben musste. Ein Schachzug, der Andreas den Weg in die Zukunft geebnet hat. Doch der wird nicht mehr lange möglich sein – die Kultusministerkonferenz strebt einheitliche Bildungsstandards in Mathematik an. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Stiftung Rechnen aus dem Jahr 2009 glauben 95 Prozent der Deutschen, dass mathematische Fähigkeiten für eine erfolgreiche Lebensführung wichtig sind. Gut also, wenn die Bildungspolitik Mathematik in den Mittelpunkt stellt. Weniger gut, wenn die Schwächsten dabei zurückgelassen werden. Wenn es um die deutsche Bildungspolitik geht, verhärten sich die Gesichtszüge von Christine Sczygiel. »Keiner fühlt sich verantwortlich, sich um die Kinder zu kümmern, die bereits in unserem Schulsystem stecken. Begabte Schüler werden bewusst zurückgelassen, da verkümmern viele Potenziale«, sagt die Vorsitzende des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie (BVL). Schüler mit Dyskalkulie müssten dabei unterstützt werden, einen ihrer Begabung entsprechenden Bildungsabschluss zu erreichen. »Wir wünschen uns, dass die Lehrer von Anfang an

aufmerksamer sind, auf Symptome achten und den Eltern zuhören, statt sie zu vertrösten«, sagt Inge Palme, die beim BVL für Beratung und Fortbildung zuständig ist. Oft werden Kinder in der Schule über Jahre hinweg mit durchgeschleppt oder schaffen mit gewaltigen Gedächtnisleistungen trotz Rechenschwäche passable Noten. Doch früher oder später stürzt ihr mathematisches Kartenhaus ein, ist sein Fundament doch ein sehr wackeliger Zahlenbegriff. Unbehandelt bleibt die Dyskalkulie bestehen. Sie wächst sich nicht von allein irgendwann aus. Aber sie ist behandelbar.

Rechenschwäche ist gut behandelbar, wenn sie früh genug erkannt wird
Menschen, die keine adäquate Therapie bekommen, tragen die Konsequenzen ein Leben lang. Denn Mathematik endet nicht am Schultor. Unser Alltag ist durchzogen von Zahlen: Preisschilder, Fahrpläne, Uhren, Kilometeranzeigen, Buchhaltung, Börsenkurse. Bei Erwachsenen, die rechenschwach sind, ist die Dyskalkulie durchaus mit einer Art Analphabetismus vergleichbar. Viele Betroffene kommen nur noch mit Tricks durch den Alltag, manche von ihnen können nicht mal einen Fahrplan lesen. Wird die Rechenschwäche früh genug erkannt, kann ihr Verlauf deutlich positiv beeinflusst werden. Beginnt ein rechenschwaches Kind bis etwa Mitte der dritten Klasse eine Therapie, stehen die Chancen gut, dass es danach aus eigener Kraft dem Unterricht folgen kann. Ob einem Kind trotz Dyskalkulie die Zukunft offensteht, ist im Bildungsland Deutschland eine Frage des Einkommens. Eine Dyskalkulietherapie dauert in der Regel zwei bis zweieinhalb Jahre, für wöchentliche Einzelsitzungen können da pro Monat schnell 240 Euro anfallen. Die Krankenkassen kommen für die Therapiekosten nicht auf. Und die Hürden für eine finanzielle Förderung durch das Jugendamt werden immer höher. »Es geht ja nicht darum, aus dem Kind einen Einser-

Kandidaten zu machen, sondern um die Teilhabe am Leben und in der Gesellschaft. Jemand, der nicht rechnen kann, gerät schneller sozial ins Abseits«, sagt Inge Palme vom BVL. Das Niveau der Schulabschlüsse ist unter Dyskalkulikern deutlich geringer als unter mathematisch normal Begabten. Häufig haben Rechenschwache ein vermindertes Selbstwertgefühl, sind zurückgezogen oder aggressiv. Durch Kopf- und Bauchschmerzen zeigt sich körperlich die enorme seelische Belastung. Kinder mit Rechenstörungen entwickeln deutlich häufiger psychische Störungen als nicht betroffene Kinder, darunter auch Depressionen. Wer eine Therapie besucht, hat prinzipiell die gleichen Zukunftschancen wie normal Begabte. Deshalb müsse man die außerschulischen Therapien fördern und die Jugendämter mit den nötigen finanziellen Mitteln ausstatten, fordert Inge Palme. Lehrer und Therapeuten könnten im Idealfall in Lernnetzwerken zum Wohl der Kinder kooperieren. »Aber davon sind wir Lichtjahre entfernt.« Lichtjahre entfernt scheint auch eine gesicherte Zukunft für Lea. Die Breitenbachs kämpfen momentan beim Jugendamt um eine Eingliederungshilfe, denn eine Dyskalkulietherapie für die Elfjährige kann sich die sechsköpfige Familie ohne Unterstützung des Staates nicht leisten. Seit Wochen telefoniert Mutter Elke dem Gutachten zum Seelenzustand ihrer Tochter nun schon hinterher. In diversen Gesprächen hat man ihr bereits klargemacht, dass man Lea nicht für gefährdet halte – schließlich sei sie ja auf der Regelschule, folglich gut eingegliedert. Dass sie sich den Weg dorthin erkämpft hat, gegen den Widerstand von Politik und Behörden – kein Wort darüber. Die Breitenbachs kämpfen nun weiter – damit Lea nicht den Preis dafür zahlt, dass sich die deutsche Politik im Umgang mit der Dyskalkulie verkalkuliert.
*Name von der Redaktion geändert

u. heißt es auf den Websites – die auch damit werben. Langsam ändert sich das. von der sportler hat sich Hofer für den Dafür steigert er deutsche Sportverbände nur Ortswechsel über den Atlantik den Marktwert träumen können. Studenten.sitzen. jeweils eine halbe Stunde. Doch auch das Unternehmen profitiert von den Praktika: Es lernt den Nachwuchs kennen. sagt er. schluss – eine Quote. Kostenloses Unterrichtsmaterial landet auch mal auf dem Pult. Angebote von Brauereien. wenn ich Bundeswehr war an ein Studium bisher häufig wirklich Ahnung habe von Betriebswirterst mit Ende zwanzig zu denken. Dezernent für damals. werden Athleten der Finanzierung. er war schon mit 16 Jahren an ein Sportinternat in Stuttgart gewechselt. Sogar ein Auslandssemester in Oxford steht ihm als Sportler offen – ihm. »Auch mit Ticketverkauf und Merchandising verdienen wir Millionen«. Und seit er weniger verbissen trainiert. Eine bunte Mischung – genau das wollten wir. STUDENTEN ERKLÄREN IHRE WELT » Was ist Ihnen Europa wert?« … fragt: Claudia Roth. Mir ging es darum. Schauturnen – darauf muss Hofer verzichten.trotzdem. die Schüler als Konsumenten zu werben. meint er. sagt er. zwischen dem zu unterscheiden. Deutschland steht mit Ansätzen für eine halten die Noten im Blick. und bei der te werden mich ernster nehmen. PR ist meist viel wirksamer: Schüler dürfen zwar nicht gezielt mit Werbung angesprochen werden – Lehrer aber schon.« Obwohl Standhardinger als einer der besFreunden von Andreas Hofer im deutschen Turnnationalteam. Das wurde dem Unternehmen gerichtlich untersagt. Hofer hat Jahre in Trainingsschweiß investiert und sieht das Stipendium in Nebraska als eine Art Gewinnausschüttung. wenn auch nur in der Nähe von Ulm. Bundeswehr. Auch Müller-Frerich hat sich dieser Verantwortung gestellt. aber auch. Das lohnt sich aber für Unternehmen leider noch nicht wirklich. Fotos rechts v. Danach ist alles vorbei? Nicht unbedingt. Zum einen. dass sich die Bildungsein. für die Kunden Produkte im Schulalltag zu integrieren. Ändert sich nichts. und seit Kurzem dürfen Sport. Die Agentur Schulmedia bietet neben Werbung auch Sponsoring an. Er ist Sponsoring-Experte der Stiftung »Partner für Schule NRW« und selbst Schulleiter. es ist nicht messbar. Denn »Schulsponsoring ist keine altruistische Angelegenheit«. »Die stellen wir auch für Stipendien außerhalb des Sports zur Verfügung. des Märkischen Gymnasiums Iserlohn. dass er mitmacht. Das schen Hürden. Tampons kommen zur Reserve ins Sekretariat. Deswegen hat es lange gedauert.dinger schon passiert. Hundefutter landet im Müll. mittags mal einen Kurzvortrag über Beethovens Fünfte zu hören oder über den Gang nach Canossa? Und vielleicht haben ja auch andere Unis Lust. was noch geht. ist das schlimm? Und darüber hinaus: Welches Gesellschaftsbild vermittelt eine Schule einem Kind. die Aktion nächstes Jahr weiterzuführen. Nun überlegt er. Hundefutter. Das ist ein Luxus. wenn ihre Wett. das ist doch ein schöner Anlass für ungewöhnliche Aktionen. laden Sie seit Anfang April täglich interessierte Laien in die Heidelberger Peterskirche: jeden Mittag um halb eins. Der Blondschopf. Wie sehr Werbung Schüler beeinflusst. Der 24 Jahre alte Kunst. wurde allerdings seit dem turner aus Heidelberg bestreitet Wettkämpfe für ersten Semester nicht mehr international die University of Nebraska und bekommt im eingesetzt. um alles richtig zu machen.). »Und Jugendliche sind sehr beeinflussbar. Viele Unternehmen bieten kostenloses Unterrichtsmaterial an. war für ihn klar. An seiner Univerein Risiko einzugehen. Standhardinger möchte einmal Restaumittelt. sagt er. was schadet.und Trainingspläne werden perfekt aufeinander abgestimmt. Beste ärztliche Betreuung. Moralvorstellungen und das Rechtssystem. sagt er. da sind sich alle Beteiligten uneinig. weil er 2010 im Finale die höchste Punktzahl der Uni-Geschichte erreichte. Zigaretten und Süßigkeiten VON LEONIE ACHTNICH V an Schulen nicht geworben werden darf. denn Sponsoring ist erlaubt. Als Deutsche. eine neue Bühne braucht. Klar ist. Aber es stimmt schon: Nach über 60 »Halben Heidelberger Sternstunden« gehe ich fast auf dem Zahnfleisch. Neben diesen offiziellen Partnerschaften gibt es aber auch immer wieder Projekte.l. privat.und Onlinestudiengängen.glaubte. 22. Andie Tür zu einem Studiendere wiederum nutzen das College als Umweg in den Profisport. ohne Ausbildung. 8000 Kilometer weit weg von zu Hause. sie werden keine Ersatztermine angeboten. Auf seinem Tisch ist auch schon einiges gelandet: Tampons. was das Un- ternehmen zu leisten hat – und was die Schule. die Trainer selbst beStürmer Vedad Ibisevic. Dann kommen die Jugendlichen aus der neunten oder zehnten Klasse für eine Woche in die Verwaltung oder ins Labor.Student unter 22 Turnern im deutschen ern ist hier nicht viel los. was überhaupt nicht geht: Vor einigen Jahren bot die Keksfirma Bahlsen Schülern an. mitzumachen. dass ihre Kinder beeinflusst wer- den«.ebenso zwei deutsche Meistertitel. dass die Unternehmen ihnen die Praxis näherbringen«. empfinde ich diese Verurteilungswut als übertrieben.[M] Ruffer/Caro. [M] ZUMA Press/imago (m. Astrophysiker der Univerlischen Dingen. braucht mit Unterstützung nicht zu rechnen. sagt Schorlemmer. wirtschaftliche Arbeitsnetze.Helge Liebrich ist derzeit der einzige spielen vor 80 000 Zuschau. Wo hört das eine auf. Gerade dann. Darunter fällt auch das Schulsponsoring. Vieles ist Ermessenssache der Lehrer or sieben Jahren beschloss Schulleiter Gerhard Müller-Frerich. bei dem Geld oder Sachmittel fließen. Sie ködern zahlende Studenten und entlocken den Absolventen großzügige Spenden. Welch ein Pensum! Ich muss die Vorträge ja nicht alle selbst halten. als niemand an ihn unter der Bedingung. Drei Monate lang. Der Euro ist ein Gemeinschaftskonzept. sofern sie nur genug Punkte von den Bahlsen-Kekspackungen ausgeschnitten und eingereicht hätten. weil die Polizei Standhardinger nachts mit einer Studentin im Auto erwischte.« Ski fahren mit Freunden. Anders in den Vereinigten Staaten VON NIKLAS SCHENCK USA! dass er bald seinen Wechsel nach Chicago verkündete. Er hat neben Lobbe noch einen weiteren Sponsor ins Boot geholt.« Dass er mehr als 30 000 Dollar im Jahr geschenkt bekommt. Geschäftsleute.. Im Fall Iserlohn zahlt das Unternehmen der Schule ein paar Tausend Euro im Jahr. Sein Trainer fragt ihn regelmäßig um Rat. Hofer kennt diese Situation. der meistens gut gelaunt ist. Am 22. sich die Renovierung sponsern zu lassen.seine Profiträume zerstören.n. Werbung nicht. kl. ? In einer Heidelberger Kirche gibt es tägliche Astronomievorlesungen für alle Herr Wambsganß. rants und Clubs betreiben. Und hier liegt das Problem. . über meinen eigenen Schatten zu springen und Verantwortung zu übernehmen! … antwortet: Jasmin Grünig.. Talent im Basketzu vereinbaren. Auch wenn es im Einzelfall gut funktioniert. Es gibt schon einige Ideen. wenn er aufhört. ein Absolvent der Schule hat bereits so seinen Weg zu dem Betrieb gefunden. Auch Praktika bietet das Unternehmen für sie an. ist das Beeinflussung. Ich bin Europäerin. spieler Alexander Waske etwa oder Hoffenheim. Turnfeste. aber auch Touristen. eine Klassenreise zu bezuschussen. Heute sieht er das anders: »Diese Stipendien sind ja kein Gutmenschentum. Er legt genau fest. Studentin der Kommunikationswissenschaften in Hamburg NACKTE ZAHLEN 38.platz. Vorsitzende der Grünen A ndreas Hofer fühlt sich wohl lturner Fabian Hambüchen versuchte ein in Lincoln. Aber immer wenn dann vor Welt. sagt Helmut Schorlemmer. »Wir wollten uns starkmachen für die Region«. Seit einigen Jahren betreut die Stiftung Schulen bei Projekten mit der Wirtschaft.o.CHANCEN SCHULE UND HOCHSCHULE 14. das ist klar. Schließlich könnte eine Verletzung gens. Standhardinger sportbeauftragte dabei. Wie turner Andreas Hofer Karriere einen Hochschulabrund 700 deutsche Spitzenim Jahr geschenkt. Der Bürgermeister von Iserlohn schlug dem Schulleiter damals vor. Sportdirektor an der University of Nebraska. etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen. welchen Eindruck das Engagement bei den Kindern hinterlässt. Der Sport hat ihn schon einmal gerettet. aber eine Partnerschaft mit einem Unternehmen? Der Bürgermeister brachte den Schulleiter mit dem Unternehmen Lobbe zusammen. Bis jetzt hat das – zumindest in Iserlohn – gut funktioniert. Zudem üben Schüler einmal im Jahr mit den Profis aus der Firma Lobbe Bewerbungsgespräche oder lassen sich erklären.schaft«. Dazu zählen auch politische Institutionen. das aber didaktisch nicht ausreichend aufgearbeitet ist – und zum Teil Werbung enthält. fünf astronomische Kurzvorträge die Woche. vor vielen Jahren. wissen Sie überhaupt noch. richtung dem von uns gesetzten Zeitplan unter. Der Göppinger trieben wäre. sagt Schorlemmer. Er wird Lehrer in SchwäHofer fehlt es an nichts. wird ihm hoch angerechnet. Die Nachfrage dort bestätigt. war Andreas Hofer anfangs unangenehm. statt einfach mal 30 000 Dollar besagt Hofer. »Allerdings ihm Selbstvertrauen ein. sität Heidelberg Im Schnitt haben Sie 70 Besucher pro Vortrag. Seitdem sind Wirtschaft und Bildung im beschaulichen Iserlohn offiziell verzahnt. Das Abitur später fiel ihm leicht. Ein Link auf der Homepage. So kommt der Leistungs. Und warum die ganze Mühe? Dieses Jahr feiert die Universität Heidelberg ihr 625-jähriges Bestehen. und das StartkaBei Zoll und Polizei sind die Athleten damit pital will er sich als Profi erspielen. wo fängt das andere an? Das regelt eigentlich das jeweilige Schulgesetz der Länder. mir gehört die Welt«. doch Bundeskader. »Meist sehe ich sofort. ein guter Trainerstab Kim Bui aus Stuttgart. wie man Mittagspause macht? So schnell verlernt man das nicht. Zu Hause hatte er bereits ein paar Mal für Deutschland geturnt. dass für Alkohol. Geld gab es keines dafür. sie ist Meine kulturelle Identität ist mir sehr viel wert. Studium und Training war ein schwieriges Kind. Also eine gelungene PR-Aktion. den sie sich sonst nie leisten könnten. Einig sind sich alle darin. wenn sie Geld eintreibt? »Die Eltern haben Angst vor Sponsoring. einem im Ort ansässigen mittelständischen Entsorgungsbetrieb. erinnert er sich heute. Seine Mutter stammt von den tiven Laufbahn. was Werbung will? Wenn eine Marke tatsächlich in den Köpfen der Kinder hängen bleibt. Er spielte Basketball für kämpfe mit Prüfungsphasen kollidieren. Sponsoring war für das Märkische Gymnasium ein neues Konzept. Schüler. im Gegenteil. Berlin und Sachsen-Anhalt wurde das Verbot etwas gelockert.oder Europameisterschaften der Kader ausgesiebt wurde. frei sollte sein Sprungbrett sein in den Profisport.dreas Hirsch hält ohnehin nicht viel vom lichen Bedürfnissen ausgerichtet wird. oder wird er ohnehin nie angeklickt? Bleibt ein Logo im Gedächtnis? Wissen Kinder. versöhnen Studieren während der Karriere. was nutzt. In 13 Ländern sollten die Schulen also werbefreie Zone sein. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 69 Sport und Studium? Wer in Deutschland als Spitzensportler studiert. Die meisten Bundesländer verbieten Werbung auch für andere Produkte.Stunden. Vielleicht mit einem anderen Fach. Polizei und Zoll finanzieren zwar knapp 1000 Sportlern das Training.ganß. der Vater ließ die Familie früh gen Berliner Universitäten inzwischen Spitzen. Hofer ist angekommen. Den hat damals auch Schulleiter Müller-Frerich in Iserlohn zur Hand genommen. Mir ist Europa es wert. weil sie nicht wollen. Nur in Bremen.« Der hessische Nationa. Dann konnten die Partner beginnen. »Das wäre schon kurios. Forschung und Krankenbehandlung in ihren Universitätskliniken im Jahr 2009 aus – 6. Sie berät bei Einzelfragen und hat einen Leitfaden für das Schulsponsoring herausgebracht. wenn es didaktisch gut aufbereitet ist. Zielgruppe Schüler. Friederike Hentschel. »Sie profitieren enorm davon. sagt er. ihren Teil des Vertrags zu erfüllen. sondern oft an organisatori. solange es mit der Bildung vereinbar ist. Hauptsächlich davon – und von weiteren Spendengeldern – baute Müller-Frerich im ersten Jahr die neue Bühne für die Aula. kann sich jeder selbst anschauen: Wir haben jede Präsentation aufgezeichnet und stellen sie unter www. Die Schuldenkrise Griechenlands und anderer europäischer Länder ist eine Krise. Er würde dann an einer Fernuniversität weiterstudieren. setzte der Trainer ihn es nach Karriereende oft ein böses Erwachen auf einer fremden Spielposition ein. sagt der 21 Jahre alte Basketballer. »Noch schlimmer als ihn für die Monotonie des Alldie Bildungsfeindlichkeit tags in Lincoln. der Sportverbände ist alAls Turner feilt Hofer lieber Üppige Förderung lerdings die Spitzensportwochenlang an sportlichen feindlichkeit deutscher Unis«. fiel er durch die Löcher. Fotos: Ocean/Corbis (o. Wie genau die aber auszusehen hat. was etwas wert ist und was nicht«. »Die Leuaber auf einen Beruf festgelegt. Solche Partnerschaften sind nichts Neues. Kondome. weil er jungen Turnern als Mentor zur Seite stand. sagt Tom Osborne. Dort ist Werbung in Klassenzimmern erlaubt. Das Geld war knapp.schon mal für ein paar Spiele suspendiert. Nebraska. »Die sind fast alle in der ten »Rekruten« der Uni-Geschichte von Sportfördergruppe und studieren nicht.9 Sternenkunde zur Mittagsstunde . sagt Helmut Schorlemmer. So bekommen Spitzensportler ist auch dem Münchner Christian StandharExtrasemester aufgebrummt. Da gibt Nebraska galt. Milliarden Euro gaben die deutschen Hochschulen für Lehre. die dem Euro geschuldet ist. einem anderen Schwerpunkt: Wie wäre es zum Beispiel. Insgesamt habe ich 38 Kollegen überzeugen können. Mehr als das! Wie abwechslungsreich. Aber keine.ball brachte ihn auf das Urspring-Internat in soldaten offiziell studieren. bis der Vertrag abgeschlossen war. »Uni(versum) für alle!«. Tennis. sagt Andreas Hahn.sität in Nebraska haben 95 manchen überraschte deshalb Prozent der Sportler nach ihrer sein Umzug in die USA. Spenden. Sein Team wählte ihn zum Kapitän. was der Mensch geschaffen hat. und dem.« Ein ganzer Werbezweig beschäftigt sich damit. Schlechte Laune bekommt er davon nicht. sagt Philipp Lied. Auch dass er einmal mit Schüttelfrost und Hitzewallungen einen Wettkampf für die Universität turnte. Den meisten aber geht es noch wie den manchmal. Sein Trainer dort impfte Fern. Grundlagen.9 Prozent mehr als 2008. nach der ak. inklusive Diskussion. einem Studium. Juli läuft der letzte Vortrag. Das europäische Kulturgut besteht aus viel mehr als dem Euro. ob er ein weiteres Angebot in den USA annimmt – oder zurückgeht nach Europa. In 86 Prozent aller nordrhein-westfälischen Schulen mischt jemand mit. für den die Bezeichnung Jahr wieder ab – zu viel Zeitdruck. Die Angebote reichen von Büchern über Hundefutter bis zu Kondomen Und an den Lehrern bleibt es dann auch hängen. der nicht zur Schule gehört. zu middle of nowhere noch über. entschieden. es mit aller Macht zu wollen. ist nicht im Einzelnen messbar Unklar ist aber. »Ein Präsenzstudium als Basketballer wäre unmöglich«. dass Schüler Taschengeld in zweistelliger Milliardenhöhe zur Verfügung haben. In den USA erhöhen erfolgreiche Athleten den Marktwert der Universitäten. lernt er sportlich viel dazu. » hier verankert. der nie ein herausragender Schüler war. spektrum. Viele College-Neulinge sind zum ersten Mal von zu Hause weg. das an seinen sport. »Das denke ich immer noch Spitzensport beim Streitkräfte-Amt. dass Wissenschaft sich der Öffentlichkeit verständlich machen muss. weil er nur dort Stipendien öffnen ameriseinem Sport nachgehen und seiner Universität kanischen Sportlern häufig zugleich studieren kann.Philippinen. brach aber nach einem halben Ort.Standhardinger war so unglücklich. Im Gegenzug für diese Leistungen steht das Logo von Lobbe auf der Homepage der Schule. Ich würde mich freuen! Interview: JAN-MARTIN WIARDA Der deutsche Basketballer Elias Harris spielt inzwischen in der amerikanischen College-Liga Mit freundlicher Unterstützung der Keksfirma Die Grenzen zwischen Sponsoring und Werbung an der Schule sind unscharf. Aber gerade an ihm wird Europa derzeit gemessen. Auch die Uni hat etwas davon. Ein Studium scheitert meist nicht an nanziert.de/universumfueralle ins Internet. Nur sehen sich die beiden manchmal äußerst ähnlich. »mehr kann ich nicht schultern«. Als die Anfrage kam. »Oft dieselbe Universität wie Andreas Hofer. Kultur im weitesten Sinne bedeutet die Summe dessen. Schulmarketing nennt sich das. »Ich dachte ordnet«. Sind das alles Rentner? Natürlich sind da eine Reihe älterer Zuhörer. So helfen an eini. Ihr Konzept funktioniert. Das ist Produktwerbung. Bundestrainer Anund vor allem ein Studium. »Da nutzen meine Lehrer und ich den gesunden Menschenverstand«. wenn es doch noch klappt mit einer WM oder Olympia«. bei denen ein Unternehmen versucht. dass die Aula seiner Schule. bekommt Nachhilfe fiAnfang.). nach dem Motto: Uns interessiert nicht. wie man ein Bewerbungsschreiben verfasst. dass die Leute ihre Schwellenangst vor der Universität überwinden und spannende Wissenschaft erleben. 70 insgesamt. der im Haushalt der Schule nicht vorgesehen war. Wer unter einem duale Karriere aus Sport und Studium noch am gewissen Schnitt liegt. Die Kultusministerien lassen den Schulleitern – je nach Bundesland – ziemlich freie Hand. was Sie Den Abschluss in Business Management will er in Ihrer Freizeit machen«. eine von zehn Turnerinnen immatrikuliert.bisch Gmünd. Der Geschäftsführer Michael Wieczorek war selbst Schüler in Iserlohn. hat sich in Lincoln schnell Respekt verschafft. für dessen sichere Umsetzung alle Beteiligten einstehen müssen. die sich noch mehr als Europäerin fühlt. das ist unser Motto. Und welcher Ort wäre für meine Idee besser geeignet als die Universitätskirche mitten im Stadtzentrum! Kirche und Astronomie haben ja gewissermaßen den gleichen Gegenstand – beide Joachim Wambsbeschäftigen sich mit himm. Doch der Transfer an die katholische De-La-Salle-Hochschule platzte in letzter Minute. dessen Agentur Sportler in die USA ver. spannend und gleichzeitig tiefgehend die Vorträge sind. Während andere Pause machen. Das sei schwierig. Auch bei den Frauen ist nur Gegenzug sein Wirtschaftsstudium finanziert. Außer Football.viele Überschneidungen.

dass sich in einem Vorstellungsgespräch nicht nur die Firma für oder gegen einen Bewerber entscheiden kann – sondern auch umgekehrt! MARTIN WEHRLE Unser Autor ist Coach. erklärt Schmidt. Diese. überhaupt Probleme zu haben. weil man ren Häuslingshaus nebenan. In dieser Zeit zogen die beiden zufällig in eine WG. welches die größten Schwierigkeiten in Ihrem neuen Job wären. die Eier aus dem Hühnerstall zu holen und sie zu zähLeiterin des Kindergartens. weil sie Angst haben. leer stehende Gebäude so umzubauen. Sein neues Buch heißt »Ich arbeite in einem Irrenhaus« (Econ) TIPPS UND TERMINE CHANCEN KOMPAKT Platz für Gedanken So schafft man der Beraterin Renate Schmidt zufolge Ordnung im Büro Mindestens 160 Stunden verbringt monatlich im Büro.tine-casper. rät Schmidt. Zielgruppe sind Berufstätige mit Hochschulabschluss. sodass Sie Lust bekommen. »Wer zum Beispiel ein Atelier oder Räume für ein Gewerbe auf dem Land sucht.« Wer sein Verhalten aber dauerhaft ändern will.« Unterlagen. 27/11) nahegelegt. das hängt von der Häufigkeit ab.und Geisteswissenschaften sowie des Rechts zusammengeführt werden. Überlegen Sie anschließend. »Maßstab ist allein das eigene Wohlbefinden. Wald.« Um Raum für den Kindergarten zu schaffen. Wenn eine Firma leugnet. . »Die alten Höfe sind oft zu groß für das. So wie Karin und ich. Juli. den Tisch zu decken. sagt Iris GeislerBerneis vom LGLN Lüneburg. an Umgang mit Tieren alter Mann geboren worden. rät Schmidt zu der einfachen. weil sie so eine Betreuung für ihre sagt die Mutter von Ulrike Cohrs. den Fehler zu entschuldigen. ist oft so weit von der Wahrheit entfernt. wo der Rhabarber wächst Eine Landwirtin und eine Erzieherin haben auf einem Bauernhof zusammen einen Kindergarten gegründet ist du wahnsinnig? Die Kinder zwischen den Maschinen?!« So etwas hatte Ulrike Cohrs von Bekannten zu hören bekommen. Ein überquellender Schreibtisch in einem chaotischen Büro verursache Chaos im Kopf. welche Gegenstände unabkömmlich sind. auch wenn diese Ideen im Alltag vom Management wie Brotkrumen vom Tisch gewischt werden. Jeder neue Mitarbeiter wird als Problemlöser eingestellt. So bekommen Bauern die Möglichkeit. ehe Sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben.de 14. dass sie mit den Kühen auf Augenhöhe sammeln«. ein Fischteich. Weitere Signale. Als der Weg frei ist. Zur gleichen Zeit gründete sie einen gemeinnützigen Trägerverein. »Aber den Bullen habe ich immer im und toben in den Gängen und Höhlen im Heu. Drucker.« Die Voraussetzung für einen Zuschuss: Man muss haupt. die schon nach wenigen Jahren wieder dichtmachten. so vielseitig zu sein. die vom Schreibtisch verbannt wurden. Dann. In dem Fachwerkhaus aus Die Kinder lernen weißen Balken und hellrotem möglichen: »Hier nehmen sie eine zu kochen und den Grundlage an natürlichem VerKlinker sei ihr inzwischen 82 Jahre halten mit. Den Winter Cohrs lebt schon seit Längerem nutzt sie dazu. an dem Großes geleistet werden soll. »Ist der erst aufgeräumt«.und Apfelbäume. Sie gibt ihren Kühen Heu. kommen in einen Ordner oder eine Mappe mit ebendieser Beschriftung: »Dann steht zum Beispiel drauf: Ich gehöre nirgendwo rein. Und das wurde acht Jahre später der Bauernhofkindergarten. milie Cohrs umgebaut. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 71 DAS ZITAT Peter F. Ulrike Cohrs sagt: »Ohne den Zuschuss vom LGLN hätte ich das alte Gebäude nicht renovieren können. baut und sind aus dem Haupthaus Der Kindergarten sei ihr eine ausgezogen. die den Kaffee bringt? In welcher Tonlage sprechen Ihre Gesprächspartner miteinander? Und werden Sie bei Ihrem Gespräch wie ein Gast behandelt – oder eher wie ein Verdächtiger beim Verhör? Was Sie zwischen den Zeilen lesen. die auf jeden Fall delegiert werden können oder deren Bearbeitung nicht am selben Tag erfolgen muss. Was fand er am schwierigsten an seinem Job? Fällt die Antwort der Firmenvertreter einsilbig aus. Als Blick. zu hören. sagt Ulrike Cohrs. In Gummistiefeln.« Dabei gehe es keinesfalls um Perfektion. wartet nach Ihrer Einstellung auf Sie. das sie essen. könnte schauen. hat den Be. Ähnliche Programme gibt es auch in den anderen Bundesländern. ist meist wahrer als das polierte Verbal-Kleingeld der gesprochenen Worte. wenn sie äußerte. dann ist eine ausweichende Antwort auch eine: Offenbar will man Ihnen die – womöglich explosive – Wahrheit verschweigen. die Tiere erschrecken sich«. auch wenn dieser »Markt« an der letzten Haltestelle des Stadtbusses endet. und mit dem Geld aus der Vermietung an den Kindergarten kann ich es nun in seiner Schönheit erhalten. sagt Iris Geisler-Berneis. »Es kostet sehr viel mit Tochter und Mann im kleineKraft. Denn Erledigtes zu entsorgen kann sehr befreiend sein. Wir sitzen das nicht aus. Und derselbe Vorgesetzte. »fällt es leichter. dass sie ihnen zusätzlich zur Landwirtschaft Geld einbringen. lässt sich bei einem Trapez natürlich kein Volumen berechnen.« Ein Verfallsdatum auf Ordnern und Berichtigung Anders als in dem Artikel Das sitzen sie aus (ZEIT Nr.« A www. Jedes Projekt wird mit bis zu 75 000 Euro gefördert. und Bedenken hört sie keine mehr. regelmäßig materiellen und damit auch gedanklichen Ballast abzuwerfen. Man weiß nie. Sozial. wer Vollzeit arbeitet – weit mehr Zeit also als im Wohnzimmer. mahnt Karin Toma. wo Leerstand ist. dem eine Kuh aus der Hand frisst. In dieser Umgebung erfahren Außerdem erfreue es sie einfach. Ulrike Pferde und Hühner. wo sie hingehören. Oft wird übersehen. die professionell im Web tätig sind. Die 36 Jahre alte Kindergärtnerin studierte zunächst ökologische Agrarwissenschaften an der Universität Kassel in Witzenhausen.« Wie aber VON MARLENE HALSER Berufsbegleitende »Web Science« Zum Wintersemester startet an der FH Köln der berufsbegleitende Masterstudiengang »Web Science«. versperren den Platz für große Gedanken und Ideen.len. die man täglich verwendet. Prioritäten setzen Weil Büroorganisation auch viel mit gutem Zeitmanagement zu tun hat. Oder erkundigen Sie sich.de den zahllosen Stapeln ein Ende bereiten? »Räumen Sie den Schreibtisch ganz leer. wenn wir groß sind. dem großen ManagementVordenker: Glauben Sie nicht alles. Für sie ist der Stall ein Abenteuerspielplatz. Bewerbungsschluss ist der 21. lohnt es. in der Ihr Vorgänger festsaß – zum Beispiel überzogene Ansprüche eines Vorgesetzten –. Gehen Sie jedem Verdacht. ist Gefahr in Verzug. »Viele Menschen trauen sich das nicht.oder nebenberuflich Landwirtschaft betreiben. Und Tisch zu decken. wird beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen (LGLN) als besonders gelungenes Beispiel bezeichnet. betont sie. und wie man die Kinder zwar nichts über die wie die Kinder den Hof belebten. Im Rahmen der Umnutzung oder »Diversifizierung« – der Entwicklung weiterer Betriebszweige – entstehen in Ställen und Scheunen dann Ferienwohnungen. ihre Eltern haben sich ein Altenteil geauch viel zu bedenken hat«. könne man mithilfe des ABC-Prinzips den Überblick behalten und den Leistungsdruck verringern. in der Nähe von Hamburg gelegen. was aus dem letzten Inhaber der Stelle geworden ist.bcg. auch den Rest ordentlich zu halten. Inzwischen gibt es ihn seit gut zwei Jahren. sich wichtige Informationen wiederzubeschaffen. müssen diese beschämend groß sein. Dabei lernte sie Ulrike Cohrs kennen. Angesprochen sind Arbeitnehmer mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung. »Legen Sie stattdessen lieber beschriftete Mappen und Ordner an. Bedeutung von Ampeln und ZeKartoffeln erntet brastreifen. Neue Wirtschaftsriesen Über das Auftauchen neuer Wirtschaftsriesen aus den Emerging Markets bietet die Boston Consulting Group am 17. damit die Dörfer nicht verfallen. indem sie mit einem Landwirt zusammenarbeiten. ruhiger und behut. »Wir haben gesagt. eine Halle für die Pferde zu bauen. sondern bitten. Bestehens übernommen. ihn tatsächlich zu benutzen«. »Das ist der Lauf der Herzensangelegenheit. nicht nur Dinge. Gameboy kommen früh genug. Sie haben weißes. Birnen. wie man die Gebäude trotzdem mit Leben füllen kann. um ihn später auch selber leiten zu dürfen. machen wir ein soziales Projekt auf Ulrikes Hof«. Dabei war es nie so leicht wie heute. »Und man sollte vorher ein wirtschaftliches Konzept erstellen und sicher sein. ber wächst und wie sich ein Bad in frisch gedrosagt ein Mädchen. sagt Karin Toma. Das sollten maximal sieben Dinge sein. was heute an Landwirtschaft übrig ist«. eigene Tochter habe. sollte man vom Schreibtisch aus sitzend erreichen können. Da bläst sich eine Provinzfirma vor dem Bewerber zum »Marktführer« auf. auf die Sie achten sollten: Wie behandelt der Chef die Sekretärin. diesen Raum gut zu strukturieren. Ateliers – und vereinzelt auch Kindergärten. was Sie hören – das Wichtigste ist. dafür lernen sie zu stürmen 15 Kindergartenkinder in kochen. wie er drauf ist. Es ist kurz nach acht Uhr morgens. rechts. der dem Bewerber aus dem Mantel hilft und Kaffee nachschenkt. stellt Niedersachsen zusätzliche Gelder bereit. und genießen Sie diesen Anblick mindestens fünf Minuten lang. »Ich kenne sie und sie kennen VON JULIA NOLTE Ulrike Cohrs (links) und Karin Toma im Bauernhofkindergarten B mich«.CHANCEN BERUF Fotos: Tine Casper für DIE ZEIT/www. die dort ein Jahr als Gasthörerin studierte. »Muuuuuhhh!« Laut rufend. was nicht gesagt wurde Der Coach erklärt: Spielen. bevor sie den Hof auf Öko-Bewirtschaftung umstellte.« kommt. »Nicht so laut. Dinge entschiedener wegzuwerfen. klettert durch das Gatter zu den Tieren und beginnt mit energischen Bewegungen. Drucker sagt: Das Wichtigste in einem Gespräch ist. nehmen die Kinder die Arme voll Heu und essen. Generation. Denn dieselbe Schlangengrube. schenem Korn anfühlt. Doch auch Nichtbauern können profitieren. stellen sich die Kinder Sie führt den Hof in der 13. aber effizienten ABC-Methode.« In Zukunft sollte jeden Abend vor dem Nachhausegehen diese Ordnung wiederhergestellt sein. September den Workshop »Experienced Class 2011« an. Ökonomie. Auch wenn man zu Beginn vielleicht etwas mehr Zeit investieren müsse – die später gewonnene Zeitersparnis sei enorm. links« Ulrike Cohrs. Für Vorstellungsgespräche gilt frei nach Peter F. die den Kuhstall.« es Zeit für ihr Frühstück ist. Gezielt ablegen statt stapeln Akten. Mit einem A kennzeichnet man die wichtigsten Aufgaben. Schmidt empfiehlt deshalb. Zeitungsausschnitte und lose Notizblätter. Sieben in Zweierreihen neben das Stallgebäude. und wie man Kartoffeln erntet. anschließend studierte sie noch Sozialpädagogik.und Grünland. werden anderswo verstaut. können wir auch die höchstmögliche Leistung erbringen«. empfiehlt Schmidt. Jeans und Fliesjacke betritt Ulrike Cohrs den Stall. Bewerbungsschluss ist der 31. auch wenn mittlerweile drei Vorgänger an diesem Job verzweifelt sind und sich von ihren Burn-outs kurieren. dass es funktioniert«. sagt Schmidt und rät dringend dazu.« Der Landwirt richtet es dann mithilfe der Förderung her und vermietet es. Der Papierkorb macht frei Der Papierkorb führt in vielen Büros ein verstecktes Schattendasein unter dem Schreibtisch. erinnert bei seinen Wutanfällen im Alltag auffällig an Rumpelstilzchen. Dazu zum Bauernhaus: »Unsere einzige Möglichkeit. 25 Hektar Verkehrserziehung zu machen. Mappen hilft schließlich dabei. sagt Unternehmensberaterin und Buchautorin Renate Schmidt. Mutterkühe der Rasse Charolais. Da verkauft sich eine Schlafwagen-Firma als »innovativ und für alle Ideen der Mitarbeiter offen«. suchte Geldgeber und stieß dabei auf das Förderprogramm zur Diversifizierung. woher das Fleisch kommt. http://experiencedclass2011. dass sie auf ihrem Bauernhof einen Kindergarten eröffnen wolle. Stroh auf dem Boden zu verteilen. seien nicht das Ziel. die das zusammen hinbekommen. jedem unguten Gefühl durch eine gründliche Recherche nach. »Ein klares Arbeitsumfeld dagegen erleichtert das klare Denken. Schweine.2 Millionen Euro aus nationalen und EU-Mitteln. Wo Rhabarfüttern die Kühe zum zweiten Mal. Sie erfahren. einschließlich PC und Telefon. Im Gegenteil: Der Bauernhofkindergarten Wilkenshoff in Hollenstedt. was nicht gesagt wird! Wenn Sie zum Beispiel am Ende des Gespräches fragen.zeit. Gerade wenn viel zu tun ist. Gegenstände. sagt Karin Toma. und es ist nun auch gut«. Reithallen. sagt Schmidt. die sich auf dem Schreibtisch stapeln. als achte Hofherrin. ein wurde das alte Wohnhaus der Fagroßer Gemüsegarten. wenn es um die neue Nutzung landwirtschaftlicher Gebäude geht. Dann ergreift sie eine Mistgabel.« Warum also nicht den Papierkorb im Büro zum echten Möbelstück erheben? »Gestalten Sie den Papierkorb dekorativ. Dinge etwa. als wären Heiratsschwindler am Werk. dass sie sie irgendwann noch mal brauchen könnten. Sie wolle während sie vor ihrem ehemaligen Neue Eindrücke auch anderen Kindern ein AufZuhause etwas Laub zusammenwachsen auf dem Bauernhof erharkt. hier gehören 70 Hektar Acker. in dem Perspektiven der Informatik. »Die ist aber lieb«. Gleichzeitig sollen auf diese Weise historische Gebäude erhalten und Arbeitsplätze geschaffen werden. das sie von einem großen Rundballen löst. mit dem Stapeln erst gar nicht anzufangen. Ordnung auf dem Schreibtisch Der Schreibtisch ist das Herzstück des Büros. Die offene Position wird als Himmelreich beschrieben.de/audio Was Firmen in Vorstellungsgesprächen von sich behaupten. so Schmidt. Die beiden hatten eine ähnliche Einrichtung bei Plön gesehen und beschlossen: »Das machen wir auch!« In ihrer Diplomarbeit plante Karin Toma die Umsetzung des Kindergartens.« Um ähnliche Vorhaben zu fördern. Wo. bei denen noch nicht ganz klar ist. Ulrike Cohrs Frauen haben ihn in den mindestens 360 Jahren seines rangiert gerade mit dem Trecker. Nach der Fütterung klettern sie auf die Rundballen lockiges Fell. muss sich selbst rund einen Monat Zeit geben. »Geben Sie Ihren einzelnen Arbeiten vor Beginn eines Tagespensums eine Wertigkeit«. der sein Gebäude umnutzen will. sagt die 36 Jahre alte Landwirtin über ihre stehen. ein C bekommen solche. Ungefähr 15 Bauernhofkindergärten gibt es deutschlandweit. die Sie ins Regal stellen oder in einem Hängeregister verstauen können. »Nur wenn wir unseren Arbeitsraum als motivierenden Lebensraum empfinden. die Haustür sei noch das Original und Pflanzen. Genau hier liegt Ulrike Cohrs zufolge die größte Herausforderung: »Dass sich zwei finden. »Frau Cohrs macht vor. Und weil das Büro oft auch der Ort ist. dieses Jahr 4. und geben Sie ihm eine persönliche Note. Hof-Cafés. »Die Kinder sollen den Die Kinder sind zwischen drei und sechs Jahre alt und Ursprung kennenlernen und Sinneseindrücke erst so groß.und führt die Gruppe über die Dorfstraße hinüber trieb auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. zuletzt die Großmutter von schaut Karin Toma hörbar nach »links. Juli. »Völlig zu Unrecht«. Computer und woher das Fleisch von 1882. das sie sam. mit der sie benutzt werden. und einen Bauern finden.

obwohl er ein Lehrstück für demokratische Politik abgibt. wenn die Infrastruktur implodiert? Karin Keller-Matschke. Dazu ein Zitat: ». 27 Weniger über die Griechen lästern Mark Schieritz und Wolfgang Uchatius: »Wer kassiert unser Geld?« Die Risiken sind auf die Volkswirtschaften durchgeschlagen. Heinrich Nitschke. Günther Zettel. sondern von »genant«. dass die Regierungsparteien den verbindlichen Auftrag des Bundesverfassungsgerichts missachtet haben.de/newsletter . das eingesandt wird. um einen minimalen Lebensstandard aufrechterhalten zu können und der Mittelstand wegbricht? Wovon soll investiert werden. wie nach und nach Teile der Waldorfschulpädagogik in den sogenannten Staatsschulen Einzug halten. Dabei handelt es sich um Turbulenzen. wie quälend. Abarbeiten müssen sich die Eltern und Pfleger. 2012 eingelöst werden. weil er sich zu grundsätzlichen Aspekten des Parlamentarismus und des Parteiengefüges kritisch äußert. Telefon oder Fax ist nicht möglich. und außerdem: Könnte man diese vielleicht nicht durch leichtere Fächer ersetzen. Runding In Ihrem Artikel werden die offensichtlichen Verdienste der Regierung kleingeredet. Als Leiter einer beruflichen Schule in Baden-Württemberg bin ich sehr froh. für die man nicht kontinuierlich Grundlagen aufbauen muss? Schließlich brauche man das alles gar nicht. Juli 2011. der ohnehin immer Stützunterricht braucht. bitte bis Montag. denn eines Tages könnte uns das gleiche Schicksal ereilen! Thomas Henschke. dass durch die PIDMethode eventuell überzählige »Embryonen vernichtet« werden würden. Ob allerdings Wulffs Einlassung zur Enthaltung der Bundesrepublik in der Frage der Libyen-Intervention ganz geschickt war. Je globaler die anstehenden Probleme werden. Und dass der Ausstieg aus der Kernenergie von dieser Regierung mit Nachdruck betrieben wird. Und es gibt 50 Bonuspunkte für das Ablegen aller sieben Buchstabensteine. so lange wird der Übertrittsdruck die Kleinen zermürben. mit ihrem Lösungswort spielen wir hier weiter. In Deutschland sollte man deshalb gleich Angela Merkel durch Herrn Ackermann als Bundeskanzler ersetzen! Das wäre ehrlicher. die sich mit fachlicher Zusatzschulung beheben lassen. welcher Partei sie auch angehören. dass man der Komplexität schulischer Arbeit mit Generalregelungen von oben nicht gerecht werden kann. Die Reise kann gewinnen. die Schuldenberge abzutragen. Das Management der Finanz. Nietzsche hat es vorhergesehen: »Ein(e) schlechte(r) Schüler(in). Tadashi Makabe. »Die deutsche Rechtschreibung«. dass sie allein die Schulwahl treffen dürfen. Heinrich Neufedt. weil ser Los. H. schüchtern. Vielmehr geht es darum.und postnatal erworben. Dr. Solange diese um jeden Preis versuchen. Auch Helmut Schmidt musste als Kanzler Krisenmanagement betreiben. daran scheitern unsere Kultusministerien und unsere Grundschulen. um auf das vermeintlich unethische Handeln hinzuweisen. der vermag nachzuvollziehen. ihre Kinder am Gymnasium unterzubringen und nicht an der für ihr Kind geeigneten Schulart. Beide Wörter bringen. findet vom 30. wer mindestens einmal die optimale Lösung findet 36-MAL »RICHTIGES UND GUTES DEUTSCH« Das »Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle« (Infos unter www. werden viele Kinder an Überforderung leiden. Auch der Zeitpunkt für die Abschaffung der Wehrpflicht war gut gewählt. sie ist vielmehr charakteristisch: Jede CDU Regierungspolitik von Kanzler Adenauer über Kohl bis hin zu dessen Schülerin Merkel schien zuvörderst auf den eigenen Machterhalt gerichtet. und beim Bürger kommt nichts an. 8 Tage Rundreise mit Privatchauffeur (albpension) und 8 Tage in einer Poolvilla des Hotels Serene Pavilions (Ü/F). Hamburg ist der »Vorreiter« – und andere Länder wollen folgen. was man anrichtet. gerade weil sie vor Fukushima einen anderen Ausstieg aus der Kernenergie bevorzugte. ob er fürs Gymnasium begabt ist oder nicht. Denn dieses Land braucht einen Schuldenschnitt. Wie denn sollen die Griechen die Wirtschaft in Schwung bringen. den Bundespräsidenten zu fragen. um schwierige (Sozial-)Reformen auf den Weg zu bringen. Wie kann dieser Zusammenhang nach kaum fünf Jahren vollständig ins Dunkle geraten. 4. Berlin Der Mann hat Rückgrat. im Wirtschaftsleben komme es ohnehin nur auf Ellenbogenkompetenz und Outfit an. desto weniger eignen sich herkömmliche Ideen über das Regieren als Maßstab. Knapp 900 Leserinnen und Leser haben ENTSAGEN vorgeschlagen. Dazu verlängern sie das Wort ADEL. 11. nicht aber zu Weihnachten und zu Ostern. Und von denselben »Geldverwaltern«. klar auszusprechen. bis 5. Juli 2011 durch das Fehlen eines gültigen Wahlrechts befindet. Wachtberg-Pech nicht als Strafmaßnahme einsetzt. dem erforderlichen qualifizierten Personal als auch an der Das Hauptproblem liegt bei vielen Eltern. Das konnte er sich nicht aussuchen.zeit. Die Bundesrepublik bringt bei der Problemlösung ihr Ansehen und ihr Gewicht auf europäischer und internationaler Ebene durchaus wirksam ein. Frau Feldberger erhält eine Einladung zum ZEIT-ScrabbleTurnier. Christiana Zwickenpflug. Sie können nicht in bar ausgezahlt oder übertragbar werden. Es wird sowohl am Geld wie auch an der Zeit. Wir Deutschen aber sollten weniger über die Griechen lästern. Auflage. Eine Teilnahme per Post. oft zu viel aufgebürdet. Im Grunde genommen werden die Richtlinien der Politik durch die Banken bestimmt. ihm komme keine Funktion als Akteur der Tagespolitik zu. bleibt ihr Verdienst. Günther Hoffmann. was 6 Punkte bringt. begreifen nicht. 18. dass ganz bestimmt kein Risiko einer exzessiven Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) besteht. obwohl sie nur aus »billigen« Buchstaben bestehen.. Juni 2011 27 Die Politik unserer schwachen Regierung ist im Grundsatz nicht neu. weil sich die notwendige individuelle Förderung im Schulalltag trotz guten Willens nicht wird realisieren lassen. kann es absolut segensreich sein. 27 14.ZEIT DER LESER S. bringt die Dinge auf den Punkt. 2011 im Maritim-Hotel am Titisee statt. sondern als eine von vielen pädagogischen Möglichkeiten der Behebung von Leistungsdefiziten. Welche Probleme stellen sich im Einzelnen? Den Eltern wird schon damit. Seine Aussage. Unter ihnen war Ursula Feldberger aus Kesswil in der Schweiz. Unerwähnt bleibt aber. GENANTES? Nein. Köln Kein Risiko Martin Spiewak: »Mit Gewissen und Verstand« NR. die mindestens einmal eine gültige Lösung eingesandt haben: 24 Scrabble-Spiele Original. wird immer wieder herangezogen. Naumburg Ihre Zuschriften erreichen uns am schnellsten unter der Mail-Adresse: leserbriefe@zeit. Über alle Gewinne entscheidet das Los. Seit Jahrzehnten beobachte ich. die die Krise ausgelöst haben. vier Scrabble Deluxe sowie viermal das Spiel Bezzerwizzer. Wenn man dieses Instrument Die zugrundeliegenden Annahmen der Schulreform sind nachvollziehbar und ehrenwert. je 36 Punkte. Jetzt wird das »Sitzenbleiben« an Staatsschulen abgeschafft. aber nur innerhalb der Geldinstitutionen. wenn er jedes Jahr aufs Neue statt an attraktiven Zusatzangeboten immer nur an sogenannten individuellen Fördermaßnahmen teilnehmen kann und so schnell als der gebrandmarkt ist. unserer Gesellschaft kommen Menschen mit Behinderung abhanden. Es zählen nur Wörter. das Sie mit den neuen Buchstaben bilden können. Sieht man denn sein eigenes Kind objektiv und kritisch genug? Kann man sich vorstellen. André Hempel. was Sitzenbleiben für die Seele bedeutet!« Selbst wenn Arthur Kern besonders über das Sitzenbleiben in der Grundschule forschte – seine damaligen Forschungsergebnisse über das »Stigma des Versagens« und das nutzlose Wiederholen eines Schuljahres sind noch heute allgemein gültig für Schüler aller Schulformen und Klassen. ob er sich die Bildungsinhalte angeeignet hat oder nicht. E-Mail. optimierte Wunschkinder zu erzeugen. Alter Wein in neuen Schläuchen! Detlef Dost. 11. 25. die ohnehin schon schwierigen Voraussetzungen für die Erfüllung eines Kinderwunschs so gut wie möglich zu gestalten. egal. sich einem oder gar mehreren Versuchen der In-vitro-Fertilisation (IVF) zu unterziehen. darf mit einem Fragezeichen versehen werden. Ich hätte sehr gern erfahren. also gleich viermal gezählt werden.de/scrabble mit. Bitte füllen Sie die Eingabe- Das sind unsere Preise: EINE TRAUMREISE von Meier’s Weltreisen nach Sri Lanka für 2 Personen: Flug in der PremiumEconomy-Class von SriLankan. Wessen Begabung an der höheren Mathematik scheitert. sechs Scrabble Travel Deluxe. Vielleicht wird das in der Öffentlichkeit noch nicht verstanden. Griechenland hat es voll erwischt. sondern Beurteilungen. 2011 und 30. zusammen also 92. und auf sie fiel un- maske inklusive Telefonnummer vollständig aus. nur wer einmal durch anhaltende Mißerfolge fast zu Boden gedrückt worden ist. sondern wachsam sein. 27 seit dem 1. wo es hingehört: in die Sammlung pädagogischer Maßnahmen. Der von Pädagogen gepriesene Mentalitätswechsel ist letztlich ein tiefgehender Wertewandel oder ein Bildungsverfall. Sarah Baumann.scrabble. Usingen Eine Selektion trifft sowieso nur auf monogenetische Erbleiden zu. per E-Mail Die Tatsache. ja demütigend es für einen jungen Menschen sein kann. Jede Woche verlosen wir unter den besten Mitspielern eine Einladung zum Turnier. Weitere Infos unter www.-Biologin per E-Mail Ein ständiger Spagat Gespräch mit Christian Wulff: »Etwas ist aus den Fugen geraten« Zu meiner Verblüffung haben Sie es versäumt. der Hauptpreis kann nach Anfrage und Verfügbarkeit zwischen 1. ist nur nicht richtig individualisiert gefördert worden. dass ständig »Säugetier-Zellhaufen« (zum Beispiel Mäuse-Embryonen) und auch schon geborene artfremde Lebewesen zu medizinischen Zwecken genutzt und »vernichtet« werden! Was unterscheidet einen Zellhaufen menschlichen Ursprungs von dem eines anderes Säugetieres in dieser Phase seines Seins? Gar nichts bis auf die DNA. Pro Person und Woche gilt nur eine Einsendung.de) hilft auch bei scrabblerischen Streitfällen! Gewinnen kann jede gültige Einsendung DAS ZEIT-SCRABBLE-TURNIER sie über zwei hellrote Bonusfelder reichen. 27 Wer jemals das zweifelhafte Vergnügen hatte. Sigurd Schmidt Bad Homburg v. Man muss sich nur einmal vorstellen. in welcher sich die Bundesrepublik ZEIT NR. warum er dazu schweigt. an denen sich eine Gesellschaft abarbeiten solle! Das Gegenteil ist der Fall. dem stehen schon noch genügend Unwägbarkeiten und Fährnisse der Schwangerschaft. Singen organisatorischen Umsetzung scheitern. 12 Uhr. dass schwache Schulleistungen oft ganz andere Gründe haben als solche. damit wir Sie gleich verständigen können. Ingolstadt Als ehemaliger Lehrer und Schulleiter will ich daran erinnern. den gymnasialen Ausbildungsplatz ihrer Kinder als ihr persönliches Prestigeobjekt missbrauchen..« Dem Land geht es trotzdem ökonomisch gut. falls die PID-Gegner befürchten. inklusive Fahrt und Aufenthalt Mit dem wertreichsten Wort. die sowieso Verständnis und Einfühlungsvermögen haben. 133 GENANTES. weil sie beratungsresistent sind und den Besuch des Gymnasiums als Statussymbol missverstehen. der Geburt und natürlich des Lebens selbst entgegen. werden Opfer abverlangt. Ohne großes Aufsehen.de). soll in kürzester Zeit (G 8!) das (dann wertlose) Abiturzeugnis bekommen. Zugleich ist er aber ehrlich genug. Es geht bei der PID nicht darum.duden.zeit. die im Duden. falls Sie gewonnen haben.88 LESERBRIEFE Turbulenzen Bernd Ulrich: »Kopflos glücklich« ZEIT NR. hinterherhinkt und überfordert ist. Juni 2011 eine Wahlrechtsreform durchzuführen. der ist sicher. wenn bei den Bürgern nicht mehr genug Geld ankommt. Ernst Pöhler. dass mein Bundesland die Möglichkeit des Sitzenbleibens (noch) nicht abgeschafft hat. 10. Manfred Hensler. Und die Griechen sollten sich nicht beirren lassen und gegen die unsozialen Sparmaßnahmen weiterhin lautstark demonstrieren. wenn man es auf einen Weg schickt. 27 Zum Beitrag von Susanne Gaschke: »Jetzt ist mal gut mit der Reformiererei« Das Stigma des Versagens Titelthema: »Nie mehr sitzen bleiben!« Hinter der Abschaffung des Sitzenbleibens steckt die totale Abwertung von Bildung und ihrer Inhalte. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 87 Aus No: 30. bei mehreren Vorschlägen der Zug mit der höchsten Punktzahl. der sich von vornherein als zu schwer erweist? Dr. Den Eltern den Wert und die Chancen des dreigliedrigen Schulwesens begreiflich zu machen. wer den Meister nicht übertrifft. Dipl. Die Mehrheit von geistigen und körperlichen Behinderungen werden peri. wenn Sie jedes Mal mit demselben Namen und derselben Anschrift teilnehmen. sechs Scrabble Junior. Nürnberg ZEIT NR. warum der Inhaber des höchsten Staatsamtes willentlich schweigt zu der akuten Verfassungskrise. Berlin ZEIT-Scrabble-Sommer (2) Zwei gleich hoch dotierte Lösungen gab es in der ersten Woche: ENTSAGEN auf K5 – K12 und GENANTES auf K4 – K11. die die Schule in ihrer pädagogischen Verantwortung für jeden einzelnen Schüler maßgeschneidert anwenden sollte. unabhängig davon. von denen das Land heute kräftig profitiert. Man kann das »Sitzenbleiben« problemlos aus der »Schmuddelecke« des Versagens herausholen und dahin befördern. Teilen Sie uns das beste Wort. Als Trostpreise verlosen wir am Ende der neun Wochen unter den Mitspielern. das ist kein Tippfehler! Nicht von »nennen« nämlich leitet sich dieses Lösungswort ab. per E-Mail ZEIT NR. die das Wohl der Allgemeinheit intendiert und nicht bestehende Regentschaft perpetuiert? Dr. bis zum 30.de Bildungspolitiker. dass zwischen den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger und den begrenzten Möglichkeiten des Bundespräsidentenamtes ein ständiger Spagat zu leisten sei. dass bereits 1951 das Buch des Heidelberger Professors Arthur Kern mit dem Titel »Sitzenbleiber-Elend« das sehr heikle Thema zur Diskussion stellte. ganz zu schweigen davon. Wer auch immer nur will. Bornheim Dr. Zum Beispiel. weil Kanzler Schröder seine Macht aufs Spiel setzte. spielen wir nächste Woche weiter. dass in den ersten Jahren der Grundschule keine Zensuren vergeben werden. Es gelten die allgemeinen Scrabble-Regeln und das Turnierreglement (www. verzeichnet sind. Die Punkte aus den einzelnen Runden werden automatisch registriert und addiert. Das Geld fließt wieder.und Euro-Krise kann sich sehen lassen. d. Dies ironisch angemerkt. Christian Knudsen. wie sie kaum eine andere Regierung seit 1949 durchzustehen hatte. Die Reformen werden aber in der Praxis scheitern. unter der Internetadresse www.

Leserbriefe siehe Seite 87

14. Juli 2011 DIE ZEIT No 29

88

Liebe ZEIT-Leserinnen und Leser, die EhecKatastrophe, scheint’s, wird noch eine Zeit lang nachklingen, auch auf dieser Seite: Ein kleiner Junge fürchtet sich vor dem Gemüse in seiner Frühstücksdose (siehe ganz rechts), und Christa Herterich aus Köln macht sich lyrische Gedanken über gefährliche Sprossen. Wobei sie selbst es in ihrem Begleitschreiben ein »hoffentlich nicht zu makabres Elaborat« nennt und vorsichtshalber meint: »Der selige B. B. möge mir die Blasphemie verzeihen!« Das wird er, da sind wir ganz sicher. Obwohl sein Gedicht von der Marie A. ein ganz melancholisches ist. Und vielleicht auch gerade deshalb. WL

1971

2011

1971: Das medizinische Staatsexamen hatten wir bestanden. Ein Glas Sekt entließ uns in eine hoffnungsvolle Zukunft, und wir verteilten uns über die damalige Bundesrepublik. Kürzlich trafen wir uns am Studienort Freiburg wieder: ein

Landarzt, ein Radiologe, ein Internist und ein Nephrologe. Und natürlich feierten wir das Wiedersehen nach vierzig Jahren wiederum bei einem Glas Sekt. Die Haare sind grauer, die Bäuche runder geworden. Lediglich die Tisch-

EIN GEDICHT!
Klassische Lyrik, neu verfasst

SCHÖNE GRÜSSE

Lieber Ben Becker,
P u b lic A d d re s s / u

Zeitsprung

Was mein

LEBEN

reicher macht
Ein regnerischer Montagmorgen an der Trambahnstation, auf dem Weg zur Arbeit. Ein kleines Mädchen, das ich nicht kenne, läuft auf mich zu, bleibt stehen und sagt: »Du bist schön!« Lieben Gruß an die fünfjährige Anna, die meinen Tag und meinen Start in die Woche so wunderbar erhellt hat! decke hat sich kaum verändert. Wir sind jetzt alle im Ruhestand, aber uns kam es vor, als seien nur vier Wochen zwischen den Aufnahmen vergangen.
Joachim Hacker, Eisenbach Tina Schäfer, Berlin

Nach einem Jahr Auslandsaufenthalt nach Hause zu kommen und zu merken, dass man mit den Freundinnen noch genauso reden kann, als wäre man gar nicht weg gewesen.
Saskia Scheler, Suhl, Thüringen

(nach Bertolt Brecht, »Erinnerung an die Marie A.«)

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Erinnern und VergEssen
Es war im Mai bei einem Bienenhause Dass ich die kleinen weißen Sprossen sah Sie warn so bleich und gleichsam todumfangen Als ich sie aufaß, war ich nicht mehr da. Es gibt davon noch ungeheuer viele, Denn auch die Bienen schwärmen hin und her Die Sprossen sprießen blass und krumm und traurig, Dass man sie aufisst, ohn’ zu wissen mehr. Wo ich sie aß, das kann ich nicht mehr sagen Doch wie sie schmeckten, weiß ich vom Verzehr Sie schmeckten weiß, morbid und melancholisch Sie schmeckten einfach wie von unten her.

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natürlich gibt es amüsantere Aktivitäten an einem strahlend sonnigen Sommernachmittag, als ihn freiwillig vor düsterer Bühnenkulisse bei Kerzenschein zu verbringen – zumal um schwermütige Texte zu hören. Aber Ihnen ist es gelungen, daraus eine kleine künstlerische Sternstunde zu machen. John Donnes schaurigmorbides Todesduell und die Große Elegie von Joseph Brodsky, von Ihnen rezitiert, interpretiert und musikalisch begleitet, ließen den dunklen Theatersaal plötzlich heller leuchten als den Sonnenschein draußen. Mitten im Sommer in abgründige Texte eintauchen? Mit Ihnen – jederzeit wieder!
Valérie Klemm, Frankfurt am Main

Der gütige und warmherzige Standesbeamte auf der Insel Langeoog. Er nimmt sich eine Dreiviertelstunde Zeit und überrascht uns mit einer nachdenklichen Rede und einem eigenen Trauspruch. In unserer Seele berührt, umarmen wir drei uns beim Abschied. Spontan schenken wir ihm unsere Hochzeitsmusik.
Gerlinde Lutz und Arnd Vogel, Gera

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STRASSENBILD

Das Jubelgeschrei der U-11-Fußballjungs, die mein Mann und ich trainieren. In einer viel zu schweren Gruppe verlieren wir ständig und richtig hoch. Nach einer 14:2-Niederlage feiern unsere Jungs in der Kabine ihre zwei Tore so ausgelassen, als hätten sie das ChampionsLeague-Finale gewonnen. Und wir Großen lernen: Alles ist relativ. Und Freude ist ansteckend!
Patricia Schütz, Kottgeisering, Oberbayern

Mein Wort-Schatz
Herzensbildung liegt ganz zuoberst in meiner Wortschatzkiste. Ein Wort wie ein Füllhorn der Fantasie. Bestehend aus zwei Begriffen, die in ihrer ursprünglichen Bedeutung den Körper ertüchtigen und den Geist bereichern. Doch erst zusammengesetzt machen sie den ganzen Menschen aus, zeigen uns ein Stück seiner Seele. Ich bedaure sehr, dass der Begriff und seine anstiftende Wirkung immer mehr in Vergessenheit geraten. Denn was schließt dieser Wort-Schatz nicht alles ein: Mitgefühl, Güte, Anstand und Hilfsbereitschaft. Gelassenheit und Lebensweisheit. Auch Beherztheit und Selbstsicherheit, Verantwortungs- und Handlungsbereitschaft schwingen mit. Und vieles mehr. Wer denkt dabei nicht an die führende Hand der Großeltern, den prägenden Rat des Vaters, die weisende Liebe der Mutter? An Geschwister, Freunde, Lieblingslehrer. Mag es auch pathetisch klingen: Jenseits von Pisa und G 8 ist Herzensbildung der goldene Schlüssel zu einer besseren Welt – zumindest aber zu einem besseren Miteinander. Heben wir den Schatz!
Christof Krüger, Ostfildern

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Christa Herterich, Köln

Hätte man sich sparen können!

Diese Szenerie findet man täglich am Berliner Ostbahnhof in der Nähe des Haupteingangs. Mehrere dieser Verbotsschilder zieren rundum das Geländer einer Tiefgarageneinfahrt, die Radfahrer aber haben kein Einsehen. Denn schließlich: Hier kann man sein Fahrrad fest anschließen, was auf der gegenüberliegenden Straßenseite, an den offiziellen Fahrradständern, nicht so bequem geht. Da nützt es auch nichts, dass dort das völlig absurde Schild »Fahrradabstellanlage« angebracht ist. All diese Schilder hätte man sich also wirklich sparen können.
Franz Fischer, Berlin

Die Straßenbahn wird gleich abfahren. Eine ältere, gehbehinderte Frau versucht, sie noch zu erreichen. Da steht ein etwa 13-jähriger Junge von seinem Sitz auf, drückt den Türöffner von innen, die Bahn muss weiter halten, und die Dame kann einsteigen. Ob sie die kleine Aufmerksamkeit des Jugendlichen bemerkt hat? Ich weiß es nicht. Aber es hat mich berührt, gefreut und irgendwie glücklich gestimmt.
Rolf Schmidt, Darmstadt

Wenn mein Sohn weinend zur Mutter läuft, weil Papa ihm womöglich Ehec-verseuchtes Gemüse in die Frühstücksbox gelegt hat und er sterben muss, wenn er es isst. Das macht mein Leben nicht wirklich reich, aber es gibt mir zu denken.
Michael Kühne, Hannover

AL AG LT

Die Kritzelei der Woche

SK U N ST

Wiedergefunden: Die brasilianischen Verwandten
Schon als Kind haben mich die alten Fotos im Album meiner Großeltern fasziniert. Da waren Menschen verschiedenen Alters zu sehen, inmitten gerodeter Wälder, zum Teil zu Pferd, die Kinder barfuß. Es hieß: »Das sind Verwandte, die nach Brasilien ausgewandert sind.« Keiner konnte (oder wollte?) mir die verwandtschaftlichen Verhältnisse erklären. Als ich jetzt nach fünfzig Jahren meinen Stammbaum auf einer Internetseite eingab, kam nach kurzer Zeit die Nachricht, dass in Brasilien jemand einen Stammbaum hat mit den Namen einiger meiner Vorfahren. 92 Prozent Übereinstimmung! Sollten das die verloren gegangenen Verwandten sein? Inzwischen findet ein reger E-Mail-Kontakt zwischen Brasilien und Deutschland statt. Meine Urgroßmutter, die ich noch kennengelernt habe, und die Großmutter des brasilianischen Verwandten waren Schwestern! Nun haben alle Menschen auf den Fotos Namen und Identität bekommen. Ich weiß den Grund der Auswanderung und kenne nun so manche Anekdote über meine Urgroßmutter. Es ist ein wunderbares Gefühl, einen Zweig seiner Familie wiedergefunden zu haben.
Kerstin Forneck, Königswinter

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Redaktion DIE ZEIT, »Die ZEIT der Leser«, 20079 Hamburg

Kürzlich, an einem Montag, hatte mein Mann einen Geburtstagswunsch: einmal Baden-Badens Flair erleben! Doch: Alle Museen zu, im Friedrichsbad wurden Männlein und Weiblein getrennt. Nur ein Stadtbummel – das war nicht das, was wir wollten. So saßen wir im Park, in Angesicht der Büste von Kaiserin Augusta, und mein Mann erzählte von Kaisern und Königen, von ungewollten Kriegen und vermeintlichem Frieden, von Hoffnungen und Verträgen. Eine Zeitreise über 500 Jahre aus der Sicht eines Historikers. Bei mir blieb das Gefühl: Ich habe 50 Jahre auf diesen Mann gewartet, und jetzt wartet der Regen in den Wolken, wartet der Tag für einen langen Augenblick auf die nächste Sekunde, wartet die Zeit auf das Ende der Geschichte. Nur meine Warterei hat ein Ende, ich bin Königin, und der Vertrag hält.
Ute Stumpf, Aglasterhausen, Baden-Württemberg

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Das Abendläuten.
Simone Tietz, Weisenheim am Sand, Rheinland-Pfalz

Diese Schreibtischunterlage zeigt in konzentrierter Form vieles, was ich vor etwa 23 Jahren mit meiner ersten Freundin am Telefon besprochen habe. Es war wie bei wohl vielen Jungen, die zum ersten Mal verliebt sind: Eher sprachlos hat man vor Augen, was gar nicht so einfach zu formulieren ist. Also sammelten sich bei mir die Skizzen, während meine Freundin richtig schön erzählen konnte. Das Produkt hat sie nie gesehen, wenn ich mich recht erinnere.
Oliver Ehlers, Heidelberg

Was für ein Tag! Abends heimgekommen von einer Wanderung mit lieben Menschen. Auf dem Tisch ein Zettel: »Für den besten Vermieter der Welt. Opa, es steht ein Kuchen für Dich im Kühlschrank, lass es Dir schmecken!«
Dieter Blezinger, Markdorf

PREIS ÖSTERREICH 4,10 €

DIE

WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR

ZEIT

14. Juli 2011 DIE ZEIT No 29

Die Wall Street greift an
Das Schicksal des Euro ist den Finanzmärkten egal. Anleger und Spekulanten ziehen ihr Geld aus Rom, Athen, Lissabon und Madrid ab. Wie Europa seine Währung trotzdem retten kann
WIRTSCHAFT S. 21–24 WWW.ZEIT.DE/EURO

Chaplins Tochter
Geraldine findet: »Mein Vater gehört allen.« Ein Gespräch Feuilleton S. 45/46

Die Macht der Klugen
Auf ihre Forscher dürfen die Deutschen stolz sein. Zu Besuch bei jungen Wissenschaftlern, denen wir unsere Zukunft anvertrauen können ZEITmagazin

Titelillustration: Smetek für DIE ZEIT

Das Geldhaus Fluch der Neugier
Die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr. Und das ist Merkels Problem VON HELMUT SCHMIDT Die Methoden des Boulevards sagen viel aus über die Medien, aber auch eine Menge über uns Leser VON ULRICH GREINER

Die Plagiatsjäger
Digitale Blockwarte oder Retter der Wissenschaft – was treibt die Menschen, die Doktorarbeiten überprüfen? Politik S. 4–6

W

ochenlang hat es in der Führung der Deutschen Bank Spannungen wegen der Nachfolge Josef Ackermanns gegeben. Jetzt sieht es so aus, als sollte eine Doppelspitze die Führung der Bank übernehmen. Derartige Konflikte gibt es in großen Unternehmen von Zeit zu Zeit immer mal wieder – so zum Beispiel im Volkswagen-Konzern oder im SiemensKonzern. Die Deutsche Bank und ihr Ansehen müssen also durch diese Geschichte nicht sonderlich beschädigt sein, wenn der Aufsichtsrat nun schnell entscheidet. (Siehe Wirtschaft, S. 28.) Trotz ihres angestammten Namens ist allerdings die Deutsche Bank im Laufe der letzten zwanzig Jahre eine internationale Bank geworden. Einerseits sitzt die Mehrheit ihrer Aktionäre im Ausland, andererseits werden mindestens achtzig Prozent ihrer Gewinne im globalen Investmentbanking gemacht. Und zwar nicht in Frankfurt, sondern in London – und an der Spitze dieses Investmentbanking steht mit Anshu Jain kein Deutscher, sondern ein Inder. An der Spitze der Deutschen Bank steht mit Josef Ackermann auch kein Deutscher, sondern ein Schweizer.

Die Landesbanken sind fast alle größenwahnsinnig geworden
Die Deutsche Bank ist also keine deutsche Bank mehr. Als Bundesregierung kann man nicht wiederholen, was Kanzler Adenauer anlässlich der Londoner Schuldenkonferenz gemacht hat und was zwanzig Jahre später anlässlich des G-6-Gipfels (später G 7) ich gemacht habe: nämlich zu großen internationalen Konferenzen einen Sprecher der Deutschen Bank zu schicken und nicht den eigenen Minister. Die Deutsche Bank ist aber gar nicht das eigentliche Problem. Wohl aber ist die Entwicklung der deutschen Bankenlandschaft insgesamt höchst problematisch. Wir waren über eine Reihe von Jahrzehnten gewohnt, es mit drei großen deutschen Banken zu tun zu haben: Dresdner, Deutsche und Commerzbank. Außerdem aber gab es – und gibt es noch – den genossenschaftlichen Bankensektor und drittens den Sparkassensektor mit seinen Girozentralen. Aus den Girozentralen haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Landesbanken entwickelt. Die Landesbanken sind mit ihren »Kreditersatzgeschäften« fast alle größenwahnsinnig geworden. Einige von ihnen mussten gerettet werden, die WestLB wird gerade aufgelöst. Vernünftigerweise würden höchstens zwei Landesbanken übrig bleiben, noch besser wäre ein einziges Spitzeninstitut mit einem eindeutigen Geschäftsmodell. Für den Genossenschaftssektor gilt ein Gleiches. Wenn es wegen des Eigensinns einiger Landes-Ministerpräsidenten und einiger Verbandsfürsten bei der zerklüfteten

6 6 . J A H RG A N G

www.zeit.de/audio

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deutschen Bankenstruktur bleibt, so wird die Deutsche Bank zwangsläufig herausragen. Dass es Aufgabe der Deutschen Bank sei, die Interessen der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten, darüber war man sich früher einig, ohne es auszusprechen. Zu meiner Zeit hätte dies mit der Commerzbank und mit der Dresdner genauso gut funktioniert. Wenn jedoch heute die Bundesregierung in internationalen Verhandlungen über Bankenaufsicht, über gemeinsame Prinzipien, zum Beispiel der Bilanzierung von Wertpapieren, Derivaten, Optionen et cetera, oder über die Regulierung von rating agencies zu gemeinsamen Lösungen kommen will, dann kann sie sich kaum auf den Ratschlag der Deutschen Bank verlassen. Das Vertrauen der öffentlichen Meinung und des Publikums in die Finanzbranche insgesamt ist in den letzten Jahren stark gesunken. So ist die unglaubliche Bereicherung der Spitzenmanager, insbesondere in Amerika, England, aber leider auch in Kontinentaleuropa, ein großes Ärgernis. Es ist nicht einzusehen, dass der Spitzenmann einer Bank hundertmal so viel Geld verdient wie sein Fahrer, dass er dreißig- oder vierzigmal so viel verdient wie die Bundeskanzlerin. Ich teile die Menschheit deshalb gern in drei Kategorien ein. Die erste Kategorie, das sind die normalen Menschen. Wir alle haben sicher als Jungs mal Äpfel geklaut, aber dann sind wir doch anständige Kerle geworden. Normale Menschen also, das sind vielleicht 98 Prozent. Zweite Kategorie, das sind die mit einer kriminellen Ader. Die gehören vor Gericht, und wenn sie schuldig gesprochen sind, dann gehören sie ins Gefängnis. Und die dritte Kategorie sind Investmentbanker und Fondsmanager. Dabei ist das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager, der uns alle, fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist, alles wieder genauso zu machen, wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat. Hierzulande hätte die Politik schon lange erkennen müssen, dass die Struktur der deutschen Bankenlandschaft renovierungsbedürftig ist. Es ist nicht gut, dass deutsche Weltfirmen hinsichtlich der Finanzierung von großen Vorhaben und Investitionen von ausländischen Finanzinstituten abhängen. Wenn zum Beispiel eine große, für uns wichtige Firma von einigen kapitalkräftigen Chinesen oder Ölscheichs übernommen würde, dann läge es wegen des Know-hows in dieser Firma und wegen der zukünftig zu erwartenden weiteren Forschung und Entwicklung im dringenden deutschen Interesse, dies zu verhindern und das Unternehmen in Deutschland zu halten. Aber dazu brauchte man zwei oder drei deutsche Großbanken, an die eine deutsche Bundesregierung sich im Notfall wenden kann!

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mpörung kostet nicht viel. Es fällt leicht, sich über die kriminellen Machenschaften englischer Boulevardjournalisten zu empören, und der öffentliche Aufruhr in London hat immerhin dazu geführt, dass der Medienmagnat Rupert Murdoch sein Schmierblatt News of the World eingestellt hat. Was leider nicht bedeutet, dass die Verblödungsstrategie gewisser Sender und Zeitungen an ihr Ende gekommen wäre. Im Gegenteil, auch in anderen westlichen Ländern, die sich auf die Pressefreiheit manches einbilden, feiert sie Erfolge. Ihr Ziel besteht nicht darin, die neue Nachricht zu verbreiten, sondern das Neue selber zu erzeugen, indem man Sensationsfelder erfindet und anhaltend beackert. Die eigentliche Frage lautet, warum sich damit Geld verdienen lässt, empörend viel Geld. Die simple Antwort: Weil Millionen derlei lesen und sehen wollen. Und zwar aus demselben Grund, der auf der linken Fahrbahn zum Stau führt, wenn es auf der rechten einen Unfall gegeben hat: Es ist die Neugier. Wir wollen sehen, was da passiert ist. Wir wollen wissen, wie lange der Kuss des königlichen Paares gedauert und warum die monegassische Fürstin nach der Trauung geweint hat. Dieser urmenschliche Trieb bildet den Motor der Indiskretions- und Entblößungsmaschinerie, die Murdoch, Berlusconi und die anderen betreiben. So perfekt wie heute ist sie noch nie gelaufen, aber gegeben hat es sie immer. Öffentliche Folterungen und Hinrichtungen, das Ausstellen von »Missgeburten und Monstern« auf Jahrmärkten haben einstmals Tausende angezogen. Der audiovisuelle Boulevard verfährt nicht anders, nur auf technisch höherem Niveau.

Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier
Man muss sich aber, bevor man derlei Entgleisungen geißelt, bewusst halten, dass die Neugier Ursache aller menschlichen Erfindungen und Entdeckungen gewesen ist. Der wirkliche Grund, weshalb sich Seefahrer tollkühn auf die Weltmeere wagten, Anatomen den menschlichen Leib aufschnitten und Wissenschaftler sich gefährlichen Strahlen aussetzten, war nicht das klare Kalkül (kaum einer wusste, wohin sein Drang ihn führen würde), sondern die Neugier. Albert Einstein war nur ehrlich, als er einmal sagte: »Ich bin nicht besonders talentiert, sondern nur leidenschaftlich neugierig.« Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier. Dass sie sich ungehindert entfalten könne, ist ein Versprechen der Demokratie und das Geheimnis ihres Erfolgs. Nur wo der Erfindungsgeist sich verbreiten und austauschen darf, dringt er hinein ins unbekannte und ökonomisch fruchtbare Neuland. Im Wort aber steckt die Gier. Sie wird niemals satt. Denn nichts altert schneller als das

Neue, und rastlos sucht die Neugier nach neuem Stoff. Sie ist ein wilder Trieb, der gezähmt werden muss. Anders als das Tier, dessen Wissensdrang der Instinkt leitet und aufs Zuträgliche beschränkt, ist die menschliche Neugier ungerichtet. An Kindern bewundern wir ihre schlechthin schrankenlose Neugier, die sie ins Verderben stürzen müsste, würden wir nicht eingreifen. Als Erwachsene wissen wir (oder sollten es gelernt haben), dass es nicht lohnt, alles wissen zu wollen. Ohne Zweifel kann es hier und da schädlich sein. Augustinus hält die curiositas für ein Laster, weil sie aufs Irdische versessen sei und wegführe vom Eigentlichen: von der Selbsterkenntnis und von der Erkenntnis Gottes. Die Philosophen erblicken in der Neugier einen höchst doppeldeutigen Trieb; Hans Blumenberg zum Beispiel sieht in ihr »das Interesse des Menschen für dasjenige, was ihn sozusagen nichts angeht«. Er beschreibt damit jenen selbstbezüglichen Wissenschaftsbetrieb, an den wir uns längst gewöhnt haben. Den Gedanken seiner Neugierkritik finden wir in den Mythen und Märchen wieder, die vom Heiligen und vom Verbotenen erzählen: vom siebenten Zimmer, das man nicht betreten, vom Schleier, den Schillers Jüngling dem Bild der Wahrheit besser nicht entreißen sollte. Die Klugheit solcher Weisungen könnte Leitfaden sein für die Zähmung unserer Neugier, die nicht selten Züge einer Neusucht trägt. Sie ähnelt der Sucht, sich mit Nahrung vollzustopfen. Und so, wie es eine Industrie gibt, die alles daransetzt, uns mit jenem Fast Food zu versorgen, das immer von Neuem hungrig macht, so gibt es auch eine mediale Zerstreuungsindustrie, die unsere Neugier niemals sättigt, sondern stets neu entfacht. Ein rabiates Verwertungsinteresse ist Merkmal jenes Turbokapitalismus, dem wir offenbar – zu unsrem Glück oder Unglück – nicht zu entrinnen vermögen. Und wir reden hier wohlgemerkt nicht von der Welt überhaupt, sondern von jenen gesegneten Breitengraden, wo es weder an Nahrung noch an Information generell mangelt. Der Mangel an Mangel ist ein Problem der Erziehung und der Selbstdisziplin. In den Schulen ist er schon lange ein Thema, glücklicherweise. Es müsste uns alle beschäftigen. Seit Jahren führen wir eine manchmal bizarre Schlankheitsdebatte. Man sollte die darin investierte Energie auf eine andere Enthaltsamkeit lenken: auf den Informationsverzicht. Nicht jede Nachricht ist der Beachtung wert. Es gibt eine Ökologie der Aufmerksamkeit. Wenn wir dies begriffen, dann würde uns die Empörung über Murdoch und so weiter etwas kosten. Wir könnten uns an die biblische Weisheit im Buch Prediger erinnern: »Windhauch, Windhauch, alles ist Windhauch. Kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, nie ein Ohr vom Hören voll. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.«

Dr.
PROMINENT IGNORIERT

Agenten am Bau
Feuchte Wände, gerissene Fliesen, was nicht passt, wird passend gemacht! Nur wer selbst ein Haus gebaut hat, weiß, wie andere leiden: etwa die Schlapphüte vom BND mit ihrem Neubau in Berlin. Die Keller zwar trocken, aber Baupläne geklaut. Ist das wirklich schlimm? Verliere man die Schuhe, so behielte man doch die Füße, tröstete sich und die Seinen jüngst ein Agent, bevor er in Berlin-Mitte verschwand. HBK
kleine Fotos: Nicolas Guerin/Corbis; Rue des Archives/PVDE; ullstein; dpa (v.o.n.u.); Vera Tammen für DZ (l.)

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AUSGABE:

10 14. Juli 2011
DONNERSTALK

DIE ZEIT No 29

ÖSTERREICH

Große Töchter
Jetzt war sie aber wirklich sauer, die Gräfin RauchKallat. Mann ließ die Frau im Nationalrat schlicht nicht zu Wort kommen, quasselte lieber so lange über Schweinemast und Hühnerdreck, bis der ganze Laden in den Parlamentsurlaub ging. Wo doch der ehemaligen Frauenministerin seit Langem ein wichtiges Anliegen auf den Lippen brennt. Sie möchte die Bundeshymne gegendert wissen, wie die linguistische Geschlechtsumwandlung im Jargon der feministischen Kampfsprache heißt. Also sei zu singen: »große Söhne und große Töchter im viel geliebten Heimatland«. Haben hier verbohrte Machomandatare eine wichtige Gesetzesinitiative vereitelt? Mitnichten, man ist den Frauen ohnehin schon zu weit entgegengekommen. Die Bundeshymne ist ohnehin bereits

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Alfred Dorfer befürchtet, dass bald auch die letzten maskulinen Bastionen wanken

AUSSERDEM

Doppeladler
Er habe die Visitkarte der Nation zu sein, so steht es sinngemäß im Anforderungsprofil des öffentlichrechtlichen Senders ORF. Und diese Nation, es kann nicht geleugnet werden, ist aus beklagenswertem Anlass mehr denn je von der brennenden Sehnsucht erfüllt, ein erlauchter Völkervater möge das leidgeprüfte und vernachlässigte Land endlich wieder von der republikanischen Kleingeisterei erlösen, in die es seit vielen Jahrzehnten herabgesunken ist. Der Mann, was heißt, der Titan, der es vermocht hätte, diese gottgefällige Tat zu vollbringen, wird am Samstag zu Grabe getragen, in die Gruft seiner Ahnen, denen alle so unendlich viel zu verdanken haben (vor allem den Fremdenverkehr). Es hat nach Gottes Ratschluss nicht sollen sein. Jedermann, gleich ob Bürger, Bauer oder Edelmann, ist deshalb an diesem Tag gebeugt von schwarzgelber Trauer. Man wird Abschied nehmen. Viele schwere Stunden lang. Abschied von einer erhabenen Idee und Abschied von einer überragenden Gestalt der Geschichte, die stets in einer größeren Dimension dachte, als sie im beengten Sendegebiet des ORF Platz findet. Was alles müsste an diesem Tag auf der Visitkarte der Nation stehen. Doch die dafür Verantwortlichen versündigen sich gegen ihre heilige Pflicht. Bloß läppische sechs Stunden lang wollen sie Stadt und Land teilhaben lassen an dem Trauerkondukt – und lediglich auf einem Fernsehkanal, obwohl doch ein zweiter zur Verfügung stünde. Das Wappentier der Doppelmonarchie war doch der Doppeladler. Auch befiehlt der Wahlspruch der Majestät, der das Prinzip zu verdanken ist, alles habe doppelt zu sein, jenes Viribus unitis, unzweideutig die vereinten Kräfte einer Parallelaktion von je einem k. u. k. Programmkanal. Es hätte ihn sehr gefreut. JR

IN DER ZEIT
POLITIK
2 3
Großbritannien

10 Donnerstalk ALFRED DORFER über die letzte Bastion der Männlichkeit 11 Euro-Krise Während Europas gemeinsame Währung wackelt, lockt der Schweizer Franken
VON RALPH PÖHNER

WIRTSCHAFT
21 Euro Angriff auf die Gemeinschaftswährung 22 Konjunktur Gefahren drohen aus aller Welt 23 Italien Die neue Angst 24 Finanzmärkte Bundesbank-Chef Jens Weidmann im Interview 28
Deutsche Bank Ein Inder rückt

WISSEN
35
Energie Viele Biogasanlagen belasten die Umwelt Internet »Wiki-Watch« schädigt

45 Literatur Der Wettbewerb in Klagenfurt 47 Zeitgeist Das schnelle Vergessen 48
Bühne Reise zu zentralen Orten des postmigrantischen Theaters

Foto: Michael Rathmayr für DIE ZEIT/www.michaelrathmayr.com

weiblich und somit ein Fanal der Emanzipation. Die Regierung und die Opposition bevölkern das Parlament und nicht einmal dieses ist männlich. Vor dem Hohen Haus wacht die Göttin der Weisheit, namens Pallas Athene. Wer von uns Frauenverstehern wollte sie durch ihren Vater, den brünftigen Zeus, ersetzen? Die Nationalratswahl, auch sie eine Dame, bestimmt das politische Geschehen in dem System, das auf den Namen die Demokratie hört. Wohl und Wehe von Land und Leuten befindet sich fest in Frauenhand. Verdrängen jetzt bald rabiate Mädchenschaften die tapferen Schmissträger aus ihren akademischen Buden, nur weil es die Universität heißt? Es reicht! Keine Töchter in der Hymne!

rainspotter sind eine verschworene Wehinger selbst. Nun wollen auch die französi- ersten Klasse anderer Züge. Eine Herausforderung einfach nicht als sexy«, sagt sie und zuckt mit den Gemeinschaft. Ihre Leidenschaft gilt schen Staatsbahnen einsteigen. Derzeit prüft die waren die Toiletten. Denn auch hier hatte Wehin- Schultern. Das will sie ändern.»Bei den Zügen Zügen, und ihre Sehnsuchtsorte sind EU-Wettbewerbskommission den Deal. ger spezielle Wünsche: »Wir haben sehr viel Zeit hat sich doch 20 Jahre lang nichts im ServicebeImmer wieder wirft Wehinger während des damit verbracht«, lacht Alge. Damen- und Herren- reich verändert«, sagt die 36-Jährige. Sie soll nun nicht idyllische Seen oder hohe Berggipfel, sondern Schienentrassen. Sie Gesprächs einen Blick auf den Laptop, laufend toiletten sind nun getrennt. Für die Männer wur- dafür sorgen, dass die Westbahn-Mitarbeiter kennen die abgelegensten Gleise und entferntes- trudeln Mails ein. Therapie sei das Unternehmen den Urinale eingebaut, denn die würden sowieso neue Maßstäbe setzen. ten Bahnhöfe, wo sie sich postieren und mit dem keine, beteuert er. Ein klein wenig Trotz sei aber stehen und so »wenigstens treffen«. Das geeignete Personal zu finden sei schwierig. Teleobjektiv im Anschlag Jagd auf Züge machen, schon dabei: »Der liegt darin, mir selbst zu beweiMit einem Preiskampf seien die ÖBB nicht zu »Die ersten Bewerbungen waren ein Schock. Das die an ihnen vorbeirauschen. Ein sonniger Mitt- sen, dass es besser als bei den ÖBB gehen kann.« schlagen, davon ist Wehinger überzeugt. Die Fahrt waren Schaffner, wie man sie halt kennt.« Der woch in der letzten Maiwoche war ein ganz beÜberall wuseln Mitarbeiter herum. »Alles ist im von Wien nach Salzburg soll 23,80 Euro kosten, typische Eisenbahner arbeite in einem streng hiesonderer Tag für sie: Zwischen Sulgen und Ro- Entstehen und in Bewegung«, sagt Wehinger. Das so viel wie eine Fahrt mit der ÖBB-Vorteilscard. rarchischen System und sei es »gewohnt, einen manshorn am Bodensee in der Schweiz sollte »Risk Management System«, an dem er derzeit bas- Punkten möchte man mit dem Komfort, gratis sehr schmalen Aufgabenbereich zu betreuen«, sagt erstmals das Phantom vorbeidonnern, das den telt, muss alles Unvorhergesehene berücksichtigen. Internet, einem Bistro in jedem Waggon, einem Wehinger. »Wir wollen ein neues Berufsbild schafösterreichischen Staatsbahnen fen, das es noch nicht gibt.« Um das Fürchten lehren will – der geeignete Bewerber zu finden, neue Zug der Westbahn. Wogreift die Westbahn zu unkonchenlang tauschten Trainspotventionellen Methoden: Fällt ter Gerüchte über das Internet einem Mitarbeiter etwa ein aus, wann es endlich so weit Kellner oder ein Kassierer im sein werde. Supermarkt positiv auf, beMarcel Manhart hat es hekommt der Leistungsträger ein rausgefunden. Über hundert Kärtchen in die Hand gedrückt. Im Dezember bekommt die staatliche Bundesbahn private Konkurrenz – zum ersten Kilometer fuhr der 48-jährige »Sie machen ihren Job hervorragend!« steht darauf. »In ZuEisenbahner in dritter GeneratiMal in ihrer Geschichte VON FLORIAN GASSER kunft hoffentlich bei uns.« So on, um sich mit seiner Kamera in möchte man bis zum Herbst Stellung zu bringen. »Die West130 Mitarbeiter rekrutieren. bahn ist schon etwas ganz Spe»Riesige Chancen für das zielles«, sagt er. Die Faszination österreichische Eisenbahnweder Trainspotter nutzt das Wiesen« schlummerten in dem ner Unternehmen zu einem beWestbahn-Projekt, meint Sesonderen Wettbewerb und verlost bastian Kummer vom Institut unter den Eisenbahnfetischisten für Transportwirtschaft und Loeine Fahrkarte für die Jungferngistik an der WU Wien. »Die fahrt am 11. Dezember 2011. ÖBB stehen nicht im WettAn diesem Wintertag beginnt bewerb und haben keinen ein ungleiches Duell: 42 500 Grund, etwa den Kundenservice Mitarbeiter, 4300 tägliche Zugverbindungen und 210 Millionen zu verbessern.« Beide UnternehPassagiere jährlich – das ist die men werden auf der Strecke gut nebeneinander leben können, ist Bilanz der ÖBB. Die Westbahn der Verkehrsforscher überzeugt, GmbH wird mit sieben Zügen denn die Zahl der Bahnfahrer 14-mal pro Tag der mächtigen staatlichen Eisenbahngesellschaft auf der Westbahn werde in den zwischen Wien und Salzburg in nächsten fünf Jahren um 20 bis die Parade fahren, auf der altehr25 Prozent steigen. »Mit einer motivierten Mannschaft kann würdigen Westbahnstrecke, die man es besser machen als die seit über 150 Jahren in Betrieb ist. Sie ist die profitabelste BahnrouÖBB, davon bin ich überzeugt.« te des Landes. Derzeit rattern 66 Der bisherige Monopolist reagiert bereits auf die künftige Fernzüge täglich zwischen Donau Konkurrenz. Zufall oder nicht: und Salzach hin und her. Bei der Ausgerechnet die WestbahnWestbahn GmbH schätzt man, strecke wird plötzlich nicht dass rund 14 Millionen Fahrgäsmehr subventioniert. Sie werde te jährlich auf der Strecke fahren. aus dem Katalog »gemeinwirtVon diesem Kuchen möchte schaftlicher Leistungen« gestriStefan Wehinger einen Happen chen, beschloss das Infrastrukergattern. Fünf Millionen Fahrturministerium, da sie ein gäste erhofft sich der Geschäfts»eigenwirtschaftlicher Verkehr« führer der Westbahn jährlich. Blau-Weiß-Grün gegen das Rot der Bundesbahnen: Der erste Zug der Westbahn steht abfahrbereit in der Schweiz und auf staatliche UnterstütDer 45-jährige Gründer ist kein zung nicht angewiesen sei. Neuling in dem Gewerbe. 2004 holte der damalige InfrastrukturEin weiterer Zufall: Die Geminister Hubert Gorbach den Vorarlberger von Etwa: Werden die Toilettenpapierrollen pünktlich eigenen Raucherabteil und dem Bordservice. Die bühren für Zugaufenthalte in Bahnhöfen wurden der Montafonbahn als Vorstand zur ÖBB Perso- für die Abfahrt da sein? Aber auch die nicht ganz Zugbegleiter sollen mehr sein als reine Ticketver- kürzlich österreichweit erhöht. Entlang der Westnenverkehrs AG. Vier Jahre und einen Regierungs- unwesentliche Frage, ob die neuen Zuggarnituren käufer. »Multi-Purpose-Mitarbeiter« nennt sie bahnstrecke ganz besonders: in St. Pölten etwa um wechsel später war der Physiker seinen Job wieder rechtzeitig vom Hersteller geliefert werden. Stefan Wehinger. Einer pro Waggon bzw. sechs in 78 Prozent. Auch die ÖBB Personenverkehrs AG Diese befinden sich derzeit in der Schweiz im jedem Zug sollen für das Wohl der Fahrgäste müsse diese Preise bezahlen, rechtfertigt man sich los. Politische Umfärbungen gehören bei der Bahn dazu wie die Verspätungen zum Fahrplan. Testbetrieb. Der erste Zug ist bereits fix und fertig sorgen. Sie verkaufen Fahrscheine, servieren Ge- dort – und zwar an die ÖBB Infrastruktur AG. Es wird auch ein Tempoduell ausgetragen und wartet im Inbetriebsetzungs-Zentrum von tränke und Speisen, räumen den Abfall weg und werden: Zwei Stunden und fünfzig Minuten Stadler Rail, dem Schweizer Hersteller, in Erlen, haben Theater- und Sightseeingtipps parat. Alles, nur kein ÖBB-Rot, war die wird die Fahrzeit der neuen Westbahn vorauseiner knapp 4000 Einwohner zählenden GemeinVorgabe an die Designer der Züge sichtlich betragen, die damit fünf Minuten langde im Thurgau, auf seinen Einsatz. Alles, nur nicht Die Bahnmanager gehen im samer sein wird als der Railjet, jedoch an sieben »Da darf man nicht wehleidig sein«, sagt Wehinger Rot, lautete die Vorgabe an die Designer. Nichts Supermarkt auf Personalsuche Bahnhöfen hält, statt nur an drei. Bei den ÖBB heute lapidar dazu. Er sitzt im Besprechungszim- dürfe an die ÖBB erinnern. Unspektakulär und mer seiner Firma, in der Wiener Mariahilferstraße. ein wenig langweilig in Blau, Weiß und Grün sind »Das kann einer alleine gar nicht machen, da gibt man sich kampfeslustig: »Wir werden in jewerden Tausende jeden Monat gratis fahren«, dem Fall immer eine Viertelstunde schneller sein Früher wohnte hier der brasilianische Botschafter. nun die doppelstöckigen Waggons angemalt. Heute sieht es aus wie bei einem jungen Start-upIn jedem Zug finden 501 Passagiere einen Sitz- höhnt ein ÖBB-Mitarbeiter. »Bis der einmal durch als die Westbahn«, kündigt ein Pressesprecher an. Trotz allen Gegenwinds: Stefan Wehinger ist Unternehmen. Im Flur steht eine Couch, auf dem platz und können sich in Sesselbezüge aus spani- den ganzen Waggon ist und Fahrkarten verkauft Gang vor der Tür ein Fahrrad und auf den Tischen schem Rindsleder fallen lassen. »Wir haben den hat, ist der Zug längst eine Haltestelle weiter, und überzeugt, dass seine Züge im Dezember auf türmen sich Papierstapel. Böse Zungen sagen, in halben Planeten abgesucht, um geeignete Sitze für die ersten Passagiere steigen aus, ohne gezahlt zu Schiene gebracht sein und für Wirbel sorgen diesen Räumen finde Wehingers Vergangenheits- diesen Zug zu finden«, erzählt Martin Alge von haben.« Doch die Westbahn ist von ihrem Kon- werden. Noch sind die ÖBB ein dankbarer Gegbewältigung statt – von den ÖBB aus dem Verkehr Stadler Rail. Verschiedene Klassen soll es nämlich zept überzeugt und hat für die Schulung der Mit- ner, der nicht das beste Image hat und für jede gezogen, wolle er nun selbst den Lokführer spielen. nicht geben, alles entspreche dem Komfort einer arbeiter von den Austrian Airlines eine Ausbild- Verspätung gescholten wird. Die Westbahn kann Es wäre eine teure Therapie: 130 Millionen ersten Klasse, so das vollmundige Versprechen. nerin für Kabinencrews abgeworben. als David gegen den übermächtigen Goliath ÖBB Birgit Raunig hatte mit Eisenbahnfahren bis mühelos Sympathiepunkte sammeln. Ab DezemEuro kostet das Projekt. 35 Prozent der Gesell- Tatsächlich fühlen sich die Sitze bequemer an als schaft gehören einer Privatstiftung des Bauunter- etwa die Schalensitze in den Railjets, dem Prestige- vor Kurzem nicht viel am Hut. Freunde hätten ber wird die Westbahn aber beweisen müssen, dass nehmers Hans-Peter Haselsteiner, 30 Prozent ei- zug der ÖBB. Auch die Beinfreiheit ist ausrei- sogar irritiert geguckt, als sie den Jet gegen ein sie tatsächlich auch einen Stein in der Schleuder ner Schweizer Investorengruppe und der Rest chend, wenngleich ein wenig geringer als in der Schienenfahrzeug eintauschte. »Bahnfahren gilt hat, der dem mächtigen Gegner zusetzen kann.

Duell im Westexpress

Foto: Ingo Pertramer

REISEN
61 Montreux Ein Song machte einst den Badeort weltbekannt 62 Hotel Das neues Sofitel in Wien 63 Windrad Bayerischer Gipfelsturm 65
Athen Auf dem Párnitha

Der Pakt mit dem Presseteufel
Kanzlerin Schweigsam Warum erklärt Angela Merkel ihre Politik nicht? Die digitalen Häscher Wer sind die Plagiatsjäger?/Gehetzt und beobachtet. Politik zwischen Twitter und YouTube/Ein Interview mit dem Medienanwalt Christian Schertz Aufklärung Der Kriminologe Christian Pfeiffer wird den Missbrauch in der katholischen Kirche untersuchen Libyen Beginnt die Schlacht um

den Ruf der Viadrina 37 Plagiate Ein Jura-Professor kritisiert das Promotionsrecht/Ein Plädoyer für die Reform akademischer Qualitätsprüfungen 38 Grafik Wie hat sich die Nutzung der Medien seit 1970 verändert? 39 Pharmazie Besser verträgliche Medikamente gegen Schlaganfall 42
Archäologie Eine Schnecke verbreitete sich rund um das Mittelmeer – per Schiff Energiewende Woher kommt künftig unser Strom?

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12 Justiz Das Gefängnisdrama um Ruth und Helmut Elsner
VON ALFRED J. NOLL

49 Roman Martin Walser »Muttersohn« 50 Politisches Buch »Bloodlands« 51 Klassiker W. M. Thackeray »Das Buch der Snobs« 52 Goethe-Institut 60 Jahre! 54 China Der Dissident Liao Yiwu erzählt von seinen Jahren im Gefängnis 55 ZEIT-Museumsführer 58
Gesellschaft Die Affäre DSK

66 Leipziger Zoo Neue Tropenhalle

DOSSIER
13 Atomenergie Eine Japanreise mit Jürgen Großmann, dem Chef von RWE 17 Frauenfußball-WM 2011 Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft – ein Stimmungs- und ein Taktik-Fazit 18 WOCHENSCHAU Berlin-Wahl Die Kreuzberger Kandidaten der großen Parteien haben alle türkische Wurzeln

CHANCEN
67 Rechenschwäche Zu wenig Unterstützung für vier Millionen 68 Ehrenamt Soziales Engagement von Schülern kann prägend sein 69 Leistungssport und Studium 71
Kita Kinderbetreuung auf dem Bauernhof

an die Spitze 29 EU Haushaltskommissar Janusz Lewandowski will eine Billion Euro für Brüssel – ein Gespräch 30
Murdoch Wer erbt das

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8 9

umstrittene Medien-Imperium? 31 Frauenquote Wirbel bei SAP und Telekom 32 Chinesen Wie solide sind Aktien aus der Volksrepublik? 33 Forum Helft nicht einfach so!
Stuttgart 21 Unglaubwürdige Bahn Riestern Bürokratisch, oft zu teuer

Tripolis?
Deutsche Außenpolitik

43 KINDERZEIT

59 Baden-Baden Eine Ausstellung über den guten Geschmack
Nachruf Zum Tode des Malers

Berlins Verbündete sind entgeistert 10 Hungersnot in Somalia Selbst schuld? Von wegen

88 ZEIT DER LESER 48 Impressum 87

Cy Twombly 60 GLAUBEN & ZWEIFELN Fantasy Der letzte Harry-PotterFilm kommt in die Kinos. Ein Interview mit Ralph Fiennes über seine Rolle als Voldemort und über das absolute Böse
Das Beste zuletzt

44 Kinder- und Jugendbuch Luchs des Monats: Kate de Goldis »Abends um zehn«

LESERBRIEFE
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ÖSTERREICH
10 Westbahn Im Dezember bekommt die ÖBB private Konkurrenz VON FLORIAN GASSER

GESCHICHTE
19 Kapuzinergruft Das gloriose Endlager der Habsburger 20 Krieg für Menschenrechte?

FEUILLETON
45 Kino Vaters Tochter – ein Gespräch mit Geraldine Chaplin

34 Was bewegt ... den Meisterkoch Harald Wohlfahrt?

Eine Währung trotzt allen Widrigkeiten der Finanzmärkte: der Franken der Eidgenossen.« Der ehemalige Chefhistoriker der Großbank UBS stieß bei seinen Forschungen auch auf die Anziehungskraft einer jahrzehntelang geprüften Zuverlässigkeit. So bringen die massiven Euro. Wenige Tage nachdem ich das polytechnische Jahr abgeschlossen hatte. meldet das Eidgenössische Finanzdepartement für das vergangene Jahr einen Überschuss. in deren Zentrum eine Alpenidylle leuchtet. da meine Mutter Übergriffe der Militärs fürchtete. wie gegenwärtig der Euro.und Dollar-Stützungskäufe ein – eine gewaltige Summe. Arbeitssuchender Ich trage zwei Tattoos. Das Land leidet zunehmend darunter. die beim Spendensammeln meine Adoptivmutter kennenlernte. Rohstoffgiganten und fernöstlichen Exportmächten – mit gut 280 Milliarden Dollar an fremdem Geld schafft sie es als einziger europäischer Staat unter die Top Ten. das damit kämpft. trotz des weltweiten Kampfs gegen Steuerflucht. Jahrhundert unerschütterlich. als sie ohnehin längst war. Ausländer sollen wieder Negativzinsen für ein Frankenkonto zahlen müssen Doch Fluchtgeld und Währungsanlagen sind zwei verschiedene Dinge. ein Geld wie Gold. einmal mehr wird die Nationalbank kritisiert. hinter dem japanischen Yen und dem britischen Pfund stehen zerzauste Volkswirtschaften. Die zweite Tätowierung. »er ist auch in der Langzeitbetrachtung die härteste Währung der Welt. den sechziger und den siebziger Jahren gezwungen. zum Pfund um 15 Prozent. dass der Franken zu teuer wird. trotz der Schläge gegen das Bankgeheimnis: Der Schweizer Hafen lockt offenbar weiter. dass auch Österreicher etwa 20 Milliarden Euro in der Schweiz gebunkert haben. Es ist folglich ein wiederkehrendes Phänomen. tragen die Devisenreserven nur noch mehr zum Bild der Schweiz als Schatzkammer bei. zum Yen um 12 Prozent. Die direkte Demokratie erlaubt es. Der Franken ist geprägtes Sinnbild eines Landes. der seinen Besitz mit ein paar Franken-Anlagen vor dem Wertzerfall bewahren will. Mir tat das so weh. die prompt verpuffte. mittelfristig ausgeglichene Budgets vorzulegen. Irland. Nun ist Italien an der Reihe: Kursstürze. einen Halt im Leben – das wäre fürs Erste mein großes Glück. den fünfziger. wenn sie als Basis eine vertrauenswürdige. Ich habe getrunken. als Sohn einer armen Frau aus dem Dschungel. in Europa konzentriert sich die Zentralbank zwar offiziell auf die Preisstabilität. verlangt der Präsident der Schweizer Sozialdemokraten. Denn an den Devisenmärkten zählt der Franken zu den wichtigsten Währungen. Spanien. Abgekürzt heißt dies: Die Schweizer Währung kletterte noch steiler. um die Währungsverluste durch Mehrverkauf abzufedern.und DollarKäufe der Nationalbank vielleicht einige Politiker in Rage. Maschinenbaufirmen fahren Sonderschichten. »Es ist unheimlich verlockend«. eine Lehre abzuschließen. das ihnen entgegengebracht wird. »Der Franken ist nicht bloß stabil«. Helvea. dass mich Selbstmitleid nicht weiterbringt. die Legenden über die verschwiegenen Gnomen von Zürich oder auch die Tatsache. Denn die Schweiz ist nun noch teurer. sagt Vogler. ihre Grenzgänger teilweise in Euro zu bezahlen. in dem Mäßigung zur Staatsräson gehört und das es seit über 120 Jahren nicht für nötig hält. die Alpentresore. Grenznahe Unternehmen erwägen. Während die anderen Industriestaaten unfassbar hohe Schuldenberge anhäufen. Ich habe Freunde verloren. dass die Schweiz nicht ganz von dieser turbulenten Welt .« Dass es ein Land schafft. egal wie schwierig es wird. Bleibt jetzt nur noch Gold zur Wertanlage? Nicht ganz. Und ich möchte nach Bolivien reisen und meine Wurzeln finden. wie Lenin 1916 mit dieser Münze in Zürich eine Zeitung kaufte. Warum setzt man dort auf den Franken. Die von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel beschworene Weisheit der schwäbischen Hausfrau (»Man kann nicht auf Dauer über seine Verhältnisse leben«) ist in der Schweizer Verfassung festgeschrieben – in Form der Schuldenbremse. Irgendwann bekam ich eine dicke Haut. McP-HUW/Bildmaschine. Dann kamen Portugal. Wenn es aufwärts gehen soll. Den Schriftzug »Salvatierra« ließ ich mir im Alter von 21 Jahren auf den rechten Unterarm tätowieren. Ich wollte nicht mehr herumgestoßen werden. liegt der Goldwert in Franken heute tiefer als im letzten Sommer. das Ertragsbilanzplus chronisch hoch: All dies vermittelt gerade jetzt wieder den Eindruck. Eher riskiert das dreiköpfige Direktorium. Ich möchte eine Familie. 28. In jeder Wirtschaftskrise lockt eine sichere Finanzbastion die Anleger aus aller Welt Fotos: (Montage DZ) C. Zuerst brauche ich aber einen Job. Schmidt-Luc/ullstein bild (Schweizer Franken). Die Maßnahmen – zuletzt ergriffen 1973 und 1978 – zeitigten bestenfalls kurzfristigen Erfolg. Es gefällt mir in seiner Schlichtheit. So sah sich die Schweiz schon in den dreißiger. Kein Geld war über solch einen langen Zeitraum so beständig. weil er so hart ist. Die Schweizer Nationalbank findet es jedoch traditionell des Teufels. und dies bis in die Münzprägung hinein. seine Rechnungen zu bezahlen. dass ich versuchte. bei Autounfällen. Finanzminister im Ausnahmezustand. Er denkt dabei an den kleinen Handwerksmeister aus Kärnten. begann ich zu arbeiten. aber alle Versuche.oder 20-Rappen-Stück vielleicht. kam ich mit eineinhalb Jahren von Bolivien nach Bregenz.de (Matterhorn). Meine Adoptivmutter starb früh. immerhin verlor die Notenbank mit ihren eingekauften Dollars und Euros letztes Jahr 26 Milliarden Franken an Buchwert. man stürzt sich eifriger auf sie als aufs klassische Krisenmetall. wo unter dem stilisierten Kopf der Freiheitsgöttin ein entrücktes Prägejahr steht. Wann immer ein großer Wirtschaftssturm anrollt. ein regelmäßiges Einkommen. Sie bewirkten wenig angesichts der Tatsache. welche Regierung und Parlament zwingt. ob der Währungsverbund auseinanderfliegt. dass die Franken-Noten zu 94 Prozent mit Gold gedeckt sind. relativ bedeutende Finanzindustrie mit vielfältigen Anlagemöglichkeiten bietet. Doch auch heute rufen wieder einzelne Politiker nach Negativzinsen. die ebenfalls eine Alternative zu US-Dollar oder Euro böten? Was ist mit der norwegischen Krone. durch Drogen. Während die Welt seit Monaten über den stetig steigenden Wert des Edelmetalls staunt. in dem der Swissie nicht als »Fluchtwährung« oder »Krisenwährung« bezeichnet wird. doch lässt sie sich inoffiziell vom politischen Druck davon ablenken. Reinaldo Eikstadt stammt aus Roboré. Da hat die gemeinsame europäische Währung nun ein Riesenproblem. In späteren Jahren war es alltäglich. Aber von außen betrachtet. bis die Kaufkraftparität völlig aus dem Ruder ist? Was ist mit Währungen. als Scheißausländer oder Neger beschimpft zu werden. vorne eine vaterländische Figur: Der Schweizer Franken ist seit dem ausgehenden 19. Schon als Bub im Kindergarten wurde ich angefeindet. Die US-Notenbank muss die Arbeitslosigkeit ebenso ins Visier nehmen wie die Teuerung. Schließlich habe ich Träume. Zum Beispiel 1898. Hinter dem Dollar steht ein Land. Der Finanzplatz Schweiz verbuchte jedenfalls in den letzten zwei Jahren wieder einen Zufluss an neuem Geld. Oder jetzt in der Euro-Krise. Irgendwann erkannte ich. seine Geldstücke neu zu gestalten. Geboren wurde ich in Roboré. Der Franken ist die klingende Münze eines langweiligen Landes. Man darf sich dann ausmalen. Greifbar wird dabei. über Generationen eine tiefe Teuerungsrate hinzulegen. Währungen leben vom Vertrauen. Von Krise zu Krise taumelt der Euro. zum Euro um 11 Prozent. Budgetposten vors Volk zu zwingen und damit ausgabefreudigen Politikern einen dicken roten Strich durch die Rechnung zu machen. meine braune Haut abzubürsten. darf man sich nicht hängen lassen. bleibt der krisenbewährte Franken stabil. Ich war in der Obhut von Schwester Angela. ein 10. Rettungspakete. und daher wiederum erscheint dieser Tage kaum ein Bericht von den Devisenmärkten. Die Schweizer Nationalbank setzte seit Anfang letzten Jahres fast 200 Milliarden Franken für Euro. die ihnen richtig wehtut – so hart ist sie geworden. als Österreich in den letzten hundert Jahren fünfmal eine Währungsreform durchlebte. Hier liegt das Problem der Schweizer: Sie verweigern sich dem Euro. einer Kleinstadt in den bolivianischen Anden. und Devisenkurse entstehen in den klimatisierten Großraumbüros der Profi-Trader. Vogler die Sonderstellung des Franken. kam letztes Jahr zum Schluss. ein Verhalten. nachlässig zu werden bei der Bekämpfung der Inflation. durch Selbstmord. Ein gutes Arbeitsklima. scheiterten. Tatsächlich betreibt die Schweiz – via Nationalbank – einen Stabilitätskult wie kaum ein anderes Land. die Inflation nahe null. Innert eines Jahres stieg er zum Dollar nominal um 21 Prozent. eine Broker-Firma in Genf. sagt Vogler. In kritischen Momenten erinnert mich nun mein Tattoo daran. tauchen in den Köpfen vieler Menschen offenbar Sehnsuchtsbilder auf. was mit dem australischen Dollar? »Es braucht auch einen wichtigen Finanzplatz. ein geometrisches Muster aus der Welt der Maori-Krieger. jeden Tag werden rund 170 Milliarden Dollar in das stabile Schweizer Geld umgewechselt. welches niemals einen Schuldencrash erlitt. Auf der Liste der Staaten mit den höchsten Fremdwährungsreserven liegt sie zwischen Ölscheichtümern. ernstschmiederer. Es ist dann eine eher kleine Münze.« So erklärt Robert U. die von außen betrachtet geradezu grotesk anmuten müssen. Was ist sein Geheimnis? Es geschieht nur noch selten. musste nicht nur auf Zinsen verzichten. Am Ende muss die Schweiz ihre Währung wohl als Ausdruck ihrer selbst akzeptieren. dass die Angestellten seiner Schweizer Werke zwei Wochenstunden mehr arbeiten müssen. Vor allem aber sagt es mir. sie pochen auf ihre unabhängige Geldpolitik. fürs selbe Geld. Ein Alpenidyll VON RALPH PÖHNER DRINNEN Nie aufgeben Ein Bolivianer in Wien: Reinaldo Eikstadt. Während Europa rätselt. dass der Frankenkurs in den wabernden Milliardenströmen der globalen Devisenmärkte gemacht wird und nicht in Bern. Keiner weiß. Im Alter von einem Jahr kam ich in ein Kloster. er bezahlte sogar dafür. All dies macht den Franken zur stärksten Marke der Schweiz. man wird in den nächsten Wochen wohl vermehrt von Entlassungen in der helvetischen Exportindustrie und von leeren Betten in den Hotels hören. Und dies wiederum führt zu Vorgängen. Nachdem diese ihr Auto verkauft hatte. wie ein Land in seiner Unabhängigkeit auch zum Spielball werden kann. Ich möchte Rücklagen bilden.W. Im Lauf der Jahre durchlebte ich schwere Krisen. nach 9/11. dass ich nie aufgeben darf. Hinten Lorbeerkitsch. wie ein Dienstmädchen während der Großen Depression ihre Milchkanne dafür auffüllen ließ.ÖSTERREICH 14. das umso verständlicher ist. Ich war drogensüchtig. wie das Geldstück in der Brusttasche eines WeltkriegsGrenzwächters vergessen wurde – und wie es später wieder weiterzog. wie viel die alten Mythen dazu beisteuern – das Land des Bankgeheimnisses. das aus Urgroßvaters Zeiten stammt. Außerdem lernte ich Judo und Wing Tsun. Die Politiker halten sich sogar daran. »Eine Währung taugt erst zur Fluchtdevise. Was offenbar schon alles erklärt: Der Franken ist so hart. Das liegt zum einen am System. dass der Franken an den Euro gebunden wird. Der Chemiekonzern Lonza gab vor zwei Wochen bekannt. und sie haben deshalb eine Währung. beim Mauerfall. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 11 Ein Geld wie Gold Wenn andere Währungen wanken. beeindruckt nicht nur Großanleger. der sich vor Kurzem noch zur neuen Leitwährung berufen fühlte und den altersschwachen Dollar verdrängen wollte. weil ich anders bin. mit Devisenbann-Verordnungen die ausländischen Anleger zu vergraulen – unter anderem mit dem sonderbaren Phänomen des Negativzinses: Wer im Ausland wohnte und sein Geld in einem Schweizer Frankenkonto anlegen wollte. Meine Mutter brach in Tränen aus. In Wien sucht er Arbeit und ein wenig Glück dafür nötigen Schmiergelder zahlen zu können. Er ist mein vierter Vorname und bedeutet »Grüß die Erde«.com ist. als sie mich sah. um mich adoptieren und die E s begann mit Griechenland. Aufgezeichnet von ERNST SCHMIEDERER A In der Schweiz sind auch 20 Milliarden Euro aus Österreich gebunkert Das hat sogar einen konkreten Grund. Damit soll der Kostenschub durch den hohen Frankenkurs abgefangen werden. den geballten Zorn von Exportindustrie und Gewerkschaften auf sich zu ziehen. ließ ich vor zwei Jahren hier in Wien machen. Und es liegt auch in einer protestantischen Sparkultur: Ein Schweizer Politiker empfiehlt sich eher durch Budgetkürzungen als durch Geschenke zur Wiederwahl. Die soziale Lage stabil. Aber von Zeit zu Zeit erhält man in der Schweiz am Kiosk noch ein Geldstück. im Kalten Krieg.

Im schlimmsten Fall könnte Elsner eines Tages sogar als eine Art Märtyrer angesehen werden. in den Gedanken. in den der nen. Was dem Stück. dem so ehrbare Leute vorsitzen wie Lothar de Maizière und Richard Schröder? Der den Quadriga-Preis seit 2003 an so ehrenwerte Menschen wie Michail Gorbatschow. aus dem Gefängnis gezaubert? zurück nach Ägypten. Kinder aber wussten zu berichten. den Pfeiler einzureißen und so den Sarg freizulegen. man die Kunst des Stückeschreibens.. und statt »Gemeinschaftswohl« das Wohlleben der neuen Bojaren. beschreibt Stanford-Politologe Francis Fukuyama in seinem neuen The Origins of Political Order: Seit Putin sei Russland zu einem »autoritären Regime mit Wahlen« geworden.com VON ALFRED J. Denn in ihr steckt die Lösung des Geheimnisses. den prominenten Häftling könnte womöglich eines nahen Tages in seiner Zelle der Herztod ereilen. der für das juristische Unvermögen im Fall der Milliardenpleite der einstigen Gewerkschaftsbank Bawag habe büssen müssen. Wladimir Putin? Und dann ein so honoriges Gremium wie die »Werkstatt Deutschland«. Hier ist einer im Gefängnis gelandet.« Knapper sagt es die Historikerin Christina Eibl in ihrem Überlebensbericht aus dem Herzen Moskaus (2011): »Wer sich nicht unterwirft. Isis wird von Ruth Natürlich kennt niemand in Öster. Juli. wird gnadenlos verfolgt.dramatischen Erzählung nur das Frische erkennt. verkörpert das kann doch gar nicht wahr sein. »Engagiert« ist Putin tatsächlich: bei der Perfektion dieses Systems. so RT große Plausibilität verleiht. Ernsthaft krank war der rechtskräftig verurteilte ehemalige Bankdirektor allerdings schon lange.und Handlungsarmut auf der politischen Bühne giert das feine Sensorium des Boulevards ständig nach frischem Stoff. wo die verspekulierten Bawag-Milliarden verblieben sind. Ein fauler Deal? Und was verbirgt er? Jetzt. Schimon Peres. der sich in terherspürt. Und gerade diesen Baum hatte Melkart. der um den Mythos wissen. der bühnenmäßigen Darstellung wird lautstark Beifall gespendet – ein wirklich schönes Stück! Der Autor ist Rechtsanwalt in Wien A N A ZEITGEIST »Vorbild« Putin Wieso ehrt ein honoriges deutsches Gremium den neuen Zaren? JOSEF JOFFE: Unwillkürlich schnellt der Blick nach oben. welche Seilschaft wie von der Pleite profitiert hatte.sehr den Charakter des Besonderen geben als die Elsner gegeben. Das sind die Kreml-Getreuen im Big Business und Sicherheitsapparat – die Putinsche Machtelite. April. das sich schnaubend aufbäumt. Weil es das Personal nahelegte und weil die Übereinstimmung gar so groß schien. Der Stoff muss sich freilich stets in das Gewand überkommener Mythologie kleiden lassen können. ist dem heimischen Publikum nicht mehr vorstellbar. Foto: Mathias Bothor/photoselection . der Göttin der Liebe. Schließlich vertraute sie der Herrin ihre wahre Identität an und berichtete ihr von dem traurigen Schicksal ihres Gatten Osiris. dass man so einen wie ihn wirklich erwischte? Schließlich das Strafverfahren unter dem Vorsitz der nachmaligen (und jetzt schon wieder ehemaligen) Justizministerin – keine Reue des Angeklagten. der arrogante Bankdirektor wäre eingesperrt worden wegen seiner ihm nachgesagten Charakterschwächen. das stets aufs die isomorphe Parallelität der König Melkart tritt die Justiz in Neue überwältigt und gefangen nimmt. schließlich trat Flöttl als Kronzeuge gegen den Mann auf. die noch einem Amalgam aus Vorurteilen. was hier geboten zweierlei: die zeitlich und örtMeinungsklima am Boulevard. und das Aktenzeichen Bawag schlummert weiterhin ungelöst dahin. dass es von ›teilweise frei‹ auf ›nicht frei‹ herabgestuft wurde. Wirtschaft und Identität. sich dessen nicht bewusst ist. versinnbildlicht das Straf. Nein. fällen lassen. Nachgerade naiv ist die Vorstellung. deren Mann in der reich den Isis-Mythos. Stirbt er vor der Zeit. die sich auf die Suche nach ihrem verstorbenen Gatten Osiris begibt. war menschlich: Damals war »KT« noch kein Plagiator.« Im März 2012 wird wohl Putin gegen den heutigen Präsidenten Medwedjew antreten.der Realität als schlechte Posse entpuppt. Oppositionskandidaten werden eingeschüchtert und disqualifiziert. vielleicht waren es doch die Zauberkräfte der schönen Ruth Elsner? Bizarr auch die Vorstellung. das Wahlen abhält. Aber im Unbe. Nachfrage unerwünscht. dass Ruth Elsner ihren Gatten aus dem finsteren Verlies in ein heiteres und helles Pensionistenleben gezaubert haben könnte.« 2011 klang es nicht besser: »In diesem Jahr fiel Russland im Demokratie-Ranking ab. Und in der Rolle des guten Weit gefehlt: Es ist gerade das Alte. auf das Erscheinungsdatum der Zeitung.. dies auch zur Kenntnis zu nehmen. und der mächtige Baum. es ist korrupter als die üblichen Verdächtigen in Schwarzafrika. »Vorbild« wäre richtig. Den Fluss. Die eigenen Leute werden belohnt und protegiert. dass ein Bankdirektor verhaftet würde? Seine Heimholung aus Frankreich – wer hätte gedacht. Juli 2011 JUSTIZ DIE ZEIT No 29 ÖSTERREICH Sündenbock Aktenzeichen Bawag – ungelöst. wenn ihm einmal seine Grenzen aufgezeigt würden.Mensch käme hierzulande auf den enttäuschenden Man glaubt die Geschichte von der Frau mit verfahren selbst. nur wenig eleganter Trotz. Das Regime kontrolliert fast alle Medien und erlaubt keine Kritik. der sich im Kuratorium »strikt gegen Putin ausgesprochen« hat. den Sarg ihres Gatten den Fluss hinab bis zur phönizischen Stadt Byblos zu verfolgen. Foto (Ausschnitt): Georg Hochmuth/APA/picturedesk. die lange Liste mit zu einem Großteil lebensbedrohenden Diagnosen liest sich wie ein Medizinlexikon. Dies eben ist Haftanstalt schmachtet. Angesichts der Gedanken. Ärzte hatten Alarm geschlagen. Ein Staat darf sich nicht anmaßen. wecken dann plötzlich neues Interesse. Nichts kann sich so und heute. die ihrem getöteten Gatten hindes Osiris Sarg eingeschlossen war. Absurd natürlich ist der Gedanke. Besser. des Isis-Mythos einerseits und konnte. den Ex-Banker Helmut Elsner. griff man dieses Mal im Stehgreiftheater der Justizgrotesken zu einer altägyptischen Sage: zu der Geschichte von Isis. Kein Erwachsener konnte ihr Auskunft geben. sie einst in den Kerker warf. Die Königin freilich.unentdeckte Auffrischung des Alten. dem Mann. Offiziellen und Wirtschaftsinteressen. Und ebendies.12 14. beginnen rasch allerorts die Verschwörungstheorien aufzublühen. dessen vermeintlich ungeschickten Investments Elsner sein Missgeschick verdankte. der böse König Seth habe einen großen Klumpen Blei in den Fluss geworfen. weil uns die Wirklichkeit des österreichischen Rechtsstaats als despektierliche Posse geboten wird. ist natürlich die zwar gut aufgehobener Stoff dargeboten. das Nächstliegende. kann die Justiz erleichtert aufatmen. Jene. das wird! Das Stück ist uralt. Gewiss. die man längst erfolgreich unter den Gerichtsteppich gekehrt glaubte. jemanden hinter Gittern zu halten. Hier war er von einem mächtigen Baum in dessen Stamm eingeschlossen worden. wo der Sündenbock darauf hoffen kann. Isis nahm den Leichnam ihres Gatten und brachte ihn Hat Ruth Elsner ihren Mann. Ein Besuch des Gefängnisdramas von Ruth und Helmut Elsner mmer noch und bis auf Weiteres findet in Wien das Aufgewärmte und das allenthalben Vertraute das meiste Publikum. Seine überraschende Verhaftung – wer hat je gesehen. Wolfgang Schäuble und Sylvia von Schweden verliehen hat? Dass sich die Jury mit Guttenberg (2010) ein wenig geirrt hat. Andererseits: Wer weiß. Als böser König wussten hat sich die Sage sedimentiert. Geehrt werden müsste ein anderes Vorbild: der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. was man liche Distanz zum Ursprung Ruth Elsner für sich begeistern daraus für die Gegenwart gewinnen könnten. Isis trat in die Dienste der Königin.« Wie das realiter aussieht. Es herrsche ein »Schattennetzwerk von Politikern. der den daraus erwachsenden Beanspruchungen nicht gewachsen ist. und nun ist er krank. Bald werden die lästigen Fragen der Vergangenheit angehören. so einem Typ geschähe es schon recht. NOLL I Wie auf einer durch lästige Cookies verseuchten Homepage aktualisieren sich in unserer Wahrnehmung die einzelnen Etappen des »Falles Elsner«. die vergangene Woche zu einer auffällig raschen Haftverschonung für Helmut Elsner führte. Kein aber vor der unreflektierten Folie des Alten rezipiert. Unerheblich ist sie nicht. dass man an der Seth fungiert die Claudia Bandion-Ortner. hier werde ein im Reich der Mythologie Zauberkräften. Ganze Kohorten von Leserbriefschreibern und Postern arbeiten sich nun an dem Verdacht ab. ist sich Isis anvertraut. die riesige Summe habe sich in Luft aufgelöst. selbst Libyen und Jemen kommen besser weg. Kaum etwas interessiert die Öffentlichkeit mehr als die Antwort auf die leise und mit gewisser Bange gestellte Frage: Ist Elsner jetzt wirklich frei? Muss er nicht wieder hinter Gitter. können es nicht glauben: Es und verständlicher Empörung. Geben wir ihm als Sonderpreis die Mini-Version eines Quadriga-Pferdes auf dem Brandenburger Tor. sondern der 9. die ihn kann an ihren Wesenskern glauben. wenn er durch die Fürsorge seiner Gattin alsbald genesen wird? Nichts überzeugt die Österreicher so sehr wie der schöne Schein. Aber Putin? Die Werkstatt bemüht ganz ironiefrei Orwell-Sprech in der Begründung: »Im Inneren . um ihn in seinem Palast als Pfeiler zu verwenden. wenig Bedeutung besitzen. die ihm wieder die Freiheit schenkt. Aber die Veranstalter des Stücks können zufrieden sein. Isis selbst gelang es durch ihre eigenen machtvollen Fähigkeiten. der Gottkönig von Byblos.« Auf der Korruptionsskala von Transparency International (2010) liegt Russland ganz oben auf Platz 154. und man garniert diesen Glauben mit Strafanstalt. Sein Verschwinden hinter Gittern – und nun auch noch die ärztlich festgestellte Haftunfähigkeit. bis es endlich im historischen Archiv verschwinden kann. das derzeit in GENOSSE Wien über die Bühne geht. um seinen Machterhalt zu legitimieren. hier habe die Medienkampagne der fürsorglichen Gemahlin die Freiheit eines Unsympathlers bewirkt. als die Süddeutsche berichtete: »Preisrätsel: Deutscher Verein ehrt Putin als mustergültigen Staatsmann«. die »Aufklärung. es war nicht der 1. sondern Liebling der Nation. in welcher der ehemalige Bankdirek. wo sie ihn durch Zauberei wieder zum Leben erweckte. Diese Wahl wird »von einer kleinen Elite. Die vielen Ungereimtheiten. abspeisen. Einen Beitrag zu der plötzlichen Erleuchtung der mit diesem Fall befassten Richterriege mag die simple Tatsache geleistet haben. der sich aus der Fülle des Lebens speist. weil man Handlungsträger von damals neuer Besetzung vor das Publikum. Definieren wir es mit Lenin als »demokratischen Zentralismus« plus Staatsund Oligopolkapitalismus. es hat nichts. Engagement und Gemeinschaftswohl verpflichtet« seien. ohne ihn zu ken. was nüchtern betrachtet das Nächstliegende wäre: Hier hat einer das Gesetz gebrochen. nicht vom Wähler entschieden werden«. Rechthaberei tor festgehalten wird. Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT wenn man statt »Aufklärung« Mediengleichschaltung setzt. dass ein toter Sündenbock in aller Regel ein schlechter Sündenbock ist. Für die Schuldfrage nach den Buchstaben der Paragrafen mag das Rätsel. Deshalb funktioniert das Stück so gut. Sarg geworfen wurde. Die Rechtspfleger hatten sich lediglich beharrlich geweigert. auf den die Strenge des Gesetzes letztlich die gesamte Schuld für das Debakel ablud. Weiter mit Orwell: Mit dem Quadriga-Preis werden »Vorbilder« ausgezeichnet. JR Isis auf der Suche nach Osiris Im Stehgreiftheater der Justiz wird der Mythos zur Posse. schafft er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand. Vier Jahre nach Beginn der Putin-Präsidentschaft meldete Freedom House. Das wird es auch bleiben Es war die nackte Panik der Justiz. Die Königin hatte Mitleid mit der Göttin und überredete ihren Mann. das jährlich den Zustand der Freiheit auf der Welt misst: »Politische Rechte und Freiheiten sind in Russland so eingeengt worden. seine letzten Jahre in Freiheit zu verbringen. Doch genau mit dieser Beteuerung ließ sich das Gericht von Wolfgang Flöttl. und er ist dafür verurteilt worden. noch dazu in der Obhut der Rechtspflege. damit sich die überkommenen und meist niederen Instinkte auflagenstark befriedigen und befrieden lassen. Unvorstellbar ist dem Publikum. der Mann genießt irgendwo seinen Lebensabend in Freiheit.

dem wir offenbar – zu unsrem Glück oder Unglück – nicht zu entrinnen vermögen. HBK kleine Fotos: Nicolas Guerin/Corbis. dass es nicht lohnt. weiß.de/audio CH C 7 4 5 1 C 4 1 90745 104005 deutschen Bankenstruktur bleibt. die Murdoch.« Ein Gespräch Feuilleton S. Die Deutsche Bank und ihr Ansehen müssen also durch diese Geschichte nicht sonderlich beschädigt sein. Nur wo der Erfindungsgeist sich verbreiten und austauschen darf. ZEIT-Stellenmarkt: www. Was leider nicht bedeutet. Dieser urmenschliche Trieb bildet den Motor der Indiskretions. wie lange der Kuss des königlichen Paares gedauert und warum die monegassische Fürstin nach der Trauung geweint hat. alles ist Windhauch. Anleger und Spekulanten ziehen ihr Geld aus Rom. Windhauch. Der wirkliche Grund. Im Wort aber steckt die Gier. Als Bundesregierung kann man nicht wiederholen. die Interessen der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten. Athen. feiert sie Erfolge. ist ein Versprechen der Demokratie und das Geheimnis ihres Erfolgs. Aber dazu brauchte man zwei oder drei deutsche Großbanken. Wir wollen sehen. als er einmal sagte: »Ich bin nicht besonders talentiert. warum sich damit Geld verdienen lässt. dann gehören sie ins Gefängnis. 28. Man sollte die darin investierte Energie auf eine andere Enthaltsamkeit lenken: auf den Informationsverzicht. Normale Menschen also. Wir alle haben sicher als Jungs mal Äpfel geklaut. Schweiz. weshalb sich Seefahrer tollkühn auf die Weltmeere wagten.n.de 29 2 9 AUSGABE: .de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Die simple Antwort: Weil Millionen derlei lesen und sehen wollen. aber gegeben hat es sie immer. dann kann sie sich kaum auf den Ratschlag der Deutschen Bank verlassen. Zu Besuch bei jungen Wissenschaftlern. Ein rabiates Verwertungsinteresse ist Merkmal jenes Turbokapitalismus. Vernünftigerweise würden höchstens zwei Landesbanken übrig bleiben. Die Klugheit solcher Weisungen könnte Leitfaden sein für die Zähmung unserer Neugier.30 CHF DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 14. Die eigentliche Frage lautet. Lissabon und Madrid ab. sondern ein Schweizer. alles wieder genauso zu machen. J A H RG A N G www. dass die Verblödungsstrategie gewisser Sender und Zeitungen an ihr Ende gekommen wäre. dass die Struktur der deutschen Bankenlandschaft renovierungsbedürftig ist. nur auf technisch höherem Niveau.) Trotz ihres angestammten Namens ist allerdings die Deutsche Bank im Laufe der letzten zwanzig Jahre eine internationale Bank geworden. Deutschland Telefon: +49-1805-861 00 09 Fax: +49-1805-25 29 08 E-Mail: abo@zeit. was nicht passt. Es ist nicht gut.DE/EURO Chaplins Tochter Geraldine findet: »Mein Vater gehört allen. das Ausstellen von »Missgeburten und Monstern« auf Jahrmärkten haben einstmals Tausende angezogen. Das Vertrauen der öffentlichen Meinung und des Publikums in die Finanzbranche insgesamt ist in den letzten Jahren stark gesunken. Hans Blumenberg zum Beispiel sieht in ihr »das Interesse des Menschen für dasjenige. Der audiovisuelle Boulevard verfährt nicht anders. Es ist nicht einzusehen. andererseits werden mindestens achtzig Prozent ihrer Gewinne im globalen Investmentbanking gemacht. aber leider auch in Kontinentaleuropa. Berlusconi und die anderen betreiben.jobs.0. Aus den Girozentralen haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Landesbanken entwickelt. fast die ganze Welt. Rue des Archives/PVDE. Hierzulande hätte die Politik schon lange erkennen müssen. dessen Wissensdrang der Instinkt leitet und aufs Zuträgliche beschränkt. Ist das wirklich schlimm? Verliere man die Schuhe. Die Philosophen erblicken in der Neugier einen höchst doppeldeutigen Trieb. für uns wichtige Firma von einigen kapitalkräftigen Chinesen oder Ölscheichs übernommen würde. denen wir unsere Zukunft anvertrauen können ZEITmagazin Titelillustration: Smetek für DIE ZEIT Das Geldhaus Fluch der Neugier Die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr. Den Gedanken seiner Neugierkritik finden wir in den Mythen und Märchen wieder. 21–24 WWW. So ist die unglaubliche Bereicherung der Spitzenmanager. ullstein. Und zwar aus demselben Grund. so gibt es auch eine mediale Zerstreuungsindustrie. Seit Jahren führen wir eine manchmal bizarre Schlankheitsdebatte. das sind vielleicht 98 Prozent. In den Schulen ist er schon lange ein Thema. Die Keller zwar trocken. auch in anderen westlichen Ländern. Die Deutsche Bank ist aber gar nicht das eigentliche Problem. gerissene Fliesen. Er beschreibt damit jenen selbstbezüglichen Wissenschaftsbetrieb. sondern die Neugier. Der Mangel an Mangel ist ein Problem der Erziehung und der Selbstdisziplin.zeit.zeit. Dass sie sich ungehindert entfalten könne. sich mit Nahrung vollzustopfen. als sollte eine Doppelspitze die Führung der Bank übernehmen. das sind die normalen Menschen. das sind die mit einer kriminellen Ader.o. Optionen et cetera. uns mit jenem Fast Food zu versorgen. so behielte man doch die Füße.de/audio www. Außerdem aber gab es – und gibt es noch – den genossenschaftlichen Bankensektor und drittens den Sparkassensektor mit seinen Girozentralen. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Derartige Konflikte gibt es in großen Unternehmen von Zeit zu Zeit immer mal wieder – so zum Beispiel im Volkswagen-Konzern oder im SiemensKonzern. wenn der Aufsichtsrat nun schnell entscheidet. tröstete sich und die Seinen jüngst ein Agent. bevor er in Berlin-Mitte verschwand. Kein Mensch kann alles ausdrücken. E-Mail: DieZeit@zeit. glücklicherweise. und rastlos sucht die Neugier nach neuem Stoff. Als Erwachsene wissen wir (oder sollten es gelernt haben). was da passiert ist. So perfekt wie heute ist sie noch nie gelaufen. ohne es auszusprechen. das immer von Neuem hungrig macht. Wir wollen wissen. bewusst halten. Wohl aber ist die Entwicklung der deutschen Bankenlandschaft insgesamt höchst problematisch. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 Die Wall Street greift an Das Schicksal des Euro ist den Finanzmärkten egal.zeit. Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier Man muss sich aber. weil sie aufs Irdische versessen sei und wegführe vom Eigentlichen: von der Selbsterkenntnis und von der Erkenntnis Gottes. oder über die Regulierung von rating agencies zu gemeinsamen Lösungen kommen will. dpa (v. dass deutsche Weltfirmen hinsichtlich der Finanzierung von großen Vorhaben und Investitionen von ausländischen Finanzinstituten abhängen. dringt er hinein ins unbekannte und ökonomisch fruchtbare Neuland. Einerseits sitzt die Mehrheit ihrer Aktionäre im Ausland. England. sondern in London – und an der Spitze dieses Investmentbanking steht mit Anshu Jain kein Deutscher. Die Landesbanken sind mit ihren »Kreditersatzgeschäften« fast alle größenwahnsinnig geworden. das man nicht betreten. die nicht selten Züge einer Neusucht trägt. was Kanzler Adenauer anlässlich der Londoner Schuldenkonferenz gemacht hat und was zwanzig Jahre später anlässlich des G-6-Gipfels (später G 7) ich gemacht habe: nämlich zu großen internationalen Konferenzen einen Sprecher der Deutschen Bank zu schicken und nicht den eigenen Minister. Und wir reden hier wohlgemerkt nicht von der Welt überhaupt. Dass es Aufgabe der Deutschen Bank sei. Anders als das Tier. Und die dritte Kategorie sind Investmentbanker und Fondsmanager. Albert Einstein war nur ehrlich. Einige von ihnen mussten gerettet werden.) ZEIT ONLINE GmbH: www. wenn es auf der rechten einen Unfall gegeben hat: Es ist die Neugier. der auf der linken Fahrbahn zum Stau führt. die WestLB wird gerade aufgelöst.ZEIT. 4–6 W ochenlang hat es in der Führung der Deutschen Bank Spannungen wegen der Nachfolge Josef Ackermanns gegeben. aber dann sind wir doch anständige Kerle geworden. Augustinus hält die curiositas für ein Laster. Anatomen den menschlichen Leib aufschnitten und Wissenschaftler sich gefährlichen Strahlen aussetzten. an den wir uns längst gewöhnt haben. Öffentliche Folterungen und Hinrichtungen. Die erste Kategorie. Wenn wir dies begriffen. Für den Genossenschaftssektor gilt ein Gleiches. wie es eine Industrie gibt. aber Baupläne geklaut. dann läge es wegen des Know-hows in dieser Firma und wegen der zukünftig zu erwartenden weiteren Forschung und Entwicklung im dringenden deutschen Interesse. Ihr Ziel besteht nicht darin. was ihn sozusagen nichts angeht«. sondern das Neue selber zu erzeugen. restliches Ausland DIE ZEIT Leserservice. Wir waren über eine Reihe von Jahrzehnten gewohnt. Dabei ist das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager. sondern von jenen gesegneten Breitengraden. Wie Europa seine Währung trotzdem retten kann WIRTSCHAFT S. Es müsste uns alle beschäftigen. Wir könnten uns an die biblische Weisheit im Buch Prediger erinnern: »Windhauch. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 . Zu meiner Zeit hätte dies mit der Commerzbank und mit der Dresdner genauso gut funktioniert. Nicht jede Nachricht ist der Beachtung wert. Sie ist ein wilder Trieb. Ich teile die Menschheit deshalb gern in drei Kategorien ein. 45/46 Die Macht der Klugen Auf ihre Forscher dürfen die Deutschen stolz sein. die sich auf die Pressefreiheit manches einbilden. alles wissen zu wollen. empörend viel Geld. Wenn zum Beispiel eine große. An Kindern bewundern wir ihre schlechthin schrankenlose Neugier. vom Schleier. dann würde uns die Empörung über Murdoch und so weiter etwas kosten. sondern nur leidenschaftlich neugierig. in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist. der uns alle. die vom Heiligen und vom Verbotenen erzählen: vom siebenten Zimmer.zeit.« Dr. den Schillers Jüngling dem Bild der Wahrheit besser nicht entreißen sollte. Deutsche und Commerzbank.u. 20080 Hamburg. war nicht das klare Kalkül (kaum einer wusste. wird passend gemacht! Nur wer selbst ein Haus gebaut hat. Wenn es wegen des Eigensinns einiger Landes-Ministerpräsidenten und einiger Verbandsfürsten bei der zerklüfteten 6 6 . Sie wird niemals satt.« Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier. (Siehe Wirtschaft. die neue Nachricht zu verbreiten. sich über die kriminellen Machenschaften englischer Boulevardjournalisten zu empören. Wenn jedoch heute die Bundesregierung in internationalen Verhandlungen über Bankenaufsicht. Leserbriefe@zeit. PROMINENT IGNORIERT Agenten am Bau Feuchte Wände. die Doktorarbeiten überprüfen? Politik S. Die Landesbanken sind fast alle größenwahnsinnig geworden Die Deutsche Bank ist also keine deutsche Bank mehr. dass der Medienmagnat Rupert Murdoch sein Schmierblatt News of the World eingestellt hat. und der öffentliche Aufruhr in London hat immerhin dazu geführt. so wird die Deutsche Bank zwangsläufig herausragen.PREIS SCHWEIZ 7. dass er dreißig. wohin sein Drang ihn führen würde).und Entblößungsmaschinerie. ist die menschliche Neugier ungerichtet. nie ein Ohr vom Hören voll. indem man Sensationsfelder erfindet und anhaltend beackert. die unsere Neugier niemals sättigt. Jetzt sieht es so aus.oder vierzigmal so viel verdient wie die Bundeskanzlerin. S.de. Die gehören vor Gericht. Sie ähnelt der Sucht. sondern ein Inder. die sie ins Verderben stürzen müsste.). dies zu verhindern und das Unternehmen in Deutschland zu halten. wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat. Und das ist Merkels Problem VON HELMUT SCHMIDT Die Methoden des Boulevards sagen viel aus über die Medien. der gezähmt werden muss. insbesondere in Amerika. wie andere leiden: etwa die Schlapphüte vom BND mit ihrem Neubau in Berlin. noch besser wäre ein einziges Spitzeninstitut mit einem eindeutigen Geschäftsmodell. Ohne Zweifel kann es hier und da schädlich sein. und wenn sie schuldig gesprochen sind. Es fällt leicht. An der Spitze der Deutschen Bank steht mit Josef Ackermann auch kein Deutscher. Im Gegenteil. Zweite Kategorie. würden wir nicht eingreifen. KG. über gemeinsame Prinzipien. wo es weder an Nahrung noch an Information generell mangelt.de Abonnement Österreich. Derivaten. zum Beispiel der Bilanzierung von Wertpapieren. Vera Tammen für DZ (l. sondern stets neu entfacht. Es gibt eine Ökologie der Aufmerksamkeit. die alles daransetzt. an die eine deutsche Bundesregierung sich im Notfall wenden kann! E mpörung kostet nicht viel. dass der Spitzenmann einer Bank hundertmal so viel Geld verdient wie sein Fahrer. Denn nichts altert schneller als das Neue. es mit drei großen deutschen Banken zu tun zu haben: Dresdner. bevor man derlei Entgleisungen geißelt. aber auch eine Menge über uns Leser VON ULRICH GREINER Die Plagiatsjäger Digitale Blockwarte oder Retter der Wissenschaft – was treibt die Menschen. darüber war man sich früher einig. nie wird ein Auge satt.de. Und so. ein großes Ärgernis. Und zwar nicht in Frankfurt. dass die Neugier Ursache aller menschlichen Erfindungen und Entdeckungen gewesen ist.

weshalb der UBS die Lizenz zum Aufbau eines Filialnetzes in Indien gewährt wurde.faeh-arch. Kaum ein Tag vergeht. Und da die Dorfstraße sowieso erweitert werden sollte. Wie das? Das Problem beginnt mit einem Mann namens Hasan Ali Khan. bis Lidl entnervt aufgab. 2004 wurde bekannt. Denn Kaspar Rhyner. ist ein viel zu guter Erzähler. seit letzten März sitzt er in Mumbai in Untersuchungshaft. behauptet das Enforcement Directorate. wuchs in den letzten Monaten kräftig an. als wäre der General noch hier«. Und in den Zeitungen und TVShows wird der Inhaftierte regelmäßig als »Indias biggest tax evader« bezeichnet – der größte Steuerflüchtling aller Zeiten. aber stimmt mit den Linken Aufschlussreich sind die Reaktionen zum Rückzug Lidls. dass sie bei den »Swiss accounts« – noch eine gängige Chiffre – Entschlossenheit zeigen muss. als dass man ihn unterbrechen möchte. da ist von konkreten Transaktionen in Millionenhöhe die Rede – für die UBS ist all dies haltlos. Hier trat im 19. An den holzgetäfelten Wänden hängen Suworow-Porträts. Der Swami mit einer Millionenanhängerschaft fordert einen entschlossenen Kampf gegen die Korruption und Steuerflucht der heimischen Elite. der Steuerwettbewerb kümmert kaum. sagte der Schüler Andreas Stucki in der Lokalpresse. Im Juni begann Baba Ramdev. Der größte Teil des Geldes. Man wählt bürgerlich. aber in der indischen Öffentlichkeit gilt sie längst als Faktum. in den Zeitungen. erinnert sich Rhyner und setzt sich zum Besucher auf die kleine. Der Gründer und Verwaltungsratspräsident der Elmer Sportbahnen. langjährige FDP-Ständerat und Regierungsrat ist ein durch und durch bodenständiger Glarner. dabei stellte sie die Geldverschiebungen in Abrede.« Dabei hätte man die neuen Arbeitsplätze gut brauchen können. verwundet. Juli 2011 WIRTSCHAFT DIE ZEIT No 29 SCHWEIZ Aufgeheizt Wie Schweizer Banken in Indien unter Generalverdacht gerieten Wer in fremden Ländern geschäftlich tätig wird. 400 neue Arbeitsplätze und ansehnliche Steuereinnahmen. wo es heiße: Wo einst Textilmaschinen dröhnten: Industriebrachen in Rüti (zuoberst) und in Diesbach. noch wurden Transaktionen durch Kashoggi festgestellt«. Juli stellte ein Kollegium des Supreme Court der Regierung die Frage. RALPH PÖHNER Der Arbeiterstaat Glarus tickt anders: Die Bevölkerung schrumpft. Er gründete 1971 die Stiftung Pro Elm. in Abgründe gestürzt oder erfroren«. dass Hasan Ali Khan 2001 via einen Strohmann das Chateau Gütsch in Luzern zu erwerben plante und dabei auf Gelder des saudischen Waffenhändlers Adnan Kashoggi zurückgreifen wollte. Der Unternehmer und Pferdezüchter aus der zentralindischen Millionenstadt Pune gilt als Steuerbetrüger par excellence. die im Laufe der Zeit auf dem Panixer gefunden wurden. Nach der Rettung des »Suworows« setzte sich der junge FDP-Gemeinderat auch für den Erhalt der historischen Bausubstanz seiner Heimat ein. Ali Khan habe lediglich kurzzeitig ein Konto besessen. so unter anderem eine Mitteilung des Finanzministeriums in Delhi. an dem diese 1400 oder 1500 Milliarden US-Dollar nicht im Fernsehen. wobei sie auf Konfrontation mit allen politischen Parteien geht – ein ungewohntes Phänomen auf dem Subkontinent. Nur: Ein erstes Rechtshilfegesuch in der Causa Khan wurde vom Bundesamt für Justiz zurückgewiesen – weil die indischen Behörden gefälschte Unterlagen nach Bern mitgesandt hatten. Unter dem Strich gibt es wegen Lidl bestimmt nicht mehr Arbeit. Also in jenen Raum. Die Summe ist ebenso atemberaubend wie unrealistisch. Auch danach streute das Enforcement Directorate in den indischen Medien allerlei Details über die Schweizer Verbindungen des Hasan Ali Khan. einer der bekanntesten Yogis in Indien. seien die »Referenzen der besagten Bank suspekt gewesen«. sind die Swiss Banks zum Symbol für schwarze Kassen geworden– noch stärker als andernorts. »Von den 15 700 Mann. Während schweizweit alle Zeichen auf Wachstum stehen. zehn Jahre später erhielt das Dorf den Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes. In dichten Flocken wirbelt der Schnee. mitten im Kalten Krieg. Doch für die UBS und alle Schweizer Banken liegt hier das Problem: Ausgerechnet in Indien. »wollten die verrückten Cheibe das Haus abbrechen«.« Er wolle einen Kanton. Die Unterländer Landwirte verzögerten mit Einsprachen das Bauvorhaben so lange. Umgerechnet gut 8 Milliarden US-Dollar soll er im Ausland versteckt haben. Im Hintergrund tickt schwermütig eine antike Wanduhr. aber keine Instanz kann jetzt noch klein beigeben. so die UBS dazu. 1966. wohnt im Bürgerhaus mit den barocken Fassadenmalereien heute Kaspar Rhyner. sei auf einem UBS-Konto gelegen. Kaspar Rhyner hätte Elm genauso verhökern oder es selbst mit Hotelsilos. dass nichts dahinter steht«. der Dorfkönig und Chronist. »Zu diesem Haus sagen wir nicht das SuworowHaus. Und die Elmer Bauern das nötige Land. Als Bauernsohn weiß ich. berichtet die Chronik. Unten. internationale Verstrickungen und legendäre Geschichten über die Diskretion der Schweizer Banken herumgeistern. So übten in den sechziger Jahren Grenadiere im leer stehenden »Suworow« den Häuserkampf. sagt dazu der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer.10 14. Oktober noch deren 13 000 nach Ilanz in Graubünden. Ferienchalets und Zweitwohnungen überziehen können. Andreas Fäh/www. Doch die Gemeinde. Doch die Sache ist längst zum Symbolfall geworden. UBS-Leute wurden namentlich als Khans Ansprechpartner genannt. dipl. »Die UBS wird zu Unrecht beschuldigt.« Denn die Inder fordern zunehmend lauter eine Abrechnung mit den Eliten ihres Landes – und diese Eliten wiederum müssen Engagement beweisen. Ohne die Raststätte würde wohl den wenigsten in die mondänen Bündner Skiorte rasenden Autofahrern bewusst. Straßenbauer nach Leningrad – dem heutigen St. Und im vergangenen Februar stellte die UBS klar. deren Horizont doch von steilen Bergflanken eingeengt ist. Auch im Glarner Unterland stößt der Wachstumsglaube an Grenzen. 2005 zählte der kleine Kanton einige Hundert Arbeitslose. sanierte sie aufwendig – und fraß am General einen Narren. Soeben mischte sich auch das höchste Gericht in die Debatte ein: Am 4. Offensichtlich stimmt mit dem Glarnerland etwas nicht. Doch dazu später. Und immer wieder fallen die Glar- ner. Und verfremdet bis zur Unwirklichkeit. Durchs Sernftal herein zieht ein russisches Heer von über 15 000 Mann unter dem Befehl des Feldmarschalls Alexander Wassiljewitsch Suworow. Ihre Uniformen hängen nur noch in Fetzen an ihren ausgemergelten Leibern. »In der Geburtsstadt Suworows stellte ich Nachforschungen über dessen Aufenthalt in Elm an. im Keller. sondern schlicht der Suworow. Der 70-jährige Suworow nimmt Quartier in dem grössten und wohl stattlichsten Elmerhaus. Dass in der zunehmend aufgeheizten Debatte märchenhafte Summen. die im Mai herauskam. gelangen am 8. Doch ein Esoteriker ist der 68-Jährige mitnichten. Die Kehrichtverbrennungsanlage. werden es 2020 weniger als 38 000 sein. gegen ihn. dass wir bei Lidl nicht nur billig einkaufen. und auf dem Tisch stapeln sich Bücher und Zeitungsausschnitte über den russischen Generalissimus. Die Truppen sind durch die langen Märsche über Gotthard. Indiens Steuerfahndungsbehörde. schmale Holzbank in seiner Stube. aber sicher schlechtere Arbeitsbedingungen«. dass sie keine Konti von Hasan Ali Khan führe. dass der in die Schweiz expandierende deutsche Billig-Discounter Lidl sein erstes Verteilerzentrum und seinen Hauptsitz in Näfels nahe der Autobahn errichten wollte. »Wämmer ä Kanton Lidl oder ä Kanton Aldi wärdä?«. mit visionären Entscheiden auf. Patronentaschen und Ranzen auf. denn der gute Boden hier muss unbedingt erhalten bleiben. Man verzeichnet als einziger Kanton einen Bevölkerungsrückgang. obwohl sie zum entscheidenden Zeitpunkt weder in der genannten Position noch am genannten Ort waren. wenn Lidl nicht kommt. bei einer Demonstration oder in einer Parlamentsdebatte erwähnt werden. Heute stehen Lidls Headquarter und Logistikzentrum im thurgauerischen Weinfelden – ein Glarner »Bauernsturm« hatte den deutschen Rappenspaltern den Garaus gemacht. dass der Boden im Näfelser Schärhaufen einer der besten ist im Kanton. D Am schnellen Geld ist hier niemand interessiert Eigentlich dient der Besuch beim Dorfkönig von Elm der Spurensuche. bewahrt Kaspar Rhyner Säbel. Im Eilverfahren wurden 89 000 Quadratmeter bestes Landwirtschaftsland in Industriezone umgewandelt. Hier wurde der Schweizer Gemeindeföderalismus fürs 21.4 Billionen US-Dollar. Während draußen – trotz der strammen Disziplin. dass sich unterwegs ein kleiner Bergkanton befindet. Kaum mehr als 1870. Die Übrigen sind gefallen. Da tauchten UBS-Konto-Nummern auf. Als kantonaler Baudirektor hinterließ er von 1971 bis 1998 seine Spuren im Kanton. wo Suworow ein paar schlaflose Stunden verbrachte. an deren Spitze Swami Baba Ramdev steht. lautet der Vorwurf der Behörden – noch so eine Summe. Denn Bestechlichkeit und Kapitalflucht zählen spätestens seit dem Wahlkampf 2009 zu den großen Politikthemen in Indien. die der General einforderte – seine Soldateska wütete: »Sie dringen in die Ställe ein. 57. auf dieses wurden einmal 60 000 Dollar überwiesen und nur einen Tag später wieder wegtransferiert. die in den indischen Medien herumgereicht wurden. Das Resultat: Heute hat Elm gleichviel Einwohner wie zu Suworos Zeiten. auf dem Fabrikareal Legler Fotos (Ausschnitte): Ex-Press (gr. Oktober 1799. Petersburg. Immerhin. der pensionierte Bauunternehmer.« Dort. steht der Kantonshauptort Glarus längst im Schatten as berichtet die Chronik von Elm: »Man schreibt den 5. der Finanzminister erwies dem Yogi Referenz. begab sich der eidg. so ein Richter laut CNBC und India Times. schlachten das Vieh auf den Gassen. und die Regierung spürt. und zugleich verbreitete sich die Antikorruptionsbewegung über Facebook. sondern dort auch sehr billig arbeiten müssten.). Ohne Unschuldsvermutung.und Pragelpass und durch die täglichen Kämpfe mit den Franzosen erschöpft. Jahrhundert fit gemacht. sagt er ohne Schmunzeln. »Weder haben die besagten Summen je auf einem UBSKonto gelegen. wo sich das wenige fruchtbare Flachland des Bergkantons befindet. die ebenso atemberaubend wie unrealistisch erscheint. scheint Glarus in einen Dornröschenschlaf zu fallen.« Man erschaudert ein bisschen ob Rhyners Worten. In der Abenddämmerung erreicht das geschlagene Heer Elm. die Kantonsschule oder die Raststätte »Glarnerland« an der A 3 – Rhyner hat es geplant. Kinzig. reissen es in Stücke und verschlingen das rohe Fleisch mit der Gier des russischen Steppenwolfs. Doch beide hatten kein Interesse am schnellen Geld. Die Ermittlungsbehörden legten weitere Vorwürfe gegen Ali Khan nach. Eine Spurensuche im Bergkanton VON MICHAEL SOUKUP Wenn der Alpenfirn sich rötet. Die Antikorruptionsbewegung. Der 26-jährige Shootingstar der Glarner Linken gab die Antwort in den »Ring« gleich selbst: »Ich säg näi! Mir mönd abfahrä mit denärä Idee vo ›Geiz ist geil!‹. diesem wichtigen Zukunftsmarkt. derweil sich die Schweizer Bevölkerung innerhalb von 150 Jahren mehr als verdreifacht haben wird. »Ich finde es gut. das Kantonsparlament und die Regierung witterten die »Riesenchance für den Kanton Glarus«.« Denn im Sernftal hatte sich längst ein Schleier des Vergessens über die Ereignisse von 1799 gelegt.« 1968 kaufte Rhyner die Hausruine. einen Hungerstreik. mag dazu passen. um den Gewaltmarsch über den 2500 Meter hohen Panixerpass hektisch vorzubereiten. und gestandene Bürgerliche stimmen für linke Anliegen. fragte Marco Kistler die Stimmbürger an der diesjährigen Landsgemeinde. Die Zahl macht ein nationales Übel fassbar. »Man kann es sich nicht mehr leisten. inzwischen lautet der Verdacht auch auf Terrorismusfinanzierung sowie auf Geldwäscherei im Umfang fast 100 Millionen Dollar. Jahrhundert das erste Fabrikgesetz in Kraft. Gleicher Meinung war auch ein Bauarbeiter namens Felix Vogel: »Ich bin erfreut über das Aus von Lidl. Vielleicht behilft man sich da auch einfach mit falschen Dokumenten. In einer rund 900-seitigen Anklageschrift. Just in der Linthebene. »Sie befinden sich also jetzt im Leibe Suworows. Glarus winkten zwölf Millionen Franken Erlös für das Grundstück. einem Dorf in den Glarner Bergen. Es half wenig. Demonstrationen begleiteten Ramdevs Hungern gegen die Misswirtschaft. Uns wurde mit den Arbeitsplätzen unberechtigte Hoffnung gemacht: Ich bin überzeugt. So viel Geld sollen indische Politiker und Geschäftsleute auf Schweizer Bankkonten verstecken. mit denen Suworow den Marsch nach Elm angetreten war. Die Macht dazu hätte der weitverzweigte Rhyner-Clan gehabt. Er hat dabei eine Zahl im Kopf: 1. Die UBS meldete den Vorgang der Meldestelle für Geldwäscherei in Bern. ohne Wenn und Aber. in Elm. der indische Kunden in Steuerfragen vertritt und die Schweizer Perspektive mehrfach im indischen Fernsehen vertrat. Leben heute noch 40 000 Einwohner hier. Seit 2007 ermittelt das Directorate of Enforcement.ch . kann Wundersames erleben. ohne Ironie.

ein Ort von Weltbedeutung wird doch mit der Bezeichnung Dorfstraße 25 ruiniert. keine Materialisten.eidgenössischer Ebene.Schweiz Parlament und Regierung an der Urne fang 2011 sind die ursprünglich 25 Gemeinden gewählt.der Landsgemeinde eine relativ schwache Stellung. Denn das Wallis ist eifersüchtig: auf das große sich Firmenchefs gegen ihr eigenes Aktionariat. sagt Kaspar Rhyner. zeigte fer Aufklärer Jean-Jacques Rousseau in der Landsauch die Abstimmung über die Steuergerechtig. Allerdings sind auch diese und Massnahmen –. die man in der pier mit einem harmlosen Titel – Strategie eigenen Kasse haben möchte statt in jenen der Wasserkraft Kanton Wallis. warfen die SP-Initiative vergangenen November. rechnete Politiker Cina vor. muss man aber im.Experten ein Demokratiedefizit unterstellen.von 1848 stellten einen entscheidenden Durchten. Verstaatlichung? Der Heimfall wäre also in Doch diesmal geht alles mit erster Linie eine innerschweizerirechten Dingen zu. Nidwalden und Zug mit einem Nein-Anteil gemäßer denn je. ist für ihn der Steuerwettbewerb eigentlich bloß die Fortsetzung des Söldnertums mit anderen Mitteln: »Wir Glarner sind Fabrikler. Oder wie das sche Neuverteilung von StromLokalblatt Walliser Bote schrieb: geldern zugunsten der Bergge»Unsere Grossväter und Urgrossbiete. Uri.schlicht »le plus heureux peuple du monde«. Wiederholt griff das Bundesverwaltungsseine Wasserwirtschaft organisieren will. Investitionoch dauert es zwanzig bis dreißig Jahre. Also fordern dieser Tage nicht nur WalliGeld. Sämtliche Innerschweizer Kantone ver. dass Wasserfassungen. Davon zeugen die zahlreichen Industriebrachen im ganzen Kanton. also der 11-Stunden-Arbeitstag. das die Stromkonzerne mit »ihrem« Wasser an der europäischen Strombörse EEX machen. Im reformierten Glarus wurde der Militärdienst in fremden Heeren bald verboten. »In Glarus entscheiden nicht teure mit über 40 Prozent für mehr Steuergerechtigkeit. Die Bürger keitsinitiative. Und im Jahr zuvor sorgten die jungen Linken landesweit für Aufsehen. Bern. Werbeschlachten über Sachgeschäfte.sind das 700 Millionen Franken. hier mit seiner Hand so viel zu bedeuten wie Der frühere SP-Nationalrat und Preisüberwacher der reichste Fabrikherr«. fühl. jährliche Festlegung des Steuerfußes entscheidet Glarus Mitte und Glarus Nord. Und er zählt in einem Atemzug die sozialen Errungenschaften auf: Erstes Fabrikgesetz. ein Arbeiter Wallis Genf und Heizer. Die Arbeiterschutzgesetze ner Regierung wie das bürgerliche Lager fürchte. präsentierte im Kantonshauptort Sitten ein Pa. der arme Mann fühlt sich we»Marco Kistler hielt eine gute Rede. Noch ist der Heimfall aber nur eine Mög. Neuenburg liser Miteidgenossen einiges an Durchtriebenheit sowie weitere Deutschschweizer Kantone und der französische Staatskonzern Élecgewohnt. Dass Glarus anders tickt. Stossrichtungen Stromkonzerne. Zwar ist man auch heute noch der am stärksten industrialisierte Kanton. ungehemmter Landfraß oder ein verdrängter Mittelstand. Tessin. Jahrhunderts der Landammann und späteGotthard AG. »Unsere bruchstimmung. Es ist deshalb kein Zufall.glücklichsten Menschen der Welt. Über sämtliche Sachgeschäfte wie die des Kantons zu bloß dreien fusioniert: Glarus Süd.seiner Freiheit sich freuen darf.und Kinderarbeitsverbot und die Einführung der Alters. Freiburg. jedoch die Landsgemeinde. Ganze Fabrikareale stehen leer – insgesamt 160 000 Quadratmeter. »Egal. HochDonnerstag der Walliser Volkswirtschaftsdirek. so Rhyner. Das Ganze nennt glücklichen Stern standen. für die anderen zu die Chancen gut. Denn schon einmal gelang dem Jungsozialisten Glarus die tägliche Arbeitszeit auch für erwachsene Kistler ein Coup an einer Landsgemeinde. »Wir sind kein bürgerlicher Kanton. Elmer Dorfkönig und Chronist. Sie lehnten die Abschaffung der demokratischen Einrichtungen bilden wider manPauschalbesteuerung von reichen Ausländern ab.gen.der Firma Alpiq. wie das Wallis in Zukunft hatten. Schicksal spielte der Reformator Ulrich Zwingli. Ob für französische Könige. der seine erste Pfarrstelle von 1506 bis 1516 in Glarus hatte. Doch wir sind eine protestantische Oase. stellten Staat gehen. MATTHIAS DAUM Foto: A1 Pix Foto (Ausschnitt): Fabian Biasio für DIE ZEIT/www.«So kann sich im Glarnerland der von vielen Bern Elm Glarus Kaspar Rhyner. dass die Glarner bisher weitgehend immun gegenüber der landläufigen Steuersenkungswut waren. An Botschaft: Das Wallis will seine Wasserkraft. über welche die Glarner wie bei der Landsgemeinde-Kantone waren für ihn allen eidgenössischen Vorlagen an der Urne ent. Gegen den Willen des Kantonsparlament und der bürger. Obwal. CH SCHWEIZERSPIEGEL Alpensozialismus Der Kanton Wallis will Wasserkraftwerke verstaatlichen Die Walliser Wasserkraft den Wallisern! Zumin. dass Installationen erhalten die Stromkonzerne eine Entschädigung. aber einer revolutionären mehrheitlich im Besitz der öffentlichen Hand.der Volkswille ungefiltert gierung. Kannte die Redner bekannte 54-Jährige stapelt tief: bewusst Schweiz vor 1848 acht Kantone mit Landsgemeinund mit Lust. Obwalden und Nidwalden gen an die Gemeinden und den produziert wird? schimpft. geschmacklose Villen.wesentlich größere und differenziertere Einflussstimmen ließ.cherung – alles Jahrzehnte vor der Einführung auf meinde in ihren Bann. dass der Genschätzen konnte. Sohn des FriTessin dolin Rhyner. Der als geschickter Landsgemeinde. der als abgelegener Bergkanton mit 35 000 am Institut für Politikwissenschaft der Universität Einwohnern ein Zwilling von Glarus sein könnte. Die jektes »Demokratiequalität in den Schweizer KanGlarner hingegen stimmten wie das urbane Zürich tonen« forscht. Aber Enteignung und tricité de France beteiligt. dass der Landammann dreimal ab. wie die meisten Konzessionsverträge man in Bundesbern die Wasserfür die Nutzung der Wasserkraft lobbyisten aus dem Wallis. Und die anwesende Glar. Seit An. dem größten Kraftwerkbetreiber im Wallis. der wissenschaft der Universität Bern. Und als im Nachgang der Wert von 15 bis 20 Milliarden Franken an den Reaktorkatastrophe von Fukushima die Atomausstiegsdebatte in der Schweiz anrollte. wenn er an der Landsgemeinde der Landsgemeinde zu haben. Der CVP-Politiker jährlich mit Walliser Wasser produziert werden. bis nen in die Infrastruktur stockten. Macht sieben Rappen Differenz. Und gericht in die Strommarktpolitik ein.« Denn Sieg für die »Alpen-Opec«.gemeinde die ideale Staatsform sah.biasio.und sozialpolitischen Landsgemeinde mit dem gleichen Rederecht für Themen traditionell fortschrittlich stimmt. »Das ist Quatsch. Strom. und das Hochgemer integrieren statt spalten«. Die Politik die Konzessionen auslaufen. Zwar hat die steuerliche Privilegierung von Holding.An der Landsgemeinde entfaltet sich lichen Parteien – aber mit dem Segen der Re. Kein Wunder. anstatt zu sinken. Bern Ilanz der Glarner ist bis heute Freiburg Graubünden Waadt ein Fabrikler geblieben«. BDP und »Aus diesen Gründen haben in Glarus auch politiCVP fast drei Viertel aller Landräte stellen? Allein sche Minderheiten ohne große materielle Ressourdie SVP – mit 25 Prozent Stimmanteil die stärkste cen gute Chancen. schrieb denn auch Mitte ist heute Verwaltungsratspräsident der AlpTransit des 19.der mit Walliser Wasser rus.« Deshalb konnte sich Glarus im Unterschied zur katholischen Innerschweiz zu einem Industriestandort entwickeln.com . gerlichen Bergkanton. nur für die elektrischen Zugute kommt ihnen. GlaJahren fallen die Kraftwerksanla. Graubünden. Nun ist man in der »Üsserschwyz« von den Wal. 2007 Arbeiter«. »Als erster Staat Europas begrenzte der Kanton che passieren könnte. wegen der umfassenden Kompetenzen Wie ist das alles möglich.und InvalidenversiDie pointierte Rede für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung zog die Landsge. wo er im Rahmen des Nationalfonds-Prowies einen Ja-Anteil von bloß 29 Prozent auf. Sie fiel und Glarus. ches ein Korrektiv. geht es allen gut« zieht hier hinten nicht. »Damit die Bauern anderweitig beschäftigt werden konnten. zeitden. ließen protestantische Geistliche Baumwollhandspinnereien ansiedeln«. in einem stockbür. Selbst der Glarner Nachbar Hans-Peter Schaub ist Glarner und Doktorand Uri. Kavernen und Druckstollen im ben Zwitterwesen.re Glarner Bundesrat Joachim Heer. Schweizer Bauernsöhne zogen für den Meistbietenden in den Krieg. das gebietet der Berglerstolz. Nachzulesen ist die Privatisierungen der einst kantonalen und dies im Bundesgesetz über die Nutzbarmachung städtischen Elektrizitätswerke nie unter einem der Wasserkräfte von 1916. Und damit ein weiterer väter waren kluge Leute.und die Kantone Waadt. so wie sich das marktlibesich »Heimfall«. Kanton. In einer boomenden Region wären daraus längst Lofts oder Büros entstanden. Kanton dem Stimmrechtsalter 16 zu.dem Arbeiter einen Bürger mit Einfluss. Die Losung »Geht es den Reichen gut. besitzen eine Klausel: Nach 80 Wem gehört der Strom. ob die Polizei oder die Armee kommt. im Kanton Zürich rufen die Sozialdeden Walliser Strom für zwölf Rappen die Kilo. wo die SVP. Der Ausverkauf der Heimat fand in Glarus im Gegensatz zur Innerschweiz bisher nicht statt.alle«. in der Stube seines Suworow-Hauses beschworene Volkswille am ehesten manifestieren – unfiltriert und nicht manipuliert. Wären da nicht die verflixten Folgen der Gemeindefusion: Unzählige Flurnamen. sagt Werner Marti. Nacht. lässt sich nicht gern etwas vorschreiben. ihre Anliegen durchzubrinbürgerliche Kraft – ist gleich groß wie das links. Und heute ist die Landsgemeinde. wenig Einfluss auf die Unternehmen – diese blieStaudämme. FDP. Trotzdem stehen nahm für die einen zu viel. sondern die Dass Glarus bei wirtschafts. auf Bundesebene erst aber 1859. italienische Herzöge oder den Papst. der viele Am deutlichsten die Steueroasen Schwyz.Walliser Wasserstrom kostet aber lediglich fünf dest zwei Drittel davon. als sie an der Das gesellschaftliche Sein prägt also das BewusstLandsgemeinde der radikalsten Gemeindefusion sein. »Glarus liegt inmitten der Alpen. Ziele.und Domizilgesellschaften in Glarus eine jahrhundertalte Tradition. im Leib des Generals. Auch wenn es Kaspar Rhyner nur andeutet.Nidwalden walden Uri grüne Lager. Aber der jahrzehntelange Niedergang der Textilfabriken konnte nur teilweise mit der Ansiedlung neuer Betriebe kompensiert werden. dass an diesem Tag einmal mehr alles Mögli. die tor Jean-Michel Cina. Die Strompreise stiegen.rale Vordenker in den neunziger Jahren vorgestell lichkeit von sieben.mokraten zur »Demokratisierung der Stromwattstunde. Zurück in Elm. Landrat. auch seine Anschrift Suworow-Haus wurden durch neue Straßenbezeichnungen und Hausnummern ersetzt. sind es heute nur noch Appenzell Innerrhoden war die Abstimmung eine kleine Sensation. aber eine Steueroase für Reiche ist der Kanton nicht geworden. Denn für Schweizer Verhältnisse de.« Sein Sohn sieht das mittlerweile etwas pragmatischer: Als Wirtschaftsanwalt bietet er im Kantonshauptort Briefkastenfirmen Domizil.bruch und eine europaweite Pionierleistung dar. Wobei die Glarner Landsgemeinde so knapp aus. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 11 Kanton Glarus Zug Luzern Schwyz Ob. bis er endlich die Mehrheit richtig möglichkeiten bietet. Man sucht vergeblich die üblichen Symptome eines milden Steuerklimas: protzige Offroader. sind die Städte Genf und Lausanne werke verstaatlichen. be. Er geißelte das in den Alpentälern der Urschweiz weitverbreitete Söldnertum. stellt Schaub fest.Weinfelden Aargau Jura Zürich Thurgau AppenzellSt. Die Produktion der Kilowattstunde konzerne«.gerechnet auf die 10 000 Gigawattstunden. Kaspar Rhyner hat dazu auch eine interessante Theorie.« Ein Glarner. Sonst schraube er das Schild frühmorgens wieder ab. die schieden. schreibt die Juristin Jacqueline Janser in stimmte Glarus auf Antrag der Jusos als erster ihrer Dissertation Im Takt der Maschinen.« Er werde niemals eine Umbenennung erlauben. Das forderte am letzten Rappen. um Erfolg an niger gedrückt. Gallen Innerrhoden Näfels 14. Zwar werden in Glarus wie überall in der der Schweiz zum Durchbruch verhalfen. der Kanton müsste also eigentlich katholisch sein. stätigt eine Untersuchung des Instituts für PolitikAußerdem hat das Kantonsparlament. Eigentlich könnte Kaspar Rhyner entspannt seinen Lebensabend genießen. Erst sie machte aus Doch heuer waren die Glarner nicht in Um. von fast 80 Prozent. Daraus entstanden später die berühmten Textilfabriken – und mit ihnen das Wirtschaftswunder im »Zigerschlitz«. ser Christdemokraten mehr Staat beim Dort verkaufen sie. Glarus hat für seine Standhaftigkeit einen hohen Preis bezahlt.

als die Süddeutsche berichtete: »Preisrätsel: Deutscher Verein ehrt Putin als mustergültigen Staatsmann«. Schimon Peres. Thanei: Wenn Sie tatsächlich vom mobilen Mittelstand träumen. um in den Zentren die Nachfrage nach Wohnraum zu befriedigen. dem so ehrbare Leute vorsitzen wie Lothar de Maizière und Richard Schröder? Der den QuadrigaPreis seit 2003 an so ehrenwerte Menschen wie Michail Gorbatschow.« Wie das realiter aussieht. aber nicht auf und die umfassenden Sanierungen sowie die Nichtdie ganze Schweiz bezogen. Schellenbauer: Über eine teilweise Mehrwertabschöpfung bei höherer Ausnutzung ließe sich diskutieren. Aber Putin? Die Werkstatt bemüht ganz ironiefrei Orwell-Sprech in der Begründung: »Im Inneren . Schellenbauer: Unter Marktbedingungen würden Diskriminierungen weniger oft vorkommen. Mayer/ATP/RDB (2) . Weiter mit Orwell: Mit dem Quadriga-Preis werden »Vorbilder« ausgezeichnet. Foto: Mathias Bothor/photoselection Fotos (Ausschnitte): Hügin/ATP/RDB (gr. das sich schnaubend aufbäumt. Thanei: Ihre Verdichtung möchte auch ich nicht: aufstocken. Wladimir Putin? Und dann ein so honoriges Gremium wie die »Werkstatt Deutschland«. dass nicht sie. Die andere Familie muss auf dem freien Markt eine Bleibe suchen und entsprechend mehr zahlen. wenn man statt »Aufklärung« Mediengleichschaltung setzt. vor allem die Löhne. im Brennpunkt der Zuwandedass meine Wohnung verZEIT: Unter flankierenden Maßrungsdebatte« des wirtschaftshältnismäßig günstiger wird. Während Herr Schellenbauer sagt: Der Markt soll die Stadt aufteilen. Wohnungsmangel beklagen. die betroffenen Menschen zu unterstützen. Schellenbauer: Das ist so. teure Wohnungen bauen. Geben wir ihm als Sonderpreis die Mini-Version eines Quadriga-Pferdes auf dem Brandenburger Tor.« Im März 2012 wird wohl Putin gegen den heutigen Präsidenten Medwedjew antreten. das Mietrecht müsste zu einer gerechten unteren und mittleren Einkommen überhaupt erst Verteilung der Bodenrente führen. ZEIT: Wie sähe ein idealer Wohnungsmarkt aus? Schellenbauer: Wir fordern nicht die Privatisierung der Genossenschaften. die SP. Thanei: An wen aber würde dieses in der Genossenschaft dank Kostenmiete eingesparte Geld gehen? An die Vermieter. Wo sollten denn diese Neuzuzüger wohnen. Das wollen wir mit weitergabe von Hypozinssenkungen. entgegnet Ökonom Patrik Schellenbauer. der steht Schlange mit die Zürcher Sozialdemokraten tümer. Thanei: Nicht alle müssen in Zürich wohnen können. Oppositionskandidaten werden eingeschüchtert und disqualifiziert. Ein Marktpreis zeigt einfach das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Zudem wird die Wohnbauförderungs- politik vom Volk getragen. Das tut es jedoch möglich. kommunalen Wohnungsbau ist es für Leute mit Thanei: Ja. wie sie auch Ihre Partei. Schellenbauer: Doch wie erklären Sie der Familie Müller. Juli. Wichtig ist. Den Mietpreis treiben der Zuwanderung unerschwinglich wird. gestiegen. das sie in keit führt zu einer Verknappung Schweizerischen Mieterverbaneiner Wohnung bleiben. Thanei: Schweizer Immobilien gehören weiterhin zu den sichersten und lukrativsten Anlagemöglichkeiten. wo er will. dass Sie.andere Ursachen haben. Wenn schon. dass man die meinnützige Wohnungsbau günstigen Wohnraum Bodenrente von den Grundeigentümern zu den vernichtet. wird gnadenlos verfolgt. Aber die Bodenrente wird von den Mietern bestimmt. vor alSchellenbauer: Ich habe 1992 auch eine Wohnung lem bei der Neuvermietung. beziehungsweise Frau Thanei. wenn Neunzigjährige oder Familien aus ihren Wohnungen vertrieben werden. Denn auch unter den Mietern stieg der Wohlstand – und sie wollen deshalb größere Wohnungen. Thanei: Ich verstehe ja vieles. die »Aufklärung. Jedenfalls brauchen wir bei existenziellen Gütern wie dem Wohnen einen Preisschutz. ZEIT: Was schlagen Sie als Lösung vor? Schellenbauer: Verdichtung. wir wollen auch nicht sofort die Mieten freigeben. Wirtschaft und Identität. welche nur dazu dienen. nur um die Rendite zu maximieren. also muss er ursache für die steigenden Mieten auf dem Schwei. Die Personenfreizügiganwältin ist Präsidentin des zusätzlichen Jahr. Es herrsche ein »Schattennetzwerk von Politikern.einer Null-Zuwanderung. Die eigenen Leute werden belohnt und protegiert. »Engagiert« ist Putin tatsächlich: bei der Perfektion dieses Systems. die Genossenschafter hundert anderen Wohnungssuim Nationalrat. sondern der 9. wollen eine Stadt. mit Ihren Klagen nur im freien Segment des über zu hohe Mieten maßlos Wohnungsmarkts. die gerne zuziehen würden. sondern die Familie Meier die Wohnung kriegte? Das ist reine Lotterie. in der jeder möglichst dort wohnen kann. Aber 75 übertreiben. die fragt niemand. Das aber schafft Diskriminierung. Die können in der Stadt nämlich nicht abstimmen. war menschlich: Damals war »KT« noch kein Plagiator. dass die Investitionsanreize erhalten bleiben. Frau Thanei. dass der ge. den Vermietern einen völlig übersetzten Ertrag zu garantieren und welche die Mietenden zu Bittstellern macht. »Vorbild« wäre richtig. es war nicht der 1. Diese Wahl wird »von einer kleinen Elite. des und betreibt eine eigene Anwird ihre Wohnung im VerDeshalb forderte der Mieterwaltskanzlei. Wer heute in von dieser Entwicklung abder Stadt Zürich eine Wohnung Anita Thanei sitzt seit 1995 für geschirmt: die Hauseigensucht. Thanei: Ich teile die Meinung nicht. Engagement und Gemeinschaftswohl ver- Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT pflichtet« seien. Schon damals war dies Schellenbauer: Aber die Umsetzung dieses uralten ein fast unmögliches Unterfangen – notabene bei Konzepts erweist sich als Illusion. Es gibt zwar einen großen Widerstand dagegen. es ist korrupter als die üblichen Verdächtigen in Schwarzafrika. und statt »Gemeinschaftswohl« das Wohlleben der neuen Bojaren. so loben sie die Stadt Zürich mit ihren 25 Prozent Genossenschaftswohnungen als großes Vorbild. doch es ist die einzige Möglichkeit.Die Grundidee des Mietrechts ist. Man müsste vielmehr bei verdichtetem Bauen – was einer höheren Ausnutzung entspricht – den geschaffenen Mehrwert abschöpfen. dass die PersonenfreizüPatrik Schellenbauer: Zurzeit entsteht der Ein. Aber wir wehren uns gegen flankierende Maßnahmen. sagt Anita Thanei vom Mieterverband. Schellenbauer: Ein absolutes Vorrecht für Eingesessene widerspricht einer offenen Schweiz. Nun Schellenbauer: Man kann Dorf bei Winterthur sagt aber Avenir Suisse. dann kann man einen Teil der Nachfrage nicht bedienen. Ist dem so? Thanei: Auch mir ist klar. Prozent der Haushalte sind Anita Thanei: Nein.) Keine Bleibe. Wenn man die Mieten künstlich tief hält. Sie sind die Nutznießer. Ein hoher Preis zeigt also eine Knappheit an. nicht von den Mietern. diese würden die angesprochenen Probleme verstärken. das würde nicht tiefe Mieten wollen MAD die Lage auf dem Wohnungsund sich gleichzeitig über markt zusätzlich verschärfen. gerade weil die Mieten zu tief sind. da es zu viele Marktelemente enthält. Mit jedem chenden. Die Genossenschaften begegnen dieser Entwicklung mit Belegungsvorschriften. Und der Markt diskriminiert immer. Vier Jahre nach Beginn der Putin-Präsidentschaft meldete Freedom House. sollte man prüfen. ZEIT: Ist eine Wohnungssuche nicht immer ein Schönheitswettbewerb? Paare haben bessere Chancen als eine Studenten-WG. Die Rechtsund die Altmieter. selbst Libyen und Jemen kommen besser weg.gigkeit nicht der alleinige Grund für die extreme druck. Schellenbauer: Generell sind die Mieten in Zürich gar nicht furchtbar stark ZEIT: Das heißt also. dass es von ›teilweise frei‹ auf ›nicht frei‹ herabgestuft wurde.). Am augenfälligsten ist dies bei den Genossenschaften: Die eine Familie kriegt eine Wohnung und spart dadurch ein bis zwei Jahreslöhne. Man nimmt anscheinend diese »Diskriminierungen« in Kauf. der Studie »Wohnungsmarkt ZEIT: Was stört Sie daran.« 2011 klang es nicht besser: »In diesem Jahr fiel Russland im Demokratie-Ranking ab. möchte. Etwa den mobilen Mittelstand. schafft er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand. der für Dynamik und Prosperität in den Städten sorgt. Aber die Alteingesessenen dürfen nicht verdrängt werden. Offiziellen und Wirtschaftsinteressen. Ein Streitgespräch DIE ZEIT: Herr Schellenbauer. aber an sich keine Diskriminierung. April. Nein. beschreibt Stanford-Politologe Francis Fukuyama in seinem neuen The Origins of Political Order: Seit Putin sei Russland zu einem »autoritären Regime mit Wahlen« geworden. nicht. Das Regime kontrolliert fast alle Medien und erlaubt keine Kritik. Definieren wir es mit Lenin als »demokratischen Zentralismus« plus Staatsund Oligopolkapitalismus. Der Wohnraummangel dien sehen in der starken Zuwanderung die Haupt. ZEIT: Geht es in dieser Diskussion im Kern nicht um ein unterschiedliches Bild der Stadt? Sie. sondern Liebling der Nation. dass das Wohnen im eigenen Land wegen Verteuerung der Mieten ist. Politiker und Me. das jährlich den Zustand der Freiheit auf der Welt misst: »Politische Rechte und Freiheiten sind in Russland so eingeengt worden. Sie wohnt in der hältnis zum durchschnittliverband schon vor drei Jahren Stadt Zürich chen Mietniveau günstiger. was Sie sagen.und Sechzigerjahre (v. müssten Sie konsequenterweise gegen die Förderung von Wohneigentum sein. aber wieso soll die Kostenmiete diskriminierend sein? Schellenbauer: Ich glaube an die lenkende Wirkung des Preises. Das ist Planwirtschaft! Das Gespräch führte MATTHIAS DAUM CH ZEITGEIST »Vorbild« Putin Wieso ehrt ein honoriges deutsches Gremium den neuen Zaren? JOSEF JOFFE: Unwillkürlich schnellt der Blick nach oben. Durch die Genossenschaften und den Mietern umverteilt. auf das Erscheinungsdatum der Zeitung.. Thanei: Aber wieso sollen die Mieter den Vermietern eine immer größere Bodenrente zukommen lassen? Das ist eine große Verteilungsungerechtigkeit. nicht vom Wähler entschieden werden«. Wir sind nicht der Hauseigentümerverband.« Knapper sagt es die Historikerin Christina Eibl in ihrem Überlebensbericht aus dem Herzen Moskaus (2011): »Wer sich nicht unterwirft. Thanei: Die Bodenrente wird vom Markt bestimmt. der sich im Kuratorium »strikt gegen Putin ausgesprochen« hat. um damit die Mieten zu senken. in der Stadt Zürich gesucht. deshalb braucht es staatliche Eingriffe. nahmen verstehen Sie mehr staatnahen Thinktanks Avenir Suisje länger ich in ihr wohne? liches Engagement beim gemeinse. Der Schönheitswettbewerb entsteht. Geehrt werden müsste ein anderes Vorbild: der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. auch für den Wohnungsmarkt Patrik Schellenbauer ist Autor flankierende Maßnahmen. denn sie benach- Die Experten teiligt gleichzeitig andere Mietergruppen. unserer Studie klarstellen. Ich finde es unserer Gesellschaft unwürdig. Der Ökonom lebt in einem nützigen Wohnungsbau. Leute ohne Haustiere bessere Chancen als Hundebesitzer.in den Schweizer Zentren ist chronisch. Genossenschaften verzerren den Markt. Die Schicht der Nutznießer ist innerhalb der Stadtgrenzen in der Mehrheit. und Verteuerung von Wohnraum.« Auf der Korruptionsskala von Transparency International (2010) liegt Russland ganz oben auf Platz 154. Aber jene..12 14. Schellenbauer: Dann müssten Sie aber fast überall die Preise administrieren. wer wie wo wohnen darf. Statt des Preises bestimmt eine Bürokratie. Das sind die Kreml-Getreuen im Big Business und Sicherheitsapparat – die Putinsche Machtelite. Hohe Mieten sind zwar unangenehm. nicht die Mieter. Schellenbauer: Wir plädieren für gleichlange Spieße. Das die happigen Erhöhungen bei Neuvermietungen stimmt teilweise in Zürich und Genf. dies jedoch infolge des verkrusteten Markts nicht können. zer Wohnungsmarkt. Thanei: Ich bin gegen Subjekthilfen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 SCHWEIZ Genossenschaftswohnungen im Zürich der Fünfziger. nirgends Gemeinnütziger Wohnungsbau hilft gegen steigende Mieten. Schellenbauer: Ein Preis ist weder gut noch schlecht.l. Wolfgang Schäuble und Sylvia von Schweden verliehen hat? Dass sich die Jury mit Guttenberg (2010) ein wenig geirrt hat. in den Zentren eine Wohnung zu finden. wenn der Wohnungsmarkt derart abgeschottet würde? ZEIT: Spricht man mit Genfer oder Zuger Politikern. Egal ob für Mieter oder Eigentümer. Und man würde private Vermieter mit der Zeit aus dem Markt drücken. Schellenbauer: Ich habe zwar ein gewisses Verständnis für diese Sicht. um seinen Machterhalt zu legitimieren. das Wahlen abhält.

Vera Tammen für DZ (l.52 52 908*. Wir könnten uns an die biblische Weisheit im Buch Prediger erinnern: »Windhauch. Und so. Wir wollen wissen.20/ Kanaren 5. Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier Man muss sich aber.u. Nur wo der Erfindungsgeist sich verbreiten und austauschen darf. dann würde uns die Empörung über Murdoch und so weiter etwas kosten. Dass sie sich ungehindert entfalten könne.oder vierzigmal so viel verdient wie die Bundeskanzlerin. Es müsste uns alle beschäftigen. bevor er in Berlin-Mitte verschwand.« Ein Gespräch Feuilleton S. alles ist Windhauch.20/ L 4.zeit. 20079 Hamburg Telefon 040 / 32 80 .de. wie lange der Kuss des königlichen Paares gedauert und warum die monegassische Fürstin nach der Trauung geweint hat. sondern stets neu entfacht.30/I 5. die sie ins Verderben stürzen müsste. Wohl aber ist die Entwicklung der deutschen Bankenlandschaft insgesamt höchst problematisch. Ist das wirklich schlimm? Verliere man die Schuhe. das sind die normalen Menschen.00/FIN 6. aus dem deutschen Festnetz. dass die Struktur der deutschen Bankenlandschaft renovierungsbedürftig ist. Zu meiner Zeit hätte dies mit der Commerzbank und mit der Dresdner genauso gut funktioniert. ist die menschliche Neugier ungerichtet.jobs. max.00 29 01 429 AUSGABE: . wie es eine Industrie gibt. KG. dpa (v. wie andere leiden: etwa die Schlapphüte vom BND mit ihrem Neubau in Berlin. (Siehe Wirtschaft. So perfekt wie heute ist sie noch nie gelaufen. und wenn sie schuldig gesprochen sind. was nicht passt. Aus den Girozentralen haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Landesbanken entwickelt. Die eigentliche Frage lautet. In den Schulen ist er schon lange ein Thema. Als Erwachsene wissen wir (oder sollten es gelernt haben). Wenn es wegen des Eigensinns einiger Landes-Ministerpräsidenten und einiger Verbandsfürsten bei der zerklüfteten 6 6 . Der Mangel an Mangel ist ein Problem der Erziehung und der Selbstdisziplin. Einerseits sitzt die Mehrheit ihrer Aktionäre im Ausland.00 € DIE WOCHENZEITUNG FÜR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR ZEIT 14. alles wieder genauso zu machen. Es ist nicht gut. der uns alle.10/ CHF 7. Berlusconi und die anderen betreiben. weiß.de Abonnentenservice: Tel. Den Gedanken seiner Neugierkritik finden wir in den Mythen und Märchen wieder. gerissene Fliesen. die alles daransetzt. Dass es Aufgabe der Deutschen Bank sei.50/P 5.). Für den Genossenschaftssektor gilt ein Gleiches. E-Mail: abo@zeit. sondern in London – und an der Spitze dieses Investmentbanking steht mit Anshu Jain kein Deutscher. wo es weder an Nahrung noch an Information generell mangelt. für uns wichtige Firma von einigen kapitalkräftigen Chinesen oder Ölscheichs übernommen würde. Die gehören vor Gericht. aber leider auch in Kontinentaleuropa. 45/46 Die Macht der Klugen Auf ihre Forscher dürfen die Deutschen stolz sein.50/A 4. ullstein. das immer von Neuem hungrig macht. Derartige Konflikte gibt es in großen Unternehmen von Zeit zu Zeit immer mal wieder – so zum Beispiel im Volkswagen-Konzern oder im SiemensKonzern. 21–24 WWW. den Schillers Jüngling dem Bild der Wahrheit besser nicht entreißen sollte. Vernünftigerweise würden höchstens zwei Landesbanken übrig bleiben. das sind die mit einer kriminellen Ader. so behielte man doch die Füße.0. Kein Mensch kann alles ausdrücken. fast die ganze Welt. Ihr Ziel besteht nicht darin. als er einmal sagte: »Ich bin nicht besonders talentiert. Wir waren über eine Reihe von Jahrzehnten gewohnt. aus dem deutschen Mobilfunknetz PREISE IM AUSLAND: DKR 43. dessen Wissensdrang der Instinkt leitet und aufs Zuträgliche beschränkt. Lissabon und Madrid ab. ohne es auszusprechen. Anatomen den menschlichen Leib aufschnitten und Wissenschaftler sich gefährlichen Strahlen aussetzten.de *) 0. Dabei ist das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager.und Entblößungsmaschinerie.de. Und das ist Merkels Problem VON HELMUT SCHMIDT Die Methoden des Boulevards sagen viel aus über die Medien. Der audiovisuelle Boulevard verfährt nicht anders.20/NL 4. Und zwar nicht in Frankfurt. das sind vielleicht 98 Prozent. Wenn zum Beispiel eine große. Die Landesbanken sind fast alle größenwahnsinnig geworden Die Deutsche Bank ist also keine deutsche Bank mehr. dies zu verhindern und das Unternehmen in Deutschland zu halten. dann gehören sie ins Gefängnis. so wird die Deutsche Bank zwangsläufig herausragen. dann kann sie sich kaum auf den Ratschlag der Deutschen Bank verlassen.ZEIT. nur auf technisch höherem Niveau.o. HBK kleine Fotos: Nicolas Guerin/Corbis. Außerdem aber gab es – und gibt es noch – den genossenschaftlichen Bankensektor und drittens den Sparkassensektor mit seinen Girozentralen. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 Die Wall Street greift an Das Schicksal des Euro ist den Finanzmärkten egal. ist ein Versprechen der Demokratie und das Geheimnis ihres Erfolgs. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. über gemeinsame Prinzipien. Es fällt leicht. dass der Medienmagnat Rupert Murdoch sein Schmierblatt News of the World eingestellt hat. aber gegeben hat es sie immer. sondern ein Inder. würden wir nicht eingreifen. J A H RG A N G C 7451 C www. Fax 0180 .20/GR 5. England. bevor man derlei Entgleisungen geißelt. so gibt es auch eine mediale Zerstreuungsindustrie. auch in anderen westlichen Ländern. aber dann sind wir doch anständige Kerle geworden.70/B 4.n. Hierzulande hätte die Politik schon lange erkennen müssen. die nicht selten Züge einer Neusucht trägt. Wenn wir dies begriffen. tröstete sich und die Seinen jüngst ein Agent. nie ein Ohr vom Hören voll.de/audio www. ein großes Ärgernis. der gezähmt werden muss. alles wissen zu wollen. Die Deutsche Bank ist aber gar nicht das eigentliche Problem. die sich auf die Pressefreiheit manches einbilden. dringt er hinein ins unbekannte und ökonomisch fruchtbare Neuland. dass er dreißig. glücklicherweise. der auf der linken Fahrbahn zum Stau führt. weshalb sich Seefahrer tollkühn auf die Weltmeere wagten. 4–6 W ochenlang hat es in der Führung der Deutschen Bank Spannungen wegen der Nachfolge Josef Ackermanns gegeben. war nicht das klare Kalkül (kaum einer wusste. Anders als das Tier. Ich teile die Menschheit deshalb gern in drei Kategorien ein. die WestLB wird gerade aufgelöst. Seit Jahren führen wir eine manchmal bizarre Schlankheitsdebatte. warum sich damit Geld verdienen lässt. Sie wird niemals satt. oder über die Regulierung von rating agencies zu gemeinsamen Lösungen kommen will.42 € /Min.« Die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der Neugier.) Trotz ihres angestammten Namens ist allerdings die Deutsche Bank im Laufe der letzten zwanzig Jahre eine internationale Bank geworden. weil sie aufs Irdische versessen sei und wegführe vom Eigentlichen: von der Selbsterkenntnis und von der Erkenntnis Gottes. sondern das Neue selber zu erzeugen. Es ist nicht einzusehen. Zu Besuch bei jungen Wissenschaftlern. Als Bundesregierung kann man nicht wiederholen. die Murdoch. dass der Spitzenmann einer Bank hundertmal so viel Geld verdient wie sein Fahrer. Wir wollen sehen. uns mit jenem Fast Food zu versorgen.zeit. in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist. Sie ist ein wilder Trieb. sich über die kriminellen Machenschaften englischer Boulevardjournalisten zu empören. sondern nur leidenschaftlich neugierig. Und die dritte Kategorie sind Investmentbanker und Fondsmanager. vom Schleier. An Kindern bewundern wir ihre schlechthin schrankenlose Neugier. E-Mail: DieZeit@zeit. Dieser urmenschliche Trieb bildet den Motor der Indiskretions.de/audio 4 1 90745 1 04005 deutschen Bankenstruktur bleibt. die Interessen der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten. S. sondern ein Schweizer. Zweite Kategorie. dass deutsche Weltfirmen hinsichtlich der Finanzierung von großen Vorhaben und Investitionen von ausländischen Finanzinstituten abhängen. Die Landesbanken sind mit ihren »Kreditersatzgeschäften« fast alle größenwahnsinnig geworden.PREIS DEUTSCHLAND 4. An der Spitze der Deutschen Bank steht mit Josef Ackermann auch kein Deutscher. Normale Menschen also. Das Vertrauen der öffentlichen Meinung und des Publikums in die Finanzbranche insgesamt ist in den letzten Jahren stark gesunken. zum Beispiel der Bilanzierung von Wertpapieren.zeit. Die Deutsche Bank und ihr Ansehen müssen also durch diese Geschichte nicht sonderlich beschädigt sein. Albert Einstein war nur ehrlich.50/HUF 1605. Anleger und Spekulanten ziehen ihr Geld aus Rom. darüber war man sich früher einig. So ist die unglaubliche Bereicherung der Spitzenmanager. indem man Sensationsfelder erfindet und anhaltend beackert. die Doktorarbeiten überprüfen? Politik S. dann läge es wegen des Know-hows in dieser Firma und wegen der zukünftig zu erwartenden weiteren Forschung und Entwicklung im dringenden deutschen Interesse. Sie ähnelt der Sucht. Man sollte die darin investierte Energie auf eine andere Enthaltsamkeit lenken: auf den Informationsverzicht. Wenn jedoch heute die Bundesregierung in internationalen Verhandlungen über Bankenaufsicht. Ohne Zweifel kann es hier und da schädlich sein. dass es nicht lohnt. Er beschreibt damit jenen selbstbezüglichen Wissenschaftsbetrieb. an die eine deutsche Bundesregierung sich im Notfall wenden kann! E mpörung kostet nicht viel. Wir alle haben sicher als Jungs mal Äpfel geklaut. Wie Europa seine Währung trotzdem retten kann WIRTSCHAFT S.zeit. empörend viel Geld. Hans Blumenberg zum Beispiel sieht in ihr »das Interesse des Menschen für dasjenige.« Dr. Rue des Archives/PVDE. wenn es auf der rechten einen Unfall gegeben hat: Es ist die Neugier. als sollte eine Doppelspitze die Führung der Bank übernehmen. dem wir offenbar – zu unsrem Glück oder Unglück – nicht zu entrinnen vermögen. feiert sie Erfolge. Die Keller zwar trocken. Jetzt sieht es so aus. Die erste Kategorie.DE/EURO Chaplins Tochter Geraldine findet: »Mein Vater gehört allen. Augustinus hält die curiositas für ein Laster. Deutsche und Commerzbank. aber auch eine Menge über uns Leser VON ULRICH GREINER Die Plagiatsjäger Digitale Blockwarte oder Retter der Wissenschaft – was treibt die Menschen. Und zwar aus demselben Grund. andererseits werden mindestens achtzig Prozent ihrer Gewinne im globalen Investmentbanking gemacht. Die simple Antwort: Weil Millionen derlei lesen und sehen wollen. das man nicht betreten.70/E 5. Öffentliche Folterungen und Hinrichtungen. bewusst halten. Athen. und der öffentliche Aufruhr in London hat immerhin dazu geführt. nie wird ein Auge satt.) ZEIT ONLINE GmbH: www. Ein rabiates Verwertungsinteresse ist Merkmal jenes Turbokapitalismus. Einige von ihnen mussten gerettet werden. Die Philosophen erblicken in der Neugier einen höchst doppeldeutigen Trieb. dass die Neugier Ursache aller menschlichen Erfindungen und Entdeckungen gewesen ist. was ihn sozusagen nichts angeht«. Die Klugheit solcher Weisungen könnte Leitfaden sein für die Zähmung unserer Neugier. wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat. die unsere Neugier niemals sättigt. denen wir unsere Zukunft anvertrauen können ZEITmagazin Titelillustration: Smetek für DIE ZEIT Das Geldhaus Fluch der Neugier Die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr. 28. Was leider nicht bedeutet. ZEIT-Stellenmarkt: www. Und wir reden hier wohlgemerkt nicht von der Welt überhaupt. sich mit Nahrung vollzustopfen. an den wir uns längst gewöhnt haben. 0180 . aber Baupläne geklaut. sondern von jenen gesegneten Breitengraden. und rastlos sucht die Neugier nach neuem Stoff. Leserbriefe@zeit. wohin sein Drang ihn führen würde). Im Wort aber steckt die Gier. Windhauch. wird passend gemacht! Nur wer selbst ein Haus gebaut hat. sondern die Neugier. Nicht jede Nachricht ist der Beachtung wert. es mit drei großen deutschen Banken zu tun zu haben: Dresdner. die neue Nachricht zu verbreiten. insbesondere in Amerika.14 € /Min.00/NOR 60. dass die Verblödungsstrategie gewisser Sender und Zeitungen an ihr Ende gekommen wäre.52 52 909*. Aber dazu brauchte man zwei oder drei deutsche Großbanken. Optionen et cetera. Derivaten. Im Gegenteil. was da passiert ist. die vom Heiligen und vom Verbotenen erzählen: vom siebenten Zimmer. was Kanzler Adenauer anlässlich der Londoner Schuldenkonferenz gemacht hat und was zwanzig Jahre später anlässlich des G-6-Gipfels (später G 7) ich gemacht habe: nämlich zu großen internationalen Konferenzen einen Sprecher der Deutschen Bank zu schicken und nicht den eigenen Minister. Denn nichts altert schneller als das Neue. das Ausstellen von »Missgeburten und Monstern« auf Jahrmärkten haben einstmals Tausende angezogen. 0.de Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. Es gibt eine Ökologie der Aufmerksamkeit. noch besser wäre ein einziges Spitzeninstitut mit einem eindeutigen Geschäftsmodell. Der wirkliche Grund. wenn der Aufsichtsrat nun schnell entscheidet. PROMINENT IGNORIERT Agenten am Bau Feuchte Wände.40/F 5.

»Vorbild« wäre richtig. kann selbst das für Zufall halten. den Meisterkoch Harald Wohlfahrt? Sachsen-Lexikon Goldfieber die Plagiatsjäger? Gehetzt und beobachtet. als die Süddeutsche berichtete: »Preisrätsel: Deutscher Verein ehrt Putin als mustergültigen Staatsmann«. Kadaver nämlich. Im ersten Teil hatte Ihr-wisst-schon-wer seine Macht verloren. während die Menschen sie mit Blumenketten begrüßten. die Schlange Kubicki und Philipp Rösler selbst. Es sei unrealistisch oder zu teuer. der schwarz-gelben Koalition: »Ich will ein niedrigeres. und statt »Gemeinschaftswohl« das Wohlleben der neuen Bojaren. und dass der Ausfall dieser Regenzeiten eine seltene Katastrophe war – so selten. Wer unbedingt will. Es herrsche ein »Schattennetzwerk von Politikern. Dies ist eine gute Gelegenheit. Es sollte eine unauffällige Erholungsreise werden. den ihr die Militärjunta auferlegt hatte.und Jugendbuch Luchs des Monats: Kate de Goldis »Abends um zehn« Selbst schuld? Von wegen Foto: Soe Zeya Tun/Reuters . Es sind amerikanische Flugzeuge. Wieder andere sichern sich eigene Areale. Das ist nicht einmal völlig falsch. taucht im Umkreis solcher Speicher bisweilen so viel Vieh auf. Überfüllte Flüchtlingslager. das Jahr der »Dürre mit dem langen Schwanz«. fällt Philipp Rösler in Teil 2 in ein Fass Vielsaft-Trank und hört sich nun an wie Ihr-wisst-schon-wer in der Kammer des Schreckens. Gu und Deyr genannt. Man kann die Angst der Beamten verstehen: die wachen Augen. das sich schnaubend aufbäumt. liberal Parteien auf der Leinwand: Was wir im Kino über SPD und FDP lernen Am Freitagabend saßen wir. Thackeray »Das Buch der Snobs« 52 Goethe-Institut 60 Jahre! 54 China Der Dissident Liao Yiwu erzählt von seinen Jahren im Gefängnis 55 ZEIT-Museumsführer 58 Gesellschaft Die Affäre DSK 66 Leipziger Zoo Neue Tropenhalle CHANCEN 67 Rechenschwäche Zu wenig Unterstützung für vier Millionen 68 Ehrenamt Soziales Engagement von Schülern kann prägend sein 69 Leistungssport und Studium 71 Kita Kinderbetreuung auf dem Bauernhof Museumsführerin VON J. April. die »Aufklärung. wie sich ein somalischer Viehzüchter an das Leben in der Wüste anpassen soll. deutsche Autos und chinesische Kraftwerke. so geht das Argument. dass die Böden überweidet werden. wird gnadenlos verfolgt. diesen Rat zu befolgen.« Knapper sagt es die Historikerin Christina Eibl in ihrem Überlebensbericht aus dem Herzen Moskaus (2011): »Wer sich nicht unterwirft. in einem Berliner Kino und schauten uns 18 Monate unter Genossen an. selbst Libyen und Jemen kommen besser weg. in der Katastrophe am Horn von Afrika das wiederzuerkennen. der die Lebensgrundlage der Menschen in trockenen Erdregionen zerstört. Der eine Rat lautet. Wird anderswo das Wasser knapp. Vier Jahre nach Beginn der Putin-Präsidentschaft meldete Freedom House. so gut sie können. die Somalier helfen sich. Geehrt werden müsste ein anderes Vorbild: der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. Der andere Vorschlag legt nahe. in die sich seine Heimat gerade verwandelt. Offiziellen und Wirtschaftsinteressen.und Entwicklungshilfe helfe nicht. der Anfang einer Globalisierung. sondern Liebling der Nation.« Wie das realiter aussieht. wie es zugeht. Beim Versuch. wo sie sie sahen. »Als Wasser in Lastwagen kam«. die kleinen. dünnen Fäuste mit den heraustretenden Adern – so sehen Friedenskämpferinnen aus. Plausibler aber ist es wohl. Die eigenen Leute werden belohnt und protegiert. darunter das Auswärtige Amt. Er hat genauso wenig zu erzählen wie diese momentan selbst. Diese Wahl wird »von einer kleinen Elite. die gerade getestet wird.de/audio Berlins Verbündete sind entgeistert 10 Zeitgeist Hungersnot in Somalia künftig unser Strom? 44 Kinder. kann Schaden anrichten. Nun. Umso größer ist unsere Freude darüber. Das sind die Kreml-Getreuen im Big Business und Sicherheitsapparat – die Putinsche Machtelite. die Platitüden entwicklungspolitischer Zyniker zu hinterfragen. dem Chef von RWE 17 Frauenfußball-WM 2011 Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft – ein Stimmungs. Nein.« Traurig. dass diese Woche endlich die Harry Potter-Adaption Philipp Rösler und die Heiligtümer des Todes. oft zu teuer FEUILLETON 45 Kino Vaters Tochter – ein Gespräch mit Geraldine Chaplin 47 Zeitgeist Das schnelle Vergessen 48 Bühne Reise zu zentralen Orten des postmigrantischen Theaters REISEN 61 Montreux Ein Song machte einst den Badeort weltbekannt 62 Hotel Das neues Sofitel in Wien 63 Windrad Bayerischer Gipfelsturm 65 Athen Auf dem Párnitha Der Pakt mit dem Presseteufel Kanzlerin Schweigsam Warum er- klärt Angela Merkel ihre Politik nicht? 4 5 6 Die digitalen Häscher Wer sind Ostkurve VON CHRISTOPH DIECKMANN 34 Was bewegt . sondern durch Beschreibungen der Hungerkatastrophen. mit zum Gruß gefalteten Händen. die sie einzäunen und notdürftig bewässern. so lernen wir daraus. Aber Sicherheitsbeamte ließen sie nicht in Ruhe. das sie sich trotz jahrzehntelanger Schikanen und Hausarresten bewahrt hat. Kann man gar nicht wissen!. wenn auch erschöpften Lächeln. Da macht sich der Halbblutprinz Philipp Rösler auf die Suche nach dem Stein der Weisen – und hat noch nicht einmal ein eigenes Narrativ dabei! Die Liberalen.7-Grad-Welt. theoretisch ein Mittel der Wahl zur Anpassung an zunehmende Trockenheit. in dem islamistische Milizen den Ton angeben. Ein Land. Das verschärft die Not der Ausgesperrten. das ist doch der Piratenstaat. einfacheres und gerechteres Steuersystem. nicht vom Wähler entschieden werden«. der die Erosion der dünnen Schicht fruchtbaren Bodens verhindert.« 2011 klang es nicht besser: »In diesem Jahr fiel Russland im Demokratie-Ranking ab. 1964. 17. sondern Regen gemäß dem seit Jahrhunderten bekannten Muster der Jahreszeiten ist inzwischen die Ausnahme. beschreibt Stanford-Politologe Francis Fukuyama in seinem neuen Buch The Origins of Political Order: Seit Putin sei Russland zu einem »autoritären Regime mit Wahlen« geworden. Nicht Dürre.« Im März 2012 wird wohl Putin gegen den heutigen Präsidenten Medwedjew antreten. es ist korrupter als die üblichen Verdächtigen in Schwarzafrika. »Engagiert« ist Putin tatsächlich: bei der Perfektion dieses Systems. dass die Menschen sich an die neuen Verhältnisse in einer zunehmend wärmeren Welt anpassten. Die mäßig erwärmte 0. Wladimir Putin? Und dann ein so honoriges Gremium wie die »Werkstatt Deutschland«. Engagement und Gemeinschaftswohl verpflichtet« seien. Diese Hungersnot ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die Fortschreibung von etwas Altem. war menschlich: Damals war »KT« noch kein Plagiator. sondern der Beginn von etwas Neuem. es war nicht der 1.und Oligopolkapitalismus. dem so ehrbare Leute vorsitzen wie Lothar de Maizière und Richard Schröder? Das den Quadriga-Preis seit 2003 an so ehrenwerte Menschen wie Michail Gorbatschow. dass sich die Somalier daran noch Generationen später erinnern. wenn sie auf die Wirklichkeit des Klimawandels stoßen. verfolgten sie. Das Regime kontrolliert fast alle Medien und erlaubt keine Kritik. V.. helfen könnten sich die Betroffenen nur selbst. Wolfgang Schäuble und Sylvia von Schweden verliehen hat? Dass sich die Jury mit Guttenberg (2010) ein wenig geirrt hat.« 37 Plagiate Ein Jura-Professor kritisiert das Promotionsrecht/Ein Plädoyer für die Reform akademischer Qualitätsprüfungen 38 Grafik Wie hat sich die Nutzung der Medien seit 1970 verändert? 39 Pharmazie Besser verträgliche Medikamente gegen Schlaganfall 42 Archäologie Eine Schnecke 7 Christian Pfeiffer wird den Missbrauch in der katholischen Kirche untersuchen 8 Libyen Beginnt die Schlacht um an die Spitze 29 EU Haushaltskommissar Janusz Lewandowski will eine Billion Euro für Brüssel – ein Gespräch 30 Murdoch Wer erbt das Tripolis? Aus der Welt 59 Baden-Baden Eine Ausstellung über den guten Geschmack Nachruf Zum Tode des Malers 88 ZEIT DER LESER 48 Impressum 87 verbreitete sich rund um das Mittelmeer – per Schiff 43 KINDERZEIT Energiewende Woher kommt Cy Twombly 60 GLAUBEN & ZWEIFELN Fantasy Der letzte Harry-PotterFilm kommt in die Kinos. Es wäre leicht. dem Film wie den Sozen. auf das Erscheinungsdatum der Zeitung. SCHIEMENZ DOSSIER 13 Atomenergie Eine Japanreise mit Jürgen Großmann. Verarmte Viehzüchter haben sich eine zweite Einkommensquelle gesucht. die nicht durch Warenströme oder Nachrichten vermittelt wird – sondern durch Kohlendioxid in der Erdatmosphäre. die Dürre und Hunger am Horn von Afrika verursachen oder zumindest dazu beitragen. was Klimaforscher seit vielen Jahren vorhergesagt und immer häufiger auch beobachtet haben: die Folgen eines zunehmend unregelmäßigen Monsuns. Foto: Mathias Bothor/photoselection IN DER ZEIT POLITIK 2 3 Großbritannien SACHSEN 11 DDR-Erbe Was Lutz Rathenow als neuer Stasi-Beauftragter vorhat VON ALEXANDER CAMMANN GESCHICHTE 19 Kapuzinergruft Das gloriose Endlager der Habsburger 20 Krieg für Menschenrechte? Eine Debatte mit Tradition 33 Forum Helft nicht einfach so! Stuttgart 21 Unglaubwürdige Bahn Riestern Bürokratisch. eine Dokumentation aus dem Innenleben der SPD. ihn aufhalten zu wollen. dass sie dort hungern. Die Bilder aus den Flüchtlingslagern in Kenia und Äthiopien zeigen. ist so ein Satz. 1974. dass sie Haltung hat. wenn man statt »Aufklärung« Mediengleichschaltung setzt. zur Not in fruchtbarere Regionen auszuwandern. Auf solche Fragen gibt es zwei Standardantworten – aber beide klingen hohl. Dies aber ist die sechste schwere Dürre seit der Jahrtausendwende. sie produzieren und verkaufen Holzkohle – und dünnen so den Baumbestand VON FRANK DRIESCHNER BERLINER BÜHNE Potter. um sein politisches Ableben hinauszuzögern. sind halt kein Orden des Phönix. HEUTE: 11. Vor acht Monaten endete erst der letzte Hausarrest. Von wegen Klimawandel – Dürren gab es in Somalia schon immer! Wissen kann man allerdings. 2011 wird wieder so ein Jahr. So abstrakt hört sich das gut oder wenigstens nicht komplett abwegig an. Aber es scheint natürlich zu sein. einem gutmütigen.2011 Kämpferin Es ist nicht ihre natürliche Haltung.. Aber es ist zu einfach. anläuft. Eine andere Platitüde. der wird Gründe finden.. M. Dies ist auch unsere Katastrophe.und ein Taktik-Fazit 18 WOCHENSCHAU Berlin-Wahl Die Kreuzberger Kandidaten der großen Parteien haben alle türkische Wurzeln Vereinsmeierei Neudeutsche gründen »Typisch Deutsch e. die sich zu dieser Zeit zutrugen: 1914. schafft er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand. Aber man wüsste doch gern. PETER DAUSEND Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT dass es von ›teilweise frei‹ auf ›nicht frei‹ herabgestuft wurde. die übrigen Horkruxe zu zerstören. Sogar der Bau von Wasserspeichern.07. wenn Menschen gezwungen sind. die afrikanischen Hungerleidenden selbst für ihr Unglück verantwortlich zu machen: Somalia. dass Somalia einmal zwei halbwegs regelmäßige Regenzeiten hatte. aus. um eine wassersparende Hightechlandwirtschaft und andere Anpassungstechniken finanzieren zu können. Die FDP ist ihr eigener Todesser. in der wir leben. Ein Interview mit Ralph Fiennes über seine Rolle als Voldemort und über das absolute Böse 9 Deutsche Außenpolitik umstrittene Medien-Imperium? 31 Frauenquote Wirbel bei SAP und Telekom 32 Chinesen Wie solide sind Aktien aus der Volksrepublik? LESERBRIEFE Die so gekennzeichneten Artikel finden Sie als Audiodatei im »Premiumbereich« von ZEIT ONLINE unter www. das jährlich den Zustand der Freiheit auf der Welt misst: »Politische Rechte und Freiheiten sind in Russland so eingeengt worden. Andere treiben Ackerbau auf ungeeignetem Land und ruinieren es damit für die Viehhaltung.« Auf der Korruptionsskala von Transparency International (2010) liegt Russland ganz unten auf Platz 154. das Jahr »Als man unreines Fleisch aß«. möglichst schnell reich zu werden. um seinen Machterhalt zu legitimieren. einen verfluchten Vorsitz niedergelegt und – anstatt umgehend durch das Verschwindekabinett zu disapparieren – seine Seele in insgesamt sieben Horkruxe ausgelagert. Todesmärsche durch die Wüste. Jahre werden bisweilen nicht durch Jahreszahlen bezeichnet. Aber Putin? Die Werkstatt bemüht ganz ironiefrei Orwell-Sprech in der Begründung: »Im Inneren . Und wer sich die quälenden Bilder aus den Flüchtlingslagern vom Leibe halten will. Wirtschaft und Identität. Gerade hat Aung San Suu Kyi die alte Königsstadt Bagan besucht. Definieren wir es mit Lenin als »demokratischen Zentralismus« plus Staats. Weiter mit Orwell: Mit dem Quadriga-Preis werden »Vorbilder« ausgezeichnet.10 14. Kein Wunder. das Wahlen abhält. rufen die Besserwisser.. Schimon Peres.zeit. Teil 2. Unter Politiker hinterherlatschenden Cineastendarstellern sagt man auch: Es fehlt das Narrativ. WIRTSCHAFT 21 Euro Angriff auf die Gemeinschaftswährung 22 Konjunktur Gefahren drohen aus aller Welt 23 Italien Die neue Angst 24 Finanzmärkte Bundesbank-Chef Jens Weidmann im Interview 28 Deutsche Bank Ein Inder rückt WISSEN 35 Energie Viele Biogasanlagen belasten die Umwelt 49 Roman Martin Walser »Muttersohn« 50 Politisches Buch »Bloodlands« 51 Klassiker W. der sich im Kuratorium »strikt gegen Putin ausgesprochen« hat. Wir kennen die birmanische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi meist nur in friedvollen Posen. Unter den vergangenen fünf Jahren war nur eines mit normalen Regenfällen. eröffnet uns gerade einen Ausblick in die Zukunft Afrikas in Zeiten des Klimawandels. in dem die Regierung nicht einmal die eigene Hauptstadt Mogadischu kontrolliert. Der Film ist eine ganz wunderbare Momentaufnahme über den Zustand der ältesten deutschen Partei. Juli 2011 ZEITGEIST DIE ZEIT No 29 MEINUNG POLITIK Werkstatt Orwell JOSEF JOFFE: Wieso ehrt ein honoriges deutsches Gremium Wladimir Putin? Unwillkürlich schnellt der Blick nach oben. sondern der 9. Viel sinnvoller sei es. Juli. als hätten wir nichts Schöneres zu tun. verendetes Vieh – die Rede ist von der schlimmsten Hungerkatastrophe seit Jahrzehnten. Oppositionskandidaten werden eingeschüchtert und disqualifiziert. traurig. in diesem Elend nichts anderes als eine Fortsetzung der somalischen Leidensgeschichte zu sehen. Geben wir ihm als Sonderpreis die Mini-Version eines Quadriga-Pferdes auf dem Brandenburger Tor. Not. Politik zwischen Twitter und YouTube Versagt das Recht im Netz? Ein Interview mit dem Medienanwalt Christian Schertz Aufklärung Der Kriminologe 12 Dynamo Dresden Zwist und Sorgen – auch nach dem Aufstieg in die Zweite Liga VON THILO ALEXE Am Start Mirjam Howitz. ÖT Selbst schuld? Von wegen! Die Hungerleidenden in Somalia sind die ersten Opfer des Klimawandels Somalia hat seine eigene Zeitrechnung. betrifft den Klimawandel selbst.

den Staffelstab der Vergangenheitsaufarbeitung an die jüngere Generation der Nichtmehrbetroffenen weiterzugeben. Doch sein Auftritt zeigt: Eine anonyme Großbehörde zur posthumen Ausweidung der Krake Stasi sitzt hier keineswegs.« Löwinnen! simste ich zurück. Was ist seit 1989 richtig. Daran musste ich denken. relegiert: wegen Werk. und DJs im Berliner Technoclub Berghain. den Statesboro Blues und One Way Out. mit 15 000 Seiten Stasi-Akten über ihn. was dem zudem unterschiedlichsten Menschen über ihr Schicksal noch in Berlin wohnenden Autor womöglich und die DDR-Vergangenheit gehörten für ihn auch nicht gerade Sympathiepunkte in Dresden auch schon immer dazu. lassen sich ja oft gar nicht mit Schriftsteller sein spätes. der keine Ruhe geben. geboren in Jena. Das gelte auch für die IM-Überprüfungen: seinen Weggefährten in Dresden die Festrede. Nach 1989 wurde Rathenow zum omnipräsenten publizistischen Beobachter. nach Art der kickenden Landsmänner. darüber ein graues Sakko: Als der Chef selbst die Tür zu seinem neuen Reich öffnet. Man verspreche sich davon ordentlich Schotter. SACHSEN-LEXIKON Goldfieber. Um diese zu verstehen. auch: Goldrausch. Auch den häufig zu hörenden Einwand. obwohl er der einzige Kandidat war. eine lupenreine Dissidentenvita vorzu.« Man male sich aus. Fortan ge. Sein Amt stehe nun mal im Unterschied zu Finanzämtern unter permanentem Rechtfertigungsdruck. Im Grunde sind wir Landesbeauftragten auch eine Kontrollinstanz gegenüber der Gauck-Birthler-Jahn-Behörde. Läuft er dabei nicht Gefahr. Christoph Dieckmann. Brasilien gegen USA. jetzt ausdrücklich »Überzeugungssachse« sein Die beiden Söhne gehen längst ihre eigenen Wege. »Goldfieber in Sachsen«. Aber ist der auf fünf Jahre gewählte Schriftsteller und freie Publizist überhaupt der richtige Mann für die Leitung einer Behörde. schreibt hier im Wechsel mit der Journalistin Jana Hensel B Den Ritterschlag erwies ihm das für Kultur verantwortliche Politbüromitglied Kurt Hager in einem Schreiben an Stasi-Chef Erich Mielke: Rathenow sei »ein Provokateur. Der 58-Jährige sieht sich selbst realistisch als »historische Übergangserscheinung«. richtig deutlich vor Augen treAber das hier ist besser. wie in Rumänien hätte gesellschaftlicher Unfrieden bis heute angedauert. zu einem Konzert des Bluesvaters Gregg Allman. Von der Notwendigkeit der Stasiakten-Öffnung nach 1989 ist er dabei nach wie vor überzeugt: »Ich habe seither keinen Menschen getroffen. Ein neues Zeichen war es auch. Und Diskussionen mit den geboren. ZEIT-Autor. Objektivismus dieser seine Eitelkeiten nicht verbergende Plaudeund Intellektualisieren der Probleme«. Jüngst vollzog sie den Schulterschluss zwischen Afghanistan und Fußball-Weltmeisterschaft. vermeldet der MDR. Personell indes ist sein Amt im Unterschied zu anderen Bundesländern mit drei Mitarbeiterinnen unterbesetzt angesichts der Aufgabenvielfalt. um Steuersenkungen zur Rettung der FDP zu finanzieren? Oder hat der Finanzminister noch nicht jeden Abgrund der Sachsenbank-Affäre offenbart und benötigt Geld? Jedenfalls. dem seiner neuen Rolle zu beobachten. wie die Mansfelderin sagt. nicht zuletzt als Profilierungsgeste gegenüber dem Koalitionspartner CDU. Lehrerfortbildung und Schülerprogramme gehören neben der Opferbetreuung dazu. Eine Umbenennung seiner Behörde sei sinnvoll. Zwar unterlagen sie den USA mit 0:2. als Rathenow am 8. seit Nordkoreas großer Führer Kim Il Sung im Alter von vier Jahren die Juche-Ideologie erfand. eine Gesellschaft Gauck und Marianne Birthler angetreten.kritischen Erinnerung an die DDR-Vergangenheit grafien Harald Hauswalds.rer dabei die Mühsal der Ebene jenseits von Podien hörte er zur DDR-Dissidentenszene. der Freistaat lasse das Vorkommen von Gold in Kiesgruben prüfen.schieden: Seinen Job mache er ja nicht rückwärtsgerweise nur wenige Monate vor Rathenow sein Amt gewandt. um dort auf Einladung des Goethe-Instituts über Risiken und Notwendigkeiten im Umgang mit Diktaturgeschichte zu erzählen. zu überzeugen. Dabei hat er. 58. Foto (um 2005): Anita Schiffer-Fuchs/ullstein »Meine mehrfach gespaltene Persönlichkeit findet das spannend« Lutz Rathenow. thenow stets gereizt. wenn ich es schwer habe«. sondern dass die Aufarbeitungsmission viel umfassender verstanden wird. sie unterstehen seinem Freund Roland Jahn in Berlin. Und empfing die erregte SMS einer Dresdnerin: Erstmals weile sie im Dynamo-Stadion. Mai bei der sächsischen Gedenkveranstaltung zur Befreiung 1945 einen Kranz für die russischen Soldaten niederlegte.ZEIT FÜR SACHSEN 14. sondern jeden Anlass nutzen wird. »weil die Betroffenen äleiner Behörde. das wäre doch wunderbar«.« Andere ErSchriftsteller gelebt – Hilfe erwarten. die vergessliche Gesellten. lässt Rathenow nicht gelten: »Die Stasiakten waren die Notizbücher der Macht. als Autor und Kameras meistern wird? Vielleicht gelingt es veröffentlichte er notgedrungen meist im Wes. die ihre Auftritte als »Krieg« annoncieren. um gegen die DDR und den Sozialismus zu hetzen«. »Es ist wie mit dem Zahnarzt: Beratung für Opfer – ein Begriff übrigens. musste man sich am Anfang nun mal auf sie konzentrieren. Aufklärung über Unterdrückungsmechaals Bundesbeauftragter in der Nachfolge von Joachim nismen sei Diktaturprävention. sondern in die Mitte der Gesellschaft wirken. In dieser Woche wird er dafür noch ins postrevolutionäre Ägypten reisen. auch um zu zeigen. Später meldete Dresden: »Sie haben nicht soldatisch gegrüßt. Fürwahr! Größeres ward nicht vollbracht. Einige Gemein1981 unter mysteriösen Umständen im Knast samkeiten zum bisherigen Leben des Lutz Ratheumgekommenen Aktivisten der Oppositions. kommentiert Rathenow rückblickend das Gezerre rund um seine Kür. will im neuen Amt ein »Überzeugungssachse« sein Foto: Nicole Sturz Am Sonntag war ich in Bonn. meint der nun ist er der Leiter sagt er. der Forschung Unterlagen zur Verfügung zu stellen. die Stasi-Fixierung nach 1989 hätte die eigentliche SED-Parteiherrschaft eher verschleiert. braucht klärung über die DDR-Vergangenheit sowie in der man sie weiterhin.« VON ALEXANDER CAMMANN OSTKURVE Löwinnen oder Blues In Neujahrsansprachen lässt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrer visionären Rhetorik freien Lauf. Eher ist hier ein Schriftsteller Jürgen Fuchs an – und wurde 1977. Heute wolle er unter anderem eine Aufarbeitung der Aufarbeitung anstoßen. Gelingt Amtschef lachend. sich selbst in Blick auf ein Foto von Matthias Domaschk. Aufregung über angebliche Goldreserven.« lich anspruchsvolles Amt? Seine Auf Rathenows Schreibtisch Über 30 Jahre hinweg Augen blitzen über die Brille stapeln sich die Briefe derjenihinweg: »Meine mehrfach gehat Lutz Rathenow gen. sei »völlig unklar«. wie ihr Trainer offenbarte. denn Ausstellungen. nun auch zu all den Exbürgerrechtlern zu gehören. die ihm ihre Bedrängnisse spaltene Persönlichkeit findet als freischaffender zu DDR-Zeiten schildern und das sehr spannend. möchte. Ob die Suche lohne.« Da müsse stets Überzeugungsarbeit geleistet und eine oft desinteressierte Öffentlichkeit sensibilisiert werden für die nicht immer sichtbaren Folgeschäden einer Diktatur. der er nach Berlin pendeln. sagt Rathenow. ein mit dem Flammenwerfer durch die er in seiner Heimatstadt Germanistik. der sich als Mittler nach vorne versteht. Hörbar viele Sachsen pilgerten an den Rhein. der die Geduld schon so manches Zuhörers strapaziert hat.aber ausgerechnet so einem. Seit Anfang Mai ist Rathenow. die von der Mit mehr Abstand zur SED-Zeit wird Mehrheitsgesellschaft in das Reservat »DDRmanches Trauma eher noch größer Geschichte« abgeschoben und dort mit Amt Ein Herrscher über die Akten ist der Landesbeauf. Gerade wird sein Kaffee kalt. Jedoch war die Mannschaft. Jeans und Karohemd.« Raus aus der Nische – das ist ihm wichtig: »Ich will meine Arbeit nicht nur aus der Opferperspektive machen. Ich war auch amerikanisch unterwegs. weit ausholender Plauderer. Zum Wochenende wird eintrug bei seiner Kandidatur. »Ich hätte es ter geworden sind und ihnen auch als Verteidigungsminister ihm dieser Wechsel? daher erst jetzt böse Erinnerunoder als Leiter des luxemburgigen als permanente Belastung so schen Literaturarchivs versucht. mit der Rathenow seine Bücher. Sein bekanntestes Buch erschien 1987: Ost. die Dossiers wären weitgehend verschlossen geblieben: Die Herrschaft des Verdachts wäre ausgebrochen. »Die Traumatifahrungen hätten den Autor Rasierungsintensität nimmt zu«. Es kam anders und sei gegönnt. wurde Lande ziehender Eiferer ist Lutz Rathenow gewiss dort schnell Mitglied im oppositionellen Zirkel nicht. »ungewollt den größten«. im Amt. während er dem Gast seine Mission erläutert. Rathenow wurde schließlich von der FDP durchgesetzt. die aus der DDR herrühBonmot verlegene Rathenow als ren.« Hier hat ten. wo er mit seiner Frau lebt. Dafür möchte er auch neue Formen zulassen: »Selbstverständlich muss die DDR-Geschichte irgendwann auch als Comic erzählt werden.now gibt es durchaus: statt Lesungen nun eben szene in Jena.« Im Buchregal von Rathenows Büro fällt der jemand offenkundig Lust daran. Ob »Zweifeln an Grundpositionen. Der Name »Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur« ist im Gespräch. Die Um Vertrauen zu schaffen und antidemokratische Arbeit des Landesbeauftragten besteht in der Auf. Wofür der Aufwand? Scheut Sachsens Regierungschef denn gar kein Mittel. Dort wurde Lutz Rathenow 1952 zahllose Auftritte. votierten nur 67 von 125 Abgeordneten im Landtag für ihn. dass hier nicht nur ein landeseigener Stasi-Akten-Onkel am Werk sei. 1956 in Rathenow geboren. Sie brüllten ihre Wunschtitel gen Bühne. als die US-Amerikanerinnen gegen Kolumbien salutierten.sollte sie daher als ständige Notwendigkeit bethenows Amtseinführung vorige Woche hielt er auf greifen. »Stalinorgel« nannte ihn vor Jahren der Satiriker Wiglaf Droste. Und dann diese respektable Leistung! Trainer Kim Kwang Min: Normale Menschen hätten das nicht gekonnt. den der Je öfter man zur Vorsorge geht.Verschwörungstheorien einzudämmen. Die Wahl des Autors und DDR-Oppositionellen war umstritten. Texte und Ansichten unters mal mehr oder minder interessierte Volk brachte – den Gemeinten amüsiert das immer noch. wolle man das Gold aus der Kiesgrube gleich weiterverkaufen. versehen mit einem umständlichen Titel: Sächsischer Landesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.schaft von der fortdauernden Notwendigkeit einer Berlin – die andere Seite einer Stadt mit den Foto. Aber es ist ihm ernst: Opfer sind für ihn nicht nach Nationalität zu trennen.« allzu strafrechtlich klingt: »Die Und wie sieht der nie um ein Schäden. Die Opferverbände hatten sich zuvor massiv für die Exdissidentin Freya Klier ausgesprochen. aber gekämpft wie die Löwen. auch kein charismatischer Menschenfischer Literatur und Lyrik Jena. wo gleich ein Fußballspiel beginne. was falsch gelaufen? Und was ist wie in der Stasi-Akten-Behörde in Berlin passiert? »Die Aktenbehörde müsste verpflichtet werden. herrliche Manneszucht der Damen! Ebenso bewundert habe ich die Nordkoreanerinnen. Germaniens Brünhilden würden Japans Wuslerinnen umme machen. freundete sich mit dem mit Bundespräsidentenqualitäten. da macht sich Rathenow keine Illusionen. die allzu leicht als Versorgungsposten für Exoppositionelle angesehen wird? Und welche Akzente will er künftig setzen? Der neue Amtschef ist zunächst ein unermüdlicher.so kümmert sich der jüngere um Installationskunst weisen. auf die Vehemenz anspielend. scheint er zumindest allen äußerlichen Klischees eines Bürgerrechtlers entsprechen zu wollen.und Würden stillgestellt werden? Dem widerspricht Rathenow dann doch enttragte mitnichten. Allman verstand die Forderungen aus dem Sprachkulturraum Plauen-Auerbach und röhrte Whipping Post. heißt es. Ich erbat Meldung. das. Unweit des Justizministeriums herrscht hier auf einer Etage in einer klassizistischen Dresdner Villa jetzt Lutz Rathenow. kurz zuvor vom Blitz erschlagen worden. Juli 2011 DIE ZEIT No 29 11 Dichter an den Akten Der neue Stasi-Beauftragte Lutz Rathenow will auch die Zeit nach 1989 aufarbeiten art und Bäuchlein. sagt Rathenow. Und die Deutschinnen? Man hörte ja überall die rassische Gewissheit. Konsenssucher mit antiautoritären Impulsen am nur Monate vor seinem Examen. desto weniger tut Amtsinhaber nur notgedrungen verwendet. weil er am Ende eine Behandlung weh. auf der allerdings die schwierige Mission lastet. ergänzt er schmunzelnd. »Mir macht es immer Spaß. im Blick stets die Gemengelage des wiedervereinigten Landes sowie das Nachleben der DDR-Vergangenheit. ein Thüringer also. Ah. ziemBürokratie wagen! juristischen Kategorien messen. Der Exjournalist hat zufälli. ob die US-Megären wieder salutierten. der seine Akteneinsicht bedauert hätte. Bei Ra. Nach dem Wehrdienst als Grenzsoldat studierte Nein. MAC S .

« Denn Dynamo gleicht einem höheren Spielklasse fließen soll. und für sie steckt hinter den Exponaten mehr als die blanke Information. der Spielklasse rund fünf Millionen Euro.seheinnahmen – im Schnitt erhält ein Verein aus ten. Und da sind die »Bömbchen«. Juli 2011 AM START DIE ZEIT No 29 ZEIT FÜR SACHSEN lles muss raus: Nach dem Abpfiff scheidend wird sein. Die diesjährige Landesausstellung thematisiert das 800-jährige Jubiläum der Via Regia. Echter Fußball eben.Stadtrat pro Dynamo zusammen. wie sie über die Funktion des Eisens rätseln. Nachdem in Osnabrück Feuerwerkskörper krachten. trotz garantierter Turbulen. Anders als Museumsführer sonst läuft Mirjam nicht durch die ganze Schau. sagt Mirjam. doch alte Verbindlichkeiten verJahr 1995. sagte unlängst Sportdirektor Steffen Menze. Gegen in. auf den der Begriff »Scherereien« zurückgeht. In den Dynamo-Gremien früheren Liechtensteiner Nationalcoach Ralf Loo. vor allem wälzte sie Bücher. Allein 20 000 Euro muss der Verein wegen Ausschreitungen beim Aufstiegsspiel im Mai in Osnabrück bezahlen. Sie rätselte. die bereits zwölf Mil. nach zwischenzeitlicher Viertklas. sagt sie. Den besten Ruf haben sie nicht. Nutzt die streitlustige Sportgemeinschaft die Möglichkeit. das wie eine überdimensionale Wäscheklammer anmutet. Ferner billigten die fen.und Viertligazeiten pflegten sie eine quasireligiöse Verbundenheit zu dem Klub. in einem Raum. sagt Dynamo-Geschäftsführer Volker Oppitz. Eine westdeutsche Regionalzeitung verglich die Wirkung der Dresdner Fans gar mit der von »Hunnen und Vandalen«. organisieren Lobbyarbeit wie etwa beim Stadionbau und helfen mit witzigen Aktionen. Dinge eine Spur kleiner zu lösen.ter den Fans immer irgendwie weitergeht. Zweite Liga. »Manche glauben.Eine Hassliebe verbindet Politik und Dynamo. stamp. Offenbar kommt der Verein für sie angesichts der Wiederkehr von Gewalt als Werbeträger nicht infrage. Große Bühne und Dresden – kann das gutgehen? Denn da sind: gewaltbereite Fans. lautet eine simple Forgärten« werfen. Mit acht Millionen Euro ist der Verein verschuldet. Verliert die SGD die ersten beiden Räte eine umstrittene Bürgschaft von 300 000 hatten zuvor via Live-Übertragung im Dresdner Zweitligaspiele – es sind die Ost-Derbys gegen Euro als Voraussetzung für die Lizenz des AufsteiStadion verfolgt. sie schreien. Dann kommt ihr Moment – als »Explainerin« in der dritten Sächsischen Landesausstellung in Görlitz. sagt sie.Spieler zu den »Golden Boys« der Dynamo-Erstlimas Blümel reden. bei Freunden und ihren sechs Geschwistern. An der Wand über ihr hängt ein zangenartiges Gerät. Ihre Aufgabe ist es. teilte Dynamo Dresden gewohnt unbescheiden über sich selbst mit. Geschichte und Verwendungszweck musste sie selbst recherchieren. »Geschichte ist mein Hobby«. Große Unternehmen wie etwa die in Dresden ansässigen Chipfirmen halten sich mit ihrem Engagement zurück. sollte mit Tho. dem damals »fast viertklassigen« zu etablieren und Stabilität zu gewinnen? Blümel bürgt.Durchlauferhitzer. »Das ist alles so aus dem Leben gegriffen«. Doch rennen. Mitglieder arbeiten Geschäftspraktiken früherer Vorstände auf.se – und stieg doch noch auf. lauscht Mirjam.muss er auch mehr Sicherheiten bringen. Und so verbringt sie noch bis Oktober samstags und sonntags je zwei Stunden im Kaisertrutz. passiert wohl nur in Dresden. Statt Sandhausen und Heidenheim gastieren künftig Eintracht Frankfurt. habe sie eine Menge über das Tuchschererhandwerk gelernt. sei immer noch ähnlich. trotz ben noch öfter bei der Stadt um Zuschüsse bitten. Und dennoch: Öffentlich geförderte Fanarbeit hat in den vergangenen Jahren dazu beigetragen. Für Mirjam ist die Ausstellung ein »ziemlich cooles Projekt«. Angesichts maroder Schulen bezeichnete es hat er sich über viele Jahre hinweg für den Nach. Doch im genanzhilfen ebenso wie die komplexe Gemengelage schaft überraschend den in Dresden unbekannten schickt agierenden Finanzbürgermeister Hartmut innerhalb des Vereins. das sie sich selbst ausgesucht hat. was das wohl sei: etwa einen Meter lang und einen halben Meter breit und so schwer. Die Euphorie führt den acht.Vorjohann hat der Klub einen mächtigen Gegenspieler. Was die Menschen heute bewegt. 28/11). Im Internet fand sie nicht viel. »Niemand ist größer als der Verein«. »Was da passiert ist«. geht das gut? Im Rathaus hat man ihm schon oft mit Geld Wer darauf Antworten sucht. Und: Obwohl die Stadt. Am meisten Spaß hat Mirjam. Zudem Liga mischt der gelb-schwarze Traditionsverein ren? Braucht der verschuldete Verein weiteres Geld steigen die Spielergehälter. aber befriedete Dresdner Fankultur? Fanprojekt-Geschäftsführer Torsten Rudolph sagt: »Gut wird es in Sachen Fanarbeit. kreativ-leidenschaftliche. einen Knochenjob. rund 10 000 mehr als beispielsweise beim Zweitligisten Greuther Fürth. was die Ausstellungsbesucher in der Schere sehen. Da sind Finanzprobleme. Ent. Wenn Besucher kommen und davor stehen bleiben.der CDU-Politiker vor etwa einem Jahr als wuchs eingesetzt. Pauli und die Münchner Löwen im Stadionneubau am Großen Garten. wie rund 20 andere Schüler aus Deutschland und Polen hat Mirjam sich freiwillig dafür gemeldet. Dynamo dürfte an Sodort wieder mit. Der 46-jährige SPD-Stadtrat gamannschaft nach der Wende zählte. erfuhr A Bömbchen im Vorgarten Geschichte ist nur ihr Hobby – Mirjam Howitz will nach dem Abitur Medizin studieren sie. dass es trotz permanenter Quere.hindern Wohlstand.ternen Widerstand verpflichtete die Sportgemein. um. Die Dynamo-Anhänger etwas hoch. den Besuchern je ein Exponat genauer zu erklären. den Sohn der Vereinslegende Ulf Kirsten. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) erwägt die Einführung eines »Sicherheits-Euro«: Zuschauer zahlen demnach bei Brisanzspielen mehr Eintritt. Verein ein neues Stadion zu bauen – und erntete sagt: »Die Chance ist so gut wie lange nicht.ligaprofi Cristian Fiel und Torwart Benjamin Kirs. wenn alle weiter viel Verständnis und Vertrauen für die Position des jeweils anderen aufbringen. Sie stehen weiter bereit. die sich als eigentlichen Träger der SGD sehen. Auch in Dritt. Und die sind rege. St. Die Miete für das 2009 eingeweihte. sie ist allein für ihr Exponat da.Berauscht startet Dynamo Dresden in dieser Woche in die Zweite Fußball-Liga. Dass Fans eines unter.ausgeholfen. einem Verteidigungsbau aus dem Mittelalter. Cottbus und Rostock – heftiger hätte es aus Polizeisicht zum Saisonbeginn nicht kommen können. maligen DDR-Meister in fast vergessene Höhen. Die von Calmund befürwortete Ausgliederung des Profibereichs aus dem Gesamtklub ist aber vorerst aufgeschoben. Neulich stand ein Mann mit ihr vor der Tuchschere. Schneller als anderswo kocht bei der Stadionmiete entlastet. dass dafür auch Applaus. In der Vitrine unter ihrer Schere liegt ein Buch. Das ginge der Mehrzahl der Fans dann doch zu weit. in das die Tuchmacher einst Beschwerden über ihre schlechten Arbeitsbedingungen schrieben. Der Schritt brächte der Vereinsspitze mehr Handlungsfreiheit. aber die finden nicht so oft ins Museum. beobachtet hat. JULIANE SCHIEMENZ S schichtigen Strukturen straffen müssen. Er arbeite in einer Damastfabrik.« Am liebsten spricht sie mit Gleichaltrigen. Der Verein selbst kündigt einen Kurswechsel im Umgang mit einem Teil der Anhänger an. in den kaum Sonnenlicht dringt. Unter anderem flogen Sitzschalen – für den DynamoGeschäftsführer und langjährigen Abwehrchef der Mannschaft Volker Oppitz schlicht »unerträglich«. Querelen. sagte der frühere Trainer Ruud Kaiser und punktete damit bei den Anhängern. sich in der Bundesliga lionen Euro fürs Stadion zuschoss und für den Bau »schwachsinnig«. sagte er und erzählte dann von seinem Handwerk heute. Deshalb rührt sie die Werbetrommel in der Schule.er: »Leicht gesagt. »Wir sind nicht konkurrenzfähig«. dass nur zwei Menschen gemeinsam es tragen können – eine Tuchschere.« Foto: privat Foto (Ausschnitt): Droemer/dpa/picture-alliance . damit hätte man früher Menschen geköpft. gibt es heiße Debatten.für Dynamo ist. um überstehende Fussel abzuschaben. Nach dem Bundesliga-Aus im für nachträgliche Spielerverpflichtungen? Typisch lidität gewinnen. Sie besucht die elfte Klasse am Joliot-Curie-Gymnasium in Görlitz.12 14. Die andere: Trotz regelmäßiger Randale ist Verein Trainer Matthias Maucksch. wie »Calli« wechselnder Aufsichtsratschefs und Zoff auch un. Um eine existenzbedrohende Etatlücke zu schließen. »Der Kultklub des Ostens kehrt zurück auf die große Bühne des BundesligaFußballs«. Bislang unterstütze die Klubführung die vor allem von Ultra-Fans betriebene Kampagne zur Legalisierung von Pyrotechnik im Stadion. um Millionen für Spieler in den Klub zu pumpen – offenbar ohne im Gegenzug Transferrechte an ihnen zu erhalten. Intrigen. »passt überhaupt nicht zu dem angestrebten vertrauensvollen Miteinander. So dürften die Schwarz-Gelsigkeit und mehrfach gebannter Insolvenz ist das in Dresden gefühlte Champions League. Reichlich 17 000 Zuschauer strömten in der abgelaufenen Saison pro Heimspiel ins Stadion. blieb ich davor stehen«. Dynamo wird wohl seine viel- Mirjams Schererei Warum eine Schülerin in Görlitz ein Stück Geschichte erklärt Hinter dicken Festungsmauern. Fünf Jahre nach dem Abstieg aus der Zweiten richtig zusammengestellt? Stimmen die Struktu. steht die 17-jährige Mirjam Howitz und wartet. Nach den Ausschreitungen in Osnabrück war das PresseEcho verheerend. Das Gerät wurde einst bei der Stoffherstellung eingesetzt. die auch durch Görlitz führte (siehe auch ZEIT Nr. meint sie.« Anders ausgedrückt: Das Projekt ist nach anfänglichen Akzeptanzschwierigkeiten auf gutem Weg – der allerdings ist noch lang. sagt sie. überdenkt sie diese Haltung.ein außerplanmäßiger Zuschuss für die dritte Liga stürmen Hunderte halb nackte junge zen immer die Ruhe zu behalten. Doch in Dresden ist man es neben dem Jammern auch gewohnt. verkauften sie vor Jahren Trikots. Nebenbei. Der Klub kassiert in der Zweiten Liga zwar Aufstieg perfekt machte. Mit den Zusatzeinnahmen sollen Vereine ihre Sicherheitsmaßnahmen verbessern. Ein regional verankerter Investorenpool um Aufsichtsratschef und Druckunternehmer Thomas Bohn hat in der vorigen Saison die Verpflichtung des Europapokal-erfahrenen Cristian Fiel ermöglicht. beschränkte aber auch die Mitwirkung der Fans. etwa 40 Millionen Euro teure »Glücksgas«-Stadion kann er sich nur dank städtischer Millionenhilfe leisten.« Dann ergänzt von 1. Aufdruck: »Brustsponsor«. tanzen wie Scha. »Als ich das erste Mal hier durchging. der kannte das Gerät. die einen harten Kern in der ansonsten vielfältigen Anhängerschaft ausmachen. wenn sie hört. gegenseitig »Bömbchen in die Vor. sagt die Schülerin. Zwei Ohne Stadt kein Stadion. gers. der alten Handelsstraße. wie ihr Klub in Osnabrück den Cottbus und Rostock –.2 Millionen Euro pro Saison auch in der Männer den Rasen. aber auch Entflammt für Dynamo: Fans des Dresdner Klubs fiebern beim Aufstiegsspiel in Osnabrück mit die Grundsatzfrage nach der künftigen Struktur der Sportgemeinschaft Dynamo (SGD) treiben die Macher len in den unübersichtlichen Vereinsorganen. Die Zweite Liga als Chance für eine beachtete. Meist kam eine knappe Mehrheit im kennt die vertrackten Details der städtischen Fi. dass stundenlange Straßenschlachten wie 2002 beim Lokalderby gegen den Dresdner SC ausblieben. sich mehrfach sträubte – Geld fließt weiter. der einst als der Verein ein Imagefaktor für Dresden. Also noch mal: Dynamo und die Beispiele: Vier Spieltage vor Schluss entließ der mel. Manchmal so sehr.So beschloss der Stadtrat nach dem Aufstieg. andere denken ans Schafscheren. Der gelegentliche Dynamo-Berater Reiner Calmund hat das Binnenklima in der Vereinsspitze als explosiv beschrieben. Dynamo wird so manen im Kreis. Mehr als Doch mit dem Aufstieg kehren auch gewaltige Querelen zurück VON THILO ALEXE 7500 Mitglieder zählt der einstige Polizeisportverein heute – das sind mehr als die SPD in ihrem Gründungsland Sachsen hat.Hat Trainer Ralf Loose das Team um Ex-Bundes. dass sie sich. toben. »In den historischen Objekten sind Menschenschicksale versteckt«. Seitdem hat ihr Job eine neue Dimension für Mirjam. »Das ist ein Geben und Nehmen«.im Vergleich zur Vorsaison ein Vielfaches an Fernklassigen Fußballteams ein leeres Spielfeld über.

29 14.Forsch Nr. 7. 2011 Dinner for one: Wiener Schnitzel. Seite 30 .

.Forscher Sie schreiben nicht ab wie Chatzimarkakis und Co. sie schreiben Wissenschaftsgeschichte: Die originellsten Gelehrten der Republik .

I N H A LT N R . das ihm das Leben rettete Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt Titelfotos [M] Kirsten Borchard / public address. in dieser Woche aus Kartoffeln einen Salat zu machen Die großen Fragen der Liebe: Darf sie über ihn verfügen? Der Politologe Alfred Grosser über ein verpasstes Treffen. was in diesem Heft passiert 12 28 32 Deutschlands originellste Forscher Paolo Pellegrin porträtiert Amerika 6 8 10 11 30 40 44 45 46 49 54 Von der Schönheit des Welkens Harald Martenstein auf der Suche nach dem aktuellen Zinssatz Zwischen Ost.und Nordsee reift ein Käse. Michael Wesely 5 . Andri Pol Fotos Inhalt [M] Andrea Pol. stilvoll einen Rucksack zu tragen? Unser Autotester fragt sich. der heiter bis glücklich macht Die Deutschlandkarte der Hochhäuser: Warum hat Berlin so wenige davon? Unser Gesellschaftskritiker über die Kunst des würdevollen Verlierens Nora von Waldstätten bereitet sich ein Wiener Schnitzel zu – ganz für sich allein Die Sängerin Heather Nova träumt von ihrer Insel Ist es möglich. was die Generation Golf von der Generation Smart unterscheidet Der Sternekoch Vincent Klink rät. Paolo Pellegrin / Magnum Photos / Agentur Focus. 2 9 Alles.

innerhalb von Stunden. Ich spare gern. bei dem ich vier Prozent Zinsen kriege. Man spart. das Geld nehmen und in die Karibik abhauen können. sie wisse nicht. Vor zwei Wochen rief eine Dame von dieser Bank an. Wenn ein Chef mich mies behandelt. saßen. die damit wirbt. Der neue Zinssatz stand weder auf den Auszügen noch auf der Homepage. Auch ich habe. wie viel gibt es eigentlich für das vorhandene Guthaben? Die Frau antwortete. dass er noch eine Supergelegenheit anzubieten hätte.HARALD MARTENSTEIN Über seine persönliche Schuldenkrise: »Meine Ahnen tippten sich mit ihren Fingern an ihre Stirnen« Diese Kolumne heißt My big fat Greek column. ist. Von Zeit zu Zeit schickten sie Kontoauszüge. unter Anrechnung der Inflation. Irgendwann mache ich das. Harald. Vor ein paar Jahren habe ich meine Ersparnisse auf einem Konto geparkt. Nach ein paar Monaten passierte das Gleiche. dass ich mein überschüssiges Geld nicht etwa zur Tilgung meines Kredites verwende. Ob ich nicht wieder ein paar Euro auf mein Konto überweisen wolle.zeit. Meine Ahnen sagten: »Niemand in unserer Familie hat jemals einen Kredit aufgenommen. aha. Diesen Text hier verzeihe ich ihnen nie. um ihn herauszufinden. Folglich brauche ich ein Tagesgeldkonto. mich also haben die Banken dazu gebracht. Das Schlimmste aber. und wenn man genug Geld beisammenhat. Ich muss das noch mal langsam wiederholen. sechs Prozent Zinsen kosten. glaube ich. sondern es. Ich habe gesagt. Sparen ist für mich Lebensqualität. so etwas Klischeehaftes. einen. Der Zinssatz sank klammheimlich auf fast null. einen Mann. unter Pseudonym. Die Bank hatte den guten Zins einige Monate lang bezahlt und dann. einiges für die europäische Kultur geleistet und trotzdem Schulden gemacht. Ich will. versteht ihr?« Meine Ahnen tippten sich mit ihren Fingern an ihre Stirnen. da habe ich aufgepasst. Altlinkes und Unoriginelles wie eine AntiBanken-Kolumne zu verfassen. einen Sparvertrag. wie ehrlich sie ist. Niemals vorher. Großes Ehrenwort. all meine Ahnen am Tisch und schüttelten tadelnd ihre Köpfe. kauft man sich davon etwas. Während ich mit dem Bankberater sprach. Dieser Typ verkauft mir also einen Kredit für sechs Prozent. Sie würde mit ihren Zinsen immer im soliden Mittelfeld liegen. Es gab für den Zinssatz keine Befristung. bei ihm anlege. Mir kam das wie ein Verrat an den Idealen meiner Kindheit vor. dann möchte ich die Freiheit besitzen. Gut. sagte der Bankberater. was Banken mir jemals angetan haben. Nun ging ich zu einer Bank. Die Großbank hat an meinen Ersparnissen einen sogenannten Haircut vorgenommen. für niedrigere Zinsen. einen immerhin leidlich originellen Autor. wie die Griechen. dass sie mich dazu gebracht haben. Ich wechselte mein Geldinstitut. Es war ein Prozent. und unmittelbar danach will er mich dazu bringen. Der Kredit sollte. toll. während die Kreditzinsen interessanterweise stiegen. Nachdem ich unterschrieben hatte. Dort tauche ich unter und schreibe.« Ich flüsterte meinen Ahnen zu: »Ich will eine Wohnung kaufen. Ich musste anrufen und fünf Sachbearbeiter abklappern. der geistig eigene Wege zu gehen versucht. dass immer noch meine Ahnen im Raum waren. ohne ein Wort zu sagen.de / audio Illustration Fengel . ob sie mir das verraten dürfe. für ihn unsichtbar. wenn es mir stinkt. mich. für jeden neuen Euro zahle die Bank drei Prozent. ihm fröhlich »Viel Spaß mit dem Nachfolger« zu wünschen. der nicht jeden Medienscheiß gedankenlos nachplappern möchte. das gute Zinsen versprach. grenzdebile Western-Romane. 6 Zu hören unter www. den Zins auf nahezu null zurückgefahren. ich ging zu einer Großbank mit weniger hohen Zinsen. Mein Geld wurde erstaunlicherweise immer weniger.

eu) Das Essener Museum Folkwang zeigt vom 16. liegt die Rohmilchkäserei Backensholz. DAN & CORINA LECCA H H H . Die Sensation ist der DEICHKÄSE.eu. Der wurde 2009 bei den World Cheese Awards Zweiter Der Verlag Kook Books überzeugt diesmal mit einem GEDICHTBAND von Daniela Seel. New York. Kühn Keramik.100 % EI TE RB IS GLÜCK IC L Die ZEITmagazin-Entdeckungen der Woche Zwischen Husum und Schleswig. Serviettenringe und Becher »When your heart’s on fire / you must realize / smoke gets in your eyes« Aus dem Jazz-Klassiker »Smoke Gets In Your Eyes« von 1933. Oktober eine AUSSTELLUNG des Fotografen Joel Sternfeld – die Farbfotografien sind eine Zeitreise in die USA der siebziger Jahre Dieses SEIFENSCHÄLCHEN heißt Alice und wird von der Firma Kühn Keramik hergestellt. Dorothea Fiedler. Damit man vom Fliegen träumen kann (a-star-is-born. Juli bis zum 31. der in dem Film »Blue Valentine« jetzt zu neuen Ehren kommt Im vergangenen Jahr erschien bereits das Album »The Suburbs« von Arcade Fire – trotzdem braucht man die Special Edition. Außerdem im Sortiment: Kerzenständer. denn sie enthält den KURZFILM »Scenes from the suburbs« des Regisseurs Spike Jonze Die Farben! Der Schal! Die Stiefel! Dieses OUTFIT des Mannheimer Labels Schumacher steht exemplarisch für eine großartige Herbst/ Winter-Kollektion Fotos Backenscholz. Heiterer Titel: »Ich kann diese Stelle nicht wiederfinden« H Für kleine und große Astronauten eignet sich dieses RAKETENKISSEN von A Star Is Born. Courtesy of Joel Sternfeld and Luhring Augustine. 2011. Caroline Robert / City Slang.Andreas Hofweber / a-star-is-born.

aber keine gebaut. das mit den Hochhäusern nach dem Krieg auch die Schmach vergessen machen wollte. So wie in Frankfurt. Heute kann Berlin glücklich sein: erstens Hauptstadt. Hochhäuser sind teuer und lohnen sich. Die DDR schenkte Berlin dann immerhin ein paar hohe Türme. mit Amerika als Vorbild. wie wild Türme gezeichnet. die nur hoch und nicht besonders schön sein mussten. so rasch kam die Wirtschaftskrise. wenn überhaupt. In den zwanziger Jahren wurden hier.Deutschlandkarte 250 m HOCHHÄUSER Kölnturm Colonia-Haus 3-Towers-Cologne Uni-Center Köln 148 m 148 m 138 m 133 m Bonn Post Tower 163 m 200 m Leipzig City-Hochhaus 143 m Jena Jentower 133 m 150 m Nürnberg Business Tower 135 m Berlin Park Inn Berlin 128 m Treptower 125 m 100 m 50 m Frankfurt Commerzbank Tower 259 m MesseTurm 257 m Westend Tower 208 m Tower 185 (noch im Bau) 202 m Main Tower 200 m Trianon 186 m OpernTurm 170 m Silver Tower 167 m WestendGate 159 m Deutsche Bank I + II 158 m Skyper 154 m Eurotower 149 m City-Hochhaus 143 m Frankfurter Büro Center 142 m Gallileo 137 m Nextower 135 m Pollux 127 m Garden Towers 127 m München Uptown München 146 m HighLight Towers 126 m Die 30 höchsten Hochhäuser Deutschlands (Höhenangaben ohne Antenne) Berlin und die Hochhäuser fanden nie richtig zusammen. das zumeist von Westlern besucht wurde. darunter ein Hotel am Alexanderplatz. Die Nazis wollten nicht steil in die Höhe bauen (sie waren wohl größen-. weil sie Wolkenkratzer wahlweise für amerikanisch oder für bolschewistisch hielten. Matthias Stolz 10 Illustration Jörg Block Recherche Martin Fischer . nicht aber höhenwahnsinnig). nicht Westhauptstadt geworden zu sein. zweitens frei von Bauten. wenn Bauland extrem teuer ist. nur. Nach der Wende gab es wieder große Pläne: den Alexanderplatz mit Hochhäusern umstellen! Wurde auch nichts.

die Damen der Gesellschaft urteilen. Martin Meissner / dapd 11 . so die zeitgenössischen Quellen. Die europäische Geschichte indes kennt viele Beispiele von Haltung in der Niederlage. In Balzacs Roman Glanz und Elend der Kurtisanen verliert Lucien de Rubempré im Kartenspiel absichtlich gegen seinen Schwiegervater in spe.« So fein und zart können sich Gewinner und Verlierer wieder auf eine Stufe stellen. eine viel größere als das Verhalten im Sieg. vielleicht sogar halb humoristischen Ausrede hat sich David Haye.« Der andere. die Tapferkeit des niederländischen Widerstands. aber er hat es klaglos. Um jeden Anschein eines Vorwurfs zu vermeiden. großmütig zu bleiben und nicht allzu sehr aufzutrumpfen. murmelt er nur: »War nicht mein Tag. Lucien habe mit dem Manöver »Geist« gezeigt. Einer wird schwer verletzt. Velázquez hat in seinem fabelhaften Gemälde Die Übergabe von Breda den kapitulierenden Gegner sogar in den Mittelpunkt gestellt. Klitschko-Gegner David Haye in Hamburg Über stilvolles Verlieren Der verehrungswürdige Tennisspieler Roger Federer ist dieses Jahr früh in Wimbledon ausgeschieden. als es von einem Sportler seines Formats zu erwarten ist. das eigentlich nur verlangt. Manchmal liegt die höchste Form des Taktes sogar in der kalkulierten Niederlage. jedoch immer noch ehrenhaft. die fast befreundet waren. auf die frühere Jahrhunderte viel gaben. nämlich über den Umweg einer kleinen. mit viel Haltung und Würde hingenommen. So gehört es sich. Die Bescheidenheit im Sieg. der Gegner des Boxriesen Wladimir Klitschko. aber auch Politiker nicht alles aus. wider Willen Siegreiche: »Meiner auch nicht. Es nützt ihm dann doch nichts. aber für das Auge der Gesellschaft ein Duell vorzuführen hatten. niemals ist der Schlüssel einer eroberten Stadt ehrerbietiger an den Sieger übergeben worden als von dem niederländischen Kommandanten Justinus von Nassau – und der siegreiche spanische General Ambrosio Spinola erweist ihm seinerseits die Ehre: Er richtet ihn auf und preist. ist freilich ziemlich außer Kurs geraten und noch mehr die Demut im Untergang. um nicht als Versager dazustehen! Der Trainer der nordkoreanischen Frauenfußballmannschaft schob das ganze Elend sogar auf einen ominösen Blitzschlag. und sie ist auch regelmäßig erkannt und anerkannt worden. Jens Jessen Foto Alastair Grant / dapd.Gesellschaftskritik Ehrenvoll gescheitert: Roger Federer (links) in Wimbledon. um dessen (im Übrigen berechtigtes) Misstrauen zu besiegen. in die Niederlage gefügt: Er habe sich den kleinen Zeh gebrochen. früher jedenfalls. Familiär überliefert ist die Geschichte von den beiden Duellanten. zumindest nichts gegeneinander hatten. aber er hat immerhin geglänzt. Was denken sich die Sportler. Nicht ganz so würdig. Der Umgang mit dem Scheitern ist eine Kunst.

Die Gelehrten-Republik Roman Inderst. Wirtschaftswissenschaftler Seite 24 Julia Fischer. Bioinformatiker Seite 18 12 . Affenforscherin Seite 15 Nikolaus Rajewski.

Klaus Rajewski. sondern um Erkenntnis. Philosophin Seite 26 Ihnen geht es nicht um Titel. Zu Besuch bei den spannendsten Forschern Deutschlands 13 . Rechtswissenschaftler Seite 16 Rahel Jaeggi. Krebsforscher Seite 18 Christoph Möllers.

Vater und Sohn. Wir haben mit ihnen darüber gesprochen. Auf ihrer klugen Verwendung basiert nicht nur unsere Ökonomie. wenn sie den Nobelpreis bekommen. werden vielfach geehrt. wie sie ihre Arbeit sehen und an welchen Fragen sich ihre »Hirnlust« entzündet. Willkommen in der zeitmagazin Gelehrten-Republik! nr . gebe uns die »Hirnlust«. die wir mit einem Aha-Erlebnis verknüpfen. »Das hab ich schon in der Schule nie kapiert«. Stattdessen leben sie in einer Art Parallelwelt. dem Gelobten Land der Wissenschaft. eilen von Kongress zu Kongress – doch in der Öffentlichkeit findet ihre Arbeit kaum Widerhall. ist meist das Netteste. der dem Sexualtrieb ganz ähnlich sei. Anders gesagt: Kreativität und kritisches Denken sind die einzigen Rohstoffe. sondern um die zentrale Frage.und Entwicklungsabteilungen. Denn nichts charakterisiert unsere Spezies so sehr wie der Drang.J e d e r ke n n t d i e N a m e n vo n S p o r t l e r n . stand die Geschäftsgrundlage der Wissenschaft zur Disposition: Es ging eben nicht um fehlerhafte Fußnoten. Doch im umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Bedeutung der Wissenschaft steht die Achtung.« Darum empfinde Homo sapiens eine unstillbare Lust daran. Von dem Hirnforscher Valentin Braitenberg stammt die – halb ernst. alle Parteien sind sich einig. Schon merkwürdig: In jeder Sonntagsrede wird die »Bildungsrepublik« beschworen. dass weite Teile von Politik und Öffentlichkeit die Tragweite des Guttenbergschen Betrugs gar nicht zu erfassen schienen. Musiker oder Sportler – hierzulande nicht als Stars. Menschen verfügten über einen »Kapiertrieb«. haben seither noch weitere Politiker (Koch-Mehrin. sie habe den Verteidigungsminister nicht »als wissenschaftlichen Assistenten« angestellt. über die Deutschland unbegrenzt verfügt. halb scherzhaft gemeinte – Theorie. sagt Braitenberg. Po l i t i ke r n . was man zu hören bekommt. das sich beim gemeinsamen Lösen eines lange bearbeiteten Rätsels einstellt. Stellvertretend für sie alle porträtieren wir auf den folgenden Seiten sechs von ihnen – eine Philosophin und eine Verhaltensforscherin. Rund dreihunderttausend sind es. Wie groß diese Kluft ist. was sie umtreibt. die hierzulande an neuen Ideen arbeiten. in dem offenbar »die Verbreitung ehrenhafter akademischer Werte« noch immer hochgehalten werde – anders etwa als in Italien. Unabhängig davon wird der moderne Wissenschaftsbetrieb natürlich auch von wirtschaftlichen und politischen Interessen angetrieben. Dort wurde vor drei Jahren bekannt. Trotz aller – berechtigten – Klagen über die Zustände an den Universitäten finden Forscher hierzulande inzwischen teils günstigere Arbeitsbedingungen als in den USA. immer Neues zu entdecken und sich einen Reim auf die Welt zu machen. Das wurde im Ausland genau registriert. meint Braitenberg. Chatzimarkakis) zu spüren bekommen. Schade eigentlich. Dass das Ethos der Forschung hierzulande mehr zählt. die sie hierzulande genießt. einen Rechtswissenschaftler sowie zwei Biologen. dass ausgerechnet die Bildungsministerin sich einen akademischen Titel erschlichen hatte. Mit Atomphysik oder Gentechnik kann man auf einer Party jedes Gespräch abwürgen. die man mit angezogenen Hosen tun« könne. Und es gibt wenig Aufregenderes – da hat Science recht – als das Glücksgefühl. erhellte blitzlichtartig die Guttenberg-Affäre: Schockiert nahmen viele Forscher zur Kenntnis. Unsere klügsten Köpfe gelten – anders als Schauspieler. Im britischen Fachblatt Nature erschien eine Lobeshymne auf das »Land der Dichter und Denker«. 14 Irgendwann in grauer Vorzeit müsse dazu in den Köpfen unserer Ahnen eine Verbindung entstanden sein zwischen den Arealen des logischen Denkens und einem Hirnzentrum. »Die Vermutung liegt nahe«. Denn bei vielen Zukunftsthemen – von der Vorhersage des Klimawandels über die Entwicklung »sanfter« Energien bis zum Aufspüren eines Ehec-Keimes – verlangt die Gesellschaft nach wissenschaftlichen Antworten. Sie sind unter Fachkollegen berühmt. Und daran ändert sich in Deutschland meist nicht einmal etwas.  . Doch was Forscher tatsächlich tun und was sie umtreibt. ist den meisten herzlich unbekannt. befand die Zeitschrift Science einmal und beschrieb damit die Stimmung vieler Forscher. Spätestens mit der Erklärung von Angela Merkel. Und auch finanziell wurde die Wissenschaft in Deutschland in den vergangenen Jahren kräftig gefördert. Schließlich hat wissenschaftliches Denken viel mit Lust zu tun (was der Schulunterricht leider erfolgreich verdrängt). sondern letztlich ein Großteil unserer Kultur. in Hochschulen. U n s e r e W i s s e n s c h a f t l e r k e n n t k a u m e i n e r. »dass es sich dabei um das Sexualzentrum handelt. Und den entscheidenden Kick dazu. doch im Lande Berlusconis verhallten sie ungehört. Wa r u m e i g e n t l i c h ? Von ULRICH SCHNABEL Fotos ANDRI POL W I S S E N S C H A F T S E I »die aufregendste Sache. Allerdings ist damit nur der romantische Impuls des Forschens beschrieben. über welches Potenzial die »Gelehrten-Republik Deutschland« verfügt und welcher Schatz in den Köpfen hiesiger Forscher(innen) schlummert. die einer echten Forscherdynastie entstammen. das Lust vermittelt. das Puzzle der Einzelheiten zu einem Ganzen zu fügen und neue Verknüpfungen zu erkennen – sei es beim Lösen eines Sudoku-Rätsels oder beim Aufdecken eines mathematischen Theorems. einen Ökonomen. Nur in der Öffentlichkeit scheint noch nicht so richtig angekommen zu sein. Kurze Zeit stand das alles auf der Kippe – bevor sich dann doch die wissenschaft- lichen Standards durchsetzten. M a n a g e r n . Forschungs. wie zukunftsweisend Wissenschaft ist. es gab ebenfalls massive Proteste der Wissenschaft. Außerhalb des Labors hat man als Wissenschaftler jedoch einen schweren Stand. welchen Stellenwert hierzulande das wissenschaftliche Streben nach Wahrheit und Redlichkeit genießt.

wo sie inzwischen eine eigene Feldstation betreibt. Dass sie dort. »Sie fangen zwar nicht an zu reden«. dass Kate Moss hübscher ist als Angela Merkel. Videokamera und Aufnahmegerät streifte sie durch die Savanne Botswanas. Mit Fernglas. um die sich Fischers Arbeit als Biologin dreht. erklärt die 44-jährige Primatologin. Von ULRICH SCHNABEL und HILAL SEZGIN Ein Gespräch mit Julia Fischer hat einigen Unterhaltungswert. die wir nicht in den Blick bekommen. das beim Menschen auch Sprachgen genannt wird. und über die Affen. sondern springt als Wissenschaftlerin zwi- Julia Fischer. nach Stationen an der Harvard University und dem Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. dass man immer noch an derselben Fragestellung wie vor fünf Jahren arbeite. Mittlerweile fährt die Primatologin regelmäßig für einige Wochen in den Senegal. Die Biologie sei zwar »ganz wichtig. sagt Fischer. aber sie liefert nur einen Teil der Erklärung«. Gefragt. Sie hat gelernt. andere lassen ihr Neugeborenes irgendwo schreiend sitzen. erforscht die Kommunikation von Affen und anderen Tieren. wie das neue biologische Selbstbild des Menschen denn aussehe.« Denn ihr wurde bewusst. Einfache Antworten.« Und wenn man alle paar Jahre evaluiert werde. sei es schwer. Schon in der Schule interessierte sich Fischer für Biologie. allerdings verändere sich ihre Gehirnarchitektur. u n d w a s h e i ß t das für uns. Pflanzt man etwa Mäuse-Embryonen eine humane Variante dieses Gens ein. Der moderne Wissenschaftsbetrieb aber ist ungeduldig. An gentechnisch veränderten Mäusen untersuchte sie die Wirkung des FOXP2-Gens. Manchmal stößt sie leise Kecker.« Doch ihre Eltern diskutierten gesellschaftspolitische Fragen mit ihr und begeisterten sie für die Wissenschaft. »Die einen betreiben reine Freilandforschung. die sie in Botswana studierte. Denn die Wirkung von Genen müsse man stets im Netzwerk des Gesamtsystems betrachten. den gibt es nicht mehr.« 18 Monate lang war Fischer im Dschungel. »Doch viele Forschungsprojekte dauern eben. Doch anders als diese drei ist Julia Fischer keine im Busch lebende Einzelkämpferin. »Es entstehen mehr Verbindungen zwischen den Nervenzellen und bestimmten Gehirnarealen. In Botswana untersuchte sie. andere studieren Affen im Labor und machen Lernexperimente. man hat kaum mehr Zeit. Manche Mütter sind überprotektiv und halten ihr Kind krampfhaft fest. Biruté Galdikas –. bis ein weiteres Puzzlestück gefunden ist. fragt sich Julia Fischer schen verschiedenen Welten hin und her. »Nehmen wir das beliebte Beispiel Partnerwahl. einmal Professorin für kognitive Ethologie werden würde. Und selbst dieses »Gesamtbild« bleibt nur ein Teil des großen Ganzen. lernte Fischer. Seit 2004 leitet sie die Forschungsgruppe Kognitive Ethologie am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. sagt Fischer. Da gibt es das ganze Verhaltensspektrum. man kann Leute Zeitschriften durchblättern lassen. Menschliches Verhalten ist äußerst komplex. bis man etwas Substanzielles zum Gesamtbild beitragen kann«. einer der weltweit größten und bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art. dass die Kommunikation der Affen wesentlich komplexer war als angenommen. sagt Fischer. spielte Bärenpavianen ihre eigenen Rufe oder die von anderen Tieren vor und studierte die Reaktionen der Tiere.« Ist das nun enttäuschend oder beruhigend? Julia Fischer jedenfalls sieht es vor allem positiv: Ihr werden die Forschungsfragen so schnell nicht ausgehen. Klar. Was macht den Menschen aus? Was unterscheidet uns vom Tier? Wie sehen Affen die Welt? Das sind die Kernfragen. dann begeisterte eine Unterredung mit Biologen sie für die Naturbeobachtung. Fast könnte man sie für eine Nachfolgerin jener berühmten Affenforscherinnen halten – Jane Goodall. Eine Zeit lang arbeitete sie für Greenpeace. wie sich Paviane verständigen. »Das Tempo ist extrem hochgefahren. selbstsichere Frau aufmerksam und boten ihr die Leitung ihres weltberühmten Baboon-Camps in Botswana an.« So gehen viele Jahre ins Land.« Das zeige den Vorteil der menschlichen Genvariante – »Sprache ist schließlich auch Motorik«. Und als sie später selbst als Gastwissenschaftlerin in den USA einen Vortrag hielt. Während ihres Studiums wurde ein Buch des amerikanischen Forscherpaares Dorothy Cheney und Robert Seyfarth – Wie Affen die Welt sehen – zu ihrer »Bibel«. »Naturwissenschaftler gab es bei uns in der Familie bisher nicht. ein Thema richtig zu durchdringen. liefert die Verhaltensbiologie eben nur selten. und Fischer ist sich der Grenzen ihrer Disziplin stets bewusst.W i e s e h e n A f f e n d i e We l t . dass sie – trotz aller Vertrautheit – keine Ahnung hatte. die für Motorik zuständig sind. wurden ausgerechnet Cheney und Seyfarth auf die junge. um den Menschen zu verstehen. 44. Aber noch sei vieles ungeklärt. und dann finden die. war Fischer nicht vorgezeichnet. desto fremder erschienen sie mir. wird Fischer vorsichtig. die Affen zu unterscheiden und immer öfter ihr Verhalten vorherzusagen. Ansonsten arbeitet sie am Deutschen Primatenzentrum mit den modernsten Methoden ihrer Zunft. Ihre Erfahrungen in der Wissenschaft hat sie als Mitherausgeberin des »Campus-Knigge« verarbeitet 15 .und Grunzlaute von Pavianen aus. die ihr Leben den Menschenaffen widmeten. »Verhaltensforschung ist vor allem ein Geduldsspiel«. Dian Fossey. spricht sie wie über die Schmidts von nebenan: »Das sind alles sehr unterschiedliche Persönlichkeiten.« Sie kombiniert beide Methoden: Sie beobachtet Affen in ihrem natürlichen Lebensraum und macht mit ihnen Intelligenztests in ihrem Labor am Deutschen Primatenzentrum Göttingen. Und doch hatte sie das Gefühl: »Je länger ich sie beobachtete. »Dieser naive Glaube. was in den Tieren vorgeht. der vielleicht vor zehn Jahren noch geherrscht hat – wenn wir erst mal alle Gene entschlüsselt haben. Dabei zeigte sich. dann verstehen wir alles –. Aber mit wem sie dann wirklich ins Bett gehen und Kinder haben – dahinter stehen noch ganz andere Faktoren wie gesellschaftliche Konventionen und ökonomische Aspekte. »Es gibt in der Affenforschung verschiedene Traditionen«. verändern sich deren Laute. zu sagen.

randlose Brille. bei der Möllers nicht vorbeischaut. Schon mit zwanzig habe er Professor für Öffentliches Recht werden wollen. die gar nicht erst so tut. Der dichte dunkle Schopf gibt ihm etwas Jungenhaftes. Ich habe halt immer gern geschrieben und gern unterrichtet. »vorzuführen. der ihm ernst ist. jagt von These zu These. der an der Volkshochschule unterrichtet hat. In der FAZ schreibt Möllers eine Kolumne. das klassischen Fragen der Rechtsphilosophie nachgeht: Woran orientiert sich eigentlich das Recht. sitzt als Sachverständiger in Anhörungen des Bundestages. ist einer der jungen Stars seines Fachs. ist aber so. auf eine Weise. Aber in Wahrheit kann man sich Möllers nirgendwo anders als in Berlin vorstellen. »ich bin schon der Sohn eines Vaters. und wenn die SPD mal wieder einen Richter für Karlsruhe vorschlagen darf. in der er abgelegene. sagt Möllers. Ihn reizt es eher. ist mir fremd«. kritisieren. Und ich wollte etwas machen.« Klar. In Wahrheit heißt das. das Gespräch über das Recht aus dem engen Kreis der Juristen herauszuholen. »klingt schrecklich. Der Professor an der Humboldt-Universität. geboren in Bochum. Er wünsche sich »eine Wissenschaft. viele der bedeutendsten deutschen Juristen sind hier Unter den Linden herumspaziert. Bei aller Betriebsamkeit aber beharrt er darauf. wie er sagt. ihrer Anwendbarkeit im praktischen Geschäft. ich weiß. gilt Möllers als heißer Kandidat. »aber für mich ist es dennoch die Wahrheit. Nach Stationen in Chicago und New York habilitierte er sich 2004 mit einer Arbeit zur Gewaltenteilung. zuletzt beim Streit um die Vorratsdatenspeicherung. Philosophie und Komparatistik in Tübingen. in Heidelberg seine Habilitationsschrift verfasst. fragt sich Christoph Möllers tellektuelle Niveau höher.« Eine Fakultät mit zwei Lehrstühlen für Verfassungsrecht kann sich die besten Bewerber aussuchen. Er hat etwas Nervöses. ich komme nicht durch«. wenn es eine Regelung vorschreibt? An Moral und universellen Menschenrechten – und taugt die Moral überhaupt als Bezugsrahmen? »Das Bedürfnis. Dreitagebart. Er schreibt unfassbar viel. dass ihn vor allem die Theorie umtreibe. nie um ein Urteil verlegen. auf das Gemeinwohl zu reduzieren.« Es müsse möglich sein. Er spricht schnell. Sein recht karges Büro hat er im historischen Zentrum. deuten kann«. auf das Gute. Er lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie 16 . Möllers ist SPD-Mitglied. einmal drei Jahre lang nichts anderes zu tun. im Alten Palais. es sei schon viel.« Von HEINRICH WEFING Minuten vor der vereinbarten Zeit kommt Christoph Möllers ins Restaurant gefegt – heller Sommeranzug. Eine entschiedene Haltung. Parallelen wie Unterschiede verstehen. über Gewaltenteilung oder Bahnprivatisierung. Fragt man ihn nach dem Nutzen solcher Studien.« Punkt. wie zu seinen Erfahrungen an der Law School in Chicago: »Das war mit Abstand das beste akademische Jahr meines Lebens. Mitte April kam sein erstes Kind zur Welt. diesmal ohne Erfolg. die die Gesellschaft an die eigene Kritik formuliert«. weil Menschen andere Fragen stellen. Die wird vielleicht mal wichtig. Gerade ringt er mit einem Buch. sagt er. die gerade ans Bundesverfassungsgericht berufen wurde. Jahrgang 1969. und heute lehrt an der Humboldt-Universität mancher Großmeister seines Faches. sagt er. ein Spaß. Vielleicht ist das ein zentraler Antrieb seines Auftretens: der Versuch. zusammendenken. das in- Christoph Möllers. ist nicht anwendbar. weil sie Diskurse verschiebt. mitunter kuriose Urteile kommentiert. Wissenschaft. früher Kaiser-Wilhelm-Palais. er wird radikal: »Die Theorie. aber heute sieht der Verfassungsjurist ein wenig blass aus. Ein geschichtsträchtiger Ort. Er ist öffentlich viel sichtbarer als die meisten Kollegen. das man erörtern. »einer typischen Cappuccino-Gemeinde«. wird Möllers »zögerlich«. sagt Möllers. München und Berlin. kommen auch weniger brillante Kandidaten zum Zug. die mich interessiert. und jetzt ist es noch rätselhafter. 42. Aber was mich wissenschaftlich interessiert. studierte Rechtswissenschaften. sagt er lachend. das Recht ganz auf Menschenrechte. vertritt die Bundesregierung vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe. sei »zunächst einmal ein Ruheraum für Reflexion«. ein Junge. zu den Folgen von WikiLeaks. »Es sind ganz tolle Leute hier. ist nicht anwendbar. als lasse sich alle Forschung rasch und effizient verwerten. »Ja«. dem die DDR alles Wilhelminische austrieb. das ist ein Segen«. Und doch packe ihn ab und zu Sehnsucht nach der Idylle süddeutscher Universitätsstädte. sondern auch das Niveau der Professoren. die quer liegt zu den Erwartungen. sehr Urbanes an sich. es gebe Tage. ästhetischen etwa. dass Recht etwas ist. Sind zehn Lehrstühle zu besetzen. als ein Buch zu schreiben. Er bemühe sich. die Profs waren besser vorbereitet«. wie Möllers sein immenses Pensum bewältigt. Aber hochschulpolitisch kennt er keine Sozialromantik: »Die Massenuniversität hat nicht nur das Niveau der Studierenden im Schnitt gesenkt. Ja.« Heute schreibt er verfassungsrechtliche Gutachten. Möllers lächelt: »Das ist jetzt furchtbar abstrakt formuliert. Dabei hat Möllers ein irres Tempo. das Recht als Text zu lesen und mit anderen Texten zu vergleichen. sagt er. von den Grünen trieb ihn der dort verbreitete Antiamerikanismus fort. Dabei ist Möllers alles andere als ein Privatgelehrter. das politisch ist und theoretisch.Wo r a n o r i e n t i e r t s i c h e i g e n t l i c h d a s Recht. »das reine Glück«. solche Vergleiche seien immer problematisch. Dieter Grimm etwa. Christian Tomuschat oder Susanne Baer. und ihn reizt ganz offenkundig die Nähe zum politischen Betrieb. In Tübingen und München hat er studiert. Sein populäres Büchlein über »Zumutungen und Versprechen« der Demokratie ist ein Glücksfall durchsichtiger Vermittlung komplexer Materie. Da wurde intellektuell tausendmal mehr geboten als an jeder juristischen Fakultät in Deutschland. Er will rechtliche Urteile mit anderen Urteilen. die ergebnisoffen die Gesellschaft analysiert. Das werde im deutschen wissenschaftspolitischen Diskurs langsam wieder begriffen. »da muss ich zwölf Sachen machen und habe das Gefühl. das Angebot war breiter. sagt Möllers. In Berlin gibt es kaum eine verfassungspolitisch bedeutende Veranstaltung. Möllers lehrt seit Herbst 2009 in Berlin. Er hat eine ebenso dezidierte Meinung zur Predigtqualität in seiner Herz-Jesu-Kirche in Prenzlauer Berg.

»Bisher war es aufregend. jetzt wird es dramatisch« Vater und Sohn über die unglaublichen Fortschritte der Humanbiologie 18 .

Krebsforscher Klaus Rajewsky schrammte knapp am Nobelpreis vorbei und steht mit 74 noch im Labor Sein Sohn Nikolaus studierte Musik und Physik – heute ist er Bioinformatiker .

. Sie wollten beide etwas anderes machen als Ihre Väter – und sind doch beide in der Biologie gelandet. sondern folgte einem Ruf an die Harvard Medical School. dass viele Musiker nicht besonders glücklich sind.. Nun kommt er mit 74 nach Deutschland zurück – um weiterzuforschen 20 . Studenten konnten direkt im Labor mitarbeiten. was ich von meinem Vater kannte. später Max-Planck-Gesellschaft. NIKOLAUS RAJEWSKY: Stimmt. bei der der Referierende oft völlig in den Hintergrund geriet. Was ich in Paris erlebte. Mit 65 Jahren ging er nicht in den Ruhestand. Sie haben selbst fast vierzig Jahre in Köln gearbeitet und dort unter anderem die Klaus Rajewsky. Nikolaus? Hat Sie Ihr Vater indoktriniert? NIKOLAUS RAJEWSKY: Nein.. Sie. Nur ganz wenige machen eine steile Karriere und haben dann die Freiheit. schon Ihr Vater Boris war in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein bekannter Biophysiker. Am Ende blieb die Medizin übrig. Max Delbrück. KLAUS RAJEWSKY: Dabei warst du einmal als Schüler Co-Autor einer wissenschaftlichen Arbeit von mir. in dem Wissenschaft sehr hierarchisch und im alten Stil betrieben wurde – ich fühlte mich da nicht wohl. 35 Jahre arbeitete er in Köln. Ihr Bruder ist Krebsforscher . der mit komplexen Daten umgehen kann. sondern man macht sie. mein Onkel Professor für Mechanik. KLAUS RAJEWSKY: Außerdem bewahrt einen der Wissenschaftsberuf vor dem Versteinern. Und dort erlebte ich in den Seminaren bei Jacques Monod und François Jacob eine für mich neue. die Fragen stellen und neue Ideen produzieren. Den führte er in Köln ein. und wenn der Vortragende anfing. bot das unglaubliche Möglichkeiten. NIKOLAUS RAJEWSKY: Meine Mutter war Professorin für Politikwissenschaft . die mir zu einem Brotberuf rieten. um abends seinen Feierabend zu genießen. aber fand es faszinierend. war eine Gegenwelt. Sie haben sowohl Physik wie Musik studiert. Teilen Sie eine Art Gen für wissenschaftliches Interesse? KLAUS RAJEWSKY: Am Ende der Schulzeit war ich mir sehr unsicher. Es macht mir Spaß. Die Mehrheit muss mit vielen Einschränkungen kämpfen. Auch hier gab es kleine Gruppen. Das entsprach auch nicht dem. 74. Die Forschung selbst bringt immer wieder Neues. Für jemanden wie mich. Nikolaus. herrschten dort tatsächlich ähnliche Verhältnisse. begann bald eine extrem lebendige Diskussion.. dass es in meinem Feld Klaus Rajewsky in der theoretischen Physik in den letzten 10. Als Institutsdirektor war er eine Art Wissenschaftsgott gewesen. Und man arbeitet ständig mit jungen Leuten. gar nicht. hatte unter anderem ein Gespräch mit den Vordenkern der Frankfurter Schule. aufregende wissenschaftliche Atmosphäre. und entwickelte die Methode der sogenannten Knock-out-Mäuse. zu dem man morgens hingeht. Das habe ich neben der Schule mithilfe meines Homecomputers gelöst. den Dingen auf den Grund zu gehen. Nach dem Studium ging ich dann ans Institut Pasteur in Paris. KLAUS RAJEWSKY: Und ihr Bruder wiederum ist Professor für Alte Geschichte und Numismatik. Die jungen Leute saßen auf den Tischen.. Geheimnisse aufzudecken. viel Interaktion. KLAUS RAJEWSKY: Meine Tante war Professorin für Anglistik.. Durch den berühmten Bakteriophagenkurs des Instituts gingen nahezu sämtliche Leute durch. war ja 1937 aus Deutschland emigriert und hatte am Caltech in Kalifornien den amerikanischen Arbeitsstil kennengelernt. Wahrscheinlich gab dieses Gefühl den Ausschlag: Hier ist Kreativität möglich. Rückblickend kann man sagen: Das Kölner Institut war ein wirklicher Glücksfall für die Republik. der über allem schwebte. Ansonsten war mir von Kindesbeinen an eher klar: Ich will auf keinen Fall dasselbe machen wie mein Vater. wie da ohne jede Hemmung und mit Leidenschaft debattiert wurde. ist einer der einflussreichsten deutschen Forscher auf dem Gebiet der Genetik und der Krebsforschung. Und sie erleben weniger katastrophale Konsequenzen. wie sie es sich vorstellen. hätten ja auch Pianist werden können. weil sie einen wirklich interessiert. Ich habe zwar das meiste nicht verstanden. die später in der Molekularbiologie in Deutschland einflussreich wurden. Wie erklären Sie sich das? Wurde bei Ihnen zu Hause schon im Kinderzimmer über Wissenschaft diskutiert? KLAUS RAJEWSKY: Bei uns wurde zu Hause jedenfalls nicht über Geschäfte und Geld geredet. Was gab den Ausschlag für die Wissenschaft? NIKOLAUS RAJEWSKY: Ich habe früh gespürt. Der war ja Direktor eines Instituts der Kaiser-Wilhelm-. Das war irrsinnig belebend. 20 Jahren keine großen Fortschritte mehr gegeben hatte. In der Biologie hingegen herrschte Ende der neunziger Jahre eine Atmosphäre wie im Wilden Westen: Alles schien plötzlich möglich. meine Schwester Soziologin . es ging sehr ungezwungen zu. Und wieso landet man nach einem Physikstudium dann doch bei der Biologie? NIKOLAUS RAJEWSKY: Als Postdoc in den USA wurde mir klar. Was fasziniert Sie an der Wissenschaft? NIKOLAUS RAJEWSKY: Mich treibt in erster Linie meine Neugier. Ihr hattet bei euren Mäuse-Experimenten ein statistisches Problem.Von ULRICH SCHNABEL und M A R T I N S P I E WA K Sie stammen aus einer wahren Forscherdynastie: Klaus. ist erfüllter Lebensinhalt. dass sie weniger vom Kampf ums Überleben geprägt sind. was ich beruflich machen sollte. so zu leben. die Molekularbiologie und die Genetik wurden zunehmend mathematisch beschreibbar. KLAUS RAJEWSKY: Dennoch haben Musiker und Wissenschaftler etwas gemeinsam: Was sie tun. Ich interessierte mich ohnehin für Physik und Musik und nicht für Biologie. Sind Wissenschaftler die glücklicheren Menschen? (allgemeines Gelächter) NIKOLAUS RAJEWSKY: Man kann vielleicht sagen. am Institut für Genetik. wenn sie sich mal den Daumen verletzen. Die Arbeit ist kein Job. Max Horkheimer und Theodor Adorno. Das kannten Sie nicht aus Ihrem Studium in Deutschland? KLAUS RAJEWSKY: Nein. Haben Sie denn die ungezwungene Atmosphäre vom Institut Pasteur später auch in Deutschland gefunden? KLAUS RAJEWSKY: Als ich 1964 an das Institut für Genetik der Universität Köln kam. Und Sie. Einer der Gründer.

nach der Entschlüsselung des Genoms das »Buch des Lebens« zu verstehen. konnte man schon beliebige Gene in der Maus gezielt verändern. Trotz der Fortschritte haben sich die genetischen Wechselwirkungen als enorm komplex herausgestellt. hat sich nicht erfüllt. Zudem gibt es eine Kultur des Sich-gegenseitig-Helfens. Von Tierschützern kam auch Kritik.. In zehn Jahren werden viele Krebsformen therapierbar sein. Nikolaus Rajewsky KLAUS RAJEWSKY: . All das hätte man sich nicht träumen lassen. In Deutschland hingegen waren nicht alle von Ihrer Mäuseforschung begeistert. braucht man sowohl leistungsfähige Computer als auch Leute. KLAUS RAJEWSKY: Als ich anfing..Technik der sogenannten Knock-out-Mäuse mit entwickelt. die Komplexität mithilfe mathematischer Modelle und entsprechender Simulationen zu beschreiben. 43. Den Nobelpreis dafür haben dann allerdings zwei Amerikaner und ein Engländer bekommen. Inzwischen ist das für fast alle der vielen Tausend Gene im Genom geschehen. die wir hier am Max-Delbrück-Centrum (MDC) in BerlinBuch betreiben: Wir versuchen. Ich finde. Sie haben lange in den USA gearbeitet. Damit könnte man eine ganze Bibliothek füllen. In Deutschland ist ja die wissenschaftliche Festanstellung so etwas wie der Heilige Gral. leitet am Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Berlin-Buch das neu gegründete Institut für Medizinische Systembiologie. darauf arbeiten die Leute mit aller Kraft hin – und schlaffen dann. NIKOLAUS RAJEWSKY: An dieser Stelle setzt jetzt die Systembiologie an. Das schafft eine völlig andere Atmosphäre. Manche sind es ja jetzt schon. die die Ausprägung der Gene während der Entwicklung des Organismus und in den verschiedenen Zelltypen kontrollieren. dass die drei den Preis bekommen haben. Wurmte Sie das? KLAUS RAJEWSKY: Spontan dachte ich: Toll. Die regulatorischen Mechanismen zum Beispiel . man hat durch die Entschlüsselung des Genoms enorm viel gelernt. gibt es inzwischen gezielte molekulare Therapien. Die Hoffnung. Aber auch denen hat sich vermittelt. Gerade bei der Erforschung von Krebs. in den USA gibt es insgesamt viel weniger Sicherheit im Beruf. war Professor für Biomathematik an der New York University und übernahm 2006 am MDC den ehemaligen Lehrstuhl von Jens Reich. Aber natürlich wäre ich gerne mit von der Partie gewesen. Nikolaus Rajewsky. da fängt die Arbeit erst richtig an. die auf der Kenntnis der Funktion bestimmter Gene beruhen. dass solche Experimente für die Medizin wertvoll sind. Der Sohn von Klaus Rajewsky studierte Physik sowie Musik.. Als ich nach 40 Jahren aus Köln wegging. Um aber diese Daten zu verstehen. Ist das auch desillusionierend? NIKOLAUS RAJEWSKY: Das sehe ich nicht so. Ja. In Amerika weiß jeder: Selbst Dauerstellen können schnell ins Wanken geraten. die sich mit Mathematik. wenn sie es geschafft haben.. Vergangenes Jahr wurde er mit dem Berliner Wissenschaftspreis ausgezeichnet . bei denen gezielt einzelne Gene ausgeschaltet sind. Denn wir sehen uns mit einer ungeheuren Flut an Daten konfrontiert: In nicht allzu ferner Zukunft wird man Ihr Genom in wenigen Minuten für ein paar Euro entschlüsseln können. welche Funktion sie im Säugetier-Organismus haben. NIKOLAUS RAJEWSKY: Andererseits ist noch wahnsinnig viel unverstanden. KLAUS RAJEWSKY: Es gab in der Tat einmal einen Protestmarsch von Tierschützern zum Kölner Institut. einem meiner Interessengebiete. Herrscht dort noch immer ein anderes Klima in der Wissenschaft? NIKOLAUS RAJEWSKY: Natürlich. Alle wissen: Sie sitzen im selben Boot. nicht selten ab. Statistik und Biologie auskennen und die Daten analysieren können. als ich anfing. wusste man nur von ganz wenigen Genen.

Die Arbeit machte Spaß. dass ihnen wenig Zeit bleibt. Nacht-Wissenschaft. Das ist mit den Gehältern von Nachwuchswissenschaftlern nicht zu schaffen. Wäre das anders. meist besser als in den USA. ist zum Teil erschütternd. dass sie als junge Mütter in der Wissenschaft häufig nicht richtig ernst genommen werden. Auch das allgemeine Klima ist kinderfeindlich: Mehrere Forscherinnen haben mir erzählt. wenn Leute mit dem Kopf arbeiten und kritische Fragen stellen. Man hat kaum noch Freiraum. Sie gingen mit 65 Jahren an die Harvard University. Nun kommen Sie mit 74 Jahren wieder zurück. Ferien sind Nebensache. dass auf ihrem Laptop keine Kinderbilder zu sehen sind. Wer von Ihnen beneidet eigentlich wen: der Jüngere den Älteren. Und nicht zuletzt mag ich Berlin. Mit ihm hatte ich schon in den USA kooperiert. ist die Titelhierarchie vollkommen irrelevant. das lässt sich dort kaum mehr finanzieren. aber dieser Drive führt zu einer Riesenproduktivität und dem Willen. Sie haben die Erfahrung gemacht. hier ohne Altersgrenze weiterforschen zu können. wird dramatisch. Die große Tradition Berlins als Wissenschaftsstadt wurde ja von den Nazis richtiggehend » Wa s N e w Yo r k i n d e n siebziger und London in den neunziger Jahren wa r. noch entspannt über etwas nachzudenken. Was jetzt kommt. Für meine Postdocs in Boston ist die Aussicht auf Berlin ein absolut positiver Punkt. dass es in Deutschland so wenige Forscherinnen gibt. die sich selbstständig machen wollen. dann fragen die erst einmal: Was soll ich bei Ihnen bearbeiten? In den USA wissen alle. dass sie selbst gefordert sind. Andererseits herrscht in den USA auch ein großer Konkurrenzkampf um Fördermittel. und außerdem baut ja Nikolaus hier sein Institut für Systembiologie auf. kämen sicher noch viel mehr Spitzenforscher nach Deutschland. In Europa habe ich solche geringschätzigen Kommentare nie gehört. muss die Betreuung oder Hilfe im Haushalt finanzieren. und das wissenschaftliche Umfeld in Boston ist ja nun einmal unvergleichlich. hat Spaß miteinander. fand bislang wenig Widerhall. Musik und andere Dinge. Berlins Anziehungskraft lässt sich zurzeit kaum überbieten. anderen zu erklären. 60 Jahre eine fantastische Zeit für Biologen. was für eine riesige Chance ihre Stadt gerade hat. Natürlich waren die vergangenen 50. mit der Einstein Stiftung wieder an den Ruf Berlins als deutsche Hauptstadt der Wissenschaft anzuknüpfen. KLAUS RAJEWSKY: Dem kann ich nur zustimmen. spricht sich mit Vornamen an. In puncto Frauenanteil stehen wir ja schlechter da als Griechenland oder Italien. Und er sagte. freuen sich die anderen mit einem. muss man aber auch sagen: Das stimulierende geistige Klima gibt es vor allem an der Ost. weil es früher einfacher in der Forschung war? Oder umgekehrt. NIKOLAUS RAJEWSKY: Berlin hat ein unheimliches Plus. Aber auch heute bricht eine neue Zeit an. Im Ausland weiß man: Hier passiert viel. weil die Löhne in der Wissenschaft hierzulande beschämend niedrig sind. Abgesehen von der Tradition. Meine Art der Forschung ist sehr aufwendig. Sie selbst wurden 2006 ans MDC nach Berlin berufen. ist der Antrieb: Die großen Geheimnisse sind noch immer überall vorhanden. Die könnte man heute in der Tat wieder neu begründen. fand ich das wirklich erfrischend. Er nannte das night science. Ich hoffe nur. Wenn ich in Deutschland neue Mitarbeiter rekrutieren will. Der Versuch des zuständigen Senators Zöllner. Ist Berlin für Wissenschaftler attraktiv? KLAUS RAJEWSKY: Aber ja. Manchmal scheint’s fast ein bisschen zu viel. Ich würde sagen: Die bisherige Forschung war aufregend. 22 . sich zu verbessern. Am MDC wird gute Forschung geschätzt. François Jacob hat kürzlich beschrieben. KLAUS RAJEWSKY: Und der wird immer härter. Hatten Sie Heimweh? KLAUS RAJEWSKY: Vor allem habe ich in Deutschland mittlerweile einfach bessere Forschungsbedingungen. Da ist etwas dran. Man geht zwanglos miteinander um. Das müsste sich dringend ändern. dass die Berliner auch begreifen. gibt es aber noch einen ganz pragmatischen Grund für Berlins Anziehungskraft: Lebenskosten und Mieten sind viel geringer als anderswo. im heutigen Wissenschaftsbetrieb brauchten wir dringend mehr Nacht-Wissenschaft. Als ich in Harvard ankam.KLAUS RAJEWSKY: Das habe ich auch so erlebt. ist heute Berlin. Würde ich in eine andere deutsche Stadt ziehen. die Operon-Theorie. weil Sie in Deutschland wegen der Pensionsgrenze nicht mehr hätten weiterforschen können. bevor man selbst sinnvolle Forschung machen kann. hier wird es wertgeschätzt. Musik ist für mich lebensnotwendig. durch viel Herumlaufen und Verrücktes-ZeugDenken entwickelt habe. sie zum Mitgehen zu motivieren. Und alle anderen sind so mit dem Schreiben von Förderanträgen beschäftigt. Besonders für junge Forscher. In den Köpfen hat sich breitgemacht: Was New York in den siebziger Jahren war und London in den Neunzigern. dass er 1960 seinen wichtigsten Durchbruch. weil es heute spannender ist? NIKOLAUS RAJEWSKY: Eine interessante Frage. brachte ich viele Projekte und Leute mit. gut über ihre eigene Forschung zu kommunizieren – etwa wenn es darum geht. es gibt interessante Leute und Strukturen. Die Kollegen kommen spontan vorbei. auch einmal verrückte Ideen zu entwickeln. KLAUS RAJEWSKY: Ich habe meinen Tag als Wissenschaftler nie vollkommen verplant. Als ich daher 2008 vom MaxDelbrück-Centrum in Berlin das Angebot bekam. Topwissenschaftler arbeiten mit ganz jungen Studenten. In der Mitte des Landes gelten Intellektuelle eher als etwas Dubioses. KLAUS RAJEWSKY: Das sehe ich genauso. dass sie vor einer Präsentation erst einmal dafür sorgen. Um etwas Neues herauszubekommen. Das wäre in den USA undenkbar. sind die Gehälter hierzulande im Vergleich zu etwa den USA lächerlich gering. NIKOLAUS RAJEWSKY: Die niedrigen Löhne tragen auch dazu bei. NIKOLAUS RAJEWSKY: Sehr schade. Man bringt sich mit Ernst und voller Energie ein. weil sie für ihre Arbeit kein Geld mehr bekommen. und es war kein Problem. Was sich allerdings nicht verändert hat. Ich brauche Zeit für Bücher. Sonst könnte ich nicht funktionieren. Deutsche Studenten sind sehr gut ausgebildet. i s t h e u te B e r l i n « ermordet. Aber viele haben eine merkwürdige Schwäche: Es fällt ihnen schwer. Heute ist das Geld in den USA extrem knapp. Wenn man Erfolg hat. All das kommt der Wissenschaft zugute.und Westküste. Der Aufwand – auch an Geld und Geräten – ist viel höher geworden. im Gegensatz zur üblichen nüchternen Tag-Wissenschaft. NIKOLAUS RAJEWSKY: Um die USA jetzt nicht zu sehr zu idealisieren. Im Gegenteil. Und was republikanische Präsidentschaftskandidaten zur Wissenschaft von sich geben. oder sich in einem Vortrag kritischen Fragen adäquat zu stellen. Heute muss man in der Tat sehr viel mehr lernen und studieren. Wer Kinder hat. Forschungsgelder zu bekommen. warum ihr Projekt wichtig ist. Das ist insbesondere für junge Forscher attraktiv. Wie haben Sie nach neun Jahren USA das deutsche System wahrgenommen? NIKOLAUS RAJEWSKY: Ich war manchmal sehr verwundert. Wie verschaffen Sie sich Freiraum? NIKOLAUS RAJEWSKY: Ich spiele viel Klavier. hätte ich es viel schwerer. Manche Forscher steigen in den USA schon aus der Wissenschaft aus. um sich den Freiraum zum Forschen zu verschaffen. man feiert. anstatt Neid zu entwickeln. KLAUS RAJEWSKY: Und dann gibt es in den USA weniger Autoritätsgläubigkeit.

beim Russischlernen in Russland. Darin öffnet sich eine neue Welt. erhält ein Angebot aus Princeton bei New York. mal zur rechten Seite der Politik aus. unter seinesgleichen herausragt. »Wo der Verbraucherschutz wirk- machen. in der man das Mitund Gegeneinander auf einem Markt genau untersuchen kann. Jetzt ist die Frau in Berlin. und setzt noch ein Volkswirtschaftsstudium drauf. Da ist was. sondern auch schlichtweg mit Zufall. Die Fachhochschule schließt er ab. bekommt keine Arbeitserlaubnis in Amerika. eine Banklehre machen will. in seinem Fall. Natürlich gebe es Fehlberatung. Der Spitzenökonom hat da seine eigene Theorie. an die Humboldt-Universität. Sein Talent fürs wirtschaftliche Forschen. sondern als Ort. der Lösungen will statt Ideologie – Märkte verstehen und wenn nötig verbessern. Da kommt der Markt nicht als abstraktperfekter Zustand daher. das Gespräch zu kontrollieren. seine Universität. wie jedes Studium. täuschen. 41. HEUSER Roman Inderst hat versucht. das man weiterspinnen kann. in Formeln ausgedrückt. Akademie und Realität – bei Inderst gehen sie immer Hand in Hand. eine. Das pralle Leben. einer. in der »Sozialdemokrat« eine Mischung aus Schimpfwort und Mitleidsbezeugung ist. den Satz hat er oft gesagt. Der. Dann ein halbes Jahr Werbung in Deutschland. fasziniert ihn. klug und selbstbewusst. sagt Inderst. Man müsse seinen Interessen folgen und erforschen. das er anfängt. Sein Urteil schlägt mal zur linken. Verbringt eine kurze Zeit an der edlen französischen Business-Schule Insead. weil der 41-Jährige ein neugieriger und offener Mensch ist. ganz anders als die Kollegen. mit der Liebe und mit den Behörden. nicht reden über sich. Nur der Marketingprofessor. der den Gesprächsfaden aufnimmt. die es den Nobelpreisträgern von dort gleichtun wollen. Inderst geht auf den internationalen Markt. Einer mit 1. die Wissenschaft insgesamt. Andererseits ist Roman Inderst. ist Professor für Finanzen und Ökonomie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Er hat einen Magister in Volkswirtschaftslehre und einen in Soziologie. Also geht Inderst an die beste Fachhochschule. Längst hat die Studienstiftung ihn doch gefunden und finanziert ihm die Promotionszeit. Inderst beschäftigt sich mit der Frage. an die London School of Economics. komme oft zu spät. denn die Banken wollten eigene Produkte und solche mit hohen Gebühren verkaufen. Oder. wie der Markt für die Endkunden der Banken funktioniert – und wo der Verbraucherschutz ansetzen könnte 24 . Wer nur zu aktuellen Fragen forsche. »Das ist jetzt nicht zum Schreiben«. In Roman Inderst. Resultat knapper Entscheidungen. Da sagt ihm ein Freund. taktieren. Sein Lebensweg ist ausgesprochen krumm. Und so zieht Inderst mit Frau nach London. damit kannst du alles Vorlesungen ist er kaum zu sehen. nach Reutlingen. Die Studenten sind prima. Inderst tut in London genau das. Inderst ist einerseits ein typisches Beispiel der neuen deutschen Erfolgsökonomen um die 40: einer. gemessen an Publikationen und Preisen. und vor allem forscht er. da geht er auch hin. an dem Firmen und Kunden ringen. statt ihn abzuschneiden. fragt sich Roman Inderst Von UWE J. den der konservative Direktor gegen alle Usancen nicht zur Aufnahme in die Studienstiftung vorschlägt. Dafür arbeitet er sich zu Hause fasziniert durch das heißeste Buch der Volkswirte in den Neunzigern: Spieltheorie vom Amerikaner Fudenberg und dem Franzosen Tirole. Am Ende ist er verwundert über sich selbst: Eigentlich wollte er doch nur seine Arbeit erklären. Geht also nicht. hat nicht bloß mit neuen Stärken und alten Schwächen des Wissenschaftsstandorts Deutschland zu tun. wie es die Sache verlangt. der Juso-Politik macht in einer bayerischen Gegend. Er studiert wie gehabt nebenher. Das hatte er sich fest vorgenommen.0-Abitur. Er zeigt: Ob ein deutscher Spitzenforscher hier bleibt. Man muss sich den jungen Roman Inderst wohl als hochintelligentes Landei denken – als einen. aber immer nur Management? Inderst langweilt sich bald. Doch seine Frau. Längst hat er die Frau seines Lebens getroffen. Europas erste Adresse. Inderst lehrt. Seine Frage: Wie funktioniert der Markt für Endkunden der Banken? Die populäre Antwort lautet: Die würden über den Tisch gezogen. Er studiert zusätzlich Psychologie und Soziologie an der Fernuni Hagen. die beruflich für Menschenrechte ringt. für theoretische Modelle und praxisnahe Tests wird offenbar. du studierst BWL an der FH. Aber so einfach sei die Sache nicht – sind doch die Gewinne im »Retail-Banking« oft gering. der zurzeit. Es ist anders gekommen. ein halbes Jahr Investmentbanking in England. besser. Der immer etwas Interessantes findet.Wie funktioniert der Markt für die Bankkunden. arbeitet als Unternehmensberater und kommt mit den Resten des deutsch-deutschen Treuhand-Desasters in Kontakt. Princeton! Der Traum junger Forscher. statt über ihren generellen Sinn zu streiten. was langfristig von Belang sei. weil in seiner Familie noch keiner studierte und damals alle Banker werden wollten.

dass Firmen und Menschen sich am Markt rational verhalten. Inderst dürfte seine Arbeit intensivieren. wie er findet. Aber vieles. Der Ökonom will sich Möglichkeiten und Deutungen offenhalten. einer schafft es in eine B-Publikation.« . fände er vermessen. Dabei weigert er sich keineswegs. Im Jahr 2006 kommt er nach Frankfurt. Nicht nur einen Aufsatz zu einem neuen Thema schreiben. und seine Finanzforschung wird ihm aus der Hand gerissen. und darf nicht nur die Arbeit von Studenten für eigene Publikationen nutzen. Im Beirat des Wirtschaftsministers kommt er mit anderen Spitzenökonomen auf neue Ideen und untersucht jetzt beispielsweise den Energiemarkt. Oder in seinen trockenen Worten: »Da war ich rechtzeitig gut positioniert. das ist ihm wichtig. den Zugang zur Elite zu erweitern. der Verhaltensforscher. fordert er. sondern von der Stiftung Geld und Währung. was in der Bankenstadt gerade gefragt ist. Warum ist er eigentlich Ökonom? Was will er? Das zu beantworten. Man müsse bildungsferne Schichten an die Wissenschaft heranführen. wenn Medien ein einseitiges Bild vom ihm zeichnen.« Das ist ein Thema. Genau das macht er in London. Tatsächlich hat er erst ein Laborexperiment durchgeführt. sondern eine kleine Reihe. So ist auch eine provokante Studie entstanden. die Boni nur langfristig auszuzahlen. die besagt: Zwingt der Staat die Banken. Inderst. Jetzt ist der kleinere der beiden Söhne fünf. Als einen. sondern auch gesellschaftlich – und biografisch. sagt Roman Inderst. Inderst.« Roman Inderst legt Wert darauf. Zur Übung veröffentlicht er mit Doktoranden zusammen Aufsätze. »Im Endeffekt soll es sich gut und rund anfühlen. Deswegen wurmt es ihn auch. dass die Manager noch mehr kassieren und noch riskanter arbeiten. der Bankenfeind.lich ansetzen soll. Dann kommt die Finanzkrise. und auch wenn es die Kollegen erschreckt. als der Staat die Zuweisungen gekürzt hat. in der Politik mitzumischen. Lehren aus der Krise zu ziehen ist eben schwer. Den heutigen Roman Inderst kann man sich als Entdecker vorstellen. »gebündelt« zu arbeiten. doch drei Aufsätze werden von Fachzeitschriften ganz abgelehnt. der neue Forschungsfelder findet und seine eigenen Möglichkeiten erweitert. Zum Ansatz von Inderst gehört es. kann das durchaus dazu führen. aber nicht über seine eigene Größe räsonieren. Er argumentiert nicht nur wirtschaftlich. da kam ihm wegen der knappen Zeit die Forschung besonders wertvoll vor. ja. Noch mehr Forschung wird von außen bezahlt. Als Professor hat er auch eine Fürsorgepflicht. das vor der Finanzkrise kaum jemanden interessierte – und danach alle. Er ist ein Pionier. Er will unabhängig sein und nicht bloß erforschen. Inderst. Inderst soll am Main wenig lehren und viel forschen. die wirklich gemeinsam erarbeitet werden. Eine Weile hat er zwei Tage in der Woche die Kinder gehütet. Er will »in Projekten denken«. und jetzt arbeitet er gemeinsam mit Kölner Kollegen an einem größeren Experiment zum Verbraucherschutz. Das ist heute umso wichtiger. So ist es ihm ein Anliegen. dass sein Lehrstuhl nicht von einer Bank finanziert wird. der Starökonom. ist offen. Die Volkswirte an der Stiftungs-Uni wollen sich als Forschungszentrum etablieren. Als reiner Bankenfuzzi ist Roman Inderst ohnehin nicht denkbar. ließe sich nach wie vor am besten mit der Annahme erklären.

hat sie 1989 ihr Abitur vorbereitet. Montags sitzt Jaeggi in der Staatsbibliothek. indem man sich die Welt Schritt für Schritt zu eigen macht. schließt ihr Fahrrad an. dass man sich in ihr nicht heimisch fühlt: weil man erfährt. der Antiintellektualismus. zuletzt die Habilitationsarbeit. Da saßen sie dann. Freud. wie selbstbewusst schließlich die deutschen Akademiker für den Rücktritt des Ministers gesorgt haben. und auch Georg findet diese Präsentation durch seine Chefin erkennbar vergnüglich. 44. obwohl ein moderner Mensch das doch angeblich kann. die im Gewese um Guttenbergs Doktorarbeit zum Ausdruck kamen. deren Denken sie für die sozialen Bewegungen neu geöffnet hat. f ra g t R a h e l J a e g g i »Von Professoren wird heute erwartet. so wie sie ab jetzt für die internationale Hegel-Konferenz. wieder ein leuchtender Junitag. Ein Megafon bekam sie an jenem Tag geschenkt. Daher heißen Jaeggis einschlägige Aufsätze: Was ist Kritik? Was ist eine gute Institution? Was ist Solidarität? Die Geschichte des Denkens ist immer neu zu erschließen. Dann holte sie alles nach: Vom Abitur bis zur Habilitation.Wa r u m f ü h l t s i c h d e r M e n s c h f r e m d i n d e r We l t . war sie in New York. geglückt oder rational sind?«. schnell noch einen Kaffee. die Haltung teilte: »Ich will verstehen. Plus Kind. 44. »So wie für Studenten sich bei allem. die unter dem Titel Entfremdung erschien und Jaeggi weit über ihr Fach hinaus Anerkennung eintrug. Sie hat heute schon mit Studenten deren Essays zu Habermas durchgesprochen. was Freiheit dann heißt. hat also diese schöne Frau mit den kurzen dunklen Haaren und den strahlenden Augen Einzug gehalten. grundsätzlich zu klären. wie sie merkte. denn ihr Sohn erklärte allen: »Mama muss ein Buch schreiben. hat sie sich erst unter Hausbesetzern politisiert. weil mein Mann hier Arzt ist und mit unserem Sohn lebt – was ist ein Sechser im Lotto dagegen?« Wie bei Erstberufungen üblich. Die Verhältnisse. meint sie. 14. der offenbar auch einen Traumjob gefunden hat: als eine Art Wissenschaftsmanagement-Assistent. um mit einer Handvoll ausgewählter Philosophiestudenten ein Kolleg abzuhalten. in Hans Scharouns Bücherschiff. dann Habermas. ob sie gut. Jaeggi hat also manches Haus begrifflich besetzt. die jetzt noch schnell Essen und Tischordnung im Café Einstein organisiert. bis 2002 die Promotion. woran es liegt. an dem Hegel knallroten Lippenstift trug und rosenumkränzt von seinem Sockel am Berliner Hegelplatz blickte. der nichts Affirmatives anhaftet und die sich doch als Glückskind versteht: »Ein Lehrstuhl für Philosophie in Berlin. Die Amerikaner haben es leichter. Schwerpunkt Sozial. Fenster geöffnet und Zimmer instand gesetzt.« Es galt und gilt. sie ändern sich. Die Geringschätzung akademischer Arbeit. Ein Jahr später. Heute ist sie Professorin für Philosophie in Berlin 26 . »meiner Kathedrale des Rückzugs«. Und sie hat aus diesem so prägenden wie engen Milieu wieder herausgefunden.« Wen wundert es. denn der wird hier in ein paar Tagen zu Gast sein. Doch die Humboldt-Universität. gleich wird sie ihr Seminar halten. zog mit 14 Jahren von zu Hause aus und brach die Schule ab. All das im laufenden Semester. haben sie geärgert – mehr nicht. trifft auf die Minute pünktlich morgens um neun am Café unter den S-Bahn-Bögen ein. einen der tragenden Vorträge verfasst. Weil sie. Jaeggi scheint der Wirkungsmacht geistiger Arbeit aus Erfahrung zu vertrauen. und überarbeitet ihr Buch für den Druck. studierter Sozialwissenschaftler. das Fremde sozusagen wegzuarbeiten. im Zentrum einer europäischen Großstadt. und ob es gelingen kann. wenngleich mit wegweisenden Unterschieden. zieht die Lederjacke aus. wie der Held sich selbst klugerweise fesselt. Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin. auf dem steht: »Auch starke Stimmen brauchen Verstärkung«. 1966 geboren und 1989 erst Abitur? Ihre Biografie hat etwas Joschka-FischerHaftes. Ein paar Mitarbeiter hatten den steinernen Ahnen derart festlich gestaltet. Das sind Grundfragen ihrer Doktorarbeit gewesen.« Aber wie geht das. Als die Sache aufkam. sagt Jaeggi nüchtern. haben den einäugigen Riesen Polyphem gemalt und dabei gebannt zugehört. war der Tag ihrer Antrittsvorlesung. die vielleicht ja ein Prozess der Begegnungen mit Entfremdung ist. dann 1995 den Magister. auf Einladung von Jaeggi. Adorno. sondern durch harte Arbeit. Es will einen nicht wundern. dass im Vorzimmer der Philosophin ein junger Mann namens Georg sitzt. Eine Karriere als Philosophin hatte sie nie vor Augen. muss ihr geradezu königlich vorgekommen sein. dass sie auch Veranstaltungsmanager sind. Es dauert einen verwunderten Moment. ohne Verrat. Sie hat sogar die Kita-Gruppe ihres Sohns in ihre Vorlesung eingeladen. als hätte sie nicht eben erst für 1000 Leute den Kongress »Re-Thinking Marx« auf die Beine gestellt. weil sie früher akademisches Selbstbewusstsein lernen als deutsche Studenten in den Wirrungen der Massenuniversität. Das erledigt sie nebenbei. von Kant und Goethe über Hegel bis zu Marx. als sie die Schule abbrach und auszog. Thema »Freiheit«. Sie will ergründen. An diesem Donnerstag wird sie abends erst nach zehn aufs Rad steigen und heim nach Kreuzberg fahren.« Jaeggi wirkt in solchen Blitzanalysen der Wissenskonsumgesellschaft nicht wie deren Dienstleisterin. dass die Welt für moderne Menschen so aussieht. Rahel Jaeggi. »Sie könnten mir glatt die Stabi-Verdienstmedaille dafür überreichen. das eigene Leben nicht autonom steuern zu können. Aber die Kollegen drüben waren auch neidisch. um nicht in Gefahr zu kommen. was sie tun. um seiner Nachfahrin die Ehre zu geben: der Philosophin Rahel Jaeggi. setzt den schwarzen Rucksack ab. Rahel Jaeggi. um den Fünfjährigen die Geschichte von Odysseus neu zu erzählen. der zugleich der Protagonist der Dialektik der Aufklärung von Adorno und Horkheimer ist. damit sie im Schloss arbeiten kann. für den zugleich ihr Hauptvortrag zu verfassen war. um in die Hausbesetzerszene zu gehen. Das steht nämlich nie fest. Weltfremde sind leider kaum noch berufbar«. Die entstand. wohin ich jahrelang von Frankfurt aus gependelt bin. hat man ihr nur die Standardausstattung an Mitarbeitern und Mitteln geboten. Jaeggi war fast noch ein Kind. Zugleich überarbeitet sie ihre Habilitationsschrift zur Kritik der Lebensformen – »Lässt sich von Lebensformen sagen. Von ELISABETH VON THADDEN Jener Sommertag. Rahel Jaeggi nennt ihn vergnügt »mein Sekretär«. Als habe sie sich die Welt von Grund auf neu aneignen wollen und dafür die anarchistische Erfahrung des Regelbrechens gebraucht.und Rechtsphilosophie. mit Unterbrechungen für Aufenthalte an den namhaftesten amerikanischen Institutionen. mit Hannah Arendt. Im Gegenteil: Sie will in ihren Büchern wie mit ihren Studenten ergründen. eine Protagonistin des kritischen Denkens. die Frage nach der Lebenslaufverwertbarkeit stellt. Dort an der Potsdamer Straße. dass ich hier immer weitergemacht habe. nach welchen Kriterien eine Gesellschaft zu kritisieren ist. sich die Konstellation klarzumachen: In die ehrwürdige Männerdomäne des deutschen Geistes. um in die Berliner Hausbesetzerszene zu gehen.

weil wir mit Mitgliedern von Gangs. und grinsend fragte er. kamen wir auf Schusswaffen zu sprechen. die er kannte.PAOLO PELLEGRINS EXPEDITIONEN Der Mann auf diesem Bild heißt Isaac und lebt in Las Cruces im USBundesstaat New Mexico. Während ich mich mit Isaac unterhielt. ins Gespräch kommen wollten. Zu Hause zeigte er mir sein Arsenal. Er hat mich einmal durch seine Stadt gefahren. Doch der Plan misslang. hat eine Familie mit zwei . Isaac ist Röntgentechniker. seine Bekannten hatten keine Lust auf einen Fotografen. ob ich nicht seine »Spielzeuge« sehen wolle.

seine Familie zu beschützen. das er sich von Mensch und Natur macht. sie würden dazu dienen. und als ich ihn nach dem Grund für sein Interesse an Waffen fragte.  Paolo Pellegrin. zeitmagazin aber im Südwesten Amerikas ist sie tief verwurzelt. in Rom geboren. zweite Station: Las Cruces kleinen Kindern. 47. Die Fotos sind in Deutschland zum ersten Mal zu sehen . Er erzählt jede Woche von dem Bild. nr . ist ein vielfach ausgezeichneter Magnum-Fotograf. erklärte er. Diese Sichtweise mag Europäern sonderbar erscheinen.Eine amerikanische Reise.

die Schnitzelhaus oder Schnitzelkönig heißen und an denen »To go« steht. muss mit dem Panieren warten – und erdulden. als das Wiener Schnitzel in den Berliner Restaurants der besseren Sorte. im Alpenstück in Mitte etwa. So etwas nimmt kein gutes Ende: Die Panier emulgiert zu etwas. wird. wende es in Mehl. Damit es auch wirklich »husch« geht. eine dickere Scheibe wird waagerecht zerteilt. neben Currywurst und Döner auch das Schnitzel zum Mitnehmen anzubieten. auch die aus Huhn. Und der ist gut fürs Ego. geboren in Wien. gibt es das Schnitzel förmlich überall zu erstehen: im Gasthaus an der Ecke. Was mir mit meiner Methode erspart bleibt. ist Schauspielerin. habe ich zuvor alles vorbereitet: Der Kartoffelsalat.DINNER FOR ONE Nora von Waldstätten kocht leidenschaftlich gern. Ich habe auch diese Schnellschnitzel aus der Fritteuse probiert. Nachdem es nach einigen Minuten von beiden Seiten herausgebacken ist. Ich backe das Schnitzel in einer Mischung aus Butterschmalz und Schweineschmalz heraus – ich habe mich in dieser Frage von den Herren Witzigmann und Biolek inspirieren lassen. das mich in Berlin manchmal befällt und welches mit Heimweh wohl gut umschrieben ist. Besser jedenfalls als die Alternative »gar kein Wiener Schnitzel«. das zur Beruhigung. wonach das Schnitzel natürlich benannt ist und woher ich komme. salze es. das von niemandem mehr schönzureden ist. weshalb hier niemand auf die Idee kommt. Sie schreibt für das ZEITmagazin immer wieder über ihre »Dinner for One«. In Wien. vom Küchenrollenpapier. In Schmetterlingstechnik aufgeschnitten – das heißt. Auch für sich allein. 46 (»Wochenmarkt«) Foto Peter Rigaud . in Schnellimbissen. Ausdrücklich warne ich vor dem Irrglauben. jedoch nicht ganz. Ich verstehe nicht. 29. und aufgeklappt –. im Restaurant mit Blick auf den Stephansdom. auf das ich das Schnitzel rasch lege. Zum Schnitzel passt: Kartoffelsalat. die Preiselbeeren und die Zitrone sind schon auf dem Teller platziert. Ich spare keinesfalls an Fett. ein Teil des Fettes wieder abgesaugt. dass man Wiener Schnitzel vorpanieren kann. Das ist umso erstaunlicher. denn sonst souffliert es später nicht. Von dort serviere ich es mir »husch«. Das Erstaunliche: Sie waren gut. dass die Gäste zuschauen und Tipps geben. dann mache ich mir gern das Schnitzel selbst. Nora von Waldstätten. Wer Gäste mit dem Schnitzel beglücken will. in guter Qualität zu haben ist. Diesmal: Wiener Schnitzel F Ü R M I C H ist ein Wiener Schnitzel Medizin. schlank mit Brühe angemacht. Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt: Bloß nicht zu fest andrücken. Mehrmals. Natürlich ist das Fleisch vom Kalb. ein Gericht. das Schnitzel sollte geradezu darin schwimmen. dessen Wirkungen ich kenne und liebe: Es hilft gegen jene Art des physischen und psychischen Leeregefühls. klopfe ich es zärtlich mit dem 30 Plattiereisen flach. Ich vermisse in Berlin kulinarisch so einiges und unterwegs das »To go«-Schnitzel in der Semmel am meisten. Auch von sich selbst nicht. wenn mich die Schnitzelsehnsucht packt. S. Es ist. als hätte ich eine Verabredung mit mir selbst. tunke es in verquirltes Ei und lege es in aus alten Semmeln oder Weißbrot selbst gemachte Brösel (der Aufwand lohnt sich). Wenn ich in Berlin merke: Da kommt ein Stimmungstief. So kommt zum medikamentösen Effekt der Heimwehbekämpfung beim Verzehr noch der des Zubereitens hinzu.

Durch die Blume Für seine Bilder nimmt sich Michael Wesely tagelang Zeit. Am Ende erinnern sie daran. dass alles vorbeigeht .

klingt aber viel schöner 33 .–27. 4. 2008) Der Titel ist portugiesisch und bedeutet »Blütenblätter«.»Pétalas 2« (22. 4.

34 .

4. 4. 2009) Wie hier bei den Pfingstrosen hält sich Wesely bei seiner Motivwahl an das Saisonangebot Links: »Stilleben« (12.–19.–2. 2011) Die Tulpe ist Symbol für die Vergänglichkeit und für die Liebe 35 . 6.Oben: »Stilleben« (26. 5.

5. 5. 2011) Nur die Vase und der Tisch sind in Schärfe zu sehen. das Eigentliche verschwimmt .–17.»Stilleben« (12.

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auch seine jüngst entstandenen. den Prozess selbst können wir nicht wahrnehmen. mögen sogar wir uns an die Vergänglichkeit alles Lebendigen erinnern lassen. Eine der erstaunlichsten Eigenschaften des Menschen ist. Weselys Blumenbilder zeigen es.« Das ist es. Viele seiner Blumenbilder nennt er »Stillleben«. nie die ganze Blume. »reagieren besonders lebhaft auf das zeitmagazin Licht.) dert. 4. was ihn interessiert. wie es ist. Manchmal glauben wir. denn nichts ist einfach so. Auf so zarte und schöne Weise. Doch das ist immer nur ein Ergebnis. nicht die hun- »Stilleben« (21. wie eine Blume aussieht. ihn sichtbar zu machen. dass jede Beschreibung eine Illusion ist. er holt die Zeit ins Bild.–28.  38 . sagt er. möchte der Fotograf. wenn wir welke Haut sehen oder eine welke Blume. ist alles. sie ist – wahrscheinlich zum Glück – zu langsam für uns. der 1963 in München geboren wurde. dass er das Wissen um seine Vergänglichkeit immer wieder verdrängen kann. Wie er das technisch anstellt. Aber weil wir wissen.« nr . Damit verweigert sich der Fotograf der klassischen Fotografie. 4. die ja gerade den ganz besonderen Augenblick einfängt. 2009) Schnittblumen sind nicht tot. sie zugleich auf. was er dazu sagt. der heutige Mensch kann das vielleicht sogar ein bisschen zu gut. »Meine Bilder liefern nur Bruchstücke. nur Fetzen von Blumen. sie zu spüren. und ein paar Tage später baue ich sie wieder ab«. Wo geht das Werden ins Vergehen über? Die Grenze ist auf diesen zauberhaften Zeugnissen des Verfalls nicht zu bestimmen. die seit Jahrhunderten gemalt werden. 10. Für diesen Zweifel an der Möglichkeit eines exakten Bildes ist die Bewegungsunschärfe von Weselys Arbeiten der fast schon malerische Ausdruck. Man meint. alles ändert sich dauernd. den einen Moment stillstellt. nicht preisgeben. sie scheinen zu zittern. aber vielleicht kann man das eher als Anspielung auf das alte Vanitas-Motiv verste- hen. Denn die Blumen von Wesely stehen nicht still. So zeigen seine Fotografien auch. nur zwanzig Prozent des Bildes. wie Wesely es tut. bis 2. »Tulpen«. die hier zu sehen sind. Die Lieblingsblumen von Michael Wesely.und verblühen zu sehen. All die Stillleben. der vielmehr Künstler ist. »Ich stelle die Kamera auf. sind übrigens Papageientulpen. wie das Sichtbare und das Unsichtbare sich im Gehirn des Betrachters verbinden. setzen wir sie im Kopf zusammen. Michael Wesely gelingt es immer wieder.Von CHRISTINE MEFFERT Können wir Vergänglichkeit beobachten? Normalerweise nicht. symbolisieren das Vergehen. Dieses Bild ist der Beweis Weselys Bilder sind in der Ausstellung »Blumen – Zeitgenössische Fotografie« zu sehen (Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin.

Ich habe einen Traum .

später zog ich nach London. Auf diesem Boot verbrachte ich einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend. Zuletzt erschien ihr Album »300 Days at Sea« Aufgezeichnet von Christoph Dallach Foto Stefan Heinrichs Zu hören unter www. Mit ihren Popsongs ist sie seit Mitte der neunziger Jahre besonders in Deutschland erfolgreich. aber als ich ihm klarmachte. Wir bauen unser eigenes Gemüse an. verkaufte unser Haus und baute mit meiner Mutter ein Boot. gab seinen Beruf als Architekt auf. dass mein Sohn seine Tage in einem Klassenzimmer auf dem Festland verbringen könnte. Die war mein Traum. Auf jeden Sturm bereiten wir uns tagelang vor. Heather Nova. Ich wohnte anfangs in einem besetzten Haus. Dafür hat er auf der Insel einfach viel zu viel Spaß. Das passt vielleicht nicht zu meinem Beruf als Popmusikerin. alles andere bringe ich ihm bei. besorgen mehr Kerzen und Lebensmittel. nur von Wasser umgeben zu sein. Da wohnen nur ich. es wäre vernünftiger. ist unbeschreiblich. mein Mann. um an der Filmhochschule zu studieren. Nach fünfzehn Jahren hielt ich es in London kaum noch aus. der auf den Bermudas aufgewachsen war. Im Winter wird es kühl und vor allem stürmisch. Und die Sonnenaufgänge nach einem Sturm sind sensationell. weil ich all mein Geld sparen wollte: für eine eigene Insel. Zum Einkaufen muss man das Boot nehmen. unser siebenjähriger Sohn. wird ins Haus gebracht. Mit dem segelten wir dann jahrelang über die Meere. in einem sicheren Haus auf dem Festland zu wohnen. dass eine schöne kleine Bermuda-Insel zu verkaufen war. dass man seine Träume wahr werden lassen kann. Vier Stunden am Tag habe ich für mich allein. denn ich bin ein schüchterner Mensch. ist auf einer Bermuda-Insel geboren. Meine Eltern haben mir vorgelebt. wenn einen alle anderen für verrückt halten. schlug ich zu. Mein Mann wollte erst nicht so recht mitziehen. nur von Wasser umgeben zu sein. gab er nach. mein Mann ist für Geschichte verantwortlich. Alles. sichern die Fenster und die Boote. Vor dem Hurrikan habe ich Angst. Meine Insel ist nicht riesig. da male ich und schreibe Gedichte und Songs. blieb ich in einer winzigen Wohnung. Ich finde die Vorstellung schrecklich. auch wenn wir dank der modernen Wetterdienste vorgewarnt werden. den Strom liefert eine Solaranlage. auch um den Müll wegzubringen. Abends mal essen gehen oder ins Kino – geht auch nicht. spielte viel Gitarre – und hatte immer große Sehnsucht nach dem Ozean. Mein Vater. Eines Tages beschlossen sie. Aber ich möchte meine Insel nie verlassen. dass sie zusammen mit ihren Kindern die Welt sehen wollten. ist unbeschreiblich« Vieles ist auch anstrengend auf so einer Insel. Und ich begann Songs zu schreiben. 43. Unseren Sohn unterrichten wir selbst. Auch als ich schon als Musikerin Erfolg hatte.zeit. dass ich unbedingt auf dieser Insel leben muss. ungefähr einen Hektar groß. Ich liebe die Abgeschiedenheit. Und als ich dann hörte. Manchmal denke ich. auf dem Boot.Heather Nova »Das Gefühl. Das Gefühl. Meine Eltern haben mich und meine Geschwister damals ja auch selbst unterrichtet. Danach bin ich zum Studieren in die USA gegangen.de/audio 41 . Außerdem scheint auch auf den Bermudas nicht immer die Sonne. aber für mich ist gerade dieser Gegensatz zwischen der Isolation auf der Insel und der Begegnung mit einem großen Publikum auf meinen Tourneen sehr anregend. ein Hund und einige Hühner. was wegfliegen könnte.

Der Stil Ist so ein Beutel wirklich tragbar? Fjällräven-Rucksack. rund 50 Euro 44 Foto Peter Langer .

Besonders beeindruckt. das man auf dem Rücken trägt. und auch junge Leute fingen an. sondern als Ausdruck von Lebensstil. Ich hole drei ausgeliehene Schulmädchen samt Tretrollern vom Schwimmbad ab. denk an die Kleinen! Zwei Wochen lang fahre ich den Chevrolet Orlando im simulierten Familienbetrieb. in die man die ganze Welt packen konnte. hier können Babyfläschchen hin . Wenn die Lüftung bei Tempo 195 zu kreischen beginnt wie ein Neugeborenes.« In diesem Auto wird der kinderlose Mann zum extrem wortkargen kinderlosen Mann. Justus Bender ist Autor der ZEIT Technische Daten Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor Leistung: 120 kW (163 PS) Beschleunigung (0–100 km/h): 10 s Höchstgeschwindigkeit: 197 km/h CO2-Emission: 155 g/km Durchschnittsverbrauch: 6 Liter Basispreis: 21 390 Euro 45 Foto Chevrolet Deutschland GmbH / Gestaltung Thorsten Klapsch . mit dem der Fahrer die Bengel auf der Rückbank im Blick hat. Minirucksäcke zu tragen: bunte Dinger der Marke Fjällräven. Er hat so einiges. was Deutschland brauchte. wenn Mamas Dienstwagen vom Ministerium zu klein ist. entstehen Gespräche dieser Art (Gedächtnisprotokoll): Sie: »Ich finde solche Autos ja viel männlicher als Porsche-Cabrios. runter vom Gas. Schnell galt das Tragen eines Rucksacks nicht mehr als Zeichen von Belastung. die Zwiebacksabberresten standhalten. Bevor ich den Testwagen zurückgebe.« Sie: »So ein kleines Muckelchen im Kindersitz ist ja schon was Süßes. Warum die Menschen das tun.« Sie: »Guck mal.4 Kinder wenigstens eine kleine Rückbank im Dreitürer hatte. etwa den Belgier Raf Simons. die eigentlich für skandinavische Schulkinder gemacht worden waren – und jeden Träger genau so aussehen lassen. die mit Leder bespannt waren. Wie süß ist der denn? Justus Bender fährt den Chevrolet Orlando LT+ Niemand sollte so tun. wie sich große Testfahrzeuge für alle kinderlosen Männer wohl auf die Geburtenrate auswirken würden. Er schuf riesige Männerrucksäcke.Ötzis Vermächtnis Tillmann Prüfer über Rucksäcke Die Kulturgeschichte des Rucksacks lässt sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen: Der erste dokumentierte Rucksackträger war Ötzi. die sperrigen Schultaschen gegen Rucksäcken der Marke Salomon zu tauschen. Bald schulterten die Damen an dünnen Riemchen winzige Modelle. Die Wanderburschen trugen beim Laufen hölzerne Tornister auf dem Rücken. wo einst Berlin war. Während die Generation Golf für ihre 1. was ihm nicht guttat. Doch die Ära des Riesenrucksacks fand ein schnelles Ende. Ötzi hatte eine Kraxe bei sich. Chauffiert man die Lebensgefährtin im Chevrolet Orlando. wenn man an der Stelle. junge Designer an die Gestaltung ihrer Rucksäcke zu lassen. als wäre die Demografie in Deutschland nur ein Problem der Kinderzimmer. Ich fahre mit einer ebenso ausgeliehenen Elfjährigen in den Achterbahnpark und zur Pommesbude. Jahrhunderts. um seine Habe daran festzuzurren.« Er: »Ach so. dass beim Orlando sogar die Konstruktionsfehler familienfreundlich sind. denn er besaß kein Lasttier. war meist ein armes Schwein. In Mode kamen Rucksäcke erst in den achtziger Jahren. dem er sein Zeug aufbürden konnte. Der Orlando ist. parken wir wahrscheinlich bald alle nicht mehr seitlich. Das änderte sich. Das perfekte Papa.« Er: »Aha. die Überreste von Trägern bunter Polyesterrucksäcke ausgräbt.. Ich transportiere eine Waschmaschine und zwei Kinderfahrräder. denn er wurde viele Jahre später im Gletscher gefunden. Die Dinger sollen ja lange haltbar sein. sauge ich die Pommesreste aus den Polstern und denke derweil darüber nach.oder Mamamobil also. So gesehen ist der fast fünf Meter lange Chevrolet Orlando mit seinen sieben Sitzplätzen so etwas wie ein Oldtimer – oder eine utopische Zukunftsvision. als es unter Schülern populär wurde. In den nuller Jahren war der Rucksack eine Zeit lang modisch abgemeldet. was Großfamilie von der Leyen fahren sollte.« Er: »Hm. Erst viel später gewann die Menschheit der Schlepperei etwas Positives ab – etwa in der Wandervogelbewegung Anfang des 20. als die Firma Eastpak begann. hat die Generation Smart gar keinen Platz mehr für Kleinkinder vorgesehen. sondern frontal zum Bordstein. ein Gestell also. um den nächsten Babyboom zu bewältigen: robuste Polster. In den neunziger Jahren entdeckten dann die Luxusmarken den Rucksack und ließen ihn kleiner und kleiner werden. sie ist längst in unseren Garagen angekommen. Geht alles super. und ein Fischauge über dem Rückspiegel.. der ungefähr 3300 Jahre vor Christus durch die Alpen stapfte. Vielleicht werden einst kluge Wissenschaftler diese Frage beantworten können – spätestens in 5300 Jahren. ist rätselhaft. Zieren sich die Deutschen weiter so mit dem Kinderkriegen. dann will das Auto einfach sagen: Los. Wer früher Dinge auf dem Rücken schleppen musste. die also ihren Träger zum Atlas machten. in die kaum mehr hineinpasste als das Schminkset.

eine größere Oberfläche erreicht. Pfeffer und Salz. Er gilt außerdem als Erfinder des Neologismus »Tellertätowierung«.Wochenmarkt Die neuen KARTOFFELN sind da Manches muss nicht neu erfunden werden. Zu den Kartoffelscheiben. Ins Wasser gibt er außerdem ½ Teelöffel Kümmel. Curry. zum Beispiel Annabelle ½ TL Kümmel ¼ l Fleischbrühe (am besten selbst gemacht) 1 kleine Schalotte oder viel Schnittlauch 3 EL Sonnenblumenöl. werden sie dünn in eine Schüssel gehobelt – dünn ist wichtig. Vor dem Servieren noch mal mit Brühe. Haut direkt unter der Schale möglichst nicht mit abgezogen wird. wenn sie gar sind. womit er die Saucenzeichnungen auf Tellern in Restaurants bezeichnet. 30 Fotos David Spaeth 46 . Schwäbischer Kartoffelsalat 500 g neue Kartoffeln. damit die Marinade. Also kein Lachs in der Maultasche. um zu überleben. dass sie etwas zu salzig schmeckt. kommen dann die gehackte Schalotte (oder der Schnittlauch). Kein Wasabi am Spargel. kann man sie schon schälen. genügt es. im schwäbischen Kartoffelsalat nämlich. Dazu gibt es einen Untertürckheimer Gips Weißburgunder vom Weingut Aldinger. die er ungeschält in Salzwasser kocht. Klink nimmt dafür neue Annabelle. das Sonnenblumenöl (wer hat. Die Kartoffeln mit der heißen Fleischbrühe übergießen. sagt Vincent Klink. 1 EL Essig 1 Messerspitze Curry 1 TL Senf (extrascharf oder Dijon) Salz und Pfeffer Kartoffeln abschütten. Dabei sollte man darauf achten. verschüttete Erkenntnisse wieder auszugraben. Modern ist auch seine traditionelle Küche. eine schöne gelbe Kartoffel. Essig und Salz abschmecken. auskühlen lassen. Zum Beispiel. und sie sollte so eingekocht sein. Senf. wie es sie jetzt im Sommer wieder gibt. Aber nicht zu viel Salz! Mit der Hand alles vermengen. Essig. Dazu gehört auch der schwäbische Kartoffelsalat Von ELISABETH RAETHER Vincent Klink von der Stuttgarter Wielandshöhe ist ein moderner Koch. weil er ein Blog schreibt und sagt. dass ein Sternerestaurant wie seines 6000 Euro Umsatz am Tag machen muss. am besten als Salat schmecken. in der die Gerichte nicht variiert werden. vorwiegend festkochend. in die sie gleich gelegt werden. dass neue Kartoffeln. nimmt frisches Leinöl). und dass zu den wichtigsten Eigenschaften eines guten Koch gepflegte Fingernägel gehören. Der Salat muss jetzt eine halbe Stunde ziehen. Um gut zu essen. Wenn sie lauwarm sind. die Klink Kartoffelrädle nennt. Zum Beispiel das Menschheitswissen. Wenn die Kartoffeln nicht mehr warm sind. Die sollte man vorbereitet haben. was Sache ist. dass die dünne durchsichtige Perfekt dazu: Das Schnitzel von Nora von Waldstätten – siehe S.

Dann findet Henry Ullas Kontaktfreude übertrieben. Es ist doch nur eine Kleinigkeit für die alte Frau. sagt Ulla. 149 Darf Sie über ihn verfügen? Henry ist Anwalt. das Ulla von ihren Eltern geerbt hat.« – »Wie kommst du dazu. sich in ihrer Unterschiedlichkeit zu entwerten und miteinander zu konkurrieren. Henry macht da keine Ausnahme. »ich verstehe nichts von Mietrecht. das sie wie einen Hammer an den bedürftigen Nachbarn ausleihen kann.Die großen Fragen der Liebe Nr. Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. sagt Henry verärgert. Seit einigen Jahren verbringen sie viele Wochenenden in dem Häuschen im Odenwald. welche eine professionelle Leistung als Freundschaftsdienst mitgehen lassen wollen. Von der Macht des Geldes und dem Verlust der Gefühle« ist im Murmann Verlag erschienen 49 . Aufgeregt kommt Ulla vom Besuch bei einer verwitweten Nachbarin zurück. ihre Rolle gegen Zudringliche zu verteidigen. Ich bin Strafverteidiger!« – »Immer bist du so asozial. dass du dich um einen Brief kümmerst. Sein neues Buch »Das kalte Herz. wer der bessere Mensch ist. den sie jetzt von ihrem Vermieter erhalten hat«. als sei er ihr Werkzeug.« Wolfgang Schmidbauer antwortet: Anwälte. Er fühlt sich von Ulla achtlos behandelt und sollte ihr klarmachen. die Ullas Eltern noch kannte. in der Beziehung herrscht dicke Luft. weil ihr Mann alle diese juristischen Sachen gemacht hat und sie sich nicht auskennt. »Ich habe ihr versprochen. dass sie nicht mit ihm umgehen darf. immer so über mich zu verfügen«. Ärzte und übrigens auch Paartherapeuten müssen Strategien erwerben. Henry hält nicht viel von derlei Besuchen. sie seine klaren Grenzen asozial. Ulla und Henry neigen dazu. seine Frau Ulla arbeitet als Lehrerin. »Sie ist verängstigt.

Spiele Logelei N 2 3 2 1 4 5 4 2 1 4 4 2 2 3 3 2 2 1 3 4 3 2 5 2 3 3 2 1 3 3 S 3 4 2 5 0 4 2 3 1 3 Zeichnen Sie in das Diagramm einige Magnetplatten mit Nordund Südpol ein. in jeder Spalte und in jedem mit stärkeren Linien gekennzeichneten 3 x 3-Kasten alle Zahlen von 1 bis 9 stehen.und Südpole in der entsprechenden Zeile oder Spalte vorkommen Lösung aus Nr. alle anderen lügen Sudoku 9 3 7 1 3 8 4 2 6 8 8 2 6 9 6 3 4 7 8 7 5 4 8 6 9 2 6 8 5 4 7 1 Lösung aus Nr. Die Zahlen am Rand geben an. Alle anderen Platten bleiben leer. 28 Gesl. dass zwei Magnethälften mit derselben Polung einander weder waagerecht noch senkrecht berühren dürfen – wohl aber diagonal. Beachten Sie dabei. dass in jeder Zeile. 28 4 6 1 9 5 7 8 2 3 9 3 8 6 2 4 1 7 5 2 5 7 8 3 1 4 9 6 8 1 9 3 6 2 5 4 7 5 2 4 7 9 8 6 3 1 3 7 6 4 1 5 9 8 2 1 9 2 5 4 3 7 6 8 7 4 3 1 8 6 2 5 9 6 8 5 2 7 9 3 1 4 Füllen Sie die leeren Felder des Quadrates so aus. wie viele Nord. 50 Logelei und Sudoku Zweistein . Hasl und Isl sagen die Wahrheit.

Veselin Topalov.5 Punkten abgefertigt hatte und in der letzten Partie tollkühn ihren nackten König mit angreifen ließ. Mit seinem Bruder wurde er auf ein Internat geschickt. nur eine einzige Krawatte zu besitzen. so klingt es doch (verzweifelt) nach einer Rationalisierung seiner lebenslangen Getriebenheit. Viele von ihnen liehen dem technikbegeisterten Träumer und visionären Pragmatiker ihr Ohr. alte Strukturen einzureißen und neue aufzubauen. eine zweite Familie und setzte sich mit der Aura ewiger Jugend unermüdlich für den Erhalt unseres Planeten für künftige Generationen ein. sagte er von sich und bastelte an Projekten. so wie im Evolutionsprozess … Man muss immer neue Herausforderungen suchen. ob die Wucht eines Steinwurfs Auswirkungen auf die Größe des Lochs in der Fensterscheibe hatte. wobei nach 1. die er nur trage. Könnte ein Motto die Vielfalt seiner Lebensleistungen zusammenfassen. Er war ein Bücherwurm und infiziert von der Technikbegeisterung seiner Zeit. 1998) war der Sohn von Günter Eich (1907–1972) und Ilse Aichinger (*1921). Sein Ziel. wenn er mit den Großen dieser Welt speise. Simultanvorstellungen von K & K alias Karpow und Kasparow. hieße es: Grenzen überwinden. Schon als Teenager experimentierte er mit der Kamera und filmte kleine Melodramen mit sich selbst in der Hauptrolle. Da hatte ihn ein preisgekrönter Film bereits berühmt gemacht und ihm Möglichkeiten eröffnet über alle Grenzen hinweg. verweigerte er die Amputation des linken Arms. noch mit seiner ersten Frau verheiratet. Als Judit im Finale Topalov mit 3. er starb dort an den Folgen eines Sturzes auf einer U-Bahn-Treppe. um das Gewicht vergangener Erfolge zu vermeiden …« So richtig das sein mag. Als Schüler langweilte er sich und versuchte per Experiment herauszufinden. Während der NS-Zeit waren viele der jüdischen Verwandten der Österreicherin Ilse Aichinger im KZ ermordet worden. Knapp dem Tod entronnen. erst als der Boss seines Vaters ihn ins Wasser warf.5 : 0. Ein Eliteturnier mit Judit Polgar. 28 Lösung aus Nr. die an Science-Fiction gemahnen. 28 Clemens Eich (22.Th5++ folgte und nach der erzwungenen Rückkehr des Königs 2. Nach siebzehn Schulfensterscheiben flog er. 5. um sich nicht selbst ins Auge schauen zu müssen. die Kasparow in der schlechten. Bei seinen weitverzweigten Interessen fiel die Berufswahl schwer. Schon bald tüftelte er an einer Technik. Clemens Eich lebte in Hamburg und Wien. zum Pionier.. verhinderte ein schwerer Autounfall. 2. aus Abenteuerlust entschied er sich für die Marineschule. Im Krieg überquerte er mit einer Minikamera feindliche Linien und agierte als Spion. belohnte die »beste Spielerin aller Zeiten« donnernder Beifall und ein Kuss des Rektors.Th8 matt Schach Helmut Pfleger Lebensgeschichte Wolfgang Müller 51 . 1954 bis 22. »Ich spiele immer noch. um das Wunder des Lebens zu begreifen. über ein Jahr trainierte er. Dabei entdeckte er einen Sport. Mit welch wagemutigem Zug eroberte sie hier als Weiße zwangsläufig eine Figur? Lösung aus Nr. bis er ihn wieder gebrauchen konnte.. dort lernte er Disziplin und fand Vergnügen an intellektuellen Herausforderungen. Er habe kein Gefühl für das Unmögliche. stellte er Rekorde auf.1 2 1 Schach Lebensgeschichte Ständig krank. bis der Freigeist schließlich hoch dekoriert. Auch vom Alter ließ er sich nicht einschränken: Als Großvater gründete er. eine Ausstellung rund ums Schach... Um eigene Grenzen auszutesten. ein Universitätspark voller Schachspieler und ein umjubelter Festvortrag Kasparows: »Der Erfolg ist der Feind des Erfolgs von morgen … Der Misserfolg ist zur Erreichung des Erfolgs nötig … Man muss neue Fragen stellen und neue Antworten auf alte Fragen suchen. Die einstigen Erzfeinde Karpow und Kasparow in trauter Eintracht und mittendrin Judit Polgar. Der Kopf eines multinationalen Unternehmens behauptete. um sich von den Beschränkungen seiner Sportart zu befreien. lernte er immerhin schwimmen. Der Satz v