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Mission Zukunft: ICT 2032
45 Thesen für den Weg ins Morgen

In 22 Jahren wird es die IT in klassischer Form nicht mehr geben. Doch welche Konsequenzen leiten sich daraus ab? Wie wirken sich die ICT-Entwicklungen auf die Gesellschaft, Individuen und Unternehmen aus? Wie beeinflussen nichttechnologische Faktoren die ICT-Landschaft 2032? Welche Nutzen bieten diese technologischen und nichttechnologischen Veränderungen? Und wo liegen die Chancen und Risiken? 45 Thesen umreißen – mal provokant, mal überraschend – wie die Informations- und Kommunikationstechnologie Leben, Gesellschaft und Wirtschaft im Jahre 2032 beeinflussen wird. Anwendungsbereiche wie Automotive, Energiewirtschaft, Finanzdienstleistungen, Leben und Wohnen sowie Gesundheit werden sich unter dem Einfluss von ICT radikal verändern und weiterentwickeln. ICT für jeden und überall, in nahezu jedem Gegenstand, das ist das charakteristische Merkmal der Welt von Morgen.

Auszug: Kapitel ICT
These 2: Alles kommt aus dem Netz

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ICT

These 2: Alles kommt aus dem Netz

These 2: Alles kommt aus dem Netz

Der Computer ist überall. Wie Sauerstoff in der Atemluft. Nicht von ungefähr

heißt das Projekt des Massachusetts Institute of Technology zur Erforschung der Zukunft des Computers „Project Oxygen“. Ein Blick in die Zukunft zeigt: Stationäre Rechner und mobile Endgeräte sind permanent miteinander verbunden und bedienen sich dezentraler Kapazitäten, der Cloud. Branchenbeobachter wollen wissen, dass klassische IT-Abteilungen durch die neue Technologie um bis zu 75 Prozent schrumpfen werden. Aber es ist keine Frage: Die ICT-Branche steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Fachabteilungen wünschen schnelle Reaktionen auf den Wandel des Markts durch technologische Veränderungen. ITAbteilungen wollen ihr eigenes Geschäft durch den Einsatz neuer Technologien nachfragekonform gestalten und damit ihre Rolle im Unternehmen stärken. Die Gründe für den Aufbruch der Informations- und Kommunikationstechnologien in ein neues Zeitalter sind vielfältig. Der Paradigmenwechsel lässt sich jedoch auf eine einfache Formel bringen: Weg von stationärer IT hin zu flexiblen und modularen Services, die immer dann zur Verfügung stehen, wenn man sie braucht. Laut der Studie „The Future of Corporate-IT“ des Corporate Executive Board (CEB) in Washington verlieren in den nächsten fünf Jahren IT-Abteilungen große Teile ihrer Verantwortung an das Business Management. Die Rolle des CIO verändere sich dramatisch, prognostizieren die Strategieberater. Durch Cloud Computing, bei dem Firmendaten zentral online gespeichert und verwaltet werden und der Zugriff weltweit von jedem internetfähigen Gerät aus möglich ist, Social Media und Knowledge-Worker werde das Management von Daten mindestens ebenso wichtig wie das Prozessdesign. Die Analyse der Experten basiert auf einer Befragung von über 200 Business- und IT-Führungskräften. „Wie Unternehmen künftig IT-Leistungen beschaffen und verteilen und wie sie IT zur Schaffung von Mehrwert einsetzen, wird die IT-Abteilungen nachhaltig verändern“, sagt Andrew Horne, Studienleiter und Senior Research Director beim CIO Executive Board, der IT-Strategietochter des CEB. Wesentliche Aufgabenfelder der heutigen Unternehmens-IT würden mit zentralen Geschäftsfunktionen wie Human Resources, Supply Chain oder Finance zu einer eigenen Shared Service Group verschmelzen, andere Teile komplett an Service-Provider ausgelagert. Mit dem Siegeszug immer stärker spezialisierter Cloud-Angebote

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werde das Business-Management zunehmend in die Lage versetzt, auch ohne Beteiligung der internen Abteilung IT-Lösungen einzukaufen. Damit ändere sich die Rolle des CIO dramatisch. Dass Software as a Service (SaaS) sich bereits jetzt auf die gesamte Unternehmensorganisation auswirkt, ist für Kenner der Branche offensichtlich. Deshalb sei der CIO gefordert, sich mit den gegenwärtigen Entwicklungen gründlich auseinanderzusetzen. Sonst bestehe die Gefahr, dass er sich zum Organisator von Technologie degradieren lasse. Laut Corporate Executive Board wird der CIO künftig in zunehmendem Maße mit dem Wunsch der Fachabteilungen konfrontiert werden, aus ihrem eigenen Etat Cloud Services, SaaS-Lösungen oder Managed Services anzuschaffen. „Für den IT-Chef ist das ein doppeltes Dilemma: Auf der einen Seite steckt darin der implizite Vorwurf, dass er die passende Lösung nicht innerhalb derselben Fristen und zu ähnlichen Kosten liefern kann. Auf der anderen Seite entsteht eine ITLandschaft, für die er zwar verantwortlich zeichnet, die sich aber seiner Kontrolle entzieht“, schreibt das Fachmagazin CIO. Verstärkt werde der Trend durch Knowledge-Worker, die sich mit „smarten“ Endgeräten und sozialen Netzwerken Produktinformationen zur IT selbst besorgen. Gleichzeitig steige die Menge an Daten, die verarbeitet und verteilt werden müssen, exponentiell an. Damit erbringe die IT nicht mehr in erster Linie aus dem Prozessdesign Wettbewerbsvorteile für Unternehmen, sondern aus dem Management von Informationen, der Datenanalyse und vor allem der Befähigung ihrer Knowledge-Worker durch eine adäquate Technologie. Im Zuge des Hypes der Cloud wird sich nach Überzeugung vieler Analysten auch das Mietmodell Software as a Service als Standard durchsetzen. Dabei residieren Anwendungen nicht mehr lokal, sondern werden als Webware on demand mit lokalen Browsern über das Internet genutzt. Insbesondere ERP-Lösungen (Enterprise Resource Planning) auf SaaS-Basis, mit denen die Planungen eines Unternehmens unterstützt und der effektive Einsatz vorhandener Ressourcen ermöglicht werden, können für kleine bis mittlere Unternehmen (KMU) eine interessante Alternative zur Lizenzsoftware sein. Bei knappen IT- und Personalressourcen wüssten insbesondere KMU den geringeren Wartungs- und Betriebsaufwand zu schätzen. Außerdem sei es für sie besonders attraktiv, Kapitalinvestitionen zu vermeiden und die Kosten für das ERP-System als Betriebsausgaben verbuchen zu können. Hinzu käme in vielen Fällen eine einfachere Implementierung mit etwas kürzeren Einführungszeiten, so dass die Einsparungen schneller

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wirksam werden. Allerdings: Unternehmen sollten nicht unterschätzen, dass mit der Einführung einer ERP-Lösung nach dem SaaS-Modell auch Veränderungen an der Prozesslandschaft notwendig werden. Vor allem Betriebe, die bereits Erfahrungen mit Outsourcing haben, werden nach Einschätzung von Marktbeobachtern zunehmend Cloud Services nutzen, um ihre Kosten zu reduzieren und eine höhere Flexibilität zu erreichen. Analysten bescheinigen Cloud Computing deshalb auch eine rosige Zukunft und sagen Wachstumsraten jenseits der 30 Prozent voraus. Schon bald würden mehr als ein Drittel der digitalen Informationen direkt oder indirekt mit Cloud Services oder Cloud-Infrastrukturen verarbeitet werden. Nach Überzeugung der Befürworter bietet Cloud Computing zudem erhebliche Chancen für die IT-Sicherheit, für die man unter anderem Skaleneffekte, weitreichende Standardisierungsbestrebungen und eine hohe Skalierbarkeit nutzen könne. Vor allem kleinere und mittelgroße Betriebe könnten von der Konzentration auf ihr Kerngeschäft und die Auslagerung von IT-Aufgaben profitieren. Positiv wirkt sich Cloud Computing nach Expertenmeinung auch auf die Umwelt aus. So wurde ausgerechnet, dass große Unternehmen ihren Energiebedarf und CO2-Ausstoß mit Software, E-Mails und Daten, die statt auf eigenen Rechnern im Internet genutzt und vorgehalten werden, um rund 30 Prozent reduzieren können. Eine Firma mit rund 200 PC-Mitarbeitern könne ihre CO2-Bilanz sogar um bis zu 90 Prozent verbessern. Allerdings: Es gibt auch kritische Stimmen über das „One-Hit-Wonder“ Cloud. Die stereotype Nutzenargumentation „Pay-as-you-go“ und „Shared Resources“ greife zu kurz. Die ausschließliche Fokussierung auf Kosten- und Geschwindigkeitsvorteile bilde die größte Schwäche von Cloud Computing, das auf eine Vielzahl von Herausforderungen der IT eine Antwort schuldig bleibe: Wie lässt sich die Abhängigkeit von Lieferanten auflösen? Wie kann die Komplexität der Schnittstellen reduziert werden? Wie wird die IT Wegbereiter für neue Geschäftsideen? Wie lässt sich die Dienstgüte der Anwendungen erhöhen? Wie steigert man die Innovationsgeschwindigkeit? Wie präzise können Kapazitäten geplant werden? Außerdem weisen die kritischen Beobachter der Cloud-Entwicklung darauf hin, dass viele Softwareanbieter für ihre Produkte kein für Cloud Computing

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passendes Lizenzmodell entwickelt haben, das dem Wegfall physikalischer Mengeneinheiten wie Prozessorkerne oder Serverinstanzen Rechnung trage. Auch Sicherheitsbedenken werden geltend gemacht. Für Public Clouds seien die Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz nicht ausreichend umgesetzt. Neben Zweifeln hinsichtlich der Sicherheit in gemeinsam genutzten Umgebungen sei auch die Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen im gewollt industrialisierten und anonymen Betreibermodell des Cloud Computing ungelöst. Die Experten des „Münchner Kreis“ halten in diesem Zusammenhang eine breite Diskussion zum Umgang mit Daten und Webware für erforderlich, bei der den Endnutzern mit ihren Bedürfnissen eine besondere Rolle eingeräumt werden müsse. Die skandalösen und pikanten Enthüllungen von WikiLeaks im Jahr 2010 lassen allenfalls erahnen, wie schwer es in der Praxis sein wird, die Datenfülle im Netz vor unerlaubten Zugriffen zu schützen. Allerdings stellen auch die Kritiker den Zukunftstrend Cloud Computing nicht grundsätzlich in Frage. Sie gehen davon aus, dass sich der Markt in zwei Richtungen entwickeln wird. In der ersten Evolutionslinie unterlägen die Marktteilnehmer verstärkt dem Zwang, sich entweder auf eine Massenproduktion oder eine Spezialisierung auszurichten. Das „as-a-Service“-Paradigma, das heute die Klammer um den ungeteilten Cloud-Computing-Markt bilde, werde den entgegengesetzten Kräften von Skaleneffekten und Diversifikation nicht standhalten können. In der Folge etablieren sich nach Experteneinschätzung zwei neue Märkte: ein Versorgermarkt für IT-Infrastuktur und ein universeller Softwaremarkt. Orthogonal dazu entwickelten sich die Geschäftsfelder des Cloud Computing weiter. Während IT-Hersteller und -Dienstleister im noch jungen CloudComputing-Markt alle Glieder der Wertschöpfungskette selbst entwickelt hätten, heizten technische Abstraktionen und sinkende Interaktionskosten eine Segmentierung an. Nach Schätzung des „Münchner Kreis“ werden spätestens ab 2025 über 75 Prozent der privaten Daten, wie zum Beispiel Dokumente, Bilder und Musik sowie geschäftliche Daten inklusive Firmendatenbanken, im Internet hinterlegt sein.

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Der Zugriff auf Rechenleistung und Speicher in der Cloud werde zur Gewohnheit. Bereits zehn Jahre früher würde Software nicht mehr stationär auf dem Rechner vor Ort oder dem mobilen Endgerät genutzt, sondern als Webware on demand im und über das Internet genutzt. Die Zukunft gehöre der netzzentrischen Sicht.

Auf einen Blick:

> Die ICT-Branche steht vor tiefgreifenden Transformationen. > Gefragt sind flexible und modulare IT- Services, die immer dann zur Verfügung stehen, wenn man sie braucht. > Cloud Computing ist nicht unumstritten, aber ein Geschäftsmodell der Zukunft. > Spätestens ab 2025 werden mehr als 75 Prozent der privaten und geschäftlichen Daten im Internet hinterlegt sein. > Die breite Akzeptanz von Cloud Computing hängt maßgeblich von der Sicherheit der Daten ab.

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