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ENQUETE-KOMMISSION

„SCHUTZ DES M E N S C H E N U N D DER U M W E L T "


D E S 13. D E U T S C H E N B U N D E S T A G E S

Konzept Nachhaltigkeit
Studienprogramm
Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH
Udo Kuckartz

Umweltb ewußts ein


und Umweltverhalten

Mit 11 Abbildungen und 4 Tabellen

Springer
Herausgeber:

Enquete-Kommission
„Schutz des Menschen und der Umwelt"
des 13. Deutschen Bundestages
Bundeshaus
D-53113 Bonn

Autor:

Priv.-Doz. Dr. Udo Kuckartz


Hochwildpfad 22
14169 Berlin

ISBN 978-3-642-63742-1

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme


Kuckartz, Udo: Umweltbewußtsein und Umweltverhalten / Udo Kuckartz. Hrsg.: Enquete-
Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt" des 13. Deutschen Bundestages. -
Berlin; Heidelberg; New York; Barcelona; Budapest; Hongkong; London; Mailand; Paris;
Santa Clara; Singapur; Tokio: Springer, 1998
(Konzept Nachhaltigkeit)
ISBN 978-3-642-63742-1 ISBN 978-3-642-58812-9 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-642-58812-9
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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1998


Ursprünglich erschienen bei Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 1998
Softcover reprint of the hardcover 1st edition 1998

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in die-


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solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu
betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.

Datenkonvertierung: Marion Masson-Scheurer, Homburg

Herstellung: Renate Münzenmayer, Heidelberg


SPIN 10632443 30/3136-5 4 3 2 1 0 - Gedruckt auf säurefreiem Papier
Geleitwort

Die langfristige Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, wirt-


schaftliche Stabilität und soziale Verträglichkeit bilden die drei Di-
mensionen, die das Leitbild der Nachhaltigkeit zu vereinbaren sucht.
Dabei verlangt nachhaltige Entwicklung einen Richtungswechsel,
wenn es zukünftig gelingen soll, nicht mehr vom Naturkapital selbst,
sondern von den Zinsen zu leben. Die Idee, auch künftigen Genera-
tionen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen, findet breite Zu-
stimmung, doch über das Wie herrscht Unsicherheit.
Wie können die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung gefunden
werden, und wie sieht ein solcher Weg für Deutschland aus? Welche
Voraussetzungen müssen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft erfüllen,
um die Weichen zu stellen?
Um diese komplexen Fragen zu beantworten, beauftragte die En-
quete-Kommission »Schutz des Menschen und der Umwelt« Wissen-
schaftler und Forschungsinstitute mit der Aufarbeitung einzelner
Themenbereiche:
• Nationaler Umweltplan
Globalisierung und Nachhaltigkeit
Institutionelle Reformen
• Umweltbewußtsein und -verhalten
• Risiko- und Technikakzeptanz
• Bauen und Wohnen
• Versuerung von Böden
Mit der Veröffentlichung ihres Studienprogramms unter dem Titel
»Konzept Nachhaltigkeit« will die Enquete-Kommission die aktuellen
Forschungsergebnisse Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und nicht
zuletzt einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Die
in den Studien geäußerten Ansichten müssen nicht mit denen der
Enquete-Kommission übereinstimmen. Ich hoffe, daß die Veröffentli-
VI Geleitwort

chung dazu beiträgt, die Diskussion zu beleben, und daß sie Mut
macht zu weiteren Schritten in Richtung Nachhaltigkeit.

Marion Caspers-Merk

Vorsitzende der Enquete-Kommission


»Schutz des Menschen und der Umwelt«
Inhaltsverzeichnis

1 Ergebniszusanunenfassung ............................................. .
2 Sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten
über Umweltbewußtsein und Umweltverhalten ............... 5
3 Studientypen und Forschungslinien ........ ..... .............. ...... 13
4 Umweltbewußtsein in Deutschland .................................. 27
4.1 Generelle Befunde ................................................... ........ 27
4.2 Effekte sozio-demographischer Variablen ....................... 34
5 Diskrepanzen zwischen Umweltbewußtsein
und Umweltverhalten ....................................................... 41
6 Ansätze zur Erklärung
des persönlichen Umweltverhaltens ..... ............................ 51
6.1 Umweltverhalten als Resultat von Rational Choice ......... 52
6.2 Umweltverhalten als Dilemma
eines Normierungskonfliktes ........................................... 57
6.3 Umweltverhalten als Teil des Lebensstils ........................ 62
6.4 Wohlbefinden als Motiv des Umweltverhaltens .............. 70
6.5 Fazit ............ ........... .............. ................................. ....... .... 77
7 Trends und Tendenzen:
Das Leitbild Sustainable Development .... ............ ...... ...... 83
7.1 Perspektivwechsel
für die Umweltbewußtseinsforschung .............................. 83
7.2 Nachhaltigkeit als Leitbild
für das persönliche Umweltverhalten ............................... 86
7.3 Wie läßt sich Nachhaltigkeit kommunizieren? ................ 88
7.4 Umweltbewußtsein und Innovation ................................ 100
8. Literaturverzeichnis ......................................................... 103
Verzeichnis der Abbildungen .................... ..... ..... ........ ...... ... .... 113
Verzeichnis der Tabellen ... ... ........... ..... ..... ........ ....... ......... ... .... 114
1 Ergebniszusammenfassung

1. Die sozialwissenschaftliche Umweltforschung ist ein eher ver-


nachlässigtes Feld der Sozialforschung. Die Hauptströmung der
bisherigen Forschung zum Umweltbewußtsein läßt sich durch
vier Merkmale charakterisieren: Sie basiert auf Befragungen, ar-
beitet als Einmalerhebung, fokussiert einzelne Teilgruppen der
Bevölkerung und bewegt sich vornehmlich im lokalen oder re-
gionalen Bezugsrahmen.
2. Trotz der schlechten institutionellen Bedingungen - es gibt nur
eine rudimentäre Etablierung von Umweltpsychologie, Um-
weltsoziologie und Umweltbildung an den Hochschulen - hat
sich eine beträchtliche Anzahl von kontinuierlich auf diesem Feld
arbeitenden Forschergruppen gebildet. Derzeit scheint sich eine
Veränderung im Hinblick auf die Forschungslinien und die prä-
ferierten Studientypen abzuzeichnen. Man wendet sich von der
lange Zeit dominierenden Einstellungs-Verhaltens-Forschung ab
und bevorzugt eine stärker anwendungsbezogene Forschung.
3. Generell kann sich der Umweltschutz in Deutschland einer gro-
ßen Wertschätzung erfreuen. Das Umweltbewußtsein wird vor
allem durch die Sorge um die Nachkommenschaft motiviert. Man
denkt nicht primär an sich selber, wenn man pro Umweltschutz
eingestellt ist. Die weit verbreiteten Umweltängste beziehen sich
auf die Zukunft, die man in düsteren Farben sieht. Im Hier und
Jetzt kann man hingegen, so 90% der Bevölkerung, ganz gut le-
ben.
4. Es zeigt sich, daß soziale Merkmale sowie das Geschlecht, der
Bildungsstand und die Berufsgruppe keine entscheidenden Ein-
flußfaktoren für das Umweltbewußtsein und -verhalten darstellen.
Zwar existieren je nach Berufsgruppe, Geschlecht oder Bildungs-
stand auch Unterschiede, doch überwiegen die Gemeinsamkeiten.
Für Umweltprobleme werden - unabhängig von der Parteipräfe-
2 Ergebniszusammenfassung

renz - Politik und Industrie verantwortlich gemacht. Wenn es um


Umwelt geht, sind es die Nicht-Regierungsorganisationen, denen
man Vertrauen schenkt.
5. Das hohe Umweltbewußtsein kontrastiert mit einem nach wie vor
wenig umweltgerechten Verhalten. Auch wenn in einzelnen Fel-
dern - z.B. dem Abfallverhalten und Teilbereichen des Kon-
sumverhaltens - Verhaltensänderungen zu registrieren sind, so
hängt dieses Verhalten nicht mit den Umwelteinstellungen und
dem Umweltwissen der Personen zusammen. Wenn man dieses
veränderte Umweltverhalten zum Maßstab nimmt, so muß man
feststellen: Es gibt umweltgerechtes Verhalten auch ohne Um-
weltbewußtsein.
6. Die in der Tradition der Einstellungsforschung stehende Umwelt-
bewußtseinsforschung sucht nach Erklärungsmodellen für das
persönliche Umweltverhalten. Hier wird stets eine Wirkungskette
Wissen, Einstellungen, Verhalten unterstellt. Die vorliegenden
Daten zeigen, daß die Zusammenhänge in dieser Form nicht
existieren. Mit solchen Modellen lassen sich nicht mehr als 15 bis
20% der Varianz des Umweltverhaltens erklären.
7. Vier Erklärungsansätze erscheinen derzeit aussichtsreich, um die
Kluft zwischen Umweltbewußtsein und Umweltverhalten zu er-
klären. Die ökonomische Verhaltenstheorie sieht Umweltverhal-
ten als Resultat von Rational Choice, ein soziologisches Erklä-
rungsmuster sieht Umweltverhalten als Teil des Lebensstils. Wei-
tere Zugänge fokussieren Wohlbefinden als Faktor für Umwelt-
verhalten oder sehen dies im Kontext eines Normierungs-
konfliktes, einer Dilemmasituation zwischen Egoismus und Ge-
meinschaft. Die Erklärungskraft der Ansätze hängt in starkem
Maße von der konkreten Verhaltensweise ab.
8. Man wird nicht darauf hoffen dürfen, daß es in absehbarer Zeit
zur Entwicklung einer integrativen Theorie des Umweltverhaltens
kommt, deren Erklärungskraft besser als die der vorliegenden
Ansätze wäre. Erfolgversprechender erscheint es deshalb zu sein,
wenn man das Problem der Verhaltensänderung jeweils durch die
Brille dieser vier Ansätze betrachtet. Je stärker finanzielle
Aspekte eine Rolle spielen, desto erklärungskräftiger ist der Ko-
Ergebniszusammenfassung 3

sten-Nutzen-Ansatz. Der Lebensstil-Ansatz ist insbesondere für


das Konsumverhalten erklärungskräftig, weil er mit einer Diffe-
renzierungsperspektive arbeitet. Der Dilemma-Ansatz zeigt, daß
Vertrauen die zentrale Kategorie für gemeinschaftsorientiertes
Handeln ist.
9. Das Leitbild Sustainable Development verlangt einen Perspektiv-
wechsel der Umweltbewußtseinsforschung, denn es bringt eine
Hierarchisierung der Relevanzen von Umweltverhaltensfeldern
mit sich. Es verändert auch die bisher vornehmlich impliziten
Leitbilder vom umweltgerechten Leben.
10. In bezug auf das Leitbild der Nachhaltigkeit ist die derzeitige
Situation durch Wissensdefizite, Bildungsdefizite und Kommuni-
kationsdefizite gekennzeichnet. Nur 11 % in den alten und 7% in
den neuen Bundesländern haben bislang von diesem Begriff
überhaupt gehört.
11. Zur Kommunikaton des Leitbildes werden drei aufeinander ab-
gestimmte Strategien vorgeschlagen: ein Popularisierungskon-
zept, ein Machbarkeitskonzept und ein Bildungskonzept. Ziel des
Popularisierungskonzeptes ist es, das Leitbild bekannt und at-
traktiv zu machen. Ziel des Machbarkeitskonzeptes ist es, neben
der Förderung von Demonstrationsvorhaben, ein Ökologi-
sierungsprogramm für die staatlichen Institutionen zu entwickeln.
Ziel des Bildungskonzeptes ist es, Sustainability in alle Bereiche
des Bildungswesens zu implementieren. Die Bildung muß reflexiv
werden. Die Copernicus Charta der Konferenz der euro-päischen
Hochschulrektoren zeigt einen programmatischen Weg, das Fif-
ty/fifty-Programm der Hamburger Schulen einen praktischen
Weg der Realisierung vor.
12. Bei allen drei Konzepten geht es um die Entwicklung zielgenauer
Strategien auf der Basis der existierenden Lebensstile und nicht
um die Vorgabe generalistischer Leitbilder, die an den Gefühlen
und Köpfen der größten Zahl der Menschen vorbeigehen. Eine
Strategie zur Kommunikation von Nachhaltigkeit erscheint dann
besonders aussichtsreich, wenn sie nicht nur auf Lebensstiltypen,
sondern auf Umweltverhaltenstypen abstellt. Hier besteht noch
erheblicher Forschungsbedarf.
4 Ergebniszusammenfassung

13. Im Rahmen der drei strategischen Konzepte können Staat, Indu-


strie und Handel, Nicht-Regierungsorganisationen, Verbraucher-
organisationen, Umweltbildungszentren sowie die Sozial- und
Bildungsforschung ihre je eigenen Rollen wahrnehmen. Eine be-
sondere Rolle sollte der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zuge-
dacht werden. Zwingend erscheint auch eine Kooperation mit der
EXPO 2000, hat sie doch die Idee der Nachhaltigkeit zu ihrem
Leitthema erklärt.
14. Das in Deutschland weit verbreitete Umweltbewußtsein kann so-
wohl einen hemmenden wie einen innovativen Faktor darstellen.
Umweltängste sowie skeptische Sichtweisen der Zukunft können
sich auf dem Hintergrund einer persönlichen Zufriedenheit mit
der Gegenwart als Hemmnis auswirken. Andererseits erweist sich
Umweltbewußtsein auch zunehmend als Motor von Innovationen,
wie sich am Beispiel der technischen Entwicklung der Kühlgeräte
nachvollziehen läßt.
2 Sozialwissenschaftliehe
Forschungsarbeiten
über Umweltbewußtsein
und Umweltverhalten
Die Anfänge der Umweltbewußtseinsforschung in Deutschland rei-
chen bis in die 70er Jahre zurück. Zunächst war es die Demoskopie,
die Mitte der 70er Jahre begann, sich mit Fragen des Umweltbewußt-
seins zu beschäftigen. Seither ist es üblich, das Thema Umwelt in Re-
präsentativuntersuchungen einzubeziehen, beispielsweise in solche, in
denen die Bedeutsamkeit und Rangfolge politischer Themen ermittelt
wird. Eine im engeren Sinn sozial wissenschaftliche Forschung über
Umweltbewußtsein hat in der Bundesrepublik Deutschland erst weit-
aus später als die Meinungsforschung begonnen. Die wissenschaftli-
che Beschäftigung mit dem Thema nahm ihren Ausgangspunkt in den
USA, wo sich seit Beginn der 70er Jahre vor allem Psychologen für
die Umweltthematik interessierten und in der klassischen Weise der
Einstellungsforschung Instrumente zur Erfassung des "Konstruktes"
Umweltbewußtsein entwickelten (vgl. hierzu DierkeslFietkau 1988:
64ff.; MaloneylWard 1973).
Bereits in den Anfängen der Umweltbewußtseinsforschung wurde
von den amerikanischen Psychologen Maloney und Ward eine Aus-
differenzierung des Begriffs Umweltbewußtsein vorgenommen, an die
sich die Begriffsverwendung im folgenden anlehnt:
Unter Umweltwissen (in der Terminologie Maloneys "knowledge")
wird der Kenntnis- und der Informationsstand einer Person über Natur
und Umwelt, über Trends und Entwicklungen in ökologischen Auf-
merksamkeitsfeldern verstanden.
Unter Umwelteinstellungen ("attitudes") werden außer Einstellun-
gen gegenüber dem Umweltschutz im engeren Sinne auch Ängste,
Empörung, Zorn, normative Orientierungen und Werthaltungen sub-
sumiert. Teil der Umwelteinstellungen ist die Betroffenheit ("affect"),
d.h. die emotionale Anteilnahme, mit der Personen auf Prozesse der
Umweltzerstörung reagieren.
6 Sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten über Umweltbewußtsein

Mit Umweltverhalten ("actual commitment") wird das Verhalten


in umweltrelevanten Alltagssituationen bezeichnet. Davon zu unter-
scheiden sind die Handlungsbereitschaften bzw. Handlungsabsichten
("verbal commitment"), d.h. die verbal bekundete, in die Zukunft
weisende Absicht, sich in einer bestimmten Art und Weise zu verhal-
ten. Zu beachten ist allerdings, daß es in der Umweltbewußt-
seinsforschung (schlechter) Brauch ist, unter Umweltverhalten das
selbstberichtete Verhalten zu verstehen (vgl. Six 1992). Zwischen
diesem und dem tatsächlichen, beobachteten Verhalten können, wie
einige Forschungsexperimente überzeugend darlegen, erhebliche
Diskrepanzen bestehen (vgl. Bickman 1972; Ipsen u.a. 1987).
Bei MaloneylWard umfaßt der Begriff Umweltbewußtsein alle ge-
nannten Komponenten, also auch das tatsächliche Verhalten. Eine
solche Begriffsdefinition ist durchaus überzeugend, doch hat sich im
Laufe der Zeit eher ein Begriffsgebrauch durchgesetzt, der die Verhal-
tenskomponente aus dem Begriff Umweltbewußtsein ausgrenzt. Die-
ser Entwicklung folgt auch die Begriffsverwendung in diesem Text:
Wenn im weiteren von Umweltbewußtsein die Rede ist, so umfaßt der
Begriff alle oben genannten Komponenten mit Ausnahme des Um-
weltverhaltens.
Das Material, auf dem diese Kurzstudie basiert, besteht aus den
deutschsprachigen empirischen Forschungsarbeiten seit 1985: Die
seither in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführte Forschung
wurde gesichtet und hinsichtlich ihrer Ergebnisse systematisiert. Re-
levante Arbeiten aus Österreich und der (deutschsprachigen) Schweiz
wurden ebenfalls hinzugezogen. In einem ersten Schritt wurde in
solchen Datenbanken recherchiert, die für Fragen des Umweltschutzes
und des Umweltbewußtseins einschlägig sind. Dies waren die Daten-
banken
UFORDAT, eine vom Umweltbundesamt verwaltete Datenbank
mit Informationen über Forschungsprojekte im gesamten Umwelt-
bereich,
• ULIDAT, eine ebenfalls vom Umweltbundesamt betreute Litera-
turdatenbank,
Sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten über Umweltbewußtsein 7

• SOLlS, eine vom Informationszentrum Sozialwissenschaften in


Bonn betreute Datenbank, die das gesamte Spektrum sozialwis-
senschaftlieher Literatur enthält und
FORIS, eine Datenbank über Forschungsprojekte im Bereich der
empirischen Sozialforschung, die wie SOLlS vom Informations-
zentrum Sozialwissenschaften erstellt wird.
Anhand der mit den Dokumentationseinheiten zumeist verfügbaren
Abstracts wurde in einem zweiten Schritt eine Vorsortierung vorge-
nommen, bei der alle nicht-empirischen, nicht-sozialwissenschaftli-
ehen und fehlklassifizierten Arbeiten aussortiert wurden. Danach ver-
blieben 350 Dokumentationseinheiten. Dies mag auf den ersten Blick
viel erscheinen und den Eindruck erwecken, daß im Feld des Um-
weltbewußtseins viel geforscht werde. Dies ist keineswegs der Fall:
Der Eindruck wird schnell korrigiert, wenn man sich zum Vergleich
vor Augen führt, daß in einer viel diskutierten Metaanalyse, die sich
mit dem Erfolg von Psychotherapien befaßt (vgl. GrawelDona-
tilBernauer 1994), nach einem ersten Selektionsdurchgang noch 3.500
Studien übrigblieben - vermutlich wurden ursprünglich etwa 10.000
einschlägige Studien durchgesehen. Dagegen ist die Zahl von 350
Arbeiten sehr bescheiden, insbesondere wenn man sie am Grad der
Bedeutsamkeit mißt, die dem Umweltthema zugesprochen wird. Zu-
sätzlich zu den Dokumentationseinheiten der vier Datenbanken wurde
der Literaturmarkt und die von der DFG geförderten, abgeschlossenen
Forschungsprojekte berücksichtigt. Aus dem so zusammengestellten
Gesamtmaterial von mehr als 400 Arbeiten wurden dann 100 empiri-
sche Studien als besonders wichtige Originalarbeiten herausgefiltert.
Für die Auswahl des Materials waren vier Kriterien maßgebend:
die Stichprobe soll beschrieben sein, d.h. die Publikation soll
Informationen über die Anzahl der Probanden und die Kriterien
ihrer Auswahl enthalten;
die Forschungsmethodik soll dargestellt sein, es soll also klar sein,
ob etwa mit einer mündlichen oder schriftlichen Befragung gear-
beitet wird;
8 Sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten über Umweltbewußtsein

• die Publikation soll erkennen lassen, daß es sich um eine sorgfäl-


tig geplante Studie und nicht um eine ad-hoc-Arbeit handelt;
quantitative Ergebnisse sollen statistisch aufbereitet sein und in
Form von Tabellen oder Korrelationen vorliegen.
Die so zustande gekommene Sammlung von 100 Studien enthält Ar-
beiten mit durchaus unterschiedlichen Ansätzen, verschiedener Reich-
weite und Akzentsetzung. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann
trotz sorgfältiger Recherche nicht erhoben werden. Man kann aller-
dings davon ausgehen, daß diejenigen Forschungen erfaßt worden
sind, die in den relevanten Datenbanken enthalten sind und in den
letzten Jahren in der wissenschaftlichen Diskussion eine nennenswerte
Rolle gespielt haben.
Nun, welche Studien sind dies, mit welchen Forschungsmethoden
arbeiten sie und wer ist das Objekt der Forschung? Abbildung 1 zeigt,
daß als Methode das Interview stark dominiert. Offene Interviews, bei
denen ohne ein vorab standardisiertes Schema von Fragen und Ant-
wortvorgaben gearbeitet wird und das Interview auf Tonband aufge-
nommen wird, sind eher selten. Normalerweise wird das standar-
disierte, mit einem detaillierten Fragebogen arbeitende Interview ein-

Schriftliches Interview 51 ,5

MümJlicl!es Interview
Telephoninterview
ülTcncs Interview
ComputcrintervielV
ExpcrilllcntJSinlulation
lkobachlung
JnhalLsunalyse
Aklionsforschung
o 10 20 JO 40 50 60
Abb. 1. Die Forschungsmethoden. SampIe empirischer Studien (N = 100; Basis = 97).
Angaben in %
Sozial wissenschaftliche Forschungsarbeiten über Umweltbewußtsein 9

gesetzt. Andere Formen des Interviews, wie das Telefoninterview


oder das Computerinterview, bei dem die Befragten ein Frage-
Antwort-Spiel direkt am PC durchführen, spielen so gut wie über-
haupt keine Rolle.
Im Vergleich mit anderen Themenfeldern der empirischen Sozial-
forschung wird in der Umweltbewußtseinsforschung das schriftliche
Interview überproportional häufig eingesetzt. Akten- und Dokumen-
tenanalysen, sonst im Schnitt in 15% aller empirischen Projekte ein-
gesetzt (vgl. Empirische Sozial forschung 1995: XXIff.), fehlen in der
Umweltbewußtseinsforschung völlig. Auch die anderen sozial wissen-
schaftlichen Forschungsmethoden wie Beobachtung, Inhaltsanalyse
und Experiment haben keine nennenswerte Bedeutung. Die Inhalts-
analyse wird nur in weniger als 5% der Untersuchungen eingesetzt,
beispielsweise um Schüleraufsätze über Umweltängste auszuwerten.
Erstaunlich ist, daß Beobachtungsverfahren in der Umweltbewußt-
seinsforschung so selten verwendet werden, obwohl es doch gerade
hier vieles zu beobachten gäbe: etwa, wer bei welchen Gelegenheiten
Getränke in Dosen konsumiert, wer im Supermarkt Fleisch aus Mas-
sentierhaltung kauft, wer Flaschen zum Altglascontainer bringt, wer
welchen Hausmüll produziert und vieles andere mehr. Feldex-
perimente - in der amerikanischen Forschung nichts Ungewöhnliches
- fallen in Deutschland eher aus dem Rahmen. I Solche Versuche,
Umweltbewußtsein mit der Beobachtung aktuellen Verhaltens zu
verknüpfen, sind in Deutschland so ungewöhnlich, daß sie gleich
Kritiker und (methodische) Bedenkenträger auf den Plan rufen 2, wäh-
rend eine im Mainstream liegende Befragungsstudie kaum damit
rechnen muß, daß die Indikatoren und Fragen einer näheren Prüfung
unterzogen werden.

I Diekmann und Preisendörfer haben ein solches Experiment durchgeführt und ihren
Befragten drei Monate nach einem Interview einen Prospekt einer fiktiven Drogerie
zugesandt, in dem Markenartikel stark verbilligt angeboten wurden, weil, wie es hieß,
mit stärkeren Umweltschutzauflagen zu rechnen sei und FCKW-haltige Artikel des-
halb geräumt würden (vgl. DiekmannlPreisendörfer 1992). Mit einer Rückantwortkarte
konnte ein Katalog angefordert werden. Durch Vergleich mit den Interviews konnte
nun ermittelt werden, ob es sich bei den Rücksendem um wenig umweltbewußte
Personen handelte oder nicht.
2 vgl. dazu die Leserbriefe in Spektrum der Wissenschaft, Febr. 1995.
10 Sozial wissenschaftliche Forschungsarbeiten über Umweltbewußtsein

Begutachtet man das Forschungsdesign der Studien, d.h. die Art


und Weise, wie sie methodisch angelegt sind, zeigt sich eine große
Uniformität. Fast immer - bei 85,7% aller Studien - arbeitet man mit
einer einzigen Erhebung, meist einer einmaligen Befragung. Mehrfa-
cherhebungen sind mit 13,0% relativ selten, insbesondere Panel-
Studien (1,3%), bei denen dieselben Personen über einen längeren
Zeitraum hinweg mehrmals befragt oder beobachtet werden. Abbil-
dung 2 zeigt, über wen im einzelnen geforscht wird. Die Mehrheit der
Studien richtet sich auf bestimmte Gruppen der Bevölkerung: So wird
z.B. das Umweltbewußtsein von Industriemanagern, Facharbeitern in
der Chemieindustrie oder Leitern landwirtschaftlicher Betriebe unter-
sucht, das Abfallverhalten von Einfamilienhausbewohnern oder das
Wasch- und Reinigungsverhalten von Hausfrauen. Relativ viele Stu-
dien befassen sich mit Schülern, Studenten und Auszubildenden.
Knapp 10% der Studien arbeiten mit nicht weiter spezifizierten, zu-
fällig bzw. willkürlich zustandegekommen Sampies.
Sehr unterschiedlich ist die geographische Reichweite der Studien.
Annähernd zwei Drittel aller Studien beziehen sich auf die Bevölke-
rung bzw. auf deren Teilgruppen in bestimmten Regionen oder ein-
zelnen Städten. Wenn schon der lokale oder regionale Bezugsrahmen

Landwirte
Industriearbeiter 8,1% RCl'r. Wohnbcvölkerung
5,1% 12,1%
Studenten
7,1%
Wohnbevölkerung Teile
Ad-hoc-Auswahl 11,1%
6,1%

Lehrer
3,0%

Spezielle Gruppen
18,2%
, Jugendliche
Haushalte 24,2%
5,1%

Abb. 2. Über wen wird geforscht? SampIe empirischer Studien (N = 100; Basis 99)
Sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten über Umweltbewußtsein 11

verlassen wird, dann begibt man sich auch gleich auf die Ebene der
gesamten Bundesrepublik und nicht bloß eines einzelnen Bun-
deslandes. Solche flächendeckenden, für die Bundesrepublik reprä-
sentativen Erhebungen sind - vermutlich auch wegen der erheblichen
Kosten - deutlich seltener. International vergleichende Erhebungen
spielen nur eine marginale RoHe.
Die Hauptströmung gegenwärtiger Umweltbewußtseinsforschung
läßt sich somit durch vier Merkmale charakterisieren. Umweltbewußt-
seinsforschung
basiert auf Befragungen,
arbeitet nach dem One-shot-Prinzip als Einmalerhebung,
fokussiert soziale Teilgruppen der Bevölkerung und
bewegt sich im Hinblick auf die Auswahl der Probanden in loka-
lem bzw. regionalem Bezugsrahmen.
3 Studientypen und Forschungslinien

Das Umweltbewußtsein ist ein Forschungsfeld, das von verschiedenen


Wissenschaftsdisziplinen bearbeitet wird: In Soziologie, Psychologie,
Erziehungswissenschaft, Publizistik, Marketing, Betriebswirtschaft
und weiteren Diszilinen wird Umweltbewußtseinsforschung betrieben
- entsprechend verschiedenartig sind die Fragestellungen, die ge-
wählten Methoden wie auch die theoretischen Bezüge. Im folgenden
werden zunächst die verschiedenen Studientypen vorgestellt, sodann
wird ein Überblick über die vorhandenen Forschungslinien bzw. For-
schergruppen gegeben.

Typ T: Die theorietestende quantitative Studie


Strukturelle Aspekte des Umweltbewußtseins, etwa der Zusammen-
hang von allgemeinen Werten und umweltrelevanten Verhaltenswei-
sen oder die Zusammenhänge von Umweltwissen, -einstellungen und
-verhalten stehen im Mittelpunkt dieses Studientyps. Den Forschern
geht es nicht um eine möglichst repräsentative Bestandsaufnahme von
Umweltbewußtsein, sondern ihr Anliegen ist von grundlegenderer
Natur. Eine typische Studie dieser Art stammt von Grob. Er geht von
dem in Abbildung 3 abgebildeten Zusammenhangsmodell aus (vgl.
Grob 1991: 59).
Dieses Modell verwendet neben den Variablen "Umweltbewußt-
sein" (entspricht den "UmwelteinsteUungen") und "Umweltverhalten"
die theoretischen Konzepte "Betroffenheit" (bezeichnet das affektive
Reagieren einer Person auf die Umweltzerstörung), "Kontroll-
attribution" (bezeichnet den Glauben eines Individuums an die Selbst-
wirksamkeit, d.h. welchen Einfluß sich jemand auf das Eintreten bzw.
Verhindern von Ereignissen selbst zuspricht) und "persönlich-
philosophische Lebenshaltung" (bezeichnet die Werthaltungen einer
14 Studientypen und Forschungslinien

.
Persönliche
Geschlecht philosophische ~
Lebenshaltun . ~

Alter
I
~W'ltbe~~~
\]
---//
>!J~~
I Wohnregion Kontroll-
I ~ attribution

Sozio-öko- '~~
nomischer ~~
Status Betroffenheit

Quelle: Grob 1991: 59

Abb. 3. Theoretisches Modell der Bestimmungsmomente von Umweltbewußtsein und


Umweltverhalten

Person, z.B. materialistische und postrnaterialistische Wertorientie-


rungen).
Die Zusammenhangshypothesen, die in einer solchen theorieori-
entierten Studie getestet werden, sind in der Abbildung 3 durch Pfeile
symbolisiert, welche die Wirkungsrichtung angeben. Sie lauten bei-
spielsweise: "Je ausgeprägter das Umweltbewußtsein ist, desto um-
weltgerechter verhält sich eine Person". Weiterhin beinhalten derarti-
ge Modelle häufig soziodemographische Variablen (z.B. Alter und
Geschlecht einer Person, ihre Wohnregion und ihr sozioökonomischer
Status), von denen angenommen wird, daß sie das gesamte Struktur-
modell des Umweltbewußtseins oder einzelne Teildimensionen beein-
flussen.
Theorieorientierte Studien dieser Art verfolgen primär das Ziel,
vorab formulierte Hypothesen auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen.
Dazu benötigt man nicht unbedingt sehr große, repräsentative Stich-
proben, doch muß die Zahl der Probanden hinreichend groß sein, um
Typ R: Repräsentative Umweltberichterstattung 15

komplexe statistische Analyseverfahren einsetzen zu können. Ande-


rerseits darf die Stichprobe nicht so "unrepräsentativ" sein, daß die
Ergebnisse schon allein deshalb angreifbar werden. So hat man es bei
diesem Studientyp meist mit einer Stichprobengröße zwischen etwa
200 und 600 Probanden zu tun, die lokal oder regional ohne strenges
Einhalten des Zufallsprinzips ausgewählt werden.

Typ R: Repräsentative Umweltberichterstattung

Für die Bevölkerung der Bundesrepublik repräsentative Studien er-


fordern wegen der notwendigerweise großen Stichprobe einen erheb-
lichen finanziellen Aufwand. Dieser Studientyp bedarf also immer
einer externen Förderung, beispielsweise durch das Bundesministe-
rium für Umwelt, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Bun-
desstiftung Umwelt, das Umweltbundesamt oder ähnliche Institu-
tionen. Eine für diese Art der Forschung typische Studie mit dem
Titel ,,Ermittlung des ökologischen Problem bewußtseins der Bevölke-
rung" wurde von Billig im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt
(vgl. Billig 1994). Mehr als 3000 Personen in den alten und neuen
Bundesländern wurden befragt. Geschulte Interviewer führten mit
zufällig ausgewählten Personen mündliche Interviews durch, bei de-
nen verschiedene Aspekte von Umwelteinstellungen, von Billig "öko-
logisches Problembewußtsein" genannt, im Mittelpunkt standen. Ne-
ben Umwelteinstellungen geht es im Fragebogen um die Wahrneh-
mung allgemeiner und persönlicher Umweltbelastungen, um persönli-
che Wertorientierungen, gesellschaftliche Orientierungen und um-
weltbewußtes Verhalten. Die in Abbildung 4 dargestellten Frage-
komplexe von BiIIigs Untersuchung sind durchaus typisch für diesen
Typ von Forschung.
Das Interview verläuft meist in der Weise, daß den Befragten Aus-
sagen, sogenannte Statements, vorgelegt werden (z.B. "Umweltschutz
erhöht die Produktionskosten und gefährdet die Arbeitsplätze" oder
,,Nur wenn wir uns selbst beschränken, können die Umweltprobleme
gelöst werden"). Die Befragten werden dann aufge-
16 Studientypen und Forschungslinien

Persönliche Befindlichkeit
- StreB, wirtschaftliche Besorgnis

Persönliche Wertorientierung Gesellschaftliche Orientierung


- Arbeitsorientierung - Sozialkritisches Bewußtsein
- Freizeitorientierung - Obrigkeitsdenken
- Soziale Orientierung - Wachstumsdenken

Ökologisches Problembewußtsein
6 Statements; unter anderem:
- Nur wenn wir uns selbst beschranken, kOnnen die Umweltprobleme gelOst werden
- Der Schutz der Umwelt ist wichtiger als wirtschaftliches Wachstum
- Die Behandlung der Lebensmittel mit Chemikalien und Konservierungsstoffen ist
gesundheitsschädlich
- Nur uber empfindliche Strafen lassen sich VerhaltenslInderungen bewirken

Ökologisch orientiertes Kaufen Ökologische Handlungsbereitschaft


- Kaufkriterien: Nährwert, - Sammeln und entsorgen
Naturbelassenheil, - Energie und Wasser sparen
umweltgerechte Produktion - geringe Autonutzung

Ökobewußtes Verhalten
- Lebensmittel aus biologischem Anbau kaufen
- Bewegung in der frischen Luft
- Beschaffung von Informationen zur Umweltsituation

Wahrnehmung allgemeiner und Einschätzung gesellschaftlicher und


persönlicher Umweltbelastungen persönlicher Risiken
- Fluglärm, Bleigehalt im Benzin, - Wirtschaftskrise, Krieg, Klimaverllnderungen
Industrieabflille in Gewässern - Trinkwasserverseuchung, Altlasten im
- Kernkraftwerke Boden, Nahrungsmittelvergiftung
- Industrieabgase, Verkehrslärm,
Autoabgase

Quelle: Billig 1993

Abb. 4. Variablenmodell einer Reprä5entativstudie


Typ Z: Die zielgruppenorientierte Studie 17

fordert, den Grad ihrer Zustimmung oder Ablehnung anzugeben. Man


arbeitet mit einem voll standardisierten Fragebogen. Dieser enthält
präzise formulierte Fragen, die von den Interviewern in genau glei-
cher Form gestellt werden müssen, sowie jeweils verschiedene alter-
nativ vorgegebene Antwortmöglichkeiten, unter denen der Befragte
auswählen muß. Fragen und Antwortmöglichkeiten werden dem Be-
fragten meist in Form von Listen vorgelegt. Die Auswertung konzen-
triert sich auf Fragen nach Zusammenhängen zwischen den einzelnen
Variablenbereichen, die überwiegend in Form von Korrelationen
untersucht werden. Aus dem Variablen modell lassen sich unschwer
Fragen generieren wie:
Sind ökologisch bewußte Personen eher sozial orientiert?
• Bewerten ökologisch bewußte Personen Leistung höher als ande-
re?
Bewerten sie Freizeit höher?
Schätzen ökologisch bewußte Personen die mit Umweltschäden
verbundenen gesellschaftlichen und persönlichen Risiken höher
ein?
Die Bedeutung dieses Typs von Studie liegt primär in dem repräsen-
tativen, beschreibenden Überblick, den sie zu geben in der Lage ist.
Es handelt sich um "sozialwissenschaftIiche Umweltberichterstattung"
mit den Mitteln der Einstellungsforschung.

Typ Z: Die zielgruppenorientierte Studie

Die Forschungsmotivation für diesen dritten Typ von Umweltbe-


wußtseinsforschung speist sich aus dem Interesse, das die Forscher
einer bestimmten Zielgruppe entgegenbringen. Dabei handelt es sich
beispielsweise um Manager, Landwirte, Facharbeiter, Jugendliche,
Schüler etc. Besonders zu letzteren existiert eine Vielzahl von Unter-
suchungen, von denen die meisten aus dem Umfeld der Erziehungs-
wissenschaft stammen. In Studien wie denen von PfIigersdorffer
(1991), Langeheine/Lehmann (1986) oder Szagun u.a. (1991) inter-
essiert man sich für Umweltwissen, Einstellungen und Engagement
18 Studientypen und Forschungslinien

der Schüler und will die Wirksamkeit von Umwelterziehung bzw. von
bestimmten Formen der Umwelterziehung eruieren. Auch solche ziel-
gruppenorientierten Studien können theoriebezogen vorgehen, d.h.
man vermutet vorab Zusammenhänge zwischen Variablen, die man
dann als operationalisierte Hypothesen empirisch überprüft.
Beispielsweise gehen Langeheine und Lehmann in der Studie "Die
Bedeutung der Erziehung für das Umweltbewußsein" der Hypothese
nach, daß die Prägung durch kindliche und frühkindliche Erfahrungen
und durch den Wohnort (StadtlLand) das Umweltbewußtsein beein-
flußt. Wer naturnah aufgewachsen ist, so die These, habe ein anderes
Verhältnis zu wichtigen Umweltfragen wie dem Tierschutz, dem
Energiesparen oder Fragen der ökologischen Lebensführung (vgl.
Langeheine/Lehmann 1986: 66f.). Werden solche Hypothesen über-
prüft, dann geschieht dies aber immer im Rahmen von Überlegungen,
die sich primär auf die Zielgruppe - hier auf Erziehungs- und Soziali-
sationsprozesse im Kindes- und Jugendalter - beziehen und nicht
etwa in der Absicht, eine allgemeine Theorie über die Struktur von
Umweltbewußtsein zu konstruieren.
Für eine Vielzahl weiterer Zielgruppen wurden Studien durchge-
führt: z.B. Einfamilienhausbesitzer, Hausfrauen, Automobilarbeiter
und Touristen in bestimmten Ferienregionen. Anders als der stark auf
den (inner)wissenschaftlichen Diskurs hin orientierte erste For-
schungstyp, die "theorietestende Studie", ist dieser Typ von For-
schung in der einen oder anderen Weise auf das bezogen, was gern als
"Praxisorientierung" bezeichnet wird. Da ist eine Gemeinde, wie die
Skiregion Söll, die es einmal genauer wissen will, wie umweltbewußt
ihre Touristen sind, warum diese eigentlich kommen, was sie lieben,
was sie stört und wie ihre Haltung zum Ausbau des Tourismus ist
(vgl. Staubmann 1991). Auch solche Studien benötigen keine 1000
Befragten, sondern nur so viele, wie für einen hinreichenden Über-
blick erforderlich sind - in Söll waren es 386. Und so erfährt man in
diesem Fall als Kommunalpolitiker über "seine" Touristen, daß sie
einerseits die landschaftliche Schönheit und Unberührtheit der Natur
als ersten Reisegrund angeben, während gleichzeitig die Mehrheit für
den Einsatz von Schneekanonen plädiert, wenn die Natur es nicht in
genügendem Maße hat schneien lassen. Solche "Ungereimtheiten"
Typ Q: Die qualitative Studie 19

interessieren bei diesem Studientyp aber nicht im Rahmen eines


Strukturmodells von Umweltbewußtsein, ebensowenig in bezug auf
Repräsentativität, sondern im Kontext einer zielgruppenspezifischen
"Politik", hier also eines Tourismuskonzeptes, das auf die Vorstellun-
gen und Wünsche der Gäste ebenso eingeht wie auf ihre Sorgen be-
züglich des Umweltschutzes.

Typ Q: Die qualitative Studie


Während die vorgenannten Studientypen T (Theorietestende Studie)
und R (Repäsentative Umweltberichterstattung) immer, der Studien-
typ Z (Zielgruppen-orientierte Studie) überwiegend mit quantitativen
Forschungsmethoden arbeiten, wird bei diesem Studientyp nicht auf
Zählen und Statistik abgestellt. Die qualitative Studie stellt, vom for-
schungsmethodischen Standpunkt aus gesehen, eine im Vergleich mit
dem zweiten Typ (der Repräsentativstudie) entgegengesetzte Form
von Untersuchung dar. Sie erklärt den Alltagsbezug umweltrelevanter
Verhaltensweisen zum Mittelpunkt des Interesses und arbeitet gewis-
sermaßen mikroskopisch.
Qualitative Studien verfügen meist nur über sehr kleine Stichpro-
ben, die dann aber sehr aufwendig und zeitintensiv beforscht werden.
Beispielhaft hierfür ist die von Ipsen u.a. durchgeführte Studie zum
Waschverhalten (vgl. Ipsen u.a. 1987). Ausgangspunkt für Ipsens
Forschungsprojekt war folgendes Phänomen: Obwohl die Mehrheit
der Bevölkerung - wie Repräsentativstudien zeigen - sehr wohl über
die Belastung der Gewässer durch die üblichen Waschmittel weiß,
verändert sie ihr Waschverhalten und die benutzten Waschmittel und -
mengen nicht entscheidend. Ipsens Studie will nun dieser Disparität,
deren Ursache er in tieferen Schichten des Zivilisationsprozesses
vermutet, genauer nachspüren. In die qualitative Feldstudie waren 26
Haushalte aus verschiedenen sozialen Schichten einbezogen, die über
einen Zeitraum von vier Wochen einen Test mit einem umwelt-
freundlichen Drei-Komponenten-Waschmittel durchführten. Zu Be-
ginn der Testphase wurde ihnen die Handhabung des Waschmittels
erläutert, und sie erhielten sogenannte ,,Erfahrungsbögen", die sie vor
20 Studientypen und Forschungslinien

und nach jeder Wäsche ausfüllen sollten. Am Ende des Feldexperi-


mentes wurde mit jedem Haushalt ein offenes Interview geführt, in
welchem auch die Hintergründe und Rationalisierungen des Wasch-
verhaltens thematisiert wurden. Es werden Fragen zum allgemeinen
Sauberkeitsverständnis gestellt und Begriffe wie "Geruch" und
"schmutzig" hinterfragt. Detailliert wird der Waschvorgang eruiert,
etwa wer entscheidet, wann etwas als schmutzig deklariert wird und
gewaschen werden soll. Ferner werden die Kriterien der Sauberkeit
erörtert und die Erwartungshaltungen diskutiert, die man z.B. einer
Arzthelferin oder einem "sauberen Hotel" gegenüber hat.

Typ S: Sonstige Studientypen

Diesen vier unterschiedlichen Arten von Umweltbewußtseinsstudien


läßt sich der überwiegende Teil des Spektrums der hier rezipierten
Untersuchungen zuordnen. Daneben existieren weitere Studienfor-
men, die nicht ohne weiteres unter diese vier Typen subsumierbar
sind. Dazu zwei Beispiele:
Spada u.a. führten Experimente zum Verhalten bei Umweltpro-
blemen durch. Dabei wurde ein sog. "Fischereispiel" entwickelt, das
dazu diente die Konflikte zwischen den egoistischen Interessen der
einzelnen (Fischer) und der Gemeinschaft - hypothetisch am nach-
haltigen Fischbestand interessiert - zu simulieren und zu beobachten
(vgl. Ernst/Spada 1993).
HofflLecher sowie Eckensberger u.a. betreiben Umweltbewußt-
seinsforschung auf dem Hintergrund von Moraltheorie (vgl. Hoff!
Lecher 1995; Eckensberger u.a. 1992). Hoff orientiert sich dabei ex-
plizit an Kohlbergs Moralforschung und unterscheidet sechs Stufen
des ökologischen Bewußtseins, welche vom "konkretistisch-punktuel-
len Niveau" über das "kausal-verallgemeinernde Niveau" bis zum
"systemisch-prozessualen Niveau" reichen (vgl. HofflLecher 1995:
220 ff). Forschung zielt hier dann darauf ab, Personen in dieses Stu-
fenschema einzuordnen und ähnlich wie in der Piagetschen Theorie
der Entwicklungsverläufe in der kindlichen Entwicklung nach Ent-
sprechungen zwischen verschiedenen Teilkonzepten - ökologisches
Überblick über die Forschungslinien 21

Bewußtsein, ökologische Kontrollvorstellungen, ökologische Moral-


vorsteIlungen - zu suchen.

Überblick über die Forschungslinien

Die Perspektiven, unter denen Umweltbewußtseinsforschung betrie-


ben wird, differieren natürlich in Abhängigkeit von der Disziplinzu-
gehörigkeit der Autoren. Dennoch läßt sich im Grunde nicht davon
sprechen, daß es die spezifisch soziologische, psychologische, erzie-
hungswissenschaftliche oder politologische Forschungslinie gibt.
Innerhalb der Disziplinen ist erhebliche Varianz der Fragestellungen,
der Methoden und der theoretischen Ansätze konstatierbar. Zur
Schulenbildung ist es bislang nicht gekommen, was gewiß auch damit
zusammenhängt, daß sowohl Umweltpsychologie, Umweltsoziologie
wie UmweltbildunglUmwelterziehung an den Hochschulen stark
unterrepräsentiert sind und die Forschung nur von einzelnen Professu-
ren oder kleinen Arbeitsgruppen - oftmals neben den eigentlichen
Aufgaben - betrieben wird. In den letzten Jahren haben sich drei
wissenschaftliche Fachgesellschaften gebildet, die sich kontinuierlich
mit Fragen des Umweltbewußtseins beschäftigen: die ,,Arbeitsgruppe
Umweltbildung" in der Deutschen Gesellschaft für Erzie-
hungswissenschaft (DGFE), die "Arbeits gruppe Soziologie und Öko-
logie" in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) und die
"Fachgruppe Umweltpsychologie" in der Deutschen Gesellschaft für
Psychologie (DGP).
Die folgende Tabelle 1 hat zum Ziel, einen Überblick über die
kontinuierlich in diesem Feld arbeitenden Forschergruppen und Ein-
zelforscher zu geben. Dargestellt sind die wissenschaftlichen Ori-
entierung, der disziplinären Bezug und der präferierte Studientyp. Die
Spalte Studientyp enthält ein Buchstabenkürzel gemäß der oben be-
schriebenen Klassifikation (z.B. T =Theorietestend, R =Repräsen-
tative Umweltberichterstattung usw.). In die Übersicht wurden keine
Einzelarbeiten - wie beispielsweise Dissertationen oder Diplom-
arbeiten - aufgenommen, auch wurden solche Forscher nicht aufge-
listet, die in den letzten Jahren nur ausnahmsweise ein Thema der so
Tabelle 1: Umweltbewußtseinsforschung in Deutschland - Überblick über kontinuierlich auf diesem Feld arbeitende Forscher bzw. ~
Forschergruppen

FORSCHER GRUPPE STUDIENTYP ORIENTIERUNG DISZIPLIN

Billig u.a. Köln R Umweltberichterstattung Sozialforschungsinstitut


DiekrnannlPreisendörfer BernlRostock T,S Kosten-Nutzen-Theorie Soziologie
Eckensberger u.a. Q Handlungstheorie, Kohlberg, Mo- Psychologie
Saarbrücken raltypen
Forschungsgruppe Umweltbildung, FU T Lebensstilforschung, Anthropo- Erziehungswissenschaft,
Berlin logie Soziologie
de Haan, Kuckartz u.a.
Forschungszentrum Jülich Wiedemann, R Risikoforschung, Akzeptanz- Psychologie
Kargeru.a. forschung
CI>
Hoff, Lecher FU Berlin S,Z Moralforschung, Kohiberg, Ziel- Arbeitspsychologie C
Co
gruppe Industriearbeiter :I
".
~
IPN Institut für die Pädagogik der Natur- Z,T Einstellungsforschung, Umwelt- Psychologie 1$
:I
wissenschaften Kiel berichterstattung Bereich Um- c
(Rost, Langeheine, Lehmann u.a.) welterziehung 5-
'"I1
IPOS - Institut für praxisorientierte Sozial- R Beschreibende Umweltbe- Sozialforschungsinstitut ~n
forschung richterstattung :r
c
:I
Qq
ISOE Institut für sozial-ökologische For- Q Lebensstilforschung Sozialforschungsinstitut 1!?.
schung Frankfurt 5·
(Becker, Wehling u.a.) :I
".
C'
IST Gesellschaft für angewandte Sozialwis- R,Z Umweltberichterstattung Soziologie
sensehaft und Statistik, Heidelberg
Ir
(Schluchter u.a.) ~c'
Lange Bremen Z Einstellungsforschung, For- Soziologie
schungsobjekt Arbeitnehmer
Ir
~
MPS Münchener Projektgruppe für Sozial- Q Qualitative Sozialforschung, Soziologie 6'
forschung Mentalitäten öl
<>
Brand, Poferl u.a ä:0
OQ
Schahn u.a. T,Z Einstellungsforschung Psychologie ~
5'
1..
:0

SOFI Göttingen Z Industriesoziologische Fragestel- Soziologie


Schumann, Heine, Mautz u.a. lungen
Spada u.a. Freiburg S Dilemmaforschung Psychologie
Szagun OIdenburg Z,T Forschung über Umweltängste, EntwickJungspsychologie
Zielgruppe Jugendliche/Schüler
Urban Stuttgart T Einstellungsforschung, k1assi- Soziologie
sches Kausalmodell

t:l
Tabelle 2. Forschungsprojekte im DFG-Schwerpunktprogramm "Mensch und globale Umweltveränderungen - sozial- und verhal- ~
tenswissenschaftliche Dimensionen"

FORSCHER THEMA DISZIPLIN METHODE PROBANDEN

BrandnEderMünchen Sustainability Soziologie Inhaltsanalyse schriftliches Mate-


(qualitativ), Leitfaden- riaVExperten
Interview
Eckensberger Saarbrük- Moral und Ökonomie in Alltags- Psychologie Leitfaden- Interview Laien, Umweltschüt-
ken situationen zer, Experten, Poli-
tiker

Henning Bremen Diagnose kausalen Risikowissens Psychologie! standardisiertes Inter- Wohnbevölkerung


Diagnostik view (repräsentativ)

Vl
Höger!Guski Bochum Modellversuch Energiesparen und Psychologie Feldstudie mit Interview willkürliche Aus- e
PKW-Reduktion wahl, Selbstselektion ~
::l
~
Jungermann/Wiedemann Wahrnehmung von Umwelt- Psychologie Interview (Leitfaden und Laien, Auswahl "&::l
BerlinlJülich problemen standardisiert) nicht beschrieben c:
::l
Q.

Pawlik Hamburg Umwelteinstellungen und Psychologie! Standardisiertes Inter- Wohnbevölkerung, 61


Verhalten Diagnostik view je N = 120 länd- öl
(')

lieh/städtisch :r
c:
::l
OQ
~

ö·
::l
Co
RostlLehmann Kognitive Faktoren für umweltge- Psychologie Standardisiertes Inter- Schüler und Jugend-
IPN Kiel rechtes Handeln view (schriftI.) liehe in Nord-
~
deutschland R:c:
!!
Spada Freiburg Simuliertes Ressourcenproblem; Psychologie Experiment! Versuchspersonen! e:
n
Meeresunglücke in der Presse Inhaltsanalyse Badische Zeitung
61
~
n
Scherhom Stuttgart Wirkung einer Multivision zu Ökonom. Psycho- Experiment Spez. Auswahl: ::r
c
Ressourcenver-schwendung logie Berufsschüler, di:f!!.
Bewohner eines 5·
Altersheimes Ir
=
Schmidt Gießen Verkehrsmittelnutzung Psychologie Interview Studenten

Weingart Bielefeld Diskurs über anthropogenen Soziologie Inhaltsanalyse, Materialauswahl


Klimawandel qualitativ (nicht beschrieben)

~
26 Studien typen und Forschungslinien

zialwissenschaftlichen Umweltforschung bearbeitet haben, ansonsten


aber ihren wissenschaftlichen Schwerpunkt in anderen Themenfeldern
haben. Die Übersicht ist retrospektiv und bezieht sich auf publizierte
Forschungsprojekte. Laufende Projekte, wie etwa der vom Um-
weltbundesamt in Auftrag gegebene Survey über Umweltbewußtsein
in Deutschland, sind hier nicht berücksichtigt.
Tabelle 2 weist in die Zukunft. Sie zeigt, daß dieses Forschungs-
feld derzeit einer erheblichen Dynamik unterliegt. 1995 wurde das
DFG Schwerpunktprogramm ,,Mensch und globale Umweltverände-
rungen - sozial- und verhaltenswissenschaftliche Dimensionen" ein-
gerichtet (vgl. Scheuermann/Spada 1996). Die in diesem interdiszipli-
nären Verbund durchgeführten Projekte aus dem Bereich der sozial-
wissenschaftlichen Umweltforschung sind in Tabelle 2 zusammen-
gestellt. Hier fallen im Vergleich zur bisherigen Umweltbewußt-
seinsforschung, die in dieser Arbeit bilanziert wird, mehrere Unter-
schiede auf:
1. Die Anwendungsbezogenheit - mit dem Ziel Verhaltensänderung
2. Die Abwendung von der Einstellungs-Verhaltens-Forschung
3. Die Hinwendung zum Experiment bzw. zur Intervention
4. Das Shifting zu qualitativen Methoden und kleinen Probandenzah-
len
5. Die Dominanz der Psychologie
Inwieweit sich hier ein neuer Trend der Umweltbewußtseinsforschung
ankündigt, läßt sich derzeit allerdings noch nicht bestimmen.
4 Umweltbewußtsein in Deutschland

4.1 Generelle Befunde

Die Bundesdeutschen seien im Durchschnitt umweltbewußter als die


Bevölkerungen anderer Länder, lautet ein weit verbreitetes Vorurteil.
In der Grundtendenz scheinen die Daten internationaler Vergleichs-
erhebungen dies auch zu bestätigen, denn in den international kompa-
rativen Umfragen der letzten Jahren rangierte die Bundesrepublik
Deutschland meist in der Spitzengruppe der umweltbewußten Länder
(vgl. WBGU 1996: 30ff.). So zeigt sich im ,,Environment Survey
1993", der im Rahmen des ISSP (International Social Survey Pro-
gram) in 20 Ländern durchgeführt wurde, daß in keinem der westli-
chen Industrieländer Umweltängste so stark verbreitet sind wie in
Deutschland. Zwei Drittel der deutschen Bevölkerung halten eine
starke Zunahme von umweltbedingten Krankheiten für sehr wahr-
scheinlich. In den USA (45%), Großbritannien (47%), Australien
(39%) oder Holland (33%) sieht man dies weniger dramatisch. Eben-
so stark ausgeprägt sind die Ängste der Deutschen in bezug auf globa-
le Klimaveränderungen. Achtzig Prozent befürchten sehr gefährliche
Auswirkungen auf die Umwelt, 68% sehen sich auch persönlich stark
bedroht. Das sind weitaus mehr als in den anderen westeuropäischen
Ländern und den USA. In den Niederlanden, wo die Folgen eines
globalen Temperaturanstiegs weitaus bedrohlicher wären, fühlt sich
nur jeder vierte dadurch persönlich stark gefährdet.
Der Umweltschutz steht in der Werteskala der Deutschen ganz
oben: Der überwältigenden Mehrheit (69,8%) ist er wichtiger als
wirtschaftliches Wachstum. Nur 11,6% widersprechen dieser Prioritä-
tensetzung (vgl. Billig 1994). Auf die Frage, welche persönlichen
Ziele ihnen wichtig sind, entscheiden sich drei Viertel der Befragten
28 Umweltbewußtsein in Deutschland

für ,,Naturnahes Leben" (vgl. Billig 1994: 145). Einen höheren Grad
an Zustimmung erzielen nur die Ziele "Gute Freundschaften"
(90,2%), "WohlstandlMaterielle Sicherheit" (88,9%), ,,Familie/Kin-
der" (84,8%) sowie berufsbezogene Ziele wie ,,zufriedenheit mit der
Arbeit" (82,4%) und ,,Anerkennung im Beruf' (80,3%).
Eher kontrovers wird der Zustand der Umwelt in Deutschland (alte
Bundesländer) beurteilt: 51 % bewerten die Umweltverhältnisse als
gut oder sehr gut, 47% hingegen als schlecht oder sehr schlecht (vgl.
IPOS 1994: 5). Die negative Bewertung, die die eine Hälfte der Be-
völkerung vornimmt, hat derzeit aber noch keine gravierenden Aus-
wirkungen auf die Wahrnehmung der eigenen Lebensqualität, denn
man ist sich weitgehend darüber einig, daß man in Deutschland gut
bzw. sehr gut leben kann (vgl. Abb. 5).
Über die Erwartungen, die man hinsichtlich der zukünftigen Ent-
wicklung der Umwelt hegt, lassen sich irritierende, teilweise wider-
sprüchlich scheinende Aussagen finden: Einerseits rechnet man mit
dem Schlimmsten und hat das Gefühl, daß es mit der Umwelt bergab

Angaben in %
60
52
50

40

30

20

10

ou=====~~~~~~~~~~~~~~~
stimme nicht zu neutral stimme voll zu
stimme eher nicht zu stimme bedingt zu

Quelle: Billig 1994: 153

Abb. 5. Alles in alem kann man in einem Land wie Deutschland sehr gut leben
Generelle Befunde 29

geht - man ist also eher pessimistisch. Auf der anderen Seite steht die
alltägliche Erfahrung, daß es so schlimm offenbar nicht ist, sondern
man in Deutschland doch ganz gut leben kann - daraus läßt sich ein
Optimismus begründen. Mitunter ist es dann nur eine Nuance in der
Formulierung der Frage, die den Ausschlag gibt, sich für Optimismus
oder Pessimismus zu entscheiden. Auf die in den IPOS-Untersuchun-
gen gestellte Frage nach der für die nächsten zehn Jahre erwarteten
Entwicklung, überwiegt immer noch der Optimismus, allerdings mit
sinkender Tendenz. In eigentümlichem Kontrast zu diesem Opti-
mismus stehen die Sorgen, die man sich um das Ausmaß der Um-
weltprobleme und der Umweltkrise macht. Immerhin 36,1% glauben,
daß die Lage beängstigend und nur zu retten ist, wenn alle Kräfte
aufgewandt werden, und gar 13,2% stimmen der Aussage zu: "Die
Entwicklung unserer Umwelt macht mir Angst; ich habe kaum Hoff-
nung, daß die Probleme gelöst werden. Die Menschen werden sich
zusammen mit ihrer Umwelt zerstören" (Billig 1994: 154). Für die
Zukunft schwarzzusehen, gehört offensichtlich zu den Grundeinstel-
lungen der Mehrheit der Deutschen. Fast 80% glauben, daß in den
nächsten fünf Jahren von giftigen Altlasten im Boden eine hohe Ge-
fährdung ausgehen wird, mehr als 60% fürchten eine Klima-
veränderung, 56% Chemieunfälle, 65% eine Verseuchung des Trink-
wassers und 43% eine Vergiftung der Nahrungsmittel (vgl. ebd.:
178f.). Durch die diversen Belastungen fühlt man sich persönlich
stark beeinträchtigt. Allerdings ermitteln alle Studien, daß die allge-
meinen Belastungen als größer bewertet werden als die persönlichen
Beeinträchtigungen. Die Prozentsätze sind dann durchweg um 20 bis
30% höher. Verkehrslärm und Autoabgase führen die Rangliste so-
wohl bei den persönlichen wie bei den allgemeinen Belastungen an,
auch von Industrieabgasen und von Industrieabfällen in den Ge-
wässern gehen als stark empfundene Belastungen aus.
Seit langem befragt das EMNID-Institut die Bevölkerung über die
vermeintlichen Ursachen von Krankheiten. Bis Anfang der 80er Jahre
galten Bewegungsmangel, Streß und berufliche Belastungen als
Hauptursachen. Seit Mitte der 80er Jahre stehen Umwelteinflüsse auf
dem ersten Platz und heute sind fast 60% der Meinung, dies sei die
Hauptursache für Krankheiten (vgl. Tacke 1991: 10). Diese allge-
30 Umweltbewußtsein in Deutschland

Angaben in %

_Neue Bundesländer
Ohne Schutz der Umwelt bricht oAlte Bundesländer
unser Wirtschaftssystem irgend-
wann zusammen

Umweltschutz ist notwendig, weil 56,3


wir die Verantwortung rur unsere
Nachwelt haben

Durch die Verschmutzung und


Verseuchung der Umwelt ge-
flIhrden wir unsere Gesundheit

Der Schutz der Umwelt erhöht


unsere Lebensqualitllt

o 10 20 30 40 50 60 70

Quelle: Billig 1994: 158

Abb. 6. Warum ist Umweltschutz notwendig?

meinen Ängste der Bevölkerung beziehen sich aber offenbar nicht so


sehr auf das Hier und Jetzt, sondern auf die Zukunft. Gefragt, wie
man die Notwendigkeit des Umweltschutzes begründen könnte, ver-
teilen sich die Antworten sehr ungleichmäßig auf vier vorgegebene
Antwortalternativen (Abb. 6).
Man denkt primär an die Nachkommenschaft und nicht an sich
selber, wenn man pro Umweltschutz eingestellt ist.
In erster Linie werden Wirtschaft und Politik für die Umweltkrise
verantwortlich gemacht. Nur 6,4% glauben, daß im Umweltbereich
alles Nötige getan wird, während weit über 90% die bisherigen Be-
mühungen unzureichend finden. Jeder achte ist sogar der Meinung,
daß praktisch überhaupt nichts Entscheidendes passiert. Die Forde-
rung, etwas zur Verbesserung der Umweltsituation beizutragen, rich-
tet sich auch an die Gewerkschaften und die Kirchen. 82,3% sind der
Meinung, daß die Gewerkschaften mehr als bislang tun könnten (vgl.
Billig 1994: 157). Die bisherigen Leistungen der Institutionen für den
Umweltschutz werden nicht sonderlich hoch bewertet. Am besten
Generelle Befunde 31

schneiden die Bürgerinitiativen ab, gefolgt von den Gemeinden. Am


schlechtesten werden Industrie und Handel eingestuft. An der Bewer-
tung hat sich von 1991 bis 1994 nicht viel geändert. Es gibt lediglich
eine sehr schwache Tendenz, die Leistungen von Handel und Indu-
strie in jüngster Zeit etwas günstiger zu bewerten. Vielleicht ist dies
auch bereits die Folge der vielfach zu registrierenden Bemühungen
von Unternehmen, ihre Leistungen im Umweltschutz publizistisch
darzustellen.
Die Anhänger der verschiedenen politischen Parteien stimmen in
diesen Leistungsbewertungen von Bürgerinitiativen (sehr positiv) und
Wirtschaft (unzureichend) weitgehend überein. Die Anhänger der
Grünen neigen nur zu etwas ausgeprägteren Bewertungen, sie sehen
erwartungsgemäß die Leistungen der Bürgerinitiativen etwas positiver
und die der Industrie leicht negativer. Doch unabhängig von der Par-
teineigung stehen die Bürgerinitativen bei allen Befragten an oberster
Stelle und der Handel an letzter Stelle. Generell verlangt man nach
gesetzlichen Regelungen und hält die bestehenden Umweltgesetze
nicht für ausreichend. Allgemein wird ein Vollzugsdefizit beklagt:
82% meinen, daß die vorhandenen Gesetze nur unzureichend ange-
wendet werden. Diese Skepsis gegenüber Regierungen, Verwaltungen
und Parteien ist weitgehend unabhängig von der Parteipräferenz. 97%
der Anhänger der Grünen, 90% der SPD-Anhänger und 79% der
CDU-Anhänger finden, daß die Einhaltung der Gesetze nicht genü-
gend überwacht wird.
Zwar fordert man vom Staat und den Parteien Taten zum Schutz
der Umwelt, gleichzeitig traut man ihnen aber im Alltag kaum Durch-
setzungsfähigkeit zu. Politik und Industrie genießen wenig Vertrauen,
wenn es um den Umweltschutz geht. Auf einer von +5 bis -5 rei-
chenden Skala werden die Leistungen des Bundesumweltministeriums
mit durchschnittlich -0,6 eingestuft. Auch die Anhänger der Regie-
rungsparteien geben hier mit 0,4 (CDU/CSU) bzw. 0,3 (F.D.P.) nur
eine leicht positive Bewertung ab (vgl. IPOS 1994: 25). Vertrauen
schenkt man noch am ehesten den Verbraucherverbänden und Um-
weltschutzorganisationen.
Die große Mehrheit der Bevölkerung ist bereit, durch eigenes
Handeln zur Lösung von Umweltproblemen beizutragen. Vier von
32 Umweltbewußtsein in Deutschland

fünf Deutschen sind beispielsweise der Überzeugung, daß sie selbst


zur Verbesserung von Luft und Wasserqualität beitragen können (vgl.
Billig u.a. 1987: 71). Zwar sind - den eigenen Angaben zufolge - nur
6,4% in einer Umweltschutzgruppe oder -vereinigung aktiv, doch
annähernd die Hälfte der Bevölkerung (45,4%) wäre bereit, in einer
Umweltinitiative in der Wohngegend mitzumachen, und gar 80%
geben an, in den letzten zwei Iahren durch eigenes Verhalten bewußt
zum Umweltschutz beigetragen zu haben (vgl. Billig 1994: 159).
Generell ist die verbal geäußerte Bereitschaft zu Verhaltensänderun-
gen groß. Verschiedene Stoffe und Materialien getrennt zu sammeln
und zu entsorgen, steht an der Spitze der Beliebtheitsskala (zu-
künftigen) umweltgerechten Verhaltens. Weitaus seltener als Ab-
sichtserklärungen zur Mülltrennung ist der Vorsatz, in Zukunft weni-
ger zu heizen, weniger Wasser zu verbrauchen und weniger Auto zu
fahren. In bezug auf das Verkehrsverhalten ist die Bereitschaft zu
Veränderungen generell sehr gering: nur 30% sind dafür, das Auto-
fahren zu verteuern und wenn, dann nur in sehr geringem Umfang (die
Mehrheit will sich mit 25 Pfennig mehr pro Liter Benzin begnügen),
und gar nur 18% bekunden, daß sie das Autofahren einschränken
wollen. Daß die Umweltprobleme bei Fortschreiben des ungezügelten
Wachstums der westlichen Gesellschaften schwerlich zu lösen sind,
wird mittlerweile weitgehend anerkannt. Die große Mehrheit hält
Selbstbeschränkung für notwendig und ein beachtlicher Prozentsatz
ist auch durchaus zu finanziellen Opfern bereit.
Ie nach Fragestellung und Zeitpunkt der empirischen Untersu-
chungen findet man verschiedene Prozentzahlen über den Anteil der
Zahlungswilligen und den Beitrag, den sie leisten wollen. Schluchter
ermittelte 1990, daß die Bewohner der neuen Bundesländer bereit
wären, auf 6% ihres Netto-Haushaltseinkommens für eine Besserung
der Umweltzustände zu verzichten. Bei den Bewohnern der alten
Bundesländer war der Betrag mit 5% annähernd gleich hoch. Dies
würde sich auf einige Milliarden Mark summieren: Ie jünger die Un-
tersuchungen sind, desto geringer fällt die Zahlungsbereitschaft aus.
Bereits beim ISSP-Umwelt-Survey von 1993 liegen die Deutschen
(West) nur noch im Mittelfeld der befragten Nationen (Platz 9), die
Deutschen (Ost) belegen gar den letzten Platz. Höhere Steuern zum
Generelle Befunde 33

Zwecke eines verbesserten Umweltschutzes zu zahlen, sind die Deut-


schen noch weniger gewillt. Da rutschen auch die Deutschen (West)
auf Platz 13 ab und müssen sich sogar von den als wenig umwelt-
bewußt geschmähten Briten überholen lassen. Die gestiegene Steuer-
last hat dazu geführt, daß die Bevölkerung - gleichgültig, worum es
sich im einzelnen handeln mag - prinzipiell gegen weitere Steuererhö-
hungen und Abgaben eingestellt ist. Alle Arten von Sonderabgaben
stoßen auf die Ablehnung der überwältigenden Mehrheit. Es dürfte
deshalb zunehmend schwieriger werden, der Bevölkerung ökologi-
sche Politik in Verbindung mit Abgabenerhöhungen zu "verkaufen ".
Mit dem gestiegenen Umweltbewußtsein gehen in einigen Berei-
chen auch Verhaltensänderungen einher. Die Prozentzahlen, wie sie
für das Recyc1ingverhalten vorliegen, belegen sehr deutlich, daß eine
große Anzahl von Menschen Mülltrennung praktiziert und daß sich in
diesem Bereich umweltgerechtes Verhalten zur Alltagsnorm ent-
wickelt. Auf diese soziale Norm "Umweltbewußtsein" müssen sich
vor allem die Unternehmen einstellen. Ihnen wird einerseits eine gro-
ße Verantwortung für den Umweltschutz zugesprochen, andererseits
sieht man ihr Tun, vor allem unter der Prämisse der Gewinnorientie-
rung, eher kritisch. Ob sich ein Unternehmen für den Umweltschutz
einsetzt, ist mittlerweile zum wichtigsten Kriterium für Urteile über
Unternehmen geworden (vgl. imug-EMNID 1993: 12).
Die Umweltfreundlichkeit von Produkten hat zunehmende Bedeu-
tung für die Kaufentscheidung bekommen, und zwar sowohl bei Gü-
tern des täglichen Bedarfs als auch bei langlebigen Konsumgütern.
Dieser Faktor ist heute fast so bedeutsam wie Qualität und Preis. Für
90% der Käufern ist dies ein wichtiger oder sehr wichtiger Aspekt
beim Kauf. Unternehmen können sich durch Umweltengagement
profilieren: Keine andere Art von Imagepflege wird derart positiv
bewertet und wirkt sich so günstig auf die Kaufentscheidung aus.
34 Umweltbewußtsein in Deutschland

4.2 Effekte sozio-demographischer Variablen

Ist das Umweltbewußtsein universal - gilt es ohne Ansehen von Ge-


schlecht, Bildung, sozialer Schicht oder beruflicher Stellung? Zu-
sammengefaßt lauten die Resultate der Umweltbewußtseinsforschung:
Differenzierungen sind zwar feststellbar, doch sind diese eher gra-
dueller Natur, es überwiegt bei allen diesbezüglichen Gruppenverglei-
chen das Gemeinsame. Umweltbewußtsein allerorten! Nur wenige
sind gegen den Umweltschutz eingestellt bzw. äußern dies, wenn sie
von sozialwissenschaftlichen Umweltforschern oder Meinungs-
forschern danach gefragt werden.
In einer Reihe von Untersuchungen wird von geschlechtsspezifi-
schen Differenzen berichtet. Demnach ist das Umweltwissen von
Männern größer ist als das von Frauen, während die Pro-Umweltein-
stellungen und die persönliche Betroffenheit bei Frauen ausgeprägter
sind. Mitunter zeigen sich auch Differenzen beim Umweltverhalten,
meist in der Weise, daß Frauen sich umweltgerechter verhalten. Ob
Unterschiede zwischen den Geschlechtern festgestellt werden, hängt
stark von den Forschungsinstrumenten und von den gestellten Fragen
ab. Wenn das Einkaufsverhalten beispielsweise über solche Verhal-
tensweisen operationalisiert wird wie die regelmäßige Mitnahme einer
Einkaufstasche oder den Kauf von Milch in Pfandflaschen, dann
schneiden Frauen systematisch besser ab. Denn der in diesen Fragen
angesprochene tägliche Einkauf von Lebensmitteln wird vorwiegend
von Frauen durchgeführt, so daß sie bei solchen Erhebungsinstrumen-
ten von vornherein bessere Chancen haben, für umweltgerechtes Ver-
halten Punkte zu sammeln. Etwas komplizierter stellt sich das Resul-
tat des unterschiedlichen Umweltwissens von Männern und Frauen
dar. In manchen Untersuchungen zeigen sich Differenzen, in anderen
hingegen nicht. Einen Hinweis, woran dies liegen könnte, gibt die
Untersuchung von pfligersdorffer, in der das Umweltwissen sehr
systematisch erfaßt wird (vgl. Pfligersdorffer 1991: 61ff.). Es zeigt
sich, daß Frauen in den Wissensbereichen, die am stärksten dem na-
turwissenschaftlichen Wissenstyp entsprechen, im Hintertreffen sind,
während sie bei dem Wissensbereich ,,Artenkenntnis" sogar positiver
abschneiden.
Effekte sozio-demographischer Variablen 35

Was die Effekte von Bildung angeht, so sind die Resultate eben-
falls nicht eindeutig. Am ehesten zeigen sich noch Differenzen beim
Umweltwissen, und zwar dergestalt, daß ein höherer Bildungsstand
auch mit einem leicht höheren Grad an Wissen einhergeht. Werden in
Untersuchungen Differenzen in bezug auf Umwelteinstellungen fest-
gestellt, so weist die Tendenz in die gleiche Richtung: d.h. ein höherer
Bildungsstand geht mit positiveren Umwelteinstellungen einher. Beim
Umweltverhalten sind die Ergebnisse je nach Verhaltensweise sehr
unterschiedlich. KargerlSchützlWiedemann haben in einer repräsen-
tativen Studie für den gesamten Bereich von Klimaschutzmaßnahmen
deren Akzeptanz überprüft. In Hinblick auf die Zusammenhänge mit
dem Bildungsstand kommen sie zu folgenden Ergebnissen.
Tabelle 3 zeigt, daß hier weder enge noch konsistente Zusammen-
hänge mit dem Bildungsniveau existieren. Bei den Fragen nach dem
Kauf von energiesparenden Geräten, Energiesparlampen und ökolo-

Tabelle 3: Korrelation von Klimaschutzmaßnahmen mit dem BiIdungsstatus

MAßNAHME KORRELATION

Energiesparende Haushaltsgeräte kaufen, auch wenn diese mehr 0,15


kosten (bereit/nicht bereit)
Teure Energiesparlampen statt billigere Glühlampen kaufen 0,15
(bereit/nicht bereit)
Beim Kauf ökologisch einwandfreie Produkte bevorzugen, auch 0,15
wenn diese teurer sind (bereit/nicht bereit)
Hausbesitzer werden zur Durchführung von Maßnahmen der 0,13
Wärmedämmung verpflichtet. Pro Haushalt muß daher ein
Mietzuschlag von DM 50,- pro Monat geleistet werden (stimme
zuJbin dagegen)
Vorschrift zur Reduzierung der Raumtemperatur auf 18 Grad 0,04
(stimme zulbin dagegen)
Auf ein sparsameres Auto umsteigen (bereit/nicht bereit) 0,01
Geschwindigkeitsbeschränkung auf 100 kmlh auf Autobahnen --{),03
(stimme zuJbin dagegen)
Verteuerung des Benzin- und Dieselpreises um I DM pro Liter 0,04
(stimme zuJbin dagegen)
Einführung von einem autofreien Sonntag pro Monat (stimme --{),O4
zuJbin dagegen)

Quelle KargerlSchützlWiedemann 1993


36 Umweltbewußtsein in Deutschland

gisch einwandfreien Produkten, läßt sich noch ein schwach positiver


Korrelationskoeffizient konstatieren, aber beim Verkehrs verhalten
verschwindet dieser bzw. dreht sich in einen schwach negativen
Koeffizienten um. Das bedeutet, daß Befragte mit Hochschulausbil-
dung - trotz eines möglicherweise größeren Umweltwissens - es für
genauso wenig akzeptabel halten, ihr Verkehrsverhalten zu verändern
wie Personen mit Hauptschulabschluß.
Wie ist es nun um den Einfluß sozialer Schicht- und Gruppenzu-
gehörigkeit bestellt? Sind bestimmte soziale Gruppen oder Berufs-
gruppen besonders umweltbewußt, andere hingegen überhaupt nicht?
Exemplarisch sollen hierzu vorliegende Ergebnisse über Industriear-
beiter und Manager betrachtet werden.
Von der Industriearbeiterschaft könnte man vermuten, daß sie aus
ökonomischem Eigeninteresse gegen den Umweltschutz eingestellt
ist. Ganz besonders müßte dies auf die Automobilarbeiter zutreffen,
weil sie gewissermaßen das Kultgut der Industriegesellschaft herstel-
len. 1991/92 führte Lange eine Studie über das Umweltbewußtsein
von Beschäftigten der Automobilindustrie durch. Von Kontra-Um-
weltschutz-Einstellungen ist hier wenig zu spüren: Annähernd 75%
der Arbeiter halten den Zustand der Umwelt für beängstigend. Ein
noch höherer Prozentsatz sieht den Autoverkehr daran ursächlich
beteiligt und spricht sich für einen Vorrang des öffentlichen Nahver-
kehrs in der Stadt aus. Zwei Drittel geben an, bereits die Konsequenz
gezogen zu haben, das Auto öfter mal stehen zu lassen (vgl. Lange
1994). Die große Mehrheit ist besorgt über den Zustand der Umwelt
und zeigt eine hohe Handlungsbereitschaft - und zwar sowohl bei den
Arbeitern wie bei den Angestellten, sowohl bei den Männern wie bei
den Frauen. Nur jeder vierte erweist sich wie erwartet als "autobe-
geistert", will unter keinen Umständen auf das Auto verzichten, mei-
det den öffentlichen Personennahverkehr und die Bundesbahn und
möchte am liebsten innerstädtische Geschwindigkeitsbeschränkungen
auf Tempo 30 wieder aufheben. 95% der Automobilarbeiter wün-
schen sich heute das umweltfreundliche Auto.
Eine frühere Studie, die am Soziologischen Forschungsinstitut
(SOFI) in Göttingen durchgeführt wurde, war bereits zu ähnlichen
Ergebnissen gekommen. "Viel Normalität, wenig Besonderheit",
Effekte sozio-demographischer Variablen 37

lautet das Resümee der Autoren (vgl. HeinelMautz 1989: 199). Von
einem spezifischen ,,Arbeiterbewußtsein in Ökologiefragen" konnte
keine Rede sein. Die Befragten fanden in der Mehrzahl, es würde viel
zu wenig für den Umweltschutz getan. Sie waren mitnichten der Mei-
nung, das Arbeitsplatzargument sei gegenüber dem Umweltschutzar-
gument vorrangig. Ja, sie machten sogar in erster Linie die Industrie
für die Umweltprobleme verantwortlich. Eine "Wagenburgmentalität"
im Sinne von "Ökonomie geht vor Ökologie" gebe es, so die Autoren,
nur dort, wo das Gefühl vorherrsche, der eigene Betrieb sei nur
schwerlich in der Lage, sich an Ökologieanforderungen anzupassen,
und deshalb seien die Arbeitsplätze unsicher.
In einer weiteren Forschungsarbeit des SOFI kommen Bogun/
Osterland/Warsewa (1990 und 1992) zur Unterscheidung von vier
typischen Einstellungsmustern:
Die defensiv Industrieloyalen (Anteil etwa 25%) setzen nach wie
vor auf Wachstum nach dem Motto "Industrie ist immer gut", spielen
die in der Öffentlichkeit verhandelten Umweltprobleme und Risiken
herunter.
Die sensibilisierten Arbeitsplatzapologeten (Anteil ca. 20%) neh-
men Umweltprobleme durchaus wahr und treten auch für verstärkten
Umweltschutz ein, geben aber im Zweifelsfall dem Arbeitsplatzargu-
ment den Vorzug. Sie dringen auf eine Verschärfung der gesetzlichen
Bestimmungen und vertrauen auf die technische Lösbarkeit der Um-
weltprobleme.
Die perspektivlosen Zukunjtsskeptiker (Anteil 33%) verspüren
Unbehagen angesichts der Umweltprobleme und lehnen die Ansied-
lung riskanter Betriebe ab. Sie sehen die technischen Risiken, z.B. der
Chemie- und Atomindustrie, nicht als technisch kontrollierbar an. Ihre
Aussagen sind oft widersprüchlich, häufig sind sie angesichts der
Komplexität der Probleme resigniert.
Die engagierten Wachstumskritiker (knapp 25%) räumen der
Umwelt Vorrang ein, sind äußerst kritisch gegenüber Industrieansied-
lungen, ökologischen Belastungen und Risiken. Sie betonen, daß sie
dazugelernt hätten und wenden sich vom traditionellen Wachs-
tumsdenken ab.
38 Umweltbewußtsein in Deutschland

In großen Repräsentativstudien wie dem Wohlfahrtssurvey 1988


(vgl. Statistisches Bundesamt 1989: 495ff.) zeigt sich allerdings, daß
die Arbeiterschaft nicht gerade an der Spitze der Umweltschutzbewe-
gung steht. Sie ist in den Teilgruppen, die den Umweltschutz für eine
weniger wichtige Aufgabe halten und die mit den bisherigen Maß-
nahmen zum Umweltschutz zufrieden sind, deutlich überrepräsentiert,
doch sind diese beiden Anti-Gruppen sehr klein. Insgesamt betrachtet
ist es nur eine Minderheit der Arbeiter von etwa 10%, die den Um-
weltschutz für unbedeutend hält bzw. mit den bisherigen Maßnahmen
völlig zufrieden ist, die große Mehrheit von fast 90% räumt dem
Umweltschutz eine hohe Priorität ein.
Die Annahme, daß Industriearbeiter kontra Umweltschutz einge-
stellt seien, erweist sich mithin als falsch. Es gibt kein arbeiterspezifi-
sches Problem im Umgang mit dem Umweltthema. Industriearbeiter
erweisen sich als bemerkenswert normal, mit allen zugehörigen In-
konsistenzen zwischen Einstellung und Verhalten. Sie wollen mehr
Umweltschutz, weniger industriell verursachte Verschrnutzung und
sind bereit dafür auch einen persönlichen Preis zu zahlen. Und nur
eine relative kleine Gruppe entspricht dem klassischen Klischee des
"Ökonomie geht vor Ökologie". Diese Gruppe besteht allerdings
überwiegend aus älteren Arbeitnehmern jenseits der 50-Jahres-
Grenze.
Eine andere Berufsgruppe, bei der ein besonders niedriges Um-
weItbewußtsein vermutet werden könnte, sind die Manager. Die For-
schungslage ist hier relativ schlecht, hinzu kommt eine spezifische
Schwierigkeit, die daraus resultiert, daß die Manager in den empiri-
schen Studien nicht als Bürger, sondern in ihrer Rolle als Entschei-
dungsträger für Industrieunternehmen befragt werden und zu dieser
Rolle gehört es, das eigene Unternehmen auf vorteilhafte Weise dar-
zustellen. Die Frage der sozialen Erwünschtheit bestimmter Äußerun-
gen ist hier unverkennbar in die Grundkonstellation der Kommunika-
tion eingeschrieben.
Nach der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit halten Manager den
Umweltschutz für die zweitwichtigste politische Aufgabe. In einer
vom EMNID-Institut durchgeführten Befragung zeigen sie sich hin-
sichtlich der zukünftigen Entwicklung optimistisch. Sie glauben, mo-
Effekte sozio-demographischer Variablen 39

derne Techniken würden in absehbarer Zeit die Umweltprobleme


lösen (vgl. Tacke 1993: 12). Überhaupt haben sie gegenüber dem
Technikeinsatz eine spezifische Perspektive, die Risiken nicht nur auf
seiten der Folgen des Technikeinsatzes verortet, sondern auch die
Risiken, die mit dem Nicht-Einsatz von Technik verbunden sind, zur
Geltung bringt. Das Selbstbild der Manager betont die eigene Kompe-
tenz, die naturwissenschaftliche Rationalität, und wehrt die von außen
kommende Kritik als kurzsichtig, einseitig, übertrieben und doppel-
moralhaltig etc. ab. Ein häufig für die Argumente von Umweltschut-
zorgansiationen verwendetes Attribut lautet unsachlich oder sachlich
falsch. Gleichwohl sehen auch Manager die Wirkung der Nicht-
Regierungs-Organisationen unter dem Strich positiv, aber nicht in
bezug auf den eigenen Betrieb (vgl. HeinelMautz 1993: 42ff.).
"Wer kann zur Lösung der Umweltproblemen am meisten beitra-
gen?" fragt Hammerl 123 Manager aus Industrie, Handel und dem
Dienstleistungssektor. Auf dem ersten Rangplatz wird "Die Verbrau-
cher durch ihr Kaufverhalten" genannt, gefolgt von "Der Staat durch
Gesetze und Verordnungen" (vgl. Hammerl 1994: 141). "Die Herstel-
ler durch freiwillige Maßnahmen" folgt erst auf dem dritten Rang.
Letzten Endes ist in den Augen der Manager alles eine Kostenfrage:
Man sei bereit, das zu tun, was die Bevölkerung verlange, aber es sei
eben die Frage, ob sich die Konsumenten darüber im klaren seien, daß
vieles nicht ohne einen entsprechenden Mehrpreis zu haben sei. Es
liege in der Hand der Bürger, umweltfreundliche Produkte zu kaufen,
und am Staat, entsprechende Gesetze und Verordnungen zu erlassen,
wenn man sich darüber einig sei, daß die bestehenden Regelungen
nicht ausreichen (vgl. HeinelMautz 1993: 50ff.).
Einen detaillierteren Einblick in die Managerseele emöglicht eine
von Brunner/Reiger/Schülein in Wien durchgeführte Studie. In offe-
nen Gesprächen geht es um die Wahrnehmungs- und Interpretations-
muster und den privaten Lebensbereich der Manager (vgl. Schülein
u.a. 1993: 38f.). Die Befragten sind fast ausnahmslos verheiratet,
haben überwiegend Kinder, die Frauen sind normalerweise nicht
berufstätig. Zum Lebensstandard gehört der Besitz mehrerer Autos
und einer Ferienwohnung bzw. eines Ferienhauses. Sie arbeiten viel
und haben mit der privaten Haushaltsführung nur wenig zu tun. Die
40 Umweltbewußtsein in Deutschland

üblichen Skalen zur Erfassung des persönlichen Umweltverhaltens


würden sie eher als wenig umweltgerecht einstufen. Ihr Verkehrsver-
halten ist ganz auf die Benutzung von Auto und Flugzeug abgestellt.
Ihr Energieverhalten ist nicht auf Sparsamkeit ausgerichtet. Ihr Ab-
fall- und Einkaufsverhalten läßt sich im Grunde nicht persönlich zu-
rechnen, denn sie kaufen weder ein, noch sammeln und entsorgen sie
den Abfall. Umweltbewußtsein ist aber über Frauen und Kinder in
den Managerhaushalt eingezogen. Die Hausherren müssen sich anpas-
sen: "Das ist bereits soweit, wenn ich also jetzt unwissend das einkau-
fen würde, mit irgendwas anderem, ... das würde abgelehnt werden in
der Familie und da würden also schon Diskussionen dann, äh, losge-
treten werden" (ebd.: 71). Die Manager bleiben skeptisch, vieles er-
scheint ihnen unausgegoren und lächerlich, manches auch als
"terroristisch". So, wenn Kinder durchsetzen, daß der Abfall nach
fünf verschiedenen Arten sortiert wird und streng auf die Einhaltung
achten.
Ihre Akzeptanz von häuslichen Umweltschutzhandlungen steigt
aber, wenn es um die Gesundheit geht. Die Bemühungen der Ehefrau
um sorgfältige, qualitativ hochwertige Ernährung findet Unterstüt-
zung. Man schränkt den Fleischkonsum ein, steigt auf Voll-
korngebäck um, ißt mehr Salate und frisches Gemüse, findet es gut,
wenn - wo immer es geht - bei Bauern in der Umgebung eingekauft
wird. Ökologie kommt hier im Gefolge von Qualitäts- und Gesund-
heitskriterien ins Spiel. So wie im Betrieb das Bemühen um den Um-
weltschutz nicht das ureigene Anliegen der Manager ist, sondern
quasi von außen an sie herangetragen wird, so ist es auch zu Hause.
Sie sehen diese Frage aus einer Position der Distanz, wollen alles der
rationalen Bewertung unterziehen. Qualitativ gute Ernährung, sofern
sie nicht "übertrieben" wird, erscheint ihnen vernünftig - andere Be-
mühungen der Ehefrau wie der Kauf von Pfandflaschen gelten als
irrationale ,,Alibihandlungen". Sie geben sich engagiert und kompe-
tent in Umweltfragen, doch Umweltschutz ist für sie weder ein per-
sönlicher noch ein unternehmerischer Wert per se, sondern etwas, was
man unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten zu betrachten hat.
5 Diskrepanzen
zwischen Umweltbewußtsein
und Umweltverhalten

Die Umweltbewußtseinsforschung basiert zumeist auf erfragten Ver-


haltensabsichten und auf selbstberichtetem Verhalten, jedoch nur
selten auf tatsächlich beobachtetem Verhalten. Mehr als 80% der
Bevölkerung berichten davon, daß sie Altglas und Altpapier getrennt
entsorgen. Ein ähnlich hoher Prozentsatz äußert, daß man auf die Um-
weltfreundlichkeit von Produkten und Verpackungen achte. Ob diese
Personen sich auch tatsächlich immer so verhalten, steht hingegen auf
einem anderen Blatt. Den Überblicksstatistiken des statistischen Bun-
desamtes läßt sich entnehmen, daß das tatsächliche Verhalten der
Gesellschaft lange nicht so umweltbewußt ist, wie die Einstellungen
und Mentalitäten und verbalisierten Verhaltensabsichten der einzel-
nen glauben machen. Folgende Daten sind unter Nach-
haltigkeitsgesichtspunkten besonders bedenklich:
Die Mobilität wächst weiter, wobei vor allem die emissionsinten-
siven Verkehrsarten Luftverkehr und Individualverkehr zuneh-
men. Von 1980 bis 1990 stieg die Verkehrsleistung pro Einwoh-
ner in der früheren Bundesrepublik von 9685 km auf 11398 km.
• Der motorisierte Individualverkehr nimmt in Personenkilometern
gemessen zu: für das frühere Bundesgebiet von 602 Mrd. Perso-
nenkilometer 1985 auf 866 Mrd. 1991.
• Der Anteil des öffentlichen Straßenpersonenverkehrs nimmt ab,
ebenso wie der Anteil der Eisenbahnen an der Verkehrsleistung.
• Der Flugtourismus nimmt in starkem Maße zu.
• Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch bleibt fast unverändert
hoch. Zwischen 1975 und 1991 sinkt er nur um 0,8 Liter von
10,7 Liter pro 100 km auf 9,9 Liter. Die verbrauchssenkenden
technischen Innovationen werden durch den Trend zu leistungs-
stärkeren und schwereren Fahrzeugen kompensiert. Die durch-
42 Diskrepanzen zwischen Umweltbewußtsein und Umweltverhalten

schnittliehe Motorleistung steigt von 46 kW im Jahr 1975 auf


61 kW im Jahr 1991 an.
Der Energieverbrauch von Haushalten und Kleinverbrauchern
sinkt nicht, trotz effizienterer Geräte (aUe Daten: Umweltbundes-
amt 1993).
Zwischen diesen Statistiken, die das Gesamtverhalten der bundesdeut-
schen Gesellschaft bilanzieren, und den Befragungsdaten, die sich auf
die Privathaushalte bzw. einzelne Personen beziehen, klafft also eine
erhebliche Lücke. Natürlich läßt sich aus den Gesamtstatistiken nicht
unmittelbar auf das Verhalten der Individuen schließen. So könnte der
stark zunehmende Flugtourismus auch daher rühren, daß eine ver-
hältnismäßig kleine Gruppe der Gesellschaft häufiger fliegt - man
denke etwa an die Wochenend-Shopping-Trips gut verdienender
Singles. Auch der Tatbestand, daß der Gesamtkraftstoffverbrauch
steigt, muß nicht notwendigerweise die vielen, die behaupten, ihr
Benzinverbrauch sei zurückgegangen, als Lügner entlarven. Dies
rührt auch daher, daß die Zahl der Autos und der autofahrenden Per-
sonen zugenommen hat.
Welche Zusammenhänge bestehen nun auf der Ebene des Indivi-
duums zwischen den einzelnen Dimensionen des Umweltbewußtseins
und dem Umweltverhalten? Was bestimmt das persönliche Umwelt-
verhalten, wie läßt es sich verändern oder doch wenigstens beeinflus-
sen? Welche Rolle kommt den Umweiteinstellungen, den persönli-
chen Werten und Zielen zu? Bedarf es des Wissens über Umweltfra-
gen und einer entsprechenden Aufklärung, um Verhaltensänderungen
zu bewirken?
Dies sind die zentralen Fragen einer analytischen Umweltbewußt-
seinsforschung, die mehr erklären will als die beschreibende Umwelt-
berichterstattung. Untersuchungen dieser Art sind nicht sehr zahlreich
- sie gehören dem Typ der "theorietestenden quantitativen Studien"
(vgl. Kap. 2) an. Gemeinhin wird in diesen Studien mit Hypothesen
gearbeitet, die eine der Aufklärungsidee verpflichtete Kausalkette
unterstellen: Aus Wissen wird Einsicht und schließlich das richtige
Verhalten resultieren. Kurz: Vernunft siegt. Im Kern geht die Kausal-
kette von drei verschiedenen Wirkungsbeziehungen aus:
Diskrepanzen zwischen Umweltbewußtsein und Umweltverhalten 43

• Umweltwissen bewirkt positive Umwelteinstellungen


Umwelteinstellungen wirken auf das Umweltverhalten
Umweltwissen wirkt direkt auf das Umweltverhalten - ohne Um-
weg über die Umwelteinstellungen
Im nationalen und internationalen Rahmen durchgeführte Metaanaly-
sen zeigen übereinstimmend, daß die Zusammenhänge in dieser Form
nicht existieren bzw. daß sie nur relativ schwach ausgeprägt sind (vgl.
K1eylFietkau 1979; van LierelDunlap 1980; Hines u.a. 1987; Six
1992). Exemplarisch sollen hierzu zwei Kausalmodelle des Umwelt-
bewußtseins präsentiert werden, eines aus einer soziologischen Studie
von DiekmannlPreisendörfer und ein Modell aus emer um-
weltpsychologischen Studie von Grob.
DiekmannlPreisendörfer (1991 und 1992) befragten 1357 Perso-
nen in Bern und München und stellten Fragen zum Umweltwissen, zu
Umwelteinstellungen und zu konkreten umweltrelevanten Handlungen
im Alltag. Das Umweltverhalten wurde in vier Sektoren (Verkehr,
Energie, Einkauf, Abfall) erfragt. Als Ergebnis der Untersuchung wird
ein Pfadmodell zum Umweltverhalten berechnet, dessen Kern in
Abbildung 7 wiedergegeben ist. Das Modell erklärt nur 16% des

Umwelt-
betroffenheit .04

.05

Umwelt- Umwelt-
bewußtsein
.15 , verhalten
.10
r=23,3% r2 = 16,3%

Um weIt-
.15
r
wissen

Quelle: DiekmanniPreisendörfer 1992

Abb. 7. Pfadmodell des Umweltwerhalten


44 Diskrepanzen zwischen Umweltbewußtsein und Umweltverhalten

verbalisierten Umweltverhaltens, d.h. die Erldärungskraft ist eher


niedrig. Die Umwelteinstellungen, im Modell als "Umweltbewußt-
sein" bezeichnet, können noch in vergleichsweise stärkerem Maße
aufgeklärt werden (23%). Das Modell zeigt deutlich, daß Betroffen-
heit, Umweltwissen und Umwelteinstellungen nur marginale Effekte
auf das Verhalten haben. Betrachtet man etwas genauer, wie sich das
oberste Drittel der umweltbewußt eingestellten Personen nach eigenen
Angaben verhält, so kommen erstaunliche Daten zutage:
• 74% fuhren mit Flugzeug oder Auto in die letzten Ferien.
54% besitzen ein Auto.
37% waren am letzten Wochenende damit unterwegs.
39% bemühten sich nicht um die Einsparung von warmem Wasser
(vgl. DiekmannlPreisendörfer 1992: 234).
Der Alltag der besonders Umweltbewußten ist offenbar noch nicht
zukunftsfähig.
Die umweltpsychologische Studie von Grob zeigt - in etwas diffe-
renzierterer Weise - die gleichen Resultate. Neben den Umweltein-
stellungen und dem Umweltverhalten verwendet Grob in diesem Mo-
dell die Variablen Betroffenheit, Kontrollattribution und persänlich-
philosophische Lebenshaltung. Das mit Hilfe des LISREL-Ansatzes
(Linear Structural Relationship) ermittelte Kausalmodell zur Erklä-
rung des Umweltverhaltens ist in Abbildung 8 wiedergegeben. Einbe-
zogen wurden insgesamt zwölf Indikatoren, die in rechteckigen Rah-
men am Rande angeordnet sind und jeweils durch den Zusatz -OBS
kenntlich gemacht wurden. I Die Latenten Variablen 2 sind in Ovalen

I Es handelt sich um Wissen (Wiss-Obs), Wahrnehmung (Wahr-Obs), Affektives


Reagieren (Affr-Obs), Diskrepanzwahmehmung (Disk-Obs), Werthaltungen (Wert-
Obs), Bereitschaft, Neues zu denken (Neus-Obs), Glaube an Technik und Wissen-
schaft (Tech-Obs), Kontrollmeinung in den Teilbereichen (Ener-Obs), Wald (Wald-
Obs), Konflikt (Konf-Obs), Aussehen (Auss-Obs) sowie Verhalten im Umweltbereich
(Umwe-Obs).
2 Es handelt sich um Werthaltungen (WERT), Bereitschaft Neues zu denken (NEUS),
Wissen (WISS), Wahrnehmung (WAHR), Affektives Reagieren (AFFR), Diskrepan-
zwahmehmung (DISK), Glaube an TechniklWissenschaft (TEeH) und die Kontrollat-
tributionen in den Teilbereichen Energie (ENER), Wald (WALD), Konflikt (KONF),
Aussehen (AUSS).
Diskrepanzen zwischen Umweltbewußtsein und Umweltverhalten 45

x' = 8.87; df=7; p=.26


~ WERT-OBSI:!~./1>ersönlich_ GFI=.996; AGFI=.995; RMSR=.OI3
43 1- 76 ~ ,( philosophische ~ 8",------,
~ NEUS-OBS ~:4s ebenshaltun -·,(~)'~I TECH-OBS 12Q.
/ ~\15/._ 2
.35/
/ .4~/-';;::=:';~~lll
(Kontroll- '---------, ENER-OBS 1...2
.
.62 ~ WISS-OBS ~(~)'~~~ attributionen :7~LWALD-OBSl.28
36 I '---~ (Umwelt- , 15 \ ~V2
'--jWAHR_OBs~~~.~r;5 '~,:!§i KONF-OBSI2~
I

eWUßtse,i.n. \\ .45\ \

---1s .11<~~~:~=)~i
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0 \ AUSS-OBS 1.,12
troffe
~AFFR-OBS 1.1Q,~-j~, heit ) , \\-.17
.23 , L.~81''---'''·
--., DlSK-OBS r~ DlSK ):37
20', \ \
. ~-~
-------- Verhalten im', 82
.6 ~/' Umweltbereich --'---+luMWE-oBsldJ
Quelle: Grob 1991: 185

Abb. 8. KausalmodelI EinstelIungen im Umweltbereich und umweltgerechtes Verhal-


ten

eingezeichnet und die Effekte mit Pfeilen versehen, neben weIchen


die Strukturkoeffizienten die Effektstärke angeben.
Die Hypothese ,je umweltbewußter jemand ist, desto umweltge-
rechter verhält er sich auch" verzeichnet einen Koeffizienten von
0,10, d.h. der Einfluß der Pro-Umwelteinstellungen auf das Verhalten
ist nur gering. Die Strukturkoeffizienten eines LISREL-Modells kön-
nen Werte zwischen 1,0 (totale Determination) und 0,0 (keinerlei Zu-
sammenhang) annehmen.
Die Hypothese "Betroffenheit bewirkt umweltgerechtes Verhalten"
weist nur einen niedrigen Strukturkoeffizienten von 0,20 aus. Den-
noch hat "emotionale Betroffenheit" neben "Persönlich-philosophi-
schen Lebenshaltungen" noch den größten Effekt auf das geäußerte
Umweltverhalten.
Ebenfalls falsifiziert wird die Hypothese "Kontrollattributionen
wirken sich förderlich aus", d.h. man behauptet von sich dann am
ehesten, umweltgerecht zu handeln, wenn man sich für den Zustand
der Umwelt mitverantwortlich fühlt und glaubt, man könne durch sein
Verhalten etwas bewirken. Der Koeffizient von -0.17 ist nicht nur
46 Diskrepanzen zwischen Umweltbewußtsein und UmweItverhalten

von geringem Betrag, er hat auch ein negatives Vorzeichen, d.h. der
Zusammenhang ist von der Richtung her umgekehrt: Am ehesten
behauptet noch derjenige, daß er sich umweltgerecht verhält, der
glaubt, er sei nicht für den Zustand der Umwelt verantwortlich.
Der direkte Einfluß des Umweltwissens auf das Verhalten wird in
einem weiteren Modell untersucht. Grob findet keine nennenswerte
positive Wirkung, im Gegenteil, der Effekt fällt mit -0,15 sogar ne-
gativ aus: Je mehr umweltspezifisches Wissen Personen aufweisen,
desto weniger sagen sie, sie würden sich umweltgerecht verhalten.
Auch in anderen Studien ließen sich keine nennenswerten Zusammen-
hänge zwischen Umweltwissen und verbalisiertem Verhalten finden.
SchahnIHolzer (1989) identifizierten bei Mitgliedern von Umwelt-
schutzorganisationen eine Korrelation von 0,14 - ein, nach Angabe
der Autoren signifikanter Zusammenhang, der aber von der Größe her
bedeutungslos ist. Die Frage der statistischen Signifikanz von Ergeb-
nissen ist ja in direkter Weise von der Stichprobengröße abhängig.
Signifikanz bedeutet keineswegs automatisch, daß es eine substantiell
bedeutsame Stärke von Zusammenhang handelt.
Im Kern kommen Grob und DiekmannlPreisendörfer zum gleichen
Ergebnis: Der Zusammenhang von Umweltwissen und -einstellungen
ist gering, die Effekte von Wissen und Einstellungen auf das Verhal-
ten sind unbedeutend. Die Ergebnisse dieser beiden ausführlicher
präsentierten Untersuchungen sind durchaus repräsentativ für die
theorietestende nationale und internationale Umweltbewußtseinsfor-
schung. Auch Metaanalysen aus dem Bereich der psychologischen
Einstellungs-Verhaltens-Forschung kommen im Hinblick auf die
Einstellungs-Verhaltens-Korrelation zu ähnlichen Resultaten. Eine
neuere Metaanalyse von Einstellungs-Verhaltens-Forschungen haben
Six u.a. vorgelegt (vgl. SixlEckes 1992; Six 1992). Für die 17 erfaß-
ten Studien der Umweltbewußtseinsforschung ermittelt Six eine mitt-
lere Korrelation von Umwelteinstellungen und verbalisiertem Um-
weltverhalten von 0,26, was exakt 6,7% erklärter Varianz entspricht.
Für die mit dem Umweltverhalten zusammenhängenden Bereiche
Altruismus und Freizeitverhalten sind die ermittelten Zusammenhän-
ge zwischen Einstellung und Verhalten sogar noch geringer. Dies geht
weitgehend konform mit den Forschungsergebnissen der internationa-
Diskrepanzen zwischen Umweltbewußtsein und Umweltverhalten 47

len Umweltbewußtseinsforschung: Zwischen Einstellungs- und Ver-


haltensvariablen werden korrelative Zusammenhänge im Bereich
zwischen 0,14 bis maximal 0,45 gefunden. HineslHungerford/ Tome-
ra berechneten aus 128 amerikanischen Studien eine mittlere Einstel-
lungs-Verhaltens-Korrelation von 0,35, das entspricht 12% an aufge-
klärter Varianz oder verständlicher ausgedruckt: Von der Unter-
schiedlichkeit, die man bei verschiedenen Personen hinsichtlich ihres
geäußerten persönlichen Umweltverhaltens feststellen kann, sind nur
12% durch ihre unterschiedlichen Umwelteinstellungen erklärbar.
Die Studien zeigen, daß das Umweltverhalten heterogen ist. Wer
an einer Stelle umweltgerecht handelt - etwa im Bioladen einkauft -
muß dies noch lange nicht an anderer Stelle tun - z.B. beim Einsparen
von Wasser. Die einzelnen Umweltverhaltensweisen korrelieren stark
unterschiedlich miteinander. Manches hängt sehr eng zusammen, bei-
spielsweise ob jemand Altglas getrennt sammelt und das gleiche auch
mit Altpapier tut (r = 0,91), manches hat gar nichts miteinander zu
tun, und manches korreliert sogar negativ - wie Mülltrennung bei
Batterien und Verzicht auf das Auto am Wochenende (r =-0,38) (vgl.
DiekmannlPreisendörfer 1991).
Wenige Studien haben sich bislang mit den Mustern umweltrele-
vanter Verhaltensweisen befaßt, d.h. mit Fragen des gemeinsamen
Auftretens oder Nicht-Auftretens bestimmter Verhaltensweisen. Deut-
lich ist, daß die einzelnen Verhaltensweisen mit unterschiedlicher
Frequenz auftreten. Sie weisen, so könnte man sagen, einen unte-
rschiedlichen "Schwierigkeitsgrad" auf. Es ist offenbar "schwieriger",
für den Weg zur Arbeit auf das Auto zu verzichten, als Altpapier
getrennt zu sammeln oder beim Einkaufen eine Einkaufstasche mit-
zunehmen. WeIcher Art aber sind die "Schwierigkeiten", die der ein-
zelne damit hat, sein Verhalten so zu verändern, daß es umweltgerecht
ist? Aus dem Bereich der Marketing- und Konsumforschung stammt
die Untersuchung von Fejer/Stroschein (1991), die exakt dieser Frage
der "Schwierigkeiten" nachgeht. Methodisch gesprochen wollen die
Autoren klären, ob sich für umweltbezogene Verhaltensweisen eine
sog. "Guttman-Skala", d.h. eine hierarchische Ordnung, bilden läßt
(vgl. KrizlLisch 1988: 110). Man hätte sich dann eine Art Stufenleiter
von Umweltverhaltensweisen vorzustellen, deren erste Stufe vielleicht
48 Diskrepanzen zwischen Umweltbewußtsein und Umweltverhalten

mit der Jute-Tasche beginnt, über den Einkauf im Bioladen schließ-


lich bis zum Verzicht auf den Besitz eines Autos fortschreitet. Wer
dann auf der Stufe "Bioladen" steht, geht selbstverständlich auch mit
der Jutetasche einkaufen, besitzt allerdings noch ein Auto - wer die
höhere Stufe "Verzicht auf Autobesitz" erreicht hat, geht auch mit der
Jutetasche in den Bioladen. Fejer/Stroschein ermitteln folgende
Schwierigkeitsabfolge: Allgemeines soziales Verhalten, Umweltscho-
nende Abfallbeseitigung, Wasser- und Energiesparen, Verzicht auf
umweltschädigende Produktgattungen, Ersatz umweltbelastender
durch -freundlichere Produkte, Abfallvermeidung, Öffentlicher Ein-
satz zugunsten des Naturschutzes.
Bei den Befragten, die ein Auto besitzen, wurde zusätzlich ein In-
dex "umweltschonender Gebrauch des Autos gebildet". Es zeigte sich,
daß für die Autofahrer der "umweltschonende Gebrauch des Autos"
im Vergleich mit den anderen Verhaltensbereichen als der weitaus
schwierigste zu gelten hat. Ganze 3,1 % halten sich selbst für umwelt-
schonende Autonutzer. In der Fejer/Stroschein Untersuchung läßt sich
die Eigentümlichkeit der Kluft zwischen Umweltbewußtsein und
-verhalten nun differenziert für die verschiedenen Stufen des umwelt-
gerechten Verhaltens studieren. Es zeigt sich, daß selbst von den
Befragten der Stufe 0 - sie zeigen weder allgemein soziales noch
umweltgerechtes Verhalten) - 58% über hohe oder sehr hohe Pro-
UmweIteinstellungen verfügen. Bei den Personen der Stufe 1 - allge-
meines soziales Verhalten, aber keinerlei umweltgerechtes Verhalten
- sind es bereits 68% mit positiven Umwelteinstellungen und bei der
Stufe 2 (Abfallbeseitiger) sind es 78%.
DiekmannlPreisendörfer ziehen aus der festgestellten Heterogeni-
tät des UmweltverhaItens den Schluß, die von ihnen erhobenen vier
Bereiche Verkehr, Energie, Einkauf, Abfall getrennt zu betrachten.
Auf der Basis von individuellen Kosten-Nutzen-Erwägungen, so die
Grundthese, können positive Umwelteinstellungen nur dort wirksam
werden, wo die "Kosten" von Verhaltensänderungen für den einzel-
nen vergleichsweise gering ausfallen. Genau diese Differenzierung
wird dann in den Mittelpunkt der Analyse gerückt. Hypothese ist, daß
der Bruch zwischen Umweltbewußtsein und Umweltverhalten zwar
besteht, wenn die Problematik global betrachtet wird. Geht man aber
Diskrepanzen zwischen Umweltbewußtsein und Umweltverhalten 49

daran, das Umweltverhalten in Verhaltensblöcke ("Verkehrsverhal-


ten", ,,Energieverhalten" etc.) oder gar einzelne Verhaltensweisen zu
zerlegen, dann zeigen sich Bereiche, in denen der Bruch besonders
stark ist, aber auch solche, in denen man eher enge Zusammenhänge
zwischen positiven Umwelteinstellungen und geäußertem Verhalten
erkennen kann.
Die Autoren differenzieren schließlich nach Low-cost- und High-
cost-Situationen. In Low-cost-Situationen, das sind für die Autoren
die Verhaltensbereiche ,,Einkaufen" und ,.Abfallsortierung", sind die
Verhaltenskosten des einzelnen gering. Anders sieht es in den Berei-
chen "Verkehrsverhalten" und ,,Energiesparen" aus, in denen Verhal-
tensänderungen die einzelnen mehr kosten. In der Tat zeigen sich nun
Differenzen. Vor allem das Verkehrsverhalten ist ein Bereich, in dem
Umweltwissen und -bewußtsein nur wenig auszurichten vermögen.
Aber ein substantieller Gewinn an Erklärungskraft wird auch so nicht
erreicht: Selbst im Bereich des am höchsten korrelierenden Einkaufs-
verhaltens vermögen die Umwelteinstellungen nur 5% der Varianz zu
erklären. Dies kann schwerlich als Bestätigung der High-cost/Low-
cost-Hypothese gewertet werden. Aus der Studie lassen sich zwei
wichtige Erkenntnisse gewinnen, erstens:
Will man das Umweltverhalten besser erklären, als es bislang der
Fall ist, so ist die differenzierte Betrachtung von einzelnen Verhal-
tensweisen oder Gruppen von Verhaltensweisen, die adäquate Strate-
gie.
Die zweite wichtige Erkenntnis der Studie knüpft an die von Fe-
jerlStroschein dargelegte unterschiedliche "Schwierigkeit" von Um-
weltverhalten an. Mit der Idee, die persönlichen Kosten als Differen-
zierungskriterium für verschiedene umweltrelevante Verhaltensweisen
heranzuziehen, wird ein Weg beschritten, bei dem notwendigerweise
Gesichtspunkte der persönlichen Wahrnehmung und der Einbettung
des persönlichen Umweltverha/tens in das der Sozietät ins Blickfeld
geraten.
6 Ansätze zur Erklärung
des persönlichen Umweltverhaltens

Die Resultate der skizzierten theorietestenden Studien sind enttäu-


schend und legen es nahe, von der herkömmlichen Sichtweise in be-
zug auf die Einflußfaktoren für Umweltverhalten Abstand zu nehmen.
Seit Ende der 70er Jahre arbeitet man mit Kausalmodellen, die aus
der Tradition der amerikanischen Einstellungs-Verhaltens-Forschung
stammen. Sie wurden in Deutschland schon früh von Fietkaul Kessel
(1981) übernommen und liegen einer Vielzahl von Untersuchungen
implizit oder explizit zugrunde - Abbildung 9 gibt idealtypisch ein
solch traditionelles Modell wieder. Nahezu alle im Modell dargestell-
ten Wirkungszusammenhänge haben sich empirisch als nicht vor-
handen oder von geringem Ausmaß erwiesen. Im folgenden wird
deshalb der Frage nachgegangen, mit welchen theoretischen Ansätzen
in diesem Feld mehr erklärt werden kann als mit den klassischen
Modellen der Einstellungsforschung. Vier aussichtsreich erscheinende
Ansätze werden vorgestellt.

Moderatoren
Kontrollattribution Handlungsanreize
Verhaltensangebote
Handlungskonsequenzen

"" um:~::.lt.n ~
) I
UmweltbewuBtsein

Einstellungen
Werte Verkehr

/1
Bereitschaften Abfall
/
Energie

Barrieren
-----/

Abb. 9. Traditionelles Modell für umweltgerechtes Verhalten


52 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

6.1 Umweltverhalten als Resultat


von Rational Choice

Dieser Ansatz führt das Umweltverhalten auf individuelle Kosten-


Nutzen-Erwägungen, auf "Rational choice", zurück. Nicht der einzel-
ne ist es, der sich irrational verhält, sondern es sind die Institutionen
(vgl. Krol 1995: 84). Das Individuum verhält sich als homo oecono-
micus und trifft seine Entscheidungen strikt rational (vgl. Kirchgäss-
ner 1991; Weede 1989). Diese Annahme erscheint zunächst paradox,
glauben wir doch, in der Kluft zwischen Umweltbewußtsein und -
verhalten etwas Irrationales zu diagnostizieren. Wenn das Ozonloch
größer wird, die Ursachen und Folgen bekannt sind und die Menschen
dennoch nicht aufhören können, FCKW-haltige Produkte zu produ-
zieren und zu kaufen, dann nennen wir das irrational. Wenn sich die
Biosphäre erwärmt, die Menschen aber weiterhin hinsichtlich ihres
Energieverbrauchs keine entscheidenden Änderungen vollziehen,
dann wird dies weithin ebenfalls als irrational bezeichnet. Kosten-
Nutzen-Theorien erklären diese Differenz zwischen dem besseren
Wissen und dem unzureichenden Verhalten damit, daß sich der ein-
zelne durchaus vernünftig verhalte.
Trotz des äußeren Anscheins könne von Irrationalität keine Rede
sein, die Differenz zwischen Einstellung und Verhalten sei, so Krol
(1994: 6), sogar prognostizierbar, denn der einzelne verfolge konse-
quent seine egoistischen Interessen. Für den einzelnen Verbraucher ist
es billiger, Gemüse im Supermarkt zu kaufen als solches aus biologi-
schem Anbau teuer zu bezahlen, und für ihn gibt es keinen Grund,
den Fleischkonsum zu senken, wenn Fleisch doch in realer Kaufkraft
gemessen tendenziell billiger wird. Der einzelne ist nicht der Übeltä-
ter, er verhält sich ganz berechenbar und wirtschaftlich vernünftig,
trifft die für ihn kostengünstigste Entscheidung. An der Misere schuld
sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen: sie müßten so ge-
setzt werden, daß die von Kosten-Nutzen-Erwägungen gesteuerten
einzelnen quasi von selbst die richtigen (ökologischen) Entscheidun-
gen treffen. So läßt sich in etwa die Grundfigur des Kosten-Nutzen-
Ansatzes beschreiben.
Umweltverhalten als Resultat von Rational Choice 53

Kosten-Nutzen-Erwägungen finanzieller Art sind jedoch nur für


einzelne Teilbereiche des Umweltverhaltens bedeutsam. Bei vielen,
die Umwelt besonders beeinträchtigenden Verhaltensweisen geht es
nicht primär um finanzielle Kalküls. Wenn immer mehr Leute lei-
stungsstärkere Autos kaufen, obwohl in den letzten Jahren selbst bei
"freier Fahrt" die Durchschnittsgeschwindigkeiten auf den Autobahn
nur minimal stiegen, kann das nur wenig mit ökonomischen Erwägun-
gen zu tun haben. Das gleiche gilt für die Expansion von Haushaltsge-
räten und den stetigen Anstieg der Anzahl der Wohnquadratmeter pro
Kopf. Beides sind offenkundig Entwicklungen, die für den einzelnen
eher mit finanziellen Kosten verbunden sind. Wenn also Kosten-
Nutzen-Theorien als Erklärung für das wenig umweltgerechte Verhal-
ten herangezogen werden, so sind es meist solche Varianten, bei de-
nen die Kategorien Kosten und Nutzen nicht rein monetär gedacht
werden, sondern in einem erweiterten Sinne als Gewinne und Verluste
hinsichtlich der Bedürfnisse bzw. des Bedarfs des einzelnen begriffen
werden. Das muß nicht in sonderlich komplexen Modellen formuliert
werden, sondern kann auch in einem dem Alltagsverständnis entlehn-
ten Dual von billig versus teuer oder, anders ausgedrückt, von low-
cost versus high-cost seinen Ausdruck finden.
Aber was kostet nun wenig? Es sind solche umweltgerechten Ver-
haltensweisen, die ,,keine einschneidenden Änderungen erfordern,
keine größeren Unbequemlichkeiten verursachen und keinen besonde-
ren Zusatzaufwand verlangen" (Diekmannl Preisendörfer 1992: 240).
Die Effekte des Umweltbewußtseins können diesem Modell zufolge
nur dort groß sein, wo die Verhaltenskosten niedrig sind. Es bleibt die
Frage: Was ist teuer? Und was ist der Maßstab - wenn es denn kein
Geld ist - mit dem zwei umweltrelevante Verhaltensweisen, vergli-
chen werden? DiekmannlPreisendörfer gehen, ohne dies weiter zu be-
gründen davon aus, daß die persönlichen Kosten in den Bereichen
,,Einkaufen" und ,,Abfallsortierung" geringer sind als in den Berei-
chen ,,Energie-" und "Verkehrsverhalten". Gegen die a priori-Zuord-
nung einer High-cost- oder Low-cost-Klassifikation zu einer umwelt-
relevanten Verhaltensweise läßt sich einwenden, daß die Frage von
Kosten in den Entscheidungskalküls des einzelnen natürlich - wenn
man vom objektiven Maßstab der Geldwährung abweicht und auf
54 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

subjektive Variablen rekurriert - eine nur individuell zu klärende


Frage ist. Wenn man, statt von Geld zu sprechen von "Unbequemlich-
keiten" spricht, die mit einzelnen umweltgerechten Verhaltensweisen
verbunden sind, dann macht es einen Unterschied, ob jemand fünf
Minuten oder eine Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit
fährt. Ebenso sind die Unbequemlichkeiten vermutlich kleiner, wenn
jemand in einem Ein-Personen-Haushalt auf einen Wäschetrockner
verzichtet als in einem Haushalt mit zwei kleinen Kindern. Dem Wä-
schetrockner läßt sich nicht ansehen, ob er hohe oder niedrige
"Verhaltenskosten" nach sich zieht. Ebensowenig läßt sich eine Situa-
tion, wie die der Benutzung des öffentlichen Personennahverkehrs, als
solche hinsichtlich der Kosten einstufen. Dies gilt erst recht für einen
ganzen Verhaltensbereich wie das Energieverhalten.
Formalisiert lautet das lautet das Grundtheorem der "ökono-
mischen Verhaltenstheorie" folgendermaßen (vgl. Kro11992: 20ff.):
Verhalten =f(Präferenzen, Restriktionen)
Das Verhalten einer Person wird als Resultat eines Entscheidungspro-
zesses begriffen, in dem Präferenzen (das sind die Wünsche und Ziele
des Individuums, das die Entscheidung trifft) und Restriktionen (das
sind die Beschränkungen des Handlungsspielraums, denen sich das
Individuum gegenübersieht) eine Rolle spielen.
Das Modell der Wert-Erwartungs-Theorie (vgl. Esser 1991a) geht
von einem dreiphasigen Entscheidungsprozess aus (vgl. Lindenberg
1990: 257; Opp u.a. 1990: 17ff.): In der ersten Phase nimmt der Ak-
teur die Situation wahr, identifiziert verschiedene Handlungsal-
ternativen und damit wahrscheinlich einhergehende Handlungsfolgen.
In der zweiten Phase bewertet er die Handlungsmöglichkeiten ent-
sprechend seinen subjektiven Präferenzen. Die Vor- und Nachteile,
Kosten und Nutzen jeder Handlungsalternative werden evaluiert. Für
jede einzelne denkbare Handlungsfolge wird die subjektive Auftre-
tenswahrscheinlichkeit geschätzt. Der subjektiv erwartete Nutzen
jeder Variante wird nun ermittelt, indem der Nutzen und die Auftritts-
wahrscheinlichkeit jeder einzelnen Handlungskonsequenz miteinander
multipliziert werden und indem anschließend die Produkte addiert
werden. Damit ist der Nettonutzen einer Handlungsalternative be-
Umweltverhalten als Resultat von Rational Choice 55

stimmt. In der dritten Phase wählt der Akteur die Alternative mit dem
höchsten subjektiv erwarteten Nettonutzen und fuhrt sie aus.
Bei diesem Modell ist die Anlehnung an wirtschaftliche Entschei-
dungsmodelle deutlich. Präferenzen und Restriktionen sind der Raum
für individuelles Verhalten. Dem einzelnen wird absichtsvolles, ziel-
gerichtetes Handeln unterstellt. Sein Hauptziel ist gänzlich egoistisch,
nämlich die eigene Situation zu verbessern, einen Vorteil zu erlangen.
Zu diesem Zweck werden für die möglichen Handlungen Nutzenwerte
und subjektive Wahrscheinlichkeiten ermittelt. Der Handlungsraum
wird durch ökonomische und außerökonomische Variablen bestimmt.
Mit der S-Bahn zu fahren, kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit
und verursacht u.U. Ängste, Unwohlsein und schlechte Laune. Auch
rechtliche Aspekte engen den Handlungsspielraum ein.
Die Präferenzen umfassen unterschiedliche Aspekte, die für das
Individuum eine Rolle spielen: Werte, Einstellungen, Ängste, Finan-
zielles etc. Präferenzen werden als weitgehend konsistent und stabil
betrachtet. Die ökonomische Verhaltenstheorie ist deshalb auch nicht
sonderlich an der Frage interessiert, woher die Präferenzen kommen
(vgl. Zintl 1989: 53). Erziehungswissenschaftliche Varianten der
Theorie (vgl. Krol 1992) verorten die Entstehung der Präferenzen im
Prozeß der Sozialisation und gehen davon aus, daß sie über Erzie-
hungs- und Bildungsmaßnahmen (langsam) zu beeinflussen sind. Was
aber, jedenfalls aus der Sicht einer solchen pädagogisch gefärbten
ökonomischen Verhaltenstheorie, nicht mit Aussicht auf Erfolg rech-
nen kann, ist der Versuch, jemanden durch Erziehung dazu zu bewe-
gen, sich systematisch gegen seine Interessen zu verhalten und Ent-
scheidungsalternativen zu wählen, die das Kriterium der Verbesse-
rung der eigenen Situation nicht optimal erfüllen.
Bei gegebenen Präferenzen läßt sich das individuelle Umweltver-
halten am ehesten über die Restriktionen steuern. Diese müssen so
gesetzt werden, daß das Individuum sich rationalerweise nur für das
umweltgerechte Verhalten entscheiden kann. Eine Anhebung des
Benzinpreises auf 5 DMIl würde dieser Theorie zufolge zwangsläufig
eine Reihe von Entscheidungen auf der Ebene des Individuums nach
sich ziehen: den Kauf eines möglichst wenig verbrauchenden Auto-
mobils, das Vermeiden unnötiger Fahrten, die Geschwindigkeitsre-
56 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

duktion zum Zwecke des Benzineinsparens und anderes mehr - da


bedarf es keines Bewußtseins, das funktioniert ganz automatisch.
Konsequenz des Kosten-Nutzen-Ansatzes ist es, die Nutzung von
UmweltIeistungen mit Preisen zu belegen, denn nur so glaubt man
erreichen zu können, daß Individuen die Inanspruchnahme von Um-
weltleistungen in ihr Entscheidungskalkül einbeziehen. ,,Ändern sich
die Restriktionen, so werden bestimmte Handlungsalternativen mehr
und andere relativ weniger vorteilhaft. Die Individuen wählen dann
die relativ attraktiver gewordenen Alternativen." (Kirchgässner 1991:
26) Das klingt recht überzeugend und kann zudem die Legitimations-
grundlage für interventionistisches Handeln abgeben. Die Reichweite
des Konzeptes ist allerdings beschränkt, denn bei den Anreizen, die
zur Verhaltenssteuerung eingesetzt werden, kann es sich nach Lage
der ökonomischen Dinge nur um ,,Negativ-Steuerungselemente" han-
deln, d.h. etwas wird teurer: das Autofahren, die Flugreise, Strom und
Gas, das Fleisch aus Massentierhaltung etc. Wie sich am Beispiel
eines Benzinpreises von 5 DM pro Liter unschwer vorstellen läßt,
kommen die Präferenzen der einzelnen durch die Hintertür wieder ins
Spiel, denn welche Regierung, die wiedergewählt werden wollte,
könnte sich die Verordnung solcher Rahmenbedingungen schon er-
lauben, ohne hohe Verluste an Wählerstimmen zu riskieren. Die Se-
parierung von Restriktionen und Präferenzen ist nur im begrifflichen
Rahmen problemlos zu denken, jedenfalls muß jede Institution, die
den Versuch unternimmt, die Restriktionen zu steuern, mit Umge-
hungsstrategien und gegebenenfalls mit Bestrafung durch die Präfe-
renzen rechnen.
Der Kosten-Nutzen-Ansatz hat es methodisch mit einem großen
Problem zu tun, nämlich der Erfassung der entscheidenden Variablen
"subjektive Kosten" und "subjektiver Nutzen" (vgl. Lüdemann 1993).
Je mehr man in den Bereich des Gewohnheitshandels kommt, desto
unwahrscheinlicher ist es, daß die Befragten den Nutzen beziffern
könnten, so wie es auch schwer zu beantworten sein dürfte, warum
man beim Essen Messer und Gabel benutzt. In solchen Situationen
wird das Problem der sozialen Erwünschtheit besonders virulent, d.h.
der Proband wird versuchen, sein nicht umweltgerechtes Verhalten
unter Rückgriff auf allgemein anerkannte Faktoren und Motivlagen zu
Umweltverhalten als Dilemma eines Normierungskonfliktes 57

begründen. Man kann sich zudem vorstellen, daß es ein ausuferndes


Unterfangen ist, alle möglichen Handlungsvarianten und alle Bewer-
tungen von Handlungsfolgen zu erfragen und da man schwerlich an-
nehmen kann, daß rationales menschliches Handeln tatsächlich auf
diese komplex-kalkulatorische Weise zustande kommt, spricht auch
wenig für eine solch aufwendige Datenerhebung.
Auch einer auf Kosten-Nutzen-Kalküle abstellenden Theorie des
Umweltverhaltens muß es allerdings erlaubt sein zu scheitern. Je
weicher man die Präferenzen definiert und je indirekter man sie er-
faßt, desto schwieriger wird dies jedoch. Fragt man, woran die Ko-
sten-Nutzen-Theorie des Umweltverhaltens überhaupt scheitern
könnte, so sind mindestens drei Falsifikationsgründe denkbar:
• zunächst, daß überhaupt kein Entscheidungsprozeß stattfindet;
ferner, daß die Akteure keine rationalen Nutzenkalküle vorneh-
men, sondern andere - irrationale - Faktoren und der Zufall das
Verhalten steuern;
schließlich, daß zwar Entscheidungsprozesse stattfinden und Ak-
teure den Nutzen von Verhaltensalternativen kalkulieren, sich aber
keineswegs immer danach verhalten, sondern auch altruistisch und
gemeinschaftsorientiert handeln.
Der Erklärungswert von Kosten-Nutzen-Theorien für Umweltverhal-
ten läßt sich folgendermaßen resümieren: Der Ansatz ist um so plau-
sibler, je stärker auch tatsächlich ökonomische Aspekte und Motive
bei einer bestimmten Verhaltensweise eine Rolle spielen. Je weiter
man sich vom finanziellen Bereich entfernt oder dieser sogar mit
negativem Vorzeichen versehen ist (eine Verhaltensvariante wird ge-
wählt, obwohl sie viel teurer ist), desto kraftloser wird die Theorie.

6.2 Umweltverhalten als Dilemma


eines Normierungskonfliktes

In gewisser Affinität zum Rational-Choice-Ansatz steht ein Erklä-


rungsmuster, das die Kluft zwischen Umweltbewußtsein und
-verhalten als Folge einer Dilemmasituation begreift, in der sich der
58 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

einzelne befindet. Ausgegangen wird vom Kollektivgutcharakter von


Umweltleistungen. Während Privatgüter dadurch charakterisiert sind,
daß ihre Nutzung von der Zahlung eines Entgeltes abhängig gemacht
werden kann, sind öffentliche Güter allgemein zugänglich, und nie-
mand kann von der Nutzung ausgeschlossen werden (vgl. Frey 1985:
48ff.; Leipert 1993: 22f.). Es ist beispielsweise nicht möglich, je-
mandem die Benutzung von Straßen und Bürgersteigen oder das Ein-
atmen von Luft zu verbieten. Bei privaten Gütern gilt das Aus-
schlußprinzip - wer den geforderten Preis nicht zahlen will oder nicht
zahlen kann, darf sie auch nicht nutzen. Dadurch, daß dieses einfache
Prinzip bei Umweltleistungen nicht anwendbar ist, entsteht für die
Akteure eine Dilemmasituation, die es ihnen schwer macht, ihr Ver-
halten angesichts einer drohender lokale und globaler Katastrophen
adäquat zu verändern (vgl. Ernst/Spada 1993: 18)
Auch diejenigen, die keinen Beitrag zur Erstellung eines Kollek-
tivgutes, beispielsweise zur Reinhaltung der Luft, leisten, kommen in
dessen Genuß. Eigennütziges Verhalten der Individuen unterstellt,
verhält sich der Trittbrettfahrer rational; seine Kosten sind optimal
niedrig. Wenn die anderen Produzenten oder Verbraucher sich um-
weltverträglich verhalten, indem sie beispielsweise Vorkehrungen zur
Reinhaltung der Luft treffen, ist es für den einzelnen am vorteilhafte-
sten, sich nicht umweltgerecht zu verhalten, also z.B. weiter mit dem
Auto zu fahren und so das kooperative Verhalten der anderen auszu-
nutzen.
Die Trittbrettfahrerposition bringt dem einzelnen Vorteile, d.h. am
besten ist es, wenn alle anderen kooperatives Verhalten an den Tag
legen, nur er nicht. Alle fahren brav Tempo 100 und der Trittbrettfah-
rer hat freie Bahn. Diese Dilemmasituation wird zumeist als ökolo-
gisch-soziales Dilemma, als Schmarotzer-Dilemma oder als Allmen-
de-Klemme bezeichnet. Verschiedene Forschungsarbeiten haben die
näheren Umstände dieser Situation experimentell exploriert. Spada
charakterisiert die Grundsituation folgendermaßen:
Umweltverhalten als Dilemma eines Normierungskonfliktes 59

Der Einzelne Die gemeinsame Ressource


nutzt die Ressource zusam- hat eine eigene Entwick-
men mit anderen lungsdynamik, die dem ein-
zelnen nicht oder nur un-
erzielt den Gewinn durch vollständig bekannt ist.
Nutzung sofort meldet Veränderungen erst
mit einer zeitlichen Verzö-
erzielt den Gewinn aus der gerung
Nutzung persönlich Verluste treffen aller Nutzer
gleich

Mittels eines experimentellen Simulationsspiels ,,Fischereikonflikt-


spiel" wird das Dilemma im psychologischen Labor nachgestellt.
,,Jeweils drei Mitspieler versetzen sich in die Lage von Fischern an
einem See und legen in jeder von 13 Runden gleichzeitig ihre jeweili-
gen Fangquoten fest. Als Spielziel ist vorgegeben, möglichst viel
eigenen Gewinn zu erwirtschaften" (Ernst/Spada 1993: 19f). Ein
ausgeklügeltes Regelwerk legt die übrigen Modalitäten des Spiels
fest. Anders als Rational-Choice-Theoretiker, die aus der Logik des
Dilemmas einen systematischen Hang zum Egoismus deduzieren (vgl.
Krol 1994), verlaufen die von der Spada-Forschergruppe beobachte-
ten Spiele durchaus unterschiedlich. Das Spektrum reicht von der
lokalen Katastrophe bis zur Erwirtschaftung hoher dauerhafter Ge-
winne. Unter anderem wurden folgende Beobachtungen der Verhal-
tensweisen der Spieler bzw. Spielgruppen gemacht:
Einzelne Mitspieler zeigen ein vorbildhaftes Verhalten.
Die Teilnehmer bemühen sich, die Gesetzmäßigkeit der gemein-
samen Ressource (Vermehrungsrate der Fische) herauszufinden.
Die Teilnehmer beobachten das Verhalten der Mitspieler genau.
Individuelle Gewinnmaximierung führt zur Dezimierung der Res-
source.
60 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

• Entwickelt sich ein Desaster wird die Schuld bei den anderen
gesucht.
• Zahlreiche Spielgruppen zeigen bei mehrmaligem Spiel einen
Lern- und Verhaltensfortschritt.
Zum Umgang mit egoistischen Personen, die durch ihr Verhalten die
langfristige Ressourcennutzung systematisch verhindern, wird häufig
das sogenannte Gefangenendilemma (in Anlehnung an den amerika-
nischen Begriff "prisoner's dilemma") herangezogen. Die Situation ist
folgende: zwei Kriminelle wurden von der Polizei gefaßt und sitzen
im Gefängnis, eine erhebliche Strafe ist zu erwarten. Die Kron-
zeugenregelung belohnt Verrat mit Nicht-Bestrafung, so daß es loh-
nend erscheint, den Mittäter zu beschuldigen. Denkt der aber genauso,
dann erhalten beide eine hohe Strafe. Beim experimentellen Erkunden
dieses Dilemmas stellte sich die Strategie des "Wie du mir, so ich dir"
als die überlegene heraus. Im Allmende-Dilemma führt diese Strategie
allerdings unweigerlich zur Katastrophe.
Als bedeutsame Einflußfaktoren werden Wissen über die Ressour-
cenvermehrung, Mäßigung jedes einzelnen und Vertrauen der Teil-
nehmer untereinander ausgemacht, wobei letzterem die Schlüsselstel-
lung zukommt. Die Übertragbarkeit der Resultate in die Welt außer-
halb des Labors erscheint aus mehreren Gründen fragwürdig. Bleibt
man beim Beispiel Fischfang, so ist schwerlich zu bestreiten, daß die
komplexen sozialen und ökonomischen Zusammenhänge, die in ihrem
Resultat zur Überfischung der Meere führen, kaum Parallelität zu dem
Laborspiel aufweisen. Die Entscheidung etwa wer, wo, wieviel fischt,
wird nicht von den Männern an den Netzen getroffen. Darüber hinaus
gilt für viele Umweltprobleme und umweltrelevanten Verhaltens-
weisen, daß wir es nicht mit einem solchen Dual Einzelner versus
Gemeinschaft zu tun haben. Im Ansatz des sozialen Dilemmas berei-
chert sich der einzelne auf Kosten der Gemeinschaft. Für ihn gibt es
keinen rationalen Grund, sein Verhalten zu verändern, weil dies mit
sofortigen persönlichen Verlusten verbunden ist. Beim Verbrauch
nicht-erneuerbarer Ressourcen oder bei der Übernutzung von Res-
sourcen handelt es sich aber eher um das Phänomen, daß die Ge-
sellschaft sich insgesamt auf Kosten der Umwelt - und der nachkom-
Umweltverhalten als Dilemma eines Normierungskonfliktes 61

menden Generationen bereichert. Anders als der Egoist in den All-


mende-Simulationen fühlt sich der einzelne vermutlich keineswegs im
Gegensatz zur Gemeinschaft, wenn er mit dem Auto im Stau steht
oder im Warteraum des Flughafens auf seinen Abflug nach Mallorca
wartet. Im Gegenteil handelt es sich eher um sozietätsstiftende Si-
tuationen, bei denen sich der einzelne im Einklang mit der Gemein-
schaft und den sozialen Normen vermutet.
Zwar ist es unbestreitbar, daß die Realisierung des Dilemmas in
Form solcher unterkomplexen Spiele problematisch ist, die For-
schungsergebnisse, insbesondere die protokollierten Äußerungen der
Spieler, belegen dennoch deutlich das Vorhandensein eines Koopera-
tionsdilemmas. Zweifel sind allerdings erlaubt, ob Theorien, die auf
systematischen Variationen von Spielstrategien und Erzeugung solch
künstlicher Miniwelten beruhen, tatsächlich eine über die Simulation
hinausgehende Bedeutung haben.
Die bedeutendere Frage erscheint ohnehin, wie Menschen sich in
komplexen sozialen Situationen verhalten oder, von der Gesellschaft
aus gedacht, wie komplex sich Gemeinschaftsverhalten bei relativ
simplen Verhaltensentscheidungen der einzelnen darstellen kann. Der
umweltpsychologische Zugang zu dem Dilemma fokussiert Phä-
nomene auf der Ebene des Individuums. Kollektivphänomene werden
aus dem Verhalten der individuellen Akteure erklärt, sie haben unter
der umweltpsychologischen Sichtweise keinen eigenständigen Status.
Glance und Huberman haben im Rahmen ihrer Studien über die
Dynamik sozialer Systeme für das sogenannte Schmarotzer-Dilemma,
das in seiner Grundkonstellation dem oben beschriebenen Dilemma
entspricht, aufgezeigt, daß das Gruppenverhalten eigenen Dynamiken
unterliegt, die systematisch nicht aus individuellen Kalküls progno-
stizierbar sind (vgl. GlancelHuberman 1994). Ausgegangen wurde
von folgendem Dilemma:
Angenommen, Sie gehen mit Bekannten in ein gutes Restaurant;
bezahlt werden soll zu gleichen Teilen. Was würden Sie bestellen?
Nehmen Sie das Tellergericht oder den teuren Lammbraten samt Vor-
und Nachspeisen? Hausmarke oder Cabernet Sauvignon 1983? Wenn
Sie sich keinerlei Zwang antun, können Sie vielleicht ein exzellentes
Abendessen fast geschenkt bekommen. Denkt so aber jeder in der
62 Ansätze zur Erklärung des persönlichen UmweltverhaItens

Gruppe, gibt es für alle am Ende eine gepfefferte Rechnung. (Ebd.:


36).
Verschiedene Experimente mit Testpersonen zeigten, daß kleine
Gruppen eher zu freiwilliger Kooperation neigen als große und daß
wiederholtes Durchspielen der Situation der Kooperation förderlich
ist. Ebenso fördert Kommunikation das kooperative Verhalten. Glan-
ce und Huberman entwickeln eine von der Spieltheorie inspirierte
mathematische Theorie des sozialen Dilemmas, derzufolge die Grup-
pengröße, die Erwartung der Gruppenmitglieder über die zeitliche
Dauer ihres Verbleibs in der Gruppe und die ihnen zugängliche Men-
ge an Informationen das kooperative Verhalten determinieren. Mit der
Horizontweite, das sind die Erwartungen über den Verbleib in der
Gruppe, wächst die Kooperationsbereitschaft. Andererseits sinkt sie
mit der Gruppengröße: Ist diese sehr groß und unüberschaubar, kann
der einzelne getrost davon ausgehen, daß sein Egoismus nicht auffallt
und ihm daraus keine Nachteile erwachsen.
In Computersimulationen testen Glance und Huberman die Aus-
breitung von Kooperation in homogenen und heterogenen Gruppen.
Heterogen meint, daß die Teilnehmer mit individuell unterschiedli-
chen Kosten-Nutzen-Kalküls arbeiten. Hier zeigt sich als wichtigstes
Ergebnis, daß sich Kooperation abrupt und in mehreren Etappen
entwickelt. Jede Untergruppe vollzieht ihren Übergang von Egoismus
zu Kooperation separat und steckt dann erst die nächste an.
Die Betrachtung solcher Dilemmata und das Nachspielen in Com-
putersimulationen sind gewiß aufschlußreich; gleichwohl sind die
konstruierten Situationen natürlich in ihrer geringen Komplexität mit
realen sozialen Situationen nicht vergleichbar. Was im einfachen
Modell plausibel klingt und funktioniert, muß den "Komplexitätstest"
erst noch bestehen.

6.3 Umweltverhalten als Teil des Lebensstils

Dieser Ansatz erklärt den persönlichen Lebensstil zum entscheiden-


den Einflußfaktor für das Umweltverhalten oder, korrekter formuliert,
verortet umweltrelevante Verhaltensweisen im Kontext von (pluralen)
Umweltverhalten als Teil des Lebensstils 63

Lebensstilmustern. Im Kern handelt es sich um eine Weiterführung


der Denkfigur, daß soziale Differenzierung individuelle Orientie-
rungsmuster und Verhaltensweisen bestimmt. Doch sind es nicht mehr
sozio-demographische oder berufliche Merkmale, Schicht- oder Klas-
senzugehörigkeit, sondern Lebensstilmuster, die solche Effekte auf-
weisen.
Der Begriff Lebensstil wird in der sozialwissenschaftlichen Le-
bensstilforschung im Plural gedacht: Man hat es mit mehreren Le-
bensstilen zu tun und nicht etwa nur mit einem uniformen ,,Lebensstil
der westlichen Welt", wie er oftmals im Umweltdiskurs angesprochen
wird. Lebensstil-Konzepte leisten Disaggregationen, die über das
klassische Schichtmodell hinausführen (vgl. Zapf 1987). Mit dem
Abbau der Bildungsbarrieren und der Bildungsexpansion seit den
60er Jahren, mit der Pluralisierung von Lebensformen (Single-
haushalte, Alleinerziehende, Wohngemeinschaften etc.), der wachsen-
den Bedeutung des Wohlfahrtsstaates sowie dem Anstieg der Einkünf-
te des größten Teils der Bevölkerung lassen sich Pluralisierungen,
Individualisierungen und die Entkopplung von objektivierbaren Le-
benslagen sowie individuellen Selbstwahrnehmungen und Orien-
tierungen verzeichnen. Soziale Ungleichheit, Differenzen in den Ver-
haltensweisen und Selbstwahrnehmungen von Individuen sind ohne
diese drei Aufmerksamkeitsrichtungen der Beobachtung heute nicht
mehr zu verstehen (vgl. Banning 1987: 17ff.; Lüdtke 1989: 81ff.;
BergerlHradil1990: 15ff.; Reusswig 1994: 36ff.).
Lebensstile bezeichnen "die aktive, expressive und konsumtive
Seite der sozialen Ungleichheit" (Lüdtke 1991: 3; vgl. Lüdtke 1992:
138). Schon klassisch sind die Studien des SINUS-Instituts, in denen
nicht von ,,Lebensstilen", sondern von "sozialen Milieus" gesprochen
wird. Darin kommt zum Ausdruck, daß SINUS neben den Wertorien-
tierungen, Lebenszielen und Stilisierungen auch den Haushaltskontext
und andere sozioökonomischen Faktoren berücksichtigt. Für West-
deutschland wurden die in Abbildung 10 wiedergegebenen neun Mi-
lieus identifiziert (vgl. SINUS 1992: 229ff.).
Die Forschungen des SINUS-Instituts stellen einen Trend von der
traditionellen Grundorientierung hin zu den Dimensionen des Werte-
wandels fest. Ebenso verzeichnen sie eine Drift zu den oberen Grup-
64 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

....
soziale
Lage
Grundgesamtheit: Wohnbevölkerung ab 14 Jahre
Oberschicht

Obere
Mittelschicht

Untere
Mittelschicht

Unterschicht

Grundorientierung,Grundorientierun
"Bewahren" "Haben"
Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung 1993, Bd. I: 22

Abb. 10. Die sozialen Milieus in Deutschland (West): Soziale Stellung und Grundori-
entierung

pensegmenten hin. Stichpunktartig verkürzt lassen sich die beiden


Trendsetter-Lebensstile "technokratisch-liberales Milieu" und "hedo-
nistisches Milieu" folgendermaßen charakterisieren.
Technokratisch-liberales Milieu:
Lebensstil: Neue Erfahrungen machen; Erfolg; Selbstverwirkli-
chung; hoher Lebensstandard; gezielte Karriereplanung; starkes
Bedürfnis nach Selbstdarstellung (Stilavantgarde und Trendset-
ting), spielerische Momente der Lebensbewältigung (nicht zu Tode
schuften); das Leben genießen
Soziale Lage: Häufig hohe Formalbildung; hohes und höchstes
Einkommen; Schüler; Studierende; leitende Angestellte; Selb-
ständige
Umweltverhalten als Teil des Lebensstils 65

Hedonistisches Milieu:
Lebensstil: Freiheit; Ungebundenheit, Spontaneität; kein "Spießer"
sein; radikaler Inidividualismus; das Leben genießen; intensiv le-
ben; unkontrollierter Umgang mit Geld und spontaner Konsum;
Freude am Leben, an Luxus und Konsum
Soziale Lage: Altersschwerpunkt zwischen 20- und 3D-jährigen;
oft geringe Formalbildung (,,Abbrecher"); viele Schüler und Stu-
dierende sowie "Jobber", meist kleine bis mittlere Einkommen
Auch Lüdtke, ein Pionier der Lebensstilforschung in Deutschland,
rekurriert weiterhin auf den Strukturkontext von Alter, Geschlecht,
ökonomischen Ressourcen auf der einen, die Lebenspraxis, bestehend
aus Medienkonsum, Freizeitaktivitäten etc. auf der anderen Seite,
ergänzt diese um die subjektiven Dimensionen Mentalität und Moti-
vation. Den Lebensstil definiert er als "unverwechselbare Struktur
und Form eines subjektiv sinnvollen, erprobten (... ) Kontextes der
Lebensorganisation (mit den Komponenten: Ziele bzw. Motivationen,
Symbole, Partner, Verhaltensmuster) eines privaten Haushalts (... ),
den dieser mit einem Kollektiv teilt und dessen Mitglieder deswegen
einander als sozial ähnlich wahrnehmen und bewerten" (Lüdtke 1989:
40). Lebensstile geben dann das Muster für Interaktionen und ihre Be-
wertung ab. Sie haben nach innen, in Richtung der Gruppe und der in
ihr verhafteten Individuen, den Charakter von Gewohnheiten oder
auch Routinen. Aus der Gewohnheit heraus, einen Lebensstil zu pfle-
gen, gewinnt das Individuum eine Stabilisierung seiner subjektiven
Identität. "Was nach innen als Modell für Routine erscheint, hat nach
außen eine expressive Bedeutung: die symbolisch-soziale Form der
Darstellung der eigenen Privatsphäre, wenn nicht Individualität, ge-
genüber anderen mit der Erwartung von Bestätigung und Respekt,
jeweils gemäß der Relevanz der ins Auge gefaßten Bezugsgruppe"
(ebd.: 41).
Weitergedacht wurde dieser Ansatz von Schulze mit dem Konzept
der ,,Erlebnisgesellschaft" (1992). In Schulzes Konzept spielen neben
den Selektionsdimensionen Alter und Bildung die alltagsästhetische
Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. Auf der Basis dieser drei
Dimensionen unterscheidet er in der bundesrepublikanischen Bevöl-
66 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

kerung fünf Milieus. Diese lassen sich nicht nach einem Oben-Unten-
Muster sortieren, sondern beziehen ihren Erklärungswert aus der
Beschreibung von Distanz. Dazu als Beispiel ein Vergleich zwischen
zwei der fünf von Schulze identifizierten Milieus: Das nach Selbst-
verwirklichung strebende Milieu ist gekennzeichnet durch mittlere
oder hohe Bildung, unter 40 Jahre alt und mag Free Jazz, Schönberg,
die Documenta, Spitzenküche, oder aber Michael Jackson, Disco und
RTI.. Das nach Harmonie strebende Milieu ist dagegen von niedriger
Bildung gekennzeichnet, über 40 Jahre alt und mag das ZDF, die
Lustigen Musikanten, Dorffeste und den Wienerwald. Schulze macht
insgesamt bei den unter 40jährigen einen Trend zur ,,Erlebnis-
orientierung" aus: Selbstverwirklichung, ein spannendes Leben ist
wichtiger geworden als eine Sach- und Statusorientierung. Ein Auto
ist weniger ein Statussymbol als eine Erlebnismaschine. Das Erleb-
nismilieu ist gleichzeitig das Trendsetter-Milieu: Im Leben Spaß zu
haben, sich selbst zu verwirklichen, wird der alten Maxime, "etwas
werden" zu wollen, in der Tendenz vorgezogen.
Auch auf das Umweltbewußtsein und das Umweltverhalten schlägt
sich der Pluralismus der Lebensstile nieder. Mal eben am Samstag-
vormittag mit dem Geländewagen zum Glascontainer zu fahren, kann
ebenso als Ausdruck von umweltbewußten Einstellungen verstanden
werden wie der samstägliche Einkauf mit einer Sammlung von Tup-
perdosen in der Baumwolltasche, damit der Käse und die italienische
Mortadella nicht ins Wachspapier eingeschlagen werden müssen. Le-
bensstile sind nicht als Oberflächenphänomene zu betrachten, wie es
der Terminus "lifestyle" nahelegt, sondern sie sind Ausdruck und
,,Anker" der psychischen Identität von Personen (Lüdtke 1995: lOff.).
Sie dienen der Selbst-Unterscheidung zwischen v,erschiedenen gesell-
schaftlichen Gruppen. Damit aber sind sie ebenso folgenreich für den
Bezug zum Konsum, zur stofflichen Seite des Lebens also, wie zur
sozialen und symbolischen Seite hin. Der Pluralismus in den Le-
bensstilen hat für das Umweltbewußtsein ambivalente Konsequenzen.
Diejenigen, die eher traditionelle materielle Werte vertreten und nach
einem ungebundenen Leben streben, verstehen durchaus etwas ande-
res unter Umweltbewußtsein als jene, die eher modernen Werten den
Vorzug geben.
Umweltverhalten als Teil des Lebensstils 67

Eine Studie zu den Lebensstilen in Österreich (vgl. Richter 1990)


zeigt, daß sich die positiven Einstellungen zum Umweltschutz nicht
auf einzelne Lebensstile beschränken: die ,,Alternativorientierten"
(11 % der Bevölkerung), die "Naturbezogenen Traditionalisten"
(17%), aber auch die "Traditionell Wertorientierten" Personen (22%)
zeigten sich von der Umweltsituation betroffen, waren besorgt und für
mehr Engagement im Umweltschutz. Weniger umweltbewußt waren
dagegen die "leistungsorientierten Materialisten" (17%), die "zuver-
sichtlichen Konformisten" (16%) und der "technokratische Mainstre-
am" (17%). Die drei umweltfreundlichen Lebensstile erweisen sich
bei näherer Prüfung als durchaus different.
Umweltbewußtsein als Protesthaltung, dies charakterisiert die
,,Alternativorientierten". In dieser Gruppe werden die großen mas-
senmedial verbreiteten Umweltthemen (z. B. Ozonloch) schnell auf-
gegriffen, aber eine kontinuierliche Orientierung an einzelnen The-
men erfolgt kaum. Man ist empört darüber, daß auch die Gegner -
nämlich die großen Industriekonzerne - nun den Umweltgedanken
propagieren, indem sie ihn vermarkten. Die Alternativen kaufen zwar
mehr phosphatfreie Waschmittel als der Durchschnitt der Bevölke-
rung, und sie kennen auch die einschlägigen Reinigungsprodukte in
höherem Maße, aber das bedeutet keinesfalls ein durchgängig um-
weltfreundliches Verhalten. Hedonismus, Mobilität und Selbstver-
wirklichung gehören zu den zentralen Lebenseinstellungen: In der
Freizeit das Haus zu verlassen ist ebenso üblich wie die schnelle
Mahlzeit bei "McDonalds". In diesem Verhalten gehen die Alternati-
ven mit den leistungsorientierten Materialisten gänzlich konform.
"Oft beschränkt sich dann Naturverbundenheit darauf, daß man mit
dem ,Mountain-Bike' in die Stadt fährt" (ebd.: 14).
Die Gruppe der "traditionell Wertorientierten" rekrutiert sich stär-
ker aus älteren Bürgern und zeichnet sich durch einen ,,Entwicklungs-
pessimismus" aus. Staat und Gesellschaft geraten in diesen Personen-
kreisen kaum in die Kritik, wohl aber eine forcierte Industrialisierung.
Nicht der öffentliche Protest gegen die Umweltzerstörung wird hier
zum Artikulationsmuster der Umwelteinstellungen, sondern eine eher
stumme Verweigerung: Produkttreue und die Ablehnung massiver
Werbung wie Verpackung schlagen sich im Kaufverhalten nieder. Die
68 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

Umwelteinstellungen machen sich in dieser Gruppe nicht mehr an


einzelnen Ereignissen fest. Einzelereignisse sind den traditionell
Wertorientierten nur ein Baustein in ihrem Wissen um die generelle
Mißachtung "der" Natur durch "den" Menschen.
,,Naturbezogene Traditionalisten" generalisieren nicht in dem Ma-
ße wie traditionell wertorientierte Personen. Sie kennen sich in ihrem
Umfeld exakt aus, achten auf den Schutz der Biotope in ihrer Umge-
bung und protestieren gegen Verschandelungen der Landschaft,
gleichgültig, ob dies durch eine Industrieansiedlung zu geschehen
droht oder einfach durch ein Zeltlager alternativer Gegner der Indu-
strieansiedlung, das auf einer Wiese mit seltenen Pflanzen errichtet
wird.
Welches Erklärungspotential eine Differenzierung nach Lebenssti-
len in Relation zu einem umweltrelevanten Konsumbereich bringt,
zeigen die Untersuchungen von ProseJWortmann (1991a, b), in denen
das Energieverhalten von Kieler Haushalten erhoben wurde. Gefragt
wurde nach den Werthaltungen, den Lebensstilen und dem Konsum-
verhalten. Auf der Basis dieser drei Bereiche werden mittels des sta-
tistischen Verfahrens der Clusteranalyse sieben Haushaltstypen - von
den Autoren WELSKO-Typen l genannt - identifiziert (Tab. 4).
Das Energieverhalten zeigt einen engen Zusammenhang zu einzel-
nen Lebensstilen, kaum aber zu den Einstellungen. Es sind nämlich
nicht in erster Linie die ,,Alternativen", sondern die "Konservativ-
Umweltbewußten" und die aufgeschlossenen "Wertepluralisten", die
am ehesten auf einen geringen Energieverbrauch achten. Bei Pro-
seIWortmann lassen sich generell zwei größere Trends in der Verbin-
dung zwischen umweltgerechtem Verhalten und Lebensstilen identi-
fizieren: Auf der einen Seite gibt es die egalitär-alternativen oder auch
alternativ-umweltbewußten, auf der anderen Seite eher hierarchisch-
konservativ denkende Gruppen, die beide - aus unterschiedlichen
Einstellungen heraus und mit unterschiedlichen Stilisierungsmustern -
bekunden, sich umweltgerecht zu verhalten.

I WELSKO steht als Abkürzung für eine TypenkonsIruktion, die auf WertesIrukIuren,
Lebensstilen und Konsumgewohnheiten basiert.
Umweltverhalten als Teil des Lebensstils 69

Tabelle 4: Charakterisierung der sieben Haushaltstypen

Haushaltstyp Charakteristika Anteil

Die Sparsam- Hannonisches Familienleben/soziale Sicherheit wichtig;


durchschnittliche, umweltfreundliche Einstellungen; 10,2%
Bescheidenen kaum Freizeitaktivitäten; Sparsamkeit u. Konsum-
verzicht dominieren; kaum Recycling;
umweltfreundliche Produkte dUrfen nicht teurer sein
Die aufge- !Hohe Bedeutung von materiellen Werten u. von Erfolg;
hl Freiheit, Unabhängigkeit, Spaß haben u. ein aufregendes
sc ossenen. Leben sind wichtig; wettbewerbs- u. karriereorientiertes
Wertepiuralisten i Leben; viel kulturelle u. sportliche Aktivitäten; gehobener 23,4%
Konsum m. hohen Ausgaben f. Reisen u- Unterhaltungs-
elektronik; kaufen Obst u. Gemüse im Bioladen u. geben
mehr f. umweltfreundliche Geräte aus; ordentliche Müll-
trenner und Pfandflaschenkäufer

Freiheit, Unabhängigkeit, Wohlstand und geringe Ver-


Die antwortung filr künftige Generationen sind hier zentral;
II Lustbetonten Geselligkeit und Genuß prägen den Alltag; Neigung zu 14,2%
ISpontankäufen; hohe Ausgaben filr Reisen; umwelt-

~
gerechtes Verhalten ist nur gering ausgeprägt I
ISoziale Verantwortung und hannonisches Familienleben
Konservativ- wichtig; sozial engagiert; Verantwortung filr kUnftige
Generationen; wirtschaftliches Wachstum von hoher
Umwelt-
:bewußten
I Bedeutung; gesund leben, aber kein Sport; zweckmaßig,
I
informiert und preisbewußt kaufen; umweltfreundliche
. • . . I
I
19,0%

I ProduJ.."te dürfen teurer seIß, VermeIdung von


: Verpackungen; Müllsortierer ______________L -______
iDie Alternativ -
~ ~

I Selbstverwirklichung und soziale Verantwortung;


IUmwelt- i Verantwortung fur künftige Generationen; hohe
(bewußten
IBedeutung von Umweltschutz;befriedigende Arbeit ist
,wichtiger als hoher Verdienst; künstlerisch tätig und 14,7 %
! kulturell interessiert; regelmäßiger Sport; viele Freunde;
I geringe Konsumorientierung; gezielter Kaufumwelt- ;
I freundlicher Nahrung; umweltfreundliches Verhalten I I
:....- ! ohne höchste Stringenz -------L-----....J
..
! Die I Wohlstand und Komfort sind wichtig; niedrigste Werte I !
, . t . rt I beim Umweltschutz und bei Verantwortung filr künftige i I
I unm e:e~sle en I Generationen; das Leben verläuft in geordneten Bahnen;
: Materialisten , Basteln in der Freizeit; weniger umweltfreundlicher
11,4%
l Konsum; Neigung zum Billigkauf
i Die Umwelt- i Freiheit
und Unabhängigkeit haben höchsten Wert; Wohl-
, Aktivierbaren I stand ist nicht so wichtig; kein überdurchschnittliches
Isoziales Engagement; befriedigende Arbeit wird hohem
I Einkommen vorgezogen; man lebt gesund, macht Spontan- 7,1 %
, käufe und gibt, wenn es reicht, viel Geld tur Reisen aus; .11-
____ _ __J tägliche Konsumprodukte werden umweltfreundlich gekauft
Quelle, Prose/Wortmann 1991a: 17 ff.
70 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

In diese Richtung weisen auch die Ergebnisse einer INFRATEST-


Untersuchung (vgl. Reusswig 1994: 89f.) sowie einer Studie von
Lüdtke zu "Technik und Lebensstil". "Ökopioniere" im Bereich von
"Konsum und Technik" werden eher in der Gruppe der kleinbürgerli-
chen, häuslichen, bescheidenen Personen als in mobilen, bildungs-
und besitzbürgerlichen Gruppierungen gefunden (vgl. LüdtkelMat-
thäilUlbrich-Herrmann 1994).
Es erweist sich mithin als sehr sinnvoll, die verschiedenen Sekto-
ren der Alltagsökologie (Heizen; Einkaufen; Nutzung von Ver-
kehrsmitteln etc.) mit den Lebensstilen der Akteure in Verbindung zu
setzen, um präzisere Aussagen zum Zusammenhang zwischen Um-
weltverhalten und den kulturellen Gruppierungen zu bekommen, als
dies derzeit der FaIl ist. Die präsentierten Ergebnisse der Lebens-
stilforschung sind von tragender Relevanz für die Erklärung des Um-
weltverhaltens und der UmwelteinsteIlungen. Es wird deutlich: Es
gibt ein umweltgerechtes Verhalten ohne entsprechende positive
Umwelteinstellungen. Die aufgeschlossenen Wertepluralisten kaufen
nur Pfandflaschen, weil das praktizierter Umweltschutz ist; die spar-
sam-bescheidene Rentnerin hat in der Pfandflasche das billigste Pro-
dukt entdeckt; der Konservativ-UmweItbewußte sieht im Kauf von
Pfandflaschen einen Beitrag für geordnete Verhältnisse, und die Um-
welt-Aktivierbare kauft ein Tetrapak-Getränk, weil sie in ihrer Le-
bensmittelkette ansonsten nur Einwegflaschen mit grünem Punkt
findet, diese aber dezidiert für umweltfeindlich hält.

6.4 Wohlbefinden als Motiv


des Umweltverhaltens

Fragt man, warum ein bestimmtes Ansinnen an das UmweItverhalten


bei manchen Menschen auf Resonanz stößt, bei anderen aber nicht, ist
man rasch mit einem Katalog von Erwartungen, Hoffnungen und
Wünschen konfrontiert, die sich zum großen Teil auf Wohlbefinden
beziehen. In einer eigenen, in Hinblick auf die Frage nach dem Wohl-
befinden nur Hinweise sammelnden Studie (vgl. de HaanlKuckartz
1994, 1996) finden sich eine Reihe diesbezüglicher Belege. SteIlt man
Wohlbefinden als Motiv des Umweltverhaltens 71

die Frage, warum Individuen bestimmte Präferenzen bilden, etwa


warum sie im Winter Treibhaussalat kaufen, so wird dieses Kaufver-
halten in erster Linie durch Wohlbefindensargumente abgesichert.
Wie auch (bei der befragten Gruppe aus dem studentischen Milieu)
gedämpftes Licht nicht primär aus Sparsamkeitsgründen oder gar aus
dem Umweltengagement heraus hellen Räumen vorgezogen wurde,
sondern aus Gründen der Gemütlichkeit.
So stößt man bei der Suche nach lebensweltlichen Phänomenen
und mentalen Dimensionen, die mehr erklären als die Einstellungs-
Verhaltens-Forschung unweigerlich auf die Theorien und Forschun-
gen zum Wohlbefinden, zur Zufriedenheit und zum Glück (vgl. im
Überblick: AbelelBecker 1991; Keul 1995). Was können diese nun
zur Aufklärung der Kluft zwischen Umweltbewußtsein und Umwelt-
verhalten beitragen?
Dazu sollen zunächst die Modelle und Differenzierungen der
Wohlbefindensforschung betrachtet und Indikatoren für die Plausibili-
tät dieses Ansatzes im Rahmen der Umweltbewußtseinsforschung
gesammelt werden. Sodann wird an einem Exempel - nämlich der
Verkehrsmittel wahl - gezeigt, was dieser Ansatz - allein schon im
Rahmen der Interpretation vorliegender Erhebungsergebnisse - zur
Aufklärung von Umweltverhalten zu leisten imstande ist. Schließlich
wird ein Ausblick darauf gegeben, wo die Attraktion der Wohlbefin-
densforschung für die Umweltbewußtseinsforschung künftig liegen
könnte.
Glücklich sein, zufrieden sein, sich wohl fühlen, gesund sein, Le-
bensqualität verspüren - die Wohlbefindensforschung tut sich schwer,
eine exakte begriffliche Trennung zu vollziehen. In jedem Fall aber
handelt es sich um eine umfassende, subjektive Kategorie menschli-
cher Existenz. Das Problem von Diffusität teilt sie mit der Lebensstil-
forschung ebenso wie das Dilemma, mit zahlreichen, oft sehr ver-
schiedenartigen Instrumenten zu operieren (vgl. Mayring 1991).
Zumindest die Unterscheidung einiger Kerndimensionen des
Wohlbefindens hat sich eingebürgert: Psychisches wird von physi-
schem Wohlbefinden ebenso analytisch getrennt wie aktuelles von
habituellem Wohlbefinden (vgl. Becker (991). Anforderungen von
außen, Selbstansprüche, Gestaltungsmöglichkeiten von Situationen,
72 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

Alltag und Lebensplanung, ferner die Bewertung der eigenen körper-


lichen wie psychischen Verfaßtheit sind für das Wohlbefinden konsti-
tutiv. Hinzu kommt - das deutet sich in der Differenz zwischen habi-
tuellem und aktuellem Wohlbefinden schon an - eine zeitliche wie
situative Dimension, welche bestimmt, ob man zufrieden oder eher
unzufrieden ist. Das Konzept des Wohlbefindens erfährt seine Stärke
daraus, eine Person-Umwelt-Theorie zu sein, die subjektzentriert
operiert, also die subjektive Wahrnehmung der Person in den Mittel-
punkt der Analysen stellt. Die Kehrseite davon ist, daß man nur selten
die Auffassung finden wird, Wohlbefinden ließe sich nach objektiven
Maßstäben messen (vgl. Dann 1991). Die Wohlbefindensforschung
bestätigt zudem: Die meisten überschätzen die Bedeutung eines höhe-
ren Einkommens für das Wohlbefinden (vgl. Tatarkiewicz 1984). Ein
Strukturmodell des Wohlbefindens sieht aus wie das in Abbildung 11
wiedergegebene Modell von Becker (1991: 14).
Das Schema zeigt sehr deutlich eine Differenz in den Zuschrei-
bungen zwischen der habituellen und der aktuellen Struktur des

. Akwelles psychisches l Aktuelles physisches

1_
Wohlbefinden Wohlbefinden
I I I I I
Positive Positive Aktuelle Seltenheit Häufigkeit Aktuelle Aktuelle Habituelle
Gefuhle Stimmung Beschwer- negativer positiver positive Beschwerde- Beschwerde- positive
I I defreiheit Geruhle u. Geruhle u. körperliche freiheit freiheit körperliche

Stimmungen Stimmungen Empfnd. TmPfi~nd.


I I
(Habituelle
Beschwerde- Angenehme

I
Freude Wohlbe- freiheit) Müdigkeit
Kampe- hagen Vitalität

J
tenz- Entspannung Habituelle Zufriedenheit Lustempfinden
gefühl Gelassenheit Frische l,HabitueHe Zufrieden
ei~:;~:~::iSCher
Glücks- Begeisterung
geruhl Positive
1 mit
IHabituelles Gliicklichsein I

I
Sich-Fit-fuhlen
usw. L
i heit mit eigener
psychischen
Erregung
Glücklichsein
Habituelle lebensfreude
-'====-~51~~ __-,-______ ~I' =;
Verfassung
-~
Flow usw. i Allgemeine und bereichsspezifische Lebenszufriedenheit
Quelle: Becker 1991: 14

Abb.11. Strukturmodell des Wohlbefindes


Wohlbefinden als Motiv des Umweltverhaltens 73

Wohlbefindens: Auf der aktuellen Seite werden Freude, intensive


Glücksgefühle, Begeisterung, Erregung, Lust und Fitneß verbucht, auf
der habituellen Seite eher Stimmungen und Zufriedenheit, Freiheit
von Belastungen gebündelt (vgl. ebd.: 13ff.; Mayring 1991: 52f.). Das
hat etwas mit Intensitäten zu tun - und läßt für die Umweltbewußt-
seinsforschung sogleich die Frage aufkommen, ob umweltgerechtes
Verhalten im Feld des aktuellen Wohlbefindens überhaupt reso-
nanzfähig ist. Begeisterung beim Drosseln der Heizung, Glücksgefüh-
le beim Benutzen öffentlicher Personennahverkehrsmittel, Erregung
beim verpackungsfreien Einkauf, Lustgefühle bei der Entsorgung von
Altpapier in die Wertstofftonne? Denkt man an den Kanon der Fra-
gen, die in der Sozialforschung auf die Sondierung umweltgerechten
Verhaltens zielen, ist es eher unwahrscheinlich, mit derartigen Verhal-
tenssentenzen in die Gefühlswelt aktuellen Wohlbefindens eintauchen
zu können. Das aber verweist für die Anschlußfähigkeit umweltge-
rechten Verhaltens primär auf das habituelle Wohlbefinden.
Ähnlich wie die Umweltbewußtseinsforschung ist die Wohlbefin-
densforschung den Weg der Disaggregation und Differenzierung
gegangen (vgl. als Synopse zu den Erhebungsinstrumenten: Mayring
1991): Von eindimensionalen Ansätzen über zweidimensionale Mo-
delle ist man zu drei- und höherdimensionalen Konzepten übergegan-
gen. Mehrdimensionale Modelle differenzieren mindestens zwischen
physischem, psychischem und sozialem Wohlbefinden. Diese Dreitei-
lung läßt sich weiter ausdifferenzieren: etwa in der sozialen Dimensi-
on nach Aspekten des "Sich-gebraucht"- und "Sich-geliebt"-Fühlens.
Theorien, die habituelles Wohlbefinden genauer erklären sollen, wer-
den dann nach umwelt- und passungstheoretischen Ansätzen unter-
schieden (vgl. Becker 1991: 19ff.). Insbesondere der umwelttheoreti-
sche Ansatz ist hier von weiterem Interesse, denn die Forschungen
zeigen, daß sich mehr Varianz bezüglich des Wohlbefindens erklären
läßt, wenn man die subjektive Perzeption der Lebensbedingungen
erfragt, als wenn man sich auf die objektivierten Lebensbedingungen
konzentriert. In der Rangreihe der relevantesten Umweltfaktoren für
das Wohlbefinden steht wiederum nicht der allgemeine Le-
bensstandard obenan, sondern die Sozialbeziehungen - also Partner-
schaft, Familie, Freundschaften etc. (vgl. Glatzer/Zapf 1984). Aber
74 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

auch hier gilt: Nur dann, wenn zwischen Person und Umwelt eine
"Passung" hergestellt ist, wenn also die äußeren Rahmenbedingungen,
Wohlbefinden zu erlangen, konform gehen mit den Dispositionen des
Individuums, diese "Chance" auch zu ergreifen, wird es auch zu einer
Verbindung zwischen Umweltbedingungen und personalen Bedingun-
gen kommen (vgl. Tatarkiewicz 1984: 186).
Ohne in ihrer Forschung explizit auf das Konzept Wohlbefinden
abgestellt zu haben, sind Bamberg/Schmidt diesem Phänomen in einer
Untersuchung zur Verkehrsmittelnutzung auf der Spur. Sie befragten
Studierende nach ihrer Absicht, mit dem Fahrrad oder dem Auto zu
universitären Veranstaltungen zu fahren. Nicht das theoretische Kon-
strukt der Erhebung und Auswertung interessiert hier, sondern die
,,Nutzungsfolgen" (Bamberg/Schmidt 0.1.), die von den Befragten
bezüglich des Gebrauchs des Autos bzw. Fahrrades angegeben wer-
den. Auf einer Ratingskala sollen die Befragten neun Nutzungsattribu-
te gewichten. Die Nutzung des Autos gilt als besonders komfortabel,
flexibel und geschützt vor Kriminalität. Das Fahrrad dagegen gilt als
sehr preisgünstig und ökologisch (vgl. ebd.: 9). Außer den letztge-
nannten Folgen verbinden die Befragten mit der Nutzung des Autos
durchgehend mehr Zufriedenheit als mit der Nutzung des Rades. Mit
dem Auto zu fahren gilt als schneller, sicherer, streßfreier - und man
ist pünktlicher als mit dem Fahrrad.
Die Nutzungsattribute, die hier für das Automobil ermittelt wer-
den, lassen sich allesamt dem Feld habituellen Wohlbefindens zuord-
nen, das nach Mayring (1991: 53) fundamental durch die Kategorien
"Belastungsfreiheit" und ,,Zufriedenheit" definiert ist: Sicherheit,
Streßfreiheit, vor Kriminalität geschützt sein, Schnelligkeit und Fle-
xibilität, selbst das Attribut "Pünktlichkeit" wird man als Indikatoren
von Belastungsfreiheit werten müssen, während der Komfort der
Nutzung des Autos auf Zufriedenheit verweist. Alle Attribute verwei-
sen zudem unmittelbar auf die situative Nutzung, während die Attri-
bute "ökologisch" und "preisgünstig" in die situative Nutzung nur
mittelbar einfließen. Aus dieser Studie läßt sich also herauslesen, daß
die Option für das Auto sich stärker mit habituellem Wohlbefinden
verbindet als die Option fürs Fahrrad. Habituelles Wohlbefinden aber
ist Ausdruck aggregierter emotionaler Erfahrungen, die eine relativ
Wohlbefinden als Motiv des Umweltverhaltens 75

hohe Stabilität aufweisen und sich auch nicht ohne weiteres durch
situatives Unwohlsein - beim Autofahren etwa durch das Stehen im
Stau - enttäuschen lassen (vgl. Schwarz 1987).
Berücksichtigt man zudem, daß die Individuen eine starke Nei-
gung entwickeln, sich gegenüber Umweltreizen dann abzuschirmen,
wenn sie sich "unlustbetont, nichterregt und unterworfen" fühlen
(Fischer 1991: 246), so ist leicht einzusehen, daß mit einem ,,Annähe-
rungsverhalten" (Fischer) ans Radfahren in Anbetracht der geäußerten
Attribuierungen kaum zu rechnen ist. Die Konsequenz liegt auf der
Hand: Erstens müßten es andere als diese Wohlbefindensgründe sein,
wenn im Alltag ein Umstieg vom Auto aufs Rad bewirkt werden soll.
Zweitens macht die Erhebung deutlich, warum das Autofahren sich
als sehr resistent gegenüber Reduktionsansinnen erweist: Fahrradfah-
ren ist keine Alternative, denn es gilt als unbequem und gefährlich.
Oben wurde gezeigt, daß gegenwärtig in der deutschen Bevölke-
rung die Zufriedenheit mit der Gegenwart überwiegt und die Zahl der
Unzufriedenen um 5% pendelt. Auf diesem Hintergrund ist das ak-
tuelle Wohlbefinden - selbst durch eine als katastrophal bewertete
Umwelt - nicht ernsthaft gefährdet. Wie sehr man die Gegenwart
wertschätzt, wird an jenen Erhebungen deutlich, die sich auf die Zu-
kunftserwartungen der Befragten richten. Rosenberger (1992: 73ff.)
berichtet von einer Repräsentativbefragung der erwachsenen Bevölke-
rung (ab 16 Jahre). Danach waren nur 15% der Bevölkerung davon
überzeugt, das Leben der Menschen würde in der Zukunft immer
leichter werden; 50% gaben sich überzeugt, es würde immer schwerer
werden. Nahezu identisch fallen die Antworten selbst dann noch aus,
wenn die Vorgabe lautet, daß der Wohlstand und der Lebensstandard
in den kommenden Jahren immer weiter steigen würden. Selbst dann
noch sieht man keine steigende Zufriedenheit. Da verwundert es nicht,
daß Innovationen, selbst wenn sie der wirtschaftlichen Prosperität, der
Hebung des Lebensstandards gelten, wie etwa neue großtechnologi-
sche Anlagen, eher auf VorbehaIte denn auf Begeisterung stoßen. Die
negativen Zukunftserwartungen legen es tendenziell nahe, daß, von
der Warte des Wohlbefindens aus betrachtet, gar keine Veränderun-
gen angestrebt werden können. Denn man scheint sich von der Zu-
kunft im allgemeinen nichts zu erwarten, das besser wäre als die Ge-
76 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

genwart. Der Blick in die Zukunft verursacht eher Unbehagen und


stimmt ganz und gar nicht hoffnungsfroh für ein gesteigertes Wohl-
befinden.
Der Wohlbefindensansatz bietet nicht nur eine Erklärung dafür,
warum sich hinsichtlich des Umweltverhaltens bei allen positiven
Umwelteinstellungen so wenig verändert, sondern der Ansatz reicht
weiter. Erinnert sei zunächst an ein Ergebnis der Lebensstilforschung,
das lautete, die Menschen (in den westlichen Industrienationen) seien
zunehmend an Partizipation und Selbstbestimmung interessiert.
"Selbstwirksamkeitserwartungen", Einfluß auf die Umwelt nehmen zu
können, sind aber "beides Korrelate des Wohlbefindens" (Fischer
1991: 250). Das erklärt einerseits, warum die globale Umweltsituation
so viel Unwohlsein auslöst: Diese Situation läßt sich noch am wenig-
sten selbst kontrollieren; an ihr verändernd zu partizipieren, ist äu-
ßerst schwierig. Andererseits aber bietet die Selbstwirksamkeitser-
wartung und das Partizipationsinteresse auch eine Chance, denn bei-
des verweist auf eine räumliche und soziale Struktur, die ganz anders
geartet ist, als sie derzeit in der Regel aufgefunden werden kann.
Fischer hat dafür einige Indikatoren zusammengetragen (vgl. Fischer
1991: 254ff.). Danach ist die Voraussetzung für eine ,,Raum-
aneignung", daß der Wohn- und Lebensraum individuell gestaltet, die
Ausstattung selbst gewählt und eine Lebenskontinuität in der Woh-
numgebung erreicht werden kann. Es ist nicht der von den Architek-
ten so viel beschworene "offene Raum", der dann in den Vordergrund
rückt, sondern eine Umwelt mit hoher Variabilität, Komplexität und
Responsivität (vgl. ebd.: 256), bei der eine Nähe zur natürlichen Um-
welt zumeist für wichtiger gehalten wird als eine Einbindung in die
Nachbarschaft. Denn Natur erscheint den Menschen ,,als ein Ort, wo
sie Kontrolle über das Reizvolumen, mit dem sie konfrontiert sind,
sowie über ihre Handlungen und Sozialkontakte ausüben können, als
einen Ort, wo sie nicht immerfort für die Konsequenzen ihres Tuns
Verantwortung übernehmen müssen und wo nicht fortwährend Forde-
rungen von anderen an sie herangetragen werden" (ebd.: 261; vgl.
Parsons 1991). Wollte man also versuchen, ein Engagement für die
Natur aus dem Bedürfnis nach Wohlbefinden heraus zu erklären, dann
könnte man hier anknüpfen: an der Bereitstellung von Naturräumen.
Fazit 77

Naturschutzgebiete können da allerdings kaum helfen, ja ihnen droht


eher eine Ablehnung, da über diese Areale nicht verfügt werden kann.

6.5 Fazit
Vier Sichtweisen auf Umweltbewußtsein und -verhalten wurden skiz-
ziert:
Umweltverhalten als Resultat von Rational Choice
Umweltverhalten als Dilemma eines Normierungskonfliktes
Wohlbefinden als Motiv des Umweltverhaltens und
Umweltverhalten als Teil des Lebensstils
Was läßt sich vom Rational-Choice-Ansatz, aus der ökonomischen
Verhaltenstheorie, lernen? Der einzelne stellt für sich Kosten-Nutzen-
Überlegungen an und verhält sich so, daß er die eigenen Ziele optimal
kostengünstig erreicht. Die Kategorien Kosten und Nutzen sind dabei
nicht rein monetär zu denken, sondern in einem erweiterten Sinne als
Gewinne und Verluste hinsichtlich der Bedürfnisse des einzelnen.
Verhaltensänderungen lassen sich gemäß diesem Ansatz nur erzielen,
wenn sie der Prüfung durch ein Kosten-Nutzen-Kalkül standhalten.
Nachhaltige Konsummuster dürfen also keinen besonderen ,,zusatz-
aufwand" verlangen. Im engeren Sinne ökonomisch gedacht, heißt
dies: Wenn schon nicht billiger, so dürfen ökologische Produkte zu-
mindest nicht teurer sein.
Aus dem Dilemma-Ansatz und seinen experimentellen Realisie-
rungen läßt sich die Erkenntnis gewinnen, daß Menschen keineswegs
nur nach dem Muster des egoistischen Unternehmers "zusammen-
spielen", sondern auch zur Kooperation fähig sind. Das soziale Ver-
halten der anderen wird dabei ständig beobachtet, wobei nicht das
Verhaltensmuster des Trittbrettfahrers strukturell gefördert und be-
lohnt wird, sondern sich weitaus häufiger eine kollektive Moral des
Typs "Wenn, dann müssen alle mitmachen" herausbildet. Wie aber
läßt sich die Bereitschaft zum Mitmachen erreichen? Vertrauen er-
weist sich als zentrale Kategorie für gemeinschaftsorientiertes Han-
deln.
78 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

Was gewinnt man aus der Wohlbefindensforschung? Zum einen


Skepsis über die Resonanzfähigkeit des umweltgerechten Verhaltens
im Bereich des aktuellen Wohlbefindens. Umweltgerechtes Verhalten
ist primär an habituelles Wohlbefinden anschlußfähig. Dieses hängt
aber, so die Wohlbefindensforschung, primär von den sozialen Bezie-
hungen ab. Umweltrelevante Verhaltensweisen - so läßt sich daraus
folgern - stehen dann primär in einem Framing sozialer Beziehungen
und nicht des Erwerbs von Gütern und Lebensstandard. Sie sind -
wenn man sich in dieser Dichtomie bewegen will - dem Sein zuge-
ordnet und nicht primär dem Haben.
Was gewinnen man aus der Lebensstilforschung? Umweltrelevante
Verhaltensweisen sind Teil eines Verhaltensmusters, das sowohl
identitäts- wie auch sozialitätsstiftende Funktionen aufweist. Der
einzelne teilt diese Muster mit einer Sozietät, dessen Mitglieder des-
wegen einander als sozial ähnlich wahrnehmen und bewerten. Aus der
Stilisierung des eigenen Lebens gewinnt das Individuum eine Stabili-
sierung seiner subjektiven Identität. Lebensstile bzw. Teilbereiche
derselben sind nicht veränderbar, ohne den Kontext zu berück-
sichtigen, in welchem sie stehen. Lebensstile unterliegen allerdings
erheblichen Dynamiken, sie haben zwar einerseits den Charakter von
Gewohnheiten, sind aber andererseits auch schnellebig. Ferner stellt
die Lebensstilforschung einen Trend zu den Lebensstilen mit eher
post-traditionellen Wertvorstellungen fest. Diese lebensstilistischen
Gruppierungen erweisen sich einerseits als vergleichsweise umwelt-
bewußt, andererseits verfügen sie über mehr finanzielle Mittel und
zeichnen sich durch erhöhten Ressourcenverbrauch aus. Zeigt die
Lebensstilforschung so einerseits die Kombination von hohem Um-
weItbewußtsein und nicht-umweltgerechtem Verhalten, so zeigt sie
andererseits auch auf, daß es ein umweltgerechtes Verhalten ohne
entsprechende positive Umwelteinstellungen gibt.
Keiner dieser Erklärungsansätze stellt den Königsweg zur Erklä-
rung der Kluft zwischen Umweltbewußtsein und -verhalten dar, doch
wird man zugestehen müssen, daß es für jeden Erklärungsansatz Be-
reiche gibt, in denen er gut zu den vorliegenden Daten paßt. Aber
genauso lassen sich jeweils Bereiche benennen, in denen die Erklä-
rungskraft eher gering ist.
Fazit 79

Man wird nicht darauf hoffen dürfen, daß es in absehbarer Zeit


zur Entwicklung einer integrativen Theorie des Umweltverhaltens
kommt, deren Erklärungskraft besser als die der vorliegenden Ansätze
wäre. Erfolgversprechender erscheint es deshalb zu sein, wenn man
das Problem der Verhaltensänderung jeweils durch die Brille dieser
vier Ansätze, gewissermaßen vierdimensional betrachtet. Man mag
sich dies probehalber am Beispiel des stark zunehmenden Fernflug-
tourismus vor Augen führen und einmal durchspielen, weIche diver-
genten Aufsichten die Ansätze hierzu bieten. Bei der Betrachtung um-
weltrelevanter Verhaltensweisen haben wir es, wenn wir nach Erklä-
rungsmustern bzw. Motiven fragen, mit einer zweigeteilten Fragestel-
lung zu tun, nämlich der Frage nach den Motiven für das um-
weltgerechte Verhalten und nach den Motiven für das nicht-um-
weltgerechte Verhalten. Diese können durchaus unterschiedlich gela-
gert sein. Zudem stellt sich die Frage von Übergängen und Über-
gangswahrscheinlichkeiten in beide Richtungen. Es geht nicht nur um
die in der sozialwissenschaftlichen Umweltforschung vorrangig the-
matisierten Verhaltensänderungen in Richtung auf umweltgerechtes
Verhalten, sondern auch um die Gegenrichtung. Aus den Wachstums-
raten des Fernflugtourismus läßt sich unschwer ersehen, daß in die-
sem Verhaltensbereich eine massenhafte Wanderungsbewegung in
Richtung auf nicht-umweltgerechtes Verhalten stattfindet. Die Tou-
rismusbranche ist, vermutlich zu Recht, optimistisch und rechnet auch
für die nächsten Jahre mit einer jährlichen Wachstumsrate zwischen 5
und 10%, so der Chef der Fluggesellschaft Condor:
"Der Wunsch, schnell mal aus dem oft kalten und regnerischen
deutschen Klima in die Sonne zu jetten, wird eher noch zunehmen.
Und einige Potentiale haben wir ja noch gar nicht richtig ausge-
schöpft. Denken Sie nur mal daran, wie viele Reisende noch im-
mer mit dem Auto oder dem Zug in die Ferienfahren. Je voller die
Autobahnen werden, um so mehr Menschen überlegen sich viel-
leicht das nächste Mal bequem im Jet zu reisen ... 2

2 Condor-Chef Franz Schöbler in einem Interview, das er aus Anlaß des 40. Geburtsta-

ges der Condor führte. Unter dem Titel "Pauschalreisen gehören zum Lebensstandard"
ist das Interview in der Ausgabe 2196 des Condor's Magazin abgedruckt.
80 Ansätze zur Erklärung des persönlichen Umweltverhaltens

Am Horizont erscheint schon die Vision von Riesenjumbos, die


mit 800 Personen von Nürnberg nach Fuerteventura fliegen. Für eine
vierköpfige Familie würde dies immerhin dem Jahrsverbrauch eines
Familiengolfs entsprechen.
Die Grundkonstellation in bezug auf umweltrelevante Verhaltens-
weisen läßt sich folgendermaßen schematisieren.

Umweltgerechtes Verhalten ~ Nicht·umweltgerechtes


Kein Fernflugtourismus Verhalten
Fernflug·Tourismus
Motive, z.B.: Motive, z.B.:
• billiger • preisgünstig (last minute)
• wegen des Klimas • in den warmen Süden
• man fühlt sich zu Hause • ferne Länder
wohler kennenlernen
• Campingurlaub mit • Freunde machen auch
Freunden solche Reisen

Für beide Verhaltensvarianten, werden wie eine Studie von de Ha-


anlKuckartz (1994, 1996) darlegt, Motive vorgebracht, die den dar-
gestellten Erklärungsansätzen zugeordnet werden können: Man hält es
etwa für billiger, wenn man in der eigenen Region bzw. im eigenen
Land Urlaub macht, oder man verzichtet aus Gründen des Wohlbefin-
dens auf eine Flugreise in den Süden (man fliegt nicht gern, mag das
heiße Klima nicht etc). Auch Lebensstilmotive spielen eine Rolle,
beispielsweise macht man schon seit vielen Jahren Campingurlaub mit
Freunden an der Ostsee oder fährt mit den Kindern auf einen Bauern-
hof.
Vergleichbare Motive werden für das nicht-umweltgerechte Ver-
halten geltend gemacht: die Pauschalreise in die Türkei kostet weni-
ger als die entsprechende Reise in den Schwarzwald, die Karibik ist
billiger als Sylt. Zudem wird das warme Klima als wohltuend für die
Gesundheit empfunden. Am häufigsten genannt werden Motive, die
der Lebensstilerklärung entsprechen. Man will etwas entdecken, ferne
Länder und fremde Gesellschaften kennenlernen, Naturschönheiten
genießen, die es zu Hause nicht gibt (vgl. de HaanlKuckartz 1996).
Fazit 81

Am Beispiel des Ferntourismus läßt sich erkennen, wie die Motive


ineinander greifen und wie dies von den sozialen Milieus moderiert
wird. Sinkende Flugpreise und das Kostengefälle zu Ferienländern
wie der Türkei, dies lockt viele von der Ostsee ans Mittelmeer oder
nach Florida. Ein solches Kosten-Nutzen-Kalkül wird von dem oben
zitierten Ostsee-Camper vermutlich gar nicht angestellt, jedenfalls so
lange nicht, wie sich sein soziales Umfeld in der gleichen Weise ver-
hält wie bislang. Umgekehrt entscheiden sich Menschen für Fahrrad-,
Wander- oder Bauernhofurlaube, weil sie das Nahe entdecken wollen,
sich bei einem gemächlichen Urlaub im heimischen Klima wohl füh-
len, obwohl dies vielleicht teurer ist. Die Vorrangigkeit eines Motivs
bedeutet nicht, daß andere Motive ohne potentiellen Einfluß wären.
Auch bei demjenigen, der sein Reiseziel modischen Trends und eige-
ner Entdeckungslust folgend bestimmt, können steigende Flugpreise
Kosten-Nutzen-Kalküle evozieren. Umgekehrt veranlassen qua Mas-
sennmedien annoncierte Wohlbefindensbeeinträchtigungen - verun-
reinigtes Meer, Terroristenanschläge u.ä. - auch harte Kosten-Nutzen-
Rechner zu einem ökonomisch irrationalen Verhalten. Versuche, die
divergenten Faktoren in ein einziges Erklärungsmodell zu integrieren,
wie sie von Rational-Choice-Theoretiker unternommen werden, sind
wenig überzeugungskräftig. Wenn es um soziale Anerkennung, de-
monstrative Individualität, Glück, Freude, Erregung oder Zufrieden-
heit geht, sind mehr oder weniger exakte Kosten-Nutzen-Rechnungen
nicht aufzumachen.
7 Trends und Tendenzen:
Das Leitbild Sustainable Development

7.1 Perspektivwechsel
für die Umweltbewußtseinsforschung

Das Leitbild "Sustainable Development" stellt den Orientierungsrah-


men für die nationale und internationale Umweltpolitik dar. Es liegt
zahlreichen Gutachten (z.B. WBGU 1996), dem Schlußbericht ,,Mehr
Zukunft für die Erde" der Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmo-
sphäre" des Deutschen Bundestages (vgl. Enquete-Kommission 1995)
und der Studie ,,Zukunftsfähiges Deutschland" des Wuppertal Institu-
tes für Klima, Umwelt, Energie (vgl. BUNDlMisereor 1996) zu-
grunde und muß hier nicht weiter ausgeführt werden. Die Umweltbe-
wußtseinsforschung ist bislang nicht unter dem Sustainability-Leitbild
betrieben worden, eine allmähliche Hinwendung findet derzeit statt.

Was die Orientierung an einem Leitbild bedeutet, läßt sich aus der
Leitbildforschung recht gut ablesen. Leitbilder beinhalten Vorstellun-
gen der Machbarkeit und Wünschbarkeit, sie betonen bestimmte
Aspekte und blenden andere aus. Es wird erreicht, daß alle in die
gleiche Richtung blicken und damit andere Richtungen ausgeschlos-
sen sind (vgl. de Haan u.a. 1996; MarzlDierkes 1992). Für die hier in
Rede stehende Forschung heißt dies, daß teilweise neue Fragen zu
stellen sind, während andere sich unter dem neuen Leitbild als relativ
bedeutungslos erweisen. Der Bezug auf das Nachhaltigkeits-Leitbild
hat für die Umweltbewußtseinsforschung also notwendigerweise ei-
nen Perspektivwechsel zur Folge. Dies gilt sowohl für die zentralen
Forschungsthemen wie auch für die Methoden und Instrumente, bei-
spielsweise für die Fragen, die eine mit der Interviewmethode arbei-
tende Forschung in ihren Erhebungen stellt. Zur Verdeutlichung führe
84 Trends und Tendenzen: Das Leitbild Sustainable Development

man sich einige Fragen vor Augen, mit denen üblicherweise das Um-
weltverhalten erhoben wird:
Verwenden Sie Spraydosen im Haushalt?
• Kaufen Sie im Bioladen ein?
• Nehmen Sie regelmäßig eine Einkaufstasche mit?
• Kaufen Sie Milch offen oder in Pfandflaschen ein?
• Fahren Sie mit dem Auto zur Arbeit?
Verzichten Sie am Wochenende auf das Auto?
• Versuchen Sie warmes Wasser beim Baden oder Duschen einzu-
sparen?
Praktizieren Sie Abfalltrennung bei Glas? Bei Papier? Bei Weiß-
blech? Bei Aluminium?
Drosseln Sie im Winter die Heizung, wenn Sie mehr als 4 Stunden
abwesend sind?
• Bevorzugen Sie beim Einkauf ökologisch einwandfreie Produkte,
auch wenn diese teurer sind?
Wer könnte bei einer solchen Liste die meisten Punkte sammeln?
Wahrscheinlich eine Person, die man mitnichten als Leitfigur des
modernen, ökologiebewußten Menschen eingestuft hätte: die in einer
kleinen Wohnung lebende Rentnerin! Sie bezieht nur eine kleine
Rente oder erhält Sozialhilfe, sie verläßt ihre Wohnung nur selten, sie
ist nicht mobil, besitzt nicht einmal einen Führerschein, geschweige
denn ein Auto. Sie ist finanziell nicht in der Lage, Fernreisen per
Flugzeug zu unternehmen, auch der Sonntagsausflug gehört bei ihr
nicht zum Standard. Zum Einkaufen nimmt sie stets ihre Einkaufsta-
sche mit, sie benutzt keine Spraydosen und exotische, per Flugzeug
herbei transportierte Lebensmittel sind zu teuer. Sie hat ein manifestes
Interesse zu sparen und achtet deshalb auch peinlich genau darauf,
daß immer nur dort das Licht brennt, wo es wirklich benötigt wird.
Auch mit warmem Wasser geht sie sparsam um und den Heizung-
sthermostat regelt sie herunter.
So könnte sie aussehen, die "strikte Ökologisierung" (vgl Gillwald
1995). Breiten Kreisen der Bevölkerung wird sie wenig attraktiv
erscheinen. Offenkundig ist in der Umweltbewußtseinsforschung bis-
her das hinter ihrem Katalog von umweltgerechten Verhaltensweisen
Perspektivwechsel für die Umweltbewußtseinsforschung 85

stehende Leitbild nicht problematisiert worden. Gleichzeitig läßt sich


aber feststellen, daß es zur sozialen Norm geworden ist, positive Ein-
stellungen zum Umweltschutz zu verbalisieren, demonstrativ Um-
weltbewußtsein zu zeigen. Aber es ist immer nur das Umweltbewußt-
sein in Form von einzelnen, disparaten Verhaltensweisen, das man
vor Augen hat. Sähe man die Gesamtheit der propagierten umwelt-
freundlichen Verhaltensweisen vor sich, müßte man unweigerlich an
die mit geringen Ressourcen ausgestattete Rentnerin denken und die-
ses Leben dürfte der Mehrheit der Bevölkerung wenig attraktiv er-
scheinen.
Wenn man nochmals zu den oben zusammengestellten Fragen zum
Umweltverhalten zurückkehrt, so wird man leicht einsehen, daß einige
Verhaltensweisen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten relativ bedeu-
tungslos sind. Der Vorteil, den die Orientierung am Leitbild der nach-
haltigen Entwicklung bietet, liegt darin, daß sichtbar wird, wo die
gravierendsten Übernutzungen von Ressourcen und die proble-
matischsten Schadstoffproduktionen sowie -emissionen stattfinden.
Die Umweltbewußtseinsforschung bekommt damit ganz allmählich
etwas an die Hand, das bislang fehlt: eine Hierarchisierung der Rele-
vanzen von Umweltverhaltensfeldern. Niemand hat bisher gefragt, ob
es denn im Sinne der Umweltverträglichkeit überhaupt von größerer
Relevanz ist, den Bioabfall gesondert zu sammeln, Altpapier zu recy-
elen oder Einkaufsnetze zu nutzen. Der Studie ,,zukunftsfahiges
Deutschland" (vgl. BUNDlMisereor 1996) folgend lassen sich einige
entscheidende individuelle Handlungsfelder mit starker Rückwirkung
auf die Umweltnutzung benennen, die zu Schwerpunkten bei der Ge-
nerierung von Frage-Items in der Umweltbewußtseinsforschung wer-
den sollten:
der Energieverbrauch - insbesondere für Heizsysteme,
das Mobilitätsverhalten - insbesondere der Individualverkehr im
Freizeitbereich,
• der Konsum industriell bearbeiteter Lebensmittel und der Fleisch-
konsum,
• die Expansion der Nutzung von Haushaltsgeräten,
86 Trends und Tendenzen: Das Leitbild Sustainable Development

der Wohnungsbau - insbesondere Wohnformen, Baustoffe,


Dämmstoffe und Renovierungsmaterial.

7.2 Nachhaltigkeit als Leitbild


für das persönliche Umweltverhalten

Eine gesicherte Erkenntnis der Umweltbewußtseinsforschung lautet:


"Umweltverhalten ist heterogen". Aber dies bedeutet offenbar nicht,
daß nun die Mehrheit der Menschen ständig von schlechtem Gewis-
sen geplagt wird und gesenkten Hauptes in den Charterflugzeugen gen
Süden fliegt. So wird man aus der Heterogenität des Umweltver-
haltens wohl eher den Schluß ziehen müssen, daß dies als ein koh-
ärentes Verhaltensmuster in der Alltagspraxis der Menschen nicht
vorkommt. Es existiert vornehmlich in den Köpfen der Wissenschaft-
ler und Umweltpolitiker, die sich damit befassen. "Etwas für die Um-
welt tun", das wollen die meisten, und sie tun es auch: der eine dies
und der andere das, Flaschen in den Container bringen, Biobrot kau-
fen, ein Auto mit Katalysator fahren, einen Wochenendausflug mit
dem Fahrrad machen, die Renovierung mit Acryllacken durchführen,
die Briefe auf Recycling-Papier schreiben etc.
Die einzelnen Verhaltensweisen werden von unterschiedlich vielen
Menschen praktiziert. Die existierenden Kombinationen und Muster
sind mannigfaltig und offenbar in starkem Maße individuell. Hier
scheint Kontingenz vorzuherrschen. Auffällig ist auch, daß Mechanis-
men wirksam sind, die einzelne Verhaltensweisen relativ schnell zum
Umkippen in Richtung umweltgerechtes Verhalten bringen - plötzlich
praktizieren alle Mülltrennung, plötzlich erleben die Bio-Metzger
einen Boom. Dies erinnert an Muster des ,,Ausbrechens von Koope-
ration" wie sie die amerikanischen Forscher Glance und Huberman
(v gl. Kap. 5.2) herausgefunden haben. Hier lassen sich unschwer
einige diesbezügliche Trends prognostizieren, z.B. für den Kauf von
Lebensmitteln aus der Region: Regionale Märkte schießen derzeit wie
Pilze aus dem Boden und Restaurants weisen regionale Produkte
explizit aus. Zusätzlichen Auftrieb erhält dieser Trend durch die BSE-
Problematik.
Nachhaltigkeit als Leitbild für das persönliche Umweltverhalten 87

Der einzelne hat durchaus das Gefühl, etwas zu tun. Die Differenz
zwischen Wol1en und Tun wird von ihm nicht in concreto, sondern
nur al1gemein nachvol1zugen. Das Statement "Wir müßten al1e mehr
tun" darf sich der breiten Zustimmung sicher sein. Dies bedingt aber
keineswegs den Vorsatz, nun al1e jene Verhaltensweisen zu praktizie-
ren, die in der Umweltbewußtseinsforschung als umweltgerecht gei-
ten. Vor al1em für das Verkehrsverhalten gelten solche Absichtserklä-
rung nicht, denn es sind meist nicht mehr als 10%, die verbal die
Bereitschaft zum Autoverzicht oder zu einschneidenden Nutzungsän-
derungen bekunden. Das Sustainability-Leitbild verspricht hier Wahr-
nehmungsänderungen, denn der Anspruch eines nachhaltigen Kon-
sumverhaltens gibt relativ klare Maßstäbe für das Al1tagsverhalten
vor. Wer "etwas für die Umwelt tut", der verhält sich noch lange nicht
"nachhaltig", ja es mag vorkommen, daß heute als umweltfreundlich
geltende Verhaltensweisen sich unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten
als weitgehend irrelevant erweisen (wie die Mitnahme der lutetasche
zum Einkauf).
Das Leitbild Sustainable Development hat in Deutschland - trotz
gewachsener Publizität in jüngster Zeit - noch längst nicht die erhoff-
te große Resonanz gefunden. Die im Auftrag von BUND und Misere-
or erstel1te Studie ,,zukunftsfähiges Deutschland" ist zwar in den
Medien auf eine gewisse Beachtung gestoßen und hat mittlerweile
(Stand: Mai 1996) eine Auflage von 17 Tausend Exemplaren erreicht,
doch muß davon ausgegangen werden, daß sowohl die inhaltlichen
Dimensionen des Sustainability-Leitbildes wie auch die in der Studie
erarbeiteten Reduktionsziele nur einem äußerst geringen Prozentsatz
der Bevölkerung bekannt sind. Diekmannl Preisendörfer (1996) ermit-
telten in einer aktuel1en repäsentativen Bevölkerungsbefragung, daß
in den alten Bundesländern 11 % und in den neuen Ländern gar nur
7% angeben, jemals von diesem Leitbild gehört zu haben. Ein Grund
für diese mangelnde Bekanntheit kann darin gesehen werden, daß eine
flächendeckende Erarbeitung von Lokalen Agenda 21 in Deutschland
bislang nicht stattgefunden hat. Erst in jüngster Zeit sind hier zahlrei-
che Initiativen (Osnabrück, Bremerhaven, Aachen, Heidelberg, Gü-
strow, Hannover, München) zu registrieren, die sich aber überwie-
88 Trends und Tendenzen: Das Leitbild Sustainable Development

gend noch im Anfangsstadium befinden. Es gibt also nach wie vor ein
Injormationsdejizit über das Leitbild Sustainable Development.

7.3 Wie läßt sich Nachhaltigkeit kommunizieren

Selbst wenn das technische Wissen und die Strategien für ein effizien-
teres Produzieren und Wirtschaften im Sinne der Nachhaltigkeit voll-
ständig entfaltet wären, ist damit dieses Konzept noch keineswegs
durchsetzungsfahig. Man muß eine nachhaltige Entwicklung wollen,
sie muß mehrheitsfähig sein. Und das heißt: Diese Idee muß den Men-
schen attraktiver erscheinen als das Weitermachen in der bisherigen
Spur des Wachstums. Das ist freilich ohne veränderte mentale Struk-
turen, ohne einen Willen, die eingefahrenen Bahnen des Wirtschaf-
tens und Konsums zu verlassen, nicht möglich. Insofern bekommen
das Umweltbewußtsein und das Umweltverhalten eine ganz neue
Bedeutung. Waren Bewußtsein und Verhalten bisher implizit am
Leitbild der Schadensbegrenzung und Bescheidung orientiert (ohne
freilich in beiderlei Hinsicht größeren Effekt zu machen), so ist nun
für die Umwelteinstellungen wie das -verhalten eine vorwärtstreiben-
de Zielsetzung, sind ganz fundamental andere Orientierungen gefragt,
die die Lebensstile tiefgreifend berühren.
Vorliegende Publikationen, die sich mit einer angestrebten Verän-
derung von Lebensstilen und Konsummustern befassen, bringen eher
Ratlosigkeit zum Ausdruck und hinterlassen Erkenntnisse darüber,
wie dies nicht geht. Häufig endet man mit einem Appell an Moral und
Verantwortungsbewußtsein und nennt das dann die SuJfizienzrevoluti-
on. Doch wird man anerkennen müssen, daß es in der postindu-
striellen Gesellschaft eine vergebliche Hoffnung wäre, auf die Her-
ausbildung einer allgemein verbindlichen Moral zu setzen. Die epo-
chalen Tendenzen Individuierung, Pluralisierung der Lebensstile und
Globalisierung stehen dem diametral entgegen. Die Hypothese, die
Kluft zwischen Umweltbewußtsein und -verhalten lasse sich durch
Heben des Niveaus der ökologischen Moralvorstellungen über-
brücken (vgl. HofflLecher 1995) ist wenig plausibel. Sie sieht unter
anderem darüber hinweg, daß eine solche Veränderung der Alltags-
Wie läßt sich Nachhaltigkeit kommunizieren 89

moral auf ein "postkonventionelles Niveau" in den sozialen Milieus


mit traditioneller Wertorientierung gegen jede Erwartung wäre. Ande-
rerseits übersieht dieses Konzept aber auch den Tatbestand, daß der
Ressourcenverbrauch von Personen des "postkonventionellen Mo-
ralniveaus" heute vermutlich erheblich größer ist als derjenige der
"präkonventionellen Moralstufen" .
In der Studie ,,zukunftsfahiges Deutschland" (vgI. BUND/Misere-
or 1996) wird der Versuch unternommen, die Vision Sustainable
Development in das Alltagsleben der Menschen zu übersetzen. Auch
dort ist von "Leitbildern" die Rede, nun, um die große Idee von der
zukunftsfähigen Entwicklung zu präzisieren. Zur Seite des Individu-
ums hin wird in der Studie etwa vorgeschlagen, in Hinblick auf das
Mobilitätsverhalten zu einer ,,Entschleunigung" zu gelangen: Lang-
samere Geschwindigkeiten im Verkehr, stärkerer Regionalbezug in
der Produktion und im Konsum gelten hier als Neuerungskonzept,
denn die aktuell erreichten Beschleunigungs- und Geschwindig-
keitswerte, so wird argumentiert, hätten kein humanes Maß mehr (vgl.
ebd.: 153ff.). Ferner wird dafür plädiert, sich im Zuge eines Wer-
tewandels eher darauf zu konzentrieren, gut zu leben, statt viel zu
haben, also einen ,,zeitwohlstand statt Güterreichtum" (ebd.: 221) zu
favorisieren.
Ob diese Vorstellungen anschlußfähig sind an herrschende Le-
bensstile, ob sie in unserer Kultur für alle attraktiv sein können, ist
eine der zentralen künftigen Forschungsfragen - und man darf so-
gleich skeptisch sein, wenn man an den Hang zum Hedonismus, zum
Kauf schnellerer Automobile denkt. Schon daran wird ersichtlich:
Sustainable Development ist auf der Ebene des "Kleinarbeitens"
durchaus nicht zwingend konsensfähig.
Bei der Frage, wie sich Nachhaltigkeit kommunizieren und Um-
weltverhalten verändern läßt, sollten eine Reihe von Erkenntnissen
der Umweltbewußtseinsforschung beachtet werden:
1. Der epochale Trend zu Individuierung und Pluralisierung der
Lebensstile läßt nur solche Konzepte als potentiell erfolgreich er-
scheinen, die zielgenau auf bestimmte soziale Milieus hin konzi-
piert sind.
90 Trends und Tendenzen: Das Leitbild Sustainable Development

2. Sofern es sich um die Konsummuster und die Veränderung von


Kaufverhalten handelt, empfehlen sich lebensstilspezifische Mar-
ketingstrategien.
3. Die Lebensstilforschung zeigt: Es gibt ein umweltgerechtes Ver-
halten ohne entsprechendes Umweltbewußtsein. Auch Verhal-
tensänderungen setzen deshalb nicht notwendigerweise einen
vorausgehenden Wissenszuwachs und Einstellungsveränderungen
voraus.
4. Angesichts der Tatsache, daß es sich bei den Trendsetter-Milieus
um solche handelt, die einen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunk-
ten besonders überhöhten Ressourcenverbrauch aufweisen
(Reusswig ermittelt für die oberen Lebensstilsegmente einen ge-
genüber den unteren Segmenten um den Faktor 5,7 höheren Ver-
brauch) bedarf es nicht nur einer Ökologie der Sparsamkeit, son-
dern auch einer Ökologie der Verschwendung.
5. Die Zahlungsbereitschaft für eine bessere Umwelt ist in den letz-
ten Jahren kontinuierlich gesunken. Strategien, die von den Bür-
gern als kostenverursachend wahrgenommen werden haben ak-
tuell keine Aussicht auf Erfolg.
6. In bezug auf die Selbsteinschätzung des Verhaltens hat man es mit
einem Paradox zu tun: 75% beurteilen sich selbst als weitgehend
umweltgerecht handelnd, attestieren den anderen aber Defizite im
Umweltverhalten.
7. Die eigene Situation und die Umwelt in der näheren Umgebung
werden positiv beurteilt und als wenig gefährdet wahrgenommen.
Die ökologischen Gefährdungen und Katastrophen werden in der
Ferne verortet.
8. Die Medien spielen für das Umweltbewußtsein eine dominierende
Rolle. Es ist deshalb darauf zu achten, daß alle Umsetzungskon-
zepte kommunikativ und auf die Einbeziehung der Medien hin
angelegt sind.
9. Wenn es um Umweltbewußtsein und -verhalten geht, ist Vertrauen
eine der zentralen Kategorien.
10. Sofern es um die bewußte Veränderung des persönlichen Verhal-
tens in Richtung umweltgerechtes Verhalten geht, bedarf es des
Vertrauens in das kooperative Verhalten der anderen. Sofern es
Wie läßt sich NachhaItigkeit kommunizieren 91

um den öffentlichen Raum geht, ist zu berücksichtigen, daß es die


Nicht-Regierungsorganisationen sind, die Vertrauen genießen.
Wenn es um Konzepte zur Kommunikation von Nachhaltigkeit geht,
empfiehlt es sich, ähnlich wie bei der Diskussion von Reduktionszie-
len, eine Zeitachse mitzudenken und zwischen kurzfristigen sowie
mittel- und langfristigen Perspektiven und Effekten zu unterscheiden.
Generell hat sich der Zeithorizont für gesellschaftliche Verände-
rungsziele in unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten in Rich-
tung längerer Perspektiven verschoben. Schnelle Veränderungen des
Konsumverhaltens lassen sich vermutlich nur durch strukturelle Maß-
nahmen erreichen. Eine Änderung der Wohnungsbauföderung könnte
beispielsweise eine schnelJe Hinwendung zu Niedrigenergiehäusern
und Holzbauweise bewirken. Wenn man auf mentale Veränderungen
abstellt, sind einschneidende Veränderungen des Konsumverhaltens
in Richtung Nachhaltigkeit innerhalb kurzer Zeiträume nicht zu ha-
ben. Was allerdings machbar erscheint, ist die lmplementation des
Sustainability-Leitbildes in den Köpfen. Leitbilder haben die Funktion
eines wahrnehmungs-, denk- und handlungsleitenden Orientierungs-
rahmens. Sie lassen die Akteure in die gleiche Richtung blicken, ad-
aptieren sie an zukünftige Kommunikationsprozesse und sind in der
Lage, mobilisierende und aktivierende Funktionen zu entfalten, denn
sie sprechen nicht nur den Verstand, sondern die ganze Persönlichkeit
an (vgl. BarbenlDierkeslMarz 1993; MarzlDierkes 1992).
Mit mittel- bzw. längerfristigem Zeithorizont ist die Kommunika-
tion von Leitbildern also ein zumindest potentielJ effektives Mittel zur
Verhaltensänderung. In bezug auf das Leitbild Sustainable Develop-
ment ist die derzeitige Situation durch Wissensdejizite, Bildungsdeji-
zite und Kommunikationsdejizite gekennzeichnet. Zur Kommunika-
tion des Leitbildes werden deshalb drei aufeinander abgestimmte
Strategien empfohlen:
• ein Popularisierungskonzept
ein Machbarkeitskonzept und
ein Bildungskonzept
92 Trends und Tendenzen: Das Leitbild Sustainable Development

Popularisierungskonzept heißt zunächst einmal, breiten Kreisen der


Bevölkerung das Nachhaltigkeitsleitbild bekannt zu machen. Am
Beispiel der AIDS-Kampagnen kann man ersehen, daß es keine allzu
großen Schwierigkeiten machen sollte, zentrale Botschaften des
Leitbildes massenwirksam zu verbreiten. Heute weiß jedes Kind, daß
Kondome schützen und kennt die Situationen, in denen dieses Wissen
aktiviert werden sollte. Kontinuierliche Public-Relations-Aktionen
sollten zur Kommunikation von Nachhaltigkeit konzipiert werden.
Der vom IPN-Kiel betreute Jugend-Umweltforschungs-Wettbewerb
zeigt hier einen erfolgreichen Weg auf. Auch ist an Wettbewerbe,
Events und Aktionen in Bereichen zu denken, die bislang nicht im
Blickfeld waren. Solche neuen Wege wären beispielsweise Design-
wettbewerbe, um nachhaltige Produke lebensstilgerecht zu gestalten.
Ebenfalls zum Popularisierungskonzept gehört die Neuausrichtung
von Umweltberatung und Verbraucherinformation auf das Sustain-
ability Leitbild. Auch hier sind bereits Anfänge gemacht. Ein Popula-
risierungskonzept hat schließlich die Veränderungen in der Kommu-
nikationslandschaft zu berücksichtigen und sollte von vornherein
stark auf die Einbeziehung neuer Kommunikationsnetze (z.B. Inter-
net) hin konzipiert sein. Anders als in traditionellen Kampagnen zur
Erzeugung von Umweltbewußtsein kann nicht die Vermittllung von
"Katastrophenwissen" das Ziel sein, sondern es geht darum, die Nach-
haltigkeitsidee bekannt und attraktiv zu machen.
Machbarkeitskonzept, damit sind hier nicht die gesetzgeberischen
Aktivitäten auf gesamtstaatlicher Ebene gemeint. Entsprechende Ein-
wirkungsmöglichkeiten des Staates auf das persönliche Umweltver-
halten, beispielsweise durch Erhöhung des Benzinpreises, sind hin-
reichend diskutiert und die Effekte weitgehend unbestritten. Auf die
erneute Thematisierung soll deshalb in dieser Kurzstudie verzichtet
werden. Mit Machbarkeitskonzept ist hier ein selbstbezügliches Akti-
onsprogramm gemeint. Vorbildlich in diesem Zusammenhang ist das
Energiesparprogramrn "fifty/fifty", das mit großem Erfolg an Ham-
burger Schulen durchgeführt wird (vgl. Umweltbehörde Hamburg
1996). Es geht also um die Entwicklung eines Ökologisierungspro-
gramms rur die staatlichen Institutionen, die Behörden und Verwal-
tungen, Schulen und Hochschulen, Kindergärten und Kindertagesstät-
Wie läßt sich Nachhaltigkeit kommunizieren 93

ten: In diesen, ohnehin zur Umorganisation anstehenden Feldern


(Stichwort: "Schule in Eigenverantwortung", "Umbau des Sozialstaa-
tes") kann in gewisser Unabhängigkeit von Wahlkämpfen agiert wer-
den. Dabei handelt es sich von der Größenordnung her keineswegs
um marginale Bereiche. Die Hochschulen beispielweise sind einer der
gigantischsten Großbetriebe unseres Landes, ihnen gehören mehr als
2 Millionen Menschen an. Sie verbrauchen immens viel Materialien
und verursachen ein riesiges Verkehrsaufkommen. Die Umgestaltung
der staatlichen Institutionen nach Nachhaltigkeitskriterien hat zumin-
dest vier Effekte. Erstens können dadurch substantielle Erfolge im
Hinblick auf die gesetzten Reduktionsziele erreicht werden. Zweitens
ist damit zu rechnen, daß sich Ressourcenersparnisse auch in finan-
ziellen Ersparnissen niederschlagen und somit ein Entlastungseffekt
für die öffentlichen Haushalte eintritt. Drittens entsteht so ein breites
Umsetzungswissen über das Nachhaltigkeitsleitbild. Praktiziert man
bei der Ökologisierung öffentlicher Institutionen neue Partizipations-
formen, so dürfte ein beträchtliches Engagement für das Nachhaltig-
keitsleitbild entstehen, daß sich auf andere Weise kaum so einfach
erreichen ließe. Viertens dürfte ein solches innovatives Machbarkeits-
konzept auch im internationalen Rahmen mit Prestigegewinn ver-
bunden sein. Neben diesem selbstreflexiven Aktionsprogramm er-
scheint auch die Förderung von Demonstrationsvorhaben inclusive
deren wissenschaftlicher Begleitung sinnvoll.
Bildungskonzept, dies bedeutet im Kern: Die Bildung muß reflexiv
werden. Sie muß sich mit sich selbst beschäftigen und eine Selbstpo-
sitionierung vornehmen. Das traditionelle Konzept von Umweltbil-
dung sah etwa vor, durch Wissensvermittlung, Erziehung und Unter-
richt Umweltbewußtsein zu erzeugen. Von diesem erhoffte man sich
einen blinden Übergang zu umweltgerechtem Verhalten. Von solchen
Automatismen kann heute nicht mehr ausgegangen werden. In einer
dem Muster ,,reflexiver Modernisierung" folgenden Gesellschaft (vgl.
Beck 1986 und 1993) geht es um die Erhöhung von Selbststeuerungs-
kompetenz durch Reflexivität. Das Bildungskonzept hat die Imple-
mentation von Sustainability in alle Bereiche des Bildungswesens
zum Ziel. Veränderungen im Bildungswesen benötigen erhebliche
Zeiträume, bis die intendierten Effekte wirksam werden, deshalb
94 Trends und Tendenzen: Das Leitbild Sustainable Development

besteht in diesem Bereich besondere Dringlichkeit. An vielen Stellen


fehlt es an ausgebildeten Öko-Fachkräften. Es gibt beispielsweise eine
erhebliche Nachfrage nach ökologischem Bauen, aber es besteht ein
Engpaß an entsprechend ausgebildeten Ingenieuren und Handwer-
kern. Für den Bereich der Hochschulen zeigt die Copernicus-Charta
der Konferenz der europäischen Hochschulrektoren an, in welche
Richtung ein solches Bildungskonzept zu denken ist. Dieses Aktions-
programm umfaßt Punkte wie Institutionsverhalten, Ökologisierung
von Lehre und Forschung, ein Umweltbildungsprogramm für die
eigenen Angestellten und für spezielle Zielgruppen (vgl. Filho u.a.
1996). Bislang steht das Copernicus-Programm allerdings mehr auf
dem Papier, als daß es für breitere Kreise wahrnehmbar wäre. Zum
Bildungsprogramm gehört auch die Neubewertung der Erwachse-
nenbildung und der außerschulischen Bildungsarbeit. Der Bildungs-
arbeit der Nicht-Regierungsorganisationen und der Umweltzentren
kommt eine zunehmend wichtige Rolle zu. Eine besonders wichtige
Zielgruppe von Bildungskonzepten zur Kommunikation von Nach-
haltigkeit stellen Eltern dar, denn - dies zeigen die Daten der Um-
weItbewußtseinsforschung mit aller Deutlichkeit - die "Verantwor-
tung für die Nachwelt" gilt als die wichtigste Begründung für die Not-
wendigkeit des Umweltschutzes (Vgl. Kap. 3.1).
Bei allen drei hier vorgeschlagenen Konzepten - Popularisie-
rungskonzept, Machbarkeitskonzept, Bildungskonzept - geht es um
die Entwicklung zielgenauer Strategien auf der Basis der existieren-
den Lebensstile und nicht um die Vorgabe generalistischer Leitbilder,
die an den Gefühlen und Köpfen der größten Zahl der Menschen vor-
beigehen und eher Abwehr hervorrufen, weil sie die identitäts- und
sozietätsstiftende Funktion der bisher praktizierten Lebensstile igno-
rieren.
ProselWortmann haben im Hinblick auf den Energieverbrauch
vorgeschlagen, solche Strategien auf der Basis der von ihnen identi-
fizierten sieben WELSKO-Typen (Vgl. Kap. 5.3) zu entwickeln. Doch
sollte man sich auch der in Kapitel 3 dargestellten Befunde über Um-
weItbewußtsein und -verhalten erinnern, denn es ist nicht so, daß sich
das ökologische Denken und Handeln in Deutschland von einem Le-
bensstil (etwa dem "Alternativen Milieu") ausgehend nach dem Mo-
Wie läßt sich Nachhaltigkeit kommunizieren 95

deli des umgestürzten Tintenfasses über die Gesellschaft ausgebreitet


hätte. Würde man die Verbreitung von Umweltbewußtsein und
-verhalten auf der Landkarte der Lebensstile visualisieren, so hätte
man es mit vielen grünen Tupfern, einer Art Flickenteppich zu tun.
Eine zielgenaue Strategie zur Kommunikation von Nachhaltigkeit er-
scheint dann besonders aussichtsreich. wenn sie nicht nur auf Le-
bensstiltypen. sondern auf Umweltverhaltenstypen abstellt. Zwei
aktuelle Forschungsprojekte lassen erkennen. auf welche Weise man
zu solchen Umweltverhaltenstypen gelangen kann.
Die Münchener Projektgruppe für Sozial forschung (Brand, Poferl
u.a.) hat die Bedingungen und Problemstellungen von Umweltbe-
wußtsein und ökologischem Handeln in offenen Interviews erforscht
und hat eine problembezogene Typologisierung vorgenommen (vgl.
BrandlPoferl/Schilling 1996). Die Forscher unterscheiden fünf Men-
talitätsmuster, welche die Grundlage alltagsweltlicher Reaktions- und
Verarbeitungsmuster abgeben:
Der Typus Persönliches Entwicklungsprojekt verkörpert die Leit-
idee ..Bei sich selber anfangen und nicht auf andere warten". Sinnfin-
dung, individuelle Entfaltung, Naturnähe. weniger Hektik und die
Vorstellung eines qualitativ besseren, umweltfreundlichen Lebens
sind die zentralen Stichworte.
Der Typus Bürgerpflicht behandelt umweltgerechtes Handeln als
Frage der zivilen Korrektheit. Man macht, was vorgegeben ist und
was die anderen machen. Solange die Handlungen nicht allzu unbe-
quem sind, ist man bereit mitzumachen - das ist eine Frage des Bür-
gersinns: "Keine extremen Sachen - wenn, dann müssen alle mitma-
chen".
Der Typus System-IStaatsorientierung folgt der Devise "Was
bringt das schon - wenn oben nichts geschieht". Verhaltensänderun-
gen des einzelnen erscheinen angesichts "des Systems" mehr oder
weniger sinnlos. Gelegentlich praktiziert man umweltgerechte Verhal-
tensweisen, doch fühlt man sich im Grunde für die Umwelt nicht
zuständig und wehrt von außen kommende Anforderungen an das
eigene Verhalten ab.
Der Typus Indifferenz nimmt die Umweltprobleme zwar wahr.
verhält sich diesen gegenüber jedoch indifferent - ohne deshalb ein
96 Trends und Tendenzen: Das Leitbild Sustainable Deve10pment

schlechtes Gewissen zu haben. Man will sich durch die Umwelt die
Laune nicht verderben lassen. Der Tenor lautet: ,,Das Leben genießen
trotz alledem, keine Lust auf Frust." Umweltgerechte Verhaltenswei-
sen werden teils praktiziert - wenn auch ohne rechte Überzeugung -,
teils abgelehnt.
Der Typus Weiter so stellt ein entdramatisierendes Muster dar.
Von ,,grünen Spinnern" hält man gar nichts und man glaubt, vieles sei
"übertrieben dargestellt". Generell ist man wenig handlungsbereit.
Die eigene Welt erscheint in Ordnung, Ansprüche auf Verhaltens-
änderung werden als Angriff auf den eigenen Wohlstand ("zurück in
die Steinzeit") abgetan. Man glaubt zu wissen: "Wenn's uns gut geht,
geht's auch der Umwelt gut".
Aus den ersten Ergebnissen der Forschungen von Brand u.a läßt
sich schließen, daß die Mentalitätstypen altersübergreifend und le-
bensstilübergreifend sind, wenngleich sie in den verschiedenen sozia-
len Milieus unterschiedlich zahlreich repräsentiert sind.
Der Forschungsansatz der Berliner Forschungsgruppe Umweltbil-
dung (de Haan, Kuckartz u.a.) fokussiert, anders als derjenige der
Münchener Forschungsgruppe, nicht das Umweltbewußtsein und
seine Bezüge zum Alltagsbewußtsein, sondern nimmt ausgewählte
umweltrelevante Verhaltensweisen zum Ausgangspunkt, wobei eine
Differenzierung nach den Bereichen Verkehr, Einkauf, Energie und
Ernährung erfolgt. Angelehnt an die Erklärungsansätze für Umwelt-
verhalten (vgl. Kap. 5) werden fünf Motivtypen unterschieden:
• Wohlbefinden
• Kosten-Nutzen-Erwägungen (finanzielle Motive)
• Persönlicher Lebensstile
• Gewohnheiten
Umweltschutzmotive
Daß sich nun eine Vielfalt von Motivlagen zeigt, ist angesichts der
Trends "Individuierung" und "Pluralisierung der Lebensstile" nicht
verwunderlich, neu ist aber das Resultat, daß die bestimmenden Moti-
ve auch innerhalb eines Verhaltensbereichs heterogen sind und daß
sie auch für die umweltgerechte und nicht-umweltgerechte Verhal-
tensvariante meist verschieden sind.
Wie läßt sich Nachhaltigkeit kommunizieren 97

Das Motiv, etwas für die Umwelt zu tun, spielt beim Verkehrs ver-
halten keine entscheidende Rolle, beim Konsumverhalten hingegen
wohl. Wer Recycling-Papier kauft oder Mehrkomponentenwaschmit-
tel benutzt, tut dies hauptsächlich, weil er sich umweltbewußt verhal-
ten will. Wer's nicht tut, macht dafür zumeist den (vermeintlich) hö-
heren Preis dieser Produkte verantwortlich. Eine klare Differenz zwi-
schen körperfernen und körpernahen Produkten läßt sich feststellen.
Das Umweltbewußtsein kommt insbesondere bei den körperfernen
Produkten zum Tragen. Bei körpernahen Produkten und solchen, die
man sich einverleibt, ist das Gesundheitsmotiv vorrangig. Dort kommt
das Umweltschutzmotiv nur im Schlepptau des Wohlbefindens, der
Sorge um die persönliche Gesundheit, zum Zuge. Solange exotische
Früchte und Gemüse als vitaminreich und gesund für das persönliche
Wohlbefinden wahrgenommen werden, schert es wenig, wie viel
Energie zu ihrem Transport aufgewandt werden mußte (vgl. de Ha-
anlKuckartz1994, 1995a, 1996).
Mit diesem Forschungsansatz wird eine Matrix von Verhaltens-
weisen und Motivlagen erstellt, die für jede zur Debatte stehende
Verhaltensweise die bestimmenden Momente verzeichnet. So läßt
sich beispielsweise ersehen, bei welchen Verhaltensweisen Umwelt-
bewußtsein eine Rolle spielt, wo finanzielle Motive den Ausschlag
geben und wo Wohlbefinden das vorrangige Motiv darstellt. Konfigu-
rationen von Verhaltensweisen lassen sich untersuchen, welche sich
zu einer Typologie von Verhaltensweisen und bestimmenden Mo-
tivlagen verdichten lassen (vgl. de Haanl Kuckartz 1994, 1995, 1996).
Weitergehende Perspektiven eröffnen sich, wenn man die beiden
skizzierten Forschungsansätze stärker mit der Lebensstilforschung
zusarnmendenkt. In dieser Hinsicht besteht allerdings noch erhebli-
cher Forschungsbedarf. Wie werden die verschiedenen nachhaltigen
Verhaltensweisen von den Umweltverhaltenstypen verhandelt? Wer-
den bestimmte Verhaltensweisen eher in den Kontext von Wohlbefin-
den, andere hingegen in den Kontext des Kosten-Nutzen-Kalküls
gestellt, wieder andere vielleicht als expressive Stilisierung der eige-
nen Person trätiert? Wäre man in der Lage, solche Fragen besser als
derzeit beantworten zu können, so wäre dies für die Kommunikation
von Nachhaltigkeit äußerst nützlich.
98 Trends und Tendenzen: Das Leitbild Sustainable Development

Im Rahmen der drei strategischen Konzepte - Popularisierungs-


konzept. Machbarkeitskonzept. Bildungskonzept - können Staat, In-
dustrie und Handel, Nicht-Regierungsorganisationen, Verbraucheror-
ganisationen, Umweltbildungszentren sowie die Sozial- und Bildungs-
forschung ihre je eigenen Rollen wahrnehmen.
Nachhaltige Konsummuster lassen sich, sieht man einmal von we-
nig attraktiven Verzichtsverhalten ab, nur praktizieren, wenn auch
nachhaltige Produkte auf dem Markt erhältlich sind. Unternehmen
können bei der Entwicklung, dem Design, der Distribution und der
werbemäßigen Vermarktung dieser Produkte eine bedeutsame Rolle
spielen. Die Umweltbewußtseinsforschung zeigt, daß sich auf keine
andere Weise das Unternehmensimage wirkungsvoller aufbessern
läßt. Der Handel kann nachhaltige Produkte vorrätig halten, für sie
werben und Angebote für Leasing und Verleih für geeignete Produkt-
gruppen entwickeln.
Auch die Gewerkschaften können bei der Implementation des
Nachhaltigkeitsleitbildes eine Rolle spielen. Teilweise hat hier bereits
eine Diskussion eingesetzt, z.B. in der Industriegewerkschaft Bauen-
Agrar-Umwelt. Die gewerkschafltiche Bildungsarbeit hat bisher das
Thema Sustainability noch nicht entdeckt - im Gegensatz zu den
evangelischen Akademien, die hier Pionierarbeit leisten (u.a. Iserlohn,
Tutzing, Loccum). Auch die Gewerkschaften können ein selbst-
bezügliches Aktionsprogramm entwickeln, zu dem u.a. die Sen-
sibilisierung der eigenen Mitglieder und die Ökologisierung des eige-
nen "Unternehmens" gehört.
Nicht-Regierungsorganisationen genießen im Vergleich zu Indu-
strie und Politik großes Vertrauen. Es dürfte ratsam sein, sie verstärkt
in die Umsetzungsstrategien einzubeziehen bzw. von ihnen gestartete
Initiativen zu unterstützen. Solche gibt es in fast unübersehbarer Viel-
zahl, und zwar nicht nur von den Umwelt-, Naturschutz- und Ver-
braucherorganisationen, sondern auch von ökologiefernen Verbänden
wie dem Hausfrauenbund. Kommunikation und Vernetzung sind die
wichtigsten Stichworte in diesem Kontext. Möglicherweise wird loka-
len Agenda 2J-Prozessen eine Schlüsselrolle bei der Kommunikation
des Sustainability Leitbildes zukommen, denn Lebensstile sind nicht
Wie läßt sich Nachhaltigkeit kommunizieren 99

nur etwas individuelles, sondern etwas gruppenspezifisches und als


solches lassen sie sich auch räumlich verorten.
Den Umweltbildungszentren kommt im Komplex der drei vorge-
schlagenen Konzepte eine zentrale Rolle zu. Sie tragen bereits jetzt
die Hauptlast außerschulischer Umweltbildung (geschätzte Quote
circa 60% aller Umweltbildungsveranstaltungen außerhalb von Schule
und Hochschule). Derzeit sind sie noch stark an den klassischen "grü-
nen Themen" orientiert (Geländegestaltung, Naturschutz im engeren
Sinne etc.), sicherlich aber sehr aufgeschlossen für das neue Aktions-
feld Sustainable Development. Ihnen kann auch insofern eine zentrale
Funktion zugedacht werden, als sie eine Mittlerposition zwischen
Nicht-Regierungsorganisationen und staatlichen Einrichtungen ein-
nehmen können.
Insgesamt gesehen kommt der Sozial- und Bildungsjorschung eine
zentrale Rolle bei der Sondierung der Möglichkeiten zu, die Idee der
Nachhaltigkeit substantiell in dieser Gesellschaft zu etablieren. Im
Grunde bedarf es eines Forschungsplanes sowohl für den Bereich der
Umweltbildung als auch für die sozialen und kulturellen Bereiche der
Ökologie. Es wird dringend empfohlen, ein solches Programm aus-
zuarbeiten, wobei der Kooperation zwischen dem BMBF, dem Um-
weltbundesamt und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ein außer-
ordentlich hoher Stellenwert beizumessen ist, denn in der Regel wird
es sich um Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen handeln, die
alle drei Institutionen tangieren.
Einer gesonderten Betrachtung bedarf sicherlich die Aufgabe der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt, da sie über sehr umfänglich mate-
rielle Ressourcen verfügt, um ein Aktionsprogramm mit den genann-
ten Schwerpunkten zu realisieren. Bei der Betrachtung der derzeit
geförderten Projekte (vgl. DBU 1993ff. sowie die aktualisierten
EDV-Aufstellungen) herrscht der Eindruck vor, daß eine konsistente
Systematik der Förderpolitik im Hinblick auf Nachhaltigkeit ein De-
siderat ist.
Geradezu zwingend scheint auch eine enge Kooperation mit der
EXPO 2000 zu sein, hat sie doch die Idee der Nachhaltigkeit zu ihrem
Leitthema erklärt. Auch ist von Seiten der EXPO ein umfängliches
100 Trends und Tendenzen: Das Leitbild Sustainable Development

Vorprogramm zwischen 1997 und dem Jahr 2000 vorgesehen, das


sich um die Popularisierung der SustainabiIity-Idee bemüht.

7.4 Umweltbewußtsein und Innovation

Stellt das in Deutschland weit verbreitete Umweltbewußtsein nun eher


ein Innovationshemmnis dar oder ist es ein Antrieb für Innovationen?
Für beides lassen sich Indikatoren finden.
Ein Hemmnis stellt es insbesondere für alle Arten großtechnischer
Innovationen dar. Dies erklärt sich aus der oben (Kap. 3.1) beschrie-
benen Kombination von pessimistischen Zukunftserwartungen und
positiver Sicht des gegenwärtigen Lebensstandards. In der Vergan-
genheit war es die Zukunft, von der man das Gute und das bessere
Leben erwartet.
Heute ist es umgekehrt: Es ist die Gegenwart, die man alles in al-
lem als ganz angenehm und gut lebbar ansieht, während man die Zu-
kunft in düsteren Farben zeichnet. In Deutschland haben wir es offen-
bar noch mit einer kulturellen Besonderheit einer stark Risiken scheu-
enden Mentalität zu tun. Daß hiervon eine die Innovationskraft des
Landes in sensiblen Feldern berührende Wirkung ausgeht, ist bereits
aus der Diskussion um die Gentechnik bekannt.
Auf der anderen Seite kann sich Umweltbewußtsein auch als Mo-
tor für Innovationen erweisen.
Umweltbewußtsein hat im letzten Jahrzehnt einen Bedeutungs-
wandel vollzogen. Lange Zeit war es ein Reflex auf "die Katastro-
phe", sei diese nun tatsächlich (wie Tschernobyl) oder zukünftig be-
fürchtet. Umweltbewußtsein ging mit Technikfeindlichkeit einher.
Dies hat sich allmählich und weitgehend unbemerkt verändert. Be-
sonders deutlich zeigen dies die Daten von Jugendstudien: Die Ju-
gendlichen gehören einerseits zu den besonders umweltbewußten
Gruppen der Gesellschaft, andererseits sind sie aber ganz und gar
nicht technikfeindlich (vgl. Institut für empirische Psychologie 1995).
Umweltbewußtsein und Innovation 101

Integraler Bestandteil des Umweltbewußtseins ist die Überzeu-


gung, daß es "so nicht weiter geht", daß "etwas getan werden muß".
Beides weist in die Zukunft und annonciert Offenheit für Innovatio-
nen. Voraussetzung ist, daß sich die Innovationen in Feldern vollzie-
hen, die als nicht riskant wahrgenommen werden. Unter Nachhaltig-
keitsgesichtspunkten scheinen sich solche Felder allerdings als die für
die Zukunft potentiell relevanteren darzustellen. So darf das erklärte
Ziel der Reduzierung der Stoff- und Energieströme mit einer breiten
Zustimmung rechnen, ohne daß es dazu irgendwelcher Überzeu-
gungsarbeit bedarf.
Daß Umweltbewußtsein heute auch die Rolle eines mentalen Mo-
tors für technische Innovationen spielen kann, mag man am Beispiel
der technischen Entwicklung von Kühlgeräten nachvollziehen. Auch
hier stand am Anfang die Angst - verbunden mit den Stichworten
FCKW und Schädigung der Ozonschicht -, sie führte aber nicht zur
lähmenden Innovationsstarre, sondern wurde im Gegenteil zum Motor
einer Innovation, die zunächst mit der Zusammenarbeit von Greenpe-
ace und der kleinen ostdeutschen Firma Foron begann und schließlich
zu einer weltweiten Veränderung eines Massenproduktes geführt hat.
Was als eine kleine Initiative begann, führte dazu, daß eine ganze
Industrie sich in Richtung auf ein umweltfreundliches Produkt bewegt
hat. Die nachhaltige Produktion und Gestaltung von dauerhaften Kon-
sumgütern - sicherlich auch der Markt des Bauens und Wohnens -
kann, so die Erwartung, gerade durch das Umweltbewußtsein (nicht
gegen dieses) durchgesetzt werden, während der Sektor der Mobilität
in dieser Hinsicht eher Skepsis hervorrufen muß.
So besteht dann, wenn die in dieser Studie dargelegten Strategien
zur Kommunikation von Sustainability genutzt werden, durchaus
Grund zum Optimismus.
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Verzeichnis der Abbildungen

1. Die Forschungsmethoden (8)


2. Über wen wird geforscht? (10)
3. Theoretisches Modell der Bestimmungsmomente von Umweltbe-
wußtsein und Umweltverhalten (14)
4. Variablenmodell einer Repräsentativstudie (16)
5. Beurteilung der Lebensqualität in Deutschland (23)
6. Warum ist Umweltschutz notwendig? (30)
7. Pfadmodell des Umweltverhaltens (43)
8. Kausalmodell Einstellungen im Umweltbereich und umweItge-
rechtes Verhalten (45)
9. Traditionelles Modell für umweltgerechtes Verhalten (51)
10. Die sozialen Milieus in Deutschland (West): Soziale Stellung und
Grundorientierung (64)
11. Strukturmodell des Wohlbefindens (72)
114 Verzeichnis der Tabellen

Verzeichnis der Tabellen

1. Umweltbewußseinsforschung in Deutschland - Überblick über


kontinuierlich auf diesem Feld arbeitende Forscher bzw. For-
schergruppen (22)
2. Forschungsprojekte im DFG-Schwerpunktprogramm ,,Mensch und
globale Umweltveränderungen - sozial- und verhaltens wissen-
schaftliche Dimensionen" (24)
3. Korrelation von Klimaschutzmaßnahmen mit dem Bildungsstatus
(35)
4. Charakterisierung der sieben Haushaltstypen (69)
Springer
und
Umwelt
Als intern.ationaler wissenschaftlicher
Verlag sind wir uns unserer besonderen
Verpflichtung der Umwelt gegenüber
bewußt und beziehen umweltorientierte
Grundsätze in Untern.ehmens-
entscheidungen mit ein. Von unseren
Geschäftspartnern. (Druckereien.
Papierfabriken. Verpackungsherstellern.
usw.) verlangen wir, daß sie sowohl
beim Herstellungsprozess selbst als
auch beim Einsatz der zur Verwendung
kommenden Materialien ökologische
Gesichtspunkte berücksichtigen.
Das für dieses Buch verwendete Papier
ist aus chlorfrei bzw. chlorarm
hergestelltem Zellstoff gefertigt und im
pH-Wert neutral

, Springer

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