relational lockout

Musik als sozialer Raum
Öffentliche Vorlesungen/Konzerte/Workshop 15.-17.07.2010, Frankfurt/M

Veranstalter: KACHELTISCH (Lars Becker, Peter Pawlicki), Oona von Maydell und die Städelschule Frankfurt am Main

Musik ist höchst relationale Kunst und sozialer Prozess, der verschiedene Dimensionen sowohl des Selbst als auch der gegenwärtigen Gesellschaft durchdringt. Die Produktion von Musik muss somit in ihrer sozialen Umgebung mit ihren verschiedenen Zwängen, Abhängigkeiten und Handlungspotenzialen verortet werden. Dies gilt für alle Beteiligten – MusikerInnen, ZuhörerInnen, KomponistInnen etc. Bei aller Stichhaltigkeit dieser Aussage muss gefragt werden: Wie sieht die gegenwärtige Situation der Musik aus bzw. was ist das Spezifische in der heutigen Zeit, das dem sozialen Raum Musik einen neuen Zuschnitt verleiht? Frankfurt kann auf eine Musiktradition zurückschauen, die spätestens in der Nachkriegszeit internationalen Charakter gewann – „Frankfurt Sound“ im Jazz der späten 1950er Jahre, Techno und House in den 1990er Jahren. Der Bereich der aktuellen Experimental- und Improvisationsmusik bleibt in Frankfurt hingegen bis auf wenige Ausnahmen vernachlässigt. Insbesondere wenn es darum geht, solche Musik in ihren gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen – eine weitere langjährige Frankfurter Tradition, die mit Theodor W. Adornos musiktheoretischen Abhandlungen ihren bisherigen Höhepunkt fand –, wird man in Frankfurt nicht fündig. relational lockout ist eine Veranstaltung, die sich auf verschiedenen Ebenen entwickelt, über welche Experimental- und Improvisationsmusik einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Die Vorträge, Podiumsdiskussionen und Konzerte werden einer breiten Öffentlichkeit Gelegenheit geben, sich sowohl inhaltlich als auch ästhetisch mit verschiedenen Aspekten der Experimentalund Improvisationsmusik auseinanderzusetzen. Bei den Podiumsdiskussionen werden die ZuschauerInnen mit den TheoretikerInnen und den MusikerInnen der Frage nachgehen können, was das Spezifische an dem aktuellen sozialen Raum Musik ist. Die Wiederbelebung und Zusammenführung zweier Frankfurter Traditionen im Bereich der Musik – die Verortung von Musik in der Gesellschaft und die Förderung neuer Musik – ist eines der Ziele von relational lockout.

Donnerstag, 15. Juli
Eröffnung: 18:00 Uhr Beginn der Podiumsdiskussion: 18:30 Uhr Konzert: ca. 21:00 Uhr

Avantgarde und Jugendkultur: Radikale Aktion oder Marktdifferenzierung?
Martin Büsser Michael Wertmüller Thomas Mahmoud Achim Szepanski Lars Becker Peter Pawlicki Anne Imhof
Noise, Drone, Improv – sind diese teils neuerdings wiederbelebten teilweiterentwickelten musikalischen Strategien ein Zeichen für die Formation einer Jugendkultur, die wieder fundamental die Warengesellschaft ablehnt, oder ist es eher eine postmoderne, spielerisch-romantische Manipulation von Zeichen, Formen und Kanälen der kommodifizierten Kultur und vergangener Medienformate? Martin Büsser ist Mitbegründer des Ventil-Verlages und der Buchreihe "Testcard - Beiträge zur Popgeschichte". Zahlreiche Bücher zur Popgeschichte und Poptheorie wurden von ihm verfasst. Der klassisch ausgebildete multiinstrumentalist Michael Wertmüller ist ein gefragter Komponist, dessen Werke auf großen Festivals der Neuen Musik aufgeführt werden. Daneben spielt er Free Jazz mit so illustren Persönlichkeiten wie Peter Brötzmann. Thomas Mahmoud feierte Erfolge als Sänger mit seiner Band Von Spar. Zusammen mit Wertmüller und Marino Pliakas gründete er die Avantgarde-Band Ives#1. Szepanski ist Herausgeber von "Soundcultures" und Gründer von Force Inc. und Mille Plateaux. Lars Becker und Peter Pawlicki sind Gründer von des relationalen Mikro-Nexus KACHELTISCH und Organisatoren der Veranstaltung. Konzert: Thomas Mahomoud und Michael Wertmüller; Blake Fuchs

Freitag, 16. Juli
Beginn der Podiumsdiskussion: 18:30 Uhr Konzert: ca. 21:00 Uhr

Improvisation: Spiele, Regeln, Technologien und Kommunikation
Institut für Feinmotorik Felix Klopotek
Improvisation ist eine Möglichkeit, Regeln und Kommunikationsstrukturen im Zuge des ‚instant composing’ zu etablieren und zu zerstören. Welchen Einfluss üben dabei Technologien (neue/missbrauchte Schnittstellen, neue/missbrauchte Audiogeneratoren etc.), Räume und persönliche Beziehungen zwischen den Musikern aus? Das Institut für Feinmotorik erforscht seit Mitte der 90er Jahre mit seinem Octogrammoticum die Improvisation an Plattenspielern ohne Schallplatten. Auf ihren Tourneen spielten sie u.a. im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe und im Goethe-Institut in Buenos Aires. Felix Klopotek schreibt für Jazzthetik, Spex und Testcard; 2002 veröffentlichte er Buches „How they do it. Freejazz, Improvisation und Niemandsmusik“. Als Betreiber des Plattenlabels Grob produziert Klopotek die Größen der Improvisationsmusik. Konzert: Institut für Feinmotorik

Samstag, 17. Juli
Beginn der Podiumsdiskussion 18:30 Uhr Konzert: ca. 21:00 Uhr

Muße, Musik

Spaß

und

Machtspiel:

die

Geschichte

der

Achim Wollscheid Lars Becker, Peter Pawlicki Thomas Mahmoud
Die offene Nutzung der Musik als Instrument (mikro)politischer Macht wurde scheinbar von subtileren Formen der Musik als einer Möglichkeit, soziale Spannungen zu dämpfen, verdrängt. Obwohl dies die Möglichkeit zur Überwindung der Verwertungslogik nicht ausschließt, macht es doch die zu überschreitenden Grenzen weniger sichtbar. Achim Wollscheid ist Medienkünstler, der sich in seinen Arbeiten seit 20 Jahren mit Klang, Licht, Raum und deren Schnittstellen beschäftigt. Konzert: Achim Wollscheid; KACHELTISCH Workshopband

Auf einen Blick:

Veranstaltungszeitraum Veranstaltungsort Veranstalter Pressekontakt

15.07.-17.07.2010 Städelschule, Dürerstr. 10, Frankfurt/M Lars Becker, Oona von Meydel, Peter Pawlicki, Städelschule Lars Becker, 0177 492 10 72, lars@unbenannt.org

Beteiligte

Lars Becker, Martin Büsser, Institut für Feinmotorik, Anne Imhof, Felix Klopotek, Thomas Mahmoud, Peter Pawlicki, Achim Szepanski, Michael Wertmüller, Achim Wollscheid relational-lockout.com

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