Wladimir Megre Anastasia — Die klingenden Zedern Russlands

Wladimir Megre

Anastasia
Band 2:

Die klingenden Zedern Russlands

aus dem Russischen übersetzt von Helmut Kunkel
«Die vorliegende neue deutsche Übersetzung entstand in enger Zusammenarbeit mit meinen Vertrauenspersonen in Deutschland, sodass sichergestellt ist, dass sie in jeder Hinsicht inhaltsgetreu und vollständig ist. Ich danke dem Govinda-Verlag, dass er bereit ist, die Anastasia-Bände l bis 5 herauszugeben, und freue mich über die angenehme Zusammenarbeit im Sinne Anastasias.» — Wladimir Megre

Govinda-Verlag
Neuhausen • Jestetten

Herausgegeben von Ronald Zürrer Weitere Titel von Wladimir Megre zu Anastasia: Band 1: Anastasia - Tochter der Taiga Band 3: Anastasia - Raum der Liebe Band 4: Anastasia - Schöpfung Band 5: Anastasia - Wer sind wir? Band 6: Anastasia - Das Wissen der Ahnen Band 7: Anastasia - Die Energie des Lebens zu beziehen bei: Schweiz: Deutschland: Internet: Govinda-Verlag, Postfach 257, 8212 Neuhausen 2 Govinda-Verlag, Postfach 1226, 79795 Jestetten govinda.ch

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Erste Auflage - Mai 2004 © 2004 Govinda-Verlag GmbH Alle Rechte vorbehalten. Originaltitel: 3B6HFimi<ie Keflpbl POCCHU Übersetzung, Lektorat und Layout: Helmut Kunkel, Jestetten Umschlaggestaltung: Anandini Zürrer, Zürich Umschlagbild: © Kursiv Gesamtherstellung: Ueberreuter Buchproduktion GmbH Printed in Austria ISBN 3-906347-71-0

Inhalt 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 1l 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Mensch oder Außerirdische? Die Geldmaschine Geheilt .aber um welchen Preis! Ein vertrauliches Gespräch Schutzengel. wo bist du? Das Kirschbäumchen Wer ist schuld? Die Antwort Der Tag der Kleingärtner und ein Feiertag der Erde Das klingende Schwert des Barden Eine jähe Umkehr Wer bestimmt den Kurs? Geld aus dem Boden stampfen Eine destruktive Kraft Herbalife-Händler Gratisurlaub auf Hawaii Der Beginn der Perestroika Die Gesellschaft der Unternehmer Russlands Dem Selbstmord nahe Die klingenden Zedern Russlands 7 21 26 29 33 38 44 50 64 72 79 83 84 89 96 100 102 106 110 114 .

21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 Was steckt dahinter? Vater Feodorit Raum der Liebe Anastasias Großvater Eine paranormale Erscheinung Scheinmenschen Warum niemand Gott sieht Anbruch einer neuen Zeit in Russland Wie man das Heilöl der Zeder gewinnt Trau. schau. deine Heiligtümer! 132 135 149 155 165 175 179 186 192 198 206 Über den Autor 229 . wem Russland.

Wissenschaftlern. ob ich Anastasia nun liebe. Nach dem frühen Tode ihrer Eltern wurde sie von ihrem Großvater und ihrem Urgroßvater. die weit entfernt in der sibirischen Taiga geboren wurde und dort als Einsiedlerin lebt. In der Presse fand man Namen für sie wie «Herrin der Taiga». wer Anastasia wirklich ist.1 Mensch oder Außerirdische? Bevor ich mit meiner Erzählung über Anastasia fortfahre. Ich sagte: «Ich kann meine eigenen Gefühle nicht klar einordnen. aufgezogen. «sibirische Hexe». habe ich versucht. sie sei ein Mensch. Anastasia hat recht unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. spirituelle Bücher und ihre Bemerkungen zu Band 1 geschickt haben. Wer also ist nun Anastasia? Eine junge Frau. eine Frau. Journalisten und gewöhnlichen Lesern bedanken. «Wahrsagerin». 7 .» Sofort wurde das Gerücht in Umlauf gesetzt. wenn man nicht einmal weiß. «göttliche Erscheinung» und «Außerirdische». die mir Briefe. Am Anfang gelang mir das auch. möchte ich mich ganz herzlich bei all den religiösen Führern. ebenfalls Einsiedlern. Wie aber kann man jemand lieben. bestimmte Themen zu verstehen. mit wem genau man es zu tun hat? Und bislang gibt es nun mal kein einheitliches Verständnis. Auf die Frage einer Moskauer Reporterin. Da sie selbst aber von sich behauptet. auf der Grundlage dieses Verständnisses Erklärungen für ihre außerordentlichen Fähigkeiten zu finden. konnte ich keine eindeutige Antwort geben. ich sei aufgrund spiritueller Inkompetenz nicht in der Lage.

Wir alle sind mit dem Kosmos verbunden . gottgleichen Menschen getan haben.» Ob das nun stimmt oder nicht. die Technik zu bestimmen. denn auch auf Bauernhöfen gibt es ja die verschiedensten Tiere. über Ereignisse Bescheid weiß. sondern sich stattdessen zwanzig Jahre ihres Lebens mit Kleingärtnern beschäftigt. Professor für Soziologie an der Moskauer Lomonosow-Universität und einer der führenden Ökologen Russlands. aber auch bei unserer Anastasia. hat sich in seinen Werken mit den Aussagen und Handlungen Anastasias befasst und kommt zu folgendem Schluss: «Das schöpferische Potential Anastasias ist eine allgemeine und nicht etwa eine rein individuelle Gottesgabe. 8 . kann ich nicht beurteilen.Ist es etwas Besonderes. harmonischen Kulturformen fuhrt zu einer weiblichem Ausprägung der Kultur. wie es alle erleuchteten. mit deren Hilfe sie «fernsehen» kann. über die Anastasia gesprochen hat. dass sie nicht geisteskrank ist. die friedlich miteinander auskommen und ihren Herrn achten. und mit den Gegebenheiten unseres modernen Lebens bestens vertraut ist. Daher ergibt sich folgende Kette der Identifikation: Anastasia = Tara = Buddha = Maitreya. mit dem sie Menschen aus der Ferne heilt. Denn zumindest gibt es in der Wissenschaft Hypothesen in Bezug auf die Themen.jeder Einzelne von uns für sich. in die Tiefen der Vergangenheit eindringt und in die Zukunft blickt? Dr. Schwieriger war es da schon. dass ihr die wilden Tiere so ergeben sind? Nein. I. eine Gabe der Natur. Wie funktioniert ihr Strahl. Besonders vollständig und deutlich kommt dies im Buddhismus zum Ausdruck. Schleierhaft ist mir jedoch. Anastasia ist demnach ein vollkommener. zu dem Schluss. K. warum sie dann keine Lehre schreibt. und in bestimmten Bereichen werden auch Experimente durchgeführt. Nichtsdestoweniger kam ich. Die drohende Katastrophe ist einzig und allein durch eine harmonische Synthese der Urkulturen zu vermeiden. die tausend Jahre zurückliegen. gottähnlicher Mensch. nachdem ich die Meinungen verschiedener Gelehrter gelesen hatte. Schilin. Die Entwicklung dieser kindlich-reinen.

muss man einfach nur denken können. Kein vom Menschen erzeugter Gedanke löst sich einfach in nichts auf. der Dimension. Letztlich wird er damit sich selbst und andere quälen. um mit der Dimension der lichten Mächte zu kommunizieren.Einmal fragte ich sie: «Anastasia. den Menschen.» «Also muss man einfach nur denken können. dem dunklen Bereich schöpfen. Der Mensch ist das Kind des Schöpfers.» «Und warum tun das dann nicht alle?» «Alle tun das. wo die lichten Gedanken wohnen. geschaffen wurde. der einmal von einem Menschen oder dem Schöpfer hervorgebracht wurde. dir Situationen aus einer Zeit vor tausend Jahren zu vergegenwärtigen und zu schildern und sogar die Gedanken großer Persönlichkeiten der Vergangenheit zu lesen?» Darauf antwortete sie: «Der erste Gedanke. als Er selbst hatte. wie schaffst du es. nur in unterschiedlichem Maße. das erste Wort gehörte dem Schöpfer. das ist alles? Kann man auch die Gedanken des Schöpfers erkennen?» «Dazu muss man die Ihm eigene Reinheit des Wollens und die Geschwindigkeit Seines Denkens erreichen. Seine Gedanken leben noch heute und umgeben uns auf unsichtbare Weise. Und darüber hinaus gab Er ihm auch die Freiheit der Wahl. muss man ihre Reinheit des Wollens besitzen und in ihrer Geschwindigkeit denken können. Und heute kann sich jeder Mensch einen beliebigen Gedanken zunutze machen. Um einen Gedanken zu nutzen. Hat ein Mensch nicht genügend Reinheit des Wollens. Der Mensch kann selbst zum Schöpfer werden und die Welt durch die Kraft seiner Gedanken vervollkommnen.» 9 . die für deren Mittelpunkt. Aber aufgrund der täglichen Hektik sind nicht alle Menschen dazu fähig. Und wie jeder Vater konnte Er Seinem Kind nicht weniger wünschen. Ist es ein lichter Gedanke. ist der Gedanke aber dunkel. Um die Gedanken der Erleuchteten zu erkennen. so erfüllt er den lichten Raum und steht auf der Seite der lichten Mächte. Er gab ihm alles. so wendet er sich zur Seite der dunklen Mächte. so wird er Gedanken aus dem gegensätzlichen. sie erfüllen den Weltraum und kommen in der materiellen und lebendigen Schöpfung zum Ausdruck.

Stellen Sie sich mal einen Computer vor. die auf der Feldebene das gesamte All durchdringt. Intuitiv gebe ich denjenigen Recht. sie werden dem Menschen gegeben. sondern dem von Torsionsfeldern funktioniert. Esoterische Erkenntnisse werden nicht ermittelt. Ein solches Gehirn hat natürlich phantastische Möglichkeiten. überaus komplizierter und langsamer Pfad entwickelte sich. die behaupten. die weit jenseits unseres Vorstellungsvermögens liegen. wo Erkenntnisse von außen empfangen werden. eine Art miteinander verwobener Struktur darstellt. den anderen sieht man in der Wissenschaft des Ostens. Alles Übrige sind verschiedene Formen des Absoluten.Ich weiß nicht. Darüber hinaus gibt es nichts weiter in dieser Welt. Erkenntnisse durch Beweise. das im Osten bereits vor dreitausend Jahren erreicht war. Und berücksichtigt man dabei. E. Auf einer bestimmten Entwicklungsstufe des Menschen war der esoterische Pfad verloren gegangen. im Zustand der Meditation.» 10 .jedenfalls schrieb er im Artikel «Physik erkennt übergeordneten Verstand an» (erschienen im Magazin Wunder und Abenteuer) Folgendes: «Schon immer hat es zwei Pfade zur Erkenntnis der Natur gegeben: Der eine wird vertreten durch die westliche Wissenschaft und ihre Methode. Akimow. dass dieses Gehirn nicht nach dem Prinzip eines Elektronenrechners. und ein anderer. der das gesamte beobachtbare All (mit einem Radius von etwa 15 Milliarden Kilometern) ausfüllt und der aus Elementen mit einem Volumen von je 10-33 cm3 besteht. Direktor des Internationalen Instituts für theoretische und angewandte Physik der Akademie der Naturwissenschaften Russlands. dass die Materie. auf esoterischem Wege. ob A. Auf diesem Pfad erlangten wir in den letzten tausend Jahren ein Niveau des Wissens. es gebe ein solches «Allgehirn» in der Form eines gigantischen Elektronenrechners. dann wird klar: «Schellings Erscheinungsformen des Absoluten oder das Shunyata der alten vedischen Literatur sind nichts anderes als dieser Superrechner. zu erlangen. direkt oder indirekt auf die obigen Aussagen Anastasias kommentierte . In seinem Buch Die Gesamtheit der Technologien (Kapitel «Das Weltall als Supercomputer») äußert Stanislaw Lern den Gedanken. Experimente usw.

Weiterhin musste ich eine Erklärung parat haben. Dixon und Simferopol. Allein das Lesen dieser Artikel bereitet große Mühe. der ich nie schriftstellerisch tätig gewesen war und keine diesbezüg11 . Wir haben es hier mit einem uns bisher unbekannten Phänomen zu tun. Nur nennt sie dieses Phänomen die «Dimension der lichten Mächte». deren sich Anastasia bedient. dass dies allein durch Arbeit. Wlail Kasnatschejew. Immerhin habe ich so viel verstanden.5. dass die Verbindung zwischen einem Gerät und dem Operator Mensch sicher und präzise hergestellt werden kann. indem er den Ausschlag des Geräts bewusst verändert. so einfach ist das nicht zu erklären. sie zu verstehen. dass ein Mensch die Anzeigen elektronischer Geräte aus der Ferne beeinflussen kann. Bei uns in Nowosibirsk laufen gerade Versuche zur Herstellung einer solchen Fernverbindung mit Norilsk.» Leider wimmelt es in diesen wissenschaftlichen Beiträgen nur so von schwierigen Fachbegriffen und Hinweisen auf die Werke anderer Autoren. schreibt in seinem Beitrag «Lebendige Strahlen und lebendiges Feld». dass die Wissenschaftler über die Möglichkeit der menschlichen Telekommunikation Bescheid wissen. durch Explosionen oder durch technologische Werke geschehen kann? Nein. etwas Gedankliches den Planeten Erde in eine neue Evolutionsphase überfuhren? Wie soll das gehen? Oder glaubt man gar. in der alle von den Menschen je hervorgebrachten Gedanken enthalten sind. Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. ist ihnen ein Begriff. und zwar in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Forschungszentrum in Florida. Dabei hat sich gezeigt. nämlich mit der Wechselwirkung von lebender Materie und Maschinen über große Entfernungen hinweg. haben die Wissenschaftler Folgendes zu sagen. der aus der Ferne wirkt.1996: «Wernadski erhob wohl zu Recht die Frage: Wie kann etwas Ideelles. Die Fakten weisen daraufhin.Und über den Strahl. Auch im Tjumensk-Dreieck wurden ähnliche Versuche durchgeführt. veröffentlicht in der Zeitschrift Wunder und Abenteuer vom 3. Dr. wohingegen die moderne Wissenschaft in diesem Zusammenhang von einem Supercomputer spricht. ganz zu schweigen davon. und auch die kosmische Datenbank. wie es mir.

Damit wäre doch eigentlich alles erklärt.» Das Buch ist jetzt geschrieben. an die Worte Anastasias vor zwei Jahren: «Maler werden mich darstellen. In einem von 12 . aufgeschrieben habe. wie genau sich alles. was sie gesagt hatte. das von vielen Menschen gelesen wird und eine wohltuende Wirkung auf sie hat. dass ich etwas Talent zum Schreiben habe und so die interessanten Informationen. Zuerst gab es eine regelrechte Flut von Gedichten.liehen Fachkenntnisse besaß. Poeten Gedichte über mich schreiben. sie kann sie modellieren und zur Realität werden lassen. Du wirst ein Buch schreiben. dachte ich mir.» «Worte!». Und das ist bislang niemandem gelungen. Man denke da an mein erstes Buch. dem bisher weder ich noch meine Helfer auf die Spur gekommen sind. Anastasia sagt nicht die Zukunft voraus. dass das allein ihr Verdienst ist. gelungen war. ein Buch zu schreiben. sagte Anastasia zu mir: «Ich werde dich zu einem Schriftsteller machen. wie sie die schöpferischen Fähigkeiten anderer Menschen zu beeinflussen vermag. «nichts weiter als Worte! Was man nicht alles so daherredet!» Und ich hatte diesen Worten keine besondere Bedeutung beigemessen. Dann aber sollte man erklären können. die ich von ihr erhielt. Natürlich könnte man der Einfachheit halber vermuten. Man brauchte keine Zeit mehr dafür zu verwenden. das die Menschen so sehr bewegt. Dann entstanden in verschiedenen Städten «Anastasia-Häuser». Du wirst all das erleben und dann an mich denken. und die Annahme liegt nahe.» Anastasias Großvater hatte auf meine Frage: «Kann sie etwa die Zukunft voraussehen?» geantwortet: «Wladimir. Doch selbst dann gäbe es noch ein Rätsel. Als ich in der Taiga war. sondern sie sinnbildlich aufgefasst. Denn ich konnte mir damals nicht einmal vorstellen. Das Unglaubliche geschieht tatsächlich! Anastasias Worte erfüllen sich mit erstaunlicher Sicherheit. verwirklichen sollte. wissenschaftliche und spirituelle Bücher zu lesen und Fragen an Fachleute zu stellen. und man wird einen Film über mich drehen.

Ich fasste die Bilder und die Seiten mit den Gedichten an. noch unveröffentlichten Buch dargestellt — so zum Beispiel jene leuchtende Kugel. was da geschah. hat so schnell Einfluss auf die Menschen gewonnen wie Anastasia. kam zu folgendem Schluss: «Keiner der großen geistigen Lehrer. Ein Moskauer Forschungszentrum. Von verschiedenen Filmstudios kamen Angebote. Und was die Motive betrifft. die manchmal neben Anastasia erscheint. die noch nicht einmal Moralpredigten hält oder Glaubenstraktate verfasst. Ich sah das schon fast als selbstverständlich an. so waren auf einigen Bildern Themen aus dem zweiten. die durch ihre religiösen Lehren sowie durch ihre philosophische und wissenschaftliche Suche weltbekannt sind. schaute mir Szenen aus dem Film an und versuchte zu verstehen. wurden Gemälde der Moskauer Künstlerin Alexandria Wasiljewni Sajenko zum Thema «Anastasia und Natur» ausgestellt. doch sie sind in der Ausstellung geblieben. Eines der Bilder hat mir die Malerin geschenkt. Von vielen Bildern schauten mich die gütigen Augen Anastasias an. betrachtete die Wand mit den vielen großen Bildern . Die Lehren jener Meister haben sich nämlich erst im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende spürbar auf das Leben der Menschen ausgewirkt. Die meisten dieser Bilder sind verkauft. und die Umgebung schien mir wie verändert zu sein. ist es in nur wenigen Tagen oder Monaten auf unerklärliche Weise gelungen. die sich dann in konkre13 . Anastasia hingegen. Ich kam in das Haus. einen Film über Anastasia zu drehen. und zwar eine Darstellung von Anastasias Eltern. das sich mit dem Phänomen Anastasia befasste. Später erfuhr ich. weil immer mehr Leute kommen.. dass die Künstlerin nicht mit einem Pinsel. direkt bis zu den menschlichen Gefühlen durchzudringen und emotionelle und schöpferische Schübe zu bewirken. um sie sich anzusehen.. in der Stadt Gelendschik.ihnen. sondern mit den Fingerspitzen malt. Das Gesicht ihrer Mutter zog mich eine ganze Weile in seinen Bann.

» «Aber für seine Kreationen sollte man doch belohnt werden — in Form von Auszeichnungen.» Wie gelingt es dieser Einsiedlerin. mehr über das Wesen Anastasias zu erfahren. fragte ich ihn. hatte Anastasias Großvater gesagt. Die Antwort lautete: «Mit dem Elan ihrer eigenen Energie verbreitet sie Eingebung und Erleuchtung. Ihre innere Genugtuung und die aufrichtige Liebe eines einzigen Menschen sind für sie die höchsten Auszeichnungen».» «Was für eine Kraft verbirgt sich in ihrem Traum?» «Die Kraft eines Schöpfermenschen. Und was ist dabei herausgekommen? Für mich selbst bin ich nur zu einer unumstößlichen Schlussfolgerung gekommen: In vielen schlauen Büchern. und ich wollte Klarheit in meiner Beziehung zu ihr finden. und die treibende Kraft dabei ist ihr Traum. Ich versuchte. «Aber wie wird sie das tun?». Geld und Ehrentiteln! Sie aber tut alles zum Nutzen anderer. Spiritualität und das Streben nach Wahrheit beanspruchen. ohne etwas dafür zu wollen. dem Guten. an einem weit entlegenen Ort der Taiga zu leben und gleichzeitig gewissermaßen über unserem realen Lebensraum zu schweben? Wie manifestiert sie durch die Hände anderer Menschen all jene Schöpfungen. Russland. Folglich hörte ich mir verschiedene Meinungen über sie an und las eine Menge geistiger Literatur. In nur eineinhalb Jahren verschlang ich mehr Bücher als in meinem gesamten vorherigen Leben. Das Ergebnis können wir dann als Kunstwerke und als begeistertes Streben nach dem Lichten und Guten wahrnehmen. Warum?» «Sie ist eben selbstgenügsam. sagte Anastasias Großvater.ten Werken verschiedener Menschen manifestieren. die für sich historische Authentizität. Wie ein Frühlingsregen werden Gedichte und Lieder unsere Erde von dem angesammelten Schmutz reinwaschen». sind schamlose Lügen 14 . Diese Antworten habe ich bis heute noch nicht ganz verstanden. mit denen sie mental in Kontakt steht. der Natur und der Liebe gewidmet sind? «Sie wird die Welt mit der hohen Poesie der Liebe überschütten. die dem Licht.

einer Gegend. das ihm heimlich ins Glas geschüttet worden war. in die russische Hauptstadt kam. erhielt ich andere Informationen. verschaffte sich freien Zutritt zum Zarenhof und schlief mit zahlreichen vornehmen Damen. als er nach der Einnahme von Zyankali.enthalten. Zu diesem Schluss bin ich in Zusammenhang mit der Geschichte Grigori Rasputins gekommen. wie ein einfacher Bauer. mystische Grigori Rasputin. der alle durch seine unglaubliche Widerstandskraft erstaunte. wo er Tee trank und bis vierzehn Uhr Besucher empfing. wo die sibirische Zeder wächst. Pikul. als ob nichts geschehen wäre. Schließlich fuhr er in ein Restaurant außerhalb der Stadt. Mit seinen Wahrsagungen beeindruckte er die Zarenfamilie. Doch wie es das Schicksal so wollte. Im ersten Band über Anastasia zitierte ich einen Satz aus dem historischen Roman Bis zur äußersten Grenze von W. Von Kugeln durchlöchert.» Wie viele andere hatte auch ich Grigori Rasputin aufgrund dieser und ähnlicher Aussagen immer für einen ausschweifenden Lebemann gehalten. den Tisch verlassen konnte und auf den Hof der Villa gelangte. betete und blieb so bis acht Uhr morgens auf den Beinen. Dann schoss Fürst Jussupow aus unmittelbarer Nähe auf den wankenden Rasputin. Sein verwundeter Körper wurde von einer Brücke ins Wasser geworfen. der kaum lesen und schreiben konnte. und alles ging wieder von vorn los. Der geheimnisumwitterte. Dann suchte er sich ein paar Damen aus und ging mit ihnen ins Dampfbad. später wieder herausgefischt und schließlich verbrannt. machte dieser seinen Feinden jedoch immer noch nicht den Gefallen zu sterben. die mich nachdenklich stimmten. Dann ging er nach Hause. 15 . Im Anschluss daran besuchte er den Morgengottesdienst. Zeitgenössische Journalisten beschrieben seine Bärenkräfte wie folgt: «Mit fünfzig Jahren konnte er mittags eine Sexorgie mit Zechgelage beginnen und bis vier Uhr nachts durchmachen. Ein normaler Mensch könnte einen solchen Tagesablauf nicht durchstehen. Bei seiner Ermordung waren alle Anwesenden äußert erstaunt. war im Land der Zedern aufgewachsen. im Jahre 1907 aus einem entlegenen sibirischen Dorf. In diesem Roman wird erzählt.

schrieb über Grigori: «Heute ist der nie gefundene Körper des heiligen Mönches unversehrt aus dem Fluss aufgetaucht. Was ist nun wahr und was falsch? Außerdem fiel mir ein Text aus Grigori Rasputins Notizen in die Hände. Die menschliche Weisheit ist grenzenlos. und das ohne jede Anstrengung! Das Meer ist weit. Der Text hatte folgenden Wortlaut: «Wie leicht tröstet uns die See! Wenn wir morgens aufstehen. erinnert sich unwillkürlich an die Kindheit und dann wieder an die Hetze des Lebens und vergleicht die damalige Ruhe mit der heutigen Hast der eit- 16 . und die Seele liest im Buch der Weisheit des Lebens. und das ist der Sonnenuntergang. Wer kann die Vortrefflichkeit dieser leuchtenden Strahlen ermessen. In einem solchen Moment vergisst die Menschenseele die gesamte Menschheit. nicht einmal eine Vogelstimme ist zu vernehmen. andererseits als heiliger Mönch. Es gibt noch einen anderen äußerst schönen Anblick. Es dämmert. man sieht nur noch den Glanz der Sonne. Welch unvergleichliche Schönheit! Das Meer erweckt uns aus dem Schlaf der Nichtigkeiten. und die Menschenseele trauert den wunderschön glitzernden Strahlen eine Zeit lang nach . eine Flut von Gedanken wird frei. die er während seines Aufenthalts im Heiligen Land geschrieben hatte (ein Flüchtling aus der Sowjetunion namens Lobatschewski hatte sie nach Paris gebracht).. wie still es wird ..Papst Johannes XXIII. Und seine heimlichen Söhne gehen zum Gebet in die Kirche. können wir uns am Retuschen der Wogen und an der Brandung erfreuen. und selbst für die größten Philosophen ist sie letztlich nicht erfassbar. die die Seele wärmen und liebkosen und ihr heilsamen Trost spenden? Die Sonne versinkt mit jeder Minute weiter hinter den Bergen. wenn die Sonne im Meer versinkt und es mit ihren Strahlen erhellt.» Was hat das nun zu bedeuten? Einerseits wird er als schlimmer Wüstling beschrieben. Nachdenklich geht man auf dem Deck hin und her. doch weiter noch ist der menschliche Geist. Im Herzen flammt ein Feuer der Wonne auf. Die Strahlen der aufgehenden Sonne spiegeln sich glitzernd auf dem Wasser.. Oh..

mit dem man die Langeweile vertreiben könnte.» Wer warst du also. Grigori Rasputin.. denn es ist krank. wie ich's mache. Man spricht leise mit sich selbst und wünscht sich jemanden. Na und? Barfuß — nun ja. Ein Paar Schuh hätten eh nicht gereicht. da war er zu Haus. allemal steck ich sie in den Sack! In Petersburg. was über dich geschrieben wurde? Wie kann man diese Fragen klären? Worauf kann man sich bei Überlegungen zum Sinn des Daseins und seiner Bestimmung stützen? Mit Hilfe wessen und anhand welcher großen literarischen Werke kann man zwischen Wahrheit und Trug unterscheiden? Wo ist wahre Spiritualität und wo der bloße Anspruch auf Allwissenheit? Vielleicht soll man dabei auf das eigene Herz hören? Ich habe in meinem Leben bisher keine Gedichte geschrieben. Husaren — wilde Draufgänger und hartgesott'ne Zecher? Verfuhrer.. Zum Zaren ging ich. Die noblen Damen werden schwach und fangen an zu zittern Beim Anblick des Sibiriers: kein Grund mehr zu verbittern. Wüstlinge und kühne Herzensbrecher? Dass ich nicht lache. denn der alte Herr Sollte noch leben ein paar Jahre mehr. will ich meine ersten eigenen Verse widmen. die einem von Feinden auferlegt wurde. liebe Leut . du sibirischer Russe namens Grigori Rasputin? Was ist wahr und was unwahr von alledem. da findet man Pariser Mode adrett. Braucht dringend ein Schlückchen Wundertrank. Für Grigori Rasputin Im Lesen und Schreiben kannt' er sich kaum aus — sei's drum! Im Walde der Zedern.fürwahr ein müdes Pack! Seht. Schlemmer. aber dir. . von Sibirien ist's weit. Zu Mütterchen Russland. Die Herzen aber einzuschnür'n schafft nicht mal ein Korsett.len Welt.

Denn meine Macht ist grenzenlos. So können mehr Unreinheiten aus den Poren austreten. Sie hätt' nur einen Wunsch. 18 . dann wirst du mir erliegen. Geh du in deinen Zedernwald. hör zu.» Das Zeitenmonster geifert irr. Die Flut der Grausamkeit. was es kann. sich gegenseitig mit Ruten zu bearbeiten. Da flüstert leis Sie ihm ins Ohr. ** Kosename für Grigori. ich komm allein zurecht! Später magst du betrachten mich als deiner Wünsche Knecht. sollst eine Straf du kriegen. geh ich nicht. * Und triebe alle Unreinheit aus deinem Körper aus. Sibirier. auf die Knie und schlucke Staub! Nur noch ganz kurz hältst du es durch. und bald bist du verschieden. drum rat ich dir: Geh! Nicht lange hältst du sie mehr auf. am Ende ist er dran. schlingt gierig. Die Kugeln dringen in sein Herz.» * In russischen Dampfbädern ist es Sitte. Du konntest ihr bisher entgehn ob deiner Seele Kraft. das sag ich dir. armes Russland. mit Fichtenzweigen auch. sondern ich bleibe hier. Auch Grischka** wird von ihm erwischt. und spricht: «Geh! Rasend. Wie sie noch keiner je gekannt auf dieser Erd hienieden.» «Ach. Doch bleibst du. brüllend und gnadenlos: die Zeit rafft jeden dahin. Ich bin Mutter Russland! Was macht mir das aus? Vorbei ist deine Zeit. ist's um dich geschehn. wie gerne würd' ich jetzt ins Bad. das Monster fauchet laut: «Runter mit dir.Einst ging er morgens zum Gebet — Zum Beichten jedoch nicht—. Drum. und zwar mit dir! Mit Birkenruten schlug' ich dich. Und dann.

wo dein Gesicht. ich werd dir alles nehmen. weit verstreut. was soll's . die du einst mit Müh gerettet hast. dann mache ich es wahr!» «Ach. Auf Giftflaschen prangt dann dein Bild — haha. ich bin ein Mann. niemals kriegtest du mich. nein! Sibirier. ist das nicht fein? Die gleichen Menschen. du Wurm. So präsentier doch ihnen sie . ach. nicht? Das hättest sicher anders du gewollt!» Doch Grischka lächelte nur müd und spuckte blaue Bohnen: «Du dummer Satan. «Wo ist dein Grab. so nennst du mich — wisse. ertränkt. Was bettelst also. säße ich im Bade nur bei einem Kruge Wein. Ansehn und Respekt. Im eignen Sarge dann verbrannt auf tugendlose Weise. ein Dummkopf wirst du sein. und noch heut Trägt er sie fort über das Land der Russen. du flehentlich mich an?» Erschossen wurde er.Ein Held bist du — jetzt vielleicht noch —. Werden auf deine Seele spucken dann. Ich würd' es dir schon zeigen. Doch seine Asche nahm der Wind des Frühlings. Was für die Nachwelt von dir bleibt. wie war's mit einem frischen Bade? versäumet nicht den nächsten Tanz. höret her.heulen oder entlohnen? Auf. die dir hier niemand zollt. Achtung. das ist dir klar? Einen Moment nur gib mir noch. bete mich an. Männer. zu Füßen liegt mir die Welt! Nein? — Bitteschön. fuhr da die Dunkelheit ihn zähneknirschend an. versenkt unter dem Eise. «Sag an». ich hoff. die unbeglichnen Rechnungen. o ehrenwerter Mann? Die längste Zeit hast du gelebt. Zum Heulen. armer Tor. so fliege doch empor zum Himmelszelt! Einen Moment nur lebst du noch. mach dich darauf gefasst! Krieche. die man dir schuldet hier! Ruhm.die Macht gebe ich dir -. das wäre doch zu schade!» 19 . ist nur ein dunkler Schemen.

den Menschen Gutes zu tun und drohendes Unheil zu verhindern. Auch Anastasia lebt in den Zedernwäldern und versucht. Was für ein Los hat sie von unserer Gesellschaft zu erwarten? 20 . bestrebt. die Revolution zu verhindern.Grigori Rasputin ist aus den Zedernwäldern in das vorrevolutionäre Russland gekommen. doch er ist dabei umgekommen.

so wie sie vor mir stand. der zunehmenden Flut von Informationen und Schlussfolgerungen zu widerstehen und die Klarheit der ersten Eindrücke wieder herzustellen. Ich habe das am eigenen Leib erfahren. Ich musste versuchen.sie treibt einfach alle Krankheiten aus. Oft werde ich gefragt: «Warum hast du Anastasia nicht aus der Taiga fortgebracht?» Genau das war in der Tat mein Wunsch gewesen. ohne den Körper auch nur zu berühren. die Menschen von allen möglichen Krankheiten zu heilen. graublauen Augen an . und nach ihren Eingriffen in unser Leben sehe ich in ihr etwas Außergewöhnliches. Ich bemühte mich.2 Die Geldmaschine In den ersten Tagen meiner Bekanntschaft mit Anastasia war sie für mich eine Einsiedlerin mit einer sehr eigentümlichen Weltanschauung. sah mich unverwandt mit ihren gütigen.ohne zu 21 . zum Nutzen der Menschen und zum Gewinn meiner Firma verwenden könnte. ihr den Zweck und den Nutzen ihres Aufenthaltes in unserer Gesellschaft vor Augen zu führen. Und plötzlich kam mir eine Idee: Meine Anastasia. mir war aber klar. nachdem ich so viel über sie gehört und gelesen habe. Mir schwirrte allmählich der Kopf. dass ich sie unmöglich dazu zwingen konnte. die sich angesammelt haben. welche ihrer Fähigkeiten man zu ihrem eigenen Vorteil. Dank ihrer Fähigkeiten ist sie problemlos in der Lage. Sie konzentrierte sich völlig. Also überlegte ich. Jetzt aber. ist eine regelrechte Geldmaschine. Dabei braucht sie keine Diagnose zu stellen .

» «Wie lange?» «Einmal hat es über zehn Minuten gedauert.» «Wie viel Zeit brauchst du. Das Denken kann ruhig warten. und mit dem Schweiß traten alle Toxine aus meinem Körper.000 Rubel* nimmt (manche Heiler verlangen mehr). schon. gehen sie zu einem anderen. bei Anastasia hingegen dauert das Ganze nur ein paar Minuten. Anastasia. Die Behandlung kann sich über Wochen. wenn man bedenkt. Es gibt Operationen. und das alles wegen einer einzigen Krankheit. Die Leute zahlen so viel Geld für Medikamente und Operationen. Alle im Folgenden in Klammern angegebenen Dollar-Beträge wurden nach diesem Verhältnis errechnet. «ich glaube. Du weißt auch so sehr viel. Ich wollte ein paar Details klären und fragte daher Anastasia: «Du kannst also jede beliebige Erkrankung aus dem Körper austreiben?» «Ja». Monate oder sogar Jahre hinziehen. um einen Kranken zu heilen?» «Manchmal dauert es sehr lange.» «Zehn Minuten sind eine Menge. Aber die Grenzen sind nach oben hin offen. dass ich mich in dieser Zeit voll konzentrieren und mein Denken abschalten muss. Ich habe nachgerechnet: Selbst wenn sie für einen Patienten fünfzehn Minuten braucht und dafür 250.» «Was für eine Idee?» * Entsprach damals (1994) etwa 50 US-Dollar. In meinem Kopf schien ein guter geschäftlicher Plan heranzureifen. meine Füße begannen zu schwitzen. die bis zu 30 Millionen Rubel** kosten können. Durch diesen Blick wurde mein ganzer Körper erwärmt. 22 .» «Zehn Minuten sind gar nichts! Manche Leute brauchen Jahre. Mir ist da eine Idee gekommen. dann verdient sie in einer Stunde eine Million Rubel.blinzeln. ** Ungefähr 6000 US-Dollar. um gesund zu werden. Wenn ein Arzt nicht helfen kann. antwortete Anastasia. dann zu einem Heiler oder einem Bioenergietherapeuten.» «Macht nichts.

Du wirst Sekretäre haben und einen Manager. wie dein Strahl funktioniert und welche Mechanismen dabei wirken?» «Ja. Wir gehen in eine Großstadt. mit mehr oder weniger 23 . Wenn ich durch meine Geistarbeit den Kleingärtnern helfe. und du wirst Kranke heilen. Behandelt man ihn aber liebevoll.. und wir werden ein schönes Einkommen haben. dass du das machst. Deinen Spaß sollst du ja haben — und gleichzeitig macht die Firma Gewinn. Arzte und Wissenschaftler wissen von ihr oder kennen ihre wohltuende Wirkung. Auch in eurer Welt ist diese Methode bekannt. Verstehst du die Art und Weise. Seminare besuchen und Erfahrungen austauschen.» «Was denn?» «Es macht mir Freude. Auch bestimmte Volksheiler wenden diese Methode an. und man bedankt sich noch nicht einmal bei dir. dass nicht alle . Du bekommst keinen Lohn. das sie umgebende Pflanzenreich besser zu verstehen.«Ich nehme dich mit. Die Medikamente helfen dann kaum. bis sie so funktioniert wie bei dir?» «Viele Wissenschaftler beschäftigen sich damit. Ich achte aber darauf. für die Behandlung zu zahlen?» «Was kümmert dich solcher Kleinkram? Du solltest dir um solche Dinge keine Gedanken machen. dich weiterbilden. mit den Patienten zu sprechen und sie aufzumuntern.» «Sie wissen aber gar nicht. und dort werde ich für dich eine ordentliche Praxis mieten. Ich mache Werbung. treibt mein Strahl ihre Krankheiten aus. Nichts bekommst du für deine Arbeit. diese Heilmethode weiter zu entwickeln..» «Und wenn jemand nicht genug Geld hat.» «Doch. jedenfalls manchmal. So tust du den Menschen Gutes.» «Kein Problem. Du sollst dich nur um die Heilung der Patienten kümmern. dass ein Patient in depressiver Stimmung schwer zu heilen ist. Die Ärzte haben längst bemerkt.» «Warum beschäftigt sich dann niemand damit. damit sich ihre Stimmung bessert. wird er schneller genesen.» «Aber ich heile doch bereits Menschen. In Krankenhäusern bemüht man sich.

kann ich meine Bestimmung erfüllen. und wie alle in eurer Welt sind auch sie verderblichen Gefühlen unterworfen. mein Zuhause und meine Heimat sind hier. In der Bibel ist viel von der Liebe die Rede. ärgerst du dich selten?» «Ich ärgere mich nie. Wir können ja einen Ort vereinbaren. wie der Effekt erzielt wird.» «Was sind das für verderbliche Gefühle. sondern auf das Ergebnis und den Nutzen. Sie alle rauben dem Menschen die Kraft. anders geht es nicht. Anastasia.» «Warum wirkt es bei den Ärzten und Heilern so schwach und bei dir so problemlos und so stark?» «Weil sie in eurer Welt leben.. Nichts verleiht dem Menschen so viel Kraft wie die Heimat und ein Umfeld der Liebe. dann heile eben aus der Ferne. wohin diejenigen kommen sollen.Erfolg. Das sollst du auch bekommen. und ich werde dir dabei helfen .» «Na gut. die geheilt werden wollen. du hast den Wunsch. um Menschen zu heilen?» «Wladimir.nur nicht auf diese Weise. wenn du nicht mitkommen willst. und was haben sie damit zu tun?» «Verderbliche Gefühle sind Zorn. Ich aber werde das lieber unentgeltlich tun. und du wirst sie zu einem bestimmten Zeitpunkt heilen. denn ich 24 . mit mir zu fahren. Eigentlich kommt es aber nicht darauf an. Ich kann den Menschen auch von hier aus helfen und sie aus der Ferne von ihren physischen Gebrechen befreien — mit Hilfe meines Strahls.. Einverstanden?» «Wladimir. Wir werden einen Zeitplan aufstellen. Außerdem kann ich nicht alle nacheinander behandeln. bist du einverstanden. denn dieses Gefühl hat eine sehr wohltuende Wirkung auf die Menschen. Nur wenn ich hier bleibe. Hass. geschaffen von seinen Eltern. und noch ein paar andere mehr. Sie werden zahlen. viel Geld zu haben. Jesus Christus und die Heiligen haben ebenfalls so geheilt. Es wirkt am stärksten. Neid . den man daraus ziehen kann. In eurer Welt wird die Behandlung bezahlt. Sag. Anastasia.» «Und du. ich weiß. Ärger. Eifersucht.» «Na gut.

Es ist immer gut. in welchen Fällen die Heilung von Nutzen ist und in welchen sie schadet. ich habe das selbst erlebt. Schlag dir diese Zweifel ein für allemal aus dem Kopf. wenn sie nicht gut durchdacht ist und wenn der Kranke nicht am Heilungsprozess beteiligt ist.. Wladimir. Was soll das?» 25 . Deshalb haben sich deine Vorstellungen von gut und schlecht ins Gegenteil verkehrt.» «Sieh mal. Großvater hat mir an einem Beispiel gezeigt. nein. und auch darin wird das Heilen nicht getadelt. welchen Schaden eine Heilung anrichten kann. obwohl sie nicht unentgeltlich arbeiten. Die Ärzte werden in unserer Gesellschaft seit jeher geachtet.» «Blödsinn! Wie kann Heilung jemandem schaden? Oder meinst du. einen Menschen zu heilen.» «Welch seltsame Philosophie ihr doch habt! Ich schlage dir ein gemeinsames Geschäft vor.» «Anastasia. Du verweist doch so oft auf die Bibel. Die Heilung physischer Krankheiten schadet oft dem Geheilten selbst.weiß nicht. sie könnte dir schaden?» «Nein.. und du kommst mir mit Beispielen daher. du philosophierst zu viel.

Sie machte Gemüse aus ihrem Garten ein und gab ihm alle Einweckgläser mit. Er bewarb sich an verschiedenen Hochschulen. Sie hatte ihn spät geboren und war unverheiratet geblieben. sondern verkaufte sie. Jedes Mal durchfuhr sie dabei ein heftiger Schmerz. Dann beobachtete ich sie eine Zeit lang nicht mehr. die in ihrem Garten arbeitete. dass die Alte die Ernte in einem Körbchen zu belebten Orten brachte. die dort gediehen. Ihr Garten war sehr klein. war sie sehr krank. dass er ein guter Maler wird. Sie lebte von diesem Traum. Der Sohn konnte als Kind gut malen. aß sie kaum selber etwas. um ihrem Sohn zu helfen. Doch sie erwies sich als sehr erfinde26 . und es war seither ihr Traum gewesen. aber es gab eine Menge Pflanzen. schlank und immer guten Mutes und erregte sogleich meine Aufmerksamkeit. Sie war rüstig. Zweimal im Jahr besuchte er seine alte Mutter. Sie brauchte das Geld.3 Geheilt . dass er einmal Kunstmaler wird. sich bei der Arbeit im Garten zu bücken. die bei euch teuer sind. Als ich sie das nächste Mal sah.aber um welchen Preis! «Einmal sah ich mit meinem Strahl eine alte. Sie liebte ihn über alles und träumte davon. weil sie alles mit Liebe tat. Dann sah ich. Es fiel ihr schwer. und für seine Ankunft sparte sie immer Geld und Lebensmittel. Die Alte war herzensgut und lebensfroh. Die Verwandten wollten nichts von ihr wissen. um sie zu verkaufen. Von den ersten Früchten. einsame Frau. Endlich wurde er aufgenommen. Für sie war das jedes Mal eine Riesenfreude.

er habe das Studium aufgegeben. Später kam Großvater. dass sie bald sterben musste.risch. Ich bemerkte einen Widerstand gegen den Strahl. Maler zu werden. begann ich sie mit meinem Strahl zu erwärmen und die Krankheiten aus ihrem Körper auszutreiben. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich erzählte ihm von der Alten und fragte ihn. Er habe geheiratet und gehe jetzt einer anderen Beschäf27 . Dann kam der Sohn zu Besuch — etwas früher als gewöhnlich. dann sagte er: <Ihren Körper hast du geheilt. und das zu Recht. da er keinen Wunsch mehr habe. indem sie sich auf der Sitzfläche eines ausgedienten Schemels zwischen den Beeten langsam vorwärts bewegte. es läge vielleicht daran. und als sie sich einmal schlafen gelegt hatte. bis ich mein Ziel erreichte und sie geheilt war. . Er blieb nur für zwei Tage und teilte ihr mit. Aber vor ihrem Tod wollte sie noch die Ernte einbringen und Wintervorräte für ihren Sohn anlegen. Die Pflanzen spürten die Anwesenheit der Alten und reagierten entsprechend. So dauerte es mehr als zehn Minuten. dass sie kaum etwas von den Früchten selber aß. Stattdessen verkaufte sie sie und erwarb sich von dem Erlös billige Ware. Die Alte wusste. schmale Beete an und jätete Unkraut. Er schwieg. Sie freute sich auf ihre Ernte. und um ihren Sohn vor Schwierigkeiten zu bewahren. mir das zu erklären. denn das Gemüse gedieh prächtig. und ihrer Seele sollst du etwas angetan haben? Meinte er das so?» Anastasia seufzte und fuhr fort: «Die Alte starb nicht. machte aber weiter. wie es angehen konnte. ich hätte etwas Schlechtes getan. Ich dachte. .. Ich beschloss also. Sie wurde wieder gesund. Er überlegte eine Weile und sagte schließlich.. dass sie trotz ihres engen Kontaktes mit den Pflanzen ihres Gartens so krank wurde. Ich habe mir damals nicht überlegt. und etwas enttäuscht bat ich Großvater. was es mit dem Widerstand gegen den Strahl auf sich hatte.>» « . ihr zu helfen. Dabei zog sie einen Korb an einer Schnur hinter sich her. hatte sie sich im Voraus einen Sarg und einen Kranz besorgt sowie alle anderen Vorbereitungen für ihre eigene Beerdigung selbst getroffen. Sie legte lange.

Zwei Wochen später starb sie. Die Alte saß am nächsten Morgen vor dem Haus und sah sich ihr Gärtlein an . aber kein Leben mehr darin. Mutter>. <Sorge dich lieber um deine eigene Ernährung. ohne etwas mitzunehmen. sagte er. und das war viel schlimmer als der physische Tod. Hätte ich ihren Körper nicht geheilt. Ich sah.» 28 . Von nun an werde er genügend Geld haben. So fuhr er fort. wäre die Alte rechtzeitig gestorben.Leere. mit einem schönen Traum und voller Zuversicht. ja ich fühlte die furchtbare Leere und die Ausdruckslosigkeit in ihrer Seele. Sie solle künftig keine Einmachgläser mehr für ihn vorbereiten. So aber war sie noch zu Lebzeiten tot. Stell dir vor: ein gesunder Körper. denn der Transport sei teurer geworden. Trauer und Resignation standen in ihren Augen.tigung nach.

was der Große Göttliche Geist ihnen mitteilen will. an deinen Verstand zu appellieren. Wie sonst sollte Er sich dir mitteilen? Wenn Er dir zum Beispiel sagen will: <Stopf dir den Magen nicht mit all dem Abfall voll!>. Jetzt weiß ich: Es ist möglich! Und noch etwas erkannte ich: Physische Erkrankungen entstehen beim Menschen nicht nur durch die Trennung von der Natur und die dunklen Gefühle. ob so etwas möglich ist.» «Willst du damit sagen. die er in sich aufkommen lässt. doch die Hilfe sollte in erster Linie darin bestehen. die Ursachen der Krankheit zu erkennen. man sollte nicht versuchen. dass eine physische Krankheit nichts ist im Vergleich zu seelischen Qualen.4 Ein vertrauliches Gespräch «Mir war klar. Ich wollte herausfinden. so hilft es nichts. aber damals war ich noch außerstande. Krankheiten können nämlich auch als Warnzeichen dienen oder den Menschen sogar vor großen Qualen bewahren. und wenn ja. kranke Menschen zu heilen? Sollte man ihnen nicht helfen?» «Helfen schon. wie man das tun kann. Der Schmerz eines Menschen ist auch Sein Schmerz.mit dem Menschen kommuniziert. wie der Kosmische Geist . Deshalb wirst du halt durch Schmerzen wach gerufen. Aber das ist nicht leicht. Denn der Schmerz ist wie ein vertrauliches Gespräch 29 .Gott . Man sollte den Menschen helfen zu verstehen. Die Krankheit ist eine der Arten. Du aber schluckst einfach Schmerztabletten und bleibst stur deinen alten Wegen treu. die Seele zu heilen. und man kann sich dabei auch täuschen.

wie man sich selbst von vielen Krankheiten befreien kann . Anastasia dazu zu bringen. Wenn du wirklich den Menschen und dir selbst helfen willst und nicht bloß am Geld interessiert bist. oft schadet sie sogar dem betreffenden Menschen.» Mir wurde klar: Es war unmöglich. viele Pflanzen und das rechte Verständnis von sich selbst und der eigenen Bestimmung. denn gerade sie waren ja die Ursachen deiner Krankheiten.. Also gut. Wladimir. mit denen man bei der Einmischung von Unbefugten in das Schicksal eines Menschen rechnen muss. es sei denn. Die Einmischung eines Dritten hilft da nicht. All diese Dinge können sowohl in physischer als auch in seelischer Hinsicht Enormes bewirken. die einander gut kennen.» «Wieso hast du denn meine Erkrankungen ausgetrieben? Hast du mir damit am Ende etwa geschadet?» «All deine Krankheiten werden zu dir zurückkommen. wenn du deine Lebensweise und die Beziehung zu deinen Mitmenschen und deiner Umwelt nicht änderst.ohne die unerwünschten Folgen. Ich habe dir bereits gesagt. mit ihren heilerischen Fähigkeiten Geld zu verdienen. Durch 30 . Falls du dir das anhören möchtest.zweier Personen. das Fehlen von Nah. Mein geschäftlicher Plan war jedenfalls gescheitert. sie selbst wäre davon überzeugt. dann erzähl mal!» «Es gibt da ein paar Hauptursachen für das Erkranken des menschlichen Körpers: negative Gefühle und Emotionen. Du musst einige deiner Gewohnheiten aufgeben. Was den physischen Krankheiten entgegenwirkt. Deiner Seele habe ich keinen Schaden zugefügt. Anastasia bemerkte wohl meinen Verdruss darüber und sagte: «Sei nicht traurig. werde ich dir verraten. sind positive Gefühle.und Fernzielen sowie falsche Vorstellungen von sich selbst und der eigenen Bestimmung. wie man in eurer Welt den verloren gegangenen Kontakt zu den Pflanzen wiederherstellen kann.» «Was bleibt mir anderes übrig? Du lässt dich ja doch nicht umstimmen. eine unnatürliche Ernährungsweise — auch die Art und Zusammensetzung der Nahrung spielt dabei eine wichtige Rolle —.. im Gegenteil.

indem du an etwas Gutes. Mit Hilfe dieser Erinnerung kannst du die Seligkeit von damals verspüren. Du kannst dich aber auch direkt an die angenehmsten 31 . versuch es nur. und wie man sie hervorrufen kann.zum Beispiel.den persönlichen und unmittelbaren Kontakt mit den Pflanzen wird jede weitere Erkenntnis leichter. wenn man Zahnschmerzen oder Magenweh hat?» «Reine. Komm. kann mit ihrer Hilfe seine eigenen Schmerzen lindern und seinen Körper heilen. lichte Augenblicke erlebt. ob auch ich solche Gefühle hatte und wie stark sie waren . Ansonsten kann dir dein Schutzengel nicht helfen.» «Das kannst du mit Hilfe der Erinnerungen tun . indem du deinen Mitmenschen etwas Gutes tust. wenn wir unseren Mitmenschen mit aufrichtiger Liebe begegnen..» «Ich wüsste gern. Angenehmes aus deiner Vergangenheit denkst. Sie entstehen dann. Und jeder.» «Was heißt hier <positive Emotionen erwecken>? Wie soll man an etwas Gutes denken können.. Außerdem kann man mit dem Strahl der Liebe viele Krankheiten seiner Nächsten heilen und sogar ihr Leben verlängern. Oder du gehst gedanklich zurück in deine Kindheit und gehst von da an vorwärts bis zum heutigen Tag. Lass also eine solche Situation entstehen.» «Gut.» «Dann leg dich bitte aufs Gras und entspanne dich. Willst du es gleich ausprobieren? Ich helfe dir.» «Und wenn jemand nicht genügend reine. damit sie kommen. indem man um sie herum eine Atmosphäre der Liebe schafft. er vermag auf diese Weise sogar Gift zu widerstehen. lass es uns probieren. der positive Emotionen in sich zu erwecken weiß. was soll er dann tun?» «Sofort etwas unternehmen. Du kannst mit dem heutigen Tag beginnen und in deinen Erinnerungen zurück in die Vergangenheit schweifen. lichte Augenblicke des Lebens und positive Emotionen sind wie Schutzengel und können den Schmerz und die Krankheit überwinden.

Minuten deines Lebens und die damit verbundenen Empfindungen erinnern. Wenn du beginnst. Dann wirst du die Berührung meiner Hand auch nicht mehr spüren. und sagte: <Ich würde lieber allein sein.>» «Ich werde ganz leise bleiben.» 32 . ihre Anwesenheit könnte mich in meiner Konzentration auf meine Erinnerung stören. dich zu erinnern. dich schneller und deutlicher zu erinnern. Ich dachte. wirst du mich vergessen. Ich werde dir helfen. Anastasia legte sich neben mich und ließ ihre Finger auf den meinen ruhen.» Ich legte mich also aufs Gras.

Keines der Ereignisse aus meinem Leben rief solch positive Gefühle hervor. sondern als Geschenke Anastasias. es ginge mir prima. als ich mit ein paar Dorfjungen im Sand spielte. oder solche Gefühle. Neue Autos. wie sie sie mir offenbart hatte. weil ich jene schönen Empfindungen nicht als meine eigenen erachte. als sie die Rhythmen der uns umgebenden Natur auf den Rhythmus meines Herzens einstimmte (siehe das Kapitel «Wie im Paradies» in Band 1). Meine Erinnerungen reichten bis zu einer Szene. wo bist du? Die Chronik meines Lebens führte mich zurück in meine Kindheit. dann hielten sie an. was ich wollte. konnte aber nichts dergleichen finden. Eine unerklärliche Unruhe lastete mir auf der Seele.5 Schutzengel. etwas zu erreichen oder zu bekommen. Zwar bekam ich meist. Immer wieder ließ ich die Erinnerungen aus meinem Leben vor meinem geistigen Auge wie einen Film hin und her spulen. Geschenke und Gratulationen . Ich sage «offenbart». wie ich sie an jenem Morgen nach der mit Anastasia verbrachten Nacht empfunden hatte. Bankette. Alle meine Erlebnisse waren von dem Streben geprägt. Besonders in den letzten Jahren. Unwillkürlich verglich ich diese Augenblicke der Seligkeit mit allem anderen. was ich erlebt hatte. Stattdessen erwachte in mir ein neuer Wunsch. doch innere Zufriedenheit wollte sich nicht einstellen. Frauen. wo alle meinten.all das kam mir nichtig und leer vor. fühlte ich mich mehr und mehr verwirrt. 33 .

» «Künstlich geschaffene materielle Produkte und bestimmte Mechanismen zeichnen sich gerade dadurch aus. Dort tranken wir ein Glas Sekt und unterhielten uns.. sonst würde die Sanitätsbehörde unsere Fahrt nicht genehmigen. nachdem du das Schiff betreten hattest?» «Sieh mal.» «Und die Sorgen und Probleme. was wirklich Bedeutung und Sinn hat. Der Pachtvertrag war unterschrieben. Sag. dass sie mehr Proble34 . aber auch in ihnen störte mich etwas. es von außen zu betrachten. die mit der Arbeit am Schiff verbunden waren.Teils über mich selbst.» Auch Anastasia erhob sich.. die Wasserrohre müssten dringend gereinigt werden. an der das prachtvolle Schiff lag. Er sprach auch noch über andere Dinge . sprang ich auf und sagte: «Es gibt keine heilsamen Empfindungen im Leben der Menschen .» «Natürlich. und bei vielen anderen sicher auch nicht. sodass ich nicht vollends glücklich war. Du hast soeben dein Leben Revue passieren lassen.» «Was waren das für Situationen?» «Zu Beginn der Perestroika gelang es mir. teils über Anastasia verärgert. Es war das beste Passagierschiff der westsibirischen Flussschifffahrt .» «Hat sich deine Freude gesteigert.. was?» «Zuerst solltest du erkennen. Doch obwohl es dir möglich war. für längere Zeit ein Schiff zu pachten. hast du nichts Bedeutsames darin entdecken können. Du hast dich nur an deine gewohnten Werte geklammert. in unserem Leben gibt es viele verschiedene Probleme .<Michail Kalinin> hieß es.zumindest bei mir nicht. und wir gingen in seine Kajüte. was soll ich denn entstehen lassen? Sag mir. Als ich an Deck ging. begegnete ich dem Kapitän. lasteten dann alle auf dir.» «Ja. Er sagte. Wladimir. und ging zum ersten Mal an Deck.. wann hast du dich auch nur annähernd glücklich gefühlt?» «Es gab zwei solche Situationen. Und es gab eine ganze Reihe von Problemen zu bewältigen. und sie sprach ruhig: «Dann musst du sie so schnell wie möglich entstehen lassen. Ich fuhr zur Anlegestelle. Anastasia.

Es hat keine Bedeutung. Kerzenlicht. Wladimir?» «Das spielt keine Rolle. das ist egal. es brächte nur Probleme!» «Und wie ging die Geschichte weiter. mein Herz schlug freudig. Sie wies mich nicht ab. um mit ihr allein zu sein.me bringen als Freude.und da sagst du. sondern erwiderte meine Umarmung. Als ich dann das Schiff bekam. Wladimir. Das alles hatte ich dem Schiff zu verdanken . Die Hilfe. herrlicher Wein. Ihre Figur..» «Ich sagte doch schon. Ich zog sie an mich. einfach umwerfend. Selbst wenn dir alle Güter der Welt gehörten. und doch maßt du dir ein Urteil an. Dann ließ ich das Schiff ablegen. Ich war total in eine Frau verliebt.» «Was hast du bekommen?» «Eben die Liebe — einfach so. Musik . Sie war bei mir. Sie aber wollte nicht gerne mit mir ausgehen oder mit mir allein sein. und wir fuhren den Fluss entlang..» 35 . ihre Brüste .» «Zum Beispiel?» «Sogar Liebe. ist illusorisch.» «Künstlich geschaffene Dinge haben keinen Einfluss auf die Liebe. wie toll das war?! Ich und sie an einem Tisch in der Schiffbar. lud ich sie ein. Sekt. Kannst du dir vorstellen. und ich forderte sie zum Tanz auf. was sich dort auf dem Schiff zwischen dir und der Frau abgespielt hat?» «Also meinetwegen. und sie sagte zu.» «Darf ich dir dann vielleicht erzählen. die sie den Menschen bieten. mehrere Jahre lang. Mag sein. dann küsste ich ihre Lippen.» «Da bin ich anderer Meinung. dass sie Probleme bereiten.» «Erinnere dich bitte trotzdem.» «Du kennst unsere Frauen doch gar nicht. könntest du damit nicht die echte Liebe auch nur einer Frau gewinnen. Ich hatte extra niemand mit an Bord genommen. und ich konnte sie anfassen und küssen. Die Bar war sonst leer. In der Bar spielte Musik.und niemand dabei. Aber lass dir gesagt sein: Ich habe sie tatsächlich bekommen. aber dafür kann man mit ihrer Hilfe eine Menge erreichen. dass sie repariert und gewartet werden müssen.

warum?» «Warum?» «Es gab einen Moment.» «Wie soll ich das verstehen?» «Unserer Begegnung können viele Bestrebungen deiner und meiner Seele.» «Und mein Kirschbäumchen?» «Du hast mehrmals dein Leben durchgesehen. Ihm ist es schließlich auch zu verdanken. aber instinktiv spürtest du.» «Hör auf. Ihr wart beide in den Händen der toten Materie. dass wir beide uns begegnet sind. Trotz allem hat das Schiff für mich eine wichtige Rolle gespielt.«Du trankst eine Menge Alkohol . entrücktes Lächeln. vielleicht auch die unserer entfernten oder nahen Vorfahren vorausgegangen sein — vielleicht auch bloß die Regung des Kirschbäumchens im Garten deines Landhauses. Und nur jene Regungen und Bemühungen der Seele spiegeln sich im irdischen Dasein wider. was das zu bedeuten hatte. denn ihr hattet eure lebendigen Gefühle und all euer Streben an sie gebunden und damit getötet. aber dieses Bäumchen und deine durch es entstandenen Gefühle hast du nicht beach36 . nur ihr Schwung und ihr Flügelschlag werden vom Spiegel des Firmaments reflektiert. Anastasia! Diese Erinnerungen sind mir unangenehm. Und weißt du auch. Dort schliefst du dir in einer kleinen Matrosenkajüte den Rausch aus . Nur sie beeinflussen die Zukunft. sondern mit meinem Liebsten!> Deine Geliebte träumte von einem anderen. sondern ihm gehörte.so viel du nur konntest. Und davon. ein abwesendes. Dann gabst du ihr den Schlüssel zu deiner Luxuskajüte. Du wusstest nicht genau. würde ich nicht mit Herrn Megre allein in dieser Schiffbar sitzen. dass das Schiff nicht dir. wo du einen seltsamen Gesichtsausdruck bei deiner Geliebten entdecktest. Auf keinen Fall aber hat dein Schiff etwas damit zu tun. dem sie ihr Herz geschenkt hatte. du selbst aber stiegst hinab in den Laderaum. dass sie träumte: <Wie glücklich wäre ich.fast vierundzwanzig Stunden hast du geschlafen.» «Die Ereignisse der Gegenwart werden durch die Gefühle und seelischen Regungen der Vergangenheit vorbereitet.

tet. Aber gerade sie sind innerhalb deiner vergangenen Lebensjahre von wesentlicher Bedeutung. Auf dein Schiff hat der Kosmos nicht reagiert. Überleg doch mal: Welche Bedeutung kann dieses primitive, ratternde Ungetüm, das weder denken noch sich selbst reparieren kann, für den Kosmos wohl haben? Das Kirschbäumchen hingegen, das kleine sibirische Kirschbäumchen, für das du nicht einmal einen Platz in deiner Erinnerung hast, brachte die Weiten des Weltalls in Erregung und veränderte den Lauf von Ereignissen, die nicht nur dich und mich betreffen. Denn es ist lebendig und wie alles Lebendige untrennbar mit dem Weltall verbunden.»

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Das Kirschbäumchen
«Wladimir, bitte erinnere dich an alles, was mit diesem Bäumchen zusammenhängt, angefangen vom ersten Moment deiner Berührung mit ihm.» «Ich will es versuchen, wenn es dir so wichtig ist.» «Ja, das ist es.» «Ich fuhr mit dem Auto - wohin, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls ließ ich den Fahrer beim Zentralmarkt anhalten und bat ihn, auszusteigen und Obst zu kaufen. Ich blieb im Auto sitzen und beobachtete, wie die Menschen alle möglichen Arten von Setzlingen vom Markt mitbrachten.» «Du sahst sie und wundertest dich. Worüber?» «Stell dir vor, sie hatten frohe, zufriedene Gesichter. Draußen regnete es, es war kalt, und sie schleppten Setzlinge, deren Wurzeln mit Tüchern umwickelt waren. Sie hatten ganz schön zu tragen, waren aber dennoch zufrieden. Und ich — ich saß im warmen Auto und fühlte mich mies. Als mein Fahrer zurückkehrte, ging ich auf den Markt. Ich ging von einem Verkaufsstand zum nächsten und kaufte schließlich drei junge Kirschbaumsetzlinge. Als ich sie in den Kofferraum legte, sagte der Fahrer, einer von ihnen werde nicht wachsen, weil seine Wurzeln zu stark gestutzt seien. Besser, ich würde ihn gleich wegwerfen. Ich behielt ihn jedoch, denn er war von besonders edlem Wuchs. Dann pflanzte ich die Setzlinge im Garten meines Landhauses. Für das Bäumchen mit den zu kurz abgeschnit38

tenen Wurzeln hob ich eine größere Setzgrube aus und gab mehr Humus, Torfkrumen und Dünger hinein.» «Mit deinem Versuch, ihm zu helfen, hast du noch zwei weitere Wurzeln des Bäumchens zerstört. Der Dünger hat sie verbrannt.» «Aber es hat überlebt! Im Frühling, als überall die ersten Knospen sprossen, erwachten seine Zweige zu neuem Leben und brachten kleine Blätter hervor. Später dann bin ich auf Geschäftsreise gegangen.» «Ja, aber zuvor bist du mehr als zwei Monate lang täglich zu deinem Landhaus gefahren und bist als erstes zu dem Kirschbäumchen gegangen. Manchmal hast du seine Zweige gestreichelt. Du freutest dich über seine Blätter und gabst ihm Wasser. Du triebst einen Pflock in die Erde und bandst seinen Stamm daran fest, damit der Wind dem Bäumchen nichts anhaben konnte. — Was denkst du, Wladimir, reagieren die Pflanzen auf das Verhältnis der Menschen zu ihnen? Spüren sie, ob es gut oder schlecht ist?» «Irgendwo habe ich gehört oder gelesen, dass Zimmerpflanzen und Blumen darauf reagieren. Sie können sogar verwelken, wenn derjenige, der sie pflegt, verreist. Auch weiß ich von wissenschaftlichen Experimenten, bei denen Pflanzen an Sensoren angeschlossen wurden. Die Zeiger der Geräte schlugen in die eine oder andere Richtung aus, je nachdem, ob sich ihnen ein Mensch mit aggressiven oder mit liebevollen Gefühlen näherte.» «Dir ist also bekannt, dass Pflanzen auf menschliche Gefühle reagieren. Und gemäß dem Plan des Großen Schöpfers bemühen sie sich, alles für die Lebenserhaltung des Menschen zu tun: Einige bringen Früchte hervor, andere erwecken mit ihren schönen Blumen freudige Gefühle, und wieder andere reichern die Atemluft mit Sauerstoff an, Die Pflanzen haben aber noch eine weitere, nicht minder wichtige Bestimmung. Jene Pflanzen, mit denen der Mensch einen Austausch pflegt, schaffen für ihn ein Umfeld wahrer Liebe. Ohne diese Liebe wäre das Leben auf Erden gar nicht möglich. Viele Kleingärtner zieht es zu ihrem Garten hin, weil sie dort dieses Umfeld vorfinden. Auch das sibirische Kirschbäumchen, das du
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gepflanzt hattest und für das du sorgtest, war bestrebt, dieser seiner Bestimmung zu folgen. Und wenn jemand sich um eine genügend große Vielfalt von Pflanzen kümmert und sie in Liebe berührt, können sie für ihn ein derart mächtiges Umfeld der Liebe schaffen, dass es die Seele positiv beeinflussen und den Körper heilen kann. Dazu müssen aber viele Pflanzen zusammen wirken. Du jedoch sorgtest nur für eine einzige Pflanze. Deshalb war das sibirische Kirschbäumchen bemüht, ganz allein das zu tun, wozu normalerweise nur etliche Pflanzen zusammen in der Lage sind. Sein Bestreben liegt in deiner besonderen Beziehung zu ihm begründet. Innerlich spürtest du, dass es außer diesem kleinen Kirschbaum niemand in deiner Umgebung gab, der nichts von dir wollte und dir nichts vormachte, sondern nur darauf bedacht war zu geben. Deshalb gingst du nach stressreichen Tagen ermüdet in deinen Garten, tratst vor das Kirschbäumchen und sahst es an, und das Bäumchen gab sich deinetwegen große Mühe. Bereits vor Sonnenaufgang suchten seine Blätter die Reflexion der ersten Sonnenstrahlen am Morgenhimmel zu erhäschen. Und nach Sonnenuntergang machte es sich sogar das Licht des Abendsterns zunutze. Und all das klappte ganz gut. Seine Wurzeln vermieden die ätzenden Düngemittel und waren in der Lage, dem Boden die nötigen Nährstoffe zu entnehmen. Der Saft der Erde floss etwas schneller durch seine Adern, als es gewöhnlich der Fall ist. Eines Tages entdecktest du kleine Blüten an seinen Zweigen. Die anderen Setzlinge hatten keine Blüten, dein Lieblingsbaum aber hatte welche. Du hast dich sehr darüber gefreut und warst guter Laune, und dann ... Erinnerst du dich, was du getan hast, als du die Blüten erblicktest, Wladimir?» «Ich habe mich tatsächlich darüber gefreut. Aus irgendeinem Grund war ich plötzlich guter Dinge, und ich habe seine Zweige gestreichelt.» «Ja, du hast seine Zweige zärtlich gestreichelt, und dann sagtest du: <Schau mal einer an, meine Schöne - du blühst ja!> Bäume, Wladimir, bringen nicht nur Früchte hervor, sie bilden auch einen Raum der Liebe. Das Kirschbäumchen hatte den sehnlichen Wunsch, dass.auch du von einer solchen Atmosphäre umgeben bist.
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» «Ach. Dabei aßest du Kirschen. Wladimir. dir all das zurückzugeben. Du standst also ermüdet vor dem Baum und spucktest die Kerne der auf dem Markt gekauften Kirschen aus. Daher wollte es noch mehr für dich tun — allein. Bei deinem Bäumchen angekommen. Wie dem auch sei. der auf deiner Handfläche lag. dass es ebenfalls Früchte trug — drei rote Kirschen hingen daran. Dann nahmst du eine der Kirschen vom Baum und probiertest sie. Und dann . Ich war einfach guter Laune. Außerdem war diese eine Kirsche wirklich saurer gewesen als die anderen. Sie war ein wenig saurer als die Marktkirschen. Es ließ sogar einen seiner Zweige vertrocknen.» «Und mit der Kirsche ist etwas Unglaubliches geschehen. Du hast dich gebückt und ein Blatt des Zweiges geküsst. ? 41 . sahst du. Was konnte sie noch für dich tun.Doch woher sollte es die Kraft nehmen. und so ließt du die zwei übrigen hängen.» «Ja. was es konnte. Nach deiner Rückkehr gingst du sofort in deinen Garten. ich habe noch einmal die Zweige des Bäumchens gestreichelt. wie viel Gutes.» «Ich hatte mich an den anderen Kirschen bereits satt gegessen. nur damit diese drei Früchte reifen konnten. das habe ich.. was es von dir bekommen hatte? Es hatte ja bereits alles gegeben. die du auf dem Markt gekauft hattest. da du die von ihr hervorgebrachten Früchte noch nicht einmal angenommen hast? Was . wie es war! Dann fuhrst du für lange Zeit auf Geschäftsreise. weißt du noch..» «Ich habe das alles ja nicht gewusst. dass dieser Baum Früchte trug. und nun erhielt es noch diese besondere Zuwendung von dir. die anderen hast du nicht angerührt... was du dann getan hast?» «Ich? Nun ja. jedenfalls freute ich mich darüber. wie viel Energie und Liebe in diesen kleinen Früchten für dich enthalten war! Aus dem Innern der Erde und aus den Weiten des Kosmos hat das Kirschbäumchen alles für dich Nützliche gesammelt und diese drei Früchte damit versehen.» «Nicht nur gestreichelt. wenn du wüsstest. das freute dich.» «Ja. Du hast nur eine gegessen. um nach dem Kirschbäumchen zu schauen.

ist einzig und allein meine Beziehung. und nach den kosmischen Gesetzen kann reine Liebe durch nichts zerstört werden. Die Kirsche aber blieb am Leben. die all das zurückgeben wollte. Die lichten Mächte wussten nicht. und so schwirrte er kreuz und quer durchs Weltall und kam nicht zur Verwirklichung. ihn mit ihren lichten Gefühlen der Liebe zu erwärmen. ihm ihren Liebeskuss zu schenken. wie sie sonst nur einem Menschen eigen sind. weil ihre Gefühle. und er war ungewöhnlich rein und ungestüm. um ihr Anliegen zu verwirklichen. Schwer zu sagen. Ich kam auf euer Schiff. auf wen sich dieser Wunsch bezog. Ihr feuriger Wunsch blieb unverändert.» «Dein Verhältnis zu mir entstand also aus deinem Wunsch heraus. Allein auf sich gestellt. Die Erkenntnis der Unmöglichkeit. Bestrebungen und Gedanken ungewöhnlich rein waren. und in die lichten Weiten des Universums stiegen Gefühle und Gedanken auf. für dich einen Raum der Liebe zu schaffen.Sie erzitterte von dem Kuss eines Menschen. aber es waren die Gefühle und Gedanken der kleinen sibirischen Kirsche. Nun schwebte also der liebende Geist der Kirsche über dir. bedeutete im Prinzip den Tod. damit sie ihn in sich zerstören und selbst überleben konnte. Die Wirklichkeit muss jeder für sich selbst wahrnehmen. Die lichten Mächte schickten den Gedanken an die Kirsche zurück. diesen Wunsch zu verwirklichen. Doch dieser Gedanke widersprach allen kosmischen Gesetzen. der Kirsche bei der Verwirklichung ihres Wunsches behilflich zu sein. Wladimir. was sie von dem Menschen erhalten hatte. Den Tod erlitt sie aus dem Grunde nicht. Ich wusste aber nicht. war dieses Wesen bestrebt. den Wunsch der Kirsche zu verwirklichen? Darf ich dich anstelle der Kirsche küssen?» 42 . dem Kirschbäumchen zu helfen?» «Meine Beziehung zu dir. Alles im Weltall ist miteinander vernetzt. Würdest du mir aber jetzt erlauben. Aber sie nahm den Gedanken nicht an. denn der große Schöpfer ändert ja Seine Harmoniegesetze nicht. was sie tun sollten. Sie wünschte sich so sehr. um zu versuchen. wer wem hilft: die Kirsche mir oder ich der Kirsche.

Was geht wohl im Innern dieser Taiga-Eremitin vor? Woher nimmt sie ihr enormes Wissen und ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten. und was hat es mit ihren starken Gefühlen auf sich? Oder ist all das. Sie legte die Hände an ihre Brüste und flüsterte: «Liebe Kirsche.«Natürlich. Beim Küssen spielt die Bewegung der Lippen. Er rief eine mir unbekannte.» Dann legte Anastasia schnell ihre Hände auf meine Schultern. Es wird dein Kuss sein. Ein seltsamer Kuss war das . Vielmehr kommt es darauf an. was du immer tun wolltest. was sie sagt. und ohne die Augen zu öffnen.» Anastasia schloss die Augen. der Zunge oder des Körpers anscheinend gar keine Rolle. Dieser Kuss war so anders als all die Küsse. die ich selbst erlebte. Und wenn ich nach Hause komme. 43 . etwas Licht in dieses Geheimnis bringen. an die ich mich erinnern konnte. nur das Produkt ihrer Einbildungskraft? Doch wie wären dann die außerordentlich beglückenden. die ich mit ihr erlebte? Vielleicht kann ja die folgende Begebenheit.eine bloße Lippenberührung. werde ich alle ihre Früchte essen. ich weiß. berührte mit ihren Lippen meine Wange und hielt inne. näherte sie sich mir. Ich werde jetzt das tun. was dabei im Innern des Menschen vorgeht. bezaubernden und erwärmenden Emotionen in mir zu erklären. ungewöhnlich angenehme Empfindung in mir hervor. dass du es spürst.

und nicht die richtigen Worte fand. Dann sprach Anastasia streng: «Antworte mir! Gib mir jetzt eine Erklärung! Gib sie mir!» Dabei schüttelte sie den Kopf und stampfte sogar mit dem Fuß auf. mal mit jemandem hoch oben zu sprechen.7 Wer ist schuld? Einmal. geschah Folgendes: Auf einmal wandte sich Anastasia der klingenden Zeder zu. als Anastasia versuchte. legte die Hände an deren Stamm und verhielt sich auf mir unerklärliche Weise. bald einzelne Laute. Er leuchtete bläulich und schien von nebliger. Von den nach unten gerichteten Nadeln der Zeder gingen ebensolche wolkigen. das von der Krone der klingenden Zeder ausging. Das knisternde Klingen der Zeder nahm zu. Das blasse Leuchten. Sie schien etwas erklären oder beweisen zu wollen. dann trennte sich der Strahl plötzlich von der Zeder und schoss entweder in die Höhe oder löste sich auf. schien sie mal mit der Zeder. Jedenfalls entstand sogleich ein neuer Strahl. kaum sichtbaren Strahlen aus. Den Kopf nach oben gerichtet. von oben her auf die Zeder hinab gerichtet. Hin und wieder nahm ihr Monolog einen fordernden Unterton an. aber in ihren Worten lag auch ein Flehen. wolkiger Konsistenz zu sein. und auch ihr Strahl wurde heller und stärker. mir etwas über ihre Lebensweise und ihren Glauben zu erklären. Sie kamen auf Ana44 . Dabei gab sie leidenschaftlich und selbstvergessen bald ganze Worte von sich. verdichtete sich zu einem Strahl.

aber sein ganzes Auftreten zeugte davon. und ging dann auf Anastasia zu. schüttelte mir freund45 . Es schien. aber es kam mir so vor. Er kam auf mich zu. berührten sie aber nicht. wie mit einem Blitzlicht. wobei er teilweise in sie einzugehen schien. erlosch. die sich nur allmählich wieder verflüchtigte. blieb unvermittelt stehen und blickte an mir vorbei. Dann verzog sich der Nebel um Anastasia. der von der Zeder ausging. so als lösten sie sich in Luft auf. genauso wie die vielen kleinen Strahlen aus den Nadeln. der ihm als Wanderstab diente. herzensguter Mann von heiterem Gemüt war. Anastasias Urgroßvater stand schweigend da. blieb er stehen. sondern verschwanden gleichsam. Der Großvater wirkte etwas rastlos. Er stützte sich auf einen Stock. dann in einem halben Meter Abstand von Anastasia. als schaute er durch mich hindurch. Ich war mir nicht einmal sicher. sondern verflüchtigte sich vorher. Voran schritt gemächlich der hoch gewachsene. machte einen Schritt auf mich zu. Um Anastasia herum entstand eine Art Nebelwolke. wie ihr Großvater und ihr Urgroßvater die Lichtung betraten. ob er mich überhaupt sah. Er sah in meine Richtung. ohne mich zu grüßen oder auch nur ein Wort zu sagen. Und als sie wieder ungeduldig mit dem Fuß aufstampfte und mit den Händen an den gewaltigen Stamm der klingenden Zeder schlug. Da schoss plötzlich der Strahl auf sie zu und erleuchtete ihre ganze Gestalt. als ob er verdampfte. er verneigte sich leicht. und ihre winzigen Strahlen vereinten sich zu einem einzigen wolkigen Strahl. Der Strahl. Anastasia wandte sich mir mit einem strahlenden Lächeln zu. Bei mir angekommen. das etwas von seinen Eltern haben will. dass Anastasias Eltern wahrscheinlich genau durch solche Strahlen ums Leben gekommen waren. Anastasia ließ nicht ab von ihrem Bitten und Fordern — so stur wie ein verwöhntes Kind. schüttelten sich die leuchtenden Nadeln. berührte sie aber nicht. Auch dieser Strahl richtete sich nach unten auf Anastasia. Ein Schreck durchfuhr mich. grauhaarige Urgroßvater. zuerst in einem Meter. dass er ein sehr einfacher. Ich drehte mich um und sah.stasia zu. denn mir fiel ein.

ohne sich selbst zu schonen. Dann wandten wir uns beide gespannt dem Geschehen bei der Zeder zu. Sie mutete jetzt an wie eine Schülerin oder Abiturientin vor einem strengen Prüfungslehrer — oder wie ein schuldbewusstes Kind. Er begrüßte Anastasia nicht. wobei er langsam und klar sprach und jedes Wort betonte: «Wer darf unmittelbar Ihn anrufen. wie auch Er selbst liebt.» «Kann ein Sehender an Seiner Weisheit.» «Haben Seine Söhne und dessen Nachfolger. Ich habe gesehen. weiß ich nicht mehr. Und auch jetzt will Er es». Anastasia stand ehrfürchtig vor dem grauen Alten. Und doch wünscht Er sich einen Austausch mit anderen.» 46 . antwortete Anastasia schnell. was den Menschen vorherbestimmt ist. Ich habe den Zusammenhang zwischen dem Bewusstsein der heutigen Menschen und der Zukunft erkannt.lich die Hand und begann etwas zu erzählen . die Hände brav an den Rocknähten. ohne die Hilfe des uns gegebenen Lichts und Rhythmus in Anspruch zu nehmen?» «Jeder Mensch darf Ihn anrufen. sondern stellte ihr eine ernste Frage.was. Er ist der Eine und Einzige. Nach wie vor verkünden sie den Menschen die Wahrheit. so. um die verkörperten Seelen zur Vernunft zu bringen?» «Sie haben alles getan und tun es auch jetzt noch. diese Wege zu sehen?» «Ja. Ursprünglich hat Er selbst sehr gern mit den Menschen gesprochen. die Seinen Geist geschaut haben. nicht genügend getan. Eine Zeit lang sahen sie sich schweigend an. Seiner Güte und Seiner Herrlichkeit zweifeln?» «Niemand kommt Ihm gleich. Der Urgroßvater blieb ungefähr einen Meter vor Anastasia stehen. In der gespannten Stille ertönte schließlich die tiefe. «Sind nicht alle Wege von Ihm vorherbestimmt? Gibt es viele auf der Erde. die sie kennen? Und bist du in der Lage. samtweiche und deutliche Stimme des Urgroßvaters. Er möchte verstanden und geliebt werden. das etwas ausgefressen hatte.

wobei er sich mit einer Hand auf seinen Stock stützte und mit der anderen Anastasias goldblonde Haare streichelte. dann ließ er sich mit Hilfe seines Stocks langsam aufs Knie sinken.? Willst du damit sagen. dass sie auf seinen Herzschlag lauschte. und hielt inne.«Ist es zulässig. Wer aber trägt die Verantwortung für ihr Nichterkennen der Wahrheit: sie selbst oder diejenigen. nicht alles als vorherbestimmt akzeptiert hat... Ich wusste. mit dem Lauf der Dinge nicht einverstanden ist. die die Wahrheit vermitteln?» «Was . Und wenn ein kleiner Teil im Menschen. die von seinem grauen Bart bedeckt war. dass . Seit ihrer Kindheit hatte sie eine Vorliebe dafür. nämlich Sein Teil. Opi? Warum gehst du mit mir um wie mit einem kleinen Kind? Ich bin doch erwachsen!» Dann umarmte sie ihn. dass Er. nahm Anastasias Hand. Anastasia. Er überlegt. vorherbestimmt?» «Ja. sprach der Urgroßvater erregt und schwieg. die die Wahrheit nicht erkannt haben. ihr Schicksal ist vorherbestimmt. 47 . Der grauhaarige Alte kniete auf einem Bein. den Gefühllosen Gefühle beibringen?» «Ist das Schicksal derjenigen. Eine Weile sah er Anastasia schweigend an. verneigte seinen grauen Kopf. küsste ihre Hand und sprach: «Guten Tag. den Lauf Seiner Überlegungen zu beschleunigen?» «Solche Erlaubnis kann nur der Erlaubende geben.». so bedeutet das. lehnte ihren Kopf an seine Brust... im Gespräch mit Ihm anmaßend zu sein und Ihm Forderungen zu stellen?» «Er hat jedem auf Erden einen kleinen Teil Seines Geistes und Seiner Intelligenz mitgegeben. Und kann man Seine Überlegung eine Anmaßung nennen?» «Wem ist es erlaubt. gerade Er.» Anastasia fiel vor dem Urgroßvater schnell auf die Knie und sagte erstaunt und aufgeregt: «Was ist los mit dir.» «Worum also bittest du Ihn?» «Ich möchte wissen: Wie kann ich die Unvernünftigen zur Vernunft bringen.

. dass es 48 . Er trippelte um sie herum. fing der Großvater erneut an. sie einzuholen. handle einfach nach der Stimme deines Herzens und deiner Seele. Plötzlich schrie der Großvater auf. rief Anastasia und schlug die Hände über dem Kopf zusammen.» «Jetzt fällt es ihr auch noch ein wegzulaufen! Als ob ich sie nicht einholen könnte!» Und erstaunlich schnell und leichtfüßig lief er Anastasia hinterher.Der Großvater wurde jetzt unruhig und eilte zu seinem knienden Vater und seiner Enkelin.» Damit drehte sich der graue Alte wieder um und verließ gemessenen Schrittes die Lichtung.von allen verhätschelt!». Dieser blickte Anastasia noch einmal aufmerksam an. «Oh weh!». doch dann lachte sie laut auf und rannte dem herannahenden Großvater davon. dann fiel er plötzlich ebenfalls auf die Knie und umarmte die beiden .selbst von ihm! In was sie sich alles einzumischen hat! Steckt einfach überall ihre Nase rein! Und keiner. so laut. breitete seine Arme aus. Dann nahm er eine Rute zur Hand. Dann half er seinem Vater auf. so werde ich dir bei deiner Arbeit helfen. Sie stellte sich erschrocken. hockte sich hin und hielt sich den Fuß. Anastasia rannte kreuz und quer über die Lichtung. Dann jedoch hielt sie plötzlich inne und musste lachen. der sie mal zurechtweist! Wer soll jetzt nur den Kleingärtnern helfen?!» Der Urgroßvater blieb noch einmal stehen und drehte sich um. die Rute schwenkend. auf Anastasia zu. drehte sich dann langsam um und ging. Anastasia drehte sich schnell um und machte eine besorgte Miene. klaren und weichen Stimme: «Liebe Enkelin. Der Großvater schimpfte missmutig vor sich hin: «Obendrein wird sie auch noch von allen verwöhnt . dicht gefolgt von dem Großvater. Sie lief zum Großvater und reichte ihm die Hände. und mit den Worten: «Dir werd ich helfen!» eilte er. Dann sprach er wieder mit seiner tiefen. der es jedoch nicht schaffte. Als erster erhob sich der Großvater. «Hab ich's ja gesagt .. Und was deine Kleingärtner betrifft.

Hast du was abbekommen? Geschieht dir ganz recht. dass der Großvater absichtlich diese unnatürliche. das andere streckte er von sich. Großpapa! Vielen Dank!» Der Großvater drehte sich um. denn er unterbrach den Satz und fügte ein wenig strenger hinzu: «Sonst kriegst du es mit mir zu tun!» Damit verschwand er hinter den Bäumen. dieses Dummchen. sah ihren Großvater aufmerksam an und rief aus: «Großpapa! Mein liebster Großpapa! Der Adler . — Anastasia hatte seine List sogleich durchschaut.durch die ganze Lichtung hallte.. bitte sei mir . Er ist zwar alt. Er hob seine Rute und versetzte ihr ein paar leichte Schläge. ich habe angefangen. Lachend tat Anastasia so. wie einem unartigen Kind.. als ob ihr das wehtäte. rief ihm Anastasia hinterher: «Danke für den Adler. Sie fasste ihn um die Taille. Er rieb sich aber gerade den Fuß. der Stern .» Anastasia hörte auf zu lachen. sodass es nicht den Boden berührte.. so als habe er sich diesen verletzt. Während Anastasia lachte. Der Großvater hockte auf einem Bein. 49 . komische Pose eingenommen hatte. geriet er ins Wanken und versuchte. auf dem er hockte. Als sie ihn wieder auf die Erde gestellt hatte. hob ihn vom Boden und drehte sich mit ihm im Kreise.die schlechte Erziehung!» Und mit der Rute in der Hand eilte er seinem Vater nach. Weißt du. gelang es dem Großvater. aber noch ganz kräftig und kann vieles behalten. streng mit ihr zu sein: «Keinen Respekt vor dem Alter! Ich sag's ja . Als der Großvater am Rande der Lichtung ankam. Trotz ihres anhaltenden Kicherns umarmte sie der Großvater und sprach: «Schon gut! Weine nicht. Später stellte sich jedoch heraus. damit Anastasia rechtzeitig dahinter käme.. sie am Arm zu packen.» Dabei war ihm wohl seine eigene Stimme allzu zärtlich vorgekommen. erkannte ich den Grund für ihr Lachen. dem alten Adler was beizubringen. Aber die hier mischt sich überall ein.. Als ich die Pose des Großvaters näher betrachtete. In Zukunft wirst du wohl besser hören. schaute sie an und sprach: «Meine Enkelin.» Anastasia ließ ihren Großvater nicht ausreden.. du weißt also schon von dem Kind?» «Na ja.

das dir treffend erscheint..» «Gut.» «Klar. mit den Menschen 50 . wie man mit einem Vogel spielen sollte. und warum war dein Urgroßvater so streng zu dir?» «Was denkst du.Nicht ganz klar war mir jedoch. Ich denke. das Absolute. wenn auch mit einem Adler . Geist. «Für unser Kind.» «Benenne bitte dieses <Etwas> mit einem Wort. ich denke. denn das Spielen ist sehr wichtig zur Entwicklung von Erkenntnissen und Gefühlen. fragte ich Anastasia: «Warum hast du dich denn so über den Adler gefreut?» «Der Adler wird für den Kleinen dringend nötig sein». «Und was hast du bei der Zeder gemacht? Hast du gebetet oder mit jemandem gesprochen? Was ist mit dir und mit der Zeder geschehen. antwortete sie.. schon. zum Beispiel: Intelligenz.» «Zum Spielen?» «Ja.» «Nehmen wir doch Gott. Darüber sprechen sogar Wissenschaftler. und auch geistige Medien und die Bibel berichten davon. die kosmische Urschwingung. Wladimir. wir sollten uns da auf einen Begriff einigen.» . Und was glaubst du: Ist Gott bestrebt.. die Lichtkraft. gibt es Intelligenz jenseits der uns sichtbaren Welt? Gibt es dort draußen im Weltall so etwas wie einen kosmischen Geist?» «Ja. Vakuum. Gott.. Wladimir.8 Die Antwort Als wir wieder allein waren.

Aber jedes Dogma. sondern durch die Menschen oder durch die Bibel — um uns darauf hinzuweisen.» «Ach. Erst dann wird die Bedeutung offenbar. aber die meisten Leute lesen doch moderne Literatur . die schon ewig lange existieren. wie wir glücklicher sein können?» «Aber die Bibel ist doch sicher nicht von Gott selbst diktiert worden. das man in sich aufnimmt. Zum 51 . aber warum wohl? Weil man dabei fast gar nicht denken muss.» «Von wem denn dann?» «Sie könnte von Menschen geschrieben worden sein.» «In der Bibel heißt es. Wer lässt schon freiwillig seine Sklaven gehen? Durch ihre Arbeit brachten sie dem Pharao Gewinne ein.zu sprechen? Nicht als Stimme vom Himmel. einige Gebote zu lesen und zu behalten. Was bedeutet das deiner Meinung nach?» «Keine Ahnung. muss schnell denken und sich viele Fragen selbst beantworten können. Krimis und so weiter. dann reicht es aus.» «Welche Fragen muss man beim Lesen der Bibel beantworten?» «Nun. ohne seine Bedeutung zu verinnerlichen. hast du zum Beispiel schon mal darüber nachgedacht.» «Stimmt. Sie haben sich zusammengesetzt und gemeinsam die Bibel geschrieben. Natürlich gibt es sehr alte Bücher. einfach so? Ein paar Leute treffen sich und schreiben ein Buch. sie denken sich einige Geschichten und Gebote aus? Und dieses Buch überdauert Jahrtausende und wird das beliebteste und meistgelesene Buch der Welt! In den vergangenen Jahrhunderten ist eine Unmenge von Büchern geschrieben worden. Betrachtet man die Bibel von vornherein als eine dogmatische Schrift. behindert die schöpferischen Fähigkeiten des Menschen. Wer die Bibel liest. die eine Religion begründen wollten.Romane. warum der Pharao die Israeliten nicht von Ägypten fortziehen ließ?» «Was gibt es da viel zu überlegen? Die Israeliten lebten als Sklaven in Ägypten. aber nicht eines von ihnen kann sich mit der Bibel messen. dass die Israeliten mit ihren Zauberkräften wiederholt dem Lande Ägypten großen Schaden zufügten.

» «Also gut. wie die Sonne scheint . Die Sonne ist für alle da: für dich und mich genauso wie für die Schlange. was Gott ihm ursprünglich an lichten Dingen gegeben hat. Alles hat seine Bestimmung. mit Gott zu sprechen?» «Ja. um vierzig Jahre lang wandern zu können? Und woher nahmen sie die Waffen. oder? Wie aber kann man dann unterscheiden zwischen dem. hast du da versucht. Er kann aber auch anderes benutzen. wohingegen die Spinne Gift ansammelt. Er kann all das benutzen. Im Menschen laufen die Gegensätze zusammen.» «Du denkst also. und dem. Noch eine Frage: Woher nahmen die Israeliten so viel Hausrat und Vieh. Er kann sowohl Biene als auch Spinne sein. Der Mensch allerdings schon! Nur der Mensch hat die Wahl. Der Mensch selbst trifft jeweils die Wahl.» 52 .das ist das Werk Gottes. Wladimir. Sieh nur. diese Dinge kamen allein von Gott.» «Von wem sonst?» «Der Mensch besitzt völlige Freiheit. sind daran immer zwei Pole beteiligt. Aber die Biene sammelt Honig aus den Blumen. ich wollte eine Antwort von Ihm haben. und weder Biene noch Spinne werden sich je entgegengesetzt verhalten. Später wurden solche Hexenmeister sogar auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Trotz allem aber ließ der Pharao die Israeliten nicht gehen. was ihm bloß von Menschen zugeschrieben wird?» «Wenn etwas von einem Menschen geschaffen wird. zu welchem Pol seine Handlungen neigen.» «Demnach ist in der Geschichte mit den Israeliten nicht alles direkt von Gott bewirkt worden. was Gott wirklich tut. Um wieder auf die Zeder zu sprechen zu kommen: Als du unter dem Baum standst. Von seiner Reinheit und seinem Bewusstsein hängt es ab. sich über die ersten Sonnenstrahlen zu freuen oder zu ärgern. um die Städte auf ihrem Weg zu erobern und zu zerstören?» «Wieso woher? Das wurde ihnen natürlich alles von Gott gegeben. den Grashalm und die Blümchen.Beispiel töteten sie die Erstgeborenen der Menschen und der Tiere. meinetwegen.

Seine Söhne ziehen dann los und reden zu anderen Menschen. und das künstliche System der Lebenserhaltung wird vernichtet. Doch Gott sendet immer wieder Seine Söhne aus. Mal hört man diesen Propheten zu.. Aber Er hat von Anfang an einen Schöpfungsplan. wie wir zu leben haben. und deshalb sendet Er Seine Söhne aus . und zwar deshalb. dass es allen gut geht. in den verschiedensten Sprachen.» «Gott bestraft niemanden. Die Katastrophe ist eine Lehre für die Überlebenden. das hast du ja auch. Und dafür bestraft dann Gott die Menschheit mit einer Katastrophe globalen Ausmaßes oder mit dem Jüngsten Gericht. aber daran sind sie ja selbst schuld. Du hast dabei sogar mit dem Fuß aufgestampft und Ihn angefleht. Aber Er will. um eine völlige Selbstvernichtung der Menschheit abzuwenden. und eine Katastrophe hat Er auch nicht nötig. Wladimir. zu deren Herz und Verstand Er zumindest einigermaßen durchdringen kann. mal werden sie verfolgt oder gar getötet.Gott ist Liebe.. Ich habe es selbst gesehen. Allerdings hört jedes Mal nur ein Teil der Menschen zu. Er kann nicht uns allen vom Himmel aus zurufen. ich hätte nicht genügend Respekt gezeigt und obendrein noch Forderungen gestellt. Was wolltest du eigentlich?» «Eine Antwort hören. mal durch Musik.Menschen. .«Und dem Urgroßvater hat das nicht gefallen?» «Er meinte. Das geschieht mal durch Worte. Jesus Christus ist ein Beispiel dafür. Gott ist kein körperhaftes Wesen. Nach der Katastrophe müssen die Menschen eine Zeit lang ein höllisches Dasein fristen. die anderen verschließen sich der Botschaft und verstoßen immer weiter gegen die Gesetze des glücklichen Daseins.» «Klar. kommt es zu einer globalen Katastrophe. und der sieht Folgendes vor: Wenn die Menschheit in ihrer Unempfänglichkeit gegenüber der Wahrheit einen bestimmten Punkt erreicht und die dunklen Seiten des Menschen überhand nehmen. Gerade 53 .» «Eine Antwort worauf?» «Sieh mal. durch Bilder oder auch durch Handlungen. Dabei verlieren viele Menschen ihr Leben.» «Nun.

und das Ganze fängt von vorn an. wie und mit welchen Mitteln man die Menschen ohne diese Katastrophe zur Vernunft bringen kann. was für eine Stimme Er hat. sondern auch der Tatsache. Es spielt keine Rolle. Wichtig ist. Die dunklen Mächte suchen aber mit allen Mitteln die Wirkung dieser Teilchen zu blockieren und den Kontakt der Menschen mit Gottes Teilchen und so auch mit Gott selbst zu verhindern.» «Wenn sich alle paar Milliarden Jahre sowieso alles unvermeidlich wiederholt. der sich einem plötzlich offenbart. dass es sie überhaupt gibt und dass sie funktioniert. den man Paradies nennen kann. was wolltest du dann?» «Ich wollte erfahren. In jedem Menschen wohnt ein Funke Gottes. Danach kommt es wieder zu Abweichungen. und zwar in Form von rhythmischen Schwingungen. Ein kleines Teilchen ist leicht zu bekämpfen. Ihre Kinder leben dann einige Zeit wie zu Urzeiten.die Überlebenden geraten in diese Hölle. eine bessere Methode zu finden und sie mir oder jemand anders zu offenbaren.» «Und was hat Er zu dir gesagt? Was für eine Stimme hat Er?» «Niemand kann sagen. der Mensch mache alles allein aus sich heraus. sie zu 54 . die die Wahrheit nicht erkennen. So geht es nach irdischer Zeitrechnung schon seit Milliarden von Jahren. So gab Er der Menschheit die Hälfte von sich selbst. und allmählich entwickelt sich ein Zustand. Seine Antwort nimmt Gestalt an in Form eines eigenen Gedankens. das in jedem Menschen wohnt. den Gott ihm bei der Geburt eingehaucht hat. dass der Mensch viele eigene Fähigkeiten und Möglichkeiten hat. Ich denke nämlich. wem. wenn es allein ist. Es ist allerdings eine Tatsache. die Katastrophen sind nicht allein denjenigen zuzuschreiben. Wenn diese Teilchen im Streben nach dem Licht miteinander vereint sind. und dieses Teilchen gibt dann die Information weiter an den Menschen als Ganzes. dass die Vermittlung der Wahrheit nicht effektiv genug ist. Er kann ja nur durch Sein Teilchen sprechen. Schließlich ist er ja Gottes Ebenbild. noch dazu ohne Verbindung zur Quelle der Kraft. Deshalb habe ich Ihn gebeten. fällt es den dunklen Kräften weitaus schwerer. Folglich entsteht der Eindruck.

jedenfalls keine gewöhnlichen Worte. Trotz einer Verschlechterung deines Befindens machst du einfach weiter.dennoch hörst du nicht damit auf. um eine globale Katastrophe zu verhindern?» «So ungefähr. Also muss man eine Methode finden. Es ist nicht gut. weil sie die Wahr55 . sondern auch Seiner. die dir leicht verständlich ist .überwinden oder zu blockieren. Das Gleiche gilt auch für viele andere Menschen. den Geist oder Verstand eines solchen Menschen unter ihre Kontrolle zu bringen. befreien. sondern ihnen auch andere. doch die Menschheit steuert nach wie vor dem Abgrund entgegen. den Menschen mit einer Katastrophe zu drohen und sie zu beschuldigen. Stattdessen nimmst du Schmerzmittel ein und gehst unbekümmert deine gewohnten Wege. warum du die Schmerzen hast. Was wurde nicht alles schon gesagt. und auch die Ärzte bestätigen das. ist es den dunklen Kräften schier unmöglich. Doch wenn ein einzelnes Teilchen in vollkommener Verbindung mit Gott steht. Worte allein reichen da nicht aus .» «Und welche Antwort wurde dir offenbart? Was muss man den Menschen sagen?» «Worte . Wer diese Freuden erfahren hat. Nehmen wir ein Beispiel: Hast du noch nie gehört. und er wird das Teilchen. damit dir offenbart werde.» «Dann hast du Ihn also angerufen. Den momentanen. dass Rauchen und Trinken gesundheitsschädlich ist? In allen möglichen Medien wird davon berichtet. doch beachten sie sie nicht. Gott sagt zu dir: <Du darfst das nicht tun!> Er spricht durch die Schmerzen zu dir. wird einen eigenen Vergleich haben und alles von selbst verstehen.. und zwar in einer Sprache. und selbst Schmerzen halten dich nicht von diesen verderblichen Gewohnheiten ab. Auch alle anderen Wahrheiten sind den Menschen durchaus bekannt. das ihm von Gott gegeben wurde. was und wie du zu den Menschen sprechen kannst. Du willst noch nicht mal darüber nachdenken. die den Menschen nicht nur Erkenntnis vermittelt.. höhere Freuden zugänglich macht. illusorischen Freuden zuliebe werden sie missachtet. Es ist ja nicht nur dein Schmerz.

Das war wahrscheinlich nicht ungefährlich.» «Er ist gut. sie handelt auch danach. was ich gehört habe?» «Verletzt es dich nicht. die Wahrheit noch wirksamer zu vermitteln.heit nicht erkannt haben. Anastasia: Ich denke.» 56 . sie in ihrem Übereifer etwas zu bremsen. wird es wohl keine solche Methode geben.» «Wenn ihr euch auch ohne Worte versteht. Er hört zu. Urgroßvater gab mir darin Recht. wieso habt ihr dann das gesprochen. kein Zweifel. Alle. so glaubt sie natürlich daran. Deine Großväter waren nicht umsonst besorgt. müssen verstehen.» «Was ist Seine Antwort? Weißt du jetzt etwas?» «Er hat mir verraten. hast du nicht gehört. obwohl sie deine Sprache beherrschen?» Ich dachte nach: «Soll ich all das glauben. wie du es vor der Zeder getan hast.» «Gesagt hat er das aber nicht. du solltest dich nicht so quälen. wenn andere in deiner Gegenwart eine Fremdsprache sprechen. was sie mir erzählt. dann verschwendest du bloß deine Energie. Vielleicht soll ich versuchen. Am Ende nimmt Er es dir noch übel und bestraft dich. sonst macht sie sich noch völlig kaputt.» «Nein. die die Wahrheit vermitteln wollen. oder nicht? Was sie selbst betrifft. dass man eine bessere Methode finden muss. sich so aufzuregen. Von der Zeder kam sogar eine bläuliche Strahlung oder Dunstwolke auf dich zu. Es lohnt sich nicht. die Wahrheit weiterzugeben. weil du dich einmischst — wie es dein Großvater gesagt hat. Wenn Gott schon Seinen Söhnen keine Methode verraten hat. und antworten tut Er auch. Und wo wäre das?» «In der Vereinung der Gegensätze. Und nicht nur das. Vielleicht will Er dich nicht hören. was Urgroßvater gesagt hat. Er gibt keine Strafen. wo die Antwort liegt und wo ich sie suchen muss.» Aus diesem Ansinnen heraus sagte ich zu ihr: «Weißt du was.» «Vieles von dem.» «Soso. Folglich ist die globale Katastrophe die wirksamste Methode der Belehrung.» «Aber antworten tut Er dir auch nicht. Er hat es dir verraten.

Bitte sei mir nicht böse. ich habe Wörter benutzt. Dabei entstand die Philosophie <Huajan und Kegom>.» «Wofür entschuldigst du dich?» «Verzeih mir. die Menschen unterschiedlicher Auffassung innewohnen.» «Nein. ich bin dir nicht böse. Nur eine kollektive Bemühung kann die Antwort hervorbringen.» «Was können die Menschen von heute konkret tun. Das ist nur möglich durch eine gemeinsame Bemühung vieler göttlicher Funken. es nicht wieder zu tun. Die Zeit der großen Katastrophen wird dann endlich vorbei sein. Ich werde die Antwort erkennen.» «Das stimmt allerdings. damit die Antwort offenbart wird?» 57 . und zwar in der unsichtbaren Dimension der Gedanken. Sie befindet sich zwischen der materiellen Welt. und Gott.ähnlich wie in eurer modernen Physik.» «Wie bitte?» «Oh.«Was soll das bedeuten?» «Zum Beispiel wurden bei der Kommentierung des Awatamsaku zwei gegensätzliche Denkweisen des Menschen zu einer neuen dynamischen Einheit verschmolzen. die sich durch vollkommenere Elemente der Weltanschauung auszeichnet und Parallelen zu bestehenden Modellen und Theorien enthält . die in deinem Wortschatz nicht vorkommen.» «Allein kann ich sie sowieso nicht finden. Erkläre mir mit einfachen Worten. Dann wird es leichter sein. und andere werden sie ebenfalls erkennen. Weder benutze ich sie noch kann ich sie verstehen.» «Ich werde mich bemühen. ein breites Verständnis in der Bevölkerung zu erreichen und die Menschheit aus der Epoche der Dunkelmächte zu entrücken. wo der Mensch beheimatet ist. Man kann diese Dimension auch die Dimension der lichten Kräfte nennen. wo und wie du die Antwort auf deine Frage suchen wirst. entschuldige bitte! Wie konnte ich nur? Ich habe mich total gehen lassen.

an das ich denken könnte?» «Zum Beispiel an den kleinen Sohn. er muss arbeiten. die man lieb hat. wem du ein Lächeln schenken kannst. und daran. ich muss. den ich gebären werde . Wenigstens fünfzehn Minuten sollte man so denken. dass es ihnen allen gut geht. an etwas anderes Gutes zu denken. herrlichen Blumen. der dazu gezwungen ist. Das gleichzeitige Denken an etwas Lichtes verstärkt die Fähigkeiten des Einzelnen um ein Vielfaches. was es ist. Und denke daran. Jeder wird sich sagen: <Sollen doch die anderen denken . Die Zeit auf der Erde ist wegen der Erdrotation in Zonen unterteilt. ein Flugzeug erreichen oder eine Dienstreise antreten. wie naiv du doch bist! Wer will schon in aller Herrgottsfrühe aus den Federn. es sei denn. damit nichts sie betrüben möge. und wenn ein flauschiges Eichhörnchen mit ihm auf der Lichtung spielt. Hauptsache. an unseren Sohn werde ich denken. wenn viele Menschen zu einer bestimmten Zeit erwachten — sagen wir. um fünfzehn Minuten zu denken? Um sechs steht nur jemand auf. um sechs Uhr morgens. an alle. Wladimir. Je mehr Leute dies tun. was man tun kann. wie schön es wäre.>» «Und du. Denke daran.» «Ach.«Es wäre gut. die Gedanken sind positiv. desto schneller kommt die Antwort. Denke daran. Und selbst wenn ich es täte. wem du am bevorstehenden Tag etwas Nettes sagen. dass du viele Helfer finden wirst. was für einen Sinn 58 . Ich kann auch versuchen. umgeben von duftenden. lichten und ausdrucksvollen Bewusstseinsbild verschmelzen. wie schön es wäre.an deinen Sohn. Man kann an seine Kinder denken. Nur.ich für meinen Teil schlafe lieber. und was gerade du dazu tun kannst. Anastasia. Wie wohl er sich fühlt. würde diese wunderbare Welt ewig existieren. Und wenn sie an etwas Gutes denken. wenn die liebe Sonne auch alle anderen Kinder mit ihren Strahlen liebkosen würde.» «Gut. Ich glaube kaum. ganz gleich. aber die von der Gedankenkraft der Menschen erschaffenen Bilder werden zu einem einheitlichen. sagen wir zum Beispiel. wenn er von den Sonnenstrahlen liebkost wird. was gibt es schon Gutes. würdest du mir helfen?» «Ich? Ich stehe nie so früh auf.

zum Gelingen deines Vorhabens sind viele Menschen nötig. werde ich nicht alles auf einmal erzählen. Anastasia.» «Fängst du schon wieder mit diesem Buch an! Ich hab dir doch schon gesagt. dass ich nicht daran glaube! Auch nicht daran.» «Sag ruhig. Wir werden lernen. was du denkst.» «Aber wenn du das Buch geschrieben hast. da man sie nicht berühren kann. da man Gedanken nun einmal nicht berühren kann. Ihre Existenz lässt sich nicht beweisen. werden mehr Leute dazukommen. Und wenn ich denn schreiben sollte. kann man sie doch berühren. Und zwei.» «Ja.» «Alles. ich glaube es aber nicht. was du da sagst. sind mehr als zwei Einzelne. solange nicht genügend Leute mitmachen?» «Selbst einer ist besser als keiner. wie ich das machen werde. ja?» 59 . Später.Gedanken in materialisierter Form. wo die Gedanken wohnen.» «Eure Wissenschaftler sind doch zu dem Schluss gekommen.» «Ich habe dir doch erklärt. ist doch wohl eine Frage des Glaubens. Und an eine lichte Dimension. und ich in meiner Wohnung in der Stadt.hat das? Du wirst dir hier im Wald deine Gedanken machen. ich möchte dir ganz offen etwas sagen. sogar in den Händen halten . Wir sind nur zu zweit. Wozu also sollen wir beiden unsere Zeit vergeuden. Ich werde das spüren und mich über jeden Einzelnen freuen. aber trotzdem will mir das Ganze nicht in den Kopf. Weißt du was. dass du mit irgendwelchen nur dir bekannten Buchstabenkombinationen bei Lesern Gefühle hervorrufen kannst — ganz zu schweigen von positiven Gefühlen.» «Sei mir aber nicht böse. einander zu fühlen und zu verstehen und uns durch die Dimension der lichten Kräfte gegenseitig zu helfen. Ich will mich ja nicht blamieren. Du sagst ja selbst. kann ich nicht so ohne weiteres glauben. die sich gemeinsam bemühen. die ihnen obendrein noch zu irgendwelchen Erkenntnissen verhelfen sollen. dass Gedanken materiell sind. wenn dein Buch fertig ist. nicht wahr?» «Das schon.

«Ich werde dir nicht böse sein. prüf nur alles nach. waren einmal ganz gewöhnliche Menschen. die sich mit dem Wohl der Seele befassen oder sich um die Ökologie unseres Planeten kümmern. wie du sie nennst.» «Und noch etwas. Und nun bekniest du mich. Ich halte dich für einen sehr guten Menschen. Jesus Christus lebte vierzig Tage als Eremit. dann waren es eben mehr als vierzig Tage. Ich muss wissen. Die Alten.. das stimmt. wäre es da nicht klüger aufzugeben? Es gibt genü- 60 . sagen wir ein Jahr.» «Du aber lebst seit sechsundzwanzig Jahren im Wald und hast keinen einzigen Anhänger. denk doch mal nach. «Natürlich. und sie bekamen Anhänger. Eine Lehre hast du ebenfalls nicht hervorgebracht. hoffnungslos unterlegen. entstanden später Klöster. haben sich in die Einsamkeit begeben.» «Ich muss all die Sachen. fürchte ich. Deine Philosophie ist interessant und außergewöhnlich.» «Wie kommst du darauf?» «Na. Buddha zog sich für sieben Jahre in den Wald zurück und schuf dann eine Lehre. Und auch auf seinen Wanderungen hat er viel nachgedacht. Dann gingen sie in den Wald und lebten dort eine Zeit lang als Eremiten. Und wo sich einst ihre Einsiedelei befand. und seine Lehren werden seit jener Zeit bewundert. irgendwelche Zeichenkombinationen da hineinzupacken. träumst davon. Alle Erleuchteten. die du mir erzählt hast. noch von Wissenschaftlern und Gelehrten prüfen lassen. ein Buch zu schreiben. was die verschiedenen Religionen und die Lehren der modernen Naturwissenschaft dazu sagen.. Habe ich Recht?» «Ja. und klammerst dich an diese Hoffnung wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm .» «Jesus Christus hat sich nicht nur einmal zurückgezogen. Wenn man aber dein Tun mit dem anderer vergleicht. so bist du ihnen. die bei uns zurzeit stattfinden.» «Nun gut. Diese Themen werden sicherlich in einigen der vielen Vorträge und Predigten behandelt. die später heilig gesprochen wurden. die in aller Welt viele Anhänger hat. Wenn du schon nichts erreichen kannst wie die anderen.

seit wann hast du diesen Strahl?» «Wie bei allen Menschen war er von Anfang an bei mir.gend andere. einfache Beschäftigung. Und nun sag mir. dass ich den Strahl habe und wie man ihn benutzt. Ich habe versucht.» «Bitte.» «Dann sage ich dir jetzt die ganze Wahrheit.» «Jetzt sage mir. dich unseren Lebensbedingungen anzupassen. wie gut und wichtig diese Arbeit ist. manchmal sogar in der Nacht. Tag für Tag?» «Ja. das konnte ich. womit du dich in den zwanzig Jahren danach beschäftigt hast?» «Das habe ich dir schon erzählt und auch vorgeführt. die ihr Kleingärtner nennt. Und wer hat dich dazu gezwungen?» «Dazu hätte mich niemand zwingen können. nachdem Urgroßvater es mir vorgeschlagen hatte. Nun hat er 61 . und so gab er dir eine sehr leichte.» «Du hast außergewöhnliche Fähigkeiten. Ich habe mich um die Menschen gekümmert. bin ich nicht. kein Zweifel.» «Ich glaube.» «Du hast dich also wie ein verbohrter Fanatiker all die Jahre nur mit den Kleingärtnern beschäftigt. weil du ihm Leid tatst. ihnen zu helfen. Du konntest also schon mit sechs Jahren sehen. — Bist du mir jetzt auch nicht böse?» «Nein. Die werden sich schon was Passendes einfallen lassen. auch ohne dich.» «Zwanzig Jahre lang.» «Aha. Ich habe es freiwillig getan. Lass uns einfacher und realistischer leben! Ich will dir dabei helfen. als wäre es ein Kinderspiel. Doch erst mit sechs Jahren lernte ich von Urgroßvater. wenn ich nicht zu müde war. die gescheiter sind als du. Du bist ja ohne Eltern aufgewachsen. Du kommst auch an jede beliebige Information ran. damit du dich besser verstehen lernst. was in unserem Leben vor sich geht? Du konntest die Lebenslage von einzelnen Menschen analysieren und sie auch aus der Ferne heilen?» «Ja. denn ich sah ein. dein Urgroßvater hat dir diesen Vorschlag gemacht.

du könntest dich mit der Verhinderung einer verheerenden Umweltkatastrophe oder anderer. einer neuen Beschäftigung nachzugehen und von den Kleingärtnern abzulassen. Ich werde auch weiterhin den Menschen helfen. Und so wirst du in der Lage sein. Ich liebe sie sehr und werde sie niemals im Stich lassen. Lauben und Gemüsegärten sind eine unbedeutende Freizeitbeschäftigung. Übrigens. Ich denke. Versuch das bitte zu verstehen. irgendwo einen Knacks. Wenn es gelingt. dann kehrst du eben hierher zurück. mit all deinem Wissen und deinen phänomenalen Fähigkeiten.gesehen. Du sagst ja selbst.» «Wenn ich hier bin.» «Aber die neue Beschäftigung hat mit den Kleingärtnern zu tun. du solltest mal zum Psychiater. ökologischen Organisationen oder der Wissenschaft zu helfen. werde ich von größerem Nutzen sein. die ihr Kleingärtner nennt. Kleingärtner sind nicht die Hauptsache im Leben — bei weitem nicht. Sie spielen keinerlei Rolle im gesellschaftlichen Geschehen. Das ist alles. weltumfassender Desaster befassen.» 62 .» «Was meinst du damit — ernstere Tätigkeiten?» «Das kannst du selbst bestimmen. mit Verlaub. wann. um dich ernsteren Tätigkeiten zu widmen. weiter nichts. dann kannst du der Gesellschaft vielleicht wirklichen Nutzen bringen. soll so etwas eintreten?» «Lokale Katastrophen finden bereits in verschiedenen Teilen der Erde statt.» «Dann lass uns gleich los! Ich bringe dich zu einem Psychotherapeuten.» «Das nenne ich Fanatismus. Irgendetwas fehlt dir doch. deine Zeit mit Kleingärtnern vertust. wie er im Buche steht. Ich denke. und zwar in einer hervorragenden Privatklinik. Du bist nicht so wie normale Menschen. denkst du. Die Menschen erholen sich dort nach Feierabend oder wenn sie in Rente gehen. der Gesellschaft zu nützen.» «Ich habe den großen Wunsch. und hat dir gestattet.» «Na gut. dass es eine globale Katastrophe geben kann. dann hast du. kapiert? Und wenn du. dich zu heilen. Mit ihrem Hang zum Überfluss hat die Menschheit ihren eigenen Untergang schon längst in die Wege geleitet. dass du in deinem Bewusstsein etwas gereift bist.

Wladimir...» «Wirklich? 1992 hätte sie bereits geschehen können?» «Ja.so wie es 1992 bereits einmal der Fall war. das heißt ja .«Und wann soll diese globale Katastrophe. aber sie haben sie verschoben?» «Sie? Wen meinst du damit? Wer hat sie verhindert oder verschoben?» «Die globale Katastrophe von 1992 wurde durch die Kleingärtner verhindert. dass sie verhindert oder verschoben wird . die Apokalypse. du hast schon mit sechs Jahren die Bedeutung der Kleingärtner verstanden? Du hast alles vorausgesehen und ihnen unermüdlich geholfen?» «Ja.» 63 . Es ist aber auch möglich.. Doch die Katastrophe von 1992 hat hauptsächlich dank der russischen Kleingärtner nicht stattgefunden. ich habe die Bedeutung der Kleingärtner verstanden. die der globalen Katastrophe entgegenwirken..» «Das . nun stattfinden?» «Das könnte ungefähr im Jahre 2002 geschehen.» «Was?!» «In der Welt gibt es viele Menschen.

das heißt. Trotzdem liebt sie die Menschen. die Erde ist zwar groß. so wie eine Mutter ihre Kinder liebt. und warum gerade die aus Russland? Was gibt es da für einen Zusammenhang?» «Sieh mal.9 Der Tag der Kleingärtner und ein Feiertag der Erde «Was haben denn die Kleingärtner damit zu tun. und nur wenn sie nicht mehr die Kraft hat. aber äußerst empfindlich. aber höchst empfindsam. die menschliche Bosheit in ihr Inneres einzukapseln. sie zurückzuhalten. Sie spürt es. es war nicht in Privatbesitz. Folglich betrachteten die Men64 . Auch du bist groß im Vergleich zu einer Mücke. spürst du sogleich ihre Berührung. wenn in ihrem Innern herumgegraben oder gebohrt wird oder man das Pulver. in sie hineingibt. Was ihr Kraft gibt. Die Erde ist groß. doch wenn sich eine Mücke auf dich setzt. Oh. wenn auch nur eine menschliche Hand sie zärtlich berührt. Die Erde ist bemüht. Sie leidet darunter. bricht diese Bosheit in Form von Vulkanausbrüchen und Erdbeben aus ihr hervor. behutsame Behandlung. das ihr Dünger nennt. wie sehr sie diese Berührung spürt und darauf wartet! In Russland galt das Land eine Zeit lang als Gemeingut. Und auch die Erde spürt alles: wenn sie mit Beton und Asphalt zugepflastert wird und ihre Wälder abgeholzt oder verbrannt werden. Der Erde muss geholfen werden. ist eine rücksichtsvolle. Wladimir.

sehen die Erde nicht als ihr Eigentum. Als die Menschen ihr Stückchen Land bekommen hatten. Es hätte auch keinen Sinn. den Menschen auf dem Lande kleine Grundstücke mit Häuschen zu geben. Es wird ihnen besonders schwer fallen. nicht mit Maschinen. um noch eine Zeit lang weiter durchzuhalten. Außerdem wird man ihnen nicht erlauben. werden sie sicher die entsprechenden Gesetze erlassen. dass man sie unmöglich mit Maschinen bearbeiten konnte. ein Feiertag!» Anastasia klatschte vor Freude in die Hände. «Tolle Idee! Ein offizieller Feiertag soll es sein. ihr Bewusstsein zu erhöhen. dass sie keine Zeit zum Nachdenken mehr haben.» «Das geht nicht. dass diese Grundstücke so winzig klein waren. der Realität ins Auge zu sehen. wo man so richtig ausgelassen und froh sein kann!» «Warum hilfst du nicht ein wenig mit deinem Strahl nach? Wenn du ihn zu unserer Regierung und den Abgeordneten des Parlaments schickst. Gerade mit den Händen. egal ob arm oder reich. Wegen ihrer alltäglichen Hetze kann ich nicht zu ihnen durchdringen. und man begann. Dann jedoch änderte sich die Lage. man führt einen gesetzlichen Feiertag ein. berührten die Menschen auf ihren kleinen Grundstücken in Liebe die Erde.» «Wer könnte schon die Regierung oder den Präsidenten daran hindern?» 65 . Es war kein Zufall.» «Und was folgt daraus? Soll man jetzt jedem Kleingärtner ein Denkmal setzen — für die Rettung des Planeten?» «Ja. Trotzdem waren die Russen wie verrückt nach den Grundstücken und nahmen sie mit Freuden an. sie sind die Retter. bessere Beschlüsse zu fassen.» «O ja. Sie müssen so viele Beschlüsse fassen. fühlten sie intuitiv: Nichts kann die Bande zwischen Mensch und Erde zertrennen! Und Millionen von Menschenhänden berührten die Erde mit Liebe. Besser. als sie es jetzt tun. Wladimir. oder gleich zwei.» «Aber man kann doch unmöglich so viele Denkmäler aufstellen. Und die Erde spürte jede einzelne Hand und sammelte so Kräfte. Im Kalender würde dann stehen: <Tag des Kleingärtners> oder <Tag der Erde>.

» «Ich werde dir dabei helfen. Die richtigen Beschlüsse würdet ihr als unpopuläre Maßnahmen abstempeln.. Die Masse der Menschen zieht erst im Laufe der Zeit nach. ich werde in deinem Buch über die Kleingärtner schreiben und die Leser dazu auffordern. Und die grandiose Idee stammt ja schließlich von dir.damit es nicht zu heftigen Zusammenstößen in der Gesellschaft kommt. weil es dein Geburtstag ist. Allein schon deshalb. Was soll daran schlecht sein?» «Dieser Feiertag ist eine gute Sache. dem Tag der Kleingärtner und der Erde. Ohne solche Puffer gäbe es eine Revolution. den Tag der Kleingärtner und den Tag der Erde als Feiertage einzuführen. Ich werde in der Zeitung . die Mehrheit.. Juli zum gesetzlichen Feiertag. Ich werde darüber nachdenken.» «Stimmt.» «Der <Tag der Kleingärtner> ist aber doch keine Revolution. Telegramme zu schicken an die Regierung und das Parlament. nein. Die wichtigsten Beschlüsse werden durch die Mehrheit getroffen. Und eine Revolution bedeutet für die meisten eine sehr schlimme Zeit.. das ist ein passender Tag. wie man diese Sache beschleunigen kann. Und die Mehrheit hat immer Recht. Er ist sogar nötig.> Und sobald 66 . welche Hebel man in unserem Leben am wirksamsten in Bewegung setzt. Dann sollen also die Leute in ihren Telegrammen Folgendes schreiben: <Bitte machen Sie den 23.«Ihr. und zwar mit folgendem Text: <Wir bitten darum.» «Wenn dem so ist. warum gibt es dann überhaupt Demokratien und Volksentscheide?» «Sie haben die Funktion von Puffern .» «Also gut. Er sollte so schnell wie möglich eingeführt werden. jawohl.» «Die höchsten Erkenntnisse kommen zunächst immer nur einigen wenigen. besser in deinem Buch . das Volk. Aber an welchem Datum?» «Am dreiundzwanzigsten Juli..» «Wieso gerade dann?» «Ich finde. Ich kenne mich besser damit aus. unbedingt nötig. wir leben in einer Demokratie.

Zuerst wird er in Russland eingeführt werden. schickst du von hier aus deinen Strahl los. aber später wird er zum schönsten Feiertag auf Erden. Bis zum Mittag brauchen sie darüber hinaus nichts weiter zu essen.» «Ja.» «Warum sollen sich eigentlich alle freuen? Dieser Feiertag ist doch nur für die Kleingärtner. Wenn die Sonne aufgeht. Jeder möge dann über sein Leben nachdenken. wo sie mit eigenen Händen Obst und Gemüse züchten. die ein kleines Grundstück haben.» Dann hielt Anastasia eine kleine Rede.. warum die Pflanzen wachsen. sollen der Sonne erste Strahlen im Kreise ihrer Pflanzen erleben. Ein feierlicher Rhythmus lag in ihren Worten. mit voller Kraft! Darauf kannst du dich verlassen.. und vor allem die Erde wird froh sein.» «An diesem Tag mag jeder auf die Stimme des Herzens lauschen. und man sollte über seine eigene Bestimmung nachdenken. Und jeder sollte 67 . Ein schöner und lichter Feiertag soll es sein! Alle Menschen werden sich freuen. Sie sollen jede Pflanzenart mit ihren Händen berühren. mit Freunden oder allein — sollen barfuß auf der Erde stehen. sollen sie von jeder Strauchart eine Beere pflücken und sie essen. was er tun soll. mit Karacho. sich liebevoll an seine Nächsten und seine Freunde zu erinnern. was ihm Freude macht und was seine Bestimmung ist. daran. um zu wissen. wie er das feiern soll. Diejenigen. Sie sprach schnell und mit Begeisterung. «Möge Russland an diesem Tag früh in der Morgendämmerung erwachen! Alle Menschen . jeden Laut klar und deutlich aussprach. und auch Satzbau und Aussprache waren außergewöhnlich. darüber. Aber ich kann ja auch gleich mal meine Imaginationskraft zum Einsatz bringen.die Mitglieder von Regierung und Parlament anfangen zu lesen und sich fragen: <Warum schicken uns die Leute nur solche Telegramme?>.» «Der Tag muss so gestaltet werden. und zwar mit Karacho . dass sich alle darüber freuen. In der Zwischenzeit soll der Garten in Ordnung gebracht werden.mit ihrer Familie. wobei sie jedes Wort. Ein Feiertag der Seele!» «Und wie soll er zum ersten Mal in Russland begangen werden? Niemand weiß ja. Es ist auch ratsam.

glaubte ich nicht nur an den Festtag. Zum Mittagessen soll die gesamte Familie zusammenkommen.» Puff! — und fort war das Weinglas aus meiner Hand. er fände bereits statt. Die Früchte. Jeder möge das auftischen. Der Älteste soll zusammen mit dem Jüngsten aus dem Kreise die Mahlzeit segnen. der in kleinen Schlucken getrunken wird. selbst tödliche oder hart68 . Schließlich kann man seine alten Gewohnheiten nicht auf der Stelle aufgeben. und auch die Feier löste sich auf der Stelle in Wohlgefallen auf. Ich hatte praktisch das Gefühl. Anastasia! Lass uns unsere Feier!» «Na schön. vielmehr kam es mir so vor.also gut. Also: Hoch die Tassen! Trinken wir auf die Erde und auf die Liebe!» Mir schien. Alle Familienangehörigen mögen einander freundlich ansehen. aber das Alleinsein ist unerlässlich. auf dem Tisch sollen keine alkoholischen Getränke sein. solange es Wein ist . Es spielt keine Rolle. um in dieser Zeit in sich zu kehren. Da sagte Anastasia plötzlich: «Wladimir..während des Vormittags mindestens eine Stunde in Abgeschiedenheit verbringen. kann ja ein Wein aus Beeren auf dem Tisch stehen. ich hielt ein Weinglas in der Hand. die in ihren Gärten gewachsen sind. im Kreise vieler Menschen bei Tisch zu sitzen. Oh. wenn du willst. Und was machen wir am Nachmittag?» «Die Leute sollen in die Stadt zurückkehren. wie und wo man das tut. die selbst kein Grundstück mit Garten haben.» «Beerenwein . die die Erde zur Mittagsstunde hervorgebracht hat. und so fügte ich hinzu: «Vor dem Essen wollen wir gemeinsam anstoßen. wie viele positive Gefühle es an jenem Tag geben wird! Sie werden zahlreiche Krankheiten vertreiben. alle Mitglieder von nah und fern.. Das Essen soll aus den Dingen zubereitet werden. wonach sein Herz und seine Seele begehren. dabei sollte jeder etwas Gutes über die anderen sagen.» Die von Anastasia geschilderten Szenen wirkten ausgesprochen frisch und lebendig. Bei Tisch möge eine ruhige Unterhaltung stattfinden. Ergriffen von Anastasias Erzählung. «Nicht doch. sollen sie in Körben sammeln und damit diejenigen bewirten.

nackige chronische Krankheiten. entgegengehen. denn ich konnte mich nicht zurückhalten. winkte sie mit einer Hand und klatschte in die Hände. und ihre Begeisterung für den Feiertag steigerte sich immer mehr. werden an diesem Tag wie verlorene Söhne zurückkehren. Dann beugte sie ein Knie. Und schau. dass sie in jedes Äderchen des unermesslichen Kosmos drangen. wie ihre Augen leuchten vor Ruhe und Güte!» Anastasia strahlte. Als sie wieder unten war. jedem Käfer und jeder gewaltigen Zeder widerzuhallen. fast bis zum untersten Ast der Zeder. Die Strahlen der Liebe und der Güte sowie die mitgebrachten Früchte werden die Krankheiten heilen und vertreiben. werde auch ich wieder jung sein?» «Ja. Ihre Augen glänzten nicht nur vor Freude. wie sie es ehemals waren!» «Und ich. aber es entstand der Eindruck. Die Alten werden den Kindern Briefe schreiben und die Kinder ihren Eltern. Anastasia. Sie waren nicht laut. All jene. 69 . soll an diesem Tag dem Strom der Leute. die vom Lande zurückkommen. während sie sprach: «An diesem Tag werden viele Menschen nach Russland strömen. sieh! Ein Bahnhof! Ein Strom von Menschen mit bunten Körben. so als zöge vor ihrem inneren Auge eine Flut von Bildern des großen Festtages vorbei. Was Anastasia dann sagte. von ihnen schien auch ein bläuliches Glitzern auszugehen. schien von jedem Grashalm. Mögen die Menschen in ganz Russland an diesem Tag in der Morgendämmerung erwachen! Mögen die Saiten der kosmischen Harfe von frohen Melodien erklingen! Mögen auf den Straßen und in den Höfen die Lauten der Barden zu hören sein! Mögen alle Greise wieder jung werden. erhob die Rechte. Plötzlich schwieg sie. Anastasias Worte wurden von einer unsichtbaren Kraft verstärkt. stieß sich mit großem Schwung von der Erde ab und schoss in die Höhe. wir werden beide jung und frisch sein. die von der Erde als Atlanter geboren wurden. Wer unheilbar oder leicht krank ist. darauf überflutete eine bläuliche Strahlung die ganze Lichtung. — Sieh nur. In ihrer Miene spielten immer neue Ausdrücke der Freude. du und ich. Hin und wieder warf ich ein paar Worte ein.

rief ich Anastasia zu. Mit Schmerz und Bedauern schaute sie mich an. Ohne sie wird die Kette der Ereignisse zerreißen. damit ich dir dann mit meinem Strahl helfen kann . Ganz fanatisch würde sie träumen! Ihren Kleingärtnern zuliebe würde sie sich große Mühe geben. aufhören!». als hätte ich etwas kaputt gemacht. hast du denn nicht verstanden? Das war doch alles nur Spaß mit dem Feiertag. Und fast flüsternd sprach sie zu mir: «Ich habe es ernst genommen. an sie geglaubt und alles in Gang gesetzt. Ich sah sie an. der Eine und Einzige.» Anastasia hielt inne. die von der Erde entfacht wird!» Anastasia war ganz hingerissen von den Bildern des Festtages. dass sie alles ernst nahm. «Halt.» 70 . Mit jedem ihrer Worte.Und mögen die ganz Kleinen. Und mit ihrer typischen Hartnäckigkeit würde sie diesen Tag weiter modellieren und von ihm träumen. Ich spürte deine Aufrichtigkeit. wie du es gesagt hast. Hilf du mir mit den Telegrammen. Mögen sie sich an diesem Tag in einfacher menschlicher Gestalt verkörpern! Und Gott. als du über den Feiertag sprachst und über die Telegramme. und ich habe schon alles modelliert. die gerade die ersten Schritte in ihrem Leben tun. Ich habe nur gescherzt. Ich habe deine Idee angenommen.so. denn plötzlich begriff ich. Mögen die Erwachsenen mit ihnen wie mit ihresgleichen umgehen! Die Götter aller Völker werden zur Erde herabsteigen. wird glücklich sein. Nimm deine Worte nicht zurück. bis ihre Träume und Gedanken Wirklichkeit würden. mit jedem Satz modellierte sie Bilder des Feiertages. so wie sie es schon seit zwanzig Jahren getan hatte. Sie sprach nicht einfach nur Worte. Sie drehte sich wie im Tanz auf der Lichtung. Um sie davon abzuhalten. Wladimir. In die Kette der Ereignisse habe ich die Telegramme der Bevölkerung eingeflochten. rief ich ihr zu: «Was soll das. wobei ihre Begeisterung noch zunahm. und ihr Gesichtsausdruck tat mir im Herzen weh. Mögest auch du an diesem Tag sehr glücklich sein. gerade wie ein Kind. eine Welt des Glücks und der Freude betreten! An diesem Tag wird nichts das Glück der Kinder trüben. aufgrund der Liebe. so verstört war sie.

«Schon gut.» Und wieder beschrieb sie Bilder des Feiertags. die das verstehen. wie sein Herz und seine Seele es ihm gebieten.. Und auch die Regierung und euer Parlament werden sich dem nicht verschließen. Ich habe das alles einfach aufgeschrieben. ich will es versuchen.. 71 . da bin ich mir ganz sicher! Sieh nur . Jeder mag jetzt so handeln. wenn niemand diese Telegramme schicken will?» «Es werden sich Menschen finden. Es wird den Feiertag geben. Nur beruhige dich wieder. Doch was.

warum hast du so seltsame Sätze gebildet. glaubst du wahrscheinlich auch noch an diese albernen Kindereien!» «Wieso denn Einbildung? Ich kann dir jede Menge Beispiele aus eurem und deinem eigenen Leben geben. wie du bist. Anastasia.10 Das klingende Schwert des Barden «Sag mal.. und sie alle werden sich jetzt verwirklichen.» «Und was für eine Rolle spielen dabei die Worte?» «In jedes Wort habe ich eine Menge Ereignisse und viele Bilder der Freude eingegeben. Sie tragen dann keine formende Bedeutung mehr.. die mit echter Formkraft ausgestattet sind. an denen du das Potential von Worten erkennen kannst.» «Das ist doch alles Einbildung! Und naiv.» 72 .» «Wieso wird dann nicht alles Realität. so sind solche Worte gehaltlos. ein belangloser Klangsalat. Denn Gedanken und Worte sind das Hauptwerkzeug des Großen Schöpfers. als du über den Feiertag sprachst? Und auch die einzelnen Wörter hast du so ausgesprochen. was die Menschen sagen?» «Weil bei ihnen die Verbindung zwischen Seele und Wort gerissen ist. dass praktisch jede Silbe und jeder Laut für sich erklang . die einzelnen Szenen des Fests möglichst plastisch und detailliert wiederzugeben. Wenn die Seele des Sprechers leer ist und nichts hinter den Worten steht.» «Ich habe mich bemüht. Und mit diesem Werkzeug ist unter allen verkörperten Wesen nur der Mensch ausgestattet.

jedes einzelne Wort?!» «Urgroßvater hat gesagt. Bei den Proben lernen sie dann. Was denkst du. Das ist es. Nehmen wir zum Beispiel die Schauspieler. wobei einige hervorragend lernen. wie man sich in eine Rolle hineinversetzt. dass man sogar jedem einzelnen Buchstaben Gestalt verleihen kann. Bei den Proben versuchen sie dann.» «Also bitte. das Gelernte umzusetzen. bei nur zehn Prozent der gesprochenen Worte deren unsichtbare Formen hervorzubringen. wenn du sprichst? In welchem Maße kannst du deinen Worten Gestalt verleihen? Zu zehn Prozent . Aber dem einen Darsteller werden sie mit atemloser Aufmerksamkeit zuhören..«Da bin ich aber gespannt. Das hat mir Urgroßvater beigebracht. Die Worte sind die gleichen. Wenn es einem Schauspieler gelingt. aber ihre Wirkung ist total verschieden.. hat er die Aufmerksamkeit des Publikums gewonnen. wie man die Texte ausdrucksvoll spricht. Sie stehen auf der Bühne und sprechen die gleichen Worte. Die Leute werden weinen oder lachen und im Herzen all das fühlen.. sie sind eben Schauspieler. wird man ihn für genial halten. was ihnen der Schauspieler vermitteln will. Und wenn er das Gleiche bei der Hälfte der Worte schafft.» «Sie lernen an der Akademie. hinter jedem Buchstaben eine Form zu schaffen. während sie einen anderen in der gleichen Rolle kaum wahrnehmen. Und ich habe gelernt.» «Wieso das denn? Ein Buchstabe allein hat doch gar keine Bedeutung. woran das liegt?» «Tja. zu fünfzig Prozent?» «Zu hundert Prozent. Sie studieren jahrelang an der Akademie.» «Und ob! Im Sanskrit zum Beispiel steckt in jedem Buchstaben 73 . was ich mit dem Werkzeug des Großen Schöpfers> meinte.. während andere eher Durchschnitt sind. Denn er kommuniziert mit den Zuschauern unmittelbar von Seele zu Seele. die die Zuschauer vielleicht schon öfters gehört haben. was hinter den Worten steht.» «Und wie ist es.» «Hundert Prozent? Donnerwetter! Also wirklich .

Wegen ihres umfassenden Wissens von der materiellen und der geistigen Welt wurden sie von vielen damals lebenden Völkern bewundert. das haben die Menschen vergessen. Aber was hinter dem Klang steckt. Dann bat sie mich leise. und ihre Worte drangen wie aus der Ewigkeit zu mir: «Lange vor Christi Geburt lebten Menschen auf dieser Erde. Und da jedes Wort wiederum aus Buchstaben besteht.» «Was sind das für Wörter? Kenne ich zumindest eines davon?» «Ja. Sie waren unsere Vorfahren. fast flüsternd: «Wladimir. Dann begann sie leise zu sprechen. In Anwesenheit der Druiden griffen die Kelten niemals zu 74 .» «Barde». und oft werden auch solche Wörter so gedankenlos ausgesprochen. das Jahrhunderte überdauert hat und das vielleicht von unseren entfernten Vorfahren für dich oder jemand anders in unserer heutigen Zeit bestimmt ist. vergessenen Formen versuchen sich Zugang zu unserer Seele zu verschaffen. und sie kämpfen für sie. und ihre weisen Lehrer hießen Druiden. wie gleichgültig und achtlos du dieses bedeutende Wort ausgesprochen hast! Durch deine Abwesenheit und Leere hast du das flackernde Flämmchen einer Kerze gelöscht.» «Was hat dir denn an meiner Aussprache nicht gefallen? Und woran hätte ich mich im Zusammenhang mit diesem Wort erinnern sollen?» Anastasia schwieg. jedenfalls dem Klang nach. die Raum und Zeit durchdringen. Sie beschützen unsere Seele. Sie zuckte wie vor Schmerz zusammen.ein ganzes Wort oder noch mehr. die Jahrtausende überdauert haben. dann sprach sie: «Oh. Und die darin noch heute verborgenen. Das Vergessen der Ursprünge hat zur heutigen verheerenden Lage der Menschheit gefuhrt. die sich Kelten nannten. ein Flämmchen.» Anastasia schloss die Augen und schwieg eine Weile. sagte ich. verbirgt sich in jedem Buchstaben die Unendlichkeit!» «Ach du liebe Zeit! Und wir plappern die Wörter so gedankenlos daher!» «Ja. ich denke schon. bitte sprich einmal das Wort <Barde> aus.

Die letzte Schlacht fand an einem Fluss statt.den Waffen. unterweisen lassen. damit in dem Mädchen keine Furcht oder Trauer aufkämen. musste man sich zwanzig Jahre lang individuell von einem geistigen Meister. sondern allein lichte Bilder in ihre Seele dringen könnten. unter das Volk zu gehen und zu singen. Wenn das Mädchen von der Mutterbrust abließ. Er drehte sich noch einmal zu der Frau um. die für die Seele heilsam waren. einem Oberdruiden. Da erblickten die Römer unter den Kriegern Frauen mit offenem Haar. Die Kelten wurden wiederholt von römischen Legionen angegriffen. sodass die Frau Zeit fand. zum Fluss herunter zu laufen. Es muss aber offenbar irgendeine besondere Bewandtnis mit diesen unbewaffneten Frauen mit offenem Haar gehabt haben. wussten die erfahrenen Heerführer nicht. Um den untersten Grad eines Druiden zu erreichen. Die römischen Feldherrn wussten: In Gegenwart solcher Frauen würden sie für einen Sieg über die Kelten eine sechsfache Übermacht brauchen. Sie hatten einen Halbkreis gebildet und wehrten sich tapfer. Die junge Mutter sang ein heiteres. freudiges Lied. Damit fiel ihm das moralische Recht zu. Am Schluss war nur noch eine keltische Familie übrig. ihre Blicke trafen sich. und sie lächelten sich an. trafen sich die Blicke der beiden. Durch seine Lieder brachte er Licht und Wahrheit unter die Menschen. Die Römer überfielen die Kelten mit neunfacher Übermacht. Die Mutter unterbrach dann ihr Lied und nannte das Mädchen jedes Mal zärtlich <Barda>. Der schützende Halbkreis war inzwischen durchbrochen worden. der blutüberströmt sein Schwert zum Kampfe erhoben hatte. Zwischen den anstürmenden römischen Soldaten und der stillenden Frau stand nur noch ein einsamer junger Barde. die an einen Fluss gedrängt worden war. Der verwundete Barde konnte die Römer noch eine Weile aufhalten. das 75 . Warum das so war. Erst dann erhielt ein erfolgreicher Adept die Einweihung und den Titel <Barde>. und auch die Geschichtsforscher von heute haben dafür keine Erklärung. und mit seinen Worten formte er Bilder. Hinter ihnen stillte eine junge keltische Frau ein kleines Mädchen und sang.

Aber die Mühen und Nöte des Alltags führten dazu. Unermesslich Größeres und Bedeutenderes — unsichtbare Gefühle.kleine Mädchen in ein Boot zu legen und dieses vom Ufer abzustoßen. die Trübsal der Seele zu vertreiben. Das Wesen des Menschen bildet nicht allein der Körper. scheiterten die unsichtbaren dunklen Kräfte an einem einzigen Hindernis: demjenigen. Sie lebte auf der Erde und sang. und im Fallen sandte sie dem Boot. welche aufgrund der Bemühung der jungen Mutter zum Nutzen der heute lebenden Menschen Jahrtausende überdauert haben. starken Krieger dem Körper der Frau nicht einmal eine Schramme zufügen konnten. Sie nahm es auf und kämpfte vier Stunden lang ununterbrochen mit den Legionären. Ihre Lungen waren ausgetrocknet. Die kleine Barda wuchs zu einem Mädchen. denn die ganze Zeit über hatte sie keinen Schluck Wasser bekommen. Der verblutende Körper des Barden hatte das lichte Lächeln seiner Seele in die Ewigkeit gesandt. zu ihr vorzudringen. dass die Quelle des Strahls beinahe erlosch. Mit ihren Liedern schenkte sie den Menschen ausschließlich lichte Emotionen. es war ihnen unerklärlich. Doch bei dem Versuch. das mit der kleinen Barda langsam stromabwärts trieb. und sie hatte Kinder. Wladimir. um ihnen den schmalen Pfad zum Fluss zu verwehren. Bestrebungen und Empfindungen .spiegeln sich nur teilweise im Materiellen wider. und von dort wurde das Licht des unsicht- 76 . noch ein sanftes Lächeln hinterher. der auf dem Pfade stand. Die ermüdenden Legionäre lösten einander im Kampfe ab. Die römischen Feldherrn verfolgten sprachlos den Kampf. Mit letzter Kraft warf der verblutende Barde der jungen Frau sein Schwert zu Füßen. dann zu einer erwachsenen Frau heran. Nach vier Stunden verließen die Frau die Kräfte. Das Lächeln galt auch dem Wort selbst und dem in ihm enthaltenen Gedankenbild. Wie ein allheilender Strahl halfen sie. Aus ihren zerplatzten Lippen quoll Blut hervor. wieso die erfahrenen. Langsam sank sie in die Knie. Das Wesen des Menschen liegt nicht im Körper.

» «Sag mal.» «Danke. Wladimir. ich glaube. die ihre eigene Herkunft vergessen haben. die es liebte zu singen.. antwortete sie. werde ich es ganz bestimmt aussprechen. brannte es in den Lungen. ehe ich in der Lage bin. wie du auf diese Frage gekommen bist. Doch halt. ihrer Tochter Barda.» «Kann es sein. und des Barden. bitte sprich noch einmal das Wort <Barde>. Wladimir. wie sich die Bilder und Formen. und versuche mich zu verstehen. Wenn es so weit ist. Jeder soll selbst darüber nachdenken. Wladimir — danke dafür. zu diesem Geschlecht zu gehören?» «Überleg mal. dass du es jetzt nicht ausgesprochen hast. und Blut quoll aus ihren aufgesprungenen Lippen hervor.» «Gut». die das Schwert hielt. Auch ich schwieg eine Weile. dass du dich vergewissern willst.» «Ich möchte mir einfach denjenigen oder diejenigen einmal anschauen.baren menschlichen Wesens reflektiert. denn ich stand noch ganz unter dem Eindruck der von ihr geschilderten Szenen. Und jetzt glaube mir. der auf dem Pfad gekämpft hat? Wer hat nur vergessen können. Der jungen Mutter. ich habe verstanden.. sah mich an und verfiel in Schweigen. dass nicht du es bist.. du musst das doch beantworten können: Wer von den heute lebenden Menschen ist ein direkter Nachfahre jener stillenden Mutter. der sich an all das nicht erinnert?» «Was soll das? . Wladimir. die gebührende Bedeutungstiefe in es hineinzulegen.» «Ich kann es nicht. Du brauchst nicht zu antworten. bald in der realen Welt ma77 . Lausche auf das Klingen des unsichtbaren Schwerts des Barden. der sich auf dem Pfad zu den Seelen seiner Nachkommen einem Angriff des Dunklen und Bösen widersetzt. Anastasia. Schließlich fragte ich sie: «Warum hast du gerade dieses Wort als Beispiel gebraucht?» «Um dich darauf aufmerksam zu machen. Anastasia.. Sie müssen ganz gefühllos sein. die sich darin verbergen. die das lichte Lächeln des Barden erhaschten .

Du wirst ihre Lieder hören.. zuerst entstand nur ein zitterndes Flämmchen in einer Seele und ließ eine Gitarrensaite erklingen. Tausende von Gitarrensaiten werden zurzeit von den heutigen Barden Russlands zum Klingen gebracht. haben sie es zuerst gespürt. Bald werden ihre Lieder von vielen Menschen gehört werden..nifestieren werden. Als ich noch in der Taiga von allem träumte.» 78 . Ihre Seelen . Diese Barden werden den Menschen dabei helfen. die neuen Lieder der Morgendämmerung. das neue Morgenrot zu erblicken — das Morgenrot der Erleuchtung der menschlichen Seelen. dann stimmten sich auch andere Seelen darauf ein und machten mit.

11 Eine jähe Umkehr Nach dem dreitägigen Aufenthalt bei Anastasia kehrte ich zum Schiff zurück. verfiel ich ins Nachdenken. Früher waren oft Vertreter der verschiedensten Konfessionen zu mir in die Firma gekommen. Manchmal gab ich ihnen etwas. jedenfalls begannen sie zu stehlen. Ich gab den Befehl.wozu auch? Jedes dieser Gespräche endete sowieso mit der Bitte um eine Spende. was ich ihr hätte geben sollen. Ich hätte mir sowieso nicht vorstellen können. die aus Nowosibirsk kamen. Im Gegensatz zu all diesen «Geistlichen» bat Anastasia nie um Geld. auf direktem Wege nach Nowosibirsk zu fahren. Die angeheuerten Arbeiter und ein Teil der Besatzung müssen wohl meine Nachlässigkeit bemerkt haben. doch auch diese Dinge berührten mich kaum. Äußerlich gesehen besaß sie nichts. Rückblickend ist es schwer zu sagen. ohne groß auf ihre Geschichte einzusteigen . mich um die Angelegenheiten meiner Firma zu kümmern. Die Polizei von Surgut nahm die Diebe fest und erstellte Protokolle. und am Ende ihrer Präsentation kam dann unweigerlich die Bitte um eine Spende. Ein paar Tage war ich gar nicht in der Lage. Ich konnte weder Entscheidungen treffen noch die weitere Reiseroute festlegen noch die Funkmeldungen beantworten. und doch entstand irgendwie der Eindruck. 79 . warum das Zusammensein mit Anastasia einen so starken Einfluss auf mich hatte. Angeblich wollten sie etwas Gutes für die Gesellschaft tun. sie habe alles. Zurückgezogen in meine Kajüte.

Ich hätte sehr gern mit jemandem über Anastasia gesprochen. «Es geht sowieso alles den Bach runter». waren sie um mein psychisches Wohl besorgt. Ich beurteilte die ganze Entwicklung sehr nüchtern. Und so geht das nun schon seit über zehn Jahren. konnte mir jedoch nicht vorstellen. Sogar diejenigen. und zwar solche. Am Ende hätte man mich noch ins Irrenhaus gesteckt. dass diese 80 . sodass das Bankrott unausweichlich erschien. verdiene auch etwas. Im Kreise meiner Familie sprach man ohnehin schon von einer Behandlung. aber zufrieden macht mich das nicht. Das Unheil stürzte von allen Seiten gleichzeitig auf die Firma herein. die mir früher nach dem Munde geredet hatten. Mir war klar. wie ich es nach meiner Rückkehr erleben durfte. Meine neuen Interessen galten als Anzeichen geistiger Verwirrung — der Wladimir hatte eben einen Knacks. Nur eine kleine Gruppe von langjährigen. wer kann!» Und das tat man dann auch. man erwartete von mir geschäftliche Pläne. dass mich jemand verstehen würde. Er ist nicht mehr fähig. dass mit dem bestehenden Personal nichts mehr zu retten war. würden jetzt jede meiner Entscheidungen anzweifeln. treuen Mitarbeitern stemmte sich dem unvermeidlichen Untergang entgegen.» Schon bald galt die Devise: «Rette sich. welche Bücher ich las. Das Auf und Ab von Erfolg und Misserfolg hatte mich gelehrt. Einer meiner «wohlmeinenden Freunde» hatte in der Firma Gerüchte über mich verbreitet: «Mit dem stimmt was nicht. Auch wenn es nicht offen ausgesprochen wurde. Doch diesmal war die Situation so verfahren wie nie zuvor.Seit mehr als zehn Jahren war ich nun im Geschäftsleben und hatte als Leiter verschiedener Kollektive einiges an Erfahrungen gemacht. Ich begann mir über vieles in meinem Leben Gedanken zu machen. meinten sie. Wer garantiert mir. wirksame geschäftliche Entscheidungen zu treffen. Denn sofort verlangt es mich nach mehr. dachte ich. Selbst meine eigenen Verwandten trugen zum Ruin der Firma bei. die garantiert hinhauten. «Ich ziehe ein Geschäft durch. Doch als sie nach der Rückkehr des Stabsschiffes sahen. «Was hat das alles für einen Sinn?». in allen Lagen eine Lösung zu finden.

Sie sind tüchtig und haben bei Geschäften eine glückliche Hand.. nun ja. in der ich für die verschiedenen Tätigkeitsbereiche der Firma Leiter ernannte. Ob Sie einen Arzt brauchen oder ob man abwarten sollte. dass sie bald ohne Lohn dastehen. äh. was Sie bedrückt . berief ich eine Sondersitzung ein. wie die für das Gespräch aufbringen — da müssen sie wohl alles gleich verstanden haben. die beiden Herren sind auf jemandes Bitte gekommen. Kommt es vielleicht gar nicht darauf an. Sorgen um Sie machen. Sie ließen sich auf das Thema ein und stimmten mir in einigen Punkten zu.ich war mit dem Auto unterwegs . Wir unterhielten uns recht lange. Ich redete mit ihnen über den Sinn unserer Tätigkeit und kam so auch auf die «Gesellschaft für Unternehmer mit reinen Absichten» zu sprechen. wissen Sie . die ganze Belegschaft..» Später jedoch . die beide große Unternehmen leiteten. wie denkst du darüber?» Er druckste etwas herum. ob Sie geistig ganz in Ordnung sind. Sie wurden von Leuten hergeschickt. um sich eine Flasche Wodka zu leisten. Die Leute in der Stadt haben immer gesagt. sie alle haben Angst. denen ich in meiner Abwesenheit vollständige Handlungsfreiheit 81 ..Plackerei nicht noch bis zum Ende meiner Tage dauert. worüber Sie die ganze Zeit nachdenken.. kurz gesagt.sagte mir mein Fahrer: «Wladimir Nikolajewitsch.. «Lass uns zurückfahren!». Sie wollten wissen. Dem Milliardär fehlt eine Milliarde für eine Neuanschaffung. Wieder in der Firma.» «Und du . wie viel Geld man hat?» Eines Morgens besuchten mich zwei alte Geschäftskollegen in der Firma.für wie schlimm man meinen Zustand hielt. und auch er ist verdrossen. Aber jetzt. die sich... bis alles vorüber ist. und schließlich sage er leise: «Zehn Jahre haben Sie gut und normal gearbeitet. und er bläst deshalb Trübsal. ohne dass ich je Befriedigung erreiche? Dem einen fehlen ein paar Rubel. sagte ich.» Erst jetzt begriff ich das ganze Ausmaß der Sorgen um mich . Ich hatte damals einfach ein starkes Mitteilungsbedürfnis. und ich dachte schon: «Na so was! So viel Zeit..

Sie hat sie in ein Tuch eingewickelt. Meinem Fahrer trug ich auf... Und sie hat darauf bestanden. Leben Sie wohl. Piroschka: Pastete mit Füllung aus... dass ich sie Ihnen gebe.»* «Soso. Dort übergab er mir dann ein warmes Bündel. damit sie warm bleiben. «Was ist das?». Wladimir Nikolajewitsch.» Ein paar Tage darauf kündigte er ..» «Danke. aber gestern . Vielen Dank.einräumte.die ganze Nacht war sie auf deswegen. 82 . Kohl. «Piroschki. A. Kartoffeln o. aus Mitleid mit mir armem Irren hast du mir Piroschki mitgebracht?» «Meine Frau hat die gemacht.. Sie hat gemeint. Früher hat sie so was nicht gemacht — sie ist noch jung -. Sie hat sich richtig ins Zeug gelegt . dass Sie wohl nicht so bald zurückkommen werden . fragte ich ihn. mich am nächsten Morgen zum Flughafen zu bringen.

Sie hatten ja keine privatisierten Betriebe. bei Null anzufangen und sogar ohne Kredite zu Geld zu kommen. Ich dachte weiter über die Unternehmer nach. Und so machten sie tatsächlich aus nichts Geld. wage ich zu behaupten. Die Mehrheit der sowjetischen und russischen Geschäftsleute brachte es irgendwie fertig. Folglich waren sie auf ihr eigenes Köpfchen angewiesen und mussten auf ihr Glück hoffen. auf Biegen und Brechen Handel treiben und so auf Kosten der Bevölkerung ihr Kapital vermehren. Natürlich gibt es wie in jeder Gesellschaftsschicht auch unter den Geschäftsleuten verschiedenste Charaktere. die auf unehrliche Weise zu Geld gekommen sind. dass die meisten Unternehmer der ersten Welle ihr Anfangskapital durch unkonventionelle Lösungen im Dienstleistungsbereich oder in der Produktion von Mangelwaren und Neuerzeugnissen sowie durch die Optimierung von Produktionsprozessen erworben haben. 83 . wie es bei der zweiten Welle von Unternehmern der Fall war. Der Kurs stand fest: Es ging geradewegs nach Moskau. Da ich aber seit Beginn der Perestroika regen Anteil am Geschäftsleben hatte. Als Beweis hierfür werde ich ein paar Beispiele aus meiner eigenen Tätigkeit anführen. Viele halten sie noch immer für Menschen.12 Wer bestimmt den Kurs? Im Flugzeug nahm ich meinen Platz ein und schloss die Augen. Nicht fest stand jedoch die Route meines weiteren Lebens.

Dazu gehörten die Laboranten des Ateliers und einige umherreisende Fotografen.ich fuhr gerade mit meinem buckligen Saporoshez* auf der Landstraße — hatte ich eine Reifenpanne. Natürlich wollten wir alle mehr verdienen. und so verfügten alle über ein mittleres Einkommen und lebten für die damalige Zeit in recht passablen Verhältnissen. das er durch Nebeneinkünfte noch aufbesserte. Das funktionierte folgendermaßen: An der Landstraße stand ein Fotograf mit seiner Ausrüstung und mit zwei Helfern.» In nur wenigen Minuten reifte in mir ein Plan heran. wenn es den Autofahrern gefiele. Und ich fand einen Weg dazu. 84 . kann ihn sich noch heute zunutze machen. sprich: mehr Kunden gewinnen. Während ich den defekten Schlauch flickte. Jeder bekam sein festes Gehalt. Eines Tages . den ich in der Folge in die Tat umsetzte und der den Profit unseres Kollektivs vervierfachte. vergleichbar mit dem ostdeutschen Trabant. sich fotografieren zu lassen. die eine * Eine sowjetrussische Automarke der niederen Klasse. Außerdem gab es für alle Mitarbeiter eine prozentuale Gewinnbeteiligung. Wer will.13 Geld aus dem Boden stampfen Noch vor der Perestroika hatte ich einmal ein Team von Fotografen geleitet. sah ich den vorbeifahrenden Autos nach und dachte: «Ich könnte ein Heidengeld machen. doch dafür mussten wir unseren Umsatz deutlich steigern.

Die Fotografen nahmen eine Unmenge Häuser auf. Dann trugen die Postboten die Fotos aus und kassierten auf der Stelle das Geld. Straße für Straße. da unsere Vorgesetzten unser Einkommen für viel zu hoch hielten. dass niemand etwas prüfte oder beanstandete. Verwechslungen der Adressen zu vermeiden. sondern lediglich eine Dienstleistung angeboten wurde. die wir ihnen per Nachnahme zustellen ließen. und die Nachfrage war so groß. Gleich zu Beginn der Perestroika trennte sich unser Team von dem Verband und gründete eine eigene Genossenschaft. Im Laufe eines halben Jahres hatten wir diese Dienstleistung auf allen größeren Landstraßen um Nowosibirsk angeboten. wer eine Aufnahme wollte. Dann trafen wir immer häufiger auf Autofahrer. weil die Gewinnbeteiligung für alle Mitarbeiter prozentual festgelegt war. Dann hatte ich die Idee. wie sie die Männer der staatlichen Autoinspektion bei sich hatten. Die Autokennzeichen dienten dazu. Dann gaben sie uns ihre Adresse und erhielten bald darauf ihre Fotos. Die Autofahrer hielten an. «Mein Elternhaus» usw. die bereits ein Foto von uns bekommen hatten. Die Leute schickten diese Aufnahmen oft an ihre Kinder. zu deren Fotografischer Verband des Raumes Nowosibirsk.grüne Armbinde trugen mit dem Zeichen unseres Betriebes: «SB» (Alltägliche Dienstleistungen). da sie das Ganze für eine Art Verkehrskontrolle hielten. und viele sagten. In der Hand hielten sie einen Stab. Wir hatten oft Probleme mit dem Lohnbüro der «Nowosiboblfoto»*. dass sie gar nicht erst fragen mussten. Aber letztlich konnten sie nichts tun. Privathäuser zu fotografieren und die Bilder mit Text zu versehen. waren sie erleichtert und posierten gern neben ihrem vorderen Nummernschild. Haus für Haus. Sie gingen einfach in einen Ort und knipsten munter drauflos. für die wir arbeiteten. dass diese dadurch den Wunsch bekommen hätten. Als sie dann merkten. um sich ablichten zu lassen. In diesem halben Jahr aber hatte unser Team eine schöne Stange Geld verdient. wie eine Postkarte: «Mein trautes Heim». 85 . wieder einmal ihre Eltern zu besuchen.

sagte ich zu ihm. Jetzt waren wir unabhängig und konnten genügend Kapital sammeln. verfärbte es sich plötzlich ganz grün. um größere Projekte in Angriff zu nehmen.» «Was habt ihr in eurem Labor hergestellt?». sieh selbst. So reagiert das Material bei Temperaturwechsel. Das Eigenkapital unserer Genossenschaft wuchs. fragte ich. Die Belegschaft der Firma nahm zu. Einmal unterhielt ich mich mit einem Bekannten. Hättest du Fieber. 86 . wie wir die Einkünfte der Firma steigern konnten. und es ist geplant. «Thermoindikator-Folie. Ich dachte darüber nach. sodass ich es erschrocken fortwarf. auf dem verschiedene Farbquadrate mit der jeweiligen Temperaturangabe dargestellt waren.» Ich nahm das Stück Folie in die Hand. Wohin soll ich dann gehen? Was soll ich bloß anfangen? Niemand braucht uns dann mehr. «Hier. das Laboratorium zu schließen. und alle hatten ein anständiges Gehalt. Und fertig war das Produkt! Diese Ware verkauften wir durch die staatlichen Großhandelsbetriebe in die verschiedensten Regionen der damaligen Sowjetunion.» «Was macht man denn damit?» «Verschiedenes». flache Thermometer und «Stressindikatoren» herzustellen.» Und so wurde eine weitere Idee geboren. Unsere Firma begann bald darauf. wo ich es berührte. Dazu wurde ein Stück dieser Folie auf einen Steifen Zierpappe geklebt. wäre es rot angelaufen. Bei normaler Körpertemperatur nimmt sie diesen grünlichen Ton an.Generaldirektor ich gewählt wurde. «Igitt! Was ist denn das für ein ekelhaftes Zeug? Ich muss mir gleich die Hände waschen». Doch er entgegnete: «Keine Panik! Die Folie hat bloß die Farbe verändert — aufgrund der Temperatur deiner Hand. antwortete er und zog ein Stück schwarzer Folie aus seiner Tasche. der am Institut für theoretische und angewandte Mechanik arbeitete. doch an den Stellen. Er beklagte sich: «Wir bekommen unser Gehalt sehr unregelmäßig ausbezahlt. Aber dafür gibt es jetzt keinen Markt mehr.

hatte am Abend zuvor der internationale Korrespondent Zwetow im russischen Fernsehen gesagt: «Die Japaner sind ein erfinderisches Volk». aber was? Wie sich herausstellte.sogar gegen Vorausbezahlung. Ohrklipps aus Plastik und Taschenkalender mit Abbildungen von halbnackten Mädchen. Die Einkünfte stiegen und stiegen. Alle waren wie wild darauf. und dann plötzlich diese unglaubliche Nachfrage . Glück zu haben! In der Werkshalle unserer Firma wurde fortan in drei Schichten gearbeitet. Gefragt waren Poster. Da ereignete sich ein Vorfall. Wir erwarben zwei Autos sowie verschiedene technische Geräte für die Firma. klingelte es erneut. Er nannte uns <vorperestroikische Knauser>. Eines Tages kam ich ins Büro der Firma und sah.ein regelrechter Boom. sei er bereit. Alle wollen Ihre Thermometer und Stressindikatoren haben. Alle wollen jetzt Großpackungen von uns beziehen . Wenn wir den Preis erhöhen wollten. der unserem Wachstum unglaublichen Vorschub leistete. denn es brachte dem Institut jetzt Profit ein. Kaum hatten sie den Hörer aufgelegt.» Am Anfang der Perestroika erlebte unser Land eine wahre Blütezeit der Kitschproduktion. Ein Kunde hat sich aufgeregt. Aber unsere Produktion war ja immerhin schon ein halbes Jahr gelaufen. Die Sekretärin sagte: «So geht das nun schon seit drei Stunden! Es hört überhaupt nicht mehr auf zu klingeln. Verglichen damit. Irgendetwas musste geschehen sein.und auch mit dem Institutslabor ging es wieder aufwärts. wie das Zuschneiden und die Verpackung der Ware. woraufhin er einen japanischen Stressindikator vorführte. Auf diese Weise lernte ich zum ersten Mal die enorme Kraft der Werbung kennen und was es heißt. Wir kauften einen kleinen Vergnü87 . Am anderen Telefon (wir hatten nur zwei) saß unsere Putzfrau. stellte unsere Ware natürlich eine totale Neuheit dar. der unserem Produkt recht ähnlich war. uns auch zum höheren Preis ganze Schübe abzunehmen. Bestimmte Arbeitsgänge. dass meine Sekretärin telefonierte und etwas aufschrieb. mussten in Heimarbeit erledigt werden.

88 .gungsdampfer. und ich beschloss. Sämaschinen für landwirtschaftliche Betriebe herzustellen. Außerdem charterten wir ein großes Passagierschiff für Geschäftsreisen und Handelsexpeditionen in den hohen Norden.

welch verheerende Folgen für das materielle Wohl es haben kann. die Besitzer wollten fortziehen und daher alles auf einmal verkaufen. wenn zwischenmenschliche Beziehungen in die Brüche gehen oder wenn man einander mit Intoleranz begegnet. eine Garage und ein Treibhaus befanden. Mischunin hatte vereinbart. Später erfuhr ich. Außerdem gab es dort einige Schafe und eine Kuh. und mit ihr zerfielen auch mehrere Familien. den Einkaufsleiter der Firma. dass eine Frau aus dem benachbarten Dorf jeden Tag zum Melken kommen sollte. wie man dieser spontan entstehenden und wider jede Vernunft waltenden Kraft trotzen kann. Bis heute weiß ich nicht. Sie zerfiel. Er bereitete alle Unterlagen für den Kaufvertrag vor. Alles begann mit meinem Entschluss. um mir die 20 Ar messende Liegenschaft anzusehen. dass sich gerade aus diesem Grunde viele Genossenschaften auflösen. Futter für die Kuh war vorhanden. Ich erklärte 89 .14 Eine destruktive Kraft Als Vorsitzender der Genossenschaft konnte ich mich persönlich davon überzeugen. Ich beauftragte damit Alexej Mischunin. Tags darauf berief ich eine Betriebsversammlung ein. auf der sich neben dem geräumigen Haus noch ein Badehaus. Ich fuhr also hin. aber Mischunin sagte. auf der ich die Belegschaft über die Neuanschaffung informierte. ein Gehöft zu erwerben. So geschah es auch mit meiner ersten Firma. Und anfangen kann alles mit etwas völlig Belanglosem. für die wir eigentlich keine Verwendung hatten.

dann entgegnete er: «Jawohl. Alle sollten gemeinsam bei der Renovierung und Einrichtung des Hauses und bei der Modernisierung der Küche mithelfen. familiären und sonstigen Frust an den Männern aus. sondern bei der Feuerwehr . das Haus renovieren. die Frauen hingegen begannen miteinander zu tuscheln. ja. «Wir arbeiten für die Firma genauso wie ihr». «Außerdem haben wir noch zu Hause zu tun: Wir machen sauber. Der Mann zuckte zusammen und errötete. Die Frauen ließen ihren ganzen persönlichen. dass du immer nach billigen Zigaretten miefst (seine Lieblingsmarke war «Prima»).ihnen auch. dass in der ganzen Belegschaft keiner der Männer Domino spielte. außerdem zur Erholung der Mitarbeiter und als Stätte für feierliche Anlässe. damit du Hurenluder mir vom Leibe bleibst!» Die Beleidigte brach in Tränen aus. kochen jeden Tag und kümmern uns um die Kinder.. der tat das schon.. Gäste empfangen und euch bei euren Saufgelagen bedienen!» Und dann ging es richtig los . aber der arbeitete nicht bei uns. Ihr eigener Mann. was ich mit dem Haus vorhatte: Es sollte zum Empfang von Gästen dienen. und die Frauen versuchten sie zu trösten. um uns das Ergebnis des Getuscheis zu verkünden. Nach einer Weile ergriff meine Frau das Wort. Dann wurde es noch schlimmer. ihren Mann offen anzuschnauzen: «Nicht genug damit. dass die Männer der Belegschaft alle Grenzen des guten Anstands gegenüber den Frauen überschritten hätten. Die Männer stimmten dem Plan begeistert zu.. als eine der Frauen schrie: «Für euch gibt es doch nur Domino und Fernsehen!» Es war nun aber so. jetzt wirst du auch noch nach Kuhscheiße stinken!» Es trat eine Stille ein. Sie schleuderten 90 . ich werde mich suhlen im Mist. Besonders wild gebärdeten sich die Frauen von Mitarbeitern unserer Firma. Das wurde mir spätestens dann klar. Reicht euch das nicht? Und jetzt wollt ihr auch noch. Eine von ihnen hatte den Nerv. Im Namen der Frauen erklärte sie.. dass wir uns hier in der Landwirtschaft abrackern. Irgendeine von ihnen musste wohl den Samen der Zwietracht gesät haben. sagte sie.

aber die innere Spannung war noch deutlich zu spüren. ihr wollt also eine Residenz auf dem Lande. Wir werden ihn der Reihe nach benutzen. Wir geben euch alles. um die Produktivität zu erhöhen. erklang es vonseiten der Männer. reparierte. Bei uns arbeitete ein Schenja Kolpakow. Ihn schrien sie an: «Und so was nennt sich Erfinder! Wo immer er auftaucht. würden sich die Gemüter schon wieder etwas abgekühlt haben. Da aber das Geld nun einmal uns allen gehört und ihr kein Recht habt. Nach der Pause nahmen alle Platz — äußerlich zurückhaltend.» «Sie werden sich an die Dorfweiber ranmachen. so dachte ich. der verschiedene Vorrichtungen erfunden hatte. was anfiel. und wir sahen ihr dabei zu. gibt es ein ganzes Jahr Aufräumarbeit!» Schließlich kamen sie auf Politik zu sprechen: «Gorbatschow redet doch nur! Wer letztlich die Entscheidungen trifft. was ihr wollt. Nach Mischunins Vereinbarung kam die Dorffrau zum Melken der Kuh. die sollte ihr haben . verlangen wir zum Ausgleich dafür einen der Firmenwagen mit Fahrer — für den Haushalt. fuhr an diesem Abend nach Hause.» «Sollen sie ruhig. Es war Freitagabend. Meine Frau. wie wir das Gut einrichten könnten. wenn ihr nur nicht dort aufkreuzt.» «Toll!». das ist Raissa Maximowna. Wer braucht diese Schlappschwänze schon?!» Keiner der Männer.» Ich ordnete eine Unterbrechung an. die sich ruhig und gelassen gab.aber keine von uns Frauen wird auch nur einen Fuß darauf setzen. Das Gut wird also nur euch gehören. und wir alle zogen uns auf unsere «Fazenda»* zurück. und der alles. Bitteschön. Es machte richtig Spaß. werden die. deren Frauen in der Firma arbeiteten. Die werden ihnen was husten.uns beleidigende Worte an den Kopf. Wir sahen uns alles dort an und schmiedeten Pläne. Am Samstag heizten wir das Badehaus. Danach. Die Kuh Fazenda (brasilianisch): Landgut. 91 . ohne unsere Zustimmung darüber zu verfügen. stellte im Namen der Frauen mit scharfer Zunge ein Ultimatum: «Nun gut. «Bleibt nur fort.

Wie kommt das? Liegt das vielleicht tatsächlich an Adam. Man umsorgt und pflegt es. Viele von uns leben so vor sich hin. Wir müssen etwas unternehmen. Die Kuh sah uns mit traurigen Augen an und schwieg. was in Menschen vorgeht. Wir gingen gemeinsam in den Kuhstall. und wir setzten uns gerade zu Tisch. dazu gab es Bier und Wodka. dass sie nicht immer kommen könne.» Alle rügten Mischunin. die Bestimmung aller Kreaturen festzulegen. sie zu verkaufen. ohne sich auch nur umzudrehen. Da hörten wir plötzlich ein lautes Muhen. um zu speisen. Wir sollten noch jemand anders zum Melken finden. aber die Melkerin war nicht da. Gegen Abend wuschen wir uns im Bad und bereiteten dann das Abendessen zu. Mischunin trug gebratenen Fisch auf. Plötzlich entwickelt man dann ähnliche Gefühle für das Tier wie für ein Kind. und der diese dabei mit Liebe ansah. Und dann kommt man eines Tages in eine Situation. und auch sie hat etwas für uns empfunden. Es ist schon ein echtes Phänomen. Dann war es so weit. was zu tun war. Und daher geschah Folgendes: Serjoscha Chodokow sagte: «Die Milch drückt auf ihr Euter. Dann wandte sie den Kopf mir zu und brüllte mich flehend an: «Muuh!» 92 . Da standen wir nun zu acht vor der Kuh und hatten keinen blassen Schimmer. Jedenfalls haben wir auf einmal alle etwas für die Kuh empfunden. Warum bloß hatte er diese Kuh gekauft? Andererseits wäre es auch schade gewesen. sodass die gleiche Liebe — wie ein Erbe aus Urzeiten — auch irgendwo tief in uns schlummert und von Zeit zu Zeit erwacht? Das wird wohl niemand mit Sicherheit beantworten können. Es war Zeit. die Kuh zu melken. Die Melkerin wies uns aber darauf hin. die unversehens mit dem Umgang mit Tieren konfrontiert sind. wo im Hause so ein Tier auftaucht — sei es eine Katze. ein Hund oder was immer. Es gelang vorzüglich. Im Laufe des Tages war sie uns ans Herz gewachsen — sie gehörte dazu wie ein Familienmitglied.stand ganz ruhig da. ohne die Tiere weiter zu beachten. der von Gott beauftragt wurde. Es war jetzt unsere Kuh.

aber mit der linken dreimal dünnere. Jetzt 93 .» Wir sammelten unsere Taschentücher. Die Zeit verging. Zuerst wollte es nicht so recht klappen. Schließlich hast du sie ja gekauft. was passiere. Plötzlich flüsterte er aufgebracht: «Was murkst denn du da rum?! Mit der rechten Hand melkst du gute Strahlen. während Mischunin melkte. band sich das Kopftuch um. Wir gaben ihr Wasser. Die Kuh ließ ihn an sich heran. «Schau mal einer an!». Pack lieber selbst mit an. Das sei ihr völlig unverständlich. Sie sagte. und die Kuh ließ sich von uns melken. ihn nicht allein zu lassen. flüsterte Mischunin.Ich sagte zu Mischunin: «Du musst sie sofort melken. die wir je in unserem Leben gekostet hatten. doch allmählich wurde es besser. Nach etwa einer halben Stunde . sie habe versucht. kriegt sie noch ein schiefes Euter!» «Kein Wunder!». Er bat uns. Da flüsterte Mischunin uns zu: «Der Schweiß. denn man könne ja nie wissen. und Serjoscha Chodokow kletterte über den Verschlag. «Die Kuh mag euch. das die Melkerin dagelassen hatte. Wir gingen zusammen in den Stall und machten alles so wie am Abend zuvor. und sie schien uns die beste Milch zu sein. doch die Kuh habe sie nicht an sich heran gelassen. sagte die Frau. Früh am Morgen weckte uns die Melkerin auf. und die beiden begannen gemeinsam zu melken. Die Milchstrahlen waren zu dünn.» Serjoscha Chodokow ging auf die andere Seite der Kuh. und nach einer Viertelstunde war noch immer keine Ende der Milch in Sicht. um Mischunin den Schweiß von der Stirn zu wischen. die Kuh zu melken.vielleicht war es auch etwas länger — war der Eimer voll. Wenn du so weitermachst. «Die Finger meiner linken Hand sind schon ganz lahm. und stieg über den Verschlag zu der Kuh.» Mischunin holte schnell einen Eimer herbei. und manchmal gingen sie neben den Eimer. Er hockte sich neben ihn. Heu und Brot. sah ihm beim Melken zu und wischte ihm hin und wieder den Schweiß ab. Nach dem Abendessen tranken wir die kuhwarme Milch. Der Schweiß stört mich. ohne zu protestieren.

Es gibt solche Kühe: Von manchen lassen sie sich melken. während des Melkens musste immer jemand von uns bei ihrem Maul stehen. Die Frauen und Ehefrauen. die in der Firma arbeiteten. von anderen nicht. sie futtern und ihr gut zureden.melkt sie besser selbst. Wir konnten unsere Frauen nicht von der Existenz der Probleme mit unserer Kuh überzeugen. dass ein sicheres Kennzeichen der baldigen Geburt der Ausfall der Milch sei. Der sagte: «So etwas kommt manchmal vor. Folglich betrachteten sie unsere Geschichten von der Kuh als billige Ausreden. Und jeweils zwei Leute mussten sie melken. Allerdings stellte ich auch eine Bedingung an die Käufer: Sie durfte nicht geschlachtet werden. Er gab uns den ungefähren Zeitpunkt für dieses Ereignis an und wies uns darauf hin. dass sie alle von uns bestellten Melkerinnen abwies — nein.» Unsere Kuh erwies sich als ausgesprochen wählerisch und eigen. aber das klappte nicht.» 94 . denn sie hielten ihr Wort. nicht einmal zu einem Spottpreis. Im Dorf aber wurde die Eigenart unserer Kuh schnell bekannt. Ein Tier gewöhnt sich so sehr an jemanden. verbrachten wir viel Zeit auf unserer «Fazenda» und übernachteten dort sogar. sagte: «Nur solche Perverslinge wie ihr konnten eine solch perverse Kuh bekommen. verloren jede Beherrschung und erlaubten sich unanständige Scherze. Die Frau. und so wollte niemand sie nehmen. Wir sollten rechtzeitig Vorbereitungen für das Kalben treffen. keinen Fuß auf die «Fazenda» zu setzen. Wir dachten. Wir wechselten uns also ab und gingen sie immer zu dritt melken. dass unsere Kuh trächtig war. dass es für lange Zeit niemand anders an sich heran lässt. Es kamen zwar interessierte Käufer und versuchten sie zu melken. wir würden sie sowieso bald verkaufen. Die ganze Prozedur erforderte jedes Mal drei Männer. Da die Männer immer zu dritt ihren Melkdienst anzutreten hatten. Schließlich ließen wir einen Tierarzt kommen. Nicht genug damit. Wie konnten Sie nur diese Kuh so sehr an sich gewöhnen und noch dazu so verwöhnen?» Einen brauchbaren Rat hatte er nicht für uns. die ihren Mann wegen schlechten Geruchs getadelt hatte. und darüber hinaus teilte er uns mit.

Er heiratete eine junge Dorffrau mit einem Kind und wurde ein rechtschaffener Bauer. Wenn ich nicht auf Fahrt war. Denn der Glaube an die Mitmenschen vervielfältigt alle Fähigkeiten. sagte: «Nicht möglich! Es gibt gar nichts für mich zu tun. als mir deine Schmähreden anzuhören. Ich hatte etwas gelernt: Für den Erfolg in einer Firma gibt es gewisse unerlässliche Voraussetzungen. Der Tierarzt. Jetzt müssen Sie sie nur sauber halten und gut futtern. Ich teilte also das Unternehmen. mit der Kuh gab es jetzt also keine Probleme mehr. 95 . Milch zu geben. Dem Rat des Tierarztes folgend. Mit dem gecharterten Schiff unternahm ich fortan Geschäftsreisen auf dem Ob in Richtung Norden. aber was die gegenseitige Verständigung in der Genossenschaft betraf. Doch die Kuh brachte das Kälbchen ohne jede Hilfe zur Welt. Es war ein wunderschöner kleiner Stier. bereiteten wir alles für die Geburt vor. dazu gehören die Verständigung der Mitarbeiter untereinander und der Glaube nicht nur an die eigenen Fähigkeiten. Ob sie sich wohl auch noch an uns erinnert? Tja. und noch heute erinnern wir uns gern an sie zurück. den wir gerufen hatten. so wollte es uns nicht gelingen. Die Sache mit der Kuh war jetzt geklärt.» Später gaben wir die Kuh und das Stierkalb in gute Hände. leitete ich Geschäftsreisen für russische und ausländische Unternehmer. Hin und wieder besuchten wir sie und sahen. dass das Kälbchen zu einem stattlichen Stier heranwuchs. sondern auch an die der anderen.Worauf er entgegnete: «Ich werde lieber mein ganzes Leben eine schweigsame Kuh melken. sie wiederherzustellen. indem ich eine zweite Firma gründete.» Bald darauf zog er ganz in die «Fazenda» ein und ließ sich scheiden. Es dauerte nicht lange und die Kuh hörte auf. Die Kuh hat alles selbst getan.

ob meine Entscheidung eher auf Anastasias Einfluss oder auf meine eigenen Einsichten und Wünsche zurückzuführen war. Unter 96 . ohne einen konkreten Plan. Die Arbeiter meiner Firma und meine Familie würden mit den sich anhäufenden Schulden wohl kaum zurechtkommen und das Eigentum der Firma verkaufen müssen. wäre ich in Nowosibirsk geblieben. Freunden oder ehemaligen Mitarbeitern zählen konnte.15 Herbalife-Händler Erst bei meiner Ankunft am Moskauer Flughafen «Wnukowo» wurde mir klar. Mir wurde klar. Man kann zehn Jahre lang erfolgreich sein. Wie die Pest würden sie mich meiden. Durch zahlreiche Beispiele von Kollegen wusste ich. etwas im Sinne ihrer Vision zu unternehmen. dass ich nur fünf Millionen Rubel (etwa 1000 US-Dollar) in der Tasche hatte. Ich konnte also mit keiner Hilfe von zu Hause rechnen. fällt es mir nicht leicht zu sagen. Vor allem hatte ich ja Anastasia und gewissermaßen auch mir selbst mein Wort gegeben. dass ich ruiniert war. Vielen bekannten Geschäftsleuten ist das so ergangen. erntet man sogleich Verachtung. und niemand will mehr etwas von einem wissen. dass ich nicht auf die Unterstützung von Verwandten. doch macht man dann einen Fehler. was mir nach meinen Erlebnissen in der Taiga unmöglich erschien. aber dann hätte ich mich voll auf die täglichen Angelegenheiten der Firma konzentrieren müssen. wie es weitergehen sollte. Natürlich hätte ich selber etwas gegen die Misere unternehmen können. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke.

die man auch an den kleinen Schildchen mit der Aufschrift «Ein Job für Sie» erkennen konnte.wohl deshalb nicht. Das System selbst sei so wunderbar. werden die Interessenten dabei einer handfesten psychologischen Beeinflussung unterzogen. die man fast schon als Gehirnwäsche bezeichnen könnte. dass sie mit Hilfe des Überseeprodukts Herbalife angebliche Wunderheilungen erfahren hatten. wozu sie Handzettelchen ihrer «ausländischen Firma» verteilten. drei Unterrichtsstunden sei alles Nötige gesagt. Wie ich später herausfand. Ich nahm mir ein Hotelzimmer. Dabei lenkten die Vertreter das Augenmerk auf zwei für den durchschnittlichen Russen sehr wichtige Faktoren. was mir Anastasia über die Unternehmer Russlands gesagt hatte. 97 . Damit wurde den angehenden Verkäufern suggeriert. die Passanten hartnäckig zu einem Gespräch ein. Mit verlockenden Verdienstangeboten und Beförderungsaussichten versuchten sie die Passanten zu ködern. Nichtsdestoweniger luden diese Vertreter. dass man kein Mediziner zu sein brauche. dass es sich dabei um Herbalife handelte . Überall auf den U-Bahn-Stationen der Innenstadt sah man adrett gekleidete Menschen. irgendwie einen Ausweg aus der Misere zu finden. um durch Moskau zu schlendern. und zack!— schon könne man kranke Konsumenten beraten. erklärten sie. was mir in Moskau auffiel. nämlich der Heilung von Menschen. wie sie sagten.den gegebenen Umständen konnte ich nur auf mich selbst zählen und auf meine Fähigkeit. dass sie sich einer edlen Sache widmen würden. Kein Wort davon. die aufdringlich Jobs anboten — bei einer «ausländischen Firma». In zwei. Zum einen versuchten sie von ihrem Rednerpodium an ihrem eigenen Beispiel und dem ihrer Verwandten zu zeigen. ein paar Hemden und etwas Kleinkram und machte mich auf. Das erste. war das rege Treiben der Herbalife-Händler. Gleichzeitig dachte ich darüber nach. weil die meisten Stellengesuche in der Zeitung Von Hand zu Hand mit der Bemerkung endeten: «Bitte nicht Herbalife anbieten». selbst wenn man von Beruf Anstreicher oder Stuckarbeiter sei. ließ dort meine Reisetasche mit einem Pullover.

In einzelnen Fällen steigt der Preis sogar auf das Zwölffache! Das Vertriebssystem mit einer riesigen Anzahl von Vertretern. amtlichen Quellen. der an das Wundermittel geglaubt hat. er habe sie nicht ordnungsgemäß eingenommen und sich nicht an die Instruktionen gehalten. den Herbalife den Menschen bringt. Von jedem so angeworbenen Verkäufer bekommt man einen bestimmten Prozentsatz von dessen Verkauf. Außerdem muss man gleichzeitig neue Vertreter anwerben. sie habe ihm nicht geholfen.Zum anderen verwiesen sie auf Beispiele. die in vertraulichen Gesprächen die russische Bevölkerung vom Wundermittel Herbalife am Beispiel ihrer eigenen Heilung überzeugen. und das würde hier auch gewiss zu weit führen. Als Unternehmer erkannte ich sogleich: In einem solchen System wird es in der Tat einen Geldregen geben. Dabei wird das Produkt dann zu einem höheren Preis verkauft. glaubwürdige Informationen voneinander zu bekommen und nicht aus offiziellen. läuft in der Tat wie geschmiert. Es scheint mir recht sinnlos zu sein. Doch eines kann ich mit Sicherheit 98 . da wir es gewohnt sind. Mit dem gleichen System könnte man auch erfolgreich Asche verkaufen. Dieses System ist gerade bei uns in Russland so erfolgreich. allerdings nur für diejenigen an der Spitze der Pyramide und ihre engsten Mitstreiter. auf den Nutzen oder Schaden einzugehen. wie man durch den Verkauf von Herbalife reich werden kann. dass auf jeder Ebene ein Preisaufschlag dazukommt . lebt davon. Die lange Kette der Distributoren.je niedriger die Ebene. Und für all das zahlt am Ende der kranke Verbraucher. und wenn sich jemand beschwert. Nach einiger Zeit braucht man selbst gar nicht mehr weiter zu werben. desto höher der Preis. Dafür müsse man zunächst selbst einen Satz Herbalife käuflich erwerben und sodann jemand anders in einem vertraulichen Gespräch von dem außergewöhnlichen Segen überzeugen. desto höher steigt man in der Pyramidenhierarchie auf und desto höher ist auch die eigene Gewinnausschüttung. Je mehr Distributoren man «macht». die in so genannte Ebenen unterteilt sind. den ihm der Kauf von Herbalife einbringe. sagt man einfach.

dass sie von Ihnen kein Geld bekommen werden. 99 .sagen: Der ganze Enthusiasmus der Herbalife-Verkäufer. wird auf der Stelle verpuffen.» Das Vertriebssystem für Herbalife wurde im Westen entwickelt und wird von dort aus geleitet. Unsere eigenen Unternehmer haben nichts damit zu tun. mit dem sie von ihrer eigenen Heilung schwärmen. unter Zuhilfenahme russischer Arbeitsloser. sobald sie merken. Dann werden sie eine Menge gegensätzlicher Beispiele zu hören bekommen: «Das Zeug ist totaler Mist. Und dann wäre da noch ein cleverer Trick westlicher Geschäftsleute .

Diese Aufschläge enthalten außerdem die Kosten für die Vertreter auf der Straße. Nach einigen Tagen beginnen Sie zu verstehen. wie diese Mausefalle funktioniert. die sie mit höflichen Worten zur Vorstellung einer ausländischen Firma einladen. wo für Sie ein Tisch reserviert ist und eine kostenlose Lotterie ausgespielt wird. die Reiseprospekte und den Gewinn der Reisegesellschaft. Sie bekommen einen «kostenlosen» Aufenthalt in einem Luxusappartement.16 Gratisurlaub auf Hawaii Wenn Sie an belebten Stellen Moskaus von elegant gekleideten jungen Leuten angesprochen werden (bisweilen mit ausländischem Akzent). bei der Sie eine goldene Uhr oder sogar einen Gutschein für einen kostenlosen Aufenthalt auf Hawaii gewinnen können. dann seien Sie sich sicher: der Gutschein ist Ihnen garantiert. Das Ganze ist sehr einfach: Ihr «kostenloser Aufenthalt» wird durch die verschiedensten Preisaufschläge auf Dienstleistungen und Verpflegung finanziert. 100 .» Es ist nicht schwer zu erraten. dass Sie für einen Tag dieses «kostenlosen Aufenthalts» mehr bezahlen als den vollen Preis für den Aufenthalt an einem gleichwertigen Kurort anderswo. Allerdings: Das Flugticket. Doch kennen wir ja alle das Sprichwort: «Käse gratis gibt es nur in der Mausfalle. die so genannte kostenlose Präsentation. die Verpflegung und alle möglichen anderen Dienstleistungen gehen auf Ihre Kosten. Nach der Ankunft überzeugen Sie sich. dass es mit den Fotos des Werbeprospekts übereinstimmt.

mit denen unser Land geradezu überschwemmt worden war. dass es sich mit der Ware auf meinen Schiffen eigentlich genauso verhalten hatte. er wird sich höchstens gefoppt vorkommen. werte Herren aus der Fremde? Ich sah mir die Kioske an.Für jemanden. Statt seine Mutter zu besuchen oder an einen russischen Kurort zu fahren. der genügend Geld hat. deren schöne Etiketten die Heileigenschaften und den Mineralgehalt des Inhalts priesen. was dahinter steckte. Natürlich waren sie nicht alle gleich. Woher kommt nur eure Geringschätzung für uns Russen. russische Unternehmer? Wo sind diejenigen. etwas angereichert mit dubiosen Zusätzen. doch was hat unsere Bemühung im Endeffekt gebracht? Wo seid ihr. dachte ich. der das ganze Jahr über für seinen Urlaub gespart hat und dann auf diesen Bluff hereinfällt. «dass mir das nicht schon früher aufgefallen ist!» Ich erinnere mich noch. die unser Land zur Blüte fuhren sollen? 101 . mit welcher Unterwürfigkeit wir zu Beginn der Perestroika ausländischen Unternehmern begegneten. als hätten ganz Moskau und alle Russen diese Gummiwürstchen zu ihrem neuen Nationalgericht erkoren. Da wurde mir bewusst. «Seltsam». Auch war dort die Rede gewesen von Wasserflaschen. Im Radio hatte ich von Hühnerkeulen fraglicher Qualität gehört. und sibirische Geschäftsleute halfen mir dabei. ihnen einen angemessenen Service zu gewährleisten. ist das natürlich alles nicht weiter tragisch. Viel schlimmer ist es allerdings für einen durchschnittlichen Russen. wirft er sein Gespartes amerikanischen Geldhaien in den Rachen und verbringt wie ein Narr zwei Wochen in den Luxusappartements für Narren.selbst Wasser wurde schon eingeführt. Gefüllt waren die Flaschen aber mit gewöhnlichem Leitungswasser. Nur hatte ich damals nicht darüber nachgedacht. die überfüllt waren von Importware . Ich organisierte damals für sie Geschäftsreisen mit meinem Schiff entlang dem Ob. Mir fielen die zahlreichen Reklameschilder für «Hotdogs» auf.

als das erste «Genossenschaftsgesetz der UdSSR» verabschiedet wurde.junge wie auch nicht mehr so junge. und das war nur möglich durch Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit. selbst wenn er auch noch so unbedeutend gewesen wäre. schrien sie. hörten sie von niemandem ein Dankeschön. Beim ersten Kongress wählten mich die Unternehmer zum Sekretär der kommu102 . aber alle voller Tatendrang und von dem echten Wunsch beseelt. «Nieder mit ihnen!».17 Der Beginn der Perestroika Zu Beginn der Perestroika. etwas für sich selbst und für ihr Land zu tun — stürzten sich quasi ins Kampfgetümmel. «Nieder mit diesem schamlosen kapitalistischen Pack! Wofür haben wir denn gekämpft?!» Obwohl die meisten Unternehmer der ersten Stunde mit ungeheurem Einsatz Tag und Nacht arbeiteten und dabei auch eine Menge Grips und Können unter Beweis stellten. Sofort tauchten überall Missgünstlinge und Neider auf. Die Unternehmer brauchten dringend Beistand. egal wie viel sie arbeiteten und was sie auch taten. So entstand damals. Die meisten von uns waren damals Kommunisten. war das für viele ein Startschuss zum Handeln. der auch ich und Artjom Tarassow (heute einer der bedeutenden Unternehmer Russlands) angehörten. praktisch aus dem Nichts. Die Organisation dieses Verbandes der ersten Unternehmer wurde von einer Initiatorengruppe geleitet. Und zahlreiche Menschen . die Idee eines Verbandes sowjetischer Genossenschaftler.

denn sie fürchtete dadurch eine Einbuße an Popularität .sowohl vonseiten der Bevölkerung als auch vonseiten der großen und kleinen Beamten . kann man auf der Stelle aus dem Wege räumen . unserem Betreuer Kolossowski vom Zentralkomitee der KPdSU klarzumachen. waren sich sehr wohl der Unmöglichkeit der Zahlungen bewusst. Da war offenbar bereits ein innerer Gärungsprozess im Gange. den zuständigen Autoritäten die Absurdität der gültigen Besteuerung zu erklären. Und warum? Aus Machtgründen! Und zur Erpressung! Jeden. Ich empfand diese schmähliche Situation als eine Zumutung für die ersten Unternehmer der Perestroika und auch für die künftigen Unternehmer Russlands. dass es Unternehmer angesichts der erwähnten Hetze unglaublich schwer hatten. Vor allen Dingen brauchten sie moralische Unterstützung. Deswegen griffen viele zu Tricks und Kniffen. dass für uns Unternehmer diese Situation der Hetze und Missgunst . um die Steuern zu umgehen. Dadurch gerieten sie aber in eine noch schlimmere Lage — jetzt bewegten sie sich auf dem Territorium der Illegalität.und ihr Einfluss war sowieso schon längst nicht mehr so groß wie früher. die ihn zum Kriminellen erklärt. würde er ordnungsgemäß alle Steuern zahlen. Die Unternehmer wurden nun auch steuerlich immer mehr unter Druck gesetzt. Doch gerade das war ja ihre Absicht gewesen. Sie waren von vornherein zum Scheitern verurteilt.nistischen Parteigruppe innerhalb des Kongresses. All die Versuche. etwas für sie zu tun. führten zu nichts. Daraufhin versuchte ich. denn diejenigen. Doch bald erkannte ich. die die Steuern eingeführt hatten — möge das nur meine Vermutung sein! —. Die oberste Leitung des ZK würde sich nie öffentlich für uns einsetzen. Daher beschloss ich. dessen Vorsitzender das Akademiemitglied 103 .noch lange währen würde. Ich begab mich zum Verband für Genossenschaftler und Unternehmer Russlands.entweder mit Hilfe der Steuerinspektion oder mit Hilfe der Polizei. Auch heute könnte sich kein Unternehmer (mit ein paar wenigen Ausnahmen) über Wasser halten. der es wagen sollte. soweit es in meinen Kräften stand. aus der Reihe zu tanzen.

und zwar morgens. Um sechs Uhr morgens wurde ich durch die Putzfrau wach. konnte ich ungestört bis Mitternacht arbeiten. leer stehenden Arbeitszimmer verwirrte mich nicht im Geringsten. Wladimir Alexandrowitsch Tichonow war anderthalb Jahre zuvor gestorben. die aber alle die Bedeutung der zukünftigen Gesellschaft für Unternehmer erkannt hatten. dass vor einem halben Jahr der Vorsitzende des «Runden Tisches» der Unternehmer Russlands. war noch intakt.zu einem nicht zum Leben bestimmten. Auf verschiedenen Kommunikationswegen — durch Zeitungsinserate und «zufällige» Begegnungen — lernte ich eine Reihe von interessierten Moskauern kennen. Das Gebäude. mehr zu arbeiten. Artjom Tarassow sei aus dem Verband ausgetreten und die Zahl der Mitglieder habe sich stark reduziert.ich hatte nur zu läuten brauchen. Wir hatten ihn zu Beginn der Perestroika dazu gewählt. und so musste ich alles aus eigener Tasche bezahlen. aber viele Räume standen jetzt leer. und so stellte ich das Sekretariat der Gesellschaft von Unternehmern zusammen. Einer der drei noch verbliebenen Mitarbeiter des Verbands kannte mich persönlich. Als erster von ihnen kam 104 . Ich dachte über Ziel und Zweck der «Gesellschaft für Unternehmer» nach und hielt meine Gedanken in Form eines schriftlichen Appells fest. wo die Faxverbindungen zu den Firmen noch nicht überlastet waren. um Geld für das Hotel und Zeit zu sparen. und seine Sekretärin vergiftet worden seien. im Gegenteil. A. Weil es keinen Fernsehapparat gab. Ich übernachtete auch im Arbeitszimmer. Iwan Kiwilidi. nun bot sich mir die Gelegenheit. Für die organisatorische Arbeit im Verband standen keinerlei finanzielle Mittel zur Verfügung. den ich als Fax versandte. Man teilte mir außerdem mit.W. Dazu gehörten Menschen der unterschiedlichsten Berufe. einen Computer und ein Faxgerät gab. und so wurde mir auf meine Bitte hin eines der leer stehenden Arbeitszimmer zur Verfugung gestellt. Tichonow gewesen war. und schon wurden mir beliebige Speisen und Drinks gebracht . in dem der Verband seinen Sitz hatte. Drei von ihnen waten Moskauer Studenten. Den abrupten Wechsel von meiner komfortablen Kajüte . in dem es zwei Telefone.

Sie arbeiteten an der elektronischen Version des «Goldenen Katalogs von Russland» und schrieben das Programm auf hohem professionellem Niveau. 105 . brachte er seine Freunde mit — Artjom Semjonow und Alexej Nowitschkow. um unseren defekten Computer zu reparieren. Als er von der Gesellschaft erfuhr.Anton Nikolajkin.

wie absurd es sei. um unsere Dokumente in angemessener Form vervielfältigen zu lassen. Damit wollten sie mir vor Augen fuhren. der von meiner Ankunft in Moskau und von meinen Plänen erfahren hatte. Vertreter verschiedener öffentlicher Vereinigungen versuchten mich jedoch davon zu überzeugen. nahm an einem von mir organisierten «Runden Tisch» teil. drastisch an Mitgliedern verloren. eine Gesellschaft gründen zu wollen. Mein alter Bekannter Artjom Tarassow. Außerdem legte er ein paar tausend Dollar aus. 106 . aber auch in ihren geschäftlichen Beziehungen und mit den Mitarbeitern der eigenen Firma. denen jeder gegen einen geringen Beitrag beitreten könne.sowohl untereinander. Diese Dokumente wollten wir dann bei dem bevorstehenden «Kongress für Kleinbetriebe» verteilen. die mindestens ein Jahr auf dem russischen Markt tätig waren und nach ehrlicher Partnerschaft strebten . bei der sowohl an die Unternehmer als auch an die Unternehmen solch hohe Beitrittsbedingungen gestellt würden.18 Die Gesellschaft der Unternehmer Russlands Das Konzept der Gesellschaft war folgendes: Es sollte ein Zusammenschluss von Unternehmern sein. Er half uns bei der Formulierung der Gründungsurkunden und verfasste einen Aufruf an die Unternehmer Russlands. dass die Zeit der euphorischen Zuversicht vorbei sei und dass die meisten Organisationen.

Es ging sogar so weit. um den Delegierten die Ordner direkt auszuhändigen. Um die Interessen der Unternehmer aber scheren sie sich einen Dreck. Es entging dem Verband nicht.» 107 . Einen Teil der Mitgliederbeiträge verwendete die Verbandsleitung für die Mietkosten. denn eine andere Einkommensquelle gab es nicht. Diese Summe konnten wir aber unmöglich aufbringen. «Wir machen die Arbeit. aber leider enthielt sie nur wenige Dokumente. und dann werden wir wie Mieter behandelt. und nach unseren bisherigen Erfahrungen konnte man mit einer positiven Reaktion von nicht mehr als zehn Prozent der Empfänger rechnen. ihre Prinzipien und ihre Struktur den Unternehmern der zahlreichen russischen Regionen zu vermitteln. «Was soll das?». Die Aktion. die Beiträge der Unternehmer für die laufenden Kosten zu verwenden. Sie ließen sich weder von der Kälte noch von der Miliz beirren. Ich musste aus dem Verband austreten. wurde eine halbe Milliarde Rubel (100. Der Verband war gezwungen. in die wir all unsere Hoffnung gesetzt hatten. scheiterte. die der Verband nach seiner eigenen Satzung selbst tun müsste. denn immerhin hatten sie ihre Computerprogramme ohne Bezahlung geschrieben. Folglich postierten sich die Mitglieder des Sekretariats und unsere Studenten am Eingang des Hotels «Rossia». Den zweiten Computer ließ ich zurück. obwohl die Beiträge der Unternehmer gerade dafür bestimmt waren.Doch die Organisatoren des Kongresses ließen die Verteilung unserer Präsentationsmappen nicht zu — sie sahen in uns wohl eine unliebsame Konkurrenz. und so stellten sie alle Ausgaben für organisatorische Zwecke ein. Schließlich gelang es Artjom Tarassow. dass sie den Mitgliedern des Sekretariats kein Gehalt mehr zahlten. dass unsere Pläne ins Stocken geraten waren. denn er war von den Mitgliedsbeiträgen der Unternehmer gekauft worden. eine unserer Mappen in den Kreml zu bringen. Die Organisation der Gesellschaft erwies sich als undurchführbares Unterfangen. fragten die Studenten erstaunt. Allein schon um die Information über die Organisation der Gesellschaft. die sie für Schwarzhändler hielt und sie fortjagen wollte.000 US-Dollar) für Druck und Porto benötigt.

aber praktisch keine Mitglieder haben. als Präsident Russlands zu kandidieren. das dann im Namen der Unternehmer auftritt. ohne dabei die Mehrheit der Mitglieder zu konsultieren. Sie sind mehr oder weniger wie jene Diwanparteien. Doch der zentrale Wahlausschuss hatte einen Großteil der Unterschriften nicht anerkannt. ohne Lohn zu erhalten.Die Verbandsleitung jedoch hatte ihre eigene Argumentationsweise: «Die Räume kosten ja schließlich auch Geld. die noch immer beim Sekretariat des Verbands beschäftigt waren. und einige Milliarden Rubel (ein paar hunderttausend US-Dollar) für die Sammlung von Unterschriften ausgegeben. denke ich. So war ich plötzlich ohne Kommunikationsmittel und konnte nicht einmal mehr meinen Lebensunterhalt bestreiten. ähnlich wie all die «Diwanparteien». Baschmatschnikow. Bis heute gibt es in Russland keine einzige öffentliche Organisation von Unternehmern mit einer ernst zu nehmenden Anzahl von Mitgliedern. die Arbeit mit Hilfe der «Gewerkschaft für Unternehmer» weiterzuführen. aber es lief schließlich aufs Gleiche hinaus. Ich war nun also ganz auf mich allein gestellt — zumindest dachte ich das. Er hatte versucht. Was sind die Gründe dafür? Unter anderem das unpersönliche Beitragssystem. die nur den Bedürfnissen ihres eigenen Verwaltungsapparats dienen. Zur gleichen Zeit flog Artjom Tarassow nach London. Die drei Moskauer Studenten . Nicht lange. Es gibt hierbei nur wenige Ausnahmen. Artjom und 108 .» Zusammen mit den verbliebenen Mitgliedern des Sekretariats versuchte ich. wurde mir klar. wie zum Beispiel die landwirtschaftliche Genossenschaft unter der Leitung von W. Aus irgendeinem Grund bildet sich jedes Mal ein Führungsgremium heraus. und ich verließ auch die Gewerkschaft. und folglich musste sich Artjom um eine Aufbesserung seiner Finanzlage kümmern. Die Moskauer. waren gezwungen zu kündigen und sich nach einer anderen Beschäftigung umzusehen. dass sie alle nur einen Namen tragen. Nachdem ich ein paar öffentliche Vereinigungen kennen gelernt hatte.Anton.

Ljoscha* — wollten das begonnene Projekt nicht einfach hinschmeißen. Anton zahlte meine monatliche Miete von dem Geld, das er für seinen Urlaub gespart hatte. Sie erwarteten, dass ich einen Ausweg aus der verrannten Lage finden und die Arbeit zur Gründung der Gesellschaft für Unternehmer fortführen würde. Sie waren von der Idee ergriffen und glaubten daran. Was mich betrifft, so sah ich keinen Ausweg. Zu diesem Zeitpunkt erhielt ich eine Nachricht aus Nowosibirsk.

* Kosename für Aleksej.
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Dem Selbstmord nahe
Eines Abends besuchte mich ein Bekannter aus Nowosibirsk, der in eigener Sache nach Moskau gekommen war. Er brachte eine Flasche Wodka und etwas zu essen mit. Wir saßen in der Küche meiner Einzimmerwohnung, und er berichtete mir, wie es um meine Familie und meine Firma bestellt war. Es sah nicht gerade rosig aus. Aus Geldmangel hatte meine Firma ein Büro im Stadtzentrum und ein Geschäft für Autoersatzteile schließen müssen. Die Arbeiter der Firma hatten ihr Glück im Schuhverkauf versucht, aber als Ergebnis davon war der Schuldenberg nur noch gewachsen. Für all das war ich haftbar. «Und was du hier treibst, das kann niemand verstehen. Viele glauben, du seist durchgedreht. Du hättest dich zuerst um die Firma kümmern müssen — dass die wieder läuft —, dann hättest du doch immer noch deinen komischen Interessen nachgehen können. Jetzt glaubt dort niemand mehr an dich.» Als wir die Flasche fast geleert hatten, fragte er mich: «Soll ich dir mal ganz offen sagen, was man meiner Meinung nach von dir erwartet?» «Sprich», sagte ich. «Dass du dir das Leben nimmst oder auf Nimmerwiedersehen untertauchst. Überleg doch mal: Ohne Startkapital kannst du jetzt kein neues Geschäft mehr beginnen. Dir fehlt nicht nur das Startkapital, du kannst dich noch nicht mal ernähren, und obendrein
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noch diese Schulden ... Ich kenne niemanden, der sich aus einer solchen Situation je herausgewunden hätte. Und bist du mal weg, wird man dich für tot erklären, und all dein restlicher Besitz wird aufgeteilt werden. Deine Frau sagt, du bist Löwe und hast immer auf großem Fuß gelebt, und nach deinem Horoskop sollst du so arm enden wie eine Kirchenmaus. Wieso hast du nur diese zweite Geschäftsreise unternommen? Das kann niemand begreifen.» Obwohl wir reichlich getrunken hatten, konnte ich mich am nächsten Morgen genau an unser Gespräch erinnern. Seine Argumente waren kaum von der Hand zu weisen. Weder in Nowosibirsk noch hier in Moskau gab es irgendeinen Hoffnungsschimmer. Meine Mitarbeiter, meine Familie, alle mir nahe stehenden Menschen hatten unter der Misere zu leiden. Ich konnte die Lage nicht bereinigen oder einen Ausweg finden, denn es gab einfach keinen Ausweg. Mein Tod hätte all dem Elend ein Ende bereiten können. Natürlich ist Selbstmord keine gute Sache. Doch alle Logik sprach dafür: Wenn mein Selbstmord anderen Menschen das Leben erleichtert, so hatte mein Bekannter Recht - es stand mir nicht zu, weiterzuleben. Folglich beschloss ich, aus dem Leben zu scheiden. Dieser Gedanke hatte sogar irgendwie etwas Beruhigendes an sich. Ich brauchte mich nicht mehr damit zu quälen, verzweifelt einen Ausweg zu suchen, denn ich hatte den Tod als Ausweg akzeptiert. Ich räumte die Wohnung etwas auf und schrieb eine Nachricht an die Wirtin, dass ich nicht zurückkommen würde. Dann ging ich zum Gewerkschaftsgebäude, um die Papiere unserer Gesellschaft in Ordnung zu bringen. Jemand anders, so dachte ich, soll meine Arbeit fortsetzen, wenn auch nicht sofort, so doch irgendwann in der Zukunft. Jetzt fragte es sich nur noch, wie ich mich umbringen sollte, denn ich hatte nicht einmal Geld, um mir Gift zu kaufen. Dann kam mir eine Idee: Ich wollte so tun, als sei ich ein Winterschwimmer, und mich beim Bade in einem Eisloch ertränken. Dann würde es auch nicht nach Selbstmord aussehen. Ich machte mich also auf den Weg. In einem Durchgang der Metrostation «Pushkinskaja» hörte ich plötzlich eine Melodie, die mir bekannt vorkam. Zwei junge Mädchen spielten sie auf ihren
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Geigen. Vor ihnen lag ein geöffneter Geigenkasten, in den die Passanten Geld werfen konnten. So verdienen sich viele Musiker in den U-Bahn-Tunnels Moskaus ein Zubrot. Aber diese beiden Mädchen waren etwas Besonderes. Mit ihren Geigen zauberten sie eine Melodie hervor, die trotz ihrer Sanftheit das Gepolter der Züge und den Lärm der Menge durchdrang und viele Menschen aufhorchen ließ, sodass sie ihre Schritte verlangsamten. Ich blieb sogar stehen, denn es war die gleiche Melodie, die mir Anastasia in der Taiga vorgesungen hatte. Ich hatte sie damals gebeten, mir etwas Eigenes vorzusingen, etwas, was ich noch nicht kannte, und bekam dann jene ungewöhnliche, wundersame, bezaubernde Melodie ohne Worte zu hören. Zuerst stimmte Anastasia einen klagenden Ton an — als schreie ein kleines Kind. Dann wurde ihre Stimme sehr leise und sanft. Sie stand mit geneigtem Haupt unter einem Baum, die Arme an die Brust gedrückt. Es schien, als hielte sie ein Kind in den Armen und wiege es mit ihrer kosenden Stimme in den Schlummer. Ringsumher wurde es mucksmäuschenstill, denn alles in der Natur lauschte diesem wundersamen Gesang. Dann freute sie sich über das Erwachen des Kindes, und ihre Stimme begann zu jubilieren. Unglaublich hohe Töne erklangen, flössen ineinander über, durchwoben den Äther und entschwebten dann in luftige Höhen, und alles um uns herum lauschte wie gebannt und voller Freude. Ich fragte die beiden Mädchen: «Was habt ihr da gerade gespielt?» Sie sahen sich an, dann sagte die Ältere: «Das habe ich improvisiert.» Die andere fügte hinzu: «Und ich habe sie einfach nur begleitet.» Da stand ich nun in Moskau, war wie besessen gewesen von der Idee, eine Gesellschaft für Unternehmer zu gründen — es war praktisch zu meiner Lebensaufgabe geworden —, doch Anastasia hatte ich fast vergessen. Und nun, am letzten Tag meines Lebens, erinnerte sie mich nochmals an sich. «Könntet ihr das Gleiche noch mal spielen? Bitte!»
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bis ich sie umstellte: das Buch schreiben. und dann sollten es die Leute auch noch lesen . was noch wichtiger war. Tja. wenn man zum Schreiben eigentlich keine Begabung hat.. lauschte der zauberhaften Melodie der Geigen.. Die Gesellschaft der Unternehmer gründen. dann fange ich eben jetzt zu handeln an. Ich stand in einem Durchgang der Metro. Träumen. aber sie in der Realität umzusetzen. antwortete die Ältere. Anastasia! Wie schwer ist es doch. deine Pläne zu verwirklichen. wir werden es probieren». in der Taiga. Ich sprach die Worte mehrmals vor mich hin und merkte: Irgendetwas stimmte hier nicht.» In diesem Moment war ich wie vom Blitz getroffen. dass es klappen würde.» Natürlich war es immer noch ein Unding. Aber wie anders? Ich wiederholte die Worte noch ein paar Mal. das ist eine Sache. und sie hatte auch mich davon überzeugt. dachte ich. Aber natürlich! Ich hätte ja zuerst das Buch schreiben sollen! Das Buch sollte alle Probleme lösen und. das Buch schreiben . Aber Anastasia glaubte ja daran.«Also gut. hatten die Worte anders geklungen. «Ach. die Gesellschaft der Unternehmer gründen. Damals. Also gut. 113 . ein Buch schreiben zu wollen. Nun ja. das war wohl nichts mit deinen Plänen. Zumindest weiß ich nun. das ist etwas ganz anderes... «Und dein persönliches Leben ist jetzt ein heilloses Schlamassel. Da war etwas durcheinander geraten. Du hast dich eben getäuscht. so viel Zeit hast du vergeudet!». ich musste die Sache anpacken und bis zum Ende durchziehen. die Information über die Gesellschaft der Unternehmer verbreiten. was zu tun ist. erinnerte mich an die Taiga und dachte: «Ach.

denn plötzlich verspürte ich einen dumpfen Schlag im Nacken. dachte ich. da kamen zwei Männer auf mich zu. sagte der eine zu seinem Kameraden und forderte mich auf. Gerade noch konnte ich mich 114 . der im Laden eine gute Million Rubel (200 USDollar) gekostet hätte.20 Die klingenden Zedern Russlands Ich kehrte in meine Wohnung zurück. waren aber nicht sonderlich interessiert.außer einer halben Flasche Sonnenblumenöl und etwas Zucker gab es keine Vorräte. Ich war schon bereit. Ich sah zunächst Sternchen. Er muss sich von hinten an mich herangeschlichen haben. Lange mussten wir nicht warten. meine Pelzkappe zu verkaufen. Sie drehten die Mütze in den Händen herum und betasteten den Pelz. Wir gingen an eine einsame Stelle am Rande des Basars und warteten auf seinen Kameraden mit dem Spiegel. den Preis auf 150. In der Küche herrschte gähnende Leere . sie zu kaufen. «Man müsste sie mal anprobieren. die Obst. aber eine viertel Million würde ich schon dafür bekommen. das Menschengedränge zu verlassen. In Moskau kündigte sich bereits der Frühling an. Gemüse oder Haushaltswaren verkauften. Es war ein Markenartikel aus echtem Nerz. Der Winter war zwar praktisch vorbei. So beschloss ich.000 Rubel herabzusetzen. Ich machte mich auf den Weg zu einem der zahlreichen Moskauer Märkte. Sie sahen sich die Kappe zwar an. dann wurde mir schwarz vor Augen. Ich musste dringend für Nachschub sorgen. Ich bot sie verschiedenen Händlern an. Bitte doch jemand um einen Spiegel».

und einen Augenblick war ich unaufmerksam. Ich hätte zu Fuß nach Hause gehen können. was nun zu tun sei. Ich wollte die Straße überqueren und blieb an der Bordsteinkante stehen. bis die Sache geklärt wäre. Mir brummte noch immer der Schädel. erblickte ich plötzlich jenen seltsamen Kauz. Dort dachte ich nach. Ich hatte keine Lust und auch keine Energie. Er schritt langsam daher und schleppte zwei Kisten Leergut mit sich herum. mich mit ihm anzulegen. nur dass es diesmal ein Lastwagen war und mir das Wasser bis ins Gesicht spritzte.So ein Lumpengesindel aber auch! Setzen Sie sich erst mal hier auf diese Kiste. da sie mich für einen Trinker. Ich ging weg vom Straßenrand und suchte unter der Markise eines Kiosks vor dem Regen Zuflucht. sodass ich nicht stürzte.an einen Zaun lehnen. und so entgegnete ich: «Ich brauche dein Gebiet nicht. aber als ich wieder zu mir kam. und mit ihnen auch meine Mütze. einen Obdachlosen oder sonst ein verdächtiges Subjekt gehalten hätte. Unsere Blicke begegneten sich. In die Metro würde man mich in meinem Zustand natürlich nicht lassen. aber gebieterischem Ton. waren meine «Kunden» schon fort.» 115 . Während ich noch reglos dastand und überlegte. Nur zwei Frauen beklagten meine Lage und fragten teilnahmsvoll: «Sind Sie in Ordnung? . und wahrscheinlich würde mich die Miliz ergreifen. Was aber hätte ich ihnen sagen sollen? Wer war ich jetzt schon? So in Gedanken versunken. Er machte ganz den Eindruck eines Penners oder Saufbruders. Es nieselte. er blieb stehen. Ich will nur ein wenig verschnaufen und gehe gleich weiter.» Ich ruhte mich noch eine Weile an dem Zaun aus und trottete dann langsam davon. ein typisches Vorfrühlingswetter. stellte seine Flaschen ab und sprach: «Was stehst du hier herum und gaffst? Du hast hier nichts zu suchen — das ist mein Gebiet. aber das waren drei Haltestellen. wiederholte sich das Malheur. dass du fort kommst!» Er sprach in ruhigem. wie sie oft an Kiosken mit Alkoholausschank herumlungern. um mich umzuschauen. Mach. wohin ich mich nun wenden sollte. Ich müsste ihre Verdächtigungen über mich ergehen lassen und mich rechtfertigen. da sandte ein vorbeifahrendes Auto einen Schwall schmutziges Spritzwasser über meine Hose und meine Jackenschöße.

.» «Hängst ganz schön durch. erklärte er. sagen wir für drei Stunden . nahm etwas Wasser in den Mund und besprühte damit den Fußboden ringsumher. das durch ein verstaubtes Kellerfenster fiel. was? Hast du 'ne Poofe?» «Eine was?» «Aha.» «Das lass nur meine Sorge sein.» Ich ging ihm nach und fragte: «Ist es weit zu deiner Wohnung?» Ohne sich umzudrehen. «Gegen den Staub». Danach gehst du wieder deine eigenen Wege. Nein. und öffnete die Tür mit einer Art Schlüssel. na eben bis du wieder trocken bist. 'ne Wohnung habe ich keine. bis wir umfallen.» «Wohin?» «Du kommst jetzt mit zu mir. antwortete er: «Da könnten wir laufen.» «Und schaffst du den Weg?» «Ich werde ihn schaffen. etwas im Abseits zu warten. Wir gingen aber weiter in eine andere. erleuchtet vom trüben Licht. Ich gehe.» «In deinem Aufzug wirst du weder lange hier herumstehen noch irgendwo hingehen können. dass keiner der Bewohner in der Nähe war. mit einem Bündel unterm Arm. 116 . oder bis morgen früh. Nun gut. «Komm mit mir. ein Anfänger. und damit basta. deren Isolierung wahrscheinlich von hier ansässigen Obdachlosen entfernt worden war. wenn mich keiner stört. leere Ecke.. In einer Ecke lagen ein paar Lumpen herum. Also lass mich gefälligst in Frieden. erhol dich nur. Er befahl mir. eher einen Ort meiner Dislozierung. Im Keller war es wärmer als draußen auf der Straße.Aber er setzte das Gespräch fort: «Wohin gehst du?» «Das geht dich nichts an. entkorkte sie. Nach einer Weile kam er zurück. Die Wärme ging von den Heißwasserrohren aus.» Er hob seine Kisten auf und ging davon.» Wir kamen zu einer Tür. Dort holte er aus seinem Bündel eine Flasche Wasser. die zum Keller eines mehrstöckigen Mietshauses führte. und würden nicht hinkommen. vergewisserte sich.

Beim Anstoßen stellte er sich vor: «Nenn mich einfach Iwan. ihre Fähigkeiten. Ich habe eine Bürste. und dann muffelt's. damit kannst du sie später reinigen. Nach dem Essen fragte ich ihn: «Gibt es hier irgendwas Weiches zum Unterlegen?» «Decken kann man hier nicht aufbewahren. aber die von ihm hergerichtete Ecke machte irgendwie einen gemütlichen. etwas Brot und zwei Becher Kefir stellte. Die Hose kannst du anbehalten. dass du sie nicht so zerknitterst. mit ihren Lumpen haben sie die ganze Ecke versaut. Diese simple Vorrichtung erleuchtete die Ränder der beiden Sperrholzunterlagen und den halben Meter Zwischenraum. die trocknet auch am Leib. auf die er nacheinander ein Stück Käse. Zieh deine Jacke aus und hänge sie zum Trocknen über das Rohr. Während er sorgfältig den Käse zerschnitt. die manchmal da hinten übernachten . ihre Träume und ihre Bestrebungen. leicht gebogen und diente zum Reflektieren der Flamme.» Er holte noch zwei verschlossene 100-Gramm-Becher Wodka aus seiner Plastiktüte.» Da saßen wir nun in diesem schmutzigen Kellerloch. Aus derselben Ecke holte er eine leere Konservendose und zündete eine darin befindliche Kerze an. ebenfalls in Cellophan eingeschlagen. Ich erzählte ihm über ihre Lebensweise. zog dahinter zwei in Cellophan eingeschlagene Sperrholzplatten hervor sowie ein paar Stücke Pappe. Wir haben hier zwei Nachbarn. Wahrscheinlich lag das an der Sorgfalt. Wir reden uns alle nur mit Vornamen an.. 117 . und machte daraus zwei Schlafunterlagen. mit der er die improvisierten Betten hergerichtet und das Abendmahl serviert hatte. Dort breitete er eine Zeitung aus. ihren Strahl. dann setzten wir uns zum Abendessen. Schau aber.Dann schob er ein in der Ecke stehendes Brett beiseite. Der geöffnete..» Während ich mit ihm sprach und seine Fragen beantwortete. kam ich wie von selbst auf mein Treffen mit Anastasia zu sprechen. ja sauberen Eindruck. aber nicht abgetrennte Dosendeckel war sauber. Die ziehen Schmutz an. sprach er: «Warum stehst du? Setz dich doch hin.

Er war der erste Mensch.. denn der Sinn des Buches muss von außen klar werden. Anastasia hat gesagt. Die künstlerische Gestaltung ist unverzichtbar. dass das so geht.. verstehst du? . Pinsel und gute Farben. Später malte ich. nicht sicher — was weiß denn ich? Ich weiß nur eines: Ich werde es anpacken. und dass ich es versäumt hatte. dass du es erreichst?» «Ich werde es einfach probieren. Das muss mit Gefühl gemacht werden. das Buch muss zuerst kommen. es zu verlegen. wenn du immer nur malen wolltest?» 118 . und ich besuchte verschiedene Kurse.» «Und bist du sicher.» «Warum bist du dann Offizier geworden. «Jetzt werde ich es schreiben und versuchen. ich würde dir schon helfen. wo dir doch die finanziellen Mittel völlig fehlen?» «Sicher. das Buch zu schreiben. dem ich von Anastasia erzählte. ich bin Offizier. wann immer ich Zeit hatte.» «Wie stellst du dir das vor? Bist du denn sicher. Damit der Einband dem Sinn und Zweck des Inhalts gerecht wird..» «Na ja. so ein Buch . dass du ein Buch schreiben und es dann vor allem verlegen kannst. wieso ich ihm all diese Dinge offenbarte.Und woher willst du ohne Geld so einen Künstler auftreiben?» «Dann muss ich eben auf die künstlerische Gestaltung verzichten. Aber diese Sachen sind ja so teuer heutzutage .» «Du hast also ein Ziel und wirst darauf zuhalten?» «Richtig. ihr zu helfen.Hätte ich Papier. der dir den Einband gestaltet.nein. Ich weiß selbst nicht. wie ich bei dem Versuch gescheitert war. Aber schon als Kind habe ich gern gemalt.» «Bist du etwa Kunstmaler von Beruf?» «Das nicht . da brauchst du schon einen guten Künstler. die «Gesellschaft für Unternehmer mit reinen Absichten» ins Leben zu rufen. Ich schilderte ihm auch den Rest der Geschichte: dass ich Anastasia versprochen hatte.» «Ich glaube kaum.. und schenkte die Bilder meinen Freunden. .

wir. waren stolz darauf. Erster Mai und Siebter November*. das war der Sinn unseres Lebens. und da habe ich eben die militärische Laufbahn eingeschlagen.. jedenfalls der meisten von uns.. es gibt da so ein Lied. Meinen Vater habe ich geliebt und geachtet.. Doch ahnten sie nicht. Dann kamen die Zeiten von Perestroika und Glasnost. <Hoch!> und <Es lebe!> schrien. die Offiziere des KGB.«Meine Vorfahren waren alle Offizier: mein Urgroßvater. Da hieß es. das geht folgendermaßen: «Offiziere.. die großen Feiertage . Henkersknechte und so weiter. Und dass er sie mitten ins Herz treffen würde. Wir beschützten es. höret. 119 . November 1917. Ich und andere Offiziere.» «Wegen Personalabbau oder wurdest du gefeuert?» «Ich hab gekündigt. was er von mir erwartete. Peng!» «Wie meinst du das?» «Du erinnerst dich sicher noch an die Zeit vor der Perestroika. der Schutzschild dieses Volkes zu sein. eure Herzen hat man im Visiere . Doch eines Tages bin ich gegangen.» «Wollte dir jemand ans Leben? Hat wer aus Rache auf dich geschossen?» «Auf Offiziere wird oft geschossen. seien eine elende Schweinebande.um die zu schützen. Offiziere.» «Und wo hast du gedient?» «Hauptsächlich beim KGB. die hinter ihnen her gingen. mein Großvater und auch mein Vater. Plötzlich wurden andere Parolen ausgerufen. Ich spürte ganz genau. Schon gar nicht würden wir für den Schutz von irgend* Bedeutendster Feiertag der Sowjetunion zum Gedenken an die Revolution vom 7. die in riesigen Umzügen Fahnen schwenkten und <Hurra!>..» «Wieso das?» «Weißt du.. dass ihr Herz aufs Korn genommen wurde und dass der tödliche Schuss von hinten kommen würde. nicht nur die vom KGB. Bis zum Oberst habe ich es gebracht. Zu allen Zeiten gingen sie den Kugeln entgegen . An all die Menschen. hab's nicht mehr ausgehalten.

Diesen Medien konnte man entnehmen. diese stummen Fragen zu beantworten. Meine Frau ist neun Jahre jünger als ich. Sie konnte mir nicht mehr in die Augen sehen..» «Aber die eleganten Datschen der hochrangigen Militärs.. Dein Dampfschiff war doch um einiges größer als so eine Datsche eines Generals. Und es war mir nicht möglich. Doch ständig hingen die stummen Fragen meiner Frau und meines Sohnes in der Luft. wie jeder andere auch.oder Sommerhaus dient. Und wir waren an allem schuld. Dann bekamen wir einen Sohn unser einziges Kind. die damals im Fernsehen zu sehen waren. die waren doch tatsächlich nicht von Pappe . als uns mit Repressalien und mit unseren Datschen* zu beschäftigen. waren sie nichts als erbärmliche Hühnerställe. Er ist jetzt siebzehn. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Sie ist bildschön . wie man so sagt. das oft als Wochenend. ein Nachzügler. 120 . so wollte er..jemand oder irgendetwas stehen.. Als dann das Ganze begann. wie oft er mitten in der Nacht aus dem war* Kleines Grundstück auf dem Lande mit (Holz-) Haus. Sie fanden die Antworten schließlich woanders: in Zeitungsartikeln und im Fernsehen. wenn man sie mit den jetzigen Wochenendhäusern derjenigen vergleicht.. einfach ein Haus für seine Kinder haben. dass wir Offiziere nichts Besseres zu tun gehabt hätten. Und was seine Datsche betrifft. wurde meine Frau schweigsam. Die gleichen Leute. weil sie sich meiner schämte. Ich quittierte meinen Dienst und wechselte zu einer Bank. allerdings. Meine Uniform versteckte ich. Sie war immer stolz auf mich gewesen. die uns damals anklagten. marschierten nun unter anderen Flaggen.» «Nun ja. Und am Anfang war der General ja auch nur Offiziersschüler gewesen und musste Schützengräben ausheben. ich habe sie geliebt. Zuerst war auch er stolz auf mich und achtete mich. Schau dich nur selbst an. echt waren sie schon . die zuvor den roten Bannern hinterhergelaufen waren. Niemand weiß. Dann wurde er zum Leutnant befördert und zog von einer Kaserne zur nächsten. wo ich als Wachmann arbeitete..

men Bett jener Datsche aufspringen musste. den Gegner zu erschrecken. so nannten sie die aus dem Krieg zurückkehrenden Offiziere. und die anderen marschieren weiter. <Weißgardisten>. die auf dem Senatsplatz aufmarschierten und dabei das Wohl des Volkes im Sinn hatten. früher lebte man eben anders. Weißt du. sie fallen. Später lagen russische Offiziere in den Schützengräben und kämpften für den Zaren und das Vaterland gegen die Deutschen. Dieser Putschversuch mit friedlichen Mitteln wurde hauptsächlich von jungen aristokratischen Gardeoffizieren getragen.» * Gemeint ist hier der so genannte Dekabristenaufstand vom 14. Alle ehemaligen Werte. Jene Offiziere hatten es sehr schwer. Niemand erhob damals die Stimme. Beschuldigt wurden aber in erster Linie die Offiziere. Es waren Offiziere.» «Ja. die Ordnung im Land schaffen wollten. doch ihre nachrückenden Kameraden schließen die Lücken und gehen zum Angriff über. wurden verbrannt und in den Schmutz getreten. materielle wie geistige. Da zogen sie unter ihrer Uniform weiße Unterwäsche an und unternahmen eine psychische Attacke. die sich für eine freiheitliche Verfassung einsetzten. Aber angegriffen haben sie nicht. Jetzt aber ist eine Datsche mit 15 Ar Land für einen General schon zu viel. Die weißgardistischen Offiziere marschieren dort geschlossen aufs Maschinengewehrfeuer zu. um sie zu verteidigen. alle lebten anders. Früher genossen Offiziere in Russland ein hohes Ansehen.» «Ja. Einige fallen. Unterdessen wurde ihnen im Hinterland von den revolutionären Patrioten ein besonders <herzlicher> Empfang bereitet: Sie luden ihre Gewehre mit Kugeln. Dezember 1825 in Sankt Petersburg. 121 . Ich hab so was mal im Kino gesehen.» «Nun. Rundherum herrschten Chaos und Zerstörung. was eine psychische Attacke ist?» «Das ist. wenn man versucht. die furchtbarer waren als Blei und die bestimmt waren für die Herzen der Offiziere. im Film <Tschapajew>.* Einige von ihnen wurden erhängt. Ganze Ländereien bekamen sie geschenkt. <blutdürstige Bestien>. um an einer Feldübung teilzunehmen. andere nach Sibirien verbannt.

» «In der Tat. Neue Kugeln. Ich tat so. noch heute vor uns. sich zu besinnen und künftig nicht mehr auf andere zu schießen. aber die Kugeln fliegen noch heute. als würde ich Zeitung lesen und als interessierte mich die Sendung nicht. mein Sohn und ich sahen fern. als sie erschossen wurden?» «Wir lebten zwar noch nicht. Auf die in Schützengräben verschanzten Maschinengewehrschützen zuzumarschieren war nur für Soldaten möglich. Vielleicht stehen ihre Seelen. Dann begann eines jener politischen Programme. und eigentlich war er für Politik 122 . wenn wir unsere Kugeln abfeuern. haben wir vergessen. gekleidet in weiße Unterwäsche und Offiziersuniformen. und natürlich wurde munter drauflos gedroschen — es hagelte Kritik. An Christus erinnern wir uns noch irgendwie.» «Und das wäre?» «Vielleicht handelten sie absichtlich aller Logik der Kriegsführung zuwider. wenn nicht wir?» «Stimmt. dass mein Sohn umschaltet. und zwar mit möglichst geringen Verlusten aufseiten der Angreifer.» «Aber dann wäre ja ihr Tod dem Kreuzestod Jesu Christi ähnlich. die bewusst oder unbewusst ein anderes Ziel verfolgten. Aber die bartlosen Fähnriche und die Generäle.«Wieso? Warum sind sie dann überhaupt voranmarschiert?» «In der Militärpraxis ist die Besiegung oder die physische Vernichtung des Gegners Ziel und Zweck eines jeden Angriffs.» «Was für einen Blick?» «Eines Abends saßen wir vor dem Fernseher.» «Warum sollten sie uns aufrufen? Wir lebten doch noch gar nicht. Meine Frau war in der Küche. weil sie um den Preis ihres eigenen Lebens die Schießenden dazu auffordern wollten. Ich wollte. Wer schießt denn heute. die in jener Formation marschierten. und rufen uns zur Besinnung auf. Es ging um den KGB. Warum fliegen sie eigentlich nach all den Jahren immer noch? Und warum hast du dein Haus verlassen?» «Ich habe einen Blick nicht ertragen. die Kugeln fliegen noch heute.

Da fing er wieder an zu sprechen: «Anastasia sagt also: <Ich werde die Menschen aus der Zeit der Dunkelmächte entrücken. und du liegst hier im Keller herum wie ein Penner. Musiksendungen mochte er viel lieber.» «Ein eigenes Eliteregiment sollte sie haben. Man muss Anastasia helfen. es mir auf der Sperrholzunterlage so bequem wie möglich zu machen. dass sie ihren Grips auch ein wenig anstrengen müssen..» «Warum für immer?» «Weil. sah mir in die Augen und schwieg. In vielen wird der Wunsch entstehen. und mein Sohn sah mich einfach nur an. Ich blätterte in der Zeitung und beobachtete ihn aus dem Augenwinkel.» «Ich denke. Ich versuchte. dass sie es schafft. denn sie ist ganz allein. Ihr einziges Hilfsmittel ist ihr Strahl.» «Ein Regiment? Da hast du was missverstanden. um einzuschlafen.> Und ich bin für immer gegangen. Seine Hände umklammerten die Armlehnen so fest. Ein schöner Unternehmer ist mir das!» 123 . Er stand mir gegenüber. Sie hat dich um Hilfe gebeten. In jener Nacht habe ich ihnen einen Zettel geschrieben: <Ich verlasse das Haus für einige Zeit. ja schrie: Schaltest du das jetzt endlich ab!> Mein Sohn stand ebenfalls auf. dass seine Finger ganz weiß wurden.» Wir schwiegen für eine lange Zeit. Er saß wie gebannt da.auch überhaupt nicht zu haben. Muss wohl so sein. Aber er schaltete nicht um. Gewalt lehnt sie gänzlich ab. feuerte sie in die Ecke. sprang auf und sagte. Da begriff ich. Eine Zeit lang harrte ich noch hinter dem Versteck meiner Zeitung aus. dass er nicht umschalten würde. Aber nur wenige verstehen. Aber zum Fernseher ist er nicht gegangen. Im Fernsehen wurde weiter gesprochen. ohne jede Truppenbegleitung. Ich werde es tun. dann konnte ich es nicht länger ertragen.. das wäre was! In diesem Regiment würde ich selbst gern Soldat sein. ja ich spüre.>?» «Ja. und damit hat sich's. dass sie es schafft. Sie will die Menschen irgendwie überzeugen. sich von ihrem Strahl erwärmen zu lassen. Und sie glaubt auch fest daran. Ich knüllte die Zeitung zusammen.

» «Kann man nichts machen.» «Es ist fast schon zu spät. Das Kellerfenster mündete in einen kurzen Betonschacht. holte aus dem Spalt in der Ecke eine Plastiktüte hervor. Ich hatte rasende Kopfschmerzen und konnte kaum atmen. KGBler. Schließlich löste sich der Rahmen. mit einer Eisenstange den Rahmen herauszubrechen. Soldat. am nächsten Tag zu zahlen. sodass er zwischen mir und den Pennern lag. Nicht mehr lange. «He. Ich wachte auf. wobei die Scheibe zerbrach.ein alter Trick. wach auf. aber sie bestanden darauf. entnahm ihr etwas und deckte mich damit zu.» «In deiner Kaserne ist es ganz schön kalt.» Er ging zum Fenster und versuchte.» Dann stand er auf. Danach war es ruhig. Schlaf jetzt. dann erklärte er: «Ihn rührt ihr mir nicht an — nur über meine Leiche!» Dann legte er sich auf seine Sperrholzunterlage. Der Oberst verschob sein Nachtlager. um mich vor den Pennern abzuschirmen. stieg darauf und hievte sich zur Fensteröffnung hoch. und ich schlief ruhig ein. vermischt mit diesem Pulver. «Es ist ganz früh. Sie haben Watte. Aufgestanden! Nichts wie raus hier!» Ein trübes Licht hinter dem Kellerfenster kündigte die Morgendämmerung an.» «Schon gut. Im trüben Kerzenschein blinkten vor meinem Gesicht drei Sternchen von den Tressen seiner Uniform auf. Im Halbschlaf hörte ich noch. und wir ersticken hier. Der Oberst stellte den Rahmen auf den Fußboden. der mit einem Gitter ver124 . Mir wurde warm. angezündet .«Auch du liegst hier herum. sonst könnten wir was erleben. Die Tür hatten die Penner von außen verschlossen. Er versprach ihnen. und ich fiel in einen Schlummer. als mich der Oberst an den Schultern schüttelte. Roll dich gut zusammen und halt dich warm. Unter meiner «Decke» wurde mir wärmer. dass er sofort zahlte. wie unsere «Nachbarn» in ihre Lumpenecke kamen und von dem Oberst eine Flasche Schnaps als Bezahlung für meine Übernachtung verlangten. noch halbe Nacht.

Es war kalt. Dann half er mir herauf.» Er stemmte sich gegen das Gitter. und atme sparsam. Kampftechniken zu kennen ist eine Sache. deine Nachbarn. drückte es mit den Schultern nach außen und schob es zur Seite. sie sind bereit zu morden. Haben die etwa hier das Sagen?» «Nein. Mir war schwindlig. Dann sagte ich: «Ausgesprochen freundlich.» «Ja. Sie bringen einen Neuling mit und erheben dann von ihm für die Übernachtung eine Gebühr.schlossen war. Weigert er sich zu zahlen. Der Oberst lugte von der Fensteröffnung zu mir herab und befahl: «Hock dich hin. Denn ich bin ausgebildet. so schütten sie ihm etwas ins Glas oder töten ihn im Schlaf mit Rauch. so wie sie es heute mit uns probiert haben. Wir setzten uns auf den Betonsockel vor dem Kellerfenster und atmeten schweigend die Morgenluft der erwachenden Hauptstadt ein.» «So etwas nennst du Menschen?! Während du hier herumphilosophierst. jeder ist hier sein eigener Herr. rauben sie Unschuldige aus und sind sogar zu einem Mord fähig. Das ist ihr Gewerbe. nicht mit gewöhnlichen Menschen. Oder hast du die ganze Zeit hinter einem Schreibtisch gesessen und keine Kampftechniken gelernt?» «Manchmal saß ich im Büro. mit Feinden zu kämpfen. Und ich kann meine Kräfte nicht in Maßen einsetzen. Dann nehmen sie ihm weg. Er begann an dem Gitter herumzuhantieren und versuchte es aus der Verankerung zu lösen. Aber mit physischen Maßnahmen kann man das nicht verhindern. unten ist weniger Rauch. und ich lehnte mich an die Wand. Ich könnte leicht zu weit gehen ..» 125 . Beweg dich so wenig wie möglich. Mein Schwindel ließ allmählich nach. ich hatte aber auch anderes zu tun. doch das wollte ihm nicht gelingen. was immer er dabei hatte. sie aber auch anzuwenden ist etwas anderes. und wir hingen beide unseren eigenen Gedanken nach..» «Und du als alter KGB-Mann lässt dir das einfach gefallen? Für so was hätten sie eine ordentliche Abreibung verdient.

Das schaff ich. Nach einer kurzen Pause sagte er: «Glaubst du wirklich.» «Ich meinte eigentlich.» Ich stand auf. ich kann das nicht abschätzen. nur drei Haltestellen. nimm das!» 126 . Und jetzt sieh zu. Es ist schon Morgen. drückte ihm die Hand und ging.» «Stimmt. Zunächst einmal werde ich versuchen zu schreiben. ob du dein Ziel erreichst — dein Buch zu schreiben und es zu veröffentlichen. Ich hab's nicht weit. fragte ich ihn.» Ich kehrte um zu dem obdachlosen Oberst.» «Eben..«Was sollen solche Betrachtungen. der schweigend und mit gesenktem Kopf auf dem Betonsockel saß. andere hätten es vielleicht nicht geschafft. Anderen wäre das vielleicht nicht gelungen.» «Quatsch! Befehle muss man eben genau befolgen.» «Du kannst dich also nicht exakt an Befehle halten?» «Anastasia hat mir keinen Befehl erteilt. dass du es schaffen wirst?» «Ja. Ich sag ja.» «Stimmt. Weshalb philosophierst du dann und unternimmst nichts?» «Ich kann Menschen nicht schlagen. Ich war erst ein paar Schritte gegangen..» «Hat denn Anastasia gesagt. da rief er mir nach: «Warte! Komm noch mal kurz zurück. Und du hast durch dein eigenmächtiges Handeln alles nur erschwert. das hat sie gesagt. Sie hat mich gebeten. Sie hat sich eine bestimmte Taktik und Strategie zurechtgelegt.» «Ich werde handeln. wo wir doch beinahe ums Leben gekommen wären? Wir sind noch mal mit knapper Not entkommen. dass du Land gewinnst. Aber geschehen ist nun mal geschehen. dass du es schaffst?» «Ich denke.» «Gebeten . schon. «Was gibt's?». Hier.» «Und wieso hast du dich nicht sofort an die Arbeit gemacht?» «Ich hielt anderes für wichtiger.

wollte ich mich schlafen legen. dass wir zusammenziehen.» «Lass nur gut sein. dann komm hierher.» «Keine albernen Sprüche jetzt! Es ist höchste Zeit. ein Polizeiauto und einen Notarztwagen. ihm den Ring und das Kreuzchen zurückzugeben. Ich ging auch ins Bett.» Als ich in die Nähe des Kellerfensters kam. Los jetzt. das Geld für die Miete zu zweit zu verdienen. Das kann ich unmöglich annehmen. Außerdem wird es leichter sein. Ich begann es zu öffnen.Er steckte mir ein kleines Bündel aus Cellophan zu. und nach einigem Auseinanderfalten erkannte ich durch die transparente Folie einen goldenen Trauring und ein silbernes Kreuzchen an einer Kette. vorwärts!» «Kommt nicht in Frage. praktisch veranlagt und ordentlich. Ich werde das nicht annehmen.. das werd ich schon regeln . Nach einer Weile rief er mir bittend hinterher: «Dass du es nur schaffst!» In meiner Wohnung angekommen. aus dem wir am Morgen herausgeklettert waren. sah ich eine Gruppe von Menschen. Gib es ihnen ruhig zum halben Preis. Schon für den nächsten Monat kann ich nicht mehr zahlen. die keinen Einwand duldete.. Seine tote Hand 127 . dass du gehst. doch sein befehlender und gleichzeitig flehender Blick brachen meinen Widerstand. Und keine Sorge wegen meiner Nachbarn. «Kehrt um! Vorwärts! Im Gleichschritt — marsch!». Außerdem kann er malen. mit geschlossenen Augen und einem Lächeln auf den Lippen. in das irgendetwas eingewickelt sein musste. Er könnte vielleicht tatsächlich das Umschlagbild für mein Buch malen.» Ich versuchte. Er ist anpassungsfähig. Unterwegs dachte ich: «Vielleicht wird er einverstanden sein. doch der obdachlose Oberst ging mir einfach nicht aus dem Sinn. stieß er mit gedämpfter Stimme hervor. Wenn du kein Dach über dem Kopf hast. Der Oberst lag matschverschmiert auf dem Boden. «Die Händler werden dir das zum halben Preis abkaufen. Damit kannst du dich vielleicht eine Weile durchschlagen. Ich zog mir frische Wäsche an und machte mich auf den Weg zu ihm.

Er stützte sich an der Wand ab. wollte man auch in der Menge wissen. und machte sich Notizen. verschlissener Kleidung und verzerrtem Gesicht am Boden lag. dahinter der Mann. Ganz langsam schleppte er sich dahin. bis unten hin.hielt ein Stück roten Ziegelstein umklammert. Die kleine Menschenschar. Dann sagte er zu den dreien. zwei Männer mit einer Frau dabei. warum ist er da raufgekrochen. 128 . «Ja. Der mit dem Lächeln hat sich aufgerappelt. Mit solchen Herzschmerzen hätte er sich sofort hinsetzen oder hinlegen müssen. Dann treten die drei ganz gehörig auf ihn ein und beschimpfen ihn. erst die Frau. Der da. der mit zerknitterter. seine liebe Mühe hatte der. schaue. Der hat ja kaum mal ausgeholt. die sehr wahrscheinlich aus Mietern des Hauses bestand. Ein gerichtsmedizinischer Gutachter stand neben der Leiche eines anderen Mannes. wie Penner sehen die aus. mit der Handkante an den Hals. Die anderen beiden rannten sofort los. An der Wand stand ein zerbrochener Holzkasten. wo er dann liegen blieb. dann schob er die Kiste wieder an die Mauer heran. dann hören die auf zu treten. Die fangen wieder an. sie sollen verschwinden und sich nie wieder blicken lassen. die wie ein Wasserfall sprach: «Ich bin draußen. die kippt um. zog er mit dem roten Ziegel an der Wand entlang einen Strich. dass der andere sich am Boden krümmte und röchelte. Einer von denen gibt der Kiste einen Stoß. hörte einer Frau in ihrer Mitte zu. fragte ich die Frau. Ich komme herbeigelaufen. Ich schrie sie wieder an. Geatmet hat er nicht. der die Kiste umgekippt hatte. Während er langsam zu Boden sank. Der mit dem Lächeln fasste sich ans Herz. er aber ging wieder zu seiner Kiste. mit dem Gesicht nach oben. Total schlecht ging es ihm. steht auf dieser Kiste. der mit dem Lächeln. so. und gehen noch mal auf ihn los. wo er doch eine Herzattacke hatte?». da nähern sich ihm von hinten drei Leute. ihn zu beschimpfen. Ich schrei sie an. Als sie bei ihm sind. aber da atmet er schon nicht mehr.» «Wieso ist er denn auf die Kiste gekrochen?». und der Mann auf der Kiste fällt zu Boden. mit dem Gesicht zur Wand. meinen Hund ausführen. kroch auf die Kiste und stellte sich hin. das konnte man sehen. aber gelächelt. aber das hat so gesessen. schlägt der dem Typ da.

da oben. Da ist die Zeichnung. Auf der grauen Hausmauer war mit rotem Ziegel ein Sonnenkreis gezeichnet worden. Nichts wies mehr auf das Geschehen hin. Ich riss mir meine Jacke vom Leib.» Die Frau wies mit ihrer Hand auf die Ziegelwand des Hauses. als die drei Penner von hinten auf ihn zukamen. und die ganze Zeit stand der da und malte. Um die Sonne herum waren in Form eines Kreises etwas unregelmäßig angeordnete Buchstaben zu sehen. Meine Gedanken wirbelten durcheinander. der dritte zog sich lang und krumm bis zum Boden hin. Ich betrachtete sein mit Erde verschmiertes. Doch was? Was konnte ich bloß für ihn 129 . ein anderer aber nahm die Jacke und legte sie unter das ergraute Haupt des Obersts. Ich machte einen langen Spaziergang mit meinem Hund. Ein Sanitäter raunzte mich unfreundlich an. der hier gestorben war. Ich stand da und sah mir die von der Morgensonne beschienene Zeichnung und die Aufschrift an der Mauer an. Die Autos fuhren davon. und die Menge löste sich auf. wie die beiden Leichen in den Wagen verfrachtet wurden. Ich musste irgendetwas tun für diesen KGB-Mann. Ich konnte das nicht mit ansehen.» Von der Sonne gingen Strahlen aus.«Er wollte unbedingt zeichnen. wo jetzt der tote Oberst lag. Sein Kopf schlug auf den Boden des Laderaums auf. Ich trat etwas näher heran und las: «Die klingenden Zedern Russlands. mit einem Zedernzweig in der Mitte. dass man ihm die Jacke unter den Kopf legte. lächelndes Gesicht und dachte: «Vielleicht vermochte Anastasia ihn im letzten Augenblick seines Lebens mit ihrem Strahl zu berühren und ihm Wärme zu schenken. Er hat sich noch nicht einmal von seiner Zeichnung abgewandt. «Mein» Oberst wurde ganz gleichgültig hineingeworfen. Zwei Strahlen waren kurz. Vielleicht konnte sie der Seele dieses Menschen zumindest etwas Wärme schenken und sie in die lichte Unendlichkeit forttragen. für diesen russischen Offizier. Er zeichnete ja auch schon. lief zum Wagen und verlangte. Darum hat er sie wohl nicht bemerkt. aber nur drei — mehr hatte der obdachlose Oberst nicht geschafft.» Ich sah zu.

130 . Und sie hatten sich bereit erklärt. Sie wussten noch nichts von Anastasia. was ist los. ich werde deine Zeichnung auf dem Umschlag meines Buches verwenden. und sie waren selber bedürftig. Obwohl ich mich gar nicht auf das Schreiben verstehe. dass ich das Problem mit der Gründung der Unternehmergesellschaft mit Hilfe eines Buches zu lösen gedachte. was ich ihnen erzählt hatte. schießt nicht auf die Herzen eurer Offiziere mit unsichtbaren. die aus der Heimat abgefeuert werden. Den Hauptteil dieser Arbeit übernahm Ljoscha Nowitschkow. Alles. das ich schreiben wollte. Kugeln der Grausamkeit und Gefühllosigkeit! Schießt nicht hinterrücks auf eure Soldaten. alles zerreißenden Kugeln. Außerdem hatte er zwei Flaschen Bier. werde ich es schreiben . ein paar Würstchen und andere Lebensmittel sowie 20. Fähnriche und Generäle. Kugeln. sind schlimmer als feindliche Bleikugeln. Als er all diese Dinge auf dem Küchentisch ausbreitete. fragte ich ihn erstaunt: «Ljoscha.und nicht nur ein Buch! Auf allen Büchern soll diese Zeichnung wie ein Emblem prangen! Ich werde in meinem Buch an alle Russen appellieren: <Russen. Eines Tages dann kam Ljoscha mit den Ausdrucken des letzten Kapitels vom ersten Band und einer Diskette mit dem gesamten Text des Buches. schießt nicht auf eure Offiziere!>» Ich schrieb schnell. Er kam etwa alle drei Tage mit einem Ausdruck der letzten Texte und holte das Manuskript mit dem neuesten Kapitel ab. So vergingen zwei Monate. Ab und zu kamen Anton. ob sie nun weiße oder rote. den Text des Buches in den Computer einzugeben. Auf alle Fälle werde ich dieses Buch schreiben.tun? Dann beschloss ich: «Offizier. war. Artjom und Ljoscha zu Besuch und brachten mir etwas zu essen. Russen. blaue oder grüne Uniformen tragen.000 Rubel (4 USDollar) mitgebracht. Es reichte kaum einmal für die Metro und ein Butterbrot. ist bei dir etwa der Wohlstand ausgebrochen?» Er lebte allein mit seiner Mutter.

«Bei uns ist gerade Prüfungszeit. Er schlief. technische Zeichnungen an und schreibe für sie Programme. Wenn es noch Korrekturen gibt.» «Wie hast du das bloß alles in die Reihe gekriegt. Zeichnungen anfertigen. Ich drehte mich zum Küchentisch um.» «Legst du denn selber keine Prüfung ab?» «Doch. die zu faul sind oder nicht nachkommen. das schon. Anton ist schon zur Militärübung gefahren. um die kochenden Würstchen abzustellen.deine eigenen Prüfungen. sein Kopf und seine Arme ruhten auf den Ausdrucken von Anastasia. 131 . Ljoscha . Programme schreiben und dann auch noch täglich Anastasia abtippen und ausdrucken?» Ljoscha schwieg. Ljoscha saß unbeweglich da. «Da fertige ich für einige Studenten. Eine Klausur steht mir noch bevor. und übermorgen muss ich für einen Monat zu einer Militärübung nach Kineschma. Es ist gut. dass das Manuskript von Anastasia jetzt fertig ist. wird Artjom einspringen. Wladimir Nikolajewitsch». Dafür habe ich etwas Geld bekommen. antwortete Alexej.

da gelobte ich mir. Nein. um die Gesellschaft der Unternehmer ins Leben zu rufen. das Geheimnis und die Bestimmung dieser Idee zu ergründen. eine Erholungsfahrt sollte es werden. vor dem Tisch mit den inzwischen abkühlenden Würstchen und dem auf den ausgedruckten Seiten schlafenden Ljoscha. die all diese Menschen in ihren Bann zog? Warum lag sie auch mir so sehr am Herzen? Welches Geheimnis verbirgt sich dahinter? Ich glaube. Die besten Kabinen wollte ich bereitstellen für Ljoscha. einmal ganz konkret darüber nachzusinnen und zu versuchen. auf der ich Anastasia begegnet war. es lohnt sich. Anton und Artjom sowie für all die anderen. wie früher. am besten zur Zeit der weißen Nächte. Aber nicht um Handel zu treiben. Was begeistert die Menschen an dem Traum dieser Taiga-Eremitin? Was steckt dahinter? Wie kommt man diesem Geheimnis auf die Spur? Die Journalistin Katja Golowina von der Moskauer Prawda befragte dazu unsere drei Studenten: «Wieso macht ihr dabei mit? Worin besteht euer persönliches Interesse?» Sie konnten aber keine klare Auskunft geben. sondern sagten nur: «Das ist eine gute Sa132 . die mir unter großen Entbehrungen und ohne Rücksicht auf ihr Privatleben zur Seite gestanden hatten. um mein Schiff zurückzubekommen und es die gleiche Route fahren zu lassen. Aber was für eine Idee war das eigentlich. genügend Kapital zu sparen.21 Was steckt dahinter? Wie ich so in der Küche meiner kleinen Moskauer Wohnung stand.

gab es so viele Rätsel im Zusammenhang mit diesem Buch. das Buch eines unbekannten Autors zu drucken? Wieso hat er die finanzielle Last auf sich genommen und statt auf Zeitungspapier sogar auf richtigem Offsetpapier gedruckt? Die ersten Exemplare dieser Auflage verkaufte ich selber am Ausgang der Metrostation «Taganskaja». plötzlich bereit. die Druckkosten für weitere 2000 Exemplare vorzuschießen. Verkaufsleiter eines Moskauer Verlags. Wieso hat sie das getan? Später begannen einige Leser. entschieden. Dann begannen die ersten Leser mir zu helfen. Wenn du das Geld drin hast. Warum hat sich der Direktor der Druckerei. Mein Flugzeug geht heute Abend. zog es immer neue Menschen an. Dann erklärte sich Juri Nikolajewitsch Nikitin. Anschläge auszuhängen und Treffen mit interessierten Kurgästen abzuhalten. Als wäre es selbst lebendig. über den Rest kannst du selbst verfügen.» Auch sie handelten also intuitiv. da wollte ich vorher noch die Rechnung bezahlen. dass das Buch gut sei. Was aber steckt hinter dieser Intuition? In der Moskauer Druckerei Nr.» Seit ich an dem Manuskript arbeitete. Gennadi Wladimirowitsch Gruzja. in den Kurhäusern der Moskauer Umgebung Bücher zu verkaufen. Ich werde ein paar Pakete an mich nehmen. Das war auch so eine seltsame Geschichte. und mit seiner Hilfe schlug ich mich durchs Leben.II wurde der erste. Zur Zeit der Auslieferung teilte mir Nikitin mit: «Im Sommer läuft eigentlich nicht viel bei uns mit Büchern. kannst du es mir zurückerstatten. und das ist auch noch heute so.che. Er kam mit dem Auto zu mir und sagte: «Ich reise heute mit meinem Sohn zu einem Tennisturnier ins Ausland. Sie erklärte jedem ausführlich. dünne Band über Anastasia in einer Auflage von 2000 Exemplaren gedruckt: auf Kosten der Druckerei. Eine ältere Frau verkaufte täglich Bücher an der Metrostation «Dobryninskaja».und Vertriebskonzerns. Zuerst hielt ich die 133 .» Und dann zahlte er die Neuauflage.

die Grenze festzulegen. 134 . Es ist schwer.mit ihm verbundenen Geschehnisse für Zufall. Doch es reihte sich ein Zufall an den anderen. wo der Zufall aufhörte und die Gesetzmäßigkeit anfing. sodass ich selbst nicht mehr beurteilen kann.

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Vater Feodorit
Es kam die Zeit, da ich die Möglichkeit in Betracht zog, meinen Vater Feodorit zu besuchen. Damals in der Taiga hatte ich Anastasia einmal gefragt: «Gibt es in unserer Welt Menschen mit ähnlichen Fähigkeiten und Kenntnissen, wie du sie hast? Menschen, die nicht so weit weg wohnen?» Anastasia antwortete: «In verschiedenen Teilen der Erde gibt es Menschen, deren Lebensweise sich von der technokratischen unterscheidet. Sie alle haben unterschiedliche Fähigkeiten. Auch in eurer Welt gibt es einen solchen Mann, den du im Winter wie im Sommer problemlos erreichen kannst. Er verfugt über ungewöhnliche geistige Kräfte.» «Weißt du, wo er lebt und ob ich ihn treffen und mich mit ihm unterhalten kann?» «Ja.» «Und wer ist es?» «Es ist dein Vater, Wladimir.» «Was? Ach, Anastasia ... Ich wollte doch von dir Beweise hören, dass du Recht hast, und nun bekomme ich genau das Gegenteil. Mein Vater ist vor 18 Jahren gestorben und liegt in einem kleinen Städtchen in der Region Brjansk begraben. Anastasia saß auf dem Gras, lehnte mit angezogenen Knien an einem Baum und sah mir schweigend in die Augen. Sie schien etwas enttäuscht zu sein, aber auch ein Bedauern lag in ihrem Blick. Dann senkte sie schweigend
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ihr Gesicht auf die Knie. Ich dachte, Anastasia müsse über ihren Irrtum mit meinem Vater betrübt sein, und versuchte sie zu trösten. «Nimm's nicht so tragisch, Anastasia. Du hast dich wahrscheinlich geirrt, weil du einen großen Teil deiner Kräfte eingebüßt hast, wie du ja selbst sagtest.»* Anastasia schwieg noch eine Weile, dann hob sie ihren Kopf, schaute mir in die Augen und sprach: «Meine Kräfte haben zwar nachgelassen, aber nicht so sehr, dass ich mich täuschen könnte.» Dann schilderte sie mir eine Reihe von Ereignissen, die sich vor 26 Jahren zugetragen hatten. Sie vermochte die Geschehnisse bis ins Detail wiederzugeben, und sogar die damit verbundenen Empfindungen stimmten genau. Irgendwie ist für mich noch nachvollziehbar, dass man anhand des Mienenspiels, der Körperhaltung und der Augen die Gedanken eines Gesprächspartners erkennen kann. Aber die Art und Weise, wie sie die Vergangenheit wie einen Dokumentarfilm durchschaute, ist mir völlig rätselhaft. Auch Anastasia konnte mir das nicht mit gewöhnlichen Worten erklären. Hier nun die Ereignisse, die sie mir vor Augen führte: «Nicht weit entfernt von Moskau, in der Stadt Sergiew Posad, liegt das Dreifaltigkeitskloster des heiligen Sergius. Die dicken, altertümlichen Mauern der Klosteranlage beherbergen ein Priesterseminar, eine geistige Akademie, mehrere Kirchen und das Kloster. Die Kirchen sind der Öffentlichkeit zugänglich, und jeder, der möchte, kann dort hinkommen, um an dieser heiligen Pilgerstätte Russlands zu beten. Sogar in all den Jahren, als die Gläubigen verfolgt wurden, wurde keine der dortigen Einrichtungen zerstört, in denen die Mönche Gott dienten. Vor 26 Jahren, genau an dem Tag, als ich das Licht der Welt erblickte, stand ein junger Mann vor dem Tor des Klosters. Er besuchte zunächst das Museum, dann die große Kirche des Anwesens. Ein
* Dieses Gespräch fand statt, nachdem Anastasia einen Mann und eine Frau vor einer Gewalttat bewahrt hatte und daraufhin das Bewusstsein verlor. Diese Begebenheit habe ich in Band I geschildert.
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großer, ergrauter Mönch von hoher Würde hielt dort gerade eine Predigt. Das war Pater Feodorit, der Archimandrit* des SergiusDreifaltigkeitsklosters. Der junge Mann hörte sich die Predigt an, und als sie vorüber war und Pater Feodorit ins Diakonikon** ging, folgte er ihm. Die Messdiener ließen ihn gewähren. Er ging zu Feodorit und sprach mit ihm über die Predigt, und der Pater unterhielt sich lange mit ihm. Der Jüngling war zwar getauft, aber er hatte keinen richtigen Glauben; er hielt kein Fasten ein, nahm nicht am Abendmahl teil und kam nur selten zur Messe. Dennoch begann an diesem Tag seine Freundschaft mit Pater Feodorit. Der Jüngling kam jetzt des Öfteren ins Kloster, und Pater Feodorit sprach mit ihm und zeigte ihm all die Heiligtümer, zu denen gewöhnliche Kirchgänger keinen Zutritt hatten. Der Mönch schenkte ihm Bücher, doch der Jüngling verlor sie alle. Der Mönch schenkte ihm auch ein Kreuzchen zum Umhängen, doch auch das ging verloren. Da schenkte der Mönch ihm ein weiteres Kreuzchen, ein ganz besonderes, eines, das sich öffnen ließ wie ein kleines Kästchen ... aber auch das verlor der Jüngling. Der Pater nahm ihn sogar mit ins Refektorium*** und ließ ihn zusammen mit den Mönchen des Klosters speisen. Jedes Mal gab er dem Jüngling etwas Geld, nie machte er ihm Vorwürfe, und immer erwartete er seine Ankunft. So verging ein Jahr. Der Jüngling besuchte das Kloster einmal die Woche, doch eines Tages ging er fort und kam die nächste Woche nicht. Der Mönch wartete. Doch der junge Mann kehrte auch nach einem Monat und einem ganzen Jahr nicht zurück. Der Mönch wartete. Inzwischen sind 25 Jahre verstrichen, und noch immer wartet der Mönch auf ihn. Seit 25 Jahren, Wladimir, wartet dein geistiger Vater auf dich, der große Mönch Russlands, Pater Feodorit.» «Ich bin vom Kloster weit weg gezogen, nach Sibirien. Ich habe ab und zu an Pater Feodorit gedacht», entgegnete ich, als wollte ich mich vor mir selbst oder jemand anders rechtfertigen.
* Großabt eines russisch-orthodoxen Klosters. ** Sakristeiraum. *** Speisesaal im Kloster.

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«Nicht einen einzigen Brief hast du ihm geschrieben», bemerkte Anastasia. «Ich würde ihn gern wieder sehen.» «Und was würdest du ihm dann erzählen? Wie du Geld verdient hast, Erfolg in der Liebe hattest oder sonst wie deine Zeit verschwendet hast? Wie du oft am Rande des Abgrunds standst und erst im letzten Moment aus der Not gerettet wurdest? Das alles wird er von selbst verstehen, indem er dich nur ansieht. Er, der so oft für dich gebetet hat und dich dadurch immer wieder vor dem Verderben bewahrt hat, glaubt noch heute an dich, genauso wie vor 25 Jahren. Nein, er würde etwas anderes von dir erwarten.» «Was, Anastasia? Was weiß Pater Feodorit, und was will er von mir?» «Genau kann ich das nicht sagen. Er muss etwas geahnt haben. Sag, Wladimir, erinnerst du dich an deine Gespräche mit ihm, daran, was du in den heiligen Kammern des Klosters sahst?» «Ich kann mich nur noch sehr verschwommen erinnern. Es ist ja schon so lange her. Nur noch gewisse Begebenheiten sind mir im Gedächtnis haften geblieben.» «Versuche dich an sie zu erinnern. Ich werde dir dabei helfen.» «Pater Feodorit unterhielt sich mit mir an verschiedenen Stellen des Klosters. Ich erinnere mich da an unterirdische oder halbunterirdische Kammern, an das Refektorium, den langen Tisch, an dem die Mönche speisten, und ich mit ihnen. Während einer Fastenzeit war das. Das Essen war karg, aber es hat mir geschmeckt.» «Hattest du beim Besuch des Klosters irgendwelche außergewöhnlichen Empfindungen oder Gefühle?» «Einmal schritt ich nach dem Abendessen durch den Gang, der zum Innenhof der Lawra* führte, und wandte mich von dort dem Ausgang zu. Das Tor war für Kirchgänger bereits geschlossen, und der Hof war leer. Der Stadtlärm konnte die dicken, hohen Mauern nicht durchdringen. Ringsumher erhoben sich die Kirchbauten, es herrschte Stille. Da hielt ich inne, denn plötzlich vermeinte ich
* Großes Kloster der Ostkirche.
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um mich herauszulassen und das Tor zu verriegeln. Wladimir?» «Soll das ein Verhör sein? Du hast doch alles. warum 25 Jahre deines Lotterlebens sein Vertrauen in dich nicht erschüttert haben. diese Musik zu hören und die gleichen Gefühle in dir hervorzurufen?» «Ja. vielleicht war das aber auch in einem unterirdischen Trakt des Klosters. nur eine intuitive Hoffnung. blieb aber selbst draußen. Bitte versuche dich zumindest an einzelne Begebenheiten deines Treffens mit dem Pater und deine Gespräche mit ihm zu erinnern. auf den Regalen lagen verschiedene Dinge. Und er hat für dich etwas Großes. noch immer untätig? Warum? Das kann ich nicht begreifen.. dass er viel darüber nachgedacht und dafür getan hat. Ich stellte mich bei meinem nächsten Besuch sogar an den gleichen Ort.. Aber ich blieb stehen und lauschte eine Weile. Ich ging nur mit Pater Feodorit hinein. dem so vieles geschenkt wurde. Aber warum er das Erwünschte ausgerechnet mit dir in Verbindung brachte. Erst dann ging ich langsam zum Tor.» «Hast du nochmals versucht... Pater Feodorit hatte keine konkreten Pläne.» «Du hast dich dort zweimal gewundert.» «Unmöglich. denn der Dienst habende Mönch wartete auf mich. was nur er zu tun vermag.» «Ich erinnere mich an einen Saal oder eine Art Lagerraum in der geistigen Akademie oder dem Seminargebäude . sehr viel sogar. dem praktisch alle Grundlagen für einen gesunden Glauben fehlen. Dann wirst du auch in der Lage sein. aber leider . Ein Mönch öffnete Pater Feodorit eine Tür. aber es hat nicht geklappt. meine Gefühle von damals zu schildern. An den Wänden hingen irgendwelche Bilder..» «Hast du jemals wieder diese Musik gehört und die gleichen Empfindungen gehabt?» «Nein. was ich vor 26 Jahren erlebte. Eigentlich hätte ich gehen müssen. so genau erzählt. Und ich werde das Gefühl nicht los.herrliche Musik zu hören. Und warum bist du.» «Erinnerst du dich sonst noch an etwas. Auch verstehe ich nicht.. Allerdings geht ja im Kosmos nichts spurlos verloren. Worüber?» 139 . das ist mir ein Rätsel. Bedeutendes getan — etwas.

» «Erinnere dich.. das Bild für eine öffentliche Ausstellung zur Verfügung 140 . Ich werde dir helfen. Wladimir. dann noch einen Schritt . Durch die pulsierende Linie.» «Dieses Bild gehört auf eine Ausstellung.«Gewundert? Ja. natürlich. Anastasia. jetzt kommt es mir wieder. Ein kleiner Saal.eine Art pulsierende Spirallinie. dich zu erinnern. Dabei drückte er mal mehr auf. Wladimir. dann wieder berührte der Stift kaum mehr das Blatt.» «Jetzt kann ich mich wieder erinnern. Andere Deutungsmöglichkeiten sind ebenfalls möglich. wie eine Bleistiftzeichnung. und das Ganze ergab dann jenes seltsame Bild.» «Und was?» «Das weiß ich noch nicht. Es war ein sehr deutlich gezeichnetes Porträt eines Menschen. Bitte doch die Klosterleitung nach deiner Rückkehr. soll den Betrachtern etwas übermittelt werden.» «Worüber?» «Da war so ein Bild. du stehst vorn. wobei die Linie stärker wurde. das irgendeinen Menschen darstellt. Am Rande des Blatts hörte die Spirallinie auf.» «Was siehst du?» «Dieses Bild.» «Und was hat dich daran so gewundert?» «Ich weiß es nicht mehr. du und Pater Feodorit stehen vor diesem Bild.> Du machst einen Schritt vorwärts. die einen Menschen darstellt. damit es alle Interessenten betrachten können. Irgendwer wird die verschlüsselte Botschaft des Bildes schon entziffern können. Versuch bitte. Das ist aber bloß eine Vermutung.. Ich habe nicht schlecht gestaunt. und Pater Feodorit sagt zu dir: <Tritt näher. schwarzweiß war es. sodass die Linie hauchdünn wurde sie war jedoch nie unterbrochen. Der Künstler hat den Bleistift oder das Zeichengerät in der Mitte des Blattes angesetzt und spiralförmig nach außen geführt. besteht aus einem einzigen Strich . Zum Beispiel könnten Punkte und Striche irgendeinem Alphabet oder vielleicht Notenzeichen ähneln. das Porträt eines Menschen.

» «Bitte erinnere dich. sodass die einzelnen Wörter zu einem unverständlichen Mischmasch verschmelzen. Wladimir.. Du hast dich sogar darauf gesetzt.unglaublich schnell..» «Nein.» «Da war nichts Besonderes. dass er von niemandem angerührt wird. das Tonband abzubremsen und es sozusagen in Normaltempo anzuhören?» «Wie soll denn das gehen?» «Durch Nachdenken über den Sinn des Daseins . das habe ich nicht versucht. das zu tun. irgendwelche Gedanken rasten mir da durch den Kopf. Sie sind enorm wichtig. Na ja. Dann wird sich jemand finden.zu stellen .Aber du hast dich noch ein zweites Mal gewundert. Aber in welchem Zusammenhang er das sagte.» 141 ..» «Aber du hast ihn angerührt.» «Wer wird schon auf mich hören?» «Man wird sehr wohl auf dich hören.» «Und hast du all das verstanden.» «Und hast du niemals versucht . dass es irgendwo abgedruckt wird. Wladimir. Kannst du dich daran erinnern?» «Das war auch in diesem Saal .. oder war es ein Sessel? Jedenfalls sah er einem Thron ähnlich. der die Spirallinie deuten kann. und er stand einfach schweigend da und sah mir in die Augen. so als würde man ein Tonband in hohem Tempo abspulen. dich an deine Empfindungen von damals zu erinnern. Der Pater sagte. Weiter nichts.» «Und in diesem Augenblick ist etwas mit dir geschehen. und sei er auch ohne Zusammenhang?» «Ja... habe ich nicht behalten. Versuche. oder in einem benachbarten Raum. was Pater Feodorit zu dir sagte? Kannst du dich zumindest an einen Satz von ihm genau erinnern. Ja.. Pater Feodorit und ich standen davor und betrachteten ihn... es war in einer kleinen Kammer. du sprichst in Rätseln.» «Nein.» «Pater Feodorit hat mir angeboten. hattest du nie den Wunsch. .. Ich sah Pater Feodorit. — Anastasia. dort stand auf einer erhöhten Plattform ein kunstvoll geschnitzter Stuhl. oder darum.

indem er auf das Wesentliche hinwies. die für ihn verehrungswürdig sind. Sie strahlte übers ganze Gesicht. Er hat nie in Dogmen gesprochen. Herz und Haar. Mönch Russlands! Weißt du. Er hat dich so sehr vor Dogmen beschützt. Entscheidend ist. so wie Arme und Beine. vielleicht insbesondere in deiner Gegenwart. über alltägliche Dinge.>» Anastasia hatte die ganze Zeit unter dem Baum gesessen. So wie Eltern bestrebt sind. Er sprach mit dir über Themen. ihrem Kind 142 . Wladimir.» «Aber wie kann irgendjemand die Lehren der Weisen des Westens oder des Ostens. eines kann ich mit Sicherheit über Pater Feodorit sagen: Er spottete der Vielfalt der Lehren in dieser Welt. wer ich bin. Sie legte ihre Hände an den Stamm der Zeder und schmiegte ihre Wange daran. wenn er nie davon gehört hat?» «Im Menschen. Wladimir. natürlich!». dass er nachdenklich und sehr bedacht war.«Dann sprich. alle Entdeckungen entstammen einzig und allein dieser Quelle. na klar.» «<Du wirst es ihnen beweisen . Es kommt aber auch gar nicht darauf an. Er zeigte dir die heiligen Gegenstände. Sie klatschte in die Hände und sagte voller Freude: «Du bist wahrhaft groß.» «Ja. «Ja. Alle Lehren dieser Welt. . dass du sogar mich als primitive Einsiedlerin wahrnimmst. das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren. aber ohne äußerliche Anbetung. rief Anastasia aus.» «Wir haben gar nicht über irgendwelche Lehren gesprochen — nur über alltägliche Dinge. was jedem Menschen innewohnt. Er war von hoher Würde und einfachem Wesen. Neben ihm wirken all die Prediger lächerlich.» «Und was ist das Wesentliche?» «Das. von denen es in Russland zurzeit nur so wimmelt und die mit ihrer Dogmendrescherei bloß von der Hauptsache ablenken.. Indiens oder Tibets kennen. doch nun stand sie plötzlich auf. in jedem Menschen sind von Anfang an alle notwendigen Informationen vorhanden. die dich bewegten. aber noch wichtiger ist. Gleich bei seiner Geburt werden sie ihm gegeben.

wiederholte Anastasia lachend.» «Und welche Lebensweise ist charakteristisch für diejenigen. 143 . «Du liest meine Gedanken. So verschließt er sich dem übrigen Meer an Informationen. die die Wahrheit am meisten erkannt haben?» «Sie sind glücklich.» «Mystisch! Mystisch!». nur ihm sei dieses Wissen zuteil geworden und es enthalte die Essenz aller Wahrheit. das in ihm ruht. Es ist einfach nur Aufmerksamkeit im Umgang mit den Mitmenschen.kann auch nur den Bruchteil der Informationen enthalten.» «Mystisch! Phantastisch!».» «Und um die Wahrheit zu erkennen. wie wird mich mein geistiger Vater Feodorit empfangen. Dann fragte ich sie: «Was denkst du. sondern in einer entsprechenden Lebensweise.alles zu geben. zunutze machen und sie beherzigen würdest. in dem Glauben. dass seine Wahrheit die einzig wahre sei.auch keine noch so große Menge von Büchern oder die modernsten oder auch zukünftige Computer . Einfach phantastisch!» Jetzt musste auch ich lachen. wenn ich ihn besuche? Wird er ärgerlich sein?» «Zweifellos wird er sich über deinen Besuch freuen und dich empfangen — egal in welchem Zustand du bist. lachte Anastasia und fügte hinzu: «Kannst du etwa meine Gedanken lesen?» «Das hat nichts mit Mystik zu tun. so stattet auch der Große Schöpfer jeden von Beginn an mit allem aus. Er versucht die anderen Menschen davon zu überzeugen. die dir zur Verfügung stehen. Du führst ja alles auf Bewusstheit und Reinheit der Gedanken zurück. die in einem Menschen vorhanden sind. Nichts Menschengemachtes . Natürlich würde er sich noch mehr freuen. Begeistert erzählt er aller Welt davon. Anastasia. Man muss sie nur zu nutzen wissen. sind auch Bewusstheit und Reinheit der Gedanken erforderlich. Das Wissen um die Wahrheit zeigt sich aber nicht in ihrer Verkündung.» «Warum macht dann nicht jeder Erfindungen? Warum schreibt nicht jeder seine eigene Lehre?» «Jemand ergattert aus dem gesamten Ausmaß an Informationen ein Körnchen Wahrheit. wenn du dir die Informationen.

wird gemacht. Ich entgegnete dem Mönch. Es gibt dort nur ein paar Häuschen mit Mönchszellen und eine kleine Holzkirche. Sie ist nicht angestrichen und hat keine vergoldeten Kuppeln. In dieser Kirche betet jetzt dein geistiger Vater Feodorit. wie 27 Jahre zuvor. Früher hatte ich mich dort einfach nur vorstellen müssen und konnte sogleich Pater Feodorit herbeirufen lassen. Und richte Pater Feodorit meine Ehrerbietung aus. die ihre Eltern vergessen haben. Aber zuerst werde ich wohl versuchen. dann wird dir vieles klar werden. dass ich Pater Feodorit 144 . Ich ging direkt zum Pförtnerhäuschen. wie es in anderen Kirchen üblich ist. Die Kraft seines Geistes ist immens. das Tor des Sergius-Dreifaltigkeitsklosters.» «Lebt mein geistiger Vater noch immer am selben Ort — im Dreifaltigkeitskloster des heiligen Sergius?» «Dein Vater. aber dafür ist sie ausgesprochen schön. Er betet für die Kinder. Anastasia. auch deiner.Halt die Tonbandspule in deinem Kopf an. In der Kirche werden keine Kerzen verkauft und auch sonst keine Devotionalien. dieser große Einsiedler Russlands. dass Pater Feodorit nicht mehr Archimandrit sei. Wladimir. die von ihren Kindern vergessen wurden. Er betet für die Erlösung aller Seelen. und bitte ihn um die Vergebung deiner Sünden. gemütlich und sauber. und auch für die Eltern.» «Gut. der früher Sagorsk hieß. um die du mich gebeten hast. Die Klause liegt an einer wunderschönen Stelle im Wald. Er lebe jetzt in einer Waldklause außerhalb des Klosteranwesens. lebt jetzt in einer kleinen Waldklause in der Nähe der Dreifaltigkeits-Lawra. Geh zu ihm. normale Kirchgänger haben dort keinen Zutritt.» Nach meiner Ankunft in Sergiew Posad. Der Dienst habende Mönch teilte mir jedoch mit. einem kleinen Vorort von Moskau. aber Kirchgänger hätten dort keinen Zutritt. verneige dich vor ihm. die anderen Dinge zu tun. Es gibt dort zwei Öfen zum Heizen. und dein Vater ist dort Prior. durchschritt ich. Die Ordensregeln dieser Klause sind strenger als im Kloster. Sie wird von nichts und niemandem entweiht.

vor allem wollte ich nicht.» Eine der ältesten Klosteranlagen Moskaus. Ich wollte Pater Feodorit nicht auf die Nerven gehen. von denen Wege zur Kirche führten. Er schien ohnehin alles zu wissen — wozu also mein belangloses Gerede. traute mich aber zuerst nicht. Da erinnerte ich mich an Anastasias Rat. aber einige von ihnen hatten es nur angesehen und gesagt. wir hätten uns erst gestern getrennt und nicht vor 27 Jahren. mit welcher Aufregung ich mich der kleinen Holzkirche im Wald näherte. und zum Beweis zählte ich einige Heiligtümer des Klosters auf. Sie sah außergewöhnlich schön aus und passte sehr harmonisch in die natürliche Umgebung. aber irgendwie fand ich nicht die richtigen Worte. Pater Feodorit war alt und grau. 145 . Andere hatten gefragt. dachte ich. es ihm zu geben. und nach einer kurzen Einführung meinerseits erklärt. hatte sie zu mir gesagt. Ich begegnete Pater Feodorit auf der hölzernen Veranda der Kirche. Daraufhin teilte mir der Pförtner die genaue Lage der Waldklause mit. solche Bücher würden sie nicht lesen. die mir der Pater gezeigt hatte. Ich wollte ein Gespräch beginnen. Ich hatte das Buch bereits mehreren Geistlichen gegeben. «Sei nicht verlegen und wundere dich nicht beim Wiedersehen mit deinem Vater». Er zeigte auf zwei schwarz gekleidete Frauen und sagte: «So sollten gottesfürchtige Frauen aussehen. Ich wunderte mich. Ich war verlegen. Ich hatte den Eindruck. doch irgendwie schien er in den 27 Jahren gar nicht gealtert zu sein. dass er Anastasia ebenfalls ablehnte. Immer wenn jemand schlecht über sie sprach. Ich hatte ein Exemplar meines Buches für Pater Feodorit mitgebracht. Mit einem Insassen des Klosters Nowospasski* hatte ich einmal sogar ein kleines Wortgefecht begonnen. Wir saßen auf Holzblöcken auf der Veranda und schwiegen.persönlich kenne. Um die Kirche herum lagen einige Holzhütten. Doch das unerklärliche Gefühl der Verwirrung ließ nicht nach.» Ich entgegnete: «Vielleicht ist es ja Gottes Wille. wovon das Buch handle. Der Anblick lebenslustiger Menschen ist jedenfalls angenehmer als der solcher Trauergestalten. Anastasia sei eine Heidin. sträubte sich etwas in mir. dass Anastasia so fröhlich und lebenslustig ist.

sondern sagte nur: «Komm wieder. es schmeckte genauso wie das Püree 27 Jahre zuvor im Refektorium des großen Klosters. Wie kann ich es finden?» Er ging jedoch nicht auf meine Frage ein. «Komm mit. Es gab einen Topf Borschtsch*. dass ich es lese?» Und ohne meine Antwort abzuwarten. fuhr er fort: «Gut. Seine Art zu sprechen war noch die gleiche wie vor 27 Jahren.» Dann geschah noch etwas. Ich erinnerte mich . Bedächtig strich er mit der anderen Hand darüber. als wollte er mit seinen Händen etwas ertasten. sagte Pater Feodorit. und ich fing an zu essen. er saß einfach am Tisch.. doch dann fasste ich mich und fragte: «Und wer sind dann Sie?» «Ich bin Pater Feodorit».Aufgeregt holte ich mein Buch heraus und reichte es Pater Feodorit. In einer kleinen Hütte.» «Ich will es sehen. wenn du Zeit hast.» Am Morgen zwei Tage darauf kam ich erneut zu Pater Feodorit. doch ein seltsamer Umstand ließ mir keine Ruhe: Warum sah Pater Feodorit sogar etwas jünger aus als vor 27 Jahren? Plötzlich unterbrach er seinen Gedankengang und sagte: «Wladimir. wo sein Grab ist?» «Auf dem alten Friedhof. Ich hatte den Geschmack mein ganzes Russische Kohlsuppe mit Roter Beete und diversen anderen Zutaten. Er nahm es ruhig entgegen und legte es sich auf die Hand. * Gesüßtes Getränk aus gekochten Früchten. 146 .. sagte er mit dem Anflug eines Lächelns und sah mich an. Das Kartoffelpüree schmeckte mir sehr. dann lass es mir hier. Er servierte mir Borschtsch. Ich fragte weiter: «Können Sie mir sagen. Wir saßen auf einer kleinen Bank neben seiner Mönchszelle und unterhielten uns über Gott und die Welt. was mir völlig unbegreiflich war. setzte ich mich zu Tisch.» Zuerst traute ich meinen Ohren nicht. Pater Feodorit selber aß nicht. dem Refektorium. ich lade dich ein. «Zeit zum Mittagessen». dann sprach er: «Möchtest du. Kartoffelpüree mit Fisch und Kompott**. dein Vater Feodorit ist gestorben.

die Wahrheit mit einfachen Worten auszudrücken. und wir ließen uns knipsen. dass Pater Feodorit mir vor vielen Jahren in einem Raum des Klosters einmal angeboten hatte. musst du dabei immer das Kapitel angeben. Würde er das Angebot ausschlagen. doch ich wollte nicht auf meiner Bitte beharren. Nun wusste ich aber. sondern als durchgehender Text gestaltet. Er erklärte mir dazu: «Wenn du in deinem Buch auf eine Bibelstelle verweist. und zwar in Farbe. ein Foto mit ihm und mir machen zu lassen. Mir schwirrte der Kopf. damit sie sich den weiten Weg zur Taiga sparen können. Einerseits saß neben mir ein anderer Pater Feodorit. Nach meinen Gesprächen mit ihm kam ich zu meinem nächsten Schluss: In den Klöstern Russlands kann man alte Mönche finden. die sich mit Anastasia treffen möchten. sich mit mir vor dem Waldkirchlein fotografieren zu lassen. Belassen wir es lieber erst einmal dabei.Leben nicht vergessen. und mit ihnen zu sprechen. Darauf erwiderte Pater Feodorit: «Weißt du. Pater Feodorit vorzuschlagen. der uns dann fotografierte. Ich wollte etwas tun. dass du selbst kommst. den ich von früher her kannte. Ich war einverstanden gewesen. Vor meiner Abreise überreichte mir Pater Feodorit eine kleine Taschenbibel für unterwegs. dass Mönche sich nicht gern ablichten lassen. andererseits sprach er genauso wie früher. darüber bin ich mir selbst noch nicht ganz im Klaren. auf das du dich beziehst. der. Ich beschloss also. Sie wurde sehr schön. wenn du Zeit hast. so könnte er nicht der echte Pater Feodorit sein. und er hatte einen Mönch mit einer Kamera bestellt. die durch ihre Weisheit und ihre Fähigkeit. Also sagte ich zu ihm: «Sollen wir uns fotografieren lassen?» Pater Feodorit hatte nichts dagegen einzuwenden. Außerdem machte ich eine Aufnahme von der Kapelle.» Ich bat ihn. obwohl meine Kamera nichts Besonderes war. Sie war nicht in einzelne Verse unterteilt wie die üblichen Bibeln. um mir Klarheit zu verschaffen. den . die Menschen zu empfangen.» Die Absage Pater Feodorits enttäuschte mich. Da erinnerte ich mich.

um ihre Worte zu verinnerlichen. Nach meinen Besuchen bei Pater Feodorit ging es mir immer sehr gut. dass sie selbst auch welche haben. o ehrwürdige Mönche. die ihr über so viel Lebensweisheit verfügt? Schweigt ihr aus eigenem Entschluss oder weil irgendwelche dunklen Kräfte euch die Zunge verbieten? Besucht man die Messe. o altehrwürdige Weise Russlands. so wird sie in einer Sprache abgehalten. Folglich gehen viele Leute lieber zu den Predigern. klarer und eindringlicher als die der meisten Prediger. die man zumindest verstehen kann. die ich mir nach meiner Begegnung mit Anastasia angehört habe.meisten Predigern hierzulande haushoch überlegen sind. Wann aber. dass es auch anderen gut geht. die man nicht verstehen kann. Warum aber schweigt ihr. Es ist mein Wunsch. selbst wenn man dafür Geld zahlen muss. Vielleicht fahren deshalb so viele Russen zu Pilgerorten in der Fremde und vergessen dabei ganz. werdet ihr eure Stimme erheben? 148 . egal welcher Konfession diese auch angehören. Seine Worte sind einfacher.

Irgendwie gefiel es mir dort. verlockten mich all die köstlichen Düfte. höre ich wirklich deine Stimme?» * Gesamtrussisches Ausstellungszentrum in Moskau. wobei ich mich leicht nach vorn bückte. damit die Leute nicht dachten.23 Raum der Liebe Nach dem Verkauf der ersten Auflage von Anastasias Buch erhielt ich mein Autorenhonorar. 149 . «Kauf dir etwas zu essen. ich würde Selbstgespräche fuhren: «Anastasia.» Ich ging noch ein paar Schritte an den geöffneten Imbissstuben vorbei. Ich hatte zwar einige hunderttausend Rubel (vielleicht 50 US-Dollar) in meiner Tasche. Du brauchst jetzt am Essen nicht so zu sparen. dachte ich und ging zu einer Bank. heutzutage WWZ* genannt. da hörte ich wieder die gleiche Stimme: «Warum bleibst du nicht? Bitte iss etwas!» «Das muss eine Sinnestäuschung sein». diese Leckereien zu probieren. fernab von der Menschenmenge. die Stimme Anastasias. und ich kämpfte mit dem Wunsch. Als ich an den zahlreichen Imbissstuben und Schaschlickständen vorbeiging. Da geschah plötzlich etwas Unglaubliches: Ich hörte ganz deutlich. was immer du willst. wenn auch recht leise. Ich setzte mich hin und flüsterte. Kauf dir. Wladimir. die am Rande einer Allee stand. doch ich wollte sparsam damit umgehen. Ich fuhr zum Messegelände WDNH.

Schreib die Bücher fertig. Anastasia?» «Meine Brustmilch. Ich habe einen Sohn geboren.» Ich wollte ihr sagen. dass mir beinahe die Milch ausgeblieben wäre. Anastasia ... mich von meiner Familie getrennt hatte 150 .. Anastasia! Warum hast du denn vorher nicht mit mir gesprochen? Ich habe so viele Fragen an dich. Die ganze Zeit über habe ich versucht. wie bei dir.» «Einen Sohn geboren . Geh deinen Weg!» «Ja. Unser Sohn ist wohlauf — er ist kräftig und kerngesund. hast du dich an mich erinnert. das die beiden Mädchen auf der Geige spielten. Die Natur ist früher erwacht als gewöhnlich und hat mir geholfen.das Lied.kommst du zurecht? Wie schaffst du das alles.Die Antwort kam unmittelbar und deutlich: «Ja. die Milch für unseren Sohn..» «Was für Milch. Ich wollte ihr von den Problemen mit meiner Familie und mit der Firma erzählen.» «Ich habe sehr wohl zu dir gesprochen. Nur seine Haut ist etwas trocken. das ich dir in der Taiga vorgesungen hatte. dich zu erreichen. Bei den Treffen stellen die Leser immer Fragen an mich. habe ich sogar vor Aufregung geschrien. und viele davon kann ich nicht beantworten. du wirst schon sehen. Dann kam mir der Gedanke zu singen . du hörst meine Stimme. Aber du musst weitermachen.. das war alles nicht leicht für dich.» «Alles in bester Ordnung. Anastasia . Ich war so aufgeregt. Aber da musst du durch. als du dir das Leben nehmen wolltest. du sagtest damals. und es wird auch in Zukunft so sein. Wladimir. Du hast mich nicht gehört.. Und . Einmal. aber du hast mich nicht gehört. allgemein über die Wirren des vergangenen Jahres. Sobald du die Melodie des Liedes hörtest. Du hast es jetzt schwerer als wir. ganz allein mit dem Kind in der Taiga? Ich erinnere mich. dass Bücher schreiben viel schwieriger ist als Handel treiben. Alles wird gut sein. Wladimir.» «Hallo. Dass ich kein Dach über dem Kopf hatte. das hat aber auch nicht geholfen. Sie konnten mich hören und spielten es. Aber das ist nicht schlimm. Ich weiß. es würde nicht zur rechten Zeit zur Welt kommen. und es wird sich bald legen.

aber es ist so. Ich habe keine besonderen Schwierigkeiten. Und die Leute lesen es mit echtem Interesse. Weißt du. Und stell dir vor.da ist es. Gut. Ich werde es der Öffentlichkeit vorstellen. . davon singe ich. Bitte nehmen Sie!» Verschiedene Teilnehmer der Konferenz hörten sich diese Aufnahme schweigend an. das weiß ich noch. Er sagte: «Lieder für Anastasia. sonst bliebe ihr womöglich noch die Milch weg. Zum Beispiel dieses Buch: Du hast davon geträumt. Wladimir.. damit Menschen zu beeinflussen. von dem du erzählt hast. Viele Leser schreiben Gedichte über dich. brauche ich mich hingegen nur auf meinen Hosenboden zu setzen und etwas zu schildern.und beinahe im Irrenhaus gelandet wäre. dass du mir einmal von Barden erzählt hast?» «Ja. darunter Journalisten. Ich wollte mich mit ihr über ihre Träume aussprechen . und schwupp!.. sie gehen tatsächlich in Erfüllung. und was soll ich dir sagen . als einen Business-Plan zu entwerfen. Leser und Mitarbeiter * Angehöriger eines zu den Paläosibiriern gehörenden Volksstamms in Nordostsibirien. denn ich wollte sie als stillende Mutter nicht unnötig belasten. So unglaublich das klingt. Also sagte ich: «Mach dir keine unnötigen Sorgen.auch das beginnt sich zu erfüllen. Auf einer Leserkonferenz kam einmal ein Mann mit rotblondem Haar zu mir und überreichte mir in kurzem. Bei der Ausarbeitung eines solchen Planes muss man zahlreiche Faktoren berücksichtigen und mögliche Entwicklungen vorhersehen. und es heißt «Jedinij Jedinoju» (etwa: «Einer aus Einem»). was bereits geschehen ist. über die Natur und über Russland. Anastasia. die ich für Spinnereien gehalten habe. Wie in der Anekdote über den Tschuktschen*: <Was ich sehe. Weißt du noch. deine Träume. ich habe ein Buch geschrieben — na und wenn schon! Jedenfalls ist das leichter. Hier in Moskau sind schon Zeitungsberichte darüber erschienen.. Und in den Archiven der Sergius-Lawra habe ich das Bild gefunden.» «Na.dass sie aufhören sollte. Ich ließ aber davon ab. Es ist noch immer erhalten. Anastasia.. die Barden . Um ein Buch zu schreiben. militärischem Ton eine Kassette.> Und noch etwas .

Mag unser Leben auch ein Rennen Auf mehreren Etagen sein. Barde. schon wieder ein Offizier! Gruzja. dass er mir die Kassette überreichen konnte.» «Dank sei dir. die Kassette zu kopieren und nach dem Autor Ausschau zu halten. Er erzählte mir von einem Unfall. und dann der obdachlose Oberst. Dann begannen einige Leute. der das Bild dazu gemalt hat. war auch Offizier. den Wissenschaftler Alexander Korotynski. Aber gerade das bestätigt ja deine Aussage über die Kraft der Worte . den sein U-Boot erlitten hatte. sagte Anastasia. Alexander Korotynski erwies sich dann auch noch als Barde. handelte es sich um einen U-Boot-Offizier aus Sankt Petersburg. Wie sich später herausstellte.dass sie nämlich wie durch einen unsichtbaren Faden mit der Seele verbunden sind. wie eine Kette von Zufällen dazu geführt hatte.eines Moskauer Forschungszentrums — Alexander Solnzew und Alexander Sakotski. Doch nicht alle treten ein. Die Stock-Wahl trafen wir allein. Die künden: Alles geht vorbei. der die erste Auflage des Buchs gedruckt hat. der 152 . Ein Pilot. Gar viele sehen wohl den Tempel. seine Lieder klingen eher wie ein Sprechgesang. und auch dafür. wie er auch wieder verschwand. Und in seinem Lied mit dem Titel <Tempel> kommen genau die gleichen Worte vor. Das wird am Barden Korotynski ganz deutlich. die du den Menschen schenkst. die ich einmal von dir hörte. dass du so viele Seelen läuterst!». Doch letztlich müssen wir bekennen. Eine richtige Singstimme hat Korotynski eigentlich nicht. für die lichte Freude. und wie es dann doch noch auftauchen konnte. einem mittelgroßen Mann von eher unscheinbarem Äußeren. Erinnerst du dich noch? Vertraue nicht den fremden Worten. der genauso unerwartet aufgetaucht war. «Stell dir vor.

du bist immer noch in der Taiga. Sein Lächeln wird viele Herzen vor jenen Kugeln bewahren. Anastasia.. Aber du bist da eben anders und brauchst das nicht. entwickeln ungeahnte Kräfte und tragen zu diesem Wandel bei. Ich habe gesehen. Unter solch kargen Lebensbedingungen kann ich unmöglich existieren. Die Welt wird ein wenig besser . Wozu sollte ich sie auch verstehen.» «Doch.» «Dein Traum ist in unsere Welt eingetreten. um Zärtlichkeiten auszutauschen und sich zu umarmen. dass dein Strahl gerade die Herzen von Offizieren so sehr entflammt? Peilst du sie stärker an als andere?» «Viele werden vom Strahl berührt. wie er leblos dalag. wenn ein Mensch mit einem Lächeln stirbt?» «Jener Mensch. Ich habe ihn zufällig kennen gelernt. Auch ist mir meine Beziehung zu dir nach wie vor schleierhaft. wandelt jetzt zusammen mit dem Barden auf einem unsichtbaren Pfad. Manche Menschen fühlen sich mit dir verbunden.» «Zusammen? Wo bist du denn? Wenn man sich liebt. Und ich tue es auch. wo ja sowieso klar ist. Und nun diese Lieder. Sein Gesicht war mit Erde verschmiert. ich brauche es.Kommandant eines Regiments ist. Wozu ist dann deine Liebe überhaupt gut? Ich fürchte. dessen Wege sich mit den deinen kreuzten. Auch der obdachlose Oberst hat ihn verstanden. die schlimmer sind als fliegendes Blei.. Hast du da vielleicht etwas mit deinem Strahl gemacht? Was hat es zu bedeuten. dass wir nie miteinander leben werden?» «Aber wir sind doch zusammen. auf deiner Lichtung. Wladimir. Sogar im Tod lächelte er. und die Welt beginnt sich bereits zu wandeln. und auch du wirst nie in unserer Welt leben können. doch leider ist er jetzt tot. wo auch Brennstoff vorhanden ist. hat beim Vertrieb geholfen. aber die höheren Bestrebungen fangen nur dort Feuer.. Anastasia! Die Menschen greifen ihn auf. Aber du .» 153 . möchte man immer beieinander sein. aber auf seinen Lippen lag ein Lächeln.. ebenfalls von einem Offizier! Wie kommt es.» «Dein Traum wird doch wahr. sie verstehen ihn. verstehen dich. wie alle anderen Menschen auch. sie hat keinen Sinn.

ganz nahe bei dir.» «Großvater hilft uns jetzt.» «Wo?» 154 .» «Wieso sollte sich denn die Liebe <im Raum auflösen>?» «Damit die geliebte Person immer von einer Atmosphäre der Liebe umgeben ist. Auch sonst habe ich eine Menge zu tun.» «Dein Großvater kann das also. und jetzt geht es plötzlich. ist nicht meine Stimme. Sprich mit ihm. sind doch für alle da! Willst du etwa behaupten. seine zärtliche Umarmung. nicht mit den Ohren.«Wie das denn?» «Jetzt zum Beispiel.» «Wozu soll ich das lernen? Sprich doch einfach immer mit deiner Stimme.. und du nicht?» «Weil er gerade irgendwo in deiner Nähe ist. Ich muss jetzt gehen und unseren Sohn stillen.. so wie jetzt. es ist kein gewöhnliches Rascheln.. Man muss mit dem Herzen hören. die du aufgezählt hast. kann die Liebe viele Seelen berühren. die wärmenden Sonnenstrahlen? Wie die Vögel frohe Lieder für dich singen und die Blätter an den Bäumen rascheln. früher konnte ich sie nicht aus der Ferne hören.. Und deine Stimme .» «Immer kann ich das nicht.» «Das begreife ich nicht. dass all das du bist?» «Aufgelöst im Raum für einen bestimmten Menschen.» «Aber all die Dinge. Spürst du denn nicht den zarten Hauch des Windes. unter denen du sitzt? Hör nur gut hin. Du musst lernen. und ich kann dich hören. und ich will das auch alles schaffen.» «Aber jetzt sprichst du doch. Wie kommt das?» «Was du aus der Ferne hörst. mit dem Herzen zu hören . Darin liegt das Wesen der Liebe und ihre Bestimmung.

Wir setzten uns auf die Bank. Eine solche Zeugung ist sündhaft. Geschieht die Empfängnis aber in lauterer Absicht. nur um der Fleischeslust willen. in Richtung Abfalleimer. in der Taiga. Anastasias Großvater stand tatsächlich in der Nähe meiner Bank. wenn das Kind von den Eltern ohne Liebe gezeugt wurde. gütigen Blick und ist sehr unkompliziert im Umgang. Manche sterben sogar dabei. allein.. und wie haben Sie mich bloß gefunden?» «Mit Anastasias Hilfe ist das kein Problem. so steigern die Geburtswehen nur die große Freude am Schöpfungsvorgang. nicht im Krankenhaus. wenn sie ein Kind zur Welt bringt. Wir begrüßten uns mit Händedruck. Sie hat gesagt. Mit seinem Stock schob er einen auf dem Rasen liegenden Papierfetzen vor sich her. schwieg er die ganze Zeit. sie würde das tun.. und ich fragte ihn: «Wie sind Sie denn hierher gekommen.» «Schmerzen hat nur eine Frau. und seine Augen schienen in die Ferne zu blicken. Ich sprang auf. und die Mutter zahlt dafür mit Schmerzen während der Geburt und mit Qualen in ihrem Leben. Er hat einen frohen. und jetzt hat sie es getan ..» «Sie hat doch einen Knaben geboren .» 155 . Bestimmt hatte sie Schmerzen... quasi durch einen hindurch. jede Frau hat doch Schmerzen. ganz anders als Anastasias Urgroßvater: Als ich in der Taiga war. Hat sie geschrien?» «Wieso Schmerzen?» «Na ja..24 Anastasias Großvater Ich schaute mich um .

wann das Kind kommen würde? Haben Sie nicht versucht. Die Mutter kann die Empfängnis immer um ein paar Tage beschleunigen oder hinausschieben.» «Haben Sie denn nicht gewusst. und nicht sie. wenn alle unaufgefordert kämen. wann immer es ihnen passt. Sie brummte und stampfte mit aller Kraft auf den Boden.» «Nein. Sie brummte gekränkt. wenn die Zeugung unbeabsichtigt war. wo ihre Mutter sie zur Welt gebracht hatte. ohne Einladung kommen die Tiere niemals zu ihr. wenn es dich so interessiert. dass ich das Kind erst dann sehen soll. Es war warm und sonnig. Es war ein hervorragender Tag.» «Wie konnte sie den Zeitpunkt wählen? Geburten kommen doch immer unerwartet. ihr zu helfen?» «Doch. Dafür habe ich aber nicht genug Geld. die vergewaltigt wird? Natürlich Schmerz und Abneigung.» 156 .» «Sie hätte doch auch selbst kommen können.» «Eine Geburt kommt nur dann unerwartet. mit einem lebendigen Bündelchen auf der Brust.» «Warum fährst du nicht hin und schaust es dir an.» «Ich wüsste gern. Eine Wölfin leckte es mit der Zunge ab. Wir gingen zu ihrer Lichtung. so wandelt sich der Schmerz in eine andere Empfindung. was für ein Chaos das gäbe.» «Sie hat gesagt. Der gleiche Unterschied gilt auch für die Geburt. an jenem Tag haben wir das geahnt. wenn ich geläutert bin.» «Wieso hat die Bärin denn gebrüllt? Wieso war sie beleidigt?» «Weil Anastasia die Wölfin herbeigerufen hatte. Ich soll zuerst eine Pilgerfahrt machen.«Wohin verflüchtigt sich denn der Schmerz? Und wie soll er die Freude steigern können?» «Was empfindet eine Frau. Anastasia lag an der gleichen Stelle. Und sie hat auch den richtigen Tag dafür gewählt.» «Anastasia hatte bei der Geburt also keine Schmerzen?» «Natürlich nicht. Gibt sie sich einem Manne aber freiwillig hin. Stell dir nur einmal vor. Am Rande der Lichtung sahen wir eine Bärin. wie sie jetzt mit dem Kind zurechtkommt.

Kauf ihm ein paar Strampelhöschen. Irgendetwas hindert mich jedenfalls daran. ganz allein. Und weil wir sie nicht immer verstehen. warum mir meine Gefühle ihr gegenüber stets etwas unklar sind. Wir wollten auch ihre Liebe verhindern. was du für richtig hältst. Vielleicht ist das auch der Grund. dass es ihr unlogisches Wesen ist. was ich mir nicht erklären kann.. dass sie das Kind normal kleidet und nicht länger herumquält. was Anastasias Denkweise betrifft. und ich werde es auch tun! Übrigens. Angesichts von Anastasias unlogischem Wesen geraten manchmal die lichten wie auch die dunklen Kräfte ins Stocken. sie normal zu lieben.» «Auch mir ist ihre Wahl bis heute ein Rätsel. da haben Sie ganz Recht .doch mit Anastasia ist das etwas anderes. denn ihre Wahl erschien uns unverständlich und absurd.. Jäckchen und Rasseln und verlange. wenn ich mich früher verliebte . schließlich ist es ja auch dein Sohn. wie es war. Erst dieses Erstaunen.. Mag sein. können wir ihr auch nicht besonders helfen. Ich weiß noch.. obwohl sie unsere Enkelin ist und vor unseren Augen aufwuchs. Nach jeglicher Logik sollte sie mit einem hoch gelehrten oder geistig orientierten 157 . Nun ist sie dir begegnet und hat sich dir und anderen durch das Buch völlig geöffnet. Deshalb ist sie mit ihren Bemühungen oft allein. Windeln. doch dann leuchten die uns allen bekannten einfachen Wahrheiten des Daseins umso heller auf. und dann ist da noch etwas. Auch wir können unsere Anastasia nicht immer verstehen..» «Anastasias unlogisches Wesen hat nichts mit Dummheit zu tun. als ich von dem Kind hörte . jetzt Achtung . und bisweilen erschafft es sogar neue.die ist nicht immer logisch. Tu einfach. Wir wollten das verhindern. aber es ist anders als die Liebe zu einer Frau. Es ist ja ganz nackt im Wald!» «Genau das wollte ich ja tun. Wladimir. und immer wieder werde ich von Lesern gefragt: <Wer sind Sie? Warum hat Anastasia Sie erwählt?> Das kann ich aber nicht beantworten.. Ihr scheinbar unlogisches Wesen bringt aus den Tiefen des Kosmos längst vergessene Gesetze wieder zum Vorschein. Vielleicht ist es gar nicht möglich.«Was sie nicht sagt! Das ist doch unlogisch.

» «Sie hat dich nicht auserwählt. nicht wahr?» «Ich könnte mir vorstellen.» «Und wie suchst du nach der Antwort?» «Ich versuche. dass es irgendeine besondere Bewandtnis mit mir hat. Der könnte sie verstehen und auch richtig lieben. Ich bin kein Penner. welche Folgen diese sündhaften Eigenschaften haben?» «Ja. aber die Gefühle sind mit der Zeit immer mehr erloschen.Partner zusammen sein. Deine Geschäfte interessierten sie nicht. mir über alles klar zu werden. kann ich den Lesern nicht beantworten. die den Menschen von der Wahrheit wegführt. gebildetere Menschen schon längst geklärt sind. Altes. sondern aufgelesen — wie etwas Nutzloses. mit dem niemand etwas zu tun haben will. Wir haben das auch nicht gleich begriffen. und zusammen könnten sie der Welt viel mehr helfen. hat Anastasia mit dir schon mal über Stolz und Eigendünkel gesprochen? Und darüber. Wladimir.» «Wladimir. Nur die Gewohnheit verband euch noch . Deine Tochter konnte auch nicht viel mit dir anfangen. aber ganz sicher gehöre ich auch nicht zum Abschaum. Nur dir haben sie etwas bedeutet. Ich hatte eine Familie — eine Frau und eine Tochter —.» «In letzter Zeit gab es keine Liebesbeziehung zwischen dir und deiner Frau. ich bin vielleicht nicht gerade ein Musterknabe. Ich suche eine Antwort. Zugegeben. Auch die Frage.Bist du jetzt beleidigt?» «Da bin ich nicht ganz einverstanden. die für andere. finde aber keine.ihr seid eben verheiratet -. Ihr seid beide eure eigenen Wege gegangen. mir über mich selbst Klarheit zu verschaffen — wer ich eigentlich bin.» «Vielleicht bist du ja was Besonderes. . warum sie mich erwählt hat. und auch meine Geschäfte liefen ganz ordentlich. denn sie 158 . Ich versuche. Man sagt doch auch: Gleich und gleich gesellt sich gern. sie hat das als eine Todsünde bezeichnet.» «Bedauerst du denn. dass sich dein Leben verändert hat?» «Ich weiß nicht. Ich hingegen muss mein Leben ändern und mich mit vielen Fragen auseinandersetzen.

sondern durch reales Handeln in eurem und in deinem Leben. dass sie aus eurer Welt keinen Mann genommen hat. Belehrungen oder Moralpredigten. hat das wahre Wesen der Liebe erst klar erkenntlich gemacht. Wladimir. Und es macht ihr Freude. Bei deiner ausschweifenden Lebensweise hättest du der Krankheit gar nicht entkommen können. sowohl uns als auch anderen zuerst unlogisch erschien.» «Was geht denn Sie das an? Was bedeute ich Anastasia? Braucht sie mich für ein Experiment? Was hat sie mit mir vor?» «Sie hat dich einfach lieb gewonnen. das Ganze ist nur irgendeine Schrulle von ihr? Will sie. Ihre Liebe. was sie so deutlich noch nie zuvor gezeigt haben: Seht nur die Kraft der Frauen. Du warst schon hoffnungslos am Ende.jedenfalls zeitweise. Das hat nichts mit einer Laune oder sonst irgendwelchen Hintergedanken zu tun. dass es ihr wie allen Frauen ergeht: dass ihr Mann raucht. eine gewöhnliche Frau zu sein. ohne irgendwelche Hintergedanken. Wladimir. die sowohl den dunklen wie auch den lichten Kräften. welche Selbstaufopferung aus einer Laune heraus!» «Ihre Liebe ist echt. Tausende von Frauen werden 159 . Außerdem warst du krank. vermag einen geliebten Menschen zu erhöhen. Die Kräfte des Lichts und des Schöpfers sprechen durch ihre Liebe. sie zeigen in der Realität. Sie sprechen nicht nur.brachten dir ein gutes Einkommen . und zwar nicht durch Worte. die Kraft der reinen Liebe! Im Augenblick des Todes vermag sie ein neues Leben zu schenken. fremdgeht und so weiter? Welch Edelmut. Um ein Haar hättest du dir den Magen ruiniert.» «Soll das heißen. Sie beansprucht für sich keine Sonderrechte und ist zufrieden damit. wird dir die Liebe deiner Frau und die Liebe deiner Tochter zurückgeben. ihn den unerbittlichen Klauen der Dunkelheit zu entreißen und in die lichte Unendlichkeit fort zu tragen. ein ewiges Leben zu schenken. Bisweilen hast du aber auch nichts verdient. ihn in eine Atmosphäre der Liebe zu tauchen und ihm ein zweites. Verluste gemacht oder standst kurz vor der Pleite. Sie ist in jeder Beziehung aufrichtig. der eine andere Frau hätte glücklich machen können. Ihre Liebe.

als wenn sie doch irgendwas beigetragen hätte.» «Dann ist es also tatsächlich allein mein Buch. Wenn dem so ist. wird sie glücklich sein. Du wirst völlig frei sein in deiner Wahl. Andere sagen. und zwar nicht nur in materieller Hinsicht. Du hast dich um die Herausgabe des Buches gekümmert. Sie drücken sich so aus.» «Richtig.» «Also jetzt verstehe ich nur noch Bahnhof.» «Hm. Anastasia hätte mir dabei irgendwie geholfen. Auf jeden Fall aber wirst du berühmt und reich werden. Deine Handlungen unterscheiden sich in keiner Weise von denen eines Autors. Aber ich habe es selbst geschrieben. materiellen Kraft weit überlegen ist. Was denken Sie. Sie hat nicht den Stift über das Papier geführt. sodass du keinen Ruin mehr zu befürchten hast. und Anastasia hat nichts daran gemacht. Die meisten Menschen erkennen nur den irdischen. dann sagen Sie es mir bitte ganz deutlich. Der Mensch ist das einzige Wesen im Weltall. Es wird dir und anderen viel Kraft verleihen. die der physischen. Da kenne sich nun einer aus! Aber ich will mir unbedingt Klarheit darüber verschaffen. eine Kraft.» «Das Buch läuft in der Tat recht gut.» «Das ist ganz einfach.dich mit von Liebe entflammten Augen ansehen. Dein Buch wird sich in aller Welt verbreiten und dir Gewinn bringen. damit du das Buch schreiben konntest. aus der ganzen Vielfalt der Erscheinungsformen der Liebe jene eine zu erkennen. ist es nun mein eigenes Buch. Und wenn es dir gelingt. sie sei eine Außerirdische oder eine Göttin. das gleichzeitig auf allen Daseinsebenen existiert. Anastasia hat ihr Leben gegeben. auch wenn manche Leute meinen. den Stift über das Papier geführt und dabei deine Erlebnisse geschildert. oder hat Anastasia dabei mitgewirkt?» «Du hast all das getan. materialisierten 160 . sie sei ein Mensch. Wladimir. was ein Schriftsteller tut: Du hast Papier und Feder genommen. Was soll das heißen? Wie kann sie denn dort im Wald ihr Leben für ein Buch hergeben? Wer ist sie? Selber sagt sie. Einige deiner Schlussfolgerungen hast du in der dir eigenen Sprache dargelegt.» «Wladimir.

dass der Mensch in der Lage ist. Diejenigen. die vom Jüngsten Gericht und vom Weltuntergang reden. Solche schöpferischen Gedanken haben das Potential. Es gibt viele.» «Nicht der Glaube an das Licht und die Liebe. die an das Kommen einer Katastrophe glauben und den Weltuntergang ankündigen.Aspekt ihres Daseins. dem gewaltigen Ansturm der Dunkelmächte zu trotzen . die den Untergang der Menschheit voraussagen.sie allein. ebendiesen Untergang heraufzubeschwören. das sie folglich erwartet. dass sie endlich aufhören. setzen damit gedankliche Bilder in die Welt. unsichtbare Daseinsebenen wahrnehmen können. die dabei helfen.» «Wer erschafft die Finsternis und die Hölle?» «Die Wahrsager. und um uns 161 . Stell dir doch einmal vor. Aber wer weiß. glauben doch daran. womit sie gedankliche Formen eines Weltuntergangs hervorbringen. bewegt sie. Sie suchen nach der eigenen Erlösung und nach dem Paradies. Wladimir: Wir sitzen hier auf dieser Bank. wie lange sie das noch aushalten kann? Sie wartet und glaubt daran. Es gibt jedoch auch Menschen. die Finsternis und die Hölle zu erschaffen. sich in der Realität zu verwirklichen. sondern die Angst. mit seinem geistigen Auge die Gegenwart und die Zukunft gestalterisch zu formen. Auch eine Vielzahl von Lehren. Die Zukunft ist abhängig von den Gedanken des schöpferischen Menschen: von ihrer Helligkeit und Harmonie sowie von ihrer Schnelligkeit und Reinheit. dass gerade sie sich den Weg zur Hölle ebnen. die Anastasia eine Göttin nennen. sehr viele Schöpfer solcher Lehren. denn aufgrund der Geschwindigkeit ihrer Gedanken sowie der Helligkeit und Reinheit der von ihr im Geiste gebildeten Formen ist sie als Einzige in der Lage gewesen. doch ahnen sie nicht. Und das furchtbare Schicksal. In diesem Sinne ist Anastasia eine Göttin. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Menschen und allen anderen Lebewesen besteht darin. haben gar nicht so Unrecht. die andere.» «Aber die Menschen. dass die Menschen zur Einsicht kommen und ihr helfen. das heißt an Gott. haben sie sich selbst zuzuschreiben. dass sie aufrichtig die Erlösung ihrer Seelen erflehen.

wenn man weiß. Plötzlich beginnen einige von ihnen.herum siehst du eine Menge Leute. dass ihre Anhänger ihn in die Tat umsetzen und die 162 . und wohin führen sie die Menschen? Warum sagen sie so etwas?» «Es ist schwer. vom anderen Ende der Welt erreicht dich die Nachricht vom Tod eines guten Freundes oder eines Verwandten — bist du dann nicht traurig und bekümmert?» «Das würde wohl jedem nahe gehen.» «Aber warum sprechen dann die großen Lehrer der Menschheit in ihren Lehren über das Ende der Welt und das Jüngste Gericht? Wer sind sie. in der Hoffnung. wie tief in die Finsternis muss sie gesunken sein. die früher gelebt haben und uns ihre Lehren hinterlassen haben?» «Sie konnten den Wandel zumindest in die Wege leiten. dass die meisten Landsleute. Wird dir nicht das Herz brechen angesichts dieses fürchterlichen Bildes? Wäre es da nicht besser gewesen. dass sie durch die Anziehungskraft ihrer Gedanken einen Wandel im Bewusstsein der Menschen bewirken können. und wir sitzen hier auf der Bank und schauen seelenruhig zu. wo es weit und breit keine verwesenden Leichen und keine Bilder des Schreckens mehr gibt?» «Angenommen.» «Wie kann man sich dann vorstellen. Unsere Bank befindet sich gleichsam im Paradies. um sich an einer solchen Vorstellung zu ergötzen? Im Reich des Lichts ist kein Platz für solche Seelen. Sie haben ja einen Einfluss auf viele Menschen. die angeblich Sünder sind. ihre Absichten zu bestimmen. Freunde und Verwandten tot sind und andere unter furchtbaren Qualen sterben? Wie herzlos muss eine Seele sein. Um uns herum liegen haufenweise verwesende Leichen.» «Einen solchen Wandel können doch nur die Menschen von heute verwirklichen. kurz vor diesem Anblick zu sterben?» «Wenn aber all die Frommen und Erlösten ins Paradies kommen. denn sie sind Ausgeburten der Finsternis. und es ist möglich. Und was ist mit denen. selber im Paradies zu sein. sich unter Krämpfen und vor Schmerz am Boden zu wälzen.

Vielleicht hat sie das ihrem unlogischen Wesen zu verdanken oder . Vielleicht warten sie darauf. die sich zum Licht wenden und an sie glauben.. Ich überlegte. dass Ihre Sippe seit Jahrtausenden diese seltsame Lebensweise führt.» «Wenn sie das alles gewusst haben. nicht . eine Frau. wie er ursprünglich erschaffen wurde. Zu verschiedenen Zeiten haben sie versucht. die ihre ursprüngliche Lebensweise vor dem Einfluss der Technokratie bewahrt und somit die ureigensten Fähigkeiten des Menschen nicht verloren haben. mit seinem Stock mir unverständliche Zeichen in den Boden zu ritzen. was die Wissenschaftler darüber schreiben. und die ursprünglichen Wahrheiten bewahrt hat. warum saßen sie dann im Wald herum und haben so viele Jahre geschwiegen? Warum haben sie nicht früher versucht. dann begann er. dass die Mehrheit der Menschen die Ausweglosigkeit ihres Lebenswandels erkennt . Ihre scheinbar übernatürlichen Fähigkeiten werden dir jetzt.» Der Alte schwieg. ohne dass es ihnen gelungen wäre. Doch immer kamen sie ums Leben. eine Frau>. das Wesentliche zu sagen. ihre Erkenntnisse der Außenwelt zu vermitteln. aber sie selbst hatten sehr viele Gegner.» «Also wird auch Anastasia von den dunklen Mächten bekämpft und niedergetreten werden?» «Seltsamerweise konnte ihnen Anastasia standhalten — zumindest bis jetzt. kann sie sich. wie Sie ja sagen?» «In ihrem irdischen. Nach einer Weile fragte ich ihn: «Warum hat sie mir immer wieder eingeschärft: <Ich bin ein Mensch. wo du weißt. von Generation zu Generation. wie alle Menschen. freuen und traurig sein.Wahrheit entdecken würden. Die von ihnen geschaffenen gedanklichen Formen waren zwar stark. Alle ihre Fähigkeiten sind auch dem Menschen zu Eigen. wenn sie doch eine Göttin ist. materialisierten Leben ist sie ein gewöhnlicher Mensch.. Und obwohl diese Lebensweise für sie etwas ungewöhnlich ist. jemandem die Wahrheit zu erklären? Anastasia hat mir erzählt. sie liebt und will geliebt werden.um dann denen zu helfen.» «In verschiedenen Teilen der Erde gibt es Menschen.

denn es existiert unabhängig von ihr. Solche Phänomene werden bei euch als <paranormale Erscheinungen> bezeichnet. ja notwendig zu beweisen. nicht wahr?» «Und was ist das für ein Phänomen. Jeder hat schließlich seine Prinzipien. es gehört nicht zu ihrem Innern. mit dem du erst noch Bekanntschaft machen wirst. denn sie kann dabei ihre Prinzipien nicht aufgeben. sie als gewöhnlichen Menschen zu sehen und zu empfinden. Und für viele weitere ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten wird man noch Erklärungen finden. Versuche in dir die Kraft zu finden. die beweisen. für das weder Sie noch die Wissenschaft eine Erklärung haben?» 164 . Sie gibt sich Mühe. Nur ein Phänomen. identifiziere dieses Phänomen nicht direkt mit Anastasia. wie alle anderen Menschen zu sein. wird dir unverständlich bleiben. dass sie ein Mensch ist. Aus irgendeinem Grunde ist es für sie wichtig. Das fällt ihr nicht leicht. Auch die Wissenschaft wird es nicht erklären können.mehr so phantastisch erscheinen. Aber ich bitte dich. Wladimir. und selbst meinem Vater ist es ein Rätsel. dass sie einfach nur eine Frau ist.

Schweigend standen wir am Grabhügel. dem Kind kosmische Weisheit gibt und ihm bei der Suche nach der Wahrheit hilft. dass sie ihr Unglück noch nicht verstehen kann!>. betteten darauf die Körper der Eltern und deckten sie mit Erde und Gras zu. Die Eltern sollten für das Kind vor seiner Geburt ein Umfeld der Geborgenheit und der Liebe schaffen. Was kann denn eine Frau ihrem Kind geben. das bedeutet Heimat. das Mutterland. Dann gingen wir leise davon. wo ihre Mutter sie zur Welt gebracht hatte. als wir ihre Eltern beerdigten. der wie der Mutterleib Körper und Seele behütet.25 Eine paranormale Erscheinung «Anastasia war noch ganz klein. wenn sie es zwischen steinernen Wänden zur Welt bringt? Was für eine Welt hat sie für das Kind vorbereitet? Hat sie überhaupt darüber nachgedacht. Mein Vater und ich hoben damals mit Hilfe einiger Tiere eine Grube aus. dachten wir. unerfahrenes Mädchen allein lassen?» «Wir haben sie nicht im Stich gelassen. wir ließen sie nur an dem Ort. Die kleine Anastasia saß in der Nähe auf einer Lichtung und betrachtete einen kleinen Käfer.ein kleines. Es gibt bei euch einen Begriff: Shambhala. Doch diese Begriffe werden heutzutage immer abstrakter gedeutet.» «Fortgegangen sind Sie? Wir konnten Sie so etwas tun . Wir legten den Boden der Grube mit Zweigen aus. ihm einen Flecken Heimat geben. Sie konnte weder laufen noch sprechen. <Gut. in was für einer Welt ihr 165 . Die Heimat ist das Land der Vorfahren. der ihr über den Arm krabbelte.

denn sie hat für das Kind keinen Raum der Liebe vorbereitet. In diesem Raum der Liebe wurde Anastasia geboren und wurde zu dessen Mittelpunkt. eine von ihnen geachtete Frau. Die Mutter hatte Anastasia auf einer Lichtung zur Welt gebracht. Viele Tiere tun Neugeborenen nichts an. wie ein Mensch. Was heißt schon wild — das ist eben eure Sichtweise. Wladimir. einer weisen. die ihre Mutter für sie erschaffen hatte.Kind leben wird? Diese Welt wird doch völlig willkürlich mit ihm umgehen. Anastasias Eltern waren gutherzige. die großen und kleinen Tiere verhielten sich zu Anastasias Mutter wie zu einem Freund. dass der kleine Mensch unterdrückt wird. Während sie die Geburt beobachteten. Sie liebten einander sehr. Es gibt auch einige wilde Tiere. der so lebt wie Anastasias Mutter. dass er zu einem Rädchen im Getriebe. Sie wurden Zeuge. alle hätten ohne Zögern ihr Leben hingegeben für das Leben dieses kleinen Wesens. einem bloßen Sklaven wird? Und die Mutter schaut dabei tatenlos zu. sie liebten die Erde. sie war ihre lebendige Heimat. Die gesamte Umgebung — angefangen vom kleinen Käfer und Grashalm bis hin zu den gefährlich anmutenden Tieren —. frohe Menschen. 166 . dass Katzen Hundewelpen aufziehen und umgekehrt. Die kleine Lichtung war für Anastasia wie ein zweiter Mutterleib. Will sie etwa. Anastasias Eltern hingegen sahen die Tiere anders. die menschliche Neugeborene stillen und pflegen können. dem Gesamtwerk des Großen Schöpfers. Man kann sogar beobachten. Und das tun sie mit jedem Menschen. und daher war auch das Verhältnis der Tiere zu ihnen ein anderes. guten Gottheit. Erhabenes und Lichtes hervor. mächtig und gut. verflochten sich ihre Gefühle zu den befreundeten Menschen und ihre Liebe zu ihm mit ihrem eigenen Mutterinstinkt und brachten etwas Neues. untrennbar verbunden mit dem Kosmos. und ihre Umgebung erwiderte ihre Liebe. die um sich herum eine Welt der Liebe schuf. Alle würden dieses menschliche Wesen hegen und pflegen. Mutter wurde und wie ein neuer Mensch zur Welt kam. die umgebende Natur. Nichts und niemand konnte Anastasia hier gefährlich werden in dieser heimatlichen Umgebung der Liebe. und viele Tiere hatten bei der Geburt zugeschaut. Sieh mal.

um uns Kummer zu ersparen. Aus diesem Grund gingen wir fort. konnten uns aber auch nicht von der Stelle rühren. Pa-potsch-ka! Ich. Dann begann sie komplexere Wörter und kurze Sätze zu bilden: <Ma-motsch-ka. ja?> Mein Vater verstand es als erster: Während wir noch ihre Eltern beerdigt hatten und die kleine Anastasia auf der Lichtung gesessen und das Käferlein betrachtet hatte. kamen wir nicht auf die Lichtung heraus. Tränen rollten aus ihren Augen und fielen auf den Hügel. Sie können dem Kind mit der Muttermilch die Erkenntnisse und die Weisheit von Jahrhunderten vermitteln. ihrem Vater und vom alleinigen Urvater erhalten hatte. und wir hörten nun. dann <Pa-pa>.. Wir näherten uns dem Grabe nicht.Diese kleine Lichtung war ihre lebendige Heimat. Und dann sahen wir sie .. werde jetzt ohne euch sein. ja? Nur mit den Opas. dass wir sie weinen sehen. die sie von ihrer Mutter. Sie bemühte sich. ja vom Beginn aller Zeiten. Sie konnte noch nicht sprechen. Zunächst sprach sie nur silbenweise: <Ma-ma>. ihre Gefühle nicht zu zeigen. Die kleine Anastasia stützte sich mit ihren Händchen auf den 167 . Da Anastasia nicht gewollt hätte. der sie ereilt hatte. Stillende Mütter sind dazu durchaus in der Lage. wie sie ihre ersten Worte auf diesem Hügel sprach. Anastasias Mutter war mit diesem Vorgang vertraut gewesen und hatte dieses Wissen zum vollen Einsatz gebracht. Ma-motsch-ka. Anastasia. Pa-potsch-ka. Eine ihrer Wangen war mit Erde beschmutzt. Wir hätten sie ihr niemals ersetzen können. Uns war klar: Sie hatte auf dem Grab geschlafen. Als wir uns drei Tage später wieder der Lichtung näherten. Die kleine Anastasia saß schweigend auf dem Grabhügel. Durch ihre Milch hatte Anastasias Mutter ihr die Weisheit und die Kraft des Kosmischen Urquells zukommen lassen. begriff sie bereits das volle Ausmaß des Schicksalsschlages. Immer wieder strich sie mit ihren Händchen über den Grabhügel. bemerkten wir eine seltsame Spannung in der Luft und hörten die Wölfe heulen. Das wiederholte sie mehrmals. So standen wir einfach nur da und schauten. nachdem wir Anastasias Eltern begraben hatten. Sie weinte lautlos. nur ab und zu schluchzte sie auf. Wladimir.

Wohl aus Protest gegen das Einschreiten des unsichtbaren Helfers hob sie ihr Ärmchen und winkte ab. bläuliche Strahlen über die Lichtung. und hob ihn auf. verlor das Gleichgewicht und begann zu fallen. verlor das Gleichgewicht und ließ das Zweiglein fallen. so wie ihre Mutter es getan hatte. und der Zweig flog wie von selbst auf einen Haufen trockener Reiser am Rande der Lichtung. Anastasias kleiner Körper stürzte nicht. Dafür war allerdings kein ausreichender Wind vorhanden. aber schließlich stand sie doch auf ihren Beinchen. da erhob sich der Zweig in die Luft und flog. Als sie sich wieder erhoben hatte. wobei sie ab und zu stehen blieb. Irgendein unsichtbares Wesen musste den Wunsch der kleinen Anastasia erfüllt haben. Sie stand sehr wackelig. die Gravitation änderte sich. Anastasia machte vorsichtig einen Schritt nach dem anderen. Auch wir wurden von der Wirkung dieses Phänomens beeinflusst. wie vom Winde getragen.. Kaum bückte sie sich nach ihm. doch dann gelang ihr der erste. Da begriffen wir. Sie näherte sich einem kleinen Zweig. aber dann stolperte sie wieder. und eine wohltuende Entspannung machte sich in uns breit. Das klappte zwar nicht gleich auf Anhieb. Anastasia stand auf und suchte nach dem Zweig. dass sie die Lichtung aufräumen wollte. darauf ein zweiter. Dann streckte sie ihre Ärmchen aus und ging unbeholfen auf einen anderen Zweig zu. Während sie fiel. Während sie fiel.. konnte ihn aber nicht finden. zum Rande der Lichtung. ergossen sich plötzlich kaum sichtbare. Sie verhedderte sich mit ihren Füßchen im Grase. Das kleine Mädchen trug den Zweig bis zum Rande der Lichtung. der auf dem Boden der Lichtung lag. und die Gravitation hatte sich wieder normalisiert. die Ärmchen ein wenig zur Seite gestreckt.Grabhügel auf und versuchte aufzustehen. 168 . war sehr seltsam . kam wieder die bläuliche Strahlung. war das bläuliche Licht verschwunden. was eine Änderung der Erdgravitation an dieser Stelle zur Folge hatte. Doch die Art und Weise. so wie ihre Mutter es getan hatte. zaghafte Schritt vom Grabe ihrer Eltern fort. Sie aber wollte alles selbst machen. wie sie fiel. sondern sank ganz sachte zu Boden.

. bald löste sie sich in Luft auf. wo Anastasia fiel. In seiner bläulichen Ausstrahlung steckte mehr Kraft als in den Sonnenstrahlen. Über der Lichtung schwebte eine kleine. Angst hatten wir vor dieser Macht aber nicht. nur war es intelligent! Es war nicht auszumachen. Man spürte nur eine unbekannte. Zu dieser Zeit hatte sich Anasta169 . und zwar gerade so. So schoss sie mit unglaublicher Geschwindigkeit durch den Äther. dass dieses Ding mit solch großer Macht ausgestattet ist?» «Mein Vater hat es bemerkt. von ihr ging ein angenehmes. dass sie sanft zu Boden glitt. zu der Anastasia gewöhnlich schlafen ging. als sei sie besorgt. seltsame Macht. da sahen wir sie . Anastasia verbrachte lange Zeit damit.. Die Erdanziehungskraft änderte sich genau in dem Augenblick und an der Stelle. Sie bewegte sich auf der Lichtung hin und her. beruhigendes Glücksgefühl aus. bis alles aufgeräumt war. Wir zwingen Kinder nie zu schlafen. half ihm aber nicht mehr. Während der ganzen Zeit bewegte sich die pulsierende Feuerkugel über dem kleinen Mädchen hin und her. ich wollte einfach nur sein. Ich wollte mich nicht einmal rühren. sonniger Tag war. über deren Energiequelle und Auslösung sich nichts Näheres sagen lässt. wandten sich die Blätter und Blumen der Kugel zu. ohne von der Erde abzuheben. Durch ihre transparente Schale konnte man eine Vielzahl feuriger Entladungen in ihrem Innern erkennen. die Zweige wegzuräumen. woraus diese Intelligenz bestand und was sie darstellte. Mal verschwand die Kugel. Die mächtige Feuerkugel wird wohl die Geste der kleinen Anastasia irgendwie verstanden und sich ihrem Willen gebeugt haben. dann schrumpfte sie in sich zusammen und brachte blitzartige Entladungen in sich selbst hervor. Obwohl es ein klarer. mal langsam schreitend. indem wir sie in den Schlaf wiegen. Dann kam die Zeit. im Gegenteil. die wie vielfarbige Blitze aufzuckten. die Zweige wegzuräumen.» «Und wie sind Sie darauf gekommen. pulsierende Kugel aus bläulichem Licht. bis ihnen schwindlig wird.Wir blickten auf. Das Gebilde ähnelte einem Kugelblitz. dann tauchte sie wieder auf. mal krabbelnd. Bald dehnte sich die Kugel aus.

schwebte zu der im Grase Schlafenden. pulsierenden Kugel. als schlafe sie. Dann streckte sie beide Ärmchen in Richtung der Kugel aus. Dann verdichtete sie sich jedoch wieder zu einer kleinen. alles auf ihrem Wege zu zerschmettern. wo sie mit ihrer Mutter zu schlafen pflegte. und es hatte den Anschein. Sie setzte sich ins Gras und blickte sie unverwandt an. so wie es Anastasias Mutter getan hatte. Ich weiß nicht. wenn sie Tiere herbeirief. Im Nu war sie bei Anastasias Gesicht. Die Kleine kroch dann zu ihr. mal löste sie sich dicht über der Lichtung auf. aber auf ihrer Wange erglänzte im Schein der Sonne wieder eine Träne. wobei sie in der Lage zu sein schien. Dann brachte sie alle Entladungen zum Verlöschen und wurde zu einer blauen. wobei sie sie betrachtete und streichelte. drehte sich im Kreise und wischte ihr mit einem Blitz die Träne von der Wange. Auch diesmal begab sich Anastasia zu der Stelle. Die Kugel lag da. Anastasia hielt die Kugel eine Weile in den Händen. Sofort leuchteten in der Kugel zahlreiche mächtige Blitze auf und durchdrangen die blaue Schale. in ungleichmäßigem Takt. Anastasia legte sich zu ihr und schlief ein. Unter ihren Blicken hielt die Kugel inne und verharrte an einem Ort. Dann erhob sie sich und brachte die blaue Kugel mit vorsichtigen Schritten zu der Stelle. Wie ein feuriger Komet schoss die Kugel auf Anastasias Händchen zu. schmiegte sich an den warmen Körper ihrer Mutter und schlief ruhig ein. Sie wollte Anastasia damit als Vorbild dienen. woran sie in jenem Augenblick dachte. Wieder streichelte sie die Kugel. wo sie immer mit ihrer Mutter geschlafen hatte. als schliefe sie. verharr170 . Sie schlief zusammengerollt auf dem Gras. Und sofort blinkte über der Lichtung wieder die bläuliche Strahlung auf. Anastasia hob ihr Köpfchen und erblickte die pulsierende Lichtkugel. leicht leuchtenden Kugel in den Händen des auf dem Grase sitzenden Kindes. wie sie es machte. Die Kugel jedoch erhob sich mal in luftige Höhen und verschwand in Sekundenschnelle in Richtung Himmel. als wollte sie einen Schutzschirm über Anastasia bilden. Eine ganze Weile starrte Anastasia die Kugel an.sias Mutter immer an ein und derselben Stelle am Rande der Lichtung hingelegt und so getan. aber ihre Mutter war jetzt nicht mehr da.

Als Anastasia vier Jahre alt wurde. wie sie sich über den anbrechenden Frühlingstag freuen würde. Sie verströmte ein leichtes. Es war ein seltsames. Äußerlich machte sich das kaum bemerkbar. dass sie für Anastasia etwas ganz Natürliches war. sah sie das zauberhafte Schauspiel. weiche Farben getaucht. was sie sich anderen gegenüber nicht erlaubte. Dann wurden wir Zeuge eines wunderschönen. farbenfroheres Leuchten ging von den durch das Gras eilenden Käfern aus. standen wir bereits frühmorgens am Rande ihrer Lichtung und warteten darauf. Die Kugel erschien kurz vor Anastasias Erwachen. sprang auf und schaute ringsumher. ungewöhnliches Streicheln. Mit ihren feinen. und die gesamte Umgebung reagierte auf ihr Lä171 . Das Gras schimmerte in glänzend-zartem Grün. leuchtendflimmernden Strahlenblitzen berührte die Kugel jedes einzelne von Anastasias Haaren. als wir Anastasia auf ihrer Lichtung besuchten. dass sie die Kugel mit mehr Achtung behandelte als alle anderen. die einen lebendigen. Die durch das Geäst springenden Eichhörnchen hinterließen leuchtende. mal schien sie sich aufzulösen. flimmernden Teppich von erlesener Schönheit bildeten. komplizierten Mustern. mal überflutete sie die gesamte Lichtung mit ihren Strahlen. bläuliches Funkeln. nach und nach verblassende Regenbogenstreifen in der Luft. Die Kugel ließ sich auf ihre Launen ein und spielte mit. Man konnte aber spüren. Wir bemerkten. bezaubernden Naturschauspiels. Ein noch helleres.te neben ihrem Gesicht und streichelte ihr die Haare. das Gras und auch die Käferchen. Wir wollten heimlich beobachten. hob es hoch und streichelte es. Sie lächelte wie jeden Morgen. Vor unseren Augen verwandelte sich die gesamte Lichtung: die Bäume. Auch benahm sie sich ihr gegenüber manchmal launisch. Als Anastasia erwachte und die Augen aufschlug. Das Nadelwerk der Zedern war wie in bunte. sahen wir die Kugel noch mehrmals. Wie mit allem anderen in ihrer Umgebung sprach sie auch mit dieser Kugel. Später. dass sie erwachte. wie die Sonne und der Mond. mit ständig wechselnden. wie die Bäume und die Tiere der Umgebung. Doch etwas in ihrem Umgang mit der Kugel war anders. etwas.

Alle haben eine Mutti. Du bewegst dich am schnellsten von allen. eine ganz große Lichtung. immer nur Gutes zu tun und zu helfen. wie es vorher war. und es blitzte in ihrem Innern. so schnell. aber das Leuchten in der umgebenden Natur verschwand nicht. Ihre Worte verblüfften uns. Eigentlich redete nur Anastasia. und in ihren Händen manifestierte sich die bläuliche Kugel. egal wie viele Beinchen und welche Farbe sie haben. das Gras und die in bunten Farben schillernden. Die Kugel ließ sich zu Anastasias Füßen nieder. lag ein konzentrierter. Sie hielt sie eine Weile an ihr Gesicht.> Die Kugel flackerte ein wenig. Aber du denkst sehr schnell.. Aber mach bitte wieder alles so. Ich fühle mich sehr wohl bei dir. jedes Insekt und jede Ameise hat eine Mutti. Du wolltest mir mit dem schönen Anblick eine Freude machen. Sie schaute nach oben. Komm aber trotzdem nicht mehr her. hob sich leicht von der Erde ab. Wie sollen all die Muttis hier jetzt ihre Kinder erkennen? Bitte mach wieder alles so. sehr gut. streckte sie ihre Armchen gen Himmel. wie es vorher war. wie sie sie geboren hat.cheln mit noch hellerem Leuchten und noch schnellerer Bewegung. Dann kniete Anastasia sich vorsichtig nieder und begann. aber etwas beunruhigter Ausdruck in ihrem Gesicht. Anastasia sah die Kugel aufmerksam an und sagte: Jeder Käfer. Sie sagte zu der Kugel: <Komm bitte nicht mehr zu mir. und obwohl dort nichts zu sehen war. Und ändere es nie wieder!> Die blaue Kugel pulsierte. Du bemühst dich. Dann unterhielten sie sich. legte sie ins Gras und streichelte sie liebevoll. Anastasia sprach in zärtlichem. dass ich nicht immer nachkomme. aber etwas traurigem Ton: <Du bist gut. Anastasia streichelte sie und sagte: <Vielen Dank!> Dann schwieg sie eine Weile. aber wir spürten genau. Du machst alles sehr schnell und 172 . Als sie aufsah. Augenblicklich kam Bewegung in die erstarrte Luft. Und jede Mutti liebt ihre Kinder so. Ich weiß. schaute die Kugel forschend an und begann erneut zu sprechen. dass die Kugel sie verstand und lautlos zu antworten versuchte. du hast selber eine Lichtung. und wir hörten zu.. dann wurde alles auf der Lichtung wieder wie zuvor. Erst später verstehe ich ein bisschen. emsig hin und her eilenden Käfer zu betrachten. viel schneller als die Vögel und der Wind.

Bereits 173 . aber nicht mit der gewohnten Leichtigkeit. worauf wartest du? Eile zu denen. wenn sie rechtzeitig einschreitet. wenn auf der großen Lichtung auch alles in Ordnung ist. Opa. Ich wollte aber noch hören. Geh fort von hier. wie die kleine Anastasia im Wald gelebt hatte. wenn etwas geschieht. damit du es schaffst. Aber wenn du hier bei mir bist. stürzte wie ein flammender Komet wieder auf die im Grase sitzende Anastasia zu und machte neben ihrem Kopf Halt. <Na. aber nur manchmal. Zahllose flimmernde. Denk auch du an mich. erstrahlte dabei heller als gewöhnlich. fehlst du dort. <Hier werde ich schon selbst alles gut machen. als du versuchtest. bis sie im Himmel entschwunden war. «Sie wuchs auf wie alle Menschen.>» Der Alte schwieg. und fragte ihn: «Was hat sie danach gemacht? Wie hat sie gelebt?» «Einfach so». auf deiner großen Lichtung alles gut zu machen. Sie schoss kreuz und quer durch die Lüfte. sie gegen ihren Willen zu berühren. feine Strahlen streckten sich nach Anastasias langen Haaren aus und streichelten sie bis in die äußersten Spitzen. sagte Anastasia leise. Du musst dich um die große Lichtung kümmern.> Die blaue Kugel schrumpfte zu einem winzigen Ball zusammen und schnellte in die Höhe. Ich werde an dich denken. Es wird mich sehr freuen. die auf dich warten>. dass das so sein muss. Denn wie früher will sie alles selbst tun. und ich weiß. Auch du wurdest ja ohnmächtig. Wir stellten der kleinen Anastasia eine Frage: <Was ist denn da Leuchtendes auf der Lichtung gelandet? Wie nennst du das?> Anastasia dachte kurz nach und antwortete: <Man könnte es das Gute nennen.> Die blaue Kugel stieg in die Höhe. Und jedes Mal. vielmehr entfernte sie sich ungleichmäßig und ruckweise von Anastasia. was Anastasia nicht wünscht. den Kleingärtnern zu helfen. und das bedeutet. Sie hinterließ jedoch etwas Unsichtbares um Anastasia herum. Durch Emporheben der Hände kann sie dieses Phänomen aufhalten. antwortete der Alte. hält die Umgebung wie gelähmt inne.sehr gut. niemand kann auf der anderen Lichtung Gutes tun. Wir schlugen ihr vor.

» 174 .» «Echte Menschen würden solche Fragen niemals stellen. Sie werden ihre Existenz spüren. Manche fragen mich sogar. Sie glaubt. ob es Anastasia wirklich gibt oder ich sie mir einfach ausgedacht hätte. Solche Fragen können nur Scheinmenschen stellen. nicht echte Menschen. Sie schwärmte für Kleingärtner. Sie hatte außerdem den Einfall. sobald sie das Buch gelesen haben. Sie erwärmte die Pflanzen in ihren Gärten und heilte Menschen. Deshalb half sie ihnen zwanzig Jahre lang mit ihrem Strahl. Das hat sie von ihrem Vater.mit sechs Jahren konnte sie Menschen von einem entfernten Ort aus sehen. Sie bemüht sich. und sie hätte so etwas nie einfach nur so dahergeredet. dass sie das schafft?» «Wladimir. dann hat sie auch die Kraft dazu. wie man mit Pflanzen umgehen sollte. Dann begann sie andere Aspekte des menschlichen Daseins zu betrachten.» «Und hältst du es für möglich. Anastasia kennt die Kraft der Gedanken des schöpferischen Menschen. ihnen unaufdringlich zu erklären. Sie gab sich Mühe. Jetzt wird sie diesen Pfad nicht wieder verlassen. sie fühlen und ihnen helfen. die Kleingärtner bilden eine Art Übergangsstufe zum Verständnis des Sinns des irdischen Daseins.» «Dann wird sie auch etwas erreichen. die Menschen <aus dem Zeitalter der Dunkelmächte zu entrücken>. und darin war sie hervorragend. und das Schicksal führte sie mit dir zusammen. Wenn sie es sagt. Sie ist in dem Buch. Wie kleine Plappermäuler sind wir. geistige Bilder zu kreieren. wir aber reden immer nur vom Spirituellen. Sie ist sehr entschlossen.

Diesen Stoff verträgt der Körper nicht gut. und all diese Äußerlichkeiten haben nichts mit ihrem wahren Wesen zu tun. Ihre von fremden Gedanken und Formen bestimmte äußere Hülle hat ihr eigenes Wesen verdrängt. die eine ist nicht echt: die. Sie hat einen kurzen Rock aus Kunstleder an. wir haben hier lediglich eine Gestalt vor uns. wie sie flucht und kreischt — ganz echt. Sie sind ihr nicht einmal groß genug. emanzipierten Eindruck.» «Sieh mal. mit ihrer aufdringlichen Schminke und ihrem arroganten Gehabe. aber sie trägt ihn dennoch und fugt sich somit in eine vorgefertigte Rolle. Schau sie dir an. denn sie ist seelenlos und verdeckt ihre lebendige Seele. da werden Sie schon hören. wie es zum Beispiel diese beiden Mädchen da sind. Der Alte betrachtete sie aufmerksam und sagte: «Ich denke. Wladimir. die raucht. welche Art von Schuhen man jetzt tragen sollte.26 Scheinmenschen «Ich spreche aber von echten Menschen. Ihre Gestalt ist daher illusorisch. die fünf oder sechs Meter von der Bank entfernt standen. Das Mädchen trägt unbequeme Schuhe mit hohen Absätzen. Sie trägt diese Schuhe.» «Was meinen Sie damit: nicht echt? Ich kann ja mal zu ihr hingehen und ihr in den Hintern treten. Ihre Seele ist gefangen in dieser äußeren Gestalt. aber das ist nur äußerlich. weil jemand anders ihr diktiert. Schauen Sie!» Ich wies auf zwei junge Frauen. Sie macht einen unabhängigen. die durch die technokratische Lebensauffassung geprägt ist.» 175 . Schau nur mal genau hin.

Schau gut zu.» Das Mädchen nahm ihre Zigarette folgsam in die rechte Hand. wird man kaum mit Sicherheit sagen können. Dann stand er auf. Und in einem ganz anderen Ton sagte sie: «Ich werde mir Mühe geben.» «Ich bin schon alt und kann mich nicht deiner Denkgeschwindigkeit anpassen. Das Mädchen drehte sich ihm zu. bedeutete mir. was?» Der Alte hielt inne. Kurzum. Einen halben Meter vor den Mädchen blieb er stehen und starrte die Rauchende unverwandt an. Wenn ihre Blicke von ihrer Freundin auf einen Passanten abschweiften. Ich ging ihm nach. mein Herr.» Das rauchende Mädchen sprach in barschem. dein Kind zu gebären.» 176 . hochmütigem Ton mit seiner Freundin. Der Alte beobachtete sie mit gespannter Aufmerksamkeit.» «Tun Sie das.» «Es könnte dir nicht schaden. Töchterchen. sie war wie verwandelt. seufzte der Alte und fugte hinzu: «Soll ich versuchen. blies ihm provokativ eine Ladung Rauch ins Gesicht und sagte schnippisch: «Was willst du denn. nimm die Zigarette besser in die rechte Hand. Ob das aber auch wirklich stimmt. und ging zu den Mädchen. es dir zu zeigen?» «Was zeigen?» «Ich werde jetzt versuchen. leblose Hülle des Mädchens zu verdrängen und seine Seele zu befreien. Aller Hochmut war plötzlich gewichen. Was jedoch noch bemerkenswerter war: ihr Gesicht nahm völlig andere Züge an. Auch habe ich nicht die Gabe. mit der gleichen Beweiskraft zu sprechen wie Anastasia». und sagte dann ruhig und einfühlsam: «Töchterchen. ihm zu folgen. dem sie unterworfen sein soll.«Da kann man noch so manches reden über die Seele. sie in der Linken zu halten. auch hatte sie eine andere Körperhaltung angenommen. Es schickt sich nicht. für eine kurze Weile die illusorische. ihre Gefangenschaft und irgendein Diktat. anscheinend um sich von der Qualmwolke zu erholen. Opa? Wohl am Betteln. folgten die Augen des Alten den ihren.

Töchterchen. Zuerst habe ich sie eine Weile beobachtet. Und so sprach ich mit ihr in einer Weise. als wir uns wieder auf die Bank gesetzt hatten. Das habe ich dem Blick entnommen. den gleichen Tonfall zu treffen. er wird zu dir kommen. Jenes ursprüngliche Mädchen. und vergiss deine Hand nicht.nicht mit einer künstlich geformten Maske. du musst dich beeilen. die rechte Hand zu benutzen.«Das wird nicht leicht sein. Sie ist also Linkshänderin. das versichere ich dir. «Nicht zu fassen! So könnten Sie jede beliebige Frau bändigen». versuchen ihm die Eltern meist beizubringen. die reinste Magie!» «Das hat nichts mit Hypnose zu tun. Wladimir. der echte Mensch in ihr.» «Aber wie konnten Sie den unsichtbaren Menschen hinter der sichtbaren Gestalt ausmachen?» «Das war ganz einfach. Das Mädchen hatte ein gutes Elternhaus. Ich bin allein. Geh nur. Das Mädchen hielt die Zigarette in der linken Hand. und auch nichts mit Zauberei. Wenn ein kleines Kind den Löffel oder etwas anderes in der linken Hand hält. Das ist nichts weiter als der aufmerksame Umgang mit dem Menschen . als sie noch klein und unbefangen und noch nicht in dieser fremden Gestalt verschlossen war. Ich habe mich bemüht. Denk auch an dein Kind. wie wahrscheinlich ihre Eltern mit ihr in der Kindheit gesprochen hatten. nicht mehr gereizt wie zuvor: «Komm mit.» 177 . in dem auch ihre Eltern mit ihr gesprochen haben dürften.» Die beiden gingen. «Hypnose hoch drei nenn ich so was. wandte sich um und rief ihrer verdutzten Freundin in ruhigem Ton zu. Tanjetschka. dann wird er zu dir kommen. das ein kleines Mädchen an der Hand führte. Der Mensch reagiert sofort und schöpft Kraft. sagte ich zu ihm. die den echten Menschen verhüllt.» «Ich geh ja schon. wenn man sich direkt an ihn wendet und der illusorischen Maske keine Beachtung schenkt.» Sie machte ein paar Schritte.» «Keine Bange. tat sie das ebenfalls mit der linken Hand. Geh. Als sie in der Handtasche nach etwas suchte. den sie einem vorbeigehenden Paar zuwarf. reagierte sofort.

Aber der wahre Mensch in ihr will es auf jeden Fall. Diese verfremdete Gestalt braucht kein Kind. schon seit über einem Monat. Jetzt werden die beiden einen inneren Zwist austragen.«Und warum haben Sie mit ihr über eine Geburt gesprochen?» «Sie ist schwanger. Und der wahre Mensch in ihr wird siegen!» 178 .

Wenn der Radfahrer langsamer fährt. das ist aber auch alles.. sie zu erkennen. Was aber würde dir das bringen? Was würde sich dadurch in dir oder in deiner Umgebung verändern? Du würdest mit Sicherheit wissen. dass sie da sind. doch die einzelnen Speichen kann man nicht sehen. Und alles nur. kannst du sie nicht erkennen. dass sein Rad Speichen hat. Du weißt. weil ja seine Fahrt zum Stillstand gekommen ist. weil Sein Denken von so hoher Geschwindigkeit und Dichte ist. dass es Speichen gibt. sagte er. Dann würde er nicht zum Ziel gelangen. damit du sehen konntest. «Die Räder drehen sich. könntest du sie klar erkennen . Da hab ich mir gedacht: Warum kann Er denn Sein Denken nicht verlangsamen. Wladimir». allerdings würde er dann mit seinem Rad stürzen. kannst du die einzelnen Speichen erkennen. sodass die Menschen Ihn sehen können?» Der Alte hob seinen Stock und zeigte damit auf einen vorbeifahrenden Radfahrer. Wenn er aber plötzlich anhielte.. aber andere würden ebenfalls die Speichen sehen wollen 179 . Mit anderen Worten: die Geschwindigkeit deines Denkens und deiner visuellen Wahrnehmung gestatten dir nicht. sagte sie mir. aber nur verschwommen. Dann könnte der Radfahrer aufstehen und weiterfahren. «Sieh mal. aber weil sich die Räder so schnell drehen.27 Warum niemand Gott sieht «Als ich bei Anastasia in der Taiga war. dass niemand Gott sehen kann.

Damit wir Ihn sehen könnten.. Er müsste so werden wie wir. wenn dein Gesprächspartner schwer von Begriff ist? Ist es nicht sehr mühsam..» «Was würdest du schon groß sehen? Ein Radfahrer am Boden wäre doch kein Radfahrer mehr. Wundertäter verbrennen sie auf dem Scheiterhaufen und rufen dabei: <Wir verbrennen die Ausgeburt der Dunkelmächte. die Lebewesen. der Mondschein bei Nacht. Du brauchst dich nur einmal umzusehen: Morgens der Sonnenaufgang.sind das denn keine Wunder? Und der Baum hier . Du müsstest dir dann vorstellen. Wer könnte sich etwas Vollkommeneres ausdenken als so einen Baum? Dabei ist dafür nur ein Körnchen von Gottes Denken nötig. damit die Ungläubigen von ihm ablassen und ihn nicht kreuzigen?» «Wunder überzeugen die Ungläubigen ja nicht. Wäre es da nicht besser. muss man selbst einer werden. und dafür muss er dann wieder und wieder stürzen. was sagt dann die Menge? — <Du bist nicht Gott. Ich und du. du würdest lernen. Wozu das Ganze?» «Nun. die uns umgeben.» «Genauso verhält es sich mit Gott... die unter unseren Füßen umherkrabbeln. die unseren Körper mit wärmenden Strahlen kosen — all 180 .. Ein Betrüger bist du! Wirke ein Wunder. schneller zu denken? Geht es dir nicht auch auf die Nerven. dass er einmal einer war. die kleinen Käfer im Gras . Die materialisierten Formen.> Außerdem hat Gott ja unzählige Wunder vollbracht.. Genauso wäre auch Gott nicht mehr Gott.. Und wenn Er das dann tut. sie reizen sie nur noch mehr. und sei es nur.. änderte Er die Geschwindigkeit Seiner Gedanken. indem Er Seine Söhne aussendet. die über uns durch den Äther fliegen und für uns singen. Du bist auch nicht Gottes Sohn. Um sich an einen Dummkopf anzupassen.>» «Warum tut so ein Sohn Gottes eigentlich kein Wunder . wir sitzen hier unter einem Baum .. um ihn wenigstens einmal gesehen zu haben. müsste Er sich mit Seinen Gedanken auf unser Niveau herab begeben. sein eigenes Denken zu verlangsamen und sich an einen solchen Gesprächspartner anzupassen?» «Stimmt. sonst wirst du gekreuzigt.

die Leser haben die Welt mit Gedichten überschüttet. Die irdischen Lehrer. nicht nur ihren Worten. Aber wie viele Menschen sind in der Lage. und sie sind für uns da. es wurden in der Vergangenheit schon so viele Worte gemacht. hässlich und gestaltlos. sie nicht nur zu sehen. indem sie ihr Denken verlangsamen und riskieren. Wenn die Worte nicht aus der Seele gesprochen sind und ihre Verbindung mit der Seele verloren haben. Hast du die neuen Lieder gehört?» «Ja. die Söhne Gottes.» «Da hast du ganz Recht.diese Dinge ringsumher sind Seine Schöpfungen. hat die Fähigkeit. Meine Enkelin. selbst du konntest ein Buch schreiben. aber was hat das alles letztlich gebracht? Es herrscht Unglück und Elend. nicht verstanden zu werden. werden jetzt eine solche Kraft erlangen. und uns droht eine globale Katastrophe.» «Aber Anastasia hat gesagt. und ihre Kraft wird sich steigern. werden sie lebendige Gestalten wahrnehmen. so lasst uns ihnen zumindest keinen Schaden zufügen oder sie gar zerstören! Und was die Söhne Gottes betrifft. sobald sie mit dem Büchlein in Berührung kommen. um das menschliche Bewusstsein wesentlich zu erheben. so haben sie nur eine Mission: das menschliche Bewusstsein zu erheben. sondern auch einzelnen Buchstaben Gestalt zu verleihen. die Anastasia. ja sie tut es bereits. und viele neue Lieder erklingen jetzt. dass der menschliche Geist über die Finsternis triumphieren wird. Wo du nur einfache Worte siehst. dann sind sie leer. sondern diese wunderbaren lebendigen Schöpfungen einfach nur benutzen.» «Söhne? Lehrer? Was haben die denn damit zu tun? Nur Anastasia hat doch solche Fähigkeiten!» «Sie wird sie verteilen. Sieh doch.» «Sie werden das also wahrnehmen.» «Die geistigen Lehrer werden all das können und noch viel mehr. wo man auch hinschaut. sondern auch zu empfinden und zu begreifen? Selbst wenn wir unser Leben nicht vervollkommnen. Worte allein reichen nicht aus. doch was ist mit mir? Bin ich etwa völlig gefühllos? Warum hat Anastasia dann mit mir gesprochen und nicht mit ihnen?» 181 . Auch ich denke.

Er hat einmal zu seinen Anhängern gesagt: <Lest das Buch über Anastasia. für vollkommen halte ich mich nicht. Mir scheint übrigens. die von der Liebe getragen werden. sich mit mir zu unterhalten?» «Alle Menschen.» «Gut. Meine Enkelin wird dir dabei helfen. aber von mir sagte er. und dann stand es auch noch in der Zeitung.» «Meinst du denn. auch nur daran zu denken. dass Sie mit all dem. beleidigt zu sein. Aber auch dein Denken wird sich beschleunigen. ich sei kein richtiger Mann. <Ein richtiger Mann ist Anastasia nicht begegnet>.» «Also lautlos — wer wird so was schon hören?» «Jemand. Nicht jedem ist es beschieden.» «Das bedeutet. was Sie sagen. den viele Menschen als ihren spirituellen Lehrer betrachten. Du bist wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Dazu braucht man eine ungewöhnlich hohe Denkgeschwindigkeit. du seist vollkommen?» «Na ja. denken bedeutend schneller als die Menschen der technokratischen Welt.» «Und wie schnell denken Sie? Ist es für Sie nicht recht mühsam. Bei uns in Russland gibt es einen geistigen Führer. das Gehörte zu verzerren. Ihr werdet begeistert sein!> Viele seiner Anhänger kauften daraufhin das Buch. Ich habe es selbst im Fernsehen gesehen. ganz Recht haben. die so leben wie wir. ein bisschen Beschleunigung kann nicht schaden — sonst bleibe ich noch hinter den anderen zurück. Strebe einfach nach Vollkommenheit. Unsere Gedanken werden nicht durch ständige Probleme mit der Ernährung. er hat das Buch verstanden und deshalb Anastasia und dir geholfen. In geistige Höhen können nur jene aufsteigen. hat er gesagt. und du hast selbst auch nichts hinzuzufügen.«Du bist nicht in der Lage. Hast du dich zumindest bei ihm für die Hilfe bedankt?» «Ich habe mich nicht mit ihm getroffen.» «Man kann sich auch von der Seele her bedanken. der Klei182 . der mit der Seele hört. Er hat positiv über das Buch gesprochen und auch über Anastasia.» «Da wäre noch etwas.» «Dann hast du keinen Grund.

So etwas kann einen nämlich zum Wahnsinn treiben. und ich bin froh darum. erfülle ich ihr das gern. mit dir zu sprechen. Inzwischen aber ist uns klar geworden. Während sie mit dir sprach. Jetzt werden sie sich vor dir und vor jedem Leser dieser Bücher entfalten. Mein Vater hat ganz zu sprechen aufgehört. Vater meint. Aber dank der Liebe meiner Enkelin ist es für mich nicht besonders mühsam. sie hat ihre Gedanken noch beschleunigt und sie Gestalt annehmen lassen. etwas für sie tun zu können. Wenn sie mich um etwas bittet. um über etwas nachzudenken — wie lange würden dann Sie dafür brauchen?» «Um etwas zu durchdenken. Anastasia braucht zehn Minuten. Deshalb erscheint sie uns manchmal unlogisch. drei Tage lang mit mir zu sprechen?» «Das haben wir uns auch lange gefragt. warum wir ihr kaum helfen können. Als wir das erkannten. Er versucht so. brauchen wir Monate. dass sie sich einfach die bislang unbekannten Möglich183 .» «Aber wie hat es Anastasia dann ausgehalten. Sie wollte es so. Erst vor kurzem haben wir die Antwort gefunden. Auf ihre Bitte bin ich auch zu dir gekommen. hat sie nicht aufgehört zu denken . Aber ich versuche es gar nicht erst.» «Wie viel schneller? Sagen wir. Nach und nach werden sich den Lesern Anastasias Gedanken offenbaren. ich sei faul. Und die Gedanken der Menschen werden sich sprunghaft beschleunigen und sie näher zu Gott bringen.» «Und wie ist das bei Anastasia? Denkt sie so schnell wie Sie und wie Ihr Vater?» «Anastasia denkt schneller als wir. sie hätte ein neues kosmisches Gesetz erschaffen. ihre Denkgeschwindigkeit zu erreichen. denn wir begreifen den Sinn ihrer Handlungen nicht sogleich. um ihr helfen zu können. Das Gleiche verlangt er auch von mir. Das ist übrigens auch der Grund. Mann kann diesen Vorgang mit einem Computerprogramm vergleichen. Und deshalb ist sie auch ganz allein. was für sie eine Sekunde dauert. sie wird schon alles richtig machen.im Gegenteil. Doch ich liebe meine Enkelin sehr und glaube einfach. das von einem Benutzer geöffnet wird.dung und so weiter aufgehalten. dachten wir zunächst.

die das Büchlein lesen. Die Liebe bleibt nach wie vor das Geheimnis des Schöpfers. denn die Menschen von heute leben nicht in Harmonie miteinander. sie weiß sogar mehr. aber nur halb. was der Mensch früher empfunden hat — was er kann und wer er ist. aber jeweils nur für eine kurze Zeit. und zwar das. die die Weisen erst im Laufe ihres Lebens erkennen.» «Wollen Sie damit sagen. als in den euch überlieferten Schriften steht.» «Und was hat sie davon?» «Den Sinn des Daseins. Die Triebe sind in ih184 .» «Dann sind ihr also auch das Wissen der Lamas und Yogis und die Weisheiten von Buddha und Christus bekannt?» «Ja.» «Wo sind sie? Wie kann man sie sehen und spüren?» «Frag diejenigen. Man muss den Menschen wieder selbst fühlen lassen. Anastasia hat aber noch ein weiteres großes Potential der Liebe entdeckt. und wir steuern auf eine Katastrophe zu. Aber all diese Lehren hält sie für unzureichend. wann beginnt dann das Gute sich zu verwirklichen?» «Es hat schon begonnen. den Menschen Vorschriften zu machen oder sie zu verführen wie in der biblischen Geschichte vom Apfel im Paradies. Bisher sind es nur kleine Triebe des Guten. die großen Wahrheiten. aber das wird sich ändern. Deshalb hat sie ihre eigenen Schlüsse gezogen und sie in ihren unglaublichen Buchstabenkombinationen festgehalten. Die Menschen der Erde bilden Seinen Körper. erkennt sie in einem Augenblick. Manchmal erreicht sie eine unglaubliche Denkgeschwindigkeit und empfindet Gott dann mehr als andere. indem sie sie von Vorgängern übernehmen und dann zu vervollkommnen suchen. Gott zu sehen?» «Kaum. aufrichtigen Liebe zunutze gemacht hat. Sie sagt: <Man muss damit aufhören.keiten der reinen. Auch Gott lebt in einem Körper.» «Erlaubt ihr ihre Denkgeschwindigkeit eigentlich. Als ein kleiner Teil dieses Körpers schnappt Anastasia manchmal göttlich-kosmische Eindrücke auf. denn auch sie ist ja verkörpert. dass sie wirklich etwas Gutes für die Menschheit tun kann? Wenn dem tatsächlich so ist.

» «Ich sage dir. und viele werden es dir bestätigen. wunderschönen Realität versäumen? Eine schöne Morgendämmerung sollte man einfach genießen. Andere werden sie anders sehen. und folglich könnt ihr auf die Gestaltung eurer Umwelt Einfluss nehmen. Du bist nun einmal. hör auf zu grübeln und dir den Kopf zu zermartern.» «Natürlich kann man sich verstärkt bemühen. und das ist gut so. das wird uns wohl ein Rätsel bleiben. Wie Anastasia dies gelingt. denk doch mal. Anastasias Buchstabenkombinationen wirken tatsächlich. geht der ganze Reiz verloren. Das Buch ruft in vielen Lesern lichte Gefühle hervor. nur eben ungewöhnlich schön und gütig und ein wenig naiv. Das ist die Hauptsache. so kann sie für dich weiterhin eine schöne. Dein Bewusstsein lässt momentan keine andere Wahrnehmung zu. ganz abgesehen davon. Sobald du anfängst zu analysieren. wie du bist. wie sie ist. und den Menschen eröffnet sich ihre eigene Seele. aber würde man dadurch nicht die Entstehung einer neuen. Das lässt sich nicht leugnen. Das.nen. warum die Realität ist. wer du warst und was aus dir geworden ist! Anastasias Gestaltungsprogramm hat sich dir in deinem Innern offenbart. den anbrechenden Tag zu genießen. diese Realität zu verwirklichen. Versuch einfach. Das ist vielleicht unglaublich.» 185 . wenn du kannst. können wir nicht völlig verstehen. Anastasia sei einfach eine Einsiedlerin. Wladimir. aber es ist so. dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Was aber Anastasia hilft. gütige Einsiedlerin bleiben. wie kompliziert und ungewöhnlich das alles ist! Eigentlich hatte ich gehofft. kann man noch irgendwie verstehen. Wenn dir das alles zu kompliziert ist. was an der Oberfläche geschieht. Eure Innenwelt beginnt sich schon zu wandeln. wenn sie dir so vorkommt.» «Meine Güte. Und du selbst. dass die Grübelei zu nichts führt.

Dann wird dort ein buntes Treiben herrschen. Anastasia sagt ja selbst. Und das ist sie. wenn die Wirtschaft einen Aufschwung erlebt und der allgemeine Wohlstand steigt. und die Kinder der alten Leute. Dann werden in drei Jahren die vergessenen und heruntergekommenen Siedlungen Sibiriens. wenn es allen materiell besser geht. aufblühen und um vieles reicher sein.» «Man muss sich überlegen. was sie vorausgesagt hat.28 Airbruch einer neuen Zeit in Russland «Eine neue Zeit bricht für die Menschen in Russland dann an. wo heute nur noch ein paar alte Leute wohnen. wie es ist. warum alles so ist. Jeder muss sich für sich selbst darüber klar werden und nicht nach irgendwelchen Schuldigen suchen. werden wieder heimkehren. zur Erfüllung bringen. wenn man nichts zum Beißen und nichts zum Anziehen hat. Sie wird viele Geheimnisse lüften und den Menschen ihre ursprünglichen Kennt186 . sondern den Menschen lediglich ein gutes Vorbild sein. die jetzt nicht einmal mehr ihre Eltern besuchen. Und noch vieles anderes wird sie tun.» «Selbst wenn es so wäre: Alle Philosophie der Weisen hat doch keinen Sinn. Jetzt musst du das. man soll keine Moralpredigten halten. Nur ein innerer Wandel kann die äußeren Umstände ändern — das gilt auch für den Wohlstand.» «Die materiellen Umstände sind immer abhängig vom Geist und vom Bewusstsein des Menschen. Ich stimme dir aber zu: Nicht alle Leute werden das sofort glauben können.

dass geistiges Leben und Wissen aus den Urquellen wichtiger sind als technokratischer Fortschritt. Ich habe zurzeit kein Dach über dem Kopf. werde ich ein Denkmal für russische Offiziere errichten. Und sobald ich reich bin. Was aber das Öl betrifft. Ich will mir einen Wohnwagen kaufen. Russland wird zum reichsten Land der Welt werden. das dir meine Enkelin anvertraut hat. Das habe ich getan. Anastasia wird all dies tun. Von Russland wird sich die neue Zeit des Erwachens über die ganze Welt ausbreiten. die zwar noch physisch am Leben. «Warum das denn? Warum sollte ich dieses Wissen aller Welt preisgeben. um zu beweisen. Beschreibe in deinen Büchern.» Mir stockte vor Empörung der Atem. Ich habe sie einfach dargelegt. wie man aus Zedernnüssen Heilöl gewinnt. die zwar über geistige Dinge reden. ihnen. Ich muss alles zurückbekommen — das Schiff und auch die Firma. aber im Herzen tödlich verwundet sind. Durch unsere Gleichgültigkeit haben wir ihnen immer wieder das Herz gebrochen. noch dazu kostenlos? Jeder normale Mensch würde mich für einen Schwachkopf halten! Ich habe eine Expedition organisiert. weil ich es Anastasia versprochen hatte. so ist mir alles klar. Eure Bestrebungen und eure Philosophie leuchten mir nicht ganz ein. Vom Verdienst an den Büchern werde ich etwas Geld zurücklegen und dann mit der Ölproduktion beginnen. Anastasia hat mich gebeten. aber praktisch nichts tun wollen. Erregt sprang ich auf. Während ihr in eurem Walde ein geruhsames Leben fuhrt. und zwar gerade von den Leuten. meinen letzten Rubel habe ich dafür hergegeben. kommen hier die Menschen ums Leben. Und verheimliche nichts dabei.nisse und Fähigkeiten zurückgeben. für die sie in den Kampf gezogen sind. um das nächste Buch zu schreiben. deren Ehre und Gewissen mit Füßen getreten wurden. wie viel ich damit verdienen kann. Das Verfahren der Ölgewinnung werde ich niemand verraten.» «Und was kann ich dazu tun?» «Zuerst musst du das erste Geheimnis offenbaren. Es gibt hier massenweise so genannte spirituelle Menschen. Jetzt ist die Firma pleite. Außerdem will ich ein Notebook kaufen. Da werde ich eben selbst etwas 187 . Ich weiß jetzt. ein Buch zu schreiben. Jetzt sind wir quitt.

das diesem Öl gleichkommt . weil du Anastasia nicht geglaubt hast. dich lächerlich zu machen oder nicht verstanden zu werden. dass ich das Verfahren umsonst preisgebe.> Ich habe nichts verschwiegen.und ich soll dabei den Trottel spielen. ich habe es überprüft. kommt nicht in Frage!» «Anastasia hat doch dabei ein Einkommen für dich festgelegt. es sind drei Prozent des Ölverkaufs. das verkauft wird.» «Du hast es überprüft. wie sie es wollte. Ich sei ein unspiritueller. was Anastasia an ihm gefunden hat. Und jetzt verlangen Sie. der es kennt. Und jetzt soll ich das Rezept einfach bekannt geben. der vieles nicht versteht. hat sich bestätigt. Ein dreizehnjähriges Mädchen aus Kolomna schrieb mir sogar. Nichts da. und zwar genauso.aber nur dann. wo ich dreihundert Prozent für das Öl bekommen kann! Ich habe mich über die Preise auf dem Weltmarkt erkundigt. wenn es richtig hergestellt wird.tun. Und das Öl. die zu mir kam. unkultivierter Grobian. Und eine Frau aus Perm. ich hätte kein Benehmen.» «Was soll ich mit lumpigen drei Prozent. Ich weiß. erhält es die Jugend. Dabei ist allerdings eine ganz schöne Stange Geld draufgegangen.» «Ja. sagte mir gleich an der Haustür: <Ich wollte mal sehen. Aber ich bin jetzt lange genug der Dumme gewesen. Alles. weder Gutes noch Schlechtes! Zügle deinen 188 . um ihre Worte zu bestätigen.> — <Verschweige nichts. Da habt ihr ja einen schönen Narren gefunden! Ich habe so viele Bücher durchgestöbert und Archive durchforsten lassen. hat eine viel schwächere Heilkraft als das nach Anastasias Rezept. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Die Hersteller kennen nicht das richtige Verfahren. Es gibt in der Welt kein Heilmittel. Ich weiß noch. Das musste sein. Und was ist jetzt das Ergebnis? Wie ein Vollidiot wirke ich in dem Buch! Das sagen mir die Leute offen ins Gesicht. Ich habe das selbst geprüft. was Anastasia gesagt hat. Ich habe das Buch geschrieben. wie sie mir immer wieder eingeschärft hat: <Verschweige nichts. Im Moment bin ich der Einzige. weder Gutes noch Schlechtes! Zügle deinen Stolz. Und fürchte dich nicht. Wie schon Pallas sagte. <Morgendämmerung für alle> ist ja lächerlich! Morgendämmerung . Und ich habe die Bestätigung bekommen. Da hättest du dir eine Menge Zeit und Geld sparen können.

meine Enkelin Nastenka* kann vieles voraussehen. Selbst wenn ich mal nicht mehr bin. Sie hat dich dadurch aber nicht gedemütigt. aber ich? Und alles ihretwegen! Wenn das Kind nicht wäre. Doch für sich selbst hat sie nichts gewollt. die nur aus Liebe heraus handelt.> Sie hat von vornherein alles gewusst! Sie macht ja einen guten Eindruck auf die Leser. Er saß schweigend da und blickte zu Boden. keine Frage. hätte ich ihr schon längst mal den Marsch geblasen . weder Ruhm noch Geld. Jetzt aber habe ich mich durch das Buch bis auf die Knochen blamiert. ich sei ein gefühlloser Feigling. 189 . sondern gerettet. Und dass du in dem Buch so erscheinst. so wie sie es von mir erbeten hatte.ich hätte ja nicht auf sie hören müssen.Stolz. wird man immer noch über mich spotten. dann sprach er: «Versteh doch. dich aber hat sie gerettet. dich lächerlich zu machen oder nicht verstanden zu werden..durch dein Unverständnis und deine Gereiztheit. Letztlich hab ich Dussel mir das natürlich alles selbst zuzuschreiben . und dann muss ich mir anhören. wie du nun einmal bist. es wird mich selbst noch überleben. Und wie vergiltst du ihr das? Nur indem du ihr Schmerzen und Kummer bereitest . Und fürchte dich nicht. Ich setzte mich zu ihm. was nützt das schon? Bereits jetzt sind jede Menge Raubkopien in Umlauf. Dieses Buch erweist sich als ausgesprochen zählebig. wie sehr das eine Frau treffen kann. das ist ihr Verdienst. Überleg doch mal.» «Was ist das für eine Liebe. wenn der Geliebte zum Narren gestempelt wird?» * Koseform des Namens Anastasia. Auch wenn ich keine weitere Auflage mehr drucken lasse.. Einen Teil des Ruhmes hat sie auf sich genommen. Sie hat dabei nämlich einen mächtigen Ansturm der Dunkelmächte auf sich gezogen und ihm ganz allein Widerstand leisten müssen. was sie sogar in Gefahr gebracht hat. Wladimir. Aus seinen Augen rollten langsam Tränen. und diese Schande werde ich mein Lebtag nicht mehr los. Man stelle sich das nur mal vor! Ich habe ganz brav alles aufgeschrieben.» Plötzlich blickte ich den Alten an und stutzte.

wer du bist. Du wirst neun Bücher schreiben. Die Erde wird durch den so geschaffenen Raum der Liebe erstrahlen. nicht wahr?» «Ja. das ist nicht schwer zu sagen: eben der. Denk mal darüber nach. Du bist so. der Schmeicheleien als Wahrheit annimmt. wie du dich den Menschen präsentieren möchtest: als über alle Menschen erhaben. Denn kaum hatten sie ein wenig erreicht. Sie wird darauf warten. Nur wenige Erleuchtete hätten diesen sündhaften Drängen widerstehen können. wie du dich selbst empfindest. Auch vor vielen anderen Nöten hat sie dich schon bewahrt. der dafür gehalten wird. und zwar mit voller Aufrichtigkeit. einen Feigling nennen. etwas wirklich Bedeutendes hervorzubringen. wirst du verstehen. warum die Philosophen der Vergangenheit und auch die Genies von heute nie in der Lage waren. die sich selber in ihren Wohnungen verkriechen. als besonders schlau? Das hättest du schon im ersten Buch haben können. Das ist der Grund. einmal drei Tage lang ohne Ausrüstung in der Taiga zu verbringen. Sie behütet deinen Geist und deinen Körper. Du kannst ihnen ja raten. Wenn du mit dem neunten Buch fertig bist. wurden sie von Stolz und Hochmut gepackt und verloren die Gaben. Meiner Enkelin Nastenka aber ist es gelungen.«Nicht jener ist ein Narr. sonder der. Dann aber hätten dich Stolz und Eitelkeit zugrunde gerichtet. die dich schmähen. Das würde ich an deiner Stelle mit Humor tragen. ungefähr. Mach dir nichts draus. nur ab und zu 190 .» «Sollen doch die. der du jetzt bist. Stolz baut die künstliche Maske des Menschen auf. das vermag vielleicht Anastasia zu sagen. Wer du aber einmal sein wirst.» «Warum erst dann? Kann man nicht schon jetzt etwas darüber sagen?» «Wer du jetzt bist. dich gegen jegliche Schmeichelei und Verehrung abzuschotten. jeden Augenblick in Liebe verharrend. die ihnen anfänglich zugefallen waren. wenn dich Leute.in der Stille des Waldes. erst mal mit einer verrückten Gefährtin schlafen . die seine Seele verhüllt. mit einem Bären in einer Erdhöhle zu schlafen und zu allem Überfluss auch noch eine Verrückte mitzunehmen — denn so kam dir Anastasia damals doch vor.

versprach der Alte.unterbrochen durch Wolfsgeheul. ich werde es ihr ausrichten».» 191 . Plötzlich hatte ich die von ihm geschilderte Szene deutlich vor Augen und musste unwillkürlich lachen.» «Dann wiederhole es bitte noch einmal. «Kannst du dich denn noch an alles erinnern. schon. können sie das?». Wir lachten beide zusammen. dann fragte ich ihn: «Kann Anastasia hören. Was denkst du wohl. wie man das Heilöl der Zeder gewinnt.» «Dann sagen Sie ihr bitte. was Anastasia dir über das Öl gesagt hat?» «Ich glaube.» «Gut. was wir hier sagen?» «Sie wird von all deinem Tun erfahren. fragte der Alte verschmitzt. dass sie sich keine Sorgen zu machen braucht — ich werde alle wissen lassen.

dass König Salomon nach Männern suchte. 192 . Überhaupt sollte man alles. was mit der Ölgewinnung zu tun hat. wenn dabei Kinderhände mithelfen. reinem Bewusstsein tun. so wie Anastasia das macht. Leider wird dort nicht erklärt. Sie fallen bei windigem Wetter herab. Die Zapfen sollten nur von gutherzigen Menschen aufgelesen werden. Man darf nur jene Zapfen verwerten. die die Zeder selbst abwirft. Was das alles genau bedeutet. denn die Heilkraft des Öls nimmt dadurch drastisch ab. man kann sie aber auch kraft seiner Stimme herunterholen. Es ist auch gut. Bei der Herstellung sind aber ein paar besondere Punkte zu beachten. wie es heutzutage üblich ist. die ich den Lesern mitteilen möchte. Bei der Ernte der Zedernzapfen darf man nicht mit Schlegeln oder Bohlen gegen den Stamm des Baumes schlagen. wodurch sich diese von gewöhnlichen Männern unterschieden. daher werde ich hier nicht näher auf sie eingehen. ist schwer zu sagen. hatte Anastasia gesagt. Bäume zu fällen. Allerdings heißt es ja auch in der Bibel. in gutem. Die modernen Verfahren sind ja hinlänglich bekannt. das Öl zu gewinnen. die es verstanden. «Solche Menschen findet man noch heute in sibirischen Dörfern».29 Wie man das Heilöl der Zeder gewinnt Eigentlich ist es nicht sonderlich schwer.

sonst nimmt die Qualität des Öls rapide ab. eine Diagnose zu erstellen.» «Also gut. Er entgegnete mit seinem pfiffigen Humor: «Dann werden wir uns jetzt eben einen Schutz vor solchen Imitationen ausdenken. Und sie sollen dann ein Zertifikat ausstellen. Allerdings .» «Dann lass uns zusammen nachdenken. «Es könnte ja jeder daherkommen und den Leuten irgendein Imitationsöl andrehen».und Geschmackssinn. Das Öl heilt alle Krankheiten. zum Beispiel in Salaten. Die Kerne sollten beim Auspressen nicht mit Metall in Berührung kommen. Schließlich bist du der Geschäftsmann. nur nicht in der Nacht. Man kann es auch während des Tages tun. sagte ich zu dem Alten.» «Richtig. vorzugsweise bei Sonnenaufgang.» «Hätte nichts dagegen. eben von Fachleuten. Man muss danach noch eine Geschmacksprobe machen. das ist die Hauptsache. Was ich jetzt bin.» «Das war ich mal.Nach der Entnahme der Nüsse aus den Zapfen sollte man nicht länger als drei Monate mit dem Auspressen warten. daher ist es unnötig. weiß ich selbst nicht so genau. und zwar von Menschen. solange es hell ist. Verbessere mich. Sie kennen sich genau mit dem Geschmack der Weine aus.» «Wie sollen wir das tun?» «Das musst du dir schon selbst überlegen.» «Aber mit Geräten kann man nicht alles feststellen. Oder man kann täglich einen Löffel Öl einnehmen.» «Das Endprodukt muss mit speziellen Geräten geprüft werden. und sie haben einen ausgeprägten Geruchs.wer soll denn das Öl kosten?» 193 . und die sind durch nichts zu ersetzen. Das Gleiche gilt auch für das gewonnene Öl. Auch Wein wird ja von Verkostern geprüft. wenn etwas nicht stimmt. Man kann das Öl auch als Lebensmittel verwenden. die etwas von der Sache verstehen — von Ärzten oder Wissenschaftlern. Für deine Prozente solltest du schließlich auch etwas leisten.

» «Mit dem Strahl der Liebe. Probier mal.indem man seinen Körper so erwärmt. stimmt.» «Aber sie hat doch gesagt. Auch Fleisch und fette Speisen musst du vermeiden. aber sie war viel schwächer als die von Anastasias Blick.» «Dafür liebe ich meine Enkelin. Außerdem darfst du drei Tage lang mit niemandem sprechen. Aber zunächst will ich versuchen. aus einem Stock gefertigtes Röhrchen hervor.» Der Alte kniff die Augen zusammen und starrte mich unverwandt an.» «Also gut. Wärme stieg in meinem Körper auf. sein Geschmack ist unverwechselbar. Mir wurde zwar noch etwas wärmer.» Der Alte holte aus seinem Leinenbeutel ein etwa zwei Finger dickes. Es wollte dem Alten nicht so recht gelingen. Erst dann sollst du das Öl probieren und wirst in der Lage sein. an dessen einem Ende wie ein Pfropf ein Holzstäbchen steckte. Dann plötzlich begannen meine Füße zu schwitzen. Außerdem bin ich Raucher.» «Und womit soll ich das Öl vergleichen?» «Damit. auch wenn er sich so sehr bemühte. dass sogar die Füße schwitzen.» «Drei Tage vor der Ölprobe darfst du nicht rauchen und keinen Alkohol trinken. ohne dabei zu blinzeln. all die Schadstoffe aus deinem Körper auszutreiben. echtes und gefälschtes Öl am Geschmack zu unterscheiden. Als wir es damals herstellten.» «Austreiben? So.» «Aber Sie können mich nicht so lieben wie Anastasia. aber viel war es nicht. die Anastasia aufgestellt hat. Doch der Alte gab nicht auf. die sich durch Rauchen und andere Gewohnheiten in deinem Körper angesammelt haben. Lass es uns probieren.«Du. dass man mit seinem Strahl der Liebe nur aus dem Körper eines Geliebten die Krankheiten austreiben kann . und ich wartete. wie Anastasia es getan hat?» «Ja.» «Wie soll ich denn das tun? Ich kenne nur den Geschmack des handelsüblichen Öls. so ungefähr. hielten wir uns nicht an die Regeln. ich 194 . dass ihm die Hände zitterten. «Das hier ist echtes Öl.

Geld regiert die Welt.» «Seit langem zerbricht man sich schon den Kopf.» «Kann man auch falsches Geld drucken?» «Geld zu drucken ist schon um einiges schwieriger. Nach wie vor sind Surrogate auf dem Markt.» «Aufgeklebtes Geld? Was soll der Quatsch?» 195 . man hat Akzisemarken eingeführt — nichts davon hat gefruchtet. geschafft!». Aber woran sollen die Leute nun erkennen.» «Dann lass uns Geldscheine als Rückenetiketten auf die Flaschen kleben. Ich habe es selbst gesehen.» «Anastasia hat mal gesagt. «Jetzt gib mir deine Hand. Ich habe mal in einem Kloster Kartoffeln gegessen.» «Sehen Sie? Wir sind in einer Sackgasse. Ich leckte es mit der Zunge auf. Darüber sollten wir nachdenken.verspürte eine ungewohnte Frische im Kopf. Ein Gramm verdünntes Öl kostet 30. wenn gefälschte Ware im Umlauf ist. sagte er müde und lehnte sich zurück. Plötzlich roch es nach Zeder. Dann bekommen diese Drecklappen wenigstens irgendeinen Nutzen. bestimmt. Bei solchen Preisen braucht man sich natürlich nicht zu wundern. und in meinem Mund verbreitete sich eine angenehme Wärme. «Ja. dass das Öl geprüft und echt ist? Es wird wahnsinnig teuer verkauft. Das ist nicht schwer. fragte der Alte. Mit der heutigen Kopiertechnik kann man jedes beliebige Etikett nachmachen. und Gerüche stiegen auf. und noch 27 Jahre danach konnte ich mich an den Geschmack erinnern. «Kannst du dir das merken?». Man hat die Korken geändert und die Etiketten. das ist nun mal so heutzutage.» «Tja. «Puh.000 Rubel (6 USDollar). Da werden wir uns etwas einfallen lassen müssen. Dieses Aroma konnte man schwerlich verwechseln. Importware war das. man könne Geld auch zum Guten verwenden.» Er zog den <Pfropfen> aus dem Holzröhrchen und goss mir etwas Zedernöl auf die Handfläche. wie man zum Beispiel Wodka gegen Fälscher schützen kann.

«Gib mir bitte mal ein solches Scheinchen - egal, was für eins.» Ich gab ihm einen Tausend-Rubel-Schein (20 US-Cent). «Also: Du nimmst die Scheine und zerreißt sie in zwei Hälften. Die eine Hälfte klebst du auf die Schachtel oder auf die Flasche, die andere hältst du irgendwo versteckt. Überlege selbst, wo. Oder du lässt sie in einer Bank aufbewahren. Beide Hälften haben die gleiche Nummer, und jeder, der die Echtheit seines Öls überprüfen möchte, kann seine Nummer mit der anderen Hälfte vergleichen lassen.» «Donnerwetter!», dachte ich. «Der Alte hat Köpfchen.» Und ich sagte zu ihm: «Alle Achtung! Einen besseren Schutz gegen Fälschungen gibt es nicht. Sie sind ein Prachtkerl!» Er lachte und sagte: «Dann lass dich nicht lumpen und gib mir auch einen Anteil.» «Anteil? Wie viel Prozent wollen Sie denn?» «Ich will, dass alles gut wird», sagte der Alte plötzlich in ernstem Ton, dann fugte er hinzu: «Nimm dir außer den drei Prozent noch ein Prozent mehr vom Verkauf, und zwar in Form von fertiger Ware. Die kannst du dann an bedürftige Leute umsonst abgeben. Das soll unser Geschenk an die Menschen sein.» «Ein hervorragender Einfall! Das werde ich tun. Sie sind ein Prachtkerl!» «Hervorragend? Dann wird sich auch Nastenka freuen. Und mein Vater hält mich für einen Faulpelz! Meinst du wirklich, ich bin ein Prachtkerl?» «Jawohl, ein Prachtkerl!» Wieder mussten wir lachen. Darauf sagte ich: «Sagen Sie Anastasia, dass Sie einen ausgezeichneten Geschäftsmann abgeben würden.» «Im Ernst?» «Im Ernst! Sie könnten glatt ein Neurusse werden — und was für einer!» «Ich werde es Anastasia sagen. Ich werde ihr auch erzählen, dass du allen Menschen über das Öl berichten willst. Bedauerst du das nicht mehr?» «Was gibt es da zu bedauern? Diese Produktion bringt allerlei
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Scherereien mit sich. Lieber werde ich schnell das dritte Buch schreiben, wie ich es versprochen habe, und werde wieder Handel treiben oder sonst etwas Normales tun.»

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Trau, schau, wem
Ich wollte Anastasias Großvater über meine neuen Helfer erzählen und sagte zu ihm: «Zurzeit erscheinen viele Artikel über Anastasia. Sowohl in wissenschaftlichen Kreisen als auch in Glaubensgemeinschaften wird über sie gesprochen. Sie wird auf etwas unterschiedliche Weise wahrgenommen. Ein schöpferisches Kollektiv - sehr spirituelle, nette Leute - hat mir angeboten, mit ihnen einen Vertrag abzuschließen. Sie wollten mir die Exklusivrechte für Berichterstattungen in den Massenmedien über die Aussagen Anastasias abkaufen. Ich habe zugestimmt.» «Und für welchen Preis hast du ihnen Anastasia verkauft, Wladimir?» Der Ton und der Sinn seiner Frage wirkten auf mich irgendwie befremdlich, und so entgegnete ich: «Wie meinen Sie das: <verkauft>? Ich habe ihnen mehr über Anastasia erzählt, als im Buch steht. Ich habe es diesen spirituell gesinnten Menschen erzählt, damit sie sich ein persönliches Bild von Anastasia machen und ihre Meinung dazu veröffentlichen können. Sie wollen sich auch mit ihr treffen. Sie sind sogar bereit, eine Expedition in die Taiga zu finanzieren. Ich war mit allem einverstanden. Hab ich was falsch gemacht?» Der Alte schwieg. Ohne seine Antwort abzuwarten, fugte ich hinzu: «Und was das Geld für die Exklusivrechte betrifft, so ist es bei uns üblich, Dienstleistungen zu bezahlen. Sie werden an ihren Publikationen wesentlich mehr verdienen als ich.»
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Der Alte saß noch eine Weile wortlos und mit gesenktem Haupt da, dann begann er zu sprechen, als überlege er laut: «Geschäftstüchtig, wie du bist, hast du ihnen Anastasia also verkauft, und sie haben sie gekauft, wohl in dem Glauben, sie seien die spirituellsten und gescheitesten Menschen der Welt.» «Seltsam, was Sie da sagen - als hätte ich irgendwas Schlechtes getan.» «Sag mal, Wladimir, ist denn dir oder diesen <spirituellen> Leuten nicht einmal die Idee gekommen, Anastasia zu fragen, mit wem sie wann und unter welchen Umständen sprechen möchte? Und ist es bei euch üblich, sich selbst bei jemandem einzuladen, ohne das Einverständnis des Gastgebers? Denn sie hat keinen von ihnen eingeladen.» «Wenn sie keine Lust hat, sich mit ihnen zu treffen, braucht sie es ja nicht zu tun. Sie hat schließlich den Vertrag nicht unterschrieben.» «Aber du hast ihn unterschrieben! Sie ist bereit, allen mitzuteilen, was sie weiß, aber nur sie selbst hat das Recht, die Art und Weise der Kommunikation dafür zu bestimmen. Wenn sie zur Vermittlung ihres Wissens ein Buch und deine Worte gewählt hat, wer hat dann das Recht, ihr etwas anderes aufzwingen zu wollen? Sie hat ihre Wahl bereits getroffen, und nun kommt jemand anders daher und will das ändern. Ziel und Zweck dieser Handlungsweise sind von vornherein klar. Aber sie wird nicht mit solchen Leuten sprechen, die sich für etwas Besseres halten als alle anderen. Denn sie weiß genau, dass sie mit ihrer Überheblichkeit alles verzerren und verfälschen und die heiligen Wahrheiten nach eigenem Gutdünken auslegen werden.» «Warum müssen Sie denn alles von vornherein so schwarz sehen? Diese Leute interessieren sich für viele Lehren. Sie sind ausgesprochen spirituell.» «Sie halten sich für die allerspirituellsten Menschen. Geistige Überheblichkeit ist die schlimmste Todsünde - Stolz.» Ein mir unerklärliches Gefühl der Unzufriedenheit mit mir selber beschlich mich. Da ich noch kein Geld aus dem Vertrag
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Außerdem ging es in diesem Vertrag nur um mich selbst. 1. Die oben erwähnte Übertragung der Rechte gilt für alle Länder der Welt. Einige Zeit darauf unterschrieb ich. Am besten. denn wieder war das Ganze eine Art Kauf und Verkauf von Anastasia. diesmal ging es um die Exklusivrechte der Veröffentlichung meiner Interviews. gelang es mir. wie es ihnen passt. Du überträgst damit persönlich die Rechte. ich führe hier einige Auszüge aus dem Vertrag an: 1. Als sie ihn gelesen hatte. Der VERTRAGSNEHMER verpflichtet sich. gegen ihre Darstellung zu protestieren. was mit Anastasia zu tun hat. Wieder waren es die feinen Manieren und die geistigen Kenntnisse der Interessenten. Aber erneut entpuppte sich dieser Vertrag als eine Falle. Du hast dich sogar der Möglichkeit beraubt. auf eigene Kosten drei Programme mit einer Dauer von je 30 bis 40 Minuten auf dem professionellen Datenträger Digital BETACAM. alles so darzustellen und zu deuten. je ein Stück. Zeile für Zeile. Diesmal war es nicht Anastasias Großvater.2.1. das direkt oder indirekt mit der Produktion des Fernsehprogramms «Anastasia» (im Weiteren «Programm» genannt) zu tun hat. in den einflussreichsten Medien zu veröffentlichen. verkaufst du Anastasia aber billig! Lies dir nur mal den Vertrag genau durch.» Wie weit sie damit wirklich Recht hatte. Der Autor überträgt die Exklusivrechte für Video aufnahmen seiner Person sowie für sonstiges Videomaterial. einen weiteren Vertrag mit einem spirituellen Zentrum. Außerdem erlaubst du deinen Vertragspartnern.erhalten hatte. und zwar sowohl für die Leute des Zentrums als auch für mich. an den VERTRAGSNEHMER. nichts Böses ahnend. sondern eine Moskauer Journalistin. ganz egal. ihn zu stornieren. sagte sie: «Ach du Schande. 200 . die mich beeindruckten. was sie schreiben. und über mich selbst konnte ich ja frei verfugen. zu produzieren. ist schwer zu sagen. Vertragsgegenstand 1. alles. die sich über den Vertrag empörte.

sich selbst und anderen ihre Spiritualität zu beweisen. Sie sind offener in ihren Handlungen und Bestrebungen. Film. gab das Buch auf eigene Kosten heraus. II. mit beliebiger Ausrüstung produzierter Videoaufnahmen. Solange der Vertrag rechtskräftig ist. Direktor eines 201 . in dem direkt oder indirekt die gleichen Begriffe oder Fachwörter verwendet werden. versuchen nichts zu verbergen und sind folglich sich selbst. Sie hatten dabei keine baldige Entlohnung im Sinn.1.4.. ihren Mitmenschen und der ganzen Gesellschaft gegenüber ehrlicher. Aber bestimmte Tatsachen kann man einfach nicht übersehen. vor der sie sich fürchten. und es waren eigentlich nur Verluste zu erwarten gewesen. Die zweite Auflage finanzierte ein gewisser Herr Nikitin. und deshalb haben sie den Drang. Die Auflage war niedrig. Mit Unternehmern hat man es da einfacher. der Herausgabe und dem Vertrieb des Buches Anastasia zu tun hatten.3. ist der Autor nicht befugt. W. Vielleicht täusche ich mich. Auch Gruzja sprach nie über spirituelle Dinge. Und über spirituelle Themen sprachen sie nie. die in den Programmen des VERTRAGSNEHMERS enthalten sind. Drei Moskauer Studenten tippten den Text von Anastasia ein.und Fernsehstudios. dass ihre dunkle Seite sonst entdeckt wird. Ich vergegenwärtigte mir noch einmal alle Ereignisse. die mit dem Schreiben. die sich als besonders spirituell ausgeben. 1. Wahrscheinlich haben sie Angst davor. Videointerviews an Dritte zu geben oder Videoaufnahmen zu produzieren. indem sie ständig darüber sprechen. der ehemalige Offizier Gruzja G. über Aufnahmen zum Thema «Anastasia» ausschließlich vom VERTRAGSNEHMER geführt. Der Direktor der Moskauer Druckerei Nr. Alle Videoaufnahmen werden vom VERTRAGSNEHMER nach eigenem Ermessen benutzt. einschließlich Kabelfernsehen und jeglicher anderer. und kam zu folgendem Schluss: Menschen. haben eine Schattenseite. Im Einverständnis beider Vertragsparteien werden alle Geschäftsverhandlungen mit Video-.

Erst später stellte sich heraus. Nun jedoch ist mir klar.000 Raubkopien gedruckt. dass sie vorhergesehen hatte. die mir geholfen hatte.Moskauer Unternehmens. so möchte ich auf den Seiten dieses Buches Folgendes erklären: Nie wieder werde ich an irgendjemanden die Exklusivrechte für die Deutung von Anastasias Äußerungen abtreten. Und noch etwas: Im ersten Band hatte ich geschrieben. und überlegt euch genau.. gingen alsbald jede Menge anonyme Drohungen ein. Den größten Teil der Auflage überließ er mir zum Verkauf. wenn es sich um ihre eigenen handelt. den Vertrag zu annullieren. Als diese «spirituelle Firma» aufflog. Aber bis zum heutigen Tag ist es bei diesem Versprechen geblieben. das Autorenhonorar zu zahlen. Was nun die Übergabe von Exklusivrechten betrifft. dass ich Anastasia eingeladen hatte. Es gab 202 . was daraus werden würde. und manche von ihnen sind durchaus keine Unmenschen. Wer hat das getan? Was wollten sie? Und so etwas schimpft sich «spirituell»! Sie beschützen ihre Spiritualität durch mafiose Erpressermethoden. bevor ihr eine Entscheidung trefft. Und sollte jemand dennoch von derartigen Privilegien sprechen. Das ist beileibe kein Einzelfall. an die Adresse der Moskauer Journalistin. was diese Leute im Schilde führen. Dann waren da die «spirituell Aufgeschlossenen».. sprachen die Inhaber von ihrer Spiritualität und ihrem Wunsch. Schon bald nach dem Erscheinen des Buches tauchten die verschiedensten Deutungen ihrer Aussagen auf. zum Licht beizutragen. Ich kenne einige Mitglieder von Verbrecherbanden. «Spirituell orientierte Menschen» scheinen im Allgemeinen eine regelrechte Abscheu vor Rechnungen zu haben . so mögen alle wissen: Ich habe solche Rechte nicht freiwillig abgetreten! Weshalb sage ich «freiwillig»? Nun. besonders. Auch für ihn waren spirituelle Dinge kein Gesprächsthema. warum. Ich hatte damals nicht verstanden. dass er gar keine Büchergeschäfte betrieb. Ihnen möchte ich raten: Seid vorsichtig im Umgang mit so genannten Spiritualisten. im Fernsehen aufzutreten. Sie versprachen. Denkt in Ruhe darüber nach. doch sie hatte das Angebot abgelehnt. ohne auch nur eine Rückzahlungsfrist zu stellen. Es wurde eine Auflage von 45.

aber jedes Mal ist im letzten Moment das vergessene. Einige sagten mir direkt auf den Kopf zu: «Bildest du dir ein. Sie ist ein Mensch! Sie hat das Recht. Sie hat schon mehrmals den Pfad beschriften. Mir wurde jetzt immer deutlicher. ich kann jetzt nicht mehr aussteigen.und ihn aufziehen. «Wird sie danach unvermeidlich umkommen?» «Schwer zu sagen».» Der Alte schwieg und ritzte mit seinem Stock erneut irgendwelche Zeichen in den Sand. Ich bin gewiss. du hättest das Alleinrecht. Das wird einen größeren Nutzen haben. Wladimir . antwortete der Alte. «zahlreiche dunkle Kräfte werden mich angreifen und die Erfüllung meines Traumes zu verhindern suchen. das man jemandem übergeben kann. Dieses Gesetz beleuchtete gleichsam das wahre Wesen des irdischen Daseins und hielt ihren Körper am Leben. Also wird Anastasia noch mindestens zehn Jahre durchstehen. der eigentlich ihren physischen Tod hätte bedeuten sollen. Lass auch andere mit ihr sprechen. viel stärkere kosmische Gesetz hell aufgeflammt. mit wem und worüber sie sprechen will.» Die Taiga-Einsiedler erziehen ihre Kinder bis zum elften Lebensjahr. «Ich weiß». Irgendwie könnte mich da vielleicht schon noch herauswinden. ihre Gedanken nach ihren eigenen Interessen zu deuten. dass ich Zeuge der Erfüllung meiner Pläne sein werde: Ich werde einen Sohn gebären — unseren Sohn. mit ihr zu sprechen?» Oder: «Du verstehst nicht alles. aber es war auch der Wunsch bestimmter Menschen zu erkennen. selbst zu entscheiden. sagte sie im ersten Buch. Alle anderen sind viel schneller ums Leben gekommen.» Doch Anastasia ist kein Objekt. aber 203 . Und die Menschen werden aus dem Zeitalter der Dunkelmächte entrückt werden. «Und was geschieht danach?». fragte ich den Großvater. denn ich bin stärker als sie. dachte ich. dass Anastasia in der Tat einem gewaltigen Ansturm sichtbarer und unsichtbarer dunkler Kräfte in Form fanatischer und eigennütziger Menschen ausgesetzt war.darunter interessante und strittige Deutungen. «Und das Schlimmste daran ist. Auch ich verfiel ins Nachdenken: «Da hab ich mir ja eine schöne Geschichte eingebrockt!». doch ich fürchte mich nicht vor ihnen.

und Enttäuschungen sind für stillende Mütter ganz schlecht. mein Versprechen an sie einzulösen. wo das Kind da ist. Die einheimische Bevölkerung hat jedoch kein geeignetes Bewusstsein.» «Wenn du nichts von der Unmöglichkeit weißt. wird niemand mehr übrig sein. Ich wünsche dir viel Erfolg.jetzt. heruntergekommenen Provinzstadt gesprochen. kommt so etwas nicht mehr in Frage. Für mich wird es jetzt Zeit zu gehen. Tu das.» «Anastasia hat von einer kleinen. Sie sollte sich jetzt eigentlich um das Kind kümmern. Aber sie lässt nun mal nicht von ihrem Traum ab — die Menschen aus dem dunklen Zeitalter zu entrücken. Die Aufrichtigkeit spielt dabei eine große Rolle. was sie dir sagen will. ganz gewiss hält sie an diesem Plan fest. wirst du etwas bewirken können. was dir Herz und Seele gebieten.» 204 . Es geht nun einmal vor. die noch bedeutender sind als die Tempel Jerusalems.» «Ich werde Sie begleiten. denn sie ist sehr hartnäckig. So wirst du statt deiner inneren Zerrissenheit ein gegenseitiges Verständnis aufbauen. Denn in seiner Umgebung gibt es zahlreiche heilige Stätten aus der Zeit unserer Vorfahren. um diese Heiligtümer zu erkennen. Eine warme Welle wird dein Herz durchströmen. was ich für Anastasia tun könnte?» «Versuche zu verstehen. Das würde eine herbe Enttäuschung für sie sein. Ich will dorthin fahren und versuchen. Wladimir.» «Könnten Sie sich etwas konkreter ausdrücken?» «Das ist nicht so leicht. Doch wer wird ihr in ihrer Naivität schon helfen? Wenn ich jetzt noch damit aufhöre.» «Oh. Anastasia hat einen Sohn geboren. das habe ich nicht gewusst! Aber ich habe es Anastasia versprochen .» «Das ist so auf Anhieb nicht möglich.jetzt muss ich auch etwas unternehmen. Und daran wird sich auch nichts ändern. dass sie ihrem Kind in Ruhe die Brust geben kann». Ihr zufolge könnte dieses Städtchen reicher sein als Rom oder Jerusalem. Ich fragte den Alten: «Gibt es irgendetwas. Nein. daran etwas zu ändern. und ein neuer Tag wird anbrechen.

wie er durch die Allee davon schritt. 205 . Kümmere dich lieber um deine eigenen Angelegenheiten. Der Grund. war folgender. was Anastasia über diese Stadt gesagt hatte.«Das wäre Zeitverschwendung.» Der Alte stand auf und reichte mir die Hand. dachte ich an meine bevorstehende Reise nach Gelendschik und erinnerte mich. Ich brauche keine Begleitung. warum wir auf Gelendschik zu sprechen gekommen waren. Während ich Anastasias Großvater nachsah.

dass man einer klingenden Zeder begegnet?» «Sie sind äußerst selten». «Vielleicht kommen solche Bäume zwei oder drei Mal im Jahrtausend vor. wenn man ihn mit dem Rhythmus verbindet. hat es in Seinem Schöpfungsplan wohl vorgesehen. antwortete sie. den Menschen die Möglichkeit zu geben. Großvater und Urgroßvater haben dir von der klingenden Zeder und ihren erstaunlichen Heilkräften erzählt.Russland. der den Menschen und dessen Umwelt erschaffen hat. der seine Hand an den Stamm einer klingenden Zeder legt und ihn streichelt. erhält einen Zugang zu unendlicher Weisheit. aber wegen seiner Sündhaftigkeit hat der Mensch den Zugang zu dieser Quelle verloren. woran er im Augenblick 206 . ihre verlorenen Fähigkeiten zurück zu gewinnen. dass ihr pulsierender Rhythmus dem des Großen Geistes sehr ähnlich ist. Das kann man zersägen und seiner Bestimmung gemäß verwenden. Außer dieser einen geretteten Zeder hier gibt zurzeit nur noch ein Exemplar. aber sie haben dir nichts davon gesagt. Ein Mensch. indem sie sich die in der immateriellen Welt gespeicherte Weisheit zunutze machen. deine Heiligtümer! Einmal fragte ich Anastasia: «Kommt es eigentlich oft vor. vieles von dem zu verstehen. der auch im Menschen vorhanden ist. Gott.» «Was meinst du damit — seiner Bestimmung gemäß verwenden?» «Der Große Kosmische Geist. Diese Weisheit existiert seit Anbeginn der Zeiten. Er wird in der Lage sein.

ich sage dir doch. sondern am Menschen . Diese Erfahrung wird jeder machen. nur auf unterschiedlichen Ebenen.» «Unglaublich! Klingt wie eine schöne. sondern in der menschlichen Bestrebung. somit ihre Bestimmung erfüllen und folglich ihren auserwählten Mann. Nur wer in der Lage ist zu fühlen und zu verstehen. Ihr Rhythmus und ihre Schwingung sind unveränderlich. Aber einige Menschen können sich an ihre Schwingung anpassen und können alles fühlen. dass ich dir die klingende Zeder zeige?» 207 . manchmal weinen sie sogar vor Freude oder sind gerührt. Denkst du. es liegt nicht an der Zeder. sie selbst spielt keine entscheidende Rolle. erbauliche Legende. ich erzähle dir irgendwelche Märchen? Was hat dich dann zu diesem Ort hingezogen.» «Ich habe es immer noch nicht verstanden. Und diese Dinge werden sich ihm allmählich erschließen.» «Du glaubst mir also nicht. sich selbst und ihr aus Liebe geborenes Kind glücklich machen. so zum Beispiel in Momenten des Nachdenkens und der Besinnlichkeit. Die Zeder ist dabei bloß dem Menschen behilflich. In der Musik gibt es auch Schwingung und Rhythmus. und wieso wolltest du. Nehmen wir ein Beispiel: Musik. andere werden nur wenig empfinden. der eine klingende Zeder berührt. Zumindest haben sie die Möglichkeit dazu. Das Wunder hierin liegt nicht in der Zeder selbst. Frauen können ihre ursprüngliche Kraft und Weisheit wiedererlangen.der Berührung gedacht hat und in der Folge denkt. Ähnlich verhält es sich mit der Zeder. Wieso macht die Zeder solche Unterschiede?» «Wladimir..» «Warum wirkt sich die Zeder auf verschiedene Weise aus? Trifft sie etwa eine Auswahl?» «Nein. sie macht keine Unterschiede. Viele werden überhaupt nichts spüren. aber auch sie werden allmählich in ihrem Bewusstsein wachsen. wird vieles hören. Andere hingegen hören die gleiche Musik ohne jedes Gefühl oder wollen noch nicht einmal hinhören. Ich werde dir jetzt von der höchsten Ebene erzählen.. und in ihnen entstehen dabei Emotionen. Einige Menschen hören sehr aufmerksam zu.

mit der Kraft der Zeder zu heilen beziehungsweise damit ihre Behausung zu desinfizieren. einen solchen Preis bezahlt.«Na ja. jetzt erinnere ich mich wieder. ihm Männer zur Verfügung zu stellen. Dort wird geschildert. König Salomon ist doch eine historische Persönlichkeit und keine Legende!» «Richtig. dass alles nur eine Legende ist. <die es verstehen. Was mir dein Großvater und dein Urgroßvater über die Zeder erzählten. die das Holz aus einem anderen Land lieferten. durch die Zeder mit dem Kosmischen Geist oder Gott in Verbindung zu treten. habe ich ja zuerst auch nicht geglaubt. Für das Zedernholz erstattete Salomon dem König zwanzig Städte aus seinem eigenen Reich. Salomon bat König Hiram. ich denke nicht. Moment mal. wie dieser König einen Tempel aus Zedernholz errichten ließ und daneben ein Haus für sich selbst — ebenfalls aus Zedernholz. Denk doch mal nach: Warum hat dieser König. Als ich dann von der Geschäftsreise zurückgekehrt war.» «Entweder hast du die Aussagen der Wissenschaftler und die entsprechenden Bibelstellen unaufmerksam gelesen oder du hast die wichtigen Punkte nicht richtig verstanden. Ich staunte nicht schlecht. der noch heute berühmt ist für seine Weisheit. diese Bäume zu fällen>. so wie du es sagst. las ich populärwissenschaftliche Bücher und lernte so die Meinung von Fachleuten und Gelehrten über die Heileigenschaften der Zeder kennen. stellte er über 30.000 Arbeiter an. Sonst würdest du meine Worte nicht bezweifeln. einem weisen Herrscher.» «Was könnte ich denn überlesen haben? In der Bibel zum Beispiel wird doch überhaupt nur an zwei Stellen über die Zeder gesprochen: als Gott die Menschen lehrte. das nicht so stabil war wie das örtliche Baumaterial?» 208 . dass die Wissenschaftler in diesem Punkt mit Aussagen der Bibel übereinstimmen.» «Und um das Zedernholz zu besorgen. der von seinem Volk geachtet wurde. außerdem gab es da noch so eine Geschichte mit einem König — wie hieß er noch gleich?» «Ja. um einen Tempel und ein Haus aus einem Material bauen zu können. in der Bibel wird von König Salomon berichtet. Doch nirgends war auch nur entfernt von der Möglichkeit die Rede.

dass das so schwer sein soll?» «Das Bewusstsein der Menschen ist heutzutage durch die technokratischen Programme sehr stark in Beschlag genommen. über den Sinn des Daseins oder über sein eigenes Schicksal nachzudenken oder anderen Leuten zuzuhören. die ihm sein Leben erleichtern sollen. Der Mensch wird selbst zum Roboter dieser technokratischen Welt.>* Indirekte Beweise gibt es auch in den Äußerungen bedeutender Wissenschaftler. Chr. Diese Erleichterung ist jedoch illusorisch.» «Was ist das. mit mir ist das etwas anders. dass Besucher sich der Zeder angemessen nähern können?» «Ich werde versuchen. das fällt dir schwer..aber zu glauben.» «Na prima! Dann scheint ja doch etwas daran zu sein. Sie werden * (2. bequem erreichen lässt. Er ist praktisch ein programmierter Roboter. dass ich einen starken Glauben hätte.. und viele lesen die Bibel. ein Bioroboter?» «Die technokratische Welt ist so angelegt. die zersägt werden kann.. Ich kann nicht behaupten. Zeige mir die klingende Zeder. Warum glaubst du denn. in der es bewacht wird und in der die richtigen Bedingungen geschaffen werden.» «Wo auf Erden willst du denn eine Stadt finden. Er hat keine Zeit. Du zum Beispiel siehst alles mit eigenen Augen. die sie berühren möchten. dass der Mensch alle möglichen Maschinen und gesellschaftlichen Einrichtungen erfindet. warum?» «Die Antwort könntest du ebenfalls in der Bibel finden: <Als die Priester aus dem Allerheiligsten heraustraten.. hörst alles mit eigenen Ohren . Die Zeder kann den Menschen also bei der Entdeckung vieler Geheimnisse helfen. deren Einwohner dieses Heiligtum nicht schänden werden. die sich für Menschen aus aller Welt. aber irgendwie bin ich schon gläubig . Immer mehr ähneln sie Biorobotern. wenn auch wohl nicht so wie andere. da ward das Haus des Herrn von einer Wolke erfüllt.» «Anastasia. Ich werde das Holz in eine Stadt bringen lassen.«Ja.13) 209 . 5. Bei uns gibt es jetzt viele echte Gläubige. einen solchen Ort zu finden.

Begeistert johlen sie ihm zu: <Vorwärts! Vorwärts! Wir glauben fest an dich!>» «Eine rege Phantasie hast du. Dieser <Unsinn> ereignet sich sogar ständig in der Realität. aber in Wahrheit treibt er mit Gott bloß eine Art Handel: <Schau her. Glaube allein ist zu wenig. Die Stadt könnte eine der reichsten Städte der Welt sein. wie viel in der Bibel über die Zeder geschrieben steht. Stell dir eine Armee vor.sich besinnen.» «Der Glaube kann sehr unterschiedlicher Natur sein. Sie glauben so stark an ihn. dass sie meinen. in der Weltanschauung. in seinen Handlungen.» «Es reicht also nicht aus. Wladimir. sondern eines aus dem täglichen Leben. seinem Verhältnis zur Umwelt und in seinen Gedanken. Oft hält ein Mensch den Koran. In der Stadt selbst und in ihrer Umgebung gibt es eine Vielzahl von Heiligtümern. Aber so ein Unsinn kann doch nicht wirklich geschehen!» «Leider doch. Aber die Stadt stirbt. Also sitzen sie tatenlos da und sehen zu. das muss man dir lassen. wenn sie sehen. sich besinnen und mit den Heiligtümern in Berührung kommen können. Gelendschik heißt sie. Sie sind bedeutender als die Heiligtümer Jerusalems oder die ägyptischen Pyramiden.>» «Was ist denn richtiger Glaube? Worin sollte er sich äußern?» «In der Lebensweise. dass die Menschen sich dort von der Alltagshektik erholen. wie jemand sein Wesen und seine Bestimmung erkennt. darin. einfach nur zu glauben?» «Nein. Gelendschik ist 210 . spricht über seinen Glauben und versucht sogar.» «Na gut.» «Dann gib mir bitte kein erfundenes Beispiel. reicher noch als Jerusalem und Rom. In Russland gibt es eine Stadt. ich glaube an Dich. andere zu belehren. wie ihr Feldherr allein gegen die feindliche Übermacht antritt. er würde auch allein siegen. Bitte rechne mir das einmal an. die Bibel oder ein anderes Buch der Weisheit in den Händen. Sie werden es glauben und sich deinen Zedernstückchen gegenüber respektvoll verhalten. Sie ist dazu bestimmt. Alle Soldaten glauben ausnahmslos an ihren Heerführer — aber in den Kampf ziehen sie nicht.

Sie wächst dort. die jenes heilige Land bewohnt und ihnen unermessliche Schätze hinterlassen haben . muss man erst einmal etwas von ihm wissen. wissen nichts von ihren Nächsten. Die verschiedensten Konfessionen sind dort vertreten. reden sie über das Meer. über die bereits vor der Zeit Jesu Christi so viel auf Erden gesprochen wurde. aber seine Häuser und Hotels stehen leer und verfallen allmählich. unmittelbare Schöpfung Gottes. Wladimir. Was aber ist das für ein Glaube? In ihrem Umgang mit der Umwelt haben sie sogar jene Gebote missachtet. Und jene lebendige. über künstliche medizinische Behandlungsmethoden und über die Nachttischchen und Kühlschränke in den Hotelzimmern. die in den von ihnen verehrten Schriften gelehrt werden. und einige beschäftigen sich aktiv damit. der in der Bibel mehrfach erwähnt wird.ebenjene Heiligtümer. 211 .> Doch bevor man seinen Nächsten lieben kann. die sich für gläubig halten. dem Schriftsteller Korolenko. mit denen man die Stadt zur Blüte fuhren könnte. Dank der Tatsache. Die Heiligtümer erwähnen sie nicht einmal. Und diejenigen. Wenn sie über ihre Stadt sprechen. aber doch schon sehr schön und kräftig. befindet sich unweit dieser Stadt. die sich als Gläubige bezeichnen. Sie wissen selbst kaum etwas darüber und wollen auch gar nicht mehr wissen. in der Nähe von Gelendschik wächst eine libanesische Zeder — der gleiche Baum. Viele der Menschen dort nennen sich gläubig und nehmen die Heiligtümer um sich herum nicht einmal wahr. So heißt es beispielsweise in der Bibel: <Liebe deinen Nächsten.ein Kurort. den man gar nicht kennt. anderen ihren Glauben zu vermitteln. die ihnen von ihren Vorfahren zu ihrem Wohle hinterlassen wurden. Man kann nicht jemanden lieben. In dieser Stadt gibt es viele Menschen.» «Was für Heiligtümer gibt es denn dort?» «Sieh mal. Aufgrund ihres materialistischen Bewusstseins können die Verantwortlichen der Gemeindeverwaltung nicht die Werte sehen. Die Zeder ist erst hundert Jahre alt und somit noch recht jung. Über Jahrtausende hinweg haben sie uns die Ergüsse der Weisheit und des Lichtes ihrer eigenen Seelen bewahrt. Für sie haben andere Dinge Vorrang. weil sie von einem würdigen Menschen gepflanzt wurde.

die Seitenverhältnisse und auf die Dinge. und die Pyramiden selbst waren für sie nicht mehr als überdimensionale Grabmäler zur Verherrlichung der darin bestatteten Pharaonen. Jetzt aber verfällt das Haus. die sich als Gläubige bezeichnen. die im Innern der Pyramiden verborgen waren.dass er eine Zeit lang verehrt wurde. Sag. Doch die Menschen sehen sie mit den Augen der technokratischen Weltanschauung. mich mit der Dimension zu verbinden..» «Den Baum gibt es . so wie sie zum Beispiel auch die Pyramiden der weisen Pharaonen sehen. Aber was kann Er tun. warte mal! Jetzt werde ich dich prüfen. worüber ich gerade nachdenke und wofür ich mich interessiere. wenn die Menschen Seine Schöpfungen vernachlässigen?» «Unglaublich! Gibt es diesen Baum tatsächlich? Das sollte man nachprüfen. sind dir die Geheimnisse der Pyramiden bekannt?» «Ja. beachten weder diese Zeder noch die anderen Heiligtümer ihrer Ahnen. So kann ich alles erfahren. Und die Stadt siecht dahin. Er rächt sich niemals. Gott rächt sich an ihnen und straft sie?» «Gott ist gut.genauso wie viele andere Heiligtümer im Umkreis dieser Stadt.» «Moment mal! Woher weißt du denn von der Existenz der ägyptischen Pyramiden?» «Durch Generationen von Vorfahren ist mir die Fähigkeit erhalten geblieben.» «Stopp. hielten sie für abergläubisch. Ihr Hauptaugenmerk richteten sie darauf. ja sie zerstören sie sogar . die zur Zeit des Pyramidenbaus lebten. hat man die Zeder eingezäunt. dem Sinn der Pyramiden. wo die Gedanken und die Weisheit beheimatet sind. und mir ist auch bekannt. Damit entfernten sie sich von der Hauptsache. wie die Pyramiden gebaut wurden.» «Heißt das.» 212 .» «Und die Gläubigen?» «Viele Menschen dieser Stadt. in denen außerdem noch verschiedene Schätze aufbewahrt wurden. in dem der Schriftsteller gelebt hat. auf ihren Umfang.. Die Menschen. und niemand schenkt dem Baum mehr Aufmerksamkeit. dass die Ägyptologen bei der Erforschung der Pyramiden nur die materiellen Aspekte im Sinn hatten.

und begann darauf eine sonderbare Erzählung: «Sieh mal. Sie verstanden den Kosmos und ihren Planeten. die ihr aus Büchern bezieht. Die ursprünglichen Menschen waren ohne weiteres in der Lage. denn die sind in der Natur bereits vorhanden. konnten sie mit einer Handbewegung die besten Arzneien herstellen. Jene Menschen brauchten auch keine Verkehrsmittel. von Gott. das vom Großen Geist. die Nahrungsmittel produzierten. Sie brauchten kein Fernsehen. denn alles war auch so da. durch die sie den heutigen Menschen bei weitem überlegen waren. denn die Informationen. sich das gesamte im Kosmos gespeicherte Wissen zunutze zu machen. Sie erkannten. wie ihr sie heute habt. Dieses Wissen wird von Ihm selbst und von den Menschen mit ihren Gedanken ständig erweitert. Wladimir. Sie hatten auch keine Pharmaindustrie nötig. und auch keine Schrift. zur Verfügung gestellt worden ist. dass man auf jede beliebige Frage eine Antwort bekommen kann. Gott selbst. dessen Kabelnetzwerk die ganze Erde umspannt. Es ist nicht aufdringlich. Nur der Große Kosmische Geist. Wenn erforderlich. Anastasia. der die Frage gestellt hatte. und es ist so großartig. konnten sie auf der Stelle auf andere Art bekommen. in einen anderen Teil überzusiedeln. um zu anderen Planeten zu fliegen. was dort geschah. Sie vervollkommneten den Planeten Erde. dass ein Klimawechsel an einem bestimmten Teil der Erde ein Signal war. sodass das alte Land sich erholen konnte. konnten sie auch von der Erde aus sehen. Die Antwort manifestierte sich augenblicklich im Unterbewusstsein des Menschen. Von welchem Sinn entfernten sie sich?» Anastasia schwieg eine Weile. kein Telefonsystem. Sie brauchten keine Maschinen und Fabriken. Im ganzen All gab es nicht ihresgleichen. als blicke sie in die Unendlichkeit.» «Und welchen Nutzen hatten die Menschen davon?» «Jene Menschen brauchten keine Raumschiffe. denn wenn sie wollten. vor langer Zeit verfügten die Menschen auf Erden über geistige Fähigkeiten. Sie waren Denker und kannten ihre Bestimmung. 213 .«Ich verstehe dich nicht. war ihrem Intellekt überlegen.

Und genau sie. was das Erscheinen jener <Invaliden> mit der globalen Katastrophe zu tun hat.» «Jenen Invaliden fehlte aber etwas wesentlich Wichtigeres. und machen sich daran. mit dessen Hilfe sie die Erde hätten vervollkommnen und verwalten können.» «Du hast das treffende Wort gewählt . die das jetzige Europa. Anastasia. der ihn führt. Menschen auf. der keine Arme oder Beine hat?» «Prothesen. Später dann. bauten sie nukleare Spreng214 . Sie wissen nicht mehr.Vor ungefähr zehntausend Jahren tauchten unter der Bevölkerung der damaligen Zivilisation. als ihr Denken weiter entwickelt war.» «Und jemand. haben die Steinaxt und den Speer erfunden. wie auch immer sie sich ereignen mag — auf ökologischem. wie du sie nennst. Asien.diese Menschen waren in der Tat <Invaliden>. «Eine Sekunde mal. was sie tun. keine voll funktionsfähigen Menschen. Eine solche Megakatastrophe wird von euren Wissenschaftlern vorhergesagt und wird auch sinnbildlich in den Schriften der alten Religionen prophezeit. Das hatte auch den Verlust allen Wissens zur Folge. Sie reißen Teile aus dem Schaltpult und fertigen sich daraus Schmuck und Spielzeug. Nordafrika und den Kaukasus besiedelte. deren Verbindung mit dem Kosmischen Geist teilweise oder ganz verloren gegangen war. Stell dir die Besatzung eines supermodernen Raumschiffes vor. bakteriologischem oder atomarem Wege.» «Und einer. Mit einer solchen wahnsinnigen Besatzung kann man die behinderten Menschen der Vorantike vergleichen. diese <minderwertigen Invaliden>. Sie hatten keine Verbindung mehr zum Kosmischen Geist. der nicht sehen kann?» «Jemand. der nicht hören kann?» «Ein Hörgerät. die Verschalung des Raumschiffes abzumontieren und in der Kabine ein Feuer zu entzünden. Ich verstehe nicht ganz. Und was braucht zum Beispiel ein Mensch. Seit dieser Zeit bewegt sich die Menschheit auf eine Katastrophe globalen Ausmaßes zu. deren Mitglieder plötzlich neunzig Prozent ihres Verstandes einbüßen.

die Wahrheit zu erkennen.> Wieder bedient man sich dabei verschiedener. doch dabei zerstörten sie die natürlichen. Sie hofften. die ihren Draht zum Kosmischen Geist verloren hatten. solche Bioroboter zu regieren.> Dazu entwirft man für sie Symbole. Im Laufe der Generationen wollte der Erfindergeist dieser Menschen immer höher hinaus. als die Menschen. und so wurde ein Teil der Menschen notwendigerweise in Bioroboter umfunktioniert. Die menschengemachten Maschinen und Geräte konnten nicht für sich selbst existieren. Es wurde eine Unzahl von Technikern benötigt. Und jene Entwicklung nahm damals ihren Lauf. Zeichen und Flaggen einer bestimmten Farbe. Nicht nur waren sie unfähig. die die Maschinen bedienen und warten mussten. denn kein Lebewesen besudelt die Erde so wie sie. sie konnten sich auch nicht von allein wiederherstellen. wenn sie eines Tages die verunreinigte Luft kaum noch atmen können.köpfe. Diese beiden unterschiedlich programmierten Gruppen werden sich dann bis aufs Blut hassen. dass die Menschen wieder zur Besinnung kämen. sich zu reproduzieren. gottgegebenen Funktionssysteme der Erde. Mit den gleichen Medien suggeriert man dann einer anderen Menschengruppe: <Der Kommunismus ist schlecht. vor zehntausend Jahren. wie es zum Beispiel ein Baum tut. von dem ein Ast abgebrochen ist. die freien Zugang zur kosmischen Weisheit hatten. In jener fernen Zeit blieben schließlich nur noch wenige übrig. Auch schufen sie verschiedene künstliche Gesellschaftsformen. die vollkommene Schöpfung zu zerstören und sie mit ihren primitiven Schöpfungen zu ersetzen. immer mehr wurden. diesmal andersartiger Symbole und Farben. wenn es gefähr215 . denn sie sind ihrer individuellen Fähigkeit beraubt. Und bis heute ist ihr Verstand mit unglaublicher Hartnäckigkeit darauf ausgerichtet. Man kann sie tatsächlich als Wahnsinnige bezeichnen. nein. Man kann ihnen zum Beispiel mit Hilfe der künstlichen Informationsmittel das Programm eingeben: <Wir brauchen den Kommunismus. wie dies in der Natur der Fall ist. Dann begannen sie miteinander zu kämpfen. Es ist sehr einfach.

sich als unpraktisch und zweckwidrig erweisen und es immer mehr Pannen und Störungen gibt. Hauptsächlich waren das diejenigen. In einer der Wände war eine kegelförmige Öffnung von etwa 30 cm Durchmesser eingelassen. Diese Steinbauten sind Vorläufer der ägyptischen Pyramiden. über das Wesen des Daseins. Sie erleichterten die Verbindung zum Kosmischen Geist. doch trotz ihrer riesigen Größe sind die Pyramiden viel schwächere 216 . Sie begannen. dass sie ihre ursprünglichen Fähigkeiten wiedererlangen. die nicht die Fähigkeit verloren hatten. denn die Steinkammern und ihre in die Ewigkeit dahingeschiedenen Insassen dienten als Informationsempfänger. Die Platten wurden leicht nach innen geneigt aufgestellt. Vor zehntausend Jahren verfügten noch einige Menschen über diese Fähigkeiten. Manchmal wurden solche Kammern aus einem einzigen Felsblock gehauen. sich die kosmische Weisheit zunutze zu machen. manchmal dauerte es eine Weile.lich ist. den Sinn des Lebens und ihre Bestimmung nachzudenken. manchmal wurden sie unterirdisch errichtet. dazu aber ist es unabdinglich. die einer Gruppe von Menschen vorstanden: die Stammesfürsten oder Häuptlinge. mal etwas kleiner. Dazu musste man sich neben die Kammer setzen und in Nachdenken versinken. die die Menschen bewegten. besondere Bauten aus schweren Steinplatten zu errichten — genauer gesagt. und darüber wurde ein Hügel aufgeschüttet. das verschmutzte Wasser zu trinken. aber sie kam immer. sie ließen sie errichten. Diese Öffnung wurde durch einen genau eingepassten steinernen Verschluss versiegelt. Im Innern dieser Konstruktion entstand eine Kammer von etwa anderthalb mal zwei Metern Größe und zwei Metern Höhe. mal etwas größer. Dann werden viele von ihnen die ursprüngliche Wahrheit erkennen wollen. Manchmal kam die Antwort sofort. Erst am Rande des Abgrunds werden die Menschen endlich beginnen. Ihre Zeitgenossen und auch Jahrtausende später Geborene konnten zu diesen Kammern kommen und Antworten auf Fragen bekommen. In diese Grabkammern zogen sich die Menschen zurück. und die von ihnen selbst erschaffenen künstlichen Systeme der Lebenserhaltung — die technischen wie die sozialen .

Auch heute gibt es noch Menschen. konnte man nicht allein dorthin gehen. Die modernen Forscher haben mit großem Interesse an der Bauweise der Pyramiden herumgerätselt. kann man das Vorhandensein dieser Energie feststellen. die Zivilisationen der Vergangenheit wären alle primitiver gewesen als die gegenwärtige — sie hätten die Bedeutung der Pyramiden schon längst erraten. aber verstehen konnten sie sie dennoch nicht.Empfänger. sondern viele Menschen mussten gemeinsam kommen. und auch sie hatten sich die ursprünglichen menschlichen Fähigkeiten teilweise bewahrt. der sie zu dem falschen Schluss führt. Auch heute noch ist dieser Vorgang wirksam und man kann das gewünschte Ergebnis erhalten. Wesen und Bestimmung sind jedoch bei beiden gleich. Doch die kleineren Steinbauten. Die in den ägyptischen Pyramiden bestatteten Pharaonen waren ebenfalls große Denker. Dort. Wenn man dort oben. an der Pyramidenspitze. ermöglichten einen viel intensiveren Kontakt mit dem Kosmischen Geist. bündelten sich die Blicke und Gedanken der Menschen zu einem Punkt und bildeten so einen Kanal zur Verbindung mit dem Kosmischen Geist. ein Messgerät anbringt. Um mit Hilfe der Pyramiden Antwort auf eine Frage zu erhalten. durch die die Erdgravitation verringert wurde. an der Spitze der Pyramide. die mit gedanklicher Kraft kleine Gegenstände bewegen können. Anastasia? An ihrer Bauweise oder an ihrer Form?» 217 . richteten ihre Blicke und Gedanken auf die Spitze der Pyramide und ließen sie gleichsam die Schrägflächen hinauf gleiten. Dabei ist alles so einfach: Beim Bau der Pyramiden wurde neben physischer Kraft auch gedankliche Energie verwendet. Menschen mit solchen Fähigkeiten halfen scharenweise beim Bau der Pyramiden mit. Sie stellten sich dann entlang den vier Grundseiten der Pyramide auf. Im Brennpunkt der gedanklichen Blicke bildet sich eine Art Strahlungsenergie. Und die unten stehenden Menschen werden ungewöhnliche Empfindungen haben. die Vorläufer der Pyramiden. Ach wären doch die Menschen von heute nicht von ihrem sündhaften Stolz besessen. «Woran liegt das.

» 218 .» «Und wie willst du das tun?» «Ganz einfach. worauf die Kammer wieder verschlossen wurde. Später dann kamen Menschen zu einer solchen Kammer. dass dort Menschen in die ewige Meditation eingingen?» «Das kann ich. Aber die moderne Meditation ist ein Kinderspiel im Vergleich zur Meditation. kannst du denn den Menschen von heute die Existenz dieser Steinbauten beweisen und auch die Tatsache. massive Deckplatte verschoben. Diese Steinkammern existieren heute noch. nachprüfen. Dazu wurde die schwere. Heute würde man einen solchen Zustand als Meditation bezeichnen. vor allem des Sehens und Hörens —. Dolmen werden sie genannt. Sie gingen in ewige Meditation. was ich darüber gesagt habe. zogen den steinernen Verschluss heraus und nahmen durch die Öffnung Kontakt mit den in der Kammer wohnenden Gedanken auf. Und ihr Tod war sehr ungewöhnlich. erfüllten sie ihm seinen Wunsch. ihn in einer solchen steinernen Kammer unterzubringen. einen vollen Kontakt zum Kosmischen Geist herzustellen und über viele Eigenheiten und Handlungsweisen der Erdenmenschen nachzudenken. Der Geist der Weisheit wohnte dort zu allen Zeiten. dass er bald sterben würde. um zu sterben. dass an eine Rückkehr nicht einmal zu denken war und dass die Reise ins Jenseits erst noch bevorstand. Das Wesentliche dabei war für ihn. Er war jetzt völlig von der materiellen Außenwelt abgeschnitten. seinen Zeitgenossen und den künftigen Generationen seine Gedanken zu übermitteln. Diese völlige Isolierung — das Bewusstsein. spürte. Der Betreffende stieg hinein. das Abschalten aller Sinneseindrücke.«Weil sich dort Menschen hineinbegaben. Wenn ein alter Mensch. Es gab für ihn nichts mehr zu sehen oder zu hören. Wenn diese ihn für würdig erachteten. all dies gestattete ihm. in der Regel einer der weisesten Männer oder ein Stammesvater. Man kann sie sehen und anfassen und alles.» «Wieso haben sie den Freitod gewählt?» «Um den folgenden Generationen zu ermöglichen. bat er seine Verwandten oder Vertrauten. ihre ursprüngliche Kraft wiederzugewinnen.» «Aber Anastasia. Darum erzähle ich dir ja davon. die in die Ewigkeit führt.

Der einheimischen Bevölkerung sind die Dolmen übrigens bekannt. Die Steinplatten werden zu Bauzwecken benutzt. Sie werden die Dolmen nicht mehr länger ausrauben und zerstören. aber ihr Wissen und ihre Einsichten wurden leider nicht in Anspruch genommen. Noworossijsk und Sotschi genannt werden. Ich versprach ihr: «Ich werde ihnen alles erklären. Das ist höchst bedauerlich und traurig für sie.» «Das werde ich nachprüfen. Das gibt's doch gar nicht! Ich muss das unbedingt überprüfen.» «Glaubst du.. andere in einer Ecke sitzend oder an eine Steinplatte angelehnt. um zu sterben. dass lebende Menschen in die Dolmen gingen. dass sie mit ihrer Hilfe Kontakt zum Kosmischen Geist aufnehmen können. aber sie beachten sie nicht. Als Beweis dafür. Tuapse. tu das nur. Ich weiß zwar noch nicht wie. Währenddessen verunstaltet die einheimische Bevölkerung diese heiligen Stätten. es ihnen zu erklären. du kannst es ihnen begreiflich machen?» «Ich will es jedenfalls versuchen. im Kaukasus. Anastasia senkte traurig den Kopf und schwieg. aber ich werde diese Dolmen ausfindig machen. Ich werde an diese Orte reisen und versuchen.» 219 . Ich werde eine Reise zu diesen Orten unternehmen.«Was? Wo denn? Kannst du mir einen solchen Ort nennen?» «Ja. wurden aber nicht weiter beachtet.» «Natürlich. Zum Wohle ihrer Nachkommen haben sie sich der Ewigkeit geopfert. die in den Dolmen gefunden wurden. zum Beispiel in Russland. Sie ahnen nicht. Diejenigen. denn die Menschen kennen deren wahre Bedeutung nicht. können sich nicht mehr in einer materiellen Hülle verkörpern. nicht weit weg von den Städten. Sie werden mit dieser Schändung aufhören.. mich vor ihnen verneigen und den Menschen alles erklären. die heute Gelendschik. kann man die Lage der Skelette anfuhren. Die Dolmenforschung wird nicht mit dem nötigen Ernst betrieben. Sie haben ja nicht gewusst. Diese Tatsachen sind von euren Wissenschaftlern beschrieben worden. Viele Dolmen sind inzwischen ausgeraubt. Einige starben liegend. die in die ewige Meditation eingegangen sind.

und der Nachfolger hätte das niemals zugelassen.» «Anastasia. dann verneige dich bitte auch vor dem Dolmen. Meine Urmutter gehörte zu jenen Frauen. Meine Urmutter war noch nicht sehr alt. dieses Wissen allen Menschen zu vermitteln! Sie wollte. was ihre Wünsche und Bestrebungen waren? Jene meine Urmutter ist besonders erinnerungswürdig. wie und woran man dabei denken muss. Das alte Stammesoberhaupt hatte hohen Respekt vor meiner Urmutter und schätzte ihr Wissen sehr. wie unsere Ahnen gelebt und was sie getan haben. und deshalb wollte sie dieses Wissen an die Nachwelt weitergeben. Beim Stillen des Säuglings darf man sich durch keine Nebensächlichkeiten ablenken lassen. als sie den Stammesführer darum bat. die wie die modernen Menschen auf solche Dinge keinen Wert legten. werde ich zu diesem Dolmen gehen 220 . Zu dem Dolmen meiner Urmutter kommt schon seit langem niemand mehr. dass die Kinder glücklich sind und ihren Eltern Freude bereiten. in dem meine Urmutter gestorben ist. dass deine Urmutter an einem dieser Orte gelebt hat und wie sie gestorben ist?» Anastasia entgegnete: «Wladimir. wie man ein Brustkind beim Stillen befähigt. nicht zu wissen. So mussten die Frauen ganz allein mit dieser schweren Arbeit zurechtkommen. sie in einen Dolmen einschließen zu lassen. sich die Kosmische Intelligenz zunutze zu machen. Sie wusste. und alle meine folgenden mütterlichen Ahnen haben ihre Weisheit erkannt. und so gab er ihrer Bitte nach. wenn du willst. Frauen wurden überhaupt sehr selten in Dolmen gelassen. die schwere Deckplatte des Dolmens zu verschieben und sie über meiner Urmutter wieder zu schließen.«Das wäre gut.» «Unglaublich! Woher kannst du denn wissen. Sie hilft auch mir. man darf einzig und allein an das Kind denken. Und wenn du dort hinfährst. Keiner interessiert sich für ihr Wissen — wo sie doch einen so starken Wunsch hatte. Allerdings konnte er die Männer nicht dazu zwingen. die sich sehr gut damit auskannten. wie sollte es möglich sein. Bereits damals in jener alten Zivilisation gab es Menschen. Der Stammesführer war nämlich schon alt.

Sie besitzen ein großes Denk221 . Anastasia.. darüber wird sie sich freuen.» Wir schwiegen eine Weile. können sie verstehen. was von der offiziell anerkannten Wissenschaft verkündet wird. Ich bat sie jedoch um einen Beweis für die Möglichkeit. Denke dabei an meine Urmutter. aber ich kann ihre Namen nicht nennen. die inmitten ihresgleichen völlig einsam und abgekapselt leben. die ihr Kind stillt.und sie fragen. Nach eurem Ermessen handelt es sich jedenfalls um große Gelehrte. und sie werden dich nicht überzeugen. vor allem stillende Mütter.» «Es gibt solche Wissenschaftler. Geh du einfach zu diesem Dolmen und berühre ihn. Allerdings wirst du die Gedanken meiner Urmutter nicht verstehen können.» «Nimm es mir nicht krumm.» «Wie kannst du mich eine Einsiedlerin nennen. Erstaunt über die genaue Beschreibung der Lage des Dolmen. mit der für mich unsichtbaren und unbegreiflichen Kosmischen Weisheit Kontakt aufzunehmen. denke an etwas Gutes. Ich kenne ihre Gedanken. wenn du ständig an meinen Worten zweifelst. ich werde es dir sagen. Nur Frauen.. wenn man allein ist. wo befindet er sich?» «Gut.» «Wie dem auch sei. Du bist keine stillende Mutter und bist nicht mit den Empfindungen einer Mutter vertraut. so würden ihm die Leute eher Glauben schenken als dir. Sag. wollte ich meine Zweifel an ihrer Existenz nicht äußern. aber es ist furchtbar. so als Einsiedlerin . wie man Brustkinder stillen und wie und woran man dabei denken soll. in der deiner Meinung nach die Gedanken vergangener Zivilisationen gespeichert sind. Außerdem nehmen sie viel Zeit in Anspruch. wenn man sich mitten unter Menschen einsam fühlt. Darauf antwortete Anastasia: «Wladimir. wenn jetzt jemand von unseren wissenschaftlichen Kapazitäten über diese Dimension spräche. sondern auch mit höheren Sphären Kontakt aufnehmen kann? Auf der Erde gibt es so viele Menschen. Es ist nicht schlimm. dann werden dir auch meine Beweise nicht einleuchten. So ist der moderne Mensch nun mal — er glaubt das. die ich ja später überprüfen konnte. wo ich doch nicht nur mit allem auf Erden. aber deine ungewöhnliche Lebensweise.

E. unweit von Gelendschik. in dem Anastasias Urmutter begraben ist. Aber auf unglaubliche Weise bestätigte die junge Einsiedlerin aus der entlegenen Taiga gleichsam selbst. dass sie Recht hatte. Da ich mich mit Wissenschaft kaum je befasst hatte. Der Text wurde auf dem Compu222 . denn viele Leute ließen mir wissenschaftliche Werke zukommen. Im örtlichen Heimatmuseum kannte man die Dolmen. Kasnatschejew. und vergleiche sie mit dem. Ich fand auch den Dolmen. Nun hatte ich eine sichtbare und spürbare Bestätigung von Anastasias Worten. Akimow. die sich mit der Existenz des Kosmischen Geistes befassten. Direktor des Instituts für klinische und experimentelle Medizin. Ich betrachtete die Dolmen. fand ich im Gebirge. Suche selbst nach Beweisen. was ich dir gesagt habe. deren Beiträge im Mai 1996 in der Zeitschrift Wunder und Abenteuer erschienen. Ich machte dort einige Farbfotos.» * * * Im Kaukasus angekommen. verneigte mich vor ihm. Zu Beginn des Buches habe ich bereits die Aussagen von Akademiemitgliedern angeführt.vermögen. und A. die Dolmen. diesmal aber in der Sprache der Wissenschaft. um eine Bestätigung für Anastasias Aussagen zu finden. eine Unzahl wissenschaftlicher Werke durchzuwälzen. sobald deine Reise vorüber ist. Direktor des Internationalen Instituts für theoretische und angewandte Physik der Russischen Akademie der Naturwissenschaften. Ich las damals noch einmal im zweiten Buch der Chronik alles über König Salomon und seine Beziehung zur Zeder. * * * Das Kapitel über die Heiligtümer Gelendschiks schrieb ich während meines Aufenthalts in jener Stadt. stand mir auch nicht der Sinn danach. doch selbst dort wurde ihnen keine besondere Bedeutung zugemessen. und legte Blumen auf die moosbewachsenen Steinstufen nieder. nämlich von W.

Sie waren Mitarbeiterinnen des Sanatoriums «Druschba»: W. L.ter von Marina Dawydowna Slabkina eingegeben. L.. N. nicht weit entfernt von der Gemeinde Pschada in der Gebirgsregion von Gelendschik. T. Die Wis223 . T. Und wissen Sie. wie viele Jahrtausende seine Bemühung vergebens geblieben war. um sich an der Schönheit der Natur zu ergötzen. Zweginzewa. die im Laufe des vergangenen Jahrhunderts hierher gekommen waren.000 Jahren hier gelebt hatte. T.weder an seine Weisheit noch an seinen Wunsch und sein Bestreben. vielleicht zum ersten Mal in diesem Jahrtausend. Die Menschen. dass es sich dabei um ein Ereignis von globaler Bedeutung handelte. Einer der Dolmen. Kurowskaja. die bisweilen diese Stellen besuchen. Tarasowa. was dann geschah . zu diesem Dolmen. der auf eigenen Wunsch in diese Steinkammer eingemauert wurde. So kam es. Es ist schwer zu sagen. Romanowa und M. und zwar in Form von modernen Aufschriften am zerstörten Dolmenportal. A. Die Spuren der Schmähungen allein schon unseres Jahrhunderts waren deutlich auf den uralten Steinplatten zu sehen. D. Slabkina. und die an den in den Bergen liegenden Dolmen gedankenlos vorbeilaufen. Larionowa. N. N. um Jahrtausende später den Menschen kosmische Weisheit zu übermitteln. einer Mitarbeiterin des Sanatoriums «Druschba». kamen diese Frauen. dass die Angestellten des Sanatoriums dieses Kapitel noch vor dem Erscheinen des Buches gelesen hatten. ich bin jedoch überzeugt. der vor über 10. Gribanowa. Sajzewa. G. wurde von einer Gruppe Frauen besucht. M. Im Gegensatz zu den Touristen. um eines entfernten Ahnen zu gedenken. Es handelte sich dabei um einen weisen Stammesführer. S.. November 1996 um 10:30 Uhr Moskauer Zeit geschah etwas. zum Wohle der Nachwelt sein Leben zu opfern. N. hatten nicht im Geringsten an den hier verstorbenen Menschen gedacht .? Am 26. Von einer ähnlichen Ignoranz zeugen leider sowohl die Monographien der Zeit vor der Revolution als auch die modernen Abhandlungen über Dolmen. was äußerlich gesehen eher unscheinbar anmutete. die ich kennen gelernt habe.

in unmittelbarer Nähe des Dolmens und schließlich in dessen Innern. der Führerin der Exkursion. unsere fernen Vorfahren. Dies sind nur die ersten Blumen. I. Aber diese ersten Blumen sind besonders begrüßenswert. um die Strahlung in der direkten Umgebung des Dolmens zu messen. Der Mitarbeiter der SES hatte in einem speziellen kleinen Koffer ein genügend empfindliches Messgerät mitgebracht. Er führte zunächst Messungen der Erdstrahlung in größerer Entfernung vom Dolmen durch. die nach einem bewussteren Dasein streben. bis du die ersten Blumen erhalten hast. eure Nachkommen. Da standen nun also diese Frauen. Sie hatte mir erzählt. wie die tonnenschweren Steinplatten bearbeitet und errichtet worden waren. den heutigen Menschen helfen. Forscher und Archäologen interessierten sich in erster Linie für die Maße der Dolmen und versuchten festzustellen. dann in geringerer Entfernung. dass es bei dem Dolmen eine erhöhte Strahlung gab. Bald werden wohl mehr und mehr kommen. einem Sanitätsarzt der SES* von Gelendschik. unsere Urahnen. 224 . Möget ihr.senschaftler. Eine sanitäre epidimiologische Station. begleitet. die mit Blumen zum Dolmen gekommen waren und sie dort niedergelegt hatten. Pokrowski. dass eure Bemühungen nicht vergeblich waren? Auch in der heutigen Zeit gibt es Menschen. eingeladen worden. Larionowa. Der Tourist hatte sie daraufhin zur Seite gewinkt — um die anderen Touristen nicht zu erschrecken —. Er war von W. du unser weiser Urahn? Was empfindet jetzt wohl deine Seele? Was geschieht in diesem Augenblick in der Astralwelt? Habt ihr. diese Blumen als das erste Zeichen geschätzt. die Weisheit des Universums zu erfassen und ein bewusstes Leben zu führen!» Auf der Fahrt zum Dolmen wurde ich von Herrn E. T. dass einmal bei einer Führung der Geigerzähler eines Touristen eine hohe Strahlung anzeigte. und ich dachte: «Wie viele Jahrhunderte oder Jahrtausende mögen vergangen sein. ihr den Ausschlag am Gerät gezeigt und sie darauf hingewiesen.

Was aber bedeuten für uns moderne Menschen die Aussagen einer Frau.Während die Frauengruppe der Führerin W. Von Anastasia hatte ich erfahren. «die arme Anastasia! Sie wollte doch. die wir ja beim Dolmen 225 . wie es bisher der Fall gewesen war. so wird bestenfalls niemand mehr dorthin gehen. beschlich mich eine beunruhigende Vorstellung: Jetzt. Wenn jetzt aber eine amtliche Stellungnahme vorliegt. dass die Menschen sorgsamer und respektvoller mit diesen ungewöhnlichen Grabstätten unserer Vorfahren umgehen. schlimmstenfalls aber werden die Dolmen zerstört werden. hält dieser SES-Bedienstete seine Messergebnisse fest. so außergewöhnlich sie auch sein mag. sondern eine amtliche Stellungnahme. und wenn die Menschen von der erhöhten Strahlung erfahren. T. zumal es sich noch um radioaktive Strahlung handelt. je näher man an den Dolmen herankam. Sie sei steuerbar und habe eine wohltuende Wirkung auf den Menschen. so dachte ich. weil unsere Gruppe auf dem Wege zum Dolmen an Stellen mit höherer Strahlung vorbeigekommen war. und danach wird er sie öffentlich bekannt geben. dass diese Energie. I. plötzlich auftauchen und wieder verschwinden könne. Wenn es diesen kosmischen Geist tatsächlich gibt und wenn Anastasia ihn auch so einfach benutzen kann. die radioaktiver Strahlung ähnlich sei. vor der sich sowieso jeder furchtet? «Mein Gott». dann von Freude. Dann ist es nicht mehr nur die Bemerkung irgendeines Touristen. Das war allein schon deshalb unglaublich. Erst war ich von Aufregung ergriffen. werden sie nicht mehr zu dem Dolmen kommen. Pokrowski kam zu der Gruppe der beim Dolmen stehenden Mitarbeiter des Sanatoriums Druschba und verlas die Messergebnisse. dann sollen die beiden sich etwas einfallen lassen.» E. dachte ich. im Vergleich zu konkreten wissenschaftlichen Messergebnissen. Somit hätten wir selbst. Es war unglaublich: Nach Angaben des Messinstruments verringerte sich die radioaktive Strahlung. Larionowa zuhörte. Und die Steinplatten würden dann nicht einmal mehr für Bauzwecke verwendet werden.

deren Völker trotz großer geographischer Entfernungen miteinander in Kontakt standen. wie sich Anastasias Informationen verbreiten. als wollte uns ein Unsichtbarer sagen: «Fürchtet euch nicht. Tausende von Kilometern entfernt.Anastasia! Sie musste hinter diesem rätselhaften Geschehen stecken. die Frauen und die Blumen. Nehmt unser Wissen ruhig an.standen. studierte das Leben von Heiligen und bestätigte die Existenz von Heiligtümern in der Umgebung 226 . Es war so. liebe Kinder!» Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen . die sie mitgebracht hatten. sofern sie noch erhalten sind — in dem Maße. aufgrund der Strahlungspartikel an Kleidung und Schuhen zu einer höheren Strahlung beitragen müssen. Abgeordnete des Gemeinderats und seit dreißig Jahren Fremdenführerin des Heimatmuseums. Frankreich. sprach mit alten einheimischen Menschen. Die Reaktion der Einwohner Gelendschiks kann als Beweis hierfür dienen — wurde doch diese erste Dolmenführung der Welt mit der neuen Information in jener Stadt von der «glücklichsten und zufriedensten Frau der Welt» geleitet. Dies bestätigt die Existenz einer uralten Zivilisation mit einer einheitlichen Kultur. Aber das Messinstrument zeigte eine Strahlungsverminderung an. hatte sie durch eine unsichtbare Verbindung unsere heutige Menschheit mit jener Jahrtausende alten Zivilisation zusammengebracht und somit einen Durchbruch im menschlichen Streben nach dem Guten herbeigeführt. Deutschland. Gewiss wird sich das Verhältnis der Menschen auch zu anderen Dolmen wandeln. Sotschi und Noworossijsk sowie in England. Zwar handelte es sich zunächst nur um eine Handvoll Menschen. Nordafrika und Indien. der Türkei. ihr Menschen! Wir sind eure entfernten Ahnen und meinen es gut mit euch. wie Valentina Terentewna Larionowa. Das war aber noch nicht alles. Laut wissenschaftlicher Literatur gibt es Dolmen in der Nähe von Tuapse. Eine Gruppe von Landeskundlern der Stadt Gelendschik unter der Leitung von Valentina Larionowa verglich alle bereits bekannten Tatsachen miteinander. aber ein Beginn war gemacht. über sich selbst kundtat. Und alles sah ich ganz real vor mir: den Dolmen.

aber nun hegte ich die Hoffnung. Ich sah mir das alles an und dachte: «So viele Heiligtümer allein in dieser kleinen russischen Ortschaft . von denen Anastasia erzählt hatte. Die meisten dieser einzigartigen Heiligtümer Russlands werden noch nicht einmal in Reiseführern oder Touristenprospekten erwähnt. Russland? Und wer wird sie entdecken?» Ich hatte getan. Menschen.sogar eine Heilquelle. Und die Russen fahren um die halbe Welt. 227 . dass mir Anastasia unseren Sohn zeigen würde. Ich kaufte einen Strampelanzug. eine Einsiedelei und die Heilquelle «Heilige Hand».von Gelendschik. Wie viele vergessene Heiligtümer hast du noch aufzuweisen. binden Tücher an einen Baum. Im Kreis Gelendschik wird zurzeit eine Kirche restauriert.. um Anastasia und meinen Sohn zu sehen. was ich konnte. Fortsetzung folgt. Es handelt sich dabei um die libanesische Zeder. Viel war es nicht.. Auch wird dort ein «Dreifaltigkeitskloster des heiligen Sergius» erbaut. um fremde Götter anzubeten. Spielzeug und Babynahrung und machte mich auf den Weg in die sibirische Taiga. den Berg der heiligen Nina. die dort geheilt wurden.