Wladimir Megre Anastasia — Die klingenden Zedern Russlands

Wladimir Megre

Anastasia
Band 2:

Die klingenden Zedern Russlands

aus dem Russischen übersetzt von Helmut Kunkel
«Die vorliegende neue deutsche Übersetzung entstand in enger Zusammenarbeit mit meinen Vertrauenspersonen in Deutschland, sodass sichergestellt ist, dass sie in jeder Hinsicht inhaltsgetreu und vollständig ist. Ich danke dem Govinda-Verlag, dass er bereit ist, die Anastasia-Bände l bis 5 herauszugeben, und freue mich über die angenehme Zusammenarbeit im Sinne Anastasias.» — Wladimir Megre

Govinda-Verlag
Neuhausen • Jestetten

Herausgegeben von Ronald Zürrer Weitere Titel von Wladimir Megre zu Anastasia: Band 1: Anastasia - Tochter der Taiga Band 3: Anastasia - Raum der Liebe Band 4: Anastasia - Schöpfung Band 5: Anastasia - Wer sind wir? Band 6: Anastasia - Das Wissen der Ahnen Band 7: Anastasia - Die Energie des Lebens zu beziehen bei: Schweiz: Deutschland: Internet: Govinda-Verlag, Postfach 257, 8212 Neuhausen 2 Govinda-Verlag, Postfach 1226, 79795 Jestetten govinda.ch

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Erste Auflage - Mai 2004 © 2004 Govinda-Verlag GmbH Alle Rechte vorbehalten. Originaltitel: 3B6HFimi<ie Keflpbl POCCHU Übersetzung, Lektorat und Layout: Helmut Kunkel, Jestetten Umschlaggestaltung: Anandini Zürrer, Zürich Umschlagbild: © Kursiv Gesamtherstellung: Ueberreuter Buchproduktion GmbH Printed in Austria ISBN 3-906347-71-0

Inhalt 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 1l 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Mensch oder Außerirdische? Die Geldmaschine Geheilt .aber um welchen Preis! Ein vertrauliches Gespräch Schutzengel. wo bist du? Das Kirschbäumchen Wer ist schuld? Die Antwort Der Tag der Kleingärtner und ein Feiertag der Erde Das klingende Schwert des Barden Eine jähe Umkehr Wer bestimmt den Kurs? Geld aus dem Boden stampfen Eine destruktive Kraft Herbalife-Händler Gratisurlaub auf Hawaii Der Beginn der Perestroika Die Gesellschaft der Unternehmer Russlands Dem Selbstmord nahe Die klingenden Zedern Russlands 7 21 26 29 33 38 44 50 64 72 79 83 84 89 96 100 102 106 110 114 .

deine Heiligtümer! 132 135 149 155 165 175 179 186 192 198 206 Über den Autor 229 .21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 Was steckt dahinter? Vater Feodorit Raum der Liebe Anastasias Großvater Eine paranormale Erscheinung Scheinmenschen Warum niemand Gott sieht Anbruch einer neuen Zeit in Russland Wie man das Heilöl der Zeder gewinnt Trau. schau. wem Russland.

ob ich Anastasia nun liebe. 7 . In der Presse fand man Namen für sie wie «Herrin der Taiga». eine Frau. möchte ich mich ganz herzlich bei all den religiösen Führern. «göttliche Erscheinung» und «Außerirdische». «sibirische Hexe». Ich sagte: «Ich kann meine eigenen Gefühle nicht klar einordnen. Wissenschaftlern. auf der Grundlage dieses Verständnisses Erklärungen für ihre außerordentlichen Fähigkeiten zu finden. wenn man nicht einmal weiß. Am Anfang gelang mir das auch. bestimmte Themen zu verstehen. habe ich versucht. die weit entfernt in der sibirischen Taiga geboren wurde und dort als Einsiedlerin lebt. wer Anastasia wirklich ist. konnte ich keine eindeutige Antwort geben. Anastasia hat recht unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. spirituelle Bücher und ihre Bemerkungen zu Band 1 geschickt haben. Wer also ist nun Anastasia? Eine junge Frau. Nach dem frühen Tode ihrer Eltern wurde sie von ihrem Großvater und ihrem Urgroßvater.1 Mensch oder Außerirdische? Bevor ich mit meiner Erzählung über Anastasia fortfahre. sie sei ein Mensch. aufgezogen. Da sie selbst aber von sich behauptet. Auf die Frage einer Moskauer Reporterin. mit wem genau man es zu tun hat? Und bislang gibt es nun mal kein einheitliches Verständnis. Wie aber kann man jemand lieben. ebenfalls Einsiedlern.» Sofort wurde das Gerücht in Umlauf gesetzt. «Wahrsagerin». ich sei aufgrund spiritueller Inkompetenz nicht in der Lage. die mir Briefe. Journalisten und gewöhnlichen Lesern bedanken.

gottähnlicher Mensch. die friedlich miteinander auskommen und ihren Herrn achten. Schilin.» Ob das nun stimmt oder nicht. aber auch bei unserer Anastasia. Wir alle sind mit dem Kosmos verbunden . denn auch auf Bauernhöfen gibt es ja die verschiedensten Tiere. Schleierhaft ist mir jedoch. dass ihr die wilden Tiere so ergeben sind? Nein. sondern sich stattdessen zwanzig Jahre ihres Lebens mit Kleingärtnern beschäftigt. Die drohende Katastrophe ist einzig und allein durch eine harmonische Synthese der Urkulturen zu vermeiden. Denn zumindest gibt es in der Wissenschaft Hypothesen in Bezug auf die Themen. Professor für Soziologie an der Moskauer Lomonosow-Universität und einer der führenden Ökologen Russlands. nachdem ich die Meinungen verschiedener Gelehrter gelesen hatte. in die Tiefen der Vergangenheit eindringt und in die Zukunft blickt? Dr. die Technik zu bestimmen. eine Gabe der Natur. Anastasia ist demnach ein vollkommener. wie es alle erleuchteten. K. Besonders vollständig und deutlich kommt dies im Buddhismus zum Ausdruck. I. gottgleichen Menschen getan haben. über die Anastasia gesprochen hat. Nichtsdestoweniger kam ich. mit deren Hilfe sie «fernsehen» kann. dass sie nicht geisteskrank ist. Wie funktioniert ihr Strahl. und in bestimmten Bereichen werden auch Experimente durchgeführt. Die Entwicklung dieser kindlich-reinen. über Ereignisse Bescheid weiß.jeder Einzelne von uns für sich. und mit den Gegebenheiten unseres modernen Lebens bestens vertraut ist. kann ich nicht beurteilen. harmonischen Kulturformen fuhrt zu einer weiblichem Ausprägung der Kultur. warum sie dann keine Lehre schreibt. Schwieriger war es da schon. 8 . Daher ergibt sich folgende Kette der Identifikation: Anastasia = Tara = Buddha = Maitreya. zu dem Schluss. mit dem sie Menschen aus der Ferne heilt. die tausend Jahre zurückliegen. hat sich in seinen Werken mit den Aussagen und Handlungen Anastasias befasst und kommt zu folgendem Schluss: «Das schöpferische Potential Anastasias ist eine allgemeine und nicht etwa eine rein individuelle Gottesgabe.Ist es etwas Besonderes.

der einmal von einem Menschen oder dem Schöpfer hervorgebracht wurde. Und heute kann sich jeder Mensch einen beliebigen Gedanken zunutze machen. wo die lichten Gedanken wohnen. Letztlich wird er damit sich selbst und andere quälen.» «Und warum tun das dann nicht alle?» «Alle tun das. so erfüllt er den lichten Raum und steht auf der Seite der lichten Mächte. die für deren Mittelpunkt. Seine Gedanken leben noch heute und umgeben uns auf unsichtbare Weise. muss man ihre Reinheit des Wollens besitzen und in ihrer Geschwindigkeit denken können. dem dunklen Bereich schöpfen. so wird er Gedanken aus dem gegensätzlichen. das ist alles? Kann man auch die Gedanken des Schöpfers erkennen?» «Dazu muss man die Ihm eigene Reinheit des Wollens und die Geschwindigkeit Seines Denkens erreichen. muss man einfach nur denken können.» «Also muss man einfach nur denken können. Kein vom Menschen erzeugter Gedanke löst sich einfach in nichts auf. das erste Wort gehörte dem Schöpfer. ist der Gedanke aber dunkel. Und wie jeder Vater konnte Er Seinem Kind nicht weniger wünschen. sie erfüllen den Weltraum und kommen in der materiellen und lebendigen Schöpfung zum Ausdruck. Ist es ein lichter Gedanke. dir Situationen aus einer Zeit vor tausend Jahren zu vergegenwärtigen und zu schildern und sogar die Gedanken großer Persönlichkeiten der Vergangenheit zu lesen?» Darauf antwortete sie: «Der erste Gedanke. Um einen Gedanken zu nutzen. nur in unterschiedlichem Maße.Einmal fragte ich sie: «Anastasia. Er gab ihm alles. so wendet er sich zur Seite der dunklen Mächte. Der Mensch kann selbst zum Schöpfer werden und die Welt durch die Kraft seiner Gedanken vervollkommnen. um mit der Dimension der lichten Mächte zu kommunizieren. Um die Gedanken der Erleuchteten zu erkennen. der Dimension. Hat ein Mensch nicht genügend Reinheit des Wollens. geschaffen wurde. wie schaffst du es. Und darüber hinaus gab Er ihm auch die Freiheit der Wahl. als Er selbst hatte. den Menschen. Aber aufgrund der täglichen Hektik sind nicht alle Menschen dazu fähig. Der Mensch ist das Kind des Schöpfers.» 9 .

Alles Übrige sind verschiedene Formen des Absoluten. ob A. eine Art miteinander verwobener Struktur darstellt. die weit jenseits unseres Vorstellungsvermögens liegen. Auf einer bestimmten Entwicklungsstufe des Menschen war der esoterische Pfad verloren gegangen. Erkenntnisse durch Beweise. Intuitiv gebe ich denjenigen Recht. der das gesamte beobachtbare All (mit einem Radius von etwa 15 Milliarden Kilometern) ausfüllt und der aus Elementen mit einem Volumen von je 10-33 cm3 besteht. im Zustand der Meditation. Auf diesem Pfad erlangten wir in den letzten tausend Jahren ein Niveau des Wissens. und ein anderer. zu erlangen. es gebe ein solches «Allgehirn» in der Form eines gigantischen Elektronenrechners.» 10 . direkt oder indirekt auf die obigen Aussagen Anastasias kommentierte . Experimente usw. Darüber hinaus gibt es nichts weiter in dieser Welt. Und berücksichtigt man dabei. wo Erkenntnisse von außen empfangen werden. Esoterische Erkenntnisse werden nicht ermittelt. Akimow. die auf der Feldebene das gesamte All durchdringt. das im Osten bereits vor dreitausend Jahren erreicht war. dann wird klar: «Schellings Erscheinungsformen des Absoluten oder das Shunyata der alten vedischen Literatur sind nichts anderes als dieser Superrechner. dass dieses Gehirn nicht nach dem Prinzip eines Elektronenrechners. sie werden dem Menschen gegeben. E.jedenfalls schrieb er im Artikel «Physik erkennt übergeordneten Verstand an» (erschienen im Magazin Wunder und Abenteuer) Folgendes: «Schon immer hat es zwei Pfade zur Erkenntnis der Natur gegeben: Der eine wird vertreten durch die westliche Wissenschaft und ihre Methode. den anderen sieht man in der Wissenschaft des Ostens. sondern dem von Torsionsfeldern funktioniert. überaus komplizierter und langsamer Pfad entwickelte sich. Direktor des Internationalen Instituts für theoretische und angewandte Physik der Akademie der Naturwissenschaften Russlands. In seinem Buch Die Gesamtheit der Technologien (Kapitel «Das Weltall als Supercomputer») äußert Stanislaw Lern den Gedanken. Ein solches Gehirn hat natürlich phantastische Möglichkeiten. dass die Materie. auf esoterischem Wege. Stellen Sie sich mal einen Computer vor. die behaupten.Ich weiß nicht.

haben die Wissenschaftler Folgendes zu sagen.Und über den Strahl. und auch die kosmische Datenbank. ist ihnen ein Begriff. Immerhin habe ich so viel verstanden. dass dies allein durch Arbeit. Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Dixon und Simferopol. Weiterhin musste ich eine Erklärung parat haben. wie es mir. Wlail Kasnatschejew. Wir haben es hier mit einem uns bisher unbekannten Phänomen zu tun. wohingegen die moderne Wissenschaft in diesem Zusammenhang von einem Supercomputer spricht. veröffentlicht in der Zeitschrift Wunder und Abenteuer vom 3. schreibt in seinem Beitrag «Lebendige Strahlen und lebendiges Feld». Die Fakten weisen daraufhin. sie zu verstehen. Auch im Tjumensk-Dreieck wurden ähnliche Versuche durchgeführt. indem er den Ausschlag des Geräts bewusst verändert. in der alle von den Menschen je hervorgebrachten Gedanken enthalten sind. Dabei hat sich gezeigt. Dr. der ich nie schriftstellerisch tätig gewesen war und keine diesbezüg11 . Bei uns in Nowosibirsk laufen gerade Versuche zur Herstellung einer solchen Fernverbindung mit Norilsk. Allein das Lesen dieser Artikel bereitet große Mühe. dass die Verbindung zwischen einem Gerät und dem Operator Mensch sicher und präzise hergestellt werden kann. durch Explosionen oder durch technologische Werke geschehen kann? Nein. nämlich mit der Wechselwirkung von lebender Materie und Maschinen über große Entfernungen hinweg. etwas Gedankliches den Planeten Erde in eine neue Evolutionsphase überfuhren? Wie soll das gehen? Oder glaubt man gar. ganz zu schweigen davon. so einfach ist das nicht zu erklären.1996: «Wernadski erhob wohl zu Recht die Frage: Wie kann etwas Ideelles. der aus der Ferne wirkt.5. dass ein Mensch die Anzeigen elektronischer Geräte aus der Ferne beeinflussen kann.» Leider wimmelt es in diesen wissenschaftlichen Beiträgen nur so von schwierigen Fachbegriffen und Hinweisen auf die Werke anderer Autoren. und zwar in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Forschungszentrum in Florida. dass die Wissenschaftler über die Möglichkeit der menschlichen Telekommunikation Bescheid wissen. deren sich Anastasia bedient. Nur nennt sie dieses Phänomen die «Dimension der lichten Mächte».

sie kann sie modellieren und zur Realität werden lassen. In einem von 12 . Anastasia sagt nicht die Zukunft voraus. dachte ich mir. «nichts weiter als Worte! Was man nicht alles so daherredet!» Und ich hatte diesen Worten keine besondere Bedeutung beigemessen. dass das allein ihr Verdienst ist. verwirklichen sollte. Dann aber sollte man erklären können. aufgeschrieben habe. ein Buch zu schreiben.liehen Fachkenntnisse besaß. Das Unglaubliche geschieht tatsächlich! Anastasias Worte erfüllen sich mit erstaunlicher Sicherheit. und die Annahme liegt nahe. was sie gesagt hatte. Man denke da an mein erstes Buch. Dann entstanden in verschiedenen Städten «Anastasia-Häuser». Poeten Gedichte über mich schreiben. wissenschaftliche und spirituelle Bücher zu lesen und Fragen an Fachleute zu stellen. Natürlich könnte man der Einfachheit halber vermuten.» Anastasias Großvater hatte auf meine Frage: «Kann sie etwa die Zukunft voraussehen?» geantwortet: «Wladimir. dem bisher weder ich noch meine Helfer auf die Spur gekommen sind. an die Worte Anastasias vor zwei Jahren: «Maler werden mich darstellen. Doch selbst dann gäbe es noch ein Rätsel. Denn ich konnte mir damals nicht einmal vorstellen. und man wird einen Film über mich drehen. dass ich etwas Talent zum Schreiben habe und so die interessanten Informationen. wie sie die schöpferischen Fähigkeiten anderer Menschen zu beeinflussen vermag. Und das ist bislang niemandem gelungen. die ich von ihr erhielt. wie genau sich alles. sondern sie sinnbildlich aufgefasst. Zuerst gab es eine regelrechte Flut von Gedichten. Du wirst all das erleben und dann an mich denken. das die Menschen so sehr bewegt. Du wirst ein Buch schreiben. das von vielen Menschen gelesen wird und eine wohltuende Wirkung auf sie hat. gelungen war.» «Worte!». Damit wäre doch eigentlich alles erklärt. Man brauchte keine Zeit mehr dafür zu verwenden.» Das Buch ist jetzt geschrieben. sagte Anastasia zu mir: «Ich werde dich zu einem Schriftsteller machen. Als ich in der Taiga war.

und die Umgebung schien mir wie verändert zu sein.ihnen. Ich fasste die Bilder und die Seiten mit den Gedichten an. Ich kam in das Haus. und zwar eine Darstellung von Anastasias Eltern. in der Stadt Gelendschik. die noch nicht einmal Moralpredigten hält oder Glaubenstraktate verfasst. Und was die Motive betrifft. betrachtete die Wand mit den vielen großen Bildern . Von verschiedenen Filmstudios kamen Angebote. das sich mit dem Phänomen Anastasia befasste. sondern mit den Fingerspitzen malt. die manchmal neben Anastasia erscheint. Ich sah das schon fast als selbstverständlich an. was da geschah. Anastasia hingegen. um sie sich anzusehen. Die meisten dieser Bilder sind verkauft. Ein Moskauer Forschungszentrum. Die Lehren jener Meister haben sich nämlich erst im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende spürbar auf das Leben der Menschen ausgewirkt. doch sie sind in der Ausstellung geblieben. die durch ihre religiösen Lehren sowie durch ihre philosophische und wissenschaftliche Suche weltbekannt sind.. hat so schnell Einfluss auf die Menschen gewonnen wie Anastasia. schaute mir Szenen aus dem Film an und versuchte zu verstehen. Das Gesicht ihrer Mutter zog mich eine ganze Weile in seinen Bann. einen Film über Anastasia zu drehen. weil immer mehr Leute kommen. Eines der Bilder hat mir die Malerin geschenkt. wurden Gemälde der Moskauer Künstlerin Alexandria Wasiljewni Sajenko zum Thema «Anastasia und Natur» ausgestellt. Später erfuhr ich. so waren auf einigen Bildern Themen aus dem zweiten. kam zu folgendem Schluss: «Keiner der großen geistigen Lehrer. direkt bis zu den menschlichen Gefühlen durchzudringen und emotionelle und schöpferische Schübe zu bewirken. noch unveröffentlichten Buch dargestellt — so zum Beispiel jene leuchtende Kugel.. dass die Künstlerin nicht mit einem Pinsel. Von vielen Bildern schauten mich die gütigen Augen Anastasias an. ist es in nur wenigen Tagen oder Monaten auf unerklärliche Weise gelungen. die sich dann in konkre13 .

an einem weit entlegenen Ort der Taiga zu leben und gleichzeitig gewissermaßen über unserem realen Lebensraum zu schweben? Wie manifestiert sie durch die Hände anderer Menschen all jene Schöpfungen. die dem Licht.ten Werken verschiedener Menschen manifestieren. sind schamlose Lügen 14 . Geld und Ehrentiteln! Sie aber tut alles zum Nutzen anderer. Spiritualität und das Streben nach Wahrheit beanspruchen. mehr über das Wesen Anastasias zu erfahren. die für sich historische Authentizität. Russland. Wie ein Frühlingsregen werden Gedichte und Lieder unsere Erde von dem angesammelten Schmutz reinwaschen».» «Was für eine Kraft verbirgt sich in ihrem Traum?» «Die Kraft eines Schöpfermenschen. Und was ist dabei herausgekommen? Für mich selbst bin ich nur zu einer unumstößlichen Schlussfolgerung gekommen: In vielen schlauen Büchern.» «Aber für seine Kreationen sollte man doch belohnt werden — in Form von Auszeichnungen. fragte ich ihn. dem Guten. Ihre innere Genugtuung und die aufrichtige Liebe eines einzigen Menschen sind für sie die höchsten Auszeichnungen». Ich versuchte. ohne etwas dafür zu wollen. Das Ergebnis können wir dann als Kunstwerke und als begeistertes Streben nach dem Lichten und Guten wahrnehmen. Diese Antworten habe ich bis heute noch nicht ganz verstanden. sagte Anastasias Großvater. mit denen sie mental in Kontakt steht. Die Antwort lautete: «Mit dem Elan ihrer eigenen Energie verbreitet sie Eingebung und Erleuchtung. und ich wollte Klarheit in meiner Beziehung zu ihr finden.» Wie gelingt es dieser Einsiedlerin. In nur eineinhalb Jahren verschlang ich mehr Bücher als in meinem gesamten vorherigen Leben. Warum?» «Sie ist eben selbstgenügsam. der Natur und der Liebe gewidmet sind? «Sie wird die Welt mit der hohen Poesie der Liebe überschütten. und die treibende Kraft dabei ist ihr Traum. «Aber wie wird sie das tun?». Folglich hörte ich mir verschiedene Meinungen über sie an und las eine Menge geistiger Literatur. hatte Anastasias Großvater gesagt.

der kaum lesen und schreiben konnte. als er nach der Einnahme von Zyankali. später wieder herausgefischt und schließlich verbrannt. Im Anschluss daran besuchte er den Morgengottesdienst. Dann ging er nach Hause. Bei seiner Ermordung waren alle Anwesenden äußert erstaunt. Im ersten Band über Anastasia zitierte ich einen Satz aus dem historischen Roman Bis zur äußersten Grenze von W. machte dieser seinen Feinden jedoch immer noch nicht den Gefallen zu sterben. wo er Tee trank und bis vierzehn Uhr Besucher empfing. Pikul.enthalten. als ob nichts geschehen wäre. Doch wie es das Schicksal so wollte. und alles ging wieder von vorn los. Ein normaler Mensch könnte einen solchen Tagesablauf nicht durchstehen. Zu diesem Schluss bin ich in Zusammenhang mit der Geschichte Grigori Rasputins gekommen. wo die sibirische Zeder wächst. mystische Grigori Rasputin. der alle durch seine unglaubliche Widerstandskraft erstaunte. erhielt ich andere Informationen. Von Kugeln durchlöchert. im Jahre 1907 aus einem entlegenen sibirischen Dorf. das ihm heimlich ins Glas geschüttet worden war. 15 . Der geheimnisumwitterte. Dann suchte er sich ein paar Damen aus und ging mit ihnen ins Dampfbad. In diesem Roman wird erzählt. den Tisch verlassen konnte und auf den Hof der Villa gelangte. Sein verwundeter Körper wurde von einer Brücke ins Wasser geworfen. die mich nachdenklich stimmten.» Wie viele andere hatte auch ich Grigori Rasputin aufgrund dieser und ähnlicher Aussagen immer für einen ausschweifenden Lebemann gehalten. Schließlich fuhr er in ein Restaurant außerhalb der Stadt. betete und blieb so bis acht Uhr morgens auf den Beinen. war im Land der Zedern aufgewachsen. Dann schoss Fürst Jussupow aus unmittelbarer Nähe auf den wankenden Rasputin. Mit seinen Wahrsagungen beeindruckte er die Zarenfamilie. verschaffte sich freien Zutritt zum Zarenhof und schlief mit zahlreichen vornehmen Damen. wie ein einfacher Bauer. einer Gegend. Zeitgenössische Journalisten beschrieben seine Bärenkräfte wie folgt: «Mit fünfzig Jahren konnte er mittags eine Sexorgie mit Zechgelage beginnen und bis vier Uhr nachts durchmachen. in die russische Hauptstadt kam.

andererseits als heiliger Mönch.. Nachdenklich geht man auf dem Deck hin und her. und das ohne jede Anstrengung! Das Meer ist weit. Wer kann die Vortrefflichkeit dieser leuchtenden Strahlen ermessen. und selbst für die größten Philosophen ist sie letztlich nicht erfassbar. In einem solchen Moment vergisst die Menschenseele die gesamte Menschheit. Im Herzen flammt ein Feuer der Wonne auf. Die menschliche Weisheit ist grenzenlos. wie still es wird . nicht einmal eine Vogelstimme ist zu vernehmen. schrieb über Grigori: «Heute ist der nie gefundene Körper des heiligen Mönches unversehrt aus dem Fluss aufgetaucht. eine Flut von Gedanken wird frei. wenn die Sonne im Meer versinkt und es mit ihren Strahlen erhellt. und die Seele liest im Buch der Weisheit des Lebens. man sieht nur noch den Glanz der Sonne. Es gibt noch einen anderen äußerst schönen Anblick. können wir uns am Retuschen der Wogen und an der Brandung erfreuen. die die Seele wärmen und liebkosen und ihr heilsamen Trost spenden? Die Sonne versinkt mit jeder Minute weiter hinter den Bergen. Die Strahlen der aufgehenden Sonne spiegeln sich glitzernd auf dem Wasser..Papst Johannes XXIII.. und das ist der Sonnenuntergang. und die Menschenseele trauert den wunderschön glitzernden Strahlen eine Zeit lang nach . Es dämmert. Welch unvergleichliche Schönheit! Das Meer erweckt uns aus dem Schlaf der Nichtigkeiten. Der Text hatte folgenden Wortlaut: «Wie leicht tröstet uns die See! Wenn wir morgens aufstehen. erinnert sich unwillkürlich an die Kindheit und dann wieder an die Hetze des Lebens und vergleicht die damalige Ruhe mit der heutigen Hast der eit- 16 . Was ist nun wahr und was falsch? Außerdem fiel mir ein Text aus Grigori Rasputins Notizen in die Hände.» Was hat das nun zu bedeuten? Einerseits wird er als schlimmer Wüstling beschrieben. Und seine heimlichen Söhne gehen zum Gebet in die Kirche. doch weiter noch ist der menschliche Geist. die er während seines Aufenthalts im Heiligen Land geschrieben hatte (ein Flüchtling aus der Sowjetunion namens Lobatschewski hatte sie nach Paris gebracht).. Oh.

. denn es ist krank. von Sibirien ist's weit. da findet man Pariser Mode adrett. Wüstlinge und kühne Herzensbrecher? Dass ich nicht lache. wie ich's mache. du sibirischer Russe namens Grigori Rasputin? Was ist wahr und was unwahr von alledem. Ein Paar Schuh hätten eh nicht gereicht.. aber dir. da war er zu Haus. Schlemmer. was über dich geschrieben wurde? Wie kann man diese Fragen klären? Worauf kann man sich bei Überlegungen zum Sinn des Daseins und seiner Bestimmung stützen? Mit Hilfe wessen und anhand welcher großen literarischen Werke kann man zwischen Wahrheit und Trug unterscheiden? Wo ist wahre Spiritualität und wo der bloße Anspruch auf Allwissenheit? Vielleicht soll man dabei auf das eigene Herz hören? Ich habe in meinem Leben bisher keine Gedichte geschrieben. Zu Mütterchen Russland. Die Herzen aber einzuschnür'n schafft nicht mal ein Korsett. die einem von Feinden auferlegt wurde.. Husaren — wilde Draufgänger und hartgesott'ne Zecher? Verfuhrer. denn der alte Herr Sollte noch leben ein paar Jahre mehr. mit dem man die Langeweile vertreiben könnte. Für Grigori Rasputin Im Lesen und Schreiben kannt' er sich kaum aus — sei's drum! Im Walde der Zedern. Man spricht leise mit sich selbst und wünscht sich jemanden. liebe Leut . Grigori Rasputin. allemal steck ich sie in den Sack! In Petersburg. will ich meine ersten eigenen Verse widmen. Zum Zaren ging ich.len Welt. Braucht dringend ein Schlückchen Wundertrank.fürwahr ein müdes Pack! Seht. Die noblen Damen werden schwach und fangen an zu zittern Beim Anblick des Sibiriers: kein Grund mehr zu verbittern. Na und? Barfuß — nun ja.» Wer warst du also.

Du konntest ihr bisher entgehn ob deiner Seele Kraft. und zwar mit dir! Mit Birkenruten schlug' ich dich. hör zu. drum rat ich dir: Geh! Nicht lange hältst du sie mehr auf. am Ende ist er dran. Da flüstert leis Sie ihm ins Ohr. das sag ich dir. schlingt gierig. armes Russland. sondern ich bleibe hier. sich gegenseitig mit Ruten zu bearbeiten. Wie sie noch keiner je gekannt auf dieser Erd hienieden. * Und triebe alle Unreinheit aus deinem Körper aus. ist's um dich geschehn.Einst ging er morgens zum Gebet — Zum Beichten jedoch nicht—. Drum.» Das Zeitenmonster geifert irr.» * In russischen Dampfbädern ist es Sitte. auf die Knie und schlucke Staub! Nur noch ganz kurz hältst du es durch. mit Fichtenzweigen auch. Auch Grischka** wird von ihm erwischt. Die Kugeln dringen in sein Herz. und spricht: «Geh! Rasend. was es kann. brüllend und gnadenlos: die Zeit rafft jeden dahin. Und dann.» «Ach. dann wirst du mir erliegen. und bald bist du verschieden. 18 . Sibirier. wie gerne würd' ich jetzt ins Bad. ich komm allein zurecht! Später magst du betrachten mich als deiner Wünsche Knecht. Ich bin Mutter Russland! Was macht mir das aus? Vorbei ist deine Zeit. geh ich nicht. das Monster fauchet laut: «Runter mit dir. Denn meine Macht ist grenzenlos. Geh du in deinen Zedernwald. Die Flut der Grausamkeit. sollst eine Straf du kriegen. So können mehr Unreinheiten aus den Poren austreten. Sie hätt' nur einen Wunsch. ** Kosename für Grigori. Doch bleibst du.

Doch seine Asche nahm der Wind des Frühlings. Männer. das wäre doch zu schade!» 19 . zu Füßen liegt mir die Welt! Nein? — Bitteschön. das ist dir klar? Einen Moment nur gib mir noch.die Macht gebe ich dir -. die du einst mit Müh gerettet hast. «Sag an». du Wurm. ist das nicht fein? Die gleichen Menschen. säße ich im Bade nur bei einem Kruge Wein. ein Dummkopf wirst du sein. Was für die Nachwelt von dir bleibt. ich werd dir alles nehmen. was soll's . Zum Heulen. «Wo ist dein Grab. mach dich darauf gefasst! Krieche. Ansehn und Respekt. die dir hier niemand zollt. Ich würd' es dir schon zeigen. ich bin ein Mann. so fliege doch empor zum Himmelszelt! Einen Moment nur lebst du noch. Auf Giftflaschen prangt dann dein Bild — haha.Ein Held bist du — jetzt vielleicht noch —. ich hoff. nein! Sibirier. Achtung. So präsentier doch ihnen sie . ertränkt. Im eignen Sarge dann verbrannt auf tugendlose Weise. ach. wo dein Gesicht. ist nur ein dunkler Schemen.heulen oder entlohnen? Auf. die unbeglichnen Rechnungen. du flehentlich mich an?» Erschossen wurde er. höret her. bete mich an. und noch heut Trägt er sie fort über das Land der Russen. versenkt unter dem Eise. die man dir schuldet hier! Ruhm. weit verstreut. armer Tor. o ehrenwerter Mann? Die längste Zeit hast du gelebt. dann mache ich es wahr!» «Ach. so nennst du mich — wisse. nicht? Das hättest sicher anders du gewollt!» Doch Grischka lächelte nur müd und spuckte blaue Bohnen: «Du dummer Satan. fuhr da die Dunkelheit ihn zähneknirschend an. wie war's mit einem frischen Bade? versäumet nicht den nächsten Tanz. Werden auf deine Seele spucken dann. Was bettelst also. niemals kriegtest du mich.

Auch Anastasia lebt in den Zedernwäldern und versucht. den Menschen Gutes zu tun und drohendes Unheil zu verhindern. Was für ein Los hat sie von unserer Gesellschaft zu erwarten? 20 . die Revolution zu verhindern. bestrebt.Grigori Rasputin ist aus den Zedernwäldern in das vorrevolutionäre Russland gekommen. doch er ist dabei umgekommen.

welche ihrer Fähigkeiten man zu ihrem eigenen Vorteil. die sich angesammelt haben. Ich musste versuchen. ist eine regelrechte Geldmaschine. ihr den Zweck und den Nutzen ihres Aufenthaltes in unserer Gesellschaft vor Augen zu führen. Oft werde ich gefragt: «Warum hast du Anastasia nicht aus der Taiga fortgebracht?» Genau das war in der Tat mein Wunsch gewesen. Jetzt aber.2 Die Geldmaschine In den ersten Tagen meiner Bekanntschaft mit Anastasia war sie für mich eine Einsiedlerin mit einer sehr eigentümlichen Weltanschauung. Ich bemühte mich. Dabei braucht sie keine Diagnose zu stellen . und nach ihren Eingriffen in unser Leben sehe ich in ihr etwas Außergewöhnliches. Sie konzentrierte sich völlig.ohne zu 21 . graublauen Augen an . sah mich unverwandt mit ihren gütigen. ohne den Körper auch nur zu berühren. Also überlegte ich. nachdem ich so viel über sie gehört und gelesen habe. zum Nutzen der Menschen und zum Gewinn meiner Firma verwenden könnte. der zunehmenden Flut von Informationen und Schlussfolgerungen zu widerstehen und die Klarheit der ersten Eindrücke wieder herzustellen. mir war aber klar. die Menschen von allen möglichen Krankheiten zu heilen. dass ich sie unmöglich dazu zwingen konnte.sie treibt einfach alle Krankheiten aus. Mir schwirrte allmählich der Kopf. Ich habe das am eigenen Leib erfahren. so wie sie vor mir stand. Dank ihrer Fähigkeiten ist sie problemlos in der Lage. Und plötzlich kam mir eine Idee: Meine Anastasia.

Monate oder sogar Jahre hinziehen.000 Rubel* nimmt (manche Heiler verlangen mehr). Die Behandlung kann sich über Wochen. 22 . Aber die Grenzen sind nach oben hin offen. die bis zu 30 Millionen Rubel** kosten können. Mir ist da eine Idee gekommen. Es gibt Operationen. Du weißt auch so sehr viel. meine Füße begannen zu schwitzen. und das alles wegen einer einzigen Krankheit. Anastasia. In meinem Kopf schien ein guter geschäftlicher Plan heranzureifen. Alle im Folgenden in Klammern angegebenen Dollar-Beträge wurden nach diesem Verhältnis errechnet. wenn man bedenkt. antwortete Anastasia. und mit dem Schweiß traten alle Toxine aus meinem Körper. um gesund zu werden.» «Wie viel Zeit brauchst du. Wenn ein Arzt nicht helfen kann. dann verdient sie in einer Stunde eine Million Rubel. Ich wollte ein paar Details klären und fragte daher Anastasia: «Du kannst also jede beliebige Erkrankung aus dem Körper austreiben?» «Ja». dann zu einem Heiler oder einem Bioenergietherapeuten.» «Zehn Minuten sind gar nichts! Manche Leute brauchen Jahre. ** Ungefähr 6000 US-Dollar. Ich habe nachgerechnet: Selbst wenn sie für einen Patienten fünfzehn Minuten braucht und dafür 250.» «Macht nichts. Die Leute zahlen so viel Geld für Medikamente und Operationen.» «Zehn Minuten sind eine Menge. «ich glaube. gehen sie zu einem anderen. Das Denken kann ruhig warten. schon. bei Anastasia hingegen dauert das Ganze nur ein paar Minuten. dass ich mich in dieser Zeit voll konzentrieren und mein Denken abschalten muss. um einen Kranken zu heilen?» «Manchmal dauert es sehr lange.blinzeln. Durch diesen Blick wurde mein ganzer Körper erwärmt.» «Wie lange?» «Einmal hat es über zehn Minuten gedauert.» «Was für eine Idee?» * Entsprach damals (1994) etwa 50 US-Dollar.

mit den Patienten zu sprechen und sie aufzumuntern. Ich mache Werbung.. Arzte und Wissenschaftler wissen von ihr oder kennen ihre wohltuende Wirkung.» «Und wenn jemand nicht genug Geld hat.» «Doch. Wir gehen in eine Großstadt.» «Warum beschäftigt sich dann niemand damit. diese Heilmethode weiter zu entwickeln. wird er schneller genesen. und man bedankt sich noch nicht einmal bei dir..» «Sie wissen aber gar nicht. mit mehr oder weniger 23 . Verstehst du die Art und Weise. Behandelt man ihn aber liebevoll. Seminare besuchen und Erfahrungen austauschen. wie dein Strahl funktioniert und welche Mechanismen dabei wirken?» «Ja.» «Was denn?» «Es macht mir Freude. Deinen Spaß sollst du ja haben — und gleichzeitig macht die Firma Gewinn. Auch in eurer Welt ist diese Methode bekannt. In Krankenhäusern bemüht man sich. treibt mein Strahl ihre Krankheiten aus.» «Aber ich heile doch bereits Menschen. und wir werden ein schönes Einkommen haben. Du wirst Sekretäre haben und einen Manager. Du bekommst keinen Lohn. dass ein Patient in depressiver Stimmung schwer zu heilen ist.«Ich nehme dich mit. Nichts bekommst du für deine Arbeit. für die Behandlung zu zahlen?» «Was kümmert dich solcher Kleinkram? Du solltest dir um solche Dinge keine Gedanken machen. damit sich ihre Stimmung bessert. jedenfalls manchmal. Ich achte aber darauf. dich weiterbilden. und dort werde ich für dich eine ordentliche Praxis mieten.» «Kein Problem. das sie umgebende Pflanzenreich besser zu verstehen. Die Medikamente helfen dann kaum. bis sie so funktioniert wie bei dir?» «Viele Wissenschaftler beschäftigen sich damit. Du sollst dich nur um die Heilung der Patienten kümmern. dass nicht alle . Die Ärzte haben längst bemerkt. und du wirst Kranke heilen. Auch bestimmte Volksheiler wenden diese Methode an. dass du das machst. Wenn ich durch meine Geistarbeit den Kleingärtnern helfe. So tust du den Menschen Gutes.

und du wirst sie zu einem bestimmten Zeitpunkt heilen.. Eifersucht. bist du einverstanden. geschaffen von seinen Eltern. um Menschen zu heilen?» «Wladimir. Nichts verleiht dem Menschen so viel Kraft wie die Heimat und ein Umfeld der Liebe. Das sollst du auch bekommen. und noch ein paar andere mehr. Ärger. kann ich meine Bestimmung erfüllen. und was haben sie damit zu tun?» «Verderbliche Gefühle sind Zorn. Hass. Sie werden zahlen.» «Na gut.nur nicht auf diese Weise. denn ich 24 . Ich kann den Menschen auch von hier aus helfen und sie aus der Ferne von ihren physischen Gebrechen befreien — mit Hilfe meines Strahls. Es wirkt am stärksten. dann heile eben aus der Ferne.» «Na gut. Einverstanden?» «Wladimir. In der Bibel ist viel von der Liebe die Rede.» «Warum wirkt es bei den Ärzten und Heilern so schwach und bei dir so problemlos und so stark?» «Weil sie in eurer Welt leben. denn dieses Gefühl hat eine sehr wohltuende Wirkung auf die Menschen. mein Zuhause und meine Heimat sind hier. Sie alle rauben dem Menschen die Kraft. wohin diejenigen kommen sollen.» «Und du.» «Was sind das für verderbliche Gefühle.Erfolg. Jesus Christus und die Heiligen haben ebenfalls so geheilt. wie der Effekt erzielt wird. viel Geld zu haben. du hast den Wunsch. Neid . Wir können ja einen Ort vereinbaren. anders geht es nicht. Eigentlich kommt es aber nicht darauf an. Anastasia. wenn du nicht mitkommen willst. ich weiß. Ich aber werde das lieber unentgeltlich tun. und ich werde dir dabei helfen .. Anastasia. sondern auf das Ergebnis und den Nutzen. ärgerst du dich selten?» «Ich ärgere mich nie. die geheilt werden wollen. den man daraus ziehen kann. Sag. Außerdem kann ich nicht alle nacheinander behandeln. Wir werden einen Zeitplan aufstellen. mit mir zu fahren. Nur wenn ich hier bleibe. und wie alle in eurer Welt sind auch sie verderblichen Gefühlen unterworfen. In eurer Welt wird die Behandlung bezahlt.

in welchen Fällen die Heilung von Nutzen ist und in welchen sie schadet.weiß nicht. Es ist immer gut. Was soll das?» 25 . du philosophierst zu viel. und du kommst mir mit Beispielen daher. und auch darin wird das Heilen nicht getadelt.» «Welch seltsame Philosophie ihr doch habt! Ich schlage dir ein gemeinsames Geschäft vor. Schlag dir diese Zweifel ein für allemal aus dem Kopf. sie könnte dir schaden?» «Nein. Großvater hat mir an einem Beispiel gezeigt.. Die Ärzte werden in unserer Gesellschaft seit jeher geachtet. Du verweist doch so oft auf die Bibel. obwohl sie nicht unentgeltlich arbeiten. ich habe das selbst erlebt. nein. Wladimir. einen Menschen zu heilen. Deshalb haben sich deine Vorstellungen von gut und schlecht ins Gegenteil verkehrt. Die Heilung physischer Krankheiten schadet oft dem Geheilten selbst. wenn sie nicht gut durchdacht ist und wenn der Kranke nicht am Heilungsprozess beteiligt ist. welchen Schaden eine Heilung anrichten kann.» «Anastasia..» «Sieh mal.» «Blödsinn! Wie kann Heilung jemandem schaden? Oder meinst du.

Sie war rüstig. die bei euch teuer sind. Sie lebte von diesem Traum. dass er einmal Kunstmaler wird. die dort gediehen. Es fiel ihr schwer. weil sie alles mit Liebe tat. dass die Alte die Ernte in einem Körbchen zu belebten Orten brachte. sich bei der Arbeit im Garten zu bücken. Sie hatte ihn spät geboren und war unverheiratet geblieben. Sie brauchte das Geld. Sie liebte ihn über alles und träumte davon.3 Geheilt . schlank und immer guten Mutes und erregte sogleich meine Aufmerksamkeit. Die Verwandten wollten nichts von ihr wissen. Dann beobachtete ich sie eine Zeit lang nicht mehr. Sie machte Gemüse aus ihrem Garten ein und gab ihm alle Einweckgläser mit. aß sie kaum selber etwas. und für seine Ankunft sparte sie immer Geld und Lebensmittel. Der Sohn konnte als Kind gut malen. Endlich wurde er aufgenommen. Dann sah ich. aber es gab eine Menge Pflanzen. um sie zu verkaufen. dass er ein guter Maler wird. war sie sehr krank. um ihrem Sohn zu helfen. sondern verkaufte sie. Die Alte war herzensgut und lebensfroh. Als ich sie das nächste Mal sah.aber um welchen Preis! «Einmal sah ich mit meinem Strahl eine alte. Von den ersten Früchten. Er bewarb sich an verschiedenen Hochschulen. die in ihrem Garten arbeitete. einsame Frau. und es war seither ihr Traum gewesen. Zweimal im Jahr besuchte er seine alte Mutter. Ihr Garten war sehr klein. Jedes Mal durchfuhr sie dabei ein heftiger Schmerz. Doch sie erwies sich als sehr erfinde26 . Für sie war das jedes Mal eine Riesenfreude.

und ihrer Seele sollst du etwas angetan haben? Meinte er das so?» Anastasia seufzte und fuhr fort: «Die Alte starb nicht. Später kam Großvater. was es mit dem Widerstand gegen den Strahl auf sich hatte. ich hätte etwas Schlechtes getan. Sie legte lange. dass sie trotz ihres engen Kontaktes mit den Pflanzen ihres Gartens so krank wurde. indem sie sich auf der Sitzfläche eines ausgedienten Schemels zwischen den Beeten langsam vorwärts bewegte. . Ich dachte. und das zu Recht. denn das Gemüse gedieh prächtig.>» « .risch. Maler zu werden. er habe das Studium aufgegeben. schmale Beete an und jätete Unkraut. dass sie bald sterben musste. Ich erzählte ihm von der Alten und fragte ihn. . ihr zu helfen. Aber vor ihrem Tod wollte sie noch die Ernte einbringen und Wintervorräte für ihren Sohn anlegen. Die Pflanzen spürten die Anwesenheit der Alten und reagierten entsprechend. Sie wurde wieder gesund. und etwas enttäuscht bat ich Großvater. es läge vielleicht daran. mir das zu erklären. Ich bemerkte einen Widerstand gegen den Strahl. wie es angehen konnte. Er überlegte eine Weile und sagte schließlich. Er blieb nur für zwei Tage und teilte ihr mit. begann ich sie mit meinem Strahl zu erwärmen und die Krankheiten aus ihrem Körper auszutreiben. Er schwieg. Sie freute sich auf ihre Ernte. und als sie sich einmal schlafen gelegt hatte. Dann kam der Sohn zu Besuch — etwas früher als gewöhnlich. Damit hatte ich nicht gerechnet. Stattdessen verkaufte sie sie und erwarb sich von dem Erlös billige Ware. So dauerte es mehr als zehn Minuten. Ich habe mir damals nicht überlegt. machte aber weiter. Er habe geheiratet und gehe jetzt einer anderen Beschäf27 . da er keinen Wunsch mehr habe.. dass sie kaum etwas von den Früchten selber aß.. hatte sie sich im Voraus einen Sarg und einen Kranz besorgt sowie alle anderen Vorbereitungen für ihre eigene Beerdigung selbst getroffen. Dabei zog sie einen Korb an einer Schnur hinter sich her. Die Alte wusste. dann sagte er: <Ihren Körper hast du geheilt. bis ich mein Ziel erreichte und sie geheilt war. Ich beschloss also. und um ihren Sohn vor Schwierigkeiten zu bewahren.

ja ich fühlte die furchtbare Leere und die Ausdruckslosigkeit in ihrer Seele. Von nun an werde er genügend Geld haben. So fuhr er fort. Hätte ich ihren Körper nicht geheilt. Zwei Wochen später starb sie. aber kein Leben mehr darin. Trauer und Resignation standen in ihren Augen. <Sorge dich lieber um deine eigene Ernährung. Ich sah. So aber war sie noch zu Lebzeiten tot. denn der Transport sei teurer geworden. Stell dir vor: ein gesunder Körper.Leere. Die Alte saß am nächsten Morgen vor dem Haus und sah sich ihr Gärtlein an . ohne etwas mitzunehmen. wäre die Alte rechtzeitig gestorben.tigung nach.» 28 . Sie solle künftig keine Einmachgläser mehr für ihn vorbereiten. Mutter>. sagte er. und das war viel schlimmer als der physische Tod. mit einem schönen Traum und voller Zuversicht.

mit dem Menschen kommuniziert. Krankheiten können nämlich auch als Warnzeichen dienen oder den Menschen sogar vor großen Qualen bewahren. ob so etwas möglich ist. kranke Menschen zu heilen? Sollte man ihnen nicht helfen?» «Helfen schon. und man kann sich dabei auch täuschen. Du aber schluckst einfach Schmerztabletten und bleibst stur deinen alten Wegen treu. die Ursachen der Krankheit zu erkennen. Man sollte den Menschen helfen zu verstehen. Ich wollte herausfinden.» «Willst du damit sagen. aber damals war ich noch außerstande. was der Große Göttliche Geist ihnen mitteilen will. an deinen Verstand zu appellieren. die er in sich aufkommen lässt.4 Ein vertrauliches Gespräch «Mir war klar. Die Krankheit ist eine der Arten. die Seele zu heilen. wie man das tun kann. Der Schmerz eines Menschen ist auch Sein Schmerz. dass eine physische Krankheit nichts ist im Vergleich zu seelischen Qualen. Wie sonst sollte Er sich dir mitteilen? Wenn Er dir zum Beispiel sagen will: <Stopf dir den Magen nicht mit all dem Abfall voll!>. wie der Kosmische Geist . Denn der Schmerz ist wie ein vertrauliches Gespräch 29 . Deshalb wirst du halt durch Schmerzen wach gerufen. Aber das ist nicht leicht. und wenn ja.Gott . man sollte nicht versuchen. doch die Hilfe sollte in erster Linie darin bestehen. so hilft es nichts. Jetzt weiß ich: Es ist möglich! Und noch etwas erkannte ich: Physische Erkrankungen entstehen beim Menschen nicht nur durch die Trennung von der Natur und die dunklen Gefühle.

dann erzähl mal!» «Es gibt da ein paar Hauptursachen für das Erkranken des menschlichen Körpers: negative Gefühle und Emotionen. mit ihren heilerischen Fähigkeiten Geld zu verdienen. Ich habe dir bereits gesagt. Die Einmischung eines Dritten hilft da nicht. Also gut. oft schadet sie sogar dem betreffenden Menschen.zweier Personen. Wenn du wirklich den Menschen und dir selbst helfen willst und nicht bloß am Geld interessiert bist. Wladimir. wie man in eurer Welt den verloren gegangenen Kontakt zu den Pflanzen wiederherstellen kann. All diese Dinge können sowohl in physischer als auch in seelischer Hinsicht Enormes bewirken. sie selbst wäre davon überzeugt. im Gegenteil.» Mir wurde klar: Es war unmöglich. Durch 30 . Du musst einige deiner Gewohnheiten aufgeben. es sei denn. werde ich dir verraten. Falls du dir das anhören möchtest. Anastasia dazu zu bringen. sind positive Gefühle.ohne die unerwünschten Folgen.und Fernzielen sowie falsche Vorstellungen von sich selbst und der eigenen Bestimmung.. eine unnatürliche Ernährungsweise — auch die Art und Zusammensetzung der Nahrung spielt dabei eine wichtige Rolle —. das Fehlen von Nah.. Mein geschäftlicher Plan war jedenfalls gescheitert. wenn du deine Lebensweise und die Beziehung zu deinen Mitmenschen und deiner Umwelt nicht änderst. wie man sich selbst von vielen Krankheiten befreien kann . die einander gut kennen. mit denen man bei der Einmischung von Unbefugten in das Schicksal eines Menschen rechnen muss.» «Wieso hast du denn meine Erkrankungen ausgetrieben? Hast du mir damit am Ende etwa geschadet?» «All deine Krankheiten werden zu dir zurückkommen. Deiner Seele habe ich keinen Schaden zugefügt.» «Was bleibt mir anderes übrig? Du lässt dich ja doch nicht umstimmen. denn gerade sie waren ja die Ursachen deiner Krankheiten. Anastasia bemerkte wohl meinen Verdruss darüber und sagte: «Sei nicht traurig. viele Pflanzen und das rechte Verständnis von sich selbst und der eigenen Bestimmung. Was den physischen Krankheiten entgegenwirkt.

Du kannst mit dem heutigen Tag beginnen und in deinen Erinnerungen zurück in die Vergangenheit schweifen.» «Ich wüsste gern. und wie man sie hervorrufen kann. Willst du es gleich ausprobieren? Ich helfe dir. Und jeder. Oder du gehst gedanklich zurück in deine Kindheit und gehst von da an vorwärts bis zum heutigen Tag.. Sie entstehen dann.zum Beispiel.» «Dann leg dich bitte aufs Gras und entspanne dich. indem du an etwas Gutes.» «Was heißt hier <positive Emotionen erwecken>? Wie soll man an etwas Gutes denken können.» «Gut. Mit Hilfe dieser Erinnerung kannst du die Seligkeit von damals verspüren. damit sie kommen. was soll er dann tun?» «Sofort etwas unternehmen. Außerdem kann man mit dem Strahl der Liebe viele Krankheiten seiner Nächsten heilen und sogar ihr Leben verlängern. wenn man Zahnschmerzen oder Magenweh hat?» «Reine.. ob auch ich solche Gefühle hatte und wie stark sie waren .» «Und wenn jemand nicht genügend reine. indem man um sie herum eine Atmosphäre der Liebe schafft. indem du deinen Mitmenschen etwas Gutes tust. Du kannst dich aber auch direkt an die angenehmsten 31 . Komm. kann mit ihrer Hilfe seine eigenen Schmerzen lindern und seinen Körper heilen. der positive Emotionen in sich zu erwecken weiß. lass es uns probieren. Lass also eine solche Situation entstehen. versuch es nur. Angenehmes aus deiner Vergangenheit denkst.» «Das kannst du mit Hilfe der Erinnerungen tun . wenn wir unseren Mitmenschen mit aufrichtiger Liebe begegnen. lichte Augenblicke des Lebens und positive Emotionen sind wie Schutzengel und können den Schmerz und die Krankheit überwinden. er vermag auf diese Weise sogar Gift zu widerstehen.den persönlichen und unmittelbaren Kontakt mit den Pflanzen wird jede weitere Erkenntnis leichter. lichte Augenblicke erlebt. Ansonsten kann dir dein Schutzengel nicht helfen.

Ich werde dir helfen. und sagte: <Ich würde lieber allein sein. Ich dachte. Wenn du beginnst. ihre Anwesenheit könnte mich in meiner Konzentration auf meine Erinnerung stören. wirst du mich vergessen. dich zu erinnern.» Ich legte mich also aufs Gras.Minuten deines Lebens und die damit verbundenen Empfindungen erinnern. dich schneller und deutlicher zu erinnern.>» «Ich werde ganz leise bleiben. Dann wirst du die Berührung meiner Hand auch nicht mehr spüren. Anastasia legte sich neben mich und ließ ihre Finger auf den meinen ruhen.» 32 .

was ich wollte. etwas zu erreichen oder zu bekommen. Immer wieder ließ ich die Erinnerungen aus meinem Leben vor meinem geistigen Auge wie einen Film hin und her spulen. Stattdessen erwachte in mir ein neuer Wunsch. Alle meine Erlebnisse waren von dem Streben geprägt. Eine unerklärliche Unruhe lastete mir auf der Seele. wo alle meinten. Zwar bekam ich meist. Unwillkürlich verglich ich diese Augenblicke der Seligkeit mit allem anderen. Ich sage «offenbart». als ich mit ein paar Dorfjungen im Sand spielte. sondern als Geschenke Anastasias. Meine Erinnerungen reichten bis zu einer Szene. wie sie sie mir offenbart hatte. Besonders in den letzten Jahren. Keines der Ereignisse aus meinem Leben rief solch positive Gefühle hervor. was ich erlebt hatte.5 Schutzengel. es ginge mir prima. wie ich sie an jenem Morgen nach der mit Anastasia verbrachten Nacht empfunden hatte. doch innere Zufriedenheit wollte sich nicht einstellen. konnte aber nichts dergleichen finden.all das kam mir nichtig und leer vor. Geschenke und Gratulationen . dann hielten sie an. wo bist du? Die Chronik meines Lebens führte mich zurück in meine Kindheit. fühlte ich mich mehr und mehr verwirrt. als sie die Rhythmen der uns umgebenden Natur auf den Rhythmus meines Herzens einstimmte (siehe das Kapitel «Wie im Paradies» in Band 1). 33 . Bankette. weil ich jene schönen Empfindungen nicht als meine eigenen erachte. oder solche Gefühle. Frauen. Neue Autos.

es von außen zu betrachten.. die mit der Arbeit am Schiff verbunden waren. Du hast soeben dein Leben Revue passieren lassen. wann hast du dich auch nur annähernd glücklich gefühlt?» «Es gab zwei solche Situationen. Es war das beste Passagierschiff der westsibirischen Flussschifffahrt . sodass ich nicht vollends glücklich war.. Doch obwohl es dir möglich war. lasteten dann alle auf dir. und ging zum ersten Mal an Deck. für längere Zeit ein Schiff zu pachten. nachdem du das Schiff betreten hattest?» «Sieh mal. Du hast dich nur an deine gewohnten Werte geklammert. Wladimir.» «Hat sich deine Freude gesteigert..Teils über mich selbst. hast du nichts Bedeutsames darin entdecken können.» «Künstlich geschaffene materielle Produkte und bestimmte Mechanismen zeichnen sich gerade dadurch aus. sonst würde die Sanitätsbehörde unsere Fahrt nicht genehmigen. Sag. Der Pachtvertrag war unterschrieben. Als ich an Deck ging. und sie sprach ruhig: «Dann musst du sie so schnell wie möglich entstehen lassen. begegnete ich dem Kapitän. und wir gingen in seine Kajüte. was?» «Zuerst solltest du erkennen. sprang ich auf und sagte: «Es gibt keine heilsamen Empfindungen im Leben der Menschen . Er sagte. Ich fuhr zur Anlegestelle. die Wasserrohre müssten dringend gereinigt werden. was wirklich Bedeutung und Sinn hat.<Michail Kalinin> hieß es. an der das prachtvolle Schiff lag.» «Ja. aber auch in ihnen störte mich etwas. und bei vielen anderen sicher auch nicht. was soll ich denn entstehen lassen? Sag mir.» Auch Anastasia erhob sich. teils über Anastasia verärgert.. Er sprach auch noch über andere Dinge . dass sie mehr Proble34 . Dort tranken wir ein Glas Sekt und unterhielten uns.» «Natürlich.zumindest bei mir nicht. Und es gab eine ganze Reihe von Problemen zu bewältigen. Anastasia. in unserem Leben gibt es viele verschiedene Probleme .» «Und die Sorgen und Probleme.» «Was waren das für Situationen?» «Zu Beginn der Perestroika gelang es mir.

Die Bar war sonst leer. und doch maßt du dir ein Urteil an. dass sie Probleme bereiten.» «Künstlich geschaffene Dinge haben keinen Einfluss auf die Liebe. Die Hilfe. mein Herz schlug freudig. Kerzenlicht. Als ich dann das Schiff bekam..» «Zum Beispiel?» «Sogar Liebe. sondern erwiderte meine Umarmung. es brächte nur Probleme!» «Und wie ging die Geschichte weiter. ist illusorisch. Kannst du dir vorstellen.» 35 . was sich dort auf dem Schiff zwischen dir und der Frau abgespielt hat?» «Also meinetwegen. aber dafür kann man mit ihrer Hilfe eine Menge erreichen. Selbst wenn dir alle Güter der Welt gehörten. und ich konnte sie anfassen und küssen. wie toll das war?! Ich und sie an einem Tisch in der Schiffbar.und da sagst du. dann küsste ich ihre Lippen. Mag sein. könntest du damit nicht die echte Liebe auch nur einer Frau gewinnen.» «Erinnere dich bitte trotzdem. Ihre Figur. und ich forderte sie zum Tanz auf. Ich war total in eine Frau verliebt.» «Du kennst unsere Frauen doch gar nicht. Sie aber wollte nicht gerne mit mir ausgehen oder mit mir allein sein. Dann ließ ich das Schiff ablegen. lud ich sie ein. um mit ihr allein zu sein. Ich zog sie an mich. Aber lass dir gesagt sein: Ich habe sie tatsächlich bekommen. und wir fuhren den Fluss entlang. dass sie repariert und gewartet werden müssen. Ich hatte extra niemand mit an Bord genommen. Sie war bei mir.und niemand dabei. Wladimir?» «Das spielt keine Rolle. In der Bar spielte Musik. Wladimir. mehrere Jahre lang..» «Ich sagte doch schon. das ist egal. ihre Brüste .» «Darf ich dir dann vielleicht erzählen. Sie wies mich nicht ab.» «Was hast du bekommen?» «Eben die Liebe — einfach so.me bringen als Freude. einfach umwerfend. Musik .» «Da bin ich anderer Meinung. Es hat keine Bedeutung. die sie den Menschen bieten. Sekt. Das alles hatte ich dem Schiff zu verdanken . herrlicher Wein. und sie sagte zu.

Und weißt du auch. Du wusstest nicht genau.» «Die Ereignisse der Gegenwart werden durch die Gefühle und seelischen Regungen der Vergangenheit vorbereitet. Und nur jene Regungen und Bemühungen der Seele spiegeln sich im irdischen Dasein wider. ein abwesendes. wo du einen seltsamen Gesichtsausdruck bei deiner Geliebten entdecktest. sondern ihm gehörte. Ihm ist es schließlich auch zu verdanken.«Du trankst eine Menge Alkohol . würde ich nicht mit Herrn Megre allein in dieser Schiffbar sitzen.» «Wie soll ich das verstehen?» «Unserer Begegnung können viele Bestrebungen deiner und meiner Seele. Dort schliefst du dir in einer kleinen Matrosenkajüte den Rausch aus . Und davon.so viel du nur konntest. was das zu bedeuten hatte. aber dieses Bäumchen und deine durch es entstandenen Gefühle hast du nicht beach36 . Auf keinen Fall aber hat dein Schiff etwas damit zu tun. dem sie ihr Herz geschenkt hatte. dass sie träumte: <Wie glücklich wäre ich. Trotz allem hat das Schiff für mich eine wichtige Rolle gespielt. entrücktes Lächeln. Ihr wart beide in den Händen der toten Materie. warum?» «Warum?» «Es gab einen Moment. aber instinktiv spürtest du. nur ihr Schwung und ihr Flügelschlag werden vom Spiegel des Firmaments reflektiert. sondern mit meinem Liebsten!> Deine Geliebte träumte von einem anderen. denn ihr hattet eure lebendigen Gefühle und all euer Streben an sie gebunden und damit getötet. Anastasia! Diese Erinnerungen sind mir unangenehm.fast vierundzwanzig Stunden hast du geschlafen. vielleicht auch die unserer entfernten oder nahen Vorfahren vorausgegangen sein — vielleicht auch bloß die Regung des Kirschbäumchens im Garten deines Landhauses. Nur sie beeinflussen die Zukunft. dass das Schiff nicht dir. du selbst aber stiegst hinab in den Laderaum.» «Hör auf. dass wir beide uns begegnet sind.» «Und mein Kirschbäumchen?» «Du hast mehrmals dein Leben durchgesehen. Dann gabst du ihr den Schlüssel zu deiner Luxuskajüte.

tet. Aber gerade sie sind innerhalb deiner vergangenen Lebensjahre von wesentlicher Bedeutung. Auf dein Schiff hat der Kosmos nicht reagiert. Überleg doch mal: Welche Bedeutung kann dieses primitive, ratternde Ungetüm, das weder denken noch sich selbst reparieren kann, für den Kosmos wohl haben? Das Kirschbäumchen hingegen, das kleine sibirische Kirschbäumchen, für das du nicht einmal einen Platz in deiner Erinnerung hast, brachte die Weiten des Weltalls in Erregung und veränderte den Lauf von Ereignissen, die nicht nur dich und mich betreffen. Denn es ist lebendig und wie alles Lebendige untrennbar mit dem Weltall verbunden.»

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Das Kirschbäumchen
«Wladimir, bitte erinnere dich an alles, was mit diesem Bäumchen zusammenhängt, angefangen vom ersten Moment deiner Berührung mit ihm.» «Ich will es versuchen, wenn es dir so wichtig ist.» «Ja, das ist es.» «Ich fuhr mit dem Auto - wohin, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls ließ ich den Fahrer beim Zentralmarkt anhalten und bat ihn, auszusteigen und Obst zu kaufen. Ich blieb im Auto sitzen und beobachtete, wie die Menschen alle möglichen Arten von Setzlingen vom Markt mitbrachten.» «Du sahst sie und wundertest dich. Worüber?» «Stell dir vor, sie hatten frohe, zufriedene Gesichter. Draußen regnete es, es war kalt, und sie schleppten Setzlinge, deren Wurzeln mit Tüchern umwickelt waren. Sie hatten ganz schön zu tragen, waren aber dennoch zufrieden. Und ich — ich saß im warmen Auto und fühlte mich mies. Als mein Fahrer zurückkehrte, ging ich auf den Markt. Ich ging von einem Verkaufsstand zum nächsten und kaufte schließlich drei junge Kirschbaumsetzlinge. Als ich sie in den Kofferraum legte, sagte der Fahrer, einer von ihnen werde nicht wachsen, weil seine Wurzeln zu stark gestutzt seien. Besser, ich würde ihn gleich wegwerfen. Ich behielt ihn jedoch, denn er war von besonders edlem Wuchs. Dann pflanzte ich die Setzlinge im Garten meines Landhauses. Für das Bäumchen mit den zu kurz abgeschnit38

tenen Wurzeln hob ich eine größere Setzgrube aus und gab mehr Humus, Torfkrumen und Dünger hinein.» «Mit deinem Versuch, ihm zu helfen, hast du noch zwei weitere Wurzeln des Bäumchens zerstört. Der Dünger hat sie verbrannt.» «Aber es hat überlebt! Im Frühling, als überall die ersten Knospen sprossen, erwachten seine Zweige zu neuem Leben und brachten kleine Blätter hervor. Später dann bin ich auf Geschäftsreise gegangen.» «Ja, aber zuvor bist du mehr als zwei Monate lang täglich zu deinem Landhaus gefahren und bist als erstes zu dem Kirschbäumchen gegangen. Manchmal hast du seine Zweige gestreichelt. Du freutest dich über seine Blätter und gabst ihm Wasser. Du triebst einen Pflock in die Erde und bandst seinen Stamm daran fest, damit der Wind dem Bäumchen nichts anhaben konnte. — Was denkst du, Wladimir, reagieren die Pflanzen auf das Verhältnis der Menschen zu ihnen? Spüren sie, ob es gut oder schlecht ist?» «Irgendwo habe ich gehört oder gelesen, dass Zimmerpflanzen und Blumen darauf reagieren. Sie können sogar verwelken, wenn derjenige, der sie pflegt, verreist. Auch weiß ich von wissenschaftlichen Experimenten, bei denen Pflanzen an Sensoren angeschlossen wurden. Die Zeiger der Geräte schlugen in die eine oder andere Richtung aus, je nachdem, ob sich ihnen ein Mensch mit aggressiven oder mit liebevollen Gefühlen näherte.» «Dir ist also bekannt, dass Pflanzen auf menschliche Gefühle reagieren. Und gemäß dem Plan des Großen Schöpfers bemühen sie sich, alles für die Lebenserhaltung des Menschen zu tun: Einige bringen Früchte hervor, andere erwecken mit ihren schönen Blumen freudige Gefühle, und wieder andere reichern die Atemluft mit Sauerstoff an, Die Pflanzen haben aber noch eine weitere, nicht minder wichtige Bestimmung. Jene Pflanzen, mit denen der Mensch einen Austausch pflegt, schaffen für ihn ein Umfeld wahrer Liebe. Ohne diese Liebe wäre das Leben auf Erden gar nicht möglich. Viele Kleingärtner zieht es zu ihrem Garten hin, weil sie dort dieses Umfeld vorfinden. Auch das sibirische Kirschbäumchen, das du
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gepflanzt hattest und für das du sorgtest, war bestrebt, dieser seiner Bestimmung zu folgen. Und wenn jemand sich um eine genügend große Vielfalt von Pflanzen kümmert und sie in Liebe berührt, können sie für ihn ein derart mächtiges Umfeld der Liebe schaffen, dass es die Seele positiv beeinflussen und den Körper heilen kann. Dazu müssen aber viele Pflanzen zusammen wirken. Du jedoch sorgtest nur für eine einzige Pflanze. Deshalb war das sibirische Kirschbäumchen bemüht, ganz allein das zu tun, wozu normalerweise nur etliche Pflanzen zusammen in der Lage sind. Sein Bestreben liegt in deiner besonderen Beziehung zu ihm begründet. Innerlich spürtest du, dass es außer diesem kleinen Kirschbaum niemand in deiner Umgebung gab, der nichts von dir wollte und dir nichts vormachte, sondern nur darauf bedacht war zu geben. Deshalb gingst du nach stressreichen Tagen ermüdet in deinen Garten, tratst vor das Kirschbäumchen und sahst es an, und das Bäumchen gab sich deinetwegen große Mühe. Bereits vor Sonnenaufgang suchten seine Blätter die Reflexion der ersten Sonnenstrahlen am Morgenhimmel zu erhäschen. Und nach Sonnenuntergang machte es sich sogar das Licht des Abendsterns zunutze. Und all das klappte ganz gut. Seine Wurzeln vermieden die ätzenden Düngemittel und waren in der Lage, dem Boden die nötigen Nährstoffe zu entnehmen. Der Saft der Erde floss etwas schneller durch seine Adern, als es gewöhnlich der Fall ist. Eines Tages entdecktest du kleine Blüten an seinen Zweigen. Die anderen Setzlinge hatten keine Blüten, dein Lieblingsbaum aber hatte welche. Du hast dich sehr darüber gefreut und warst guter Laune, und dann ... Erinnerst du dich, was du getan hast, als du die Blüten erblicktest, Wladimir?» «Ich habe mich tatsächlich darüber gefreut. Aus irgendeinem Grund war ich plötzlich guter Dinge, und ich habe seine Zweige gestreichelt.» «Ja, du hast seine Zweige zärtlich gestreichelt, und dann sagtest du: <Schau mal einer an, meine Schöne - du blühst ja!> Bäume, Wladimir, bringen nicht nur Früchte hervor, sie bilden auch einen Raum der Liebe. Das Kirschbäumchen hatte den sehnlichen Wunsch, dass.auch du von einer solchen Atmosphäre umgeben bist.
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ich habe noch einmal die Zweige des Bäumchens gestreichelt.» «Ja. und so ließt du die zwei übrigen hängen. Du hast dich gebückt und ein Blatt des Zweiges geküsst. Ich war einfach guter Laune.» «Ich hatte mich an den anderen Kirschen bereits satt gegessen. dass dieser Baum Früchte trug. Wladimir. Und dann . wie es war! Dann fuhrst du für lange Zeit auf Geschäftsreise. und nun erhielt es noch diese besondere Zuwendung von dir. Bei deinem Bäumchen angekommen. Dann nahmst du eine der Kirschen vom Baum und probiertest sie.Doch woher sollte es die Kraft nehmen. Es ließ sogar einen seiner Zweige vertrocknen. Wie dem auch sei. was es konnte. was du dann getan hast?» «Ich? Nun ja. jedenfalls freute ich mich darüber. dass es ebenfalls Früchte trug — drei rote Kirschen hingen daran.. die du auf dem Markt gekauft hattest..» «Ich habe das alles ja nicht gewusst. da du die von ihr hervorgebrachten Früchte noch nicht einmal angenommen hast? Was . Nach deiner Rückkehr gingst du sofort in deinen Garten.» «Nicht nur gestreichelt. Daher wollte es noch mehr für dich tun — allein.» «Ja. das freute dich. wenn du wüsstest. das habe ich. was es von dir bekommen hatte? Es hatte ja bereits alles gegeben..» «Ach. Dabei aßest du Kirschen. ? 41 . um nach dem Kirschbäumchen zu schauen. Sie war ein wenig saurer als die Marktkirschen.. sahst du. nur damit diese drei Früchte reifen konnten. dir all das zurückzugeben. Du standst also ermüdet vor dem Baum und spucktest die Kerne der auf dem Markt gekauften Kirschen aus. Außerdem war diese eine Kirsche wirklich saurer gewesen als die anderen. der auf deiner Handfläche lag. Du hast nur eine gegessen. weißt du noch. Was konnte sie noch für dich tun.» «Und mit der Kirsche ist etwas Unglaubliches geschehen. die anderen hast du nicht angerührt. wie viel Gutes. wie viel Energie und Liebe in diesen kleinen Früchten für dich enthalten war! Aus dem Innern der Erde und aus den Weiten des Kosmos hat das Kirschbäumchen alles für dich Nützliche gesammelt und diese drei Früchte damit versehen.

den Wunsch der Kirsche zu verwirklichen? Darf ich dich anstelle der Kirsche küssen?» 42 . und so schwirrte er kreuz und quer durchs Weltall und kam nicht zur Verwirklichung. Ihr feuriger Wunsch blieb unverändert. Würdest du mir aber jetzt erlauben. Die lichten Mächte wussten nicht.Sie erzitterte von dem Kuss eines Menschen. wer wem hilft: die Kirsche mir oder ich der Kirsche. Ich wusste aber nicht. Die lichten Mächte schickten den Gedanken an die Kirsche zurück. diesen Wunsch zu verwirklichen. Allein auf sich gestellt.» «Dein Verhältnis zu mir entstand also aus deinem Wunsch heraus. um ihr Anliegen zu verwirklichen. Die Wirklichkeit muss jeder für sich selbst wahrnehmen. Sie wünschte sich so sehr. bedeutete im Prinzip den Tod. auf wen sich dieser Wunsch bezog. weil ihre Gefühle. die all das zurückgeben wollte. Schwer zu sagen. Doch dieser Gedanke widersprach allen kosmischen Gesetzen. ihm ihren Liebeskuss zu schenken. Nun schwebte also der liebende Geist der Kirsche über dir. für dich einen Raum der Liebe zu schaffen. Bestrebungen und Gedanken ungewöhnlich rein waren. aber es waren die Gefühle und Gedanken der kleinen sibirischen Kirsche. was sie von dem Menschen erhalten hatte. Wladimir. wie sie sonst nur einem Menschen eigen sind. Ich kam auf euer Schiff. Die Erkenntnis der Unmöglichkeit. um zu versuchen. Den Tod erlitt sie aus dem Grunde nicht. was sie tun sollten. und in die lichten Weiten des Universums stiegen Gefühle und Gedanken auf. dem Kirschbäumchen zu helfen?» «Meine Beziehung zu dir. Aber sie nahm den Gedanken nicht an. war dieses Wesen bestrebt. denn der große Schöpfer ändert ja Seine Harmoniegesetze nicht. ist einzig und allein meine Beziehung. Die Kirsche aber blieb am Leben. der Kirsche bei der Verwirklichung ihres Wunsches behilflich zu sein. Alles im Weltall ist miteinander vernetzt. ihn mit ihren lichten Gefühlen der Liebe zu erwärmen. damit sie ihn in sich zerstören und selbst überleben konnte. und er war ungewöhnlich rein und ungestüm. und nach den kosmischen Gesetzen kann reine Liebe durch nichts zerstört werden.

Er rief eine mir unbekannte. Ein seltsamer Kuss war das . was sie sagt. 43 . dass du es spürst. Es wird dein Kuss sein. die ich mit ihr erlebte? Vielleicht kann ja die folgende Begebenheit. nur das Produkt ihrer Einbildungskraft? Doch wie wären dann die außerordentlich beglückenden. Und wenn ich nach Hause komme. Dieser Kuss war so anders als all die Küsse. berührte mit ihren Lippen meine Wange und hielt inne. Ich werde jetzt das tun.«Natürlich.» Dann legte Anastasia schnell ihre Hände auf meine Schultern. werde ich alle ihre Früchte essen.eine bloße Lippenberührung. was du immer tun wolltest. und ohne die Augen zu öffnen. an die ich mich erinnern konnte. näherte sie sich mir.» Anastasia schloss die Augen. was dabei im Innern des Menschen vorgeht. Sie legte die Hände an ihre Brüste und flüsterte: «Liebe Kirsche. Vielmehr kommt es darauf an. die ich selbst erlebte. etwas Licht in dieses Geheimnis bringen. und was hat es mit ihren starken Gefühlen auf sich? Oder ist all das. ungewöhnlich angenehme Empfindung in mir hervor. Was geht wohl im Innern dieser Taiga-Eremitin vor? Woher nimmt sie ihr enormes Wissen und ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten. bezaubernden und erwärmenden Emotionen in mir zu erklären. Beim Küssen spielt die Bewegung der Lippen. der Zunge oder des Körpers anscheinend gar keine Rolle. ich weiß.

Dabei gab sie leidenschaftlich und selbstvergessen bald ganze Worte von sich. schien sie mal mit der Zeder. dann trennte sich der Strahl plötzlich von der Zeder und schoss entweder in die Höhe oder löste sich auf. geschah Folgendes: Auf einmal wandte sich Anastasia der klingenden Zeder zu. von oben her auf die Zeder hinab gerichtet. aber in ihren Worten lag auch ein Flehen. Dann sprach Anastasia streng: «Antworte mir! Gib mir jetzt eine Erklärung! Gib sie mir!» Dabei schüttelte sie den Kopf und stampfte sogar mit dem Fuß auf. bald einzelne Laute. Hin und wieder nahm ihr Monolog einen fordernden Unterton an. mir etwas über ihre Lebensweise und ihren Glauben zu erklären. mal mit jemandem hoch oben zu sprechen. verdichtete sich zu einem Strahl. Von den nach unten gerichteten Nadeln der Zeder gingen ebensolche wolkigen. kaum sichtbaren Strahlen aus. Das blasse Leuchten.7 Wer ist schuld? Einmal. Sie kamen auf Ana44 . und nicht die richtigen Worte fand. das von der Krone der klingenden Zeder ausging. als Anastasia versuchte. legte die Hände an deren Stamm und verhielt sich auf mir unerklärliche Weise. wolkiger Konsistenz zu sein. Den Kopf nach oben gerichtet. Das knisternde Klingen der Zeder nahm zu. Sie schien etwas erklären oder beweisen zu wollen. Er leuchtete bläulich und schien von nebliger. Jedenfalls entstand sogleich ein neuer Strahl. und auch ihr Strahl wurde heller und stärker.

als schaute er durch mich hindurch. zuerst in einem Meter. die sich nur allmählich wieder verflüchtigte. und ihre winzigen Strahlen vereinten sich zu einem einzigen wolkigen Strahl. Es schien. Auch dieser Strahl richtete sich nach unten auf Anastasia. das etwas von seinen Eltern haben will. Anastasia wandte sich mir mit einem strahlenden Lächeln zu. Er kam auf mich zu. wie mit einem Blitzlicht. Er sah in meine Richtung. Da schoss plötzlich der Strahl auf sie zu und erleuchtete ihre ganze Gestalt. Ich drehte mich um und sah. Um Anastasia herum entstand eine Art Nebelwolke. der von der Zeder ausging. sondern verschwanden gleichsam. machte einen Schritt auf mich zu. Ein Schreck durchfuhr mich. dass er ein sehr einfacher. ob er mich überhaupt sah. denn mir fiel ein. blieb er stehen. Der Großvater wirkte etwas rastlos. wobei er teilweise in sie einzugehen schien. genauso wie die vielen kleinen Strahlen aus den Nadeln. er verneigte sich leicht. als ob er verdampfte. Voran schritt gemächlich der hoch gewachsene. herzensguter Mann von heiterem Gemüt war. Anastasias Urgroßvater stand schweigend da. aber sein ganzes Auftreten zeugte davon. erlosch. sondern verflüchtigte sich vorher. Ich war mir nicht einmal sicher. der ihm als Wanderstab diente. Bei mir angekommen. schüttelten sich die leuchtenden Nadeln. Anastasia ließ nicht ab von ihrem Bitten und Fordern — so stur wie ein verwöhntes Kind. Und als sie wieder ungeduldig mit dem Fuß aufstampfte und mit den Händen an den gewaltigen Stamm der klingenden Zeder schlug. berührten sie aber nicht. grauhaarige Urgroßvater. Der Strahl. und ging dann auf Anastasia zu.stasia zu. ohne mich zu grüßen oder auch nur ein Wort zu sagen. schüttelte mir freund45 . dann in einem halben Meter Abstand von Anastasia. Er stützte sich auf einen Stock. dass Anastasias Eltern wahrscheinlich genau durch solche Strahlen ums Leben gekommen waren. blieb unvermittelt stehen und blickte an mir vorbei. berührte sie aber nicht. Dann verzog sich der Nebel um Anastasia. wie ihr Großvater und ihr Urgroßvater die Lichtung betraten. aber es kam mir so vor. so als lösten sie sich in Luft auf.

Seiner Güte und Seiner Herrlichkeit zweifeln?» «Niemand kommt Ihm gleich. so.was.» «Haben Seine Söhne und dessen Nachfolger. ohne die Hilfe des uns gegebenen Lichts und Rhythmus in Anspruch zu nehmen?» «Jeder Mensch darf Ihn anrufen. Er möchte verstanden und geliebt werden. Ich habe gesehen. was den Menschen vorherbestimmt ist. wie auch Er selbst liebt. Dann wandten wir uns beide gespannt dem Geschehen bei der Zeder zu.» «Kann ein Sehender an Seiner Weisheit. samtweiche und deutliche Stimme des Urgroßvaters. Der Urgroßvater blieb ungefähr einen Meter vor Anastasia stehen. Ursprünglich hat Er selbst sehr gern mit den Menschen gesprochen. nicht genügend getan.» 46 . antwortete Anastasia schnell. ohne sich selbst zu schonen. weiß ich nicht mehr. Eine Zeit lang sahen sie sich schweigend an. diese Wege zu sehen?» «Ja. Ich habe den Zusammenhang zwischen dem Bewusstsein der heutigen Menschen und der Zukunft erkannt. In der gespannten Stille ertönte schließlich die tiefe. sondern stellte ihr eine ernste Frage. um die verkörperten Seelen zur Vernunft zu bringen?» «Sie haben alles getan und tun es auch jetzt noch. Er ist der Eine und Einzige. Er begrüßte Anastasia nicht. Nach wie vor verkünden sie den Menschen die Wahrheit. Und doch wünscht Er sich einen Austausch mit anderen. wobei er langsam und klar sprach und jedes Wort betonte: «Wer darf unmittelbar Ihn anrufen. Und auch jetzt will Er es». die sie kennen? Und bist du in der Lage.lich die Hand und begann etwas zu erzählen . Anastasia stand ehrfürchtig vor dem grauen Alten. die Hände brav an den Rocknähten. «Sind nicht alle Wege von Ihm vorherbestimmt? Gibt es viele auf der Erde. das etwas ausgefressen hatte. Sie mutete jetzt an wie eine Schülerin oder Abiturientin vor einem strengen Prüfungslehrer — oder wie ein schuldbewusstes Kind. die Seinen Geist geschaut haben.

Opi? Warum gehst du mit mir um wie mit einem kleinen Kind? Ich bin doch erwachsen!» Dann umarmte sie ihn. Der grauhaarige Alte kniete auf einem Bein. Eine Weile sah er Anastasia schweigend an.». 47 . Anastasia. die die Wahrheit nicht erkannt haben.. nahm Anastasias Hand. küsste ihre Hand und sprach: «Guten Tag.. Ich wusste. die von seinem grauen Bart bedeckt war.«Ist es zulässig.? Willst du damit sagen.» «Worum also bittest du Ihn?» «Ich möchte wissen: Wie kann ich die Unvernünftigen zur Vernunft bringen. dass . Und wenn ein kleiner Teil im Menschen. sprach der Urgroßvater erregt und schwieg. Seit ihrer Kindheit hatte sie eine Vorliebe dafür. nämlich Sein Teil. gerade Er. Und kann man Seine Überlegung eine Anmaßung nennen?» «Wem ist es erlaubt. den Gefühllosen Gefühle beibringen?» «Ist das Schicksal derjenigen. verneigte seinen grauen Kopf. so bedeutet das. Er überlegt. Wer aber trägt die Verantwortung für ihr Nichterkennen der Wahrheit: sie selbst oder diejenigen. den Lauf Seiner Überlegungen zu beschleunigen?» «Solche Erlaubnis kann nur der Erlaubende geben. ihr Schicksal ist vorherbestimmt. wobei er sich mit einer Hand auf seinen Stock stützte und mit der anderen Anastasias goldblonde Haare streichelte.» Anastasia fiel vor dem Urgroßvater schnell auf die Knie und sagte erstaunt und aufgeregt: «Was ist los mit dir.. nicht alles als vorherbestimmt akzeptiert hat. dass sie auf seinen Herzschlag lauschte. die die Wahrheit vermitteln?» «Was . dass Er. im Gespräch mit Ihm anmaßend zu sein und Ihm Forderungen zu stellen?» «Er hat jedem auf Erden einen kleinen Teil Seines Geistes und Seiner Intelligenz mitgegeben. und hielt inne. dann ließ er sich mit Hilfe seines Stocks langsam aufs Knie sinken. vorherbestimmt?» «Ja. lehnte ihren Kopf an seine Brust.. mit dem Lauf der Dinge nicht einverstanden ist.

Sie stellte sich erschrocken. dass es 48 .. dann fiel er plötzlich ebenfalls auf die Knie und umarmte die beiden . Er trippelte um sie herum. Dieser blickte Anastasia noch einmal aufmerksam an. der es jedoch nicht schaffte. drehte sich dann langsam um und ging. so laut. rief Anastasia und schlug die Hände über dem Kopf zusammen.Der Großvater wurde jetzt unruhig und eilte zu seinem knienden Vater und seiner Enkelin. die Rute schwenkend. Dann half er seinem Vater auf. und mit den Worten: «Dir werd ich helfen!» eilte er. Anastasia drehte sich schnell um und machte eine besorgte Miene. auf Anastasia zu.» Damit drehte sich der graue Alte wieder um und verließ gemessenen Schrittes die Lichtung. dicht gefolgt von dem Großvater. Dann nahm er eine Rute zur Hand. Dann jedoch hielt sie plötzlich inne und musste lachen. so werde ich dir bei deiner Arbeit helfen. der sie mal zurechtweist! Wer soll jetzt nur den Kleingärtnern helfen?!» Der Urgroßvater blieb noch einmal stehen und drehte sich um. Der Großvater schimpfte missmutig vor sich hin: «Obendrein wird sie auch noch von allen verwöhnt . doch dann lachte sie laut auf und rannte dem herannahenden Großvater davon. fing der Großvater erneut an. klaren und weichen Stimme: «Liebe Enkelin. «Oh weh!».» «Jetzt fällt es ihr auch noch ein wegzulaufen! Als ob ich sie nicht einholen könnte!» Und erstaunlich schnell und leichtfüßig lief er Anastasia hinterher. hockte sich hin und hielt sich den Fuß. Anastasia rannte kreuz und quer über die Lichtung. «Hab ich's ja gesagt . handle einfach nach der Stimme deines Herzens und deiner Seele. Als erster erhob sich der Großvater.von allen verhätschelt!»..selbst von ihm! In was sie sich alles einzumischen hat! Steckt einfach überall ihre Nase rein! Und keiner. Plötzlich schrie der Großvater auf. sie einzuholen. Dann sprach er wieder mit seiner tiefen. Und was deine Kleingärtner betrifft. Sie lief zum Großvater und reichte ihm die Hände. breitete seine Arme aus.

rief ihm Anastasia hinterher: «Danke für den Adler.. erkannte ich den Grund für ihr Lachen. Als sie ihn wieder auf die Erde gestellt hatte. Sie fasste ihn um die Taille. Später stellte sich jedoch heraus. dem alten Adler was beizubringen. wie einem unartigen Kind. Trotz ihres anhaltenden Kicherns umarmte sie der Großvater und sprach: «Schon gut! Weine nicht.die schlechte Erziehung!» Und mit der Rute in der Hand eilte er seinem Vater nach.» Anastasia ließ ihren Großvater nicht ausreden.. auf dem er hockte. geriet er ins Wanken und versuchte. Weißt du. du weißt also schon von dem Kind?» «Na ja. hob ihn vom Boden und drehte sich mit ihm im Kreise.» Anastasia hörte auf zu lachen. sodass es nicht den Boden berührte. das andere streckte er von sich. komische Pose eingenommen hatte. In Zukunft wirst du wohl besser hören..durch die ganze Lichtung hallte. streng mit ihr zu sein: «Keinen Respekt vor dem Alter! Ich sag's ja . bitte sei mir . Er ist zwar alt. damit Anastasia rechtzeitig dahinter käme. Er hob seine Rute und versetzte ihr ein paar leichte Schläge. Hast du was abbekommen? Geschieht dir ganz recht. — Anastasia hatte seine List sogleich durchschaut. Der Großvater hockte auf einem Bein. denn er unterbrach den Satz und fügte ein wenig strenger hinzu: «Sonst kriegst du es mit mir zu tun!» Damit verschwand er hinter den Bäumen. gelang es dem Großvater. sah ihren Großvater aufmerksam an und rief aus: «Großpapa! Mein liebster Großpapa! Der Adler . dieses Dummchen. Großpapa! Vielen Dank!» Der Großvater drehte sich um. ich habe angefangen. der Stern . Während Anastasia lachte. so als habe er sich diesen verletzt.» Dabei war ihm wohl seine eigene Stimme allzu zärtlich vorgekommen... 49 . Lachend tat Anastasia so. Als ich die Pose des Großvaters näher betrachtete.. aber noch ganz kräftig und kann vieles behalten. schaute sie an und sprach: «Meine Enkelin. sie am Arm zu packen. dass der Großvater absichtlich diese unnatürliche. als ob ihr das wehtäte. Als der Großvater am Rande der Lichtung ankam. Aber die hier mischt sich überall ein. Er rieb sich aber gerade den Fuß.

denn das Spielen ist sehr wichtig zur Entwicklung von Erkenntnissen und Gefühlen.» .» «Nehmen wir doch Gott. Geist. das Absolute. Wladimir..Nicht ganz klar war mir jedoch. wenn auch mit einem Adler . die kosmische Urschwingung.» «Benenne bitte dieses <Etwas> mit einem Wort. wie man mit einem Vogel spielen sollte. ich denke. Ich denke. schon. Vakuum. Und was glaubst du: Ist Gott bestrebt. die Lichtkraft. das dir treffend erscheint. fragte ich Anastasia: «Warum hast du dich denn so über den Adler gefreut?» «Der Adler wird für den Kleinen dringend nötig sein». und warum war dein Urgroßvater so streng zu dir?» «Was denkst du.» «Gut. wir sollten uns da auf einen Begriff einigen. mit den Menschen 50 . Darüber sprechen sogar Wissenschaftler. Gott.. «Für unser Kind.8 Die Antwort Als wir wieder allein waren. «Und was hast du bei der Zeder gemacht? Hast du gebetet oder mit jemandem gesprochen? Was ist mit dir und mit der Zeder geschehen. gibt es Intelligenz jenseits der uns sichtbaren Welt? Gibt es dort draußen im Weltall so etwas wie einen kosmischen Geist?» «Ja.» «Zum Spielen?» «Ja.. antwortete sie.» «Klar. und auch geistige Medien und die Bibel berichten davon. zum Beispiel: Intelligenz.. Wladimir.

Betrachtet man die Bibel von vornherein als eine dogmatische Schrift. Zum 51 . Erst dann wird die Bedeutung offenbar. aber nicht eines von ihnen kann sich mit der Bibel messen. das man in sich aufnimmt. Wer lässt schon freiwillig seine Sklaven gehen? Durch ihre Arbeit brachten sie dem Pharao Gewinne ein. behindert die schöpferischen Fähigkeiten des Menschen. dann reicht es aus. Wer die Bibel liest.» «Ach.Romane. einige Gebote zu lesen und zu behalten. die schon ewig lange existieren. aber die meisten Leute lesen doch moderne Literatur . einfach so? Ein paar Leute treffen sich und schreiben ein Buch. muss schnell denken und sich viele Fragen selbst beantworten können. hast du zum Beispiel schon mal darüber nachgedacht. ohne seine Bedeutung zu verinnerlichen. dass die Israeliten mit ihren Zauberkräften wiederholt dem Lande Ägypten großen Schaden zufügten. Krimis und so weiter. Was bedeutet das deiner Meinung nach?» «Keine Ahnung.» «Stimmt.» «In der Bibel heißt es. wie wir glücklicher sein können?» «Aber die Bibel ist doch sicher nicht von Gott selbst diktiert worden. Sie haben sich zusammengesetzt und gemeinsam die Bibel geschrieben. Natürlich gibt es sehr alte Bücher.» «Von wem denn dann?» «Sie könnte von Menschen geschrieben worden sein. sie denken sich einige Geschichten und Gebote aus? Und dieses Buch überdauert Jahrtausende und wird das beliebteste und meistgelesene Buch der Welt! In den vergangenen Jahrhunderten ist eine Unmenge von Büchern geschrieben worden. aber warum wohl? Weil man dabei fast gar nicht denken muss. warum der Pharao die Israeliten nicht von Ägypten fortziehen ließ?» «Was gibt es da viel zu überlegen? Die Israeliten lebten als Sklaven in Ägypten. sondern durch die Menschen oder durch die Bibel — um uns darauf hinzuweisen.zu sprechen? Nicht als Stimme vom Himmel. die eine Religion begründen wollten. Aber jedes Dogma.» «Welche Fragen muss man beim Lesen der Bibel beantworten?» «Nun.

Von seiner Reinheit und seinem Bewusstsein hängt es ab. oder? Wie aber kann man dann unterscheiden zwischen dem. Er kann all das benutzen. Alles hat seine Bestimmung.das ist das Werk Gottes.» «Demnach ist in der Geschichte mit den Israeliten nicht alles direkt von Gott bewirkt worden.Beispiel töteten sie die Erstgeborenen der Menschen und der Tiere. sind daran immer zwei Pole beteiligt. wie die Sonne scheint . Trotz allem aber ließ der Pharao die Israeliten nicht gehen. Der Mensch allerdings schon! Nur der Mensch hat die Wahl. zu welchem Pol seine Handlungen neigen. Noch eine Frage: Woher nahmen die Israeliten so viel Hausrat und Vieh. sich über die ersten Sonnenstrahlen zu freuen oder zu ärgern. um die Städte auf ihrem Weg zu erobern und zu zerstören?» «Wieso woher? Das wurde ihnen natürlich alles von Gott gegeben. Er kann sowohl Biene als auch Spinne sein. Später wurden solche Hexenmeister sogar auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im Menschen laufen die Gegensätze zusammen. diese Dinge kamen allein von Gott. mit Gott zu sprechen?» «Ja. was Gott wirklich tut. und dem. Die Sonne ist für alle da: für dich und mich genauso wie für die Schlange. Aber die Biene sammelt Honig aus den Blumen.» «Also gut.» «Du denkst also. was Gott ihm ursprünglich an lichten Dingen gegeben hat. Er kann aber auch anderes benutzen. den Grashalm und die Blümchen. ich wollte eine Antwort von Ihm haben. um vierzig Jahre lang wandern zu können? Und woher nahmen sie die Waffen. hast du da versucht. Um wieder auf die Zeder zu sprechen zu kommen: Als du unter dem Baum standst. und weder Biene noch Spinne werden sich je entgegengesetzt verhalten. Wladimir.» 52 . was ihm bloß von Menschen zugeschrieben wird?» «Wenn etwas von einem Menschen geschaffen wird.» «Von wem sonst?» «Der Mensch besitzt völlige Freiheit. wohingegen die Spinne Gift ansammelt. meinetwegen. Der Mensch selbst trifft jeweils die Wahl. Sieh nur.

Wladimir. Aber Er hat von Anfang an einen Schöpfungsplan. Jesus Christus ist ein Beispiel dafür. zu deren Herz und Verstand Er zumindest einigermaßen durchdringen kann. und eine Katastrophe hat Er auch nicht nötig. in den verschiedensten Sprachen. kommt es zu einer globalen Katastrophe. dass es allen gut geht. Und dafür bestraft dann Gott die Menschheit mit einer Katastrophe globalen Ausmaßes oder mit dem Jüngsten Gericht. durch Bilder oder auch durch Handlungen. um eine völlige Selbstvernichtung der Menschheit abzuwenden.«Und dem Urgroßvater hat das nicht gefallen?» «Er meinte. Er kann nicht uns allen vom Himmel aus zurufen. Dabei verlieren viele Menschen ihr Leben. . und deshalb sendet Er Seine Söhne aus .» «Eine Antwort worauf?» «Sieh mal.. Ich habe es selbst gesehen. Die Katastrophe ist eine Lehre für die Überlebenden. das hast du ja auch. Mal hört man diesen Propheten zu. Was wolltest du eigentlich?» «Eine Antwort hören. Nach der Katastrophe müssen die Menschen eine Zeit lang ein höllisches Dasein fristen.» «Gott bestraft niemanden.Gott ist Liebe. Gott ist kein körperhaftes Wesen. Doch Gott sendet immer wieder Seine Söhne aus. und zwar deshalb.» «Nun. ich hätte nicht genügend Respekt gezeigt und obendrein noch Forderungen gestellt. die anderen verschließen sich der Botschaft und verstoßen immer weiter gegen die Gesetze des glücklichen Daseins. Gerade 53 . und der sieht Folgendes vor: Wenn die Menschheit in ihrer Unempfänglichkeit gegenüber der Wahrheit einen bestimmten Punkt erreicht und die dunklen Seiten des Menschen überhand nehmen. aber daran sind sie ja selbst schuld. und das künstliche System der Lebenserhaltung wird vernichtet. Aber Er will. Allerdings hört jedes Mal nur ein Teil der Menschen zu.. Das geschieht mal durch Worte. Seine Söhne ziehen dann los und reden zu anderen Menschen.Menschen. mal werden sie verfolgt oder gar getötet. mal durch Musik.» «Klar. Du hast dabei sogar mit dem Fuß aufgestampft und Ihn angefleht. wie wir zu leben haben.

Wenn diese Teilchen im Streben nach dem Licht miteinander vereint sind. sie zu 54 . die Katastrophen sind nicht allein denjenigen zuzuschreiben. Deshalb habe ich Ihn gebeten. sondern auch der Tatsache. Die dunklen Mächte suchen aber mit allen Mitteln die Wirkung dieser Teilchen zu blockieren und den Kontakt der Menschen mit Gottes Teilchen und so auch mit Gott selbst zu verhindern. Ich denke nämlich.» «Und was hat Er zu dir gesagt? Was für eine Stimme hat Er?» «Niemand kann sagen. und zwar in Form von rhythmischen Schwingungen. fällt es den dunklen Kräften weitaus schwerer. Wichtig ist. den Gott ihm bei der Geburt eingehaucht hat. Er kann ja nur durch Sein Teilchen sprechen. In jedem Menschen wohnt ein Funke Gottes. dass es sie überhaupt gibt und dass sie funktioniert. eine bessere Methode zu finden und sie mir oder jemand anders zu offenbaren. das in jedem Menschen wohnt. dass der Mensch viele eigene Fähigkeiten und Möglichkeiten hat. wie und mit welchen Mitteln man die Menschen ohne diese Katastrophe zur Vernunft bringen kann. Folglich entsteht der Eindruck. Es ist allerdings eine Tatsache. der Mensch mache alles allein aus sich heraus.die Überlebenden geraten in diese Hölle. der sich einem plötzlich offenbart. und dieses Teilchen gibt dann die Information weiter an den Menschen als Ganzes. Ein kleines Teilchen ist leicht zu bekämpfen. So gab Er der Menschheit die Hälfte von sich selbst. den man Paradies nennen kann. Danach kommt es wieder zu Abweichungen. So geht es nach irdischer Zeitrechnung schon seit Milliarden von Jahren. Schließlich ist er ja Gottes Ebenbild.» «Wenn sich alle paar Milliarden Jahre sowieso alles unvermeidlich wiederholt. noch dazu ohne Verbindung zur Quelle der Kraft. Es spielt keine Rolle. Ihre Kinder leben dann einige Zeit wie zu Urzeiten. was für eine Stimme Er hat. und allmählich entwickelt sich ein Zustand. und das Ganze fängt von vorn an. die die Wahrheit nicht erkennen. wem. was wolltest du dann?» «Ich wollte erfahren. wenn es allein ist. dass die Vermittlung der Wahrheit nicht effektiv genug ist. Seine Antwort nimmt Gestalt an in Form eines eigenen Gedankens.

Doch wenn ein einzelnes Teilchen in vollkommener Verbindung mit Gott steht. Den momentanen. wird einen eigenen Vergleich haben und alles von selbst verstehen. Wer diese Freuden erfahren hat. befreien. doch die Menschheit steuert nach wie vor dem Abgrund entgegen. Du willst noch nicht mal darüber nachdenken. sondern auch Seiner.überwinden oder zu blockieren. Also muss man eine Methode finden. höhere Freuden zugänglich macht. doch beachten sie sie nicht. weil sie die Wahr55 .dennoch hörst du nicht damit auf. Nehmen wir ein Beispiel: Hast du noch nie gehört. den Geist oder Verstand eines solchen Menschen unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch alle anderen Wahrheiten sind den Menschen durchaus bekannt. und zwar in einer Sprache. und er wird das Teilchen. und selbst Schmerzen halten dich nicht von diesen verderblichen Gewohnheiten ab. Stattdessen nimmst du Schmerzmittel ein und gehst unbekümmert deine gewohnten Wege. damit dir offenbart werde. und auch die Ärzte bestätigen das. warum du die Schmerzen hast.. ist es den dunklen Kräften schier unmöglich. die den Menschen nicht nur Erkenntnis vermittelt. Es ist ja nicht nur dein Schmerz. dass Rauchen und Trinken gesundheitsschädlich ist? In allen möglichen Medien wird davon berichtet. den Menschen mit einer Katastrophe zu drohen und sie zu beschuldigen.. das ihm von Gott gegeben wurde.jedenfalls keine gewöhnlichen Worte. Trotz einer Verschlechterung deines Befindens machst du einfach weiter. sondern ihnen auch andere. Gott sagt zu dir: <Du darfst das nicht tun!> Er spricht durch die Schmerzen zu dir. um eine globale Katastrophe zu verhindern?» «So ungefähr.» «Und welche Antwort wurde dir offenbart? Was muss man den Menschen sagen?» «Worte . Es ist nicht gut. Worte allein reichen da nicht aus . illusorischen Freuden zuliebe werden sie missachtet. was und wie du zu den Menschen sprechen kannst. Was wurde nicht alles schon gesagt. Das Gleiche gilt auch für viele andere Menschen. die dir leicht verständlich ist .» «Dann hast du Ihn also angerufen.

dann verschwendest du bloß deine Energie. Vielleicht will Er dich nicht hören. Es lohnt sich nicht. Und wo wäre das?» «In der Vereinung der Gegensätze. Er hat es dir verraten. Folglich ist die globale Katastrophe die wirksamste Methode der Belehrung. wird es wohl keine solche Methode geben. sonst macht sie sich noch völlig kaputt.» «Soso. Am Ende nimmt Er es dir noch übel und bestraft dich. Und nicht nur das.» «Gesagt hat er das aber nicht.» «Wenn ihr euch auch ohne Worte versteht. du solltest dich nicht so quälen. sie in ihrem Übereifer etwas zu bremsen.» «Aber antworten tut Er dir auch nicht. Das war wahrscheinlich nicht ungefährlich. weil du dich einmischst — wie es dein Großvater gesagt hat. was ich gehört habe?» «Verletzt es dich nicht. die Wahrheit weiterzugeben. Deine Großväter waren nicht umsonst besorgt. was Urgroßvater gesagt hat. oder nicht? Was sie selbst betrifft. und antworten tut Er auch. Von der Zeder kam sogar eine bläuliche Strahlung oder Dunstwolke auf dich zu. hast du nicht gehört. die die Wahrheit vermitteln wollen. obwohl sie deine Sprache beherrschen?» Ich dachte nach: «Soll ich all das glauben. kein Zweifel. was sie mir erzählt. Urgroßvater gab mir darin Recht. Alle.» «Was ist Seine Antwort? Weißt du jetzt etwas?» «Er hat mir verraten. wenn andere in deiner Gegenwart eine Fremdsprache sprechen.» «Vieles von dem.» «Er ist gut.heit nicht erkannt haben. Er hört zu.» Aus diesem Ansinnen heraus sagte ich zu ihr: «Weißt du was. wie du es vor der Zeder getan hast. wo die Antwort liegt und wo ich sie suchen muss. sie handelt auch danach. Vielleicht soll ich versuchen. wieso habt ihr dann das gesprochen. Anastasia: Ich denke. die Wahrheit noch wirksamer zu vermitteln. dass man eine bessere Methode finden muss. so glaubt sie natürlich daran. müssen verstehen. Er gibt keine Strafen.» «Nein. Wenn Gott schon Seinen Söhnen keine Methode verraten hat.» 56 . sich so aufzuregen.

» «Allein kann ich sie sowieso nicht finden. Nur eine kollektive Bemühung kann die Antwort hervorbringen. ich bin dir nicht böse. es nicht wieder zu tun. die Menschen unterschiedlicher Auffassung innewohnen.» «Das stimmt allerdings. Erkläre mir mit einfachen Worten.«Was soll das bedeuten?» «Zum Beispiel wurden bei der Kommentierung des Awatamsaku zwei gegensätzliche Denkweisen des Menschen zu einer neuen dynamischen Einheit verschmolzen. Sie befindet sich zwischen der materiellen Welt. wo der Mensch beheimatet ist.» «Nein.» «Wofür entschuldigst du dich?» «Verzeih mir. Die Zeit der großen Katastrophen wird dann endlich vorbei sein. ich habe Wörter benutzt. Ich werde die Antwort erkennen. Das ist nur möglich durch eine gemeinsame Bemühung vieler göttlicher Funken. Dann wird es leichter sein.ähnlich wie in eurer modernen Physik. und Gott. Bitte sei mir nicht böse. die in deinem Wortschatz nicht vorkommen. entschuldige bitte! Wie konnte ich nur? Ich habe mich total gehen lassen. Man kann diese Dimension auch die Dimension der lichten Kräfte nennen. wo und wie du die Antwort auf deine Frage suchen wirst. damit die Antwort offenbart wird?» 57 . Dabei entstand die Philosophie <Huajan und Kegom>. Weder benutze ich sie noch kann ich sie verstehen. die sich durch vollkommenere Elemente der Weltanschauung auszeichnet und Parallelen zu bestehenden Modellen und Theorien enthält .» «Wie bitte?» «Oh.» «Ich werde mich bemühen. und andere werden sie ebenfalls erkennen.» «Was können die Menschen von heute konkret tun. und zwar in der unsichtbaren Dimension der Gedanken. ein breites Verständnis in der Bevölkerung zu erreichen und die Menschheit aus der Epoche der Dunkelmächte zu entrücken.

an deinen Sohn. an das ich denken könnte?» «Zum Beispiel an den kleinen Sohn. wie schön es wäre. es sei denn. die man lieb hat. ich muss. den ich gebären werde . wenn viele Menschen zu einer bestimmten Zeit erwachten — sagen wir. der dazu gezwungen ist. wenn er von den Sonnenstrahlen liebkost wird. ganz gleich. umgeben von duftenden. wenn die liebe Sonne auch alle anderen Kinder mit ihren Strahlen liebkosen würde. Wie wohl er sich fühlt. Man kann an seine Kinder denken. er muss arbeiten. und daran. Denke daran. um fünfzehn Minuten zu denken? Um sechs steht nur jemand auf. Und selbst wenn ich es täte. damit nichts sie betrüben möge. Wladimir. wem du ein Lächeln schenken kannst. sagen wir zum Beispiel. die Gedanken sind positiv. würdest du mir helfen?» «Ich? Ich stehe nie so früh auf. Nur. Hauptsache. ein Flugzeug erreichen oder eine Dienstreise antreten. um sechs Uhr morgens. wie schön es wäre. an alle.ich für meinen Teil schlafe lieber. und was gerade du dazu tun kannst. aber die von der Gedankenkraft der Menschen erschaffenen Bilder werden zu einem einheitlichen. was gibt es schon Gutes. Die Zeit auf der Erde ist wegen der Erdrotation in Zonen unterteilt. Und denke daran. Denke daran. Je mehr Leute dies tun. Wenigstens fünfzehn Minuten sollte man so denken. Ich kann auch versuchen. dass es ihnen allen gut geht.«Es wäre gut. wem du am bevorstehenden Tag etwas Nettes sagen. würde diese wunderbare Welt ewig existieren. desto schneller kommt die Antwort. herrlichen Blumen. dass du viele Helfer finden wirst. an etwas anderes Gutes zu denken. wie naiv du doch bist! Wer will schon in aller Herrgottsfrühe aus den Federn. Und wenn sie an etwas Gutes denken.» «Ach. was man tun kann.» «Gut. Anastasia. und wenn ein flauschiges Eichhörnchen mit ihm auf der Lichtung spielt. was es ist. lichten und ausdrucksvollen Bewusstseinsbild verschmelzen. Jeder wird sich sagen: <Sollen doch die anderen denken .>» «Und du. was für einen Sinn 58 . Ich glaube kaum. an unseren Sohn werde ich denken. Das gleichzeitige Denken an etwas Lichtes verstärkt die Fähigkeiten des Einzelnen um ein Vielfaches.

da man Gedanken nun einmal nicht berühren kann. Und zwei. sind mehr als zwei Einzelne.» «Sag ruhig.» «Ja. da man sie nicht berühren kann.» «Sei mir aber nicht böse. solange nicht genügend Leute mitmachen?» «Selbst einer ist besser als keiner. einander zu fühlen und zu verstehen und uns durch die Dimension der lichten Kräfte gegenseitig zu helfen. kann ich nicht so ohne weiteres glauben. sogar in den Händen halten . Weißt du was.» «Aber wenn du das Buch geschrieben hast. und ich in meiner Wohnung in der Stadt. zum Gelingen deines Vorhabens sind viele Menschen nötig. Du sagst ja selbst.» «Fängst du schon wieder mit diesem Buch an! Ich hab dir doch schon gesagt. wie ich das machen werde. nicht wahr?» «Das schon. werde ich nicht alles auf einmal erzählen. Später. Wir werden lernen. Und an eine lichte Dimension. ist doch wohl eine Frage des Glaubens. kann man sie doch berühren. Ich will mich ja nicht blamieren.Gedanken in materialisierter Form.hat das? Du wirst dir hier im Wald deine Gedanken machen. dass ich nicht daran glaube! Auch nicht daran.» «Ich habe dir doch erklärt.» «Eure Wissenschaftler sind doch zu dem Schluss gekommen.» «Alles. was du da sagst. Anastasia. ich möchte dir ganz offen etwas sagen. dass Gedanken materiell sind. dass du mit irgendwelchen nur dir bekannten Buchstabenkombinationen bei Lesern Gefühle hervorrufen kannst — ganz zu schweigen von positiven Gefühlen. die ihnen obendrein noch zu irgendwelchen Erkenntnissen verhelfen sollen. wenn dein Buch fertig ist. Ich werde das spüren und mich über jeden Einzelnen freuen. wo die Gedanken wohnen. ich glaube es aber nicht. Wozu also sollen wir beiden unsere Zeit vergeuden. was du denkst. Wir sind nur zu zweit. Ihre Existenz lässt sich nicht beweisen. Und wenn ich denn schreiben sollte. aber trotzdem will mir das Ganze nicht in den Kopf. werden mehr Leute dazukommen. ja?» 59 . die sich gemeinsam bemühen.

haben sich in die Einsamkeit begeben.» «Du aber lebst seit sechsundzwanzig Jahren im Wald und hast keinen einzigen Anhänger.» «Und noch etwas. denk doch mal nach. Und auch auf seinen Wanderungen hat er viel nachgedacht. träumst davon. Und wo sich einst ihre Einsiedelei befand. hoffnungslos unterlegen. Die Alten. Diese Themen werden sicherlich in einigen der vielen Vorträge und Predigten behandelt. Deine Philosophie ist interessant und außergewöhnlich. «Natürlich. sagen wir ein Jahr.» «Wie kommst du darauf?» «Na.«Ich werde dir nicht böse sein. die bei uns zurzeit stattfinden. Eine Lehre hast du ebenfalls nicht hervorgebracht. so bist du ihnen. entstanden später Klöster. und seine Lehren werden seit jener Zeit bewundert. Und nun bekniest du mich..» «Ich muss all die Sachen. Wenn du schon nichts erreichen kannst wie die anderen. Ich muss wissen. fürchte ich. ein Buch zu schreiben.» «Jesus Christus hat sich nicht nur einmal zurückgezogen. Dann gingen sie in den Wald und lebten dort eine Zeit lang als Eremiten. und sie bekamen Anhänger. wie du sie nennst. noch von Wissenschaftlern und Gelehrten prüfen lassen. dann waren es eben mehr als vierzig Tage.» «Nun gut. das stimmt. was die verschiedenen Religionen und die Lehren der modernen Naturwissenschaft dazu sagen. die du mir erzählt hast. Jesus Christus lebte vierzig Tage als Eremit. prüf nur alles nach. und klammerst dich an diese Hoffnung wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm . wäre es da nicht klüger aufzugeben? Es gibt genü- 60 . Ich halte dich für einen sehr guten Menschen. Wenn man aber dein Tun mit dem anderer vergleicht. Habe ich Recht?» «Ja. Buddha zog sich für sieben Jahre in den Wald zurück und schuf dann eine Lehre.. irgendwelche Zeichenkombinationen da hineinzupacken. die später heilig gesprochen wurden. die in aller Welt viele Anhänger hat. die sich mit dem Wohl der Seele befassen oder sich um die Ökologie unseres Planeten kümmern. waren einmal ganz gewöhnliche Menschen. Alle Erleuchteten.

Und wer hat dich dazu gezwungen?» «Dazu hätte mich niemand zwingen können. dein Urgroßvater hat dir diesen Vorschlag gemacht. wenn ich nicht zu müde war. auch ohne dich. bin ich nicht. Ich habe es freiwillig getan. als wäre es ein Kinderspiel. dass ich den Strahl habe und wie man ihn benutzt. — Bist du mir jetzt auch nicht böse?» «Nein. Tag für Tag?» «Ja. manchmal sogar in der Nacht.» «Ich glaube. denn ich sah ein. Du bist ja ohne Eltern aufgewachsen.» «Zwanzig Jahre lang. Und nun sag mir. damit du dich besser verstehen lernst. Du kommst auch an jede beliebige Information ran. das konnte ich. Nun hat er 61 . Doch erst mit sechs Jahren lernte ich von Urgroßvater.» «Dann sage ich dir jetzt die ganze Wahrheit. und so gab er dir eine sehr leichte. die ihr Kleingärtner nennt. wie gut und wichtig diese Arbeit ist. Die werden sich schon was Passendes einfallen lassen. Ich habe mich um die Menschen gekümmert.» «Bitte.» «Aha.gend andere. dich unseren Lebensbedingungen anzupassen. Du konntest also schon mit sechs Jahren sehen. ihnen zu helfen. kein Zweifel. was in unserem Leben vor sich geht? Du konntest die Lebenslage von einzelnen Menschen analysieren und sie auch aus der Ferne heilen?» «Ja.» «Du hast außergewöhnliche Fähigkeiten. einfache Beschäftigung. nachdem Urgroßvater es mir vorgeschlagen hatte. Lass uns einfacher und realistischer leben! Ich will dir dabei helfen.» «Jetzt sage mir. weil du ihm Leid tatst. Ich habe versucht.» «Du hast dich also wie ein verbohrter Fanatiker all die Jahre nur mit den Kleingärtnern beschäftigt. womit du dich in den zwanzig Jahren danach beschäftigt hast?» «Das habe ich dir schon erzählt und auch vorgeführt. seit wann hast du diesen Strahl?» «Wie bei allen Menschen war er von Anfang an bei mir. die gescheiter sind als du.

Ich liebe sie sehr und werde sie niemals im Stich lassen.» 62 . Die Menschen erholen sich dort nach Feierabend oder wenn sie in Rente gehen. Ich denke. Wenn es gelingt. um dich ernsteren Tätigkeiten zu widmen. dich zu heilen. einer neuen Beschäftigung nachzugehen und von den Kleingärtnern abzulassen. der Gesellschaft zu nützen. denkst du. dann kannst du der Gesellschaft vielleicht wirklichen Nutzen bringen. Sie spielen keinerlei Rolle im gesellschaftlichen Geschehen. Du bist nicht so wie normale Menschen.» «Das nenne ich Fanatismus.gesehen. kapiert? Und wenn du. und hat dir gestattet. wann. weltumfassender Desaster befassen. Das ist alles. die ihr Kleingärtner nennt.» «Wenn ich hier bin. Versuch das bitte zu verstehen. wie er im Buche steht. dass du in deinem Bewusstsein etwas gereift bist. deine Zeit mit Kleingärtnern vertust.» «Na gut. dann kehrst du eben hierher zurück. Ich werde auch weiterhin den Menschen helfen. Irgendetwas fehlt dir doch. mit Verlaub. weiter nichts. Lauben und Gemüsegärten sind eine unbedeutende Freizeitbeschäftigung.» «Was meinst du damit — ernstere Tätigkeiten?» «Das kannst du selbst bestimmen.» «Ich habe den großen Wunsch. soll so etwas eintreten?» «Lokale Katastrophen finden bereits in verschiedenen Teilen der Erde statt. dann hast du. werde ich von größerem Nutzen sein. du könntest dich mit der Verhinderung einer verheerenden Umweltkatastrophe oder anderer.» «Aber die neue Beschäftigung hat mit den Kleingärtnern zu tun. mit all deinem Wissen und deinen phänomenalen Fähigkeiten. Mit ihrem Hang zum Überfluss hat die Menschheit ihren eigenen Untergang schon längst in die Wege geleitet. dass es eine globale Katastrophe geben kann. Kleingärtner sind nicht die Hauptsache im Leben — bei weitem nicht. Übrigens.» «Dann lass uns gleich los! Ich bringe dich zu einem Psychotherapeuten. irgendwo einen Knacks. Und so wirst du in der Lage sein. und zwar in einer hervorragenden Privatklinik. Ich denke. ökologischen Organisationen oder der Wissenschaft zu helfen. du solltest mal zum Psychiater. Du sagst ja selbst.

«Und wann soll diese globale Katastrophe. nun stattfinden?» «Das könnte ungefähr im Jahre 2002 geschehen. Doch die Katastrophe von 1992 hat hauptsächlich dank der russischen Kleingärtner nicht stattgefunden.» 63 . ich habe die Bedeutung der Kleingärtner verstanden.» «Das . die Apokalypse. Wladimir.. das heißt ja .. dass sie verhindert oder verschoben wird . die der globalen Katastrophe entgegenwirken. Es ist aber auch möglich.so wie es 1992 bereits einmal der Fall war. aber sie haben sie verschoben?» «Sie? Wen meinst du damit? Wer hat sie verhindert oder verschoben?» «Die globale Katastrophe von 1992 wurde durch die Kleingärtner verhindert... du hast schon mit sechs Jahren die Bedeutung der Kleingärtner verstanden? Du hast alles vorausgesehen und ihnen unermüdlich geholfen?» «Ja.» «Was?!» «In der Welt gibt es viele Menschen.» «Wirklich? 1992 hätte sie bereits geschehen können?» «Ja.

Trotzdem liebt sie die Menschen. die Erde ist zwar groß. es war nicht in Privatbesitz. und warum gerade die aus Russland? Was gibt es da für einen Zusammenhang?» «Sieh mal. Sie leidet darunter. wie sehr sie diese Berührung spürt und darauf wartet! In Russland galt das Land eine Zeit lang als Gemeingut. spürst du sogleich ihre Berührung. Was ihr Kraft gibt. so wie eine Mutter ihre Kinder liebt. Oh. wenn in ihrem Innern herumgegraben oder gebohrt wird oder man das Pulver. aber höchst empfindsam. das heißt. sie zurückzuhalten. bricht diese Bosheit in Form von Vulkanausbrüchen und Erdbeben aus ihr hervor.9 Der Tag der Kleingärtner und ein Feiertag der Erde «Was haben denn die Kleingärtner damit zu tun. wenn auch nur eine menschliche Hand sie zärtlich berührt. Und auch die Erde spürt alles: wenn sie mit Beton und Asphalt zugepflastert wird und ihre Wälder abgeholzt oder verbrannt werden. Die Erde ist groß. die menschliche Bosheit in ihr Inneres einzukapseln. ist eine rücksichtsvolle. in sie hineingibt. doch wenn sich eine Mücke auf dich setzt. Wladimir. Folglich betrachteten die Men64 . das ihr Dünger nennt. behutsame Behandlung. Auch du bist groß im Vergleich zu einer Mücke. Sie spürt es. aber äußerst empfindlich. Die Erde ist bemüht. und nur wenn sie nicht mehr die Kraft hat. Der Erde muss geholfen werden.

wo man so richtig ausgelassen und froh sein kann!» «Warum hilfst du nicht ein wenig mit deinem Strahl nach? Wenn du ihn zu unserer Regierung und den Abgeordneten des Parlaments schickst.» «Aber man kann doch unmöglich so viele Denkmäler aufstellen. Wegen ihrer alltäglichen Hetze kann ich nicht zu ihnen durchdringen. Und die Erde spürte jede einzelne Hand und sammelte so Kräfte.» «Das geht nicht. ein Feiertag!» Anastasia klatschte vor Freude in die Hände. Im Kalender würde dann stehen: <Tag des Kleingärtners> oder <Tag der Erde>. werden sie sicher die entsprechenden Gesetze erlassen. berührten die Menschen auf ihren kleinen Grundstücken in Liebe die Erde. Wladimir. «Tolle Idee! Ein offizieller Feiertag soll es sein.sehen die Erde nicht als ihr Eigentum. Als die Menschen ihr Stückchen Land bekommen hatten.» «O ja. Trotzdem waren die Russen wie verrückt nach den Grundstücken und nahmen sie mit Freuden an. Außerdem wird man ihnen nicht erlauben. Dann jedoch änderte sich die Lage. ihr Bewusstsein zu erhöhen. Es war kein Zufall. Besser. oder gleich zwei. Es hätte auch keinen Sinn. Gerade mit den Händen. egal ob arm oder reich. dass diese Grundstücke so winzig klein waren. der Realität ins Auge zu sehen. um noch eine Zeit lang weiter durchzuhalten. sie sind die Retter. dass man sie unmöglich mit Maschinen bearbeiten konnte. nicht mit Maschinen. Es wird ihnen besonders schwer fallen. und man begann.» «Wer könnte schon die Regierung oder den Präsidenten daran hindern?» 65 . Sie müssen so viele Beschlüsse fassen. man führt einen gesetzlichen Feiertag ein. bessere Beschlüsse zu fassen. den Menschen auf dem Lande kleine Grundstücke mit Häuschen zu geben.» «Und was folgt daraus? Soll man jetzt jedem Kleingärtner ein Denkmal setzen — für die Rettung des Planeten?» «Ja. dass sie keine Zeit zum Nachdenken mehr haben. fühlten sie intuitiv: Nichts kann die Bande zwischen Mensch und Erde zertrennen! Und Millionen von Menschenhänden berührten die Erde mit Liebe. als sie es jetzt tun.

» «Wenn dem so ist.» «Stimmt.» «Also gut.» «Der <Tag der Kleingärtner> ist aber doch keine Revolution.. das Volk. Dann sollen also die Leute in ihren Telegrammen Folgendes schreiben: <Bitte machen Sie den 23.» «Ich werde dir dabei helfen. Und die grandiose Idee stammt ja schließlich von dir. und zwar mit folgendem Text: <Wir bitten darum. weil es dein Geburtstag ist.» «Wieso gerade dann?» «Ich finde. jawohl. ich werde in deinem Buch über die Kleingärtner schreiben und die Leser dazu auffordern. Ich kenne mich besser damit aus.«Ihr. Er sollte so schnell wie möglich eingeführt werden. Und eine Revolution bedeutet für die meisten eine sehr schlimme Zeit. wir leben in einer Demokratie. Und die Mehrheit hat immer Recht. Was soll daran schlecht sein?» «Dieser Feiertag ist eine gute Sache. Die Masse der Menschen zieht erst im Laufe der Zeit nach. Allein schon deshalb. Juli zum gesetzlichen Feiertag. unbedingt nötig. Er ist sogar nötig. wie man diese Sache beschleunigen kann.> Und sobald 66 .. die Mehrheit. nein. Die wichtigsten Beschlüsse werden durch die Mehrheit getroffen. Ich werde in der Zeitung . warum gibt es dann überhaupt Demokratien und Volksentscheide?» «Sie haben die Funktion von Puffern . welche Hebel man in unserem Leben am wirksamsten in Bewegung setzt. das ist ein passender Tag.. Aber an welchem Datum?» «Am dreiundzwanzigsten Juli. den Tag der Kleingärtner und den Tag der Erde als Feiertage einzuführen. dem Tag der Kleingärtner und der Erde.. Die richtigen Beschlüsse würdet ihr als unpopuläre Maßnahmen abstempeln. Telegramme zu schicken an die Regierung und das Parlament. Ohne solche Puffer gäbe es eine Revolution. besser in deinem Buch .damit es nicht zu heftigen Zusammenstößen in der Gesellschaft kommt.» «Die höchsten Erkenntnisse kommen zunächst immer nur einigen wenigen. Ich werde darüber nachdenken.

um zu wissen. daran. die ein kleines Grundstück haben.» Dann hielt Anastasia eine kleine Rede. Diejenigen. Wenn die Sonne aufgeht. und man sollte über seine eigene Bestimmung nachdenken. Sie sprach schnell und mit Begeisterung.mit ihrer Familie. mit voller Kraft! Darauf kannst du dich verlassen.» «An diesem Tag mag jeder auf die Stimme des Herzens lauschen. Bis zum Mittag brauchen sie darüber hinaus nichts weiter zu essen. Aber ich kann ja auch gleich mal meine Imaginationskraft zum Einsatz bringen. «Möge Russland an diesem Tag früh in der Morgendämmerung erwachen! Alle Menschen . Es ist auch ratsam. In der Zwischenzeit soll der Garten in Ordnung gebracht werden. dass sich alle darüber freuen.» «Der Tag muss so gestaltet werden. sollen sie von jeder Strauchart eine Beere pflücken und sie essen. Jeder möge dann über sein Leben nachdenken. aber später wird er zum schönsten Feiertag auf Erden. Und jeder sollte 67 . Ein feierlicher Rhythmus lag in ihren Worten.» «Ja. sollen der Sonne erste Strahlen im Kreise ihrer Pflanzen erleben.» «Warum sollen sich eigentlich alle freuen? Dieser Feiertag ist doch nur für die Kleingärtner. Ein schöner und lichter Feiertag soll es sein! Alle Menschen werden sich freuen. mit Karacho. und zwar mit Karacho . und auch Satzbau und Aussprache waren außergewöhnlich.die Mitglieder von Regierung und Parlament anfangen zu lesen und sich fragen: <Warum schicken uns die Leute nur solche Telegramme?>. Sie sollen jede Pflanzenart mit ihren Händen berühren.. schickst du von hier aus deinen Strahl los. Ein Feiertag der Seele!» «Und wie soll er zum ersten Mal in Russland begangen werden? Niemand weiß ja. was ihm Freude macht und was seine Bestimmung ist. warum die Pflanzen wachsen. wobei sie jedes Wort. sich liebevoll an seine Nächsten und seine Freunde zu erinnern. und vor allem die Erde wird froh sein. wie er das feiern soll.. jeden Laut klar und deutlich aussprach. was er tun soll. wo sie mit eigenen Händen Obst und Gemüse züchten. Zuerst wird er in Russland eingeführt werden. mit Freunden oder allein — sollen barfuß auf der Erde stehen. darüber.

Bei Tisch möge eine ruhige Unterhaltung stattfinden. Jeder möge das auftischen. die die Erde zur Mittagsstunde hervorgebracht hat. im Kreise vieler Menschen bei Tisch zu sitzen. wonach sein Herz und seine Seele begehren. alle Mitglieder von nah und fern. Alle Familienangehörigen mögen einander freundlich ansehen.während des Vormittags mindestens eine Stunde in Abgeschiedenheit verbringen. glaubte ich nicht nur an den Festtag.» Puff! — und fort war das Weinglas aus meiner Hand. Da sagte Anastasia plötzlich: «Wladimir. sollen sie in Körben sammeln und damit diejenigen bewirten.. kann ja ein Wein aus Beeren auf dem Tisch stehen.» Die von Anastasia geschilderten Szenen wirkten ausgesprochen frisch und lebendig. selbst tödliche oder hart68 . Das Essen soll aus den Dingen zubereitet werden. Also: Hoch die Tassen! Trinken wir auf die Erde und auf die Liebe!» Mir schien. und auch die Feier löste sich auf der Stelle in Wohlgefallen auf. «Nicht doch. aber das Alleinsein ist unerlässlich.also gut. Oh.. die selbst kein Grundstück mit Garten haben. Schließlich kann man seine alten Gewohnheiten nicht auf der Stelle aufgeben. Der Älteste soll zusammen mit dem Jüngsten aus dem Kreise die Mahlzeit segnen. ich hielt ein Weinglas in der Hand. Ergriffen von Anastasias Erzählung. er fände bereits statt. Und was machen wir am Nachmittag?» «Die Leute sollen in die Stadt zurückkehren. und so fügte ich hinzu: «Vor dem Essen wollen wir gemeinsam anstoßen.» «Beerenwein . Es spielt keine Rolle. wie und wo man das tut. um in dieser Zeit in sich zu kehren. dabei sollte jeder etwas Gutes über die anderen sagen. der in kleinen Schlucken getrunken wird. Zum Mittagessen soll die gesamte Familie zusammenkommen. wenn du willst. die in ihren Gärten gewachsen sind. Anastasia! Lass uns unsere Feier!» «Na schön. vielmehr kam es mir so vor. Die Früchte. Ich hatte praktisch das Gefühl. auf dem Tisch sollen keine alkoholischen Getränke sein. wie viele positive Gefühle es an jenem Tag geben wird! Sie werden zahlreiche Krankheiten vertreiben. solange es Wein ist .

darauf überflutete eine bläuliche Strahlung die ganze Lichtung. Die Alten werden den Kindern Briefe schreiben und die Kinder ihren Eltern. Wer unheilbar oder leicht krank ist. sieh! Ein Bahnhof! Ein Strom von Menschen mit bunten Körben. soll an diesem Tag dem Strom der Leute. dass sie in jedes Äderchen des unermesslichen Kosmos drangen. jedem Käfer und jeder gewaltigen Zeder widerzuhallen. Ihre Augen glänzten nicht nur vor Freude. In ihrer Miene spielten immer neue Ausdrücke der Freude. werden an diesem Tag wie verlorene Söhne zurückkehren. so als zöge vor ihrem inneren Auge eine Flut von Bildern des großen Festtages vorbei.nackige chronische Krankheiten. während sie sprach: «An diesem Tag werden viele Menschen nach Russland strömen. 69 . die vom Lande zurückkommen. fast bis zum untersten Ast der Zeder. — Sieh nur. stieß sich mit großem Schwung von der Erde ab und schoss in die Höhe. wir werden beide jung und frisch sein. wie sie es ehemals waren!» «Und ich. All jene. entgegengehen. Anastasia. Als sie wieder unten war. wie ihre Augen leuchten vor Ruhe und Güte!» Anastasia strahlte. von ihnen schien auch ein bläuliches Glitzern auszugehen. Dann beugte sie ein Knie. Und schau. Hin und wieder warf ich ein paar Worte ein. werde auch ich wieder jung sein?» «Ja. winkte sie mit einer Hand und klatschte in die Hände. schien von jedem Grashalm. du und ich. Sie waren nicht laut. und ihre Begeisterung für den Feiertag steigerte sich immer mehr. Die Strahlen der Liebe und der Güte sowie die mitgebrachten Früchte werden die Krankheiten heilen und vertreiben. Anastasias Worte wurden von einer unsichtbaren Kraft verstärkt. die von der Erde als Atlanter geboren wurden. denn ich konnte mich nicht zurückhalten. aber es entstand der Eindruck. Plötzlich schwieg sie. Mögen die Menschen in ganz Russland an diesem Tag in der Morgendämmerung erwachen! Mögen die Saiten der kosmischen Harfe von frohen Melodien erklingen! Mögen auf den Straßen und in den Höfen die Lauten der Barden zu hören sein! Mögen alle Greise wieder jung werden. erhob die Rechte. Was Anastasia dann sagte.

wobei ihre Begeisterung noch zunahm. «Halt. Sie sprach nicht einfach nur Worte. Ich spürte deine Aufrichtigkeit. Mögen sie sich an diesem Tag in einfacher menschlicher Gestalt verkörpern! Und Gott. als hätte ich etwas kaputt gemacht. aufgrund der Liebe. denn plötzlich begriff ich. Mit jedem ihrer Worte.Und mögen die ganz Kleinen. und ihr Gesichtsausdruck tat mir im Herzen weh. Und mit ihrer typischen Hartnäckigkeit würde sie diesen Tag weiter modellieren und von ihm träumen.» 70 . Ohne sie wird die Kette der Ereignisse zerreißen. Um sie davon abzuhalten. Ganz fanatisch würde sie träumen! Ihren Kleingärtnern zuliebe würde sie sich große Mühe geben. Nimm deine Worte nicht zurück. Ich habe deine Idee angenommen. Ich habe nur gescherzt. so wie sie es schon seit zwanzig Jahren getan hatte. hast du denn nicht verstanden? Das war doch alles nur Spaß mit dem Feiertag. Wladimir. Ich sah sie an. wird glücklich sein. Und fast flüsternd sprach sie zu mir: «Ich habe es ernst genommen. Sie drehte sich wie im Tanz auf der Lichtung. so verstört war sie. eine Welt des Glücks und der Freude betreten! An diesem Tag wird nichts das Glück der Kinder trüben. und ich habe schon alles modelliert. damit ich dir dann mit meinem Strahl helfen kann . die von der Erde entfacht wird!» Anastasia war ganz hingerissen von den Bildern des Festtages. Mit Schmerz und Bedauern schaute sie mich an. dass sie alles ernst nahm. als du über den Feiertag sprachst und über die Telegramme. Mögest auch du an diesem Tag sehr glücklich sein.so. rief ich ihr zu: «Was soll das. Mögen die Erwachsenen mit ihnen wie mit ihresgleichen umgehen! Die Götter aller Völker werden zur Erde herabsteigen. Hilf du mir mit den Telegrammen. die gerade die ersten Schritte in ihrem Leben tun. rief ich Anastasia zu. der Eine und Einzige. an sie geglaubt und alles in Gang gesetzt. mit jedem Satz modellierte sie Bilder des Feiertages. aufhören!». gerade wie ein Kind.» Anastasia hielt inne. In die Kette der Ereignisse habe ich die Telegramme der Bevölkerung eingeflochten. bis ihre Träume und Gedanken Wirklichkeit würden. wie du es gesagt hast.

.. wenn niemand diese Telegramme schicken will?» «Es werden sich Menschen finden. Und auch die Regierung und euer Parlament werden sich dem nicht verschließen. Es wird den Feiertag geben. Ich habe das alles einfach aufgeschrieben. wie sein Herz und seine Seele es ihm gebieten. da bin ich mir ganz sicher! Sieh nur .«Schon gut. ich will es versuchen. 71 . Jeder mag jetzt so handeln. Nur beruhige dich wieder. die das verstehen. Doch was.» Und wieder beschrieb sie Bilder des Feiertags.

als du über den Feiertag sprachst? Und auch die einzelnen Wörter hast du so ausgesprochen. die einzelnen Szenen des Fests möglichst plastisch und detailliert wiederzugeben.» «Ich habe mich bemüht.. an denen du das Potential von Worten erkennen kannst. wie du bist. glaubst du wahrscheinlich auch noch an diese albernen Kindereien!» «Wieso denn Einbildung? Ich kann dir jede Menge Beispiele aus eurem und deinem eigenen Leben geben. Wenn die Seele des Sprechers leer ist und nichts hinter den Worten steht. dass praktisch jede Silbe und jeder Laut für sich erklang . die mit echter Formkraft ausgestattet sind. Anastasia. so sind solche Worte gehaltlos.» 72 ..» «Und was für eine Rolle spielen dabei die Worte?» «In jedes Wort habe ich eine Menge Ereignisse und viele Bilder der Freude eingegeben. warum hast du so seltsame Sätze gebildet.» «Wieso wird dann nicht alles Realität.» «Das ist doch alles Einbildung! Und naiv. und sie alle werden sich jetzt verwirklichen. Sie tragen dann keine formende Bedeutung mehr.10 Das klingende Schwert des Barden «Sag mal. was die Menschen sagen?» «Weil bei ihnen die Verbindung zwischen Seele und Wort gerissen ist. Denn Gedanken und Worte sind das Hauptwerkzeug des Großen Schöpfers. ein belangloser Klangsalat. Und mit diesem Werkzeug ist unter allen verkörperten Wesen nur der Mensch ausgestattet.

Die Worte sind die gleichen. Nehmen wir zum Beispiel die Schauspieler.. Die Leute werden weinen oder lachen und im Herzen all das fühlen.» «Sie lernen an der Akademie.» «Also bitte. Das hat mir Urgroßvater beigebracht. hinter jedem Buchstaben eine Form zu schaffen. wie man die Texte ausdrucksvoll spricht. Und ich habe gelernt. was hinter den Worten steht. woran das liegt?» «Tja. während andere eher Durchschnitt sind. Sie stehen auf der Bühne und sprechen die gleichen Worte. Bei den Proben lernen sie dann.. zu fünfzig Prozent?» «Zu hundert Prozent. wie man sich in eine Rolle hineinversetzt. das Gelernte umzusetzen. aber ihre Wirkung ist total verschieden.» «Wieso das denn? Ein Buchstabe allein hat doch gar keine Bedeutung. Denn er kommuniziert mit den Zuschauern unmittelbar von Seele zu Seele.» «Hundert Prozent? Donnerwetter! Also wirklich . die die Zuschauer vielleicht schon öfters gehört haben. Das ist es.» «Und wie ist es.» «Und ob! Im Sanskrit zum Beispiel steckt in jedem Buchstaben 73 . sie sind eben Schauspieler.«Da bin ich aber gespannt. dass man sogar jedem einzelnen Buchstaben Gestalt verleihen kann. Bei den Proben versuchen sie dann. während sie einen anderen in der gleichen Rolle kaum wahrnehmen. bei nur zehn Prozent der gesprochenen Worte deren unsichtbare Formen hervorzubringen. was ich mit dem Werkzeug des Großen Schöpfers> meinte. wenn du sprichst? In welchem Maße kannst du deinen Worten Gestalt verleihen? Zu zehn Prozent . Und wenn er das Gleiche bei der Hälfte der Worte schafft. wird man ihn für genial halten. hat er die Aufmerksamkeit des Publikums gewonnen. wobei einige hervorragend lernen. Aber dem einen Darsteller werden sie mit atemloser Aufmerksamkeit zuhören. jedes einzelne Wort?!» «Urgroßvater hat gesagt. Sie studieren jahrelang an der Akademie... was ihnen der Schauspieler vermitteln will. Was denkst du. Wenn es einem Schauspieler gelingt.

die sich Kelten nannten. Und da jedes Wort wiederum aus Buchstaben besteht. bitte sprich einmal das Wort <Barde> aus. und oft werden auch solche Wörter so gedankenlos ausgesprochen. Sie waren unsere Vorfahren. Und die darin noch heute verborgenen. fast flüsternd: «Wladimir. Sie beschützen unsere Seele. vergessenen Formen versuchen sich Zugang zu unserer Seele zu verschaffen.» «Was sind das für Wörter? Kenne ich zumindest eines davon?» «Ja. Aber was hinter dem Klang steckt. und ihre Worte drangen wie aus der Ewigkeit zu mir: «Lange vor Christi Geburt lebten Menschen auf dieser Erde. Das Vergessen der Ursprünge hat zur heutigen verheerenden Lage der Menschheit gefuhrt.» «Was hat dir denn an meiner Aussprache nicht gefallen? Und woran hätte ich mich im Zusammenhang mit diesem Wort erinnern sollen?» Anastasia schwieg. die Raum und Zeit durchdringen. Sie zuckte wie vor Schmerz zusammen. Wegen ihres umfassenden Wissens von der materiellen und der geistigen Welt wurden sie von vielen damals lebenden Völkern bewundert.» «Barde».» Anastasia schloss die Augen und schwieg eine Weile. und sie kämpfen für sie. die Jahrtausende überdauert haben. jedenfalls dem Klang nach. und ihre weisen Lehrer hießen Druiden. Dann bat sie mich leise. wie gleichgültig und achtlos du dieses bedeutende Wort ausgesprochen hast! Durch deine Abwesenheit und Leere hast du das flackernde Flämmchen einer Kerze gelöscht. das Jahrhunderte überdauert hat und das vielleicht von unseren entfernten Vorfahren für dich oder jemand anders in unserer heutigen Zeit bestimmt ist.ein ganzes Wort oder noch mehr. das haben die Menschen vergessen. dann sprach sie: «Oh. In Anwesenheit der Druiden griffen die Kelten niemals zu 74 . ich denke schon. ein Flämmchen. verbirgt sich in jedem Buchstaben die Unendlichkeit!» «Ach du liebe Zeit! Und wir plappern die Wörter so gedankenlos daher!» «Ja. Dann begann sie leise zu sprechen. sagte ich.

musste man sich zwanzig Jahre lang individuell von einem geistigen Meister. Sie hatten einen Halbkreis gebildet und wehrten sich tapfer. die für die Seele heilsam waren. Erst dann erhielt ein erfolgreicher Adept die Einweihung und den Titel <Barde>. Am Schluss war nur noch eine keltische Familie übrig. damit in dem Mädchen keine Furcht oder Trauer aufkämen. Die Kelten wurden wiederholt von römischen Legionen angegriffen. freudiges Lied. Da erblickten die Römer unter den Kriegern Frauen mit offenem Haar. Die Mutter unterbrach dann ihr Lied und nannte das Mädchen jedes Mal zärtlich <Barda>. wussten die erfahrenen Heerführer nicht. unterweisen lassen. Damit fiel ihm das moralische Recht zu. und sie lächelten sich an. und mit seinen Worten formte er Bilder. sodass die Frau Zeit fand. Um den untersten Grad eines Druiden zu erreichen. Die junge Mutter sang ein heiteres. unter das Volk zu gehen und zu singen. sondern allein lichte Bilder in ihre Seele dringen könnten. das 75 . Hinter ihnen stillte eine junge keltische Frau ein kleines Mädchen und sang. trafen sich die Blicke der beiden. Es muss aber offenbar irgendeine besondere Bewandtnis mit diesen unbewaffneten Frauen mit offenem Haar gehabt haben. der blutüberströmt sein Schwert zum Kampfe erhoben hatte. Er drehte sich noch einmal zu der Frau um. Der verwundete Barde konnte die Römer noch eine Weile aufhalten.den Waffen. Durch seine Lieder brachte er Licht und Wahrheit unter die Menschen. zum Fluss herunter zu laufen. Der schützende Halbkreis war inzwischen durchbrochen worden. ihre Blicke trafen sich. Die letzte Schlacht fand an einem Fluss statt. und auch die Geschichtsforscher von heute haben dafür keine Erklärung. Wenn das Mädchen von der Mutterbrust abließ. Die römischen Feldherrn wussten: In Gegenwart solcher Frauen würden sie für einen Sieg über die Kelten eine sechsfache Übermacht brauchen. Die Römer überfielen die Kelten mit neunfacher Übermacht. Warum das so war. Zwischen den anstürmenden römischen Soldaten und der stillenden Frau stand nur noch ein einsamer junger Barde. die an einen Fluss gedrängt worden war. einem Oberdruiden.

Aus ihren zerplatzten Lippen quoll Blut hervor. Der verblutende Körper des Barden hatte das lichte Lächeln seiner Seele in die Ewigkeit gesandt. Wie ein allheilender Strahl halfen sie. wieso die erfahrenen. dann zu einer erwachsenen Frau heran. welche aufgrund der Bemühung der jungen Mutter zum Nutzen der heute lebenden Menschen Jahrtausende überdauert haben. Bestrebungen und Empfindungen . Aber die Mühen und Nöte des Alltags führten dazu. um ihnen den schmalen Pfad zum Fluss zu verwehren. Sie nahm es auf und kämpfte vier Stunden lang ununterbrochen mit den Legionären. zu ihr vorzudringen. Die ermüdenden Legionäre lösten einander im Kampfe ab.kleine Mädchen in ein Boot zu legen und dieses vom Ufer abzustoßen. und von dort wurde das Licht des unsicht- 76 . der auf dem Pfade stand. scheiterten die unsichtbaren dunklen Kräfte an einem einzigen Hindernis: demjenigen. Mit letzter Kraft warf der verblutende Barde der jungen Frau sein Schwert zu Füßen. Nach vier Stunden verließen die Frau die Kräfte. noch ein sanftes Lächeln hinterher. Das Wesen des Menschen liegt nicht im Körper. Unermesslich Größeres und Bedeutenderes — unsichtbare Gefühle. Ihre Lungen waren ausgetrocknet. Wladimir. Die kleine Barda wuchs zu einem Mädchen. Mit ihren Liedern schenkte sie den Menschen ausschließlich lichte Emotionen. Langsam sank sie in die Knie. Das Lächeln galt auch dem Wort selbst und dem in ihm enthaltenen Gedankenbild. Sie lebte auf der Erde und sang. Das Wesen des Menschen bildet nicht allein der Körper. dass die Quelle des Strahls beinahe erlosch. starken Krieger dem Körper der Frau nicht einmal eine Schramme zufügen konnten. Doch bei dem Versuch. es war ihnen unerklärlich. das mit der kleinen Barda langsam stromabwärts trieb. denn die ganze Zeit über hatte sie keinen Schluck Wasser bekommen. und im Fallen sandte sie dem Boot. die Trübsal der Seele zu vertreiben. Die römischen Feldherrn verfolgten sprachlos den Kampf.spiegeln sich nur teilweise im Materiellen wider. und sie hatte Kinder.

» «Sag mal. zu diesem Geschlecht zu gehören?» «Überleg mal.» «Gut». die sich darin verbergen. und des Barden. Und jetzt glaube mir. Auch ich schwieg eine Weile. dass nicht du es bist. Wladimir. Anastasia. die das lichte Lächeln des Barden erhaschten . bitte sprich noch einmal das Wort <Barde>. dass du es jetzt nicht ausgesprochen hast. ehe ich in der Lage bin. wie sich die Bilder und Formen.» «Danke. die gebührende Bedeutungstiefe in es hineinzulegen. bald in der realen Welt ma77 .baren menschlichen Wesens reflektiert. Jeder soll selbst darüber nachdenken. Der jungen Mutter. Schließlich fragte ich sie: «Warum hast du gerade dieses Wort als Beispiel gebraucht?» «Um dich darauf aufmerksam zu machen. Wladimir — danke dafür.. der auf dem Pfad gekämpft hat? Wer hat nur vergessen können. du musst das doch beantworten können: Wer von den heute lebenden Menschen ist ein direkter Nachfahre jener stillenden Mutter. Sie müssen ganz gefühllos sein. Lausche auf das Klingen des unsichtbaren Schwerts des Barden.. die es liebte zu singen. Doch halt. denn ich stand noch ganz unter dem Eindruck der von ihr geschilderten Szenen. Du brauchst nicht zu antworten. ich glaube. dass du dich vergewissern willst.. und versuche mich zu verstehen. werde ich es ganz bestimmt aussprechen. ihrer Tochter Barda.» «Kann es sein. der sich auf dem Pfad zu den Seelen seiner Nachkommen einem Angriff des Dunklen und Bösen widersetzt. antwortete sie.» «Ich kann es nicht. die das Schwert hielt. der sich an all das nicht erinnert?» «Was soll das? . Anastasia. sah mich an und verfiel in Schweigen.» «Ich möchte mir einfach denjenigen oder diejenigen einmal anschauen. Wladimir. ich habe verstanden. brannte es in den Lungen. wie du auf diese Frage gekommen bist. die ihre eigene Herkunft vergessen haben.. Wenn es so weit ist. Wladimir. und Blut quoll aus ihren aufgesprungenen Lippen hervor.

. die neuen Lieder der Morgendämmerung. Ihre Seelen . dann stimmten sich auch andere Seelen darauf ein und machten mit. Tausende von Gitarrensaiten werden zurzeit von den heutigen Barden Russlands zum Klingen gebracht.. Bald werden ihre Lieder von vielen Menschen gehört werden. haben sie es zuerst gespürt.nifestieren werden. Diese Barden werden den Menschen dabei helfen. Als ich noch in der Taiga von allem träumte. Du wirst ihre Lieder hören.» 78 . zuerst entstand nur ein zitterndes Flämmchen in einer Seele und ließ eine Gitarrensaite erklingen. das neue Morgenrot zu erblicken — das Morgenrot der Erleuchtung der menschlichen Seelen.

sie habe alles.wozu auch? Jedes dieser Gespräche endete sowieso mit der Bitte um eine Spende. Zurückgezogen in meine Kajüte. Die Polizei von Surgut nahm die Diebe fest und erstellte Protokolle. jedenfalls begannen sie zu stehlen. auf direktem Wege nach Nowosibirsk zu fahren.11 Eine jähe Umkehr Nach dem dreitägigen Aufenthalt bei Anastasia kehrte ich zum Schiff zurück. Die angeheuerten Arbeiter und ein Teil der Besatzung müssen wohl meine Nachlässigkeit bemerkt haben. und am Ende ihrer Präsentation kam dann unweigerlich die Bitte um eine Spende. Ich gab den Befehl. mich um die Angelegenheiten meiner Firma zu kümmern. Ein paar Tage war ich gar nicht in der Lage. warum das Zusammensein mit Anastasia einen so starken Einfluss auf mich hatte. Ich konnte weder Entscheidungen treffen noch die weitere Reiseroute festlegen noch die Funkmeldungen beantworten. und doch entstand irgendwie der Eindruck. Ich hätte mir sowieso nicht vorstellen können. Äußerlich gesehen besaß sie nichts. Manchmal gab ich ihnen etwas. doch auch diese Dinge berührten mich kaum. Früher waren oft Vertreter der verschiedensten Konfessionen zu mir in die Firma gekommen. 79 . ohne groß auf ihre Geschichte einzusteigen . Im Gegensatz zu all diesen «Geistlichen» bat Anastasia nie um Geld. die aus Nowosibirsk kamen. verfiel ich ins Nachdenken. was ich ihr hätte geben sollen. Rückblickend ist es schwer zu sagen. Angeblich wollten sie etwas Gutes für die Gesellschaft tun.

Im Kreise meiner Familie sprach man ohnehin schon von einer Behandlung. Auch wenn es nicht offen ausgesprochen wurde. dass mich jemand verstehen würde. Er ist nicht mehr fähig. in allen Lagen eine Lösung zu finden. Ich hätte sehr gern mit jemandem über Anastasia gesprochen. Doch als sie nach der Rückkehr des Stabsschiffes sahen. aber zufrieden macht mich das nicht. Am Ende hätte man mich noch ins Irrenhaus gesteckt. Wer garantiert mir. Ich beurteilte die ganze Entwicklung sehr nüchtern. Selbst meine eigenen Verwandten trugen zum Ruin der Firma bei.Seit mehr als zehn Jahren war ich nun im Geschäftsleben und hatte als Leiter verschiedener Kollektive einiges an Erfahrungen gemacht. wie ich es nach meiner Rückkehr erleben durfte. Ich begann mir über vieles in meinem Leben Gedanken zu machen. dass mit dem bestehenden Personal nichts mehr zu retten war. Mir war klar. Einer meiner «wohlmeinenden Freunde» hatte in der Firma Gerüchte über mich verbreitet: «Mit dem stimmt was nicht. Das Unheil stürzte von allen Seiten gleichzeitig auf die Firma herein. würden jetzt jede meiner Entscheidungen anzweifeln. die garantiert hinhauten. treuen Mitarbeitern stemmte sich dem unvermeidlichen Untergang entgegen. Das Auf und Ab von Erfolg und Misserfolg hatte mich gelehrt. die mir früher nach dem Munde geredet hatten. sodass das Bankrott unausweichlich erschien. «Ich ziehe ein Geschäft durch. Sogar diejenigen. dass diese 80 . «Es geht sowieso alles den Bach runter». verdiene auch etwas. dachte ich. Doch diesmal war die Situation so verfahren wie nie zuvor. Nur eine kleine Gruppe von langjährigen. «Was hat das alles für einen Sinn?». wer kann!» Und das tat man dann auch. man erwartete von mir geschäftliche Pläne. wirksame geschäftliche Entscheidungen zu treffen. meinten sie. konnte mir jedoch nicht vorstellen. waren sie um mein psychisches Wohl besorgt. Denn sofort verlangt es mich nach mehr. Und so geht das nun schon seit über zehn Jahren.» Schon bald galt die Devise: «Rette sich. und zwar solche. welche Bücher ich las. Meine neuen Interessen galten als Anzeichen geistiger Verwirrung — der Wladimir hatte eben einen Knacks.

. nun ja. kurz gesagt. sie alle haben Angst. wissen Sie . Wieder in der Firma. Sie ließen sich auf das Thema ein und stimmten mir in einigen Punkten zu. in der ich für die verschiedenen Tätigkeitsbereiche der Firma Leiter ernannte.. Wir unterhielten uns recht lange. und schließlich sage er leise: «Zehn Jahre haben Sie gut und normal gearbeitet. und er bläst deshalb Trübsal. wie denkst du darüber?» Er druckste etwas herum. «Lass uns zurückfahren!». ob Sie geistig ganz in Ordnung sind. Sorgen um Sie machen. die beide große Unternehmen leiteten. Die Leute in der Stadt haben immer gesagt.» Erst jetzt begriff ich das ganze Ausmaß der Sorgen um mich . Dem Milliardär fehlt eine Milliarde für eine Neuanschaffung. wie die für das Gespräch aufbringen — da müssen sie wohl alles gleich verstanden haben. worüber Sie die ganze Zeit nachdenken... sagte ich. Ob Sie einen Arzt brauchen oder ob man abwarten sollte. die ganze Belegschaft.für wie schlimm man meinen Zustand hielt. berief ich eine Sondersitzung ein.» «Und du .. bis alles vorüber ist. wie viel Geld man hat?» Eines Morgens besuchten mich zwei alte Geschäftskollegen in der Firma.ich war mit dem Auto unterwegs . ohne dass ich je Befriedigung erreiche? Dem einen fehlen ein paar Rubel.. Sie sind tüchtig und haben bei Geschäften eine glückliche Hand. denen ich in meiner Abwesenheit vollständige Handlungsfreiheit 81 . äh. und ich dachte schon: «Na so was! So viel Zeit. dass sie bald ohne Lohn dastehen. Aber jetzt. Ich hatte damals einfach ein starkes Mitteilungsbedürfnis. Ich redete mit ihnen über den Sinn unserer Tätigkeit und kam so auch auf die «Gesellschaft für Unternehmer mit reinen Absichten» zu sprechen. die beiden Herren sind auf jemandes Bitte gekommen.» Später jedoch . um sich eine Flasche Wodka zu leisten... Sie wollten wissen. Sie wurden von Leuten hergeschickt. was Sie bedrückt . Kommt es vielleicht gar nicht darauf an. die sich.Plackerei nicht noch bis zum Ende meiner Tage dauert.sagte mir mein Fahrer: «Wladimir Nikolajewitsch. und auch er ist verdrossen.

82 . fragte ich ihn. mich am nächsten Morgen zum Flughafen zu bringen. dass Sie wohl nicht so bald zurückkommen werden . «Piroschki... A. Kartoffeln o. Sie hat gemeint. Sie hat sie in ein Tuch eingewickelt. Kohl. Dort übergab er mir dann ein warmes Bündel.. Wladimir Nikolajewitsch. «Was ist das?».. dass ich sie Ihnen gebe.einräumte. Vielen Dank. Meinem Fahrer trug ich auf. aber gestern . Piroschka: Pastete mit Füllung aus.»* «Soso. Leben Sie wohl.. damit sie warm bleiben. Früher hat sie so was nicht gemacht — sie ist noch jung -. aus Mitleid mit mir armem Irren hast du mir Piroschki mitgebracht?» «Meine Frau hat die gemacht.» Ein paar Tage darauf kündigte er .» «Danke. Sie hat sich richtig ins Zeug gelegt .die ganze Nacht war sie auf deswegen.. Und sie hat darauf bestanden.

83 . Der Kurs stand fest: Es ging geradewegs nach Moskau. bei Null anzufangen und sogar ohne Kredite zu Geld zu kommen. Da ich aber seit Beginn der Perestroika regen Anteil am Geschäftsleben hatte. Folglich waren sie auf ihr eigenes Köpfchen angewiesen und mussten auf ihr Glück hoffen. Als Beweis hierfür werde ich ein paar Beispiele aus meiner eigenen Tätigkeit anführen. die auf unehrliche Weise zu Geld gekommen sind.12 Wer bestimmt den Kurs? Im Flugzeug nahm ich meinen Platz ein und schloss die Augen. wie es bei der zweiten Welle von Unternehmern der Fall war. wage ich zu behaupten. Die Mehrheit der sowjetischen und russischen Geschäftsleute brachte es irgendwie fertig. Ich dachte weiter über die Unternehmer nach. Sie hatten ja keine privatisierten Betriebe. Natürlich gibt es wie in jeder Gesellschaftsschicht auch unter den Geschäftsleuten verschiedenste Charaktere. Und so machten sie tatsächlich aus nichts Geld. dass die meisten Unternehmer der ersten Welle ihr Anfangskapital durch unkonventionelle Lösungen im Dienstleistungsbereich oder in der Produktion von Mangelwaren und Neuerzeugnissen sowie durch die Optimierung von Produktionsprozessen erworben haben. Nicht fest stand jedoch die Route meines weiteren Lebens. Viele halten sie noch immer für Menschen. auf Biegen und Brechen Handel treiben und so auf Kosten der Bevölkerung ihr Kapital vermehren.

Während ich den defekten Schlauch flickte. Eines Tages . Jeder bekam sein festes Gehalt. Natürlich wollten wir alle mehr verdienen.ich fuhr gerade mit meinem buckligen Saporoshez* auf der Landstraße — hatte ich eine Reifenpanne. das er durch Nebeneinkünfte noch aufbesserte. und so verfügten alle über ein mittleres Einkommen und lebten für die damalige Zeit in recht passablen Verhältnissen. den ich in der Folge in die Tat umsetzte und der den Profit unseres Kollektivs vervierfachte. Dazu gehörten die Laboranten des Ateliers und einige umherreisende Fotografen. Das funktionierte folgendermaßen: An der Landstraße stand ein Fotograf mit seiner Ausrüstung und mit zwei Helfern. Und ich fand einen Weg dazu. sah ich den vorbeifahrenden Autos nach und dachte: «Ich könnte ein Heidengeld machen.» In nur wenigen Minuten reifte in mir ein Plan heran. sich fotografieren zu lassen. Außerdem gab es für alle Mitarbeiter eine prozentuale Gewinnbeteiligung.13 Geld aus dem Boden stampfen Noch vor der Perestroika hatte ich einmal ein Team von Fotografen geleitet. kann ihn sich noch heute zunutze machen. doch dafür mussten wir unseren Umsatz deutlich steigern. Wer will. die eine * Eine sowjetrussische Automarke der niederen Klasse. 84 . sprich: mehr Kunden gewinnen. wenn es den Autofahrern gefiele. vergleichbar mit dem ostdeutschen Trabant.

waren sie erleichtert und posierten gern neben ihrem vorderen Nummernschild. wie sie die Männer der staatlichen Autoinspektion bei sich hatten. In der Hand hielten sie einen Stab. und viele sagten. wieder einmal ihre Eltern zu besuchen. dass sie gar nicht erst fragen mussten. Dann hatte ich die Idee. die bereits ein Foto von uns bekommen hatten. Als sie dann merkten. da sie das Ganze für eine Art Verkehrskontrolle hielten. weil die Gewinnbeteiligung für alle Mitarbeiter prozentual festgelegt war. wer eine Aufnahme wollte. Straße für Straße. Dann trugen die Postboten die Fotos aus und kassierten auf der Stelle das Geld.grüne Armbinde trugen mit dem Zeichen unseres Betriebes: «SB» (Alltägliche Dienstleistungen). Die Leute schickten diese Aufnahmen oft an ihre Kinder. Im Laufe eines halben Jahres hatten wir diese Dienstleistung auf allen größeren Landstraßen um Nowosibirsk angeboten. Die Fotografen nahmen eine Unmenge Häuser auf. wie eine Postkarte: «Mein trautes Heim». zu deren Fotografischer Verband des Raumes Nowosibirsk. sondern lediglich eine Dienstleistung angeboten wurde. dass diese dadurch den Wunsch bekommen hätten. und die Nachfrage war so groß. Privathäuser zu fotografieren und die Bilder mit Text zu versehen. Aber letztlich konnten sie nichts tun. Verwechslungen der Adressen zu vermeiden. dass niemand etwas prüfte oder beanstandete. Haus für Haus. die wir ihnen per Nachnahme zustellen ließen. «Mein Elternhaus» usw. Dann gaben sie uns ihre Adresse und erhielten bald darauf ihre Fotos. In diesem halben Jahr aber hatte unser Team eine schöne Stange Geld verdient. Dann trafen wir immer häufiger auf Autofahrer. Die Autokennzeichen dienten dazu. um sich ablichten zu lassen. Die Autofahrer hielten an. Sie gingen einfach in einen Ort und knipsten munter drauflos. für die wir arbeiteten. 85 . da unsere Vorgesetzten unser Einkommen für viel zu hoch hielten. Wir hatten oft Probleme mit dem Lohnbüro der «Nowosiboblfoto»*. Gleich zu Beginn der Perestroika trennte sich unser Team von dem Verband und gründete eine eigene Genossenschaft.

Das Eigenkapital unserer Genossenschaft wuchs. «Igitt! Was ist denn das für ein ekelhaftes Zeug? Ich muss mir gleich die Hände waschen». So reagiert das Material bei Temperaturwechsel. sodass ich es erschrocken fortwarf.» «Was macht man denn damit?» «Verschiedenes».» Und so wurde eine weitere Idee geboren. auf dem verschiedene Farbquadrate mit der jeweiligen Temperaturangabe dargestellt waren. «Hier. Doch er entgegnete: «Keine Panik! Die Folie hat bloß die Farbe verändert — aufgrund der Temperatur deiner Hand. und alle hatten ein anständiges Gehalt. Wohin soll ich dann gehen? Was soll ich bloß anfangen? Niemand braucht uns dann mehr. wie wir die Einkünfte der Firma steigern konnten. Die Belegschaft der Firma nahm zu. Bei normaler Körpertemperatur nimmt sie diesen grünlichen Ton an. sagte ich zu ihm. Hättest du Fieber.Generaldirektor ich gewählt wurde.» Ich nahm das Stück Folie in die Hand. verfärbte es sich plötzlich ganz grün. der am Institut für theoretische und angewandte Mechanik arbeitete. Unsere Firma begann bald darauf. antwortete er und zog ein Stück schwarzer Folie aus seiner Tasche.» «Was habt ihr in eurem Labor hergestellt?». wo ich es berührte. um größere Projekte in Angriff zu nehmen. und es ist geplant. Aber dafür gibt es jetzt keinen Markt mehr. Er beklagte sich: «Wir bekommen unser Gehalt sehr unregelmäßig ausbezahlt. doch an den Stellen. wäre es rot angelaufen. Einmal unterhielt ich mich mit einem Bekannten. flache Thermometer und «Stressindikatoren» herzustellen. sieh selbst. Und fertig war das Produkt! Diese Ware verkauften wir durch die staatlichen Großhandelsbetriebe in die verschiedensten Regionen der damaligen Sowjetunion. Dazu wurde ein Stück dieser Folie auf einen Steifen Zierpappe geklebt. das Laboratorium zu schließen. Jetzt waren wir unabhängig und konnten genügend Kapital sammeln. Ich dachte darüber nach. 86 . fragte ich. «Thermoindikator-Folie.

Irgendetwas musste geschehen sein. Da ereignete sich ein Vorfall. Kaum hatten sie den Hörer aufgelegt. hatte am Abend zuvor der internationale Korrespondent Zwetow im russischen Fernsehen gesagt: «Die Japaner sind ein erfinderisches Volk».» Am Anfang der Perestroika erlebte unser Land eine wahre Blütezeit der Kitschproduktion. mussten in Heimarbeit erledigt werden. Alle wollen Ihre Thermometer und Stressindikatoren haben.sogar gegen Vorausbezahlung. Ohrklipps aus Plastik und Taschenkalender mit Abbildungen von halbnackten Mädchen. der unserem Produkt recht ähnlich war. Am anderen Telefon (wir hatten nur zwei) saß unsere Putzfrau. Bestimmte Arbeitsgänge. stellte unsere Ware natürlich eine totale Neuheit dar. Wir kauften einen kleinen Vergnü87 . klingelte es erneut.ein regelrechter Boom. Alle waren wie wild darauf. Wir erwarben zwei Autos sowie verschiedene technische Geräte für die Firma. Die Einkünfte stiegen und stiegen. dass meine Sekretärin telefonierte und etwas aufschrieb. wie das Zuschneiden und die Verpackung der Ware. Die Sekretärin sagte: «So geht das nun schon seit drei Stunden! Es hört überhaupt nicht mehr auf zu klingeln. Auf diese Weise lernte ich zum ersten Mal die enorme Kraft der Werbung kennen und was es heißt. denn es brachte dem Institut jetzt Profit ein. Er nannte uns <vorperestroikische Knauser>. sei er bereit. uns auch zum höheren Preis ganze Schübe abzunehmen. Aber unsere Produktion war ja immerhin schon ein halbes Jahr gelaufen. Eines Tages kam ich ins Büro der Firma und sah. Wenn wir den Preis erhöhen wollten. der unserem Wachstum unglaublichen Vorschub leistete. Gefragt waren Poster. woraufhin er einen japanischen Stressindikator vorführte. Alle wollen jetzt Großpackungen von uns beziehen . Verglichen damit. aber was? Wie sich herausstellte.und auch mit dem Institutslabor ging es wieder aufwärts. Ein Kunde hat sich aufgeregt. Glück zu haben! In der Werkshalle unserer Firma wurde fortan in drei Schichten gearbeitet. und dann plötzlich diese unglaubliche Nachfrage .

Außerdem charterten wir ein großes Passagierschiff für Geschäftsreisen und Handelsexpeditionen in den hohen Norden. 88 . und ich beschloss.gungsdampfer. Sämaschinen für landwirtschaftliche Betriebe herzustellen.

Und anfangen kann alles mit etwas völlig Belanglosem.14 Eine destruktive Kraft Als Vorsitzender der Genossenschaft konnte ich mich persönlich davon überzeugen. Mischunin hatte vereinbart. welch verheerende Folgen für das materielle Wohl es haben kann. Später erfuhr ich. den Einkaufsleiter der Firma. für die wir eigentlich keine Verwendung hatten. eine Garage und ein Treibhaus befanden. Sie zerfiel. auf der sich neben dem geräumigen Haus noch ein Badehaus. So geschah es auch mit meiner ersten Firma. und mit ihr zerfielen auch mehrere Familien. Tags darauf berief ich eine Betriebsversammlung ein. Er bereitete alle Unterlagen für den Kaufvertrag vor. ein Gehöft zu erwerben. Ich erklärte 89 . dass sich gerade aus diesem Grunde viele Genossenschaften auflösen. die Besitzer wollten fortziehen und daher alles auf einmal verkaufen. Ich fuhr also hin. Außerdem gab es dort einige Schafe und eine Kuh. Bis heute weiß ich nicht. Alles begann mit meinem Entschluss. um mir die 20 Ar messende Liegenschaft anzusehen. wenn zwischenmenschliche Beziehungen in die Brüche gehen oder wenn man einander mit Intoleranz begegnet. auf der ich die Belegschaft über die Neuanschaffung informierte. aber Mischunin sagte. Ich beauftragte damit Alexej Mischunin. dass eine Frau aus dem benachbarten Dorf jeden Tag zum Melken kommen sollte. Futter für die Kuh war vorhanden. wie man dieser spontan entstehenden und wider jede Vernunft waltenden Kraft trotzen kann.

ihren Mann offen anzuschnauzen: «Nicht genug damit. ich werde mich suhlen im Mist. damit du Hurenluder mir vom Leibe bleibst!» Die Beleidigte brach in Tränen aus. Irgendeine von ihnen musste wohl den Samen der Zwietracht gesät haben. Alle sollten gemeinsam bei der Renovierung und Einrichtung des Hauses und bei der Modernisierung der Küche mithelfen. Der Mann zuckte zusammen und errötete. Eine von ihnen hatte den Nerv. und die Frauen versuchten sie zu trösten. dass wir uns hier in der Landwirtschaft abrackern.. «Außerdem haben wir noch zu Hause zu tun: Wir machen sauber. als eine der Frauen schrie: «Für euch gibt es doch nur Domino und Fernsehen!» Es war nun aber so. Nach einer Weile ergriff meine Frau das Wort. aber der arbeitete nicht bei uns. sagte sie. dass die Männer der Belegschaft alle Grenzen des guten Anstands gegenüber den Frauen überschritten hätten. Besonders wild gebärdeten sich die Frauen von Mitarbeitern unserer Firma. außerdem zur Erholung der Mitarbeiter und als Stätte für feierliche Anlässe. die Frauen hingegen begannen miteinander zu tuscheln.. sondern bei der Feuerwehr .. Ihr eigener Mann. dass in der ganzen Belegschaft keiner der Männer Domino spielte. jetzt wirst du auch noch nach Kuhscheiße stinken!» Es trat eine Stille ein. dass du immer nach billigen Zigaretten miefst (seine Lieblingsmarke war «Prima»). der tat das schon. ja. kochen jeden Tag und kümmern uns um die Kinder. das Haus renovieren.. Sie schleuderten 90 .ihnen auch. Die Frauen ließen ihren ganzen persönlichen. um uns das Ergebnis des Getuscheis zu verkünden. «Wir arbeiten für die Firma genauso wie ihr». Die Männer stimmten dem Plan begeistert zu. familiären und sonstigen Frust an den Männern aus. Dann wurde es noch schlimmer. was ich mit dem Haus vorhatte: Es sollte zum Empfang von Gästen dienen. dann entgegnete er: «Jawohl. Gäste empfangen und euch bei euren Saufgelagen bedienen!» Und dann ging es richtig los . Reicht euch das nicht? Und jetzt wollt ihr auch noch. Das wurde mir spätestens dann klar. Im Namen der Frauen erklärte sie.

ohne unsere Zustimmung darüber zu verfügen.» «Toll!». würden sich die Gemüter schon wieder etwas abgekühlt haben. die sollte ihr haben . wenn ihr nur nicht dort aufkreuzt. die sich ruhig und gelassen gab. und der alles. Bei uns arbeitete ein Schenja Kolpakow. «Bleibt nur fort. Meine Frau. Nach Mischunins Vereinbarung kam die Dorffrau zum Melken der Kuh. Da aber das Geld nun einmal uns allen gehört und ihr kein Recht habt. erklang es vonseiten der Männer. wie wir das Gut einrichten könnten. Das Gut wird also nur euch gehören. Es war Freitagabend. fuhr an diesem Abend nach Hause. was ihr wollt. gibt es ein ganzes Jahr Aufräumarbeit!» Schließlich kamen sie auf Politik zu sprechen: «Gorbatschow redet doch nur! Wer letztlich die Entscheidungen trifft. der verschiedene Vorrichtungen erfunden hatte. Wir werden ihn der Reihe nach benutzen.uns beleidigende Worte an den Kopf.» Ich ordnete eine Unterbrechung an. aber die innere Spannung war noch deutlich zu spüren. Die werden ihnen was husten. ihr wollt also eine Residenz auf dem Lande. stellte im Namen der Frauen mit scharfer Zunge ein Ultimatum: «Nun gut. Wir sahen uns alles dort an und schmiedeten Pläne. verlangen wir zum Ausgleich dafür einen der Firmenwagen mit Fahrer — für den Haushalt.» «Sollen sie ruhig. und wir sahen ihr dabei zu. Nach der Pause nahmen alle Platz — äußerlich zurückhaltend. Am Samstag heizten wir das Badehaus. Ihn schrien sie an: «Und so was nennt sich Erfinder! Wo immer er auftaucht. Die Kuh Fazenda (brasilianisch): Landgut. deren Frauen in der Firma arbeiteten. 91 .aber keine von uns Frauen wird auch nur einen Fuß darauf setzen. Es machte richtig Spaß. Wir geben euch alles. das ist Raissa Maximowna. Wer braucht diese Schlappschwänze schon?!» Keiner der Männer. und wir alle zogen uns auf unsere «Fazenda»* zurück. um die Produktivität zu erhöhen. Bitteschön.» «Sie werden sich an die Dorfweiber ranmachen. so dachte ich. was anfiel. Danach. reparierte. werden die.

Im Laufe des Tages war sie uns ans Herz gewachsen — sie gehörte dazu wie ein Familienmitglied. Die Melkerin wies uns aber darauf hin. aber die Melkerin war nicht da. Es ist schon ein echtes Phänomen. Die Kuh sah uns mit traurigen Augen an und schwieg. was in Menschen vorgeht. die unversehens mit dem Umgang mit Tieren konfrontiert sind. was zu tun war. sodass die gleiche Liebe — wie ein Erbe aus Urzeiten — auch irgendwo tief in uns schlummert und von Zeit zu Zeit erwacht? Das wird wohl niemand mit Sicherheit beantworten können. Mischunin trug gebratenen Fisch auf.stand ganz ruhig da. dass sie nicht immer kommen könne. Warum bloß hatte er diese Kuh gekauft? Andererseits wäre es auch schade gewesen. dazu gab es Bier und Wodka. ohne die Tiere weiter zu beachten. Gegen Abend wuschen wir uns im Bad und bereiteten dann das Abendessen zu. sie zu verkaufen. der von Gott beauftragt wurde. wo im Hause so ein Tier auftaucht — sei es eine Katze. Man umsorgt und pflegt es. um zu speisen. Dann wandte sie den Kopf mir zu und brüllte mich flehend an: «Muuh!» 92 . Da standen wir nun zu acht vor der Kuh und hatten keinen blassen Schimmer. Da hörten wir plötzlich ein lautes Muhen. Viele von uns leben so vor sich hin.» Alle rügten Mischunin. und auch sie hat etwas für uns empfunden. und wir setzten uns gerade zu Tisch. und der diese dabei mit Liebe ansah. die Bestimmung aller Kreaturen festzulegen. Und dann kommt man eines Tages in eine Situation. Und daher geschah Folgendes: Serjoscha Chodokow sagte: «Die Milch drückt auf ihr Euter. Wir sollten noch jemand anders zum Melken finden. Wir gingen gemeinsam in den Kuhstall. Es war jetzt unsere Kuh. Wir müssen etwas unternehmen. Dann war es so weit. Es war Zeit. ohne sich auch nur umzudrehen. Wie kommt das? Liegt das vielleicht tatsächlich an Adam. die Kuh zu melken. Jedenfalls haben wir auf einmal alle etwas für die Kuh empfunden. Plötzlich entwickelt man dann ähnliche Gefühle für das Tier wie für ein Kind. Es gelang vorzüglich. ein Hund oder was immer.

doch allmählich wurde es besser. kriegt sie noch ein schiefes Euter!» «Kein Wunder!». Wir gingen zusammen in den Stall und machten alles so wie am Abend zuvor. flüsterte Mischunin. und sie schien uns die beste Milch zu sein. aber mit der linken dreimal dünnere. Zuerst wollte es nicht so recht klappen. die Kuh zu melken. die wir je in unserem Leben gekostet hatten.» Wir sammelten unsere Taschentücher. Heu und Brot. Der Schweiß stört mich. «Schau mal einer an!». Schließlich hast du sie ja gekauft. sie habe versucht.vielleicht war es auch etwas länger — war der Eimer voll. Nach etwa einer halben Stunde . Jetzt 93 .Ich sagte zu Mischunin: «Du musst sie sofort melken. Die Milchstrahlen waren zu dünn. und Serjoscha Chodokow kletterte über den Verschlag. ohne zu protestieren. sah ihm beim Melken zu und wischte ihm hin und wieder den Schweiß ab. Das sei ihr völlig unverständlich. Früh am Morgen weckte uns die Melkerin auf. «Die Finger meiner linken Hand sind schon ganz lahm. Die Kuh ließ ihn an sich heran. «Die Kuh mag euch. und nach einer Viertelstunde war noch immer keine Ende der Milch in Sicht. und die beiden begannen gemeinsam zu melken. Sie sagte. während Mischunin melkte. was passiere. Da flüsterte Mischunin uns zu: «Der Schweiß. Die Zeit verging. denn man könne ja nie wissen. Nach dem Abendessen tranken wir die kuhwarme Milch. Plötzlich flüsterte er aufgebracht: «Was murkst denn du da rum?! Mit der rechten Hand melkst du gute Strahlen. und manchmal gingen sie neben den Eimer. Er hockte sich neben ihn. Wenn du so weitermachst. Pack lieber selbst mit an. und stieg über den Verschlag zu der Kuh.» Mischunin holte schnell einen Eimer herbei. das die Melkerin dagelassen hatte.» Serjoscha Chodokow ging auf die andere Seite der Kuh. band sich das Kopftuch um. um Mischunin den Schweiß von der Stirn zu wischen. ihn nicht allein zu lassen. Er bat uns. sagte die Frau. und die Kuh ließ sich von uns melken. doch die Kuh habe sie nicht an sich heran gelassen. Wir gaben ihr Wasser.

verbrachten wir viel Zeit auf unserer «Fazenda» und übernachteten dort sogar. Allerdings stellte ich auch eine Bedingung an die Käufer: Sie durfte nicht geschlachtet werden. und darüber hinaus teilte er uns mit. keinen Fuß auf die «Fazenda» zu setzen. von anderen nicht. Wir konnten unsere Frauen nicht von der Existenz der Probleme mit unserer Kuh überzeugen. Wir sollten rechtzeitig Vorbereitungen für das Kalben treffen. Es kamen zwar interessierte Käufer und versuchten sie zu melken. und so wollte niemand sie nehmen. dass sie alle von uns bestellten Melkerinnen abwies — nein. dass es für lange Zeit niemand anders an sich heran lässt. Wir wechselten uns also ab und gingen sie immer zu dritt melken.» Unsere Kuh erwies sich als ausgesprochen wählerisch und eigen. Nicht genug damit. Der sagte: «So etwas kommt manchmal vor. Es gibt solche Kühe: Von manchen lassen sie sich melken. Im Dorf aber wurde die Eigenart unserer Kuh schnell bekannt. Die Frauen und Ehefrauen. sagte: «Nur solche Perverslinge wie ihr konnten eine solch perverse Kuh bekommen. Wir dachten. aber das klappte nicht. Schließlich ließen wir einen Tierarzt kommen. Und jeweils zwei Leute mussten sie melken. Er gab uns den ungefähren Zeitpunkt für dieses Ereignis an und wies uns darauf hin. Die Frau. Folglich betrachteten sie unsere Geschichten von der Kuh als billige Ausreden. Wie konnten Sie nur diese Kuh so sehr an sich gewöhnen und noch dazu so verwöhnen?» Einen brauchbaren Rat hatte er nicht für uns. nicht einmal zu einem Spottpreis. die in der Firma arbeiteten. Da die Männer immer zu dritt ihren Melkdienst anzutreten hatten. während des Melkens musste immer jemand von uns bei ihrem Maul stehen. die ihren Mann wegen schlechten Geruchs getadelt hatte. Die ganze Prozedur erforderte jedes Mal drei Männer.melkt sie besser selbst. sie futtern und ihr gut zureden. wir würden sie sowieso bald verkaufen. verloren jede Beherrschung und erlaubten sich unanständige Scherze. dass unsere Kuh trächtig war. Ein Tier gewöhnt sich so sehr an jemanden. denn sie hielten ihr Wort.» 94 . dass ein sicheres Kennzeichen der baldigen Geburt der Ausfall der Milch sei.

Die Kuh hat alles selbst getan. Ich hatte etwas gelernt: Für den Erfolg in einer Firma gibt es gewisse unerlässliche Voraussetzungen. als mir deine Schmähreden anzuhören. leitete ich Geschäftsreisen für russische und ausländische Unternehmer.Worauf er entgegnete: «Ich werde lieber mein ganzes Leben eine schweigsame Kuh melken. aber was die gegenseitige Verständigung in der Genossenschaft betraf. so wollte es uns nicht gelingen. dass das Kälbchen zu einem stattlichen Stier heranwuchs. bereiteten wir alles für die Geburt vor. 95 . Denn der Glaube an die Mitmenschen vervielfältigt alle Fähigkeiten. Dem Rat des Tierarztes folgend. Ich teilte also das Unternehmen. und noch heute erinnern wir uns gern an sie zurück. sondern auch an die der anderen. Wenn ich nicht auf Fahrt war. Hin und wieder besuchten wir sie und sahen. dazu gehören die Verständigung der Mitarbeiter untereinander und der Glaube nicht nur an die eigenen Fähigkeiten. Jetzt müssen Sie sie nur sauber halten und gut futtern. sie wiederherzustellen. indem ich eine zweite Firma gründete. sagte: «Nicht möglich! Es gibt gar nichts für mich zu tun.» Später gaben wir die Kuh und das Stierkalb in gute Hände. Es war ein wunderschöner kleiner Stier. Mit dem gecharterten Schiff unternahm ich fortan Geschäftsreisen auf dem Ob in Richtung Norden. Er heiratete eine junge Dorffrau mit einem Kind und wurde ein rechtschaffener Bauer. Die Sache mit der Kuh war jetzt geklärt. Doch die Kuh brachte das Kälbchen ohne jede Hilfe zur Welt. mit der Kuh gab es jetzt also keine Probleme mehr. Milch zu geben. Es dauerte nicht lange und die Kuh hörte auf. Der Tierarzt. Ob sie sich wohl auch noch an uns erinnert? Tja.» Bald darauf zog er ganz in die «Fazenda» ein und ließ sich scheiden. den wir gerufen hatten.

Man kann zehn Jahre lang erfolgreich sein. dass ich nur fünf Millionen Rubel (etwa 1000 US-Dollar) in der Tasche hatte. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke. was mir nach meinen Erlebnissen in der Taiga unmöglich erschien. etwas im Sinne ihrer Vision zu unternehmen. dass ich nicht auf die Unterstützung von Verwandten. erntet man sogleich Verachtung. Mir wurde klar. wäre ich in Nowosibirsk geblieben. Die Arbeiter meiner Firma und meine Familie würden mit den sich anhäufenden Schulden wohl kaum zurechtkommen und das Eigentum der Firma verkaufen müssen. Vielen bekannten Geschäftsleuten ist das so ergangen. Durch zahlreiche Beispiele von Kollegen wusste ich. doch macht man dann einen Fehler. Natürlich hätte ich selber etwas gegen die Misere unternehmen können. Wie die Pest würden sie mich meiden. ob meine Entscheidung eher auf Anastasias Einfluss oder auf meine eigenen Einsichten und Wünsche zurückzuführen war. fällt es mir nicht leicht zu sagen. Freunden oder ehemaligen Mitarbeitern zählen konnte. und niemand will mehr etwas von einem wissen. dass ich ruiniert war. Ich konnte also mit keiner Hilfe von zu Hause rechnen. Unter 96 . Vor allem hatte ich ja Anastasia und gewissermaßen auch mir selbst mein Wort gegeben. ohne einen konkreten Plan. wie es weitergehen sollte.15 Herbalife-Händler Erst bei meiner Ankunft am Moskauer Flughafen «Wnukowo» wurde mir klar. aber dann hätte ich mich voll auf die täglichen Angelegenheiten der Firma konzentrieren müssen.

Zum einen versuchten sie von ihrem Rednerpodium an ihrem eigenen Beispiel und dem ihrer Verwandten zu zeigen. um durch Moskau zu schlendern. dass man kein Mediziner zu sein brauche.wohl deshalb nicht. drei Unterrichtsstunden sei alles Nötige gesagt. Wie ich später herausfand. In zwei. Ich nahm mir ein Hotelzimmer. Nichtsdestoweniger luden diese Vertreter. irgendwie einen Ausweg aus der Misere zu finden. die man auch an den kleinen Schildchen mit der Aufschrift «Ein Job für Sie» erkennen konnte. dass sie sich einer edlen Sache widmen würden. Gleichzeitig dachte ich darüber nach. 97 . war das rege Treiben der Herbalife-Händler. die aufdringlich Jobs anboten — bei einer «ausländischen Firma». nämlich der Heilung von Menschen. erklärten sie. und zack!— schon könne man kranke Konsumenten beraten. die man fast schon als Gehirnwäsche bezeichnen könnte. selbst wenn man von Beruf Anstreicher oder Stuckarbeiter sei. wie sie sagten. werden die Interessenten dabei einer handfesten psychologischen Beeinflussung unterzogen. Überall auf den U-Bahn-Stationen der Innenstadt sah man adrett gekleidete Menschen. ein paar Hemden und etwas Kleinkram und machte mich auf. was mir in Moskau auffiel. Das System selbst sei so wunderbar. ließ dort meine Reisetasche mit einem Pullover. weil die meisten Stellengesuche in der Zeitung Von Hand zu Hand mit der Bemerkung endeten: «Bitte nicht Herbalife anbieten». Dabei lenkten die Vertreter das Augenmerk auf zwei für den durchschnittlichen Russen sehr wichtige Faktoren. dass es sich dabei um Herbalife handelte . wozu sie Handzettelchen ihrer «ausländischen Firma» verteilten. Mit verlockenden Verdienstangeboten und Beförderungsaussichten versuchten sie die Passanten zu ködern.den gegebenen Umständen konnte ich nur auf mich selbst zählen und auf meine Fähigkeit. die Passanten hartnäckig zu einem Gespräch ein. Damit wurde den angehenden Verkäufern suggeriert. Kein Wort davon. was mir Anastasia über die Unternehmer Russlands gesagt hatte. dass sie mit Hilfe des Überseeprodukts Herbalife angebliche Wunderheilungen erfahren hatten. Das erste.

sie habe ihm nicht geholfen. desto höher der Preis. amtlichen Quellen. lebt davon.je niedriger die Ebene. sagt man einfach. er habe sie nicht ordnungsgemäß eingenommen und sich nicht an die Instruktionen gehalten. den Herbalife den Menschen bringt. Nach einiger Zeit braucht man selbst gar nicht mehr weiter zu werben.Zum anderen verwiesen sie auf Beispiele. die in vertraulichen Gesprächen die russische Bevölkerung vom Wundermittel Herbalife am Beispiel ihrer eigenen Heilung überzeugen. Dabei wird das Produkt dann zu einem höheren Preis verkauft. läuft in der Tat wie geschmiert. Je mehr Distributoren man «macht». desto höher steigt man in der Pyramidenhierarchie auf und desto höher ist auch die eigene Gewinnausschüttung. Und für all das zahlt am Ende der kranke Verbraucher. glaubwürdige Informationen voneinander zu bekommen und nicht aus offiziellen. Es scheint mir recht sinnlos zu sein. und wenn sich jemand beschwert. auf den Nutzen oder Schaden einzugehen. da wir es gewohnt sind. Doch eines kann ich mit Sicherheit 98 . allerdings nur für diejenigen an der Spitze der Pyramide und ihre engsten Mitstreiter. Dieses System ist gerade bei uns in Russland so erfolgreich. die in so genannte Ebenen unterteilt sind. Die lange Kette der Distributoren. dass auf jeder Ebene ein Preisaufschlag dazukommt . Außerdem muss man gleichzeitig neue Vertreter anwerben. den ihm der Kauf von Herbalife einbringe. der an das Wundermittel geglaubt hat. wie man durch den Verkauf von Herbalife reich werden kann. Mit dem gleichen System könnte man auch erfolgreich Asche verkaufen. Von jedem so angeworbenen Verkäufer bekommt man einen bestimmten Prozentsatz von dessen Verkauf. In einzelnen Fällen steigt der Preis sogar auf das Zwölffache! Das Vertriebssystem mit einer riesigen Anzahl von Vertretern. Als Unternehmer erkannte ich sogleich: In einem solchen System wird es in der Tat einen Geldregen geben. und das würde hier auch gewiss zu weit führen. Dafür müsse man zunächst selbst einen Satz Herbalife käuflich erwerben und sodann jemand anders in einem vertraulichen Gespräch von dem außergewöhnlichen Segen überzeugen.

dass sie von Ihnen kein Geld bekommen werden. wird auf der Stelle verpuffen. Unsere eigenen Unternehmer haben nichts damit zu tun. sobald sie merken. Dann werden sie eine Menge gegensätzlicher Beispiele zu hören bekommen: «Das Zeug ist totaler Mist. mit dem sie von ihrer eigenen Heilung schwärmen. 99 .» Das Vertriebssystem für Herbalife wurde im Westen entwickelt und wird von dort aus geleitet. unter Zuhilfenahme russischer Arbeitsloser. Und dann wäre da noch ein cleverer Trick westlicher Geschäftsleute .sagen: Der ganze Enthusiasmus der Herbalife-Verkäufer.

Das Ganze ist sehr einfach: Ihr «kostenloser Aufenthalt» wird durch die verschiedensten Preisaufschläge auf Dienstleistungen und Verpflegung finanziert. die Reiseprospekte und den Gewinn der Reisegesellschaft. 100 .» Es ist nicht schwer zu erraten. Doch kennen wir ja alle das Sprichwort: «Käse gratis gibt es nur in der Mausfalle. die Verpflegung und alle möglichen anderen Dienstleistungen gehen auf Ihre Kosten. wo für Sie ein Tisch reserviert ist und eine kostenlose Lotterie ausgespielt wird. Nach einigen Tagen beginnen Sie zu verstehen. Diese Aufschläge enthalten außerdem die Kosten für die Vertreter auf der Straße. Sie bekommen einen «kostenlosen» Aufenthalt in einem Luxusappartement.16 Gratisurlaub auf Hawaii Wenn Sie an belebten Stellen Moskaus von elegant gekleideten jungen Leuten angesprochen werden (bisweilen mit ausländischem Akzent). dass Sie für einen Tag dieses «kostenlosen Aufenthalts» mehr bezahlen als den vollen Preis für den Aufenthalt an einem gleichwertigen Kurort anderswo. die so genannte kostenlose Präsentation. dann seien Sie sich sicher: der Gutschein ist Ihnen garantiert. die sie mit höflichen Worten zur Vorstellung einer ausländischen Firma einladen. Nach der Ankunft überzeugen Sie sich. Allerdings: Das Flugticket. dass es mit den Fotos des Werbeprospekts übereinstimmt. wie diese Mausefalle funktioniert. bei der Sie eine goldene Uhr oder sogar einen Gutschein für einen kostenlosen Aufenthalt auf Hawaii gewinnen können.

mit welcher Unterwürfigkeit wir zu Beginn der Perestroika ausländischen Unternehmern begegneten. was dahinter steckte. die überfüllt waren von Importware . «Seltsam». Ich organisierte damals für sie Geschäftsreisen mit meinem Schiff entlang dem Ob. deren schöne Etiketten die Heileigenschaften und den Mineralgehalt des Inhalts priesen. «dass mir das nicht schon früher aufgefallen ist!» Ich erinnere mich noch. Da wurde mir bewusst. etwas angereichert mit dubiosen Zusätzen. Im Radio hatte ich von Hühnerkeulen fraglicher Qualität gehört. Natürlich waren sie nicht alle gleich. als hätten ganz Moskau und alle Russen diese Gummiwürstchen zu ihrem neuen Nationalgericht erkoren. werte Herren aus der Fremde? Ich sah mir die Kioske an. dachte ich. die unser Land zur Blüte fuhren sollen? 101 . ihnen einen angemessenen Service zu gewährleisten. doch was hat unsere Bemühung im Endeffekt gebracht? Wo seid ihr. dass es sich mit der Ware auf meinen Schiffen eigentlich genauso verhalten hatte. ist das natürlich alles nicht weiter tragisch. russische Unternehmer? Wo sind diejenigen. er wird sich höchstens gefoppt vorkommen. Nur hatte ich damals nicht darüber nachgedacht. Gefüllt waren die Flaschen aber mit gewöhnlichem Leitungswasser. und sibirische Geschäftsleute halfen mir dabei. Viel schlimmer ist es allerdings für einen durchschnittlichen Russen. wirft er sein Gespartes amerikanischen Geldhaien in den Rachen und verbringt wie ein Narr zwei Wochen in den Luxusappartements für Narren.Für jemanden. der genügend Geld hat. Woher kommt nur eure Geringschätzung für uns Russen. mit denen unser Land geradezu überschwemmt worden war. Statt seine Mutter zu besuchen oder an einen russischen Kurort zu fahren. Auch war dort die Rede gewesen von Wasserflaschen.selbst Wasser wurde schon eingeführt. der das ganze Jahr über für seinen Urlaub gespart hat und dann auf diesen Bluff hereinfällt. Mir fielen die zahlreichen Reklameschilder für «Hotdogs» auf.

Und zahlreiche Menschen . etwas für sich selbst und für ihr Land zu tun — stürzten sich quasi ins Kampfgetümmel.17 Der Beginn der Perestroika Zu Beginn der Perestroika.junge wie auch nicht mehr so junge. Die Unternehmer brauchten dringend Beistand. egal wie viel sie arbeiteten und was sie auch taten. Sofort tauchten überall Missgünstlinge und Neider auf. Beim ersten Kongress wählten mich die Unternehmer zum Sekretär der kommu102 . die Idee eines Verbandes sowjetischer Genossenschaftler. Die meisten von uns waren damals Kommunisten. «Nieder mit diesem schamlosen kapitalistischen Pack! Wofür haben wir denn gekämpft?!» Obwohl die meisten Unternehmer der ersten Stunde mit ungeheurem Einsatz Tag und Nacht arbeiteten und dabei auch eine Menge Grips und Können unter Beweis stellten. Die Organisation dieses Verbandes der ersten Unternehmer wurde von einer Initiatorengruppe geleitet. praktisch aus dem Nichts. So entstand damals. hörten sie von niemandem ein Dankeschön. der auch ich und Artjom Tarassow (heute einer der bedeutenden Unternehmer Russlands) angehörten. «Nieder mit ihnen!». schrien sie. war das für viele ein Startschuss zum Handeln. als das erste «Genossenschaftsgesetz der UdSSR» verabschiedet wurde. aber alle voller Tatendrang und von dem echten Wunsch beseelt. selbst wenn er auch noch so unbedeutend gewesen wäre. und das war nur möglich durch Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit.

Sie waren von vornherein zum Scheitern verurteilt.nistischen Parteigruppe innerhalb des Kongresses. denn diejenigen. führten zu nichts. dass es Unternehmer angesichts der erwähnten Hetze unglaublich schwer hatten. die die Steuern eingeführt hatten — möge das nur meine Vermutung sein! —. um die Steuern zu umgehen.und ihr Einfluss war sowieso schon längst nicht mehr so groß wie früher. die ihn zum Kriminellen erklärt. Die Unternehmer wurden nun auch steuerlich immer mehr unter Druck gesetzt. der es wagen sollte. Doch gerade das war ja ihre Absicht gewesen. Daraufhin versuchte ich. Und warum? Aus Machtgründen! Und zur Erpressung! Jeden.entweder mit Hilfe der Steuerinspektion oder mit Hilfe der Polizei. Da war offenbar bereits ein innerer Gärungsprozess im Gange. Auch heute könnte sich kein Unternehmer (mit ein paar wenigen Ausnahmen) über Wasser halten. Deswegen griffen viele zu Tricks und Kniffen. dass für uns Unternehmer diese Situation der Hetze und Missgunst . würde er ordnungsgemäß alle Steuern zahlen. Ich empfand diese schmähliche Situation als eine Zumutung für die ersten Unternehmer der Perestroika und auch für die künftigen Unternehmer Russlands. etwas für sie zu tun. Dadurch gerieten sie aber in eine noch schlimmere Lage — jetzt bewegten sie sich auf dem Territorium der Illegalität. Vor allen Dingen brauchten sie moralische Unterstützung.sowohl vonseiten der Bevölkerung als auch vonseiten der großen und kleinen Beamten . den zuständigen Autoritäten die Absurdität der gültigen Besteuerung zu erklären. soweit es in meinen Kräften stand. waren sich sehr wohl der Unmöglichkeit der Zahlungen bewusst. kann man auf der Stelle aus dem Wege räumen . unserem Betreuer Kolossowski vom Zentralkomitee der KPdSU klarzumachen. All die Versuche. Daher beschloss ich. Ich begab mich zum Verband für Genossenschaftler und Unternehmer Russlands. dessen Vorsitzender das Akademiemitglied 103 . denn sie fürchtete dadurch eine Einbuße an Popularität . Die oberste Leitung des ZK würde sich nie öffentlich für uns einsetzen. Doch bald erkannte ich.noch lange währen würde. aus der Reihe zu tanzen.

und seine Sekretärin vergiftet worden seien.W. Auf verschiedenen Kommunikationswegen — durch Zeitungsinserate und «zufällige» Begegnungen — lernte ich eine Reihe von interessierten Moskauern kennen. in dem der Verband seinen Sitz hatte. und so musste ich alles aus eigener Tasche bezahlen. Tichonow gewesen war. Artjom Tarassow sei aus dem Verband ausgetreten und die Zahl der Mitglieder habe sich stark reduziert.ich hatte nur zu läuten brauchen. A. Für die organisatorische Arbeit im Verband standen keinerlei finanzielle Mittel zur Verfügung. und schon wurden mir beliebige Speisen und Drinks gebracht . wo die Faxverbindungen zu den Firmen noch nicht überlastet waren. und so stellte ich das Sekretariat der Gesellschaft von Unternehmern zusammen. Wir hatten ihn zu Beginn der Perestroika dazu gewählt. war noch intakt. den ich als Fax versandte. Den abrupten Wechsel von meiner komfortablen Kajüte . Drei von ihnen waten Moskauer Studenten.zu einem nicht zum Leben bestimmten. Weil es keinen Fernsehapparat gab. Um sechs Uhr morgens wurde ich durch die Putzfrau wach. aber viele Räume standen jetzt leer. leer stehenden Arbeitszimmer verwirrte mich nicht im Geringsten. in dem es zwei Telefone. Ich dachte über Ziel und Zweck der «Gesellschaft für Unternehmer» nach und hielt meine Gedanken in Form eines schriftlichen Appells fest. um Geld für das Hotel und Zeit zu sparen. Dazu gehörten Menschen der unterschiedlichsten Berufe. Man teilte mir außerdem mit. Das Gebäude. Als erster von ihnen kam 104 . mehr zu arbeiten. dass vor einem halben Jahr der Vorsitzende des «Runden Tisches» der Unternehmer Russlands. konnte ich ungestört bis Mitternacht arbeiten. und so wurde mir auf meine Bitte hin eines der leer stehenden Arbeitszimmer zur Verfugung gestellt. Wladimir Alexandrowitsch Tichonow war anderthalb Jahre zuvor gestorben. und zwar morgens. Einer der drei noch verbliebenen Mitarbeiter des Verbands kannte mich persönlich. nun bot sich mir die Gelegenheit. einen Computer und ein Faxgerät gab. die aber alle die Bedeutung der zukünftigen Gesellschaft für Unternehmer erkannt hatten. Iwan Kiwilidi. im Gegenteil. Ich übernachtete auch im Arbeitszimmer.

105 . Sie arbeiteten an der elektronischen Version des «Goldenen Katalogs von Russland» und schrieben das Programm auf hohem professionellem Niveau. Als er von der Gesellschaft erfuhr. brachte er seine Freunde mit — Artjom Semjonow und Alexej Nowitschkow. um unseren defekten Computer zu reparieren.Anton Nikolajkin.

die mindestens ein Jahr auf dem russischen Markt tätig waren und nach ehrlicher Partnerschaft strebten . Außerdem legte er ein paar tausend Dollar aus. eine Gesellschaft gründen zu wollen. der von meiner Ankunft in Moskau und von meinen Plänen erfahren hatte.sowohl untereinander. Damit wollten sie mir vor Augen fuhren. Vertreter verschiedener öffentlicher Vereinigungen versuchten mich jedoch davon zu überzeugen. aber auch in ihren geschäftlichen Beziehungen und mit den Mitarbeitern der eigenen Firma. bei der sowohl an die Unternehmer als auch an die Unternehmen solch hohe Beitrittsbedingungen gestellt würden. drastisch an Mitgliedern verloren. denen jeder gegen einen geringen Beitrag beitreten könne. nahm an einem von mir organisierten «Runden Tisch» teil. um unsere Dokumente in angemessener Form vervielfältigen zu lassen. Mein alter Bekannter Artjom Tarassow.18 Die Gesellschaft der Unternehmer Russlands Das Konzept der Gesellschaft war folgendes: Es sollte ein Zusammenschluss von Unternehmern sein. 106 . Er half uns bei der Formulierung der Gründungsurkunden und verfasste einen Aufruf an die Unternehmer Russlands. wie absurd es sei. dass die Zeit der euphorischen Zuversicht vorbei sei und dass die meisten Organisationen. Diese Dokumente wollten wir dann bei dem bevorstehenden «Kongress für Kleinbetriebe» verteilen.

Allein schon um die Information über die Organisation der Gesellschaft. und nach unseren bisherigen Erfahrungen konnte man mit einer positiven Reaktion von nicht mehr als zehn Prozent der Empfänger rechnen. ihre Prinzipien und ihre Struktur den Unternehmern der zahlreichen russischen Regionen zu vermitteln. Einen Teil der Mitgliederbeiträge verwendete die Verbandsleitung für die Mietkosten. denn eine andere Einkommensquelle gab es nicht. wurde eine halbe Milliarde Rubel (100. Diese Summe konnten wir aber unmöglich aufbringen. Es entging dem Verband nicht. fragten die Studenten erstaunt. eine unserer Mappen in den Kreml zu bringen. Den zweiten Computer ließ ich zurück. Die Aktion. denn er war von den Mitgliedsbeiträgen der Unternehmer gekauft worden. um den Delegierten die Ordner direkt auszuhändigen. und dann werden wir wie Mieter behandelt.» 107 . die Beiträge der Unternehmer für die laufenden Kosten zu verwenden. Schließlich gelang es Artjom Tarassow. Die Organisation der Gesellschaft erwies sich als undurchführbares Unterfangen. die der Verband nach seiner eigenen Satzung selbst tun müsste. Folglich postierten sich die Mitglieder des Sekretariats und unsere Studenten am Eingang des Hotels «Rossia». Ich musste aus dem Verband austreten. und so stellten sie alle Ausgaben für organisatorische Zwecke ein. Der Verband war gezwungen. «Was soll das?». dass unsere Pläne ins Stocken geraten waren. aber leider enthielt sie nur wenige Dokumente. Sie ließen sich weder von der Kälte noch von der Miliz beirren. denn immerhin hatten sie ihre Computerprogramme ohne Bezahlung geschrieben. «Wir machen die Arbeit. Es ging sogar so weit. Um die Interessen der Unternehmer aber scheren sie sich einen Dreck. dass sie den Mitgliedern des Sekretariats kein Gehalt mehr zahlten.000 US-Dollar) für Druck und Porto benötigt.Doch die Organisatoren des Kongresses ließen die Verteilung unserer Präsentationsmappen nicht zu — sie sahen in uns wohl eine unliebsame Konkurrenz. die sie für Schwarzhändler hielt und sie fortjagen wollte. in die wir all unsere Hoffnung gesetzt hatten. scheiterte. obwohl die Beiträge der Unternehmer gerade dafür bestimmt waren.

Die drei Moskauer Studenten . Er hatte versucht. Artjom und 108 . So war ich plötzlich ohne Kommunikationsmittel und konnte nicht einmal mehr meinen Lebensunterhalt bestreiten. als Präsident Russlands zu kandidieren. die noch immer beim Sekretariat des Verbands beschäftigt waren. die Arbeit mit Hilfe der «Gewerkschaft für Unternehmer» weiterzuführen. Ich war nun also ganz auf mich allein gestellt — zumindest dachte ich das. ohne dabei die Mehrheit der Mitglieder zu konsultieren. dass sie alle nur einen Namen tragen. Sie sind mehr oder weniger wie jene Diwanparteien. ohne Lohn zu erhalten. Was sind die Gründe dafür? Unter anderem das unpersönliche Beitragssystem. wurde mir klar. waren gezwungen zu kündigen und sich nach einer anderen Beschäftigung umzusehen. das dann im Namen der Unternehmer auftritt. die nur den Bedürfnissen ihres eigenen Verwaltungsapparats dienen. denke ich. und folglich musste sich Artjom um eine Aufbesserung seiner Finanzlage kümmern.Anton. Aus irgendeinem Grund bildet sich jedes Mal ein Führungsgremium heraus. aber praktisch keine Mitglieder haben. und einige Milliarden Rubel (ein paar hunderttausend US-Dollar) für die Sammlung von Unterschriften ausgegeben. Nachdem ich ein paar öffentliche Vereinigungen kennen gelernt hatte. aber es lief schließlich aufs Gleiche hinaus. Baschmatschnikow. Bis heute gibt es in Russland keine einzige öffentliche Organisation von Unternehmern mit einer ernst zu nehmenden Anzahl von Mitgliedern. Nicht lange. und ich verließ auch die Gewerkschaft. wie zum Beispiel die landwirtschaftliche Genossenschaft unter der Leitung von W. Doch der zentrale Wahlausschuss hatte einen Großteil der Unterschriften nicht anerkannt. ähnlich wie all die «Diwanparteien».» Zusammen mit den verbliebenen Mitgliedern des Sekretariats versuchte ich. Es gibt hierbei nur wenige Ausnahmen. Die Moskauer. Zur gleichen Zeit flog Artjom Tarassow nach London.Die Verbandsleitung jedoch hatte ihre eigene Argumentationsweise: «Die Räume kosten ja schließlich auch Geld.

Ljoscha* — wollten das begonnene Projekt nicht einfach hinschmeißen. Anton zahlte meine monatliche Miete von dem Geld, das er für seinen Urlaub gespart hatte. Sie erwarteten, dass ich einen Ausweg aus der verrannten Lage finden und die Arbeit zur Gründung der Gesellschaft für Unternehmer fortführen würde. Sie waren von der Idee ergriffen und glaubten daran. Was mich betrifft, so sah ich keinen Ausweg. Zu diesem Zeitpunkt erhielt ich eine Nachricht aus Nowosibirsk.

* Kosename für Aleksej.
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Dem Selbstmord nahe
Eines Abends besuchte mich ein Bekannter aus Nowosibirsk, der in eigener Sache nach Moskau gekommen war. Er brachte eine Flasche Wodka und etwas zu essen mit. Wir saßen in der Küche meiner Einzimmerwohnung, und er berichtete mir, wie es um meine Familie und meine Firma bestellt war. Es sah nicht gerade rosig aus. Aus Geldmangel hatte meine Firma ein Büro im Stadtzentrum und ein Geschäft für Autoersatzteile schließen müssen. Die Arbeiter der Firma hatten ihr Glück im Schuhverkauf versucht, aber als Ergebnis davon war der Schuldenberg nur noch gewachsen. Für all das war ich haftbar. «Und was du hier treibst, das kann niemand verstehen. Viele glauben, du seist durchgedreht. Du hättest dich zuerst um die Firma kümmern müssen — dass die wieder läuft —, dann hättest du doch immer noch deinen komischen Interessen nachgehen können. Jetzt glaubt dort niemand mehr an dich.» Als wir die Flasche fast geleert hatten, fragte er mich: «Soll ich dir mal ganz offen sagen, was man meiner Meinung nach von dir erwartet?» «Sprich», sagte ich. «Dass du dir das Leben nimmst oder auf Nimmerwiedersehen untertauchst. Überleg doch mal: Ohne Startkapital kannst du jetzt kein neues Geschäft mehr beginnen. Dir fehlt nicht nur das Startkapital, du kannst dich noch nicht mal ernähren, und obendrein
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noch diese Schulden ... Ich kenne niemanden, der sich aus einer solchen Situation je herausgewunden hätte. Und bist du mal weg, wird man dich für tot erklären, und all dein restlicher Besitz wird aufgeteilt werden. Deine Frau sagt, du bist Löwe und hast immer auf großem Fuß gelebt, und nach deinem Horoskop sollst du so arm enden wie eine Kirchenmaus. Wieso hast du nur diese zweite Geschäftsreise unternommen? Das kann niemand begreifen.» Obwohl wir reichlich getrunken hatten, konnte ich mich am nächsten Morgen genau an unser Gespräch erinnern. Seine Argumente waren kaum von der Hand zu weisen. Weder in Nowosibirsk noch hier in Moskau gab es irgendeinen Hoffnungsschimmer. Meine Mitarbeiter, meine Familie, alle mir nahe stehenden Menschen hatten unter der Misere zu leiden. Ich konnte die Lage nicht bereinigen oder einen Ausweg finden, denn es gab einfach keinen Ausweg. Mein Tod hätte all dem Elend ein Ende bereiten können. Natürlich ist Selbstmord keine gute Sache. Doch alle Logik sprach dafür: Wenn mein Selbstmord anderen Menschen das Leben erleichtert, so hatte mein Bekannter Recht - es stand mir nicht zu, weiterzuleben. Folglich beschloss ich, aus dem Leben zu scheiden. Dieser Gedanke hatte sogar irgendwie etwas Beruhigendes an sich. Ich brauchte mich nicht mehr damit zu quälen, verzweifelt einen Ausweg zu suchen, denn ich hatte den Tod als Ausweg akzeptiert. Ich räumte die Wohnung etwas auf und schrieb eine Nachricht an die Wirtin, dass ich nicht zurückkommen würde. Dann ging ich zum Gewerkschaftsgebäude, um die Papiere unserer Gesellschaft in Ordnung zu bringen. Jemand anders, so dachte ich, soll meine Arbeit fortsetzen, wenn auch nicht sofort, so doch irgendwann in der Zukunft. Jetzt fragte es sich nur noch, wie ich mich umbringen sollte, denn ich hatte nicht einmal Geld, um mir Gift zu kaufen. Dann kam mir eine Idee: Ich wollte so tun, als sei ich ein Winterschwimmer, und mich beim Bade in einem Eisloch ertränken. Dann würde es auch nicht nach Selbstmord aussehen. Ich machte mich also auf den Weg. In einem Durchgang der Metrostation «Pushkinskaja» hörte ich plötzlich eine Melodie, die mir bekannt vorkam. Zwei junge Mädchen spielten sie auf ihren
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Geigen. Vor ihnen lag ein geöffneter Geigenkasten, in den die Passanten Geld werfen konnten. So verdienen sich viele Musiker in den U-Bahn-Tunnels Moskaus ein Zubrot. Aber diese beiden Mädchen waren etwas Besonderes. Mit ihren Geigen zauberten sie eine Melodie hervor, die trotz ihrer Sanftheit das Gepolter der Züge und den Lärm der Menge durchdrang und viele Menschen aufhorchen ließ, sodass sie ihre Schritte verlangsamten. Ich blieb sogar stehen, denn es war die gleiche Melodie, die mir Anastasia in der Taiga vorgesungen hatte. Ich hatte sie damals gebeten, mir etwas Eigenes vorzusingen, etwas, was ich noch nicht kannte, und bekam dann jene ungewöhnliche, wundersame, bezaubernde Melodie ohne Worte zu hören. Zuerst stimmte Anastasia einen klagenden Ton an — als schreie ein kleines Kind. Dann wurde ihre Stimme sehr leise und sanft. Sie stand mit geneigtem Haupt unter einem Baum, die Arme an die Brust gedrückt. Es schien, als hielte sie ein Kind in den Armen und wiege es mit ihrer kosenden Stimme in den Schlummer. Ringsumher wurde es mucksmäuschenstill, denn alles in der Natur lauschte diesem wundersamen Gesang. Dann freute sie sich über das Erwachen des Kindes, und ihre Stimme begann zu jubilieren. Unglaublich hohe Töne erklangen, flössen ineinander über, durchwoben den Äther und entschwebten dann in luftige Höhen, und alles um uns herum lauschte wie gebannt und voller Freude. Ich fragte die beiden Mädchen: «Was habt ihr da gerade gespielt?» Sie sahen sich an, dann sagte die Ältere: «Das habe ich improvisiert.» Die andere fügte hinzu: «Und ich habe sie einfach nur begleitet.» Da stand ich nun in Moskau, war wie besessen gewesen von der Idee, eine Gesellschaft für Unternehmer zu gründen — es war praktisch zu meiner Lebensaufgabe geworden —, doch Anastasia hatte ich fast vergessen. Und nun, am letzten Tag meines Lebens, erinnerte sie mich nochmals an sich. «Könntet ihr das Gleiche noch mal spielen? Bitte!»
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so viel Zeit hast du vergeudet!». «Ach. Nun ja. das Buch schreiben . wenn man zum Schreiben eigentlich keine Begabung hat. Träumen.. Damals.» Natürlich war es immer noch ein Unding. Aber wie anders? Ich wiederholte die Worte noch ein paar Mal.. die Information über die Gesellschaft der Unternehmer verbreiten. die Gesellschaft der Unternehmer gründen. Ich sprach die Worte mehrmals vor mich hin und merkte: Irgendetwas stimmte hier nicht.. das ist etwas ganz anderes. und dann sollten es die Leute auch noch lesen . dachte ich. Aber natürlich! Ich hätte ja zuerst das Buch schreiben sollen! Das Buch sollte alle Probleme lösen und. Tja.«Also gut. was noch wichtiger war. Also gut. dass es klappen würde. Aber Anastasia glaubte ja daran. das war wohl nichts mit deinen Plänen. Anastasia! Wie schwer ist es doch. Die Gesellschaft der Unternehmer gründen. ich musste die Sache anpacken und bis zum Ende durchziehen. 113 . lauschte der zauberhaften Melodie der Geigen. und sie hatte auch mich davon überzeugt. Zumindest weiß ich nun.. «Und dein persönliches Leben ist jetzt ein heilloses Schlamassel. aber sie in der Realität umzusetzen. hatten die Worte anders geklungen. das ist eine Sache. dann fange ich eben jetzt zu handeln an. Da war etwas durcheinander geraten. in der Taiga. wir werden es probieren». Du hast dich eben getäuscht. ein Buch schreiben zu wollen. was zu tun ist. erinnerte mich an die Taiga und dachte: «Ach. bis ich sie umstellte: das Buch schreiben. Ich stand in einem Durchgang der Metro. antwortete die Ältere.» In diesem Moment war ich wie vom Blitz getroffen. deine Pläne zu verwirklichen.

meine Pelzkappe zu verkaufen. Ich machte mich auf den Weg zu einem der zahlreichen Moskauer Märkte. Er muss sich von hinten an mich herangeschlichen haben. waren aber nicht sonderlich interessiert.000 Rubel herabzusetzen. sie zu kaufen. dann wurde mir schwarz vor Augen. Ich sah zunächst Sternchen. Ich musste dringend für Nachschub sorgen. den Preis auf 150. Ich war schon bereit. Sie sahen sich die Kappe zwar an. der im Laden eine gute Million Rubel (200 USDollar) gekostet hätte. aber eine viertel Million würde ich schon dafür bekommen. Es war ein Markenartikel aus echtem Nerz. Der Winter war zwar praktisch vorbei. Wir gingen an eine einsame Stelle am Rande des Basars und warteten auf seinen Kameraden mit dem Spiegel. denn plötzlich verspürte ich einen dumpfen Schlag im Nacken. In der Küche herrschte gähnende Leere . Ich bot sie verschiedenen Händlern an. die Obst.20 Die klingenden Zedern Russlands Ich kehrte in meine Wohnung zurück. da kamen zwei Männer auf mich zu. dachte ich. Sie drehten die Mütze in den Händen herum und betasteten den Pelz. Lange mussten wir nicht warten. Bitte doch jemand um einen Spiegel». das Menschengedränge zu verlassen. Gemüse oder Haushaltswaren verkauften. Gerade noch konnte ich mich 114 . In Moskau kündigte sich bereits der Frühling an.außer einer halben Flasche Sonnenblumenöl und etwas Zucker gab es keine Vorräte. «Man müsste sie mal anprobieren. sagte der eine zu seinem Kameraden und forderte mich auf. So beschloss ich.

Dort dachte ich nach. Unsere Blicke begegneten sich.an einen Zaun lehnen. Nur zwei Frauen beklagten meine Lage und fragten teilnahmsvoll: «Sind Sie in Ordnung? . aber gebieterischem Ton. einen Obdachlosen oder sonst ein verdächtiges Subjekt gehalten hätte. wohin ich mich nun wenden sollte. mich mit ihm anzulegen. aber als ich wieder zu mir kam. um mich umzuschauen. aber das waren drei Haltestellen. er blieb stehen.» 115 . Ich hatte keine Lust und auch keine Energie. waren meine «Kunden» schon fort. wie sie oft an Kiosken mit Alkoholausschank herumlungern.» Ich ruhte mich noch eine Weile an dem Zaun aus und trottete dann langsam davon. Mach. und so entgegnete ich: «Ich brauche dein Gebiet nicht. Was aber hätte ich ihnen sagen sollen? Wer war ich jetzt schon? So in Gedanken versunken. dass du fort kommst!» Er sprach in ruhigem. und einen Augenblick war ich unaufmerksam. und wahrscheinlich würde mich die Miliz ergreifen. Er machte ganz den Eindruck eines Penners oder Saufbruders. erblickte ich plötzlich jenen seltsamen Kauz. Ich müsste ihre Verdächtigungen über mich ergehen lassen und mich rechtfertigen. Während ich noch reglos dastand und überlegte. bis die Sache geklärt wäre. was nun zu tun sei. sodass ich nicht stürzte. wiederholte sich das Malheur. Ich hätte zu Fuß nach Hause gehen können. Mir brummte noch immer der Schädel. Ich will nur ein wenig verschnaufen und gehe gleich weiter.So ein Lumpengesindel aber auch! Setzen Sie sich erst mal hier auf diese Kiste. Es nieselte. nur dass es diesmal ein Lastwagen war und mir das Wasser bis ins Gesicht spritzte. Ich ging weg vom Straßenrand und suchte unter der Markise eines Kiosks vor dem Regen Zuflucht. Ich wollte die Straße überqueren und blieb an der Bordsteinkante stehen. da sandte ein vorbeifahrendes Auto einen Schwall schmutziges Spritzwasser über meine Hose und meine Jackenschöße. In die Metro würde man mich in meinem Zustand natürlich nicht lassen. stellte seine Flaschen ab und sprach: «Was stehst du hier herum und gaffst? Du hast hier nichts zu suchen — das ist mein Gebiet. und mit ihnen auch meine Mütze. ein typisches Vorfrühlingswetter. da sie mich für einen Trinker. Er schritt langsam daher und schleppte zwei Kisten Leergut mit sich herum.

oder bis morgen früh. Wir gingen aber weiter in eine andere.» «In deinem Aufzug wirst du weder lange hier herumstehen noch irgendwo hingehen können. Also lass mich gefälligst in Frieden.» Wir kamen zu einer Tür. leere Ecke.» Ich ging ihm nach und fragte: «Ist es weit zu deiner Wohnung?» Ohne sich umzudrehen. antwortete er: «Da könnten wir laufen. und öffnete die Tür mit einer Art Schlüssel. erklärte er. Er befahl mir. 116 .» «Wohin?» «Du kommst jetzt mit zu mir. wenn mich keiner stört.. Nun gut.» «Und schaffst du den Weg?» «Ich werde ihn schaffen. erleuchtet vom trüben Licht. Ich gehe. ein Anfänger.. Dort holte er aus seinem Bündel eine Flasche Wasser. und würden nicht hinkommen. und damit basta. sagen wir für drei Stunden .» «Das lass nur meine Sorge sein. Danach gehst du wieder deine eigenen Wege. In einer Ecke lagen ein paar Lumpen herum. erhol dich nur. Nach einer Weile kam er zurück.» «Hängst ganz schön durch. Die Wärme ging von den Heißwasserrohren aus. vergewisserte sich. was? Hast du 'ne Poofe?» «Eine was?» «Aha. Im Keller war es wärmer als draußen auf der Straße.» Er hob seine Kisten auf und ging davon. eher einen Ort meiner Dislozierung. deren Isolierung wahrscheinlich von hier ansässigen Obdachlosen entfernt worden war. entkorkte sie. Nein. die zum Keller eines mehrstöckigen Mietshauses führte. das durch ein verstaubtes Kellerfenster fiel. dass keiner der Bewohner in der Nähe war. na eben bis du wieder trocken bist. etwas im Abseits zu warten. nahm etwas Wasser in den Mund und besprühte damit den Fußboden ringsumher. «Gegen den Staub». 'ne Wohnung habe ich keine. «Komm mit mir. mit einem Bündel unterm Arm. bis wir umfallen.Aber er setzte das Gespräch fort: «Wohin gehst du?» «Das geht dich nichts an.

die trocknet auch am Leib. Die Hose kannst du anbehalten. Wahrscheinlich lag das an der Sorgfalt. Beim Anstoßen stellte er sich vor: «Nenn mich einfach Iwan. Schau aber. aber die von ihm hergerichtete Ecke machte irgendwie einen gemütlichen. aber nicht abgetrennte Dosendeckel war sauber. auf die er nacheinander ein Stück Käse.» Da saßen wir nun in diesem schmutzigen Kellerloch. ihre Träume und ihre Bestrebungen. 117 . Wir haben hier zwei Nachbarn. Während er sorgfältig den Käse zerschnitt.Dann schob er ein in der Ecke stehendes Brett beiseite. Wir reden uns alle nur mit Vornamen an. kam ich wie von selbst auf mein Treffen mit Anastasia zu sprechen. die manchmal da hinten übernachten .» Er holte noch zwei verschlossene 100-Gramm-Becher Wodka aus seiner Plastiktüte. Ich erzählte ihm über ihre Lebensweise. leicht gebogen und diente zum Reflektieren der Flamme. etwas Brot und zwei Becher Kefir stellte. mit der er die improvisierten Betten hergerichtet und das Abendmahl serviert hatte.» Während ich mit ihm sprach und seine Fragen beantwortete. Nach dem Essen fragte ich ihn: «Gibt es hier irgendwas Weiches zum Unterlegen?» «Decken kann man hier nicht aufbewahren. ja sauberen Eindruck. Diese simple Vorrichtung erleuchtete die Ränder der beiden Sperrholzunterlagen und den halben Meter Zwischenraum. ihren Strahl. dass du sie nicht so zerknitterst. Zieh deine Jacke aus und hänge sie zum Trocknen über das Rohr.. Aus derselben Ecke holte er eine leere Konservendose und zündete eine darin befindliche Kerze an. Der geöffnete. Die ziehen Schmutz an. Ich habe eine Bürste. dann setzten wir uns zum Abendessen. ihre Fähigkeiten. und machte daraus zwei Schlafunterlagen. und dann muffelt's. mit ihren Lumpen haben sie die ganze Ecke versaut. zog dahinter zwei in Cellophan eingeschlagene Sperrholzplatten hervor sowie ein paar Stücke Pappe. damit kannst du sie später reinigen. Dort breitete er eine Zeitung aus. sprach er: «Warum stehst du? Setz dich doch hin.. ebenfalls in Cellophan eingeschlagen.

Aber schon als Kind habe ich gern gemalt. ich würde dir schon helfen. wann immer ich Zeit hatte.. Pinsel und gute Farben.» «Und bist du sicher. da brauchst du schon einen guten Künstler.» «Na ja.» «Ich glaube kaum. «Jetzt werde ich es schreiben und versuchen. denn der Sinn des Buches muss von außen klar werden. wenn du immer nur malen wolltest?» 118 . dass du ein Buch schreiben und es dann vor allem verlegen kannst. dem ich von Anastasia erzählte. Später malte ich. verstehst du? . es zu verlegen. dass du es erreichst?» «Ich werde es einfach probieren.» «Bist du etwa Kunstmaler von Beruf?» «Das nicht .. der dir den Einband gestaltet. die «Gesellschaft für Unternehmer mit reinen Absichten» ins Leben zu rufen.» «Wie stellst du dir das vor? Bist du denn sicher. und ich besuchte verschiedene Kurse.nein.» «Warum bist du dann Offizier geworden..Er war der erste Mensch. Aber diese Sachen sind ja so teuer heutzutage . so ein Buch .» «Du hast also ein Ziel und wirst darauf zuhalten?» «Richtig. Damit der Einband dem Sinn und Zweck des Inhalts gerecht wird. . Ich weiß selbst nicht. dass das so geht.Hätte ich Papier. das Buch zu schreiben. wie ich bei dem Versuch gescheitert war. wieso ich ihm all diese Dinge offenbarte.Und woher willst du ohne Geld so einen Künstler auftreiben?» «Dann muss ich eben auf die künstlerische Gestaltung verzichten. Anastasia hat gesagt. das Buch muss zuerst kommen. ich bin Offizier. Ich schilderte ihm auch den Rest der Geschichte: dass ich Anastasia versprochen hatte. Die künstlerische Gestaltung ist unverzichtbar. und schenkte die Bilder meinen Freunden. ihr zu helfen.. Das muss mit Gefühl gemacht werden. nicht sicher — was weiß denn ich? Ich weiß nur eines: Ich werde es anpacken. wo dir doch die finanziellen Mittel völlig fehlen?» «Sicher. und dass ich es versäumt hatte.

Erster Mai und Siebter November*. höret. wir.. jedenfalls der meisten von uns. Meinen Vater habe ich geliebt und geachtet. Doch ahnten sie nicht. Zu allen Zeiten gingen sie den Kugeln entgegen . <Hoch!> und <Es lebe!> schrien. Dann kamen die Zeiten von Perestroika und Glasnost..um die zu schützen.» «Wollte dir jemand ans Leben? Hat wer aus Rache auf dich geschossen?» «Auf Offiziere wird oft geschossen. die großen Feiertage . Ich und andere Offiziere. die hinter ihnen her gingen. Henkersknechte und so weiter. und da habe ich eben die militärische Laufbahn eingeschlagen.. Da hieß es. An all die Menschen. Und dass er sie mitten ins Herz treffen würde.» «Und wo hast du gedient?» «Hauptsächlich beim KGB. Wir beschützten es.«Meine Vorfahren waren alle Offizier: mein Urgroßvater. waren stolz darauf. das war der Sinn unseres Lebens. dass ihr Herz aufs Korn genommen wurde und dass der tödliche Schuss von hinten kommen würde. Bis zum Oberst habe ich es gebracht.» «Wegen Personalabbau oder wurdest du gefeuert?» «Ich hab gekündigt. 119 . seien eine elende Schweinebande. eure Herzen hat man im Visiere . das geht folgendermaßen: «Offiziere. nicht nur die vom KGB. November 1917. Ich spürte ganz genau. Plötzlich wurden andere Parolen ausgerufen. mein Großvater und auch mein Vater. was er von mir erwartete... hab's nicht mehr ausgehalten. die in riesigen Umzügen Fahnen schwenkten und <Hurra!>. es gibt da so ein Lied. die Offiziere des KGB.» «Wieso das?» «Weißt du. Schon gar nicht würden wir für den Schutz von irgend* Bedeutendster Feiertag der Sowjetunion zum Gedenken an die Revolution vom 7. Doch eines Tages bin ich gegangen.. der Schutzschild dieses Volkes zu sein. Offiziere. Peng!» «Wie meinst du das?» «Du erinnerst dich sicher noch an die Zeit vor der Perestroika.

jemand oder irgendetwas stehen. einfach ein Haus für seine Kinder haben. Dann wurde er zum Leutnant befördert und zog von einer Kaserne zur nächsten. die uns damals anklagten.oder Sommerhaus dient. Dann bekamen wir einen Sohn unser einziges Kind. 120 . die zuvor den roten Bannern hinterhergelaufen waren. Meine Uniform versteckte ich. waren sie nichts als erbärmliche Hühnerställe. Sie fanden die Antworten schließlich woanders: in Zeitungsartikeln und im Fernsehen.. allerdings. diese stummen Fragen zu beantworten. als uns mit Repressalien und mit unseren Datschen* zu beschäftigen. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Niemand weiß... Sie war immer stolz auf mich gewesen. Und wir waren an allem schuld. das oft als Wochenend. Sie ist bildschön . Und was seine Datsche betrifft. weil sie sich meiner schämte. Meine Frau ist neun Jahre jünger als ich. die waren doch tatsächlich nicht von Pappe . Als dann das Ganze begann. wo ich als Wachmann arbeitete. Und es war mir nicht möglich. Schau dich nur selbst an.» «Aber die eleganten Datschen der hochrangigen Militärs. dass wir Offiziere nichts Besseres zu tun gehabt hätten. ich habe sie geliebt. Diesen Medien konnte man entnehmen. wie oft er mitten in der Nacht aus dem war* Kleines Grundstück auf dem Lande mit (Holz-) Haus. ein Nachzügler.. wenn man sie mit den jetzigen Wochenendhäusern derjenigen vergleicht. marschierten nun unter anderen Flaggen. Doch ständig hingen die stummen Fragen meiner Frau und meines Sohnes in der Luft. Er ist jetzt siebzehn. wurde meine Frau schweigsam. die damals im Fernsehen zu sehen waren... wie man so sagt. so wollte er. echt waren sie schon . Und am Anfang war der General ja auch nur Offiziersschüler gewesen und musste Schützengräben ausheben. Die gleichen Leute.» «Nun ja. Ich quittierte meinen Dienst und wechselte zu einer Bank. Sie konnte mir nicht mehr in die Augen sehen. wie jeder andere auch. Dein Dampfschiff war doch um einiges größer als so eine Datsche eines Generals. Zuerst war auch er stolz auf mich und achtete mich.

Früher genossen Offiziere in Russland ein hohes Ansehen. Es waren Offiziere. Da zogen sie unter ihrer Uniform weiße Unterwäsche an und unternahmen eine psychische Attacke. 121 .men Bett jener Datsche aufspringen musste.* Einige von ihnen wurden erhängt. wurden verbrannt und in den Schmutz getreten. alle lebten anders. und die anderen marschieren weiter. Niemand erhob damals die Stimme. Jetzt aber ist eine Datsche mit 15 Ar Land für einen General schon zu viel. die Ordnung im Land schaffen wollten. um sie zu verteidigen. früher lebte man eben anders. was eine psychische Attacke ist?» «Das ist.» * Gemeint ist hier der so genannte Dekabristenaufstand vom 14. Rundherum herrschten Chaos und Zerstörung. Ganze Ländereien bekamen sie geschenkt. Dieser Putschversuch mit friedlichen Mitteln wurde hauptsächlich von jungen aristokratischen Gardeoffizieren getragen. um an einer Feldübung teilzunehmen. Dezember 1825 in Sankt Petersburg. die furchtbarer waren als Blei und die bestimmt waren für die Herzen der Offiziere. Ich hab so was mal im Kino gesehen. <Weißgardisten>. den Gegner zu erschrecken. Beschuldigt wurden aber in erster Linie die Offiziere. doch ihre nachrückenden Kameraden schließen die Lücken und gehen zum Angriff über. materielle wie geistige. Weißt du.» «Nun. Alle ehemaligen Werte. Aber angegriffen haben sie nicht. wenn man versucht. Die weißgardistischen Offiziere marschieren dort geschlossen aufs Maschinengewehrfeuer zu. Unterdessen wurde ihnen im Hinterland von den revolutionären Patrioten ein besonders <herzlicher> Empfang bereitet: Sie luden ihre Gewehre mit Kugeln. so nannten sie die aus dem Krieg zurückkehrenden Offiziere.» «Ja. sie fallen.» «Ja. Später lagen russische Offiziere in den Schützengräben und kämpften für den Zaren und das Vaterland gegen die Deutschen. andere nach Sibirien verbannt. Einige fallen. die auf dem Senatsplatz aufmarschierten und dabei das Wohl des Volkes im Sinn hatten. <blutdürstige Bestien>. Jene Offiziere hatten es sehr schwer. im Film <Tschapajew>. die sich für eine freiheitliche Verfassung einsetzten.

als sie erschossen wurden?» «Wir lebten zwar noch nicht. und eigentlich war er für Politik 122 . dass mein Sohn umschaltet. An Christus erinnern wir uns noch irgendwie. und natürlich wurde munter drauflos gedroschen — es hagelte Kritik. Ich tat so. wenn nicht wir?» «Stimmt. Aber die bartlosen Fähnriche und die Generäle. Vielleicht stehen ihre Seelen. sich zu besinnen und künftig nicht mehr auf andere zu schießen. Auf die in Schützengräben verschanzten Maschinengewehrschützen zuzumarschieren war nur für Soldaten möglich. Dann begann eines jener politischen Programme.«Wieso? Warum sind sie dann überhaupt voranmarschiert?» «In der Militärpraxis ist die Besiegung oder die physische Vernichtung des Gegners Ziel und Zweck eines jeden Angriffs.» «Warum sollten sie uns aufrufen? Wir lebten doch noch gar nicht. haben wir vergessen.» «In der Tat. und zwar mit möglichst geringen Verlusten aufseiten der Angreifer. die in jener Formation marschierten. weil sie um den Preis ihres eigenen Lebens die Schießenden dazu auffordern wollten. Warum fliegen sie eigentlich nach all den Jahren immer noch? Und warum hast du dein Haus verlassen?» «Ich habe einen Blick nicht ertragen. noch heute vor uns. gekleidet in weiße Unterwäsche und Offiziersuniformen.» «Aber dann wäre ja ihr Tod dem Kreuzestod Jesu Christi ähnlich. aber die Kugeln fliegen noch heute. die Kugeln fliegen noch heute. Wer schießt denn heute. und rufen uns zur Besinnung auf. Es ging um den KGB. Ich wollte. Neue Kugeln. wenn wir unsere Kugeln abfeuern. Meine Frau war in der Küche. als würde ich Zeitung lesen und als interessierte mich die Sendung nicht.» «Und das wäre?» «Vielleicht handelten sie absichtlich aller Logik der Kriegsführung zuwider. mein Sohn und ich sahen fern.» «Was für einen Blick?» «Eines Abends saßen wir vor dem Fernseher. die bewusst oder unbewusst ein anderes Ziel verfolgten.

und mein Sohn sah mich einfach nur an.» «Ein eigenes Eliteregiment sollte sie haben. ohne jede Truppenbegleitung. In jener Nacht habe ich ihnen einen Zettel geschrieben: <Ich verlasse das Haus für einige Zeit.» «Ich denke. feuerte sie in die Ecke. sich von ihrem Strahl erwärmen zu lassen. Aber er schaltete nicht um. Seine Hände umklammerten die Armlehnen so fest.» «Ein Regiment? Da hast du was missverstanden. und damit hat sich's. sah mir in die Augen und schwieg. Aber zum Fernseher ist er nicht gegangen. Eine Zeit lang harrte ich noch hinter dem Versteck meiner Zeitung aus. Er stand mir gegenüber. dass sie es schafft.>?» «Ja. dann konnte ich es nicht länger ertragen. ja ich spüre.auch überhaupt nicht zu haben. Musiksendungen mochte er viel lieber. dass er nicht umschalten würde. Da fing er wieder an zu sprechen: «Anastasia sagt also: <Ich werde die Menschen aus der Zeit der Dunkelmächte entrücken. sprang auf und sagte. Ein schöner Unternehmer ist mir das!» 123 . Ihr einziges Hilfsmittel ist ihr Strahl. Und sie glaubt auch fest daran. Ich werde es tun. Sie hat dich um Hilfe gebeten. Gewalt lehnt sie gänzlich ab. das wäre was! In diesem Regiment würde ich selbst gern Soldat sein. dass seine Finger ganz weiß wurden. Ich versuchte. Muss wohl so sein. Im Fernsehen wurde weiter gesprochen.» Wir schwiegen für eine lange Zeit. Er saß wie gebannt da. dass sie ihren Grips auch ein wenig anstrengen müssen. Aber nur wenige verstehen. Man muss Anastasia helfen. es mir auf der Sperrholzunterlage so bequem wie möglich zu machen. Ich blätterte in der Zeitung und beobachtete ihn aus dem Augenwinkel. um einzuschlafen.> Und ich bin für immer gegangen. In vielen wird der Wunsch entstehen.. dass sie es schafft. Da begriff ich.. und du liegst hier im Keller herum wie ein Penner. denn sie ist ganz allein. Sie will die Menschen irgendwie überzeugen. ja schrie: Schaltest du das jetzt endlich ab!> Mein Sohn stand ebenfalls auf.» «Warum für immer?» «Weil. Ich knüllte die Zeitung zusammen.

wobei die Scheibe zerbrach. Mir wurde warm. und ich schlief ruhig ein. sodass er zwischen mir und den Pennern lag. Nicht mehr lange. Aufgestanden! Nichts wie raus hier!» Ein trübes Licht hinter dem Kellerfenster kündigte die Morgendämmerung an. KGBler. «He. Roll dich gut zusammen und halt dich warm. Er versprach ihnen. und ich fiel in einen Schlummer. dann erklärte er: «Ihn rührt ihr mir nicht an — nur über meine Leiche!» Dann legte er sich auf seine Sperrholzunterlage. der mit einem Gitter ver124 . Das Kellerfenster mündete in einen kurzen Betonschacht. wie unsere «Nachbarn» in ihre Lumpenecke kamen und von dem Oberst eine Flasche Schnaps als Bezahlung für meine Übernachtung verlangten. stieg darauf und hievte sich zur Fensteröffnung hoch. sonst könnten wir was erleben.» «Kann man nichts machen. mit einer Eisenstange den Rahmen herauszubrechen. Soldat. Im Halbschlaf hörte ich noch.» Dann stand er auf. angezündet . und wir ersticken hier. «Es ist ganz früh.» «Schon gut. noch halbe Nacht. Im trüben Kerzenschein blinkten vor meinem Gesicht drei Sternchen von den Tressen seiner Uniform auf. am nächsten Tag zu zahlen. wach auf. Schließlich löste sich der Rahmen. Danach war es ruhig. dass er sofort zahlte. entnahm ihr etwas und deckte mich damit zu.» «Es ist fast schon zu spät. Der Oberst verschob sein Nachtlager. Sie haben Watte. holte aus dem Spalt in der Ecke eine Plastiktüte hervor. Der Oberst stellte den Rahmen auf den Fußboden.» «In deiner Kaserne ist es ganz schön kalt. Schlaf jetzt. Ich hatte rasende Kopfschmerzen und konnte kaum atmen.«Auch du liegst hier herum. als mich der Oberst an den Schultern schüttelte. Ich wachte auf. Unter meiner «Decke» wurde mir wärmer. aber sie bestanden darauf. vermischt mit diesem Pulver.» Er ging zum Fenster und versuchte. um mich vor den Pennern abzuschirmen. Die Tür hatten die Penner von außen verschlossen.ein alter Trick.

so schütten sie ihm etwas ins Glas oder töten ihn im Schlaf mit Rauch. Beweg dich so wenig wie möglich. unten ist weniger Rauch. Haben die etwa hier das Sagen?» «Nein. mit Feinden zu kämpfen. Kampftechniken zu kennen ist eine Sache.» Er stemmte sich gegen das Gitter.. Dann sagte ich: «Ausgesprochen freundlich. jeder ist hier sein eigener Herr. deine Nachbarn. Sie bringen einen Neuling mit und erheben dann von ihm für die Übernachtung eine Gebühr. sie sind bereit zu morden. sie aber auch anzuwenden ist etwas anderes. was immer er dabei hatte. und atme sparsam.schlossen war. und ich lehnte mich an die Wand. Mein Schwindel ließ allmählich nach. drückte es mit den Schultern nach außen und schob es zur Seite. doch das wollte ihm nicht gelingen.» «So etwas nennst du Menschen?! Während du hier herumphilosophierst.» «Ja. Das ist ihr Gewerbe. nicht mit gewöhnlichen Menschen. so wie sie es heute mit uns probiert haben.» «Und du als alter KGB-Mann lässt dir das einfach gefallen? Für so was hätten sie eine ordentliche Abreibung verdient. Aber mit physischen Maßnahmen kann man das nicht verhindern. Dann half er mir herauf. Dann nehmen sie ihm weg. Weigert er sich zu zahlen. Er begann an dem Gitter herumzuhantieren und versuchte es aus der Verankerung zu lösen. Ich könnte leicht zu weit gehen .. rauben sie Unschuldige aus und sind sogar zu einem Mord fähig. ich hatte aber auch anderes zu tun. und wir hingen beide unseren eigenen Gedanken nach. Der Oberst lugte von der Fensteröffnung zu mir herab und befahl: «Hock dich hin. Wir setzten uns auf den Betonsockel vor dem Kellerfenster und atmeten schweigend die Morgenluft der erwachenden Hauptstadt ein. Und ich kann meine Kräfte nicht in Maßen einsetzen. Es war kalt. Mir war schwindlig. Oder hast du die ganze Zeit hinter einem Schreibtisch gesessen und keine Kampftechniken gelernt?» «Manchmal saß ich im Büro.» 125 . Denn ich bin ausgebildet.

Weshalb philosophierst du dann und unternimmst nichts?» «Ich kann Menschen nicht schlagen. nimm das!» 126 . Ich sag ja. wo wir doch beinahe ums Leben gekommen wären? Wir sind noch mal mit knapper Not entkommen. nur drei Haltestellen.» «Hat denn Anastasia gesagt.«Was sollen solche Betrachtungen.» «Und wieso hast du dich nicht sofort an die Arbeit gemacht?» «Ich hielt anderes für wichtiger. dass du es schaffen wirst?» «Ja. ob du dein Ziel erreichst — dein Buch zu schreiben und es zu veröffentlichen.. Sie hat sich eine bestimmte Taktik und Strategie zurechtgelegt. «Was gibt's?».» «Ich meinte eigentlich. da rief er mir nach: «Warte! Komm noch mal kurz zurück. Nach einer kurzen Pause sagte er: «Glaubst du wirklich. Und jetzt sieh zu. der schweigend und mit gesenktem Kopf auf dem Betonsockel saß. Das schaff ich. ich kann das nicht abschätzen.» «Stimmt.» Ich kehrte um zu dem obdachlosen Oberst. Es ist schon Morgen.» «Stimmt. Aber geschehen ist nun mal geschehen. Ich hab's nicht weit.» «Quatsch! Befehle muss man eben genau befolgen. dass du Land gewinnst. Zunächst einmal werde ich versuchen zu schreiben. das hat sie gesagt.» Ich stand auf. Und du hast durch dein eigenmächtiges Handeln alles nur erschwert. Hier. fragte ich ihn. Sie hat mich gebeten. dass du es schaffst?» «Ich denke.» «Du kannst dich also nicht exakt an Befehle halten?» «Anastasia hat mir keinen Befehl erteilt.» «Gebeten . schon.» «Ich werde handeln. andere hätten es vielleicht nicht geschafft.» «Eben. Anderen wäre das vielleicht nicht gelungen. Ich war erst ein paar Schritte gegangen.. drückte ihm die Hand und ging.

sah ich eine Gruppe von Menschen. Gib es ihnen ruhig zum halben Preis. Nach einer Weile rief er mir bittend hinterher: «Dass du es nur schaffst!» In meiner Wohnung angekommen. die keinen Einwand duldete. «Die Händler werden dir das zum halben Preis abkaufen. Ich begann es zu öffnen. Ich ging auch ins Bett.. Damit kannst du dich vielleicht eine Weile durchschlagen. Der Oberst lag matschverschmiert auf dem Boden. doch der obdachlose Oberst ging mir einfach nicht aus dem Sinn. vorwärts!» «Kommt nicht in Frage. Los jetzt. «Kehrt um! Vorwärts! Im Gleichschritt — marsch!».» «Lass nur gut sein. ihm den Ring und das Kreuzchen zurückzugeben. das werd ich schon regeln . Und keine Sorge wegen meiner Nachbarn.» Als ich in die Nähe des Kellerfensters kam. Schon für den nächsten Monat kann ich nicht mehr zahlen. Wenn du kein Dach über dem Kopf hast. Das kann ich unmöglich annehmen. Außerdem wird es leichter sein. wollte ich mich schlafen legen. Ich werde das nicht annehmen. aus dem wir am Morgen herausgeklettert waren. in das irgendetwas eingewickelt sein musste. dann komm hierher. Er könnte vielleicht tatsächlich das Umschlagbild für mein Buch malen. stieß er mit gedämpfter Stimme hervor. Er ist anpassungsfähig. dass wir zusammenziehen. Außerdem kann er malen. dass du gehst.» «Keine albernen Sprüche jetzt! Es ist höchste Zeit.» Ich versuchte. ein Polizeiauto und einen Notarztwagen.Er steckte mir ein kleines Bündel aus Cellophan zu. Unterwegs dachte ich: «Vielleicht wird er einverstanden sein. doch sein befehlender und gleichzeitig flehender Blick brachen meinen Widerstand. das Geld für die Miete zu zweit zu verdienen. Ich zog mir frische Wäsche an und machte mich auf den Weg zu ihm. und nach einigem Auseinanderfalten erkannte ich durch die transparente Folie einen goldenen Trauring und ein silbernes Kreuzchen an einer Kette. mit geschlossenen Augen und einem Lächeln auf den Lippen.. praktisch veranlagt und ordentlich. Seine tote Hand 127 .

128 . meinen Hund ausführen. aber das hat so gesessen. zwei Männer mit einer Frau dabei. schlägt der dem Typ da. der mit zerknitterter. Er stützte sich an der Wand ab. warum ist er da raufgekrochen. und gehen noch mal auf ihn los. bis unten hin. Ich komme herbeigelaufen. ihn zu beschimpfen. hörte einer Frau in ihrer Mitte zu. Der da. zog er mit dem roten Ziegel an der Wand entlang einen Strich. schaue. kroch auf die Kiste und stellte sich hin. dann schob er die Kiste wieder an die Mauer heran. Während er langsam zu Boden sank. fragte ich die Frau. die wie ein Wasserfall sprach: «Ich bin draußen. Einer von denen gibt der Kiste einen Stoß. Die fangen wieder an. der die Kiste umgekippt hatte. Die anderen beiden rannten sofort los. dann hören die auf zu treten. wo er dann liegen blieb. dahinter der Mann. sie sollen verschwinden und sich nie wieder blicken lassen. steht auf dieser Kiste. verschlissener Kleidung und verzerrtem Gesicht am Boden lag. erst die Frau. Dann treten die drei ganz gehörig auf ihn ein und beschimpfen ihn. das konnte man sehen. die sehr wahrscheinlich aus Mietern des Hauses bestand. Die kleine Menschenschar. Total schlecht ging es ihm. wo er doch eine Herzattacke hatte?». so. Ich schrie sie wieder an. der mit dem Lächeln. mit dem Gesicht zur Wand. er aber ging wieder zu seiner Kiste. wie Penner sehen die aus. Der mit dem Lächeln fasste sich ans Herz. Der mit dem Lächeln hat sich aufgerappelt. dass der andere sich am Boden krümmte und röchelte. Geatmet hat er nicht. Ganz langsam schleppte er sich dahin. Der hat ja kaum mal ausgeholt. aber da atmet er schon nicht mehr.» «Wieso ist er denn auf die Kiste gekrochen?». da nähern sich ihm von hinten drei Leute. An der Wand stand ein zerbrochener Holzkasten. wollte man auch in der Menge wissen. die kippt um. aber gelächelt. «Ja.hielt ein Stück roten Ziegelstein umklammert. seine liebe Mühe hatte der. Dann sagte er zu den dreien. und der Mann auf der Kiste fällt zu Boden. Ein gerichtsmedizinischer Gutachter stand neben der Leiche eines anderen Mannes. Ich schrei sie an. Als sie bei ihm sind. mit der Handkante an den Hals. Mit solchen Herzschmerzen hätte er sich sofort hinsetzen oder hinlegen müssen. mit dem Gesicht nach oben. und machte sich Notizen.

Ich musste irgendetwas tun für diesen KGB-Mann. Ich konnte das nicht mit ansehen. Nichts wies mehr auf das Geschehen hin. wie die beiden Leichen in den Wagen verfrachtet wurden.» Von der Sonne gingen Strahlen aus. Zwei Strahlen waren kurz. Ich riss mir meine Jacke vom Leib. «Mein» Oberst wurde ganz gleichgültig hineingeworfen. da oben. und die ganze Zeit stand der da und malte. Ich betrachtete sein mit Erde verschmiertes. dass man ihm die Jacke unter den Kopf legte. Doch was? Was konnte ich bloß für ihn 129 . Auf der grauen Hausmauer war mit rotem Ziegel ein Sonnenkreis gezeichnet worden. Die Autos fuhren davon. der hier gestorben war. Da ist die Zeichnung. Ich trat etwas näher heran und las: «Die klingenden Zedern Russlands. lief zum Wagen und verlangte. aber nur drei — mehr hatte der obdachlose Oberst nicht geschafft. der dritte zog sich lang und krumm bis zum Boden hin. Sein Kopf schlug auf den Boden des Laderaums auf. wo jetzt der tote Oberst lag. Vielleicht konnte sie der Seele dieses Menschen zumindest etwas Wärme schenken und sie in die lichte Unendlichkeit forttragen. für diesen russischen Offizier. Um die Sonne herum waren in Form eines Kreises etwas unregelmäßig angeordnete Buchstaben zu sehen. Darum hat er sie wohl nicht bemerkt. mit einem Zedernzweig in der Mitte. Ich stand da und sah mir die von der Morgensonne beschienene Zeichnung und die Aufschrift an der Mauer an. ein anderer aber nahm die Jacke und legte sie unter das ergraute Haupt des Obersts. und die Menge löste sich auf.» Die Frau wies mit ihrer Hand auf die Ziegelwand des Hauses. Er hat sich noch nicht einmal von seiner Zeichnung abgewandt.» Ich sah zu.«Er wollte unbedingt zeichnen. Ich machte einen langen Spaziergang mit meinem Hund. lächelndes Gesicht und dachte: «Vielleicht vermochte Anastasia ihn im letzten Augenblick seines Lebens mit ihrem Strahl zu berühren und ihm Wärme zu schenken. Ein Sanitäter raunzte mich unfreundlich an. Er zeichnete ja auch schon. Meine Gedanken wirbelten durcheinander. als die drei Penner von hinten auf ihn zukamen.

was ich ihnen erzählt hatte. Kugeln. dass ich das Problem mit der Gründung der Unternehmergesellschaft mit Hilfe eines Buches zu lösen gedachte.000 Rubel (4 USDollar) mitgebracht. 130 . Eines Tages dann kam Ljoscha mit den Ausdrucken des letzten Kapitels vom ersten Band und einer Diskette mit dem gesamten Text des Buches. ich werde deine Zeichnung auf dem Umschlag meines Buches verwenden. Alles. Ab und zu kamen Anton. fragte ich ihn erstaunt: «Ljoscha. Er kam etwa alle drei Tage mit einem Ausdruck der letzten Texte und holte das Manuskript mit dem neuesten Kapitel ab. war. schießt nicht auf eure Offiziere!>» Ich schrieb schnell. Es reichte kaum einmal für die Metro und ein Butterbrot. ist bei dir etwa der Wohlstand ausgebrochen?» Er lebte allein mit seiner Mutter. sind schlimmer als feindliche Bleikugeln. blaue oder grüne Uniformen tragen. Fähnriche und Generäle.und nicht nur ein Buch! Auf allen Büchern soll diese Zeichnung wie ein Emblem prangen! Ich werde in meinem Buch an alle Russen appellieren: <Russen.tun? Dann beschloss ich: «Offizier. werde ich es schreiben . alles zerreißenden Kugeln. Sie wussten noch nichts von Anastasia. Obwohl ich mich gar nicht auf das Schreiben verstehe. Kugeln der Grausamkeit und Gefühllosigkeit! Schießt nicht hinterrücks auf eure Soldaten. schießt nicht auf die Herzen eurer Offiziere mit unsichtbaren. Den Hauptteil dieser Arbeit übernahm Ljoscha Nowitschkow. das ich schreiben wollte. den Text des Buches in den Computer einzugeben. Außerdem hatte er zwei Flaschen Bier. So vergingen zwei Monate. Als er all diese Dinge auf dem Küchentisch ausbreitete. Russen. und sie waren selber bedürftig. Und sie hatten sich bereit erklärt. was ist los. Artjom und Ljoscha zu Besuch und brachten mir etwas zu essen. Auf alle Fälle werde ich dieses Buch schreiben. die aus der Heimat abgefeuert werden. ob sie nun weiße oder rote. ein paar Würstchen und andere Lebensmittel sowie 20.

Anton ist schon zur Militärübung gefahren. und übermorgen muss ich für einen Monat zu einer Militärübung nach Kineschma. das schon. dass das Manuskript von Anastasia jetzt fertig ist. um die kochenden Würstchen abzustellen. Er schlief. antwortete Alexej. Ljoscha .deine eigenen Prüfungen. «Da fertige ich für einige Studenten. Wenn es noch Korrekturen gibt. wird Artjom einspringen.» «Wie hast du das bloß alles in die Reihe gekriegt. sein Kopf und seine Arme ruhten auf den Ausdrucken von Anastasia. Wladimir Nikolajewitsch».«Bei uns ist gerade Prüfungszeit. Zeichnungen anfertigen. die zu faul sind oder nicht nachkommen. Dafür habe ich etwas Geld bekommen. 131 . Ljoscha saß unbeweglich da. Eine Klausur steht mir noch bevor. technische Zeichnungen an und schreibe für sie Programme. Programme schreiben und dann auch noch täglich Anastasia abtippen und ausdrucken?» Ljoscha schwieg.» «Legst du denn selber keine Prüfung ab?» «Doch. Ich drehte mich zum Küchentisch um. Es ist gut.

da gelobte ich mir. Die besten Kabinen wollte ich bereitstellen für Ljoscha. es lohnt sich. am besten zur Zeit der weißen Nächte. sondern sagten nur: «Das ist eine gute Sa132 . Aber was für eine Idee war das eigentlich. um die Gesellschaft der Unternehmer ins Leben zu rufen. genügend Kapital zu sparen.21 Was steckt dahinter? Wie ich so in der Küche meiner kleinen Moskauer Wohnung stand. Was begeistert die Menschen an dem Traum dieser Taiga-Eremitin? Was steckt dahinter? Wie kommt man diesem Geheimnis auf die Spur? Die Journalistin Katja Golowina von der Moskauer Prawda befragte dazu unsere drei Studenten: «Wieso macht ihr dabei mit? Worin besteht euer persönliches Interesse?» Sie konnten aber keine klare Auskunft geben. Aber nicht um Handel zu treiben. vor dem Tisch mit den inzwischen abkühlenden Würstchen und dem auf den ausgedruckten Seiten schlafenden Ljoscha. die mir unter großen Entbehrungen und ohne Rücksicht auf ihr Privatleben zur Seite gestanden hatten. wie früher. Nein. eine Erholungsfahrt sollte es werden. das Geheimnis und die Bestimmung dieser Idee zu ergründen. einmal ganz konkret darüber nachzusinnen und zu versuchen. die all diese Menschen in ihren Bann zog? Warum lag sie auch mir so sehr am Herzen? Welches Geheimnis verbirgt sich dahinter? Ich glaube. auf der ich Anastasia begegnet war. um mein Schiff zurückzubekommen und es die gleiche Route fahren zu lassen. Anton und Artjom sowie für all die anderen.

Wieso hat sie das getan? Später begannen einige Leser. Als wäre es selbst lebendig. Mein Flugzeug geht heute Abend. die Druckkosten für weitere 2000 Exemplare vorzuschießen. Gennadi Wladimirowitsch Gruzja. und mit seiner Hilfe schlug ich mich durchs Leben. kannst du es mir zurückerstatten. Verkaufsleiter eines Moskauer Verlags.II wurde der erste. Dann begannen die ersten Leser mir zu helfen. und das ist auch noch heute so. Dann erklärte sich Juri Nikolajewitsch Nikitin. Zur Zeit der Auslieferung teilte mir Nikitin mit: «Im Sommer läuft eigentlich nicht viel bei uns mit Büchern.» Auch sie handelten also intuitiv. das Buch eines unbekannten Autors zu drucken? Wieso hat er die finanzielle Last auf sich genommen und statt auf Zeitungspapier sogar auf richtigem Offsetpapier gedruckt? Die ersten Exemplare dieser Auflage verkaufte ich selber am Ausgang der Metrostation «Taganskaja». in den Kurhäusern der Moskauer Umgebung Bücher zu verkaufen. zog es immer neue Menschen an. Was aber steckt hinter dieser Intuition? In der Moskauer Druckerei Nr. Eine ältere Frau verkaufte täglich Bücher an der Metrostation «Dobryninskaja». dünne Band über Anastasia in einer Auflage von 2000 Exemplaren gedruckt: auf Kosten der Druckerei.und Vertriebskonzerns. plötzlich bereit. Wenn du das Geld drin hast.che. da wollte ich vorher noch die Rechnung bezahlen. Er kam mit dem Auto zu mir und sagte: «Ich reise heute mit meinem Sohn zu einem Tennisturnier ins Ausland. entschieden. dass das Buch gut sei.» Seit ich an dem Manuskript arbeitete. Anschläge auszuhängen und Treffen mit interessierten Kurgästen abzuhalten.» Und dann zahlte er die Neuauflage. gab es so viele Rätsel im Zusammenhang mit diesem Buch. Sie erklärte jedem ausführlich. Das war auch so eine seltsame Geschichte. Warum hat sich der Direktor der Druckerei. Ich werde ein paar Pakete an mich nehmen. über den Rest kannst du selbst verfügen. Zuerst hielt ich die 133 .

Doch es reihte sich ein Zufall an den anderen. Es ist schwer.mit ihm verbundenen Geschehnisse für Zufall. wo der Zufall aufhörte und die Gesetzmäßigkeit anfing. sodass ich selbst nicht mehr beurteilen kann. die Grenze festzulegen. 134 .

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Vater Feodorit
Es kam die Zeit, da ich die Möglichkeit in Betracht zog, meinen Vater Feodorit zu besuchen. Damals in der Taiga hatte ich Anastasia einmal gefragt: «Gibt es in unserer Welt Menschen mit ähnlichen Fähigkeiten und Kenntnissen, wie du sie hast? Menschen, die nicht so weit weg wohnen?» Anastasia antwortete: «In verschiedenen Teilen der Erde gibt es Menschen, deren Lebensweise sich von der technokratischen unterscheidet. Sie alle haben unterschiedliche Fähigkeiten. Auch in eurer Welt gibt es einen solchen Mann, den du im Winter wie im Sommer problemlos erreichen kannst. Er verfugt über ungewöhnliche geistige Kräfte.» «Weißt du, wo er lebt und ob ich ihn treffen und mich mit ihm unterhalten kann?» «Ja.» «Und wer ist es?» «Es ist dein Vater, Wladimir.» «Was? Ach, Anastasia ... Ich wollte doch von dir Beweise hören, dass du Recht hast, und nun bekomme ich genau das Gegenteil. Mein Vater ist vor 18 Jahren gestorben und liegt in einem kleinen Städtchen in der Region Brjansk begraben. Anastasia saß auf dem Gras, lehnte mit angezogenen Knien an einem Baum und sah mir schweigend in die Augen. Sie schien etwas enttäuscht zu sein, aber auch ein Bedauern lag in ihrem Blick. Dann senkte sie schweigend
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ihr Gesicht auf die Knie. Ich dachte, Anastasia müsse über ihren Irrtum mit meinem Vater betrübt sein, und versuchte sie zu trösten. «Nimm's nicht so tragisch, Anastasia. Du hast dich wahrscheinlich geirrt, weil du einen großen Teil deiner Kräfte eingebüßt hast, wie du ja selbst sagtest.»* Anastasia schwieg noch eine Weile, dann hob sie ihren Kopf, schaute mir in die Augen und sprach: «Meine Kräfte haben zwar nachgelassen, aber nicht so sehr, dass ich mich täuschen könnte.» Dann schilderte sie mir eine Reihe von Ereignissen, die sich vor 26 Jahren zugetragen hatten. Sie vermochte die Geschehnisse bis ins Detail wiederzugeben, und sogar die damit verbundenen Empfindungen stimmten genau. Irgendwie ist für mich noch nachvollziehbar, dass man anhand des Mienenspiels, der Körperhaltung und der Augen die Gedanken eines Gesprächspartners erkennen kann. Aber die Art und Weise, wie sie die Vergangenheit wie einen Dokumentarfilm durchschaute, ist mir völlig rätselhaft. Auch Anastasia konnte mir das nicht mit gewöhnlichen Worten erklären. Hier nun die Ereignisse, die sie mir vor Augen führte: «Nicht weit entfernt von Moskau, in der Stadt Sergiew Posad, liegt das Dreifaltigkeitskloster des heiligen Sergius. Die dicken, altertümlichen Mauern der Klosteranlage beherbergen ein Priesterseminar, eine geistige Akademie, mehrere Kirchen und das Kloster. Die Kirchen sind der Öffentlichkeit zugänglich, und jeder, der möchte, kann dort hinkommen, um an dieser heiligen Pilgerstätte Russlands zu beten. Sogar in all den Jahren, als die Gläubigen verfolgt wurden, wurde keine der dortigen Einrichtungen zerstört, in denen die Mönche Gott dienten. Vor 26 Jahren, genau an dem Tag, als ich das Licht der Welt erblickte, stand ein junger Mann vor dem Tor des Klosters. Er besuchte zunächst das Museum, dann die große Kirche des Anwesens. Ein
* Dieses Gespräch fand statt, nachdem Anastasia einen Mann und eine Frau vor einer Gewalttat bewahrt hatte und daraufhin das Bewusstsein verlor. Diese Begebenheit habe ich in Band I geschildert.
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großer, ergrauter Mönch von hoher Würde hielt dort gerade eine Predigt. Das war Pater Feodorit, der Archimandrit* des SergiusDreifaltigkeitsklosters. Der junge Mann hörte sich die Predigt an, und als sie vorüber war und Pater Feodorit ins Diakonikon** ging, folgte er ihm. Die Messdiener ließen ihn gewähren. Er ging zu Feodorit und sprach mit ihm über die Predigt, und der Pater unterhielt sich lange mit ihm. Der Jüngling war zwar getauft, aber er hatte keinen richtigen Glauben; er hielt kein Fasten ein, nahm nicht am Abendmahl teil und kam nur selten zur Messe. Dennoch begann an diesem Tag seine Freundschaft mit Pater Feodorit. Der Jüngling kam jetzt des Öfteren ins Kloster, und Pater Feodorit sprach mit ihm und zeigte ihm all die Heiligtümer, zu denen gewöhnliche Kirchgänger keinen Zutritt hatten. Der Mönch schenkte ihm Bücher, doch der Jüngling verlor sie alle. Der Mönch schenkte ihm auch ein Kreuzchen zum Umhängen, doch auch das ging verloren. Da schenkte der Mönch ihm ein weiteres Kreuzchen, ein ganz besonderes, eines, das sich öffnen ließ wie ein kleines Kästchen ... aber auch das verlor der Jüngling. Der Pater nahm ihn sogar mit ins Refektorium*** und ließ ihn zusammen mit den Mönchen des Klosters speisen. Jedes Mal gab er dem Jüngling etwas Geld, nie machte er ihm Vorwürfe, und immer erwartete er seine Ankunft. So verging ein Jahr. Der Jüngling besuchte das Kloster einmal die Woche, doch eines Tages ging er fort und kam die nächste Woche nicht. Der Mönch wartete. Doch der junge Mann kehrte auch nach einem Monat und einem ganzen Jahr nicht zurück. Der Mönch wartete. Inzwischen sind 25 Jahre verstrichen, und noch immer wartet der Mönch auf ihn. Seit 25 Jahren, Wladimir, wartet dein geistiger Vater auf dich, der große Mönch Russlands, Pater Feodorit.» «Ich bin vom Kloster weit weg gezogen, nach Sibirien. Ich habe ab und zu an Pater Feodorit gedacht», entgegnete ich, als wollte ich mich vor mir selbst oder jemand anders rechtfertigen.
* Großabt eines russisch-orthodoxen Klosters. ** Sakristeiraum. *** Speisesaal im Kloster.

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«Nicht einen einzigen Brief hast du ihm geschrieben», bemerkte Anastasia. «Ich würde ihn gern wieder sehen.» «Und was würdest du ihm dann erzählen? Wie du Geld verdient hast, Erfolg in der Liebe hattest oder sonst wie deine Zeit verschwendet hast? Wie du oft am Rande des Abgrunds standst und erst im letzten Moment aus der Not gerettet wurdest? Das alles wird er von selbst verstehen, indem er dich nur ansieht. Er, der so oft für dich gebetet hat und dich dadurch immer wieder vor dem Verderben bewahrt hat, glaubt noch heute an dich, genauso wie vor 25 Jahren. Nein, er würde etwas anderes von dir erwarten.» «Was, Anastasia? Was weiß Pater Feodorit, und was will er von mir?» «Genau kann ich das nicht sagen. Er muss etwas geahnt haben. Sag, Wladimir, erinnerst du dich an deine Gespräche mit ihm, daran, was du in den heiligen Kammern des Klosters sahst?» «Ich kann mich nur noch sehr verschwommen erinnern. Es ist ja schon so lange her. Nur noch gewisse Begebenheiten sind mir im Gedächtnis haften geblieben.» «Versuche dich an sie zu erinnern. Ich werde dir dabei helfen.» «Pater Feodorit unterhielt sich mit mir an verschiedenen Stellen des Klosters. Ich erinnere mich da an unterirdische oder halbunterirdische Kammern, an das Refektorium, den langen Tisch, an dem die Mönche speisten, und ich mit ihnen. Während einer Fastenzeit war das. Das Essen war karg, aber es hat mir geschmeckt.» «Hattest du beim Besuch des Klosters irgendwelche außergewöhnlichen Empfindungen oder Gefühle?» «Einmal schritt ich nach dem Abendessen durch den Gang, der zum Innenhof der Lawra* führte, und wandte mich von dort dem Ausgang zu. Das Tor war für Kirchgänger bereits geschlossen, und der Hof war leer. Der Stadtlärm konnte die dicken, hohen Mauern nicht durchdringen. Ringsumher erhoben sich die Kirchbauten, es herrschte Stille. Da hielt ich inne, denn plötzlich vermeinte ich
* Großes Kloster der Ostkirche.
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. was nur er zu tun vermag.. dass er viel darüber nachgedacht und dafür getan hat. sehr viel sogar. Eigentlich hätte ich gehen müssen. dem so vieles geschenkt wurde. Und er hat für dich etwas Großes. Pater Feodorit hatte keine konkreten Pläne.» «Du hast dich dort zweimal gewundert.» «Unmöglich. Erst dann ging ich langsam zum Tor.» «Erinnerst du dich sonst noch an etwas... Und ich werde das Gefühl nicht los. Ich stellte mich bei meinem nächsten Besuch sogar an den gleichen Ort. dem praktisch alle Grundlagen für einen gesunden Glauben fehlen. Auch verstehe ich nicht.» «Hast du nochmals versucht. An den Wänden hingen irgendwelche Bilder. Ein Mönch öffnete Pater Feodorit eine Tür.. meine Gefühle von damals zu schildern. Bitte versuche dich zumindest an einzelne Begebenheiten deines Treffens mit dem Pater und deine Gespräche mit ihm zu erinnern. denn der Dienst habende Mönch wartete auf mich. blieb aber selbst draußen. so genau erzählt. Aber ich blieb stehen und lauschte eine Weile. Bedeutendes getan — etwas. nur eine intuitive Hoffnung.herrliche Musik zu hören. Dann wirst du auch in der Lage sein.» «Hast du jemals wieder diese Musik gehört und die gleichen Empfindungen gehabt?» «Nein. warum 25 Jahre deines Lotterlebens sein Vertrauen in dich nicht erschüttert haben.» «Ich erinnere mich an einen Saal oder eine Art Lagerraum in der geistigen Akademie oder dem Seminargebäude . Wladimir?» «Soll das ein Verhör sein? Du hast doch alles. vielleicht war das aber auch in einem unterirdischen Trakt des Klosters.. noch immer untätig? Warum? Das kann ich nicht begreifen. um mich herauszulassen und das Tor zu verriegeln. auf den Regalen lagen verschiedene Dinge. Und warum bist du. aber es hat nicht geklappt. Allerdings geht ja im Kosmos nichts spurlos verloren. Aber warum er das Erwünschte ausgerechnet mit dir in Verbindung brachte. das ist mir ein Rätsel. Ich ging nur mit Pater Feodorit hinein. Worüber?» 139 . was ich vor 26 Jahren erlebte. aber leider . diese Musik zu hören und die gleichen Gefühle in dir hervorzurufen?» «Ja.

» «Und was hat dich daran so gewundert?» «Ich weiß es nicht mehr. das irgendeinen Menschen darstellt. Dabei drückte er mal mehr auf. schwarzweiß war es. du und Pater Feodorit stehen vor diesem Bild. Ein kleiner Saal. wie eine Bleistiftzeichnung. Bitte doch die Klosterleitung nach deiner Rückkehr.» «Erinnere dich.» «Jetzt kann ich mich wieder erinnern. Wladimir.> Du machst einen Schritt vorwärts. dich zu erinnern. die einen Menschen darstellt. dann wieder berührte der Stift kaum mehr das Blatt.. und Pater Feodorit sagt zu dir: <Tritt näher. damit es alle Interessenten betrachten können. Ich werde dir helfen. Wladimir. jetzt kommt es mir wieder. Anastasia.» «Was siehst du?» «Dieses Bild. Zum Beispiel könnten Punkte und Striche irgendeinem Alphabet oder vielleicht Notenzeichen ähneln. Andere Deutungsmöglichkeiten sind ebenfalls möglich. du stehst vorn. Ich habe nicht schlecht gestaunt.eine Art pulsierende Spirallinie. dann noch einen Schritt . Versuch bitte. sodass die Linie hauchdünn wurde sie war jedoch nie unterbrochen. Das ist aber bloß eine Vermutung. Es war ein sehr deutlich gezeichnetes Porträt eines Menschen. natürlich.. und das Ganze ergab dann jenes seltsame Bild. Der Künstler hat den Bleistift oder das Zeichengerät in der Mitte des Blattes angesetzt und spiralförmig nach außen geführt. Durch die pulsierende Linie. das Bild für eine öffentliche Ausstellung zur Verfügung 140 .» «Worüber?» «Da war so ein Bild. besteht aus einem einzigen Strich .» «Und was?» «Das weiß ich noch nicht. soll den Betrachtern etwas übermittelt werden.» «Dieses Bild gehört auf eine Ausstellung. das Porträt eines Menschen. Irgendwer wird die verschlüsselte Botschaft des Bildes schon entziffern können. Am Rande des Blatts hörte die Spirallinie auf. wobei die Linie stärker wurde.«Gewundert? Ja.

Sie sind enorm wichtig.» «Pater Feodorit hat mir angeboten. . Ich sah Pater Feodorit. Pater Feodorit und ich standen davor und betrachteten ihn. das Tonband abzubremsen und es sozusagen in Normaltempo anzuhören?» «Wie soll denn das gehen?» «Durch Nachdenken über den Sinn des Daseins . Aber in welchem Zusammenhang er das sagte. habe ich nicht behalten.. dort stand auf einer erhöhten Plattform ein kunstvoll geschnitzter Stuhl. — Anastasia.zu stellen . Wladimir. Dann wird sich jemand finden. das habe ich nicht versucht. Versuche. so als würde man ein Tonband in hohem Tempo abspulen.» «Aber du hast ihn angerührt. Ja. hattest du nie den Wunsch. irgendwelche Gedanken rasten mir da durch den Kopf. oder in einem benachbarten Raum. Der Pater sagte.unglaublich schnell... oder war es ein Sessel? Jedenfalls sah er einem Thron ähnlich.» «Da war nichts Besonderes. oder darum. es war in einer kleinen Kammer.» «Nein..» «Und in diesem Augenblick ist etwas mit dir geschehen. sodass die einzelnen Wörter zu einem unverständlichen Mischmasch verschmelzen. Wladimir. und er stand einfach schweigend da und sah mir in die Augen.» «Wer wird schon auf mich hören?» «Man wird sehr wohl auf dich hören.» «Und hast du all das verstanden. dass er von niemandem angerührt wird. dich an deine Empfindungen von damals zu erinnern. Na ja. Du hast dich sogar darauf gesetzt.» «Bitte erinnere dich.. was Pater Feodorit zu dir sagte? Kannst du dich zumindest an einen Satz von ihm genau erinnern. und sei er auch ohne Zusammenhang?» «Ja... Kannst du dich daran erinnern?» «Das war auch in diesem Saal . Weiter nichts.Aber du hast dich noch ein zweites Mal gewundert. dass es irgendwo abgedruckt wird.» «Und hast du niemals versucht .» «Nein. das zu tun... der die Spirallinie deuten kann. du sprichst in Rätseln.» 141 ..

eines kann ich mit Sicherheit über Pater Feodorit sagen: Er spottete der Vielfalt der Lehren in dieser Welt. so wie Arme und Beine.» «<Du wirst es ihnen beweisen . Wladimir. Er hat dich so sehr vor Dogmen beschützt.» «Wir haben gar nicht über irgendwelche Lehren gesprochen — nur über alltägliche Dinge. die für ihn verehrungswürdig sind. die dich bewegten. Es kommt aber auch gar nicht darauf an. aber noch wichtiger ist. rief Anastasia aus.» «Und was ist das Wesentliche?» «Das. Entscheidend ist.» «Ja. Sie strahlte übers ganze Gesicht. was jedem Menschen innewohnt. in jedem Menschen sind von Anfang an alle notwendigen Informationen vorhanden. Sie legte ihre Hände an den Stamm der Zeder und schmiegte ihre Wange daran. na klar. Indiens oder Tibets kennen. natürlich!».» «Aber wie kann irgendjemand die Lehren der Weisen des Westens oder des Ostens. Er sprach mit dir über Themen. von denen es in Russland zurzeit nur so wimmelt und die mit ihrer Dogmendrescherei bloß von der Hauptsache ablenken. indem er auf das Wesentliche hinwies.. Mönch Russlands! Weißt du. Alle Lehren dieser Welt. Wladimir. dass er nachdenklich und sehr bedacht war. das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren. Er zeigte dir die heiligen Gegenstände. aber ohne äußerliche Anbetung. wer ich bin. dass du sogar mich als primitive Einsiedlerin wahrnimmst. Sie klatschte in die Hände und sagte voller Freude: «Du bist wahrhaft groß. ihrem Kind 142 . alle Entdeckungen entstammen einzig und allein dieser Quelle. Herz und Haar. vielleicht insbesondere in deiner Gegenwart. «Ja. Neben ihm wirken all die Prediger lächerlich.>» Anastasia hatte die ganze Zeit unter dem Baum gesessen. wenn er nie davon gehört hat?» «Im Menschen. So wie Eltern bestrebt sind. Gleich bei seiner Geburt werden sie ihm gegeben. Er hat nie in Dogmen gesprochen. Er war von hoher Würde und einfachem Wesen.«Dann sprich. doch nun stand sie plötzlich auf. . über alltägliche Dinge.

» «Und um die Wahrheit zu erkennen. sondern in einer entsprechenden Lebensweise. sind auch Bewusstheit und Reinheit der Gedanken erforderlich.auch keine noch so große Menge von Büchern oder die modernsten oder auch zukünftige Computer .alles zu geben. zunutze machen und sie beherzigen würdest. wie wird mich mein geistiger Vater Feodorit empfangen. die dir zur Verfügung stehen. nur ihm sei dieses Wissen zuteil geworden und es enthalte die Essenz aller Wahrheit. Er versucht die anderen Menschen davon zu überzeugen. wiederholte Anastasia lachend. Natürlich würde er sich noch mehr freuen. Begeistert erzählt er aller Welt davon.» «Und welche Lebensweise ist charakteristisch für diejenigen.» «Mystisch! Mystisch!». dass seine Wahrheit die einzig wahre sei.» «Warum macht dann nicht jeder Erfindungen? Warum schreibt nicht jeder seine eigene Lehre?» «Jemand ergattert aus dem gesamten Ausmaß an Informationen ein Körnchen Wahrheit. wenn ich ihn besuche? Wird er ärgerlich sein?» «Zweifellos wird er sich über deinen Besuch freuen und dich empfangen — egal in welchem Zustand du bist.kann auch nur den Bruchteil der Informationen enthalten. So verschließt er sich dem übrigen Meer an Informationen. wenn du dir die Informationen. Es ist einfach nur Aufmerksamkeit im Umgang mit den Mitmenschen. Nichts Menschengemachtes . 143 . Man muss sie nur zu nutzen wissen. die in einem Menschen vorhanden sind. Anastasia. so stattet auch der Große Schöpfer jeden von Beginn an mit allem aus. Du führst ja alles auf Bewusstheit und Reinheit der Gedanken zurück.» «Mystisch! Phantastisch!». Das Wissen um die Wahrheit zeigt sich aber nicht in ihrer Verkündung. das in ihm ruht. in dem Glauben. Dann fragte ich sie: «Was denkst du. die die Wahrheit am meisten erkannt haben?» «Sie sind glücklich. «Du liest meine Gedanken. lachte Anastasia und fügte hinzu: «Kannst du etwa meine Gedanken lesen?» «Das hat nichts mit Mystik zu tun. Einfach phantastisch!» Jetzt musste auch ich lachen.

aber dafür ist sie ausgesprochen schön. In dieser Kirche betet jetzt dein geistiger Vater Feodorit. durchschritt ich. und bitte ihn um die Vergebung deiner Sünden. normale Kirchgänger haben dort keinen Zutritt. verneige dich vor ihm. Früher hatte ich mich dort einfach nur vorstellen müssen und konnte sogleich Pater Feodorit herbeirufen lassen.» Nach meiner Ankunft in Sergiew Posad. Die Kraft seines Geistes ist immens. um die du mich gebeten hast.» «Lebt mein geistiger Vater noch immer am selben Ort — im Dreifaltigkeitskloster des heiligen Sergius?» «Dein Vater. die ihre Eltern vergessen haben. wie es in anderen Kirchen üblich ist. Die Klause liegt an einer wunderschönen Stelle im Wald. Ich entgegnete dem Mönch. Wladimir. dieser große Einsiedler Russlands. Er betet für die Erlösung aller Seelen. Und richte Pater Feodorit meine Ehrerbietung aus. Der Dienst habende Mönch teilte mir jedoch mit. dass ich Pater Feodorit 144 . und auch für die Eltern. Ich ging direkt zum Pförtnerhäuschen. das Tor des Sergius-Dreifaltigkeitsklosters. der früher Sagorsk hieß. Er lebe jetzt in einer Waldklause außerhalb des Klosteranwesens. Geh zu ihm. Es gibt dort nur ein paar Häuschen mit Mönchszellen und eine kleine Holzkirche. In der Kirche werden keine Kerzen verkauft und auch sonst keine Devotionalien. Aber zuerst werde ich wohl versuchen. und dein Vater ist dort Prior. Sie ist nicht angestrichen und hat keine vergoldeten Kuppeln.Halt die Tonbandspule in deinem Kopf an. Es gibt dort zwei Öfen zum Heizen. dann wird dir vieles klar werden. Die Ordensregeln dieser Klause sind strenger als im Kloster. lebt jetzt in einer kleinen Waldklause in der Nähe der Dreifaltigkeits-Lawra. gemütlich und sauber.» «Gut. Anastasia. Er betet für die Kinder. wie 27 Jahre zuvor. auch deiner. aber Kirchgänger hätten dort keinen Zutritt. dass Pater Feodorit nicht mehr Archimandrit sei. wird gemacht. einem kleinen Vorort von Moskau. die von ihren Kindern vergessen wurden. die anderen Dinge zu tun. Sie wird von nichts und niemandem entweiht.

persönlich kenne. wir hätten uns erst gestern getrennt und nicht vor 27 Jahren. und zum Beweis zählte ich einige Heiligtümer des Klosters auf. 145 . Ich wollte ein Gespräch beginnen. traute mich aber zuerst nicht. Sie sah außergewöhnlich schön aus und passte sehr harmonisch in die natürliche Umgebung. Um die Kirche herum lagen einige Holzhütten. solche Bücher würden sie nicht lesen. hatte sie zu mir gesagt. die mir der Pater gezeigt hatte. Ich hatte den Eindruck. Er schien ohnehin alles zu wissen — wozu also mein belangloses Gerede. Andere hatten gefragt. aber irgendwie fand ich nicht die richtigen Worte. dachte ich. Doch das unerklärliche Gefühl der Verwirrung ließ nicht nach. Der Anblick lebenslustiger Menschen ist jedenfalls angenehmer als der solcher Trauergestalten. Da erinnerte ich mich an Anastasias Rat. sträubte sich etwas in mir. Ich wunderte mich. aber einige von ihnen hatten es nur angesehen und gesagt. Ich hatte das Buch bereits mehreren Geistlichen gegeben. Ich hatte ein Exemplar meines Buches für Pater Feodorit mitgebracht. dass er Anastasia ebenfalls ablehnte. Anastasia sei eine Heidin. es ihm zu geben. von denen Wege zur Kirche führten. vor allem wollte ich nicht. mit welcher Aufregung ich mich der kleinen Holzkirche im Wald näherte. Pater Feodorit war alt und grau. «Sei nicht verlegen und wundere dich nicht beim Wiedersehen mit deinem Vater». Wir saßen auf Holzblöcken auf der Veranda und schwiegen. Ich begegnete Pater Feodorit auf der hölzernen Veranda der Kirche. wovon das Buch handle. Daraufhin teilte mir der Pförtner die genaue Lage der Waldklause mit. Er zeigte auf zwei schwarz gekleidete Frauen und sagte: «So sollten gottesfürchtige Frauen aussehen. Mit einem Insassen des Klosters Nowospasski* hatte ich einmal sogar ein kleines Wortgefecht begonnen. Ich wollte Pater Feodorit nicht auf die Nerven gehen. doch irgendwie schien er in den 27 Jahren gar nicht gealtert zu sein.» Ich entgegnete: «Vielleicht ist es ja Gottes Wille. Immer wenn jemand schlecht über sie sprach. Ich war verlegen. und nach einer kurzen Einführung meinerseits erklärt.» Eine der ältesten Klosteranlagen Moskaus. dass Anastasia so fröhlich und lebenslustig ist.

sagte er mit dem Anflug eines Lächelns und sah mich an. Pater Feodorit selber aß nicht. sagte Pater Feodorit. Ich erinnerte mich . «Komm mit. In einer kleinen Hütte. ich lade dich ein. dem Refektorium. wenn du Zeit hast. Ich hatte den Geschmack mein ganzes Russische Kohlsuppe mit Roter Beete und diversen anderen Zutaten. Ich fragte weiter: «Können Sie mir sagen. und ich fing an zu essen.. dann sprach er: «Möchtest du. dass ich es lese?» Und ohne meine Antwort abzuwarten. Es gab einen Topf Borschtsch*. 146 . doch dann fasste ich mich und fragte: «Und wer sind dann Sie?» «Ich bin Pater Feodorit».Aufgeregt holte ich mein Buch heraus und reichte es Pater Feodorit. er saß einfach am Tisch. Bedächtig strich er mit der anderen Hand darüber. Wir saßen auf einer kleinen Bank neben seiner Mönchszelle und unterhielten uns über Gott und die Welt. als wollte er mit seinen Händen etwas ertasten. es schmeckte genauso wie das Püree 27 Jahre zuvor im Refektorium des großen Klosters. fuhr er fort: «Gut.. Er servierte mir Borschtsch.» Am Morgen zwei Tage darauf kam ich erneut zu Pater Feodorit. * Gesüßtes Getränk aus gekochten Früchten. sondern sagte nur: «Komm wieder. Seine Art zu sprechen war noch die gleiche wie vor 27 Jahren. dein Vater Feodorit ist gestorben.» «Ich will es sehen. setzte ich mich zu Tisch. wo sein Grab ist?» «Auf dem alten Friedhof. was mir völlig unbegreiflich war. doch ein seltsamer Umstand ließ mir keine Ruhe: Warum sah Pater Feodorit sogar etwas jünger aus als vor 27 Jahren? Plötzlich unterbrach er seinen Gedankengang und sagte: «Wladimir. Er nahm es ruhig entgegen und legte es sich auf die Hand. Das Kartoffelpüree schmeckte mir sehr.» Zuerst traute ich meinen Ohren nicht.» Dann geschah noch etwas. «Zeit zum Mittagessen». Wie kann ich es finden?» Er ging jedoch nicht auf meine Frage ein. Kartoffelpüree mit Fisch und Kompott**. dann lass es mir hier.

der. und wir ließen uns knipsen. Sie wurde sehr schön. den ich von früher her kannte. Einerseits saß neben mir ein anderer Pater Feodorit. Vor meiner Abreise überreichte mir Pater Feodorit eine kleine Taschenbibel für unterwegs. Belassen wir es lieber erst einmal dabei.Leben nicht vergessen. die Wahrheit mit einfachen Worten auszudrücken. so könnte er nicht der echte Pater Feodorit sein. sich mit mir vor dem Waldkirchlein fotografieren zu lassen. der uns dann fotografierte. die sich mit Anastasia treffen möchten.» Ich bat ihn. musst du dabei immer das Kapitel angeben. wenn du Zeit hast. andererseits sprach er genauso wie früher. dass Pater Feodorit mir vor vielen Jahren in einem Raum des Klosters einmal angeboten hatte. darüber bin ich mir selbst noch nicht ganz im Klaren. Außerdem machte ich eine Aufnahme von der Kapelle. um mir Klarheit zu verschaffen. Mir schwirrte der Kopf. die Menschen zu empfangen. die durch ihre Weisheit und ihre Fähigkeit. obwohl meine Kamera nichts Besonderes war. auf das du dich beziehst. ein Foto mit ihm und mir machen zu lassen. Nun wusste ich aber. Würde er das Angebot ausschlagen. dass Mönche sich nicht gern ablichten lassen. Ich wollte etwas tun. Ich beschloss also. Also sagte ich zu ihm: «Sollen wir uns fotografieren lassen?» Pater Feodorit hatte nichts dagegen einzuwenden. Darauf erwiderte Pater Feodorit: «Weißt du. und zwar in Farbe. Pater Feodorit vorzuschlagen. Da erinnerte ich mich. Nach meinen Gesprächen mit ihm kam ich zu meinem nächsten Schluss: In den Klöstern Russlands kann man alte Mönche finden. und er hatte einen Mönch mit einer Kamera bestellt. damit sie sich den weiten Weg zur Taiga sparen können. Er erklärte mir dazu: «Wenn du in deinem Buch auf eine Bibelstelle verweist. sondern als durchgehender Text gestaltet. den . Ich war einverstanden gewesen. und mit ihnen zu sprechen.» Die Absage Pater Feodorits enttäuschte mich. Sie war nicht in einzelne Verse unterteilt wie die üblichen Bibeln. doch ich wollte nicht auf meiner Bitte beharren. dass du selbst kommst.

klarer und eindringlicher als die der meisten Prediger. Wann aber. o altehrwürdige Weise Russlands. dass sie selbst auch welche haben. Nach meinen Besuchen bei Pater Feodorit ging es mir immer sehr gut. Folglich gehen viele Leute lieber zu den Predigern. Vielleicht fahren deshalb so viele Russen zu Pilgerorten in der Fremde und vergessen dabei ganz. die man zumindest verstehen kann. Warum aber schweigt ihr. die ihr über so viel Lebensweisheit verfügt? Schweigt ihr aus eigenem Entschluss oder weil irgendwelche dunklen Kräfte euch die Zunge verbieten? Besucht man die Messe. dass es auch anderen gut geht. um ihre Worte zu verinnerlichen.meisten Predigern hierzulande haushoch überlegen sind. Seine Worte sind einfacher. selbst wenn man dafür Geld zahlen muss. egal welcher Konfession diese auch angehören. so wird sie in einer Sprache abgehalten. die ich mir nach meiner Begegnung mit Anastasia angehört habe. werdet ihr eure Stimme erheben? 148 . Es ist mein Wunsch. die man nicht verstehen kann. o ehrwürdige Mönche.

Als ich an den zahlreichen Imbissstuben und Schaschlickständen vorbeiging. was immer du willst. Ich fuhr zum Messegelände WDNH. diese Leckereien zu probieren. und ich kämpfte mit dem Wunsch. «Kauf dir etwas zu essen. wobei ich mich leicht nach vorn bückte. Ich setzte mich hin und flüsterte. Du brauchst jetzt am Essen nicht so zu sparen. verlockten mich all die köstlichen Düfte. damit die Leute nicht dachten. wenn auch recht leise.23 Raum der Liebe Nach dem Verkauf der ersten Auflage von Anastasias Buch erhielt ich mein Autorenhonorar. ich würde Selbstgespräche fuhren: «Anastasia. fernab von der Menschenmenge. höre ich wirklich deine Stimme?» * Gesamtrussisches Ausstellungszentrum in Moskau. heutzutage WWZ* genannt. dachte ich und ging zu einer Bank. Irgendwie gefiel es mir dort. Wladimir.» Ich ging noch ein paar Schritte an den geöffneten Imbissstuben vorbei. Ich hatte zwar einige hunderttausend Rubel (vielleicht 50 US-Dollar) in meiner Tasche. die Stimme Anastasias. doch ich wollte sparsam damit umgehen. die am Rande einer Allee stand. 149 . Kauf dir. Da geschah plötzlich etwas Unglaubliches: Ich hörte ganz deutlich. da hörte ich wieder die gleiche Stimme: «Warum bleibst du nicht? Bitte iss etwas!» «Das muss eine Sinnestäuschung sein».

Aber das ist nicht schlimm. dich zu erreichen.. Dann kam mir der Gedanke zu singen . dass mir beinahe die Milch ausgeblieben wäre. Du hast mich nicht gehört. das ich dir in der Taiga vorgesungen hatte.» «Alles in bester Ordnung. die Milch für unseren Sohn. mich von meiner Familie getrennt hatte 150 .das Lied. das die beiden Mädchen auf der Geige spielten. Sobald du die Melodie des Liedes hörtest. Aber du musst weitermachen. Ich weiß. Nur seine Haut ist etwas trocken. aber du hast mich nicht gehört. Ich wollte ihr von den Problemen mit meiner Familie und mit der Firma erzählen. dass Bücher schreiben viel schwieriger ist als Handel treiben.» Ich wollte ihr sagen. und es wird sich bald legen. Geh deinen Weg!» «Ja. du sagtest damals. Anastasia! Warum hast du denn vorher nicht mit mir gesprochen? Ich habe so viele Fragen an dich. ganz allein mit dem Kind in der Taiga? Ich erinnere mich. Anastasia . Ich habe einen Sohn geboren..» «Hallo. allgemein über die Wirren des vergangenen Jahres.Die Antwort kam unmittelbar und deutlich: «Ja. du wirst schon sehen. Du hast es jetzt schwerer als wir.kommst du zurecht? Wie schaffst du das alles. das hat aber auch nicht geholfen. und viele davon kann ich nicht beantworten. Unser Sohn ist wohlauf — er ist kräftig und kerngesund. du hörst meine Stimme.» «Einen Sohn geboren .» «Was für Milch. Einmal. und es wird auch in Zukunft so sein. hast du dich an mich erinnert. als du dir das Leben nehmen wolltest. Und . Sie konnten mich hören und spielten es. Bei den Treffen stellen die Leser immer Fragen an mich. Aber da musst du durch. habe ich sogar vor Aufregung geschrien. Alles wird gut sein. Wladimir. wie bei dir... Ich war so aufgeregt.. Schreib die Bücher fertig.» «Ich habe sehr wohl zu dir gesprochen. Die ganze Zeit über habe ich versucht. Wladimir. Die Natur ist früher erwacht als gewöhnlich und hat mir geholfen. Dass ich kein Dach über dem Kopf hatte.. Anastasia?» «Meine Brustmilch. es würde nicht zur rechten Zeit zur Welt kommen. das war alles nicht leicht für dich. Anastasia .

und beinahe im Irrenhaus gelandet wäre. Und in den Archiven der Sergius-Lawra habe ich das Bild gefunden. die Barden . Zum Beispiel dieses Buch: Du hast davon geträumt. ich habe ein Buch geschrieben — na und wenn schon! Jedenfalls ist das leichter. darunter Journalisten. aber es ist so. So unglaublich das klingt. Und die Leute lesen es mit echtem Interesse. Weißt du noch. und schwupp!. und was soll ich dir sagen . Also sagte ich: «Mach dir keine unnötigen Sorgen.» «Na. militärischem Ton eine Kassette.da ist es. Er sagte: «Lieder für Anastasia. Wie in der Anekdote über den Tschuktschen*: <Was ich sehe.. Ich wollte mich mit ihr über ihre Träume aussprechen . Anastasia. Ich habe keine besonderen Schwierigkeiten. was bereits geschehen ist. davon singe ich. Wladimir. deine Träume. brauche ich mich hingegen nur auf meinen Hosenboden zu setzen und etwas zu schildern. . über die Natur und über Russland. Um ein Buch zu schreiben. Auf einer Leserkonferenz kam einmal ein Mann mit rotblondem Haar zu mir und überreichte mir in kurzem.. Gut. Leser und Mitarbeiter * Angehöriger eines zu den Paläosibiriern gehörenden Volksstamms in Nordostsibirien. damit Menschen zu beeinflussen. Hier in Moskau sind schon Zeitungsberichte darüber erschienen. dass du mir einmal von Barden erzählt hast?» «Ja. sonst bliebe ihr womöglich noch die Milch weg. als einen Business-Plan zu entwerfen.dass sie aufhören sollte.> Und noch etwas .. sie gehen tatsächlich in Erfüllung. Und stell dir vor. das weiß ich noch. Viele Leser schreiben Gedichte über dich. Bitte nehmen Sie!» Verschiedene Teilnehmer der Konferenz hörten sich diese Aufnahme schweigend an. Ich werde es der Öffentlichkeit vorstellen. Ich ließ aber davon ab.auch das beginnt sich zu erfüllen. denn ich wollte sie als stillende Mutter nicht unnötig belasten. Bei der Ausarbeitung eines solchen Planes muss man zahlreiche Faktoren berücksichtigen und mögliche Entwicklungen vorhersehen.. und es heißt «Jedinij Jedinoju» (etwa: «Einer aus Einem»). die ich für Spinnereien gehalten habe. Es ist noch immer erhalten. Weißt du. von dem du erzählt hast. Anastasia.

Eine richtige Singstimme hat Korotynski eigentlich nicht. seine Lieder klingen eher wie ein Sprechgesang. der genauso unerwartet aufgetaucht war. Wie sich später herausstellte. Gar viele sehen wohl den Tempel. den Wissenschaftler Alexander Korotynski. schon wieder ein Offizier! Gruzja. handelte es sich um einen U-Boot-Offizier aus Sankt Petersburg. und auch dafür. Und in seinem Lied mit dem Titel <Tempel> kommen genau die gleichen Worte vor. Doch nicht alle treten ein. und wie es dann doch noch auftauchen konnte. wie eine Kette von Zufällen dazu geführt hatte. Das wird am Barden Korotynski ganz deutlich. Alexander Korotynski erwies sich dann auch noch als Barde. die ich einmal von dir hörte. Ein Pilot. einem mittelgroßen Mann von eher unscheinbarem Äußeren.dass sie nämlich wie durch einen unsichtbaren Faden mit der Seele verbunden sind. «Stell dir vor. Er erzählte mir von einem Unfall. Mag unser Leben auch ein Rennen Auf mehreren Etagen sein. Doch letztlich müssen wir bekennen. war auch Offizier. den sein U-Boot erlitten hatte. der 152 . für die lichte Freude. und dann der obdachlose Oberst. die du den Menschen schenkst. Barde.eines Moskauer Forschungszentrums — Alexander Solnzew und Alexander Sakotski. sagte Anastasia. Dann begannen einige Leute. Die Stock-Wahl trafen wir allein. dass er mir die Kassette überreichen konnte. Aber gerade das bestätigt ja deine Aussage über die Kraft der Worte . dass du so viele Seelen läuterst!».» «Dank sei dir. die Kassette zu kopieren und nach dem Autor Ausschau zu halten. wie er auch wieder verschwand. der die erste Auflage des Buchs gedruckt hat. Erinnerst du dich noch? Vertraue nicht den fremden Worten. Die künden: Alles geht vorbei. der das Bild dazu gemalt hat.

Und nun diese Lieder. ebenfalls von einem Offizier! Wie kommt es. entwickeln ungeahnte Kräfte und tragen zu diesem Wandel bei. um Zärtlichkeiten auszutauschen und sich zu umarmen. aber die höheren Bestrebungen fangen nur dort Feuer.» «Dein Traum ist in unsere Welt eingetreten. Anastasia. Aber du bist da eben anders und brauchst das nicht. Wozu ist dann deine Liebe überhaupt gut? Ich fürchte. Sein Gesicht war mit Erde verschmiert. Sogar im Tod lächelte er. Sein Lächeln wird viele Herzen vor jenen Kugeln bewahren. dass wir nie miteinander leben werden?» «Aber wir sind doch zusammen.. Wozu sollte ich sie auch verstehen. doch leider ist er jetzt tot. sie hat keinen Sinn. die schlimmer sind als fliegendes Blei.» «Dein Traum wird doch wahr.. Ich habe ihn zufällig kennen gelernt.. verstehen dich. du bist immer noch in der Taiga. wie alle anderen Menschen auch.» «Zusammen? Wo bist du denn? Wenn man sich liebt. dass dein Strahl gerade die Herzen von Offizieren so sehr entflammt? Peilst du sie stärker an als andere?» «Viele werden vom Strahl berührt. dessen Wege sich mit den deinen kreuzten. auf deiner Lichtung. wo auch Brennstoff vorhanden ist. Und ich tue es auch. Hast du da vielleicht etwas mit deinem Strahl gemacht? Was hat es zu bedeuten. ich brauche es. sie verstehen ihn. Ich habe gesehen. Unter solch kargen Lebensbedingungen kann ich unmöglich existieren. und auch du wirst nie in unserer Welt leben können. und die Welt beginnt sich bereits zu wandeln. möchte man immer beieinander sein. hat beim Vertrieb geholfen.. wenn ein Mensch mit einem Lächeln stirbt?» «Jener Mensch. Auch der obdachlose Oberst hat ihn verstanden. wie er leblos dalag. Manche Menschen fühlen sich mit dir verbunden.» 153 . Aber du . wo ja sowieso klar ist. Wladimir.Kommandant eines Regiments ist. wandelt jetzt zusammen mit dem Barden auf einem unsichtbaren Pfad. Anastasia! Die Menschen greifen ihn auf. Auch ist mir meine Beziehung zu dir nach wie vor schleierhaft. aber auf seinen Lippen lag ein Lächeln. Die Welt wird ein wenig besser .» «Doch.

unter denen du sitzt? Hör nur gut hin. und du nicht?» «Weil er gerade irgendwo in deiner Nähe ist. ganz nahe bei dir. Und deine Stimme . die du aufgezählt hast. nicht mit den Ohren.» «Wieso sollte sich denn die Liebe <im Raum auflösen>?» «Damit die geliebte Person immer von einer Atmosphäre der Liebe umgeben ist.» «Immer kann ich das nicht.» «Dein Großvater kann das also. Auch sonst habe ich eine Menge zu tun. Wie kommt das?» «Was du aus der Ferne hörst. Du musst lernen.» «Aber jetzt sprichst du doch..» «Aber all die Dinge. ist nicht meine Stimme.. früher konnte ich sie nicht aus der Ferne hören. sind doch für alle da! Willst du etwa behaupten. und ich will das auch alles schaffen..» «Das begreife ich nicht. und ich kann dich hören.«Wie das denn?» «Jetzt zum Beispiel. kann die Liebe viele Seelen berühren. die wärmenden Sonnenstrahlen? Wie die Vögel frohe Lieder für dich singen und die Blätter an den Bäumen rascheln. so wie jetzt. Spürst du denn nicht den zarten Hauch des Windes. es ist kein gewöhnliches Rascheln.» «Wo?» 154 ..» «Wozu soll ich das lernen? Sprich doch einfach immer mit deiner Stimme. seine zärtliche Umarmung. Sprich mit ihm. Ich muss jetzt gehen und unseren Sohn stillen.» «Großvater hilft uns jetzt. Darin liegt das Wesen der Liebe und ihre Bestimmung. und jetzt geht es plötzlich. Man muss mit dem Herzen hören. dass all das du bist?» «Aufgelöst im Raum für einen bestimmten Menschen. mit dem Herzen zu hören .

Anastasias Großvater stand tatsächlich in der Nähe meiner Bank. allein. in Richtung Abfalleimer.. nur um der Fleischeslust willen. quasi durch einen hindurch. und ich fragte ihn: «Wie sind Sie denn hierher gekommen. Geschieht die Empfängnis aber in lauterer Absicht.» «Sie hat doch einen Knaben geboren . Wir setzten uns auf die Bank. Sie hat gesagt. nicht im Krankenhaus.... Er hat einen frohen. wenn sie ein Kind zur Welt bringt. so steigern die Geburtswehen nur die große Freude am Schöpfungsvorgang. Ich sprang auf. ganz anders als Anastasias Urgroßvater: Als ich in der Taiga war. Wir begrüßten uns mit Händedruck. gütigen Blick und ist sehr unkompliziert im Umgang.. Eine solche Zeugung ist sündhaft. und jetzt hat sie es getan .24 Anastasias Großvater Ich schaute mich um . sie würde das tun.» 155 . und seine Augen schienen in die Ferne zu blicken.. Hat sie geschrien?» «Wieso Schmerzen?» «Na ja. jede Frau hat doch Schmerzen. Bestimmt hatte sie Schmerzen. in der Taiga. und wie haben Sie mich bloß gefunden?» «Mit Anastasias Hilfe ist das kein Problem. Manche sterben sogar dabei. Mit seinem Stock schob er einen auf dem Rasen liegenden Papierfetzen vor sich her. wenn das Kind von den Eltern ohne Liebe gezeugt wurde. und die Mutter zahlt dafür mit Schmerzen während der Geburt und mit Qualen in ihrem Leben. schwieg er die ganze Zeit.» «Schmerzen hat nur eine Frau.

Der gleiche Unterschied gilt auch für die Geburt. Wir gingen zu ihrer Lichtung. an jenem Tag haben wir das geahnt.» «Nein. wo ihre Mutter sie zur Welt gebracht hatte. wenn ich geläutert bin. Es war ein hervorragender Tag. ihr zu helfen?» «Doch. dass ich das Kind erst dann sehen soll. wenn es dich so interessiert. Am Rande der Lichtung sahen wir eine Bärin. Eine Wölfin leckte es mit der Zunge ab.» «Anastasia hatte bei der Geburt also keine Schmerzen?» «Natürlich nicht.» «Ich wüsste gern. Sie brummte gekränkt.» «Haben Sie denn nicht gewusst.» «Warum fährst du nicht hin und schaust es dir an. mit einem lebendigen Bündelchen auf der Brust. Sie brummte und stampfte mit aller Kraft auf den Boden.» «Eine Geburt kommt nur dann unerwartet.«Wohin verflüchtigt sich denn der Schmerz? Und wie soll er die Freude steigern können?» «Was empfindet eine Frau. und nicht sie. wann das Kind kommen würde? Haben Sie nicht versucht. wann immer es ihnen passt. Anastasia lag an der gleichen Stelle. Und sie hat auch den richtigen Tag dafür gewählt. ohne Einladung kommen die Tiere niemals zu ihr. die vergewaltigt wird? Natürlich Schmerz und Abneigung. Gibt sie sich einem Manne aber freiwillig hin. was für ein Chaos das gäbe.» «Sie hätte doch auch selbst kommen können. Ich soll zuerst eine Pilgerfahrt machen. Dafür habe ich aber nicht genug Geld. Die Mutter kann die Empfängnis immer um ein paar Tage beschleunigen oder hinausschieben.» «Wie konnte sie den Zeitpunkt wählen? Geburten kommen doch immer unerwartet. so wandelt sich der Schmerz in eine andere Empfindung. Stell dir nur einmal vor.» «Sie hat gesagt.» 156 . Es war warm und sonnig. wie sie jetzt mit dem Kind zurechtkommt. wenn die Zeugung unbeabsichtigt war.» «Wieso hat die Bärin denn gebrüllt? Wieso war sie beleidigt?» «Weil Anastasia die Wölfin herbeigerufen hatte. wenn alle unaufgefordert kämen.

jetzt Achtung . wie es war. Vielleicht ist das auch der Grund. Irgendetwas hindert mich jedenfalls daran.» «Auch mir ist ihre Wahl bis heute ein Rätsel. schließlich ist es ja auch dein Sohn. und bisweilen erschafft es sogar neue. denn ihre Wahl erschien uns unverständlich und absurd. Wir wollten auch ihre Liebe verhindern.. doch dann leuchten die uns allen bekannten einfachen Wahrheiten des Daseins umso heller auf. als ich von dem Kind hörte . Windeln. Mag sein.doch mit Anastasia ist das etwas anderes. Und weil wir sie nicht immer verstehen.. obwohl sie unsere Enkelin ist und vor unseren Augen aufwuchs. Vielleicht ist es gar nicht möglich. Ihr scheinbar unlogisches Wesen bringt aus den Tiefen des Kosmos längst vergessene Gesetze wieder zum Vorschein. aber es ist anders als die Liebe zu einer Frau. Nach jeglicher Logik sollte sie mit einem hoch gelehrten oder geistig orientierten 157 . Auch wir können unsere Anastasia nicht immer verstehen. dass es ihr unlogisches Wesen ist. wenn ich mich früher verliebte . Erst dieses Erstaunen. Deshalb ist sie mit ihren Bemühungen oft allein.» «Anastasias unlogisches Wesen hat nichts mit Dummheit zu tun. dass sie das Kind normal kleidet und nicht länger herumquält. und ich werde es auch tun! Übrigens. sie normal zu lieben. können wir ihr auch nicht besonders helfen. Angesichts von Anastasias unlogischem Wesen geraten manchmal die lichten wie auch die dunklen Kräfte ins Stocken. da haben Sie ganz Recht .. was du für richtig hältst. ganz allein.. Es ist ja ganz nackt im Wald!» «Genau das wollte ich ja tun. Tu einfach.«Was sie nicht sagt! Das ist doch unlogisch. warum mir meine Gefühle ihr gegenüber stets etwas unklar sind.. und dann ist da noch etwas. Wir wollten das verhindern. Kauf ihm ein paar Strampelhöschen. Ich weiß noch. Jäckchen und Rasseln und verlange. was Anastasias Denkweise betrifft. Wladimir. was ich mir nicht erklären kann. und immer wieder werde ich von Lesern gefragt: <Wer sind Sie? Warum hat Anastasia Sie erwählt?> Das kann ich aber nicht beantworten. Nun ist sie dir begegnet und hat sich dir und anderen durch das Buch völlig geöffnet.die ist nicht immer logisch..

die den Menschen von der Wahrheit wegführt. nicht wahr?» «Ich könnte mir vorstellen. Deine Tochter konnte auch nicht viel mit dir anfangen.» «In letzter Zeit gab es keine Liebesbeziehung zwischen dir und deiner Frau. Deine Geschäfte interessierten sie nicht. dass es irgendeine besondere Bewandtnis mit mir hat. aber die Gefühle sind mit der Zeit immer mehr erloschen. Ich suche eine Antwort.» «Bedauerst du denn. dass sich dein Leben verändert hat?» «Ich weiß nicht. Nur dir haben sie etwas bedeutet. Wladimir. Nur die Gewohnheit verband euch noch . warum sie mich erwählt hat.» «Und wie suchst du nach der Antwort?» «Ich versuche. sondern aufgelesen — wie etwas Nutzloses. Ich versuche. und auch meine Geschäfte liefen ganz ordentlich.ihr seid eben verheiratet -. und zusammen könnten sie der Welt viel mehr helfen. mir über mich selbst Klarheit zu verschaffen — wer ich eigentlich bin. aber ganz sicher gehöre ich auch nicht zum Abschaum. finde aber keine. Ihr seid beide eure eigenen Wege gegangen.Bist du jetzt beleidigt?» «Da bin ich nicht ganz einverstanden.Partner zusammen sein.» «Sie hat dich nicht auserwählt. mit dem niemand etwas zu tun haben will. ich bin vielleicht nicht gerade ein Musterknabe. hat Anastasia mit dir schon mal über Stolz und Eigendünkel gesprochen? Und darüber. denn sie 158 . Ich bin kein Penner. Ich hatte eine Familie — eine Frau und eine Tochter —.» «Vielleicht bist du ja was Besonderes. kann ich den Lesern nicht beantworten. gebildetere Menschen schon längst geklärt sind. mir über alles klar zu werden. Altes. die für andere. Man sagt doch auch: Gleich und gleich gesellt sich gern. Wir haben das auch nicht gleich begriffen. Der könnte sie verstehen und auch richtig lieben. .» «Wladimir. welche Folgen diese sündhaften Eigenschaften haben?» «Ja. Ich hingegen muss mein Leben ändern und mich mit vielen Fragen auseinandersetzen. sie hat das als eine Todsünde bezeichnet. Auch die Frage. Zugegeben.

das Ganze ist nur irgendeine Schrulle von ihr? Will sie. dass es ihr wie allen Frauen ergeht: dass ihr Mann raucht. ihn in eine Atmosphäre der Liebe zu tauchen und ihm ein zweites. Und es macht ihr Freude. sowohl uns als auch anderen zuerst unlogisch erschien. Verluste gemacht oder standst kurz vor der Pleite. Tausende von Frauen werden 159 . Bisweilen hast du aber auch nichts verdient. ohne irgendwelche Hintergedanken. sondern durch reales Handeln in eurem und in deinem Leben. Ihre Liebe.» «Soll das heißen. Wladimir. Bei deiner ausschweifenden Lebensweise hättest du der Krankheit gar nicht entkommen können. Wladimir. sie zeigen in der Realität. Belehrungen oder Moralpredigten. und zwar nicht durch Worte.brachten dir ein gutes Einkommen . hat das wahre Wesen der Liebe erst klar erkenntlich gemacht. ihn den unerbittlichen Klauen der Dunkelheit zu entreißen und in die lichte Unendlichkeit fort zu tragen.jedenfalls zeitweise. was sie so deutlich noch nie zuvor gezeigt haben: Seht nur die Kraft der Frauen. Sie beansprucht für sich keine Sonderrechte und ist zufrieden damit. fremdgeht und so weiter? Welch Edelmut. Außerdem warst du krank. Sie ist in jeder Beziehung aufrichtig. die sowohl den dunklen wie auch den lichten Kräften. Um ein Haar hättest du dir den Magen ruiniert. wird dir die Liebe deiner Frau und die Liebe deiner Tochter zurückgeben. welche Selbstaufopferung aus einer Laune heraus!» «Ihre Liebe ist echt. Sie sprechen nicht nur. ein ewiges Leben zu schenken. Die Kräfte des Lichts und des Schöpfers sprechen durch ihre Liebe. eine gewöhnliche Frau zu sein. dass sie aus eurer Welt keinen Mann genommen hat. Ihre Liebe. vermag einen geliebten Menschen zu erhöhen. Du warst schon hoffnungslos am Ende. der eine andere Frau hätte glücklich machen können.» «Was geht denn Sie das an? Was bedeute ich Anastasia? Braucht sie mich für ein Experiment? Was hat sie mit mir vor?» «Sie hat dich einfach lieb gewonnen. Das hat nichts mit einer Laune oder sonst irgendwelchen Hintergedanken zu tun. die Kraft der reinen Liebe! Im Augenblick des Todes vermag sie ein neues Leben zu schenken.

» «Hm.dich mit von Liebe entflammten Augen ansehen. das gleichzeitig auf allen Daseinsebenen existiert. Der Mensch ist das einzige Wesen im Weltall. Wenn dem so ist. Du hast dich um die Herausgabe des Buches gekümmert. Auf jeden Fall aber wirst du berühmt und reich werden.» «Das Buch läuft in der Tat recht gut. wird sie glücklich sein. den Stift über das Papier geführt und dabei deine Erlebnisse geschildert. damit du das Buch schreiben konntest. materialisierten 160 . Anastasia hätte mir dabei irgendwie geholfen. eine Kraft. Die meisten Menschen erkennen nur den irdischen.» «Also jetzt verstehe ich nur noch Bahnhof. was ein Schriftsteller tut: Du hast Papier und Feder genommen. Was denken Sie. Aber ich habe es selbst geschrieben. sie sei ein Mensch. und Anastasia hat nichts daran gemacht. ist es nun mein eigenes Buch. oder hat Anastasia dabei mitgewirkt?» «Du hast all das getan. und zwar nicht nur in materieller Hinsicht. Sie hat nicht den Stift über das Papier geführt. auch wenn manche Leute meinen. Wladimir. Sie drücken sich so aus. Da kenne sich nun einer aus! Aber ich will mir unbedingt Klarheit darüber verschaffen. Was soll das heißen? Wie kann sie denn dort im Wald ihr Leben für ein Buch hergeben? Wer ist sie? Selber sagt sie. materiellen Kraft weit überlegen ist. als wenn sie doch irgendwas beigetragen hätte. Dein Buch wird sich in aller Welt verbreiten und dir Gewinn bringen. Deine Handlungen unterscheiden sich in keiner Weise von denen eines Autors. Du wirst völlig frei sein in deiner Wahl.» «Richtig. dann sagen Sie es mir bitte ganz deutlich. sodass du keinen Ruin mehr zu befürchten hast. Es wird dir und anderen viel Kraft verleihen. sie sei eine Außerirdische oder eine Göttin. Anastasia hat ihr Leben gegeben. Und wenn es dir gelingt. Einige deiner Schlussfolgerungen hast du in der dir eigenen Sprache dargelegt.» «Das ist ganz einfach.» «Wladimir. aus der ganzen Vielfalt der Erscheinungsformen der Liebe jene eine zu erkennen.» «Dann ist es also tatsächlich allein mein Buch. die der physischen. Andere sagen.

wie lange sie das noch aushalten kann? Sie wartet und glaubt daran.» «Wer erschafft die Finsternis und die Hölle?» «Die Wahrsager. die an das Kommen einer Katastrophe glauben und den Weltuntergang ankündigen. mit seinem geistigen Auge die Gegenwart und die Zukunft gestalterisch zu formen. dass gerade sie sich den Weg zur Hölle ebnen. Und das furchtbare Schicksal.» «Aber die Menschen. Diejenigen. dass die Menschen zur Einsicht kommen und ihr helfen. und um uns 161 . Sie suchen nach der eigenen Erlösung und nach dem Paradies. haben gar nicht so Unrecht. haben sie sich selbst zuzuschreiben. ebendiesen Untergang heraufzubeschwören. Stell dir doch einmal vor. das heißt an Gott. Es gibt jedoch auch Menschen. dass der Mensch in der Lage ist. womit sie gedankliche Formen eines Weltuntergangs hervorbringen. die den Untergang der Menschheit voraussagen. doch ahnen sie nicht. Solche schöpferischen Gedanken haben das Potential. Die Zukunft ist abhängig von den Gedanken des schöpferischen Menschen: von ihrer Helligkeit und Harmonie sowie von ihrer Schnelligkeit und Reinheit. Wladimir: Wir sitzen hier auf dieser Bank. dass sie endlich aufhören. unsichtbare Daseinsebenen wahrnehmen können. die Finsternis und die Hölle zu erschaffen. setzen damit gedankliche Bilder in die Welt. die vom Jüngsten Gericht und vom Weltuntergang reden. glauben doch daran. sehr viele Schöpfer solcher Lehren.sie allein. Es gibt viele. denn aufgrund der Geschwindigkeit ihrer Gedanken sowie der Helligkeit und Reinheit der von ihr im Geiste gebildeten Formen ist sie als Einzige in der Lage gewesen.Aspekt ihres Daseins. die dabei helfen. In diesem Sinne ist Anastasia eine Göttin. das sie folglich erwartet. dass sie aufrichtig die Erlösung ihrer Seelen erflehen. sich in der Realität zu verwirklichen. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Menschen und allen anderen Lebewesen besteht darin. die andere.» «Nicht der Glaube an das Licht und die Liebe. Auch eine Vielzahl von Lehren. sondern die Angst. Aber wer weiß. dem gewaltigen Ansturm der Dunkelmächte zu trotzen . bewegt sie. die Anastasia eine Göttin nennen.

die früher gelebt haben und uns ihre Lehren hinterlassen haben?» «Sie konnten den Wandel zumindest in die Wege leiten.» «Wie kann man sich dann vorstellen. Und was ist mit denen. und es ist möglich. wo es weit und breit keine verwesenden Leichen und keine Bilder des Schreckens mehr gibt?» «Angenommen.herum siehst du eine Menge Leute. die angeblich Sünder sind. ihre Absichten zu bestimmen. in der Hoffnung. kurz vor diesem Anblick zu sterben?» «Wenn aber all die Frommen und Erlösten ins Paradies kommen. um sich an einer solchen Vorstellung zu ergötzen? Im Reich des Lichts ist kein Platz für solche Seelen. Freunde und Verwandten tot sind und andere unter furchtbaren Qualen sterben? Wie herzlos muss eine Seele sein. und wohin führen sie die Menschen? Warum sagen sie so etwas?» «Es ist schwer. und wir sitzen hier auf der Bank und schauen seelenruhig zu. vom anderen Ende der Welt erreicht dich die Nachricht vom Tod eines guten Freundes oder eines Verwandten — bist du dann nicht traurig und bekümmert?» «Das würde wohl jedem nahe gehen.» «Einen solchen Wandel können doch nur die Menschen von heute verwirklichen. dass die meisten Landsleute. Um uns herum liegen haufenweise verwesende Leichen. Sie haben ja einen Einfluss auf viele Menschen. sich unter Krämpfen und vor Schmerz am Boden zu wälzen. dass ihre Anhänger ihn in die Tat umsetzen und die 162 . Unsere Bank befindet sich gleichsam im Paradies. denn sie sind Ausgeburten der Finsternis. selber im Paradies zu sein. dass sie durch die Anziehungskraft ihrer Gedanken einen Wandel im Bewusstsein der Menschen bewirken können. Plötzlich beginnen einige von ihnen. wie tief in die Finsternis muss sie gesunken sein.» «Aber warum sprechen dann die großen Lehrer der Menschheit in ihren Lehren über das Ende der Welt und das Jüngste Gericht? Wer sind sie. Wird dir nicht das Herz brechen angesichts dieses fürchterlichen Bildes? Wäre es da nicht besser gewesen. wenn man weiß.

was die Wissenschaftler darüber schreiben. eine Frau. Zu verschiedenen Zeiten haben sie versucht. nicht .» «Wenn sie das alles gewusst haben. wie alle Menschen. Vielleicht hat sie das ihrem unlogischen Wesen zu verdanken oder . Ich überlegte. die ihre ursprüngliche Lebensweise vor dem Einfluss der Technokratie bewahrt und somit die ureigensten Fähigkeiten des Menschen nicht verloren haben. aber sie selbst hatten sehr viele Gegner. Nach einer Weile fragte ich ihn: «Warum hat sie mir immer wieder eingeschärft: <Ich bin ein Mensch. Und obwohl diese Lebensweise für sie etwas ungewöhnlich ist. sie liebt und will geliebt werden. kann sie sich.» Der Alte schwieg. ohne dass es ihnen gelungen wäre. wie Sie ja sagen?» «In ihrem irdischen. freuen und traurig sein. Doch immer kamen sie ums Leben.. jemandem die Wahrheit zu erklären? Anastasia hat mir erzählt. dass Ihre Sippe seit Jahrtausenden diese seltsame Lebensweise führt. dann begann er. Vielleicht warten sie darauf. von Generation zu Generation. wie er ursprünglich erschaffen wurde. eine Frau>.um dann denen zu helfen.» «In verschiedenen Teilen der Erde gibt es Menschen. warum saßen sie dann im Wald herum und haben so viele Jahre geschwiegen? Warum haben sie nicht früher versucht. die sich zum Licht wenden und an sie glauben. wo du weißt.Wahrheit entdecken würden. und die ursprünglichen Wahrheiten bewahrt hat.. Die von ihnen geschaffenen gedanklichen Formen waren zwar stark.» «Also wird auch Anastasia von den dunklen Mächten bekämpft und niedergetreten werden?» «Seltsamerweise konnte ihnen Anastasia standhalten — zumindest bis jetzt. mit seinem Stock mir unverständliche Zeichen in den Boden zu ritzen. dass die Mehrheit der Menschen die Ausweglosigkeit ihres Lebenswandels erkennt . wenn sie doch eine Göttin ist. Ihre scheinbar übernatürlichen Fähigkeiten werden dir jetzt. das Wesentliche zu sagen. materialisierten Leben ist sie ein gewöhnlicher Mensch. Alle ihre Fähigkeiten sind auch dem Menschen zu Eigen. ihre Erkenntnisse der Außenwelt zu vermitteln.

mit dem du erst noch Bekanntschaft machen wirst. dass sie ein Mensch ist. wird dir unverständlich bleiben. wie alle anderen Menschen zu sein. Auch die Wissenschaft wird es nicht erklären können. identifiziere dieses Phänomen nicht direkt mit Anastasia. nicht wahr?» «Und was ist das für ein Phänomen. und selbst meinem Vater ist es ein Rätsel. Versuche in dir die Kraft zu finden. ja notwendig zu beweisen. die beweisen. sie als gewöhnlichen Menschen zu sehen und zu empfinden. es gehört nicht zu ihrem Innern. denn es existiert unabhängig von ihr. Sie gibt sich Mühe. Und für viele weitere ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten wird man noch Erklärungen finden. denn sie kann dabei ihre Prinzipien nicht aufgeben. dass sie einfach nur eine Frau ist. Jeder hat schließlich seine Prinzipien. für das weder Sie noch die Wissenschaft eine Erklärung haben?» 164 . Nur ein Phänomen. Wladimir. Aber ich bitte dich. Aus irgendeinem Grunde ist es für sie wichtig. Solche Phänomene werden bei euch als <paranormale Erscheinungen> bezeichnet. Das fällt ihr nicht leicht.mehr so phantastisch erscheinen.

» «Fortgegangen sind Sie? Wir konnten Sie so etwas tun . betteten darauf die Körper der Eltern und deckten sie mit Erde und Gras zu. der wie der Mutterleib Körper und Seele behütet. Mein Vater und ich hoben damals mit Hilfe einiger Tiere eine Grube aus. Doch diese Begriffe werden heutzutage immer abstrakter gedeutet. Sie konnte weder laufen noch sprechen. dass sie ihr Unglück noch nicht verstehen kann!>. wo ihre Mutter sie zur Welt gebracht hatte. Wir legten den Boden der Grube mit Zweigen aus. Die Eltern sollten für das Kind vor seiner Geburt ein Umfeld der Geborgenheit und der Liebe schaffen. wir ließen sie nur an dem Ort. ihm einen Flecken Heimat geben. Die kleine Anastasia saß in der Nähe auf einer Lichtung und betrachtete einen kleinen Käfer. als wir ihre Eltern beerdigten. das bedeutet Heimat.ein kleines. dem Kind kosmische Weisheit gibt und ihm bei der Suche nach der Wahrheit hilft. das Mutterland.25 Eine paranormale Erscheinung «Anastasia war noch ganz klein. <Gut. in was für einer Welt ihr 165 . Was kann denn eine Frau ihrem Kind geben. Es gibt bei euch einen Begriff: Shambhala. wenn sie es zwischen steinernen Wänden zur Welt bringt? Was für eine Welt hat sie für das Kind vorbereitet? Hat sie überhaupt darüber nachgedacht. der ihr über den Arm krabbelte. Die Heimat ist das Land der Vorfahren. Dann gingen wir leise davon. Schweigend standen wir am Grabhügel. dachten wir. unerfahrenes Mädchen allein lassen?» «Wir haben sie nicht im Stich gelassen.

Mutter wurde und wie ein neuer Mensch zur Welt kam. Nichts und niemand konnte Anastasia hier gefährlich werden in dieser heimatlichen Umgebung der Liebe. Wladimir. die großen und kleinen Tiere verhielten sich zu Anastasias Mutter wie zu einem Freund. untrennbar verbunden mit dem Kosmos. verflochten sich ihre Gefühle zu den befreundeten Menschen und ihre Liebe zu ihm mit ihrem eigenen Mutterinstinkt und brachten etwas Neues. einem bloßen Sklaven wird? Und die Mutter schaut dabei tatenlos zu. 166 . Während sie die Geburt beobachteten. Die Mutter hatte Anastasia auf einer Lichtung zur Welt gebracht. Und das tun sie mit jedem Menschen. dem Gesamtwerk des Großen Schöpfers. wie ein Mensch. Sie wurden Zeuge. Sie liebten einander sehr. Anastasias Eltern hingegen sahen die Tiere anders. Anastasias Eltern waren gutherzige. dass Katzen Hundewelpen aufziehen und umgekehrt. einer weisen. die um sich herum eine Welt der Liebe schuf. und viele Tiere hatten bei der Geburt zugeschaut. der so lebt wie Anastasias Mutter. Die kleine Lichtung war für Anastasia wie ein zweiter Mutterleib. die menschliche Neugeborene stillen und pflegen können. sie war ihre lebendige Heimat.Kind leben wird? Diese Welt wird doch völlig willkürlich mit ihm umgehen. In diesem Raum der Liebe wurde Anastasia geboren und wurde zu dessen Mittelpunkt. die ihre Mutter für sie erschaffen hatte. und daher war auch das Verhältnis der Tiere zu ihnen ein anderes. Alle würden dieses menschliche Wesen hegen und pflegen. Erhabenes und Lichtes hervor. die umgebende Natur. Die gesamte Umgebung — angefangen vom kleinen Käfer und Grashalm bis hin zu den gefährlich anmutenden Tieren —. alle hätten ohne Zögern ihr Leben hingegeben für das Leben dieses kleinen Wesens. frohe Menschen. dass er zu einem Rädchen im Getriebe. Sieh mal. Man kann sogar beobachten. guten Gottheit. sie liebten die Erde. und ihre Umgebung erwiderte ihre Liebe. Will sie etwa. Was heißt schon wild — das ist eben eure Sichtweise. Es gibt auch einige wilde Tiere. denn sie hat für das Kind keinen Raum der Liebe vorbereitet. eine von ihnen geachtete Frau. Viele Tiere tun Neugeborenen nichts an. mächtig und gut. dass der kleine Mensch unterdrückt wird.

Wir näherten uns dem Grabe nicht. Immer wieder strich sie mit ihren Händchen über den Grabhügel. nur ab und zu schluchzte sie auf. wie sie ihre ersten Worte auf diesem Hügel sprach. Anastasia. um uns Kummer zu ersparen. Sie bemühte sich. der sie ereilt hatte. Pa-potsch-ka. dann <Pa-pa>. Da Anastasia nicht gewollt hätte.. Sie weinte lautlos. ja?> Mein Vater verstand es als erster: Während wir noch ihre Eltern beerdigt hatten und die kleine Anastasia auf der Lichtung gesessen und das Käferlein betrachtet hatte. ja vom Beginn aller Zeiten. Wladimir. Tränen rollten aus ihren Augen und fielen auf den Hügel. Wir hätten sie ihr niemals ersetzen können. Stillende Mütter sind dazu durchaus in der Lage. Sie können dem Kind mit der Muttermilch die Erkenntnisse und die Weisheit von Jahrhunderten vermitteln. Und dann sahen wir sie . Pa-potsch-ka! Ich. Anastasias Mutter war mit diesem Vorgang vertraut gewesen und hatte dieses Wissen zum vollen Einsatz gebracht. ihre Gefühle nicht zu zeigen. ja? Nur mit den Opas. kamen wir nicht auf die Lichtung heraus. Zunächst sprach sie nur silbenweise: <Ma-ma>. dass wir sie weinen sehen. Ma-motsch-ka. Das wiederholte sie mehrmals. konnten uns aber auch nicht von der Stelle rühren. Dann begann sie komplexere Wörter und kurze Sätze zu bilden: <Ma-motsch-ka. Die kleine Anastasia saß schweigend auf dem Grabhügel. Sie konnte noch nicht sprechen. bemerkten wir eine seltsame Spannung in der Luft und hörten die Wölfe heulen. So standen wir einfach nur da und schauten. und wir hörten nun. die sie von ihrer Mutter. Die kleine Anastasia stützte sich mit ihren Händchen auf den 167 . werde jetzt ohne euch sein. begriff sie bereits das volle Ausmaß des Schicksalsschlages. ihrem Vater und vom alleinigen Urvater erhalten hatte.Diese kleine Lichtung war ihre lebendige Heimat.. Durch ihre Milch hatte Anastasias Mutter ihr die Weisheit und die Kraft des Kosmischen Urquells zukommen lassen. nachdem wir Anastasias Eltern begraben hatten. Eine ihrer Wangen war mit Erde beschmutzt. Uns war klar: Sie hatte auf dem Grab geschlafen. Als wir uns drei Tage später wieder der Lichtung näherten. Aus diesem Grund gingen wir fort.

bläuliche Strahlen über die Lichtung. da erhob sich der Zweig in die Luft und flog. Sie stand sehr wackelig. Irgendein unsichtbares Wesen musste den Wunsch der kleinen Anastasia erfüllt haben. Anastasia machte vorsichtig einen Schritt nach dem anderen. Das klappte zwar nicht gleich auf Anhieb. konnte ihn aber nicht finden. verlor das Gleichgewicht und ließ das Zweiglein fallen. doch dann gelang ihr der erste. die Gravitation änderte sich. war sehr seltsam . und eine wohltuende Entspannung machte sich in uns breit. dass sie die Lichtung aufräumen wollte.. Während sie fiel. Als sie sich wieder erhoben hatte. zum Rande der Lichtung. Sie aber wollte alles selbst machen. Dann streckte sie ihre Ärmchen aus und ging unbeholfen auf einen anderen Zweig zu. Sie näherte sich einem kleinen Zweig. kam wieder die bläuliche Strahlung. und die Gravitation hatte sich wieder normalisiert. aber schließlich stand sie doch auf ihren Beinchen. so wie ihre Mutter es getan hatte. darauf ein zweiter. sondern sank ganz sachte zu Boden. Auch wir wurden von der Wirkung dieses Phänomens beeinflusst. wie vom Winde getragen. Da begriffen wir. wobei sie ab und zu stehen blieb. und hob ihn auf. die Ärmchen ein wenig zur Seite gestreckt. Während sie fiel. was eine Änderung der Erdgravitation an dieser Stelle zur Folge hatte.Grabhügel auf und versuchte aufzustehen. aber dann stolperte sie wieder. Anastasia stand auf und suchte nach dem Zweig. Anastasias kleiner Körper stürzte nicht. verlor das Gleichgewicht und begann zu fallen. wie sie fiel. Wohl aus Protest gegen das Einschreiten des unsichtbaren Helfers hob sie ihr Ärmchen und winkte ab. und der Zweig flog wie von selbst auf einen Haufen trockener Reiser am Rande der Lichtung. war das bläuliche Licht verschwunden. Dafür war allerdings kein ausreichender Wind vorhanden. so wie ihre Mutter es getan hatte. Kaum bückte sie sich nach ihm. Das kleine Mädchen trug den Zweig bis zum Rande der Lichtung. zaghafte Schritt vom Grabe ihrer Eltern fort. 168 . Sie verhedderte sich mit ihren Füßchen im Grase. ergossen sich plötzlich kaum sichtbare. der auf dem Boden der Lichtung lag. Doch die Art und Weise..

beruhigendes Glücksgefühl aus. ohne von der Erde abzuheben. die wie vielfarbige Blitze aufzuckten. Sie bewegte sich auf der Lichtung hin und her. über deren Energiequelle und Auslösung sich nichts Näheres sagen lässt. und zwar gerade so.Wir blickten auf. Durch ihre transparente Schale konnte man eine Vielzahl feuriger Entladungen in ihrem Innern erkennen. Angst hatten wir vor dieser Macht aber nicht. mal langsam schreitend. wandten sich die Blätter und Blumen der Kugel zu. Anastasia verbrachte lange Zeit damit. In seiner bläulichen Ausstrahlung steckte mehr Kraft als in den Sonnenstrahlen. von ihr ging ein angenehmes. dann schrumpfte sie in sich zusammen und brachte blitzartige Entladungen in sich selbst hervor. Ich wollte mich nicht einmal rühren. sonniger Tag war. Wir zwingen Kinder nie zu schlafen. dass sie sanft zu Boden glitt. nur war es intelligent! Es war nicht auszumachen.» «Und wie sind Sie darauf gekommen. wo Anastasia fiel. woraus diese Intelligenz bestand und was sie darstellte. Obwohl es ein klarer. seltsame Macht. half ihm aber nicht mehr. Das Gebilde ähnelte einem Kugelblitz. mal krabbelnd. bis ihnen schwindlig wird. Die Erdanziehungskraft änderte sich genau in dem Augenblick und an der Stelle. dass dieses Ding mit solch großer Macht ausgestattet ist?» «Mein Vater hat es bemerkt. dann tauchte sie wieder auf. bis alles aufgeräumt war. bald löste sie sich in Luft auf. pulsierende Kugel aus bläulichem Licht. Man spürte nur eine unbekannte. Die mächtige Feuerkugel wird wohl die Geste der kleinen Anastasia irgendwie verstanden und sich ihrem Willen gebeugt haben. Dann kam die Zeit. die Zweige wegzuräumen. Über der Lichtung schwebte eine kleine. Zu dieser Zeit hatte sich Anasta169 .. indem wir sie in den Schlaf wiegen. da sahen wir sie . Während der ganzen Zeit bewegte sich die pulsierende Feuerkugel über dem kleinen Mädchen hin und her.. zu der Anastasia gewöhnlich schlafen ging. als sei sie besorgt. Bald dehnte sich die Kugel aus. Mal verschwand die Kugel. im Gegenteil. ich wollte einfach nur sein. die Zweige wegzuräumen. So schoss sie mit unglaublicher Geschwindigkeit durch den Äther.

Ich weiß nicht. leicht leuchtenden Kugel in den Händen des auf dem Grase sitzenden Kindes. Sie wollte Anastasia damit als Vorbild dienen. Sie schlief zusammengerollt auf dem Gras. Die Kugel jedoch erhob sich mal in luftige Höhen und verschwand in Sekundenschnelle in Richtung Himmel. aber ihre Mutter war jetzt nicht mehr da. drehte sich im Kreise und wischte ihr mit einem Blitz die Träne von der Wange. so wie es Anastasias Mutter getan hatte. wie sie es machte. Die Kleine kroch dann zu ihr. Anastasia hob ihr Köpfchen und erblickte die pulsierende Lichtkugel. wo sie immer mit ihrer Mutter geschlafen hatte. alles auf ihrem Wege zu zerschmettern. und es hatte den Anschein. Anastasia legte sich zu ihr und schlief ein. Und sofort blinkte über der Lichtung wieder die bläuliche Strahlung auf. Unter ihren Blicken hielt die Kugel inne und verharrte an einem Ort. Dann verdichtete sie sich jedoch wieder zu einer kleinen. Dann streckte sie beide Ärmchen in Richtung der Kugel aus. Dann brachte sie alle Entladungen zum Verlöschen und wurde zu einer blauen. Anastasia hielt die Kugel eine Weile in den Händen. als schlafe sie. aber auf ihrer Wange erglänzte im Schein der Sonne wieder eine Träne. in ungleichmäßigem Takt. mal löste sie sich dicht über der Lichtung auf. Die Kugel lag da. Eine ganze Weile starrte Anastasia die Kugel an. Sofort leuchteten in der Kugel zahlreiche mächtige Blitze auf und durchdrangen die blaue Schale. Im Nu war sie bei Anastasias Gesicht. als schliefe sie. wobei sie in der Lage zu sein schien. Wieder streichelte sie die Kugel. wenn sie Tiere herbeirief. Dann erhob sie sich und brachte die blaue Kugel mit vorsichtigen Schritten zu der Stelle. schmiegte sich an den warmen Körper ihrer Mutter und schlief ruhig ein. pulsierenden Kugel. wo sie mit ihrer Mutter zu schlafen pflegte. schwebte zu der im Grase Schlafenden. verharr170 . Auch diesmal begab sich Anastasia zu der Stelle. als wollte sie einen Schutzschirm über Anastasia bilden. Wie ein feuriger Komet schoss die Kugel auf Anastasias Händchen zu. woran sie in jenem Augenblick dachte. wobei sie sie betrachtete und streichelte.sias Mutter immer an ein und derselben Stelle am Rande der Lichtung hingelegt und so getan. Sie setzte sich ins Gras und blickte sie unverwandt an.

Die durch das Geäst springenden Eichhörnchen hinterließen leuchtende. Das Nadelwerk der Zedern war wie in bunte. Die Kugel ließ sich auf ihre Launen ein und spielte mit. Äußerlich machte sich das kaum bemerkbar. was sie sich anderen gegenüber nicht erlaubte. Dann wurden wir Zeuge eines wunderschönen. Mit ihren feinen. Vor unseren Augen verwandelte sich die gesamte Lichtung: die Bäume. sprang auf und schaute ringsumher. wie die Bäume und die Tiere der Umgebung. farbenfroheres Leuchten ging von den durch das Gras eilenden Käfern aus. ungewöhnliches Streicheln. mal überflutete sie die gesamte Lichtung mit ihren Strahlen. dass sie für Anastasia etwas ganz Natürliches war. sahen wir die Kugel noch mehrmals. bläuliches Funkeln. Wir wollten heimlich beobachten. komplizierten Mustern. sah sie das zauberhafte Schauspiel. Sie lächelte wie jeden Morgen. weiche Farben getaucht. dass sie erwachte. als wir Anastasia auf ihrer Lichtung besuchten. Als Anastasia erwachte und die Augen aufschlug. standen wir bereits frühmorgens am Rande ihrer Lichtung und warteten darauf. Wie mit allem anderen in ihrer Umgebung sprach sie auch mit dieser Kugel. Doch etwas in ihrem Umgang mit der Kugel war anders. nach und nach verblassende Regenbogenstreifen in der Luft. Das Gras schimmerte in glänzend-zartem Grün. und die gesamte Umgebung reagierte auf ihr Lä171 . Man konnte aber spüren. bezaubernden Naturschauspiels. Als Anastasia vier Jahre alt wurde. wie die Sonne und der Mond. das Gras und auch die Käferchen. Ein noch helleres. dass sie die Kugel mit mehr Achtung behandelte als alle anderen. Sie verströmte ein leichtes. die einen lebendigen. flimmernden Teppich von erlesener Schönheit bildeten. mal schien sie sich aufzulösen. Wir bemerkten. mit ständig wechselnden. Die Kugel erschien kurz vor Anastasias Erwachen. wie sie sich über den anbrechenden Frühlingstag freuen würde.te neben ihrem Gesicht und streichelte ihr die Haare. etwas. leuchtendflimmernden Strahlenblitzen berührte die Kugel jedes einzelne von Anastasias Haaren. hob es hoch und streichelte es. Später. Es war ein seltsames. Auch benahm sie sich ihr gegenüber manchmal launisch.

cheln mit noch hellerem Leuchten und noch schnellerer Bewegung. dass die Kugel sie verstand und lautlos zu antworten versuchte. emsig hin und her eilenden Käfer zu betrachten. Aber du denkst sehr schnell. Und jede Mutti liebt ihre Kinder so. wie es vorher war. Augenblicklich kam Bewegung in die erstarrte Luft. aber etwas beunruhigter Ausdruck in ihrem Gesicht. Erst später verstehe ich ein bisschen. so schnell. lag ein konzentrierter. streckte sie ihre Armchen gen Himmel. legte sie ins Gras und streichelte sie liebevoll. dann wurde alles auf der Lichtung wieder wie zuvor. jedes Insekt und jede Ameise hat eine Mutti. Ich weiß. Und ändere es nie wieder!> Die blaue Kugel pulsierte. Alle haben eine Mutti. und es blitzte in ihrem Innern. Sie hielt sie eine Weile an ihr Gesicht. Du bewegst dich am schnellsten von allen. aber etwas traurigem Ton: <Du bist gut. Ich fühle mich sehr wohl bei dir. immer nur Gutes zu tun und zu helfen. Eigentlich redete nur Anastasia. sehr gut.> Die Kugel flackerte ein wenig. Ihre Worte verblüfften uns. egal wie viele Beinchen und welche Farbe sie haben. wie sie sie geboren hat. wie es vorher war. Anastasia streichelte sie und sagte: <Vielen Dank!> Dann schwieg sie eine Weile. du hast selber eine Lichtung. schaute die Kugel forschend an und begann erneut zu sprechen. hob sich leicht von der Erde ab. aber das Leuchten in der umgebenden Natur verschwand nicht. eine ganz große Lichtung. und in ihren Händen manifestierte sich die bläuliche Kugel. und obwohl dort nichts zu sehen war. Anastasia sah die Kugel aufmerksam an und sagte: Jeder Käfer. Sie sagte zu der Kugel: <Komm bitte nicht mehr zu mir. Du wolltest mir mit dem schönen Anblick eine Freude machen.. Komm aber trotzdem nicht mehr her. Sie schaute nach oben. Anastasia sprach in zärtlichem. Aber mach bitte wieder alles so. dass ich nicht immer nachkomme. Du bemühst dich. und wir hörten zu. Du machst alles sehr schnell und 172 . viel schneller als die Vögel und der Wind. Dann unterhielten sie sich. das Gras und die in bunten Farben schillernden.. Wie sollen all die Muttis hier jetzt ihre Kinder erkennen? Bitte mach wieder alles so. Dann kniete Anastasia sich vorsichtig nieder und begann. aber wir spürten genau. Die Kugel ließ sich zu Anastasias Füßen nieder. Als sie aufsah.

und ich weiß. Ich wollte aber noch hören.>» Der Alte schwieg. wie die kleine Anastasia im Wald gelebt hatte.sehr gut. «Sie wuchs auf wie alle Menschen. Opa. Sie hinterließ jedoch etwas Unsichtbares um Anastasia herum. antwortete der Alte. hält die Umgebung wie gelähmt inne. und das bedeutet. Geh fort von hier.> Die blaue Kugel stieg in die Höhe. Auch du wurdest ja ohnmächtig. die auf dich warten>. <Hier werde ich schon selbst alles gut machen. Denk auch du an mich. Ich werde an dich denken. feine Strahlen streckten sich nach Anastasias langen Haaren aus und streichelten sie bis in die äußersten Spitzen. wenn sie rechtzeitig einschreitet. sie gegen ihren Willen zu berühren. Wir stellten der kleinen Anastasia eine Frage: <Was ist denn da Leuchtendes auf der Lichtung gelandet? Wie nennst du das?> Anastasia dachte kurz nach und antwortete: <Man könnte es das Gute nennen. <Na. Zahllose flimmernde. wenn auf der großen Lichtung auch alles in Ordnung ist. vielmehr entfernte sie sich ungleichmäßig und ruckweise von Anastasia. Du musst dich um die große Lichtung kümmern. Bereits 173 . auf deiner großen Lichtung alles gut zu machen. sagte Anastasia leise. stürzte wie ein flammender Komet wieder auf die im Grase sitzende Anastasia zu und machte neben ihrem Kopf Halt. dass das so sein muss. damit du es schaffst. niemand kann auf der anderen Lichtung Gutes tun. als du versuchtest. Es wird mich sehr freuen. fehlst du dort. Denn wie früher will sie alles selbst tun. den Kleingärtnern zu helfen. Sie schoss kreuz und quer durch die Lüfte. aber nicht mit der gewohnten Leichtigkeit. und fragte ihn: «Was hat sie danach gemacht? Wie hat sie gelebt?» «Einfach so». erstrahlte dabei heller als gewöhnlich. wenn etwas geschieht. bis sie im Himmel entschwunden war. was Anastasia nicht wünscht. Und jedes Mal. Durch Emporheben der Hände kann sie dieses Phänomen aufhalten. Aber wenn du hier bei mir bist. aber nur manchmal.> Die blaue Kugel schrumpfte zu einem winzigen Ball zusammen und schnellte in die Höhe. worauf wartest du? Eile zu denen. Wir schlugen ihr vor.

Sie ist in dem Buch. geistige Bilder zu kreieren. Sie glaubt. dann hat sie auch die Kraft dazu.» 174 . und sie hätte so etwas nie einfach nur so dahergeredet. Deshalb half sie ihnen zwanzig Jahre lang mit ihrem Strahl. und das Schicksal führte sie mit dir zusammen. Manche fragen mich sogar. die Kleingärtner bilden eine Art Übergangsstufe zum Verständnis des Sinns des irdischen Daseins. Jetzt wird sie diesen Pfad nicht wieder verlassen. nicht echte Menschen. Sie erwärmte die Pflanzen in ihren Gärten und heilte Menschen.» «Dann wird sie auch etwas erreichen.mit sechs Jahren konnte sie Menschen von einem entfernten Ort aus sehen. Sie gab sich Mühe. Wie kleine Plappermäuler sind wir. Das hat sie von ihrem Vater. und darin war sie hervorragend. Wenn sie es sagt.» «Und hältst du es für möglich. die Menschen <aus dem Zeitalter der Dunkelmächte zu entrücken>. wie man mit Pflanzen umgehen sollte. wir aber reden immer nur vom Spirituellen. Solche Fragen können nur Scheinmenschen stellen. sobald sie das Buch gelesen haben. Sie schwärmte für Kleingärtner. Sie werden ihre Existenz spüren. Sie bemüht sich. Sie hatte außerdem den Einfall. Anastasia kennt die Kraft der Gedanken des schöpferischen Menschen. ob es Anastasia wirklich gibt oder ich sie mir einfach ausgedacht hätte. dass sie das schafft?» «Wladimir.» «Echte Menschen würden solche Fragen niemals stellen. sie fühlen und ihnen helfen. Sie ist sehr entschlossen. Dann begann sie andere Aspekte des menschlichen Daseins zu betrachten. ihnen unaufdringlich zu erklären.

und all diese Äußerlichkeiten haben nichts mit ihrem wahren Wesen zu tun. die raucht. Ihre Seele ist gefangen in dieser äußeren Gestalt. Schauen Sie!» Ich wies auf zwei junge Frauen.26 Scheinmenschen «Ich spreche aber von echten Menschen. wie es zum Beispiel diese beiden Mädchen da sind. aber sie trägt ihn dennoch und fugt sich somit in eine vorgefertigte Rolle. welche Art von Schuhen man jetzt tragen sollte. wie sie flucht und kreischt — ganz echt. die eine ist nicht echt: die. da werden Sie schon hören. die durch die technokratische Lebensauffassung geprägt ist.» «Sieh mal. Wladimir. Sie macht einen unabhängigen.» «Was meinen Sie damit: nicht echt? Ich kann ja mal zu ihr hingehen und ihr in den Hintern treten. Sie sind ihr nicht einmal groß genug. Sie trägt diese Schuhe. Ihre von fremden Gedanken und Formen bestimmte äußere Hülle hat ihr eigenes Wesen verdrängt. Diesen Stoff verträgt der Körper nicht gut. Ihre Gestalt ist daher illusorisch. denn sie ist seelenlos und verdeckt ihre lebendige Seele. emanzipierten Eindruck. Der Alte betrachtete sie aufmerksam und sagte: «Ich denke. die fünf oder sechs Meter von der Bank entfernt standen.» 175 . Das Mädchen trägt unbequeme Schuhe mit hohen Absätzen. aber das ist nur äußerlich. Sie hat einen kurzen Rock aus Kunstleder an. Schau nur mal genau hin. mit ihrer aufdringlichen Schminke und ihrem arroganten Gehabe. wir haben hier lediglich eine Gestalt vor uns. weil jemand anders ihr diktiert. Schau sie dir an.

» Das rauchende Mädchen sprach in barschem. Aller Hochmut war plötzlich gewichen. und ging zu den Mädchen. was?» Der Alte hielt inne. folgten die Augen des Alten den ihren. Was jedoch noch bemerkenswerter war: ihr Gesicht nahm völlig andere Züge an. Das Mädchen drehte sich ihm zu. auch hatte sie eine andere Körperhaltung angenommen. und sagte dann ruhig und einfühlsam: «Töchterchen. Töchterchen. für eine kurze Weile die illusorische. sie in der Linken zu halten. Schau gut zu. hochmütigem Ton mit seiner Freundin. wird man kaum mit Sicherheit sagen können. es dir zu zeigen?» «Was zeigen?» «Ich werde jetzt versuchen. anscheinend um sich von der Qualmwolke zu erholen. leblose Hülle des Mädchens zu verdrängen und seine Seele zu befreien. Und in einem ganz anderen Ton sagte sie: «Ich werde mir Mühe geben. Wenn ihre Blicke von ihrer Freundin auf einen Passanten abschweiften. Ob das aber auch wirklich stimmt. ihre Gefangenschaft und irgendein Diktat.» Das Mädchen nahm ihre Zigarette folgsam in die rechte Hand. sie war wie verwandelt. Kurzum. dem sie unterworfen sein soll. mein Herr. Dann stand er auf. bedeutete mir.«Da kann man noch so manches reden über die Seele. Der Alte beobachtete sie mit gespannter Aufmerksamkeit. blies ihm provokativ eine Ladung Rauch ins Gesicht und sagte schnippisch: «Was willst du denn. nimm die Zigarette besser in die rechte Hand. Opa? Wohl am Betteln.» «Ich bin schon alt und kann mich nicht deiner Denkgeschwindigkeit anpassen. Auch habe ich nicht die Gabe. dein Kind zu gebären. Einen halben Meter vor den Mädchen blieb er stehen und starrte die Rauchende unverwandt an.» «Tun Sie das. mit der gleichen Beweiskraft zu sprechen wie Anastasia». Ich ging ihm nach. seufzte der Alte und fugte hinzu: «Soll ich versuchen.» 176 . Es schickt sich nicht.» «Es könnte dir nicht schaden. ihm zu folgen.

wenn man sich direkt an ihn wendet und der illusorischen Maske keine Beachtung schenkt.» «Ich geh ja schon. Ich bin allein. Ich habe mich bemüht. den sie einem vorbeigehenden Paar zuwarf. und auch nichts mit Zauberei. die reinste Magie!» «Das hat nichts mit Hypnose zu tun. wie wahrscheinlich ihre Eltern mit ihr in der Kindheit gesprochen hatten. das versichere ich dir. Das Mädchen hatte ein gutes Elternhaus. der echte Mensch in ihr.«Das wird nicht leicht sein.» «Aber wie konnten Sie den unsichtbaren Menschen hinter der sichtbaren Gestalt ausmachen?» «Das war ganz einfach. Wenn ein kleines Kind den Löffel oder etwas anderes in der linken Hand hält. Geh nur. die rechte Hand zu benutzen. Sie ist also Linkshänderin. den gleichen Tonfall zu treffen. nicht mehr gereizt wie zuvor: «Komm mit. Töchterchen.» Sie machte ein paar Schritte. Das habe ich dem Blick entnommen. sagte ich zu ihm. tat sie das ebenfalls mit der linken Hand. Als sie in der Handtasche nach etwas suchte. Das Mädchen hielt die Zigarette in der linken Hand. Tanjetschka. er wird zu dir kommen. als sie noch klein und unbefangen und noch nicht in dieser fremden Gestalt verschlossen war. versuchen ihm die Eltern meist beizubringen. «Hypnose hoch drei nenn ich so was. dann wird er zu dir kommen.» 177 . Jenes ursprüngliche Mädchen. in dem auch ihre Eltern mit ihr gesprochen haben dürften.» Die beiden gingen. Der Mensch reagiert sofort und schöpft Kraft. die den echten Menschen verhüllt.» «Keine Bange.nicht mit einer künstlich geformten Maske. das ein kleines Mädchen an der Hand führte. Wladimir. Und so sprach ich mit ihr in einer Weise. Zuerst habe ich sie eine Weile beobachtet. Geh. du musst dich beeilen. wandte sich um und rief ihrer verdutzten Freundin in ruhigem Ton zu. als wir uns wieder auf die Bank gesetzt hatten. Das ist nichts weiter als der aufmerksame Umgang mit dem Menschen . reagierte sofort. «Nicht zu fassen! So könnten Sie jede beliebige Frau bändigen». Denk auch an dein Kind. und vergiss deine Hand nicht.

Und der wahre Mensch in ihr wird siegen!» 178 .«Und warum haben Sie mit ihr über eine Geburt gesprochen?» «Sie ist schwanger. Aber der wahre Mensch in ihr will es auf jeden Fall. Jetzt werden die beiden einen inneren Zwist austragen. Diese verfremdete Gestalt braucht kein Kind. schon seit über einem Monat.

aber andere würden ebenfalls die Speichen sehen wollen 179 ..27 Warum niemand Gott sieht «Als ich bei Anastasia in der Taiga war. sagte sie mir. Was aber würde dir das bringen? Was würde sich dadurch in dir oder in deiner Umgebung verändern? Du würdest mit Sicherheit wissen. aber nur verschwommen. damit du sehen konntest. Wenn er aber plötzlich anhielte. Und alles nur. dass sein Rad Speichen hat. sagte er. Dann könnte der Radfahrer aufstehen und weiterfahren. Da hab ich mir gedacht: Warum kann Er denn Sein Denken nicht verlangsamen. kannst du die einzelnen Speichen erkennen. das ist aber auch alles. sie zu erkennen. Dann würde er nicht zum Ziel gelangen. sodass die Menschen Ihn sehen können?» Der Alte hob seinen Stock und zeigte damit auf einen vorbeifahrenden Radfahrer. allerdings würde er dann mit seinem Rad stürzen. Du weißt. «Sieh mal. aber weil sich die Räder so schnell drehen. Wladimir». dass niemand Gott sehen kann. doch die einzelnen Speichen kann man nicht sehen. dass es Speichen gibt. Mit anderen Worten: die Geschwindigkeit deines Denkens und deiner visuellen Wahrnehmung gestatten dir nicht. kannst du sie nicht erkennen.. «Die Räder drehen sich. weil Sein Denken von so hoher Geschwindigkeit und Dichte ist. Wenn der Radfahrer langsamer fährt. weil ja seine Fahrt zum Stillstand gekommen ist. könntest du sie klar erkennen . dass sie da sind.

damit die Ungläubigen von ihm ablassen und ihn nicht kreuzigen?» «Wunder überzeugen die Ungläubigen ja nicht. die unter unseren Füßen umherkrabbeln.. wir sitzen hier unter einem Baum . und dafür muss er dann wieder und wieder stürzen. und sei es nur. änderte Er die Geschwindigkeit Seiner Gedanken... du würdest lernen. die Lebewesen.>» «Warum tut so ein Sohn Gottes eigentlich kein Wunder . die über uns durch den Äther fliegen und für uns singen. sie reizen sie nur noch mehr. Die materialisierten Formen. Wer könnte sich etwas Vollkommeneres ausdenken als so einen Baum? Dabei ist dafür nur ein Körnchen von Gottes Denken nötig. Und wenn Er das dann tut.. Wozu das Ganze?» «Nun. Damit wir Ihn sehen könnten. die kleinen Käfer im Gras .» «Genauso verhält es sich mit Gott. der Mondschein bei Nacht.. Wäre es da nicht besser.sind das denn keine Wunder? Und der Baum hier . Wundertäter verbrennen sie auf dem Scheiterhaufen und rufen dabei: <Wir verbrennen die Ausgeburt der Dunkelmächte. müsste Er sich mit Seinen Gedanken auf unser Niveau herab begeben. Ich und du. Ein Betrüger bist du! Wirke ein Wunder. indem Er Seine Söhne aussendet..» «Was würdest du schon groß sehen? Ein Radfahrer am Boden wäre doch kein Radfahrer mehr..> Außerdem hat Gott ja unzählige Wunder vollbracht... um ihn wenigstens einmal gesehen zu haben. sein eigenes Denken zu verlangsamen und sich an einen solchen Gesprächspartner anzupassen?» «Stimmt. die unseren Körper mit wärmenden Strahlen kosen — all 180 . schneller zu denken? Geht es dir nicht auch auf die Nerven. Du bist auch nicht Gottes Sohn. was sagt dann die Menge? — <Du bist nicht Gott. sonst wirst du gekreuzigt. die uns umgeben. Du müsstest dir dann vorstellen. Du brauchst dich nur einmal umzusehen: Morgens der Sonnenaufgang. Genauso wäre auch Gott nicht mehr Gott. Er müsste so werden wie wir. muss man selbst einer werden. Um sich an einen Dummkopf anzupassen. dass er einmal einer war. wenn dein Gesprächspartner schwer von Begriff ist? Ist es nicht sehr mühsam.

Hast du die neuen Lieder gehört?» «Ja. doch was ist mit mir? Bin ich etwa völlig gefühllos? Warum hat Anastasia dann mit mir gesprochen und nicht mit ihnen?» 181 . selbst du konntest ein Buch schreiben. sobald sie mit dem Büchlein in Berührung kommen.» «Da hast du ganz Recht. so haben sie nur eine Mission: das menschliche Bewusstsein zu erheben. indem sie ihr Denken verlangsamen und riskieren. Worte allein reichen nicht aus. Wo du nur einfache Worte siehst. so lasst uns ihnen zumindest keinen Schaden zufügen oder sie gar zerstören! Und was die Söhne Gottes betrifft. die Söhne Gottes. hat die Fähigkeit. nicht verstanden zu werden. und ihre Kraft wird sich steigern. sondern auch einzelnen Buchstaben Gestalt zu verleihen.» «Aber Anastasia hat gesagt. Sieh doch. und viele neue Lieder erklingen jetzt. aber was hat das alles letztlich gebracht? Es herrscht Unglück und Elend. dann sind sie leer. wo man auch hinschaut. und sie sind für uns da. werden sie lebendige Gestalten wahrnehmen. und uns droht eine globale Katastrophe.diese Dinge ringsumher sind Seine Schöpfungen. es wurden in der Vergangenheit schon so viele Worte gemacht. Auch ich denke. sondern auch zu empfinden und zu begreifen? Selbst wenn wir unser Leben nicht vervollkommnen. Aber wie viele Menschen sind in der Lage. nicht nur ihren Worten. um das menschliche Bewusstsein wesentlich zu erheben. hässlich und gestaltlos. werden jetzt eine solche Kraft erlangen.» «Söhne? Lehrer? Was haben die denn damit zu tun? Nur Anastasia hat doch solche Fähigkeiten!» «Sie wird sie verteilen. Die irdischen Lehrer. Wenn die Worte nicht aus der Seele gesprochen sind und ihre Verbindung mit der Seele verloren haben. die Anastasia. Meine Enkelin. dass der menschliche Geist über die Finsternis triumphieren wird. sie nicht nur zu sehen. sondern diese wunderbaren lebendigen Schöpfungen einfach nur benutzen.» «Die geistigen Lehrer werden all das können und noch viel mehr.» «Sie werden das also wahrnehmen. ja sie tut es bereits. die Leser haben die Welt mit Gedichten überschüttet.

Dazu braucht man eine ungewöhnlich hohe Denkgeschwindigkeit. Bei uns in Russland gibt es einen geistigen Führer. der Klei182 .» «Meinst du denn. In geistige Höhen können nur jene aufsteigen. Ihr werdet begeistert sein!> Viele seiner Anhänger kauften daraufhin das Buch. und dann stand es auch noch in der Zeitung.«Du bist nicht in der Lage. denken bedeutend schneller als die Menschen der technokratischen Welt. auch nur daran zu denken.» «Da wäre noch etwas. und du hast selbst auch nichts hinzuzufügen.» «Gut. Meine Enkelin wird dir dabei helfen. die so leben wie wir. der mit der Seele hört. Er hat einmal zu seinen Anhängern gesagt: <Lest das Buch über Anastasia.» «Und wie schnell denken Sie? Ist es für Sie nicht recht mühsam. Hast du dich zumindest bei ihm für die Hilfe bedankt?» «Ich habe mich nicht mit ihm getroffen. aber von mir sagte er. die von der Liebe getragen werden. Nicht jedem ist es beschieden. Aber auch dein Denken wird sich beschleunigen.» «Man kann sich auch von der Seele her bedanken. sich mit mir zu unterhalten?» «Alle Menschen. Unsere Gedanken werden nicht durch ständige Probleme mit der Ernährung.» «Also lautlos — wer wird so was schon hören?» «Jemand. er hat das Buch verstanden und deshalb Anastasia und dir geholfen. Strebe einfach nach Vollkommenheit. ich sei kein richtiger Mann. Er hat positiv über das Buch gesprochen und auch über Anastasia.» «Das bedeutet. ein bisschen Beschleunigung kann nicht schaden — sonst bleibe ich noch hinter den anderen zurück. beleidigt zu sein. hat er gesagt. den viele Menschen als ihren spirituellen Lehrer betrachten. was Sie sagen. Mir scheint übrigens.» «Dann hast du keinen Grund. Du bist wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. dass Sie mit all dem. Ich habe es selbst im Fernsehen gesehen. du seist vollkommen?» «Na ja. ganz Recht haben. <Ein richtiger Mann ist Anastasia nicht begegnet>. für vollkommen halte ich mich nicht. das Gehörte zu verzerren.

was für sie eine Sekunde dauert. erfülle ich ihr das gern. Erst vor kurzem haben wir die Antwort gefunden. Und deshalb ist sie auch ganz allein. Mann kann diesen Vorgang mit einem Computerprogramm vergleichen. drei Tage lang mit mir zu sprechen?» «Das haben wir uns auch lange gefragt.dung und so weiter aufgehalten. warum wir ihr kaum helfen können.im Gegenteil. Mein Vater hat ganz zu sprechen aufgehört.» «Wie viel schneller? Sagen wir. sie hat ihre Gedanken noch beschleunigt und sie Gestalt annehmen lassen. Als wir das erkannten. Während sie mit dir sprach. Anastasia braucht zehn Minuten. sie wird schon alles richtig machen. Jetzt werden sie sich vor dir und vor jedem Leser dieser Bücher entfalten. Wenn sie mich um etwas bittet. um ihr helfen zu können. Auf ihre Bitte bin ich auch zu dir gekommen. Aber dank der Liebe meiner Enkelin ist es für mich nicht besonders mühsam. mit dir zu sprechen. Nach und nach werden sich den Lesern Anastasias Gedanken offenbaren. Er versucht so.» «Aber wie hat es Anastasia dann ausgehalten. Doch ich liebe meine Enkelin sehr und glaube einfach. So etwas kann einen nämlich zum Wahnsinn treiben.» «Und wie ist das bei Anastasia? Denkt sie so schnell wie Sie und wie Ihr Vater?» «Anastasia denkt schneller als wir. Deshalb erscheint sie uns manchmal unlogisch. brauchen wir Monate. dass sie sich einfach die bislang unbekannten Möglich183 . sie hätte ein neues kosmisches Gesetz erschaffen. Inzwischen aber ist uns klar geworden. und ich bin froh darum. Sie wollte es so. Aber ich versuche es gar nicht erst. etwas für sie tun zu können. ich sei faul. das von einem Benutzer geöffnet wird. Und die Gedanken der Menschen werden sich sprunghaft beschleunigen und sie näher zu Gott bringen. Das ist übrigens auch der Grund. Das Gleiche verlangt er auch von mir. Vater meint. hat sie nicht aufgehört zu denken . um über etwas nachzudenken — wie lange würden dann Sie dafür brauchen?» «Um etwas zu durchdenken. ihre Denkgeschwindigkeit zu erreichen. denn wir begreifen den Sinn ihrer Handlungen nicht sogleich. dachten wir zunächst.

Anastasia hat aber noch ein weiteres großes Potential der Liebe entdeckt.» «Wollen Sie damit sagen. dass sie wirklich etwas Gutes für die Menschheit tun kann? Wenn dem tatsächlich so ist. den Menschen Vorschriften zu machen oder sie zu verführen wie in der biblischen Geschichte vom Apfel im Paradies. die das Büchlein lesen. Aber all diese Lehren hält sie für unzureichend. was der Mensch früher empfunden hat — was er kann und wer er ist. indem sie sie von Vorgängern übernehmen und dann zu vervollkommnen suchen. und zwar das. Die Liebe bleibt nach wie vor das Geheimnis des Schöpfers. Gott zu sehen?» «Kaum.» «Wo sind sie? Wie kann man sie sehen und spüren?» «Frag diejenigen. Auch Gott lebt in einem Körper. aufrichtigen Liebe zunutze gemacht hat. Die Menschen der Erde bilden Seinen Körper. Die Triebe sind in ih184 . denn die Menschen von heute leben nicht in Harmonie miteinander. als in den euch überlieferten Schriften steht. die großen Wahrheiten. wann beginnt dann das Gute sich zu verwirklichen?» «Es hat schon begonnen. Deshalb hat sie ihre eigenen Schlüsse gezogen und sie in ihren unglaublichen Buchstabenkombinationen festgehalten.» «Dann sind ihr also auch das Wissen der Lamas und Yogis und die Weisheiten von Buddha und Christus bekannt?» «Ja.» «Erlaubt ihr ihre Denkgeschwindigkeit eigentlich. und wir steuern auf eine Katastrophe zu. Als ein kleiner Teil dieses Körpers schnappt Anastasia manchmal göttlich-kosmische Eindrücke auf. Man muss den Menschen wieder selbst fühlen lassen. aber das wird sich ändern. aber jeweils nur für eine kurze Zeit.keiten der reinen. Sie sagt: <Man muss damit aufhören. erkennt sie in einem Augenblick. denn auch sie ist ja verkörpert. Bisher sind es nur kleine Triebe des Guten.» «Und was hat sie davon?» «Den Sinn des Daseins. sie weiß sogar mehr. die die Weisen erst im Laufe ihres Lebens erkennen. Manchmal erreicht sie eine unglaubliche Denkgeschwindigkeit und empfindet Gott dann mehr als andere. aber nur halb.

wie kompliziert und ungewöhnlich das alles ist! Eigentlich hatte ich gehofft. Was aber Anastasia hilft. wie sie ist. wer du warst und was aus dir geworden ist! Anastasias Gestaltungsprogramm hat sich dir in deinem Innern offenbart. so kann sie für dich weiterhin eine schöne. kann man noch irgendwie verstehen. was an der Oberfläche geschieht. Du bist nun einmal. Andere werden sie anders sehen. diese Realität zu verwirklichen. Wie Anastasia dies gelingt.» «Natürlich kann man sich verstärkt bemühen.» «Ich sage dir. Das ist vielleicht unglaublich. Das Buch ruft in vielen Lesern lichte Gefühle hervor. Sobald du anfängst zu analysieren. nur eben ungewöhnlich schön und gütig und ein wenig naiv. wenn sie dir so vorkommt. Das. den anbrechenden Tag zu genießen. das wird uns wohl ein Rätsel bleiben. und den Menschen eröffnet sich ihre eigene Seele. können wir nicht völlig verstehen. ganz abgesehen davon. aber es ist so. und das ist gut so. gütige Einsiedlerin bleiben. hör auf zu grübeln und dir den Kopf zu zermartern.» «Meine Güte. und folglich könnt ihr auf die Gestaltung eurer Umwelt Einfluss nehmen. Und du selbst.» 185 . Wenn dir das alles zu kompliziert ist. aber würde man dadurch nicht die Entstehung einer neuen. warum die Realität ist. Das ist die Hauptsache. wenn du kannst. und viele werden es dir bestätigen. Versuch einfach. wunderschönen Realität versäumen? Eine schöne Morgendämmerung sollte man einfach genießen. Anastasia sei einfach eine Einsiedlerin. Anastasias Buchstabenkombinationen wirken tatsächlich. Dein Bewusstsein lässt momentan keine andere Wahrnehmung zu. denk doch mal. dass die Grübelei zu nichts führt. Das lässt sich nicht leugnen. dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Eure Innenwelt beginnt sich schon zu wandeln. geht der ganze Reiz verloren.nen. wie du bist. Wladimir.

und die Kinder der alten Leute.» «Selbst wenn es so wäre: Alle Philosophie der Weisen hat doch keinen Sinn. man soll keine Moralpredigten halten. Und das ist sie. Nur ein innerer Wandel kann die äußeren Umstände ändern — das gilt auch für den Wohlstand. wenn man nichts zum Beißen und nichts zum Anziehen hat.» «Die materiellen Umstände sind immer abhängig vom Geist und vom Bewusstsein des Menschen. wenn es allen materiell besser geht. Und noch vieles anderes wird sie tun. was sie vorausgesagt hat. Dann werden in drei Jahren die vergessenen und heruntergekommenen Siedlungen Sibiriens. wo heute nur noch ein paar alte Leute wohnen. Jeder muss sich für sich selbst darüber klar werden und nicht nach irgendwelchen Schuldigen suchen. warum alles so ist. Sie wird viele Geheimnisse lüften und den Menschen ihre ursprünglichen Kennt186 . aufblühen und um vieles reicher sein. wie es ist. Dann wird dort ein buntes Treiben herrschen.» «Man muss sich überlegen. Ich stimme dir aber zu: Nicht alle Leute werden das sofort glauben können. zur Erfüllung bringen. Jetzt musst du das.28 Airbruch einer neuen Zeit in Russland «Eine neue Zeit bricht für die Menschen in Russland dann an. Anastasia sagt ja selbst. die jetzt nicht einmal mehr ihre Eltern besuchen. werden wieder heimkehren. sondern den Menschen lediglich ein gutes Vorbild sein. wenn die Wirtschaft einen Aufschwung erlebt und der allgemeine Wohlstand steigt.

Anastasia wird all dies tun. Während ihr in eurem Walde ein geruhsames Leben fuhrt. so ist mir alles klar. das dir meine Enkelin anvertraut hat. Russland wird zum reichsten Land der Welt werden. Vom Verdienst an den Büchern werde ich etwas Geld zurücklegen und dann mit der Ölproduktion beginnen. Beschreibe in deinen Büchern. dass geistiges Leben und Wissen aus den Urquellen wichtiger sind als technokratischer Fortschritt. weil ich es Anastasia versprochen hatte. «Warum das denn? Warum sollte ich dieses Wissen aller Welt preisgeben. um zu beweisen. noch dazu kostenlos? Jeder normale Mensch würde mich für einen Schwachkopf halten! Ich habe eine Expedition organisiert. und zwar gerade von den Leuten. Ich habe zurzeit kein Dach über dem Kopf.» Mir stockte vor Empörung der Atem. Ich muss alles zurückbekommen — das Schiff und auch die Firma. Das habe ich getan. Ich will mir einen Wohnwagen kaufen. wie viel ich damit verdienen kann. Eure Bestrebungen und eure Philosophie leuchten mir nicht ganz ein. um das nächste Buch zu schreiben. die zwar über geistige Dinge reden. Da werde ich eben selbst etwas 187 . deren Ehre und Gewissen mit Füßen getreten wurden. Ich habe sie einfach dargelegt. Ich weiß jetzt. aber im Herzen tödlich verwundet sind. meinen letzten Rubel habe ich dafür hergegeben. Es gibt hier massenweise so genannte spirituelle Menschen.nisse und Fähigkeiten zurückgeben. ihnen.» «Und was kann ich dazu tun?» «Zuerst musst du das erste Geheimnis offenbaren. für die sie in den Kampf gezogen sind. Durch unsere Gleichgültigkeit haben wir ihnen immer wieder das Herz gebrochen. Das Verfahren der Ölgewinnung werde ich niemand verraten. die zwar noch physisch am Leben. Anastasia hat mich gebeten. werde ich ein Denkmal für russische Offiziere errichten. Außerdem will ich ein Notebook kaufen. kommen hier die Menschen ums Leben. Was aber das Öl betrifft. Und sobald ich reich bin. Erregt sprang ich auf. Und verheimliche nichts dabei. aber praktisch nichts tun wollen. ein Buch zu schreiben. Von Russland wird sich die neue Zeit des Erwachens über die ganze Welt ausbreiten. Jetzt ist die Firma pleite. Jetzt sind wir quitt. wie man aus Zedernnüssen Heilöl gewinnt.

erhält es die Jugend.> — <Verschweige nichts. dich lächerlich zu machen oder nicht verstanden zu werden. dass ich das Verfahren umsonst preisgebe. Das musste sein. hat eine viel schwächere Heilkraft als das nach Anastasias Rezept. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Und jetzt soll ich das Rezept einfach bekannt geben. Die Hersteller kennen nicht das richtige Verfahren. kommt nicht in Frage!» «Anastasia hat doch dabei ein Einkommen für dich festgelegt. Ein dreizehnjähriges Mädchen aus Kolomna schrieb mir sogar. weder Gutes noch Schlechtes! Zügle deinen 188 . <Morgendämmerung für alle> ist ja lächerlich! Morgendämmerung .und ich soll dabei den Trottel spielen.» «Ja. Ich sei ein unspiritueller. Und das Öl. ich habe es überprüft. Da hättest du dir eine Menge Zeit und Geld sparen können.tun.> Ich habe nichts verschwiegen. wie sie mir immer wieder eingeschärft hat: <Verschweige nichts. wie sie es wollte.» «Du hast es überprüft. was Anastasia an ihm gefunden hat. Wie schon Pallas sagte. Dabei ist allerdings eine ganz schöne Stange Geld draufgegangen. unkultivierter Grobian. Ich habe das selbst geprüft. Ich weiß noch. wenn es richtig hergestellt wird. Da habt ihr ja einen schönen Narren gefunden! Ich habe so viele Bücher durchgestöbert und Archive durchforsten lassen. Im Moment bin ich der Einzige. Und ich habe die Bestätigung bekommen. Es gibt in der Welt kein Heilmittel. um ihre Worte zu bestätigen. ich hätte kein Benehmen. Ich weiß. Und fürchte dich nicht. weder Gutes noch Schlechtes! Zügle deinen Stolz. hat sich bestätigt. was Anastasia gesagt hat. die zu mir kam.» «Was soll ich mit lumpigen drei Prozent. und zwar genauso. Aber ich bin jetzt lange genug der Dumme gewesen. weil du Anastasia nicht geglaubt hast. Ich habe das Buch geschrieben. das diesem Öl gleichkommt . Nichts da. Und was ist jetzt das Ergebnis? Wie ein Vollidiot wirke ich in dem Buch! Das sagen mir die Leute offen ins Gesicht. Und eine Frau aus Perm.aber nur dann. sagte mir gleich an der Haustür: <Ich wollte mal sehen. Und jetzt verlangen Sie. es sind drei Prozent des Ölverkaufs. Alles. der es kennt. der vieles nicht versteht. wo ich dreihundert Prozent für das Öl bekommen kann! Ich habe mich über die Preise auf dem Weltmarkt erkundigt. das verkauft wird.

was sie sogar in Gefahr gebracht hat. meine Enkelin Nastenka* kann vieles voraussehen. aber ich? Und alles ihretwegen! Wenn das Kind nicht wäre. ich sei ein gefühlloser Feigling. wird man immer noch über mich spotten. wie du nun einmal bist. wenn der Geliebte zum Narren gestempelt wird?» * Koseform des Namens Anastasia. die nur aus Liebe heraus handelt. Und wie vergiltst du ihr das? Nur indem du ihr Schmerzen und Kummer bereitest .ich hätte ja nicht auf sie hören müssen. das ist ihr Verdienst.Stolz. dich lächerlich zu machen oder nicht verstanden zu werden. hätte ich ihr schon längst mal den Marsch geblasen . Sie hat dabei nämlich einen mächtigen Ansturm der Dunkelmächte auf sich gezogen und ihm ganz allein Widerstand leisten müssen. Aus seinen Augen rollten langsam Tränen. sondern gerettet. Er saß schweigend da und blickte zu Boden. dann sprach er: «Versteh doch. keine Frage. es wird mich selbst noch überleben.durch dein Unverständnis und deine Gereiztheit. Man stelle sich das nur mal vor! Ich habe ganz brav alles aufgeschrieben. Und fürchte dich nicht. Auch wenn ich keine weitere Auflage mehr drucken lasse. Doch für sich selbst hat sie nichts gewollt. Dieses Buch erweist sich als ausgesprochen zählebig. Sie hat dich dadurch aber nicht gedemütigt..» Plötzlich blickte ich den Alten an und stutzte. 189 . Selbst wenn ich mal nicht mehr bin. und diese Schande werde ich mein Lebtag nicht mehr los. Und dass du in dem Buch so erscheinst. Jetzt aber habe ich mich durch das Buch bis auf die Knochen blamiert.» «Was ist das für eine Liebe. Einen Teil des Ruhmes hat sie auf sich genommen. so wie sie es von mir erbeten hatte.> Sie hat von vornherein alles gewusst! Sie macht ja einen guten Eindruck auf die Leser. weder Ruhm noch Geld. was nützt das schon? Bereits jetzt sind jede Menge Raubkopien in Umlauf. dich aber hat sie gerettet. Wladimir. Letztlich hab ich Dussel mir das natürlich alles selbst zuzuschreiben . und dann muss ich mir anhören. Ich setzte mich zu ihm.. wie sehr das eine Frau treffen kann. Überleg doch mal.

warum die Philosophen der Vergangenheit und auch die Genies von heute nie in der Lage waren. Dann aber hätten dich Stolz und Eitelkeit zugrunde gerichtet. Nur wenige Erleuchtete hätten diesen sündhaften Drängen widerstehen können. wirst du verstehen. wurden sie von Stolz und Hochmut gepackt und verloren die Gaben. jeden Augenblick in Liebe verharrend. Wer du aber einmal sein wirst. nicht wahr?» «Ja. Wenn du mit dem neunten Buch fertig bist. Sie wird darauf warten. wer du bist. das vermag vielleicht Anastasia zu sagen. Das würde ich an deiner Stelle mit Humor tragen.» «Sollen doch die. Du wirst neun Bücher schreiben. Sie behütet deinen Geist und deinen Körper. und zwar mit voller Aufrichtigkeit. ungefähr. die seine Seele verhüllt.in der Stille des Waldes. der du jetzt bist. Denk mal darüber nach. die ihnen anfänglich zugefallen waren. dich gegen jegliche Schmeichelei und Verehrung abzuschotten. Du bist so. Du kannst ihnen ja raten.«Nicht jener ist ein Narr.» «Warum erst dann? Kann man nicht schon jetzt etwas darüber sagen?» «Wer du jetzt bist. etwas wirklich Bedeutendes hervorzubringen. die dich schmähen. Meiner Enkelin Nastenka aber ist es gelungen. wenn dich Leute. erst mal mit einer verrückten Gefährtin schlafen . der dafür gehalten wird. die sich selber in ihren Wohnungen verkriechen. Stolz baut die künstliche Maske des Menschen auf. Das ist der Grund. Mach dir nichts draus. der Schmeicheleien als Wahrheit annimmt. wie du dich den Menschen präsentieren möchtest: als über alle Menschen erhaben. Die Erde wird durch den so geschaffenen Raum der Liebe erstrahlen. Auch vor vielen anderen Nöten hat sie dich schon bewahrt. als besonders schlau? Das hättest du schon im ersten Buch haben können. das ist nicht schwer zu sagen: eben der. wie du dich selbst empfindest. Denn kaum hatten sie ein wenig erreicht. einen Feigling nennen. mit einem Bären in einer Erdhöhle zu schlafen und zu allem Überfluss auch noch eine Verrückte mitzunehmen — denn so kam dir Anastasia damals doch vor. sonder der. einmal drei Tage lang ohne Ausrüstung in der Taiga zu verbringen. nur ab und zu 190 .

ich werde es ihr ausrichten». dass sie sich keine Sorgen zu machen braucht — ich werde alle wissen lassen. schon.» «Dann sagen Sie ihr bitte.» «Gut. können sie das?». versprach der Alte. Was denkst du wohl. wie man das Heilöl der Zeder gewinnt. was wir hier sagen?» «Sie wird von all deinem Tun erfahren. was Anastasia dir über das Öl gesagt hat?» «Ich glaube.» «Dann wiederhole es bitte noch einmal. Plötzlich hatte ich die von ihm geschilderte Szene deutlich vor Augen und musste unwillkürlich lachen.unterbrochen durch Wolfsgeheul. Wir lachten beide zusammen. fragte der Alte verschmitzt.» 191 . «Kannst du dich denn noch an alles erinnern. dann fragte ich ihn: «Kann Anastasia hören.

man kann sie aber auch kraft seiner Stimme herunterholen. daher werde ich hier nicht näher auf sie eingehen. Was das alles genau bedeutet. das Öl zu gewinnen. Man darf nur jene Zapfen verwerten. 192 . die ich den Lesern mitteilen möchte. Bei der Herstellung sind aber ein paar besondere Punkte zu beachten. wie es heutzutage üblich ist. Leider wird dort nicht erklärt. die es verstanden. Die Zapfen sollten nur von gutherzigen Menschen aufgelesen werden. ist schwer zu sagen. Überhaupt sollte man alles. Bei der Ernte der Zedernzapfen darf man nicht mit Schlegeln oder Bohlen gegen den Stamm des Baumes schlagen. so wie Anastasia das macht.29 Wie man das Heilöl der Zeder gewinnt Eigentlich ist es nicht sonderlich schwer. wodurch sich diese von gewöhnlichen Männern unterschieden. Es ist auch gut. was mit der Ölgewinnung zu tun hat. wenn dabei Kinderhände mithelfen. hatte Anastasia gesagt. reinem Bewusstsein tun. «Solche Menschen findet man noch heute in sibirischen Dörfern». Allerdings heißt es ja auch in der Bibel. in gutem. die die Zeder selbst abwirft. Die modernen Verfahren sind ja hinlänglich bekannt. dass König Salomon nach Männern suchte. Sie fallen bei windigem Wetter herab. denn die Heilkraft des Öls nimmt dadurch drastisch ab. Bäume zu fällen.

Man kann das Öl auch als Lebensmittel verwenden.» «Das war ich mal. Für deine Prozente solltest du schließlich auch etwas leisten. Die Kerne sollten beim Auspressen nicht mit Metall in Berührung kommen. Allerdings .und Geschmackssinn. solange es hell ist.» «Aber mit Geräten kann man nicht alles feststellen.Nach der Entnahme der Nüsse aus den Zapfen sollte man nicht länger als drei Monate mit dem Auspressen warten. Verbessere mich. «Es könnte ja jeder daherkommen und den Leuten irgendein Imitationsöl andrehen». weiß ich selbst nicht so genau. zum Beispiel in Salaten.wer soll denn das Öl kosten?» 193 . nur nicht in der Nacht. eben von Fachleuten.» «Wie sollen wir das tun?» «Das musst du dir schon selbst überlegen. daher ist es unnötig. Das Gleiche gilt auch für das gewonnene Öl. und sie haben einen ausgeprägten Geruchs. sonst nimmt die Qualität des Öls rapide ab.» «Hätte nichts dagegen.» «Das Endprodukt muss mit speziellen Geräten geprüft werden. Das Öl heilt alle Krankheiten.» «Also gut. Auch Wein wird ja von Verkostern geprüft. Schließlich bist du der Geschäftsmann.» «Dann lass uns zusammen nachdenken. sagte ich zu dem Alten. das ist die Hauptsache. Man muss danach noch eine Geschmacksprobe machen. die etwas von der Sache verstehen — von Ärzten oder Wissenschaftlern. und zwar von Menschen. Er entgegnete mit seinem pfiffigen Humor: «Dann werden wir uns jetzt eben einen Schutz vor solchen Imitationen ausdenken. und die sind durch nichts zu ersetzen. Was ich jetzt bin. Und sie sollen dann ein Zertifikat ausstellen. vorzugsweise bei Sonnenaufgang.» «Richtig. Sie kennen sich genau mit dem Geschmack der Weine aus. eine Diagnose zu erstellen. Man kann es auch während des Tages tun. Oder man kann täglich einen Löffel Öl einnehmen. wenn etwas nicht stimmt.

aus einem Stock gefertigtes Röhrchen hervor.» «Und womit soll ich das Öl vergleichen?» «Damit. Doch der Alte gab nicht auf. aber viel war es nicht.«Du. ich 194 . wie Anastasia es getan hat?» «Ja. all die Schadstoffe aus deinem Körper auszutreiben.indem man seinen Körper so erwärmt.» «Dafür liebe ich meine Enkelin. Probier mal.» Der Alte kniff die Augen zusammen und starrte mich unverwandt an. und ich wartete. hielten wir uns nicht an die Regeln. Außerdem darfst du drei Tage lang mit niemandem sprechen.» «Austreiben? So.» «Aber Sie können mich nicht so lieben wie Anastasia. Wärme stieg in meinem Körper auf. Dann plötzlich begannen meine Füße zu schwitzen.» Der Alte holte aus seinem Leinenbeutel ein etwa zwei Finger dickes. Außerdem bin ich Raucher. ohne dabei zu blinzeln.» «Drei Tage vor der Ölprobe darfst du nicht rauchen und keinen Alkohol trinken. Es wollte dem Alten nicht so recht gelingen. Mir wurde zwar noch etwas wärmer. sein Geschmack ist unverwechselbar. echtes und gefälschtes Öl am Geschmack zu unterscheiden. die sich durch Rauchen und andere Gewohnheiten in deinem Körper angesammelt haben. stimmt.» «Also gut.» «Wie soll ich denn das tun? Ich kenne nur den Geschmack des handelsüblichen Öls. Aber zunächst will ich versuchen. so ungefähr. an dessen einem Ende wie ein Pfropf ein Holzstäbchen steckte. dass man mit seinem Strahl der Liebe nur aus dem Körper eines Geliebten die Krankheiten austreiben kann . dass ihm die Hände zitterten. Als wir es damals herstellten. Lass es uns probieren. Erst dann sollst du das Öl probieren und wirst in der Lage sein. Auch Fleisch und fette Speisen musst du vermeiden.» «Mit dem Strahl der Liebe.» «Aber sie hat doch gesagt. die Anastasia aufgestellt hat. «Das hier ist echtes Öl. aber sie war viel schwächer als die von Anastasias Blick. dass sogar die Füße schwitzen. auch wenn er sich so sehr bemühte.

und noch 27 Jahre danach konnte ich mich an den Geschmack erinnern. «Kannst du dir das merken?». Bei solchen Preisen braucht man sich natürlich nicht zu wundern. «Puh. wie man zum Beispiel Wodka gegen Fälscher schützen kann. Plötzlich roch es nach Zeder. Darüber sollten wir nachdenken.» «Anastasia hat mal gesagt. Das ist nicht schwer. und in meinem Mund verbreitete sich eine angenehme Wärme. Dieses Aroma konnte man schwerlich verwechseln. fragte der Alte. Da werden wir uns etwas einfallen lassen müssen.» «Dann lass uns Geldscheine als Rückenetiketten auf die Flaschen kleben. wenn gefälschte Ware im Umlauf ist. Ich habe es selbst gesehen. Aber woran sollen die Leute nun erkennen. «Jetzt gib mir deine Hand.» «Kann man auch falsches Geld drucken?» «Geld zu drucken ist schon um einiges schwieriger.» «Seit langem zerbricht man sich schon den Kopf. «Ja. geschafft!». Ein Gramm verdünntes Öl kostet 30.» «Tja. das ist nun mal so heutzutage. dass das Öl geprüft und echt ist? Es wird wahnsinnig teuer verkauft. man könne Geld auch zum Guten verwenden. Mit der heutigen Kopiertechnik kann man jedes beliebige Etikett nachmachen. man hat Akzisemarken eingeführt — nichts davon hat gefruchtet. Geld regiert die Welt.» «Aufgeklebtes Geld? Was soll der Quatsch?» 195 . Ich habe mal in einem Kloster Kartoffeln gegessen.verspürte eine ungewohnte Frische im Kopf. bestimmt.000 Rubel (6 USDollar). Dann bekommen diese Drecklappen wenigstens irgendeinen Nutzen.» «Sehen Sie? Wir sind in einer Sackgasse.» Er zog den <Pfropfen> aus dem Holzröhrchen und goss mir etwas Zedernöl auf die Handfläche. Nach wie vor sind Surrogate auf dem Markt. sagte er müde und lehnte sich zurück. Man hat die Korken geändert und die Etiketten. und Gerüche stiegen auf. Ich leckte es mit der Zunge auf. Importware war das.

«Gib mir bitte mal ein solches Scheinchen - egal, was für eins.» Ich gab ihm einen Tausend-Rubel-Schein (20 US-Cent). «Also: Du nimmst die Scheine und zerreißt sie in zwei Hälften. Die eine Hälfte klebst du auf die Schachtel oder auf die Flasche, die andere hältst du irgendwo versteckt. Überlege selbst, wo. Oder du lässt sie in einer Bank aufbewahren. Beide Hälften haben die gleiche Nummer, und jeder, der die Echtheit seines Öls überprüfen möchte, kann seine Nummer mit der anderen Hälfte vergleichen lassen.» «Donnerwetter!», dachte ich. «Der Alte hat Köpfchen.» Und ich sagte zu ihm: «Alle Achtung! Einen besseren Schutz gegen Fälschungen gibt es nicht. Sie sind ein Prachtkerl!» Er lachte und sagte: «Dann lass dich nicht lumpen und gib mir auch einen Anteil.» «Anteil? Wie viel Prozent wollen Sie denn?» «Ich will, dass alles gut wird», sagte der Alte plötzlich in ernstem Ton, dann fugte er hinzu: «Nimm dir außer den drei Prozent noch ein Prozent mehr vom Verkauf, und zwar in Form von fertiger Ware. Die kannst du dann an bedürftige Leute umsonst abgeben. Das soll unser Geschenk an die Menschen sein.» «Ein hervorragender Einfall! Das werde ich tun. Sie sind ein Prachtkerl!» «Hervorragend? Dann wird sich auch Nastenka freuen. Und mein Vater hält mich für einen Faulpelz! Meinst du wirklich, ich bin ein Prachtkerl?» «Jawohl, ein Prachtkerl!» Wieder mussten wir lachen. Darauf sagte ich: «Sagen Sie Anastasia, dass Sie einen ausgezeichneten Geschäftsmann abgeben würden.» «Im Ernst?» «Im Ernst! Sie könnten glatt ein Neurusse werden — und was für einer!» «Ich werde es Anastasia sagen. Ich werde ihr auch erzählen, dass du allen Menschen über das Öl berichten willst. Bedauerst du das nicht mehr?» «Was gibt es da zu bedauern? Diese Produktion bringt allerlei
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Scherereien mit sich. Lieber werde ich schnell das dritte Buch schreiben, wie ich es versprochen habe, und werde wieder Handel treiben oder sonst etwas Normales tun.»

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Trau, schau, wem
Ich wollte Anastasias Großvater über meine neuen Helfer erzählen und sagte zu ihm: «Zurzeit erscheinen viele Artikel über Anastasia. Sowohl in wissenschaftlichen Kreisen als auch in Glaubensgemeinschaften wird über sie gesprochen. Sie wird auf etwas unterschiedliche Weise wahrgenommen. Ein schöpferisches Kollektiv - sehr spirituelle, nette Leute - hat mir angeboten, mit ihnen einen Vertrag abzuschließen. Sie wollten mir die Exklusivrechte für Berichterstattungen in den Massenmedien über die Aussagen Anastasias abkaufen. Ich habe zugestimmt.» «Und für welchen Preis hast du ihnen Anastasia verkauft, Wladimir?» Der Ton und der Sinn seiner Frage wirkten auf mich irgendwie befremdlich, und so entgegnete ich: «Wie meinen Sie das: <verkauft>? Ich habe ihnen mehr über Anastasia erzählt, als im Buch steht. Ich habe es diesen spirituell gesinnten Menschen erzählt, damit sie sich ein persönliches Bild von Anastasia machen und ihre Meinung dazu veröffentlichen können. Sie wollen sich auch mit ihr treffen. Sie sind sogar bereit, eine Expedition in die Taiga zu finanzieren. Ich war mit allem einverstanden. Hab ich was falsch gemacht?» Der Alte schwieg. Ohne seine Antwort abzuwarten, fugte ich hinzu: «Und was das Geld für die Exklusivrechte betrifft, so ist es bei uns üblich, Dienstleistungen zu bezahlen. Sie werden an ihren Publikationen wesentlich mehr verdienen als ich.»
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Der Alte saß noch eine Weile wortlos und mit gesenktem Haupt da, dann begann er zu sprechen, als überlege er laut: «Geschäftstüchtig, wie du bist, hast du ihnen Anastasia also verkauft, und sie haben sie gekauft, wohl in dem Glauben, sie seien die spirituellsten und gescheitesten Menschen der Welt.» «Seltsam, was Sie da sagen - als hätte ich irgendwas Schlechtes getan.» «Sag mal, Wladimir, ist denn dir oder diesen <spirituellen> Leuten nicht einmal die Idee gekommen, Anastasia zu fragen, mit wem sie wann und unter welchen Umständen sprechen möchte? Und ist es bei euch üblich, sich selbst bei jemandem einzuladen, ohne das Einverständnis des Gastgebers? Denn sie hat keinen von ihnen eingeladen.» «Wenn sie keine Lust hat, sich mit ihnen zu treffen, braucht sie es ja nicht zu tun. Sie hat schließlich den Vertrag nicht unterschrieben.» «Aber du hast ihn unterschrieben! Sie ist bereit, allen mitzuteilen, was sie weiß, aber nur sie selbst hat das Recht, die Art und Weise der Kommunikation dafür zu bestimmen. Wenn sie zur Vermittlung ihres Wissens ein Buch und deine Worte gewählt hat, wer hat dann das Recht, ihr etwas anderes aufzwingen zu wollen? Sie hat ihre Wahl bereits getroffen, und nun kommt jemand anders daher und will das ändern. Ziel und Zweck dieser Handlungsweise sind von vornherein klar. Aber sie wird nicht mit solchen Leuten sprechen, die sich für etwas Besseres halten als alle anderen. Denn sie weiß genau, dass sie mit ihrer Überheblichkeit alles verzerren und verfälschen und die heiligen Wahrheiten nach eigenem Gutdünken auslegen werden.» «Warum müssen Sie denn alles von vornherein so schwarz sehen? Diese Leute interessieren sich für viele Lehren. Sie sind ausgesprochen spirituell.» «Sie halten sich für die allerspirituellsten Menschen. Geistige Überheblichkeit ist die schlimmste Todsünde - Stolz.» Ein mir unerklärliches Gefühl der Unzufriedenheit mit mir selber beschlich mich. Da ich noch kein Geld aus dem Vertrag
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Am besten. denn wieder war das Ganze eine Art Kauf und Verkauf von Anastasia. Du überträgst damit persönlich die Rechte. Einige Zeit darauf unterschrieb ich.2. Der Autor überträgt die Exklusivrechte für Video aufnahmen seiner Person sowie für sonstiges Videomaterial. was mit Anastasia zu tun hat. Aber erneut entpuppte sich dieser Vertrag als eine Falle. und über mich selbst konnte ich ja frei verfugen. Die oben erwähnte Übertragung der Rechte gilt für alle Länder der Welt. Als sie ihn gelesen hatte. nichts Böses ahnend. wie es ihnen passt. ihn zu stornieren. Diesmal war es nicht Anastasias Großvater. diesmal ging es um die Exklusivrechte der Veröffentlichung meiner Interviews. in den einflussreichsten Medien zu veröffentlichen. gegen ihre Darstellung zu protestieren. einen weiteren Vertrag mit einem spirituellen Zentrum. Wieder waren es die feinen Manieren und die geistigen Kenntnisse der Interessenten. auf eigene Kosten drei Programme mit einer Dauer von je 30 bis 40 Minuten auf dem professionellen Datenträger Digital BETACAM. Der VERTRAGSNEHMER verpflichtet sich. alles. Außerdem ging es in diesem Vertrag nur um mich selbst. verkaufst du Anastasia aber billig! Lies dir nur mal den Vertrag genau durch. ist schwer zu sagen. alles so darzustellen und zu deuten. ich führe hier einige Auszüge aus dem Vertrag an: 1. ganz egal. sondern eine Moskauer Journalistin. Außerdem erlaubst du deinen Vertragspartnern. Zeile für Zeile. 1. 200 . die sich über den Vertrag empörte.1. das direkt oder indirekt mit der Produktion des Fernsehprogramms «Anastasia» (im Weiteren «Programm» genannt) zu tun hat. sagte sie: «Ach du Schande.» Wie weit sie damit wirklich Recht hatte. zu produzieren. Du hast dich sogar der Möglichkeit beraubt. je ein Stück. was sie schreiben.erhalten hatte. und zwar sowohl für die Leute des Zentrums als auch für mich. gelang es mir. an den VERTRAGSNEHMER. die mich beeindruckten. Vertragsgegenstand 1.

W. und deshalb haben sie den Drang. Aber bestimmte Tatsachen kann man einfach nicht übersehen.4. mit beliebiger Ausrüstung produzierter Videoaufnahmen. II. Wahrscheinlich haben sie Angst davor.. einschließlich Kabelfernsehen und jeglicher anderer. dass ihre dunkle Seite sonst entdeckt wird. die sich als besonders spirituell ausgeben. ihren Mitmenschen und der ganzen Gesellschaft gegenüber ehrlicher. über Aufnahmen zum Thema «Anastasia» ausschließlich vom VERTRAGSNEHMER geführt. und kam zu folgendem Schluss: Menschen. Die Auflage war niedrig. Auch Gruzja sprach nie über spirituelle Dinge.und Fernsehstudios. Alle Videoaufnahmen werden vom VERTRAGSNEHMER nach eigenem Ermessen benutzt. der Herausgabe und dem Vertrieb des Buches Anastasia zu tun hatten. Der Direktor der Moskauer Druckerei Nr. der ehemalige Offizier Gruzja G. 1. Mit Unternehmern hat man es da einfacher. ist der Autor nicht befugt. Drei Moskauer Studenten tippten den Text von Anastasia ein.3. versuchen nichts zu verbergen und sind folglich sich selbst. Solange der Vertrag rechtskräftig ist.1. indem sie ständig darüber sprechen. die mit dem Schreiben. haben eine Schattenseite. sich selbst und anderen ihre Spiritualität zu beweisen. Vielleicht täusche ich mich. Direktor eines 201 . Sie hatten dabei keine baldige Entlohnung im Sinn. Im Einverständnis beider Vertragsparteien werden alle Geschäftsverhandlungen mit Video-. Ich vergegenwärtigte mir noch einmal alle Ereignisse. Und über spirituelle Themen sprachen sie nie. Sie sind offener in ihren Handlungen und Bestrebungen. gab das Buch auf eigene Kosten heraus. in dem direkt oder indirekt die gleichen Begriffe oder Fachwörter verwendet werden. Film. und es waren eigentlich nur Verluste zu erwarten gewesen. vor der sie sich fürchten. Videointerviews an Dritte zu geben oder Videoaufnahmen zu produzieren. die in den Programmen des VERTRAGSNEHMERS enthalten sind. Die zweite Auflage finanzierte ein gewisser Herr Nikitin.

Erst später stellte sich heraus. an die Adresse der Moskauer Journalistin. und manche von ihnen sind durchaus keine Unmenschen. warum. und überlegt euch genau. im Fernsehen aufzutreten. zum Licht beizutragen.000 Raubkopien gedruckt. sprachen die Inhaber von ihrer Spiritualität und ihrem Wunsch. Ich hatte damals nicht verstanden. gingen alsbald jede Menge anonyme Drohungen ein. den Vertrag zu annullieren. dass er gar keine Büchergeschäfte betrieb. so möchte ich auf den Seiten dieses Buches Folgendes erklären: Nie wieder werde ich an irgendjemanden die Exklusivrechte für die Deutung von Anastasias Äußerungen abtreten. Das ist beileibe kein Einzelfall. wenn es sich um ihre eigenen handelt.. Schon bald nach dem Erscheinen des Buches tauchten die verschiedensten Deutungen ihrer Aussagen auf. Als diese «spirituelle Firma» aufflog. dass sie vorhergesehen hatte. die mir geholfen hatte. Was nun die Übergabe von Exklusivrechten betrifft. doch sie hatte das Angebot abgelehnt. Wer hat das getan? Was wollten sie? Und so etwas schimpft sich «spirituell»! Sie beschützen ihre Spiritualität durch mafiose Erpressermethoden. dass ich Anastasia eingeladen hatte. bevor ihr eine Entscheidung trefft. «Spirituell orientierte Menschen» scheinen im Allgemeinen eine regelrechte Abscheu vor Rechnungen zu haben . Auch für ihn waren spirituelle Dinge kein Gesprächsthema. so mögen alle wissen: Ich habe solche Rechte nicht freiwillig abgetreten! Weshalb sage ich «freiwillig»? Nun.Moskauer Unternehmens. Ich kenne einige Mitglieder von Verbrecherbanden. was diese Leute im Schilde führen. Den größten Teil der Auflage überließ er mir zum Verkauf. Aber bis zum heutigen Tag ist es bei diesem Versprechen geblieben. Denkt in Ruhe darüber nach. Dann waren da die «spirituell Aufgeschlossenen». ohne auch nur eine Rückzahlungsfrist zu stellen. Und sollte jemand dennoch von derartigen Privilegien sprechen. besonders. Es wurde eine Auflage von 45. Sie versprachen. Es gab 202 . Ihnen möchte ich raten: Seid vorsichtig im Umgang mit so genannten Spiritualisten. Nun jedoch ist mir klar. das Autorenhonorar zu zahlen. Und noch etwas: Im ersten Band hatte ich geschrieben.. was daraus werden würde.

» Der Alte schwieg und ritzte mit seinem Stock erneut irgendwelche Zeichen in den Sand. Sie hat schon mehrmals den Pfad beschriften. «zahlreiche dunkle Kräfte werden mich angreifen und die Erfüllung meines Traumes zu verhindern suchen. Einige sagten mir direkt auf den Kopf zu: «Bildest du dir ein. selbst zu entscheiden.darunter interessante und strittige Deutungen. dass ich Zeuge der Erfüllung meiner Pläne sein werde: Ich werde einen Sohn gebären — unseren Sohn. Das wird einen größeren Nutzen haben. «Wird sie danach unvermeidlich umkommen?» «Schwer zu sagen». Auch ich verfiel ins Nachdenken: «Da hab ich mir ja eine schöne Geschichte eingebrockt!». ich kann jetzt nicht mehr aussteigen. «Und was geschieht danach?». das man jemandem übergeben kann. Mir wurde jetzt immer deutlicher. denn ich bin stärker als sie. mit ihr zu sprechen?» Oder: «Du verstehst nicht alles. du hättest das Alleinrecht. Sie ist ein Mensch! Sie hat das Recht. fragte ich den Großvater. «Ich weiß».» Doch Anastasia ist kein Objekt. antwortete der Alte. aber es war auch der Wunsch bestimmter Menschen zu erkennen.» Die Taiga-Einsiedler erziehen ihre Kinder bis zum elften Lebensjahr.und ihn aufziehen. Lass auch andere mit ihr sprechen. aber jedes Mal ist im letzten Moment das vergessene. ihre Gedanken nach ihren eigenen Interessen zu deuten. dass Anastasia in der Tat einem gewaltigen Ansturm sichtbarer und unsichtbarer dunkler Kräfte in Form fanatischer und eigennütziger Menschen ausgesetzt war. dachte ich. «Und das Schlimmste daran ist. Also wird Anastasia noch mindestens zehn Jahre durchstehen. der eigentlich ihren physischen Tod hätte bedeuten sollen. Dieses Gesetz beleuchtete gleichsam das wahre Wesen des irdischen Daseins und hielt ihren Körper am Leben. mit wem und worüber sie sprechen will. Alle anderen sind viel schneller ums Leben gekommen. Wladimir . Und die Menschen werden aus dem Zeitalter der Dunkelmächte entrückt werden. doch ich fürchte mich nicht vor ihnen. viel stärkere kosmische Gesetz hell aufgeflammt. sagte sie im ersten Buch. Irgendwie könnte mich da vielleicht schon noch herauswinden. aber 203 . Ich bin gewiss.

Wladimir. Tu das. was sie dir sagen will. Eine warme Welle wird dein Herz durchströmen. Die Aufrichtigkeit spielt dabei eine große Rolle. dass sie ihrem Kind in Ruhe die Brust geben kann». daran etwas zu ändern.» «Wenn du nichts von der Unmöglichkeit weißt. Aber sie lässt nun mal nicht von ihrem Traum ab — die Menschen aus dem dunklen Zeitalter zu entrücken. wirst du etwas bewirken können. um diese Heiligtümer zu erkennen.» «Anastasia hat von einer kleinen. mein Versprechen an sie einzulösen.» «Könnten Sie sich etwas konkreter ausdrücken?» «Das ist nicht so leicht. So wirst du statt deiner inneren Zerrissenheit ein gegenseitiges Verständnis aufbauen. wo das Kind da ist. Für mich wird es jetzt Zeit zu gehen.» «Das ist so auf Anhieb nicht möglich. das habe ich nicht gewusst! Aber ich habe es Anastasia versprochen .» 204 . Ich will dorthin fahren und versuchen. und ein neuer Tag wird anbrechen. was ich für Anastasia tun könnte?» «Versuche zu verstehen. Das würde eine herbe Enttäuschung für sie sein.jetzt muss ich auch etwas unternehmen. Anastasia hat einen Sohn geboren. denn sie ist sehr hartnäckig. Nein. Ich fragte den Alten: «Gibt es irgendetwas. kommt so etwas nicht mehr in Frage. Und daran wird sich auch nichts ändern.» «Ich werde Sie begleiten. und Enttäuschungen sind für stillende Mütter ganz schlecht. Doch wer wird ihr in ihrer Naivität schon helfen? Wenn ich jetzt noch damit aufhöre. was dir Herz und Seele gebieten. Denn in seiner Umgebung gibt es zahlreiche heilige Stätten aus der Zeit unserer Vorfahren. Es geht nun einmal vor. ganz gewiss hält sie an diesem Plan fest. Ihr zufolge könnte dieses Städtchen reicher sein als Rom oder Jerusalem. heruntergekommenen Provinzstadt gesprochen. Ich wünsche dir viel Erfolg. wird niemand mehr übrig sein.jetzt.» «Oh. Die einheimische Bevölkerung hat jedoch kein geeignetes Bewusstsein. die noch bedeutender sind als die Tempel Jerusalems. Sie sollte sich jetzt eigentlich um das Kind kümmern.

war folgender. Der Grund.» Der Alte stand auf und reichte mir die Hand.«Das wäre Zeitverschwendung. Ich brauche keine Begleitung. 205 . Kümmere dich lieber um deine eigenen Angelegenheiten. wie er durch die Allee davon schritt. was Anastasia über diese Stadt gesagt hatte. warum wir auf Gelendschik zu sprechen gekommen waren. dachte ich an meine bevorstehende Reise nach Gelendschik und erinnerte mich. Während ich Anastasias Großvater nachsah.

Außer dieser einen geretteten Zeder hier gibt zurzeit nur noch ein Exemplar. Großvater und Urgroßvater haben dir von der klingenden Zeder und ihren erstaunlichen Heilkräften erzählt. Er wird in der Lage sein. dass ihr pulsierender Rhythmus dem des Großen Geistes sehr ähnlich ist. der den Menschen und dessen Umwelt erschaffen hat. antwortete sie. vieles von dem zu verstehen.» «Was meinst du damit — seiner Bestimmung gemäß verwenden?» «Der Große Kosmische Geist. indem sie sich die in der immateriellen Welt gespeicherte Weisheit zunutze machen. hat es in Seinem Schöpfungsplan wohl vorgesehen. dass man einer klingenden Zeder begegnet?» «Sie sind äußerst selten». Gott. aber sie haben dir nichts davon gesagt. «Vielleicht kommen solche Bäume zwei oder drei Mal im Jahrtausend vor. Das kann man zersägen und seiner Bestimmung gemäß verwenden. der auch im Menschen vorhanden ist. aber wegen seiner Sündhaftigkeit hat der Mensch den Zugang zu dieser Quelle verloren. Ein Mensch. den Menschen die Möglichkeit zu geben. wenn man ihn mit dem Rhythmus verbindet.Russland. Diese Weisheit existiert seit Anbeginn der Zeiten. der seine Hand an den Stamm einer klingenden Zeder legt und ihn streichelt. ihre verlorenen Fähigkeiten zurück zu gewinnen. erhält einen Zugang zu unendlicher Weisheit. deine Heiligtümer! Einmal fragte ich Anastasia: «Kommt es eigentlich oft vor. woran er im Augenblick 206 .

sie macht keine Unterschiede. Frauen können ihre ursprüngliche Kraft und Weisheit wiedererlangen. Andere hingegen hören die gleiche Musik ohne jedes Gefühl oder wollen noch nicht einmal hinhören. In der Musik gibt es auch Schwingung und Rhythmus. Ich werde dir jetzt von der höchsten Ebene erzählen. ich sage dir doch. es liegt nicht an der Zeder. wird vieles hören. Einige Menschen hören sehr aufmerksam zu. Die Zeder ist dabei bloß dem Menschen behilflich. sie selbst spielt keine entscheidende Rolle. Aber einige Menschen können sich an ihre Schwingung anpassen und können alles fühlen. der eine klingende Zeder berührt. Ihr Rhythmus und ihre Schwingung sind unveränderlich. Nehmen wir ein Beispiel: Musik.» «Ich habe es immer noch nicht verstanden. Ähnlich verhält es sich mit der Zeder. sondern in der menschlichen Bestrebung. und wieso wolltest du. dass ich dir die klingende Zeder zeige?» 207 . aber auch sie werden allmählich in ihrem Bewusstsein wachsen. so zum Beispiel in Momenten des Nachdenkens und der Besinnlichkeit. Denkst du.» «Du glaubst mir also nicht. Und diese Dinge werden sich ihm allmählich erschließen...der Berührung gedacht hat und in der Folge denkt. sich selbst und ihr aus Liebe geborenes Kind glücklich machen. Wieso macht die Zeder solche Unterschiede?» «Wladimir. Das Wunder hierin liegt nicht in der Zeder selbst. und in ihnen entstehen dabei Emotionen.» «Warum wirkt sich die Zeder auf verschiedene Weise aus? Trifft sie etwa eine Auswahl?» «Nein. erbauliche Legende. Zumindest haben sie die Möglichkeit dazu. sondern am Menschen . manchmal weinen sie sogar vor Freude oder sind gerührt. nur auf unterschiedlichen Ebenen.» «Unglaublich! Klingt wie eine schöne. Viele werden überhaupt nichts spüren. andere werden nur wenig empfinden. Diese Erfahrung wird jeder machen. Nur wer in der Lage ist zu fühlen und zu verstehen. ich erzähle dir irgendwelche Märchen? Was hat dich dann zu diesem Ort hingezogen. somit ihre Bestimmung erfüllen und folglich ihren auserwählten Mann.

Ich staunte nicht schlecht.000 Arbeiter an. Dort wird geschildert. ihm Männer zur Verfügung zu stellen. Was mir dein Großvater und dein Urgroßvater über die Zeder erzählten. dass alles nur eine Legende ist. wie dieser König einen Tempel aus Zedernholz errichten ließ und daneben ein Haus für sich selbst — ebenfalls aus Zedernholz. las ich populärwissenschaftliche Bücher und lernte so die Meinung von Fachleuten und Gelehrten über die Heileigenschaften der Zeder kennen. mit der Kraft der Zeder zu heilen beziehungsweise damit ihre Behausung zu desinfizieren. jetzt erinnere ich mich wieder. in der Bibel wird von König Salomon berichtet. Für das Zedernholz erstattete Salomon dem König zwanzig Städte aus seinem eigenen Reich. die das Holz aus einem anderen Land lieferten.» «Und um das Zedernholz zu besorgen. diese Bäume zu fällen>. dass die Wissenschaftler in diesem Punkt mit Aussagen der Bibel übereinstimmen. Denk doch mal nach: Warum hat dieser König. so wie du es sagst. einen solchen Preis bezahlt. Als ich dann von der Geschäftsreise zurückgekehrt war. durch die Zeder mit dem Kosmischen Geist oder Gott in Verbindung zu treten. <die es verstehen.«Na ja. König Salomon ist doch eine historische Persönlichkeit und keine Legende!» «Richtig. Sonst würdest du meine Worte nicht bezweifeln. Moment mal. der noch heute berühmt ist für seine Weisheit. das nicht so stabil war wie das örtliche Baumaterial?» 208 . Salomon bat König Hiram.» «Was könnte ich denn überlesen haben? In der Bibel zum Beispiel wird doch überhaupt nur an zwei Stellen über die Zeder gesprochen: als Gott die Menschen lehrte. außerdem gab es da noch so eine Geschichte mit einem König — wie hieß er noch gleich?» «Ja. einem weisen Herrscher. um einen Tempel und ein Haus aus einem Material bauen zu können. ich denke nicht. stellte er über 30. Doch nirgends war auch nur entfernt von der Möglichkeit die Rede. habe ich ja zuerst auch nicht geglaubt. der von seinem Volk geachtet wurde.» «Entweder hast du die Aussagen der Wissenschaftler und die entsprechenden Bibelstellen unaufmerksam gelesen oder du hast die wichtigen Punkte nicht richtig verstanden.

über den Sinn des Daseins oder über sein eigenes Schicksal nachzudenken oder anderen Leuten zuzuhören.. dass das so schwer sein soll?» «Das Bewusstsein der Menschen ist heutzutage durch die technokratischen Programme sehr stark in Beschlag genommen. Er ist praktisch ein programmierter Roboter. deren Einwohner dieses Heiligtum nicht schänden werden.» «Na prima! Dann scheint ja doch etwas daran zu sein.» «Wo auf Erden willst du denn eine Stadt finden. 5..aber zu glauben.«Ja. die zersägt werden kann. Sie werden * (2. Ich werde das Holz in eine Stadt bringen lassen. warum?» «Die Antwort könntest du ebenfalls in der Bibel finden: <Als die Priester aus dem Allerheiligsten heraustraten. Bei uns gibt es jetzt viele echte Gläubige.13) 209 .» «Anastasia. Chr. Du zum Beispiel siehst alles mit eigenen Augen. wenn auch wohl nicht so wie andere. Die Zeder kann den Menschen also bei der Entdeckung vieler Geheimnisse helfen. Warum glaubst du denn. bequem erreichen lässt. Er hat keine Zeit. einen solchen Ort zu finden. da ward das Haus des Herrn von einer Wolke erfüllt.. mit mir ist das etwas anders.» «Was ist das.. dass Besucher sich der Zeder angemessen nähern können?» «Ich werde versuchen. Ich kann nicht behaupten. und viele lesen die Bibel. Zeige mir die klingende Zeder. hörst alles mit eigenen Ohren . Immer mehr ähneln sie Biorobotern.>* Indirekte Beweise gibt es auch in den Äußerungen bedeutender Wissenschaftler. die sich für Menschen aus aller Welt. Der Mensch wird selbst zum Roboter dieser technokratischen Welt. in der es bewacht wird und in der die richtigen Bedingungen geschaffen werden. die ihm sein Leben erleichtern sollen. aber irgendwie bin ich schon gläubig . Diese Erleichterung ist jedoch illusorisch. das fällt dir schwer. dass der Mensch alle möglichen Maschinen und gesellschaftlichen Einrichtungen erfindet. ein Bioroboter?» «Die technokratische Welt ist so angelegt. die sie berühren möchten. dass ich einen starken Glauben hätte.

sondern eines aus dem täglichen Leben. Aber so ein Unsinn kann doch nicht wirklich geschehen!» «Leider doch. wie jemand sein Wesen und seine Bestimmung erkennt. einfach nur zu glauben?» «Nein. wenn sie sehen. In Russland gibt es eine Stadt. in der Weltanschauung. Aber die Stadt stirbt. in seinen Handlungen. Die Stadt könnte eine der reichsten Städte der Welt sein. seinem Verhältnis zur Umwelt und in seinen Gedanken. Alle Soldaten glauben ausnahmslos an ihren Heerführer — aber in den Kampf ziehen sie nicht. Oft hält ein Mensch den Koran. Gelendschik heißt sie. Dieser <Unsinn> ereignet sich sogar ständig in der Realität. aber in Wahrheit treibt er mit Gott bloß eine Art Handel: <Schau her. das muss man dir lassen. Sie glauben so stark an ihn. er würde auch allein siegen. sich besinnen und mit den Heiligtümern in Berührung kommen können. wie viel in der Bibel über die Zeder geschrieben steht. andere zu belehren. Glaube allein ist zu wenig.» «Na gut. dass die Menschen sich dort von der Alltagshektik erholen. Stell dir eine Armee vor. Sie werden es glauben und sich deinen Zedernstückchen gegenüber respektvoll verhalten.sich besinnen.>» «Was ist denn richtiger Glaube? Worin sollte er sich äußern?» «In der Lebensweise. Begeistert johlen sie ihm zu: <Vorwärts! Vorwärts! Wir glauben fest an dich!>» «Eine rege Phantasie hast du. wie ihr Feldherr allein gegen die feindliche Übermacht antritt.» «Der Glaube kann sehr unterschiedlicher Natur sein. In der Stadt selbst und in ihrer Umgebung gibt es eine Vielzahl von Heiligtümern. Wladimir. dass sie meinen.» «Dann gib mir bitte kein erfundenes Beispiel. Gelendschik ist 210 . die Bibel oder ein anderes Buch der Weisheit in den Händen. spricht über seinen Glauben und versucht sogar. ich glaube an Dich. darin. Also sitzen sie tatenlos da und sehen zu. reicher noch als Jerusalem und Rom. Sie sind bedeutender als die Heiligtümer Jerusalems oder die ägyptischen Pyramiden. Bitte rechne mir das einmal an. Sie ist dazu bestimmt.» «Es reicht also nicht aus.

Viele der Menschen dort nennen sich gläubig und nehmen die Heiligtümer um sich herum nicht einmal wahr. reden sie über das Meer.» «Was für Heiligtümer gibt es denn dort?» «Sieh mal. wissen nichts von ihren Nächsten. 211 . Die verschiedensten Konfessionen sind dort vertreten. Man kann nicht jemanden lieben. über die bereits vor der Zeit Jesu Christi so viel auf Erden gesprochen wurde. Die Zeder ist erst hundert Jahre alt und somit noch recht jung. der in der Bibel mehrfach erwähnt wird. die sich für gläubig halten. Und diejenigen. Dank der Tatsache. die ihnen von ihren Vorfahren zu ihrem Wohle hinterlassen wurden. die in den von ihnen verehrten Schriften gelehrt werden. dem Schriftsteller Korolenko. mit denen man die Stadt zur Blüte fuhren könnte.> Doch bevor man seinen Nächsten lieben kann. den man gar nicht kennt. Sie wissen selbst kaum etwas darüber und wollen auch gar nicht mehr wissen. Für sie haben andere Dinge Vorrang. Wladimir. So heißt es beispielsweise in der Bibel: <Liebe deinen Nächsten. Sie wächst dort. die sich als Gläubige bezeichnen. befindet sich unweit dieser Stadt. Und jene lebendige. weil sie von einem würdigen Menschen gepflanzt wurde. unmittelbare Schöpfung Gottes. aber seine Häuser und Hotels stehen leer und verfallen allmählich.ein Kurort. Was aber ist das für ein Glaube? In ihrem Umgang mit der Umwelt haben sie sogar jene Gebote missachtet. die jenes heilige Land bewohnt und ihnen unermessliche Schätze hinterlassen haben . Aufgrund ihres materialistischen Bewusstseins können die Verantwortlichen der Gemeindeverwaltung nicht die Werte sehen. in der Nähe von Gelendschik wächst eine libanesische Zeder — der gleiche Baum.ebenjene Heiligtümer. muss man erst einmal etwas von ihm wissen. aber doch schon sehr schön und kräftig. Die Heiligtümer erwähnen sie nicht einmal. und einige beschäftigen sich aktiv damit. über künstliche medizinische Behandlungsmethoden und über die Nachttischchen und Kühlschränke in den Hotelzimmern. Über Jahrtausende hinweg haben sie uns die Ergüsse der Weisheit und des Lichtes ihrer eigenen Seelen bewahrt. In dieser Stadt gibt es viele Menschen. Wenn sie über ihre Stadt sprechen. anderen ihren Glauben zu vermitteln.

hielten sie für abergläubisch. mich mit der Dimension zu verbinden. wie die Pyramiden gebaut wurden. in dem der Schriftsteller gelebt hat. die Seitenverhältnisse und auf die Dinge. ja sie zerstören sie sogar . Aber was kann Er tun. und mir ist auch bekannt.. sind dir die Geheimnisse der Pyramiden bekannt?» «Ja.» 212 . hat man die Zeder eingezäunt. Er rächt sich niemals.» «Stopp. Ihr Hauptaugenmerk richteten sie darauf. worüber ich gerade nachdenke und wofür ich mich interessiere.. so wie sie zum Beispiel auch die Pyramiden der weisen Pharaonen sehen. wo die Gedanken und die Weisheit beheimatet sind.» «Den Baum gibt es . in denen außerdem noch verschiedene Schätze aufbewahrt wurden. beachten weder diese Zeder noch die anderen Heiligtümer ihrer Ahnen. warte mal! Jetzt werde ich dich prüfen. dass die Ägyptologen bei der Erforschung der Pyramiden nur die materiellen Aspekte im Sinn hatten. Doch die Menschen sehen sie mit den Augen der technokratischen Weltanschauung. und niemand schenkt dem Baum mehr Aufmerksamkeit. die im Innern der Pyramiden verborgen waren. Damit entfernten sie sich von der Hauptsache. Die Menschen. auf ihren Umfang.genauso wie viele andere Heiligtümer im Umkreis dieser Stadt.» «Heißt das. wenn die Menschen Seine Schöpfungen vernachlässigen?» «Unglaublich! Gibt es diesen Baum tatsächlich? Das sollte man nachprüfen.» «Moment mal! Woher weißt du denn von der Existenz der ägyptischen Pyramiden?» «Durch Generationen von Vorfahren ist mir die Fähigkeit erhalten geblieben. und die Pyramiden selbst waren für sie nicht mehr als überdimensionale Grabmäler zur Verherrlichung der darin bestatteten Pharaonen. die sich als Gläubige bezeichnen. Sag. dem Sinn der Pyramiden. So kann ich alles erfahren. die zur Zeit des Pyramidenbaus lebten. Und die Stadt siecht dahin.dass er eine Zeit lang verehrt wurde.» «Und die Gläubigen?» «Viele Menschen dieser Stadt. Jetzt aber verfällt das Haus. Gott rächt sich an ihnen und straft sie?» «Gott ist gut.

Sie waren Denker und kannten ihre Bestimmung. konnten sie auf der Stelle auf andere Art bekommen. denn die sind in der Natur bereits vorhanden. Von welchem Sinn entfernten sie sich?» Anastasia schwieg eine Weile. von Gott. denn die Informationen. Dieses Wissen wird von Ihm selbst und von den Menschen mit ihren Gedanken ständig erweitert. die Nahrungsmittel produzierten. in einen anderen Teil überzusiedeln. zur Verfügung gestellt worden ist. Sie brauchten kein Fernsehen. Sie erkannten. wie ihr sie heute habt. Gott selbst. Anastasia. Wladimir. die ihr aus Büchern bezieht. denn alles war auch so da.«Ich verstehe dich nicht. Wenn erforderlich. sodass das alte Land sich erholen konnte. dass man auf jede beliebige Frage eine Antwort bekommen kann.» «Und welchen Nutzen hatten die Menschen davon?» «Jene Menschen brauchten keine Raumschiffe. das vom Großen Geist. und begann darauf eine sonderbare Erzählung: «Sieh mal. war ihrem Intellekt überlegen. kein Telefonsystem. Jene Menschen brauchten auch keine Verkehrsmittel. Sie vervollkommneten den Planeten Erde. um zu anderen Planeten zu fliegen. als blicke sie in die Unendlichkeit. konnten sie mit einer Handbewegung die besten Arzneien herstellen. Im ganzen All gab es nicht ihresgleichen. was dort geschah. denn wenn sie wollten. dass ein Klimawechsel an einem bestimmten Teil der Erde ein Signal war. Sie brauchten keine Maschinen und Fabriken. Nur der Große Kosmische Geist. Sie hatten auch keine Pharmaindustrie nötig. Sie verstanden den Kosmos und ihren Planeten. 213 . und es ist so großartig. sich das gesamte im Kosmos gespeicherte Wissen zunutze zu machen. und auch keine Schrift. der die Frage gestellt hatte. konnten sie auch von der Erde aus sehen. vor langer Zeit verfügten die Menschen auf Erden über geistige Fähigkeiten. durch die sie den heutigen Menschen bei weitem überlegen waren. Die Antwort manifestierte sich augenblicklich im Unterbewusstsein des Menschen. Die ursprünglichen Menschen waren ohne weiteres in der Lage. Es ist nicht aufdringlich. dessen Kabelnetzwerk die ganze Erde umspannt.

» «Jenen Invaliden fehlte aber etwas wesentlich Wichtigeres. keine voll funktionsfähigen Menschen. Das hatte auch den Verlust allen Wissens zur Folge. die das jetzige Europa. bakteriologischem oder atomarem Wege. wie du sie nennst. Ich verstehe nicht ganz. mit dessen Hilfe sie die Erde hätten vervollkommnen und verwalten können. die Verschalung des Raumschiffes abzumontieren und in der Kabine ein Feuer zu entzünden. Sie hatten keine Verbindung mehr zum Kosmischen Geist. Und was braucht zum Beispiel ein Mensch.Vor ungefähr zehntausend Jahren tauchten unter der Bevölkerung der damaligen Zivilisation. Sie reißen Teile aus dem Schaltpult und fertigen sich daraus Schmuck und Spielzeug. bauten sie nukleare Spreng214 .» «Und einer. und machen sich daran. was das Erscheinen jener <Invaliden> mit der globalen Katastrophe zu tun hat. Eine solche Megakatastrophe wird von euren Wissenschaftlern vorhergesagt und wird auch sinnbildlich in den Schriften der alten Religionen prophezeit. haben die Steinaxt und den Speer erfunden. Anastasia. der keine Arme oder Beine hat?» «Prothesen. als ihr Denken weiter entwickelt war. Nordafrika und den Kaukasus besiedelte. der nicht hören kann?» «Ein Hörgerät. «Eine Sekunde mal. wie auch immer sie sich ereignen mag — auf ökologischem.diese Menschen waren in der Tat <Invaliden>.» «Du hast das treffende Wort gewählt . Asien. Seit dieser Zeit bewegt sich die Menschheit auf eine Katastrophe globalen Ausmaßes zu. der ihn führt. Später dann. diese <minderwertigen Invaliden>. Und genau sie. deren Mitglieder plötzlich neunzig Prozent ihres Verstandes einbüßen. Mit einer solchen wahnsinnigen Besatzung kann man die behinderten Menschen der Vorantike vergleichen. Menschen auf. deren Verbindung mit dem Kosmischen Geist teilweise oder ganz verloren gegangen war.» «Und jemand. was sie tun. Stell dir die Besatzung eines supermodernen Raumschiffes vor. der nicht sehen kann?» «Jemand. Sie wissen nicht mehr.

sich zu reproduzieren. Auch schufen sie verschiedene künstliche Gesellschaftsformen. denn sie sind ihrer individuellen Fähigkeit beraubt.> Dazu entwirft man für sie Symbole. die vollkommene Schöpfung zu zerstören und sie mit ihren primitiven Schöpfungen zu ersetzen. die ihren Draht zum Kosmischen Geist verloren hatten. Dann begannen sie miteinander zu kämpfen. solche Bioroboter zu regieren. Zeichen und Flaggen einer bestimmten Farbe. immer mehr wurden. Es wurde eine Unzahl von Technikern benötigt. wie es zum Beispiel ein Baum tut. und so wurde ein Teil der Menschen notwendigerweise in Bioroboter umfunktioniert. Man kann ihnen zum Beispiel mit Hilfe der künstlichen Informationsmittel das Programm eingeben: <Wir brauchen den Kommunismus. wie dies in der Natur der Fall ist. die freien Zugang zur kosmischen Weisheit hatten. Nicht nur waren sie unfähig. von dem ein Ast abgebrochen ist.> Wieder bedient man sich dabei verschiedener. wenn sie eines Tages die verunreinigte Luft kaum noch atmen können. Es ist sehr einfach. denn kein Lebewesen besudelt die Erde so wie sie. Im Laufe der Generationen wollte der Erfindergeist dieser Menschen immer höher hinaus. dass die Menschen wieder zur Besinnung kämen. Und bis heute ist ihr Verstand mit unglaublicher Hartnäckigkeit darauf ausgerichtet. die Wahrheit zu erkennen. Die menschengemachten Maschinen und Geräte konnten nicht für sich selbst existieren. Sie hofften. In jener fernen Zeit blieben schließlich nur noch wenige übrig. als die Menschen. Und jene Entwicklung nahm damals ihren Lauf. wenn es gefähr215 . Diese beiden unterschiedlich programmierten Gruppen werden sich dann bis aufs Blut hassen. Man kann sie tatsächlich als Wahnsinnige bezeichnen. diesmal andersartiger Symbole und Farben. Mit den gleichen Medien suggeriert man dann einer anderen Menschengruppe: <Der Kommunismus ist schlecht. gottgegebenen Funktionssysteme der Erde. vor zehntausend Jahren. doch dabei zerstörten sie die natürlichen. nein.köpfe. die die Maschinen bedienen und warten mussten. sie konnten sich auch nicht von allein wiederherstellen.

dass sie ihre ursprünglichen Fähigkeiten wiedererlangen. doch trotz ihrer riesigen Größe sind die Pyramiden viel schwächere 216 . Vor zehntausend Jahren verfügten noch einige Menschen über diese Fähigkeiten. die einer Gruppe von Menschen vorstanden: die Stammesfürsten oder Häuptlinge. Dann werden viele von ihnen die ursprüngliche Wahrheit erkennen wollen. Dazu musste man sich neben die Kammer setzen und in Nachdenken versinken. Diese Steinbauten sind Vorläufer der ägyptischen Pyramiden.lich ist. und die von ihnen selbst erschaffenen künstlichen Systeme der Lebenserhaltung — die technischen wie die sozialen . die die Menschen bewegten. Manchmal kam die Antwort sofort. besondere Bauten aus schweren Steinplatten zu errichten — genauer gesagt. manchmal dauerte es eine Weile. sie ließen sie errichten. über das Wesen des Daseins. und darüber wurde ein Hügel aufgeschüttet. das verschmutzte Wasser zu trinken. Sie erleichterten die Verbindung zum Kosmischen Geist. Manchmal wurden solche Kammern aus einem einzigen Felsblock gehauen. denn die Steinkammern und ihre in die Ewigkeit dahingeschiedenen Insassen dienten als Informationsempfänger. In einer der Wände war eine kegelförmige Öffnung von etwa 30 cm Durchmesser eingelassen. Ihre Zeitgenossen und auch Jahrtausende später Geborene konnten zu diesen Kammern kommen und Antworten auf Fragen bekommen. In diese Grabkammern zogen sich die Menschen zurück. Sie begannen. manchmal wurden sie unterirdisch errichtet. aber sie kam immer. mal etwas kleiner.sich als unpraktisch und zweckwidrig erweisen und es immer mehr Pannen und Störungen gibt. die nicht die Fähigkeit verloren hatten. Hauptsächlich waren das diejenigen. Die Platten wurden leicht nach innen geneigt aufgestellt. Im Innern dieser Konstruktion entstand eine Kammer von etwa anderthalb mal zwei Metern Größe und zwei Metern Höhe. den Sinn des Lebens und ihre Bestimmung nachzudenken. mal etwas größer. Diese Öffnung wurde durch einen genau eingepassten steinernen Verschluss versiegelt. Erst am Rande des Abgrunds werden die Menschen endlich beginnen. dazu aber ist es unabdinglich. sich die kosmische Weisheit zunutze zu machen.

Die modernen Forscher haben mit großem Interesse an der Bauweise der Pyramiden herumgerätselt. der sie zu dem falschen Schluss führt. «Woran liegt das. sondern viele Menschen mussten gemeinsam kommen. und auch sie hatten sich die ursprünglichen menschlichen Fähigkeiten teilweise bewahrt. bündelten sich die Blicke und Gedanken der Menschen zu einem Punkt und bildeten so einen Kanal zur Verbindung mit dem Kosmischen Geist. die mit gedanklicher Kraft kleine Gegenstände bewegen können. Auch heute noch ist dieser Vorgang wirksam und man kann das gewünschte Ergebnis erhalten. Sie stellten sich dann entlang den vier Grundseiten der Pyramide auf. Anastasia? An ihrer Bauweise oder an ihrer Form?» 217 . Wesen und Bestimmung sind jedoch bei beiden gleich. Dort. Menschen mit solchen Fähigkeiten halfen scharenweise beim Bau der Pyramiden mit. Ach wären doch die Menschen von heute nicht von ihrem sündhaften Stolz besessen. Doch die kleineren Steinbauten. konnte man nicht allein dorthin gehen. an der Spitze der Pyramide. Dabei ist alles so einfach: Beim Bau der Pyramiden wurde neben physischer Kraft auch gedankliche Energie verwendet. an der Pyramidenspitze. Auch heute gibt es noch Menschen. durch die die Erdgravitation verringert wurde. ein Messgerät anbringt. die Vorläufer der Pyramiden. Und die unten stehenden Menschen werden ungewöhnliche Empfindungen haben. richteten ihre Blicke und Gedanken auf die Spitze der Pyramide und ließen sie gleichsam die Schrägflächen hinauf gleiten. Wenn man dort oben. die Zivilisationen der Vergangenheit wären alle primitiver gewesen als die gegenwärtige — sie hätten die Bedeutung der Pyramiden schon längst erraten. kann man das Vorhandensein dieser Energie feststellen. aber verstehen konnten sie sie dennoch nicht.Empfänger. Im Brennpunkt der gedanklichen Blicke bildet sich eine Art Strahlungsenergie. Die in den ägyptischen Pyramiden bestatteten Pharaonen waren ebenfalls große Denker. Um mit Hilfe der Pyramiden Antwort auf eine Frage zu erhalten. ermöglichten einen viel intensiveren Kontakt mit dem Kosmischen Geist.

Diese Steinkammern existieren heute noch. das Abschalten aller Sinneseindrücke. Wenn diese ihn für würdig erachteten. um zu sterben. worauf die Kammer wieder verschlossen wurde.» «Und wie willst du das tun?» «Ganz einfach. spürte. bat er seine Verwandten oder Vertrauten. Er war jetzt völlig von der materiellen Außenwelt abgeschnitten. Diese völlige Isolierung — das Bewusstsein.» «Wieso haben sie den Freitod gewählt?» «Um den folgenden Generationen zu ermöglichen. dass er bald sterben würde. Das Wesentliche dabei war für ihn.«Weil sich dort Menschen hineinbegaben. in der Regel einer der weisesten Männer oder ein Stammesvater. Dazu wurde die schwere. Heute würde man einen solchen Zustand als Meditation bezeichnen. Es gab für ihn nichts mehr zu sehen oder zu hören.» «Aber Anastasia. ihn in einer solchen steinernen Kammer unterzubringen. was ich darüber gesagt habe. kannst du denn den Menschen von heute die Existenz dieser Steinbauten beweisen und auch die Tatsache. die in die Ewigkeit führt. dass an eine Rückkehr nicht einmal zu denken war und dass die Reise ins Jenseits erst noch bevorstand. Aber die moderne Meditation ist ein Kinderspiel im Vergleich zur Meditation. erfüllten sie ihm seinen Wunsch. Und ihr Tod war sehr ungewöhnlich. vor allem des Sehens und Hörens —. Darum erzähle ich dir ja davon. Dolmen werden sie genannt. massive Deckplatte verschoben. Man kann sie sehen und anfassen und alles. Der Geist der Weisheit wohnte dort zu allen Zeiten. all dies gestattete ihm. seinen Zeitgenossen und den künftigen Generationen seine Gedanken zu übermitteln. ihre ursprüngliche Kraft wiederzugewinnen.» 218 . nachprüfen. einen vollen Kontakt zum Kosmischen Geist herzustellen und über viele Eigenheiten und Handlungsweisen der Erdenmenschen nachzudenken. dass dort Menschen in die ewige Meditation eingingen?» «Das kann ich. Sie gingen in ewige Meditation. zogen den steinernen Verschluss heraus und nahmen durch die Öffnung Kontakt mit den in der Kammer wohnenden Gedanken auf. Wenn ein alter Mensch. Der Betreffende stieg hinein. Später dann kamen Menschen zu einer solchen Kammer.

Einige starben liegend. die in die ewige Meditation eingegangen sind. die in den Dolmen gefunden wurden.. es ihnen zu erklären. aber sie beachten sie nicht. Viele Dolmen sind inzwischen ausgeraubt. Ich werde an diese Orte reisen und versuchen. um zu sterben. Die Dolmenforschung wird nicht mit dem nötigen Ernst betrieben. Ich weiß zwar noch nicht wie. Sie werden die Dolmen nicht mehr länger ausrauben und zerstören. du kannst es ihnen begreiflich machen?» «Ich will es jedenfalls versuchen. kann man die Lage der Skelette anfuhren. Tuapse. im Kaukasus.. Währenddessen verunstaltet die einheimische Bevölkerung diese heiligen Stätten. Sie haben ja nicht gewusst. Als Beweis dafür. Das gibt's doch gar nicht! Ich muss das unbedingt überprüfen. aber ich werde diese Dolmen ausfindig machen. zum Beispiel in Russland. Der einheimischen Bevölkerung sind die Dolmen übrigens bekannt. Das ist höchst bedauerlich und traurig für sie. dass lebende Menschen in die Dolmen gingen. Ich versprach ihr: «Ich werde ihnen alles erklären.» «Das werde ich nachprüfen. Diese Tatsachen sind von euren Wissenschaftlern beschrieben worden. Zum Wohle ihrer Nachkommen haben sie sich der Ewigkeit geopfert. aber ihr Wissen und ihre Einsichten wurden leider nicht in Anspruch genommen.» «Natürlich. denn die Menschen kennen deren wahre Bedeutung nicht. Anastasia senkte traurig den Kopf und schwieg. tu das nur. Diejenigen. Sie werden mit dieser Schändung aufhören.» 219 . können sich nicht mehr in einer materiellen Hülle verkörpern. dass sie mit ihrer Hilfe Kontakt zum Kosmischen Geist aufnehmen können.» «Glaubst du. wurden aber nicht weiter beachtet. Die Steinplatten werden zu Bauzwecken benutzt. mich vor ihnen verneigen und den Menschen alles erklären. nicht weit weg von den Städten. Sie ahnen nicht.«Was? Wo denn? Kannst du mir einen solchen Ort nennen?» «Ja. die heute Gelendschik. andere in einer Ecke sitzend oder an eine Steinplatte angelehnt. Noworossijsk und Sotschi genannt werden. Ich werde eine Reise zu diesen Orten unternehmen.

man darf einzig und allein an das Kind denken. und der Nachfolger hätte das niemals zugelassen. die wie die modernen Menschen auf solche Dinge keinen Wert legten. werde ich zu diesem Dolmen gehen 220 . die schwere Deckplatte des Dolmens zu verschieben und sie über meiner Urmutter wieder zu schließen. in dem meine Urmutter gestorben ist. Sie hilft auch mir. dass die Kinder glücklich sind und ihren Eltern Freude bereiten. und deshalb wollte sie dieses Wissen an die Nachwelt weitergeben. Meine Urmutter gehörte zu jenen Frauen. und so gab er ihrer Bitte nach. Meine Urmutter war noch nicht sehr alt. dass deine Urmutter an einem dieser Orte gelebt hat und wie sie gestorben ist?» Anastasia entgegnete: «Wladimir. wie unsere Ahnen gelebt und was sie getan haben. wenn du willst. sich die Kosmische Intelligenz zunutze zu machen.» «Anastasia. die sich sehr gut damit auskannten. Das alte Stammesoberhaupt hatte hohen Respekt vor meiner Urmutter und schätzte ihr Wissen sehr. sie in einen Dolmen einschließen zu lassen. als sie den Stammesführer darum bat. Allerdings konnte er die Männer nicht dazu zwingen. Frauen wurden überhaupt sehr selten in Dolmen gelassen. dieses Wissen allen Menschen zu vermitteln! Sie wollte. und alle meine folgenden mütterlichen Ahnen haben ihre Weisheit erkannt. dann verneige dich bitte auch vor dem Dolmen. Keiner interessiert sich für ihr Wissen — wo sie doch einen so starken Wunsch hatte. wie man ein Brustkind beim Stillen befähigt. Der Stammesführer war nämlich schon alt. Bereits damals in jener alten Zivilisation gab es Menschen. So mussten die Frauen ganz allein mit dieser schweren Arbeit zurechtkommen. Sie wusste. Und wenn du dort hinfährst. was ihre Wünsche und Bestrebungen waren? Jene meine Urmutter ist besonders erinnerungswürdig. Beim Stillen des Säuglings darf man sich durch keine Nebensächlichkeiten ablenken lassen. nicht zu wissen. Zu dem Dolmen meiner Urmutter kommt schon seit langem niemand mehr. wie sollte es möglich sein. wie und woran man dabei denken muss.«Das wäre gut.» «Unglaublich! Woher kannst du denn wissen.

» «Nimm es mir nicht krumm.und sie fragen. in der deiner Meinung nach die Gedanken vergangener Zivilisationen gespeichert sind.» «Wie kannst du mich eine Einsiedlerin nennen. Ich kenne ihre Gedanken. Ich bat sie jedoch um einen Beweis für die Möglichkeit. Darauf antwortete Anastasia: «Wladimir. wenn du ständig an meinen Worten zweifelst. Du bist keine stillende Mutter und bist nicht mit den Empfindungen einer Mutter vertraut. Außerdem nehmen sie viel Zeit in Anspruch. wenn jetzt jemand von unseren wissenschaftlichen Kapazitäten über diese Dimension spräche. sondern auch mit höheren Sphären Kontakt aufnehmen kann? Auf der Erde gibt es so viele Menschen. Allerdings wirst du die Gedanken meiner Urmutter nicht verstehen können. So ist der moderne Mensch nun mal — er glaubt das. wie man Brustkinder stillen und wie und woran man dabei denken soll. Es ist nicht schlimm.» «Wie dem auch sei. können sie verstehen. was von der offiziell anerkannten Wissenschaft verkündet wird. dann werden dir auch meine Beweise nicht einleuchten. darüber wird sie sich freuen. aber deine ungewöhnliche Lebensweise. vor allem stillende Mütter. Sie besitzen ein großes Denk221 .» Wir schwiegen eine Weile. denke an etwas Gutes. die ich ja später überprüfen konnte. mit der für mich unsichtbaren und unbegreiflichen Kosmischen Weisheit Kontakt aufzunehmen. aber es ist furchtbar. die ihr Kind stillt. wenn man allein ist. wo ich doch nicht nur mit allem auf Erden. und sie werden dich nicht überzeugen. aber ich kann ihre Namen nicht nennen.. so würden ihm die Leute eher Glauben schenken als dir. ich werde es dir sagen. wollte ich meine Zweifel an ihrer Existenz nicht äußern. Anastasia. Sag. wenn man sich mitten unter Menschen einsam fühlt. Erstaunt über die genaue Beschreibung der Lage des Dolmen. Nach eurem Ermessen handelt es sich jedenfalls um große Gelehrte. Nur Frauen..» «Es gibt solche Wissenschaftler. wo befindet er sich?» «Gut. so als Einsiedlerin . Denke dabei an meine Urmutter. die inmitten ihresgleichen völlig einsam und abgekapselt leben. Geh du einfach zu diesem Dolmen und berühre ihn.

Aber auf unglaubliche Weise bestätigte die junge Einsiedlerin aus der entlegenen Taiga gleichsam selbst. stand mir auch nicht der Sinn danach. Akimow. diesmal aber in der Sprache der Wissenschaft. Zu Beginn des Buches habe ich bereits die Aussagen von Akademiemitgliedern angeführt. was ich dir gesagt habe. die Dolmen. E. in dem Anastasias Urmutter begraben ist. und vergleiche sie mit dem. Ich fand auch den Dolmen. dass sie Recht hatte. * * * Das Kapitel über die Heiligtümer Gelendschiks schrieb ich während meines Aufenthalts in jener Stadt. unweit von Gelendschik. und A. und legte Blumen auf die moosbewachsenen Steinstufen nieder. Im örtlichen Heimatmuseum kannte man die Dolmen. Da ich mich mit Wissenschaft kaum je befasst hatte. Direktor des Instituts für klinische und experimentelle Medizin. deren Beiträge im Mai 1996 in der Zeitschrift Wunder und Abenteuer erschienen. Ich machte dort einige Farbfotos. verneigte mich vor ihm. Ich las damals noch einmal im zweiten Buch der Chronik alles über König Salomon und seine Beziehung zur Zeder. eine Unzahl wissenschaftlicher Werke durchzuwälzen. nämlich von W. Direktor des Internationalen Instituts für theoretische und angewandte Physik der Russischen Akademie der Naturwissenschaften. Suche selbst nach Beweisen. um eine Bestätigung für Anastasias Aussagen zu finden. Ich betrachtete die Dolmen. Kasnatschejew. denn viele Leute ließen mir wissenschaftliche Werke zukommen. doch selbst dort wurde ihnen keine besondere Bedeutung zugemessen.vermögen.» * * * Im Kaukasus angekommen. fand ich im Gebirge. Nun hatte ich eine sichtbare und spürbare Bestätigung von Anastasias Worten. Der Text wurde auf dem Compu222 . die sich mit der Existenz des Kosmischen Geistes befassten. sobald deine Reise vorüber ist.

Einer der Dolmen. einer Mitarbeiterin des Sanatoriums «Druschba». Die Wis223 . und zwar in Form von modernen Aufschriften am zerstörten Dolmenportal. die bisweilen diese Stellen besuchen. Die Spuren der Schmähungen allein schon unseres Jahrhunderts waren deutlich auf den uralten Steinplatten zu sehen.000 Jahren hier gelebt hatte. hatten nicht im Geringsten an den hier verstorbenen Menschen gedacht . Tarasowa. nicht weit entfernt von der Gemeinde Pschada in der Gebirgsregion von Gelendschik. Die Menschen. N. dass es sich dabei um ein Ereignis von globaler Bedeutung handelte. N. die ich kennen gelernt habe. A. T. um Jahrtausende später den Menschen kosmische Weisheit zu übermitteln. G. um eines entfernten Ahnen zu gedenken. wie viele Jahrtausende seine Bemühung vergebens geblieben war. der vor über 10.ter von Marina Dawydowna Slabkina eingegeben. T. Sajzewa. Romanowa und M. Zweginzewa. zum Wohle der Nachwelt sein Leben zu opfern. ich bin jedoch überzeugt. Und wissen Sie. dass die Angestellten des Sanatoriums dieses Kapitel noch vor dem Erscheinen des Buches gelesen hatten. was äußerlich gesehen eher unscheinbar anmutete. Im Gegensatz zu den Touristen.? Am 26. So kam es. L. wurde von einer Gruppe Frauen besucht. L. vielleicht zum ersten Mal in diesem Jahrtausend. Gribanowa. Es ist schwer zu sagen. Kurowskaja. kamen diese Frauen. November 1996 um 10:30 Uhr Moskauer Zeit geschah etwas. Von einer ähnlichen Ignoranz zeugen leider sowohl die Monographien der Zeit vor der Revolution als auch die modernen Abhandlungen über Dolmen.weder an seine Weisheit noch an seinen Wunsch und sein Bestreben.. Sie waren Mitarbeiterinnen des Sanatoriums «Druschba»: W.. zu diesem Dolmen. um sich an der Schönheit der Natur zu ergötzen. S. D. Es handelte sich dabei um einen weisen Stammesführer. und die an den in den Bergen liegenden Dolmen gedankenlos vorbeilaufen. was dann geschah . Slabkina. M. N. N. der auf eigenen Wunsch in diese Steinkammer eingemauert wurde. die im Laufe des vergangenen Jahrhunderts hierher gekommen waren. Larionowa. T.

Er war von W. Der Tourist hatte sie daraufhin zur Seite gewinkt — um die anderen Touristen nicht zu erschrecken —. begleitet. dass es bei dem Dolmen eine erhöhte Strahlung gab. Der Mitarbeiter der SES hatte in einem speziellen kleinen Koffer ein genügend empfindliches Messgerät mitgebracht. eingeladen worden. der Führerin der Exkursion. Er führte zunächst Messungen der Erdstrahlung in größerer Entfernung vom Dolmen durch. bis du die ersten Blumen erhalten hast. I. die Weisheit des Universums zu erfassen und ein bewusstes Leben zu führen!» Auf der Fahrt zum Dolmen wurde ich von Herrn E. Dies sind nur die ersten Blumen. Larionowa. die nach einem bewussteren Dasein streben. dann in geringerer Entfernung. die mit Blumen zum Dolmen gekommen waren und sie dort niedergelegt hatten. T. Pokrowski. Möget ihr. Eine sanitäre epidimiologische Station. dass einmal bei einer Führung der Geigerzähler eines Touristen eine hohe Strahlung anzeigte. den heutigen Menschen helfen. 224 . unsere Urahnen. Aber diese ersten Blumen sind besonders begrüßenswert. wie die tonnenschweren Steinplatten bearbeitet und errichtet worden waren. Forscher und Archäologen interessierten sich in erster Linie für die Maße der Dolmen und versuchten festzustellen. ihr den Ausschlag am Gerät gezeigt und sie darauf hingewiesen.senschaftler. einem Sanitätsarzt der SES* von Gelendschik. und ich dachte: «Wie viele Jahrhunderte oder Jahrtausende mögen vergangen sein. Da standen nun also diese Frauen. Bald werden wohl mehr und mehr kommen. um die Strahlung in der direkten Umgebung des Dolmens zu messen. unsere fernen Vorfahren. eure Nachkommen. diese Blumen als das erste Zeichen geschätzt. dass eure Bemühungen nicht vergeblich waren? Auch in der heutigen Zeit gibt es Menschen. du unser weiser Urahn? Was empfindet jetzt wohl deine Seele? Was geschieht in diesem Augenblick in der Astralwelt? Habt ihr. in unmittelbarer Nähe des Dolmens und schließlich in dessen Innern. Sie hatte mir erzählt.

dann von Freude.» E. Und die Steinplatten würden dann nicht einmal mehr für Bauzwecke verwendet werden. weil unsere Gruppe auf dem Wege zum Dolmen an Stellen mit höherer Strahlung vorbeigekommen war. Larionowa zuhörte. Wenn es diesen kosmischen Geist tatsächlich gibt und wenn Anastasia ihn auch so einfach benutzen kann. I. dachte ich. Was aber bedeuten für uns moderne Menschen die Aussagen einer Frau. Von Anastasia hatte ich erfahren. Wenn jetzt aber eine amtliche Stellungnahme vorliegt. die wir ja beim Dolmen 225 . beschlich mich eine beunruhigende Vorstellung: Jetzt. zumal es sich noch um radioaktive Strahlung handelt. T. und danach wird er sie öffentlich bekannt geben. und wenn die Menschen von der erhöhten Strahlung erfahren. dann sollen die beiden sich etwas einfallen lassen. Es war unglaublich: Nach Angaben des Messinstruments verringerte sich die radioaktive Strahlung. Erst war ich von Aufregung ergriffen. «die arme Anastasia! Sie wollte doch. werden sie nicht mehr zu dem Dolmen kommen. plötzlich auftauchen und wieder verschwinden könne. sondern eine amtliche Stellungnahme. je näher man an den Dolmen herankam. Das war allein schon deshalb unglaublich. dass diese Energie. so außergewöhnlich sie auch sein mag. schlimmstenfalls aber werden die Dolmen zerstört werden. dass die Menschen sorgsamer und respektvoller mit diesen ungewöhnlichen Grabstätten unserer Vorfahren umgehen. Somit hätten wir selbst.Während die Frauengruppe der Führerin W. im Vergleich zu konkreten wissenschaftlichen Messergebnissen. Sie sei steuerbar und habe eine wohltuende Wirkung auf den Menschen. Dann ist es nicht mehr nur die Bemerkung irgendeines Touristen. hält dieser SES-Bedienstete seine Messergebnisse fest. vor der sich sowieso jeder furchtet? «Mein Gott». die radioaktiver Strahlung ähnlich sei. so wird bestenfalls niemand mehr dorthin gehen. wie es bisher der Fall gewesen war. Pokrowski kam zu der Gruppe der beim Dolmen stehenden Mitarbeiter des Sanatoriums Druschba und verlas die Messergebnisse. so dachte ich.

hatte sie durch eine unsichtbare Verbindung unsere heutige Menschheit mit jener Jahrtausende alten Zivilisation zusammengebracht und somit einen Durchbruch im menschlichen Streben nach dem Guten herbeigeführt. Abgeordnete des Gemeinderats und seit dreißig Jahren Fremdenführerin des Heimatmuseums. Die Reaktion der Einwohner Gelendschiks kann als Beweis hierfür dienen — wurde doch diese erste Dolmenführung der Welt mit der neuen Information in jener Stadt von der «glücklichsten und zufriedensten Frau der Welt» geleitet. die sie mitgebracht hatten. Nehmt unser Wissen ruhig an. Laut wissenschaftlicher Literatur gibt es Dolmen in der Nähe von Tuapse. Tausende von Kilometern entfernt. die Frauen und die Blumen. wie Valentina Terentewna Larionowa. Aber das Messinstrument zeigte eine Strahlungsverminderung an. aber ein Beginn war gemacht. Es war so.standen. liebe Kinder!» Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen . der Türkei.Anastasia! Sie musste hinter diesem rätselhaften Geschehen stecken. über sich selbst kundtat. Gewiss wird sich das Verhältnis der Menschen auch zu anderen Dolmen wandeln. sofern sie noch erhalten sind — in dem Maße. Zwar handelte es sich zunächst nur um eine Handvoll Menschen. aufgrund der Strahlungspartikel an Kleidung und Schuhen zu einer höheren Strahlung beitragen müssen. Und alles sah ich ganz real vor mir: den Dolmen. Das war aber noch nicht alles. sprach mit alten einheimischen Menschen. ihr Menschen! Wir sind eure entfernten Ahnen und meinen es gut mit euch. Sotschi und Noworossijsk sowie in England. als wollte uns ein Unsichtbarer sagen: «Fürchtet euch nicht. wie sich Anastasias Informationen verbreiten. studierte das Leben von Heiligen und bestätigte die Existenz von Heiligtümern in der Umgebung 226 . Dies bestätigt die Existenz einer uralten Zivilisation mit einer einheitlichen Kultur. Nordafrika und Indien. deren Völker trotz großer geographischer Entfernungen miteinander in Kontakt standen. Frankreich. Eine Gruppe von Landeskundlern der Stadt Gelendschik unter der Leitung von Valentina Larionowa verglich alle bereits bekannten Tatsachen miteinander. Deutschland.

Auch wird dort ein «Dreifaltigkeitskloster des heiligen Sergius» erbaut.von Gelendschik. den Berg der heiligen Nina. was ich konnte. die dort geheilt wurden. Ich sah mir das alles an und dachte: «So viele Heiligtümer allein in dieser kleinen russischen Ortschaft . Russland? Und wer wird sie entdecken?» Ich hatte getan.. Im Kreis Gelendschik wird zurzeit eine Kirche restauriert. Wie viele vergessene Heiligtümer hast du noch aufzuweisen. um Anastasia und meinen Sohn zu sehen. Fortsetzung folgt. Und die Russen fahren um die halbe Welt. Es handelt sich dabei um die libanesische Zeder. 227 . um fremde Götter anzubeten. von denen Anastasia erzählt hatte. Die meisten dieser einzigartigen Heiligtümer Russlands werden noch nicht einmal in Reiseführern oder Touristenprospekten erwähnt.sogar eine Heilquelle. Viel war es nicht. Ich kaufte einen Strampelanzug. aber nun hegte ich die Hoffnung. eine Einsiedelei und die Heilquelle «Heilige Hand».. Spielzeug und Babynahrung und machte mich auf den Weg in die sibirische Taiga. Menschen. dass mir Anastasia unseren Sohn zeigen würde. binden Tücher an einen Baum.