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0049-8661 ISSN Zeitschrift für romanische Philologie Herausgegeben von Max Pfister unter Mitwirkung von Günter Holtus
0049-8661 ISSN Zeitschrift für romanische Philologie Herausgegeben von Max Pfister unter Mitwirkung von Günter Holtus
0049-8661 ISSN Zeitschrift für romanische Philologie Herausgegeben von Max Pfister unter Mitwirkung von Günter Holtus

0049-8661

ISSN

Zeitschrift für romanische Philologie

Herausgegeben von Max Pfister unter Mitwirkung von Günter Holtus

Band 115 (1999) Heft 1

\.I 05

,8

.115

Niemeyer

155

Herausgeber:

Prof.

Universität des

FB

Postfach

66041 Saarbrücken

Dr.

Dr.

h.c. mult.

Max Pfister

Saarlandes

8, Fachrichtung 8.2.

1150

Romanistik

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romanes
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des criteres
.
20
AUFSÄTZE

Redaktion:

für

Professor Dr.

Universität

Seminar

Humboldtallee 19

37073 Göttingen

Günter Holtlls

Göttingen

Romanische

Philologie

Themenkreis

sche Literatur bis

Der

der Zeitschrift umfaßt

zlir

auf literarhistorischem Gebiet

gesamte

romanistische und,

die romani­

in vertret­

Renaissance sowie die

barem Rahmen,

die darauf bezogene

allgemeine

Sprachwissenschaft.

Manuskripte

(Musterblatt)

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Diesem Heft liegen Beilagen des Reichert Verlags, Wiesbaden. und des Max Niemeyer Verlags bei.
Diesem
Heft liegen Beilagen
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Reichert Verlags,
Wiesbaden. und
des
Max Niemeyer Verlags
bei.

CARLOS JOROAN-C6LERA.

De

las

teoricas evoluciones romanicas

deI

lat(n

INSULA:

medieval

iscla, isca e isla WALTER, Erec et le cocadrille. Note de philologie eL de folklore
iscla,
isca
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WALTER, Erec
et
le cocadrille. Note de
philologie
eL
de folklore
Schweizer
Namenpaaren
im
Be-
des
Konsonantismus
GATHER,
Die morphologische
Struktur französischer
und spani-
LoOAHES, Consideraciones sobre Ja
lengua espanola
historia economica y politica
.
Juwelen, Perlen
und Glasperlen: Ar.
lu'lu' "(kleine)
Perle(n),
SChmuckperle(n)",
ar.
'?-abb
"Rosenkranzperle(n);
'labb al-lu'lu'
echte
Perle(n),
Edelsteinperle(n),
Glasperle(n),
Schmuck-
den iberoromanischen
Sprachen
BESPRECHUNGEN
Klin kenberg,
Des langues
'romanes, Introduction
aux etu-
linguistique
romane, Preface
de
Willy Bai
(GUSTAv INEICIlEN)
The Medieval Saints'
Lives, Spiritual Renewal alld
GNÄDINGER)
Krämer, 1"'ranslatio imperii
et studii,
Zum Geschichts-
und Kul­
in der
französischen Literatur
des Mittelalters und
der
Neuzeit (SANOltA
DJECKMANN)
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SESSE, Assimilationsprozesse in

MACHAUT,

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Les Recherehes

et notes

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introduction, variantes

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Une

esthetique nouvelle: HONOHt:

45

56

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79

117

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180

© Max Niemeyer Verlag GmbH. Tübingen 1999 reeleur de l'Asln!e (1607-1625) (LoTHAR WOLP) . .
©
Max
Niemeyer Verlag GmbH. Tübingen
1999
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Der accord
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Die Zeitschrift sowie alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge sind urheberrechtlieh
schen
G'mmmatikschTeibung
Stäbler, Entwicklung
(THOMAS TINNEFELO)
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. .
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. .
.
. 186
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Cyn thia
mündlicher
Tomanischer
Syntax, Das
ist ohne
Zustimmung des Verlages unzulässig und
straO,ar.
Das gilt insbesondere für
jra,nrais cadien
in Louisiana.
E ad. ,
La
vie dans
le lemps
et asleu:r
Velvielfaltigungen.
Übersetzungen,
Mikroverfilmungen
und
die
Einspeicherung
Ein
Korpus von Gesprächen mit Cadiens in
Louisiana
(INCHID
NEUMANN:
und Verarbeitung
in elektronischen
Systemen. Printed
in
Gennany.
lIOLZSCHUH)
WO
194
Satz
und Druck: AZ
Druck und
Datentechnik
GmbH.
Kemplen
I-Ians-Jörg
Neusc härer,
Spanische
LiteratuTgeschichte
(ARNOLD
Einband:
Industriebuchbinderei
S.
Geiger,
Ammerbuch
ARENS)
Gedruckt
auf säurefreiem,
alterungsbeständigem
Papier.

78

Maria Besse

Rh einfelder,

1987.

Hans,

Altfranzösische

G1'ummal'ik,

1.

Teil:

Laut.

Richter, EJise, ße'il-räge zur Geschichte der Romanismen I, Chmnologi.schc PI/tJ. neli.

Schwan, Eduard, G1tJmmatik des A ltfranzösischen"

neu bearb.

von Die tr iet,

Behrens, Darmstadt 1966.

Riegelsberg

MAHIA BESSE

Darmstadt 1966. Riegelsberg MA H IA B E S S E Münche r , des Annzösischen

Münche r ,

des Annzösischen bis zum Ende des 8. Jahrhunderts, Halle 1934.

Die morphologische Struktur französischer und

spanischer verbaler Parasynthetika

o. Einleitung

In der allgemeinen Morphologie und Wortbildungslehre wird prin­ zip iell zwischen zwei unterschiedlichen Verfahren der Wortbildung, die beide sowohl für das Französische als auch für das Spanische ein schlägig sind, unterschieden, nämlich der Komposition einerseits und der Derivation andererseits. Neben diesen beiden wichtigsten IVortbildungsverfahren werden häufig noch zusätzlich als eigenstän­ dige Verfahren die Konversion und die Wortkürzung erwähnt (cL etwa Schpak-Dolt 1992; Thiele 1992, 1993). Auf die Konversion, de­ ren Status als eigenständiges Wortbildungsverfahren mehr als frag­ lich ist, werde ich an späterer Stelle noch zu sprechen kommen. Was die Wortkürzung betrifft, so halte ich es für problematisch, hier im engeren Sinne von einem echten Wortbildungsverfahren zu sprechen; allerdings wird uns dieser Komplex im folgenden nicht weiter inter­ essieren. Unter 'Komposition' will ich hier mit Schpak-Dolt (1992, 86) "die Zusammenfügung von flektierten Wörtern und/oder Wortstäm­ men zu einem neuen Wort(stamm)>> verstehen. Das Resultat der An­ wendung des Verfahrens der Komposition, 1. e. das Kompositum, kann definiert werden als ein Wort, dessen «Stamm so in Konstituen­ ten zerlegt werden kann, daß jede unmittelbare Konstituente des Stanlms eine Wurzel enthält» (ibid.), wobei der Begriff der Wurzel ex negativo als «ein Morph(em), das kein AffIX», also kein «gebunde­ nes, grammatisches, reihenbildendes Morph bzw. Morphem» ist (Schpak-Dolt 1992, 26), bestimmt wird. Unter 'Derivation' wird «die Anfügung eines Derivationsaffixes an eine sprachliche Form, so daß eine neue sprachliche Form entsteht» (Schpak-Dolt 1992, 43), ver­ standen. Ein Wort ist dementsprechend ein Derivat, «wenn der Stamm dieses Worts so in unmittelbare Konstituenten zerlegt werden kann, daß (mindestens) eine der unmittelbaren Konstituenten des Stamms ein DerivationsaffIX ist» (ibid.). Die hauptsächlichen Ver­ Fahren der Derivation im Spanischen und Französischen sind Suffi­ gierung und Präfigierung. Daneben wird traditionell als weiteres Verfah ren die sogenannte Parasynthese angenommen, die sich in­ [omlel! als gleichzeitige Anfügung eines PräfIXes und eines Suffixes an eine Basis charakterisieren läßt und deren 'Entdeckung' laut Cor­ bin (1980, 181; 1987, 121) Darmesteter (1877, 1894) zugeschrieben

läßt und deren 'Entdeckung' laut Cor­ bin (1980, 181; 1987, 121) Darmesteter (1877, 1894) zugeschrieben

1 894,

80

Andreas Gather

Die morphologische Struktur verbaler Parasynthetika

81

wird I Motiviert wird die Annahme des zusätzlichen

Parasynthese, der «union simultanee du prefixe et du suffixe au radi ca!>. (Darmesteter 1877, 129), dadurch, daß weder die Kombin ati on Basis + Suffix allein noch die Kombination Basis + Präfix allein ein existierendes WOIt bilden2:

Verfahrens der

All regular word-fonnation processes are word-based. A new word is fOnlled by applying a regular rule to a single a1ready existing word. Both Lhe new word and the existing one are members of

major lexical categories. Any theory of which this hypothesis is a basic tenet we wilJ call a

theory of w01·d-based m01phology (Aronoff 1976,21).

Im Vergleich zu den beiden grundlegenden Verfahren der Deriva­ tio n, Präfl gierung und besonders Suffigierung, ist die Rolle der Para­ synthese in der Wortbildung des Spanischen und Französischen recht ein ges chränkt; darüber hinaus läßt der Umstand, daß Parasynthese off ensi chtlich kein Verfahren sui generis mit speziellen ihr vorbehal­ tenen morphologischen Markanten ist, sondern in die - wenn auch angeblich simultan sich vollziehenden - elementaren morphologi­ schen Operationen der Suffigierung und der Präflgierung zerlegbar is� eine erste Skepsis an der Existenz eines solchen dritten Verfah­ rens der Derivation nicht unbegJÜndet erscheinen. Tatsächlich ließen sich, könnte man die Existenz der sogenannten Parasynthetika anders als mitH ilfe der Annahme eines speziellen zusätzlichen Wortbildungs­ verfahr ens erklären, die Verfahren der Derivation im Spanischen und Französischen allein auf die beiden wohl attestierten Verfahren der Präfigierung und der Suffigierung beschränken3.

I. Klassifikation der Parasynthetika

Welche Wortbildungsphänomene im einzelnen der Parasynthese zu­ zurechnen sind, darüber gehen die Meinungen zum Teil erheblich aus­ einander. Geht man von einer Maxirnalkonzeption der Parasynthese aus, so lassen sich folgende Kategorien unterscheiden.

aus, so lassen sich folgende Kategorien unterscheiden. Celte sorte de composition [particule et nom DU adjectif

Celte sorte de composition [particule et nom DU adjectif donnan!

naissance a des verbes - A. G.) est

forme, el que J'on designe du nom ele pa,rasynthetiques, offre nt ce remarquable caractere d'elre le resultat. d'une composition et d'u ne derivation agissant ensemble sur un meme radical, de teIle SOrte

mots -Qu' el Je

tres

riehe:

les

que l'une DU I'autre ne peut etre supprimee sans amener la perte du

mol. C'est ainsi que de ba'rque l'on faiL em-bm'qu-e1; de-barq U-et

deux composes absolurnent uns el dans lesquels on ne retrouve

du

radical,

96-97).

La langue lire les deux

d'aucun

sans

l'aide

des composes deba'rque, embarque, ni un derive barquer, mais le

radieal ba'rque.

composcs immediate ment

(Darmesteter

intermediaire

Darmesteter hängt damit einer Vorstellung an, die heute - vor al. lem im Anschluß an Aronoff (1976), der sie innerhalb einer expliziten, theoretisch motivierten Wortbildungstheorie in den Rang eines grun� legenden morphologischen Prinzips erhebt - als wortbasierte Mor. phologie bezeichnet wird.

I Zu weiteren einflußreichen Vertretern der klassischen Parasynthesekonzep­ tion in der Geschichte der französischen sowie der spanischen Sprachwissen. schaft gehören u. a. Brunot, Nyrop, Brs-.mdal, Menendez Pidal, Malkiel oder die ReaJ Academia (cf. ausführlicher Corbin (1980, 1987) und Lazaro Mora (19S6)}

Explizit vertreten wird eine Parasynthesekonzeption vor allem auch in der Mo­ nographie von Reinheimer-Ripeanu (1974). 2 Tatsächlich ist für Darmesteter (1877,1894) die Parasynthese kein Subtypus der Derivation, vielmehr ordnet er sie der Präfigierung zu, die wiederum ihm als Spezialfall der Komposition gilt, nämlich als «composition ä. I'aide de particules:. (1877, 128-146) bzw. «composition par particules» (1894,89-135),die nebeo der «juxtaposition» (1877,124-128; 1894,21-88) und der «composition propre rnent dite» (1877,146-167; 1894, 137-237) steht. Ähnlich faßt Alemany Boluf. (1920) die Parasynthese als ein drittes Verfahren neben Derivation und Komposi­

lion auf, das «funde en uno ambos procedimientos, formando derivados y com­ puestos a la vez» (Alemany Bolufer 1920,152); auch diese Sichtweise ist darauf zurückzuführen, daß Präfigierung als eine Form der Komposition, nicht der Deri­ vation aufgefaßt wird. Zur Problematik, Präfigierung als Komposition aufzufaY sen, cf. genauer etwa GuBbert (1975) und Lazaro Mora (1986). Da Präfigierun.!

heute meist als F'onn der Derivation angesehen wird, folgt, daß Parasynthese - wie oben im Text dargestellt - als ein Spezialfall der Derivation aufzufassen ist Auch die Ansicht, daß Präfigierung einen eigenen morphologischen 'TYPus neben Derivation und Komposition darstelle, wird zuweilen vertreten (cr. Weidenbu sch (1993,32-35) für einen Überblick). In jüngerer Zeit ist eine solche Position mit

Blick auf das Spanische recht wohlwollend von Lazaro Mora (1986, bes. 22� diskutiert worden.

3 Dies hätte die sicherlich wünschenswerte Konsequenz einer wesentlich öko­ nomischeren Beschreibung der morphologischen Struktur der beiden Sprachen.

Die oben formulierte These setzt allerdings voraus, daß es in den beiden Spra­ chen neben Suffigierung und Präfigierung (sowie der zur Diskussion stehenden

Parasynthese) keine weiteren Derivationsverfahren gibt. Dieser These scheint

jedoch die für das Spanische bisweilen zusätzlich angenommene Intigierung in

azuqu-il-ar (cf. Mendez-Dosuna/

Pensado 1990) entgegenzustehen. Tatsächlich gibt es m. E. jedoch gute Gründe, in diesen Fällen nicht von Infigienmgen, sondern von einfachen Suftigierungen

Fällen wie CaTlos _ CaTl�it-os oder azucar

auszugehen (ein Problem, das an anderer SteHe eingehender zu erörtern wäre). Weiter e in der Literatur erwähnte Fälle von 'Infigierung', wie z.8. -iJic- in pur­

ific-ar bei Thiele (1992, 12), beruhen auf einem Mißverständnis oder inakzepta­ blen Gebrauch des Begriffs 'Infix'. - Interfigierungen wiederum, wie z. B. in

hum-a:r-eda, sind keine eigenständigen Wortbildungsverfahren, sondern treten nur im Zuge von Suffigierungen auf (cr. Portoies 1988).

82

Andreas Gathcr

1.1. Verbale Parasynthetika

Hierbei

Nach11

d�

handelt es sich um den

der Basis

lassen sich

klassischen Parasynthesefall.

die verbalen

Parasynthetlka in

der Wortrut

substantivische (1a) und in deadjektivische (1b) einteilen:

(ta)

alunir

atterrir

amerrir

anordir

agenouiller

aboucher

aguerrir

attabler

apeurer

(la)

amueblar

arrodillarse

atornillar

acodar

agruparse

avinagrar

alunizar

achispar

acuchillar

amontonar

acarbonar

encadrer

demazifier

(lb)

cmpoussierer

dcpoussierer

embarquer

debarquer

cmpaqueter

(h�paqueter

emprisonner

derailler

enraciner

deraciner

encaisser

decaisser,

enchainer

dechainer

ensabler

demembrer

encarcelar

desmadrar

(I b)

envenenar

descuartizar

encuadernar

desvenar

encajar

deshuesar

er\jaular

desmanlecar

ensabanar

descabe7.3f

enlerrar

desplumar

embarcar

deslenguar

embolellar

descamar

encaclenar

despedazar

embolsar

desrnembrar

abrutir

embellir

adoucir

enclHrir

affiner

ennoblir'

afroler

enivrer

attrister

enhardir

agrandir

enlaidir

amoindrir

endurcir

accourcir

enrichir

acJarar

envejecer

adelgazar

engordar

agrandar

empequeftecer

acortar

ensuciar

agravar

endurecer

ajUSlar

ensanchar

afear

embellecer

apurar

enriQuecer

1.2. Substantivische Parasynthetika

Diese stellen nur eine sehr kleine Gruppe dar. Darmesteter (1894, 102) nennt für das Französische unter anderem:

(2)

entablement

encoignure

envergure

empellement

encäblure

encorbellement

encolure

entoumure

soubassement

Für das Spanische führt Rainer (1993,71) bipa?Üdismo an.

1.3. Adjektivische Parasynthetika

Auch hier handelt es sich um eine relativ unbedeutende Gruppe. Für das Spanische (Lang 1990, 187) und das Französische (Thiele 1993, 125) sind u. a. zu erwähnen:

(3)

anaranjado

an1ujerado

affrique

ehonte

encalmine

acanalado

acaracolado

enlune

enselle

encauchemarde

anifiado

enturbanne

Die morphologische Struktur verbaler Parasynlhetika

83

1.4. pseudo-adjektivische Parasynthetika

Bis weilen werden auch denominale Adjektive des folgenden Typs als p arasynthetisch aufgefaßt (Beispiele aus Gorbin 1987, 129, 133-

13 4):

(4 ) antichar antidespote

Dies er Auffassung liegt die Annalune zugrunde, daß ein PräfIx die Wortart nicht ändern könne (cf. infra) und somit der Wortartenwech­ sel vom Nomen zum Adjektiv durch eine zusammen mit der Präfigie­ run g erfolgende SuffIgierung mittels eines NullsuffIXes hervorgerufen werde. Auch im Spanischen erfreut sich dieses Wortbildungsmuster, möglicherweise unter dem Einfluß des Französischen (Thiele 1992,

180) , zunehmender Beliebtheit, cf. z. B. antitanque, antigds, antican­

antirrobo (ibid.). Da ich

cer, a nticonsumo, antidrogas, anlihuelga,

nicht glaube, daß es sich hierbei tatsächlich um echte Adjektive - im Sinne einer kategorialen Wortklassenzugehörigkeit - handelt, will ich

von pseudo-adjektivischen Pamsynthetika sprechen.

antitabac

antiincendie

antidouleur

antifraude

antietudiants

1.5. Kompositionsparasynthetika

Hier sind - für das Spanische - etwa Fälle wie die folgenden zu nennen (Lang 1990, 187):

(5) picapedrero

misacantano

ropavejero

sietemesino

1.6. Semantisch motivierte Parasynthetika

Das klassische Kriterium für die Annal1me einer parasynthetischen Derivation ist die fehlende Existenz sowohl der alleinigen Kombina­ tion PräfIX + Basis als auch der alleinigen Kombination Basis + SuffIX. Schon seit frühester Zeit wird für die Einstufung einer Ableitung als parasynthetisch neben dem formalen Kriterium der fehlenden Ablei­ tungszwischenstufe bisweilen ein zweites, semantisches Kriterium geltend gemacht (cf. auch GOTbin 1980, 187; 1987, 123-124; Lazaro Mora 1986, 231-232). Danach sind auch solche Ableitungen parasyn­ thetisch, für die zwar formal eine Zwischenstufe vorhanden ist, die sich aber semantisch besser aus der Basis der attestierten Zwischen­ stufe als aus der Zwischenstufe selbst herleiten lassen. merzu gehört etwa das von Darmesteter (1894,102) als adjektivisches Parasyntheti­ kon analysierte sous·ma?in, das sich semantisch eher auf das Nomen met als auf das ebenfalls existierende denominale Adjektiv ma,.i,n

84

Andreas Gather

bezieht; ähnlich faßt Darmesteter (ibid.)entre-colonnemenl. mit del Hinweis, daß die einer Komposita-Analyse (entre + colonnement) ent. sprechende Paraphrase 'colonnement qui est entre' keinerlei Sinn er. gebe, als substantivisches Parasynthetikon auf. Den semantisc hen Weg konsequent fortschreitend, revidiert er zudem explizit eine zuvor vorgeschlagene Analyse von contre-n§volutionnaire als einfacher S U!. figierung über contre-nfuolution (1894, 108) zugunsten einer sem an. tisch motivierten parasynthetischen Bildung (1877, 132,FN 2). Unter Heranziehung des semantischen Kriteriums müßten entspreche nd sehr viele Acljektive des Typs [Präfix - N - SuffIx] als parasynthe ti. sehe Bildungen aufgefaßt werden. Corbin (1987, 124, 131-137) , die eine Parasyntheseanalyse ausdrücklich zurückweist, diskutiert aus­ führlich Acljektive des Typs [anti-N-SuffIx], wie z. B. antivarioliq ue antituberculeux, antü·eligieux. Dieser Typus einer semantische Parasynthese ist mit anderen Präfixen und in anderen Sprachen eben. falls weit verbreitet., etwa span. anticanceroso, equimolecular, ext'·a· C01poreo oder intercontinental (cf. Rainer 1993,71). Da diese adjekti· vischen Parasynthetika weder formal noch semantisch mit den unter (3) angefüluten et.was gemeinsam haben und sie zudem anders als jene hochproduktiv sind, will ich sie zu einer eigenen Gruppe der semantisch motivierten (adjektivischen) Parasynthetika zusanlffien· fassen.

1.7. Sekundäre Parasynthetika

I

Schließlich ist noch ein weiterer Fall von Parasynthese denkbar. Ich möchte hier von sekundär'er Parasynthese sprechen. Darunter verstehe ich die Extension des Parasynthesekonzepts auf Derivatio· nen, für die weder das Kriterium der fehlenden derivationalen Zwi· schenstufe (Kriterium I) noch streng genommen das semantische Kri· terium (Kriterium 2) erfüllt sind. Es handelt sich vielmehr um eine Ausdehnung der Parasyntheseanalyse zum Zwecke der Konsistenz und Generalisierbarkeit semantischer und formaler Analysen. Ein Bei· spiel mag dies verdeutlichen. Depoussie-rer ('priver de poussiere') ist ein Parasynthetikon nach Kriterium 1, da weder *depoussiere noch *poussierer Wörter des Französischen sind; zwar existiert ein privati· vem depoussie-rer entsprechendes positives Pendent empoussie-rer ('pourvoir de poussiere'), dieses jedoch ist selbst ein Parasynthetikon. Anders verhält es sich mit desa,mer ('priver d'armes'), das die gleiche semantische Struktur wie depoussierer aufweist. Da in diesem Falle das positive Pendant armeT ('pourvoir d'armes') existiert und zudem eine semantische Bezugnähme auf armer' keineswegs ausgeschlossen ist, wird desarmer nicht wie depoussih'er unmittelbar von dem Basis· nomen, sondern dem Verb abgeleitet, wobei eine einfache Präfigie

Die morphologische Stmktul" verbaler Parasynthetika

85

ang enommen werden kann. Damit wird für die Verben desa,mer' dep oussierer eine unterschiedliche semantische und formale

St ru k tur postuliert. Dies aber bleibt intuitiv unbefriedigend und wird

nur dadurch notwendig, daß es sich bei letzterem zufällig um ein par asy nthetikon und bei ersterem zufällig unl keines handelt. Da nun für depo ussier-er' keine andere Analyse offensteht (wenn man die Be­ din gun gen akzeptiert, die überhaupt zur Parasynthesekonzeption füh­ ren), muß desa,mer zu einem sekundären Parasynthetikon erklärt werden. Obwohl armer ein existierendes Wort ist und eine semanti­ s che Beziehung dazu herstellbar ist, wird um der Einheitlichkeit der An alyse willen auch desarmer parasynthetisch analysiert. Eine Ana­ lyse in diesem Sinne wird von Weidenbusch (1993, 126-145) vorge­ sch lagen - wobei Weidenbuschs Analyse zwar durch die Existenz so­ genannter desubstantivischer' Parasynthetika motiviert wird, die Autorin sich aber von der klassischen Parasynthesekonzeption distan­ ziert (er. infra) "

r un g un d

1.8. Die morphologische Inhomogenität der verschiedenen Parasynthesetypen

Im folgenden werde ich mich nur den verbalen Parasynthetika (cf. 1.1.) zuwenden und dafür argumentieren, daß eine parasynthetische Analyse dieser Verben problematisch ist. Die Eingrenzung der Be­ schreibung auf die Klasse der verbalen Parasynthetika ist zum einen dadurch gerechtfeltigt, daß es sch dabei um die bedeutendste Gruppe und den gewissermaßen klassischen Fall von Parasynthese handelt. Zum anderen ist die Beschränkung untersuchungsmethodisch vorge­ geben. So besteht heute weitgehend Einmütigkeit darin, daß es sich bei den traditionell der Parasynthese zugerechneten Wortbildungen keineswegs unl eine homogene Gruppe handelt. Für die einzelnen Gruppen sind zumindest zum Teil unterschiedliche Strukturen anzu­ nehmen. Dies ist etwa die Ansicht von Corbin (1980; 1987, 121), die für die Beschreibung aller von ihr ins Auge gefaßten Parasynthetika

4 Eine Ausdehnung des Parasynthesebegriffs auf sekundäre Parasynthetika

(<<parasinteticos con pretijo cero») findet sich auch in der Monographie von Serrano DaJader (1995), die mir zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Aufsatzes noch nicht verfügbar war. 1m Rahmen einer «morfologia dinamica» hält Serrano Doladcr - entgegen der von mir hier vertretenen Auffassung - explizit an einer Paras ymhesekonzeption rest. Datiiber hinaus bestehen aber in vielen Punkten

durchaus Übereinstimmungen zwischen unseren Arbeiten, so insbesondere in bezug auf die Analyse von Themavokalen als Derivationsmorphemen, wo sowohl Serr ano Dolader als auch ich im wesentlichen AJcoba Rueda (1993) folgen (cl'. infra). Gcnauer ZlI Serrano Dolader (1995) siehe meine Besprechung in Romani­

sche Forschungen [erscheint].

f r a ) . Gcnauer ZlI Serrano Dolader (1995) siehe meine Besprechung in Romani­ sche

trans-

und ultra- ge­

86

Andreas Gather

Die morphologische Struktur verbaler Parasynthetika

87

(' schlägt, die für die einzelnen Fälle mehr oder minder unterschiedl i ch ausfallen. Ebenso gelten Rainer (1993, 71), der für Wortbildungen der ' digt, Ausdrücke des Typus 1.6. nicht als parasynthetisch, sondern «als gewöhnliche Präflxbildungen»; die in 1.5. als Kompositionspamsyn. thetika bezeichneten Wortbildungen sind nach Rainer ebenfalls ni chl als parasynthetisch aufzufassen, hier «handelt es sich einfach um

Ableitungen von phrasalen Basen, bei denen keineswegs zwei Wort.1

bildungsregeln beteiligt sind» (ibid.)5. Ebenso glaubt Weidenbu

( 1993, 59), daß «die mit den parasynthetischen Verben und den

synthetisch gebildeten Adjektiven [des 'JYpus 1.6. - A. G.I verbun d,'

nen Probleme unterschiedlicher Art sind»; dies wird laut Weiden . busch (ibid.) bereits durch die Art der involvierten Präfixe dokumen. tiert:

pre-,

In der Gruppe eins sind tim Französischen - A. G.] Q-, deo, en-lII

rll1?en,

zu zwei können anti-, intel'-, int'ra.-, enl1'e-, exl1-a·, post.,

SOUS-,

sub-,

super-,

sup,"a-,

$U1'-,

SUS-.

zählt werden.

Ferner betont Alcoba Rueda ( 1993, 362), der eine parasynthetisc h,' Analyse von Verben des TYpus 1.1. ablehnt und eine alternative Ana· Iyse vorschlägt, daß

5 Diese Auffassung ist keineswegs unproblematisch. Eine Ableitung von ropll·

vejeTO von phrasalem mpa vieja führt zu Schwierigkeiten bei der Erklärung

Alternation zwischen Diphthong und einfachem Vokal, da auf der phra<;alen

Ebene der Diphthong bereits vorauszusetzen ist und die Diphthongierung somil

rückgängig gemacht werden müßte. In der von Halle/Harris/Vergnaud (1991) ver· · tretenen Konzeption des st'ress assignment im Spru1ischen läßt sich ein solchf

Paradoxon . jedoch it ilfe

ines phono logischen 'reb'rac.el,ing erklären. Difl

morphologtsche DenvatlOn konnte dann m der Tat von emer phrasa len B�

ausgehen; für die phonologische Interpretation müßte ein 'rebracketing der mOl'1

phologischen Struktur stattfinden (op. eit.,156):

.

I llropa vejl er l 01 Iropa lIlvejl er l o ll

roblem tisehe . r noch ist die Abeitung

:,

on sielemesino von einer PhrasaleDl

BasiS, da diese stete meses und nicht *stete mes lauten muß. Umgekehrt unmittelbar auf phrasales siele meses zurückführbares *sielem.esesino keiNl korrekte spanische WortbildW1g. Dmiiber hinaus ist es in der theoretischen Mor· phologie nach wie vor ein weitgehend ungeklärtes Problem, inwieweit WOItbjj . dung von phrasalen Basen aus erfolgen kann. Während Anhänger des No Ph1"O.Sl Const1-aint (NPC) dies für ausgeschlossen halten, glauben seine Kritiker, daß Wortbildungen ausgehend von phrasalen Basen in vielen Sprachen hinreiche nd dokumentiert seien; cf. Scallse (1984b, 154-156; 1994, 208-210) zu einer kOnzi.l

sen Diskussion des NPC. Wenngleich ich, wie Rainer, glaube, daß die oben ge­ nannten Kompositionsparasynthetika keine echten Parasynthetika sind, SOl bleibe ich doch skeptisch, was die These der Herleitung aus phrasalen Baselil betrifft.

[ojtros easos, tambiE�n conocidos tradieionalmente eOmO parasinte­

tieos,0 bien no serian deI todo homologables con los eitados [= los lIamados parasinteticos verbales - A. G.], 0 bien,si 10 son, se expli­

ean por las mismas hipotesis de eonstituyentes y configuracion

estruetural que argumentare para los ejemplos mencionados.

1.1., 1.2., 1.4. und 1.6.) nicht-parasynthetische

1.1. und 1.3. ausdrücklich eine parasynthetische

Dieser grundsätzlichen Auffassung, wenngleich nicht dem konkre­

ten L ösungsvorschlag Alcoba Ruedas, schließe ich mich an. Im folgen­ den werde ich zunächst einige Argumente gegen eine parasyntheti­ seh e Beschreibung der Verben in ( la) und (lb) vorbringen, sodann

ne uer e alternative Vorschläge, die eine parasynthetische Beschrei­

Alternative

ebenfalls zurückweisen, einer kritischen Prüfung unterziehen schließlich eine - maßgeblich auf Überlegungen von Scalise

darstellen, die m. E. so­

wohl tmter morphologischen als auch unter semantischen Gesichts­ punkten am überzeugendsten ist. Diese Analyse läßt sich auf die in 1.2. und 1.3. dokumentierten Fälle ausdehnen (cf. 2.4.1.) und führt

(1984a, 1984b) zurückgehende -

darüber hinaus zu einer befriedigenden Beschreibung sekundärer Parasy nthetika (1.7.), bzw. das Problem sekundärer Parasynthetika stellt sich unter dieser Analyse nicht mehr.

Parasynthese - ein problematisches Konzept

2.1. Die Rolle des Infinitivrnorphems klassischen Parasynthesekonzeption

-

Corbins Kritik an der

Die klassische Parasyntheseanalyse, wie sie von Darmesteter be­ grundet wurde und auch heute noch in zahlreichen Abhandlungen zur WOltbildung zu fmden ist (cf. etwa Lang 1990, 185f.; Thiele 1992, 14, 182; J993, 17, 24, 136), beruht auf der expliziten oder impliziten An­ nahme, bei dem Infinitivmorphem handle es sich um ein Wortbil­

dungssuffix. Diese Auffassung ist vor allem von Corbin (1987, 124- 129) einer scharfsinnigen und vernichtenden Kritik unterzogen wor­ den:

I. Das Infinitivsufflx alterniert mit Flexionssufflxen; die ausge­ zeichnete Funktion, die ihm gegenüber anderen Flexionsmorphemen

zugewiesen wird6, beruht auf einer unzulässigen Ausweitung der Kon­

sequenzen metasprachlicher Konvention und lexikographischer Pra­ xis. Für die Parasynthesekonzeption folgert COI·bin, daß man sovieler Parasyntheseregeln bedürfe, wie es Flexionsafflxe gebe, also «une

6 So spricht etwa Thiele (1992, 182; 1993, 136) den Infinitivmorphemen einen gleic hsam janusköpfigen Status zu; zum einen zählt er sie zu den normalen Fle­ xlons morphemen und zum anderen,da sie an Verbalisierungen beteiligt seien zu den Derivationsmorphemen.

'

127)

ionnelle"

(op.

Clt.,

.

88

Andreas Gather

Die morphologische Struktur verbaler Parasynthetika

89

pour em-ba,·que-er, une pour em-ba,.qu-ons, une pour em-baTqu-aü

derivationnels

formatiurs de verbes, et -er comme une marque

etc.» (Corbin 1987, 125) - eine offensichtlich absurde Konsequenz ' . 2. Wenn Inf"utitivmorpheme DerivationssuffIxe wären, so zeigten sie insofern ein für Derivationssufüxe völlig untypisches Verhalten, als sie vor jeder weiteren Sufiigierung obligatorisch getilgt werden müß.

ten (cf.

4. Echte (i. e. nicht-nominalisierte) Inünitive haben dieselben Sub­ ka te gorisierungseigenschaften wie andere Verbformen auch, was für dev erbale Derivate nicht allgemein gilt.

colleeter coUection,

*colleeteTi on,

hingegen:

coUection --;

collectionner) .

3. Die Auffassung des Inünitivmorphems -er als DerivationssuffIX fühlt vor dem Hintergrund der Beschreibung homogener deverb aler Derivationen mit den Suffixen -ot(er), -ass(er), -et(er), -oy(er) usw. zu unnötigen Komplikationen. Entweder müßten diese Sufiixe an die Stelle des Suffixes oe,. treten, in welchem Falle die Identität von ·er als alleinigem Suffix mit -er als Teil der Sufiixe -oter, -asseT usw. sich auf eine bloße Homophonie bzw. Homographie beschränkte, eine An. nahme, die, wie Corbin zu Recht betont, durch einfache Distribution� analysen leicht zu widerlegen ist. Oder man müßte von einem Ein. schub von Suffixen, wie -ol-, -ass-, -oy- lIsw., sowohl vor Flexions­ als auch vor Derivationssufiixen ausgehen, was ebenfalls nicht plausi· bel ist, da die Annahme derartiger Prozesse für das Französische ins· gesamt unnötig ist. Corbins Schlußfolgerung lautet deshalb, es sei ein· facher und angemessener, «d'analysep-ot-, - ass -, -oy- comme des suf·

2.2. Wie zwingend sind Corbins Argumente gegen die klassische Parasynthesekonzeption?

Corb ins Argumente dafür, daß es sich bei Infinitivendungen nicht um WortbildungssuffIxe, sondern um reine Flexionsmorpheme han­ delt, sind zweifellos überzeugend. Sind sie jedoch hinreichend, um ein e Parasynthesekonzeption vollständig zu invalidieren? Ich denke,

dies nicht der Fall ist (cf. auch Anm. 7). Was, so könnte man zunächst fragen, spricht dagegen, Parasyn­ thes e als gleichzeitige Anfügung eines Derivationspräflxes und eines Flexionssuffixes aufzufassen? Es scheinen dies in der Tat weniger empiri s che als konzeptuelle Gtilnde zu sein. Derivation und Flexion sind zwei unterschiedliche morphologische Prozesse, die sehr unter­ schiedliche Implikationen haben (cf. vor allem Scalise 1988; Anderson 1992). Aufgrund dessen scheint es - zumindest theoretisch - wenig befriedigend, einen morphologischen Prozeß zu postulieren, der beide Verfahren gleichermaßen involviert. Ein zweites, empirisches Argu­ ment ist, daß die 'parasynthetische' Derivation in vielen Fällen tat­ sächlich doch ein Derivationssuffix, und zwar unabhängig von den Flexionsmorphemen, aufweist, ein Aspekt der von den meisten Befür­ wortern und Gegnern der Parasynthesekonzeption übersehen wird und in einer sehr ungenauen morphologischen Analyse sogenannter lnfinitivmorpheme Ausdruck ündet (cf. 3.2.2.). Ein anderer Ausweg bietet sich Verfechtern der Parasynthesekon­ zeption in der Annahme von Nullallomorphen als Derivationssuffixen. Das Infinitivmorphem wird hier klar als Flexionselement erkannt; der sufflxale Bestandteil parasynthetischer Ableitungen wird statt dessen in einem die Kategorie 'Verb' ausdruckenden Nullallomorph lokali­ siert. Ein solcher Vorschlag ist etwa von Marchand (1969, 1974a, 1974b) und Reinheimer-R1peanu (1973, 1974) unterbreitet worden und wird in jüngerer Zeit von Schpak-Dolt (1992, 82) vertreten 9 , der für

7 Diese SchlußfolgerW1g scheint mir jedoch allenfalls bei oberflächlicher Be. trachtung zutreffend zu sein, bei gen aue rem Hinsehen erweist sie sich keines­ wegs als so stichhaltig. Es genügte nämlich eine einfache Parasyntheseregel, die besagte:

'Präfigiere X an eine Basis Y und surflgiere aus der Menge Z der Flexionsmor· pheme dasjenige, das syntaktisch angemessen ist.' Eine solche Regel hätte noch nicht einmal zwingend die Konsequenz, daß nunn1ehr dem Präfix allein die Fähigkeit zur Wortal1.änderung zugeschrieben werden müßte. Es bedürfte lediglich der zusätzlichen Annahme, daß eine Wort· artänderung einfach dadurch zustande kommen kann, daß ein Wort mit denjeni· gen syntaktischen Merkmalen versehen wird, mit denen es als ein Wort jener Kategorie verwendet wird. Dies mag zwar eine wenig populäJ·e Annahme sein; sie ist aber keineswegs so unwahrsche inlich, wie sie auJ den ersten Blick scheint. -Mit anderen Worten - und unabhängig vom Phänomen der Parasyn­ these: Ein Wort wie z. B. clouer hat kein äußeres latentes (= Nullallomorph) oder inhärentes Merkmal, das es als zur Kategorie der Verben gehörig ausweist; es wird einfach dadurch zum Verb, daß es mit verbalen Flexionsmerkmalen ausge­ stattet und dann als Verb verwendet wird. Die gegenteilige und verbreitete Auf · fassung, wie sie exemplarisch etwa bei Weidenbusch (1993, 63) unter Berufwlg auf Coseriu (1978) zum Ausdruck kommt - Es gibt materielle Elemente, die Flexionsendungen, z. B. die Infinitivendung

8 Wie in 3.2.2. genauer darzulegen sein wird, ist die Interpretation der 'Endung' -er als « marque flexionnelle» inadäquat. !) Eine dritte Möglichkeit, nämlich Parasynthese als ein Zugleich von Präfigie� rung und Konversion aufzufassen, wie sie kurz von Weidenbusch ( 1993, 64- 65) erörtert (aber nicht übernommen) wird, beläuft sich m. E. lediglich auf eine Nota tionsvariante entweder der Konzeption des Wortartenwechsels durch Aus� stattt mg einer Basis mit für eine bestimmte Wortart charakteristischen syntak� tisch relevanten Flexionsmerkmalen (cf. Anm. 7) oder der Konzeption der Null�

�er, die die Zugehörigkeit zu einer Wortalt erkennen lassen, jedoch ist einl

Wort nicht ein Verb, weil es mit dieser Endung versehen ist, sondern umge·

kehrt, ein Wort hat diese Endung, weil es ein Verb ist (vgL Coseriu 1978:

66)

-

beruht letztlich ebenfalls nur auf apriorischen Setzungen.

90

Andreas Gather

die fran zösischen Verben alfiner und ap latir die folgenden morph oIo.

gisehen Strukturen vorschlägt:

(6)

(a)

af-

!in

o

-er

I I I I I a- plat o -i- - r I I
I
I I I
I
a-
plat
o
-i-
- r
I I

(b)

2.3. Parasynthese und Zirkumfigierung

Bevor ich nun jene Argumente darlege, die gegen jede Art von Para.

synthesekonzeption sprechen, will ich kurz, da diese Verbindung auch

in der Literatur immer wieder ein Rolle spielt, auf die Beziehung zwi.

sehen Parasynthese und Zirkumfigierung bzw. diskontinuierlichen

Morphen zu sprechen kommen. Für einige Autoren handelt es sich

hier offensichtlich nur um zwei verschiedene Ausdrucksweisen für

ein und denselben Sachverhalt (so etwa Pottier 1962, 106; Martine!

1979, 236; Thiele 1992, 14; 1993, 24). Tatsächlich aber bestehen ge·

wichtige Unterschiede zwischen einer Parasynthese- und einer Zir·

kumfigierungskonzeption der hier im Zentrum des Interesses stehen·

den denominalen und deadjek tivis chen Verben . Die Tatsache, daß die

einzelnen Begriffe bisweilen beliebig füreinander ausgetauscht wer·

den, zeigt offensichtlich nur eines: daß der Parasynthesebegriff the(}

retisch nicht immer hinreichend fundiert ist und somit zur Explika·

tion der morphologischen Struktur der genannten Verben nicht sehr

viel beiträgt. Der klassische Parasynthesebegriff beinhaltet die gleich·

zeitige Anfügung einesPräfixes und eines Suffixes an eine Basis. Prä·

fix und Suffix sind daher zwei eigenständige morphologische Einhei·

ten. Zirkumfigierung ist dahingegen über den Begriff des ZirkumfixeJ

bestimmt, das defmiert ist als «ein Mfix, das die Basis umschli eßt>

(BergenholtzlMugdan 1979, 59). Als Beispiel für Zirkumfixe führen

BergenholtzlMugdan im Deutschen ge t, etwa in gefragt, und im

Tioko (einer Sprache in Nord-Togo) das Pluralmorphem m m, etwa

suffigierung. Ansonsten entbehrt der Konversionsbegriff - zumindest im Rah­

men einer Item-and-Arrangement-Morphologie - jedweder Explikatiyjtät undl bleibt reine Makulatur.

I

Die morphologische Struktur verbaler Parasynthetika

91

in -m b amm 'Frau + Plural', an. Diskontinuierliche Morphe sind Mor­

, die durch das Dazwischentreten anderer Morphe aufgebrochen

wer den. Zirkumfixe sind ein Fall diskontinuierlicher Morphe, insofern

als ihr e lineare Struktur durch die dazwischentretende Basis unter­

brochen wird (er. ebenfalls BergenholtzlMugdan 1979, 65). Vor diesem

Hintergrund klingen Aussagen wie die folgende von Thiele (1992, 14):

phe

Bei den parasynthetischen Bildungen treten Präfix und Suffix

gleichzeitig als diskontinuierliche Konstituenten (Thieles Hervorhebungen)

an den Stamm [

]

rec ht befremdlich. Der klassische Parasynthesebegriff wird hier mit

dem Begriff der Zirkurnfigierung bzw. des diskontinuierlichen Morphs

in einer Weise verbunden, der eine konsistente Interpretation versagt

bleib en muß. Von solchen Vermengungen inkompatibler Begrifflich­

keiten abgesehen, haben allerdings andere Autoren versucht, Parasyn­

these als Zirkumfigierung zu deuten (so etwa Pena 1993, bes. 220),

Zirkum figierung als Alternative zur Parasynthese anzubieten (so Bos­

que 19 83, 131) bzw. den Parasynthesebegriff durch den des diskonti­

nuier lichen Morphs zu explizieren (so Rainer 1993, 70). Bei den im

folgenden diskutierten Einwänden gegen 'Parasynthese' werde ich

deshalb sowohl die klassische Konzeption als auch die Reanalyse als

Zirkumfigierung berücksichtigen. Tatsächlich ist mit letzterer, wie zu

zeigen sein wird, nichts gewonnen; im Gegenteil, die Argumente dage­

gen sind noch schwerwiegender als gegen die klassische Konzeption.

2.4. Argumente gegen eine Parasynthesekonzeption

2.4.1. Restringiertheit des Verfahrens

Gegen Parasynthese spricht zunächst ein konzeptuelles Argument.

Derivation in den romanischen Sprachen erfolgt normalerweise ent­

weder mittels Suffigierung oder mittels Präfigierung. Mit der Parasyn­

these wird ein drittes Verfahren etabliert, das, sowohl was die Aus­

wahl der Basen (nur Substantive und Adjektive) als auch was den

kategorialen Status des Wortbildungsprodukts (nur Verben) betrifft,

gegenüber den anderen Verfahren stark eingeschränkt ist. Diese Be­

hauptung impliziert natürlich, daß es sich bei den in 1.2. -1.6. genann­

ten Wortbildungen entweder nicht um formal den verbalen Parasyn­

thetika vergleichbare Bildungen oder gar nicht um genuine Parasyn­

gilt zweifellos für die in 1.4. - 1.6. aufge­

führten Fälle (cf. auch 1.8.). Letzteres läßt sich für die in 1.2. und 1.3.

dokumentierten Typen vermuten. Diese Annahme steht in Einklang

mit der Auffassung Wunderlis (1989, 89-90), daß es sich bei den Para­

synthetika der Gruppen 1.2. und 1.3. «durchweg um sekundäre Ablei­

tung en von parasynthetischen Verben>' handelt und «[w]ir [

] somit

thesefälle handelt. Ersteres

93

92

Andreas Gather

in allen nominalen Fällen eine mindestens zweistufige AbleitungS hie r.

archie ansetzen Imüssen], wobei nur die erste (verbale) Stufe par a.

synthetischen Charakter hat». Eine solche Ansicht wird für die sp ani.

sehen Adjektive in (3) ausdrücklich von Gauger (1971, 80) vertre te n

und für französische Substantive wie in (2) zudem von Weidenb u sch

(1993, 58) angedeutet Diese Auffassung zwingt allerdings, zumin de

unter synchronem Gesichtspunkt, zu einer Revision des Prinzips der

Wortbasiertheit im stri kten Sinne, insofern als nicht nur (synchr on)

existierende, sondern auch mögliche Wörter als Basen für Derivati

nen zugelassen werden.

2.4.2. Identität der Wortbildungselemente

Daß - mit Ausnahme des Präfixes a-, das (in dieser Funktion ) 01.

fenbar auf Parasynthetika beschränkt ist - die an der Parasyn these

beteiligten Elemente materiell und funktional identisch sind mit einla.

ehen Präfixen und Suffixen, läßt die Skepsis an der Existenz eines

weiteren Verfahrens rucht unbegründet erscheinen und legt es nahe,

daß die Ursachen für die Annahme eines zusätzlichen Derivationsver.

fahrens Parasynthese in einer unzureichenden Analyse entspreche n·

der Wortstrukturen zu suchen sind. Dieses Argument ist umso gewich·

tiger, was die Reinterpretation von Parasynthese als Zirkumfigienmg

betrifft. Die Beziehung etwa zwischen span. en- und -a1' in encen-aT

zu en- und -ar in encuadraT müßte eine rein zufällige Homophoni!'l

Homographie sein, denn im ersten Fall handelte es sich um ein aut�

nomes Präfix und ein autonomes Suffix (cf infra) , im zweiten Fall

hingegen um ein diskontinuierliches Morph. Warum die diskontinuier

lichen Morphe jeweils dieselbe phonologische Struktur wie autonome

Präfixe und Suffixe haben, bleibt unter dieser Beschreibung ohne jede

Erklärung und ein purer Zufall. Eine solche Einschätzung dürfte je

doch den sprachlichen Fakten kaum gerecht werden 10.

je doch den sprachlichen Fakten kaum gerecht werden 10. i O D e r Versuch Rainers
je doch den sprachlichen Fakten kaum gerecht werden 10. i O D e r Versuch Rainers

iO Der Versuch Rainers ( 1993, 72-73), die Existenz diskontinuierlicher Mor­

phe und die Identität der Afflxe in parasynthetischen Bildungen mit jenen in einfachen Prä- bzw. Suffigierungen aus der Bildung sogenannter Affi.xcluster ZIl erklären, erscheint mir wenig überzeugend. Rainer verweist hier auf die Suffixe -ero + -ia, die in dieser Abfolge zur Genese eines Suffixes -eria geführt häUen,

wobei auch heute noch aUe drei Suffixe nebeneinander existierten.

a.

panader-ia

b.

cervec-er-ia

c.

hamburgues-eria

tintorer-fa

lech-er-fa

mannol-eria

verduler-ia pastel-er-ia pizz-eria vinater-ia reloj-er-ia sastr-eria In den Bildungen unter a. ist wegen verschiedener Idiosynkrasien der Basis klar ein lokativisches -ia anzunehmen, in jenen unter c. hingegen ebenso klar ein einziges MfLx -er"fa, da die entsprechenden Wörter auf -ero keine übliche n und teilweise auch keine möglichen Wörter sind, während die Bildungen wr

Die morphologische Struktur verbaler Parasynthelika

2.4.3. Explikativität und Beschreibungsökonomie

Die klassische Parasynthesekonzeption ist wenig explikativ. Sie

ble ibt bei einer bloßen Beschreibung dessen stehen, was an der Ober­

he beobachtbar ist. Welche Funktionen die an der Parasynthese

insbesondere in Hinblick auf

sta ttfindende Verbalisierung, bleibt offen ". Dieser VOIwurf trifft

bet

die

fläc

eili gten Präfixe und Suffixe haben,

die Zir kwnfigierungshypothese allerdings nicht, da hier nur ein (dis­

uierliches) Element vorliegt, so daß sich die Frage rucht st.ellt.

Sta tt dessen trifft diese Variante der Vorwurf einer mangelnden Oko­

nom ie , da die Zahl der anzunehmenden Derivationssufftxe merklich

erh öht werden muß. So wären etwa für das Spanische mindestens

fol ge nde diskontinuierliche Affixe anzunehmen:

kon tin

(7)

a

a ea

a

en

en. ·

a

a

iza

iza

ablanda1'

a

ece

anaranjear tras

a

engoTdaT

re

ece a
ece
a

entmnizar

re

alunizar

des

anochecer, Q.taTdecer tmsnochar reblandecer "efTescaT desmadmr

Die Rekurrenz einzelner 'Präflxe' und 'Sufflxe' innerhalb dieser

Kombinationen ist, wie in 2.4.2. erwähnt, nicht motivierbar und er­

scheint als bloßer Zufall. Ebenso besteht zwischen -ece- in empobre-

ter b. sowohl wie die von a. als auch jene von c. interpretiert werden können (Rainer 1993, 72).

Tatsächlich stehen für die Analyse dieser Daten mehr Mögbchkeiten offen, als Rainers Ausfühnmgen nahelegen. So kölUlten etwa die Derivationen unter c. von -em-Derivaten ausgehen, die teilweise zumindest virtuell realisierbare Wörter sind (hamburguesero), teilweise als denvationelle Zwischenstufen auftreten, de­ ren Aktualisierungen durch bereits vorhandene usuelle Wört.er blockiert werden (*sastTe?"O, da sastre existiert). Davon abgesehen halte ich die Analyse von Rai­ ner allerdings für im ganzen recht überzeugend, denke aber, daß die Daten für die Frage der Parasynthetika irrelevant sind: Die Reanalyse einer Affixfolge als ein einziges Affix setzt offensichtlich gerade die (lineare) Adjazenz zweier Affixe voraus. Genau diese ist jedoch bei der Parasynthese nicht gegeben. II Ein Unbehagen an einer solchen Vagheit wird bisweilen offenbar auch bei jenen spürbar, die prinzipiell von einer Parasyntheseanalyse ausgehen. Dies kann dann, wie bei Gauger (1971), zu Formulierungen führen, die streng genommen nicht mehr ein Zugleich von Präfigierung und Suffigierung, also echt.e Parasyn­ lhese, voraussetzen, sondern eher ein Nacheinander von eigentlich die Verbali­ sicrun g auslösender Suffigierung und diese 'verstärkender' Präfigierung:

Dennoch hat dieses inhaltslose Präfix [a-, wie in span. aclarm- (= a. 1-) - A G·l eine Funktion: es signalisiert zusätzlich -verdeutlichend die sekundäre, das heißt die kraft einer Ableitung herbeigeführte Verbalität eines Lexems

}. Das PräfIx a J- markiert an dem Verbum, an welches es tritt, einen

stattge habten Deliv3tionsprozeß [

] (op. eiL, 86; l-lervorhebWlgen A G.).

95

gen,

Str

94

Andreas Gather

Die morphologische Struktur verbaler Parasynthetika

cer und -ece- in osc1trecer abgesehen vön der Homonymie keinerlei

Beziehung!2.

2.4.4. Die Binary Branching-Hypothese

Parasynthese ist unvereinbar mit einem wesentlichen Prinzip kon. katenativer Morphologie. Im Rahmen der generativen Morphologie ist dieses Prinzip als Binary Branching Hypo thesis (BBH) bek annt (Scalise 1984b, 146-151; 1994, 217-218); die zugrunde liegende Ide e reicht aber bis zur traditionellen Grammatik zurück. Das Prinzip be. sagt, daß, wie komplex die interne Struktur eines Wortes auch sein mag, ihr Aufbau stets nur in Zweierschritten vor sich geht. Was den Bereich der Derivation betrifft, so bedeutet dies, daß jede Wortb iI. dungsregel nicht mehr als ein Affix an eine Basis anfügen kann. Die BBH sei anhand des folgenden italienischen Beispiels von Sc abse (1984b, 147; 1994, 218) illustriert.

(8)

e ( 1 9 8 4 b , 147; 1994, 218) illustriert. (8) it(a)] N a

it(a)] N

ar(io)] A

ist(a)] N

i c(a) ] A

[li[[ [util(e)l A

mente)ADV

Parasynthetika verlangen dagegen ternäre Strukturen:

(9)

(a)

(b) [enJpl"äf [rilkl(o)]A
(b)
[enJpl"äf
[rilkl(o)]A

[e c er] Suf

12 Die Zahl der diskontinuierlichen Affixe ließe sich zwar etwas verringen\

wenn man die Suffixe -iz-, -ec-, -e- (ln -e-a) herauszöge, doch führte dies unwej.

gerlieh zu neuen Komplikationen. Man hätte es nunmehr nämlich nicht nur mit

diskontinuierlichen Morphen zu tun, zvvischen die Allomorphe einer lexikali ­

schen Basis treten, sondern zusätzlich noch Suffixe. Zweitens müßte man an neh­

men, daß die genannten Suffixe nicht nur von Verbalsuffixen wie -e und -a,

sondern gleichermaßen von Zirkumfixen wie en e, a e, re e selegiert wer·

den können. Dies fUJu-t nicht nur zu einer mangelnden Beschreibungsökonolllie,

sondern richtet sich in höchstem Maße gegen jede Intuition.

Da das Binaritätsprinzip in der Morphologie recht gut motiviert zu n s cheint und darüber hinaus auch in der Syntax die Vorteile der

g röße ren Restriktivität des Binaritätsprinzips hinreichend dokumen­ tie rt sin d und es dort uberd1es 1m ganzen gelungen 1st, ternare Struk­ tur en auf binäre zu reduzieren (cf. Kayne 1984, 1994), sollte schon

sei

aus kon zeptuellen Gründen versucht werden, eher eine alternative

Ana lys e für Parasynthetika zu finden als das Binaritätsprinzip aufzu­ ge ben. N euerdings hat. nun jedoch Rainer (1993, 72) versucht zu zei­

d aß die verbreitete Ansicht, Parasynthetika hätten eine ternäre ukt ur, auf einem Mißverständnis beruhe. Eine solche Aussage ist

na rlich überhaupt nur dann möglich, wenn man Parasynthese als Zirkumfi gierung (re-)interpretiert, was Rainer auch tut. Parasynthe­ tika wiesen, so Rainer, eine hierarchisch binäre Struktur auf, die ledig­

lich ein diskontinuierliches Morph(em) involviere. Die klassische Konstituentenstruktur kranke nur daran, daß dort Hierarchie und Li­ nearität nicht voneinander zu trennen seien. Einen Vorteil sieht Rai­ ner hier in Klanlmemotationen:

Die Darstellung von hierarchischen Stmkturen durch Klammemn­

gen ist in diesem Punkt übrigens jener durch Baumstruktw-en über­

legen, da auch diskontinuierliche Morpheme adäquat erfaßt werden

können: [a- [naranjalN -adolA- Klammern und Baumstrukturen sind

also nicht immer austauschbar (Rainer 1993, 72).

Diese Schlußfolgerung beruht jedoch auf einer notationellen Täu­ schung: Baumdiagramme und indizierte Klammerungen sind bloße Notationen, Darstellungskonventionen für abstrakte hierarchische und lineare Strukturen. Solange für die von Rainer angegebene Klam­ memotation für die Struktur von a.na.mnjado keine speziellen, neuen Interpretationskonventionen angegeben werden - was nicht ge­ schieht -, ist sie mit der fo lgenden arborealen Notation völlig iden­ tisch !3 .

L3 Es bleibt allerdings das Problem, daß diskontinuierliche Morphe generell

große Schwierigkeiten für eine an der Konstituentenstruktur - ob nun in Foml

von Klarnmerungen oder Bawndiagrammen visualisiert - orientierte Morpholo­

gie darstellen (sofern, was wenig überzeugend ist, die Dissoziation der Elemente

nicht als ein durch Transformationen herbeigeführtes Oberflächenphänomen ge­

deutet wird). Die Beantwortung der hier aufgeworfenen Frage gehört in den

Zusanunenhang der Frage nach der Adäquatheit einer Item-and-Arrangement

bzw. konkatellativen Morphologie überhaupt (cf. auch Hockett 1954; Matthews

1991; Nlderson 1992), die sich angesichts solcher morphologischen Phänomene

\.\1.e Infigierung, etwa im Arabischen, Reduplikation, Metaphonie usw. noch

dringlicher stellt. Da ich aber davon ausgehe, daß das Spanische und das Franzö­

e nicht über diskontinuierliche Morphe verfügen und im Rahmen einer kon­

katen attven Morphologie beschreibbar sind, will ich auf diese Probleme nicht

eingehen und folge den eher traditionellen Annahmen konkatellativer

M OllJhologie.

sisch

weiter

96

(10)

Andreas Gather

[a- [naranja] N
[a-
[naranja] N

(10) wiederum ist strukturell identisch mit (9a) und (9b), wenn man die Präfixe und SuffIxe dort nunmehr als diskontinuierliche Morphe interpretiert.

2.4.5, Beschreibungsinkonsistenzen

Die Parasynthesekonzeption führt zu lnkonsistenzen sowohl bei

der Beschreibung eines Einzelsprachsystems als auch bei einer ein zel .

sprachenübergreifenden

rer oder decaisser sind als parasynthetische Bildungen zu analysi

ren, da *ba1'quer, *poussierer und *caisser nicht existieren; bei desar.

mer; depeupler, declouer oder desseUer' hingegen handelt es sich um einfache Präfigierungen, da armer; peupler, clouer und seller als einf. ehe denominale Verben existieren. Eine einheitliche Beschreibung i� nur möglich, indem, wie bei Weidenbusch (1993), die formal als einl. ehe Präfigierungen beschreibbaren Formen gleichsam als sekundäre Parasynthetika aufgefaßt werden. Die Beziehung zu mit de-/des- präfi·

gierten genuinen Verben wie deshabiller, decomposer; desheriter oder

dlilier ist aber auch dann nicht mehr herstellbar, da für diese Präfigie rungen die Möglichkeit einer Reanalyse als sekundäre Parasynthetik. nicht besteht. Zu Beschreibungsproblemen fühl'en ferner einige Präflxbildunge� bei denen de- nicht mit a- oder en-, wie in embarquer - debarquer, alterniert, sondern zu dem semantisch positiven Präflx hinzutritt Diese Art der Ablativ- und Privativpräfigierung, hinfort hyperony· misch als Separativpräjigier-ung bezeichnet, ist im Spanischen ver· breiteter als im Französischen, z. B. desembalar vs. deballer; desem·

barcar vs. debaTquer; desempolvar vs. depoussierer. Währencl die ent·

sprechenden Antonyme sowohl im Spanischen als auch im Französi· sehen als Parasynthetika zu analysieren wären (embalaT und

empoussierer)

emballer;

Analyse. Deba,rquer, depaqueter; depouss ii .

embarcar und

embarquer,

empolvar und

handelte es sich bei den Separativbildungen im Französischen ebe� falls um P31'asynthetika, im Spanischen hingegen um reine Präfigie rungen. Zweifellos besteht in der Art und Weise der hier dokumenti er' ten Separativbildung zwischen beiden Sprachen ein Unterschied; daß

Die morphologische Struktur verbaler Parasynthetika

97

d' es er

c

hei nt

och in der Anwendung völlig unterschiedlicher Derivations­

�fahren (Parasynthese vs. Präfigierung) zu suchen sein sollte,

wenig naheliegend (cf. 3.4. zu einer plausibleren Beschrei-

jed

bU !Chärft wird die aufgezeigte Problematik noch dadurch, daß sie

ht nur einzelsprachenübergreifend, sondern auch innerhalb einer

Einzelsprache besteht. So existieren im Französischen und Spani­

nic

schen Dubletten des Typs dliballer / desemballer, deprisonner / de­

sernprisonner, dlimailloter / desemmailloter; desbravaT / desembr'a­

var, descotaT / desacotar, descuadernar / desencuadernaT

(cf. Wei­

denb usch 1993, 134; Serrano Dolader 199 5, 129- 130). D,e Unter­ schie de zwischen diesen synonymen Bildungen dürften kaum auf einer so tiefen Ebene wie der der Art und Weise der Verbderivation selbst zu suchen sein, sondern lediglich auf der Ebene homogener Deri vationen, in dem Sinne, daß den Derivaten bereits eine verbale BasiS zugrunde liegt. Dafür spricht auch, daß solche Dubletten verein­ zelt bei unstrittig homogenen Verbderivationen (einfachen Präfigie­

rungen) auftreten (debmuiller = desembrouilleT, detoTtiller = desen­

t01-tiller, debrayeT = desembmyer, Beispiele aus Weidenbusch (1993, 144- 145)). Ein Argument für die Existenz der Parasynthese als eines weiteren, neben einfacher Präflgierung und einfacher Suffigierung bestehenden Derivationsverfahrens ließe sich anfiihren, wenn alle denominalen und deadjektivischen Verben durch die simultane Anfügung eines Prä­ fixes und eines Sufflxes gebildet würden. Dies ist aber bekannterma­ ßen nicht der Fall. Neben parasynthetisch gebildeten Derivaten finden sich zahlreiche reine Suffigierungen (z. B. span. hri:niedo humede­

cer, OSCU1'O ---4 oscurecer, tranquilo ---7 tranquilizar, ejemplo ejem­ plificO,1; color ----,)0 colorar, canal ----+ canalizar; fn. vieil ---+ vieiUi1� rouge -> mugir, selle seller, poudre poudTer usw.).

Bei einigen deadjektivischen Verben stehen sich präflgierte und nicht-präflgierte Formen gegenüber (gTand -> gTandir / agrandiT,

secher / assecher, bas -> baisser /

faible ->jaiblir- / aJfaiblir; seche

abaisser; tiede tiedir / attiedir- (Beispiele aus Gauger (1971, 79)), Die heiden Verbvarianten unterscheiden sich, wie Gauger (ibid.) be­ merkt, vor allem darin, «daß das präflxlose Verb, [sie!] sowohl transi­ tiv als auch intransitiv verwendet werden kann, während das präfi­ gierte nur transitiv verwendet wird und also das 'markierte' Verbum darstellt". Wie aber sollen die präfIgierten Ve rben analysiert werden, als einfache Präflgierungen der präfixlosen verbalen Basis, denn de­ ren lexikalische Bedeutung inkludiert ja die der präfigierten Form, so daß sie als derivationelle Zwischenstufe zur Verfügung stehen könnte

allonger, da longer eine andere Be­

deutung hat und somit in keiner semantischen Beziehung mehr zu

,

(im U nterschied etwa zu long

etwa

meub

siUa

Überein­

Str

cit.,

lich

98

Andreas GaLher

Die mOIl)hologische

Stmktur verbaler

Parasynt.hctika

99

zurückzu­

long

---> amoUiT,

steht)? Oder als parasynthetische

Bildungen in

lexikalischen

Analogie zu

Suffigierung

Beziehung,

Ein

versuchen,

n

(so

Deli

bewirkende

le!Ha

alyse

a nte

i ge

Parasynthese auf

einfache Präfigierung

eigentliche

(Alcoba

bete ---> abetü; pTqfond ---> apPTo!ondÜ'?

hinaus

sind Parasynthese

und einfache

einer engen

zueinander

führe

hab

ner

vat

flal

An

146-

Par

asy

1970, 200202; Corbm 1980; 1987, 121

sukzessive

die

139); andere

ei­

Darüber

en dafür argumentiert, Parasynthese in

adj

io

n

ektivischen

Präfigierung

Rueda

einmal

Synonymie

bei Wörtern, die in

oder Antonymie,

--->

embeltecer vs.

oder nominalen Basis und

Suffigierung

aufzulösen

1991,

147� 151).

Auch

als eine

will,

Verbderi­

1993;

(1993)

stehen, systematisch ver

Tam

--->

--->

beUo

escaso

spiele

hermoso

---> he,.,noseaT,

enTaTece,-

limpia

r

rrisNergnaud

Weidenbuschs

zwar

---> escasea,; sucio

aus Gauger

(1971, 90

Schließlich sind

Parasynthese

der

lexikalischen

und

vieilliT

span.

---> ensuciaT vs.

91)); vieille

--->

einfachen

Items

--->

limpio

der Parasynthetika läßt sich

aber, wenn

man so

auffassen.

nicht formal­

Vari­

1984b,

gemacht,

der

vieilliT vs. jeune ---> Taj"".

die Verfa hr en

einander

(cf.

mor phologische,

dieser

151;

doch semantische

(1984a, 202208;

den

Vorschlag

niT.

der

sprechenden

vieil

--->

auch einzelsprachenübergreifend

bei

verteilt

Konzeption

1994,

218�222)

als

Scalise

hat

Suffigierung

schließlich

nicht gleich

envejece,-,

nthese

Suffigierung

mit anschließende,-

Ortega

(1990,

Präfigierung

vs. span. viejo

frz. meuble --->

seiler"

vs.

span.

ver balen

nen

sich

tisch

ukturen

corr oborada

60),

die

funden.

Scalises

sprechen

piri

sch falsch.

Basis zu

analysieren. Varela

für frei von

58�60) hält kei­

aber

ohne

vs.

mueble

---> amueblaT, frz. seUe

-+

Ausdruck

Einzelsprache

Verwendwlg

bei

eng

dieser Vorschläge

für

einen

von ihnen

en Analyse

Problemen,

glaubt

ensiUaT14).

zu entscheiden ,

seien,

da

sie

daß alle

sämtli