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sen, die zeigt, wieviel kleine Anfänge aus-

machen können. Der Mann mit den


Ein Prediger berichtete von einer Schiffs- zwei Regenschirmen
fahrt über den Atlantik, bei der ihm immer
wieder ein dunkelhäutiger Mann an Bord
auffiel, der auf dem Deck sass und seine Jahren fühlte ich, dass Gott mich in den
Falkenstrasse 1 8630 Rüti
Bibel liess. Nach einiger Zeit wurde er ordinierten Dienst berief anstelle des
neugierig, setzte sich zu ihm, stellte sich Rechtsanwaltsgeschäfts. Ich ging auf ein Predigt vom 24. August 2008
als Pastor vor und wollte seinen Reisekol- christliches Seminar und wurde methodis-
legen näher kennenlernen. Nach dem tischer Pastor. Dann kehrte ich auf die
ersten Austausch von Höflichkeiten erklär- Philippinen zurück, um in einer methodisti-
te dieser: „Ich bin ein Filipino, in einem gut schen Gemeinde zu dienen.
katholischen Haushalt geboren. Dann ging
ich an die Universität und wollte Rechts- Mein Name ist Valencius, Bischof Valenci-
anwalt werden. An meinem ersten Tag auf us, Bischof der Methodistischen Kirche
dem Campus kam ein Student vorbei, um auf den Philippinen.“
mich zu besuchen. Er hiess mich freund-
lich willkommen und bot mir an, mir in Der Held dieser Geschichte ist nicht der Johannes 1, 45—50
jeglicher Weise zu helfen, die ihm möglich Bischof, so wichtig er auch ist. Der Held
war. Dann fragte er mich, wo ich zur Ge- ist vielmehr der Mann mit den zwei Re-
meinde ginge. Ich erklärte ihm, dass ich genschirmen, der ihm den Weg für seine
Katholik war. Er erklärte mir, dass die ka- spätere Bahn geebnet hat.
tholische Kirche eine ziemliche Distanz Liebe Gemeinde sen und den Moment festgehalten: Gute
entfernt war, aber er setzte sich und Egal, wo jemand zum Glauben gekommen Fahrt ins neue Leben mit allen nötigen
zeichnete mir eine Karte. Ich danke ihm ist, sucht ihn, und ihr werdet ihn fast im- Bald ist es soweit: Die Alphalive-Saison Zutaten.
und er ging. mer finden: Den Menschen, der ihm den hat begonnen! Wir hatten gestern einen Es hätte eine Filmszene sein können—ein
Weg gewiesen hat, der ihm mit Liebe und Stand in der Nähe der Migros und tapfere Wunder, dass der Wagen überhaupt
Am nächsten Sonntag Morgen regnete es. Freundschaft eine Brücke gebaut hat. Mannschaften aus mehreren Gemeinden gehalten hat.
Ich entschied, die Kirche sein zu lassen. haben ihn aufgebaut und den Tag über
Aber dann war da ein Klopfen an meiner Dieser Mensch können wir sein. Du besetzt. Insgesamt sind rund 180 Rosen Seht Ihr, das wünschen wir uns doch
Tür. Da stand mein neuer Freund und hielt kannst Philippus und Du kannst Andreas mit Einladungen dran verteilt worden, und schliesslich alle: Wunderschöne, pikto-
zwei Regenschirme. Er sagte, er habe sein! das beeindruckt mich sehr. Schliesslich reske Szenen, in denen wir strahlenden
sich Sorgen gemacht, dass ich vielleicht Alles, was es braucht, ist dass wir bereit heisst das, dass mit den Leuten persön- Gesichtes dankbaren Händen Einladun-
seine Karte nicht würde lesen können. sind, einem Freund oder Bekannten im gen austeilen und von Jesus erzählen
Also, sagte er, würde er mich zur katholi- Gespräch einen kleinen Hinweis zu ge- können. Nur leider ist das nicht immer so
schen Kirche begleiten. Ich zog mich has- ben—vielleicht, wenn wir ihn sowieso ge- 180 Rosen und ein Oldtimer beschaulich und romantisch.
tig an und dachte die ganze Zeit über dar- rade treffen.
an, was für eine ungewöhnlich liebenswür- Tatsächlich haben wir manchmal einen
dige Person mein Bekannter war. Ich frag- Und die besondere Ermutigung zum lich gesprochen worden ist und sie das Kloss im Hals und fragen uns: „Hey, was
te mich, zu welcher Kirche er wohl gehör- Schluss? Jesus sagt zu Nathanael, dass Geschenk bewusst angenommen haben. soll ich jetzt eigentlich sagen? Wieviel?
te. er ihn längst gesehen hat, bevor er zu ihm Die schönste Szene, die ich gesehen ha- Und zu wem?“
gekommen ist (Joh 1,48). Uns kommt es be, war Andi Peter von der FEG am Stand Eine sehr gute Frage. Und die Bibel gibt
Als wir unterwegs waren, fragte ich ihn vielleicht zufällig vor, mit wem wir ins Ge- war und eine ganze Hochzeitskolonne uns eine Antwort darauf, genau in der
nach seiner Gemeinde. Er sagte, dass spräch kommen. In Wirklichkeit ist es das angebraust kam, Braut und Bräutigam Stelle, die wir eben gelesen haben.
seine Gemeinde gerade um die Ecke war. aber nicht, Gott hat es für uns vorbereitet. edel gekleidet im vordersten, stilvollen Und sie hält darüber hinaus noch eine
Also schlug ich vor, dass wir diesen Sonn- Fahrzeug. Und Andi war mit einem Satz besondere Ermutigung für uns bereit.
tag doch zu seiner Kirche gehen könnten Bist Du bereit? am Fahrbahnrand, rief: „Darf ich Ihnen
und den nächsten dann in meine. Er noch was mitgeben?“ und drückte der
stimmte zu. Aber irgendwie fühlte ich mich Braut die Rose in die zart behandschuhte Was wir aus der Geschichte von Philippus
Wolfgang v. Ungern-Sternberg Hand. Hätte ich eine Kamera dabeige- und Nathanael lernen können, möchte ich
in seiner Gemeinde so zu Hause, dass ich Tel. 055 241 16 35
es nie schaffte, meine zu finden. Nach vier wolfgang.vonungern@chrischona.ch
habt, hätte ich sie am besten hochgeris- in drei Stichworten zusammenfassen:
 Kurz Ist Ihnen schonmal aufgefallen, dass Men- dern eine Erfahrung, eine Erfahrung von geblich abhängt, ob der andere kommt.
 Konkret schen, die sich kurz und bündig fassen, Gottes Gegenwart!
oft für besonders souverän und kompetent Und das führt uns zur nächsten Frage: Philippus hat sich — in diesem Beispiel —
 Persönlich gehalten werden? Wie verschaffen wir den Leuten diese nämlich nicht einfach an die Strasse ge-
Wer anfängt, sich zu winden und zu sagen Erfahrung, diese Begegnung mit Gott? stellt und einen Wildfremden anreden
Manchmal fühlen wir uns unter Druck und
„Ja, aber, und das ist so zu verstehen müssen.
denken: Meine Güte, ich müsste eigentlich
etc.“, dem unterstellt man leicht, sich sei- Damals war das einfach. Man sagte:
so viele Sachen sagen, damit der andere
ner Sache nicht sicher zu sein, vor allem Komm zu Jesus, sieh ihn und rede mit Ganz leicht, ganz persönlich
mich wirklich versteht, wenn ich ihn einla-
deswegen, weil sich leicht mit sehr kurzen ihm!
den will.
Fragen sehr lange Antworten auslösen
Ich müsste ihm erklären, wer Jesus ei-
lassen. Es heisst, Philippus „findet“ Nathanael
gentlich ist und warum er ihn so dringend Konkret: Was genau jetzt? (Joh 1,45) - also offensichtlich hat er ihn
braucht, was die besten Argumente dafür
Hat Sie schonmal ein Kind gefragt, warum gekannt und gesucht, sonst hätte er ihn
sind, dass er‘s nicht aufschieben sollte,
„der liebe Gott einen bösen Baum ins Pa- Heute ist das nicht mehr ganz so leicht. nämlich nicht „finden“ können.
und warum es sich lohnt, auf mich zu hö-
radies gestellt hat“? Dann wissen Sie, Jesus läuft nicht mehr physisch sichtbar
ren, auch wenn ich mich vielleicht im Mo-
wovon ich rede. Darauf inhaltlich antwor- über das Erdenrund. Als ich gestern am Alphalive-Stand noch
ten zu wollen, löst zwangsläufig ein lang- Trotzdem gibt es aber etwas, das wir tun etwas mit dabei war, muss ich sagen, es
Philippus macht‘s kurz wieriges Gespräch aus, in dessen Verlauf können: Wir können sie an einen Ort ein- braucht manchmal etwas Überwindung,
garantiert noch viele weitere Fragen auf- laden, von der er versprochen hat, dass er wildfremde Leute anzusprechen. Ich den-
geworfen werden. dort ganz besonders anwesend ist! ke mir dann: „Gottes Willen, ich kann das
ment nicht gerade so besonders heilig auch überhaupt nicht haben, wenn mich
fühle. Was aus den Worten von Nathanael „Denn wo zwei oder drei versammelt sind einer auf der Strasse anquasselt und ir-
Dann könnte er auch noch kritische Rück- spricht, ist einfach ein Mangel an Erfah- in meinem Namen, da bin ich mitten unter gendwas andrehen will—und jetzt mache
fragen haben, auf die muss ich mich vor- rung mit Gott. Im Endeffekt sagt er ein- ihnen.“ Mat 18,20 ich das selber!“ Verblüffenderweise gibt es
her ausführlich vorbereiten und die Pfeile, fach: „Ich bin schon so alt geworden und aber doch fast überwiegend relativ positi-
die ich dann im Köcher habe, auch mög- kenne das Leben. Was soll es schon noch Die Gemeinde ist heute der Ort, wo Men- ve Reaktionen, die stille oder vielleicht
lichst effektvoll abfeuern, möglichst alle anderes, Besonderes geben? Ich glaube, schen Jesus begegnen können, weil wir lachende Ablehnung kommt weniger oft,
auf einmal. nichts. Kann mir jedenfalls nichts vorstel- als Einzelne „lebendige Briefe“ Gottes als man vielleicht meinen möchte.
Warum ich als moderner Mensch doch len.“ sind (2. Kor 3,3) und weil er verheissen
immer noch an die (alte) Bibel glauben hat, dass er mitten unter uns ist, wo wir Trotzdem ist das ganz sicher nicht jeder-
kann, warum ich mich, nein, wirklich nicht Es ist eine Desillusioniertheit, eine schein- uns versammeln. manns Sache. Manche Leute können das
eingeengt fühle von den biblischen Gebo- bare Abgeklärtheit, die fälschlicherweise besonders gut (Maya von der EMK z.B.—
ten (meistens) und dass in unserer Ge- annimmt, sie würde das Leben schon in Ein lebendiger Gottesdienst, und ganz sie strahlt dabei schon selbst wie ein gan-
meinde wirklich alt und jung gemeinsam seiner ganzen Fülle kennen. besonders noch eine speziell darauf zuge- zer Blumenstrauss, wenn sie die Röschen
willkommen sind. schnittene Versammlung wie das Alphali- verteilt, da kann man fast nicht nein sa-
Es ist wie bei dem alten Mann, mit dem ve, sind die besten Gelegenheite, die es gen).
Und dann … Moment mal, was wollte ich ich mal auf dem Bahnhof sprach. Nach heute gibt, das Menschen Jesus begeg-
eigentlich noch sagen? kurzer Zeit drehte er sich weg und sagte: nen können! Und die gute Nachricht dabei lautet: Wir
„Ja, ja, daran sollen die jungen Leute ru- müssen uns auch garnicht dauernd an
Erinnern wir uns nochmal, was da steht: hig glauben, das tut ihnen gut.“ Und deswegen sollten wir sie dahin einla- Wildfremde wenden! Wir müssen rausfin-
Philippus kommt zu Nathanael und der den. Aus „Komm (zu Jesus) und sieh“ wird den, wer die Leute sind, die wir „finden“
stellt prompt eine kritische Rückfrage: Es schwingt ein bisschen Hochmut in ei- „Komm (dorthin wo Jesus ist) und sieh können—unsere Nachbarn, Arbeitskolle-
„Was kann denn aus Nazareth schon Gu- ner solchen Äusserung mit, und sie muss (was er dort tun kann)“. gen, mit denen wir etwas persönlicher
tes kommen?“ (Joh 1,46) durchaus nicht in genau diesen Worten bekannt sind, oder für die noch Spontane-
kommen. Sie kann auch in einem leicht Und das schöne dabei ist: Wir müssen ren: Vielleicht auch einfach jemand, der
Und trotzdem: Philippus fasst sich ganz spöttischen Lächeln liegen oder ganz ein- dabei eben gar keine langen Erklärungen uns nach dem Weg fragt auf der Strasse.
kurz: fach in fehlendem Interesse—man kennt geben! Wenn wir das Kärtchen im Sack haben,
„Komm und sieh es!“ (Joh 1, 46) ja doch schon alles. kein Problem.
Die sind auch gar nicht unbedingt nötig,
Das braucht Mut. Damit lässt sich schlecht diskutieren—was es gibt nämlich noch ein anderes, ganz Und lohnt sich das Ganze?
Philippus hat den Mut zur Kürze. die Leute brauchen, sind nicht Worte, son- entscheidendes Element, von dem mass- Ich möchte mit einer Geschichte schlies-