Konsultationsentwurf Frequenzverteilungsuntersuchung (BK1-11/001) – Stellungnahme der E-Plus Gruppe Zusammenfassung: Die Bundesnetzagentur kommt in ihrem Konsultationsentwurf zur

Frequenzverteilungsuntersuchung (Konsultationsentwurf) zu dem Ergebnis, dass die von ihr betrachtete Frequenzausstattung der deutschen Mobilfunknetzbetreiber Wettbewerbsverzerrungen bei der Umsetzung der geänderten GSM-Richtlinie nicht wahrscheinlich macht. Wie die Begründung des Konsultationsentwurfs zeigt, beruht dieses Ergebnis letztlich allein auf dem Wiener Gutachten. Bezüglich des Wiener Gutachtens hat die E-Plus Gruppe (E-Plus) bereits nach dessen Veröffentlichung im März 2011 darauf hingewiesen, dass dieses Gutachten aus vielerlei Gründen äußerst fragwürdig ist. So bestraft der im Gutachten verwandte Berechnungsansatz E-Plus faktisch dafür, im Rahmen der 2010-Frequenzauktion sehr nachhaltig auf 800 MHzFrequenzen geboten zu haben. Umgekehrt wäre das Wiener Gutachten absehbarer Weise zum Ergebnis frequenzbedingter Wettbewerbsverzerrungen gekommen, wenn E-Plus früher aus dem Bieterstreit um die 800 MHz-Frequenzen ausgestiegen wäre. Neben dem Wiener Gutachten bemüht die Bundesnetzagentur in der Begründung des Konsultationsentwurfs zwar zusätzlich auch ihre eigenen Entscheidungen zu den Mobilfunkterminierungsentgelten und erwähnt eine Studie der finnischen Beratungsfirma Rewheel. Beide liefern zu den im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung zu beantwortenden Fragen aber keine verwertbaren Antworten. Das Ergebnis des Konsultationsentwurfs ist daher insgesamt nicht haltbar. Für den Fall, dass es doch frequenzbedingte Wettbewerbsverzerrungen geben sollte, führt die Bundesnetzagentur zwar noch hilfsweise aus, dass diese aus Verhältnismäßigkeitsgründen jedenfalls nicht vor dem 31.12.2016 behoben werden sollten. Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass E-Plus am 22.9.2006 und damit mehr als 10 Jahre vor dem 31.12.2016 eine Umverteilung von 900 gegen 1800 MHz-Frequenzen beantragt hat. Es erscheint – vorsichtig formuliert - fragwürdig, dass die Bundesnetzagentur diesen Antrag 5 Jahre lang nicht bescheidet, dass sie ihn nun unter erweiterten rechtlichen Voraussetzungen im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung ablehnen möchte, und dass E-Plus zusätzlich entgegengehalten wird, dass bis Ende 2016 jetzt nur noch ein Restzeitraum von gut 5 Jahren verbleibt. Sollte die Bundesnetzagentur ihre finale Entscheidung zur Frequenzverteilungsuntersuchung gleichwohl auf den Berechnungsansatz aus dem Wiener Gutachten stützen, so müsste dieser Ansatz auch für den im Verfahren „Projekt 2016“ (BK 1-11/003) betrachteten Anschlusszeitraum ab 1.1.2017 gelten. Auf Basis des Wiener Gutachten-Ansatzes wurde in der E-Plus-Stellungnahme zum „Eckpunktepapier Projekt 2016“ bereits dargelegt, dass der Deutschen Telekom und Vodafone durch die behördlichen Einzelzuteilungen der Ende 2016 auslaufenden 900 und 1800 MHz-Frequenznutzungsrechte gegenüber E-Plus und Telefónica O2 bis Ende 2016 Frequenzkostenvorteile von jeweils mehr als 2 Milliarden Euro gewährt worden sein werden. Diese behördlich gewährten Kostenvorteile sollten schnellstmöglich, spätestens jedoch mit Wirkung zum 1.1.2017, durch Einzelzuteilungen der Bundesnetzagentur (zumindest annäherungsweise) wieder behoben werden, indem E-Plus 2 x 2,4 MHz zusätzliches 900 MHz-Spektrum erhält und im Gegenzug 2 x 2,4 MHz 1800 MHz-Spektrum abgibt. Unabhängig davon sollte die Bundesnetzagentur vor dem von ihr im Rahmen des „Projekts 2016“ avisierten Bedarfsermittlungsverfahren klar stellen, dass ab 1.1.2017 für jeden Marktteilnehmer eine 2 x 20 MHz Spektrumskappe im 800 / 900 MHz-Frequenzbereich gilt.
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Vorbemerkung: E-Plus hat im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung im Oktober 2010 zum Impulspapier der Bundesnetzagentur eine Stellungnahme sowie ein juristisches Gutachten von Professor Holznagel und ein ökonomisches Gutachten von Professor Gerpott eingebracht. Zum von der Bundesnetzagentur im März 2011 veröffentlichten Wiener Gutachten hat E-Plus abermals eine Stellungnahme sowie ein juristisches Sondergutachten von Professor Holznagel und ein ökonomisches Sondergutachten von Professor Gerpott vorgelegt.1 Die Bundesnetzagentur hat sich im vorliegenden Konsultationsentwurf mit einer Vielzahl der in diesen Dokumenten vorgetragenen Argumenten bisher nicht oder nur rudimentär auseinander gesetzt. E-Plus bittet die Bundesnetzagentur daher, dies in ihrer finalen Entscheidung zur Frequenzverteilungsuntersuchung nachzuholen und ihr Untersuchungsergebnis zur Frequenzverteilungsuntersuchung entsprechend zu korrigieren. Nachfolgend werden zusätzlich solche Ausführungen aus dem Konsultationsentwurf kommentiert, zu denen E-Plus bisher noch nicht Stellung genommen hat. Zum Tenor / Zu Randnummer 49 ff / Zu Randnummer 195 ff: Die Bundesnetzagentur beabsichtigt, im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung den Antrag von E-Plus vom 22.9.2006 zurückzuweisen. Der E-Plus-Antrag vom 22.9.2006 wird in Randnummer 49 wörtlich aufgeführt. In diesem Zusammenhang ist zum einen darauf hinzuweisen, dass E-Plus diesen Antrag am 11.8.2011 insoweit zurück genommen hat, als dieser einen Umfang von 2 x 2,4 MHz überschritten hat. Der Antrag lautet nunmehr wie folgt: „Der E-Plus Mobilfunk GmbH & Co. KG, E-Plus Straße 1, 40472 Düsseldorf, diese vertreten durch die E-Plus Mobilfunk Geschäftsführungs GmbH, diese vertreten durch den Vorsitzenden der Geschäftsführung, Herrn Thorsten Dirks, ebenda, werden zum 1.1.2010, zumindest jedoch mit sofortiger Wirkung, und bis zum 31.12.2016 aus dem Frequenzbereich 880-915 / 925-960 MHz im Umfang von 2 x 2,4 MHz weitere Frequenzen für die bundesweite Nutzung für den drahtlosen Netzzugang zur Erbringung von Telekommunikationsdiensten zugeteilt. Soweit der Antrag vom 22.9.2006 einen Umfang von 2 x 2,4 MHz überschritten hat, wird er nicht mehr aufrechterhalten. Im Gegenzug erklärt sich die Antragstellerin bereit, auf eine gleiche Menge von Frequenzen aus dem Frequenzbereich 1763,1-1780,5 / 1858,1-1875,5 MHz zu verzichten und die Nutzung dieser Frequenzen zu beenden.“ Unabhängig davon ist darauf hinzuweisen, dass eine Bescheidung des Antrags vom 22.9.2006 in der Fassung vom 11.8.2011 im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung zumindest deshalb fehlerhaft und rechtswidrig wäre, weil hierdurch ungleichartige Verfahren miteinander verbunden werden.

1

Sämtliche Dokumente sind hier abrufbar: http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1912/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/RegulierungTelekommunikation/Frequenzordn ung/OeffentlicherMobilfunk/Frequenzverteilungsuntersuchung/FreqVertUntersuchung_node.html

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Der aus dem Jahr 2006 stammende E-Plus- Antrag auf Umverteilung von 900 gegen 1800 MHz-Frequenzen ist auf Basis der Zuteilungsvoraussetzungen aus § 55 TKG zu bescheiden. Die Frequenzverteilungsuntersuchung gemäß Artikel 1 Absatz 2 der im Jahr 2009 verabschiedeten GSM-Richtlinie beschäftigt sich dem gegenüber mit der Frage, ob auf Grund der bestehenden Zuteilung des 900 MHz-Bandes an die deutschen Mobilfunkbetreiber bei der Umsetzung der geänderten GSM-Richtlinie Wettbewerbsverzerrungen wahrscheinlich sind. Dieser rechtliche Maßstab geht über die Voraussetzungen des § 55 TKG hinaus und ist für die Bescheidung des E-Plus-Antrags daher unerheblich. Zu Randnummer 218: Die Bundesnetzagentur führt aus, dass die Präsidentenkammer zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zum Zweifel an der Knappheit der Frequenzen im 900 MHz-Band hegt. Hierfür spreche schon der Umstand, dass E-Plus am 22.9.2006 die Umverteilung des vorhandenen Spektrums beantragt habe. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass E-Plus den Antrag vom 22.9.2006 am 11.8.2011 umfangmäßig auf eine Umverteilung von 2 x 2,4 MHz 900 gegen 1800 MHz-Frequenzen beschränkt und in zeitlicher Hinsicht nochmals klargestellt hat, dass die beantragte Umverteilung den Zeitraum vom 1.1.2010 bis zum 31.12.2016 betreffen soll. E-Plus hat ferner bereits darauf hingewiesen, dass dieser Antrag nicht im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung beschieden werden darf. Sollte die Bundesnetzagentur den E-Plus-Antrag vom 22.9.2006 in der Fassung des 11.8.2011 trotzdem im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung bescheiden möchte, müsste seitens der Bundesnetzagentur jedenfalls neu ermittelt werden, ob bis Ende 2016 Frequenzen im 900 MHz-Band tatsächlich knapp sind. Auch für den im Rahmen des „Eckpunktepapiers Projekt 2016“ untersuchten Anschlusszeitraum ab dem 1.1.2017 hat E-Plus bereits in ihrer diesbezüglichen Stellungnahme vom 12.8.2011 verdeutlicht, dass die von der Bundesnetzagentur vermutete Knappheitssituation vor allem dann wahrscheinlich wäre, wenn die Bundesnetzagentur vor dem von ihr zeitnah avisierten Bedarfsermittlungsverfahren nicht klar stellen würde, dass die von ihr im Rahmen der 2010-Frequenzversteigerung festgelegte Spektrumskappe von 2 x 20 MHz im 800 / 900 MHz-Band ab dem 1.1.2017 dann tatsächlich für alle Marktteilnehmer gilt.2 In Ansehung aller von der Bundesnetzagentur am 24.8.2011 veröffentlichten Stellungnahmen zum „Eckpunktepapier Projekt 2016“ scheint sich die Möglichkeit einer solchen allein regulierungsinduzierten Knappheitsfeststellung weiter zu verdichten.3 Um zu verhindern, dass alle Marktbeteiligten in unnötige und aufwendige weitere Planungsschritte getrieben werden, die die Planungssicherheit belasten und letztlich zu einer Verzögerung des weiteren Ausbaus der mobilen Breitbandnetze in Deutschland führen, sollte die Bundesnetzagentur daher vor dem von ihr avisierten Bedarfsermittlungsverfahren klar stellen, dass ab dem 1.1.2017 dann tatsächlich kein Marktteilnehmer mehr die von ihr bereits 2009 festgelegte, in der 2010-Frequenzauktion jedoch diskriminierend angewandte Spektrumskappe von 2 x 20 MHz im 800 / 900 MHz-Bereich überschreiten darf.
2

E-Plus Stellungnahme zum Eckpunktepapier Projekt 2016, Seiten 1 + 12, abrufbar unter: http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1912/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/RegulierungTelekommunikation/Frequenzordn ung/OeffentlicherMobilfunk/DrahtloserNetzzugang/DrahtloserNetzzugang_node.html 3 Sämtliche Stellungnahmen zum Eckpunktepapier Projekt 2016 sind hier abrufbar: http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1912/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/RegulierungTelekommunikation/Frequenzordn ung/OeffentlicherMobilfunk/DrahtloserNetzzugang/DrahtloserNetzzugang_node.html

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Zu den Randnummern 230 ff: Unter den Randnummern 230-265 kommt die Bundesnetzagentur zu dem Ergebnis, dass für eine Umverteilung von 900 gegen 1800 MHz-Spektrum lediglich ein Widerruf nach § 63 TKG als Ermächtigungsgrundlage in Betracht komme. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Professor Holznagel in seinem Gutachten zu den „Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Flexibilisierung des 900 MHzSpektrum aufgrund der RL 2009/114/EG“ aus September 2010 zu dem Ergebnis kommt, dass auch andere Ermächtigungsgrundlagen für eine Frequenzumverteilung vorliegen.4 Mit diesen Ermächtigungsgrundlagen setzt sich der Konsultationsentwurf entweder überhaupt nicht auseinander (z.B. lizenzrechtlicher Widerrufsvorbehalt) oder kommt zu dem Holznagel-Gutachten widersprechenden Ergebnissen, ohne sich mit dem Gutachten auseinander gesetzt zu haben. E-Plus regt daher an, dass die Bundesnetzagentur die Frage der in Betracht kommenden Ermächtigungsgrundlagen nochmals beleuchtet und das Ergebnis des Konsultationsentwurfs entsprechend korrigiert. Zu Randnummer 303: Die Bundesnetzagentur führt in Randnummer 303 aus, dass das Bundesverwaltungsgericht in der Begründung des Urteils vom 23.3.2011 ausgeführt habe, dass gegen die konkrete Beschränkung der Bietrechte in der 2010-Frequenzauktion keine Bedenken bestünden. Richtig ist dem gegenüber, dass das Bundesverwaltungsgericht fest gestellt hat, dass der Bundesnetzagentur bei der Aufstellung von Versteigerungsregeln ein gesetzlich nur eingeschränkt überprüfbarer Ausgestaltungsspielraum zukomme, und dass dieser Ausgestaltungsspielraum nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts offenbar selbst die Frage betreffen soll, ob eine Bietrechtsbeschränkung von 2 x 22,4 MHz für die Deutsche Telekom und für Vodafone einerseits sowie von 2 x 20 MHz für alle anderen Marktteilnehmer andererseits diskriminierend ist oder nicht. In diesem Zusammenhang sei jedoch darauf hingewiesen, dass die EU-Kommission erhebliche Zweifel an der Wettbewerbskonformität dieser ungleichen Spektrumskappe geäußert hat, die die Deutsche Telekom und Vodafone in der 2010-Frequenzauktion dann vollständig ausgenutzt haben:

4

Das Holznagel-Gutachten ist unter „Stellungnahmen zum Impulspapier“ hier abrufbar: http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1912/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/RegulierungTelekommunikation/Frequenzordn ung/OeffentlicherMobilfunk/Frequenzverteilungsuntersuchung/FreqVertUntersuchung_node.html

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Auktion 2010: DT + Vodafone durften auf 2 x 22,4 MHz in 800 / 900-Bändern bieten, alle anderen Bieter nur auf 2 x 20 MHz in 800 / 900-Bändern
DT / Vodafone haben diskriminierende Spektrumskappe vollständig ausgenutzt. Dies behindert chancengleiche 900-Nutzung für mobiles Breitband.

Diskriminierende Spektrumskappe (Gepaartes Spektrum)
o2 10 5

E-Plus

5

800 MHz 900 MHz

VF

10

12,4

DT

10

12,4

0

10

20

30

Zu den Randnummern 330ff: Die Bundesnetzagentur führt in Randnummer 330 aus, dass bei der Beurteilung, ob es frequenzbedingte Wettbewerbsverzerrungen gibt, sämtliche den Mobilfunknetzbetreibern in den Frequenzbereichen 800 MHz, 900 MHz, 1800 MHz, 2000 MHz und 2600 MHz zur Verfügung stehenden Frequenzen zu betrachten seien. In der weiteren Begründung des Ergebnisses des Konsultationsentwurfs bezieht sich die Bundesnetzagentur dann weitestgehend auf das Wiener Gutachten. Das Wiener Gutachten beruht jedoch auf einer Betrachtung der Frequenzbänder 800 MHz, 900 MHz und 1800 MHz. E-Plus möchte die Bundesnetzagentur daher um Klarstellung bitten, welche Frequenzbänder von ihr im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung tatsächlich betrachtet worden sind. Zu den Randnummern 345 ff: Unter den Randnummern 345-408 kommt die Bundesnetzagentur auf Basis des im Wiener Gutachten verwandten Ansatzes zur Bestimmung von Frequenz- und Netzkosten zu dem Ergebnis, dass E-Plus im Vergleich zu den Wettbewerbern aufgrund der eigenen Frequenzausstattung bis Ende 2016 keine Kosten- und Effizienznachteile haben werde. E-Plus hält den im Wiener Gutachten verwandten Berechnungsansatz für ökonomisch nicht haltbar, da E-Plus durch diesen Ansatz letztlich dafür „bestraft“ wird, im Rahmen der 2010Frequenzauktion überhaupt auf 800 MHz-Frequenzen geboten zu haben. Hätte E-Plus überhaupt nicht oder nicht so nachhaltig auf 800 MHz-Frequenzen geboten, hätte der im Wiener Gutachten verwandte Ansatz absehbarer Weise nämlich dazu geführt, dass frequenzbedingte Wettbewerbsverzerrungen festzustellen gewesen wären.5

So Professor Torsten J. Gerpott, „Anmerkungen zur Frequenzverteilungsuntersuchung von Mecklenbräuker et al. vom 25.03.2011“, S. 1, abrufbar unter „Stellungnahmen der Beigeladenen zum Gutachten“ unter: http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1912/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/RegulierungTelekommunikation/Frequenzordn ung/OeffentlicherMobilfunk/Frequenzverteilungsuntersuchung/FreqVertUntersuchung_node.html

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Sollte die Bundesnetzagentur trotzdem am Berechnungsansatz aus dem Wiener Gutachten festhalten, müsste dieser Berechnungsansatz auch bezüglich der zukünftigen Nutzung der Ende 2016 auslaufenden 900 / 1800 MHz-Frequenznutzungsrechte angewandt werden, die im Rahmen des „Eckpunktepapiers Projekt 2016“ untersucht wird. Auf Basis des im Wiener Gutachten verwandten Berechnungsansatzes lässt sich insofern ermitteln, dass der Deutschen Telekom und Vodafone auf dem Markt für den drahtlosen Netzzugang zum Angebot von Telekommunikationsdiensten durch die behördlichen Einzelzuteilungen der Ende 2016 auslaufenden 900 und 1800 MHz-Frequenznutzungsrechte gegenüber E-Plus und Telefónica O2 bis Ende 2016 Frequenzkostenvorteile von jeweils mehr als 2 Milliarden Euro gewährt worden sein werden. Diese durch behördliche Einzelzuteilungen hervorgerufenen Kostenvorteile der Deutschen Telekom und von Vodafone sollten spätestens mit Wirkung ab dem 1.1.2017 auch durch behördliche Einzelzuteilungen (zumindest annäherungsweise) wieder behoben werden, indem E-Plus 2 x 2,4 MHz zusätzliches 900 MHz-Spektrum erhält und im Gegenzug 2 x 2,4 MHz 1800 MHz-Spektrum abgibt.6 Zu den Randnummern 409f: Unter Randnummer 409f führt die Bundesnetzagentur aus, dass sie ihre Feststellung, dass es keine frequenzbedingten Wettbewerbsverzerrungen im deutschen Mobilfunkmarkt gebe, auch auf den Feststellungen der Beschlusskammer 3 zu den derzeit regulierten Mobilfunkterminierungsentgelten beruhe, in denen festgestellt worden sei, dass die Kostenstrukturen von E-Plus – zumindest mit Blick auf die Sprachterminierung – gegenüber den anderen Mobilfunknetzbetreibern sogar vorteilhaft seien. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Richtigkeit der von der Bundesnetzagentur auf Basis des von ihr konstruierten „Elektronischen Kostennachweises“ festgelegten Mobilfunkterminierungsentgelte nicht nur von E-Plus, sondern von allen deutschen Mobilfunknetzbetreibern angezweifelt wird, teilweise auch aus unterschiedlichen Gründen. An dieser Stelle sei nur erwähnt, dass die Bundesnetzagentur die wohl weltweit einzige Regulierungsbehörde ist, die im von Skaleneffekten geprägten Telekommunikationssektor für den Marktführer Deutsche Telekom höhere Mobilfunkterminierungsentgelte errechnet und genehmigt hat als für den deutlich kleineren Herausforderer E-Plus.7 Auch die EU-Kommission hat die Richtigkeit der von der Bundesnetzagentur festgelegten Mobilfunkterminierungsentgelte kritisch hinterfragt. So stellt die EU-Kommission in ihrer Stellungnahme zu den vorläufigen Entgeltfestlegungen der Bundesnetzagentur fest, dass die Bundesnetzagentur für die von ihr festgelegten asymmetrischen Mobilfunkterminierungsentgelte keine Begründung geliefert habe, die mit europarechtlichen Vorgaben in Einklang stehen (Asymmetrie nur bei frequenzbedingten Kosten- oder Late Comer-Nachteilen).

6

E-Plus Stellungnahme zum Eckpunktepapier Projekt 2016, abrufbar unter: http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1912/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/RegulierungTelekommunikation/Frequenzordn ung/OeffentlicherMobilfunk/DrahtloserNetzzugang/DrahtloserNetzzugang_node.html 7 Die E-Plus Stellungnahme zu den (vorläufig genehmigten) Mobilfunkterminierungs-Entgeltgenehmigungen ist hier abrufbar: http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1912/DE/DieBundesnetzagentur/Beschlusskammern/1BK-GeschaeftszeichenDatenbank/BK3-GZ/2010/2010_001bis100/BK3-10-098_BKV/BK3-10-098bis101_Stellungnahmen_BKV.html?nn=76940

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Bei ihrer endgültigen Festlegung der Mobilfunkterminierungsentgelte solle die Bundesnetzagentur daher die Festlegung symmetrischer Entgelte prüfen, die auf den Kosten eines effizienten Betreibers und nicht auf verschiedenen unternehmensspezifischen Kostenkalkulationen basieren.8 E-Plus teilt die Auffassung der EU-Kommission zumindest insofern, als die Bundesnetzagentur bei der Festlegung der derzeit gültigen Mobilfunkterminierungsentgelte tatsächlich keinerlei valide Begründung für die Feststellung liefern konnte, dass die Deutsche Telekom höhere Mobilfunkterminierungsentgelte erheben darf als E-Plus. Derart „falsche“ Entgeltfestlegungen zu den Mobilfunkterminierungsentgelten können bezüglich der im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung zu beleuchtenden Frage mithin keinerlei verwertbare Erkenntnisse liefern. Zu den Randnummern 411 ff: Unter den Randnummern 411 ff führt die Bundesnetzagentur dann aus, dass sie auch aufgrund einer Studie „E-Plus Germany – Ready to disrupt the market“ der Strategieberatungsfirma Rewheel aus Helsinki zu dem Ergebnis komme, dass es im deutschen Mobilfunkmarkt keine frequenzbedingten Wettbewerbsverzerrungen gebe. In formeller Hinsicht ist insofern darauf hinzuweisen, dass diese öffentlich nicht zugängliche Studie bereits aus November 2010 stammt. Daher hätte die Bundesnetzagentur die Veröffentlichung dieser Studie bereits vor Veröffentlichung des Wiener Gutachtens vornehmen oder veranlassen können. Dies ist jedoch bis heute nicht geschehen. In materieller Hinsicht sei deshalb lediglich darauf hingewiesen, dass bereits aufgrund der von der Bundesnetzagentur vorgenommenen Zusammenfassung der Rewheel-Studie deutlich wird, dass diese Studie mit den im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung konkret zu untersuchenden rechtlichen und ökonomischen Fragen nichts zu tun hat. Die Rewheel-Studie kann das Ergebnis des Konsultationsentwurfs daher ebenfalls nicht stützen. Zu den Randnummern 435f: Unter den Randnummern 435f vertritt die Bundesnetzagentur die Auffassung, dass die Monopolkommission in ihrem 2009-Sondergutachten einer Umverteilung von 900 MHzFrequenzen skeptisch begegnet sei. Aus Sicht von E-Plus hat die Bundesnetzagentur die Ausführungen der Monopolkommission, die mit der 900 MHz- und der gesamten Flächenfrequenzverteilung in Zusammenhang stehen, damit – sehr vorsichtig formuliert - nicht vollständig dargestellt. Tatsächlich hat die Monopolkommission 2009 nämlich darauf hin gewiesen, dass die 2010Versteigerungsbedingungen in der Kritik stehen, da zu befürchten ist, dass einer der ENetzbetreiber in der Versteigerung beim 800 MHz-Flächenspektrum leer ausgehen könnte, und dass diesem Netzbetreiber die Voraussetzungen für ein konkurrenzfähiges Breitbandangebot in der Fläche fehlen würde, da der Ausbau eines mobilen Breitbandnetzes mit Frequenzen aus höheren Frequenzbändern deutlich teurer sei.9
8

Beschluss der EU-Kommission vom 21.2.2011 in der Sache DE/2011/1176 [SG-Greffe (2011) D/2475], abrufbar unter: http://circa.europa.eu/Public/irc/infso/ecctf/library?l=/germany/registeredsnotifications/de20111176&vm=detailed&sb=Title 9 Monopolkommission, Sondergutachten 56, Randnummer 268, abrufbar unter: http://www.monopolkommission.de/aktuell_sg56.html

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Ferner hat die Monopolkommission im 2009-Sondergutachten ausgeführt, dass die Asymmetrie bei der 900 MHz-Frequenzausstattung neben der späteren Lizenzierung als einer der Gründe für die geringeren Marktanteile der E-Netzbetreiber im Vergleich zu den DNetzbetreibern gilt. Dieser Wettbewerbsnachteil würde sich verfestigen und verstärken, wenn die E-Netzbetreiber bei der Vergabe der Flächenfrequenzen aus der Digitalen Dividende weniger Frequenzen ersteigern könnten als die D-Netzbetreiber oder sogar leer ausgehen würden. Dies könne Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit eines etwaig ausgebotenen etablierten Mobilfunknetzbetreibers haben und sich letztlich auf die Marktstruktur und Wettbewerbsintensität im deutschen Mobilfunkmarkt auswirken. Selbst wenn sich ein ausgebotener Mobilfunknetzbetreiber zunächst auf ein Breitbandangebot in Ballungsräumen konzentriere, könne aus Sicht der Monopolkommission nämlich nicht ausgeschlossen werden, dass die Flächenfrequenzen durch den ausgebotenen Mobilfunknetzbetreiber nicht oder nur unzureichend dauerhaft durch andere Frequenzen ersetzt werden können, und dass dies zum Wettbewerbsnachteil für den ausgebotenen Mobilfunknetzbetreiber und letztlich zu dessen Marktaustritt führen könne.10 Es ist – vorsichtig formuliert - schwer nachvollziehbar, dass die Bundesnetzagentur aus den Ausführungen im 2009-Sondergutachten folgern möchte, die Monopolkommission stehe einer Umverteilung der 900 MHz-Frequenzen skeptisch gegenüber. Zu den Randnummern 448 ff: Unter den Randnummern 448-490 kommt die Bundesnetzagentur zu dem Ergebnis, dass im Fall einer von ihr in diesem Abschnitt des Konsultationsentwurfs unterstellten frequenzbedingten Wettbewerbsverzerrung aus Verhältnismäßigkeitsgründen vor Ende 2016 keine Frequenzumverteilung erfolgen solle. Zum einen sei die Restlaufzeit bis Ende 2016 relativ kurz, zum anderen werde über die Anschlussnutzung im separaten Präsidentenkammerverfahren BK1-11/003 entschieden. E-Plus hat bereits am 22.9.2006 und damit mehr als 10 Jahre vor Ende 2016 bei der Bundesnetzagentur eine Umverteilung von 900 gegen 1800 MHz-Spektrum beantragt. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass die Bundesnetzagentur jenen E-Plus-Antrag während der vergangenen 5 Jahre nicht beschieden hat, dass sie diesen Antrag nun unter erheblich ausgeweiteten rechtlichen Voraussetzungen im Rahmen der Frequenzverteilungsuntersuchung bescheiden möchte, und dass sie darauf verweist, dass der bis Ende 2016 verbliebene Restzeitraum von etwa 5 Jahren für eine Umverteilung unverhältnismäßig sei. Zu Randnummer 491: Unter Randnummer 491 führt die Bundesnetzagentur aus, dass der E-Plus-Antrag auf Zuteilung von 2 x 3,6 MHz 900 MHz-Frequenzen abzulehnen sei. E-Plus möchte darauf hinweisen, dass bereits der Antrag vom 22.9.2006 lediglich auf eine Umverteilung von 2 x 3,6 MHz 900 gegen 1800 MHz-Frequenzen und nicht auf eine isolierte Zuweisung zusätzlichen Spektrums gerichtet war. Ferner weist E-Plus nochmals darauf hin, dass E-Plus den Antrag vom 22.9.2006 am 11.8.2011 auf einen Umfang von 2 x 2,4 MHz beschränkt hat. Düsseldorf, 16.9.2011
10

Monopolkommission, Sondergutachten 56, Randnummer 271, abrufbar unter: http://www.monopolkommission.de/aktuell_sg56.html

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