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Umweltrechtsreport 7/2003 451 Neue Rechtsvorschriften

NEUE RECHTSVORSCHRIFTEN
· Der Report wertet die im laufenden Berichtsmonat sen, weil die Übersetzung sinnentstellend oder
erschienenen Gesetz und Verordnungsblätter der sonst mißverständlich ist. Soweit die deutsche Aus-
Europäischen Gemeinschaften, des Bundes und al- gabe davon betroffen ist, berichten wir darüber.
ler Bundesländer (insgesamt 39 Publikationen) mit
· Die Redaktion weist angesichts des vorstehenden
folgenden Maßgaben aus:
Sachverhalts darauf hin, daß es zu Mißver-
· Von neuen Rechtsvorschriften wird berichtet, wenn ständnissen kommen kann, wenn einzelne Begriffe
sie eine nicht nur entfernte umweltrechtliche oder oder Formulierungen in demselben Sinn inter-
arbeitsschutzrechtliche Relevanz haben. pretiert werden, wie sie von der deutschen Rechts-
ordnung verstanden werden.
· Die neuen Rechtsvorschriften werden grundsätzlich
so detailliert wie möglich vorgestellt. Auf Vor- · Das Bundesgesetzblatt Teil I (nationales deutsches
schriften, die nur einen kleinen Leserkreis näher in- Recht) wird umfassend ausgewertet. Aus dem Bun-
teressieren (z.B. umweltrechtliche Ge- desgesetzblatt Teil II (BGBl. II), in dem die inter-
bührenregelungen), wird nach Möglichkeit hinge- nationalen Verträge, Konventionen und sonstigen
wiesen. Nicht berichtet wird von Rechtsvorschrif- zwischenstaatlichen Vereinbarungen verkündet
ten, die lediglich lokale Bedeutung haben (z.B. werden, wird der Text der Verträge oder Konventi-
gemeindliche Polizeiverordnungen) oder deren Be- onen mitgeteilt, soweit sie nicht nur bilateralen
deutung von untergeordneter Natur ist (z.B. öf- Charakter haben. Mitgeteilt wird auch das Inkraft-
fentliche Bekanntmachung einer einzelnen Anla- treten und Erlöschen solcher Normen für die Bun-
gengenehmigung). Über Ortsgesetze der Städte desrepublik Deutschland. Bekanntmachungen über
Bremen und Bremerhaven wird nicht berichtet. das Inkrafttreten oder Erlöschen in bezug auf Dritt-
staaten (= Geltungsbereich) werden nicht mitge-
· Vom Amtsblatt der Europäischen Gemein- teilt.
schaften wird die Ausgabe L ausgewertet, in der
Rechtsvorschriften (Verordnungen und Richtlinien) · Das Bundesarbeitsblatt wird seit Januar 1998 um-
verkündet werden. Ebenfalls in die Auswertung fassend ausgewertet. Es berichtet über alle Arbeits-
einbezogen ist die Ausgabe C des Amtsblattes, in schutzvorschriften, die nicht in anderen amtlichen
der Entwürfe, Stellungnahmen einzelner EG- Publikationen des Bundes erscheinen.
Organisationen oder sonstige amtliche und nicht-
· Der Bundesanzeiger wird seit Mai 1998 umfas-
amtliche Bekanntmachungen mitgeteilt werden.
send ausgewertet. Er enthält vor allem Bekanntma-
Von der Berichterstattung ausgenommen sind
chungen sowie einige Arbeitsschutzvorschriften.
Rechtsakte der laufenden Verwaltung, die Zölle,
Beihilfen und Kontingentierungen betreffen und die · Rechtsvorschriften der Länder werden aus dem
lediglich eine begrenzte Gültigkeit haben. Von der Gesetzblatt (= GBl.) von Baden-Württemberg,
Berichterstattung ausgenommen ist ferner der Bremen und Thüringen, aus dem Gesetz- und Ver-
EWR-Teil des Amtsblattes, in dem im wesentlichen ordnungsblatt (= GVBl. oder GOVBl.) von Bayern,
die Vereinbarungen mit den Staaten des Europäi- Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklen-
schen Wirtschaftsraums veröffentlicht werden. burg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-
Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-
· Auf folgendes wird im Zusammenhang mit der
Anhalt und Schleswig-Holstein sowie aus dem
Berichterstattung über EG-Recht besonders
Amtsblatt (Amtsbl.) des Saarlandes ausgewertet.
hingewiesen: Die Redaktion bemüht sich, die Tex-
Für Hamburg wird auch der Amtliche Anzeiger
te der Richtlinien und Verordnungen so authentisch
(HambAmtAnz.) als Teil des GVBl. (Teil II), für
wie möglich wiederzugeben. Soweit die Formulie-
Hessen werden auch die Rechtsverordnungen der
rung der Texte dadurch nicht den in der deutschen
Regierungspräsidien aus dem Hessischen Staatsan-
Sprache geläufigen Formulierungen entspricht, ist
zeiger ausgewertet.
zu berücksichtigen, daß der Text der deutschen
Ausgabe des Amtsblattes regelmäßig auf einer Ü- · Verwaltungsvorschriften wurden bis Ende des
bersetzung des Ursprungstextes beruht, der entwe- ersten Halbjahres 1994 nur aus dem Gemeinsamen
der in der englischen oder französischen Arbeits- Ministerialblatt (GMBl.), dem Veröffentlichungs-
sprache abgefaßt ist. Kommt es zu Meinungsver- organ der meisten Bundesministerien, dem Amt-
schiedenheiten bei der Auslegung, werden vom lichen Anzeiger für Hamburg (HambAmtlAnz.)
Rat, von der Kommission und vom Europäischen und dem Hessischen Staatsanzeiger (HessStAnz.),
Gerichtshof (EuGH) regelmäßig die Ursprungstexte dem Publikationsorgan der meisten hessischen
in den Arbeitssprachen herangezogen. Es ist dar- Landesministerien, ausgewertet. Seit Juli 1994 wird
über hinaus üblich, daß von Zeit zu Zeit einzelne das Ministerialblatt der Landesregierung Rhein-
Ausgaben des Amtsblattes berichtigt werden müs- land-Pfalz (RhPfMBl.) ausgewertet. Seit Januar
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1995 sind zusätzlich die Amts- und Ministerialblät-


ter der anderen Bundesländer in die Auswertung Europäische Union
aufgenommen worden. Im einzelnen handelt es sich
um das Gemeinsame Amtsblatt des Landes Baden-
Württemberg (BadWürttABl.), das Allgemeine Mi- Die Europäische Union stärkt die Beteili-
nisterialblatt des Freistaates Bayern (BayAllMBl.),
das Amtsblatt für Berlin (BerlABl.), das Amtsblatt
gungsrechte der Öffentlichkeit in Um-
der Freien Hansestadt Bremen (BremABl.), das weltangelegenheiten
Amtsblatt für Mecklenburg-Vorpommern
(MecklVAmtsbl.), das Niedersächsische Ministeri- Richtlinie 2003/35/EG des Europäischen Parlaments
alblatt (NdsMBl.), das Ministerialblatt für das Land und des Rates vom 26. Mai 2003 über die Beteiligung
Nordrhein-Westfalen (NRWMBl.), das Gemeinsa- der Öffentlichkeit bei der Ausarbeitung bestimmter
me Ministerialblatt des Saarlandes (SaarGMBl.), umweltbezogener Pläne und Programme und zur Än-
das Ministerialblatt für das Land Sachsen-Anhalt derung der Richtlinien 85/337/EWG und 96/61/EG des
(SachsAnhMBl.), das Amtsblatt für Schleswig- Rates in Bezug auf die Öffentlichkeitsbeteiligung und
Holstein (SchlHAmtsbl.) und der Thüringer Staats- den Zugang zu Gerichten
anzeiger (ThürStAnz.). Prüfempfehlung:
· Bei erstmaliger Berichterstattung erfolgt eine de- Die Richtlinie lässt die Pflichtenlage unberührt.
taillierte Darstellung von
Die Europäische Gemeinschaft hat am 25. Juni 1998
· Gesetzeszweck bzw. Schutzziel, das UN/ECE-Übereinkommen über den Zugang zu In-
· Anwendungsbereich, formationen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Ent-
scheidungsverfahren und den Zugang zu Gerichten in
· zu erwartenden Pflichten für ein Unternehmen, Umweltangelegenheiten („Arhus-Übereinkommen“)
unterzeichnet. Damit die Gemeinschaft dieses Überein-
· Ermächtigungsgrundlagen der Norm sowie der kommen ratifizieren kann ist durch die vorliegende
darin enthaltenen Ermächtigungsgrundlagen, Richtlinie das Gemeinschaftsrecht an dieses Überein-
· Auswirkungen auf geltendes Recht, kommen angeglichen worden.
· Literaturverweisen und dem Eines der Ziele des Arhus-Übereinkommens ist es,
das Recht auf Beteiligung der Öffentlichkeit an Ent-
· Stand des Verfahrens. scheidungsverfahren in Umweltangelegenheiten zu
· Die laufende Berichterstattung umfaßt neben gewährleisten. Hierzu gehören Genehmigungs-
verfahren für Großanlagen und Planungen, die Um-
· einem Verweis auf die Erstberichterstattung, weltbelange berühren, wie beispielsweise die Abfall-
wirtschaftsplanung. Die Öffentlichkeitsbeteiligung soll
· den Stand des Verfahrens,
dazu beizutragen, dass das Recht des Einzelnen auf ein
· die Darstellung aller Änderungsvorschläge so- Leben in einer der Gesundheit und dem Wohlbefinden
wie zuträglichen Umwelt geschützt wird.
· neue Literaturverweise. Inhaltlicher Überblick: Artikel 1 der Richtlinie nor-
miert die dargestellten Ziele des Arhus-Übereinkom-
· Alle hier vorgestellten Texte sind auf Anfrage bei mens allgemein für das Gemeinschaftsrecht. Eine Rei-
der Redaktion erhältlich. he von Richtlinien im Umweltbereich, aufgrund deren
· Telefon: 069 / 95 78 31 - 32 die Mitgliedstaaten umweltbezogene Pläne und Pro-
gramme erstellen müssen, enthalten derzeit keine hin-
· Telefax: 069 / 95 78 31 - 40 reichenden Bestimmungen über die Beteiligung der
Öffentlichkeit. Hierzu gehören
· e-mail: anwaltsbuero@umweltrechtsreport.de
· die Richtlinie 75/442/EWG über Abfälle,
· Während des Berichtszeitraums haben sich folgen-
de Änderungen in der Gesetzgebung ergeben: · die Richtlinie 91/157/EWG über gefährliche Stof-
fe enthaltende Batterien und Akkumulatoren,
· die Richtlinie 91/676/EWG zum Schutz der Ge-
wässer vor Verunreinigung durch Nitrat aus land-
wirtschaftlichen Quellen,
· die Richtlinie 91/689/EWG über gefährliche Ab-
fälle,
· die Richtlinie 94/62/EG über Verpackungen und
Verpackungsabfälle und
Umweltrechtsreport 7/2003 453 Neue Rechtsvorschriften

· die Richtlinie 96/62/EG über die Beurteilung und gen (als krebserzeugend, erbgutverändernd bzw. fort-
die Kontrolle der Luftqualität pflanzungsgefährdend — k/e/f — eingestufte Stoffe)
Artikel 2 verpflichtet die Mitgliedstaaten dafür zu sor- Richtlinie 2003/36/EG des Europäischen Parlaments
gen, dass die Öffentlichkeit frühzeitig und in effektiver und des Rates vom 26. Mai 2003 zur fünf-
Weise die Möglichkeit erhält, sich an der Vorbereitung undzwanzigsten Änderung der Richtlinie 76/769/EWG
und Änderung oder Überarbeitung der Pläne oder der des Rates zur Angleichung der Rechts- und Verwal-
Programme zu beteiligen, die aufgrund der genannten tungsvorschriften der Mitgliedstaaten für Beschrän-
Vorschriften auszuarbeiten sind. Die Mitgliedstaaten kungen des Inverkehrbringens und der Verwendung
haben jetzt bis zum 25. Juni 2005 Zeit in ihren nationa- gewisser gefährlicher Stoffe und Zubereitungen (als
len Vorschriften entsprechende Bestimmungen aufzu- krebserzeugend, erbgutverändernd bzw. fortpflan-
nehmen. zungsgefährdend — k/e/f — eingestufte Stoffe)
Die Artikel 3 und 4 sind Änderungsvorschriften. Durch Prüfempfehlung:
sie werden Bestimmungen zur Öffentlichkeits-
Die Richtlinien lassen die Pflichtenlage zunächst
beteiligung in zwei weiteren wichtigen Richtlinien des
unberührt. Die Verkaufsverbote müssen bis spätes-
europäischen Umweltrechts eingefügt:
tens 15. Januar 2005 in nationales Recht umgesetzt
In der Richtlinie 85/337/EWG über die Umwelt- werden.
verträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffent-
In der Europäischen Union ist ein Verkaufsverbot für
lichen und privaten Projekten werden die in Artikel
eine Reihe gesundheitsgefährdender Stoffe in Kraft ge-
6 bereits enthaltenen Vorschriften zur Öffentlichkeits-
treten. Das Verbot gilt für insgesamt 65 Substanzen
beteiligung neu gefasst. Gleiches gilt für die in Artikel
und Zubereitungen, die Krebs erzeugen, das menschli-
7 enthaltenen Regelungen zur grenzüberschreitenden
che Erbgut verändern oder die Fortpflanzung gefähr-
Öffentlichkeitsbeteiligung. Daneben erhält die Richtli-
den können. Mit dem Inkrafttreten der zwei EU-
nie einen neuen Artikel 10a, der die Mitgliedstaaten
Richtlinien sollen der Gesundheits- und Verbraucher-
zur Einführung von Vorschriften verpflichtet, die eine
schutz verbessert sowie die Chemikaliensicherheit er-
gerichtliche Überprüfung von Entscheidungen im
höht werden.
Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung ermögli-
chen. Dabei soll der betroffenen Öffentlichkeit ein wei- Zu den verbotenen Stoffen zählen u.a. einige Azo-
ter Zugang zu den Gerichten gewährt werden. farbstoffe, die in Spezialfarben, Druckfarben und
Lacken vorkommen, bestimmte Weichmacher sowie
In der Richtlinie 96/61/EG des Rates über die integrier-
gesundheitsgefährdende Komponenten in Klebstoffen.
te Vermeidung und Verminderung der Umweltver-
Die Abgabe an gewerbliche Verbraucher, die eine si-
schmutzung (IVU-Richtlinie) werden ebenfalls die Be-
chere Verwendung dieser Chemikalien gewährleisten
stimmungen zur Öffentlichkeitsbeteiligung neu gefasst.
können, ist weiterhin zulässig. Vom Verbot ausge-
Im Rahmen dieser Richtlinie bezieht sich die Öffent-
nommen sind derzeit auch noch Erzeugnisse, die diese
lichkeitsbeteiligung auf Genehmigungsverfahren für
gefährlichen Stoffe enthalten. Eine Regelung für derar-
neue Anlagen bzw. die wesentliche Änderung beste-
tige Erzeugnisse soll jedoch in der geplanten EU-
hender Anlagen. Hierzu enthält der neue Anhang V
Chemikalien-Verordnung (REACH-Verordnung) fest-
Mindestanforderungen. Die Gewährleistung einer ge-
gelegt werden. Diese Verordnung wird die Rechts-
richtlichen Überprüfung von Entscheidungen auch im
grundlage sein, um europaweit auch Erzeugnisse vom
Rahmen eines Genehmigungsverfahrens wird durch
Markt zu nehmen, die gefährliche Stoffe freisetzen und
den neuen Artikel 15a festgeschrieben.
die menschliche Gesundheit zu schädigen vermögen.
Die Richtlinie ist am 25.6.2003 in Kraft getreten. Sie
(Fundstellen: ABl. EU Nr. L 156 S. 14 und S. 26)
muss bis zum 25. Juni 2005 in nationales Recht um-
gesetzt werden.
(Fundstelle: ABl. EU 2003 Nr. L 156 S. 17)

❖ Neue Regelungen zur Ausfuhr von Dro-


genausgangsstoffen
EU-weites Verkaufsverbot für krebser- Mitteilung der Kommission gemäß den Artikeln 2 und
zeugende Stoffe in Kraft getreten 3 der Verordnung (EWG) Nr. 3769/92 der Kommission
vom 21. Dezember 1992 zur Durchführung und Ände-
Richtlinie 2003/34/EG des Europäischen Parlaments rung der Verordnung (EWG) Nr. 3677/90 des Rates
und des Rates vom 26. Mai 2003 zur dreiundzwanzigs- über Maßnahmen gegen die Abzweigung bestimmter
ten Änderung der Richtlinie 76/769/EWG des Rates für Stoffe zur unerlaubten Herstellung von Suchtstoffen
Beschränkungen des Inverkehrbringens und der Ver- und psychotropen Stoffen
wendung gewisser gefährlicher Stoffe und Zubereitun-
Neue Rechtsvorschriften 454 Umweltrechtsreport 7/2003

Prüfempfehlung: Höchstmengen für Rückstände in Eiern, Milch oder


Honig bestimmt werden.
Ausfuhren bestimmter Drogenausgangsstoffe in die
in der Mitteilung aufgeführten Länder dürfen nur Nach Artikel 1 der vorliegenden Verordnung werden
mit einer besonderen Ausfuhrgenehmigung vorge- die Anhänge I und II der Verordnung (EWG) Nr.
nommen werden. 2377/90 gemäß dem beiliegenden Anhang ergänzt.
Danach wird in Anhang I der Stoff Cypermethrin auf-
Nach den Artikeln 2 und 3 der Verordnung (EWG) Nr.
genommen, in Anhang II die Stoffe Acetylsalicylsäure,
3769/92 sind für die Ausfuhr von Drogenaus-
Acetylsalicylsäure DL-Lysin, Carbasalat-Calcium und
gangsstoffen in bestimmte sensible Länder gesonderte
Natriumacetylsalicylat.
Ausfuhrgenehmigungen erforderlich. Die von dieser
Regelung erfassten Länder werden durch die vorlie- In-Kraft-Treten: Diese Verordnung ist am 20. Juni
gende Mitteilung neu festgelegt. 2003 in Kraft getreten.
(Fundstelle: ABl. EU Nr. C 138 S. 11) )Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 149, S. 15 ff.)

❖ ❖

Höchstmengen für Rückstände der Stoffe DHA(Docosahexaensäure)-reiches Öl der


Cypermethrin, Acetylsalicylsäure, Ace- Mikroalge Schizochytrium sp. darf als
tylsalicylsäure DL-Lysin, Carbasalat- neuartige Lebensmittelzutat in Verkehr
Calcium und Natriumacetylsalicylat in gebracht werden
Tierarzneimitteln festgesetzt
Entscheidung der Kommission vom 5. Juni 2003 zur
Verordnung (EG) Nr. 1029/2003 der Kommission vom Genehmigung des Inverkehrbringens von
16. Juni 2003 zur Änderung der Anhänge I und II der DHA(Docosahexaensäure)-reichem Öl der Mikroalge
Verordnung (EWG) Nr. 2377/90 des Rates zur Schaf- Schizochytrium sp. als neuartige Lebensmittelzutat im
fung eines Gemeinschaftsverfahrens für die Festset- Sinne der Verordnung (EG) Nr. 258/97 des Europäi-
zung von Höchstmengen für Tierarzneimitte- schen Parlaments und des Rates
lrückstände in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs Prüfempfehlung:
Prüfempfehlung: Die Verordnung der Kommission bedarf keiner
Die Verordnung der Kommission bedarf keiner Umsetzung in nationales Recht. Die Unternehmen
Umsetzung in nationales Recht. Die Unternehmen und Betriebe, die DHA(Docosahexaensäure)-reiches
und Betriebe sind daher verpflichtet, die im An- Öl der Mikroalge Schizochytrium sp. als Lebens-
hang der Verordnung festgesetzten Rückstands- mittelzutat in Verkehr bringen wollen, sind daher
höchstmengen für die Stoffe Cypermethrin, Acetyl- verpflichtet, die Anforderung der Anhänge 1 und 2
salicylsäure, Acetylsalicylsäure DL-Lysin, Carbasa- der Verordnung zu erfüllen.
lat-Calcium und Natriumacetylsalicylat einzuhal- Die Verordnung (EG) Nr. 258/97 enthält Regelungen
ten. über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmit-
Die Verordnung (EWG) Nr. 2377/90 bestimmt, dass telzutaten. Die Erstprüfung von DHA-reichem Öl hat
schrittweise Höchstmengen für Rückstände aller phar- ergeben, dass diese Lebensmittelzutat für den mensch-
makologisch wirksamen Stoffe festzusetzen sind, die in lichen Verzehr unbedenklich ist.
der Gemeinschaft in Tierarzneimitteln für zur Lebens- Gemäß der Stellungnahme des Ständigen Ausschusses
mittelerzeugung genutzte Tiere verwendet werden. für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit erfüllt
Die Festsetzung erfordert eine Spezifizierung der Tier- das Öl die Kriterien des Artikels 3 Absatz 1 der Ver-
art, in der Rückstände vorkommen können, der Men- ordnung (EG) Nr. 258/97. Es darf daher unter den Vor-
gen, die in essbaren Gewebe vorkommen können aussetzungen des Anhangs 1 der vorliegenden Ent-
(Zielgewebe), sowie der Beschaffenheit des Rückstan- scheidung als neuartige Lebensmittelzutat für die in
des (Marker-Rückstand). Anhang 2 aufgeführten Verwendungszwecke in den
dort angegebenen Höchstmengen in Verkehr gebracht
Grundsätzlich werden zur Kontrolle der Rückstände werden.
die Höchstmengen für die Zielgewebe Leber oder Nie-
ren festgesetzt. Da diese aber häufig aus den Schlacht- Die Bezeichnung DHA-reiches Öl der Mikroalge Schi-
körpern entfernt werden, sind auch Höchstmengen für zochytrium sp. ist entweder auf dem Etikett des Er-
Rückstände im Muskel- oder Fettgewebe festzulegen. zeugnisses oder im Zutatenverzeichnis des jeweiligen
Lebensmittels anzugeben.
Bei Tierarzneimitteln für Legegeflügel, Tiere in der
Laktationsphase oder Honigbienen müssen auch (Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 144, S. 13 f.)
Umweltrechtsreport 7/2003 455 Neue Rechtsvorschriften

Gebühren und Kostenbeiträge für die ropäischen Parlaments und des Rates vom 7. Mai 2002
Anträge auf Verwendung von Zusatz- über unerwünschte Stoffe in der Tierernährung
stoffen in Pflanzenschutzmitteln festge- Prüfempfehlung:
setzt Aus der Richtlinie ergeben sich keine unmittelbaren
Pflichten für die einzelnen Unternehmen und Be-
Verordnung (EG) Nr. 1044/2003 der Kommission vom triebe. Hierzu bedarf es der Umsetzung der Richtli-
18. Juni 2003 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. nie durch die Mitgliedstaaten in Form von Rechts-
451/2000 und (EG) Nr. 1490/2002 und Verwaltungsvorschriften. Die Umsetzung hat
Prüfempfehlung: mit Ausnahme der Vorschriften betreffend die Ein-
träge unter den Buchstaben c) und j) im Verzeich-
Die Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich nis der Erzeugnisse, das der Tabelle im Anhang
und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat. Unter- dieser Richtlinie zu entnehmen ist, spätestens bis
nehmen und Betriebe, die einen Antrag auf Zulas- zum 31. Juli 2003 zu erfolgen. Die Einträge unter
sung der Verwendung eines Stoffes in Pflanzen- den Buchstaben c) und j) sind bis spätestens 29.
schutzmitteln stellen, sind daher verpflichtet, eine Februar 2004 umzusetzen. Die Vorschriften sind ab
Gebühr oder einen Kostenbeitrag an den jeweiligen dem 1. August 2003, im letzteren Fall ab dem 1.
Mitgliedstaat zu entrichten. März 2004, anzuwenden.
Die Richtlinie 91/414/EWG regelt das Inverkehrbrin- Mit der Richtlinie 1999/29/EG wurden Höchstwerte
gen von Pflanzenschutzmitteln. Hierzu sieht sie in Ar- für Dioxine in mehreren Futtermittelausgangs-
tikel 8 Absatz 2 ein dreistufiges Arbeitsprogramm vor, erzeugnissen und Mischfuttermitteln festgelegt. Diese
das nach den Bestimmungen der Verordnung (EWG) Richtlinie wurde durch die Richtlinie 2002/32/EG zum
Nr. 3600/92 durchzuführen ist. Diese Bestimmungen 1. August 2003 aufgehoben und ersetzt. Um den
sind zuletzt durch die Verordnungen (EG) Nr. Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier weiterhin
451/2000 und (EG) Nr. 1490/2002 geändert worden. gewährleisten zu können, ist es erforderlich, die festge-
Die Durchführung der ersten Stufe des Arbeits- setzten Höchstwerte für Dioxine in die Richtlinie
programms hat ergeben, dass die Mitgliedstaaten enger 2002/32/EG aufzunehmen.
zusammenarbeiten müssen, um eine schnelle und kohä- Weitere Vorschriften zu Dioxinen befinden sich in der
rente Beschlussfassung zu ermöglichen. Hierzu sind Verordnung (EG) Nr. 2439/1999 über die Bedingungen
den Mitgliedstaaten bereits auf der zweiten Stufe des für die Zulassung von Zusatzstoffen der Gruppe „Bin-
Arbeitsprogramms Gebühren für ihre Arbeit als Be- demittel, Fließhilfsstoffe und Gerinnungsstoffe“ in der
richterstatter und für andere Tätigkeiten zu zahlen. Tierernährung. Um größere Klarheit zu schaffen, soll-
Darüber hinaus muss die Finanzierung von Sachver- ten diese Bestimmungen ebenfalls in die Richtlinie
ständigen sichergestellt werden, die von der Europäi- 2002/32/EG aufgenommen werden. Zum Schutz der
schen Behörde für Lebensmittelsicherheit angehört Gesundheit von Mensch und Tier sollten dabei zusätz-
werden können. lich zum Dioxinhöchstgehalt von Kaolin-Ton auch für
Gemäß Artikel 1 und 2 der vorliegenden Verordnung die Zusatzstoffe Calciumsulfat-Dihydrat, Vermiculit,
werden Artikel 12 der Verordnung (EG) Nr. Natrolith-phonolith, synthetische Calciumaluminate
451/2000 und Artikel 17 der Verordnung (EG) Nr. und Klinoptilolit sedimentären Ursprungs ein Höchst-
1490/2002 dahingehend geändert, dass die Antragstel- dioxingehalt festgelegt werden.
ler für die Bearbeitung und Bewertung von Anträgen Der Anhang I der Richtlinie 2002/32/EWG wird dem-
sowie für die zugehörigen Unterlagen nunmehr eine entsprechend gemäß dem Anhang der vorliegenden
Gebühr oder einen Kostenbeitrag entrichten müssen. Richtlinie geändert.
In-Kraft-Treten: Diese Verordnung ist am 26. Juni (Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 151, S. 38 ff.)
2003 in Kraft getreten.
(Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 151, S. 32) ❖

❖ Verfahren für Zulassungsänderungen für


Human- und Tierarzneimittel vereinfacht
Richtlinie 2002/32/EG über unerwünsch-
te Stoffe in der Tierernährung durch Verordnung (EG) Nr. 1085/2003 der Kommission vom
3. Juni 2003 über die Prüfung von Änderungen einer
Vorschriften über Höchstwerte für Di- Zulassung für Human- und Tierarzneimittel gemäß der
oxine ergänzt Verordnung (EWG) Nr. 2309/93 des Rates

Richtlinie 2003/57/EG der Kommission vom 17. Juni


2003 zur Änderung der Richtlinie 2002/32/EG des Eu-
Neue Rechtsvorschriften 456 Umweltrechtsreport 7/2003

Prüfempfehlung: Lebensmitteln tierischen Ursprungs und bestimmten


Erzeugnissen pflanzlichen Ursprungs, einschließlich
Die Verordnung der Kommission bedarf keiner
Obst und Gemüse
Umsetzung in nationales Recht. Unternehmen und
Betriebe, die eine Änderung ihrer Zulassung für Prüfempfehlung:
Human- und Tierarzneimittel beantragen, sind da-
Aus der Richtlinie ergeben sich keine unmittelbaren
her an die Verfahrensvorschriften der Verordnung
Pflichten für die einzelnen Unternehmen und Be-
gebunden.
triebe. Hierzu bedarf es der Umsetzung der Richtli-
Die Verordnung (EWG) Nr. 2309/93 legt ein Gemein- nie durch die Mitgliedstaaten in Form von Rechts-
schaftsverfahren für die Genehmigung und Überwa- und Verwaltungsvorschriften. Die Umsetzung hatte
chung von Human- und Tierarzneimitteln fest. Die spätestens bis zum 30. Juni 2003 zu erfolgen, mit
Anwendung dieses Verfahrens in der Praxis gibt An- Ausnahme der Bestimmungen für Fentin-hydroxid,
lass zu einer vereinfachten Regelung für Zulassungs- Fentin-acetat und Chlorfenapyr, die spätestens am
änderungen. Darüber hinaus erfordert die Richtlinie 30. Juni 2004 in Kraft treten werden. Die Vorschrif-
2001/83/EG zur Schaffung eines Gemeinschaftskode- ten sind ab 1. Juli 2003 anzuwenden, mit Ausnahme
xes für Humanarzneimittel die Aufnahme von Be- der Vorschriften für Fentin-hydroxid, Fentin-acetat
stimmungen über Plasma-Stammdaten und Impfanti- und Chlorfenapyr, die ab dem 1. Juli 2004 gelten.
gen-Stammdaten in die vorliegende Verordnung.
Die Richtlinien 76/895/EWG, 86/362/EWG,
Um Mitteilungsverfahren zu vereinfachen und zu be- 86/363/EWG und 90/642/EWG beinhalten Regelungen
schleunigen, bestimmt die vorliegende Verordnung zu- über die Festsetzung von Höchstgehalten an Rückstän-
dem, dass die Einführung geringfügiger Änderungen, den von bestimmten Schädlingsbekämpfungsmitteln.
welche die zulassungsgemäße Qualität, Unbedenklich- Rückstande von Wirkstoffen, die nicht in Pflanzen-
keit oder Wirksamkeit des Arzneimittels nicht bein- schutzmitteln verwendet werden dürfen, müssen in die
trächtigen, ohne eine Bewertung durch die Europäische Anhänge der Richtlinien 86/362/EWG, 86/363/EWG
Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln erfol- und 90/642/EWG aufgenommen werden, um eine ord-
gen kann. nungsgemäße Überwachung und Kontrolle des Ver-
wendungsverbots zu gewährleisten. Das gleiche gilt
Des weiteren enthält die Verordnung in Artikel 7 und
gemäß Artikel 4 Absatz 1 der Richtlinie 91/414/EWG
Artikel 8 Verfahrensregelungen über die Änderungen
für Stoffe, für die es weder einen gemeinschaftlichen,
der Zulassungen von Grippeimpfstoffen für den Men-
noch einen vorläufigen nationalen Rückstandshöchst-
schen, wobei insbesondere der Ausbruch von Epide-
wert gibt.
mien Berücksichtigung findet. Ergreift der Zulassungs-
inhaber bei einer Gefährdung der öffentlichen Gesund- Zu diesen Stoffen gehören Amitrol, Diquat, Isoprotu-
heit oder der Tiergesundheit Notfallmaßnahmen, so hat ron, Ethofumesat, Fenhexamid, Acibenzolar-S-methyl,
er sich an den Verfahrensschritten des Artikel 9 der Cyclanilid, Pyraflufen-ethyl, Iprovalicarb, Prosulfuron,
vorliegenden Verordnung zu orientieren. Sulfosulfuron, Cinidon-ethyl, Cyhaofop-butyl, Famo-
xadon, Florasulam, Metalaxyl-M, Picolinafen und
Mit der vorliegenden Verordnung wird die Verord-
Flumioxazin. Diese wurden in Anhang I der Richtlinie
nung (EG) Nr. 542/95 aufgehoben.
91/414/EWG über das Inverkehrbringen von Pflanzen-
Geltung: Diese Verordnung gilt ab dem 1. Oktober schutzmitteln aufgenommen.
2003.
Demgegenüber entschied die Kommission, Anhang I
(Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 159, S. 24 ff.) der Richtlinie 91/414/EWG nicht durch die Wirkstoffe
Chlorfenapyr, Fentin-acetat und Fentin-hydroxid zu
ergänzen. Pflanzenschutzmittel mit diesen Wirkstoffen
❖ dürfen mithin nicht länger zur Verwendung zugelassen
werden. Alle Rückstände von Schädlingsbekämpfungs-
Rückstandshöchstgehalte an Schädlings- mitteln, die sich aus der Verwendung dieser Pflanzen-
schutzmittel ergeben, sind daher ebenfalls in die An-
bekämpfungsmitteln für Wirkstoffe fest- hänge der Richtlinien 86/362/EWG, 86/363/EWG und
gesetzt, für die entweder keine Rück- 90/642/EWG aufzunehmen. Die entsprechenden Rück-
standshöchstwerte bestehen, oder die standshöchstgehalte an Schädlingsbekämpfungsmitteln
nicht in Pflanzenschutzmitteln verwendet sind den Anhängen I bis IV der vorliegenden Richt-
werden dürfen linie zu entnehmen.
Von der Rückstandsaufnahme in die Anhänge der
Richtlinie 2003/60/EG der Kommission vom 18. Juni Richtlinien 86/362/EWG, 86/363/EWG und
2003 zur Änderung der Anhänge der Richtlinien 90/642/EWG ist auch der Wirkstoff Diquat erfasst. Um
76/895/EWG, 86/362/EWG, 86/363/EWG und einheitlich Rückstandshöchstgehalte von Diquat fest-
90/642/EWG des Rates hinsichtlich der Festsetzung setzen zu können, werden in Anhang II der Richtlinie
von Höchstgehalten an Rückständen von bestimmten 76/895/EWG über die Festsetzung von Höchstgehalten
Schädlingsbekämpfungsmitteln in und auf Getreide, an Rückständen von Schädlingsbekämpfungsmitteln
Umweltrechtsreport 7/2003 457 Neue Rechtsvorschriften

auf und in Obst und Gemüse die Einträge zu Diquat Neue Energieeffizienzklassen für Kühl-
gestrichen. und Gefriergeräte sowie entsprechende
(Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 155, S. 15 ff.) Kombinationsgeräte festgelegt
Richtlinie 2003/66/EG der Kommission vom 3. Juli

2003 zur Änderung der Richtlinie 94/2/EG zur Durch-
führung der Richtlinie 92/75/EWG des Rates betreffend
Aus- und Einfuhrbedingungen für ge- die Energieetikettierung für elektrische Haushaltskühl-
fährliche Chemikalien auf weitere Che- und -gefriergeräte sowie entsprechende Kombinati-
onsgeräte
mikalien erstreckt
Prüfempfehlung:
Verordnung (EG) Nr. 1213/2003 der Kommission vom Die Änderungsrichtlinie begründet keine unmittel-
7. Juli 2003 zur Änderung von Anhang I der Verord- baren Pflichten für die einzelnen Unternehmen und
nung (EG) Nr. 304/2003 des Europäischen Parlaments Betriebe. Hierzu bedarf es der Umsetzung der
und des Rates über die Aus- und Einfuhr gefährlicher Richtlinie durch die Mitgliedstaaten in Form von
Chemikalien Rechts- und Verwaltungsvorschriften. Die Umset-
Prüfempfehlung: zung hatte spätestens bis zum 30. Juni 2004 zu er-
folgen.
Die Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich
und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat. Unter- Die Richtlinie 92/75/EWG enthält Angaben über den
nehmen und Betriebe, die die im Anhang dieser Verbrauch an Energie und anderen Ressourcen durch
Verordnung aufgeführten Chemikalien im interna- Haushaltsgeräte mittels einheitlicher Etiketten und
tionalen Handel aus- oder einführen wollen, unter- Produktinformationen. Zusammen mit der Richtlinie
liegen den Anforderung des PIC-Verfahrens. 94/2/EG, durch die Etikettierungsregelungen erstmals
eingeführt wurden, konnte der Index der Energie-
Die Verordnung (EG) Nr. 304/2003 dient der Umset- effizienz neuer Kühl- und Gefriergeräte zwischen 1996
zung des Rotterdamer Übereinkommens über das Ver- und 2000 um mehr als 30 % verbessert werden.
fahren der vorherigen Zustimmung nach Inkenntnisset-
zung (PIC-Verfahren) für bestimmte gefährliche Che- Da der Marktanteil von Geräten der Energieeffizienz-
mikalien und Pestizide im internationalen Handel. An- klasse A erheblich gewachsen ist, müssen bis zu einer
hang I der Verordnung enthält in den Teilen 1 und 2 Überarbeitung der Energieetikettierungsklassen die zu-
Listen über Chemikalien, die dem Verfahren der Aus- sätzlichen Klassen A+ und A++ in die Richtlinie
fuhrnotifikation unterliegen sowie solchen, die Kandi- 94/2/EG eingeführt werden. Artikel 1 und 2 der Richt-
daten für die PIC-Notifikation sind. linie werden dementsprechend geändert. Mit der Än-
derung wird gleichzeitig eine Anpassung vor kurzem
Aufgrund neu erlassener Vorschriften der Gemein- erlassener Richtlinien zur Durchführung der Richtlinie
schaft, die bestimmte Chemikalien verbieten oder diese 92/75/EWG vorgenommen.
strengen Beschränkungen unterwerfen, ist eine Erwei-
terung der Chemikalienlisten der Teile 1 und 2 erfor- Vorzunehmende Messungen müssen gemäß Artikel 1
derlich. Darüber hinaus hat der Verhandlungsausschuss Absatz 2 der Richtlinie nunmehr anhand von Normen
für das Rotterdamer Übereinkommen beschlossen, dass ausgeführt werden, die von Europäischen Normungs-
der Stoff Monocrotophos in Teil 3 des Anhangs I auf- gremien stammen und deren Referenznummern im
zunehmen ist. Dieser Teil enthält Chemikalien, die Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht wur-
dem PIC-Verfahren des Rotterdamer Übereinkommens den. Hierbei ist erforderlich, dass die Mitgliedstaaten
unterliegen. die Referenznummern der umsetzenden einzelstaatli-
chen Normen veröffentlicht haben.
Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 304/2003 wird
dementsprechend gemäß dem Anhang der vorliegen- Die Änderung des Artikel 1 Absatz 3 der Richtlinie
den Verordnung geändert. 94/2/EG führt dazu, dass Angaben zu Geräuschemissi-
onen im Sinne der Anhänge I bis III der Richtlinie nur
In-Kraft-Treten: Diese Verordnung ist am 28. Juli erforderlich sind, wenn die Mitgliedstaaten diese for-
2003 in Kraft getreten. dern. In Absatz 4 der Richtlinie wird auf die in Artikel
(Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 169, S. 27 ff.) 1 Absatz 4 der Richtlinie 92/75/EWG festgelegten
Begriffe verwiesen.
Artikel 2 der Richtlinie 94/2/EG wird dahingehend
ergänzt, dass Angaben für bestimmte Modellkombina-
tionen, die sich auf Berechnungen der Bauart und/oder
Extrapolation von anderen Kombinationen beziehen,
Einzelheiten über diese Berechnungen sowie deren
Korrektheit enthalten sollten. Darüber hinaus müssen
alle schriftlichen Angebote zu Geräten, bei denen der
Neue Rechtsvorschriften 458 Umweltrechtsreport 7/2003

potenzielle Käufer die Geräte nicht ausgestellt sieht, Richtlinie 91/692/EWG zur Vereinheit-
die in Anhang III der Richtlinie genannten Angaben lichung und zweckmäßigen Gestaltung der
enthalten.
Berichte über die Durchführung bestimm-
Die Anhänge I bis III der Richtlinie werden gemäß ter Umweltschutzrichtlinien korrigiert
dem Anhang der vorliegenden Richtlinie geändert. An-
hang IV wird gestrichen. Die Mitgliedstaaten gestatten Berichtigung der Richtlinie 91/692/EWG des Rates
das Inverkehrbringen von Etiketten, Datenblättern und vom 23. Dezember 1991 zur Vereinheitlichung und
Mitteilungen spätestens am 1. Juli 2004. Diese müssen zweckmäßigen Gestaltung der Berichte über die
spätestens bis zum 31. Dezember 2004 mit den überar- Durchführung bestimmter Umweltschutzrichtlinien
beiteten Mustern übereinstimmen. Prüfempfehlung:
(Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 170, S. 10 ff.) Die Berichtigung der Richtlinie 91/692/EWG lässt
die Pflichtenlage der Unternehmen und Betriebe
❖ unberührt.
In Anhang IV, Buchstabe b) der Richtlinie
91/692/EWG wird nicht mehr auf Artikel 12 der Richt-
Neue Rückstandshöchstgehalte für Hexa- linie 75/442/EWG des Rates vom 15. Juli 1975 über
conazol, Clofentezin, Myclobutanyl und Abfälle verwiesen, sondern auf Artikel 16.
Prochloraz festgesetzt
(Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 146, S. 52)
Richtlinie 2003/62/EG der Kommission vom 20. Juni
2003 zur Änderung der Richtlinien 86/362/EWG und
90/642/EWG des Rates hinsichtlich der Rückstands- ❖
höchstgehalte für Hexaconazol, Clofentezin, Myclobu-
tanyl und Prochloraz Anhang I der Richtlinie 2003/11/EG über
Prüfempfehlung: Beschränkungen des Inverkehrbringens
Aus der Änderungsrichtlinie ergeben sich keine und der Verwendung gewisser gefährli-
unmittelbaren Pflichten für die einzelnen Unter- cher Stoffe und Zubereitungen redaktio-
nehmen und Betriebe. Hierzu bedarf es der Umset- nell überarbeitet
zung der Richtlinie durch die Mitgliedstaaten in
Form von Rechts- und Verwaltungsvorschriften. Berichtigung der Richtlinie 2003/11/EG des Europäi-
Die Umsetzung hatte spätestens bis zum 31. Juli schen Parlaments und des Rates vom 6. Februar 2003
2003 zu erfolgen. Die Mitgliedstaaten wenden die 24. Änderung der Richtlinie 76/769/EWG des Rates
Vorschrift ab 1. August 2003 an. über Beschränkungen des Inverkehrbringens und der
Die Richtlinie 90/642/EWG setzt Höchstgehalte an Verwendung gewisser gefährlicher Stoffe und Zuberei-
Rückständen von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf tungen (Pentabromdiphenylether, Octabromdipheny-
und in Erzeugnissen pflanzlichen Ursprungs ein- lether)
schließlich Obst und Gemüse fest. Die Richtlinie Prüfempfehlung:
86/362/EWG regelt die Höchstgehalte in Getreide.
Die Berichtigung der Richtlinie 2003/11/EG be-
Mit der Richtlinie 2002/79/EG wurden Rückstands- gründet keine neuen Pflichten für die Unternehmen
höchstgehalte für bestimmte Kombinationen von und Betriebe.
Schädlingsbekämpfungsmitteln und Nahrungsmitteln
festgelegt. Die Prüfung dieser Kombinationen hat er- In Anhang I der Richtlinie 91/692/EWG erhalten die
geben, dass die festgelegten Rückstandshöchstgehalte Zubereitungen Diphenylether-Pentabromderivat
der zulässigen täglichen Aufnahme sowie der akuten C12H5Br5O und Diphenylether-Octabromderivat
Referenzdosis entsprechen. C12H2Br8O die Nummerierungen 44. und 45.

Die in Anhang II der Richtlinie 90/642/EWG aufge- (Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 170, S. 31)
führten Rückstandshöchstgehalte für die Kombinatio-
nen Hexaconazol, Clofentezin und Myclobutanyl wer- ❖
den daher durch die im Anhang der vorliegenden
Richtlinie festgesetzten Höchstgehalte ersetzt.
In Anhang II Teil A der Richtlinie 86/362/EWG
Richtlinie 2002/34/EG über kosmetische
werden die Einträge zu Hexaconazol und Prochloraz Mittel redaktionell berichtigt
entsprechend Artikel 2 der vorliegenden Richtlinie ge-
ändert. Berichtigung der Sechsundzwanzigsten Richtlinie
2002/34/EG der Kommission vom 15. April 2002 zur
(Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 154, S. 70 ff.) Anpassung der Anhänge II, III und VII der Richtlinie
76/768/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts-
Umweltrechtsreport 7/2003 459 Neue Rechtsvorschriften

vorschriften der Mitgliedstaaten über kosmetische Mit- Empfehlung „Obergrenze für Aktienoptionen“:
tel an den technischen Fortschritt
Aktienoptionen und vergleichbare Gestaltungen sollen
Prüfempfehlung: künftig auf anspruchsvolle, relevante Vergleichs-
parameter bezogen sein. Für außerordentliche, nicht
Die Berichtigung der Richtlinie 2002/34/EG hat
vorhergesehene Entwicklungen soll der Aufsichtsrat
keine Auswirkungen auf die Pflichtenlage der Un-
eine Begrenzungsmöglichkeit (Cap) vereinbaren.
ternehmern und Betriebe.
Empfehlung „Offenlegung des Wertes von Aktien-
Die Berichtigungen der Richtlinie 2002/34/EG besteht
optionen“,
lediglich in redaktionellen Anpassungen und Recht-
schreibkorrekturen. Empfehlung „Bekanntmachung des Vergütungssys-
tems im Internet“:
(Fundstelle: ABl. EG 2003 Nr. L 151, S. 44)
Die Grundzüge des Vergütungssystems sollen auf der
Internetseite der Gesellschaft in allgemein verständli-
cher Form bekannt gemacht und im Geschäftsbericht
Bund erläutert werden. Hierzu sollen auch Angaben zum
Wert von Aktienoptionen gehören.

Die neueste Fassung des Deutschen Cor- Empfehlung „Information der Hauptversammlung
über das Vergütungssystem“:
porate Governance Kodex ist im elektro-
nischen Bundesanzeiger veröffentlicht Der Vorsitzende des Aufsichtsrats soll die Hauptver-
sammlung über die Grundzüge des Vergütungssystems
worden
und deren Veränderung informieren.
Der Corporate Governance Kodex stellt wesentliche Daneben ist die bisherige Anregung zur
gesetzliche Vorschriften zur Leitung und Überwachung individualisierten Veröffentlichung der Vorstands-
deutscher börsennotierter Gesellschaften dar. Er enthält bezüge in eine Empfehlung umgewandelt worden.
international und national anerkannte Standards guter Anregungen („sollte-“ und „kann“-Bestimmungen)
und verantwortungsvoller Unternehmensführung. Das werden von der Entsprechenserklärung nach § 161
Regelwerk ist von uns im Rahmen des Wahlthemas AktG nicht erfasst. Diese bezieht sich nur auf
„Die Pflicht des Vorstandes zur Einhaltung gesetz- Empfehlungen („soll“-Bestimmungen) der Regierungs-
licher Bestimmungen nach dem Corporate Gover- kommission. Allerdings hat die Kommission als
nance Kodex“ in der Ausgabe 2/2003 des Umwelt- weitere Änderung in die Empfehlung Nr. 3.10 des
rechtsreport dargestellt worden. Kodex, jährlich im Geschäftsbericht über die Corporate
Governance des Unternehmens zu berichten, um die
Nach § 161 Aktiengesetz (AktG) müssen Vorstand und
Anregung ergänzt, in diesem Zusammenhang auch zu
Aufsichtsrat einer börsennotierten Gesellschaft jährlich
den Kodex-Anregungen Stellung zu nehmen.
erklären, dass den vom Bundesministerium der Justiz
im amtlichen Teil des elektronischen Bundesanzeigers Das Bundesjustizministerium hat in einer Stellung-
bekannt gemachten Empfehlungen der "Regierungs- nahme zur Veröffentlichung des neuen Kodex darauf
kommission Deutscher Corporate Governance Kodex" hingewiesen, dass Gesellschaften, die ihre Erklärung
entsprochen wurde und wird oder welche Empfehlun- nach § 161 AktG im Jahr 2003 erst nach dem 4. Juli
gen nicht angewendet wurden oder werden. Die Erklä- 2003 abgeben, die neue Fassung beachten müssen. Bei
rung ist den Aktionären dauerhaft zugänglich zu ma- Gesellschaften, die ihre Erklärung für 2003 bereits
chen. vorher abgegeben haben, gelte Folgendes:
Die Regierungskommission ist am 21. Mai 2003 zu- Die Erklärung nach § 161 AktG sei eine Stichtagser-
sammengekommen und hat mehrere Änderungen des klärung. Sie werde abgegeben zu der im Zeitpunkt der
Kodex beschlossen. Die Änderungen sind am 4. Juli Abgabe geltenden Fassung des Kodex und dann dauer-
2003 im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht haft zugänglich gemacht. Sie enthalte in der Regel kei-
worden. ne dynamische Verweisung auf den Kodex in jeder
künftigen Form.
Die Änderungen sollen in erster Linie für mehr
Transparenz in der Vorstandsvergütung sorgen. Weiter teilt das Ministerium mit: „Die Erklärung nach
Der entsprechende Abschnitt 4.2 des Kodex wurde in § 161 AktG muss nur einmal jährlich abgegeben wer-
mehreren Punkten erweitert: den. Wird der Kodex im Laufe des Jahres geändert,
folgt aus § 161 AktG keine Rechtspflicht zu einer wei-
Empfehlung „Individualisierte Offenlegung der
teren Abgabe der Erklärung während dieses Jahres. Die
Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung“:
neue Fassung ist also erst bei der nächsten Jahreserklä-
Die Angaben zur Vorstands- und Aufsichtsrats- rung zu berücksichtigen.“
vergütung sollen nach ihren Bestandteilen aufgeschlüs-
Weitere Informationen zum Thema Corporate Gover-
selt individualisiert erfolgen.
nance Kodex finden Sie auf der Homepage der Regie-
Neue Rechtsvorschriften 460 Umweltrechtsreport 7/2003

rungskommission unter http://corporate-governance- Die Pflanzenschauverordnung ist am 12.6.2003 in


code.de. Kraft getreten. Sie gilt vom 11.12.2003 an wieder in
ihrer am 11.6.2003 maßgebenden Fassung, sofern nicht
(Fundstelle: elektr. BAnz. Vom 4. Juli 2003)
mit Zustimmung des Bundesrates etwas anderes ver-
ordnet wird.
❖ (Fundstelle: BGBl. I 2003, S.799ff.)

Anlagen zur Pflanzenbeschauverordnung ❖


geändert
Zehnte Verordnung zur Änderung der Pflanzenbe- Technische Überprüfung von Nutzfahr-
schauverordnung zeugen auf der Straße
Prüfempfehlung:
Verordnung über technische Kontrollen von Nutzfahr-
Die Änderungen der Anlagen haben Auswirkungen zeugen auf der Straße (TechKontrollV)
auf die Einfuhrverbote nach §§ 2 und 3 Pflanzenbe-
Prüfempfehlung:
schauverordnung und die besonderen Anforderun-
gen nach § 5 sowie die Bestimmungen über Einlass- Die Verordnung enthält keine Pflichten für Unter-
stellen und Untersuchungen nach den §§ 7 und 8 nehmen.
Pflanzenbeschauverordnung.
Das Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Woh-
Ferner ändern die Anlagen inhaltlich die Pflichten nungswesen hat am 21.5.2003 die Verordnung über
für das innergemeinschaftliche Verbringen nach §§ technische Kontrollen von Nutzfahrzeugen auf der
13a-13n Pflanzenbeschauverordnung. Die Pflichten Straße (TechKontrollV) erlassen.
sind strafbewehrt.
Ziel der Verordnung: Die Verordnung setzt die euro-
Das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernäh- päische Richtlinie 2000/30/EG über die technische Un-
rung und Landwirtschaft hat am 5.6.2003 die Pflan- terwegskontrolle von Nutzfahrzeugen, die in der Ge-
zenbeschauverordnung geändert. meinschaft am Straßenverkehr teilnehmen in deutsches
Ziel der Verordnung: Die Verordnung dient der Um- Recht um. Künftig sollen Nutzfahrzeuge im Interesse
setzung der Richtlinien der Kommission 2002/36/EG, der Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes durch
2003/21/EG, 2003/22/EG 2003/46/EG und technische Kontrollen auf ihren Wartungszustand über-
2003/47//EG. prüft werden.
Inhalt der Verordnung: In § 1 über Begriffs-
bestimmungen wird eine neue Nummer 7 angefügt. Inhalt der Verordnung: Nach § 1 gelten die
Diese bestimmt als internationalen Standard denjeni- Vorschriften dieser Verordnung für die technische
gen Standard für pflanzengesundheitliche Maßnahmen, Kontrolle von Nutzfahrzeugen, die am Straßenverkehr
der in Übereinstimmung mit dem Internationalen teilnehmen oder aus einem Drittland in Deutschland
Pflanzenschutzübereinkommen erstellt worden ist einfahren. Nutzfahrzeuge sind Lkw und ihre Anhänger
In Anlage 1 über Schadorganismen, deren Einfuhr aus sowie Zugmaschinen und ihre Sattelanhänger zur
einem Drittland und innergemeinschaftliches Ver- Güterbeförderung mit einer Gesamtmasse von mehr als
bringen verboten ist, wird in Nr.1 über Insekten, Mil- 3,5 Tonnen und Kraftomnibusse.
ben und Nematoden in allen Entwicklungsstadien eine Zuständig für die Kontrollen sind nach § 3 die nach
Position eingefügt und 3 Positionen gestrichen. Bundes- und Landesrecht zuständigen Behörden. Das
In Anlage 2 über Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse, Bundesamt für Güterverkehr wird als die für die Bun-
deren Einfuhr oder Verbringen bei Befall mit bestimm- desrepublik Deutschland zuständige Stelle bestimmt,
ten Schadstofforganismen verboten ist, werden eben- die im Rahmen dieser Verordnung die Informationen
falls einzelne Positionen geändert. und die Amtshilfe unter den Mitgliedstaaten und deren
Behörden und das Berichtswesen mit der Kommission
In Anlage 4 über besondere Anforderungen für die der Europäischen Gemeinschaften entsprechend der
Einfuhr und innergemeinschaftliches Verbringen wer- §§ 8 bis 10 durchführt. Die zuständigen Behörden ha-
den in Teil I und Teil II die Abschnitte A bis C neu ge- ben sicher zu stellen, dass in ihrem Zuständigkeitsbe-
fasst. reich ein ausreichender, d.h. repräsentativer Anteil an
Anlage 5 über die Untersuchungs-, Zeugnis und Pflan- Nutzfahrzeugen den in dieser Verordnung vorgesehe-
zenpasspflicht wird in einzelnen Positionen geändert. nen Kontrollen unterworfen wird.
Schließlich erfährt Anlage 6 über das Verbringen in Die Durchführung der Kontrollen erfolgt nach § 5
Schutzgebiete eine Neufassung der Nr.1 und 2 in Teil I durch
und weitere Änderungen in den restlichen Teilen. 1. eine Prüfung, des für das Nutzfahrzeug kürzlich
erstellten Prüfberichts über
Umweltrechtsreport 7/2003 461 Neue Rechtsvorschriften

a) eine nach dieser Verordnung durchgeführte Neufassung der Chemikalien-


Kontrolle oder Verbotsverordnung
b) eine Untersuchung des Nutzfahrzeugs,
mit dem die Übereinstimmung mit den für das
Bekanntmachung der Neufassung der Chemikalien-
Fahrzeug geltenden technischen Vorschriften
Verbotsverordnung
bescheinigt wird, insbesondere gemäß § 29
der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung o- Prüfempfehlung:
der der Richtlinie 96/96/EG, oder
2. eine Sichtprüfung des Wartungszustands des Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be-
Nutzfahrzeugs oder rührt.
3. eine Prüfung auf Wartungsmängel. Die Kontrol-
len können auch zwei oder alle Prüfarten nach Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
den Nummern 1 bis 3 beinhalten. Reaktorsicherheit hat am 13.6.2003 die Neufassung der
Die Behörde kann bei Feststellen von Mängel die ein- Chemikalien-Verbotsverordnung bekannt gemacht.
gehendere Untersuchung entsprechend einer Hauptun-
tersuchung nach § 29 der Straßenverkehrs-Zulassungs- Die Chemikalien-Verbotsverordnung war zuletzt zu-
Ordnung bei einer nahe gelegenen, örtlichen Untersu- sammen mit der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
chungsstelle, Gegenstand umfangreicher Änderungen (siehe URR
die vorläufige Untersagung der Benutzung des Nutz- 6/2003, S. 372f.).
fahrzeugs bis zur Beseitigung der schwerwiegenden
In der Chemikalien-Verbotsverordnung wurden ins-
Mängel oder die Verweigerung der Einfahrt des Nutz-
besondere die Vorschriften zu den Informations- und
fahrzeugs, das in einem Drittland zugelassen ist, nach
Aufzeichnungspflichten bei der Abgabe bestimmter ge-
Deutschland anordnen.
fährlicher Stoffe und Zubereitungen an Dritte – ein-
Die Verordnung tritt am 1.9.2003 in Kraft. schließlich den Regelungen zum Selbstbedienungsver-
(Fundstelle: BGBl. I 2003, S.774ff.) bot und zum Versandhandel – zum Teil verschärft (Ab-
gabeverbot von giftigen und sehr giftigen Stoffen an
private Endverbraucher im Versandhandel).
❖ (Fundstelle: BGBl. I 2003, S.867)

Änderung der Binnenmarkt- ❖


Tierseuchenschutzverordnung
Erste Verordnung zur Änderung der Verordnung über Straßenverkehrsgesetz berichtigt
Abweichungen von der Binnenmarkt-
Tierseuchenschutzverordnung bei der Einfuhr be- Berichtigung der Neufassung des Straßenverkehrs-
stimmter Waren, unter anderem im Reiseverkehr gesetzes
Prüfempfehlung: Prüfempfehlung:

Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be- Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be-
rührt. rührt.
Das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Woh-
Das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernäh-
nungswesen hat am 13.6.2003 die Neufassung der
rung und Landwirtschaft hat am 18.6.2003 die Verord-
Straßenverkehrsgesetzes berichtigt.
nung über Abweichungen von der Binnenmarkt-
Tierseuchenschutzverordnung bei der Einfuhr bestimm- Die Überschrift zu § 24a wird an die zulässige Pro-
ter Waren, unter anderem im Reiseverkehr geändert. millegrenze von 0,5 Promille angepasst. Weiter erfolgt
in § 28a über das Verkehrszentralregister eine Anpas-
In § 6 entfällt die Bestimmung, dass die Behörden über sung eines Gebührentatbestandes in Euro. § 59 über
die Prüfung auf Wartungsmängel den bei festgestellten den Datenabgleich von Behörden erhält in Abs. 2 eine
Wartungsmängel gefertigten Kontrollbericht in Kopie redaktionelle Anpassung.
dem Fahrer des geprüften Nutzfahrzeugs auszuhändi-
gen haben. (Fundstelle: BGBl. I 2003, S.919)
(Fundstelle: BGBl. I 2003, S.888)
Neue Rechtsvorschriften 462 Umweltrechtsreport 7/2003

Empfehlung für Anforderungen an Per- Ein Personendosimeter liefert Messwerte der Tiefen-
sonendosimeter Personendosis Hp (10) oder Oberflächen-
Personendosis Hp (0,07) und wird an einer für die Ex-
position repräsentativen Stelle der Körperoberfläche
Bekanntmachung einer Empfehlung der Strahlen-
einer Person getragen. Messungen mit diesem Dosime-
schutzkommission („Anforderungen an Personen-
ter dienen der Bestimmung der Personendosis zur
dosimeter“)
Kontrolle der Exposition und Einhaltung von Grenz-
Prüfempfehlung: werten der Körperdosis. Je nach Art der Körperdosis,
dem daraus folgenden Messzweck sowie der entspre-
Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be- chenden Messgröße sind unterschiedliche Arten von
rührt. Dosimetern einzusetzen, die die Empfehlung in einer
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Tabelle aufstellt Stelle zu messen ist. Die Auswahl ei-
Reaktorsicherheit hat am 19.5.2003 die Empfehlung nes geeigneten Dosimeters wird weiterhin durch fol-
der Strahlenschutzkommission über die Anfor- gende Kriterien bestimmt:
derungen an Personendosimeter bekannt gemacht. · die Art der zu messenden Strahlung (bestim-
mungsgemäße Strahlenart),
Diese Empfehlung enthält die wichtigsten physika-
lisch-technischen Mindestanforderungen an Perso- · das Ziel der Überwachung (amtlicher Nachweis
nendosimeter, die bei der Entwicklung, der Herstel- der Einhaltung von Körperdosisgrenzwerten oder
lung, der Prüfung, bei Ausgabe und Auswertung zu betriebliche Überwachung der Strahlenexposition
Grunde zu legen sind. Diese Anforderungen ergänzen mit kurzfristiger Verfügbarkeit der Dosismesswer-
die existierenden technischen Normen und Bauartan- te auch für bestimmte Tätigkeiten).
forderungen. Personendosismeter werden von beruf-
lich strahlenexponierten Personen zur Überwachung Die Empfehlung gibt weitere dosimetrische Eigen-
der Strahlenexposition insbesondere in kerntechni- schaft und die zulässige Messabweichung der Perso-
schen Anlagen und medizinischen Bereichen, in For- nendosis an.
schung und Industrie getragen. Sie werden von amtlich Die Empfehlung ersetzt die gleichnamige Empfehlung
zugelassenen Messstellen ausgegeben und nach einem der Strahlenschutzkommission aus dem Jahr 1993
Monat zurückgesandt und in den Messstellen ausge- (BAnz S.9817).
wertet. Die gemessenen Dosen werden in einem Do- (Fundstelle: BAnz. Nr.112/2003, S.12999)
sisregister registriert. Die allgemeine Überwachung ist
in der Strahlenschutzverordnung und weiteren
Richtlinien geregelt. ❖
Die Empfehlung bezieht sich auf Personendosimeter,
die im Rahmen der physikalischen Strahlen- Neufassung des Verzeichnis harmonisier-
schutzkontrolle nach der Strahlenschutzverordnung
und der Röntgenverordnung zur Messung der Perso- ter Normen zur Druckgeräteverordnung
nendosis eingesetzt werden.
Personendosimeter im Sinne der Empfehlung sind sol- Verzeichnis harmonisierter Normen gemäß Druckgerä-
che Dosimeter, teverordnung – 14. GSGV
(a) die bei einer durch die zuständige Behörde be- Prüfempfehlung:
stimmten Messstelle angefordert werden können
und durch diese ausgewertet werden (amtliche Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be-
Dosimeter), rührt.
(b) deren Verwendung von der zuständigen Behörde Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat
angeordnet wird oder das Verzeichnis harmonisierter Normen gemäß Druck-
(c) die den zu überwachenden Personen auf deren geräteverordnung – 14. GSGV bekannt gemacht. Die
Verlangen zur Verfügung zu stellen sind. Normenverzeichnisse zum Gerätesicherheitsgesetz
Personendosimeter nach Buchstaben b und c werden (GSGV) enthalten nationale und europäische Normen
vom Strahlenschutzverantwortlichen oder Strahlen- und technische Spezifikationen mit sicherheits-
schutzbeauftragten einer Einrichtung oder Anlage aus- technischem Inhalt, die grundlegende Anforderungen
gegeben und ausgewertet und als betriebliche Dosi- der jeweiligen EG-Richtlinien und der diese in nationa-
meter bezeichnet. les Recht umsetzenden Einzelverordnungen bestim-
Der Begriff Personendosimeter wird in der Empfeh- men.
lung in einem weiten Sinn verwendet. Es kann sich
dabei um den Teil des Dosimetriesystems handeln, der Teil I enthält die Normen, deren Beachtung bei der
von der Person getragen wird (Dosimetersonde), um Herstellung eine Konformitätsvermutung, d.h. es kann
dessen restliche Teile (Auswerte- und Anzeigegerät davon ausgegangen werden, dass das Produkt die vom
sowie Zusatzgeräte) als auch um das vollständige Do- Gesetzgeber vorgesehenen technischen Mindestanfor-
simetriesystem. Die jeweilige spezifische Bedeutung derungen erfüllt. Das Verzeichnis enthält alle Normen,
ergibt sich aus dem Zusammenhang. die bisher im Amtsblatt der Europäischen Gemein-
schaften veröffentlicht worden sind.
Umweltrechtsreport 7/2003 463 Neue Rechtsvorschriften

Teil II enthält die harmonisierten Normen, deren Fund- Änderung der TRGS 900 über Luft-
stellen noch nicht im Amtsblatt der Europäischen Ge- grenzwerte am Arbeitsplatz
meinschaften veröffentlicht worden sind.
Bekanntmachung des BMWA vom 29.4.2003 - Gefahr-
Das Verzeichnis ersetzt das vorhergehende Verzeichnis
stoffe
sowie den 1. und 2. Nachtrag.
(Fundstelle: BAnz. Nr.115/2003, S.13538) Prüfempfehlung:
Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be-
rührt.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat
am 29.4.2003 die Änderung der TRGS 900 „Grenzwer-
Ergänzung des Verzeichnisses harmoni- te in der Luft am Arbeitsplatz – Luftgrenzwerte“ be-
sierter Normen gemäß Verordnung über kannt gemacht.
das Inverkehrbringen von persönlichen
Schutzausrüstungen Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) ge-
ben den Stand der sicherheitstechnischen, arbeitsmedi-
2.Nachtrag zum Verzeichnis harmonisierter Normen zinischen, hygienischen sowie arbeitswissen-
gemäß Verordnung über das Inverkehrbringen von schaftlichen Anforderungen an Gefahrstoffe hinsicht-
persönlichen Schutzausrüstungen – 8.GSGV lich Inverkehrbringen und Umgang wieder. Sie werden
vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) aufgestellt und
Prüfempfehlung: von ihm der Entwicklung entsprechend angepasst.
Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be- Die TRGS 900 wird wie folgt ergänzt. In Nummer 3
rührt. wird die Bemerkung 33 gestrichen. Der Eintrag zu
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat Benzol wird neu gefasst. Der Grenzwert wird auf 3,25
am 9.5.2003 den 2.Nachtrag zum Verzeichnis harmo- mg/m3 festgelegt. Die Spitzenbegrenzung erhält den
nisierter Normen gemäß Verordnung über das Inver- Überschreitungsfaktor 4.
kehrbringen von persönlichen Schutzausrüstungen – 8.
GSGV bekannt gemacht. Gleichzeitig wird die TRGS 901, die die Begründungen
und Erläuterungen zur TRGS 900 enthält, redaktionell
Die Normenverzeichnisse zum Gerätesicherheitsgesetz angepasst.
(GSGV) enthalten nationale und europäische Normen
und technische Spezifikationen mit sicherheitstech- (Fundstelle: BArBl. 6/2003, S.90.)
nischem Inhalt, die grundlegende Anforderungen der
jeweiligen EG-Richtlinien und der diese in nationales ❖
Recht umsetzenden Einzelverordnungen bestimmen.
Die 8. GGSV dient der Umsetzung der Richtlinie
89/686/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts-
Regel 10 zum Arbeitsschutz auf Baustel-
vorschriften der Mitgliedstaaten für persönliche len
Schutzausrüstungen vom 21.12.1989 – PSA-Richtlinie.
Bekanntmachung des BMWA vom 2.5.2003 – Sicher-
Teil I enthält die Normen, deren Beachtung bei der heit und Gesundheitsschutz auf Baustellen
Herstellung eine Konformitätsvermutung, d.h. es kann
davon ausgegangen werden, dass das Produkt die vom Prüfempfehlung:
Gesetzgeber vorgesehenen technischen Mindestan- Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be-
forderungen erfüllt. Dies sind die Normen mit den rührt.
Nummern DIN EN 133, 142, 149, 166, 167, 168, 171,
174, 358, 405, 50365, 60743, ISO 15027-1, ISO Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat
15027-2 und ISO 15207-3.-3, 71-7 und 50088 vor. am 27.3.2002 einige Regeln zum Arbeitsschutz auf
Baustellen (RAB) beschlossen. Die RAB geben den
Teil II enthält die harmonisierten Normen, deren Fund- Stand der Technik bezüglich Sicherheit und Gesund-
stellen noch nicht im Amtsblatt der Europäischen Ge- heitsschutz auf Baustellen wieder. Sie werden vom
meinschaften veröffentlicht worden sind. Ausschuss für Sicherheit und Gesundheitsschutz auf
(Fundstelle: BArbBl. Nr.6/2003, S.91ff.) Baustellen (ASGB) aufgestellt und der Entwicklung
angepasst.

Die RAB 10 enthält Begriffsbestimmungen zur Ver-


ordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf
Baustellen (BaustellV) und zwar zu den Begriffen Be-
schäftigte; Baustelle, Bauliche Anlage; Änderung einer
baulichen Anlage; Planung der Ausführung eines Bau-
Neue Rechtsvorschriften 464 Umweltrechtsreport 7/2003

vorhabens; Gleichzeitig tätig werden von mehr als 20 gen und bei denen der Arbeitsdruck in der Arbeits-
Beschäftigten; Personentag; Einrichtung der Baustelle; kammer 2,0 bar, jedoch nicht 3,6 bar übersteigt. Für
Vorankündigung; Anpassung der Vorankündigung bei diese Fälle werden Empfehlungen für Anforderungen
erheblichen Änderungen; Tätigwerden von Beschäftig- an das mit der Versorgung und Behandlung von druck-
ten mehrerer Arbeitgeber; Sicherheits- und Gesund- lufterkrankten Arbeitnehmern befasste Baustellenper-
heitsschutzplan; Anpassung des Sicherheits- und Ge- sonal, den Inhalt des Ausnahmeantrages sowie die Do-
sundheitsschutzplanes bei erheblichen Änderungen in kumentation der Arbeitseinsätze gegeben. Die Mög-
der Ausführung des Bauvorhabens; Koordinierung; lichkeit zur Zulassung einer Ausnahme bezieht sich
Bestellung des Koordinators; Geeigneter Koordinator; hierbei ausschließlich auf die Pflicht zur ständigen
Spätere Arbeiten an der baulichen Anlage; Unterlage Anwesenheit des ermächtigten Arztes an der Arbeits-
für spätere Arbeiten an der baulichen Anlage; Zusam- stelle entsprechend § 12 Abs. 1 S. 2 DruckLV. Der Ar-
menstellen einer Unterlage; Bauherr; Beauftragung beitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass die im Aus-
eines Dritten; Hinweise des Koordinators und den Si- nahmefall erforderlichen Maßnahmen umgesetzt wer-
cherheits- und Gesundheitsschutzplan berücksichtigen; den. Die sonstigen Pflichten des Arbeitgebers nach
Verständliche Form und Sprache; Besonders gefährli- § 12 DruckLV bleiben unberührt.
che Arbeiten.
Zur personellen Ausstattung der Baustelle gehören der
(Fundstelle: BArBl. 6/2003, S.51ff.) ermächtigte Arzt, Schleusenwärter, Betriebshelfer
sowie ggf. Bereitschaftsärzte. Der Arbeitgeber muss
❖ einen gemäß § 13 DruckLV ermächtigten Arzt für die
Wahrnehmung der Aufgaben gemäß § 12 DruckLV
schriftlich verpflichten.
Regel 25zum Arbeitsschutz auf Baustel-
len Der ermächtigte Arzt ist für die druckluftmedizinische
Betreuung der Baustelle nach Maßgabe der §§ 11 und
Bekanntmachung des BMWA vom 2.5.2003 – Sicher- 12 DruckLV verantwortlich. Die notfallmedizinische
heit und Gesundheitsschutz auf Baustellen Versorgung der Baustelle erfolgt durch die zuständigen
Rettungsdienste und ist nicht Aufgabe des ermächtig-
Prüfempfehlung: ten Arztes. In einzelnen Fällen kann es jedoch zur Ü-
Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be- berschneidung der Tätigkeitsbereiche "Notfallmedizin"
rührt. und "Druckluftmedizin" kommen. Für diese Fälle be-
darf es einer Regelung, z. B. in einem Notfallplan. Der
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat ermächtigte Arzt muss während der Arbeits- und War-
am 27.3.2002 einige Regeln zum Arbeitsschutz auf tezeiten jederzeit erreichbar sein und in angemessener
Baustellen (RAB) beschlossen. Zeit an der Arbeitsstelle zur Verfügung stehen.. Die
Einleitung der Behandlung drucklufterkrankter Arbeit-
Die RAB 25 enthält Empfehlungen zu Bestimmungen nehmer nach § 12 DruckLV kann durch den ermächtig-
der Druckluftverordnung und Antworten auf häufig ten Arzt auf Bereitschaftsärzte übertragen werden,
gestellte Fragen zur Druckluftverordnung wenn er nicht ständig an der Arbeitsstelle anwesend
(DruckLV). sein kann.
Teil 1 enthält Empfehlungen zur Zulassung von Aus- Der Bereitschaftsarzt muss jederzeit erreichbar sein
nahmen nach § 12 Abs. 1 DruckLV. Nach § 12 Abs. 1 und innerhalb von 30 min nach Alarmierung an der
Satz 2 DruckLV muss bei Arbeiten in einem Arbeits- Arbeitsstelle zur Verfügung stehen.
druck von mehr als 2,0 bar ständig ein vom Arbeitge-
ber nach § 12 DruckLV verpflichteter Arzt an der Ar- Der Schleusenwärter ist für das Ein- und Ausschleu-
beitsstelle zur Verfügung stehen, der von der zuständi- sen der Arbeitnehmer in die Arbeitskammer verant-
gen Behörde nach § 13 DruckLV ermächtigt ist. In be- wortlich. Die Aufgaben des Schleusenwärters sind in
gründeten Einzelfällen kann die zuständige Behörde Anhang 3 DruckLV aufgeführt. Über die Anforderun-
auf Antrag des Arbeitgebers Ausnahmen von der An- gen gemäß § 18 Abs. 6 DruckLV hinaus sind Kennt-
wesenheitspflicht des ermächtigten Arztes zulassen, nisse über die körperlichen Vorgänge bei der Arbeit in
wenn die Erstversorgung drucklufterkrankter Arbeit- Druckluft, die Folgen fehlerhafter Ein- und Ausschleu-
nehmer durch andere Maßnahmen gewährleistet wer- sung sowie über Krankheitserscheinungen bei und
den kann. Der Ausschuss für Sicherheit und Gesund- nach dem Ausschleusen erforderlich. Weiterhin sollte
heitsschutz auf Baustellen (ASGB) hat diese Maßnah- er befähigt sein, die Krankendruckluftkammer zu be-
men beschrieben, um den Bauherren sowie Auftrag- dienen. Inhalt, Art und Dauer der Einweisung werden
nehmern eine Orientierung für die Planung, Ausschrei- durch den ermächtigten Arzt und den Fachkundigen
bung und Kalkulation an die Hand zu geben. nach § 18 Abs. 1 DruckLV festgelegt.

Die RAB 25 enthält Empfehlungen an die zuständige (Fundstelle: BArBl. 6/2003, S.57ff.)
Behörde für die Zulassung von Ausnahmen bei Bau-
vorhaben, die den Vorschriften der DruckLV unterlie-
Umweltrechtsreport 7/2003 465 Neue Rechtsvorschriften

Regel 30 zum Arbeitsschutz auf Baustel- Grundelemente eines SiGe-Plans sind:


len · Arbeitsabläufe

Bekanntmachung des BMWA vom 2.5.2003 – Sicher- · Räumliche und zeitliche Zuordnung der Arbeitsab-
heit und Gesundheitsschutz auf Baustellen läufe

Prüfempfehlung: · Gefährdungen Maßnahmen zur Vermeidung bzw.


Minimierung der Gefährdungen
Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be-
rührt. · Arbeitsschutzbestimmungen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat Die RAB 31 empfiehlt, zusätzliche Elemente in den
am 27.3.2002 einige Regeln zum Arbeitsschutz auf SiGe-Plan aufzunehmen. Dies können je nach Er-
Baustellen (RAB) beschlossen. kenntnisstand bei der Bearbeitung des SiGe-Plans sein:
· Gefährdungen Dritter
Die RAB 30 beschreibt die für eine Tätigkeit als Koor-
dinator erforderliche Qualifikation und seine Aufga- · Vorgesehene bzw. beauftragte Unternehmer
ben. Die Verordnung für Sicherheit und Gesundheits-
· Mitgeltende Unterlagen
schutz auf Baustellen (BauStellV) verpflichtet den
Bauherrn, für Baustellen, auf denen Beschäftigte meh- · Informations- und Arbeitsmaterialien zum Arbeits-
rere Arbeitgeber tätig werden, je nach Art und Umfang und Gesundheitsschutz
des Bauvorhabens einen oder gegebenenfalls auch
mehrere geeignete Koordinatoren zu bestellen.. · Ausschreibungstexte.
(Fundstelle: BArBl. 6/2003, S.64ff.) In Abhängigkeit von den Baustellenbedingungen kön-
nen mit einer in der RAB 31 enthaltenen Tabelle alle
gemäß der BaustelIV notwendigen Aktivitäten ermit-
❖ telt werden.
(Fundstelle: BArBl. 6/2003, S.69ff.)
Regel 31 zum Arbeitsschutz auf Baustel-
len ❖
Bekanntmachung des BMWA vom 2.5.2003 – Sicher-
heit und Gesundheitsschutz auf Baustellen Regel 32 zum Arbeitsschutz auf Baustel-
Prüfempfehlung: len
Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be- Bekanntmachung des BMWA vom 2.5.2003 – Sicher-
rührt. heit und Gesundheitsschutz auf Baustellen
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat Prüfempfehlung:
am 27.3.2002 einige Regeln zum Arbeitsschutz auf
Baustellen (RAB) beschlossen. Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be-
rührt.
Die RAB 31 gilt für alle Bauvorhaben, bei denen die
Erstellung eines Sicherheits- und Gesundheits- Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat
schutzplans (SiGePlan) gemäß § 2 Abs. 3 Baustellen- am 27.3.2002 einige Regeln zum Arbeitsschutz auf
verordnung (BaustellV) erforderlich ist. Sie beschreibt Baustellen (RAB) beschlossen.
die Anforderungen an Inhalt und Form eines Si- Die RAB 32 beschreibt Anforderungen an Inhalt und
cherheits- und Gesundheitsschutzplans gemäß der Form einer Unterlage gemäß der Verordnung für Si-
BaustellV. cherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen
Die Verordnung für Sicherheit und Gesundheitsschutz (BaustellV).
auf Baustellen (BausteIIV) vom 10..6.1998 verpflichtet
den Bauherrn oder den von ihm beauftragten Dritten , Nach § 3 Abs. 2 Nr. 3 BaustellV hat der Koordinator
unter bestimmten Voraussetzungen den Sicherheits- eine Unterlage zusammenzustellen. Damit sollen ins-
und Gesundheitsschutzplan zu erarbeiten bzw. erarbei- besondere:
ten zu lassen. Damit können insbesondere Gefährdun- · Gefährdungen der Sicherheit und Gesundheit für
gen für alle am Bau Beteiligten sowie die von der Bau- die mit späteren Arbeiten an der baulichen Anlage
stelle ausgehenden Gefährdungen für Dritte minimiert Beschäftigten reduziert und
werden sowie die entsprechenden Maßnahmen und
· Improvisationen und Informationsdefizite bei spä-
Einrichtungen auf die Anforderungen verschiedener
teren Arbeiten an der baulichen Anlage und da-
Gewerke abgestimmt und ihre gemeinsame Nutzung
durch bedingte Störungen, Sachschäden und Un-
festgelegt werden.
fälle vermieden werden.
Neue Rechtsvorschriften 466 Umweltrechtsreport 7/2003

Mit der Unterlage schafft der Bauherr/Koordinator eine Prüfempfehlung:


Voraussetzung für die sicherheits- und gesundheits-
Die Leitlinie enthält keine umweltrechtlichen
gerechte Gestaltung der späteren Arbeiten und damit
Pflichten. Hersteller haben nach Nr. 8 der Leitlinie
auch für eine langfristig wirtschaftliche Nutzung und
verschiedene Prüfpflichten, um die Konformitäts-
Instandhaltung der baulichen Anlage.
bescheinigung zu erlangen.
Die Unterlage ist eine schriftliche, den Merkmalen der
baulichen Anlage Rechnung tragende Zusammen- Das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Woh-
stellung der erforderlichen, bei möglichen späteren Ar- nungswesen hat am 24.3.2003 die Leitlinie für die eu-
beiten an der baulichen Anlage zu berücksichtigenden ropäische technische Zulassung für nicht lasttragende
Angaben zu Sicherheit und Gesundheitsschutz, insbe- verlorene Schalungsbausätze/-systeme, bestehend aus
sondere für solche Arbeiten, die regelmäßig wieder- Schalung-/Mantelsteinen oder -elementen aus Wärme-
kehrend durchgeführt werden. Während der Planung dämmstoffen und - mitunter - aus Beton (ETAG) be-
der Ausführung des Bauvorhabens kann die Entwick- kannt gemacht. Die Leitlinie wurde von der Europäi-
lung der Unterlage zur Planung und Ausschreibung schen Organisation für Technische Zulassung EOTA
von sicherheitstechnischen Einrichtungen dienen, die erstellt. Auf Grund dieser Leitlinie können von dafür
für spätere Arbeiten an der baulichen Anlage benötigt anerkannten Stellen europäische technische Zulassun-
werden. gen für diese Elemente nach Art. 8 der Bauproduk-
Sie soll denjenigen, die spätere Arbeiten an der bauli- tenrichtlinie bzw. § 6 des Bauproduktengesetzes er-
chen Anlage durchführen, die Informationen verschaf- teilt werden. Die deutsche Stelle für die Erzteilung eu-
fen, um die späteren Arbeiten sicher und gesundheits- ropäischer technischer Zulassungen ist das Deutsche
gerecht planen und durchführen zu können. Die Ver- Institut für Bautechnik in Berlin.
pflichtung der Arbeitgeber zur Einhaltung der Arbeits-
Inhalt der Leitlinie: Die Leitlinie legt die Leistungs-
schutzbestimmungen bleibt davon unberührt.
anforderungen, die Nachweisverfahren zu den ein-
Die Unterlage ist in der Regel mit ihrer Fertigstellung,
spätestens jedoch mit Abschluss der Baumaßnahme zelnen Leistungsaspekten und die Beurteilungskrite-
dem Bauherrn zu übergeben. rien zur Bewertung der Leistungsfähigkeit für den
vorgesehenen Verwendungszweck fest. Schalungsstei-
Gliederung, Umfang und Inhalt der Unterlage wer-
ne/-Mantelsteine sind Schalungselemente, deren Maße
den in der Baustellenverordnung selbst nicht festgelegt.
denen von Betonschalsteinen ähneln, in die keine
Die Unterlage hat nach RAB 32 folgende Angaben zu
Wärmedämmmaterialien integriert sind und die als
enthalten:
monolithische Steine hergestellt werden. Unter
· Teil der baulichen Anlage,
"Wandelemente" sind vormontierte Schalungselemente
· Art der Arbeit, zu verstehen, die im Allgemeinen die Höhe eines
Stockwerks haben. Die Schalen der Schalungsstei-
· Gefahren, ne/Mantelsteine oder Wandelemente sind so kon-
· Angaben zu Sicherheit und Gesundheitsschutz. struiert, dass sie für den größten Teil der Dämmfähig-
keit der Wand sorgen, jedoch nicht zur Tragfähigkeit
Teile der baulichen Anlage können im Hochbau zum der Wand beitragen. Sie können aus einer Kombination
Beispiel Dach, Fassade, Aufzug oder Außenanlage, im verschiedener Baustoffe bestehen.
Brückenbau zum Beispiel Überbau, Unterbauten, Aus- Um eine Bescheinigung und Bewertung der Konformi-
stattung und Leitungen sein. tät zu erhalten, hat der Hersteller nach Nr. 8 der ETAG
Die Form der Unterlage wird in der Baustellenverord- eigene Verantwortlichkeiten.
nung nicht festgelegt und bleibt dem Koordina- Nach Nr. 8.2.1.1. hat der Hersteller eine werkseigene
tor/Bauherrn überlassen. Anlage A der RAB 32 enthält Produktionskontrolle vorzunehmen. Dieses System
Beispiele für Unterlagen.. muss gewährleisten, dass das Produkt mit der europäi-
(Fundstelle: BArBl. 6/2003, S.73ff.) schen technischen Zulassung (ETA) übereinstimmt.
Weitere Prüfungen sieht Nr. 8.2.2. für den Hersteller
❖ oder die zugelassenen Stelle, die die Konformitätsbe-
scheinigung ausgibt, vor.
Die Leitlinie ersetzt keine bestehende ETAG.
Leitlinie für nicht lasttragende verlorene (Fundstelle: BAnz Nr.104a/2003)
Schalungsbausätze/-systeme bestehend
aus Schalungs-/Mantelsteinen oder - ele-
menten aus Wärmedämmstoffen und –
mitunter – aus Beton
Bekanntmachung der Leitlinie für nicht lasttragende
verlorene Schalungsbausätze/-systeme bestehend aus
Schalungs-/Mantelsteinen oder - elementen aus Wär-
medämmstoffen und – mitunter – aus Beton
Umweltrechtsreport 7/2003 467 Neue Rechtsvorschriften

vom 15.10.2002 genannten Stoffe als Grundlage für


Baden-Württemberg die behördliche Festlegung der Anforderungen an das
Einleiten zu berechnen und die Berechnung seinem
Antrag beizufügen.
Abwasserverordnung Abfallverbrennung Zusätzliche Parameter setzt die zuständige Behörde
nach § 3 in der Erlaubnis für das Einleiten von Abwas-
erlassen ser die Anforderungen an den pH-Wert, die Tempera-
tur und den Durchfluss des Abwassers fest
Verordnung des Ministeriums für Umwelt und Verkehr § 4 enthält umfangreiche Mess- und Überwachung-
über abwasserrechtliche Anforderungen an Abwasser smaßnahmen. In der Erlaubnis oder Genehmigung für
aus der Abgasreinigung bei der Abfallverbrennung das Einleiten von Abwasser werden die Stellen festge-
(Abwasserverordnung Abfallverbrennung) legt, an denen Proben zu entnehmen und Messungen
Prüfempfehlung: durchzuführen sind. Außerdem sind in der Erlaubnis
oder Genehmigung weitere Pflichten des Einleiters zu
Für Unternehmen, die Abwasser nach dem Wasser- regeln. Diese umfassen den Einbau der Messgeräte, die
gesetz von Baden-Württemberg beseitigen, werden zur Überwachung der Einhaltung der Emissionsanfor-
die Pflichten in Bezug auf Einleiten von Abwasser, derungen erforderlich sind; die Anwendung der für die
dessen Schadstofffracht aus der Rauch- oder Ab- Überwachung der Einhaltung der Emissionsanforde-
gaswäsche stammt, erweitert. rungen erforderlichen Verfahren und die Kontrolle des
§ 2 enthält eine Pflicht zur Berechnung der Frach- Einbaus und des Funktionierens der Messgeräte für die
ten für die im Anhang 33 Teil D Abs.1 und 2 der Überwachung der Einhaltung der Emissionsanforde-
Abwasserverordnung genannten Stoffe im Falle der rungen. Ferner muss jährlich ein Überwachungstest der
Vermischung des Abwassers mit Abwasser aus an- Messgeräte durchgeführt werden. Die Kalibrierung der
deren Herkunftsbereichen. Messgeräte muss darüber hinaus mindestens alle drei
§§ 4 legt umfangreiche Mess- und Überwachungs- Jahre anhand von parallelen Messungen nach den Re-
maßnahmen fest. ferenzmethoden erfolgen.
§ 5 legt eine Berichtspflicht für Einleiter von Ab- Die Messungen vor der Vermischung des Abwassers
wasser aus Anlagen mit einer Nennkapazität von mit anderem Abwasser oder am Ort des Einleitens sind
zwei Tonnen pro Stunde oder mehr fest. In einem a) kontinuierlich für die in § 3 genannten Parameter,
jährlichen Bericht sind mindestens Angaben zu den b) täglich für die Gesamtmenge an suspendierten Fest-
Emissionen in das Gewässer oder die öffentliche stoffen aufgrund einer qualifizierten Stichprobe o-
Abwasseranlage zu machen und der zuständigen der einer durchflussproportionalen repräsentativen
Behörde vorzulegen. Probenahme über eine Dauer von 24 Stunden,
Verstöße gegen diese Pflichten werden nach § 7 als c) monatlich für die in Anhang 33 Teil D Abs. 1 der
Ordnungswidrigkeiten im Sinne des § 120 Abs. 1 Abwasserverordnung aufgeführten Parameter mit
Nr.19 des Wassergesetzes für das Land Baden- Ausnahme der Dioxine und Furane mittels einer
Württemberg sanktioniert. durchflussproportionalen repräsentativen Probe-
nahme über eine Dauer von 24 Stunden vorzuneh-
Das Ministerium für Umwelt und Verkehr des Landes men. Bezüglich der Dioxine und Furane sind wäh-
Baden-Württemberg hat am 20.5.2003 die Verordnung rend der ersten zwölf Betriebsmonate mindestens
über abwasserrechtliche Anforderungen an Abwasser alle drei Monate, danach halbjährlich Messungen
aus der Abgasreinigung bei der Abfallverbrennung durchzuführen.
(Abwasserverordnung Abfallverbrennung) erlassen. Die Messungen sind unter Beachtung der in der Ab-
Ziel der Verordnung: Die Verordnung dient der Um- wasserverordnung festgelegten Probenahme- und Ana-
setzung der Richtlinie 2000/76/EG des Europäischen lyseverfahren durchzuführen und müssen derart aufge-
Parlaments und des Rates vom 4.12.2000 über die zeichnet, verarbeitet und dargestellt sein, dass der zu-
Verbrennung von Abfällen im Wasserrecht. ständigen Behörde die Überprüfung der Einhaltung der
Inhalt der Verordnung Die Verordnung gilt für Ab- Anforderungen in der wasserrechtlichen Erlaubnis oder
wasser im Sinne des Anhangs 33 Teil A der Abwasser- Genehmigung ermöglicht wird.
verordnung, d.h. für Abwasser, dessen Schadstofffracht Ergibt sich aus den Messungen, dass die nach Maßgabe
im Wesentlichen aus der Rauch- oder Abgaswäsche des Anhangs 33 der Abwasserverordnung und des § 3
einer Anlage im Geltungsbereich der Richtlinie festgesetzten Emissionsanforderungen nicht eingehal-
2000/76/EG stammt und das in Gewässer und öffentli- ten werden, so hat der Einleiter die zuständige Behörde
che Abwasseranlagen eingeleitet wird. Für das Einlei- hiervon unverzüglich zu unterrichten
ten werden zusätzliche Anforderungen in Bezug auf Nach § 5 ist über die Überwachung des Einleitens von
die Zulassung und die Überwachung gestellt. Abwasser, das aus Anlagen mit einer Nennkapazität
Nach § 2 hat jeder, der eine wasserrechtliche Erlaubnis von zwei Tonnen je Stunde oder mehr stammt, der Öf-
oder Genehmigung für das Einleiten von Abwasser be- fentlichkeit ein jährlicher Bericht zugänglich zu ma-
antragt, das mit Abwasser aus einem anderen Bereich chen; In dem Bericht ist die Durchführung der Über-
vermischt ist, die Frachten für die in Anhang 33 Teil D wachung darzustellen und es sind die Messwerte den
Abs. 1 und 2 der Abwasserverordnung in der Fassung Werten gegenüberzustellen, die nach der Richtlinie
Neue Rechtsvorschriften 468 Umweltrechtsreport 7/2003

2000/76/EG nicht überschritten werden dürfen. Der


Einleiter hat den Bericht der für die Erteilung der Er- Bayern
laubnis oder Genehmigung des Einleitens zuständigen
Behörde vorzulegen
Die Verordnung ist am 28.6.2003 in Kraft getreten und Umsetzung europäischer Vorgaben für
gilt auch für Einleitungen, die nach dem 28.12.2005
anzuwenden beantragt worden sind.
das Einleiten von Abwasser aus der
Verbrennung und Mitverbrennung von
(Fundstelle: GVBl. Baden-Württemberg Nr.7 v. Abfällen
19.5.2003, S.290f.)
Verordnung für Abwasser aus der Verbrennung und
❖ Mitverbrennung von Abfällen (AbwAbfVerbrV)
Prüfempfehlung:
Änderung der Zuständigkeiten im Natur- Die Verordnung enthält eine Erweiterung die
schutzrecht Pflichten in Bezug auf Einleiten von Abwasser, des-
sen Schadstofffracht aus der Rauch- oder Abgaswä-
Verordnung des Ministeriums für Ernährung und sche stammt, in öffentliche Gewässer.
Ländlichen Raum zur Bestimmung von Zuständigkeiten
§ 3 enthält eine Pflicht zur Berechnung der Frach-
im Naturschutz (Naturschutz-Zuständigkeits-
ten für die im Anhang 33 Teil D Abs.1 und 2 der
verordnung – NatSchZuVO)
Abwasserverordnung genannten Stoffe im Falle der
Prüfempfehlung: Vermischung des Abwassers mit Abwasser aus an-
deren Herkunftsbereichen.
Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be- §§ 5 legt umfangreiche Mess- und Überwachungs-
rührt. maßnahmen fest.
Das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum § 6 legt eine Berichtspflicht für Einleiter von Ab-
des Landes Baden-Württemberg hat am 30.5.2003 die wasser aus Anlagen mit einer Nennkapazität von
Verordnung zur Bestimmung von Zuständigkeiten im zwei Tonnen pro Stunde oder mehr fest. In einem
Naturschutz (Naturschutz-Zuständigkeitsverordnung – jährlichen Bericht sind mindestens Angaben zu den
NatSchZuVO) erlassen. Emissionen in das Gewässer oder die öffentliche
Abwasseranlage zu machen und der zuständigen
Die Verordnung setzt in § 1 die Zuständigkeiten nach Behörde vorzulegen.
dem Bundesnaturschutzgesetz und der Bundes- Verstöße gegen diese Pflichten werden nach § 8 als
artenschutzverordnung fest. § 2 enthält die Zuständig- Ordnungswidrigkeiten im Sinne des § 95 Abs. 1
keiten für den Erlass von Naturparkverordnungen. Die- Nr.3 Buchst. g des Bayerischen Wassergesetzes
se wird auf die höheren Naturschutzbehörden übertra- sanktioniert.
gen. Der Erlass von Rechtsverordnungen zur Errich-
tung neuer Naturparke sowie die Aufhebung bestehen- Das Staatsministerium für Landesentwicklung und
der Rechtsverordnungen bedürfen der Zustimmung des Umweltfragen von Bayern hat am 20.5.2003 die Ver-
Ministeriums. ordnung für Abwasser aus der Verbrennung und Mit-
verbrennung von Abfällen (AbwAbfVerbrV) erlassen.
Bei den unteren Verwaltungsbehörden verbleibt die
Zuständigkeit für die Verfolgung und Ahndung von Ziel der Verordnung: Die Verordnung dient der Um-
Ordnungswidrigkeiten. setzung der Richtlinie 2000/76/EG des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 4.12.2000 über die
Die Verordnung ist am 28.6.2003 in Kraft getreten. Verbrennung von Abfällen im Wasserrecht.
Gleichzeitig sind die Verordnungen über Zuständigkei- Inhalt der Verordnung Die Verordnung ist im We-
ten nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der Bun- sentlich inhaltsgleich mit der Abfallverbren-
desartenschutzverordnung vom 22.1.1987 und die Ver- nungsverordnung von Baden-Württemberg (siehe dies-
ordnung zur Übertragung der Zuständigkeit für den Er- bezüglich den Bericht zu Baden-Württemberg).
lass von Rechtsverordnungen über Naturparke vom Die Pflicht zur Berechnung der Frachten bei Vermi-
25.9.1994 außer Kraft getreten. schung verschiedener Abwasserarten findet sich in § 3.
(Fundstelle: GBl. Baden-Württemberg Nr.7 v. Die Mess- und Überwachungsmaßnahmen sind in
27.6.2003, S.291f.) § 5 geregelt. Abs. 7 stellt klar, dass weitergehende An-
forderungen nach Art. 70 des Bayerischen Wasserge-
setzes (BayWG) und der auf Grund von Art. 80 Abs. 2
BayWG erlassenen Rechtsverordnung unberührt blei-
ben.
Umweltrechtsreport 7/2003 469 Neue Rechtsvorschriften

Die Berichtspflicht für Einleiter von Abwasser aus An- lichkeitsprüfung durchzuführen ist. Diese Feststellung
lagen mit einer Nennkapazität von mindestens zwei ist, sofern eine Vorprüfung des Einzelfalls vorgenom-
Tonnen pro Stunde ist in § 6 geregelt. men worden ist, der Öffentlichkeit nach den Bestim-
mungen des Umweltinformationsgesetzes zugänglich
Die Verordnung ist am 1.6.2003 in Kraft getreten. zu machen; soll eine Umweltverträglichkeitsprüfung
unterbleiben, ist dies bekannt zu machen. Die Feststel-
(Fundstelle: BayGVBl. Nr.12/2003, S.357f.=
lung ist nicht selbständig anfechtbar, Für die Durchfüh-
rung der Umweltverträglichkeitsprüfung gelten die
❖ Vorschriften im Fünften Teil Abschnitt III des Bayeri-
schen Verwaltungsverfahrensgesetzes.

Gesetz zur Änderung des Bayerischen Weiter erfolgt eine Änderung des Waldgesetz.
Wassergesetzes, des Bayerischen Abfall- In Art. 9 über die Erhaltung des Waldes wird ein neuer
wirtschaftsgesetzes, des Waldgesetzes für Abs. 2a eingefügt. Dieser bestimmt für welche Ro-
dungsvorhaben eine Umweltverträglichkeitsprüfung
Bayern und des Bayerischen Arbeits- durchzuführen ist. Diese Bestimmung findet sich auch
schutz-Zuständigkeitsgesetzes im Art. 16 über Erstaufforstung. Ein neuer Art. 39a
regelt das Verfahren bei der Umweltverträglichkeits-
Prüfempfehlung: prüfung. Betrifft das Vorhaben die Rodung (Art. 9)
Die Erteilung der Erlaubnis zur Rodung und Auf- von Wald, ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung
forstung von Wald nach Art. 9 und Art. 16 des Bay- nach dem Fünften Teil Abschnitt III des Bayerischen
erischen Waldgesetzes wird nun bei bestimmten Verwaltungsverfahrensgesetzes – BayVwVfG- ,
Vorhaben von der Durchführung einer Umweltver- durchzuführen, wenn es 10 ha oder mehr umfasst oder
träglichkeitsprüfung (UVP) abhängen. zu mindestens 5 ha innerhalb eines Schutz-, Bann- oder
Erholungswaldes (Art. 10 Abs. 1, Art. 11,12), eines
Nach Art. 12 Abs. 1 S. 3 des Bayerischen Abfall- Naturschutzgebiets (Art. 7 Bayerisches Natur-
wirtschaftsgesetzes haben entsorgungspflichtige schutzgesetz - BayNatSchG -), eines Nationalparks
Körperschaften in ihre Abfallbilanz alle Kosten für (Art. 8 BayNatSchG), eines gemäß der Richtlinie
die Abfallablagerung und die erhobenen Gebühren 92/43/EWG oder der Richtlinie 79/409/EWG ausge-
und Beiträge aufzunehmen. Diese Pflicht ist nicht wiesenen Schutzgebiets liegt oder zu mindestens 1 ha
strafbewehrt. in einem gesetzlich geschützten Biotop (Art. 13d
Der Landtag des Freistaates Bayern hat am 25.5.2003 Abs. 1 BayNatSchG) liegt. Betrifft das Vorhaben die
das Gesetz zur Änderung des Bayerischen Wasser- Erstaufforstung (Art. 16) von Wald, ist eine Umwelt-
gesetzes, des Bayerischen Abfallwirtschaftsgesetzes, verträglichkeitsprüfung nach dem Fünften Teil Ab-
des Waldgesetzes für Bayern und des Bayerischen Ar- schnitt III BayVwVfG durchzuführen, wenn es 50 ha
beitsschutz-Zuständigkeitsgesetzes beschlossen. oder mehr umfasst oder zu mindestens 10 ha innerhalb
eines Naturschutzgebiets (Art. 7 BayNatSchG), eines
Ziele des Gesetzes: Das Gesetz dient der Umsetzung Nationalparks (Art. 8 BayNatSchG), eines gemäß der
der Richtlinien 97/11/EG und 85/337/EWG über die Richtlinie 92/43/EWG oder der Richtlinie
Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffent- 79/409/EWG ausgewiesenen Schutzgebiets liegt oder
lichen und privaten Projekten sowie der Richtlinie zu mindestens 1 ha in einem gesetzlich geschützten
1999/31/EG des Rates vom 26.4.1999 über Abfall- Biotop (Art. 13d Abs. 1 BayNatSchG) liegt. Auch bei
deponien. Erweiterungen von Rodungen oder Erstaufforstungen
kann eine UVP durchzuführen sein, wenn das durch
Inhalt des Gesetzes: Es erfolgt zunächst eine Ände-
die Erweiterung entstehende Vorhaben bei einheitli-
rung des Bayerischen Wassergesetz (BayWG).
cher Betrachtung erstmals oder bereits das ursprüngli-
Im Abschnitt über die sachliche und örtliche Zustän- che Vorhaben einer UVP bedurfte und die Erweiterung
digkeit wird bestimmt, dass nach Art. 75 Abs.1 für den einen der oben genannten Schwellenwerte erreicht.
Vollzug der §§ 20-23 des Gesetzes über die Umwelt-
Das Bayerische Abfallwirtschaftsgesetz wird durch
verträglichkeitsprüfung (UVPG) die Kreisverwal-
Einfügung einer Nr. 1a in Art. 7 Abs. 5 über die
tungsbehörde bei den in der Anlage II unter Nr. 19.8
kommunale Gebührenerhebung dahingehend geändert,
und 19.9 genannten Vorhaben, die Regierung von O-
dass durch die erhobenen Gebühren und Beiträge alle
berbayern bei den in der Anlage II unter Nr. 19.3 ge-
Kosten für die Abfallablagerung (Kosten für Errich-
nannten Rohrleitungen, wenn die Rohrleitung das Ge-
tung und Betrieb einer Deponie zuzüglich zu den ge-
biet einer Kreisverwaltungsbehörde überschreitet, und
schätzten Kosten für Stillegung und Nachsorge für ei-
im Übrigen die Kreisverwaltungsbehörde zuständig ist.
nen Zeitraum von mindestens 30 Jahren) abgedeckt
werden müssen. Die Übersicht über diese Kosten muss
Art. 83 über besondere Verfahrensbestimmungen
auch in der Abfallbilanz der entsorgungspflichtigen
wird neu gefasst. Insbesondere stellt die zuständige
Körperschaften nach Art. 12 Abs. 1 S. 3 enthalten
Behörde nach Abs. 2 fest, ob für die in der Anlage II I.
sein.
Teil genannten Vorhaben eine Umweltverträg-
Neue Rechtsvorschriften 470 Umweltrechtsreport 7/2003

Schließlich wird das Bayerische Arbeitsschutz- Art. 24 BayESG enthält die Vorschriften zur Geneh-
Zuständigkeitsgesetz geändert. Nach Art. 1 Abs. 1 migung der technischen Planung von einer Neuanlage.
Nr. 5 wird die Staatsregierung ermächtigt, durch Alle Neuanlagen müssen nach den Vorschriften des
Rechtsverordnung die zum Vollzug von §§ 20-23 neuen Bayerischen Eisenbahn- und Seilbahngesetzes
UVPG zuständige Behörde zu bestimmen. (BayESG) genehmigt und gebaut werden, d.h. die An-
forderungen der Richtlinie müssen erfüllt werden. Für
Das Gesetz ist am 1.6.2003 in Kraft getreten. Die zu
Anlagen, für die eine Bau- und Betriebsgenehmigung
diesem Zeitpunkt bereist begonnenen Verfahren sind
sowie eine Genehmigung der technischen Planung vor-
nach den bisher geltenden Verfahrensbestimmungen
liegen und deren Bau bereits vor dem 1. Juni 2003 be-
fortzuführen.
gonnen hat, ist im Gesetz eine Übergangsregelung vor-
(Fundstelle: BayGVBl. Nr.12/2003, S.325ff.= gesehen. Für diesen Fall können die bisherigen Vor-
schriften angewandt werden, sofern die Betriebseröff-
nung bis spätestens 2. Mai 2004 erfolgt (Art. 44 Abs. 4
❖ BayESG).
Die Bayerische Bauordnung, die Verordnung über Zu-
Umsetzung der europäischen Richtlinie ständigkeiten im Verkehrswesen, die Verordnung über
über Seilbahnen für den Personenver- den Nationalpark Bayerischer Wald und das Bayeri-
kehr sche Immissionsschutzgesetz werden redaktionell an-
gepasst, indem die Worte „Bergbahn“ durch „Seil-
Gesetz zur Änderung des Bayerischen Eisenbahn – und bahn“ und „BAyEBG“ durch „BayESG“ ersetzt wer-
Bergbahngesetzes sowie zur Änderung anderer Rechts- den.
vorschriften Das Änderungsgesetz ist am 1.6.2003 in Kraft getre-
Prüfempfehlung: ten..
(Fundstelle: BayGVBl. Nr.12/2003, S.335ff.)
Der Unternehmer einer Seilbahn hat nach Art. 23
Abs. 1 BayESG Änderungen der Anlage, die keiner
Genehmigung nach Art. 21 Abs. 1 BayESG bedür-
fen, vor ihrer Ausführung der Aufsichtsbehörde Brandenburg
anzuzeigen. Anzeigpflichtig sind insbesondere Än-
derungen der Fahrzeuge im Sinn von Nr. 4 des An-
hangs I der Richtlinie 2000/9/EG oder der Be- Änderung einer Verordnung über ein Na-
triebsweise der Seilbahn. Diese Vorschrift ist straf- turschutzgebiet –
bewehrt.

Eine Anlage darf nach Art. 24 Abs. 1 erst gebaut Zulässige Handlungen werden einge-
werden, wenn die technische Planung von der Auf- schränkt -
sichtsbehörde genehmigt ist. Diese Vorschrift ist
strafbewehrt. Verordnung zur Änderung der Verordnung über das
Naturschutzgebiet „Kleine Schorfheide“
Weiter Pflichten des Unternehmens wie Mittei-
Prüfempfehlung:
lungspflichten nach Art. 32 BayESG erfahren nur
redaktionelle Folgeänderungen. Für Betriebe und Unternehmen ergibt sich keine
Der Landtag des Freistaates Bayern hat am 25.5.2003 Änderung der bislang bestehenden Pflichten.
das Gesetz zur Änderung des Bayerischen Eisenbahn – Das Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz
und Bergbahngesetzes sowie zur Änderung anderer und Raumordnung hat die Verordnung über das Na-
Rechtsvorschriften beschlossen. turschutzgebiet „Kleine Schorfheide“ geändert. Die
Verordnung regelt, dass bestimmte Flächen in den
Ziel des Gesetzes: Das Gesetz soll die Richtlinie Landkreisen Uckermark und Oberhavel als Natur-
2000/9/EG des Europäischen Parlaments und des Rates schutzgebiet festgelegt werden. Dieses Gebiet trägt die
vom 20.3.2000 über Seilbahnen für den Personenver- Bezeichnung „Kleine Schorfheide“.
kehr umsetzen.
Die Änderung betrifft § 6, der zulässige Handlungen
Inhalt des Gesetzes: Zunächst erfolgt eine Änderung von den Verbotsnormen regelt.
des Bayerischen Eisenbahn- und Bergbahngesetzes. Die zulässigen Handlungen werden beschränkt. Bis-
Die Überschrift des Gesetz erhält die Fassung : Gesetz lang war es zulässig, Sandheiden im Hüteverfahren mit
über die Rechtsverhältnisse der nicht bundeseigenen täglich wechselnden Pferchstandorten zu nutzen. Diese
Eisenbahnen und der Seilbahnen in Bayern (Bayeri- Nutzung ist nunmehr nicht mehr zulässig. Ferner wird
sches Eisenbahn- und Seilbahngesetz – BayESG). neu geregelt, dass die Verletzung von Verfahrens- und
Formvorschriften des Brandenburgischen Naturschutz-
Umweltrechtsreport 7/2003 471 Neue Rechtsvorschriften

gesetzes gegen diese Verordnung nur innerhalb von 2 Förderrichtlinie erlassen – Sparsame E-
Jahren nach Verkündung dieser Neufassung der Ver- nergienutzung und –umwandlung sowie
ordnung geltend gemacht werden kann.
Nutzung erneuerbarer Energiequellen in
In-Kraft-Treten: Diese Verordnung ist am 27.5.2003 Industrie und Gewerbe werden durch
in Kraft getreten.
Zuschüsse gefördert
(Fundstelle: Brandenb. GVBl. Nr. 15/2003 S. 329)
Prüfempfehlung:
Betrieben und Unternehmen wird keine Pflicht auf-
Bremen erlegt.
Der Senator für Bau und Umwelt hat eine neue Förder-
richtlinie erlassen. Zweck der Förderung ist die Er-
Förderrichtlinie im Bereich des Energie- haltung der Umwelt, der Schutz des Klimas sowie
rechts erlassen – die Endlichkeit fossiler Energien. Der Senator
kommt zu dem Ergebnis, dass ein großer Teil des E-
Förderung von elektrischen Raumhei- nergieverbrauchs dem industriell-gewerblichen Bereich
zugerechnet werden muss. Im Bereich der Industrie
zungen
und des Gewerbes soll durch Investitionen der Ein-
satz von Primärenergie sowie der CO2-Ausstoß ver-
Prüfempfehlung: ringert werden. Der Industriebereich ist also beson-
Es ergeben sich keine Pflichten für Betriebe und ders geeignet, CO2-Emissionen zu vermindern, indem
Unternehmen. er Energieeinsparung betreibt und erneuerbare Ener-
gien verstärkt nutzt.
Der Senator für Bau und Umwelt hat im Bereich des
Energierechts eine Förderrichtlinie erlassen. Gefördert werden deshalb Investitionen, die dem
Ziel der sparsamen und rationellen Energiever-
Gefördert wird der Ersatz von elektrischen Raum- wendung und –erzeugung dienen. Hierzu gehört bei-
heizungen durch Gebäude-Zentralheizungen mit spielsweise der Einsatz von strombedarfsoptimierter
integrierter oder gekoppelter Warmwasser- Gebäudetechnik, Kraft-Wärme-Kopplung und Wasser-
bereitung. Sinn und Zweck dieser Förderung ist es, die stofftechnologie.
benötigte Nutzenergie mit einem möglichst geringen
Einsatz an die nicht erneuerbare Primärenergie zu Zuwendungsempfänger können Betriebe und Unter-
erbringen. Dieses ist notwendig, da die fossile Energie nehmen aus den Bereichen der Industrie, der gewerbli-
endlich ist. Auch umweltrechtliche Aspekte spielen ein chen Wirtschaft und der freien Berufe sein. Diese müs-
Rolle. Durch sparsamen Energieumgang wird das Kli- sen die Absicht verfolgen, in ihrem Betrieb eine der
ma geschützt. oben genannten Maßnahmen durchzuführen. Die För-
derung erfolgt in Form eines nicht rückzahlbaren Zu-
Zuwendungsempfänger sind Grund- und Gebäude- schusses. Wer eine Förderung erhalten will, muss das
eigentümer, aber auch Unternehmen, die sich ver- Antragsverfahren durchführen und einen Antrag an
traglich zur Übernahme der Wärmeversorgung eines folgende Adresse richten:
Gebäudes verpflichtet haben. Vorhaben können aber
nur dann gefördert werden, wenn sie nicht bereits vor Der Senator für Bau und Umwelt -Energieleitstelle –
Zugang des Bewilligungsbescheides begonnen worden Ansgaritorstr. 2, 28195 Bremen
sind. Gefördert werden die Vorhaben durch Investiti-
In-Kraft-Treten: Diese Förderrichtlinie ist am
onszuschüsse.
24.6.2003 in Kraft getreten. Sie wird bis zum
Bewilligungsstelle für die Gewährung von Zuschüssen 30.6.2012 gültig sein.
ist der Senator für Bau und Umwelt.
(Fundstelle: Brem. ABl. Nr. 56/2003 S. 405)
In-Kraft-Treten: Diese Förderrichtlinie ist am
1.5.2003 in Kraft getreten. Zu demselben Zeitpunkt ist
die Förderrichtlinie in der Fassung vom 20.12.2001

außer Kraft getreten.
(Fundstelle: Brem. ABl. Nr. 47/2003 S. 355) Neue Förderung im Bereich des Energie-
/Wasserrechts – Förderung von „elektri-
scher Warmwasserbereitung“

Prüfempfehlung:
Durch diese Förderrichtlinie entstehen keine Pflich-
ten für Betriebe und Unternehmen.
Neue Rechtsvorschriften 472 Umweltrechtsreport 7/2003

Auch im Bereich des Energie- und Wasserrechts hat Neufassung der Hafenordnung – Erlaub-
der Senator für Bau und Umwelt eine Förderrichtlinie nispflicht im Bereich der Liegeplätze
erlassen. Hintergründe für die Förderung sind diesel-
ben wie bei der Förderung der elektrischen Raumhei- wird aufgehoben – Strengere Vorschrif-
zungen (siehe hierzu auch Beitrag in dieser Ausgabe ten bei gefährlichen Gütern
des URR).
Verordnung zur Änderung der Bremischen Hafenord-
Zum Gegenstand der Förderungen wird der Ersatz nung
von elektrischen Warmwasserbereitungsanlagen
durch zentrale Warmwasserversorgungsanlagen Prüfempfehlung:
gemacht. Dies gilt jedoch nur, wenn diese Anlagen an Aufgrund der Änderungen ergeben sich keine neue
eine Zentralheizungsanlage gekoppelt sind. Pflichten für Betriebe und Unternehmen.
Antragsberechtigt ist derselbe Personenkreis wie der in Der Senator für Wirtschaft und Häfen hat die Hafen-
der Förderrichtlinie „Ersatz von Elektroheizungen“ ordnung nunmehr zum zweiten Mal geändert.
(siehe Beitrag in dieser Ausgabe des URR).
Im Hafengebiet gelten neben dem Bremischen Hafen-
Die Förderung erfolgt durch Investitionszuschüsse, betriebsgesetz noch einige weitere Rechtsvorschriften.
jedoch nur dann, wenn mit dem Vorhaben nicht bereits Aufgrund der Änderung kommt noch eine weitere
vor Zugang des Bewilligungsbescheides begonnen Rechtsvorschrift hinzu. Demnach gilt im Hafengebiet
wurde. Anträge zur Gewährung einer Förderung sind neben dem Bremischen Hafenbetriebsgesetz nun auch
an den Senator für Bau und Umwelt zu richten. das Gesetz über die Gewichtsbezeichnung an schwe-
In-Kraft-Treten: Diese Förderrichtlinie ist am ren, auf Schiffen beförderten Frachtstücken.
1.5.2003 in Kraft getreten. Zu demselben Zeitpunkt ist Im Bereich der Regelungen über Liegeplätze gibt es
die Förderrichtlinie vom 20.12.2001 außer Kraft getre- ebenfalls eine Änderung. Bislang benötigten Fahr-
ten. zeuge außerhalb von allgemein bekannt gemachten
(Fundstelle: Brem. ABl. Nr. 47/2003 S. 358) Liegeplätzen eine Erlaubnis für die Einnahme eines
Liegeplatzes. Diese Erlaubnispflicht gilt nun nicht
mehr. Die Einnahme eines solchen Platzes außerhalb
Förderung der Durchführung von Wär- von allgemein bekannt gemachten Liegeplätzen bedarf
meschutzmaßnahmen an Gebäuden nun keiner Erlaubnis mehr.
Neu geregelt wird auch die Durchfuhr, der Um-
Prüfempfehlung: schlag und die Bereitstellung gefährlicher Güter in
Für Betriebe und Unternehmen ergeben sich keine verpackter Form. Bei Frachtcontainern mit gefährli-
Pflichten. chen Gütern gilt nunmehr, dass diese Container nicht
überstaut sein dürfen. Die Containertüren und Tankar-
Der Senator für Bau und Umwelt hat als zuständige maturen müssen jederzeit frei zugänglich sein. Diese
Energieleitstelle eine dritte Förderrichtlinie erlassen. Zugangspflicht gab es bislang nicht. Insofern wird die
Gegenstand der Förderung ist der Wärmeschutz im Hafenordnung verschärft
Wohngebäudebestand. Hintergrund für den Erlass
dieser Förderrichtlinie ist zum einen der Schutz der In diesem Bereich wird aber auch noch eine weitere
Umwelt; es soll aber auch erreicht werden, dass auf Verschärfung vorgenommen. Bislang konnte die Ha-
Dauer der Heizenergiebedarf deutlich gesenkt wird. fenbehörde bei Frachtcontainern mit gefährlichen Gü-
tern Ausnahmen von der Bereitstellungspflicht zulas-
Deshalb wird bei Gebäuden, die vor dem 1.1.1984 er- sen. Diese Ausnahmekompetenz der Behörden gilt nun
richtet worden sind und höchstens 10 Wohneinheiten nicht mehr.
haben, die Durchführung von Wärmeschutzmaßnah-
men gefördert. Im Bereich der Tankschiffsliegeplätze ändert sich der
einzuhaltende Mindestabstand von 30 m bei Tankschif-
Die Richtlinie legt im einzelnen fest, welche Anforde- fen nicht; dieser Mindestabstand von 30 m gilt aber
rungen an die Dämmung gestellt werden. Sowohl fortan nur noch für Flüssigkeiten mit einem Flamm-
Privatpersonen, die Gebäudeeigentümer sind, aber punkt unter 55o C. Bislang galt diese Regelung nur für
auch sonstige Verfügungsberechtigte, können Zuwen- entzündbare Flüssigkeiten der Gefahrenklassen AI oder
dungen beantragen. Die Gewährung der Zuwendung AII.
erfolgt als Projektförderung in Form einer Anteilsfi-
nanzierung. Antragsstelle ist die Ingenieurgesellschaft Die Änderungen legen Unternehmern keine neue
Bauen + Energie + Oekonomie (BEO) in Bremen. Pflichten auf; die bisherigen Pflichten aber bleiben
bestehen.
In-Kraft-Treten: Diese Förderrichtlinie ist am
1.5.2003 in Kraft getreten. Gleichzeitig ist die Förder- In-Kraft-Treten: Diese Verordnung ist am 8.5.2003
richtlinie vom 1.1.2002 außer Kraft getreten. in Kraft getreten.
(Fundstelle: Brem. ABl. Nr. 47/2003 S. 361) (Fundstelle: Brem. GBl. Nr. 31/2003 S. 281)
Umweltrechtsreport 7/2003 473 Neue Rechtsvorschriften

Abkommen zwischen Niedersachsen und · Name des Herstellers, zusätzlich das Herstellwerk,
Bremen im Bereich wasserschutzpolizei- wenn der Name des Herstellers eine eindeutige
Zuordnung des Bauprodukts zu dem Herstellwerk
licher Aufgaben auf der Weser nunmehr nicht ermöglicht,
in Kraft
· Kurzbezeichnung der für das geregelte Baupro-
Prüfempfehlung: dukt im Wesentlichen maßgebenden technischen
Regel,
Für Betriebe und Unternehmen ändert sich die
Pflichtenlage nicht. · die für den Verwendungszweck wesentlichen
Merkmale des Bauprodukts,
Die Senatskanzlei gibt bekannt, dass das Abkommen
zwischen dem Land Niedersachsen und der Freien · die Bezeichnung oder das Bildzeichen der Zertifi-
Hansestadt Bremen über die Durchführung wasser- zierungsstelle, wenn die Einschaltung einer Zerti-
schutzpolizeilicher Aufgaben an der Weser am fizierungsstelle vorgeschrieben ist.
1.5.2003 in Kraft getreten ist.
In-Kraft-Treten: Diese Verordnung ist am 21.5.2003
Das Abkommen regelt, dass die Wasserschutzpoli- in Kraft getreten. Zum selben Zeitpunkt tritt die Über-
zei des Landes Bremen die wasserschutzpolizeili- einstimmungszeichenverordnung vom 29.11.1994 au-
chen Aufgaben auf der Außenweser wahrnimmt, ßer Kraft.
ohne dass dem Land Niedersachsen die Kosten (Fundstelle: HmbGVBl. Nr. 21/2003 S. 134)
hierfür in Rechnung gestellt werden. Eingesetzt wird
dazu auf einer Strecke von 25 Seemeilen ein Küsten- Festlegung von Tätigkeiten im Bereich
boot. des Bauprodukterechts, die von der Ü-
(Fundstelle: Brem. GBl. Nr. 31/2003 S. ???)
berwachungsstelle zu überwachen sind
Verordnung über die Überwachung von Tätigkeiten
mit Bauprodukten und bei Bauarten
Hamburg Prüfempfehlung:
Die Pflichtenlage für Betriebe und Unternehmen
Verordnung legt fest, welche Angaben wird nicht berührt.
das Übereinstimmungszeichen enthalten In Hamburg wurde eine Verordnung erlassen, die fest-
muss legt, welche baulichen Tätigkeiten gemäß der Ham-
burgischen Bauordnung von einer sogenannten Ü-
Verordnung über das Übereinstimmungszeichen berwachungsstelle überwacht werden müssen.

Prüfempfehlung: Die Hamburgische Bauordnung regelt, dass im Bereich


der Bauprodukte mehrere Tätigkeiten durch die Über-
§ 1 der Verordnung nennt Angabepflichten, die Un- wachungsstelle geprüft werden müssen. Bauprodukte
ternehmen treffen; diese sind nicht strafbewehrt. sind solche Baustoffe, Bauteile und Anlagen, die her-
Die Versammlung des Senats hat eine Verordnung er- gestellt werden, um dauerhaft in bauliche Anlagen ein-
lassen, die regelt, welche Angaben das sogenannte gebaut zu werden, oder auch aus Baustoffen und Bau-
Übereinstimmungszeichen enthalten muss. teilen angefertigte Anlagen, die hergestellt werden, um
mit dem Erdboden verbunden zu werden, z. B. Fertig-
Das sogenannte Übereinstimmungszeichen wird im häuser und Garagen oder Silos.
Baurecht verwendet. Bauprodukte bedürfen einer
Bestätigung ihrer Übereinstimmung mit den techni- Die Verordnung legt nunmehr fest, welche Tätigkeiten
schen Regeln. Die Bestätigung der Übereinstimmung im einzelnen von dieser Überwachung umfasst sind.
erfolgt durch Übereinstimmungserklärung des herstel- Hierzu gehört u. a.:
lenden Unternehmers oder durch ein Zertifikat. Dies · der Einbau von punktgestützten, hinterlüfteten
wird von der Zertifizierungsstelle erteilt, wenn Bau- Wandbekleidungen aus Einscheibensicherheitsglas
produkte den technischen Regeln entsprechen. in einer Höhe von mehr als 8 m über Gelände,
Gemäß § 22 der Hamburger Bauordnung hat das her- · das Herstellen und der Einbau von Beton mit hö-
stellende Unternehmen die oben genannte Überein- herer Festigkeit und anderen besonderen Eigen-
stimmungserklärung und die Erklärung, dass ein Zerti- schaften auf Baustellen,
fikat erteilt wurde, durch Kennzeichnung der Baupro-
dukte mit dem Übereinstimmungszeichen („Ü“) unter · die Instandsetzung von tragenden Betonbauteilen,
Hinweis auf den Verwendungszeck abzugeben. deren Standsicherheit gefährdet ist,
Gemäß der neu erlassenen Verordnung hat das Über- · der Einbau von Verpressankern,
einstimmungszeichen folgende Angaben zu enthalten:
· das Einpressen von Zementmörtel in Spannkanäle.
Neue Rechtsvorschriften 474 Umweltrechtsreport 7/2003

Die Anforderungen an die Überwachung werden an- nichts anderes bestimmt ist. Bei In-Kraft-Treten recht-
hand von Technischen Baubestimmungen festgelegt. mäßig ausgeübte Nutzungen bleiben von § 8 Abs. 2
Diese muss die Überwachungsstelle beachten und an- unberührt.
wenden.
Die Deichordnung vom 4.7.1978 ist aufgehoben wor-
(Fundstelle: HmbGVBl. Nr. 21/2003 S. 133) den.
❖ (Fundstelle: HmbGVBl. Nr. 23/2003 S. 151)

Verordnung im Bereich von öffentlichen ❖


Hochwasserschutzanlagen erlassen
Staatsvertrag zwischen Hamburg und
Verordnung über öffentliche Hochwasserschutz-
anlagen (Deichordnung)
Niedersachsen im Bereich der Abwasser-
beseitigung in Kraft getreten
Prüfempfehlung:
Die Verordnung legt Betrieben in den §§ 8 und 11 Prüfempfehlung:
Pflichten auf. Hierbei handelt es sich um Einhal- Für Betriebe und Unternehmen beinhaltet dieser
tungspflichten, Erhaltungs- und Unterhaltungs- Staatsvertrag keine Pflichten.
pflichten.
Die Senatskanzlei gibt bekannt, dass der Staatsvertrag
Die Versammlung des Senats hat eine Verordnung ü- zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und dem
ber öffentliche Hochwasserschutzanlagen erlassen. Bei Land Niedersachsen über öffentlich-rechtliche Verein-
der Verordnung geht es im einzelnen darum, welche barungen auf dem Gebiet der Abwasserbeseitigung am
Anforderungen an Hochwasserschutzanlagen ge- 1.6.2003 in Kraft getreten ist.
stellt werden. Die Verordnung definiert Hochwasser-
schutzanlagen als Deiche und andere Anlagen, wie Dieser Staatsvertrag sieht im einzelnen vor, dass die
Sperrwerke, Schleusen und Brücken. Diese Verord- Hamburger Stadtentwässerung und die benachbar-
nung gilt für alle öffentlichen Hochwasserschutzanla- ten Niedersächsischen Kommunen künftig bei der
gen. Abwasserbeseitigung „grenzüberschreitend“ zu-
sammenarbeiten. Beide Seiten erhoffen sich dadurch
Sie regelt ferner, dass Hochwasserschutzanlagen so eine Kostenersparnis und eine Verbesserung des Um-
zu errichten, zu unterhalten und zu betreiben sind, weltschutzes. Beide Parteien gehen davon aus, dass
dass sie ihren Zweck erfüllen können. Der Zweck durch die Zusammenarbeit über die Landesgrenze
einer solchen Anlage ist es, Hochwasser sowie Sturm- hinweg die ökologisch und ökonomisch besten Lösun-
fluten abzuwehren. gen in der Abwasserentsorgung umsetzbar sind. So
Die jeweils zuständige Wasserbehörde hat in regelmä- kann nun beispielsweise auf den Neubau eines Klär-
ßigen Abständen Abmessungen der Deiche und Hoch- werks verzichtet werden, und die bereits in Hamburg
wasserschutzwände und Hochwasserschutzanlagen bestehenden Klärwerksverbunde können noch besser
vorzunehmen. Ebenso müssen Schäden an den Anla- ausgelastet werden.
gen so schnell wie möglich beseitigt werden. Die Ver- (Fundstelle: HmbGVBl. Nr. 20/2003 S. 130)
ordnung legt aber auch Beschränkungen auf. Demnach
ist jegliche Nutzung und Beschädigung einer Hoch-
wasserschutzanlage verboten, es sei denn, dass diese ❖
zum Zwecke der Unterhaltung, Wiederherstellung oder
Verteidigung der Anlage dienen. Es müssen weiterhin
auch Mindestabstände der Hochwasserschutzanlagen
Neue Bestimmungen beim Einleiten von
eingehalten werden. Abwasser in Gewässer und öffentliche
Abwasseranlagen
Ferner ist es verboten, im Herbst bis zum Frühjahr Ar-
beiten an den Anlagen durchzuführen. Von den Verbo-
Verordnung über die Einleitung von Abwasser aus der
ten und Beschränkungen kann die zuständige Wasser-
Verbrennung von Abfällen
behörde Ausnahmen erteilen, sofern die Sicherheit der
Hochwasserschutzanlage nicht beeinträchtigt wird. Es Prüfempfehlung:
gelten ferner für das Vorland Erhaltungs- bzw. Unter-
haltungspflichten. Diese Verordnung nennt diverse Pflichten, u.a. Be-
rechnungs- und Mitteilungspflichten sowie Mes-
Verstöße gegen diese Verordnung werden als Ord- sungspflichten.
nungswidrigkeiten geahndet.
Die Versammlung des Senats hat eine Verordnung er-
Übergangsvorschriften: Diese Verordnung gilt auch lassen, die den Bereich des Abfallrechts betrifft.
für Hochwasserschutzanlagen, die beim In-Kraft-
Treten dieser Vorordnung vorhanden sind, soweit
Umweltrechtsreport 7/2003 475 Neue Rechtsvorschriften

Es geht hierbei um Anforderungen an das Einleiten Anlagen, die mit dem Erdboden verbunden sind und
von Abwasser aus der Abfallverbrennung. Hinter- aus Bauprodukten hergestellt wurden. Die Verordnung
grund für den Erlass der Verordnung ist, dass eine eu- regelt, dass Hersteller von Bauprodukten im Bereich
ropäische Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt der Herstellung von tragenden Stahlbauteilen, Alumi-
werden musste. Diese Richtlinie bezweckt die Vermei- niumbauteilen und anderen tragenden Betonbauteilen
dung oder Begrenzung von Umweltbelastungen, insbe- über besondere Fach- bzw. Sachkunde verfügen
sondere der Verunreinigung durch Emissionen in die müssen. Es ist auch notwendig, dass die Hersteller zur
Luft, den Boden, das Wasser sowie der daraus resultie- Gewährleistung der Sicherheit ihrer Bauprodukte über
renden Gefahren für die menschliche Gesundheit in- notwendige besondere Vorrichtungen verfügen. Die
folge der Verbrennung von Abfällen. gleichen Pflichten nach dieser Verordnung müssen die
Anwender von Bauarten beachten. Die Verordnung
Dieses Ziel soll durch strenge Betriebsbedingungen
schreibt auch vor, dass Hersteller und Anwender
und technische Vorschriften für Abfallverbren-
besondere Prüfungs- und Nachweispflichten zu er-
nungsanlagen erreicht werden. Die erlassene Verord-
füllen haben. So müssen sie ihre genannte besondere
nung setzt diese Maßgaben der EU nun um. Die Ver-
Sachkunde sowie ihre Vorrichtungen gegenüber einer
ordnung gilt für das Einleiten von Abwasser in Gewäs-
anerkannten Prüfstelle nachweisen.
ser und öffentliche Abwasseranlagen. Die Verordnung
nennt zahlreiche Pflichten. Betreiber von Frachten Diese Verordnung lässt es aber auch zu, dass von den
haben z. B. eine Berechnungspflicht im Falle der strengen Regelungen im Einzelfall Ausnahmen zuge-
Vermischung von Abwasser. Die Verordnung be- lassen werden können. Die Errichtung von baulichen
stimmt ferner, dass die Erlaubnis für das Einleiten von Anlagen nach der Hamburgischen Bauordnung ist im
Abwasser in ein Gewässer bzw. in eine Abwasseranla- Wege der Ausnahmeregelung dann zulässig, wenn sie
ge Messanforderungen unterliegt. Demgemäss haben die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht gefähr-
Einleiter Messgeräte einzubauen. Die Verordnung legt den.
im einzelnen Messungen fest, die durchgeführt werden
(Fundstelle: HmbGVBl. Nr. 21/2003 S. 132)
müssen. Die Verordnung bestimmt auch, dass die Öf-
fentlichkeit durch Vorlage eines jährlichen Berichts
informiert werden muss. Diese Berichtspflicht gilt
auch gegenüber der jeweils zuständigen Behörde. Hessen
Verstöße gegen diese Verordnung werden als Ord-
nungswidrigkeiten geahndet.
Abfallrechtliche Richtlinie erlassen –
Übergangsregelung: Für bereits vorhandene Einlei-
tungen von Abwasser gelten die Anforderungen dieser
Verordnung mit Wirkung vom 28.12.2005. Grundregeln für die Entnahme von Ab-
fallproben festgelegt
(Fundstelle: HmbGVBl. Nr. 24/2003 S. 172)
Prüfempfehlung:
❖ Für Betriebe und Unternehmen ergeben sich keine
Pflichten.
Verordnung legt fest, welche Vorgaben Das Hessische Ministerium für Umwelt, Ländlichen
Hersteller von Bauprodukten zu erfüllen Raum und Verbraucherschutz hat eine Richtlinie für
haben das Vorgehen bei physikalischen, chemischen und bio-
logischen Untersuchungen im Zusammenhang mit der
Verordnung über Anforderungen an Hersteller von Verwertung und Beseitigung von Abfällen erlassen.
Bauprodukten und Anwender von Bauarten Diese Richtlinie ersetzt die bisherigen LAGA-
Richtlinien.
Prüfempfehlung:
Diese neu erlassene Richtlinie wird durch das Ministe-
Die Verordnung nennt in den §§ 1 und 2 zwar rium als Technische Bestimmung eingeführt. Dies
Pflichten für die Hersteller von Bauprodukten, wie bedeutet, dass die Behörden die Richtlinie beim Voll-
z. B. Nachweispflichten; diese sind jedoch nicht zug der abfallrechtlichen Vorschriften beachten müs-
strafbewehrt. sen.
Die Versammlung des Senats hat eine Verordnung im Die Richtlinie hat den Zweck, die Probenahme von
Bereich des Bauprodukterechts erlassen. festen Abfällen zu vereinheitlichen. Die Probenahme
ist elementarer Bestandteil der physikalischen, chemi-
Diese Verordnung beschäftigt sich mit den Anfor-
schen und biologischen Untersuchung. Durch sie kann
derungen, die Hersteller von Bauprodukten zu er-
füllen haben. Hiermit soll erreicht werden, dass Bau- die Qualität festgelegt werden. Da eine konkrete Vor-
gehensweise nicht alle Prüfgüter umfassen kann und
produkte dem Stand der Technik entsprechen und so-
somit nicht möglich ist, ist es notwendig, einen abfall-
mit der Sicherheit dienen. Bauliche Anlagen sind alle
Neue Rechtsvorschriften 476 Umweltrechtsreport 7/2003

bezogenen Ansatz zu finden, der die bisherigen Infor- Die Änderungen haben u.a. den Zweck, zum einen
mationen berücksichtigt. die Verkehrsinfrastruktur auszubauen und damit
einhergehend das Straßennetz. Insofern handelt es
Ziel einer Probenahme ist die Gewinnung von Teil-
sich um eine Änderung aus wirtschaftlicher Motivation
mengen, die zur Ermittlung charakteristischer
heraus.
Merkmale von Abfällen geeignet sind. Im einzelnen
enthält diese Richtlinie genaue Vorgaben zum Die Änderungen beinhalten aber auch die Verfah-
Probenahmeverfahren und der rensvereinfachung der Straßenbauplanung. Es wur-
Probenahmestrategie. Ebenfalls wird detailliert de nunmehr auch die Möglichkeit für den Bau von pri-
vorgegeben, wie die Anzahl und Größe der zu entneh- vat gebauten und finanzierten Straßen geschaffen.
menden Proben in Abhängigkeit von Grundmenge,
Die Änderung des Straßengesetzes ist im Ergebnis Teil
Konsistenz und Größenverteilung stehen.
der Verwaltungsrechtsreform in Hessen.
Grundsätzlich kann die Probenahme von Abfällen aus
frei lagernden Haufwerken, Mieten und Schüttungen, Hauptschwerpunkt der Änderung ist aber die Einfüh-
Behältern und Transportfahrzeugen erfolgen. Die rung einer Umweltverträglichkeitsprüfung für die
Richtlinie gibt vor, dass bei vielen Abfallarten eine Straße nach Landesrecht. Insofern kommt das
Separierung notwendig ist, bevor mit der Probenahme Land Hessen seiner europarechtlichen Verpflich-
begonnen werden kann. Bei der Probenahme ist auch tung nach, eine formalisierte Umweltverträglich-
von elementarer Bedeutung, dass andere umweltrecht- keitsprüfung für Landes- und Kreisstraßen, aber
liche Vorschriften wie die des Kreislaufwirtschafts- auch für Gemeindestraßen, in Hessen einzuführen.
und Abfallgesetzes, der Klärschlammverordnung oder
des Chemikaliengesetzes beachtet werden. Im Vorfeld Bislang gab es die Umweltverträglichkeitsprüfung nur
bei Bundesfernstraßen. Eine Umweltverträglichkeits-
der Probenahme ist zunächst ein Probenahmeplan
prüfung gab es zwar bereits im Rahmen der Planfest-
zu erstellen. Die Richtlinie regelt ferner, wie die Pro-
stellung, nun aber gibt es eine öffentliche Anhörung.
benahme dann im einzelnen durchzuführen ist. Über
die Probenahme ist sodann ein Protokoll zu erstellen. Die Öffentlichkeit wird also auch beim Bau von Lan-
Der Anhang C dieser Richtlinie gibt insofern ein Mus- des-, Kreis- und Gemeindestraßen in einem formali-
terprotokoll vor. sierten UVP-Verfahren angehört. Im Rahmen der
Umweltverträglichkeitsprüfung im Straßenrecht ist
Die Richtlinie bestimmt ferner auch, welche Geräte zur
also zu prüfen, ob der Bau oder die Änderung be-
Probeentnahme zulässig sind.
stehender Landes- und Kreisstraßen erhebliche
(Fundstelle: Hess. StAnz. Nr. 23/2003 S. 2288) Auswirkungen auf die Umwelt zur Folge hätte. Eine
solche Prüfung ist beispielsweise beim Bau von
Schnellstraßen oder mehrspurigen Straßen durchzufüh-
❖ ren.
Neu geregelt wird u. a. auch eine neue Verbotsnorm.
Bekanntmachung der Neufassung des Demnach darf eine Straße ohne die erforderliche Er-
Straßengesetzes – laubnis nicht benutzt werden; es dürfen dort auch keine
Gegenstände abgestellt werden. Sollte der Erlaubnis-
Neueinführung einer Umweltverträglich- nehmer seiner Verpflichtung nicht nachkommen, so
kann die zuständige Straßenbehörde entsprechend
keitsprüfung auf hessischen Landesstra-
Zwangsmaßnahmen einleiten.
ßen
Neu geregelt wird auch die Kostentragungslast beim
Bekanntmachung der Neufassung des Hessischen Stra- Bau und bei der Änderung von Kreuzungen öffentli-
ßengesetzes cher Straßen. Jegliche Kosten hat hier der Träger der
Straßenbaulast zu übernehmen. Dieser Grundsatz gilt
Prüfempfehlung: auch, wenn Straßen neu angelegt oder ausgebaut wer-
Dieses neue Straßengesetz hat zwei neue Pflichten, den, und dabei Kreuzungen mit Gewässern hergestellt
und zwar in § 17 a und in § 32 b. Hierbei handelt es werden müssen. Zu beachten ist aber die Kostentei-
sich um sogenannte Benutzungs- und Duldungs- lungspflicht des Trägers der Straßenbaulast und des
pflichten. Unternehmers für Gewässerausbau im Falle einer Neu-
auslegung einer Straße und der gleichzeitigen Herstel-
Das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landes- lung eines Gewässers.
entwicklung hat in Hessen das Straßengesetz nunmehr
zum dritten Male novelliert. Der Träger der Straßenbaulast hat die Kreuzungsanla-
gen von Straßen und Gewässern auf seine Kosten zu
Das Straßengesetz regelt die Rechtsverhältnisse der unterhalten, soweit nichts anderes vereinbart oder
öffentlichen Straßen. Es gilt fast ausschließlich nur für durch Planfeststellungsbeschluss bestimmt wird.
die Landstraßen in Hessen, selten auch für die Bundes-
fernstraßen. Neu eingeführt in das Straßengesetz wird auch eine
Duldungspflicht für Eigentümer und andere Nut-
zungsberechtigte von Grundstücken. Eigentümer und
Umweltrechtsreport 7/2003 477 Neue Rechtsvorschriften

sonstige Nutzungsberechtigte haben zur Vorbereitung Diese Form der Breitenförderung gibt es bereits seit
der Planung notwendige Vermessungen, Boden- und mehreren Jahren. Da sich hier aber ständig neue
Grundwasseruntersuchungen einschließlich der vo- Marktentwicklungen ergeben, ist es notwendig, die
rübergehenden Anbringung von Markierungszeichen Richtlinie den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen.
und sonstige Vorarbeiten durch die Straßenbaube- Dieses hat das vorgenannte Ministerium nun erneut
hörde oder von ihr Beauftragte zu dulden. Wer die- getan. Die Richtlinie wendet sich sowohl an Betriebe
se Vorarbeiten nicht duldet, wird mit einer Ordnungs- als auch an die Behörden, die das Antragsverfahren
widrigkeit belegt. Es gilt also für Eigentümer eine Dul- zum Erhalt einer Förderung durchführen.
dungspflicht.
Wie bereits in den vergangenen Jahren, fördert das
Neu geregelt wird auch die vorzeitige Besitzeinwei- Land Investitionsvorhaben durch Zuwendungen. Hier-
sung. Die Behörde hat demnach die Möglichkeit, bei durch soll erreicht werden, dass die Markteinführung
der Notwendigkeit des sofortigen Beginns von Bauar- von neuer Technik im Bereich Energieverwendung
beiten den Träger der Straßenbaulast in ein Grundstück und Nutzung unerschöpflicher Energiequellen be-
einzuweisen. Sollte sich also der Eigentümer oder Be- schleunigt wird.
sitzer weigern, das Grundstück freizugeben, so kann
Gefördert werden u. a. Anlagen und gewerbliche
die Enteignungsbehörde eine Einweisung vornehmen.
Anlagen zur Verwertung von Abwärme, Woh-
Die Enteignungsbehörde hat spätestens sechs Wochen
nungslüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung
nach Eingang des Antrages auf Besitzeinweisung mit
für eine Wohneinheit, Tiefengeothermieanlagen zur
den Beteiligten mündlich zu verhandeln. Der Beschluss
direkten Nutzung der Erdwärme, thermische Solaran-
über die Besitzeinweisung ist dem Antragsteller und
lagen für die Brauchwasserwärme und die Biomasse-
den Betroffenen spätestens zwei Wochen nach der
und Biogasanlagen.
mündlichen Verhandlung zuzustellen. Der Träger der
Straßenbaulast hat für die durch die vorzeitige Besitz- Natürliche und juristische Personen, aber auch kleine
einweisung entsehenden Vermögensnachteile Entschä- und mittlere Betriebe, können Empfänger der Zuwen-
digung zu leisten. dungen sein. Die Zuwendung erfolgt als Zuschussge-
währung. Anträge auf Gewährung einer Zuwendung
Gegen den Einweisungsbeschluss kann seitens der Ei-
können seit dem 27.1.2003 bei der Bewilligungsstelle
gentümer Widerspruch eingelegt werden, der aber kei-
eingereicht werden. Antragsvordrucke können unter
ne aufschiebende Wirkung entfaltet. Demnach müssen
der Internetadresse: www.1b.nrw.de ausgedruckt wer-
Eigentümer einstweiligen Rechtsschutz beantragen in
den. Bewilligungsstelle ist das Landesinstitut für Bau-
Form der Wiederherstellung der aufschiebenden Wir-
wesen des Landes NRW, Außenstelle Dortmund,
kung, da die Besitzeinweisung in jedem Fall durch die
Ruhrallee 3, 44139 Dortmund.
Behörde sofort vollziehbar ist.
Zu beachten ist, dass Geothermieanlagen in Verbin-
Zu beachten sind ebenfalls die zahlreichen Übergangs-
dung mit Wärmepumpen als computergesteuerte Ener-
regelungen des § 52.
giesparmaßnahme inzwischen eine selbsttragende
(Fundstelle: Hess. GVBl. Nr. 10/2003 S. 166) Wirtschaftlichkeit aufweisen, und das oben genannte
Ministerium deshalb zu dem Ergebnis kommt, dass
diese Anlagentechnik zukünftig nicht mehr förderungs-
fähig ist.
Mecklenburg-Vorpommern
In-Kraft-Treten: Dieser Runderlass ist am 1.1.2003
in Kraft getreten. Gleichzeitig ist der Runderlass vom
Neue Richtlinie erlassen – Gewährung 29.10.2001 außer Kraft getreten.
von Zuwendungen im Programmbereich (Fundstelle: MBl. NRW. Nr. 23/2003 S. 540)
der Breitenförderung (rationelle Ener-
gieverwendung)
Niedersachsen
Prüfempfehlung:
Aus dem Erlass dieser Richtlinie ergeben sich keine
Pflichten für Betriebe und Unternehmen. Neue Technische Baubestimmungen be-
Das Ministerium für Städtebau und Wohnen hat einen
kannt gemacht – Vorschriften zu Gärfut-
Runderlass am 3.12.2002 veröffentlicht, bei dem es um tersilos und Güllebehältern erlassen -
die Förderung im Bereich des Energierechts geht.
Prüfempfehlung:
Es handelt sich im einzelnen um die Richtlinie über
die Gewährung von Zuwendungen aus dem Pro- Für Betriebe und Unternehmen bleibt die Pflichten-
gramm „Rationelle Energieverwendung und Nut- lage unverändert.
zung unerschöpflicher Energiequellen“.
Neue Rechtsvorschriften 478 Umweltrechtsreport 7/2003

Das Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Ge- Prüfempfehlung:


sundheit hat neue Technische Baubestimmungen mit
Die Pflichtenlage für Betriebe und Unternehmen
Schreiben vom 5.5.2003 bekannt gemacht. Es wird da-
ändert sich nicht.
nach eine neue DIN-Norm 11622 eingeführt, die Be-
stimmungen über Gärfuttersilos und Güllebehälter Der Niedersächsische Ministerpräsident hat ein Gesetz
enthält. Gemäß der neuen Technischen Baubestim- erlassen, durch das ein Abkommen in Kraft treten
mungen sind Gärfuttersilos Silos zur Herstellung und wird. Es handelt sich dabei um das Abkommen, das
Lagerung von Gärfutter. Dieses wiederum ist ein spe- das bisher gültige Abkommen über die Zentralstelle
ziell hergestelltes Viehfutter. der Länder für Sicherheitstechnik und über die Akkre-
ditierungsstelle der Länder für Mess- und Prüfstellen
Die Technischen Baubestimmungen sind entsprechend
zum Vollzug des Gefahrstoffrechts ersetzt. Die Zent-
auch auf befahrbare Flachsilos anzuwenden. Die Tech-
ralstelle hat gemäß des Abkommens u. a. folgende
nischen Baubestimmungen regeln im einzelnen, wel-
Aufgaben:
che Anforderungen an Silos und Behälter der oben
genannten Art gestellt werden. So müssen diese bei- Sie hat im Rahmen des Gerätesicherheitsgesetzes, des
spielsweise derart ausgeführt werden, dass keine Gülle Medizinproduktegesetzes, des Gesetzes über die Be-
in das Erdreich gelangen kann. förderung gefährlicher Güter und des Sprengstoffge-
setzes den Stand der Produkt- und Anlagesicherheit zu
Es gelten auch strenge Vorschriften über die Be-
halten und kontinuierlich zu verbessern. Alle Bundes-
schaffenheit von betrieblichen Einrichtungen für
länder haben dieses Abkommen gemeinsam abge-
Gärfuttersilos und Güllebehältern. Die Technischen
schlossen. Das Land Niedersachsen hat diesem Ab-
Baubestimmungen schreiben auch vor, dass bei der
kommen zugestimmt und hat dementsprechend ein Ge-
Herstellung und Montage von Behältern die Anwesen-
setz erlassen, so dass das bisherige Abkommen geän-
heit des Herstellers bzw. des Bauleiters notwendig ist.
dert werden kann.
Ferner müssen diese Personen Kennzeichnungs- und
Unterrichtungsbestimmungen beachten. Dieses Gesetz ist am 26.6.2003 in Kraft getreten.
(Fundstelle: Nds. MBl. Nr. 18/2003 S. 362) (Fundstelle: Nds. GVBl. Nr. 15/2003 S. 217)


Nordrhein-Westfalen
Umweltministerium hebt drei Verwal-
tungsvorschriften auf Für Amtshandlungen gelten neue Gebüh-
Prüfempfehlung:
rensätze
Für Betriebe und Unternehmen wird die Pflichten- Dritte Verordnung zur Änderung der Allgemeinen
lage nicht geändert. Verwaltungsgebührenordnung
Das Umweltministerium hat den Runderlass vom Prüfempfehlung:
31.01.1999 „Bestimmung der ärztlichen und zahnärzt-
lichen Stelle gemäß § 16 Abs. 3 der Röntgenverord- Für Betriebe und Unternehmen ergibt sich keine
nung“ aufgehoben. Änderung der Pflichtenlage.

(Fundstelle: Nds. MBl. Nr. 19/2003 S. 408) Das Land Nordrhein-Westfalen hat seine Allgemeine
Verwaltungsgebührenordnung umfassend novelliert.
Dies bedeutet, dass sich die Gebührensätze in vielen
❖ Bereichen, in denen die Behörden für ihre Amts-
handlungen Gebühren erheben können, geändert
haben. Die nun erlassene Verordnung regelt im ein-
Abkommen über Zentralstellen für Si- zelnen, welche Gebührensätze nun von den jeweils zu-
cherheitstechnik geändert und durch Ge- ständigen Verwaltungsbehörden im Falle ihres Tätig-
setz neu erlassen werdens im Einzelfall erhoben werden können. Die
Gebührensätze sollen nach fünf Jahren überprüft wer-
Gesetz zu dem Abkommen zur Änderung des Abkom- den.
mens über die Zentralstelle der Länder für Sicherheits- In-Kraft-Treten: Diese Verordnung ist am 14.5.2003
technik und über die Akkreditierungsstelle der Länder in Kraft getreten.
für Mess- und Prüfstelen zum Vollzug des Gefahrstoff-
rechts (Fundstelle: GVBl. NRW. Nr. 24/2003 S. 270)
Umweltrechtsreport 7/2003 479 Neue Rechtsvorschriften

Neue Verfahrensrichtlinien für Behörden Prüfempfehlung:


bei der Verfolgung von Ordnungswidrig- Für Betriebe und Unternehmen ändert sich die
keiten nach der Röntgenverordnung und Pflichtenlage nicht.
der Strahlenschutzverordnung Bezogen auf die Verhältnisse im gesamten Bundesge-
biet wird festgestellt, dass die Voraussetzungen, die für
Prüfempfehlung: den Zeitraum vom 01.01.1991 31.1
Die Pflichtenlage ändert sich nicht. 2.1996 zur Anhebung der in den Rechtsakten der Eu-
Das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit hat durch ropäischen Gemeinschaften über die Finanzierung der
Runderlass vom 6.5.2003 bekannt gegeben, dass bei Untersuchungen und Hygienekontrollen von Fleisch
der Ahndung von Ordnungswidrigkeiten nach der und Geflügelfleisch vorgesehenen Gemeinschaftsge-
Röntgenverordnung und der Strahlenschutzverordnung bühren berechtigen, auch für den Zeitraum vom
ab sofort nach neuen Richtlinien verfahren wird. Der 01.01.2000 bis zum 31.12.2003 vorliegen.
Runderlass gilt ausschließlich behördenintern und (Fundstelle: GVBl. Rhl.Pf. Nr. 7/2003 S. 73)
weist die für den Vollzug der Röntgenverordnung
zuständigen Behörden an, wie sie im Falle von Zu-
widerhandlungen von Betrieben zu verfahren ha-
ben. Betriebe sind folglich vom Runderlass nicht di- Saarland
rekt betroffen.
Der Runderlass regelt u. a., dass die jeweils zuständige
Verwaltungsbehörde im Falle einer Zuwiderhandlung Im Bereich des Energierechts werden
gegen die Röntgenverordnung oder die Strahlenschutz- Zuwendungen gewährt –
verordnung ein Bußgeldverfahren einzuleiten hat. Soll-
te es sich bei dem Verstoß um eine Straftat handeln, Nutzung von erneuerbarer Energie wird
wird die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft ab- gefördert
gegeben. Durch den Bußgeldkatalog hat die Behörde
die Möglichkeit, je nach Zuwiderhandlung ein Bußgeld Prüfempfehlung:
in Höhe von 100 bis zu 20.000 Euro festzulegen. Es
werden u.a. folgende Verstöße als Zuwiderhandlung Es ergeben sich keine Pflichten für Betriebe und
geahndet: Unternehmen.

· Betrieb oder Veränderung des Betriebs einer Das Umweltministerium hat eine Richtlinie erlassen,
Röntgeneinrichtung, die im Bereich des Energierechts Förderungen vor-
sieht.
· die Anwendung von Röntgenstrahlen am Men-
schen ohne erforderliche Genehmigung, Hintergrund für den Erlass dieser Richtlinie ist der Ge-
danke, dass fossile Energie nicht unendlich ist.
· Nichtunterrichtung des Strahlenschutzverantwort-
lichen, Aus Gründen des Umweltschutzes ist es deshalb von
elementarer Bedeutung, eine zukunftsfähige Energie-
· Nichtentfernung einer Verunreinigung. versorgung zu finden. Zweck der Richtlinie ist es, die
Menge an Energiebedarf zu minimieren. Erneuer-
Der Runderlass des Ministeriums für Arbeit, Gesund-
bare Energie soll stärker genutzt werden. Das Um-
heit und Soziales vom 19.8.1994 wird aufgehoben.
weltministerium fördert deshalb alle Maßnahmen,
(Fundstelle: MBl. NRW. Nr. 22/2003 S. 528) die die Energieeinsparung und die rationelle Ener-
gienutzung zum Inhalt haben. Auch erneuerbare E-
nergien, die für Unternehmen nicht wirtschaftlich sind,
werden gefördert.
Rheinland-Pfalz
Gefördert werden u. a. Wärmemaßnahmen im
Wohngebietsbestand, Blockheizkraftwerke, thermi-
Verordnung im Bereich des Fleisch- und sche Solarkollektoranlagen und Windkraftanlagen.
Geflügelfleischhygienerechts geändert Zuwendungen können alle natürlichen und juristischen
Personen sowie kleine und mittlere Unternehmen bean-
Dritte Landesverordnung zur Änderung der Landes- tragen.
verordnung zur Durchführung der §§ 2 und 3 des Lan- Wichtig ist, dass mit dem Vorhaben nicht bereits schon
desgesetzes zur Ausführung fleisch- und geflügel- begonnen wurde; es darf erst nach der Bewilligung mit
fleischhygienerechtlicher Vorschriften dem Vorhaben begonnen werden.
Die vom Ministerium gewährte Zuwendung wird als
nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt. Das Formblatt
Neue Rechtsvorschriften 480 Umweltrechtsreport 7/2003

für die Anträge zur Gewährung einer Zuwendung ist Das Gesetz ist am 5.6.2003 in Kraft getreten.
über die ARGE „Solar“ e.V. zu beziehen. Die Anträge (Fundstelle: Sächsisches GVBl. Nr.7/2003, S.130)
sind dann an das Ministerium für Umwelt- Referat A/4
- Keplerstr. 18, 66117 Saarbrücken zu richten.
Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums
In-Kraft-Treten: Diese Richtlinie ist am 1.4.2003 in des Innern über die anerkannten Sachverständigen für
Kraft getreten. Gleichzeitig ist die Richtlinie für die die Prüfung technischer Anlagen und Einrichtungen
Förderung von Maßnahmen im Zukunftsenergiepro- nach Bauordnungsrecht
gramm plus (ZEPP) vom 5.10.2001 einschließlich aller
bisher ergangener Änderungen außer Kraft getreten. Prüfempfehlung:

Diese Richtlinie tritt spätestens am 31.12.2007 außer Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be-
Kraft. rührt.
Das Sächsische Staatsministerium des Innern hat am
(Fundstelle: Saarl. GMBl. 2003 S. 226)
15.5.2003 die Liste der anerkannten Sachverständigen
für die Prüfung technischer Anlagen und Einrichtungen
nach dem Bauordnungsrecht bekannt gemacht.
Sachsen Die Sachverständigen könne diejenigen Anlagen und
Einrichtungen auf ihre Wirksamkeit und Betriebssi-
cherheit prüfen, die § 2 Abs. 1 der Verordnung über
Zuständigkeiten zur Strahlenschutzvor- die Prüfung technischer Anlagen und Einrichtungen in
baulichen Anlagen und Räumen besonderer Art oder
sorge geregelt Nutzung (SächsTechPrüfVO) vom 7.2.2000 vorsieht.
Die Bekanntmachung tritt an die Stelle der Bekannt-
Sächsisches Gesetz zur Ausführung strahlenschutzvor- machung vom 17.9.2001.
sorgerechtlicher Vorschriften (SächsStrVAG) (Fundstelle: Sächsisches ABl. Nr.23/2003, S.544)
Prüfempfehlung:
Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be-
rührt. Sachsen-Anhalt
Der Sächsische Landtag hat am 10.4.2003 das Gesetz
zur Ausführung strahlenschutzvorsorgerechtlicher Vor-
Runderlass des Ministerium des Innern – Wahrneh-
schriften (SächsStrVAG) beschlossen.
mung von Aufgaben im Zusammenhang mit gefährli-
Nach § 1 sind Strahlenschutzvorsorgebehörden das für chen Stoffen.
die Strahlenschutzvorsorge jeweils zuständige Staats-
ministerium als oberste Strahlenschutzvorsorgebehör- Prüfempfehlung:
de, die Regierungspräsidien als obere Strahlen- Die Pflichten des Unternehmens werden nicht be-
schutzvorsorgebehörden sowie die Landkreise und rührt.
kreisfreien Städte als untere Strahlenschutz-
vorsorgebehörden Das Ministerium des Innern des Landes Sachsen-
§ 2 regelt die einzelnen Zuständigkeiten. Die Ausfüh- Anhalt hat am 25.3.2003 den Runderlass „Wahrneh-
rung des Gesetzes zum vorsorgenden Schutz der Be- mung von Aufgaben im Zusammenhang mit gefährli-
völkerung gegen Strahlenbelastung (Strahlen- chen Stoffen“ erlassen.
schutzvorsorgegesetz - StrVG) und der aufgrund des Der Runderlass regelt die Zuständigkeit und Koordina-
StrVG erlassenen Rechtsverordnungen obliegt den tion der einzelnen Polizeidirektionen und Polizeirevie-
Strahlenschutzvorsorgebehörden, soweit nichts anderes re bei der Gefahrenabwehr zum Schutz der Umwelt
bestimmt ist. Die unteren Strahlenschutz- und der Menschen vor Gefahren durch Gefahrstoffe.
vorsorgebehörden sind zuständig für die Ermittlung der
Der Runderlass ist am 24.6.2003 in Kraft getreten und
Radioaktivität in Lebensmitteln, Tabakerzeugnissen,
tritt mit Ablauf des 30.6.2008 außer Kraft.
Bedarfsgegenständen und Trinkwasser, die Ausführung
von Vorschriften über Verbote oder Beschränkungen (Fundstelle: MBl. LSA Nr.27/2003 v. 23.6.2003,
und von Vorschriften über die Beseitigung von Abfall S.399f.)
und die Wahrnehmung der aus dem grenzüberschrei-
tenden Verkehr erwachsenden Aufgaben.
§ 3 regelt die Fachaufsicht. § 4 enthält Bestimmungen
zur Kostendeckung. Landkreise und kreisfreie Städte
erhalten für die Kosten, die durch die Ausführung des
StrVG und der Rechtsverordnungen entstehen, einen
finanziellen Ausgleich. Die Höhe des Ausgleichs regelt
das für die Strahlenschutzvorsorge jeweils zuständige
Staatsministerium.
Umweltrechtsreport 7/2003 481 Neue Rechtsvorschriften

Je nachdem wie schwer sich Vorhaben auf die Umwelt


Schleswig-Holstein auswirken, werden sie dem Anhang I oder II zu diesem
Gesetz zugeordnet. Großprojekte mit erhöhten Aus-
wirkungen auf die Umwelt gehören demnach in den
Bei genehmigungspflichtigen Vorhaben Anhang I. Bei diesen Projekten muss immer eine UVP
durchgeführt werden. Bei Anhang II-Projekte wird an-
ist nun eine Umweltverträglichkeitsprü- hand einer einfachen "Vorprüfung" bestimmt, ob für
fung durchzuführen das Vorhaben tatsächlich eine UVP erforderlich ist.
Dies kann von der Behörde entweder durch eine Ein-
Landesgesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung zelfalluntersuchung oder durch gesetzlich festgelegte
( Landes – UVP- Gesetz ) Schwellenwerte beziehungsweise Kriterien überprüft
Prüfempfehlung: werden. Im schleswig-holsteinischen UVP-Gesetz
wurde festgelegt, dass als Regelfall die Einzelfallunter-
Die Pflichtenlage bleibt unberührt. suchung vorgesehen ist.
Das Land Schleswig Holstein hat ein Gesetz erlassen, Dies bedeutet, dass z.B. bevor eine Kläranlage geneh-
das die Umweltverträglichkeitsprüfung zum Inhalt hat. migt wird, die Behörde überprüft, ob durch den Stand-
Zweck der Umweltverträglichkeitsprüfung ist es, ort der Anlage beispielsweise Schutzgebiete beeinflusst
sicherzustellen, dass bei bestimmten genehmi- werden, oder ob auf Grund des Unfallrisikos eine Um-
gungspflichtigen Vorhaben überprüft werden kann, weltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Die Be-
ob dieses Projekt nachteilige Auswirkungen auf die hörde teilt dem Antragsteller dann das Ergebnis mit.
Umwelt haben kann . Es gilt also eine Umweltvor-
sorge zu betreiben, so dass das Ergebnis dieser Über- Die oben genannten Schwellenwerte werden allerdings
prüfung so schnell wie möglich bei allen behördlichen bei Waldumwandlungen ab einer Größe von fünf Hek-
Entscheidungen berücksichtigt werden kann. tar und für Erstaufforstungen ab zehn Hektar Größe
eingeführt. Bei allen Vorhaben, die unterhalb der
Der Erlass dieses Gesetzes war notwendig geworden, Schwellenwerte liegen, ist die Durchführung einer
um europäisches Recht in deutsches Recht umzusetzen. UVP nicht notwendig.
Bislang gab es nur ein Bundesgesetz, das die Umwelt- Zu beachten sind auch die besonderen Regelungen im
verträglichkeitsprüfung (UVP) zum Inhalt hatte. Dieses Verwaltungsverfahren. Das Land Schleswig Holstein
beschreibt in Umsetzung der EU-UVP-Richtlinie, für hat in diesem Bereich die Rechtsstellung der Ver-
welche Projekte, die einen Einfluss auf die natürliche bände gestärkt. Dies bedeutet, dass bei den Bespre-
Umwelt haben, künftig bei einer Genehmigung eine chungen über die voraussichtlich beizubringenden Un-
Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden terlagen nach § 5 LUVPG auch die nach § 59 Bundes-
muss. Das nunmehr erlassene Landes- UVP- Gesetz naturschutzgesetz sowie § 51 des Landesnaturschutz-
regelt solche Vorhaben, die nach Schleswig- gesetzes anerkannten Verbände einzuladen sind. Eine
Holsteinischen Landesgesetzen zugelassen werden. solche Regelung sieht das Bundes- UVP-Gesetz selbst
Hierbei handelt es sich u.a. um folgende Vorhaben: nicht vor.

Abwasserbehandlungsanlagen, Anlagen zur intensiven Das UVP- Gesetz selbst legt Unternehmen keine
Fischzucht, verschiedene wasserwirtschaftliche Vorha- konkreten Pflichten auf, die strafbewehrt sind. Al-
ben, beispielsweise die Nutzung des Grundwassers, der lerdings haben auch sie sich bei der Durchführung
Bau von Häfen und Küstenschutzmaßnahmen, Um- eines Projekts der UVP zu unterwerfen.
wandlung von Wald, Erstaufforstungen, Bau, Ausbau Übergangsregelungen: Verfahren, die einer Geneh-
oder Verlegung von Straßen und Schienenwegen, migung bedürfen und die nach dem 3.7.1988 begonnen
Steinbrüche, Torf- und Kiesabbau, Sportboothäfen. worden sind, sind nach den Vorschriften dieses Geset-
Ferner wird in dem Gesetz geregelt, wie das Verwal- zes zu Ende zu führen.
tungsverfahren einer Umweltverträglichkeitsprüfung Dieses Gesetz ist am 14.5.2003 in Kraft getreten.
im einzelnen abläuft. Im einzelnen bedeutet dies, dass
geregelt wird, welche Behördenzuständigkeiten sich (Fundstelle: GVBl. Schl.-H. Nr. 7/2003, S. 263)
ergeben, wer im einzelnen bei einer UVP zu beteiligen
ist. Ferner wird auch festgelegt, wie der formelle Ab-
lauf der Prüfung aussieht, wie also z.B. Anträge ge-
stellt werden, und wann dann gegebenenfalls die Ge-
nehmigung für das Vorhaben durch die Behörde erteilt
wird. Im übrigen wird festgelegt, dass die zuständige
Behörde zu den Umweltauswirkungen des Vorhabens
die Öffentlichkeit beteiligen muss. Dies geschieht in
der Form, dass die Öffentlichkeit zu hören ist.
Neue Rechtsvorschriften 482 Umweltrechtsreport 7/2003

Neuregelung des Wassergesetzes – An- Neufassung des Straßen- und Wegegeset-


passung an EU-Richtlinie – zes –

UVP nun auch bei Vorhaben nach dem Einführung der Umweltverträglichkeits-
Wassergesetz durchzuführen prüfung bei Landesstraßen
Änderung des Landeswassergesetzes Änderung des Straßen- und Wegegesetzes des Landes
Schleswig-Holstein
Prüfempfehlung:
Prüfempfehlung:
Durch diese Änderung bleiben die alten Pflichten
für Betriebe und Unternehmen bestehen; neue Für Betriebe und Unternehmen ändert sich die
Pflichten kommen nicht hinzu. Pflichtenlage nicht.
Das Landeswassergesetz musste ebenfalls novelliert Das Straßen- und Wegegesetz ist geändert worden.
werden, um die europäischen Richtlinien in nationales Hintergrund für die Änderung ist, dass das Um-
Recht umzusetzen. Auch hier sind nunmehr verschie- weltverträglichkeitsgesetz in Schleswig Holstein ein-
dene Vorhaben UVP- pflichtig, da ansonsten eine geführt wurde. Das neue Gesetz sieht vor, dass auch
Genehmigung nicht erteilt werden darf. So muss z. im Bereich der Kreis- und Gemeindestraßen eine
B. auch eine UVP durchgeführt werden, wenn Anlagen Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen ist.
an Küsten errichtet, beseitigt oder wesentlich geändert
Deshalb musste die Einführung der Umweltverträg-
werden sollen.
lichkeitsprüfung bei Landesstraßen nun im neugefass-
Eine Genehmigung wird nicht erteilt, wenn das ten Straßen- und Wegegesetz berücksichtigt werden.
Vorhaben eine Beeinträchtigung des Küsten- und Die Neufassung regelt also, dass, sobald eine Kreis-
Naturschutzes darstellt. oder Gemeindestraße neu gebaut oder geändert
werden soll, zuvor eine Umweltverträglichkeitsprü-
Die neu eingefügten §§ 118 a –g enthalten Verfahrens-
fung durchgeführt werden muss. Neu geregelt wird
vorschriften zum Antragsverfahren. Auch hier wird die
auch, dass im Falle einer Enteignung eines Grund-
Notwendigkeit der Durchführung einer UVP berück-
stücks zuvor ein Planfeststellungsverfahren durchge-
sichtigt.
führt werden muss. Die Planfeststellung ist die ver-
Das Landeswassergesetz war außerdem an eine wei- bindliche, durch Verwaltungsakt vollzogene und ges-
tere EU-Richtlinie anzupassen: Mit der Richtlinie zur taltende Feststellung eines durchzuführenden Vorha-
Integrierten Vermeidung von Umweltbeeinträchtigun- bens.
gen (IVU) soll nun sicher gestellt werden, dass Schad-
Die Änderung des Straßen- und Wegegesetzes betrifft
stoffe, die beispielsweise durch verbesserte Techniken
ausschließlich den § 40. Bei Vorhaben nach § 40 ist
aus der Abluft herausgefiltert werden, nicht in das
von nun an eine UVP durchzuführen. Dies war not-
(Ab)Wasser umgelenkt werden. Die Umsetzung zur
wendig, damit der Gesetzgeber seiner Verpflichtung
IVU- Richtlinie schreibt vor, dass die Behörden nach
nachkommt, europäisches Recht in nationales Recht
Bundessimmissionsschutzgesetz und Wasserrecht bei
umzusetzen. Bislang gab es eine UVP nur beim Bau
parallelen Verfahren und Genehmigungsinhalten bes-
oder der Änderung von Bundesfernstraßen.
ser kooperieren und koordinieren.
In-Kraft-Treten: Dieses Gesetz ist am 14.5.2003 in
Die Änderungen haben aber keine Änderungen der
Kraft getreten.
Pflichtenlage für Unternehmen zur Folge. Insofern
bleiben die alten Pflichten weiterhin bestehen, neue (Fundstelle: GVBl. Schl.-H. Nr. 7/2003 S. 276)
kommen nicht hinzu.
In Kraft-Treten: Dieses Gesetz ist am 14.5.2003 in ❖
Kraft getreten.
(Fundstelle: GVBl. Schl.-H. Nr. 7/2003 S. 273 Bei Neubau von Schienenwegen ist eine
Umweltverträglichkeitsprüfung durchzu-
führen
Änderung des Landeseisenbahngesetzes
Prüfempfehlung:
Für Betriebe und Unternehmen ergibt sich keine
Änderung der Pflichtenlage.
Das Landeseisenbahngesetz ist novelliert worden.
Dies war notwendig, weil das UVP-Gesetz geändert
Umweltrechtsreport 7/2003 483 Neue Rechtsvorschriften

wurde und nun auch eine UVP im Rahmen des Das Gesetz zur Umsetzung europarechtlicher Vor-
Landeseisenbahngesetzes vorschreibt. schriften in Landesrecht (Vogelschutz-Richtlinie, FFH-
Richtlinie, UVP-Änderungsrichtlinie, IVU- Richtlinie
Die UVP sieht vor, dass bei Vorhaben im Rahmen des
und Zoo-Richtlinie) ist mit Wirkung vom 14.5.2003 in
Eisenbahngesetzes zunächst geprüft werden muss, ob
Kraft getreten (siehe Beiträge hierzu in dieser Ausgabe
dieses Vorhaben schädliche Auswirkungen auf die
des URR).
Umwelt hat. Demnach muss eine UVP im Falle eines
Neubaus von Schienenwegen für alle Eisenbahnen, Aus diesem Grunde treten zwei bis dato gültige Vor-
die nicht Eisenbahnen des Bundes sind, durchge- schriften nunmehr außer Kraft. Es handelt sich hierbei
führt werden. um die Verordnung über die federführende Behörde
nach § 14 des Gesetzes über die Umweltverträglich-
In-Kraft-Treten: Dieses Gesetz ist am 14.5.2003 in
keitsprüfung vom 15.1.1991 und die Verordnung über
Kraft getreten.
die Übertragung von Zuständigkeiten nach dem Lan-
(Fundstelle: GVBl. Schl.-H. Nr. 7/2003 S. 276) desnaturschutzgesetz vom 8.11.2000.
Diese Regelungen sind nunmehr veraltet.
❖ (Fundstelle: GVBl. Schl.-H. Nr. 7/2003 S. 277)

Diverse Genehmigungen nach dem ❖


Waldgesetz werden nur noch nach
Durchführung einer Umweltverträglich-
Naturschutzgesetz geändert- Umsetzung
keitsprüfung erteilt
europarechtlicher Richtlinien
Änderung des Landeswaldgesetzes
Prüfempfehlung:
Prüfempfehlung:
Die Änderung des Landesnaturschutzgesetzes be-
Die Pflichtenlage wird durch diese Änderungen rührt die Pflichtenlage .In § 20 d werden Verhal-
nicht berührt. tenspflichten in ausgewiesenen Naturschutzgebie-
Auch das Landeswaldgesetz ist derart novelliert ten auferlegt.
worden, dass bei einigen Vorhaben nunmehr eine Das Landesnaturschutzgesetz ist neugefasst worden.
Umweltverträglichkeitsprüfung gesetzlich vorge-
schrieben ist. Hintergrund hierfür ist, dass die Europäische Uni-
on in den letzten Jahren verschiedene Umweltricht-
Hintergrund für die Änderung war die Neufassung des linien erlassen hat, die nun in nationales Recht um-
UVP-Gesetzes (siehe Beitrag hierzu in dieser Ausgabe gesetzt werden müssen. Dabei handelt es sich haupt-
des URR). sächlich um die Vogelschutz- Richtlinie, die FFH-
Richtlinie und die UVP- Änderungsrichtlinie.
Vorhaben sind demnach nur noch dann genehmi-
gungsfähig, wenn sie keine nachteiligen Auswir- Da diese Richtlinien auch Auswirkungen auf landes-
kungen auf die Umwelt haben. Zu diesen Vorhaben rechtliche Regelungen haben, muss nun u.a. das Lan-
zählen beispielsweise Umwandlungen von Wald, desnaturschutzgesetz an die Richtlinien angepasst wer-
Erstaufforstungen ab circa 20 ha bis weniger als 50 den. Auch das Wassergesetz, das Waldgesetz, das
ha Wald, Abbauvorhaben und die Errichtung und der Straßen- und Wegegesetz und das Eisenbahngesetz
Betrieb von Windkraftanlagen. Um für derartige Vor- mussten geändert werden (siehe hierzu Beiträge in die-
haben eine Genehmigung zu erhalten, muss die voll- ser Ausgabe des URR).
ständige Umweltverträglichkeitsprüfung ordnungsge-
mäß durchgeführt werden. Ziel der Vogelschutzrichtlinie und der Flora-Fauna-
Habitat Richtlinie ist es, in Europa ein Schutzgebiets-
Dieses Änderungsgesetz ist am 14.05.2003 in Kraft system „Natura 2000“ zu schaffen.
getreten.
Die Änderungen des Landesnaturschutzgesetzes se-
(Fundstelle: GVBl. Schl.-H. Nr. 7/2003 S. 276) hen deshalb vor, dass die Errichtung dieses Netzes
zu fördern ist.
❖ Auch die Zoorichtlinie wurde nun umgesetzt. Zoos
sind deshalb nun verpflichtet, Forschungsaktivitäten zu
unterstützen, die dem Erhalt der Arten dienen. Weiter-
Außer-Kraft-Treten zweier landesrecht- hin trifft die Zoos eine Aufklärungs- und Informations-
licher Verordnungen pflicht.
Aufgrund der Einführung der UVP- Pflicht ist nun
Prüfempfehlung:
auch beim Bodenabbau und bei der Genehmigung
Die Pflichtenlage wird hierdurch nicht berührt. von Sportboothäfen eine UVP durchzuführen.
Neue Rechtsvorschriften 484 Umweltrechtsreport 7/2003

Das Land hat nunmehr die Pflicht, Gebiete auszuwäh- In § 20 d wird eine neue Pflicht für Betriebe gere-
len und zu benennen, die von gemeinschaftlicher und gelt. Es gilt eine Angabepflicht gegenüber den Be-
umweltrechtlicher Bedeutung sind, und die zu einem hörden, die zur Beurteilung der Verträglichkeit ei-
FFH- Gebiet ernannt werden sollen. nes Projekts erforderlich ist.
Die bekannt gemachten Gebiete werden dann als Übergangsregelung: Für die vom Land anerkannten
Schutzgebiete ausgewiesen. Vereine gilt dieses Gesetze entsprechend, soweit die
Vereine auf Grund von § 29 Abs. 1 Nr. 3 und 4 des bis
Gemäß § 20 e sind nun alle genehmigungsbedürfti-
zum 3.4.2002 geltenden Bundesnaturschutzgesetz oder
gen Projekte vor ihrer Zulassung oder Durchfüh-
aufgrund landesrechtlicher Regelung zur Mitwirkung
rung auf ihre Verträglichkeit mit den Erhaltungs-
befugt sind. Für Verwaltungsakte, die vor dem
zielen eines Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeu-
3.4.3002 begonnen worden sind und nicht in
tung zu überprüfen. Die Verträglichkeit eines solchen
§ 61 Abs. 1 aufgeführt sind, gelten die bis zu diesem
Vorhabens wird dann von der Behörde überprüft. Es ist
Tag geltenden landesrechtlichen Regelungen fort.
also stets eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzu-
führen, bevor eine Genehmigung für ein Vorhaben er- Die Neufassung des Naturschutzgesetzes ist am
teilt werden kann. 14.5.2003 in Kraft getreten.
Das Naturschutzgesetz wird aber auch an das neuge- (Fundstelle: GVBl. Schl.-H. Nr. 7/2003 S. 246)
fasste Bundesnaturschutzgesetz aus dem Jahr 2000 an-
gepasst.

Es wird in § 15 auch ein neues Biosphärenreservat
eingeführt. Der Biotopenverbund dient der nachhalti-
gen Sicherung von heimischen Tieren und Pflanzen Berichtigungen im Landeswassergesetz
und deren Population einschließlich ihrer Lebensräu-
me. Prüfempfehlung:
Auch wurde der Katalog der gesetzlich geschützten Durch diese Bekanntmachung ändert sich die
Biotope erweitert, so gehören hierzu nun beispiels- Pflichtenlage nicht.
weise auch die Seegraswiesen. Aufgrund eines technischen Fehlers ist die Neube-
Ferner gilt nun eine neue Duldungspflicht für Eigen- kanntmachung des Landeswassergesetzes Schleswig-
tümer beim Betreten von Grundstücken, bei der Auf- Holstein in der Fassung vom 13.6.2000 fehlerhaft ver-
stellung von Landschaftsplänen. Eigentümer müssen kündet worden. Die Schreibfehler sind berichtigt wor-
danach Personen, die einen solchen Plan erarbeiten, den.
ohne gesonderte Genehmigung auf ihrem Grundstück (Fundstelle: GVBl. Schl.-H. Nr. 12/2000 S. 550)
dulden.
Ferner wird die Ermächtigung zur Erteilung einiger

Ausnahmegenehmigungen (wie der Abschuss von Ra-
benvögeln) vom Land auf den Kreis übertragen. Hier-
bei handelt es sich aber nur um eine Zuständigkeite- Landesverordnung regelt den Umgang
nänderung der Behörden, die im Sinne des Natur- mit elektrischen Anlagen und Betriebs-
schutzgesetzes tätig werden.
mitteln nach dem Berggesetz
Die Belastungen aufgrund der Änderungen treffen
die Wirtschaft hauptsächlich im Bereich der Erwei- Landesverordnung über elektrische Anlagen nach dem
terung der UVP-Prüfungspflicht für Vorhaben und Bundesberggesetz
Projekte, für die eine Genehmigung erforderlich ist.
Prüfempfehlung:
Auch die Vereinsregelungen ändern sich im Natur-
schutzgesetz. Anerkannte Vereine haben nunmehr die Diese Verordnung nennt insgesamt 25 Pflichten
Möglichkeit, einen Rechtsbehelf gegen verschiedene beim Umgang mit elektrischen Anlagen nach dem
Verwaltungsakte im Sinne des Naturschutzgesetzes Bundesberggesetz. Hierzu gehören u. a. Prüfungs-,
einzulegen, auch dann, wenn der Verein nicht selbst Melde- und Messungspflichten.
durch diese Maßnahme verletzt wurde. Im übrigen ha- Das Landesbergamt für das Land Schleswig-Holstein
ben Vereine nun ein ausgeweitetes Stellungsnahme- hat eine Verordnung erlassen, die Einzelheiten über
und Einsichtsrechts im Bereich des Planungsrechts. elektrische Anlagen nach dem Bundesberggesetz re-
Verstöße gegen dieses Gesetz werden weiterhin in bis- gelt.
herigem Maße als Ordnungswidrigkeiten geahndet. Die Verordnung gilt für die Errichtung und den Be-
Verstöße im Sinne des § 27 gegen Tiergehege gelten trieb elektrischer Anlagen und elektrischer Be-
nun auch für Zoos. triebsmittel in Betrieben, die der Bergaufsicht un-
terstehen.
Umweltrechtsreport 7/2003 485 Neue Rechtsvorschriften

Die Verordnung verfolgt den Zweck, dass der Um- Übergangsvorschriften: Betriebsplanzulassungen,
gang und das Arbeiten mit elektrischen Anlagen Genehmigungen und sonstige Zulassen, die vor dem
und Betriebsmitteln besonders sicherheitsgeschützt In-Kraft-Treten dieser Verordnung erteilt worden sind,
ist. Arbeiten unter Tage mit diesen Anlagen sollen behalten ihre Gültigkeit; Erlaubnisse gelten als Ge-
durch weitreichende Sicherheitsvorschriften für die nehmigungen im Sinne dieser Bergverordnung. Explo-
Arbeiter möglichst sicher sein. sionsgeschützte elektrische Betriebsmittel und eigensi-
chere elektrische Anlagen, die bis zum 30.6.2003 nach
Im zweiten Teil der Verordnung werden zahlreiche
den Vorschriften der Elektrozulassungs-
Pflichten für alle diejenigen auferlegt, die Tätigkei-
Bergverordnung allgemein zugelassen sind, dürfen
ten im Sinne des Bundesberggesetzes ausführen,
weiterhin verwendet werden.
wie z. B. Sachverständige oder Elektro-Fachkräfte.
In-Kraft-Treten: Diese Bergverordnung tritt am
Die Verordnung regelt grundsätzlich, dass elektrische
1.7.2003 in Kraft.
Anlagen und Betriebsmittel unter Tage nach den all-
gemein anerkannten Regeln der Technik derart errich- Gleichzeitig tritt die Bergverordnung für elektrische
tet und betrieben werden, dass ihr sicherer Zustand Anlagen vom 10.6.1992 außer Kraft.
gewährleistet ist. Elektro-Fachkräfte haben die Pflicht,
(Fundstelle: GVBl. Schl.-H. Nr. 8/2003 S. 288)
vor Beginn ihrer Tätigkeit einen Erste-Hilfe-Kurs ab-
zulegen. Somit wird gewährleistet, dass sie im Falle
von Unfällen mit elektrischem Strom Hilfe leisten
können. Sogenannte Elektro-Aufsichtspersonen haben Thüringen
mehrere Prüfungspflichten, Melde- und Aufzeich-
nungspflichten über die Ergebnisse ihrer durchgeführ-
ten Arbeiten. Bergbahngesetz erlassen – Gesetz regelt
Bei der Verwendung von elektrischen Anlagen und Be- im einzelnen, unter welchen Bedingungen
triebsmitteln unter Tage gelten u. a. allgemeine Anfor- eine Bergbahn betrieben werden darf
derungen. So wird beispielsweise geregelt, dass in exp-
losionsgefährdeten Bereichen nur explosionsgeschützte Thüringer Bergbahngesetz
Betriebsmittel verwendet werden dürfen.
Prüfempfehlung:
Im Sinne der Betriebssicherheit gilt auch eine Prü-
fungspflicht bei der Neuerrichtung oder Änderung Das Gesetz nennt insgesamt 9 Pflichten für Betrei-
elektrischer Anlagen und Betriebsmittel. Erst wenn ber einer Bergbahn, wie z. B. Genehmigungs-, An-
alle Vorschriften ordnungsgemäß eingehalten wurden, zeige- und Mitteilungspflichten.
dürfen diese Anlagen und Betriebsmittel in Betrieb ge- Der Landtag des Freistaates Thüringen hat das Berg-
nommen werden. Um die Sicherheit der Anlagen und bahngesetz erlassen.
Betriebsmittel auf Dauer zu gewährleisten, müssen die
Elektro-Aufsichtspersonen wiederkehrende Prüfungen In diesem Gesetz wird geregelt, welche Anforderun-
in regelmäßigem Abstand durchführen. Elektrotechni- gen an Bergbahnen gestellt werden. Das Gesetz gilt
sche Sachverständige haben die Pflicht, einmal jährlich ausschließlich für Bergbahnen des Personenverkehrs.
die Anlagen zu überprüfen. Strenge Regelungen gelten Es findet deshalb keine Anwendung auf Seilbahnen
auch, wenn elektrische Betriebsmittel, die explosions- oder Bergbahnen, die der Aufsicht der Bergämter un-
geschützt sind, instandgesetzt werden. Grundsätzlich terliegen.
gilt bei allen elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln,
Eine Bergbahn ist eine als Seil- oder Schienenbahn
dass Arbeiten an diesen ausschließlich von Elektro-
ausgeführte kraftbetriebene Anlage aus mehreren Bau-
Fachkräften durchgeführt werden dürfen.
teilen, die dem Personenverkehr dient. Das Gesetz re-
Besondere Anforderungen gelten auch bei Arbeiten an gelt, dass die Seilbahnanlagen durch die Betreiber
Sicherheits-, Schutz- und Überwachungseinrichtungen. so zu errichten, zu ändern, zu betreiben und in-
Diese dürfen nicht verstellt oder geändert werden. Be- stand zu halten sind, dass die öffentliche Sicherheit,
sondere Sicherheitseinhaltepflichten gelten auch bei also z. B. die Gesundheit der Menschen, nicht ge-
Arbeiten in der Nähe von unter Spannung stehenden fährdet werden kann. Der Betrieb sowie der Bau ei-
Teilen. ner Bergbahn bedürfen der Genehmigung durch die
Aufsichtsbehörde. Die Unternehmer dürfen weiterhin
Die Verordnung regelt ferner, dass in den explosions- die Bergbahn erst dann bauen, wenn die technische
gefährdeten Bereichen Isolationsmessungen vorge- Planung für die Bahn durch die oben genannte Behörde
nommen werden müssen. Die besonderen Prüfungs- genehmigt wurde.
vorschriften gelten auch für elektrische Anlagen und
Betriebsmittel in sogenannten besonderen Betrieben Das Gesetz regelt ferner die Notwendigkeit einer wei-
und Bereichen, die besonders gefährlich sind. teren Genehmigung. Bevor der Betrieb der Bergbahn
stattfinden soll, bedarf es wiederum der Zustimmung
Verstöße gegen diese Verordnung werden als Ord- der Aufsichtsbehörde. Der Unternehmer einer Berg-
nungswidrigkeiten geahndet. bahn hat Änderungen der Anlage oder der Betriebswei-
Neue Rechtsvorschriften 486 Umweltrechtsreport 7/2003

se, die nicht genehmigungspflichtig sind, der Auf- §§ 4 und 67: Unterhaltung von Wehranlagen;
sichtsbehörde vorher anzuzeigen. Mit der Änderung Pflicht der Anlagebetreibung auch für Anlage-
darf erst begonnen werden, wenn die Aufsichtsbehörde besitzer
zugestimmt oder innerhalb von sechs Wochen nach
§§ 28 und 52: Handlungspflichten in Wasser- und
Eingang der Anzeige keinen Bescheid erteilt hat.
Heilquellenschutzgebieten
In Sinne der Betriebssicherheit der Bahn dürfen Anla-
§ 42: neue Pflicht der Erstellung eines gefahr-
gen längs der Schienenstrasse von Bergbahnen nicht
verhütenden Plans für Errichtung von Staustufen
errichtet werden. Eigentümer von Grundstücken in
der Nähe einer Bergbahn haben insofern Dul- § 50: Genehmigungspflicht bei tiefen Bodenboh-
dungspflichten. rungen
Das Gesetz legt dem Unternehmer einer Bergbahn § 58: neue Abwasserbeseitigungsverpflichtung in
zahlreiche Pflichten auf. Es gelten beispielsweise einigen Fällen
Versicherungspflichten für die Bergbahn sowie Mit-
teilungspflichten im Falle von ungewöhnlichen Vor- § 84: überwachungsrechtliche Erleichterungen bei
kommnissen. Da der Betrieb einer Bergbahn strengen Beteiligung an einem Gemeinschaftssystem für das
Anforderungen unterliegt, regelt das Gesetz ferner, Umweltmanagement und die Umweltbetriebs-
dass es auch beim Kauf einer bereits existenten Berg- prüfung
bahn zur Weiterführung des Betriebs der Genehmigung §§ 86 und 87: Anpassung an die Regelungen des
bedarf. Bodenschutzrechts
Zur Erteilung einer Genehmigung haben sich die Un- § 118g: Beachtung des Wasserhaushaltsgesetzes
ternehmer an das Landesverwaltungsamt zu richten. (WHG) bei Abwassereinleitungen
Dies ist die zuständige Behörde zur Erteilung sämtli-
cher erforderlicher Genehmigungen. Die Behörde hat Strafbewehrte Pflichten:
ihrerseits die Möglichkeit, die Genehmigung im Be- § 49: Einholung einer Erlaubnis oder Bewilligung
darfsfall zu widerrufen und kann sogar die völlige Ein- bei Entnahme oder Ableitung von Grundwasser;
stellung des Bergbahnbetriebs anordnen. Anzeigepflicht der Grundwasserbenutzungen vor
Verstöße gegen dieses Gesetz werden als Ord- dem Änderungsgesetz
nungswidrigkeiten geahndet und können mit einer § 50: Anzeigepflicht von geplanten Grabungen und
Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Bohrungen
Übergangsbestimmungen: Die vor dem In-Kraft- § 54: verschärfte Anzeigepflicht bei Anlagen zum
Treten dieses Gesetzes erteilten Unternehmungsrechte Umgang mit wassergefährdenden Stoffen
zum Bau oder Betrieb einer Bergbahn gelten als Ge-
nehmigungen im Sinne dieses Gesetzes fort. Im übri- § 56: Genehmigungspflicht auch sonstiger Abwas-
gen unterliegen diese Bergbahnen den Bestimmungen serbehandlungsanlagen
dieses Gesetzes. § 81: Verbot bestimmter Arbeiten in Überschwem-
In-Kraft-Treten/Außer-Kraft-Treten: Dieses Gesetz mungsgebieten; Genehmigungspflicht einiger Maß-
ist am 13.6.2003 in Kraft getreten. Gleichzeitig ist die nahmen
Anordnung über die Verbindlichkeit der Technischen § 118: Genehmigungspflicht für Beschneiungs-
Grundsätze für Seilbahnen vom 19.10.1971 außer anlagen, Anzeigepflicht bei Betrieb dieser Anlagen
Kraft getreten.
§ 128: Genehmigungspflicht bei Bohrungen in Heil-
(Fundstelle: ThürGVBl. Nr. 9/2003 S. 309) quellenschutzgebieten
Strafbewehrte Pflichten aus der Thüringer Indirk-
❖ teinleiterverordnung (ThürIndEVO):
§ 2: Anzeigepflicht bei Einleitung von Abwasser
Änderung wasserrechtlicher Anzeige- § 3: Ünerwachung der Einleitung
und Genehmigungsvorschriften
Der Landtag hat am 20.5.2003 das Gesetz zur Ände-
Gesetz zur Änderung des Thüringer Wassergesetzes rung des Thüringer Wassergesetzes und der Thüringer
und der Thüringer Indirekteinleiterverordnung Indirekteinleiterverordnung beschlossen.

Prüfempfehlung: Zweck des Gesetzes ist die bundesstaatliche Ver-


pflichtung des Landes zur Umsetzung der Richtlinie
Pflichten, die sich aus der Änderung des Thüringer 96/61/EG und der Richtlinie 97/11/EG des Rates, so-
Wassergesetzes (ThürWG) ergeben: weit dies in Landeskompetenz zu geschehen hat. Kern
der Richtlinie 96/61/EG ist der Integrationsansatz, das
heißt die Zielsetzung, bei der Erteilung von Erlaubnis-
Umweltrechtsreport 7/2003 487 Neue Rechtsvorschriften

sen oder Genehmigungen sowie bei der Überwachung Bei erstmaliger Überschreitung wird die Erlaubnis-
weniger auf den Schutz der einzelnen Umweltmedien pflicht auf die gesamte Entnahmestelle ausgedehnt. Die
(Boden, Wasser, Luft) abzustellen, sondern die Be- Grundwasserbenutzungen aus der Zeit vor dem Ände-
trachtung der Umwelt in ihrer Gesamtheit in den Vor- rungsgesetz sind anzuzeigen.
dergrund zu stellen, um ein insgesamt hohes Schutzni-
§ 54 Abs. 1 erweitert die Anzeigepflicht bei der Auf-
veau zu erreichen.
stellung, der Unterhaltung oder dem Betrieb von
Inhalt des Gesetzes: Es enthält neben den Änderungen Anlagen nach § 19g Abs. 1 und 2 WHG, zum Um-
zum Thüringer Wassergesetz und der Thüringer Indi- gang mit wassergefährdenden Stoffen, auf sechs Wo-
rekteinleiterverordnung auch die Änderung der Thü- chen vor Bau- oder Handlungsbeginn. Auch die end-
ringer Verordnung zur Bestimmung von Zuständigkei- gültige Stilllegung einer solchen Anlage ist anzeige-
ten auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft. pflichtig. Die Anzeigepflicht entfällt lediglich dann,
wenn die Anlage schon nach anderen wasserrechtli-
Zur Umsetzung der Richtlinie 96/61/EG wird ein neuer
chen Vorschriften einer Zulassung bedarf.
Fünfter Abschnitt in den Neunten Teil mit den §§ 118a
bis 118g in das Thüringer Wassergesetz eingefügt. In Überschwemmungsgebieten sind die Erhöhung der
Diese enthalten Sonderbestimmungen für das was- Erdoberfläche, die Lagerung, Abfüllung, Herstellung
serrechtliche Verfahren, wenn mit der Errichtung, oder sonstige Verwendung wassergefährdender Stoffe
Änderung oder dem Betrieb einer in Spalte 1 des An- und andere Arbeiten gemäß § 81 verboten. Ausnah-
hangs der 4. Bundes-Immissionsschutzverordnung auf- megenehmigungen können im Einzelfall jedoch auf
gelisteten Anlage eine Gewässerbenutzung oder eine Antrag erteilt werden. Andere Maßnahmen, wie die
Indirekteinleitung verbunden ist. Dies bedeutet insbe- Vertiefung der Erdoberfläche, machen eine Genehmi-
sondere, dass an die Antragsunterlagen und den Er- gung durch die Wasserbehörde erforderlich.
laubnis- oder Genehmigungsinhalt besondere Anforde-
Der Verstoß gegen die Anzeigepflicht aus § 50 Abs. 1,
rungen gestellt werden (§§ 118b, 118c) und dass nicht
Satz 1 von Grabungen und Bohrungen in der Pla-
nur die Einhaltung der Erlaubnis oder Genehmigung zu
nung, die auf die Bewegung oder Beschaffenheit des
überwachen ist, sondern auch eine regelmäßige Über-
Grundwassers einwirken können, ist nunmehr straf-
prüfung und gegebenenfalls Anpassung der Bescheide
bewehrt. Auch in Heilquellenschutzgebieten sind
vorzunehmen ist (§ 118d). Nach § 118g haben Abwas-
Bohrungen und andere Arbeiten nicht ohne Genehmi-
sereinleitungen § 7a Abs. 1, Satz 3 WHG und Indirekt-
gung erlaubt nach § 128.
einleitungen von Abwasser § 7a Abs. 1, Satz 4 WHG
zu entsprechen. Der neu eingefügte § 5a ThürIndEVO bestimmt, dass
der Verstoß gegen die richtige, vollständige und recht-
Zur Umsetzung der Richtlinie 97/11/EG werden im
zeitige Anzeigepflicht für das Einleiten oder Einbrin-
Wesentlichen die §§ 50 und 56 ThürWG geändert so-
gen von Abwasser nach § 2 sowie die unterlassene
wie ein neuer § 118 für die Zulassung von Beschnei-
Überwachung der Einleitungen gemäß § 3 durch
ungsanlagen eingefügt. Danach verlangt § 50 Abs. 2
sachverständige Stellen strafbewehrt ist.
nunmehr die Einholung einer Genehmigung bei
Tiefbohrungen, soweit das Thüringer UVP-Gesetz in Die Umsetzung des Regelungsauftrags des Bundes in
Verbindung mit dem Gesetz über die Umweltverträg- § 21h WHG an die Länder mit dem Ziel von antrags-
lichkeitsprüfung (UVPG) im Einzelfall eine Umwelt- und überwachungsbezogenen Erleichterungen für
verträglichkeitsprüfung vorsieht. Unter Strafandrohung am Umwelt-Audit teilnehmende Unternehmen er-
macht § 56 Abs. 2 die Genehmigung des Baues und folgt durch Änderung des § 84 Abs. 5. Darin wird dem
Betriebs auch sonstiger Abwasserbehandlungsanla- für die Wasserwirtschaft zuständigen Ministerium eine
gen neben denen im Sinne des § 18c Wasserhaushalts- Verordnungsermächtigung für derartige Erleichterun-
gesetz (WHG) erforderlich, wenn die Vorprüfung im gen für auditierte Unternehmen eingeräumt. Da durch
Einzelfall ergibt, dass eine Umweltverträglichkeitsprü- § 84 Abs. 5 auch schon vor In-Kraft-Treten von § 21h
fung durchzuführen ist. § 118 Abs. 1 fordert darüber WHG überwachungsrechtliche Erleichterungen ermög-
hinaus eine Genehmigung für die Errichtung, den licht wurden, wird die Norm lediglich konkretisiert und
Betrieb und die wesentliche Änderung oder Erwei- angepasst.
terung von Beschneiungsanlagen. Bereits errichtete
Das Gesetz tritt am Tage nach seiner Verkündung in
Anlagen sind anzuzeigen und die erforderlichen
Kraft. Lediglich Artikel 1, Nr. 2, Buchstabe b, der die
Unterlagen beizufügen. Der Verstoß ist nach § 128
Änderung des § 4 Abs. 3 ThürWG betrifft, tritt am
ThürWG strafbewehrt.
1.1.2006 in Kraft.
Weitere Genehmigungs- und Anzeigepflichten ergeben
(Fundstelle: ThürGVBl. Nr. 8/2003, S. 280)
sich aus §§ 49, 54, 81, 128 ThürWG.
Für die Entnahmen, Zutageförderungen oder Ablei-
tungen von Grundwasser ist eine Erlaubnis oder Be-
willigung im Falle des § 33 Abs. 1, Nr. 1 WHG nach
§ 49 Abs. 1, Nr. 1 erforderlich, wenn die Menge von
2000 Kubikmetern im Kalenderjahr überschritten wird.
Umweltrecht im Gesetzgebungsverfahren 488 Umweltrechtsreport 7/2003

UMWELTRECHT IM GESETZGEBUNGSVERFAHREN
Der Report zum laufenden Gesetzgebungsverfahren
des Bundes berichtet über alle Verfahrensschritte, die EG-Umweltrecht
auf die Entstehung eines neuen Gesetzes hindeuten.
· Erster Hinweis auf ein geplantes Gesetz ist der Ent-
schließungsantrag einer Fraktion oder eine konkrete Der Sachverständigenrat für Umweltfra-
Gesetzesinitiative. gen fordert eine Versachlichung der Dis-
· Änderungsvorschläge können aus der Vorlage im
kussion um die Kosten der neuen europä-
Bundestag oder den Verhandlungen im Bundesrat ischen Chemikalienpolitik
hervorgehen.
Die Europäische Kommission hat in einem sog. „Whi-
· Mit der Überweisung an den Vermittlungsausschuß te-Paper” den Entwurf für die „REACH-
ist die Willensbildung in den Fraktionen weitge- Verordnung“ vorgelegt. REACH steht dabei für Re-
hend abgeschlossen. gistration, Evaluation and Authorisation of Chemi-
· Über die Beschlußfassung eines Gesetzes wird cals. Die Vorschrift regelt die Überprüfung von ca.
noch kurz berichtet. 30.000 in der Europäischen Union verwendeten Stof-
fen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Umwelt
Mit der Verkündung im entsprechenden Gesetzblatt und Gesundheit. Es handelt sich um sog. Altstoffe, die
wird die erlassene Norm zum darin angegebenen Zeit- bislang nicht einem systematischen Zulassungsverfah-
punkt wirksam. Über diesen Umstand berichtet das ren unterzogen wurden. Die Grundzüge der neuen EU-
vorstehende Kapitel „Neue Rechtsvorschriften“. Chemikalienpolitik sind von uns bereits in dem Wahl-
Im Zuständigkeitsbereich der Europäischen Union be- thema „Das Weißbuch der EG-Kommission zur
richtet der Report über alle Verordnungen, Richtlinien Neuordnung des Europäischen Chemikalienrechts“
und Entscheidungen mit umweltrechtlichem Bezug. in URR 11/2001, S. 939 dargestellt worden.
Zusätzlich werden solche Mitteilungen, Grün- oder Die Vorstellungen der Kommission sind in der chemi-
Weißbücher erfaßt, deren Notifizierung im Rat bereits schen Industrie auf massive Kritik gestoßen. Befürchtet
Festlegungen über zukünftige Rechtsakte trifft. werden hohe Kosten und bürokratischer Aufwand für
Bei erstmaliger Berichterstattung erfolgt, soweit be- die Zulassungsverfahren. Der Verband der Chemischen
reits möglich, eine detaillierte Darstellung von Industrie (VCI) und der Bundesverband der deutschen
Industrie (BDI) haben die Ansicht geäußert, die Re-
· Gesetzeszweck bzw. Schutzziel, form schwäche die Wettbewerbs- und Innovationsfä-
higkeit der gesamten deutschen Wirtschaft und könne
· Anwendungsbereich,
im Extremfall zu einem Rückgang der deutschen Brut-
· zu erwartenden Pflichten für ein Unternehmen, towertschöpfung um bis zu 6,4 % und zu einem Ver-
lust von bis zu 2,35 Millionen Arbeitsplätzen allein in
· Ermächtigungsgrundlagen der Norm sowie der dar- Deutschland führen. Der Verband der Europäischen
in enthaltenen Ermächtigungsgrundlagen, Chemischen Industrie hat in einer ersten Schätzung die
· Auswirkungen auf geltendes Recht, Kosten auf ca. 15-20 Mrd. Euro bis 2012 beziffert.

· Literaturverweisen und dem Die Bundesregierung teilt die Befürchtungen der Che-
mieindustrie nicht (siehe hierzu den Beitrag in URR
· Stand des Verfahrens. 5/2003, S. 324). Die Kosten seien zum einen nicht so
hoch, wie von der Industrie behauptet und zum anderen
Die laufende Berichterstattung umfaßt neben
müsse der Nutzen für den Umweltschutz und den Ge-
· Einem Verweis auf die Erstberichterstattung, sundheitsschutz berücksichtigt werden, der durch die
Überprüfung der Altstoffe erzielt werde. Die Auffas-
· den Stand des Verfahrens, sung der Bundesregierung ist jetzt in einer Stellung-
· die Darstellung aller Änderungsvorschläge sowie nahme des Sachverständigenrats für Umweltfragen zur
REACH-Verordnung bestätigt worden. Die am 23. Juli
· neue Literaturverweise. 2003 veröffentlichte Stellungnahme trägt den Titel
„Zur Wirtschaftsverträglichkeit der Reform der
Europäischen Chemikalienpolitik“.
In seiner Stellungnahme setzt sich der Sachverständi-
genrat mit mehreren von den Wirtschaftsverbänden
vorgelegten Studien zu den wirtschaftlichen Folgen des
neuen Chemikalienrechts auseinander. Sein Fazit: Die
Umweltrechtsreport 7/2003 489 Umweltrecht im Gesetzgebungsverfahren

Untersuchungen seien methodisch unzulänglich, sie veröffentlichten Gemeinsamen Standpunkt übernom-


überschätzten systematisch die Kosten und vernachläs- men.
sigten die Chancen der Reform.
Ziel der Verordnung ist es, die Rechtsvorschriften der
Im einzelnen kommt das Sachverständigengremium zu Gemeinschaft über Düngemittel zu vereinfachen, um
dem Ergebnis, dass die vorhandenen Kosten- sie im Einklang mit der Mitteilung der Kommission
schätzungen systematisch zu hoch angesetzt seien. Die zur „Vereinfachung der Rechtsvorschriften im Bin-
im Kommissionsentwurf vorgesehenen Möglichkeiten nenmarkt“ („SLIM“) und ihrem „Aktionsplan für den
einer relativ kostengünstigen Umsetzung würden in Binnenmarkt“ von 1997 für die Beteiligten leichter zu-
den Berechnungen ebenso wenig berücksichtigt wie gänglich zu machen. Die vorgeschlagene Verordnung
Einsparungen durch Nutzung bereits vorhandener Da- ersetzt die Richtlinien
ten über Altstoffe.
· 76/116/EWG zur Angleichung der Rechts-
Nach den Berechnungen des Sachverständigenrats vorschriften der Mitgliedstaaten für Düngemittel,
betragen die durch das REACH-System verursachten
jährlichen Mehrkosten lediglich zwischen 0,2 und · 80/876/EWG zur Angleichung der Rechtsvor-
0,39 % des Jahresumsatzes der gesamten europäi- schriften der Mitgliedstaaten betreffend Ammoni-
schen Chemieindustrie. Angesichts des geringen An- umnitrat-Einnährstoffdüngemittel mit hohem
teils der durch REACH verursachten Kosten am Um- Stickstoffgehalt,
satz der Chemieindustrie seien die befürchteten ge- · 87/94/EWG zur Angleichung der Rechtsvorschrif-
samtwirtschaftlichen Verwerfungen wenig plausibel. ten der Mitgliedstaaten über Verfahren zur Über-
Darüber hinaus könne eine konsequente Umsetzung prüfung der Merkmale, Grenzwerte und der Deto-
der Ziele des REACH-Systems positive Wettbewerbs- nationsfestigkeit von Ammonium-
und Innovationswirkungen haben, da das System glo- Einnährstoffdünger mit hohem Stickstoffgehalt
bale Ausstrahlungseffekte habe. Eine weltweite Nach- und
ahmung und Diffusion des REACH-Systems oder eini- · 77/535/EWG zur Angleichung der Rechts-
ger seiner wesentlichen Elemente sei möglich. Bei al- vorschriften der Mitgliedstaaten über Probenahme
len Unsicherheiten hinsichtlich der Abschätzung von und Analysemethoden von Düngemitteln.
Kosten und Nutzen deuteten neuere Analysen darauf
hin, dass bereits der Nutzen für die menschliche Ge- Die Vorschriften sollen sicherstellen, dass Düngemittel
sundheit die Kosten übersteige. Schäden der Tier- und in jedem Mitgliedstaat gewisse technische Merkmale
Pflanzenwelt, die bisher monetär nicht erfasst würden, aufweisen, die in verbindlichen Vorschriften festgelegt
seien dem hinzuzurechnen. sind. Diese Vorschriften, die insbesondere die Zu-
sammensetzung, die Definition, die Bezeichnung,
Die Stellungnahme enthält neben der Auseinanderset- die Kennzeichnung und die Verpackung der einzel-
zung mit den unterschiedlichen Kostenschätzungen der nen Düngemitteltypen betreffen, sind zur Zeit noch in
zum REACH-System vorliegenden Studien auch eine den Mitgliedstaaten unterschiedlich. Dies behindert
informative Einführung in den von der Kommission nach Auffassung des Rates den Warenverkehr inner-
zur Diskussion gestellten Verordnungsentwurf. Die halb der Gemeinschaft. Er hält es daher für erforder-
vollständige Stellungnahme ist im Internet unter lich, die Bezeichnung, Definition und Zusammenset-
http://www.umweltrat.de abrufbar. zung bestimmter Düngemittel auf Gemeinschaftsebene
(Fundstelle: Pressemitteilung des Sachverständigen- festzulegen. Düngemittel, die einem in Anhang I auf-
rats für Umweltfragen vom 23.7.2003) geführten Düngemitteltyp entsprechen und die die An-
forderungen der neuen Verordnung erfüllen, sollen in
Zukunft unter der Bezeichnung „EG-Düngemittel“ in
❖ Verkehr gebracht werden dürfen. Neben den genannten
Anforderungen soll die Verordnung außerdem Ge-
meinschaftsregeln für die Kennzeichnung, Rückver-
Das europäische Düngemittelrecht soll in folgbarkeit und Etikettierung von EG-Düngemitteln
einer Verordnung zusammengefasst wer- und den Verschluss der Verpackungen festlegen.
den
Die Düngemittelerzeugung unterliegt aus produk-
tionstechnischen oder rohstoffbedingten Gründen mehr
Gemeinsamer Standpunkt (EG) Nr. 36/2003 vom Rat
oder weniger großen Schwankungen. Auch bei der
festgelegt im Hinblick auf den Erlass einer Verordnung
Probenahme und Analyse kann es Unterschiede geben.
des Europäischen Parlaments und des Rates über
Die Kommission hat es deshalb für erforderlich erach-
Düngemittel
tet, hinsichtlich der von den Herstellern zu deklarie-
Die EU-Kommission hat im September 2001 einen renden Nährstoffgehalte To-leranzen zuzulassen. Die-
Vorschlag für eine Verordnung über Düngemittel vor- se Toleranzen sollen aber im Interesse der Anwender
gelegt. Der EU-Ministerrat hat die Vorstellungen der in der Landwirtschaft in engen Grenzen gehalten wer-
Kommission im wesentlichen in seinem im Juli 2003 den.
Umweltrecht im Gesetzgebungsverfahren 490 Umweltrechtsreport 7/2003

Artikel 15 der Verordnung legt ein Verfahren fest, das Die Verschmutzung der Meere soll effek-
anzuwenden ist, wenn ein Mitgliedstaat Einschränkun- tiver geahndet werden
gen bei der Vermarktung von EG-Düngemitteln für
notwendig erachtet. Hält er ein als „EG-Düngemittel“
Vorschlag für einen Rahmenbeschluss des Rates zur
in Verkehr gebrachtes Produkt für gesundheits- oder
Verstärkung des strafrechtlichen Rahmens zur Be-
umweltgefährdend, so kann er die Verbreitung des Er-
kämpfung der Verschmutzung durch Schiffe
zeugnisses vorläufig untersagen. Die Kommission
muss dann innerhalb von 90 Tagen entscheiden, ob die Die Kommission hat im März 2003 den „Vorschlag
Einwände gegen das Düngemittel begründet sind. für eine Richtlinie über die Meeresverschmutzung
durch Schiffe und die Einführung von Sanktionen,
Die Artikel 29 und 30 regeln die Konformitäts-
einschließlich strafrechtlicher Sanktionen, für Ver-
bewertung von Düngemittel hinsichtlich der Einhal-
schmutzungsdelikte“ vorgelegt (siehe hierzu den Bei-
tung der Anforderungen der Düngemittelverordnung.
trag in URR 4/2003 S. 251).
Diese liegt im Verantwortungsbereich der einzelnen
Mitgliedstaaten. Sie darf nur von Laboratorien durch- In diesem Vorschlag werden die geltenden völkerrecht-
geführt werden, die von den Mitgliedstaaten zugelas- lichen Regeln für die von Schiffen verursachte Einlei-
sen und bei der Kommission gemeldet sind. tung von Schadstoffen ins Meer in das Gemeinschafts-
recht übernommen und die Anwendung dieser Regeln
Titel II der Verordnung enthält Bestimmungen für spe-
festgelegt. Verstöße gegen diese Regeln sollen straf-
zielle Düngemitteltypen. Hierunter fallen mineralische
rechtlich geahndet werden. Der Anwendungsbereich
Primärnährstoffdünger, minearlische Sekundärnähr-
der geplanten Richtlinie umfasst die illegale Einleitung
stoffdünger, mineralische Spurennährstoffdünger und
von Schadstoffen ins Meer durch Schiffe. Dadurch sol-
Ammoniumnitratdünger mit einem Stickstoffgehalt len rechtswidrige Einleitungen von Öl und als Massen-
von über 28 %. Ammoniumnitrat ist der wesentliche
gut beförderter schädlicher flüssiger Stoffe in alle Ho-
Bestandteil einer Reihe von Erzeugnissen, von denen
heitsgewässer eines Mitgliedstaats verhindert werden.
einige als Düngemittel, andere als Sprengstoffe ver-
Für natürliche Personen sind strafrechtliche Sanktionen
wendet werden. Im Hinblick auf die besonderen Eigen-
vorgesehen, die in den gravierendsten Fällen auch eine
schaften von Ammoniumnitratdüngern mit hohem
Freiheitsstrafe umfassen können. Außerdem sollen
Stickstoffgehalt und die daraus abzuleitenden Anforde-
Verstöße gegenüber natürlichen und juristischen Per-
rungen in Bezug auf die öffentliche Sicherheit, die Ge-
sonen mit Geldbußen geahndet werden.
sundheit und den Schutz der Arbeitnehmer ist es nach
Auffassung der Kommission erforderlich, ergänzende Während also die genannte Richtlinie festlegt, welche
Gemeinschaftsregeln für derartige EG-Düngemittel zu Verstöße als strafrechtliche Delikte geahndet werden
erlassen. müssen, zielt der Vorschlag für einen Rahmenbe-
schluss darauf ab, die strafrechtlichen Maßnahmen
Einige dieser Erzeugnisse könnten gefährlich sein und
durch die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten zur
in bestimmten Fällen zu anderen als den vorgesehenen
Sanktionierung solcher Verstöße zu erleichtern und
Zwecken verwendet werden. Das könnte die Sicherheit
zu fördern. Der Rahmenbeschluss dient als Instrument
von Personen und Gütern gefährden. Infolgedessen
der justiziellen Zusammenarbeit dazu, verbindliche
werden die Hersteller verpflichtet, geeignete Maßnah-
Ziele vorzugeben, die die Mitgliedstaaten mit entspre-
men zur Verhinderung solcher Verwendungen zu tref-
chenden nationalen Regelungen erreichen müssen.
fen und insbesondere die Rückverfolgbarkeit solcher
Düngemittel sicherzustellen. Daneben werden die Die Kommission hat in der Begründung des Rahmen-
Merkmale und Eigenschaften festgelegt, die EG- beschlusses darauf verwiesen, dass eine solche Zu-
Ammoniumnitratdünger mit hohem Stickstoffgehalt sammenarbeit notwendig sei, um eine effektive Straf-
von den Ammoniumnitratarten unterscheiden, die bei verfolgung sicherzustellen. Die derzeit unterschiedli-
der Herstellung von Sprengstoffen verwendet werden. chen Sanktionen bewirkten, dass die möglichen – ins-
besondere finanziellen - Folgen einer Verschmutzung,
Stand des Gesetzgebungsverfahrens: Der Ministerrat
die mehrere Mitgliedstaaten der Union zu beeinträchti-
hat in seinem im Juli 2003 veröffentlichten Gemeinsa-
gen droht, je nach dem Begehungsort unterschiedlich
men Standpunkt zu der neuen Düngemittelverordnung
seien. Durch eine Angleichung solle verhindert wer-
die Vorstellungen der Kommission und des Europäi-
den, dass sich der Verursacher das für ihn günstigste
schen Parlaments weitgehend übernommen. Das Par-
Recht aussuche.
lament muss nun erneut in zweiter Lesung über den
Verordnungsentwurf beraten. Der Rahmenbeschluss enthält im einzelnen folgende
Vorschriften zur justiziellen Zusammenarbeit: Artikel
(Fundstelle: ABl. EU Nr. C 153 E S. 56)
3 betrifft die Harmonisierung der Freiheits- und Geld-
strafen für Umweltdelikte, die zur Verschmutzung der
Meere führen. Besonders gravierende Taten sollen da-
nach durch eine Freiheitsstrafe im Höchstmaß von
mindestens fünf bis zehn Jahren geahndet werden, ins-
besondere:
Umweltrechtsreport 7/2003 491 Umweltrecht im Gesetzgebungsverfahren

· wenn der Verstoß im Rahmen einer kriminellen · Vorschriften für die schrittweise Einstellung der
Vereinigung begangen wurde; Verwendung von Antibiotika als Wachstumsförde-
rer festzulegen und
· wenn der Verstoß zum Tod oder einer schweren
Verletzung von Personen geführt hat; · die Verwendung von Kokzidiostatika als Futter-
mittelzusatzstoffe weiterhin zuzulassen und die
· wenn der Verstoß zu einer erheblichen Schädigung EU-Bestimmungen über Zusatzstoffe zur Verwen-
der Wasserqualität geführt hat oder dung in der Tierernährung zu konsolidieren.
· wenn der Verstoß zu einer erheblichen Schädigung Der vom Ministerrat festgelegte Gemeinsame Stand-
von Tier- oder Pflanzenarten oder Teilen davon punkt stimmt weitgehend mit den Vorschlägen der
geführt hat. Kommission und des Europäischen Parlaments über-
Bei einer Ahndung von Verstößen durch Geldstrafe ein. So werden die Ziele und die meisten von der
soll diese im Höchstmaß bei 1 bis 20 % des im voraus- Kommission vorgeschlagenen und vom Europäischen
gegangenen Geschäftsjahr erzielten Gesamtumsatzes Parlament unterstützten Regelungen bestätigt.
oder des Gesamtvermögens im vorausgegangenen Jahr Der Rat hat insbesondere an der Rechtsform einer Ver-
liegen. ordnung festgehalten, um so die derzeit geltenden Be-
Weitere Regelungen betreffen die Begründung der ge- stimmungen über die Verwendung von Zusatzstoffen
richtlichen Zuständigkeit, die strafrechtlichen Ermitt- in der Tierernährung, die aus verschiedensten Richtli-
lungen im Hafenstaat, die Bildung gemeinsamer Er- nien stammen, konsolidieren zu können. Änderungen
mittlungsgruppen und die Zusammenarbeit der Mit- hat er vorgenommen, um den Anwendungsbereich ei-
gliedstaaten im Rahmen von strafrechtlichen Ermitt- niger Bestimmungen festzulegen, um den Wortlaut der
lungsverfahren. Verordnung klarer zu fassen und somit für Rechtssi-
cherheit zu sorgen. Die Änderungen betreffen insbe-
Stand des Gesetzgebungsverfahrens: Der Vorschlag sondere das Zulassungsverfahren hinsichtlich der Ver-
der Kommission wurde dem Generalsekretär des Euro- fahrensschritte und der Fristen, an die sich Antragstel-
päischen Rates am 15. Mai 2003 übermittelt. Der Rat ler, Kommission und EFSA zu halten haben. Weitere
hat den Rahmenbeschluss unter Beteiligung des Euro- Änderungen sollen eine strikte Trennung von Risiko-
päischen Rates zu erlassen. bewertung und Risikomanagement sicherstellen. Er-
(Fundstelle: BR-Drs. 334/03) weitert wurden darüber hinaus die Bestimmungen zur
Rückverfolgbarkeit von Zusatzstoffen.

❖ Stand des Gesetzgebungsverfahrens: Der Gemein-


same Standpunkt ist jetzt Grundlage für die zweite Le-
sung der Verordnung im Europäischen Parlament.
EU plant einheitliches Zulassungsverfah- Nimmt das Parlament weitere Änderungen vor, müssen
ren für den Einsatz von Zusatzstoffen in diese vom Ministerrat bestätigt werden. Nimmt das
Parlament keine Änderungen vor, tritt die Verordnung
der Tierernährung
in der jetzt vorliegenden Fassung in Kraft.
Gemeinsamer Standpunkt (EG) Nr. 20/2003 des Rates (Fundstelle: ABl. EU Nr. C 113 E S. 1)
im Hinblick auf den Erlass einer Verordnung des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates über Zusatzstoffe
zur Verwendung in der Tierernährung
Immissionsschutzrecht
Die Kommission hat am 22. März 2002 einen Vor-
schlag für eine Verordnung des Europäischen Parla-
ments und des Rates über Zusatzstoffe zur Verwen- Das Land Sachsen-Anhalt möchte das
dung in der Tierernährung vorgelegt (siehe hierzu den
Beitrag in URR 6/2002, S. 508). immissionsschutzrechtliche Genehmi-
gungserfordernis für bestimmte Tierhal-
Der Vorschlag zielt darauf ab,
tungsanlagen aufheben
· die bestehenden Vorschriften für das Zulassungs-
verfahren für Zusatzstoffe in der Tiernahrung zu Entwurf einer Verordnung zur Änderung von Rechts-
vereinfachen; vorschriften zum Umweltschutz bei Tierhaltungs-
anlagen
· klar zwischen der Risikobewertung (Europäische
Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)) und Mit dem am 3.8.2001 in Kraft getretenen sog. „Arti-
dem Risikomanagement (Kommission und Mit- kelgesetz“ erfolgte eine Änderung der Verordnung ü-
gliedstaaten) zu unterscheiden; ber genehmigungsbedürftige Anlagen – 4. BImSchV –
dahingehend, dass bei Tierhaltungsanlagen für zusätz-
liche Anlagentypen und Anlagengrößen eine immissi-
onsschutzrechtliche Genehmigungsbedürftigkeit einge-
Umweltrecht im Gesetzgebungsverfahren 492 Umweltrechtsreport 7/2003

führt wurde. In den Anhang der 4. BImSchV wurden in bodennahem Ozon (Multikomponenten-Protokoll) vom
Spalte 2 Anlagen zum Halten von Nutztieren neu auf- 30.11.1999 im Rahmen des Übereinkommens von 1979
genommen, wobei das Genehmigungserfordernis ne- über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunrei-
ben einer Anlagengröße von 50 Großvieheinheiten ins- nigung
besondere von einem Bezug zu landwirtschaftlich
Das Protokoll betreffend die Verringerung von Ver-
genutzter Fläche abhängt. Mit dem gleichen Gesetz
sauerung, Eutrophierung und bodennahem Ozon ist ein
wurde das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprü-
weiteres Protokoll im Rahmen des Übereinkommens
fung (UVPG) geändert und in Anlage 1 für die Tierhal-
von 1979 über weiträumige grenzüberschreitende
tungsanlagen bei gleichem Tatbestand die Pflicht zur
Luftverunreinigung (Genfer Luftreinhalte-
Durchführung einer allgemeinen Vorprüfung des Ein-
Übereinkommen) der Wirtschaftskommission der Ver-
zelfalls zur Feststellung des Erfordernisses einer Um-
einten Nationen für Europa (UN/ECE). Vertragsstaaten
weltverträglichkeitsprüfung neu eingeführt.
des Luftreinhalte-Übereinkommens sind 46 europäi-
Das Land Sachsen-Anhalt hält die Regelung der Ge- sche Staaten sowie die Europäische Gemeinschaft, die
nehmigungsbedürftigkeit von Tierhaltungsanlagen in USA und Kanada.
Abhängigkeit von landwirtschaftlich genutzter Grund-
Das Ziel des Multikomponenten-Protokolls ist die
stücksfläche für mit dem Zweck des Bundes-
schrittweise Verminderung der Luftbelastung zur Be-
Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) nicht vereinbar.
grenzung und Verringerung der Auswirkungen von
Sie werde zudem nicht von der Ermächtigungs-
Versauerung, Eutrophierung (Überdüngung) und bo-
grundlage des BImSchG gedeckt. Durch die Verknüp-
dennahem Ozon in ganz Europa. Das Protokoll legt in
fung von Anlagengröße und Flächenbezug könnten
einem ersten Schritt nationale Emissionshöchstmengen
auch kleinere Tierhaltungsanlagen der Genehmigungs-
für die Schadstoffe Schwefeldioxid (SO2), Stickstoff-
pflicht unterfallen, die aufgrund der für die Auswir-
oxide (NOx), Ammoniak (NH3) und flüchtige organi-
kungen der Anlage maßgeblichen Tierzahlen nicht in
sche Verbindungen (VOC) fest, die bis zum Jahre 2010
besonderem Maße geeignet seien, schädliche Umwelt-
erreicht werden müssen.
einwirkungen hervorzurufen. Für die Bewirtschaftung
landwirtschaftlicher Fläche sei durch die Düngever- In der Gesetzesbegründung weist die Bundesregierung
ordnung die Begrenzung der Nährstofflieferung aus der darauf hin, dass die Emissionen von SO2, NOx, NH3
Tierhaltung geregelt und ein Flächenbezug damit hin- und VOC in weiten Gebieten Europas und insbesonde-
reichend gewährleistet. Die Regelungen zur Vorprü- re in Deutschland zu Überbelastungen von Ökosyste-
fung des Einzelfalls im UVPG gehen nach Auffassung men führen und die menschliche Gesundheit gefähr-
des Landes Sachsen-Anhalt über die europarechtlichen den. Große Gebiete, speziell in Mitteleuropa und in
Anforderungen hinaus und bauten damit zusätzliche Skandinavien, seien empfindlich gegenüber sauren
Erschwernisse für kleine und mittlere Betriebe auf. Niederschlägen. Überhöhte Stickstoffeinträge führten
zu Veränderungen des Nährstoffhaushalts von Boden,
Vor diesem Hintergrund hat Sachsen-Anhalt beim
Grundwasser und Vegetation. Sie gefährdeten nicht nur
Bundesrat einen Verordnungsantrag eingebracht, durch
auf Nährstoffarmut angepasste Lebensräume und deren
den der die Genehmigungsbedürftigkeit regelnde Tat-
biologische Vielfalt sondern durch Nitrate im Trink-
bestand des Flächenbezugs bei Tierhaltungsanlagen
wasser auch die Gesundheit insbesondere von Babys
ersatzlos aufgehoben werden soll. Daneben soll im
und Kleinkindern. Auch seien die Konzentrationen des
UVPG der entsprechende Tatbestand für die nach all-
bodennahen Ozons, gebildet aus den Vorläuferstoffen
gemeiner Vorprüfung des Einzelfalls bestehenden
NOx und VOC, immer noch zeitweilig höher als die
UVP-Pflicht aufgehoben werden.
empfohlenen Werte der Weltgesundheitsorganisation
Stand des Gesetzgebungsverfahrens: Der Verord- (WHO) zum Schutz der menschlichen Gesundheit oder
nungsantrag wurde am 11. Juni 2003 dem Bundesrat zum Schutz empfindlicher Pflanzen.
mit dem Antrag übersandt, die Zuleitung an die Bun-
Da Luftverunreinigungen nicht an nationalen Grenzen
desregierung für den Erlass der Verordnung zu be-
halt machen, ist die Verpflichtung zur Emissionsreduk-
schließen. Der Antrag wurde in der Sitzung des Bun-
tion durch eine Vielzahl von Staaten von besonderer
desrates am 20. Juni 2003 den zuständigen Ausschüs-
Bedeutung. Die Einhaltung der jeweiligen nationalen
sen zur weiteren Beratung überwiesen.
Emissionshöchstmengen wird nach Angaben der Bun-
(Fundstelle: BR-Drs. 401/03) desregierung ECE-weit von 1990 bis 2010 zu einer
durchschnittlichen Verminderung der SO2-Emissionen
um ca. 63 %, der NOx-Emissionen um ca. 41 %, der
❖ NH3-Emissionen um ca. 17 % und der VOC-
Emissionen um ca. 40 % führen. Allein Deutschland
Ratifizierung des Multikomponenten- hat sich zu überdurchschnittlichen Minderungen ver-
pflichtet, bei SO2 um 90 %, bei NOx um 60 %, bei NH3
Protokolls in die Wege geleitet um 28 % und bei VOC um 69 %.
Entwurf eines Gesetzes zu dem Protokoll betreffend die Inhaltlicher Überblick: Die zentralen Regelungen des
Verringerung von Versauerung, Eutrophierung und Protokolls enthält Artikel 3. Es sind dies
Umweltrechtsreport 7/2003 493 Umweltrecht im Gesetzgebungsverfahren

· die Verpflichtung zur Einhaltung der im Anhang II


des Protokolls enthaltenen nationalen Emissions-
höchstmengen bis zum Jahre 2010,
· die Anwendung verbindlicher Mindest-Emissions-
grenzwerte und bester verfügbarer Techniken für
bestimmte neue und bestehende stationäre Quel-
len. Ersatzweise können Vertragsparteien jedoch
auch andere Strategien zur Emissionsverringerung
anwenden, die zu gleichwertigen Gesamtemissio-
nen führen,
· die Einhaltung verbindlicher Grenzwerte für
Kraftstoffe und neue mobile Quellen und
· spezifische Maßnahmen zur Verringerung der
Ammoniakemissionen.
Hinzuweisen ist im Zusammenhang mit der Ratifizie-
rung des Multikomponenten-Protokolls auf die Richt-
linie 2001/81/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates über nationale Emissionshöchstmengen
für bestimmte Luftschadstoffe (NEC-Richtlinie).
Auch mit der NEC-Richtlinie werden die Mitgliedstaa-
ten der EG verpflichtet, die Emissionen bis zum Jahre
2010 auf bestimmte Höchstmengen zu reduzieren. Da-
bei sind die Höchstmengen der NEC-Richtlinie für
VOC und für NH3 in beiden Vorschriften identisch.
Die Höchstmengen für SO2 und NOx sind um jeweils
30 Kilotonnen pro Jahr niedriger als die des UN/ECE-
Protokolls. Folglich wird der Umfang der Maßnahmen
zur Erreichung der Höchstmengen für SO2 und NOx
durch die Anforderungen der NEC-Richtlinie be-
stimmt.
Die Emissionshöchstgrenzen der NEC-Richtlinie sind
mittlerweile Gegenstand der „Verordnung zur Ver-
minderung von Sommersmog, Versauerung und
Nährstoffeinträgen – 33. BImSchV“, die von der
Bundesregierung beschlossen worden ist (siehe hierzu
den Beitrag in URR 6/2003 S. 410). Dieser Verord-
nung hat mittlerweile auch der Bundestag zugestimmt,
so dass mit ihrer Veröffentlichung in nächster Zeit zu
rechnen ist.
Stand des Gesetzgebungsverfahrens: Durch das am
18. Juni 2003 von der Bundesregierung beschlossene
Gesetz, wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass
das Protokoll für Deutschland verbindliches Recht
wird. Das Ratifizierungsgesetz bedarf noch der Zu-
stimmung von Bundestag und Bundesrat.
(Fundstelle: Homepage des BmU: www.bmu.de)
Bundestags- und Bundesratsdrucksachen 494 Umweltrechtsreport 7/2003

BUNDESTAGS- UND BUNDESRATSDRUCKSACHEN


Diese Rubrik behandelt das Geschehen in Bundestag Die Fragesteller fragen die Bundesregierung u.a.
und Bundesrat sowie das Geschehen auf europäischer
1. Wie bewertet die Bundesregierung die Feststel-
Ebene außerhalb des Gesetzgebungsverfahrens. Hierzu
lung des Präsidiums des Europäischen Konvents,
gehören
dass in der Erklärung von Laeken weder eine
· parlamentarische Anfragen der Fraktionen oder Aussage in Bezug auf den EURATOM-Vertrag
einzelner Abgeordneter sowie die Antworten der enthalten ist, noch dort spezifische Fragen im Zu-
Bundesregierung, sammenhang mit den vom EURATOM-Vertrag
erfassten Bereichen aufgeworfen werden?
· Anträge, die auf ein bestimmtes Verhalten der
Bundesregierung oder die Verabschiedung eines 2. Wie bewertet die Bundesregierung die Auffas-
neuen Gesetzes gerichtet sind, sung des Präsidiums, dass es in Anbetracht des
Mandats des Konvents sowie des Zeitplans für
· Beschlußempfehlungen zu solchen Anträgen, den Konvent keine Grundlage dafür gibt, dass der
· wiederkehrende Berichte der Bundesregierung wie Konvent damit beginnt, den EURATOM-Vertrag
beispielsweise der Waldzustandsbericht oder der in der Substanz zu ändern, und dass dies auch
Bericht über die Integration der Bundesrepublik nicht zweckmäßig wäre?
Deutschland in die Europäische Union, 3. Teilt die Bundesregierung die vom Präsidium des
· alle Unterrichtungen, in denen die Bundesregierung Konvents geäußerte Auffassung, dass die Anpas-
über verschiedene Geschehnisse, wie beispiels- sung des EURATOM-Vertrages durch ein der
weise Verhandlungen der Europäischen Union be- Verfassung beizufügendes Protokoll erfolgen
richtet, sollte?

· Mitteilungen der Kommission der Europäischen (Fundstelle: BT-Drs. 15/1148 v.4.6.2003)


Gemeinschaften und weitere umweltrechtlich rele-
vante Informationen aus dem ABl. C der Europäi- ❖
schen Gemeinschaften.

Kleine Anfrage „Kosten des vom Ar-


beitskreis Auswahlverfahren Endlager-
Parlamentarische Anfragen standorte vorgeschlagenen Verfahrens
zur Endlagerung radioaktiver Stoffe“
Kleine Anfrage „Nukleare Sicherheit und
Die BT-Drs. 15/1149 enthält die Kleine Anfrage „Kos-
Diskussion über die Übernahme des EU- ten des vom Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlager-
RATOM-Vertrags in die Verfassung der standorte vorgeschlagenen Verfahrens zur Endlagerung
Europäischen Union“ radioaktiver Stoffe“ einzelner Abgeordneter und der
Fraktion der FDP
Die BT-Drs. 15/1148 enthält die Kleine Anfrage „Nuk-
Hintergrund der Anfrage ist das vom Arbeitskreis
leare Sicherheit und Diskussion über die Übernahme
Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AkEnd) vorge-
des EURATOM-Vertrags in die Verfassung der Euro-
schlagene Verfahren einer erneuten Standortsuche für
päischen Union“ einzelner Abgeordneter und der Frak-
ein nukleares Endlager. Nach Ansicht der Fragesteller
tion der FDP:
birgt das Verfahren erhebliche Unsicherheiten, insbe-
Die Anfrage handelt von dem Bezug der EURATOM- sondere hinsichtlich der rechtlichen Realisierbarkeit,
Vertrages zu einer Europäischen Verfassung. Das Prä- der erforderlichen Zeitbedarfes und der finanziellen
sidium des Konvents habe festgestellt, dass in der Er- Konsequenzen.
klärung der Europäischen Rates von Laeken im De-
Die Fragesteller fragen die Bundesregierung u.a.
zember 2001 keine Aussage in Bezug auf den EURA-
TOM-Vertrag enthalten sei oder spezifische Fragen im 1. Ist der Bundesregierung die eingangs zitierte Pub-
Zusammenhang mit den vom EURATOM-Vertrag er- likation zur Kostenschätzung des vom AkEnd
fassten Bereichen aufgeworfen würden. Die Europäi- vorgeschlagenen Verfahrens bekannt, und wenn
sche Kommission habe ein Gemeinschaftskonzept für ja, wie bewertet die Bundesregierung die dort ge-
die nukleare Sicherheit und die Versorgungssicherheit troffenen Aussagen?
der Europäischen Union am 30.1.2003 veröffentlicht.
Die Richtlinien sollen bis zum 1.5.200 4 in nationales 2. Mit welchen Kosten rechnet die Bundesregierung
Recht umgesetzt werden. bei einer Umsetzung des im AkEnd-Bericht vor-
Umweltrechtsreport 7/2003 495 Bundestags- und Bundesratsdrucksachen

geschlagenen Verfahrens bis zur Errichtung eines Kleine Anfrage und Antwort zur Kleinen
Endlagers im Hinblick auf die nachstehend aufge- Anfrage „Nachhaltige Wasserwirtschaft
führten Positionen (u.a. Kosten für die Inbetrieb-
nahme von Schacht Konrad zur Endlagerung so- in Deutschland
wie für die Fortführung des Projekts Gorleben bis
zur Inbetriebnahme als Endlager entsprechend Die BT-Drs. 15/977 enthält die Antwort auf die Kleine
den ursprünglichen Planungen unter Erhalt des er- Anfrage „Nachhaltige Wasserwirtschaft in Deutsch-
forderlichen Know-hows bei den beteiligten Or- land“ einzelner Abgeordneter und der Fraktion der
ganisationen). FDP (BT-Drs. 15/1080).

(Fundstelle: BT-Drs. 15/1149 v.4.6.2003) Hintergrund der Anfrage war die Annahme des An-
trags „Nachhaltige Wasserwirtschaft in Deutschland
(BT-Drs. 14/7177). Der Bundesminister für Wirtschaft
❖ und Arbeit habe am 6.4.2003 erklärt, dass die Bundes-
regierung in Abstimmung mit den Ländern, Kommu-
nen, Verbänden und der Wirtschaft eine „Modernisie-
Kleine Anfrage „Zukunftsfähigkeit des rungsstrategie für eine nachhaltige Wasserwirtschaft in
klimapolitischen Instruments der Selbst- Deutschland“ entwerfen wolle. In seiner Rede habe er
verpflichtungen und Stand der Vorberei- einzelne Elemente dieser Strategie skizziert.
tungen zur Umsetzung der bevorstehen- Die Fragesteller fragen die Bundesregierung u.a.
den Europäischen Richtlinie zum Emissi-
1. Inwieweit sind die vom Bundesminister für Wirt-
onshandel“ schaft und Arbeit skizzierten Elemente der Mo-
dernisierungsstrategie innerhalb der Bundesregie-
Die BT-Drs. 15/1069 enthält die Kleine Anfrage „Zu- rung abgestimmt?
kunftsfähigkeit des klimapolitischen Instruments der
Selbstverpflichtungen und Stand der Vorbereitungen 2. Welche Aufgaben können nach Einschätzung der
zur Umsetzung der bevorstehenden Europäischen Bundesregierung durch stärkere Zusammenarbeit
Richtlinie zum Emissionshandel“ einzelner Abgeord- zwischen den Kommunen und durch öffentlich-
neter und der Fraktion der FDP und privatrechtliche Kooperationen besser wahr-
genommen werden, und welche Kosteneinsparpo-
Hintergrund der Anfrage ist der Richtlinienentwurf der tentiale erwartet die Bundesregierung hierdurch
Europäischen Kommission, demzufolge ein europawei- im Einzelnen?
ter Börsenhandel mit Emissionszertifikaten ab 2005
verpflichtend eingeführt werden soll. Nach Ansicht der Die Bundesregierung antwortet hierauf, dass die Ele-
Fragesteller liegen bisher kaum konkrete Informatio- mente der Modernisierungsstrategie weitgehend auf
nen vor, auf welche Weise die Bundesregierung ge- dem Beschluss des Deutschen Bundestags „Nachhalti-
denke, einen Handel mit Zertifikaten in Deutschland ge Wasserwirtschaft in Deutschland“ beruhen und in-
umzusetzen und mit den übrigen europaweiten um- nerhalb der Bundesregierung im zuständigen Ressort-
weltpolitischen Instrumenten zu verbinden. kreis abgestimmt wurden. Sie teilt die Auffassung von
Experten, das durch intensive Zusammenarbeit und
Die Fragesteller fragen die Bundesregierung u.a. verbesserte Kooperationsformen Effizienzpotentiale
1. Wie bewertet die Bundesregierung die Verein- erreicht werden können. Beispielhaft erwähnt sie eine
barkeit des klimapolitischen Emissionshandels gemeinsame Materialwirtschaft und Datenverarbei-
mit dem Instrument freiwilliger Selbstverpflich- tung, gemeinsame Bereitschafts- und
tungen? Entstörungsdienste oder gemeinsame Vorhaltung von
Anlagen und Großgeräten.
2. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass
freiwillige Selbstverpflichtungen nach Einfüh- (Fundstelle: BT-Drs. 15/977 v.7.5.2003 und 15/1080
rung des Emissionshandels in Deutschland keine v. 28.5.2003)
Zukunft mehr hätten, und wenn nein, auf welche
konkrete Weise gedenkt die Bundesregierung,
den Emissionshandel auf europäischer und natio-
naler Ebene mit den vorliegenden sowie mit künf-
tigen klimapolitischen Selbstverpflichtungen zu
verbinden?
3. Hinsichtlich welcher konkreter Detailregelungen
wurde mit den beteiligten und betroffenen Wirt-
schaftskreisen Einvernehmen in jeweils welchem
Sinne erzielt, und welche zentralen Regelungsbe-
reiche werden derzeit nocht kontrovers diskutiert?
(Fundstelle: BT-Drs. 15/1069 v.21.5.2003)
Bundestags- und Bundesratsdrucksachen 496 Umweltrechtsreport 7/2003

Antwort auf die Kleine Anfrage „Rück- mender Tendenz auch durch hohe Geräuschbelastun-
stellungen für die Rekultivierung und gen insbesondere junger Menschen im Freizeitbereich
hervorgerufen. In Deutschland seien etwa 5 Millionen
Nachsorge von Deponien aus handels- Berufstätige während der Arbeit gehörschädigendem
und steuerrechtlicher Sicht“ Lärm oberhalb von 85 dB (A) ausgesetzt. Besonders
risikoreich seien dabei Impulsschallbelastungen in der
Die BT-Drs. 15/1078 enthält die Antwort auf die Klei- metallverarbeitenden Industrie oder bei der Bundes-
ne Anfrage „Rückstellungen für die Rekultivierung wehr. Beruflich bedingte Lärmquellen seien u.a. Ma-
und Nachsorge von Deponien aus handels- und steuer- schinen älterer Bauart, Niet- und Pressluftwerkzeuge
rechtlicher Sicht“ einzelner Abgeordneter und der sowie vielfältige Formen der Metall- und Steinverar-
Fraktion der CDU/CSU. beitung.
Hintergrund der Anfrage war die Verschärfung der Danach erläutert die Bundesregierung die betrieb-
steuerlichen Vorschriften über die Zulässigkeit und lichen Folgen der durch Lärm verursachten Hör-
Bewertung von Rückstellungen für die Rekultivierung schäden. Die Zahl der Beschäftigten, die infolge von
und Nachsorge von Deponien. übermäßiger beruflich bedingter Lärmeinwirkung ei-
Die Fragesteller fragten die Bundesregierung u.a. für nen Gehörschaden erleiden, werde als Berufskrankheit
welche Verpflichtungen zur Rekultivierung und Nach- „Lärmschwerhörigkeit“ unter der Nummer 2301 „An-
sorge einer Deponie handels- und/oder steuerrechtlich lage zur Berufskrankheitenverordnung“ im Unfallver-
eine Rückstellung gebildet werden könne und wie die- hütungsbericht veröffentlicht. Im Jahr 2001 wurden
se zu bewerten sei. danach den Unfallversicherungsträgern 12.114 Ver-
dachtsfälle von Lärmschwerhörigkeit angezeigt. In
Die Bundesregierung antwortet zunächst in einer Vor- 7.294 Fällen habe sich der Verdacht im Feststellungs-
bemerkung, dass die steuerlichen Vorschriften, die im verfahren bestätigt und die Erkrankung wurde als Be-
Zusammenhang mit Maßnahmen des Betriebs, der rufskrankheit anerkannt. Von 1978 bis 2001 seien ins-
Stilllegung und der Nachsorge von Deponien stehen, gesamt 91.070 Fälle anerkannt worden. Lärmschwer-
nicht verschärft worden seien. Vielmehr würden die im hörigkeit sei damit immer noch die häufigste anerkann-
Kontext mit Deponiebetrieben strittige gesetzliche te Berufskrankheit.
Reglung des § 5 Abs. 4b Einkommersteuergesetz
(EStG) die ständige Rechtsprechung des Bundesfi- Im Anschluss daran erläutert die Regierung welche
nanzhofes umsetzen. Inwieweit die Regelung, wonach Schlüsse sie aus diesem Befund für einen aktiven
für Anschaffungs- und Herstellungskosten von Wirt- Lärmschutz zieht. Handlungsbedarf bestehe vor allem
schaftsgütern keine Rückstellungen gebildet werden im Bereich des Umgebungslärms. Die Hauptquelle
dürfen, auf Maßnahmen anzuwenden sei, die im Rah- des Umgebungslärms sei in Deutschland der Verkehr.
men der Stillegung und Nachsorge bei einer Deponie Der Verkehrslärm sei in den letzten Jahrzehnten zu ei-
getroffen werden, wird gegenwärtig mit den obersten ner gravierenden Belastung für viele Menschen gewor-
Finanzbehörden der Länder besprochen. den. In diesem Bereich werde auch entsprechend der
Koalitionsvereinbarung der Schwerpunkt der rechtli-
Auf die Frage, ob die steuerrechtlichen Vorschriften chen Maßnahmen zur Lärmbekämpfung gesehen. So
mit der Forderung der EU-Deponierichtlinie, Rückstel- solle die Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung
lungen für einen 30-jährigen Nachsorgezeitraum zu und Bekämpfung von Umgebungslärm handlungs-
bilden, vereinbar seien, antwortet die Bundesregierung, orientiert in deutsches Recht umgesetzt werden. Wei-
dass die Richtlinie 1999/31/EG über Abfalldeponien terhin solle das Fluglärmgesetz mit dem Ziel novel-
vom 26.4.1999 keine steuerlichen Maßnahmen der liert werden, für alle Flughäfen den Schutz der Bevöl-
Mitgliedstaaten vorsähe, insbesondere nicht, dass kerung vor Lärm deutlich zu verbessern.
Rückstellungen zu bilden seien.
Grundsätzlich hält die Bundesregierung das europäi-
(Fundstelle: BT-Drs. 15/1078 v.28.5.2003) sche und das darauf beruhende nationale Lärmschutz-
recht für geeignet, einen möglichst wirksamen Schutz
der Beschäftigten sicherzustellen. Im Bereich des ar-
❖ beitsbedingten Lärms dienten seit langem die Arbeits-
stättenverordnung und die Unfallverhütungsvor-
Die Bundesregierung unterstreicht die schrift (UVV) „Lärm“ (BGV B 3 – früher VBG 121)
dem Schutz der Gesundheit der Beschäftigten vor ü-
Bedeutung des betrieblichen Lärmschut-
bermäßigen Lärmeinwirkungen. Nach § 3 der UVV
zes „Lärm“ habe der Arbeitgeber alle technischen und or-
ganisatorischen Maßnahmen zu treffen oder geeignete
In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der FDP- Arbeitsmittel einzusetzen, um die Entstehung oder die
Fraktion zum Lärmschutz geht die Bundesregierung Einwirkung von Lärm, der für die Beschäftigten eine
einleitend auf die Ursachen von Hörschäden in Gefährdung für Sicherheit und Gesundheit darstellt, zu
Deutschland ein. Durch Geräuscheinwirkungen her- vermeiden. Auch die neue Richtlinie 2003/10/EG ü-
vorgerufene Gehörschäden würden vor allem durch ber Mindestvorschriften zum Schutz von Sicherheit
Lärmbelastungen am Arbeitsplatz und mit zuneh-
Umweltrechtsreport 7/2003 497 Bundestags- und Bundesratsdrucksachen

und Gesundheit der Arbeitnehmer vor der Gefähr- weisung, die Maßnahmen zum Lärmschutz zu beachten
dung durch physikalische Einwirkungen (Lärm) und die ggf. bereitgestellte persönliche Schutzausrüs-
(17. Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 16 Absatz 1 tung zum Lärmschutz zu benutzen.
der Richtlinie 89/391/EWG) befasse sich mit dem
(Fundstelle: BT-Drs. 15/964 –Anfrage- und 15/1159 –
Lärmschutz am Arbeitsplatz. Sie soll durch eine auf
Antwort-)
das Arbeitsschutzgesetz gestützte Rechtsverordnung in
deutsches Recht umgesetzt werden. Damit werde dem
durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse angezeigten
Handlungsbedarf auf dem Gebiet des arbeitsbedingten Parlamentarische Anträge
Lärmschutzes entsprochen. Über die Umsetzung der
genannten EG-Richtlinie hinaus sieht die Bundesregie-
rung im Bereich des Arbeitsschutzes derzeit keinen Antrag zur Umsetzung der europäische
zusätzlichen Handlungsbedarf.
Biopatentrichtlinie von 1998
In Übereinstimmung mit der FDP-Fraktion vertritt die
Bundesregierung die Auffassung, dass Lärmschutz an Die BT-Drs. 15/1024 (neu) enthält den Antrag einzel-
der Quelle erfolgen und aktive Lärmschutzmaßnahmen ner Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU „Die
grundsätzlich Vorrang vor passiven Lärmschutzmaß- europäische Biopatentrichtlinie von 1998 umsetzen“.
nahmen haben sollten. Für den Bereich des betriebli-
chen Arbeitsschutzes finde dies ausdrücklich seinen Der Deutsche Bundestag soll u.a. beschließen,
Niederschlag in § 4 Nr. 2 des Arbeitsschutzgesetzes, dass die Richtlinie 98/44/EG des Europäischen Parla-
wonach Gefahren an ihrer Quelle zu bekämpfen sind. ments und des Rates vom 76.7.1998 über den rechtli-
Maschinen mit geringer Geräuschemission seien au- chen Schutz biotechnologischer Erfindungen (Biopa-
ßerdem Gegenstand der Geräte- und Produktsicherheit. tentrichtlinie), die bis zum 30.7.2000 in nationales
Dem Aspekt der Lärmminderung an der Quelle (Ma- Recht umgesetzt sein sollte, noch nicht umgesetzt ist.
schine) werde auch durch europäische Richtlinien zur Bisher gäbe es keinen aktuellen Gesetzesentwurf. In-
Produktsicherheit Rechnung getragen, die zum wesent- haltliche Bedenken, mit denen eine weitere Verzöge-
lichen Teil durch das Gerätesicherheitsgesetz in deut- rung der Umsetzung begründet werden sollen, über-
sches Recht umgesetzt seien. zeugten nicht. Die Biopatentrichtlinie baue auf dem
So regele die EG-Maschinenrichtlinie 98/37/EG die Patentrecht der Mitgliedstaaten auf.
Voraussetzungen für das erstmalige Inverkehrbringen Der Bundestag soll deshalb die Bundesregierung auf-
und die Inbetriebnahme von Maschinen durch grundle- fordern, einen Gesetzentwurf zur Umsetzung der Bio-
gende Anforderungen für Planer und Konstrukteure. patentrichtlinie vorzulegen, der medizinische Behand-
Sie beinhalte sowohl ein Minimierungsgebot zur Be- lung, Forschung und wirtschaftliche Entwicklung nicht
seitigung bzw. Reduzierung der von der Maschine aus- gefährdet. Der Entwurf hat u.a. folgende Anforderun-
gehenden Gefahren wie Geräuschemission durch kon- gen gerecht zu werden:
struktive Maßnahmen als auch ein Informationsgebot
über die verbleibenden Restgefahren in Form einer Ge- 1. Bei der Umsetzung ist die Gewährleistung ethi-
räuschangabe. Beide Forderungen seien durch die 3. scher Maßstäbe sicherzustellen, dass nämlich die
und 9. Verordnung zum Gerätesicherheitsgesetz in Patentierung des menschlichen Körpers ab seiner
deutsches Recht umgesetzt. Diese grundlegenden An- Entstehung und Entwicklung nach den Bestim-
forderungen für Maschinen werde durch harmonisierte mungen des deutschen Rechts vollständig ausge-
Normen auf europäischer Ebene konkretisiert. Allein schlossen bleibt.
der Regelungsbereich der EG-Maschinenrichtlinie um- 2. Die Umsetzungsregelungen sollen im deutschen
fasse ca. 700 Maschinenarten, für die von europäischen Patentgesetz an geeigneter Stelle eingefügt wer-
Normungsgremien Lärmabschnitte in den Sicherheits- den, um zu betonen, dass es sich nur um eine spe-
normen dieser Maschinen erarbeitet würden. Mit der zifische Anpassung handelt.
normgerechten Ermittlung und Angabe der Ge-
räuschemissionswerte seiner Maschinen werde der (Fundstelle: BT-Drs. 15/1024 (neu) v.21.5.2003)
Hersteller verpflichtet, quantitative Aussagen zur
schalltechnischen Qualität seiner Produkte zu machen. ❖
Neben die Herstellerverantwortung für möglichst
geräuscharme Maschinen trete die Verantwortung des
Arbeitsgebers für die Arbeitsschutzbelange der Be- Die Regierungsfraktionen unterstützen
schäftigten: Im Bereich des Arbeitsschutzes habe der den Aktionsplan Verbraucherschutz der
Arbeitgeber nach den Bestimmungen des § 12 Arbeits- Bundesregierung
schutzgesetzes und der UVV „Lärm“ die Beschäftig-
ten, die in sog. Lärmbereichen tätig werden, angemes- Die Bundesregierung hat im Mai dieses Jahres den
sen über die damit verbundenen Gefahren für die Ge- „Aktionsplan Verbraucherschutz“ vorgelegt. Der
sundheit zu informieren. Dazu gehöre auch die Unter- Aktionsplan bündelt alle wichtigen Vorhaben auf Bun-
Bundestags- und Bundesratsdrucksachen 498 Umweltrechtsreport 7/2003

desebene, die Sicherheit, Rechte oder Schutzinteressen, den Deutschen Bundestag eingebracht. Dieser steht un-
Information und Wahlfreiheit der Verbraucher beim ter dem Motto „Umfassende Politik für Verbraucher
Kauf von Gütern und bei der Inanspruchnahme von - weg von einem engen Aktionsplan zum Schutz der
Dienstleistungen berühren. Die wichtigsten Inhalte des Verbraucher“.
Aktionsplanes haben wir in URR 6/2003 S. 414 darge-
Der Bundestag solle feststellen, dass die Bundes-
stellt.
regierung bis heute weder einer verbraucherpolitischen
Die Regierungsfraktionen von SPD und BÜNDNIS Strategie gefolgt sei, noch einen konkreten, ressort-
90/DIE GRÜNEN haben jetzt einen Entschließungs- übergreifendem Handlungsplan in die Tat umgesetzt
antrag zu dem Aktionsplan in den Deutschen Bundes- habe. Vielmehr habe sie seit der BSE-Krise fast aus-
tag eingebracht. Das Parlament solle danach die Breite schließlich im Bereich der Lebensmittelsicherheit rea-
der in dem Aktionsplan aufgeführten verbraucherpoli- giert, ohne jedoch ein umfassendes vorsorgendes Kon-
tischen Maßnahmen begrüßen. Der Deutsche Bundes- zept selbst nur für diesen Teilbereich vorzulegen. Die
tag werde die Umsetzung des Aktionplanes und weite- Umsetzung des „Aktionsplans Verbraucherschutz“ sei
rer Reformvorhaben mit verbraucherpolitischen As- unzureichend und werde den Erfordernissen des
pekten mit Nachdruck unterstützen und darauf achten, Verbraucherschutzes nicht gerecht.
dass die Position der Verbraucher hin zu gleichberech-
Vor diesem Hintergrund solle der Deutsche Bundestag
tigten Marktteilnehmern gestärkt werde.
beschließen, dass Verbraucherpolitik als Querschnitts-
Daneben solle der Bundestag feststellen, dass eine ak- aufgabe zu begreifen sei. Die alleinige Zuordnung zu
tive Verbraucherpolitik keine Belastung der Wirtschaft einem Fachressort habe sich nicht bewährt. Erforder-
mit sich bringe. Vielmehr seien Transparenz, ehrgeizi- lich sei deshalb eine Reorganisation der verwal-
ge Normen und Kundenvertrauen wichtige Vorausset- tungsseitigen Zuständigkeiten für Verbrau-
zungen dafür, dass sich Innovationen und neue Ange- cherpolitik. Daneben müssten die marktwirt-
bote durchsetzten, Kundenbindungen erhalten blieben schaftlichen Verfahren von Angebot und Nachfrage
und Exportchancen gesichert werden könnten. Dies gestärkt und die Markttransparenz gefördert werden.
stärke und sichere die Wirtschaftskraft Deutschlands. Privatwirtschaftliche Qualitäts- und Markenprogramme
Mangelnde Verbraucherorientierung hingegen könne sowie Selbstverpflichtung der Unternehmen zur Pro-
zu wirtschaftlichen Problemen wie massivem Kon- duktinformation seien besonders geeignet, ein hohes
sumverzicht führen. Verbraucherschutzniveau zu gewährleisten. Schließlich
solle die Stiftung Warentest in die staatliche Unabhän-
Schließlich soll der Bundestag die Bundesregierung
gigkeit entlassen und die Verbraucherpolitik in der EU
auffordern, insbesondere folgende Eckpunkte in die
und darüber hinaus besser abgestimmt werden.
angekündigte verbraucherpolitische Gesamtstrategie
einfließen zu lassen. Die Gesamtstrategie sollte (Fundstelle: BT-Drs. 15/1001)
· konsequent dem Leitbild des nachhaltigen Kon-
sums folgen, das Verbraucherschutz mit Wirt-
schaft und Ökologie kombiniert,
· sich an Prinzipien wie dem Verursacher- und dem
Vorsorgeprinzip, dem Prinzip der Wahlfreiheit
und dem Partnerschaftsprinzip ausrichten und
· dem Verbraucher ein Informationsrecht gewähren,
damit er seine Konsumentscheidungen eigenver-
antwortlich und bewusst treffen könne.
Abschließend solle der Bundestag feststellen, dass sich
Deutschland auf europäischer Ebene als Vorreiter in
Sachen Verbraucherschutz verstehe.
(Fundstelle: BT-Drs. 15/1007)

FDP: Besserer Verbraucherschutz durch


mehr Marktwirtschaft
Die FDP-Fraktion hat im Zusammenhang mit der Ver-
öffentlichung des „Aktionsplans Verbraucher-
schutz“ der Bundesregierung (siehe hierzu den Beitrag
in URR 6/2003 S. 414) einen Entschließungsantrag in
Umweltrechtsreport 7/2003 499 Rechtsprechungsübersicht

RECHTSPRECHUNGSÜBERSICHT
Die Rechtsprechungsübersicht berichtet über alle Ent- gung sowie die wesentliche Änderung solcher Anlagen
scheidungen deutscher Gerichte sowie des Euro- unterliege dem Genehmigungsverfahren nach dem
päischen Gerichtshofs, die eine nicht nur entfernt um- Bundesimmissionsschutzgesetz. Demnach sei das Bür-
weltrechtliche oder arbeitsschutzrechtliche Relevanz gerbegehren unzulässig. Das Bürgerbegehren sei auch
haben. nicht deshalb zulässig, weil es sich seiner Formulie-
rung nach nicht unmittelbar auf die Entscheidung über
die Errichtung einer der in § 31 Abs. 1 KrW-/AbfG ge-
Abfallrecht nannten Anlagen beziehe, sondern die Umformulie-
rung des Abfallwirtschaftskonzepts des Kreises anstre-
be. Hieraus könne nicht der Schluss gezogen werden,
§ 23 NWKreisO; §§ 5a, 7, 17, 18 NwabfG, §§ 19, 20, 21 das Begehren betreffe eine politische Vorfrage, die von
KrW-/AbfG, § 10 BImSchG der Entscheidung über Angelegenheiten im Sinne des §
23 Abs. 5 Nr. 5 NWKreisO zu trennen sei. Eine solche
Zur rechtlichen Beurteilung eines Trennung zwischen einer politischen Initiativenent-
Bürgerbegehrens zur Änderung des Ab- scheidung und der eigentlichen Sachentscheidung ent-
spräche schon nicht dem Ziel des von den Klägern ver-
fallwirtschaftskonzepts tretenen Bürgerbegehrens, da die Abkehr von der
Müllverbrennung zu Gunsten einer biologisch – me-
Der beklagte Kreistag beschloss 1993 eine Satzung ü- chanischen Abfallbehandlung nur im Wege eines förm-
ber das Abfallwirtschaftskonzept des Kreises W. Zu lichen Verwaltungsverfahrens zu erreichen sei.
den Zielsetzungen des Abfallwirtschaftskonzepts ge-
hörten unter anderem die thermische Behandlung der (Fundstelle: OVG Münster, Urt. v. 5. 2. 2002 – A
nicht wiederverwertbaren Restabfälle unter Nutzung 1965/99, NVwZ-RR, 6/2003, S. 448 ff.)
der entstehenden Energie und Wärme sowie der Errich-
tung einer Anlage zur Restmüllverbrennung. Im Jahre
1995 strengten die Kläger ein Bürgerbegehren mit der ❖
folgenden Fragestellung an: „ Soll die in der Satzung
über das Abfallwirtschaftskonzept des Kreises W vor- Art. 4 Abs. 3, Art, 7 Abs. 4 EG-AbfVerbrVO
geschrieben die thermische Abfallbehandlung gestri-
chen werden und zu Gunsten einer biologisch- Zur grenzüberschreitenden Abfall-
mechanischen (BMA) geändert werden ?“ Das Bür- verbringung
gerbegehren enthielt folgenden Kostendeckungsvor-
schlag: Eine BMA sei wesentlich preiswerter als die Die Klägerin ist Inhaberin eines Shredderbetriebs, in
bereist im Bau befindliche MVA. Mit den noch ausste- dem Altautos, Elektrogeräte und Elektronikgehäuse
henden Investitionen für den Bau der MVA lasse sich zerkleinert werden. 1995 reichte die Klägerin beim
der Bau einer kompletten BMA finanzieren. Ein be- Regierungspräsidium Notinfizierungsunterlagen für die
deutsamer Einspareffekt ergebe sich durch die weitaus Verbringung von Abfällen zur Verwertung nach Italien
geringeren Betriebskosten, besonders bei den sich ab- ein. Von August 1995 bis August 1996 sollten 3000 t
zeichnende sinkenden Müllmengen. Obwohl das erfor- der geshredderten Abfälle zu einer Firma in Italien ge-
derliche Unterschriftenquorum erreicht wurde lehnte bracht werden, um Metalle und Polyurethan-
der Kreistag die Feststellung der Zulässigkeit des Schaumstoffe zur stofflichen Verwertung zu gewinnen.
Bürgerbegehrens ab. Die auf Verpflichtung des Kreis- Hierbei sollten die Verwertungsverfahren R3 (PUR)
tages zur Feststellung der Zulässigkeit gerichtete Klage und R4 (Metalle) des Anhangs II b der Abfall-
blieb in beiden Instanzen erfolglos. rahmenrichtlinie (75/442/EWG) angewendet werden
Zur Begründung führte das OVG Münster aus, die Die Verwertungsquoten lagen nach Angaben der Klä-
Klage sei zulässig aber unbegründet. Dem Bürgerbe- gerin bei 3 % NE-Metallen, 7 % PUR und 5 % Fe. Der
gehren stehe § 23 Abs. 5 Nr. 3 NWKreisO entgegen. Warenwert wurde im Schnitt auf 55,50 DM/t geschätzt.
Hiernach seien Bürgerbegehren über Angelegenheiten Die gewonnen Metalle sollten als Rohstoffe eingesetzt
unzulässig, die im Rahmen eines Planfeststellungsver- werden, PUR-Schaumstoff zur Herstellung von
fahrens oder eines förmlichen Verwaltungsverfahrens Dämmplatten verwendet werden. Die nicht verwertba-
mit Öffentlichkeitsbeteiligung oder eines abfallrechtli- ren Reststoffe 85 % sollten in zugelassenen Deponien
chen, immissionsschutzrechtlichen, wasserrechtlichen entsorgt werden.
oder vergleichbaren Zulassungsverfahren zu entschei- Mit Bescheid vom 16. November erhob das Regie-
den seien. Dies sei hier der Fall. Die Errichtung und rungspräsidium Einwende gegen die geplante Verbrin-
der Betrieb ortsfester Abfallbeseitigungsanlagen zur gung und übersandte gleichzeitig die Notinfi-
Lagerung oder Behandlung von Abfällen zur Beseiti- zierungsunterlagen nebst Bescheid an die italienischen
Rechtsprechungsübersicht 500 Umweltrechtsreport 7/2003

Behörden. Das RP vertrat die Auffassung, der nicht


verwertbare Anteil der Abfälle sei zu hoch, so dass es Immissionsschutzrecht
sich hier insgesamt um Abfälle zur Beseitigung und
nicht zur Verwertung handele, der Vorgang stelle aus
wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten §§ 6, 8, 9 Abs. 3, 29b, 71 Abs. 2 LuftVG; §§ 49
keine Verwertung dar. Aus diesem Grund habe die Abs. 2, 75 Abs. 2 HessVwVfG
Klägerin das falsche Verfahren gewählt.
Die nach erfolglosem Widerspruch eingelegte Klage 1. Zur umfassenden luftverkehrsrechtli-
hatte in allen Instanzen Erfolg. chen Genehmigung des Flughafens
Frankfurt am Main
Zur Begründung führten die Richter aus, dass der
Sachbereich der grenzüberschreitenden Abfallver-
bringung durch Gemeinschaftsrecht, insbesondere 2. Zu Ansprüchen einer Anliegerkommu-
durch die Abfallverbringungsverordnung und die Ab- ne (hier: Stadt Offenbach) auf Reduzie-
fallrahmenrichtlinie bestimmt würde. Die Ansicht der rung von Flugverkehr (v.a. in den Nacht-
Beklagten, dass eine Abgrenzung nach der Haupt- stunden) und auf passiven Lärmschutz
zweckklausel des § 4 Abs. 3 KrW-/AbfG im Hinblick
auf Abfälle zur Verwertung und zur Beseitigung erfol- Die Stadt Offenbach begehrt eine spürbare Reduzie-
gen müsse greife nicht durch, da eine solche Konkreti- rung des Flugbetriebs über ihrem Stadtgebiet, v.a.
sierung des Gemeinschaftsrechts durch nationales durch Einschränkung des (Nacht-)Flugverkehrs und
Recht gegen Gemeinschaftsrecht verstoße. Im gemein- andere Lärmschutzauflagen. Sie macht geltend, daß für
schaftlichen Verbringungsrecht sei die Frage der Ein- den 15km entfernten Frankfurter Rhein-Main-
stufung als Abfall zur Beseitigung oder zur Verwer- Flughafens eine seinen gegenwärtigen Ausbauzustand
tung, die Einwandserhebung und das Notinfizierungs- rechtfertigende Planfeststellung nicht vorliege. Eine
verfahren abschließend geregelt. Die Fälle, in denen Abwägung in einem förmlichen luftverkehrs-
ein Mitgliedstaat gegen eine innergemeinschaftliche rechtlichen Verfahren und eine Anhörung der betroffe-
Abfallverbringung Einwende erheben könnte, seien für nen Kommunen habe – trotz Ausweisung mehrerer
zur Beseitigung bestimmte Abfälle in Art. 4 Abs. 3 neuer Wohngebiete seitens der Stadt Offenbach – nicht
EG-AbfVerbrVO und für zur Verwertung bestimmte stattgefunden. Der VGH Kassel wies die Klage ab.
Abfälle in Art, 7 Abs. 4 EG-AbfVerbrVO abschließend
geregelt. Die Verordnung stelle ein harmonisiertes Sys- Das Gericht betonte zwar, daß Anliegergemeinden bei
tem von Verfahren bereit, mit denen der Umlauf der Abwägungsfehlern möglicherweise in ihrem Selbst-
Abfälle begrenzt werden könne, um den Schutz der verwaltungsrecht (Art. 28 Abs. 2 GG) verletzt und da-
Umwelt sicherzustellen. mit klagebefugt sein könnten. Es stellte aber klar, daß
der Betrieb des Flughafens Frankfurt am Main in vol-
Gegen den innergemeinschaftlichen Export eines zur lem Umfang luftverkehrsrechtlich genehmigt sei und
Verwertung notinfizierten Abfallverbundes der Gelben verwies dabei insbesondere auf die der (Ausbau-) Ge-
Liste, von dem im Bestimmungsland vor der Beseiti- nehmigung von 1966 nachfolgende Planfeststellung
gung des Restabfalls ein Teil verwertet werden solle, von 1971. Die Klägerin müsse sich die Bestandskraft
dürfe die Behörde nicht den Einwand des falschen Ver- dieses Planfeststellungsbeschlusses entgegenhalten las-
fahrens erheben. sen. Darin sei i.ü. schon damals die Lärmsituation in
(Fundstelle: BVerwG 7 C 1.02) Offenbach als "kritisch" angesehen worden. Da entge-
gen der Ansicht der Klägerin der Flughafen seitdem
nicht wesentlich erweitert oder geändert worden sei
(§ 6 Abs. 4 Luftverkehrsgesetz [LuftVG]), habe es kei-
ner Anpassung der Genehmigung bedurft. Die Ent-
wicklung müsse nämlich nach Art und Umfang des ge-
nehmigten Betriebs, nicht des faktisch vorhandenen,
beurteilt werden. Die bloß gesteigerte Kapazität eines
uneingeschränkt (auch für die Nachtstunden) geneh-
migten Flugplatzes genüge nicht. Die Ausnutzung ei-
ner solchen umfassenden Genehmigung dürfe lediglich
die Grenze einer Grundrechtsverletzung nicht über-
schreiten. Diese liege hier nicht vor.
Fluglärmbetroffene könnten gegenüber rechtskräftig
planfestgestellten Verkehrsflughäfen grundsätzlich nur
Planergänzungsansprüche gemäß § 75 Abs. 2 S. 2-4
HessVwVfG (Hessisches Verwaltungsverfahrens-
gesetz) geltend machen. Durchsetzbar sei – bei unvor-
hergesehenen Wirkungen des Vorhabens – in erster
Umweltrechtsreport 7/2003 501 Rechtsprechungsübersicht

Linie nur passiver Lärmschutz in Form verbesserter mehr erforderlich, dass die Genehmigung den Gegens-
Schallisolierung an Gebäuden. Das Verhältnis von ak- tand genau bezeichne, was hier nicht geschehen sei.
tivem und passivem Lärmschutz habe in § 41 Bundes- Diese Unbestimmtheit könne auch nicht durch den
Immissionsschutzgesetz (BImSchG) nur für Straßen Rückgriff auf eine Prognose der Schallemission des-
und Schienenwege eine spezielle Ausgestaltung erfah- selben Windkraftanlagentyps beseitigt werden, denn
ren. Aktiver Lärmschutz, etwa in Form von betriebli- diese Prognose sei nicht Bestandteil der konkreten
chen Einschränkungen des Nachtflugverkehrs, könne Baugenehmigung. Die TA-Lärm bestimme einen
nur ausnahmsweise unter hohen Voraussetzungen be- nächtlichen Grenzwert von 45 dB(A). Dieser werde
ansprucht werden. Neben den Anforderungen des § 49 zwar im Betrieb mit der geringsten Nutzung eingehal-
Abs. 2 HVwVfG dürften dann auch nachträgliche ten. Dass der maßgebliche Grenzwert etwa auch bei
Schutzauflagen nicht ausreichen, um Gefahren für einem Betrieb der Windenergieanlage mit dem höchs-
grundrechtlich geschützte Rechtsgüter zu begegnen. ten Schallleistungspegel eingehalten werden könne, sei
Ein solcher Teilwiderruf der Flughafenplanfeststellung nicht anzunehmen.
komme als ultima ratio i.d.R. auch bei unzumutbarem
Darüber hinaus hätte der Antrag der Ast. aber selbst
Nachtfluglärm nicht in Betracht. Dieser Lärm lasse
dann Erfolg, wenn man die Baugenehmigung so ver-
sich erfahrungsgemäß durch (verbesserte) Schallisolie-
stehen wollte, dass sie sich nur auf die in der Schall-
rung an Gebäuden in den Schlafräumen so weit verrin-
immissionsprognose zugrunde gelegte schallreduzierte
gern, daß eine Gefährdung der menschlichen Gesund-
Betriebsweise beziehe. Wenn man einen Spielraum für
heit nicht zu besorgen sei. § 29b LuftVG verdeutliche
die Genauigkeit der Prognose mit einkalkuliere, so er-
zudem die generelle Zulässigkeit des Nachtflugs.
gebe sich, dass die Schallbelastung am Wohnhaus den-
(Fundstelle: VGH Kassel, Urt. v. 2.4.2003 – 2 A noch über dem maßgeblichen Grenzwert liege. Diese
2646/01 [unveröffentlicht]) Möglichkeit werde dadurch verstärkt, dass nach den
Angaben in der Prognose zudem noch eine Messunsi-
cherheit berücksichtigen müsse. Es müsse vielmehr
❖ gewährleistet sein, dass die Schallemissionsgrenzwerte
ab Beginn der Inbetriebnahme der Anlage tatsächlich
§ 80a Abs.1 VwGO; § 37 VwVfG; TALärm 1998 eingehalten würden.
(Fundstelle: OVG NRW, Beschl. v. 6.8.2002, Az. 10 B
Sind für eine Windenenergieanlage 939/02; NWVBl. 6/2003, S. 214)
verschiedene Betriebsweisen mit unter-
schiedlich hohen Schallleistungspegeln

möglich, so muss die Baugenehmigung
die genehmigte Betriebsweise regeln
§§ 146 Abs. 4 a. F., 124 Abs. 2 Nrn: 1 u 5 VwGO;
Die Betreiberin von Windenergieanlagen (Beigel.) er- § 35 Abs. 1 Nr. 6 u. 3 Nr.3 BauGB
wirkte bei der zuständigen Baubehörde (Ag.) die Bau-
genehmigung für drei Anlagen. Die im Baugenehmi- Blinklicht einer Windenergieanlage
gungsverfahren überreichten Spezifikationen der Anla-
gen wiesen je nach Nutzungsgrad eine unterschiedlich Das OVG Greifswald war mit der Frage betraut, ob das
hohe Schallleistung aus. Je höher die Nutzung der An- bauplanungsrechtliche Gebot der Rücksichtnahme
lage, desto höher war auch die Schallemission. Eine durch Lichtemissionen eines Gefahrenfeuers an einer
der Anlagen sollte in einem Abstand von deutlich unter Windenergieanlage verletzt ist.
300 m von dem Wohnhaus der Antragsteller (Ast.) er- Das VG war zuvor davon ausgegangen, dass eine un-
richtet werden. Die Ast. wandten sich mit ihrem An- zumutbare Beeinträchtigung des Antragstellers (Ast.)
trag gegen die Erteilung der Baugenehmigung. Das zu- durch die blinkenden Rundstrahlfeuer „höchst unwahr-
ständige Verwaltungsgericht lehnte diesen ab. Die da- scheinlich“ sei. Dieser Auffassung trat das OVG bei.
gegen erhobene Beschwerde hatte Erfolg.
Bei Beurteilung dieser Frage könne nicht von einer all-
Das Oberverwaltungsgericht war der Auffassung, dass gemeingültigen Formel ausgegangen werden, vielmehr
das Interesse der Ast. von dem Vollzug der Bauge- müssten die speziellen Umstände des Einzelfalls be-
nehmigung verschont zu bleiben, dem Interesse der trachtet werden. Die Schutzwürdigkeit der Grundstü-
Beigel. an der sofortigen Ausnutzung der Baugeneh- cke sei maßgeblich durch ihre Lage im oder an der
migung sprich dem Baubeginn überwiege; die Bau- Grenze zum Außenbereich bestimmt. Eigentümer sol-
genehmigung verletze mithin die Nachbarrechte der cher Grundstücke müssten von vorneherein mit Verän-
Ast. Das Gericht führte aus, dass die zugunsten der derungen der Umgebung rechnen. Es sei daher hin-
Beigel. erteilte Baugenehmigung gegen das in nehmbar, so das Gericht, wenn durch im Außenbereich
§ 37 Abs.1 Verwaltungsverfahrensgesetz niedergelegte gem. § 35 Abs. 1 Nr. 6 BauGB privilegiert zulässige
Bestimmtheitsgebot verstoße. Es sei nicht ersichtlich, Bauwerke, nachts kein freier Blick auf den abgedun-
dass die Genehmigung die maßgeblichen Schallleis- kelten Außenbereich besteht.
tungspegel für die drei Anlagen festlege. Es sei viel-
Rechtsprechungsübersicht 502 Umweltrechtsreport 7/2003

Weiterhin sei zu berücksichtigen, dass die Gefahren- vom kindlichen Spielen bis zum berufsmäßigen Leis-
feuer nicht in erster Linie der Verkehrssicherheit der tungssport erfasse. Kleinräumige Anlagen, der hier in
Luftfahrt dienen. Soweit Wohn- oder Schlafräume der Rede stehenden Art, die ausschließlich für die körper-
Ast. nachts oder während der Dämmerung erhellt wür- liche Freizeitbetätigung von Kindern bis zum Alter von
den, könne dies ohne großen Aufwand vermindert oder 14 Jahren bestimmt seien, könnten nicht als Sportanla-
ganz ausgeschlossen werden. Eine durch den Lichtein- gen i.S. der Verordnung eingeordnet werden. Die Be-
fall verminderte Nutzbarkeit der Gartenflächen der Ast. schreibung des Anwendungsbereichs der Verordnung
dürfte die grenze des Zumutbaren nicht überschreiten. sowie die in § 3 vorgesehenen Maßnahmen ließen er-
kennen, dass sich der Verordnungsgeber am Leitbild
(Fundstelle: OVG Greifswald, Beschl. v. 23. 9. 2002 –
einer Sportanlage orientiert hat, die dem Vereinsport,
3 M 89/01; UPR 6/2003, S. 232f.)
Schulsport oder vergleichbar organisiertem Freizeit-
sport diene. Die Verpflichtung des Betreibers, be-
❖ stimmte Anforderungen an Lautsprecheranlagen und
ähnliche technische Einrichtungen zu beachten, Vor-
kehrungen zur Minderung des von Zuschauern verur-
§ 1 Abs. 2 , § 3 18. BImSchV; § 3 Abs. 5 Nr. 1 BImSchG sachten Lärms zu treffen sowie An- und Abfahrtswege
und Parkplätze durch Maßnahmen betrieblicher und
Zur immissionsschutzrechtlichen Beur- organisatorischer Art lärmmindernd zu gestalten, passe
teilung von Skate- und Bolzplätzen nicht auf kleinräumige Anlagen, die auf regelmäßig
unorganisierte, ohne nennenswerte Beteiligung von
Die Klägerin ist Betreiberin eines Bolz– und Skateplat- Zuschauern sattfindenden körperlich- spielerischen
zes. Mit ihrer Klage wendet sie sich gegen die Ertei- Aktivitäten von Kindern zugeschnitten seien.
lung von ´Maßgaben des Beklagten zur Einhaltung ei-
nes Lärmimmissionswertes von 52 dB (A) bezogen auf (Fundstelle: BVerwG - 7 B 88.02)
das Wohngrundstück der Beigeladenen.
Die Klage hatte in allen Instanzen Erfolg. Auch die
Beschwerde der Beigeladenen gegen die Nichtzu- Planungsrecht
lassung der Revision blieb erfolglos. Die Beschwerde
war auf die Klärung der Frage gerichtet, ob Skateanla-
gen und Bolzplätze Sportanlagen i. S,. der Sportanla- § 1 Abs. 3, 4, § 1a Abs. 2 Nr. 2, § 8 Abs. 2 S. 1 BauGB
genlärmschutzverordnung (18. BImSchV) seien. Das
Bundesverwaltungsgericht vertrat die Auffassung diese Zur Reichweite des Anpassungsgebotes
Frage rechtfertige nicht die Zulassung der Revision gemäß § 1 Abs. 4 BauGB, wenn ein Be-
wegen grundsätzlicher Bedeutung. Im Sinne des § 1 bauungsplan einem Regionalplan wi-
Abs. 2 der 18. BImSchV. derspricht
Weiterhin führten die Richter aus, eine generelle An-
wendung der Sportanlagenlärmschutzverordnung auf 1995 erließ die Antragsgegnerin (Ag.) einen Be-
Skate- und Bolzplätze komme nicht in Betracht, viel- bauungsplan, in dem eine Stadtentlastungstraße zwi-
mehr bleibe dies der Einzelfallüberprüfung vorbe- schen zwei Stadtteilen der hessischen Stadt Kronberg
halten. Die unmittelbare Anwendung der Sportanlagen- im Taunus ausgewiesen wurde. Im Regionalplan Süd-
lärmschutzverordnung setze voraus, dass der in Rede hessen ist die Straßenplanung nicht enthalten, im später
stehende Bolz- und Skateplatz im Sinne des § 1 Abs. 2 erlassenen Flächennutzungsplan des Umlandverbands
der 18. BImSchV zur Sportausübung bestimmt sei. Frankfurt hingegen schon. Diesbezüglich hatte das Re-
Dies sei aufgrund der tatsächlichen Feststellungen der gierungspräsidium (RP) der Ag. mitgeteilt, daß aus
Verwaltungsgerichtshofs zu verneinen, ohne das es Sicht der Raumordnung und der Landesplanung bzgl.
hierfür eines Revisionsverfahrens bedürfe. Nach der der Abweichung von dem Regionalplan keine Beden-
Würdigung der Vorinstanz stehe die Anlage aufgrund ken gegen die Straßenplanung bestünden. Das betroffe-
ihrer Zweckbestimmung, ihres Benutzerkreises und ne Gebiet befindet sich zudem in dem Landschafts-
ihres Zuschnitts einem Kinderspielplatz näher als ei- schutzgebiet „Taunus“. Hierfür erteilte das RP der Ag.
nem Sportplatz. eine landschaftsschutzrechtliche Ausnahmegenehmi-
gung. Die Antragsteller (Ast.) als ortsansässige Grund-
Nach der Legaldefinition des § 1 Abs. 2 der 18. stückseigentümer strengten gegen den Bebauungsplan
BImSchV seien Sportanlagen ortsfeste Einrichtungen ein Normenkontrollverfahren vor dem Verwaltungs-
im Sinne des § 3 Abs. 5 Nr. 1 BImSchG, die zur Sport- gerichtshof (VGH) Kassel an und hatten Erfolg. Die
ausübung bestimmt seien. Damit würde zwar die Not- Revision der Ag. vor dem Bundesverwaltungsgericht
wendigkeit der Zweckbestimmung der Anlage für den (BVerwG) führte zur Aufhebung des Urteils des VGH
Sport hervorgehoben, der immissionsschutzrechtliche und zur Zurückverweisung der Sache an diesen.
Sportbegriff jedoch nicht definiert. § 1 Abs. 2 der 18
BImSchV gebe nichts dafür her, dass er sämtliche Er- Zur Begründung führt das BVerwG zunächst aus, daß
scheinungsformen körperlich-spielerischer Aktivität ein Bebauungsplan zwar nichtig sein könne, wenn sei-
Umweltrechtsreport 7/2003 503 Rechtsprechungsübersicht

nem Vollzug rechtliche oder tatsächliche Gründe ent- § 35 Abs. 3 S. 3 BauGB, § 7 Abs. 4 S. 1 Nr. 1, 2 ROG,
gegen stünden. Ein naturschutzrechtliches Bauverbot Art. 14 GG
aufgrund einer Landschaftsschutzverordnung könne
einen rechtlichen Hinderungsgrund darstellen. Dieser Um die Ausschlußwirkung des § 35
läge jedoch nicht vor, wenn eine Befreiung für die ge- Abs. 3 S. 3 BauGB herbeizuführen, müs-
plante Nutzung in Betracht käme. Im Gegensatz zum sen die einzelnen Teilfortschreibungen
VGH erachtet das BVerwG hierbei die von dem RP
erteilte Ausnahmegenehmigung als verbindlich und
eines Regionalplans ein schlüssiges und
verneinte das Vorliegen eines rechtlichen Hinderungs- gesamträumliches Gesamtkonzept erken-
grundes. nen lassen.
Danach erörtert das Gericht das Verhältnis des Anpas-
Der Antragsteller (Ast.) plant im Geltungsbereich des
sungsgebots gem. § 1 Abs. 4 BauGB zu dem Entwick-
Regionalen Raumordnungsplans Mittelrhein-
lungsgebot gem. § 8 Abs. 2 S. 1 BauGB. Es stellt dabei
Westerwald 1988 (Raumordnungsplan) die Errichtung
fest, daß das Anpassungsgebot unabhängig von der
einer Windenergieanlage mit einer Nabenhöhe von
Raumbedeutsamkeit eines Vorhabens für alle Bauleit-
70,5 m, einer Leistung von 1000 KW und einem Rotor-
pläne gelte. Nach Auffassung des BVerwG kann sich
durchmesser von 54 m. Durch eine Teilfortschreibung
die Ag. nicht darauf berufen, daß der Bebauungsplan
des Raumordnungsplans wurden 18 Vorranggebiete
im Einklang mit dem Entwicklungsgebot aus dem Flä-
mit insgesamt ca. 200 ha und 11 Vorbehaltsgebiete mit
chennutzungsplan entwickelt worden sei, um damit ei-
ca. 200 ha ausgewiesen. Außerhalb dieser Gebiete soll
nen Verstoß gegen das Anpassungsverbot von vorn-
die Errichtung von Windparks und raumbedeutsamen
herein auszuschließen. Widerspreche nämlich ein Flä-
Windenergieanlagen regelmäßig unzulässig sein. Das
chennutzungsplan einem Regionalplan - nicht aber
Gebiet des Ast. befindet sich nicht innerhalb der Vor-
dessen raumordnerischen Zielen -, bestünde insoweit
rang- oder Vorbehaltsgebiete. Aus diesem Grund lehn-
kein bauleitplanerischer „Bestandsschutz“. Wegen des
te die zuständige Behörde den Bauantrag des Ast. ab.
Vorrangs der Raumordnung müsse in diesem Fall das
Widerspruch, Klage vor dem Verwaltungsgericht (VG)
Entwicklungsgebot hinter das Anpassungsgebot zu-
Koblenz und Berufung vor dem Oberverwaltungs-
rücktreten. Ein Verstoß gegen das Anpassungsgebot sei
gericht (OVG) Koblenz blieben erfolglos. Die Revision
deswegen trotz Beachtung des Entwicklungsgebots
vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hatte
möglich.
Erfolg und führte zur Zurückverweisung an das OVG.
Nach Auffassung des BVerwG können jedoch durch
Das BVerwG führt zunächst aus, daß es sich bei der
die überörtliche Gesamtplanung nicht eigene Ziele
geplanten Windenergieanlage um ein privilegiertes
festgesetzt werden, welche die sich aus dem Natur-
Außenbereichsvorhaben nach § 35 Abs. 1 Nr. 6 Bauge-
schutzrecht ergebenen Ziele überlagerten oder er-
setzbuch (BauGB) handele. Dessen Zulässigkeit hänge
setzten. Die Reichweite von Verboten oder die Zuläs-
gemäß § 35 Abs. 3 S. 3 BauGB davon ab, daß dem
sigkeit von Ausnahmen richte sich nach den einschlä-
Vorhaben keine öffentlichen Belange entgegenstünden,
gigen Natur- und Landschaftsschutzverordnungen.
zu denen auch die Ausweisung an anderer Stelle als
Hier sei die vom RP erteilte Ausnahmegenehmigung
Ziele der Raumordnung gehöre.
maßgeblich gewesen, durch die ein Verstoß gegen das
Anpassungsgebot wegen des Vorrangs des Land- Das Gericht befaßt sich anschließend mit den Voraus-
schaftsschutzes ausgeschlossen wäre. setzungen für einen wirksamen Ausschluß. Für eine
solche Negativausweisung müsse der Plan ge-
Auch wenn die Straßenplanung dem Ziel der Regio-
währleisten, daß die betroffenen Vorhaben sich an ei-
nalplanung - Ausweisung eines regionalen Grünzugs
ner anderen Stelle gegenüber anderen Nutzungen be-
an dieser Stelle – widerspreche, könne ein Verstoß ge-
haupten könnten. Insofern sei ein schlüssiges Ge-
gen das Anpassungsgebot durch konkrete Ausgleichs-
samtkonzept vonnöten, das den Anforderungen des
und Ersatzmaßnahmen verhindert werden. Der Ge-
planungsrechtlichen Abwägungsgebots genüge. Es be-
meinde stünde insoweit ein weiter Gestaltungs-
stünde zwar keine Verpflichtung des Plangebers, die
spielraum zu. Bei den Ermittlungen der Belange von
Windenergienutzung stets bestmöglich zu berücksichti-
Natur und Landschaft seien typisierende Betrachtungen
gen. Jedoch dürfe es nicht zu einer „Verhinderungspla-
und das Zurückgreifen auf allgemeine Erfahrungen
nung“ kommen.
nicht von vornherein ausgeschlossen.
Das BVerfG stimmt dem Ast. dahin gehend zu, daß bei
(Fundstelle: BVerwG, Urt. v. 30.1.2003 – Az. 4 CN
mehreren Teilfortschreibungen des Raumordnungs-
14.01)
plans eine Ausschlußwirkung erst eintreten könne,
wenn sich darin ein vollständiges und ausgewogenes
Gesamtkonzept erkennen ließe.
Dem Einwand des Ast., die Planung verstoße gegen
das Protokoll von Kyoto und gegen die Richtlinie
2001/77/EG zur Förderung der Stromerzeugung aus er-
neuerbaren Energiequellen im Elektrizitätsbinnen-
Rechtsprechungsübersicht 504 Umweltrechtsreport 7/2003

markt, begegnet das Gericht mit dem Hinweis auf die §§ 6 Abs. 4, 8 Abs. 4, 29b Abs. 1 LuftVG; §§ 2 Abs. 2, 3
mangelnde völkerrechtliche Verbindlichkeit des Proto- Abs. 3 ROG a. F.
kolls und die noch laufende Umsetzungsfrist bzgl. der
Richtlinie. Es sei dem Ast. zwar zuzustimmen, daß die Kein Drittschutz aus Raumordnungs-
Klimaschutzziele bei einer großzügigeren Ausweisung gründen
von Gebieten zur Windenergienutzung vermutlich
schneller erreicht werden könnten. Jedoch führe dies Das Gebot der Verringerung von Fluglärm nach § 29 b
nicht zu einer fehlerhaften Abwägung hinsichtlich der Abs. 1 S. 2 LuftVG erreiche nach Auffassung des Ge-
Standortausweisung. richts nicht den höchsten Grad der Verbindlichkeit ei-
Unbestritten seien private Rechtsträger an der Teilfort- nes Erfordernisse im Sinne eines „Zieles“. Die Richter
schreibung nicht beteiligt worden. Jedoch folge daraus lehnen eine strikte, die Möglichkeit einer Abwägung
nicht, daß der Plan gegenüber diesen keinerlei Auswir- ausschließende Auslegung der Vorgabe des § 29 b
kungen haben dürfte. In die raumordnerische Abwä- Abs. 1 S. 2 LuftVG ab. Einer abschließenden Beurtei-
gung müsse der Plangeber auch private Belange einbe- lung bedarf es nach Meinung der Richter im vorliegen-
ziehen, soweit diese für die Planung von Bedeutung den Fall nicht.
seien. Sollte es dabei zu einer Beeinträchtigung der Das Gericht ist weiterhin der Auffassung, dass die
Nutzungsmöglichkeiten des Eigentümers kommen, Grundsätze der Raumordnung in Regionalplänen je-
müsse der Eigentümer dies hinnehmen. Aus Art. 14 denfalls aus der Zeit vor In-Kraft-Treten des neuen
Abs. 1 GG folge kein Recht auf einträglichste Nutzung Raumordnungsgesetzes von 1997 keine Schutzwirkung
des Eigentums. Vor einer unzumutbaren Beschränkung zugunsten Dritter entfalten können.
werde der Eigentümer durch § 35 Abs. 3 S. 3 BauGB
selbst geschützt, da dieser Ausnahmen von dem regel- Raumordnung sei in erster Linie ihrem Wesen nach
mäßigen Ausschluß erlaube. Eine solche unzumutbare Ordnung des Raumes und daher eine öffentliche Auf-
Beschränkung vermag das Gericht bei dem Ast. jedoch gabe. Allenfalls in zweiter Linie kann sie die Gewäh-
nicht zu erkennen. rung subjektiver Rechte an Dritte zum Inhalt haben.
Der regionale Planungsverband konnte nach damalig
Zum Vorwurf der Verhinderungsplanung führt das geltendem Recht gar nicht festlegen, dass seine Vorga-
BVerwG aus, daß es bei einem übergemeindlichen Pla- ben auch den Flughafenanwohnern unmittelbar Rechte
nungskonzept möglich wäre, einen oder mehrere ge- verleihen sollte, so die Richter. Dies folge zum einen
meindliche Außenbereiche für die Windenergienut- aus der Überleitungsvorschrift in § 23 Abs. 1 ROG n.
zung zu sperren, wenn dies zur einheitlichen und über- F., wonach am 1.1.1998 in Aufstellung befindliche
gemeindlichen Lenkung der Errichtung von Windkraft- raumbedeutsame Planung nach dem bisherigen Gesetz
anlagen notwendig wäre. Darin sei keine Verhinde- zu beurteilen sind und damit erst recht die zu diesem
rungsplanung zu sehen. Bei der erforderlichen Bilan- Zeitpunkt bereits aufgestellten Pläne. Ein Drittschutz,
zierung von Positiv- und Negativausweisung dürften soweit er nach dem neuen Recht überhaupt möglich
dann jedoch die Vorbehaltsgebiete i.S.v. § 7 Abs. 4 sei, könnte der Vorgabe daher nur durch einen Rechts-
S. 1 Nr. 2 Raumordnungsgesetz (ROG) nicht als Posi- akt des regionalen Planungsverbands seit 1998 beige-
tivausweisung gewertet werden. In Vorbehaltsgebieten legt worden sein. Ein solcher Rechtsakt sei hingegen
sei nicht gewährleistet, daß sich die betroffenen Vorha- nicht ersichtlich.
ben gegenüber anderen Nutzungen durchsetzten, da
eine Abwägung mit anderen Belangen zu ihrem Nach- (Fundstelle: VGH München, Urt. V. 3. 12. 2002 – 20A
teil ausfallen könne. Insofern seien als Positivaus- 01.40019; UPR 6/2003, S. 235f.)
weisung grundsätzlich nur Vorrang- und Eignungs-
gebiete geeignet. Das OVG habe die Vorbehaltsgebiete
als Positivausweisung gewertet und deswegen ein gro-
bes Mißverhältnis zwischen Positiv- und Negativaus-
Umweltrecht allgemein
weisung verneint. Das BVerwG vermag nicht auszu-
schließen, daß das OVG ohne diese Bewertung anders
§ 98 VwGO; §§ 415 Abs. 1, 418 ZPO
entschieden hätte, so daß es den Rechtsstreit an das
OVG zurückverwies. Zur Beweiskraft eines Untersuchungsbe-
(Fundstelle: BVerwG, Urt. v. 13.3.2003 – Az. 4 C 4.02) richts eines privaten Instituts als öffentli-
che Urkunde i.S.d. § 98 VwGO i.V.m.
§ 418 Abs. 1 ZPO
Der Kläger begehrt die Aufhebung eines an ihn gerich-
teten Abwasserabgabenbescheides. Die zuständige Be-
hörde des beklagten Landes Hessen ging bei der Be-
rechnung von bestimmten Schadstoffparametern aus.
Diese beruhten jedoch nicht auf eigenen Feststellungen
der Behörde. Die Entnahme der Wasserproben führten
Umweltrechtsreport 7/2003 505 Rechtsprechungsübersicht

beauftragte Sachverständige des (privaten) Instituts X erstoffbedarf") eine Abbaurate von 87% auferlegte.
durch, die auch das Ergebnisprotokoll verfaßten. Das Der Kläger hält die Abwasserabgabe für zu hoch und
erstinstanzlich angerufene VG Frankfurt sah dieses beruft sich dabei auf § 9 Abs. 5 S. 2 HessAbwAG 1987
Protokoll als öffentliche Urkunde i.S.d. § 98 Verwal- (Hessisches Abwasserabgabengesetz). Hiernach ist ei-
tungsgerichtsordnung (VwGO) i.V.m. §§ 415 Abs. 1, ne weitergehende (als die bereits im Bescheid berück-
418 Zivilprozeßordnung (ZPO) an. Infolge dessen be- sichtigte) Ermäßigung des Abgabesatzes möglich,
gründe der Inhalt der Urkunde den vollen Beweis der wenn "die allgemein anerkannten Regeln der Technik
darin bezeugten Tatsachen. Dem Kläger gelang der übertroffen werden." § 9 Abs. 5 HessAbwAG 1987
ihm nach dieser Ausgangslage obliegende Gegenbe- verweist auf § 7a Abs. 1 WHG 1986. Die letztgenannte
weis nicht. Sein Antrag auf Zulassung der Berufung Norm ermächtigt zum Erlaß von allgemeinen Verwal-
war aber vor dem VGH Kassel erfolgreich, da der tungsvorschriften über Mindestanforderungen, die den
VGH Kassel ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des allgemein anerkannten Regeln der Technik entspre-
erstinstanzlichen Urteils (§ 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) chen. In der einschlägigen 22. Abwasserverwaltungs-
hatte. vorschrift (AbwasserVwV) ist für CSB eine Abbaurate
von (nur) 75% festgelegt. Der VGH Kassel gab dem in
Im vorliegenden Fall könne die Vorschrift des § 418
1. Instanz noch unterlegenen Kläger Recht: der Be-
Abs. 1 ZPO wegen § 418 Abs. 3 ZPO nicht angewen-
klagte hätte nur den nochmals reduzierten Abgabensatz
det werden. Es bestehe keine landesrechtliche Rege-
fordern dürfen. Der Beklagte wurde zudem antragsge-
lung, nach der die Beweiskraft des Unter-
mäß zur Folgenbeseitigung, d.h. zur Rückerstattung der
suchungsprotokolls der Behörde von deren eigener
zuviel geforderten Abgaben verurteilt.
Wahrnehmung abhängig sei. Damit erstrecke sich der
Beweiswert dieser öffentlichen Urkunde nicht auf die Die Mindestanforderungen, die den allgemein aner-
darin festgehaltenen Schadstoffwerte. Auch das Institut kannten Regeln der Technik entsprächen, ergäben sich
X selbst erfülle nicht die Voraussetzungen des § 415 ausschließlich aus den nach § 7a Abs. 1 WHG 1986
Abs. 1 ZPO: es sei weder eine öffentliche Behörde erlassenen Verwaltungsvorschriften, hier also der 22.
noch eine mit öffentlichem Glauben versehene Person. AbwVwV. Da der Einleitebescheid diese Anforderun-
Dem beklagten Land komme daher keine Beweiser- gen erhöhe, müßte die Abwasserabgabe nach § 9
leichterung zu, so daß das Ergebnis der Beweis- Abs. 5 S. 2 HessAbwAG auch weiter verringert wer-
würdigung weiterhin offen und klärungsbedürftig blei- den. Der VGH Kassel sah es abgabenrechtlich als un-
be. erheblich an, ob der Abwassereinleiter im Einzelfall
eine höhere Abbaurate erreichen könne. Dies ergebe
(Fundstelle: VGH Kassel, Beschl. v. 8.5.2003 – 5 UZ
sich aus Wortlaut und Systematik des § 9 HessAb-
186/03 [unveröffentlicht])
wAG. Der 22. AbwVwV komme eine normkonkreti-
sierende Funktion zu, da sie die unbestimmten Rechts-
begriffe durch Grenzwerte ausfülle und damit für die
Wasserrecht Gesetzesanwendung und –auslegung Bindungswirkung
entfalte. Ebenfalls irrelevant sei eine etwaige schärfere
ordnungsrechtliche Verpflichtung zum Einsatz der je-
§ 9 Abs. 5 S. 2 HessAbwAG 1987; § 7a Abs. 1 weils bestmöglichen Abwasserbehandlungs- und –
WHG 1986; 22. AbwasserVwV vermeidungsmaßnahmen. Die "Erläuterungen und Hin-
weise" zur 22. AbwVwV seien nur in diesem Sinne zu
Der Maßstab der allgemein anerkannten verstehen. Eine konkret-individuelle Ermittlung der
Regeln der Technik i.S.d. § 9 Abs. 5 S. 2 allgemein anerkannten Regeln der Technik wäre zu-
dem der Vereinfachung des Gesetzesvollzugs und der
HessAbwAG 1987 beurteilt sich allein Verringerung des Verwaltungsaufwandes abträglich.
nach den Grenzwerten der 22. Abwas- Der Abgabepflichtige müsse für seine zusätzlichen, mit
serVwV i.V.m. § 7a Abs. 1 WHG 1986; ob Mehrkosten verbundenen Maßnahmen zur Schadstoff-
der Abwassereinleiter im Einzelfall eine verringerung belohnt werden. Bei der vom Beklagten
höhere Abbaurate von Schadstoffen er- vertretenen Auslegung wäre ihm dieser Anreiz aber
genommen und eine uneinheitliche Rechtsanwendung
reichen kann, ist ordnungsrechtlich, aber die Folge. Außerdem würde man dann gegen den ab-
nicht abgabenrechtlich relevant gabenrechtlichen Grundsatz der Normenklarheit und
Bestimmtheit verstoßen.
Streitgegenstand des Berufungsverfahrens vor dem
VGH Kassel ist die Höhe einer Abwasserabgabe. Das (Fundstelle: VGH Kassel, Urt. v. 26.2.2003 – 5 UE
klagende abwassereinleitende Unternehmen focht ei- 2304/01 [unveröffentlicht])
nen entsprechenden Abgabenbescheid des Regierungs-
präsidiums Darmstadt aus dem Jahre 1989 teilweise an.
Der Abgabenbescheid beruht auf dem Einleitebescheid
der Behörde, die dem Kläger u.a. bzgl. des Schadstoff-
parameters CSB ("oxidierte Stoffe im chemischen
Sauerstoffbedarf") eine Abbaurate von 87% auferlegte.
Rechtsprechungsübersicht 506 Umweltrechtsreport 7/2003

§ 1 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. c) HGruwAG, Art. 3 GG, § 16, derlichen und anderen Grundwasserentnahmen bestün-
77 HWG de keine Vergleichbarkeit. Vielmehr sei die Befreiung
von der Abgabepflicht bei Sanierungsbedürftigkeit
Die Vorschrift des § 1 Abs. 2 Nr. 1 sachlich gerechtfertigt, da bei dieser der Lenkungs-
Buchst. c) HGruwAG befreit bei Grund- zweck der Abgabe nicht erreicht werden könne.
wasserentnahmen, die von der zuständen (Fundstelle: VGH Kassel, Beschl. v. 3.4.2003 – Az. 5
Wasserbehörde nach § 16 oder § 77 TG 2223/01)
Abs. 2 HWG angeordnet oder genehmigt
wurden oder denen diese zugestimmt hat ❖
(Sanierungen), ohne zusätzliche Voraus-
setzungen von der Grundwasserabgaben- Art. 14 Abs. 1 GG; § 19 WHG; Art. 87 Abs. 2 BayWG; §
pflicht. Derartige Zusatzvoraussetzungen 86 Abs. 2 VwGO
lassen sich auch nicht im Wege der Aus-
legung begründen. Zur Verfassungsgemäßheit von § 19
WHG
Die Antragstellerin (Ast.) entnimmt aufgrund einer be-
hördlichen wasserrechtlichen Verfügung aus mehreren Die Antragsteller (Ast.) wenden sich mit ihren Nor-
Brunnen mit chlorierten Kohlenwasserstoffen belaste- menkontrollanträgen gegen eine Rechtsverordnung,
tes Grundwasser zu Sanierungszwecken. Sie nutzt ei- durch die das Landratsamt M. ein Wasserschutzgebiet
nen Teil des Wassers zur eigenen betrieblichen im Interesse einer bereits bestehenden Anlage der öf-
Brauchwasserversorgung und führt das restliche fentlichen Wasserversorgung festgesetzt hat. Der Ver-
Grundwasser einem Vorfluter zu. Hinsichtlich des be- waltungsgerichtshof (VGH) München hat die Normen-
trieblich genutzten Wassers setzte das Regierungsprä- kontrollanträge als unbegründet abgelehnt und die Re-
sidium (RP) Darmstadt 1998 eine Grundwasserabgabe vision gegen sein Urteil nicht zugelassen. Das
fest. Gegen diesen Bescheid erhob die Ast. Wider- BVerwG hält die dagegen eingelegte Beschwerde der
spruch und beantragte bei dem Verwaltungsgericht Ast. ebenfalls für unbegründet.
(VG) Darmstadt erfolglos die Anordnung der aufschie- Die Ast. hielten für klärungsbedürftig, ob § 19 WHG
benden Wirkung des Widerspruchs. Der daraufhin an- an den Anforderungen zu messen ist, die das BVerfG
gerufene Verwaltungsgerichtshof (VGH) Kassel hob zur Verfassungsmäßigkeit von Regelungen entwickelt
die Entscheidung des VG auf und gab dem Antrag hat, die Inhalt und Schranken des Eigentums gem.
statt. § 14 Abs. 1 S. 2 GG bestimmen, und ob § 19 WHG
Der VGH Kassel führt zur Begründung aus, daß der diesen Bestimmungen genügt.
Bescheid des RP offensichtlich gegen § 1 Abs. 2 Nr. 1 Weiterhin halten die Ast. § 19 WHG deshalb für ver-
Buchst. c) Hessisches Grundabwasserabgabengesetz fassungsrechtlich bedenklich, weil diese Vorschrift in
(HGruwAG) verstoße. Aus dieser Vorschrift ergebe ihrem Abs. 3 zwar die Möglichkeit eines finanziellen
sich, daß die Entnahme von Grundwasser aufgrund be- Ausgleichs vorsieht, nicht aber die Möglichkeit einer
hördlicher Verfügung von einer Abgabepflicht befreit Befreiung von den Geboten und Verboten einer Was-
sei. Diese Befreiung werde unabhängig davon gewährt, serschutzgebietsverordnung in den Fällen, in denen de-
ob das entnommene Grundwasser nach Sanierung wie- ren Anwendung zu einer Härte für den Betroffenen
der zugeleitet werde oder nicht. Eine Ausnahme für führt. Das Gericht ist der Auffassung, dass diese Be-
betrieblich genutztes Grundwasser vermag das Gericht denken ohne Durchführung eines Revisionsverfahrens
weder aus dem Wortlaut noch aus der Entstehungs- zerstreut werden können. Der Gesetzgeber müsse bei
geschichte des Gesetzes abzuleiten. Auch läßt sich der Bestimmung von Inhalt und Schranken des Eigen-
nach Auffassung des VGH keine Ausnahme von der tums im Sinne von Art. 14 Abs. 1 S. 2 GG die schutz-
Befreiung aus dem Sinn und Zweck der Vorschrift ent- würdigen Interessen des Eigentümers und die Belange
nehmen. Lenkungszweck der Abgabepflicht sei die des Gemeinwohls in einen gerechten Ausgleich und ein
Verringerung von Grundwasserentnahmen. Bei verun- ausgewogenes Verhältnis bringen. Ob die konkreten
reinigtem Grundwasser ließe sich dieser Zweck jedoch Wasserschutzgebietsverordnung hinreichende Vorkeh-
gar nicht verwirklichen, da das Wasser aufgrund der rungen gegen zumutbare Belastungen des Eigentümers
Verunreinigung zwangsläufig zu Sanierungszwecken trifft und hierzu ausreichende Möglichkeiten von Aus-
entnommen werden müsse. Die Abschöpfung eines e- nahmen und Befreiungen vorsieht, sei keine Frage der
ventuell vorhandenen Kostenvorteils der Ast. durch die Verfassungsmäßigkeit der Ermächtigungsgrundlage,
betriebliche Nutzung des sanierungsbedürftigen Was- sondern der Verfassungsmäßigkeit der Rechts-
sers sei vom Lenkungszweck der Abgabepflicht nicht verordnung, so die Richter. Die streitige Rechtsverord-
erfaßt. nung enthält nach den Feststellungen des VGH Vor-
Eine Pflicht zur Abschöpfung eines solchen Vorteils schriften über Ausnahmen und Befreiungen von den in
ergibt sich nach Ansicht des Gerichts auch nicht aus ihr enthaltenen Geboten und Verboten. Daher begegne
Art. 3 Abs. 1 GG. Zwischen sanierungsbedingt erfor- es keinen rechtlichen Bedenken, wenn § 19 Abs. 3
Umweltrechtsreport 7/2003 507 Rechtsprechungsübersicht

WHG für die dennoch verbleibenden unzumutbaren


Belastungen des Eigentümers einen Ausgleich in Geld
vorsieht.
Ebenso traten die Richter den verfassungsrechtlichen
Bedenken der Ast. gegen die Ermächtigungsgrundlage
nicht bei. Die Ast. sind der Auffassung, dass § 19 Abs.
3 WHG nicht die Voraussetzungen dafür schaffe, dass
die Verwaltung bei der Aktualisierung der Eigentums-
beschränkung zugleich über den gegebenenfalls erfor-
derlichen Ausgleich in Geld zumindest dem Grunde
nach entscheide. Der Eigentümer sei hingegen nicht
gezwungen, gegen den entschädigungspflichtigen Ho-
heitsträger einen möglichen Ausgleichsanspruchs aus
§ 19 Abs. 3 WHG gerichtlich vor den dafür zuständi-
gen ordentlichen Gerichten geltend zu machen, so die
Richter.
(Fundstelle: BVerwG, Beschl. V. 15. April 2003 - 7 BN
4.02; VGH 22 N 01.2625)
Beiträge und Aufsätze in Zeitschriften 508 Umweltrechtsreport 7/2003

BEITRÄGE UND AUFSÄTZE IN ZEITSCHRIFTEN


Der Umweltrechtsreport wertet derzeit 45 juristische Sicherheitsleistungen für Abfallentsor-
Fachzeitschriften aus, die Aufsätze und Beiträge von gungsanlagen und Entsorgungsdienstleis-
umweltrechtlicher oder arbeitsschutzrechtlicher Re-
levanz enthalten. Jeder Artikel wird mit seinem Origi- tungen
naltitel und einer Zusammenfassung des wesentlichen
Inhalts vorgestellt. Anläßlich der am 1.8.2002 in Kraft getretenen Depo-
nieverordnung (DepV) befassen sich die Autoren mit
den verschiedenen gesetzlichen Möglichkeiten, den
Betreibern von Entsorgungsunternehmen Sicherheits-
Abfallrecht leistungen aufzuerlegen.
Den ersten Teil ihres Beitrags widmen die Verfasser
den Sicherheitsleistungen für Deponien. Sie gehen ins-
Anwendungsprobleme der Versatzver- besondere auf das Zusammenspiel von § 32 Abs. 3
ordnung KrW-/AbfG, § 19 DepV und den europarechtlichen
Vorgaben aus der Richtlinie 1999/31/EG über Abfall-
deponien (Deponierichtlinie) ein. Dabei diskutieren sie,
Begemann und Becker beschäftigen sich in ihrem Auf-
inwiefern den Behörden bei der Entscheidung über das
satz mit der Verordnung über den Versatz von Abfäl-
Verlangen einer Sicherheitsleistung ein Ermessen zu-
len unter Tage und zur Änderung von Vorschriften
steht. Nach Ausführungen zur Höhe der Sicherheits-
zum Abfallverzeichnis, der sog. Versatzverordnung
leistung unter Berücksichtigung des Sicherungszwecks
(VersatzV).
untersuchen die Autoren verschiedene Möglichkeiten
Im ersten Teil wird der Anwendungsbereich der Ver- zur Erbringung der Sicherheitsleistung. Schließlich ge-
satzV untersucht. Problematisch ist hierbei v.a., ob die hen sie auf die Anpassung der Sicherheitsleistung auf-
VersatzV nur Abfälle oder auch Produkte erfaßt, die grund geänderter Umstände ein und zeigen Unterschie-
spezifisch für den untertägigen Bergbau hergestellt de zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Betrei-
wurden. Die insofern einschlägigen §§ 1, 2 und 4 Ver- bern auf.
satzV werden von den Verfassern nach Wortlaut, Sys-
In dem zweiten Teil ihres Aufsatzes zeigen Beckmann
tematik sowie Sinn und Zweck der Regelung ausge-
und Gesterkamp auf, unter welchen Voraussetzungen
legt. Anschließend prüfen sie die Rechtmäßigkeit der
die Behörden eine Sicherheitsleistung für Langzeitla-
VersatzV. Dabei geht es zunächst um das Bestehen ei-
ger gemäß § 12 BImSchG und § 16 DepV verlangen
ner gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage. Es wird
können. Dabei berücksichtigen sie besonders den Si-
dargelegt, daß sich ein Großteil der Regelungen der
cherungszweck.
VersatzV nicht auf die Rechtsgrundlagen des Kreis-
laufwirtschafts- und Abfallgesetzes (KrW-/AbfG) stüt- Gegenstand der Untersuchung des dritten Teils sind die
zen läßt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf § 7 behördlichen Möglichkeiten, gemäß § 12 und § 17
Abs. 1 und 2 KrW-/AbfG und deren Verhältnis zuein- Abs. 4a BImSchG Sicherheitsleistung bei sonstigen
ander (§ 7 Abs. 2 KrW-/AbfG als vorrangige lex speci- Entsorgungsanlagen zu fordern. Die Verfasser rücken
alis ?). Begemann und Becker werfen auch die Frage hierbei die von der Behörde zu berücksichtigenden ver-
auf, ob die Verordnungsadressaten durch die VersatzV fassungsrechtlichen Vorgaben in den Mittelpunkt, die
in ihrem Eigentumsgrundrecht (Art. 14 Abs. 1 GG) sich aus dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz hinsicht-
verletzt sind. Die Erforderlichkeit einzelner Vorschrif- lich der wirtschaftlichen Handlungsfreiheit der Betrei-
ten der VersatzV wird angesichts der einzuhaltenden ber ergeben.
Grenzwerte und der Ausnahmeregelungen angezwei-
felt. Gleiches gilt für die Verhältnismäßigkeit der Ü- In dem letzten Teil ihrer Abhandlung diskutieren die
bergangsregelungen, v.a. mangels Bestimmtheit. Verfasser die Voraussetzungen nach § 14 VOL/A, un-
ter denen die Behörde Bietern im Rahmen des Auf-
Vor einem abschließenden Fazit wird die VersatzV tragsverfahrens eine Sicherheitsleistung auferlegen
noch an den europarechtlichen Anforderungen gemes- können. Dabei untersuchen sie vor allem die Recht-
sen. Die Regelungen der Verordnung erscheinen be- mäßigkeit der behördlichen Praxis, regelmäßig eine
sonders mit Blick auf die Warenverkehrsfreiheit Sicherheitsleistung bei der Vergabe öffentlicher Auf-
(Art. 28 EG-Vertrag), der auch Abfälle unterfallen, be- träge zu verlangen. Anschließend gehen sie darauf ein,
denklich. wann die Sicherheitsleistung zurückzugeben ist und
welche Konsequenzen ein Verstoß gegen § 14 VOL/A
Arndt Begemann/Arnd Becker
seitens der Behörde hat.
(Fundstelle: NVwZ 6/2003, S. 675 ff.)
Martin Beckmann und Stefan Gesterkamp
(Fundstelle: UPR 6/2003, S. 206)
Umweltrechtsreport 7/2003 509 Beiträge und Aufsätze in Zeitschriften

Novellierung des Niedersächsi- Abfallgebühren im Widerstreit zwischen


schen Abfallgesetzes Unternehmensinteressen und Erfüllung
öffentlicher Aufgaben
Am 1. Januar 2003 ist die Novelle des Niedersächsi-
schen Abfallgesetzes (NAbfG) in Kraft getreten. Her- Einführend erläutert Herbert Wiesemann in seinem
bert Freese und Wolfgang Kix stellen in ihrem Beitrag Aufsatz den Tätigkeitsbereich der kommunalen Kör-
die wichtigsten Änderungen des Gesetzes vor. Ergän- perschaften sowie der privatwirtschaftlichen Unter-
zend hierzu werden stets Informationen über die Inten- nehmen auf dem Gebiet der Abfallentsorgung. An-
tion des Gesetzgebers sowie über die bisherige Rechts- schließend behandelt er die Interessen und Ziele, die
lage im Vergleich zur nunmehr gültigen Fassung des die Unternehmen auf der einen Seite und die Gemein-
Regelwerks vermittelt. den auf der anderen Seite im Rahmen der Abfallbesei-
Zunächst erörtern die Autoren die Änderungen des § 6 tigung verfolgen. Im Falle der Gemeinden erörtert er
des NAbfG, der die Landkreise zu den öffentlich- dabei zum einen deren wirtschaftliche Betätigung
rechtlichen Entsorgungsträgern bestimmt. Neu hieran durch ihren Auftritt am Markt, zum anderen deren
ist Absatz 3 der Vorschrift, der abweichend von der Bestreben nach Umsatzsteigerung durch eine Steige-
allgemeinen Vorschrift des Zweckverbandsgesetzes die rung der Entsorgungsleistungen und der Übernahme
Möglichkeit des Abschlusses von Zweck- des kaufmännischen Rechnungswesens.
vereinbarungen der öffentlichrechtlichen Entsorgungs- In einem weiteren Abschnitt seines Beitrags beschreibt
trägern erweitern soll. der Autor die öffentlichen Aufgaben der Abfall-
Ferner wird über die einzelnen Änderungen der gebüh- beseitigung und deren Konflikt zu den Interessen der
renrechtlichen Vorschriften berichtet, die wichtige Unternehmen. Abschließend bietet er einen Lösungs-
Klarstellungen enthalten und für mehr Sicherheit bei weg für die sich gegenüberstehenden Positionen an.
der Gebührenerhebung sorgen sollen. Hierzu zählt ins- Herbert Wiesemann
besondere die Neuregelung des § 12 Abs.2 Satz 4
NAbfG. Die Vorschrift bestimmt nunmehr klar, dass (Fundstelle: KStZ 6/2003, S.109 ff.)
alle abfallwirtschaftlichen Anlagen, einschließlich der
stillgelegten Anlagen, solange diese der Nachsorge be- ❖
dürfen, gebührenrechtlich eine Einrichtung bilden.
Auch die Änderungen bezüglich der ansatzfähigen
Kosten von Deponien im Sinne des § 5 NKAG werden Batterien sollen nicht mehr in den Haus-
im Bericht berücksichtigt. Zur Verdeutlichung der Ge- müll gelangen
bührenkalkulation, also in welchem Stadium welche
Kosten anfallen, ist ein Schaubild eingefügt. Am 30. 4. 2003 hat das Bundeskabinett ein zweites
Einen weiteren Schwerpunkt des Beitrags der Verfas- Programm zur Verminderung der Umweltbelastungen
ser bilden die Erläuterungen über die Neuregelungen aus Batterien beschlossen. Damit wird die entspre-
zur Festlegung des Gebührenmaßstabes. Vor dem Hin- chende EU-Richtlinie umgesetzt. Mit dem Programm
tergrund der bisherigen Gesetzesfassung des § 3a soll die Verminderung von Schwermetallen in Batte-
NAbfG wird das Äquivalenzprinzip näher begründet, rien erreicht werden, außerdem sollen Batterien künftig
wonach die Gebührensätze in keinem krassen Missver- nicht mehr in den Hausmüll gelangen.
hältnis zu der von der öffentlichen Gewalt gebotenen In diesem Beitrag wird das neue Programm vorgestellt
Leistung stehen dürfen. In diesem Zusammenhang und die wesentlichen Änderungen skizziert. Außerdem
wird zudem gezeigt, wie die Kriterien des Mindestbe- gibt der Beitrag aktuelle Zahlen in Bezug auf den
hältervolumens und der Grundgebühren für die Kalku- Stand des Recyclings und der Entsorgung von Batte-
lation zu verstehen sind. rien.
Abschließend streifen die Autoren inhaltlich den aus (Fundstelle: Umweltbrief 6/2003, S. 4)
dem ursprünglichen Gesetzentwurf herausgetrennten
Teil der Schiffsabfallentsorgung, der erst am 1. Februar
2003 in Kraft getreten ist. Es werden kurz die Berüh- ❖
rungspunkte mit dem NAbfG skizziert und die Ziele
dieses Änderungsgesetzes vorgestellt.
Hersteller müssen Elektroschrott künftig
Herbert Freese, Wolfgang Kix kostenlos zurücknehmen
(Fundstelle: NdsVBl. 6/2003, S.145)
Das Bundesumweltministerium beabsichtigt den Erlass
einer Verordnung zur Umsetzung zweier EU-
Richtlinien zum Umgang mit Elektro- und Elektronik-
Altgeräten, welche seit Februar 2003 in Kraft sind.
Beiträge und Aufsätze in Zeitschriften 510 Umweltrechtsreport 7/2003

Beabsichtigt ist, dass Verbraucher ihre ausgedienten Teil seines Beitrags zur modernen Arbeitssytem-
Elektro- und Elektronikgeräte künftig kostenlos an die gestaltung verdeutlicht Müller, daß die diesbezüglichen
Hersteller zurückgeben können. Die Herstellen werden Anforderungen an den einzelnen Arbeitnehmer in
in die Pflicht genommen für die Behandlung und Ver- jüngster Zeit deutlich gestiegen sind.
wertung von Altgeräten zu sorgen und bestimmte Ver-
Die Gründe hierfür sieht er in der Einführung neuer
wertungs- und Recyclinganforderungen zu erfüllen. In
Arbeits- und Organisationsformen, bei denen der
diesem Beitrag werden die Ziele und Inhalte der neuen
Schwerpunkt immer mehr auf Eigenverantwortung und
Verordnung vorgestellt. Außerdem wird der Zeitplan
Selbständigkeit liegt. Nach einer Definition des "Ar-
der vollständigen Umsetzung der Richtlinie aufgezeigt.
beitsschutzwissens" werden – graphisch veranschau-
(Fundstelle: Umweltbrief 6/2003, S. 4) licht – die technischen, organisatorischen und personel-
len Komponenten einer menschen- und umweltgerech-
ten Arbeitssystemgestaltung beschrieben. Die einzel-
❖ nen Komponenten werden dabei noch näher erläutert.
Der Verfasser spricht sich für eine Einbeziehung mög-
Abfallwirtschaft im Umbruch: Energie lichst vieler in den aktiven Bereich des Arbeitsschutz-
wissens aus. Das Strukturmodell der geeigneten exper-
aus Abfall tenzentrierten Arbeitsschutzorganisation, die der Ar-
beitgeber nach § 3 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) zu
Das Land Brandenburg hat eines neues Konzept zur schaffen hat, wird in Wort und Bild erklärt. Es folgt ein
Abfallwirtschaft v6rgestellt´. Ab dem Jahr 2005 sollen Überblick über Vorschriften des ArbSchG, die durch
demnach alle Siedlungsabfälle vor der Deponierung Wissen, Können und Verhalten der Beschäftigten staat-
behandelt werden und die Deponien mit einer Basisab- lich gesteuert zur Risikovermeidung beitragen sollen.
dichtung versehen werden. Außerdem soll erreicht Hinsichtlich der Stärkung der Eigen- und Mitverant-
werden, dass verwertbare Bestandteile des Restabfalls wortlichkeit der Mitarbeiter sind dies v.a. die §§ 15-17
stofflich und energetisch genutzt werden. ArbSchG; die Pflichten des Arbeitgebers finden sich
In diesem Beitrag wird das neue Konzept des Ministe- vorwiegend in §§ 4, 7, 9, 12 und 14 ArbSchG. Müller
riums für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raum- wendet sich abschließend einzelnen Gruppen innerhalb
ordnung Brandenburg vorgestellt und erörtert. eines Betriebes und ihren Aufgaben beim praktischen
Arbeitsschutzvollzug zu. Neben Arbeitgebern, sonsti-
(Fundstelle: Umweltbrief 6/2003, S. 2) gen verantwortlichen Personen und Beschäftigten wird
auch auf Sicherheitsbeauftragte, befähigte Personen,
❖ Betriebsärzte sowie Fachkräfte für Arbeitssicherheit
eingegangen.
Manfred Müller
Verbände äußern sich zur Verpackungs-
novelle (Fundstelle: Sicherheitsingenieur 6/2003, S. 18 ff.)

Im Bundesumweltministerium hat am 10. 4. 2003 eine



Anhörung zur Novelle der Verpackungsverordnung
stattgefunden, zu der etwa 100 Verbände des Handels,
der Industrie sowie Umwelt- und Verbraucherorganisa- Betriebssicherheits-Verordnung
tionen eingeladen waren. Dieser Beitrag stellt die Er-
gebnisse der Anhörung vor und gibt die Standpunkte Schliephackes Beitrag zur Betriebssicherheits-
der einzelnen Interessengruppen wieder. Weiterhin verordnung (BetrSichV) richtet sich v.a. an die Fach-
wird der aktuelle Stand der Novellierung der Pfandre- kräfte für Arbeitssicherheit in den Betrieben.
gelungen für Einweg-Getränkeverpackungen beschrie-
ben. Eingangs stellt der Verfasser mit den §§ 18, 19 Ar-
beitsschutzgesetz (ArbSchG) die Rechtsgrundlagen der
(Fundstelle: Umweltbrief 6/2003, S. 1 f.) BetrSichV vor, die am 27.9.2002 in Kraft getreten ist.
Es folgen die wesentlichen Ziele der Rechts-
verordnung. Angestrebt wird ein umfassendes Schutz-
Arbeitsschutz konzept, das Regelungen vereinfachen und Doppelre-
gelungen beseitigen soll. Letztlich soll die Eigenver-
antwortung des Arbeitgebers gestärkt werden. Bei den
wesentlichen inhaltlichen Aussagen wird neben dem
Sind die Beschäftigten für Arbeits-, Ge- neu eingeführten Begriff der "befähigten Person" auf
sundheits- und Umweltschutz gerüstet ? die Arbeitgeber- und Betreiberpflichten hingewiesen.
Diese wurden konkretisiert bzw. vereinheitlicht.
Wissen um Arbeitsschutz ist die Basis für mehr Si-
cherheit, Gesundheits- und Umweltschutz. Im ersten Im folgenden beschreibt Schliephacke die Auswirkun-
gen auf die betriebliche Praxis. Dabei geht es in erster
Umweltrechtsreport 7/2003 511 Beiträge und Aufsätze in Zeitschriften

Linie darum, inwieweit die neuen "Technischen Re- Erfahrungsaustausch von Lehrgangsträ-
geln", die vom "Ausschuß für Betriebssicherheit" gern und Dozenten für die Fort- und
(AfB) aufgestellt werden, zwingend zu befolgen sind.
Was künftig von den Unfallversicherungsträgern be- Weiterbildung vonn Koordinatoren nach
achtet werden muß, ist Gegenstand des nächsten Ab- Baustellenverordnung (BaustellV)
schnitts. Problematisch ist hier das Verhältnis der
BetrSichV zu den weiterhin bestehenden Regelungs- Der Beitrag berichtet über den Erfahrungsaustausch
werken wie z.B. dem ArbSchG und besonders den BG- des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit
(Unfallverhütungs-) Vorschriften. Hinweise auf mögli- (BMWA) und der BAuA, der sich mit der Frage be-
che Probleme der Unfallversicherungsträger mit der schäftigte, welche Anforderungen an die Lehrgangs-
BetrSichV runden den informativen Aufsatz ab. So träger zu stellen sind.
sind etwa Schwierigkeiten kompetenzrechtlicher Art Zunächst wurden die Aktivitäten nachgezeichnet, die
bei der Zusammenarbeit des AfB mit den berufsgenos- zur erfolgreichen Umsetzung der BaustellV ergriffen
senschaftlichen Fachausschüssen zu erwarten. wurden. In weiteren Beiträgen wurde ein Überblick
Jürgen Schliephacke über die Arbeit des ASGB und die von diesem Gremi-
um entwickelte RAB skizziert. Dabei kristallisierte
(Fundstelle: Sicherheitsingenieur 6/2003, S. 12 ff.) sich heraus, dass das Niveau der Lehrgänge sehr unter-
schiedlich ist.
❖ Im Zentrum der Podiumsdiskussion standen u. a. die
Möglichkeiten der Qualitätssicherung der Lehrgänge
und die notwendige Weiterbildung der Koordinatoren.
Das Sicherheitsdatenblatt – Instrument
des Arbeitsschutzes Einhellig waren die Teilnehmer der Meinung, dass
weitere Erfahrungsaustausche zukünftig stattfinden
In seinem Bericht befaßt sich der Autor mit dem Si- sollten.
cherheitsdatenblatt, das von Zulieferern gefährlicher (Fundstelle: Amtliche Mitteilungen der Bundesanstalt
Stoffe und Zubereitungen anzufertigen und den Ver- für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 1/2003, S. 18)
wendern der Produkte zu übergeben ist. Er weist dabei
auf eine Untersuchung der Aufsichtsbehörden der Bun-
desländer im Jahre 2000 hin, die die Sicherheitsdaten- ❖
blätter aus 395 Betrieben ausgewertet haben.
(Fundstelle: Amtl. Mitt. der BA f. Arbeitsschutz u. Ar- Das Störfallrecht entwickelt sich weiter –
beitsmedizin 1/2003, S. 11) Mehr Betriebe sind betroffen

❖ Die Störfallrichtlinie 96/82/EG des Rates zur Beherr-


schung von Gefahren bei schweren Unfällen, die sog.
Seveso-II-Richtlinie vom 9. Dezember 1996 bzw. de-
Das Störfallrecht entwickelt sich weiter – ren deutsche Umsetzung, die Störfallverordnung vom
Mehr Betriebe sind betroffen 16. April 2000, wird einige grundlegende Änderungen
erfahren. Mitte diesen Jahres soll eine Überarbeitung
Der Autor weist in seinem Bericht auf die bevor- und Verschärfung der Richtlinie erfolgen. Grund für
stehende Änderung der 12. BImSchV (Störfallverord- die Änderungen sind die Auswirkungen einiger
nung) sowie die ihr zugrundeliegenden Richtlinie schwerwiegender Industrieunfälle der letzten Jahre, die
96/82/EG zur Beherrschung der Gefahren bei schweren eine Ausweitung und Änderung der Richtlinie
Unfällen (Seveso-II-Richtlinie) hin. Er zeigt dabei auf, erforderlich machen.
daß sich der Anwendungsbereich der Seveso-II-Richt- In diesem Beitrag werden der Hintergrund und der
linie bei bestimmten Aufbereitungsmethoden und ex- Zweck der Änderungen dargestellt und die wesentli-
plosionsgefährlichen Stoffen erweitern und die Eintei- chen Punkte der beabsichtigten Änderungen skizziert.
lung der Stoffgruppen insb. der umweltgefährlichen
Stoffe ändern wird. (Fundstelle: Der Umweltbeauftragte 6/2003, S. 5)
(Fundstelle: Umweltbeauftragter 6/2003, S. 5)
Beiträge und Aufsätze in Zeitschriften 512 Umweltrechtsreport 7/2003

Atomrecht Chemikalien- und Gefahr-


stoffrecht
Betriebsgenehmigung für Forschungsre-
aktor München II erteilt
Alle Jahre wieder
Das Bundesumweltministerium hat die Zustimmung
zur Inbetriebnahme des Forschungsreaktors München Die Pflicht zur Erstellung eines Jahresberichts wirft für
II erteilt. die zuständigen Gefahrgutbeauftragten immer wieder
neue Fragen auf. In diesem Beitrag gibt der Verfasser
In dem Beitrag werden das Genehmigungsverfahren eine Hilfestellung im Hinblick auf die zu beachtenden
und die mit der Erteilung der Genehmigung verbunde- Punkte bei der Erstellung des Jahresberichts. Insbeson-
nen Auflagen knapp skizziert. dere geht er hierbei auf die Problematik des Empfangs
von Gefahrgütern in Unternehmen ein und erörtert in
(Fundstelle: Umweltbrief 6/2003, S. 6)
diesem Zusammenhang die wichtigsten Vorschriften
des Gefahrgutbeförderungsgesetzes und der Gefahr-
gutbeauftragtenverordnung.
Bodenschutzrecht Weiterhin geht er auf die wesentlichen Punkte ein, die
der Jahresbericht des Gefahrgutbeauftragten in jedem
Fall enthalten muss.
Zur Begrenzung der Zustandshaftung bei
Ulrich Mann
Altlasten
(Fundstelle: Der Gefahrgutbeauftragte 6/2003 S. 1 f.)
Hellmuth Mohr berichtet in seinem Beitrag über die
Rechtsprechung des BVerfG im so genannten Kanin-
chenfall. Dem Prozess lag der Erwerb eines Grund-
stücks zugrunde, auf dem ein Unternehmen Hutstoffe Immissionsschutzrecht
aus Kaninchenfell hergestellt und dabei die Felle mit
chlorierten Kohlenstoffen entfettet hatte. Die hierdurch
verursachte Verunreinigung des Bodens wurde erst Mobilfunkanlagen zwischen Rechtsstreit,
nach dem Grundstückserwerb festgestellt. Die Sanie- Vorsorge und Selbstverpflichtung
rungsaufwendungen überstiegen den Verkehrswert des
Grundstückes um ein Mehrfaches. Die Errichtung von Mobilfunkanlagen stößt bei An-
Der Autor geht zunächst auf die Prozessgeschichte ein. wohnern aufgrund der befürchteten Strahlenbelastung
Hierbei erörtert er insbesondere die Ausführungen der vielfach auf Widerstand. Wahlfels beschäftigt sich in
Vorinstanzen zur Verhältnismäßigkeit der Heran- ihrer Abhandlung mit den rechtlichen Grundlagen die-
ziehung eines Grundstückerwerbers zur Sanierung von ser Thematik.
Altlasten, von denen er beim Kauf keine Kenntnis hatte Zunächst wird über die einschlägigen Grenzwerte der
und deren Beseitigung seine wirtschaftlichen Möglich- 26. BImSchV (Bundes-Immissionsschutzverordnung)
keiten überschreiten. Als rechtliche Grundlage zieht er und staatliche Pflichten zu einer weitergehenden Vor-
dabei § 4 Abs. 3 des Bundes-Bodenschutz-Gesetzes sorge informiert. Es folgt ein Überblick über die ver-
(BBodSchG) heran. Im Anschluss hieran gibt der Ver- schiedenen mit dem Mobilfunk befaßten Behörden ein-
fasser die Entscheidung des BVerfG wieder, die sich schließlich ihrer jeweiligen Prüfungskompetenz: Regu-
im Schwerpunkt mit der Zumutbarkeit von Belastun- lierungsbehörde für Telekommunikation und Post,
gen auseinandersetzt, die den Verkehrswert eines Bau- und Immissionsschutzbehörden, Bundesamt für
Grundstücks überschreiten. Strahlenschutz und kommunale Verwaltung. Anschlie-
Abschließend behandelt Hellmuth Mohr offengeblie- ßend gibt die Autorin einen Überblick über Möglich-
bene Fragen. Die erste Frage befasst sich mit der Mög- keiten und Grenzen des Rechtsschutzes, die das Öf-
lichkeit einer Haftungsbeurteilung des Erwerbers nach fentliche (Bau-)Recht in diesem Zusammenhang bietet.
dem Grad seines Verschuldens. Dabei setzt er sich im Gesetzesverstöße kann nur der betroffene Nachbar gel-
Besonderen damit auseinander, welches Verhalten tend machen; ein Begriff, der im Baurecht anders ver-
Fahrlässigkeit begründen kann. Die zweite Frage be- standen wird als im Immissionsschutzrecht. Bei der
trifft die Bestimmung des Verkehrswerts von Prüfung der bauplanungsrechtlichen Zulässigkeit nach
Grundstücken, die nicht in einem räumlichen Zusam- §§ 29 ff. Baugesetzbuch (BauGB) veranschaulicht
menhang stehen. Wahlfels, warum Mobilfunkanlagen in reinen Wohn-
gebieten grundsätzlich unzulässig sind. Die Bauge-
Hellmuth Mohr nehmigungspflicht hängt von der Größe des zu errich-
tenden Antennenmastes ab und greift später auch für
(Fundstelle: NVwZ 6/2003, S. 686 ff.)
Umweltrechtsreport 7/2003 513 Beiträge und Aufsätze in Zeitschriften

bestimmte Nutzungsänderungen. Die eingeschränkten Er geht dabei zunächst auf Änderungen im Anwen-
Möglichkeiten, gegen Mobilfunkanlagen außerhalb dungsbereich und bei den Begriffsbestimmungen ein.
von reinen Wohngebieten vorzugehen (d.h. in allge- Anhand einer Tabelle erläutert er schließlich die neuen
meinen Wohngebieten, Misch- und Gewerbegebieten Anforderungen an die Emissionen je nach Anlagen-
sowie im Außenbereich), werden im nächsten Ab- kategorie und Abfallanteil an der Feuerungswärme-
schnitt ausführlich besprochen. leistung.
Daneben können Anwohner – mit ähnlich geringen Er- Markus Gleis
folgsaussichten – auch den Zivilrechtsweg beschreiten.
(Fundstelle: Umweltbeauftragter 6/2003, S. 7)
Dort wird v.a. Unterlassung, Beseitigung und Scha-
densersatz begehrt. Es geht aber auch um Ansprüche
auf Mietminderung. Wahlfels setzt angesichts dieser ❖
Ausgangslage auf die Vorteile der seit Ende 2001 ab-
geschlossenen Selbstverpflichtungen der Mobilfunk-
betreiber. Hiermit sollen Rechtsstreitigkeiten vermei- Der Immissionsteil der neuen TA-Luft
den werden, indem sie für mehr Transparenz und
Kommunikation mit Gemeinden und Bürgern sorgen. Der Immissionsteil der neuen TA-Luft konkretisiert
wie bereits das Kapitel 2 der alten TA-Luft die Anfor-
Annette Wahlfels derungen, die zum Schutz vor schädlichen Umwelt-
(Fundstelle: NVwZ 6/2003, S. 653 ff.) einwirkungen durch Luftverunreinigungen an
industriellen und gewerblichen Anlagen zu stellen sind.

❖ Peter Bruckmann erläutert in seinem Beitrag die Im-


missionswerte und weist auf ihre Herkunft und Ablei-
tung hin. Hierzu legt er zunächst die neuesten Erkennt-
Zur 13. BImSchV – Normierung von nisquellen und Richtlinien offen, die zu einer Überar-
Stundenfrachten und fakultativen „Glo- beitung der TA-Luft geführt haben und beschreibt die
cken“ hierauf beruhenden Schutzpflichten.
Einen weiteren Schwerpunkt des Beitrags widmet der
In seinem Aufsatz befaßt sich Sauer mit der bevorste- Autor den vom jeweiligen Schutzgut abhängenden Be-
henden Änderung der 13. BImSchV (Groß- stimmungen zur Genehmigung von Anlagen. Hierzu
feuerungsanlagenVO). Er untersucht dabei anhand von geht er auf die neuesten Erkenntnisse der Wirkungsfor-
Tabellen und Diagrammen einen Entwurf des Bundes- schung, die Anforderungen des Bodenschutzes an den
umweltministeriums (BMU), durch den die Grenzwer- Immissionsschutz und technische Fortentwicklungen
te für Alt- und Neuanlagen verschärft würden, und ein. Dies geschieht unter Berücksichtigung der Umset-
wirft die Frage auf, ob eine solche Erhöhung geboten zung europäischer Regelungen zur Luftqualität. An-
ist. Dabei berücksichtigt der Verfasser insbesondere hand dieser Kriterien wird gezeigt, welche Teile bzw.
die europarechtlichen Vorgaben durch die Richtlinie Grundgedanken der TA-Luft erhalten geblieben und
2001/80/EG zur Begrenzung von Schadstoffemissio- welche novelliert worden sind.
nen von Großfeuerungsanlagen in die Luft sowie durch
die Richtlinie 2001/81/EG über nationale Emissions- Schließlich wird das Verfahren der neuen Messplanung
höchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe. sowie die Voraussetzungen beschrieben, nach denen
Sonderfallprüfungen durchzuführen sind. In einem
Gustav W. Sauer Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Instru-
(Fundstelle: Immissionsschutz 2/2003, S. 44) mente der Luftqualitätsüberwachung würdigt Peter
Bruckmann die Novelle der TA-Luft. Der Beitrag ent-
hält zur besseren Verständlichkeit Schaubilder und Ta-
❖ bellen.
Peter Bruckmann
Novelle der 17. BImSchV im Lichte des (Fundstelle: Immissionsschutz 2/2003, S.47)
Bundesrats-Beschlusses
Der Autor stellt in seinem Beitrag die vom Bundestag ❖
beschlossenen Änderungen der Vorschriften zur Mit-
verbrennung nach der 17. BImSchV durch die „Ver- Windkraftanlagen und Immissionsschutz
ordnung zur Änderung der Verordnung über Ver-
brennungsanlagen für Abfälle und ähnliche brennbare
Windkraftanlagen produzieren umweltfreundliche E-
Stoffe und weitere Verordnungen zur Durchführungen
nergie aus unerschöpflichen Quellen Sie liefern einen
des Bundes-Immissionsschutzgesetzes“ dar, die noch
Beitrag zur Schonung der fossilen Energievorräte und
der Zustimmung des Bundesrates nach Art. 80 Abs. 2
mindern den Ausstoß von CO2. Windkraftanlagen sind
Grundgesetz (GG) bedarf.
Beiträge und Aufsätze in Zeitschriften 514 Umweltrechtsreport 7/2003

gleichwohl umstritten, da sie in der Bevölkerung un- Der Autor weist darauf hin, daß die Rahmenrichtlinie
populär sind. Sie „verschandeln“ die Landschaft, gel- Luft der Konkretisierung durch weitere Richtlinien –
ten als „teurer“ Stromlieferant und können nicht allein sog. Tochterrichtlinien – bedarf. Eine solche ist die
eine allgemeine Energiegrundversorgung ermöglichen. Richtlinie 1999/30/EG, mit der sich der Verfasser im
Der Beitrag von Johannes Bohl beleuchtet die immis- Anschluß befaßt. Er stellt dabei die Grenzwerte und
sionsschutzrechtlich Streitpunkte die beim Bau solcher Alarmschwellen für Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid
Anlagen relevant werden. und Stickstoffoxide, Feinstaub sowie Blei dar.
Als Erstes geht der Autor auf die planerischen Steue- Siegfried Kalmbach
rungsmöglichkeiten der Gemeinden zu den möglichen
Fundstelle: Umweltbeauftragter 6/2003, S. 1
Standorten für Windkraftanlagen ein. Insbesondere
wird in diesem Zusammenhang das Für und Wider des
Privilegierungstatbestandes des § 35 Abs.1 Nr.6
BauGB genauer untersucht, wonach derartige Anlagen Planungsrecht
bevorzugt im Außenbereich einer Gemeinde errichtet
werden können.
Im Anschluss daran erörtert der Verfasser die Anforde- Die Stellung der Gemeinde in der luft-
rungen des Nachbarschaftsrechts an Windkraftanlagen. verkehrsrechtlichen Fachplanung
Neben den allgemeinen Beeinträchtigungen und Ge-
fahren, die von einem solchen Bauwerk für die Nach- Umlandgemeinden eines Flughafens stehen diesem
barschaft ausgehen, wie z.B. die Standsicherheit der i.d.R. zwiespältig gegenüber: einerseits stellt er einen
Anlage und Eiswurf von den Rotorblättern, wird wirtschaftlichen Standortvorteil dar, andererseits ist die
schwerpunktmäßig die Beeinträchtigung durch Lärm- Fluglärmproblematik häufig ein zentrales Thema und
immissionen behandelt. Hierzu werden die Bewer- Ärgernis in der Kommunalpolitik. Mit den Rechts-
tungskriterien zum Lärmschutz und das besondere schutz- und Beteiligungsrechten solcher Gemeinden
Problem von tieffrequenten Lärmimmissionen (Infra- setzt sich Quaas auseinander. Er verdeutlicht die – im
schall) erläutert. Auch die rechtliche Behandlung von Gegensatz etwa zum eigentumsbetroffenen Anwohner
anderen Immissionsproblemen, wie die Begrenzung – regelmäßig schwächere Position der Kommune als
der Schallleistungspegeln, Schattenwurf der Anlage Hoheitsträger.
und Sichtbehinderung durch die Anlage wird mithilfe
von Beispielen aus der Rechtsprechung untersucht. Thema des ersten Teils sind die rechtlichen Instrumen-
Gleichzeitig werden die gesetzlichen Grenzen des te der Flughafenplanung. Das im Luftverkehrsgesetz
Nachbarschutzes aufgezeigt. (LuftVG) geregelte Zulassungsverfahren wird be-
schrieben. Dazu gehört auch das infolge der Neufas-
Abschließend werden die Anforderungen des Natur- sung des § 8 Abs. 6 LuftVG veränderte Verhältnis von
schutzrechts an Windkraftanlagen skizziert. Der Autor Genehmigung und Planfeststellung, dem sich der Bei-
begründet, warum grundsätzlich im Zusammenhang trag von Giemulla (in diesem Heft) eingehend widmet.
mit der objektiv-rechtlichen Bedeutung des Natur- Der Verfasser stellt anschließend die einzelnen Beteili-
schutzrechtes kein Nachbarschutz gewährleistet wer- gungsrechte der Gemeinde in ihrer chronologischen
den kann. Reihenfolge vor: vom Flugplatzzulassungsverfahren
Johannes Bohl über das Genehmigungsverfahren bis hin zur Festle-
gung von Flugrouten. Soweit § 6 LuftVG keine Betei-
(Fundstelle: Immissionsschutz 2/2003, S.54) ligungsrecht eröffnet, kann sich die Kommune u.U. auf
ihr Selbstverwaltungsrecht aus Art. 28 Abs. 2 GG be-
rufen. Bei den Abwehrrechten der Gemeinde muß nach
Naturschutzrecht ihrer jeweils unterschiedlichen Rechtsstellung unter-
schieden werden. Neben der Position aus Art. 28
Abs. 2 GG kann die Gemeinde auch als zivilrechtliche
Grundeigentümerin, als Inhaberin eines Anspruchs auf
Neue Vorschriften zur Luftqualität eine gerechte Abwägung oder als Vertragspartei ge-
genüber der Genehmigungsbehörde / dem Betreiber
Die Luftqualität ist seit 1980 Gegenstand mehrere eu- betroffen sein. Das Abwägungsgebot ist insbesondere
roparechtlicher Vorschriften gewesen. In den Mit- bei der Festlegung von Flugrouten relevant.
telpunkt seines Beitrags rückt Kalmbach die Richtlinie
96/62/EG über die Beurteilung und Kontrolle der Luft-
qualität (Rahmenrichtlinie Luftqualität) sowie deren
Umsetzung durch die 22. BImSchV. Nach der Klärung
wichtiger Begriffe wie z.B. „Grenzwert“ und „Alarm-
schwelle“ befaßt er sich mit den Maßnahmen zur Wie-
derherstellung der Luftqualität sowie den Ak-
tionsplänen zu deren Erhaltung.
Umweltrechtsreport 7/2003 515 Beiträge und Aufsätze in Zeitschriften

In diesem Zusammenhang wird auf die Rilax- Windenergieanlagen in


Entscheidung des VGH Mannheim zur formellen Be- der bauplanungsrechtlichen Rechtspre-
teiligung der Kommunen hingewiesen. Vertragliche
Vereinbarungen zwischen Gemeinden und Flughafen- chung
betreibern – veranschaulicht am Beispiel des sog. An-
gerlandvergleichs (zum Ausbau des Flughafens Düs- Gegenstand des Beitrags von B.F. Schulze-Hagen ist
seldorf) – können diesen Schutz noch erweitern. die Darstellung der Ansichten seitens der neuesten
Rechtsprechung zu den bauplanungsrechtlichen Zuläs-
Michael Quaas sigkeitsvoraussetzungen beim Bau von Wind-
(Fundstelle: NVwZ 6/2003, S. 649 ff.) energieanlagen und den möglichen nachbarlichen Ab-
wehrrechten hiergegen.
Der Autor beginnt mit einem Blick auf die Vorausset-
❖ zungen für die Ausweisung von geeigneten Gebieten
zur Nutzung von Windenergie nach den landesplaneri-
Der Zusammenhang zwischen Ausbau- schen Gesetzen und der Regionalplanung nach dem
plan und Genehmigung bzw. Planfeststel- Raumordnungsgesetz (ROG). Im Folgenden werden
die Entscheidungsgründe des Oberverwal-
lung tungsgerichtes (OVG) Koblenz dargelegt, wonach für
den Betreiber einer Windenergieanlage kein Anspruch
1993 wurde das Luftverkehrsgesetz (LuftVG) durch auf die Ausweisung von Vorranggebieten für die Anla-
das Planvereinfachungsgesetz novelliert. Bis dahin gen besteht. Sodann wird eine kurze Zusammenfassung
war das Flughafen-Zulassungsverfahren zweistufig einer Entscheidung des OVG Lüneburg gegeben, das
ausgestaltet: Voraussetzung für die Planfeststellung feststellte, dass die Festlegung von Vorrangstandorten
war stets die zuvor erteilte Genehmigung. Giemulla im regionalen Raumordnungsprogramm nicht zwin-
beschäftigt sich mit der singuläre Änderung dieser gend vom Einvernehmen der Gemeinde abhängig ist.
Reihenfolge durch § 8 Abs. 6 LuftVG n.F., die in zu
erheblichen Umsetzungsproblemen in der Praxis führ- Des Weiteren erinnert der Verfasser an die Rechtspre-
te. chung zur Rechtmäßigkeit von Flächennutzungsplänen
bezüglich möglicher Standorte für Windenergieanlagen
Schwerpunktmäßig geht es dabei um das Thema "Aus- und zur Steuerungsmöglichkeit des Standortes durch
bauplan/Bauschutzbereich für Flughäfen" (§ 12 Luft- die Gemeinden. So wird beispielsweise die Rechtspre-
VG). Vergleichbare Fragen wirft der "beschränkte chung des OVG Nordrhein Westfalen zitiert, das keine
Bauschutzbereich für sonstige Flugplätze" (§ 17 Luft- besondere Förderungspflicht von Windenergie durch
VG) auf, der aber nur am Rande behandelt wird. Zu- die Gemeinden feststellen konnte. Zu diesem Themen-
nächst wird die Bedeutung und Funktion des Ausbau- kreis wird weiterhin eine Entscheidung des OVG Lü-
planes im Zusammenhang mit den beiden Zulassungs- neburg hinzugezogen, das die Vorschrift des
schritten (Genehmigung und Planfeststellung) erörtert. § 35 Abs.3 BauGB dahingehend auslegte, dass im Flä-
Der Verfasser beginnt mit der Situation nach altem chennutzungsplan grundsätzlich nur eine positive
Recht und stellt danach die Änderungen ab 1993 dar. Standortausweisung geeignet sei, den Windener-
Hierbei wird weiter zwischen der Neuanlage und der gieanlagen-Standort an anderer Stelle auszuschließen.
Änderung/Erweiterung eines Flughafens unterschie-
den. Die Reihenfolge Genehmigung-Planfeststellung Im Anschluss daran erörtert Schulze-Hagen die Zuläs-
bezweckt, die Umgebung eines künftigen, noch plan- sigkeitsvoraussetzungen von Windenergieanlagen nach
feststellungsbedürftigen Flugplatzes von potentiellen § 35 Abs.1 Nr.6 BauGB als privilegiertes Vorhaben im
Luftfahrthindernissen freizuhalten. Diesem Hinter- Außenbereich der Gemeinde. Auch hierzu wird höchst-
grund sowie weiteren rechtskonstruktiven und zeitli- richterliche Rechtsprechung zitiert, um Anhaltspunkte
chen Aspekten wendet sich Giemulla eingehend zu. für die Zulässigkeit des Baus derartiger Anlagen zu
Die Neufassung erlaubt nun eine Umkehr der o.g. Rei- vermitteln.
henfolge bzw. ein gleichzeitiges Betreiben der beiden Schließlich beleuchtet der Autor die Abwehrrechte der
Zulassungsschritte. In den nächsten Abschnitten geht Nachbargemeinden durch Normenkontrollklagen und
es um die funktionelle und inhaltliche Abtrennbarkeit den Nachbarwiderspruch nach den bauordnungs-
von Ausbauplan und Genehmigung. Auch die Rechts- rechtlichen Vorschriften. Insbesondere zu letzterem
schutzmöglichkeiten gegen den Ausbauplan werden werden die Kriterien erläutert, nach denen die Recht-
berücksichtigt. Angesichts der Neuerungen des § 8 sprechung Lärm und Lichtimmissionen von Windener-
Abs. 6 LuftVG hält der Autor eine neue Interpretation gieanlagen beurteilt.
des unverändert gebliebenen § 12 LuftVG (gegen den
zu starren Wortlaut) für unabdingbar und macht auch B.F. SchulzeHagen
entsprechende Vorschläge hierzu. (Fundstelle: Agrar und Umweltrecht 5/2003, S.138)
Elmar Giemulla
(Fundstelle: NVwZ 6/2003, S. 643 ff.)
Beiträge und Aufsätze in Zeitschriften 516 Umweltrechtsreport 7/2003

Abschließend gibt der Autor verschiedene Beispiele


Umweltrecht allgemein für Maßnahmen aus PIUS-Check-Projekten und einen
Ausblick für den Einsatz des PIUS.
Rolf Stiefel
Umweltehtik – zur Bedeutung eines im
(Fundstelle: Der Umweltbeauftragte 06/2003, S. 11ff.)
Umweltrecht bisher eher vernach-
lässigten Begriffs

In seinem Beitrag beschäftigt sich Petersen mit dem
Stellenwert philosophischer Erwägungen bei der Ges-
taltung und Interpretation des Umweltrechts. Umweltmanagementsysteme – water
pinch – industrielles Wassermanagement
Dabei untersucht er zunächst, inwieweit zwischen
Recht und Ethik eine Abhängigkeit besteht. Im fol- Manfred Dankowski gibt in seinem Beitrag eine kurze
genden befaßt sich der Autor mit der Frage, ob das Einführung in die water pinch-Analyse.
Umweltrecht nach dem Verständnis des deutschen Ge-
setzgebers vorrangig den Menschen und seine Interes- Zunächst werden die theoretischen Grundlagen, die auf
sen schützen soll (anthropozentrischer Ansatz) oder die die Arbeiten von Linnhoff, sowie El-Halwagi und
Natur selbst (ökozentrischer Ansatz). Anschließend Smith beruhen, der water-pinch-Analyse vorgestellt.
diskutiert er die Bedeutung der Klimakatastrophe und In Bezug auf die Zielsetzung der Wasserminimierung
anderer von Menschen verursachter Umweltschäden werden vier Ansätze besprochen, deren Grundlage die
im Hinblick auf die Notwendigkeit einer Verhaltens- Quellen- und Senkenkurve für einzelne kontaminierte
und Bewußtseinsänderung hin zu einer ökozentrischen Wasserquellen und -senken bilden.
Perspektive.
Schließlich widmet sich der Autor dem Ablauf von wa-
Volkert Petersen ter pinch. Dabei werden wiederum verschiedene Pha-
(Fundstelle: UPR 6/2003, S. 201) sen unterschieden, die sich von der Erhebung der
Fluss-Daten mit Hilfe eines flowsheet über die Ver-
wendung einer Software zur Multi-Kontaminations-
❖ pinch-Analyse bis zur Bewertung der Analyseergebnis-
se erstreckt.
Produktionsintegrierter Umweltschutz Manfred Dankowski
(PIUS) (Fundstelle: Der Umweltbeauftragte 06/2003, S. 9)
Der Autor beschäftigt sich mit dem betrieblichen Um-
weltschutz. Bisher war dieser weitgehend von der
„End-of-pipe“-Technik bestimmt, umweltgesetzliche Umweltverkehrsrecht
Anforderungen an die Vermeidung und Verringerung
von Schadstoffemissionen und –immissionen waren
dem Produktionsprozess weitgehend nachgeschaltet Im eigenen Interesse
werden.
Der Produktionsintegrierte Umweltschutz (PIUS) bie- Der Autor beschäftigt sich in seinem Artikel mit den
tet zu dieser Vorgehensweise eine Alternative. im Dezember vergangenen Jahres vom UN-
Expertenausschuss zur Beförderung gefährlicher Güter
Zunächst schildert der Autor die Ziele des PIUS. Dazu in die UN-Modellvorschriften über die Beförderung
zählen die Vermeidung von Problemverlagerungen und gefährlicher Güter verabschiedeten Vorschriften zur
eine effiziente Nutzung von Synergien innerhalb der Abwehr äußerer Gefahren (Terrorismusabwehr).
einzelnen Stoff- und Energieströmen.
Vornehmlich enthalten die neuen Vorschriften die
Des Weiteren befasst sich Stiefel mit der Umsetzung Verpflichtung zur Aufstellung eines Sicherheitsplanes
des PIUS. Zunächst schlägt der Autor eine sog. „Ist- für die an der Beförderung gefährlicher Güter mit ho-
Aufnahme“ und daran anschließend eine „Ist- hem Gefahrenpotential Beteiligten, die in besonderer
Bewertung“ vor, womit erreicht werden soll, dass der Weise von Terroristen für Anschläge missbraucht wer-
Produktionsablauf detailliert dargestellt werden kann den können.
und eine Schwachstellenanalyse durchgeführt werden
kann. Der nächste Schritt ist dann die Optimierung der Die Übernahme dieses Regelwerkes in deutsches Recht
Verfahren nach den PIUS-Grundsätzen, die der Autor ist bis zum 1. Januar 2005 vorgesehen.
beispielhaft darlegt. Auf die Gefahrgutbeauftragten werden durch die neuen
Weiterhin stellt der Autor den sog. PIUS-Check und Vorschriften keine unmittelbaren Auswirkungen zu-
seine verschiedenen Phasen vor. kommen. Sie müssen zwar auch weiterhin die Einhal-
Umweltrechtsreport 7/2003 517 Beiträge und Aufsätze in Zeitschriften

tung der Vorschriften überwachen, spielen jedoch kei- Ursula Platzer hielt eingangs einen Vortrag über die
ne aktive Rolle dabei. Entstehungsgeschichte, Funktion und wesentliche In-
halte der SUP-Richtlinie. Anschließend beschäftigte
Helmut Rein
sich Liselotte Feldmann in ihrem Beitrag mit der stra-
(Fundstelle: der Gefahrgut-BEAUFTRAGTE 06/2003, tegischen Umweltprüfung im Völkerrecht. Weiterhin
S. 3) legte Christof Sangenstedt den derzeitigen Stand der
bundesrechtlichen Umsetzung der SUP-Richtlinie of-
fen, Jürgen Lindemann skizzierte die SUP-Richtlinie
❖ aus mitgliedstaatlicher Sicht und Gerd Schmidt-
Eichstaedt beleuchtete die Richtlinie zur strategischen
ADR/RID 2003 Umweltprüfung aus kommunaler Sicht. Reinhard
Hendler vertiefte die Aspekte aus den vorangegange-
Seit 1.1.2003 ist die ADR/RID 2003 in Kraft, durch die nen Beiträgen zum Anwendungsbereich der SUP-
Richtlinie. Der Vortrag von Kai Demske handelte von
sechsmonatige Übergangsregelung finden die geänder-
den Mitgliedstaatlichen Entscheidungen über die vor-
ten Vorschriften erst seit dem 1. 7. 2003 Anwendung.
aussichtlich erheblichen Umweltauswirkungen bei der
Der Beitrag des Verfassers stellt die Neuerungen vor
konditionellen Umweltprüfung und Christian Callies
und setzt sich mit den damit verbundenen Konsequen-
zen auseinander. zeigte die verfahrensrechtlichen Anforderungen der
SUP-Richtlinie auf. Es folgten Ausführungen von
Im ersten Teil des Beitrages geht der Verfasser auf die Thomas Bunge zum Thema „Harmonisierung von
allgemeinen Neuerungen im ADR/RID 2003 ein und UVP, SUP, FFH-Verträglichkeitsprüfung und Raum-
beschreibt die neuen Regelungen. verträglichkeitsprüfung. Zum Abschluss der Tagung
widmete sich Mathias Roder dem Monitoring nach Ar-
Im nächsten Teil des Beitrages befasst er sich mit den
tikel 10 der SUP-Richtlinie.
Änderungen in Bezug auf die Klassifizierung von Stof-
fen und Grenzwerten, weiterhin stellt er die Änderun- Jan Duikers
gen bezüglich der Anforderungen an das Gefahrgut-
(Fundstelle: Agrar- und Umweltrecht 5/2003, S.141)
verzeichnis vor.
Außerdem befasst er sich mit den Änderungen im Hin-
blick auf die Bereiche Verpackung, Versand und Be-
förderung.
Im letzten Teil des Beitrages geht er auf die Neuerun-
gen im Bereich der ADR Ausrüstung und der ADR
Fahrzeuge ein.
Norbert Müller
(Fundstelle: Sicherheitsingenieur & /2003, S. 34 ff.)

Umweltverträglichkeitsrecht

Die strategische Umweltprüfung


(sog. Plan-UVP) als neues Instrument
des Umweltrechts
Mit der Richtlinie 2001/42/EG über die Prüfung der
Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Pro-
gramme (SUP-Richtlinie) verfolgt die EG erneut einen
integrativen Ansatz auf dem Gebiet des Umweltrechts.
Mit den Schwierigkeiten, die die Umsetzung in das
sektoral orientierte deutsche Umweltrecht verursacht,
beschäftigten sich die Teilnehmer der Tagung, die das
Institut für Umwelt- und Technikrecht der Universität
Trier in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unter
der wissenschaftlichen Leitung von Reinhard Hendler
am 17. und 18. März 2003 in Trier veranstaltete. Fol-
gende Teilnehmer der Tagung referierten zum Thema:
Buchneuerscheinungen 518 Umweltrechtsreport 7/2003

BUCHNEUERSCHEINUNGEN
Günther, Gerrit: beziehung außerrechtlicher Erkenntnisse in die Ausle-
gung von unbestimmten Rechtsbegriffen
Umweltvorsorge und Umwelthaftung
Hannover, Univ., Diss., 2003
Berlin : Schmidt, Erich, Verlag GmbH & Co., 2003

Spannowsky, Willy:
Jaeschke, Lars:
Umweltverträglichkeitsprüfung im Rahmen des Be-
Lärmschutz und das Recht der nichtgenehmigungsbe-
bauungsplanverfahrens : Handlungshinweise für das
dürftigen Anlagen : dargestellt anhand von Praxisfällen
Verfahren, die Methodik und die Entscheidungsfin-
Berlin : VWF, 2001 dung in der Bauleitplanung ; Forschungsprojekt im
Auftrag des Ministeriums für Stadtentwicklung, Woh-
nen und Verkehr des Landes Brandenburg ; Endbericht
Karageorgou, Vasiliki: - Dezember 2002
Das Umweltordnungsrecht : Leistungsfähig- Kaiserslautern : Univ., 2003
keit,Leistungsgrenzen und Entwicklungsperspektiven
dargestellt am Beispiel des Immissionsschutzrechts
Stahlschmidt, Michael:
Baden-Baden : Nomos-Verl.-Ges., 2003
Umweltsteuern und Umweltabgaben in der Republik
Österreich und der Bundesrepublik Deutschland : eine
Kemmer, Wolfgang: rechtsvergleichende Darstellung
Die neue Strahlenschutzverordnung : Verordnung über Frankfurt am Main ; Berlin ; Bern ; Bruxelles ; New
den Schutz vor Schäden durch ionisierende Strahlen York ; Oxford ; Wien : Lang, 2003
(Strahlenschutzverordnung -StrlSchV) ; vom 20. Juli
2001 ; Ausgabe mit Erläuterungsteil, Verordnungstext,
amtlicher Begründung und ICRP-Empfehlung 60 Strohmeyer, Jochen:
Berlin : Hoffmann, 2002 Das europäische Umweltinformationszugangsrecht als
Vorbild eines nationalen Rechts der Aktenöffentlich-
keit
Kluttig, Bernhard: Berlin : Duncker & Humblot, 2003
Welthandelsrecht und Umweltschutz - Kohärenz statt
Konkurrenz
Thode, Reinhold:
Halle (Saale) : Inst. für Wirtschaftsrecht, 2003
Abnahme und Gewährleistung im Bau- und Bauträger-
vertrag : Höchstrichterliche Rechtsprechung
Kotulla, Michael: Köln : RWS Verlag _Kommunikationsforum GmbH,
2003
Wasserhaushaltsgesetz : Kommentar
Stuttgart : Kohlhammer, 2003
Tiedemann, Michael:
Die Einstandsverantwortlichkeit nach dem Bundes-
Ohms, Martin J.: Bodenschutzgesetz : gesellschafts- und handelrechtli-
Praxishandbuch Immissionsschutzrecht che Rechtsgründe einer Einstandspflicht für juristische
Personen als Anknüpfungspunkt einer bodenschutz-
Baden-Baden : Nomos-Verl.-Ges., 2003 rechtlichen Altlastensanierungspflicht
Aachen : Shaker, 2003
Rosenwick, Norbert:
Die Begiffe der Landschaft und des Landschaftsbildes-
sowie ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit im Natur-
schutzrecht : zugleich eine Untersuchung über die Ein-
Umweltrechtsreport 7/2003 519 Wahlthema des Monats

WAHLTHEMA DES MONATS

Die fehlerfreie Rechtsanwendung im betrieblichen


Umweltschutz und Arbeitsschutz (Teil 2)
Inhaltsverzeichnis Rechtsanwendungsvorgang von Beauftragten als
Nichtjuristen gemacht und vermieden werden können.
11. Die Festlegung der Rechtsfolgen als vierter
Um die Fehlerquellen zu erkennen, stellt das Wahl-
Schritt der Rechtsanwendung
thema das Rechtsanwendungsverfahren dar. Den juris-
12. Der Normalfall der Rechtsanwendung tisch nicht vorgebildeten Betriebsbeauftragten soll da-
mit ermöglicht werden, Fehler bei der Rechtsanwen-
13. Der Problemfall der Rechtsanwendung
dung zu vermeiden.
14. Gesetzgebungstechnik als Ursache für
Im ersten Teil des Wahlthemas habe ich begonnen, die
Probleme bei der Rechtsanwendung
vier Schritte der Rechtsanwendung darzustellen.
15. Die Bindung an Gesetz und Recht Es sind
16. Die Grenzen der Bindungsmöglichkeiten an · erstens die Sachverhaltsfeststellung,
Gesetz und Recht
· zweitens die Suche der einschlägigen Rechtsnor-
17. Die Kodifikationsidee als Grund für die men,
Gesetzgebungstechnik
· drittens die Subsumtion des Sachverhalts unter die
18. Das Scheitern der Kodifikationsidee Rechtsnorm und
19. Die Pflicht zur Einhaltung lückenhafter · viertens die Feststellung der Unternehmenspflicht
Texte und ihrer Überwachung als Rechtsfolge.
20. Die Rechtsprechung als Lückefüller und Der zweite Teil des Wahlthemas schließt diese Darstel-
Ersatzgesetzgebung lung mit der Feststellung der Unternehmenspflichten
21. Das Richterrecht als umstrittene Rechts- ab.
quelle Daran anschließend gehe ich auf ein Problem ein, das
22. Die faktische Bindung höchstrichterlicher alle Schritte des Rechtsanwendungsvorgangs betrifft.
Entscheidungen In den anzuwendenden Gesetzen befinden sich regel-
23. Die Bundesgerichte als Ersatzgesetzgeber mäßig unbestimmte Rechtsbegriffe. Diese müssen von
den Rechtsanwendern auf konkrete Sachverhalte an-
24. Die Richtliniefunktion höchstrichterlicher gewendet werden, um konkrete Pflichten festzustellen.
Entscheidung nach dem Verfahrensrecht Daneben sind die Gesetze teilweise lückenhaft, da der
25. Rechtsverweigerungsverbot Gesetzgeber nicht jeden denkbaren Einzelfall im vor-
hinein regeln kann. Diese Gesetzeslücken müssen von
26. Gerichtsurteile als Vorrat von Lösungen den Rechtsanwendern geschlossen werden. Beides ge-
für offene Rechtsfragen schieht im Wege der Auslegung der Gesetze. Die
Rechtsanwender, Behörden und Unternehmen kommen
dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Gerichte
Die Vorstände und Geschäftsführer der Unternehmen haben die Aufgabe zu entscheiden, welches Ergebnis
haben für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu gültig sein soll.
sorgen. Die Betriebsbeauftragten für Umwelt- und Ar-
beitsschutz haben die Einhaltung der gesetzlichen Vor- Das Wahlthema erläutert zunächst die Ursachen für die
schriften zu überwachen. Dabei müssen sie abstrakt- Lückenhaftigkeit der Gesetzgebung. Daran anschlie-
generelle gesetzliche Regelungen auf konkrete Unter- ßend wird die Rolle der Rechtsprechung als Lückenfül-
nehmenssachverhalte anwenden. Dies geschieht im ler dargestellt. Dabei soll gezeigt werden, dass es not-
Rahmen einer Vielzahl von Rechtsanwendungsvorgän- wendig ist, die höchstrichterliche Rechtsprechung zu
gen. Für diese Tätigkeit werden Betriebsbeauftragte als den Problemen zu kennen, die durch den Gesetzestext
Ingenieure und Naturwissenschaftler nicht ausgebildet. nicht gelöst werden. Nur mit Kenntnis der einschlägi-
Es stellt sich deshalb die Frage, welche Fehler beim gen Gerichtsurteile kann in Zweifelsfällen festgestellt
werden, welche Pflichten ein Unternehmen zu erfüllen
hat. Sie ist damit Voraussetzung für eine fehlerfreie
Wahlthema des Monats 520 Umweltrechtsreport 7/2003

Rechtsanwendung durch die Betriebsbeauftragten für eines Rechtsgutes in der Rechtsvorschrift vorgesehen
Umwelt- und Arbeitsschutz in den Unternehmen. sind.
Im Normalfall der Rechtsanwendung gilt es die typi-
11. Die Festlegung der Rechtsfolgen als schen Fehler zu vermeiden.
vierter Schritt der Rechtsanwendung · Erstens sind alle Sachverhalte vollständig aus dem
Betrieb zu ermitteln, die eine Gefahr für die ge-
Die Rechtsfolgen einer Vorschrift sind dann als Pflicht schützten Rechtsgüter des Umweltrechts, nämlich
zu formulieren, wenn die Tatbestandsmerkmale der Boden, Wasser, Luft darstellen. Im Arbeitsschutz
einschlägigen Rechtsvorschrift erfüllt sind. Die Rechts- sind die Sachverhalte zu ermitteln, die das ge-
folge findet sich abstrakt in der Rechtsvorschrift gere- schützte Rechtsgut, Arbeitnehmergesundheit, ge-
gelt. Sie kann sowohl konkret als auch wiederum abs- fährden können.
trakt formuliert sein. Ist die Rechtfolge zum Beispiel
die Pflicht, einen Antrag zu stellen, gibt es kaum · Zweitens ist der Fehler zu vermeiden, nicht alle
Wahlmöglichkeiten für den Rechtanwender beim Fest- Rechtsvorschriften zu ermitteln, die die gefährli-
setzen der Rechtsfolge. Besteht die Rechtfolge jedoch chen Sachverhalte aus dem Betriebsstandort re-
darin, etwa das Erforderliche zu veranlassen, hat der geln. Insbesondere sind alle Rechtsvorschriften
Rechtsanwender einen breiten Spielraum, die Rechts- vollständig zu ermitteln. Die Vollständigkeit kann
folge und damit die Pflicht des Unternehmens zu for- durch EDV-gestützte Recherchen in einer mög-
mulieren. lichst umfassenden Datenbank gewährleistet wer-
den.
Selbst wenn die Rechtsfolge im Gesetz abstrakt um-
schrieben ist, muss sie für das Unternehmen und die · Drittens müssen alle Tatbestandsmerkmale der je-
Verantwortlichen möglichst konkret formuliert werden, weiligen Rechtsvorschrift erfüllt sein. Dies ist
so dass der Pflichtenträger unmissverständlich weiß, dann der Fall, wenn zu jeden abstrakten Tatbe-
was er zur Erfüllung seiner Pflicht zu tun hat. Die standsmerkmal ein konkreter Betriebssachverhalt
Pflicht muss wie eine Auflage eines Genehmigungsbe- ermittelt werden kann, den die jeweilige Rechts-
scheides formuliert sein. Sie muss vollstreckbar sein. vorschrift regelt.
Das heißt, ein unbeteiligter Dritter muss die Pflicht an- · Viertens muss der Fehler vermieden werden, dass
stelle des Verantwortlichen im Unternehmen ausführen die Rechtsfolgen der Vorschrift nicht vollständig
können, ohne Dritte fragen zu müssen. oder nicht im vorgegebenen Rahmen als Pflicht
des Betriebsstandorts formuliert werden. Es sind
12. Der Normalfall der Rechtsanwendung die vorgesehenen Rechtsfolgen als Pflichten zu
bestimmen.
In einer Vielzahl von Fällen sind die vier Schritte der Eine Richtigkeitskontrolle kann abschließend darin be-
Rechtsanwendung ohne Probleme auch vom verständi- stehen, die ausgewählte Rechtsfolge und formulierte
gen Laien ohne juristische Vorbildung zu bewältigen. Pflicht des Unternehmens am Normzweck zu überprü-
Der Sachverhalt ist danach zu ermitteln, welche ge- fen. Die Rechtsanwendung ist als Normzweckverwirk-
schützten Rechtsgüter bedroht werden. Die einschlägi- lichung zu verstehen. Erfüllt die gefundene Pflicht den
ge Rechtsvorschrift lässt sich durch das wechselseitige Normzweck der Vorschrift, ist die Rechtsanwendung
Vergleichen der geschützten Rechtsgüter und der fehlerfrei. Vorwürfe können gegen das gefundene Er-
Sachverhalte finden, die eine Gefahr für die geschütz- gebnis nicht erhoben werden.
ten Umweltmedien darstellen. Zu Prüfen ist dann, ob
Wird zum Beispiel bei einer abfallrechtlichen Festle-
die abstrakten Tatbestandsmerkmale der Rechtsvor-
gung einer Pflicht gewährleistet, dass durch die Aus-
schrift von den entsprechenden konkreten Sachverhal-
wahl der Rechtsfolge Abfall vermieden wird, ist davon
ten aus dem Betrieb erfüllt sind. Dies ist dann der Fall,
auszugehen, dass die Entscheidung richtig ist. Der Ge-
wenn für jedes in der Rechtsvorschrift aufgeführte Tat-
setzgeber schreibt nämlich durch das neue Kreislauf-
bestandsmerkmal ein entsprechender Sachverhalt er-
wirtschafts- und Abfallgesetz vor, dass in erster Linie
mittelt werden kann. Ist dies der Fall, ist die Rechts-
Abfall vermieden wird. Kann der Abfall nicht vermie-
vorschrift einschlägig.
den werden, muss er verwertet werden. Wenn er nicht
Die Rechtsfolge der Vorschrift ist als konkrete Pflicht verwertet wird, muss er entsorgt werden. Erfüllt die
für das Unternehmen festzusetzen. Die zu formulieren- Entscheidung über die Rechtsfolge und die Formulie-
de Rechtspflicht muss so konkret sein, wie es etwa die rung der Pflicht diesen Zweck des Kreislaufwirt-
Auflagen aus Genehmigungsbescheiden sind. Zum schafts- und Abfallgesetzes, hat der Betriebsbeauftrag-
Beispiel kann die Rechtsfolge lauten, dass ein Antrag te bei seiner Rechtsanwendung seine Pflichten erfüllt
zu stellen ist, dass bestimmte Grenzwerte einzuhalten und muss keine Vorwürfe wegen unzulänglicher
sind, dass im konkret festgelegten Zeitabstand zu mes- Rechtsanwendung erwarten.
sen ist. Ausschließlich die Rechtsfolgen sind als Pflich-
Dieser Ablauf der Rechtsanwendung kann als Normal-
ten zu bestimmen, die vom Gesetzgeber zum Schutz
fall bezeichnet werden. Es fehlen die Komplikationen,
Umweltrechtsreport 7/2003 521 Wahlthema des Monats

die den Rechtsanwendungsvorgang erschweren kön- Die Vielzahl der verwaltungsrechtlichen Auseinander-
nen. Der Normalfall ist auch dann gegeben, wenn im setzungen zeigen außerdem, dass über unbestimmte
Gesetz sich eine konkrete Regelung der Pflicht findet Rechtsbegriffe gestritten werden kann. Regelmäßig
und die Tatbestandsmerkmale als auch die Rechtsfol- streiten Unternehmen mit Behörden im Verwaltungs-
gen konkret geregelt sind. Im Gegensatz zu diesem verfahren und vor Gericht darüber, ob ein konkreter
Normalfall finden sich in aller Regel sowohl auf der Unternehmenssachverhalt von einer Rechtsvorschrift
Seite der Tatbestandsmerkmale als auch bei den geregelt wird, insbesondere streiten die Parteien dar-
Rechtsfolgen unbestimmte Rechtsbegriffe, die Aus- über, ob ein unbestimmter Rechtsbegriff auf den kon-
wahlmöglichkeiten für Rechtsfolgen unter Vorgabe kreten Fall im Industriebetrieb anzuwenden ist. Die
von abstrakt beschriebenen Zielen offen lassen. unbestimmten Rechtsbegriffe sind für den Umwelt-
schutz und Arbeitsschutz typisch. Nicht nur die unbe-
Wenn im Tatbestand einer Vorschrift zum Beispiel ge-
stimmten Rechtsbegriffe und die abstrakten Regelun-
fährliche Stoffe geregelt werden, ohne dass diese Stof-
gen machen die Probleme bei der Rechtsanwendung
fe im Wortlaut der Vorschrift oder in Anhängen oder in
aus. Vielmehr enthalten die Gesetze Lücken, über die
Verordnungen oder in Verwaltungsvorschriften kon-
ebenfalls gestritten werden kann. Der Streit kann dar-
kret benannt sind, muss geklärt werden, was gefährli-
um gehen, ob es sich überhaupt um eine Lücke handelt
che Stoffe im Sinne dieser jeweiligen Vorschrift sind.
oder wie die Lücke im Gesetz durch welche Regelung
Genauso können sich auf der Rechtsfolgenseite unbe-
geschlossen werden kann. Zu all den Problemfällen
stimmte Rechtsbegriffe finden. Dies ist dann der Fall,
zählen die Fälle, in denen der gleiche Sachverhalt in
wenn zum Beispiel als Rechtsfolge die erforderlichen
mehreren Instanzen unterschiedlich entschieden wird.
Maßnahmen zu veranlassen verlangt wird.
Für die Pflicht der Betriebsbeauftragten stellt sich die
Frage, welche Fehler in diesen Problemfällen zur ver-
13. Der Problemfall der Rechtsanwendung meiden sind, und welche Pflichten Betriebsbeauftragte
bei der Überwachung der Einhaltung dieser Vorschrif-
In der Regel finden sich in den Gesetzen keine konkre- ten zu erfüllen haben. Zu den Problemfällen zählen
ten Regelungen. Sowohl unter den Voraussetzungen, auch die, in denen mehrere Vorschriften zur Regelung
als auch bei den Rechtsfolgen finden sich regelmäßig ein und des selben Sachverhaltes in Frage kommen und
unbestimmte Rechtsbegriffe. Im Gegensatz zu einer die Unternehmen mit den Behörden darüber streiten,
konkreten Regelung in einem Genehmigungsbescheid welche von mehreren Vorschriften einschlägig sind. Es
enthalten Gesetze und Verordnungen, abstrakte sind dies die Fälle der Konkurrenz von Normen.
Rechtsbegriffe, die eine Vielzahl konkreter Fälle um-
fassen können. Regelmäßig stellt sich die Frage, ob der
konkrete Fall von einer Rechtsvorschrift mit unbe- 14. Gesetzgebungstechnik als Ursache für
stimmten Rechtsbegriffen geregelt wird. Probleme bei der Rechtsanwendung
Ein solcher unbestimmter Rechtsbegriff ist zum Bei-
spiel der Begriff des „Wohls der Allgemeinheit“. § 6 Mit Gesetzen sollen Interessenkonflikte gelöst werden.
des Wasserhaushaltsgesetzes und die entsprechenden Der Konflikt besteht einerseits zwischen den Zielen
landesrechtlichen Vorschriften verwenden ihn u.a. im des Umweltschutzes und Arbeitsschutzes und anderer-
Zusammenhang mit der Genehmigung von Wasserbe- seits der Gewerbefreiheit des Unternehmens. Durch
nutzungen durch die Wasserbehörden. Danach sind Er- das Umweltrecht werden Boden, Wasser und Luft ge-
laubnisse oder Bewilligungen für Wasserbenutzungen schützt. Im Arbeitsschutz wird die Arbeitnehmerge-
zu versagen, soweit von der beabsichtigten Benutzung sundheit geschützt. Unternehmen können im Interesse
eine Beeinträchtigung des Wohls der Allgemeinheit zu dieser geschützten Rechtsgüter nicht schrankenlos ihre
erwarten ist. Es war lange Zeit umstritten, ob in diesem Unternehmensfreiheit ausnutzen. Die Unternehmen
Zusammenhang nur wasserwirtschaftliche Belange, sind durch das Grundgesetz in Ihre Gewerbefreiheit
wie beispielsweise eine funktionsfähige Wasserbewirt- geschützt. Der Schutz der Gewerbefreiheit steht im
schaftung, als Allgemeinwohlbelang zu berücksichti- Konflikt mit dem Schutz der Umweltmedien und der
gen ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat hierzu aus- Arbeitnehmergesundheit als Rechtsgut des Arbeits-
geführt: „Der nähere Inhalt des Begriffs des Wohls der schutzrechts. Unternehmen sind verpflichtet, ihre ga-
Allgemeinheit ist nur schwer zu bestimmen. Wegen rantierte Gewerbefreiheit dann einzuschränken, wenn
seiner Abstraktheit bedarf er der Konkretisierung gesetzlich geschützte Umweltmedien und die Arbeit-
(BVerwG, NVwZ 1989, 1061).“ Diese Konkretisie- nehmergesundheit bedroht sind. In die Unternehmens-
rung hat das Gericht vorgenommen. Es hat entschie- freiheit kann der Gesetzgeber jedoch nur auf Grund
den, dass die Wasserbehörden nicht nur wasserwirt- eines Gesetzes eingreifen. Unter welchen Vorausset-
schaftliche Belange berücksichtigen dürfen. Vielmehr zungen der Schutz der Umweltmedien und der Arbeit-
haben sie auch andere öffentliche Belange in ihre Ent- nehmergesundheit der Gewerbefreiheit der Unterneh-
scheidung mit einzubeziehen. Hierzu zählt das Gericht men vorgehen, regeln die Gesetze des Umweltrechts
Belange der menschlichen Gesundheit oder des Land- und des Arbeitnehmerschutzrechts. Die Interessenkon-
schaftsschutzes ebenso wie die öffentliche Sicherheit flikte zwischen dem Schutz der Umwelt und der Ar-
und den öffentlichen Verkehr. beitnehmergesundheit und der Gewerbefreiheit der Un-
Wahlthema des Monats 522 Umweltrechtsreport 7/2003

ternehmen ist in einer unendlichen Vielzahl von Ein- § 43 GmbHG zur Einhaltung von Gesetzen verpflich-
zelfällen möglich. tet.
Für jeden einzelnen denkbaren Interessenkonflikt zwi- Die Betriebsbeauftragten im Umweltschutz und Ar-
schen Gewerbefreiheit und den geschützten Umwelt- beitsschutz haben als Hauptaufgabe, die einschlägigen
medien kann jedoch keine gesetzliche Regelung for- Gesetze im Unternehmen zu überwachen. Für den Fall
muliert werden. Darin besteht das Problem der Gesetz- des Gesetzesverstoßes wird auf dem Gebiet des Um-
gebungstechnik. Die Gesetze müssen so gefasst wer- weltschutzes und Arbeitsschutzes in etwa 9.800 einzel-
den, dass eine Vielzahl von Einzelfällen durch Gesetze nen Vorschriften Strafen und Geldbußen nach dem
und Verordnungen geregelt werden können. Wollte deutschen Strafgesetzbuch (StGB) und dem Ord-
man jeden einzelnen Konfliktfall gesetzlich regeln, nungswidrigkeitengesetz (OwiG) angedroht. Diese
würde die Zahl und der Umfang der Gesetze ins uner- rechtlichen Vorschriften machen deutlich, dass in unse-
messliche ausgeweitet. Der parlamentarische Gesetz- rer Rechtsordnung kein Zweifel aufkommen kann, dass
geber kann deshalb nicht jeden Interessenkonflikt im der Gesetzgeber die Einhaltung von Vorschriften ver-
Einzelfall lösen und durch Gesetze und Verordnungen langt. Er bindet sowohl die Normadressaten, insbeson-
entscheiden. Der Gesetzgeber ist deshalb auf eine Ge- dere Industrieunternehmen und ihre Angestellten, als
setzgebungstechnik angewiesen, nach der jeder auch die Richter und die Verwaltungsbehörden an Ge-
Rechtssatz auf die Erfassung von Fallgruppen gerichtet setz und Recht. Legales Verhalten muss als Selbstver-
ist. Rechtssätze werden deshalb abstrakt geregelt. Sie ständlichkeit in einem Rechtsstaat verstanden werden
sollen eine Vielzahl von Einzelfällen erfassen. (Bernd
Rüthers: Rechtstheorie, Anmerkung 192). Das Span-
nungsverhältnis zwischen der unendlichen Zahl der re- 16. Die Grenzen der Bindungsmöglichkei-
gelungsbedürftigen Interessenkonflikten im Einzelfall ten an Gesetz und Recht
und der möglichst kleinen Zahl von Rechtssätzen wird
im Umweltrecht ganz besonders deutlich. Wegen der Die zitierten Vorschriften aus dem Grundgesetz, dem
unendlichen Vielzahl der Konflikte sind die abstrakten Aktiengesetz, dem GmbH-Recht und dem Strafrecht
Regelungen charakteristisch für das Umweltrecht. Die gehen wie selbstverständlich davon aus, dass eine sol-
gesetzlichen Regelungen sind typisch für die deutsche che Bindung an Gesetz und Recht auch möglich ist.
Rechtsordnung. Andere Rechtsordnungen, wie z.B. das Der Alltag der Rechtsanwendungspraxis weckt Zweifel
amerikanische Recht kommen ohne umfassende ge- daran, ob und wie weit eine Bindung an Gesetz und
setzliche Regelungen aus. Im „case law“ der USA wird Recht möglich ist.
jeder Konfliktfall vor Gericht entschieden. Bei diesen
Entscheidungen wird auf schon entschiedene Fälle zu-
rückgegriffen. 17. Die Kodifikationsidee als Grund für
die Gesetzgebungstechnik
15. Die Bindung an Gesetz und Recht Mit gesetzlichen Regelungen wurde ursprünglich die
lückenlose Ordnung durch Gesetze angestrebt. Im 19.
In unserer Rechtsordnung sollen Gesetze und Verord- Jahrhundert herrschte dieses Ideal der Kodifikations-
nungen alle dem Gesetz Unterworfenen in gleicher idee. Umfassend wurden in europäischen Ländern Zi-
Weise binden. Alle sollen sich so verhalten, wie es das vilrecht kodifiziert. Insbesondere in Frankreich, Preu-
Gesetz verlangt. ßen und Österreich herrschte lange Zeit die Auffas-
Nach Artikel 20 Abs. 3 GG „sind die vollziehende sung, Gesetzbücher, wie der Code Napoleon oder das
Gewalt und die Rechtsprechung an Gesetz und Bürgerliche Gesetzbuch, könnten die gewollten Rege-
Recht gebunden.“ lungsinhalte dauerhaft fixieren, wenn nur der Gesetzes-
text hinreichend klar gefasst sei.
Nach Artikel 97 Abs. 1 GG „sind die Richter unab-
hängig und nur dem Gesetz unterworfen.“
18. Das Scheitern der Kodifikationsidee
Die Verwaltung als auch die Gerichte müssen so ent-
scheiden, wie es das Gesetz vorgibt. Nicht nur von
Die Möglichkeit der lückenlosen Kodifizierung aller
Richtern und Verwaltungsbeamten wird die Beachtung
Interessenkonflikte hat sich als Irrtum erwiesen. Die
gesetzlicher Vorschriften verlangt. Auch die Normad-
Kodifikationsidee ist heute unstreitig gescheitert. Sie
ressaten sind zur Einhaltung der Gesetze verpflichtet.
ist eine utopische Idee. Die Lückenhaftigkeit der Ge-
Die Pflicht zur Einhaltung von Gesetzen wird aus-
setzesordnung lässt sich erstens schon mit der Unge-
drücklich den Vorständen von Aktiengesellschaften in
nauigkeit der Sprache begründen. Sprachliche Ausdrü-
Artikel 4.1.3 des Corporate Governance Kodex aufer-
cke sind mehrdeutig, ungenau und wandelbar. Die Be-
legt. Im Corporate Governance Kodex ist die alte
deutung der Rechtssprache ist einem stetigen Wandel
Rechtslage des Aktienrechts neu und aktuell formu-
unterworfen. Die Bedeutung eines sprachlichen Aus-
liert. Die Pflicht für Vorstände ergibt sich auch aus
drucks ist als seine Verwendung durch Behörden, Ge-
§ 92 AktG. Die Geschäftsführer einer GmbH sind nach
richte und Normadressaten zu verstehen. Es hat sich
außerdem herausgestellt, dass nicht nur wegen der Un-
Umweltrechtsreport 7/2003 523 Wahlthema des Monats

genauigkeit der Sprache lückenlose Gesetze unmöglich konkreten Einzelfälle nur einem einzigen abstrakten
sind. Es wird heute unstreitig als Utopie angesehen, Rechtsbegriff zugeordnet werden.
alle einzelnen Interessenkonflikte vorausschauen zu
Die in § 130 OWiG „vorgeschriebenen“ erforderlichen
wollen und gesetzgeberisch zu lösen. Jede Rechtsord-
Aufsichtsmaßnahmen zum Beispiel füllen mehrere Sei-
nung bleibt deshalb lückenhaft.
ten. Aktuelle Kommentierungen im einschlägigen
Es lässt sich schließlich leicht beobachten, dass ein Kommentar von Göhler umfassen ca. 15 Gerichtsurtei-
abstrakter Begriff eine Vielzahl von Einzelfällen ab- le zu erforderlichen Aufsichtsmaßnahmen (Göhler,
deckt. Gerichte ordnen konkrete Fälle unter abstrakte Ordnungswidrigkeitengesetz, 13. Auflage, 2002):
Begriffe. Dies wird dann deutlich, wenn man in Geset-
In § 130 OWiG heißt es: „Zu den erforderlichen Auf-
zeskommentaren die konkreten Fälle zählt, die einem
sichtsmaßnahmen gehören auch die Bestellung, sorg-
abstrakten Gesetzesbegriff zugeordnet werden.
fältige Auswahl und Überwachung von Aufsichtsper-
Der Anlagenbegriff des Bundes- sonen.“ Das Wort „auch“ macht klar, dass diese drei
Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) wird auf eine Aufsichtsmaßnahmen nur Beispielsfälle sind, die kei-
Vielzahl konkreter Sachverhalte angewandt. Nach neswegs eine abschließende Aufzählung darstellen.
§ 2 Abs. 1 Nr. 1 BImSchG gilt das Gesetz für die Er- Der Wortlaut lässt das ganze Ausmaß der Pflicht nach
richtung und den Betrieb von Anlagen. § 130 OWiG zur Organisation der Aufsicht in Betrie-
§ 3 Abs. 5 BImSchG enthält eine Definition, was unter ben und Unternehmen nicht erkennen. Deshalb haben
Anlagen zu verstehen ist: die Literatur und die Rechtsprechung weitere erforder-
liche Aufsichtsmaßnahmen entwickelt. Hierzu gehören
„Anlagen im Sinne dieses Gesetzes sind
insbesondere:
1. Betriebsstätten und sonstige ortsfeste Einrich-
· Aufklärung der Mitarbeiter über die einzuhalten-
tungen,
den Vorschriften,
2. Maschinen, Geräte und sonstige ortsveränder-
liche technische Einrichtungen sowie Fahr- · Stichprobenkontrollen hinsichtlich der Einhaltung
zeuge, soweit sie nicht der Vorschrift des § 38 der Vorschriften,
unterliegen, und · Pflicht zu gesteigerten Aufsichtsmaßnahmen in
3. Grundstücke, auf denen Stoffe gelagert oder Wiederholungsfällen,
abgelagert oder Arbeiten durchgeführt wer- · Organisationsmangel wegen nicht nachvollziehba-
den, die Emissionen verursachen können, aus- rer Verantwortungsverteilung
genommen öffentliche Verkehrswege.“
· Aufsichtspflichtverletzung durch Überforderung
Im Rahmen des Rechtsanwendungsvorgangs muss der Mitarbeiter und
festgestellt werden, ob ein konkreter Sachverhalt von
dieser abstrakten Definition des Anlagenbegriffs er- · Oberaufsicht über eingesetzte Aufsichtspersonen
fasst wird. So hat die Rechtsprechung u.a. folgende Dem juristischen Laien kommt es vor, als würden Ge-
ortsfeste Einrichtungen als Anlagen im Sinne des setze mehr Lücken als Regelungen enthalten. Viele
BImSchG angesehen: konkrete Einzelfälle werden wenigen abstrakten
· Flutlichtanlagen, Rechtsbegriffen zugeordnet. Zum Verständnis des
Rechtsanwendungsvorgangs gehört auch die Einsicht,
· Grillplätze, dass dies nicht anders möglich ist. Nicht jeder Interes-
· Hundezwinger, senkonflikt kann per Gesetz geregelt werden. Selbst
bei der dargestellten Gesetzgebungstechnik wird die
· elektrische Jalousien und Überregulierung beklagt. Je konkreter eine gesetzliche
Regelung ist, um so leichter ist die Rechtsanwendung.
· Kirchengebäude einschließlich Glocken.
Je abstrakter die gesetzliche Regelung durch unbe-
Die Unterschiedlichkeit der Beispiele zeigt die Vielfalt stimmte Rechtsbegriffe ist, um so aufwendiger ist der
der Lebenssachverhalte, die gerade im Immissions- Rechtsanwendungsvorgang.
schutzrecht durch Gesetz geregelt werden sollen. Es ist
dem Gesetzgeber dann unmöglich alle nur denkbaren
Sachverhalte im vorhinein festzulegen. Er muss die 19. Die Pflicht zur Einhaltung lückenhaf-
Konkretisierung den Rechtsanwendern und damit letzt- ter Texte und ihrer Überwachung
endlich den Gerichten überlassen.
Einerseits wird von allen Bürgern und Unternehmen
Diese konkreten Einzelfälle, die von der Rechtspre-
verlangt, Gesetze einzuhalten, andererseits stellt sich
chung entschieden wurden, werden in Kommentaren
heraus, dass Gesetze unausweichlich lückenhaft sind.
gesammelt. Das Verhältnis zwischen den vielen kon-
Gerade im Umweltrecht wird dieses Problem der Bin-
kreten Fällen und den wenigen abstrakten Rechtsbeg-
dung an lückenhafte Gesetze besonders deutlich. Es
riffen kann man daran ablesen, dass dort oft seitenlang
stellt sich deshalb nachdrücklich die Frage, ob lücken-
die schon durch die Rechtsprechung entschiedenen
hafte Gesetze überhaupt binden können, ob sie über-
Wahlthema des Monats 524 Umweltrechtsreport 7/2003

haupt Unternehmenspflichten vorschreiben können, heißt das, dass nicht nur die Gesetze, Verordnungen
durch die Normadressaten an Gesetze gebunden sind. und Verwaltungsvorschriften bei der Formulierung von
Die unbestimmten Rechtsbegriffe und die lückenhaften Unternehmenspflichten einzusetzen sind. Vielmehr ist
Gesetze lassen in vielen Fällen gerade nicht erkennen, neben den Gesetzen und Verordnungen auch die
was im Einzelfall konkret die Pflicht desjenigen ist, der Rechtsprechung bei der Formulierung von Unterneh-
eine Vorschrift einzuhalten hat. menspflichten zu berücksichtigen. Es wäre ein Fehler,
wenn die Rechtsprechung im Umweltrecht und Ar-
beitsschutzrecht nicht beachtet werden würde. Der
20. Die Rechtsprechung als Lückenfüller Vorwurf der fehlerfreien Rechtsanwendung ist nur
und Ersatzgesetzgebung dann zu vermeiden, wenn bei der Rechtsanwendung
durch die Beauftragten im Umweltschutz und Arbeits-
Es bleibt die Frage, wer die lückenhaften Gesetzes füllt schutz auch die einschlägigen Gerichtsurteile berück-
und die abstrakten unbestimmten Rechtsbegriffe kon- sichtigt werden.
kretisiert. Gerade wegen der unbestimmten Rechtsbeg-
riffe und der unausweichlichen Gesetzeslücken ver-
zichtet der Gesetzgeber nicht auf die Durchsetzung von 21. Das Richterrecht als umstrittene
Gesetz und Recht. Vielmehr lässt sich beobachten, dass Rechtsquelle
trotz der unzulänglichen Gesetzestechnik der Staat auf
die Durchsetzung der Vorschriften nicht verzichtet. Juristen streiten sich darüber, ob das Richterrecht ge-
Trotz unbestimmter Rechtsbegriffe und unausweichli- nauso wie ein Gesetz als Quelle für Recht anzusehen
cher Gesetzeslücken drohen bei Verstößen gegen ge- ist, an das die Rechtsanwender gebunden sind. Die
setzliche Vorschriften Strafen und Geldbußen. Im herrschende Lehre kennt nur zwei Rechtsquellen des
Umweltschutz und Arbeitsschutz lassen sich 9.800 innerstaatlichen Rechtes, nämlich die Gesetzgebung
strafbewehrte Vorschriften ermitteln. Es bleibt die Fra- und die von allgemeiner Rechtsüberzeugung getragene
ge für den Betriebsbeauftragten, wie er sich pflichtge- dauerhafte Übung, das Gewohnheitsrecht. Zur Begrün-
mäß zu verhalten hat, um sich nicht dem Vorwurf dung dieser Meinung wird auf den Grundsatz der Ge-
strafrechtlicher Sanktionen auszusetzen, wie die Geset- waltenteilung unserer Verfassung hingewiesen. Der
ze trotz ihrer Lücken und trotz der unbestimmten Gesetzgebung bleibt es danach vorbehalten, Gesetze zu
Rechtsbegriffe einzuhalten sind. erlassen. Die Richter haben über die Einhaltung der
Gesetze zu richten. Sie sind nach dem Prinzip der Ge-
Nach Artikel 20 Abs. 3 GG sind alle Normadressaten
waltenteilung nicht befugt, Recht zu setzen. Nach dem
an Gesetz und Recht gebunden. Diese Regelung des
Prinzip der Gewaltenteilung hat die Legislative (Ge-
Grundgesetzes lässt erkennen, dass Bürger, Richter
setzgebung) Gesetze zu erlassen, die Exekutive (Ver-
und die Verwaltung nicht nur an die Gesetze gebunden
waltung) sie zu verwalten, die Judikative (Rechtspre-
sind. Sie sind auch an das Recht gebunden. Dazu zählt
chung) über ihre Einhaltung zu wachen.
das Richterrecht. Es sind Rechtssätze, die in höchst-
richterlichen oder letztinstanzlichen Entscheidungen Faktisch gilt jedoch die Rechtsprechung der höchst-
verwendet werden, aber in der gesetzlichen oder ge- richterlichen Gerichte als bindend. Es wird eine schlei-
wohnheitsrechtlichen Rechtsordnung nicht enthalten chende Machtverschiebung zwischen der Gesetzge-
sind. Richterrecht sind alle Normen, die ohne werten- bung und der Justiz beobachtet. Das Richterrecht
de, gebotsbildende Akte des Richters dem Gesetz nicht wächst und gewinnt an Einfluss. Die Gesetzgebung
entnommen werden können (Bernd Rüthers, Anm. verliert wegen der Unzulänglichkeit der Gesetzge-
235). bungstechnik zu Gunsten der Rechtsprechung. In der
Bundesrepublik Deutschland gibt es keine rechtliche
Das gesamte Arbeitskampfrecht ist ganz überwiegend
Bindung von Untergerichten an die Urteile der Oberge-
nicht gesetzlich geregelt. Es findet sich in zahlreichen
richte. Faktisch haben Grundsatzentscheidungen obers-
Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichtes.
ter Gerichte jedoch eine normsetzende Richtlinienfunk-
Ein weiteres Beispiel sind die Geldersatzansprüche für tion. Die unteren Instanzgerichte weichen nur in Aus-
immaterielle Schäden, d.h. Schäden die keinen Vermö- nahmefällen bewusst von der gefestigten obergerichtli-
gensschaden darstellen. Diese sind nach § 253 BGB chen Rechtsprechung ab. Sie weichen nur dann ab,
nur in bestimmten gesetzlich festgelegten Fällen mög- wenn sie eine Abänderung der höchstrichterlichen
lich. So kann beispielsweise das Opfer einer Körper- Rechtsprechung für geboten und für erreichbar halten
verletzung einen finanziellen Schadensersatz verlan- (Bernd Rüthers, Anm. 239).
gen. Dennoch erkennt die Rechtsprechung bei schwe-
ren Verletzungen des aus der Menschenwürde abgelei-
teten allgemeinen Persönlichkeitsrechts einen finan- 22. Die faktische Bindung höchstrichterli-
ziellen Entschädigungsanspruch zu, obwohl dieser ge- cher Entscheidungen
setzlich nicht festgeschrieben ist. (BGHZ 128, S. 1
„Caroline von Monaco“) Die Entscheidungen der höchsten Gerichte haben ge-
setzesähnliche Wirkung. Alle unteren Instanzgerichte
Die Bedeutung des Richterrechtes wächst. Für die Be-
und der Rechtsverkehr stellen sich auf die höchstrich-
auftragten im Umweltrecht und Arbeitsschutzrecht
Umweltrechtsreport 7/2003 525 Wahlthema des Monats

terlichen Grundsatzentscheidungen ein. Sie vermeiden „Im Jahresbericht des Bundesgerichtshofes 1966, NJW
damit kostenträchtige Verfahren, wenn sie es für aus- 1967, 861 ff ist ausgeführt, dass jedenfalls unter Juris-
sichtslos halten, eine höchstrichterliche Entscheidung ten kein Zweifel darüber möglich ist, dass in allen ü-
abzuändern. Die Entscheidungen der obersten Bundes- bersehbaren Zeiträumen das verwirklichte Recht eine
gerichte genießen erhebliche Autorität, weil sie durch Mischung von Gesetzesrecht und Richterrecht gewesen
hochqualifizierte Richter entschieden werden. Die ist und dass dasjenige Recht, dass sich in den Erkennt-
Richter der obersten Bundesgerichte wiederum ent- nissen der Gerichte verwirklicht hat, sich niemals in
scheiden im Bewusstsein, dass ihre Entscheidungen allem mit demjenigen Recht gedeckt hat, dass der Ge-
Muster- und Vorbildfunktionen erfüllen. Die ständige setzgeber gesetzt hatte...“
höchstrichterliche Rechtsprechung wirkt wie Gewohn-
Es bleibt deshalb bei der Einsicht, dass gerichtliche
heitsrecht und wie Gesetzesrecht. Durch ununterbro-
Entscheidungen in vielen Fällen dem Gesetz nicht ent-
chene ständige Rechtsprechung müssen Fälle entschie-
nommen werden können, weil diese dort entweder gar
den werden, die dem Gesetz nicht zu entnehmen sind.
nicht, nicht eindeutig oder im Widerspruch zu anderen
Im Zivilrecht finden sich eine Reihe von Regelungen, Normen und Wertmaßstäben der Rechtsordnung gere-
die das BGB nicht vorgesehen hat. Zu den klassischen gelt sind. Gerichtsentscheidungen in solchen Fällen
Fällen zählt die Sicherungsübereignung. Die Änderung haben normsetzende Wirkung (Bernd Rüthers, Anm.
und Anpassung von Verträgen beim Wegfall der Ge- 244) und müssen bei der Rechtsanwendung berück-
schäftsgrundlage, der Schadensersatz bei Pflichtverlet- sichtigt werden.
zungen während der Vertragsverhandlungen noch vor
Vertragsabschluss (culpa in contrahendo) und die posi-
tive Forderungsverletzung mit Schadensersatz bei der 24. Die Richtlinienfunktion höchstrichter-
Verletzung von Nebenpflichten waren bis vor kurzem licher Entscheidung nach dem Verfah-
nicht gesetzlich geregelt. Es waren Rechtssätze, die rensrecht
von der Rechtsprechung entwickelt wurden, da das ge-
schriebene Recht lückenhaft war. Mittlerweile hat der Das Verfahrensrecht schreibt den obersten Bundesge-
Gesetzgeber bei der letzten großen Reform des Schuld- richten und in sonstigen letzten Instanzen gemäß
rechts diese Rechtssätze in das BGB mit aufgenom- § 132 Abs. 4 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) eine
men. Was vormals als Richterrecht allgemeine Gültig- Leitfunktion bei der normsetzenden Fortbildung der
keit besaß, ist somit vom Gesetzgeber aufgegriffen Rechtsordnung zu.
worden und in das geschriebene Recht übernommen
worden. Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes
sind wie ein Gesetz für alle Gerichte verbindlich, wenn
Gibt das Gesetz keine Auskunft über eine Regelung, ein Gesetz für nichtig erklärt wird. Dies ist in
müssen die Beauftragten für Umwelt- und Arbeits- § 31 Abs. 2 Bundesverfassungsgerichtsgesetz
schutz im Unternehmen im Rahmen ihrer Überwa- (BVerfGG) geregelt. Untere Instanzgerichte sind für
chungspflichten ermitteln, ob entsprechende einschlä- einen einzelnen Rechtsstreit nach § 563 Abs. 2 ZPO
gige Entscheidungen aus der Rechtsprechung vorlie- dann an das Urteil der oberen Instanz gebunden, wenn
gen. Es wäre eine Fehler, wenn anstehende Rechtsfra- das Rechtsmittelgericht das instanzgerichtliche Urteil
gen nur durch die Anwendung von Gesetzen ohne Be- aufhebt und den Rechtsstreit mit entsprechenden in-
rücksichtigung der Rechtsprechung beantwortet wer- haltlichen Vorgaben zur erneuten Entscheidung zu-
den. Insbesondere gilt dies dann, wenn das Gesetz un- rückverweist.
bestimmte Rechtsbegriffe einsetzt oder Lücken auf-
weist. Oberlandesgerichte, die in letzter Instanz entscheiden
und von Entscheidungen eines anderen Oberlandesge-
richtes abweichen, haben in bestimmten Fällen eine
23. Die Bundesgerichte als Ersatzgesetz- Vorlagepflicht zum Bundesgerichtshof (so zum Bei-
geber spiel in Kartellsachen nach § 124 Abs. 2 des Gesetzes
gegen Wettbewerbsbeschränkungen). Ein Gericht der
Die richterliche Normsetzung und Gleichstellung mit zweiten Instanz muss die Revision zum obersten Bun-
dem Gesetzgeber kann nicht mit dem Gewaltentei- desgericht zulassen, wenn es von Entscheidungen der
lungsgrundsatz bestritten werden. Die Gesetzesbindung obersten Bundesgerichte abweichen will. Die einheitli-
der Gerichte wird nicht verletzt. In allen Fragen, in de- che Rechtsanwendung soll auf diese Weise gewahrt
nen das Gesetz Lücken lässt oder sich in unbestimmten werden. Einerseits werden die unteren Instanzgerichte
Rechtsbegriffen äußert, verzichtet der Gesetzgeber auf in ihrer Unabhängigkeit gesichert. Sie sind nicht an die
eine Regelung. Werden diese Lücken durch richterli- Obergerichte gebunden. Andererseits führt die Zuläs-
che Entscheidungen gefüllt, wird das Prinzip der Ge- sigkeit der Revision in der Praxis zu einer einheitlichen
setzesbindung der Gerichte nicht verletzt. An das Ge- Rechtsprechung nach dem Vorbild der obersten Bun-
setz können Gerichte nur dann gebunden werden, wenn desgerichte. Die höchstrichterliche Rechtsprechung hat
sie Regelungen getroffen haben. Dies ist bei damit Richtlinienfunktion. Die Einheitlichkeit der
Gesetzeslücken gerade nicht der Fall. Rechtsprechung der obersten Bundesgerichte wird e-
benfalls durch Verfahrensregeln abgesichert. Will ein
Wahlthema des Monats 526 Umweltrechtsreport 7/2003

Senat eines obersten Bundesgerichtes von der Ent- die wachsende Bedeutung der Rechtsprechung auch für
scheidung eines anderen Senates abweichen, muss er die Alltagspraxis hervorgehoben werden. Gerade weil
die Rechtsfrage dem großen Senat des Gerichts vorle- im Umweltrecht und Arbeitsschutzrecht die unbe-
gen. Letztlich entscheidet der gemeinsame Senat der stimmten Rechtsbegriffe vorherrschen, Gesetzeslücken
obersten Bundesgerichte. Seine Einrichtung dient der wegen der dynamischen Entwicklung der Erkenntnisse
Wahrung der Einheitlichkeit der Rechtsprechung der im Umweltschutz und Arbeitsschutz unausweichlich
obersten Gerichtshöfe des Bundes, § 1 des Gesetzes sind, muss um so mehr die Rechtsprechung als weitere
zur Wahrung der Einheitlichkeit der Rechtsprechung Rechtsquelle herangezogen werden. Die Resultate der
der obersten Gerichtshöfe des Bundes (RsprEinhG). Rechtsprechung bei der Formulierung von Unterneh-
menspflichten zu vernachlässigen, würde den Vorwurf
Im Verwaltungsrecht dienen ebenfalls die Berufungs-
der unzulänglichen Rechtsanwendung begründen.
und Revisionsvorschriften der Wahrung der Einheit-
lichkeit der Rechtsprechung. Nach § 124 Abs. 2 der
Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) kann gegen das 25. Rechtsverweigerungsverbot
Urteil eines Verwaltungsgericht insbesondere dann Be-
rufung eingelegt werden, wenn die Rechtssache grund- Anerkannt ist von Juristen heute, dass Gerichte die Lü-
sätzliche Bedeutung hat oder wenn das Urteil von einer cken füllen, die der Gesetzgeber offen gelassen hat.
Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, des Bun- Die Richter werden zu Ersatzgesetzgebern. Sie schaf-
desverwaltungsgerichts, des gemeinsamen Senats der fen das Richterrecht neben dem Gesetzesrecht. Die
obersten Gerichtshöfe des Bundes oder des Bundesver- Funktionen der Gerichte als Ersatzgesetzgeber bei of-
fassungsgerichts abweicht und auf dieser Abweichung fen gelassenen Lücken wird mit dem Rechtsverweige-
beruht. Gleiches gilt nach § 32 Abs. 2 VwGO für die rungsverbot begründet. Danach sind Gerichte ver-
Zulassung der Revision gegen Urteile des Oberverwal- pflichtet, im Rahmen Ihrer Zuständigkeit, vorgelegte
tungsgerichts. Rechtsfälle auch dann zu entscheiden, wenn eine ein-
All diese Verfahrensregelungen sollen die Einheitlich- schlägige, dem Sachverhalt regelnde Gesetzesnorm,
keit der Rechtsordnung wahren. Im Falle der gesetzli- nicht vorhanden ist.
chen Lücken hat das Bundesverfassungsgericht in sei- Diese Regel vom Rechtsverweigerungsverbot hat ihre
nem Grundsatzurteil (BVerfGE 34, 269, Seite 287, der Ausnahme. Im Strafrecht gilt dieser Grundsatz nicht.
„Soraya-Entscheidung“) entschieden, dass verfas- Nach Artikel 103 Abs. 2 GG kann eine Tat nur bestraft
sungsrechtliche Wertvorstellungen nach Auffassung werden, wenn die Strafbarkeit vor der Tat gesetzlich
des Gerichtes dann von der Rechtsprechung umgesetzt bestimmt war (nulla poena sine lege). Gerichte dürfen
werden und den Text der geschriebenen Gesetze än- im Strafrecht keine Lücken füllen. Zu Lasten eines
dern, wenn schwerwiegende rechtliche Gründe aus Angeklagten wurde die Strafbarkeit erweitert.
dem Ganzen der Rechtsordnung die Abweichung und
Ergänzung vom Gesetz unerlässlich macht. Vorausset- Gerade die Beschäftigung mit umweltrechtlichen Nor-
zung zur Rechtsfortbildung ist nach dieser Rechtspre- men zeigen deren typische Lückenhaftigkeit. Die vom
chung des Bundesverfassungsgericht, dass das ge- Gesetzgeber offen gelassenen Lücken könne nur von
schriebene Gesetz seine Funktionen nicht erfüllt, näm- Richtern geschlossen werden. Richter können sich
lich ein zu entscheidendes Rechtsproblem zu lösen. Im nicht weigern, Entscheidungen zu treffen, wenn eine
Falle einer Lücke muss der Richter entscheiden, wenn Lücke im Gesetz vorhanden ist. Gerade der Grundsatz
der Gesetzgeber eine Regelung unterlassen hat. Seit vom Rechtsverweigerungsverbot soll den Betriebsbe-
der Soraya-Entscheidung wird dieser Grundsatz in auftragten klar werden lassen, wie wichtig es ist, die
ständiger Rechtsprechung bestätigt. Rechtsprechung heranzuziehen und nach Lösungen of-
fener Rechtsfragen zu recherchieren.
Die wichtige Rolle der Bundesgerichte wird auch daran
deutlich, dass sie selbst die Gesetzeslücken definieren. Fehlerhaft wäre es bei der Rechtsanwendung nach der
Sie befinden darüber, ob ein Gesetz eine Lücke hat, die Feststellung einer Lücke im Gesetz weitere Recher-
durch Gerichtsurteile zu schließen ist. Bei diesen Ent- chen einzustellen. Vielmehr setzt die fehlerfreie
scheidungen können auch oberste Bundesgerichte ir- Rechtsanwendung voraus, neben Gesetzen auch nach
ren. Sie irren dann aber rechtskräftig. (Bülow, Gesetz- Lösungen durch die Rechtsprechung zu suchen.
und Richteramt, 1992, Seite 7 und 48, zitiert nach
Bernd Rüthers, Anm. Seite 253). Festzuhalten bleibt,
dass oberste Bundesgerichte nicht nur Recht anwen-
26. Gerichtsurteile als Vorrat von Lösun-
den, sondern neues Recht schaffen. Das Richterrecht gen für offene Rechtsfragen
gilt als faktische Rechtsquelle. Die Rechtsprechung
darf deshalb nicht als Rechtsquelle neben den Geset- Versteht man die Rechtsanwendung als ein Verfahren,
zestexten vernachlässigt werden. abstrakte Rechtsbegriffe auf konkrete Sachverhalte an-
zuwenden, ist es für einen Betriebsbeauftragten inte-
Da in der betrieblichen Praxis beim Umweltschutz und ressant, auf welche konkreten Sachverhalte aus einem
Arbeitsschutz die Rechtsprechung eher vernachlässigt Industriebetrieb ein Rechtsbegriff in der Vergangenheit
und die Gesetzestexte überbewertet werden, muss für verwendet wurde. Darüber geben Gerichtsurteile Aus-
die Praxis der Rechtsanwendung in den Unternehmen
Umweltrechtsreport 7/2003 527 Wahlthema des Monats

kunft. Die Verwendung eines Rechtsbegriffs auf einen Die Kenntnis dieser Rechtsprechung ist also für die
konkreten Sachverhalt aus einem Industriebetrieb hat Frage von Bedeutung, ob für eine Container-Anlage
immer eine Rechtsfolge. Die Rechtsfolge ist regelmä- eine Genehmigung nach dem Bundes-
ßig im Gesetz beschrieben und ist als Pflicht des Un- Immissionsschutzgesetz erforderlich ist. Die Beantwor-
ternehmens zu verstehen. tung dieser Frage hängt davon ab, wie man das Tatbe-
standsmerkmal „Lagerung“ interpretiert. Maßgeblich
Diese Zusammenhänge macht das folgende Beispiel
ist dabei wie die höchstrichterliche Rechtsprechung
aus der Rechtsprechung deutlich (OVG Münster,
den Begriff auffasst. Nur mit Kenntnis dieser Auffas-
DÖV 2001, S. 300):
sung kann das Unternehmen die gesetzeskonforme
Die Firma X betreibt einen Container-Terminal in ei- Entscheidung treffen.
nem Hafen. 10-15 % der jährlich ankommenden
Wer also sicher gehen will, die Rechtsbegriffe so zu
Transportbehälter enthalten sehr giftige Stoffe und Zu-
verwenden, dass ihm kein Vorwurf gemacht werden
bereitungen i.S.d. Gefahrstoffverordnung. Nr. 9.34 des
kann, dem ist zu empfehlen, die Rechtsprechung zu
Anhangs zur Verordnung über genehmigungsbedürfti-
befragen. Zur vorwurfsfreien Rechtsanwendung gehört
ge Anlagen (4. BImSchV) legt fest, dass Anlagen, die
nicht nur die Suche nach der einschlägigen gesetzli-
der Lagerung von 20 Tonnen oder mehr dieser Stoffe
chen Vorschrift, sondern auch die Suche nach dem ein-
dienen, einer Genehmigung nach dem BImSchG be-
schlägigen Gerichtsurteil, wenn das Gesetz eine Rege-
dürfen. Die Container werden ausgeladen und auf dem
lung offen gelassen hat. In Gesetzeskommentaren wird
Betriebsgelände vorübergehend abgestellt, bis das
regelmäßig die Rechtsprechung zu einzelnen Rechts-
Anschlußtransportmittel (i.d.R. ein LKW) zur Verla-
normen und zu den Rechtsbegriffen gesammelt.
dung und zum Abtransport zur Verfügung stehen. Da-
bei können ein bis zwei Tage bis zum Weitertransport In der Fortsetzung dieses Themas soll das Phänomen
vergehen. der Lücke weiter untersucht werden. Es muss vor allem
geprüft werden, ob der Gesetzgeber eine Lücke gelas-
Die zuständige Behörde stufte das Container-Terminal
sen oder auf eine Regelung verzichtet hat. Es soll be-
als Anlage i.S.d. § 3 Abs. 5 Nr. 1 BImSchG ein. Nach
schrieben werden, wie der Rechtsanwender selbst
Auffassung der Behörde bestehe eine Genehmigungs-
Probleme löst, wenn die Rechtssprechung keine Lö-
pflicht, weil die Anlage der “Lagerung” (und nicht le-
sung bereit hält. Insbesondere kommt dies dann vor,
diglich dem “Umschlagen”) der Container mit den o.g.
wenn Gesetze neu geregelt sind, gerichtliche Entschei-
Stoffen diene. Eine solche Genehmigung lag aber nicht
dung nicht vorliegen und die Anwender eines neuen
vor. Daraufhin legte die Behörde die Anlage nach § 20
Gesetzes auf sich angewiesen sind, eine Lösung zu fin-
Abs. 2 BImSchG still.
den. Gerade bei neuen Gesetzen sind
Das OVG Münster bestätigte die Ansicht der Behörde, Verwaltungsbehörden und Unternehmen darauf
daß es sich hier um eine genehmigungsbedürftige La- angewiesen, die Rechtsanwendung von Gerichten
gerung handele. Da der Gesetzgeber weder in der vorherzusagen. Besonders bei neuen Gesetzen sind die
4. BImSchV noch im BImSchG den Begriff der “Lage- Unternehmensvertreter auf die Methoden der
rung” definiert habe, müsse zur Ausfüllung des Begrif- Rechtsanwendung angewiesen, um die
fes auf die Interpretation im Gewässerschutzrecht und Behördenvertreter von ihrer eigenen Rechtsauffassung
im Abfallrecht zurückgegriffen werden. Eine “Lage- im konkreten Fall zu überzeugen.
rung” werde dort bejaht, wenn der Schwerpunkt mehr
auf dem “Aufbewahren” als auf dem “Fortbewegen”
liege. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen An-
und Abtransport müsse verloren gegangen sein. Die
Bereitstellung dürfe nicht auf eine bloß kurze Dauer
ausgelegt sein, sondern müsse sich nach der Verkehrs-
anschauung als eine Unterbrechung des Transportvor-
gangs darstellen. Ziehe man diese Abgrenzungsmaß-
stäbe im vorliegenden Fall heran, so müsse - aufgrund
der Vielzahl der Container - eine “Lagerung” bejaht
werden. Denn die Verweildauer auf dem Betriebsge-
lände betrage für einen nicht unbeträchtlichen Teil der
Transportbehälter mehr als 24 Stunden. Dieser Zeit-
punkt bilde auch nach § 3 Abs. 3 GefStoffV (Gefahr-
stoffverordnung) die Grenze, nach der die “Bereitstel-
lung zur Beförderung” in ein “Lagern” übergehe. Da
sich die Regelungen der Nrn. 9.34 bzw. 9.35 des An-
hangs zur 4. BImSchV gerade auf die dort in der
GefStoffV definierten Stoffe und Zubereitungen bezö-
gen, könne die entsprechende Wertung herangezogen
werden.