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Stapelungen Luca Riggio 1

Stapelungen sind Gebäude die aus mehreren Elementen zu-


sammen „geschachtelt“ sind. Meiner Meinung nach lässt diese
Bauart die Häuser „lebendiger“ wirken als normale Bauten.
Stapelungen gehören zur modernen Architektur, man will sich
vermutlich von den strengen, geradlinigen Bauweisen los-
reissen und neuere, praktischere und interessantere Gebilde
konstruieren.
Ich finde, dass sich mit Stapelungen mehr Platz für Balkone
und Fassadenbegrünung gewinnen lässt. Das ganze Gebäude
wirkt offener und freier. Es wird nicht ein Würfel erstellt, in
dessen Innern man Wände aufzieht, sondern man versucht
dem Gebäude möglichst nicht einen Rahmen, bzw. eine Gren- Science Center Hamburg von R. Koolhaas
ze zu setzen.

Ich finde, dass Stapelungen nicht nur optisch spannend anzu-


sehen sind, sondern auch praktische Zwecke erfüllen. Sie kön-
nen individuelle Lebensräume erschaffen oder an der richtigen
Stelle Schatten werfen. Auf alle Fälle entsteht Fläche die der
Architekt je nach Vorstellung als Balkon, Garten, Arbeits- Le-
bensraum oder als kunstvolle Leere (Entwurf Science Center
Hamburg) inszenieren kann.

Es gibt meiner Beobachtung nach, mehrere Formen von Sta- New Museum New York von SAANA
pelungen. Die willkürlich wirkende, wie das New Museum in
New York, oder die geometrisch wirkende Stapelung, wie z.B:
die Genossenschaftswohnungen an der Paul Clairmont Strasse
in Zürich.
Stapelungen müssen nicht nur in die Höhe konstruiert werden,
sondern man kann Zimmer auch in den Raum (nebeneinander)
expandieren. Natürlich ist das keine „wörtliche“ Stapelung,
aber man arbeitet mit der gleichen Grundsatz: „Raum wird
durch Addition gewonnen“.
Genossenschaftswohnung Zürich P. Gmür
Wie weit und wie hoch der Architekt das Gebäude bauen kann
liegt an der Statik und dem Material. Tatyana und Ich haben
Stapelungen mit Kartonschachteln konstruiert.
Die erste Stapelung bauten wir in einer Spiralform. Umso hö-
her wir die Schachteln auftürmten, umso mehr begann unser
Turm zu schwanken. Das hat unserer Meinung nach nichts
damit zutun, dass unser Gebäude eine Stapelung war, sondern
viel mehr damit, dass der Turm einfach zu hoch wurde.
Ich halte es für unwahrscheinlich, dass unsere Konstruktion
in der Realität halten würde, da sich die Stapelung nur in der
Zentralachse stützen konnte. Eine Lösungsmöglichkeit wäre
ein Helix, wie beispielsweise beim geplanten Rocheturm in
Basel.
Ausserdem müsste das Fundament extremen Kräften standhal-
ten, da es jedes Element der Stapelung tragen muss. Umso so
schwerer die Masse, umso stärker die Kräfte, die sich auf das
Fundament auswirken. Spiralturm Rocheturm
Herzog & de Meuron
Luca Riggio 2

Tatyana und ich experimentierten mit verschiedene Formen


und Aufstapelungsmöglichkeiten.
Am besten gefiel mir eine der tiefen Stapelungen. Sie hatte ei-
nen Innenhof und vier kleinere dreieckförmige Schächte, die,
meiner Vorstellung nach, noch zusätzlich Licht in den Gebäu-
dekomplex bringen würden.
Auch das Blumen- oder Sonnengebäude eignet sich ideal für
neue Siedlungen. Ich stelle es mir als grosse Wohnsiedlung
oder als Multifunktionskomplex mit integriertem Innenhof
und grossen Balkonflächen vor.
Sehr erstaunt waren wir, als Tatyana und ich ein improvi-
siertes und planlos erstelltes Gebäude mit dem Hauptsitz der
deutschen Landes Bank in Hannover verglichen. Obwohl wir Stapelungskomplex Luca
uns ohne grosse Überlegung ans Werk machten und mutig aus
dem Bauch heraus Schachtel auf Schachtel stapelten entstand
ein Model, das mit einem tatsächlich existierenden Gebäude
markante Ähnlichkeit aufwies.

Daher ist Tatyana und mir aufgefallen, dass Stapelungen zwar


einem extrem simplen Prinzip folgen, jedoch eine viel effekt-
vollere Wirkung erzielen als wir zunächst dachten. Kombiniert
mit der richtigen Innenarchitektur, kann der Architekt dem
Gebäude einen spezielleren, eigenen Charakter verleihen.
Viele renommierte Architekten wie Herzog & de Meuron Blumen- Sonnengebäude
haben sich ebenfalls von den besonderen Reizen einer Stape-
lungen verführen lassen. Die schweizer „Star-Architekten“
haben zurzeit mehrere Projekte mit Stapelungen in Planung,
z.B: den Anbau der Tate Modern in London, das Vitra- Ge-
bäude in Weil am Rhein oder das Actelion Business Center in
Allschwil.

LB Hannover von Benisch & „Zufallsstapelung“


Gebäude Architekt Homepage
Science Cen- Rem Koolhaas www.oma.nl
ter Hamburg
New Mu- SAANA -
seum New
York
GW P. Gmür, www.patrickgmuer.ch
J. Steib
Rocheturm Herzog & de http://deu.archinform.net/
Meuron arch/291.htm
Vitra-Haus „ „

LB Hannover Behnisch www.behnisch.com


Behnisch
Vitra- Gebäude Herzog & de Meuron