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Erfahren Sie, wie jeder

seine Schulden los und


wieder unabhängig
werden kann!

Die
Schuldenfibel

Eine Publikation der ProMotion Medienproduktion


Inhalt
Teil I – Der unkonventionelle Weg
Wie Sie Ihre Schulden einfach nicht zurückzahlen

Einleitung Vorwort....................................................................................................... 3

1. Kapitel Wie das System funktioniert.................................................................... 4


2. Kapitel Der Unterschied: Schulden oder Strafbestand...................................... 6
3. Kapitel Zeit gewinnen............................................................................................ 7
4. Kapitel Wie Banken arbeiten................................................................................. 10
5. Kapitel Großbetriebe und ihre Knackpunkte....................................................... 12
6. Kapitel Inkassocomputer und wie man mit ihnen umgeht................................. 14
7. Kapitel Keine Angst vor Post vom Rechtsanwalt............................................... 15
8. Kapitel Gerichtspost – nein danke....................................................................... 16
9. Kapitel Wieso ein Urteil keine Wirkung hat......................................................... 20
10. Kapitel So machen Sie Geschäfte trotz Schulden.............................................. 21
11. Kapitel Viele Menschen haben Schulden............................................................. 22
12. Kapitel Insolvenz vorbereiten............................................................................... 23

Teil II – Schuldenfrei mit Hilfe des Gesetzgebers


Schuldenregulierung auf die Weise der Vernunft

Einleitung II Der konventionelle Weg...................................................................................... 24

1. Kapitel Überschuldung – eine Definition........................................................................ 25


2. Kapitel Der richtige Umgang mit den Gläubigern.......................................................... 26
3. Kapitel Die Schuldnerberatung....................................................................................... 31
4. Kapitel Regulierung von Schulden................................................................................. 37
5. Kapitel Schulden vermeiden............................................................................................ 41

Anlage I Wenn der Gerichtsvollzieher kommt.................................................................. 47


Anlage II Internetlinks.......................................................................................................... 48
Teil I - Einleitung
Vorwort

Liebe Leserin,
lieber Leser,
viele Menschen haben Schulden. Diese sind
allgegenwärtig, jeden Tag. Sie machen krank, man fühlt
sich schlecht, schuldig und bereut. Dabei ist es kein
Verbrechen, Schulden zu haben.

Wie haben Sie sich verschuldet? Sind Sie als Unternehmer


gescheitert? Haben Sie Ihre Arbeitsstelle verloren?
Kommen Sie Ihren Ratenzahlungsvereinbarungen nicht
mehr nach? Ganz egal wie, es gibt Leute, die Ihnen das
Leben schwer machen: Gläubiger.

Diese haben kein Verständnis für Sie und Ihre Situation.


Keinesfalls würden die mit Ihren Forderungen runtergehen,
sich auf Ratenzahlungen vereinbaren, die Ihnen noch Geld
zum Leben übrig lassen. Es ist Gläubigern stets egal, ob
Sie morgen noch Geld für Brot und Butter haben, ob Sie
ein Dach über dem Kopf haben und keine
Selbstmordgedanken fassen.

Doch so weit wollen wir es nicht kommen lassen! Seien Sie


unbesorgt, niemand wird mehr über Ihr Leben bestimmen.
Machen Sie aus dem ehemaligen Nachteil, dass Sie kein
Geld mehr haben, einen Vorteil. Ich versichere Ihnen, dass
das geht. Statt sich das Leben von Ihren Gläubigern
schwer machen zu lassen, machen Sie jetzt Ihren
Gläubigern das Leben schwer!

In diesem Ratgeber erfahren Sie einiges zu diesem


Thema. Lesen Sie sich es ganz durch, wenn nötig,
mehrmals – bis Sie alles verstanden haben. Es ist eine
Anleitung, wie Sie sich schon bald keine Sorgen mehr
machen müssen, sondern über die lachen, die
Forderungen gegen Sie erheben.

Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß beim Lesen und natürlich
ganz viel Erfolg in Ihrem zukünftigen und besseren Leben!

Herzlichst,

der Autor

3
Teil I -1. Kapitel
Wie das System funktioniert
Kriminell ist das hier beschriebene System nicht, denn Gesetze dürfen Sie nicht brechen!
Müssen Sie auch nicht – alles, was Sie hier lesen, ist völlig legal.

Möglicherweise haben Sie einen Grund, Ihre Schulden nicht zu bezahlen, dann
bekommen Sie jetzt eine Anleitung an die Hand, wie Sie diese Außenstände loswerden.
Die Moral müssen Sie jetzt hinter sich lassen, doch das ist egal. Sie selbst sollten wissen,
was für Sie das Beste ist. Schließlich ist der eigene Blickwinkel wichtig.

Das beste Beispiel sind die Banken, die selbst ihre Schulden nicht zurückzahlen, sondern
sich nur refinanzieren. Sie leihen sich Geld, gibt den Kunden dafür Zinsen und verleiht es
wieder – dies jedoch mit höheren Zinsen. Ein ganz einfaches System.

Bedenken Sie immer: Sie können es selbst machen wie die Banken, nur müssen Sie
immer auf der Seite des Gesetzes handeln!

Wir fragen nicht, warum Sie Schulden haben. Möglicherweise haben Sie einen
Geschäftskonkurs hinter sich oder privat übernommen. Irgendwie kommt man in solch
eine Misere, doch wie, das ist für unser System völlig nebensächlich.

Wichtig: Haben Sie jedoch einen guten Grund die Schulden nicht zu zahlen –
möglicherweise, weil die Forderungen gegen Sie nicht legitim sind - nutzen Sie die hier
beschriebenen Methoden nicht!

Schreiben Sie den Möchtegern-Gläubigern, dass Sie nicht zahlen. Wenn sie mahnen und
klagen, schalten Sie einen Anwalt ein. Vor dem Richter klärt sich ja doch alles auf und sie
sind raus aus dem Schlamassel.

Dieses eBook ist für solche verfasst, die eigentlich wissen, dass sie berechtigte Schulden
haben. Die einzige Möglichkeit die ihnen bleibt:

Sie müssen Zeit gewinnen.

Gelingt es Ihnen lange genug ihre Schulden nicht zu zahlen, bringen Sie Ihre Gläubiger
bald dazu, die Forderungen zu erlassen. Sie verzögern, der Gläubiger will abkürzen.

Wenn die Gläubiger irgendwann die Nase voll haben, wählt er den aggressiven Weg: Ihm
platzt der Kragen und er klagt. Was kommt dabei heraus? Ein Urteil, sicher. Aber kann er
es vollstrecken? Wie, wenn Sie doch kein Geld haben?

Vielleicht können Sie sich auch mit dem Gläubiger einigen, wenn er sich auf einen
Vergleich einlässt, können Sie Ihre Schulden halbieren, wenn nicht noch mehr. Sogar das
Finanzamt würde Ihnen Schulden erlassen, wenn es merkt, dass der Zahlungsunwillige
nicht mehr in Deutschland weilt und er nicht mehr dem Rechtssystem unterstellt ist.

Kein lukrativ ausgerichteter Unternehmer streitet ohne Aussicht. Schicken Sie ihm doch
einen Brief oder eine Postkarte aus der Dominikanischen Republik (wie wäre es mit einem
kleinen Urlaub): „Halte den Stress nervlich nicht mehr aus, zahle meine Schulden nicht
und lebe jetzt im Paradies.“ Der Gläubiger erkennt schnell: Bevor er gar nichts kriegt,
lieben einen Teil – also Vergleich.
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Kurz: Lassen Sie sich nicht fertig machen! Spielen Sie auf Zeit, ärgern sie den Gläubiger
und halten Sie sich an das Gesetz. Dabei bleiben Sie immer schön freundlich. Irgendwann
gibt er seine Forderung auf und Sie haben gewonnen.

Denken Sie optimistisch: Manchmal klappt es und Sie verlieren Ihre Schulden schnell, oft
benötigen Sie auch Ausdauer. Ihre Möglichkeiten steigen, je länger Sie kämpfen.
Möglicherweise können Sie auch teilweise die Rechnungen ausgleichen, das aber
ausführlicher in diesem eBook.

Erst mal müssen Sie zwei Dinge wissen:

1. Handeln Sie nur so schnell wie nötig, dabei so langsam wie es möglich ist

2. Lächeln! Werden Sie niemals unfreundlich

So setzen Sie das um:

- Persönlich oder telefonisch sind Sie ab sofort nicht mehr erreichbar, denn Probleme sind
im Gespräch schon bald geklärt. Ihre Frau sagt immer, dass Sie nicht im Haus sind. Ein
Anrufbeantworter erfüllt einen ähnlichen Zweck.

- Wenn Sie den gefürchteten Gläubigern doch mal begegnen, reden Sie sich raus: "Ja, da
war doch was, doch soll ich mündliche Vereinbarungen meiden, bei gerichtlichen
Vereinbarungen hält das doch nicht mehr. Da sollten wir das doch über den Anwalt klären
– in beiderseitigem Interesse.". Ein Rechtsberater würde Ihnen das Gleiche empfehlen.

- Schriftverkehr sollte nur über das Postfach laufen. So weiß keiner, wo Sie wohnen.

- Juristische Fristen (Widerspruchsablauf u.ä.), dürfen Sie nicht verletzen. Muss der
Widerspruch zum Monatsende beim Gericht eingegangen sein, darf er auch erst zum
Monatsende dort in der Post sein. Aber auch nicht zu spät.

- Weichen Sie in Ihren Antworten aus, konkrete Aussagen sind zu meiden.

Deshalb sind Anstand und Freundlichkeit wichtig

Mit Bedacht sollten Sie mit Ihren Gläubigern umgehen. Sie wollen schließlich etwas von
ihm, nämlich den Schuldenerlass. Sie haben Schulden und sollten Ruhe bewahren.
Unfreundlichkeit führt zu Unberechenbarkeit.

Briefe müssen freundlich formuliert sein und die besten Absichten ausdrücken. Schreiben
Sie doch einfach, dass Ihnen an der schnellen Rückzahlung der Schulden gelegen ist,
aber dies und das noch geklärt werden muss.

Niemals aber dürfen Sie Ihren Gläubiger angreifen und ihnen Vorwürfe machen. Dann
nimmt er es persönlich und will Vergeltung. Das kann mitunter nichts guten heißen,
möglicherweise klagt er und das können Sie nicht gewinnen. Wenn er Ihnen böse Briefe
schreibt und Sie beleidigt, können Sie wegen Beleidigung aber auch eine
Gegenforderung stellen – wegen Schadensersatz für eine Beleidigung.

5
Teil I - 2. Kapitel
Der Unterschied: Schulden oder Strafbestand
Seien Sie versichert, dass durch Schulden in diesen Zeiten niemand mehr ins Gefängnis
kommt. Es stellt keine Straftat dar, Schulden zu haben. Ihnen kann nichts passieren,
solange Ihnen keine persönliche Zahlungsunfähigkeit/kein Konkurs droht. Auch dann
machen Sie sich nur strafbar, wenn Sie...

- einen Meineid abgeben oder eine falsche Versicherung an Eides Statt abgeben

oder

- Vermögenswerte an die Seite schaffen, wenn Ihnen der Konkurs bereits ins Haus steht.

Es ist aber nicht strafbar, wenn Sie lügen: Sie können erzählen, dass Sie zahlungsunfähig
sind, weil ihr Auto kaputt ist. Wenn Sie aber unwahre Angaben gemacht haben, wenn Sie
einen Kredit beantragt haben, nennt man das Kreditbetrug, und der ist natürlich strafbar.
Ebenfalls ist es ungesetzlich, wenn Sie zur Eidesstattlichen Versicherung gezwungen
werden und in dieser angeben, bettelarm zu sein – dabei haben Sie im Ausland einen
Haufen Geld versteckt.

Legal ist es, Vermögen und Werte abzusichern, zu übertragen, zu verkaufen oder zu
verschenken. Firmen aus dem Ausland oder Ihre Ehefrau sind hier Kandidaten. Das muss
aber geschehen, wenn es um Ihre Firma oder Sie noch gut bestellt ist, was das Geld
angeht. Erst dann, wenn Sie von Ihrer Zahlungsunfähigkeit wissen, dürfen Sie kein
Vermögen mehr schieben.

Um Sie verurteilen zu können, muss Ihnen aber auch eine Straftat definitiv bewiesen
werden – beispielsweise, dass Sie von Ihrer drohenden Insolvenz wussten, als Sie Ihr
Geld verschoben haben. Ein Verdacht allein reicht dagegen nicht aus.

Zudem müssen Sie sich auch noch in dem Rechtsbereich aufhalten, für den das Gericht
zuständig ist. Schieben Sie ihr Vermögen also ins Ausland, sind Sie fein raus. Ihr
Vermögen ist weg und Sie ebenfalls.

Um Ihnen jetzt einen Gesetzesbruch nachzuweisen, müsste Ihnen nachgestellt werden,


dass Sie von einer drohenden Insolvenz Kenntnis hatten und nicht nur keine Lust mehr
hatten. Das setzt aber voraus, dass man Sie zu der Sache befragt oder Papiere gefunden
werden, die die Straftat nachweisen. Die Polizei kann sie nicht vernehmen, wenn Sie sich
nicht im Rechtsbereich befinden. Auch können Sie nicht gezwungen werden, in den
Rechtsbereich zurückzukehren, solange keine Straftat bewiesen werden kann oder ein
Abkommen zur Auslieferung existiert (auch hierzu später mehr).

grundsätzlich, egal wie sie es auch handhaben, gilt:

Desto weiter der Zeitraum zwischen Vermögensabsicherung und Konkurs,


umso weniger wirksam kann man Ihnen Gesetzesbruch anhängen.

Zeit gewinnen heißt folglich die Devise.

6
Teil I - 3. Kapitel
Zeit gewinnen

Ein Gläubiger hat nur eine Möglichkeit, an sein Geld zu kommen: Sie direkt zur Zahlung
der Schulden aufzufordern. Je nachdem, wie lange Sie sich schon vor der Zahlung
drücken, wird er dies sachlich, bestimmt oder unfreundlich tun.

Dies ist der Zeitpunkt, an dem Sie „von der Bildfläche verschwinden“ müssen. Man
erreicht Sie einfach nicht mehr.

Selbstverständlich dürfen Sie die Mahnung/Zahlungsaufforderung nicht einfach


wegwerfen. Sie müssen mit diesem System sehr früh beginnen. Wenn Sie ihren Gläubiger
einfach ignorieren, werden Sie schon bald mit einem gerichtlichen Mahnverfahren
konfrontiert – da Sie keinen juristischen Hintergrund haben, ist ein Erfolg vor Gericht
ausgeschlossen. Mahnverfahren führen schnell zum Verlust (Ihres Geldes). Die ganze
Sache muss also auf eine möglichst „lange Bank“ geschoben werden. Sicher ist es aber
auch möglich, sich vor einem solchen Mahnverfahren zu drücken, wenn Sie einfach die
Zustellung des gefürchteten Briefes mit Urkunde unmöglich machen. Hierauf gehen wir
später detaillierter ein.

Das System besteht aus vier Punkten:

- alles abstreiten

- den Gläubiger verwirren

- Versprechen tätigen

- (vermeintliche) Ratenzahlung

Alles Abstreiten

Nehmen wir mal an, Sie haben einen Grund, nicht zu zahlen – juristischer Art. Dann
sollten Sie jetzt damit beginnen, ihn dem Gläubiger mitzuteilen. Üblich ist hier der Hinweis
auf eine Lücke, den Sie angeblich schon angesprochen haben, der Gläubiger aber nicht
drauf eingegangen ist. Hier passt das Versandhausbeispiel gut: Gelieferte Ware niemals
bestellt, sondern anderes Produkt, dieses darum nicht zu gebrauchen und obendrein
Lieferung nie erhalten). Sie hatten bereits per telefonisch Klärung gefordert. Gebracht hat
das jedoch nichts und nun sind sie ein wenig verärgert. Ihre Rechnung bezahlen Sie –
wenn überhaupt – erst, wenn die Sache geklärt ist. Fragt sich nur, was zu klären ist...

Verwirren

Zur Verwirrung führen Sie beim Gläubiger schon allein dadurch, dass Sie eigentlich keinen
Grund haben – diesen jedoch formulieren. Nun hat er die Sache am Hals, muss erst mal
seine Bücher durchsehen, Zeit und Geld geht im verloren. Solange Ihr Gläubiger sich
jedoch nicht zu der Sache äußert, antworten Sie auf seine Mahnungen mit dem Grund
ihrer Beschwerde. Wenn nun der Gläubiger diese jedoch zurückweist, stellen Sie diese
Absage wiederum in Frage. So können Sie sich eine ganze Weile weiter zanken. Jede
Mahnung schicken Sie einfach mit dem Hinweis auf Ihre Beschwerde vom soundsovielten
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zurück.

Besonders passend ist es nun, auf Briefe von Ihnen hinzuweisen, die Sie nie abgeschickt
haben. Stellen Sie sich Ihren Gläubiger vor, wie er verzweifelt nach dem "Schreiben vom
1. März" sucht, welches es gar nicht gibt. Bemerkt er den Schwindel, geben Sie an, er
hätte nicht richtig gesucht. Ist doch offensichtlich: Bei dem Durcheinander können Sie nur
im Recht sein.
Irgendwann entschuldigen Sie sich dann, sie hätten das falsche Datum angegeben und
geben ihm ein anderes Datum – der Gläubiger sucht erneut.

Geübt Schuldner berufen sich auch gerne auf Einschreibebriefe, die es gar nicht gibt.
Wenn der Gläubiger behauptet, kein Einschreiben erhalten zu haben, müssen zunächst
Nachforschungsanträge gestellt werden, die sich wiederum Wochen hinziehen.

Einschreibequittungen, die zu echten Nachforschungen der Post führen, können Sie ganz
leicht selber machen, wenn entweder leere oder falsch adressierte Briefe verschickt
werden. Füllen Sie die Einschreibequittung vorher selbst aus - kaum einem Postbeamten
fällt auf, dass die Hausnummer oder Postleitzahl falsch ist (mutwillig). Als unzustellbar
landet das Einschreiben wieder in Ihrem Briefkasten, ihnen bleibt jedoch die echte
Quittung. Eine Schwachstelle, die geradezu nach einer Nutzung schreit.

Sie können sich auch auf Absprachen mit Mitarbeitern der Firma beziehen, die nie oder
nicht mehr für das Unternehmen tätig sind. Herr Frisch hat ihnen monatliche Ratenzahlung
á 10 Euro versichert, auf die sie sich nun berufen.

Versprechen

Hilft das alles nicht, sollten Sie anfangen, ihm Dinge zu versprechen. Der Gläubiger
glaubt, endlich an sein Geld zu kommen, doch bringt es Ihnen nur mehr Zeit. Ein
Mahnverfahren beginnt er nicht, weil er noch an das Gute in Ihnen glaubt. Außerdem
kosten solche Abläufe auch viel Geld, das Ihnen zwar auferlegt wird, aber zu nichts führt –
schließlich zahlen Sie ja nicht. Seien Sie freundlich, entschuldigen Sie sich (schriftlich!)
und kündigen Sie an: Bald haben Sie wieder Geld und zahlen Ihre Schulden! Indem Sie
Ihren guten Willen zeigen, wirken Sie schon fast freundlich.

Ratenzahlung

Sollten auch Ihre Versprechungen zu nichts mehr führen, machen Sie von sich aus einen
Vorschlag: Auch wenn es Ihnen so schlecht geht, wollen Sie Ihre Schulden abbezahlen.
Wie wäre es mit 20 Euro im Monat? Schreiben Sie das und legen Sie den ersten Schein
bei.

Penibel erwartet der Gläubiger nun den nächsten Zwanziger. Rechtzeitig findet er ihn, die
nächsen beiden auch. Für gerade mal 20 Euro erhalten Sie einen vollen Monat Zeit – die
so wichtig ist. Möglicherweise lässt sich aus Ratenzahlung ein Anspruch für Sie auf die
eine Ratenzahlung ableiten, das heißt der Gläubiger kann nicht mehr das gesamte
Schuldenvolumen einklagen, sondern nur noch überfällige Raten.

Nun möchten Sie aber lieber gar nichts bezahlen, dann fangen Sie einfach an, die Scheine
später zu schicken. Im Monat darauf noch später und dann vergessen Sie es einfach. Nun
warten Sie einfach auf die nächste Erinnerung vom Gläubiger. Es folgt Ihre
Entschuldigung und eine weitere Rate. Das Problem ist nur – welche Raten wurde nun

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bereits gezahlt? Handeln Sie auch, schreiben Sie, es ginge Ihnen schlechter, nun sind es
zehn Euro, die aber mit Sicherheit rechtzeitig beim Gläubiger ankommen.

Überlegen Sie sich auch, ob dieses Ergebnis nicht schon zufriedenstellend ist und Sie
einfach monatlich eine Rate zahlen. Auch so haben Sie Ruhe.

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Teil I - 4. Kapitel
Wie Banken arbeiten
Eines der größten Fehlschlüsse ist es zu denken, Banken sind an einer schnellen Tilgung
ihrer herausgegebenen Kredite interessiert, liegen sie falsch. Sobald die Bank Ihre Raten
erhalten hat, sind die Außenstände eingetrieben und die Bank macht kein Geschäft mehr.
Ein frisches Darlehen müsste an den Mann gebracht, kreditwürdige Schuldner gefunden,
Anträge geprüft werden. Das ist alles Arbeit. Nur wenn eine Bank hochverzinste Kredite
ausgibt, macht sie auch Gewinne.

Ziel der Bank ist es vielmehr, platzierte Darlehen so lange wie lange zu strecken, dabei
natürlich stets unter der Berechnung von Zinsen. Kreditkarten tragen beispielsweise alte
und neue Schulden ständig mit und das bei Höchstzinsen und Zinseszinsen. Die
monatlichen Zahlungsraten reduzieren das Volumen der Schulden so gut wie gar nicht.

Es kommt nur darauf an, die Kredite immer schön zu verzinsen und zu tilgen. Dann nennt
man es ein "performing"-Darlehen. Bei einem "non-performing"-Darlehen dagegen besteht
kaum Aussicht auf Tilgung. Weiterhin wird es aber hoch verzinst, jedoch gehen keine
Zahlungen mehr ein.

Dies ist das wohl gehütete Geheimnis der Banken: Den Unterschied zwischen
"performing" und "non-performing" sollten Schuldner nicht kennen. Die Bankkunden
könnten es andernfalls rücksichtslos ausnutzen.

Ständig leiht sich die Bank ihr Geld, sie nennt es Kontoguthaben, Sparbriefe und andere.
Da Sie dieses Vermögen der Bank leihen, kriegen Sie (wenn auch spärliche) Zinsen und
Renditen.

Dieses Geld wird von der Bank wieder verliehen, hochverzinst als Kredite an Dritte oder
investiert. Die Zinsdifferenz (zwei bis drei Prozent) bringt der Bank den Gewinn.

Interessant ist, dass solange Ihr Kredit als "performing" gewertet werden kann, er einen
Vermögenswert darstellt. Vermögenswerte können beliehen, also refinanziert werden. Die
Bank erhält mehr Liquidität und verleiht diese teuer. Wenn Sie Ihren Kredit schließlich
nicht mehr tilgen und das der Bank auch noch in einem Brief mitteilen, ist er "non-
performing", also kein Vermögenswert mehr.

Natürlich ist die Bank nicht alleine von der Forderung bei Ihnen abhängig. Aber sie ist Teil
eines Darlehenportefeuilles (Paket). Der Wert dieses Portefeuille richtet sich nach dem
Wert der einzelnen Kredite. Je mehr davon von "performing" nach "non-performing"
abrutschen, desto geringer ist der Wert des Pakets – die Bank verliert Vermögenswerte.

Die Bank kann es auch als Verlust abschreiben, wenn Sie in Insolvenz gehen. Damit
sichert sich die Bank den Wert, sich selber preiswert Geld zu leihen, um es mit Gewinn
wieder weiterzugeben.

Die Höhe der Raten an die Bank ist folglich nicht relevant. Wichtig für die Bank ist es
jedoch, dass Sie überhaupt etwas zahlen.

Wollen Sie keinen Offenbarungseid leisten wollen, bieten Sie der Bank Ratenzahlung an.
Drohen Sie, wenn die Bank sich nicht drauf einlässt, werden Sie „den Finger heben“ – das
wollen die Banker nun gar nicht. In der Regel sollten Sie damit durchkommen.
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Dass Sie den Hintergrund wissen ("performing" und „non-performing“), weiß die Bank ja
nicht.

Hin und wieder kommen Anfragen der Bank, die Sie damit beantworten, gerne mehr
zahlen zu wollen, aber momentan nicht zu können. Bald wird es sicher besser, aber ein
Datum nennen Sie nicht (bloß nicht!).

Haben Sie nichts pfändbaren, zieht sich diese Methode endlos hin. Der Bank bleibt nichts
anderes, als abzuwarten. Ein Offenbarungseid würde dagegen bedeuten, dass sie gar
nichts mehr kriegt.

Sie werden möglicherweise von einem kleinen Filialleiter gegen das wirkliche Interesse
der Bank in zur Insolvenz gezwungen. Das liegt daran, dass nur das oberste Management
an solch wichtige Dinge denkt und der Untergebene nicht. Sicherheiten Ihrerseits würden
ebenso schnell der Zwangsvollstreckung zum Opfer fallen.

11
Teil I - 5. Kapitel
Großbetriebe und ihre Knackpunkte
Bei vielen Gläubigern handelt es sich nicht um menschliche, sondern Computerhirne.
Anonyme Systeme in Großunternehmen und Lohnsklaven, die die Maschinen mit Daten
füttern, sollen die Forderung von Ihnen eintreiben.

Das Tolle dabei: Entscheidungen werden hier nicht gefällt. Geringe Motivation zeichnet die
Lohnsklaven aus, die ihren Tag so schnell und so einfach wie möglich rumkriegen wollen.
Vorsichtig sollten Sie werden, wenn Sie einen Mitarbeiter dieser Firma beleidigen und er
es dann persönlich nimmt. Doch auch dann muss er sich an Regeln halten, die der
Lohnsklave nicht übertreten darf. Macht auch nichts: Sein Lohn kommt weiterhin, auch
wenn Sie nicht zahlen.

Glück haben Sie, wenn Ihre Angelegenheit in der Masse untergeht: Ist sie zu kompliziert,
wird sie liegengelassen oder weitergeleitet. Weniger schwierige Fälle haben Vorrang.

Die vier auf Seite 8 beschriebenen Punkte klappen am besten bei Großunternehmen:
Wenn Sie beim Obsthändler auf dem Markt ihre Orangen nicht zahlen wollen, weil die
letzten nicht reif waren, wird er Ihnen mitleidig eine Tüte schenken. Beim nächsten
Versuch wirft er möglicherweise schon mit Tomaten. Hier sind ganz einfach
Entscheidungsträger und Gläubiger die selbe Person.

Bei Großunternehmen ist das anders: Gläubiger und Entscheidungsträger sind


verschieden. Der Lohnsklave will sich möglichst wenig Arbeit machen, der
Entscheidungsträger will keine falsche Entscheidungen treffen – so sind die Absichten
unterschiedlich. Nur einer will definitiv an Ihr Geld: Das Unternehmen. Die
Entscheidungsträger kriegen aber von Ihren Außenständen meist gar nichts mit.

Ausnahmen kennt ein solches Unternehmen allein schon durch seine Struktur nicht: Wie
sollte eine Extratüte Orangen gebucht werden? Extras gibt es also nicht, alles muss nach
den Vorgaben passieren. Den Angestellten kommt es auch vielmehr darauf an,
einwandfrei zu arbeiten. Eigene Initiative kennen Lohnsklaven nicht, denn Ausnahmen
bedeuten Risikos und wenn etwa schief läuft, ist unter Umständen ist der Job weg.

Alles was Sie dort behaupten, egal wie weit hergeholt es ist, muss erst nachgeprüft
werden. Bei einem späteren Gerichtsverfahren könnte sich Ihre Behauptung schließlich
doch bewahrheiten und Ihnen einen Vorteil verschaffen.

In die Abläufe eines Grossunternehmens sind nette Menschen wie Sie nicht eingeplant.
Rechnung werden geschrieben, es wird gemahnt und schließlich geklagt. Sie müssen
einfach nur die Absprache mit Herrn Frisch ansprechen, sich lange später zu
entschuldigen – damit halten Sie die üblichen Prozesse auf. Sie fallen aus dem
standardisierten Ablauf und der Mitarbeiter geht zu unkomplizierten Angelegenheiten über.
Haben Sie Glück, übersieht man auch eine Kleinigkeit und Ihr Fall ist gegessen.

Schecks stellen übrigens den schnellen Wechsel von der Rechts- in die Inkasso-Abteilung
bedeuten. Ein Scheck mit vergessener Unterschrift oder mit einem Datum in drei Jahren
lässt sich nicht einlösen, man macht Sie auf den Irrtum aufmerksam. Sie schicken einen
neuen Scheck, doch der ist wieder fehlerhaft.

Treiben Sie das Spiel eine Weile, legen Sie dann einen normalen Scheck bei. Dass der
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jetzt platzt, erklären Sie damit, dass Ihr Konto derzeit keine ausreichende Deckung
aufweist. Bald hätten Sie wieder Geld und zahlen – bestimmt.

Weiter herauszögern können Sie es auch, wenn Sie erst mal fragen, wie Sie überhaupt
zahlen sollen. Scheck? Überweisung? Und wie war doch gleich noch mal die
Bankverbindung? Durch all das gewinnen Sie wertvolle Zeit.

Personifizierte Gläubiger würden da schon lange nicht mehr mitmachen, aber in


Grossunternehmen zögern Sie Ihre Angelegenheit eine ganze Weile heraus.

Am Schriftwechsel erkennen Sie übrigens schon, ob Ihr Gläubiger ein Computer oder ein
Mensch ist. Sind es Formdrucke mit Referenznummern und Abteilungskürzeln treffen Sie
auf einen Menschen. Vergessen Sie die Referenznummern oder die Abteilung, verzögert
sich Ihr Schreiben noch in der internen Post. Das Zustellungsdatum ändert sich dadurch
nicht, denn unterschieben werden Einschreiben an der Pforte, nicht auf dem Schreibtisch
der Sachbearbeiterin.

Interessant wird es, wenn Sie nur gegen einen Computer kämpfen. Dazu mehr im
nächsten Abschnitt.

13
Teil I - 6. Kapitel
Inkassocomputer und wie man mit ihnen umgeht
Sie werden freundlich daran erinnert, dass Sie Schulden haben. Reagieren sie mit einem
langen, langen Brief – möglicherweise handgeschrieben. Entschuldigen Sie sich, machen
Sie Hoffnungen und reden Sie noch ein bisschen drumherum. So eine Maschine kommt
mit solch ausführlichen Erklärungen jedoch nicht klar.

Der Computer wird eine bestimmter formulierte zweite Erinnerung an Sie abschicken.
Inhalt: Sie haben noch nicht gezahlt. Zahlen Sie jetzt endlich, sonst...

Wieder setzen Sie sich hin und schreiben – lang. Sie hätten doch einen Brief geschickt
(von dem selbstverständlich Kopien beiliegen).

Auch diese Antwort wird vom Elektrohirn nicht beachtet, es folgt die dritte Erinnerung.
Diesmal lautet der Text etwa: Auf bereits zwei Zahlungsaufforderungen haben Sie nicht
reagiert. Zahlen Sie jetzt endlich, sonst passiert etwas ganz schlimmes...

Nun fragen Sie scheinheilig, was sie zahlen sollen, die erste oder die zweite Rate?
Welches Schreiben ist denn nun relevant? Nichts passiert, bis Sie wieder Post kriegen –
die lang beantwortet wird.

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, schicken Sie die gesammelten Werke an das
Unternehmen und bitten um Klärung der Angelegenheit. Es wäre doch ungeheuerlich, Sie
so lange zu ignorieren.

14
Teil I - 7. Kapitel
Keine Angst vor Post vom Rechtsanwalt
Ein Eigentor schießt sich Ihr Gläubiger, wenn er einen Anwalt mit ins Spiel bringt. Denn
auch in einer Kanzlei gibt es Abläufe, die Sie ganz leicht durcheinander bringen können.
Hier können Sie besonders viel Zeit gewinnen.

Sind Ihre Schulden unbegründet, nehmen Sie sich auch einen Anwalt. Er kennt sich im
Dschungel der Formalien aus und holt Sie da raus. Wenn Sie Schulden haben, müssen
Sie auch hier auf Zeit spielen.

Ehe Anwälte die Klage einreichen, geht Ihnen ein Brief zu: Wenn Sie bis zum
soundsovielten nicht überwiesen haben, ginge die Sache vor Gericht. So will der Anwalt
Sie einzuschüchtern, um doch noch einen außergerichtlichen Vergleich zu erzielen.

Wichtig: Wenn Sie nicht pünktlich zahlen, klagt der Anwalt. Der Termin steht bereits fest,
aber pünktlich, ein oder zwei Tage davor, kriegt der Anwalt Post von Ihnen.

Der Anwalt, der sich mit Ihrem Fall beschäftigt, hat interessantere Sachen zu tun als einen
Inkassofall. Ob Sie nun zahlen oder nicht, solange er Ihren Fall nicht persönlich nimmt,
haben Sie Ihre Ruhe. Möglicherweise wird auch in der Kanzlei ein Lohnsklave an Ihrem
Fall arbeiten. Auch hier sind die Interessen sehr gering.

Fazit: Der Anwalt darf nicht ignoriert werden und Sie dürfen Ihn nicht ärgern. Wenn ein
Mensch etwas persönlich nimmt, wird er Ihr Spielchen sofort durchschauen.

Wie gehabt antworten Sie auf die Terminvorgaben des Anwalts so langsam wie es
möglich ist. Die 4-Punkte-Strategie von Seite 8 hat wunderbar bei normalen Gläubigern
funktioniert. Sie funktionieren sogar noch besser bei Grossunternehmen, aber sie sind
perfekt für ein Anwaltsbüro.

Beginnen Sie wieder mit Ihren Einwänden. Irgendwo sei sicher ein Fehler. Der Anwalt wird
Ihre Beschwerden nicht einfach ignorieren, sondern sie mit dem Gläubiger absprechen.
Dort beginnen wieder die gleichen Abläufe, wie gehabt: Ein Inkassocomputer arbeitet oder
ein Mitarbeiter muss sich durch Akten wälzen. Sie gewinnen Zeit.

Auch können Sie den Anwalt verwirren: Nach einiger Zeit (6 - 8 Wochen), teilen Sie ihm
mit, Sie hätten sich auch mit Jura beschäftigt, sind ein großer Fan von TV-Richterin
Barbara Salesch, und daher auch sicher, dass Ihr Fall schon alleine aus BGH IIIVI/75 nicht
zur Klage gebracht werden kann. Jetzt muss der Anwalt muss dieses Urteil jetzt suchen -
und finden. Er findet es natürlich nicht, denn sie haben es sich ausgedacht. In der Antwort
teilt er Ihnen also mit, es gäbe kein derartiges Urteil. Sie schreiben zurück, es gäbe es
doch, Sie haben sich geirrt – es war eigentlich BGH IIIVI/39. Der Anwalt sucht erneut –
welch ein Durcheinander.

Irgendwann hören Sie wieder von ihm und Antworten mit einer ersten Rate. Sollte diese
angenommen werden, halten Sie es wie gehabt: Erst zahlen, dann vergessen.

Geht aber keiner auf Ihr Angebot ein, sollte ein Familienmitglied schriftlich von Ihren
seelischen Schäden berichten, weil Ihre Schulden Sie so sehr belasten. Die Ratenzahlung
würde doch den Gläubiger zufrieden stellen und Sie aus dem seelischen Loch
herausholen.
15
Teil I - 8. Kapitel
Gerichtspost – nein danke
Schließlich wird es doch zu einer Klage kommen, doch haben Sie mehrere Monate
gewonnen und der Gläubiger ist zermürbt. Das Gericht soll nun über Recht entscheiden –
das liegt natürlich nicht bei Ihnen. Ihr Gläubiger wird jedoch bald erkennen, dass er nicht
so leicht an sein Recht kommen wird.

Um eine Klage einzuleiten, muss man Ihnen das auch mitteilen. Sie kennen das vielleicht:
Man bringt Ihnen eine Zustellungsurkunde. Wenn Sie diese Post jedoch zu spät erhalten,
können Sie dem Prozess schon von Anfang an den Garaus machen.

Jede zivil- und strafrechtlichen Klage gegen Sie muss an Ihrem deutschen Wohnsitz
zugestellt werden, damit das Verfahren anlaufen kann. Die Einspruchsfristen müssen auch
stimmen. Wenn man Ihnen den bösen Brief aber gar nicht zustellen kann, können Sie so
von einer möglichen Anklage überhaupt keine Kenntnis haben. Haben Sie also keine
Möglichkeit, Stellung zu nehmen (Rechtliches Gehör) oder des Einspruchs (u.a. bei
Mahnbescheiden) durch fehlendes Wissen, kann man kein Verfahren gegen Sie eröffnen.
Hier sollten Sie die rechtlichen Hintergründe in der Zivilprozessordnung unbedingt lesen
(Art. 103 I GG, StPO 37 I, ZPO 166-213a).

Die Zustellung können Sie nun aushebeln, wenn ein Nachsendeantrag besteht, der v.a.
auch Zustellurkunden einschließt (Achtung: der Formdruck der Post reicht dabei nicht
aus). Folgendes Beispiel verdeutlicht das: Der Nachsendeantrag erfolgt an das Postamt
München. Beim Postamt München wird ein Nachsendeantrag an Post Hamburg gestellt,
von Hamburg an Hannover, von Hannover an Würzburg und so weiter. Ihre alten und
neuen Adressen sind Hochhäuseranschriften ohne Appartementnummer. Wenn der
Postbote Ihren Namen nicht auf den Briefkästen sieht, steckt er den "Blauen Brief" wieder
ein und schickt ihn laut Nachsendeantrag weiter. Wenn sich die Appartementhäuser in der
gleichen Stadt, aber in verschiedenen Postbezirken befinden, verletzten Sie übrigens
durch einen Fortzug keine Meldebestimmungen.

Unbedingt müssen Sie alle Bewohner Ihrer Wohnung darauf hinweisen, keine
"Einschreiben" oder sonstige derartigen Briefe für Sie anzunehmen. Sie sind dabei stets
nicht da.: "Mein Mann

Legt der Postbote die Urkunde nieder, finden Sie einen weißen Zettel mit dem Hinweis auf
den Blauen Brief, der beim Postamt liegt. Den holen Sie jedoch nicht ab, sondern schicken
den Zettel mit dem Hinweis "verzogen, siehe Nachsendeantrag" an die Post zurück.

Nimmt ein Wohnungsbewohner den Brief versehentlich an, schicken Sie ihn im getrennten
Umschlag mit Beilage einer Nachricht, dass Sie verzogen sind und der Brief richtig
zugestellt werden soll, an das Gericht zurück. Obwohl nicht ganz die feine Art, ist diese
Weise straffrei.

Ebenfalls dürfen Sie den Brief mit einer Dampfpistole öffnen, den Inhalt ansehen und
kopieren, um ihn dann zuzukleben und unversehrt wieder zurückzuschicken. So wissen
Sie, wer da etwas gegen Sie vorhat.

Am Ende des Nachsendeplanes haben Sie ein Postfach angegeben und "Blaue Briefe"
dürfen nicht an ein Postfach weitergeleitet werden. Das gleiche gilt für den Hinweiszettel.
Erfolgt die Lieferung an das Postfach dennoch, ist sie rechtlich unerheblich - ein Nichts.

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Der Brief ist lange unterwegs und da er während dieser Zeit nicht "zugestellt" wird, kann
keine Frist ab noch anlaufen. Sie können weder dem Richter vorgeführt noch
zwangsvollstreckt werden.

Kommt der Brief schließlich im rechtlich unerheblichen Nichts (Postfach) an, ist er immer
noch nicht zugestellt. Normalerweise sollte der angesetzte Termin dann abgelaufen sein,
ein neuer muss festgelegt werden. Die Zustellung des neuen Termins wird aber wieder
scheitern.

Die öffentliche Zustellung (Bekanntmachung am Aushang des Gerichts o.ä.) ist in der ZPO
302 ff. festgelegt und nur dann möglich, wenn niemand weiß, wo Sie sich aufhalten. Ihre
Meldeanschrift kennt man aber, auch wenn Sie hier unerreichbar sind. Es gibt keine
Vorschrift, die besagt, Sie müssen Ihre Post an Ihrer Meldeanschrift empfangen, hier
immer erreichbar sein und den Empfang von Gerichtspost abwarten.

Bei Strafsachen scheidet die öffentliche Zustellung ohnehin aus. Laut StPO 40 kann ein
Angeklagter nur dann öffentlich geladen werden, wenn er vorher zur Hauptverhandlung
mittels der üblichen Zustellung geladen worden ist. Hierzu muss der „Blaue Brief" aber
ordnungsgemäß zugestellt werden. Da schließt sich der Kreis.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, setzen Sie an das Ende der Nachsendefolge
eine Auslangsanschrift. Ins Ausland dürfen die "Blauen Briefe" nämlich nicht geschickt
werden.

Wenn Ihnen die Klage nun aber doch öffentlich zugestellt wurde, sollten Sie sich auf den
Prozess vorzubereiten, hier: Ihn zu verzögern.

Auf einen Anwalt sollten Sie verzichten: Das ist Verschwendung und ist das Geld in
diesem Fall nicht Wert. Argumente haben Sie sowieso keine. Auf außergewöhnliche Tricks
ginge er ohnehin nicht ein, Sie dagegen können naive Anträge einbringen, die vom Gericht
nicht einfach ignoriert werden können.

Verlangen Sie beispielsweise, Herrn Frisch endlich als Zeugen zu laden. Sie können den
Richter auch als befangen ablehnen und den Anwalt der anderen Partei in den
Zeugenstand rufen. Im Endeffekt führt das natürlich zu nichts, aber Sie verzögern die
Verhandlung. Und wie Sie gelernt haben: Zeit ist das wichtigste.

Sie können sich auch zum Opfer machen. Fast jeder versucht, einige Faulheit, Fehler und
Versagen anderen anzuhängen. Doch keiner wird gezwungen, Schulden zu machen, bis
auf wenige Ausnahmen. Sie sind kein Opfer der Banken, sondern nur ein Opfer Ihrer
eigenen Überschätzung.

Wenn Sie kurzfristig eine Schuldnerberatung einschalten und auf seelische Grausamkeit
plädieren, könnte die Einrichtung möglicherweise die kurzfristige Aussetzung der
Verhandlung erwirken. Eine Schuldnerberatung kann die Sache aber nur auflösen, wenn
Sie kooperieren. Natürlich tun Sie das so langsam wie möglich und so schnell wie nötig.
Termine lassen sich verpassen und falsch verstehen.

Bevor die Beratungsstelle nicht mehr mit Ihnen arbeiten will, entschuldigen Sie sich
schriftlich mit dem Hinweis, dass Sie es so schwer hätten.

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Der Einspruch bleibt Ihnen als Mittel, wenn Ihr Gegner den Prozess vorantreibt – weil er
vermutlich die Geduld verloren hat. Wenn die Schuldnerberatung Ihren Fall übernommen
hat, wird das Gericht jetzt wahrscheinlich darauf bestehen, dass die Beratungsstelle
Zustellungen für Sie annehmen darf.

Doch nicht genug: Nehmen Sie jetzt die Klage auseinander. Auch wenn Sie keinen
Einspruchs-Grund haben, muss immerhin der Schein dafür da sein. Hartnäckig müssen
Sie jede Formulierung hinterfragen.

Rechungen, Quittungen Lieferbestätigungen – verlangen sie alles. Möglicherweise sind


die Unterlagen des Gläubigers an der richtigen Stelle lückenhaft, dann haben Sie
gewonnen.

Zeit gewinnen Sie, wenn Sie bei Kreditkartenschulden jede einzelne Transaktion
nachgewiesen bekommen wollen. Es wird ein riesiger Berg Papier sein, durch den sich
erst einmal alle durcharbeiten müssen.

Doch Vorsicht: Der Grund zur Verteidigung geht Ihnen verloren haben Sie, wenn Ihr
Gläubiger einen geplatzten Scheck von Ihnen vorlegen kann. Um nachzuweisen, dass Sie
den Betrag schuldig sind, reicht die Ausstellung des Schecks an sich. Fehlt dabei
allerdings Ihre Unterschrift, ist auch dieses Beweismittel nichtig. Wenn es doch Ihre
Unterschrift ist, sagen Sie, es sei eine Fälschung – dann muss erst mal ein Gutachter ran
und das dauert.

Auch können Sie einen absolut grundlosen Einspruch einreichen. Wenn die Klage gegen
Sie beispielsweise 10 000 Euro beträgt, senden Sie fristgerecht einen Einspruch aus
einem alten Verfahren ans Gericht. Dort fliegt das natürlich bald auf und schon bald wird
ein neuer Termin festgelegt. Auch wenn der Einspruch scheitert, ist nichts vergebens –
einen Grund haben Sie ja nicht. Protestieren und mit Berufung drohen können Sie auch
wenn das Verfahren trotz Ihres Irrtums nicht vertagt wird und Sie so die Möglichkeit
erhalten, sich zu rechtfertigen. Damit erhalten Sie wieder Zeit.

Nun gut: Nachdem jede Möglichkeit ausgeschöpft wurde, sollen Sie schließlich doch vor
Gericht antreten. Doch sind schon viele Monate verstrichen – dank Ihrer
Verzögerungstaktiken. Indem Sie jetzt den Gerichtstermin sabotieren, holen Sie noch
einmal ein bis zwei Monate raus.

Machen Sie auf krank. Keine Sorge, Sie brauchen kein Attest, wenn Sie in der Nacht vor
dem Gerichtstermin einen Zusammenbruch erleiden. Den Richter erreichen Sie über das
Telefon auch mitten in der Nacht, was besonders effektiv ist, oder besser: lassen Sie ihn
anrufen. Wegen einem Migräneanfall oder Übelkeit können Sie nicht – dabei wollen Sie
doch. Hauptsache, es ist von einem Arzt nicht nachzuweisen. Mit Attest wäre es besser,
muss aber auch nicht sein, da des Nachtens keine medizinische Hilfe erreichbar war.
Lassen Sie sich doch einfach mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus fahren, wo sie sich
übrigens so lange wie möglich aufhalten, andernfalls reicht ein Taxi – hier die Quittung als
Nachweis aufbewahren. Aus der Notaufnahme im Krankenhaus nehmen Sie den
Aufnahmebericht mit. Bei der nächsten Aktion dieser Art besorgen Sie sich aber ein Attest.

Durch das Recht auf Verteidigung können Sie übrigens noch ein bisschen Zeit schinden:
Urplötzlich wollen Sie nämlich doch einen Anwalt.

Der Tag der Wahrheit kommt, wenn die Verhandlung schließlich stattfindet. Auch wenn

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Sie in jedem Punkt widersprechen, hier werden Sie verlieren. Eine Vertagung können Sie
immer noch erreichen, wenn Sie beispielsweise den Richter für befangen erklären oder
imaginär Zeugen laden wollen. Normalerweise hat der Richter jedoch die Nase voll und
wird urteilen – selbstverständlich nicht zu Ihren Gunsten. Jetzt haben Sie einen
Riesendeckel: Forderung, Zinsen, Gerichtskosten und so weiter.

Warum Sie selbst das nicht kümmert, erfahren Sie ab der nächsten Seite.

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Teil I - 9. Kapitel
Wieso ein Urteil keine Wirkung hat
Dem Gläubiger wurde das Recht zugesprochen und er ist sich sicher, dass Sie nun Ihre
Schulden zahlen werden. Ihm liegt ein Schriftstück vor, was ihm hilft, an Ihr Geld zu
kommen. Doch zu früh gefreut.

Das offizielle Schriftstück, auch wenn es ein Gerichtsurteil ist, bleibt nach wie vor Papier.
Natürlich können Ihnen nun Vermögenswerte gepfändet werden, aber haben Sie
überhaupt noch unbelastete Vermögenswerte? Sind Sie arm und besitzlos, ist das Urteil
praktisch wertlos.

Welche Besitztümer Sie noch haben, kann gerichtlich erzwungen werden: Bei der
Eidesstattlichen Versicherung heben Sie den Finger darüber, dass sie nichts mehr haben.
Ist dem so, ist der Eid aber nur noch eine Formalität.

Sie dürfen es sich auch nicht erlauben, Vermögen zu haben bzw. ein Einkommen zu
haben. Ihr Vermögen kann vollstreckt werden, Ihr Gehalt wird bis zu einer Grenze
unmittelbar gepfändet. Dies ist der Zeitpunkt, sich selbständig zu machen.

Das Zauberwort lautet: Wirtschaftliche Immunität. Wenn Sie immun sind, können Sie alle
Luxusgüter genießen – nur darf keines davon Ihnen gehören. Eigentum und Besitz werden
einfach getrennt. Jeder hat schon mal davon gehört, Vermögenswerte auf die Ehefrau zu
übertragen, mit der selbstverständlich in Gütertrennung gelebt wird. Um zu verhindern,
dass bei der Frau getrennt wird, ist aber auch eine notariell abgesicherte Gütertrennung
erforderlich. Hier muss aber auch das Vertrauen unbedingt da sein und auch das hilft nicht
viel, wenn die Ehe eigentlich einen Knacks hat.

Alternativ können Vermögenswerte auch auf eine unabhängige AG oder GmbH


übertragen werden, die von einem Treuhänder (Sohn, Anwalt) oder einer diskreten
ausländischen Holding gesteuert wird. Sie erhalten eine Vollmacht, ein Gehalt unterhalb
der Pfändungsgrenze und ein riesiges Spesenkonto. Alles wie gehabt.

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Teil I - 10. Kapitel
So machen Sie Geschäfte trotz Schulden
Wenn die Gläubiger Sie in die Eidesstattliche Versicherung treiben, können Sie – sofern
Sie sich Ihre wirtschaftliche Immunität beschafft haben – über Ihren Anwalt mitteilen
lassen, dass Sie frei von Vermögen sind.

Wichtig: Bei der Eidesstattlichen Versicherung dürfen Sie keinesfalls falsche Aussagen
machen noch etwas vergessen. Bei Gegenbeweis wird dies möglicherweise als Meineid
bewertet. Damit riskieren Sie ein Strafverfahren und auch eine Verhaftung. Nach Ihrem
bisherigen Verhalten können Sie das Ihren Gläubigern auch nicht verdenken.

Der Gläubiger hat nicht viele Möglichkeiten, vor allem dann nicht, wenn Sie in der
eidesstattlichen Versicherung den Satz aufnehmen lassen, dass alle Anfragen der
Gläubiger an Ihren Anwalt zu richten sind und eine persönliche Kontaktaufnahme durch
die Gläubiger als Nötigung aufgefasst werden. Nicht vergessen, wenn der Exekutor vor
der Tür steht!

Bequem ist es auch, freiwillig einen Offenbarungseid ablegen. Damit lösen Sie sich bis auf
weiteres von allen Ihren Schulden. Gläubiger, die Ihnen immer noch Post schicken,
antworten Sie einfach mit einer Kopie der gerichtlich bestätigten Dokumente.

Von den Lasten befreit, können Sie dann wieder Geschäfte machen. Im Namen einer US-
Aktiengesellschaft beispielsweise. Informationen darüber erhalten Sie nach nur kurzer
Suche im Internet, bei Interesse können wir Ihnen kostenlos auch Adressen nennen, die
Ihnen hierbei weiterhelfen.

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Teil I - 11. Kapitel
Viele Menschen haben Schulden
Auch wenn Sie manchmal denken, wie schlecht es Ihnen geht und nur Sie solch hohe
Probleme mit Schulden haben, täuschen Sie sich. Es ist nur eine Frage der Einstellung.
Viele Profis haben schon mehrere Insolvenzen hinter sich, leben im Ausland und lassen
sich ihre Luxusgüter von einer Holding bezahlen. Anonyme Inhaberaktien kontrollieren
diese und da sie auch keine Geschäfte macht, entstehen keinerlei Forderungen. Von
seinem schmalen Gehalt überweist er – schließlich ist er ein netter und anständiger
Mensch – jeden Monat alles, was über der Pfändungsgrenze liegt.

Schuldenanfänger stehen dagegen meist mit einem Bein im Knast und leben bettelarm.
Die meisten werden vom Konkurs überrollt. Durch die persönliche Bindung an das eigene
Werk (die Firma/das Familienunternehmen), welches schon lange keine Gewinne mehr
einbringt, wird unnötig viel riskiert. Ein marodes Unternehmen zu retten, kann viele
Probleme bringen.

Dabei geht es auch anders. Man könnte die Firma unter Beachtung der bekannten
Zeitverzögerungsstrategien in den Konkurs schicken, während der Unternehmer
gleichzeitig frisch mit einer neuen, unbelasteten Firma unter ähnlichem Namen wieder
beginnt. Auch wenn das Amtsgericht am alten Firmensitz einer Neugründung mit
ähnlichem Namen kaum zustimmen wird, können Sie ohne Probleme in einem anderen
Bundesland eine GmbH mit gründen. Um das neue Amtsgericht und Finanzamt zufrieden
zu stellen, benötigen Sie dort lediglich einen Firmensitz, also eine Büroanschrift. Ein
Büroserviceunternehmen schafft hier günstige Abhilfe.

Je nachdem, wie Sie den Konkurs planen, kann man zwischen einem erfolgreichen,
inspirierenden und einem traumatischen Konkurs unterscheiden. Ein erfolgreicher
Pleitegänger erwartet den Konkurs, schafft sein Vermögen beiseite und bringt legal die
Werte aus der Firma, um sie dann nach ausreichender Verzögerung und Zeitgewinn
abstürzen zu lassen. Der normale Pleitegänger will dagegen auf jeden Fall den Konkurs
vermeiden, steckt weiteres Geld und Nerven in das marode Geschäft und verliert am Ende
alles. Vermögenslos lässt er sich umherschubsen, gibt den Offenbarungseid ab und
bestimmt sein Leben nach dem Willen der Gläubiger.

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Teil I - 12. Kapitel
Insolvenz vorbereiten
Bei einer Insolvenz kommt es auf das richtige Timing an. Wie gesagt: Es ist strafbar, bei
Überschuldung und drohender/eingetretener Zahlungsunfähigkeit, Vermögenswerte zu
retten.

"Drohende Zahlungsunfähigkeit" ist aber ein dehnbarer Begriff. Wenn man sich nun mal
nicht bedroht gefühlt hat und hat bei seinen Handlungen nur die gesamtwirtschaftliche
Lager im Blick gehabt, wird es schwer. Wie lange also sollte man vorher eine Pleite
voraussehen können? Sechs Monate ist ein Richtwert, ein halbes Jahr vorher also müsste
man einen Konkurs kommen sehen können.

Liegt die Vermögensübertragung also länger als sechs Monaten und weniger als zwei
Jahren vor dem Konkurs, kommt es auf das zuständige Strafgericht an. Dabei gilt: Je
weiter der Zeitraum, desto besser. Sie können daher davon ausgehen, dass alle
Handlungen zwei Jahre vor einem Konkurs nicht als illegale Machenschaften zur
Vermögensabsicherung und Gläubigerschädigung gewertet werden, sondern völlig legal
sind.

Sie können mit Ihrem Vermögen machen, was Sie wollen. Wenn Sie es verschenken
wollen, ist das okay, Sie können es liquidieren, auf ausländische Firmen übertragen, einer
gemeinnützigen Stiftung zu kommen lassen, ausgeben, verreisen, vertrinken, verspielen,
solange kein Konkurs droht.

Auch ist es absolut rechtens, Ihre Firma so zu strukturieren, dass die Steuerbelastung so
niedrig wie möglich ausfällt und ein Schaden im Fall eines Konkurses begrenzt ist.

Eine legale Vermögensabsicherung mit Wirtschaftlicher Immunität lässt sich in drei


Phasen zusammenfassen:

PHASE 1:
(mehr als 24 Monate bis zum Konkurs):
Sie können mir ihrem Geld machen was Sie wollen.

PHASE 2:
(24 bis 6 Monate vor dem Konkurs):
Handlungen mit Ihren Vermögenswerten sind bereits riskant. Je nach Gericht und
Rechtsbereich ist eine strafrechtliche Handlung nachweisbar.

PHASE 3:
(weniger als sechs Monate bis zum Konkurs):
Handlungen, die negativ auf Ihre Gläubiger wirkt, müssen vermieden werden.

Solange Sie keinen Meineid leisten oder Vermögen innerhalb der kritischen Frist
verschieben, machen Sie sich nicht strafbar. Schulden zu haben ist nichts illegales.
Schulden nicht zahlen zu können noch viel weniger.

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Einleitung
Der konventionelle Weg

Der schnelle Kredit für das Auto, den Urlaub oder das Haus ist in der heutigen Zeit etwas ganz
normales. Bequem wird angeschafft, für das kein Geld da ist und man stottert es einfach ab. Kein
Problem – so lange die Zahlungsverpflichtungen nicht zuviel werden und der Lebensunterhalt
gesichert ist. Wenn das nicht mehr der Fall, schnappt die Schuldenfalle zu. Aus Verschuldung wird
Überschuldung. Mehrere Dinge können die Misere auslösen: Der Verlust der Arbeitsstelle, die
Trennung vom Ehepartner oder auch eine schlimme Krankheit. Auch wer nicht mit Geld umgehen
kann und sich vom Konsumangebot verlocken lässt, bekommt schnell Probleme.

Viele private Haushalte sind nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft aus der schwierigen Situation
befreien, wenn Gläubiger ungemütlich werden - professionelle Hilfe ist dann gefragt. Der
Gesetzgeber war gefragt, Lösungen für diese Problematik zu schaffen und schuf sie: Die
Schuldnerberatungsstellen und das Verbraucherinsolvenzverfahren. In diesem zweiten Teil
erfahren Sie nun, wie man auf konventionelle Art aus dem Schuldensumpf kommt.

Um Betroffene damit aus dem Schuldensumpf ziehen zu können, ist zunächst einmal deren
Bereitschaft gefragt. Schuldner müssen offen mit den Stellen zusammenarbeiten und Vertrauen zu
den Beratern fassen. Mit dem seit 1. Dezember 2001 in Kraft getretenen Änderungen gibt das
Verbraucherinsolvenzrecht erstmalig auch Privathaushalten die Möglichkeit einer
Restschuldbefreiung. Mit einer eigenständigen Verfahrenskostenhilfe wird auch sichergestellt,
dass niemandem der Weg zur Restschuldbefreiung versperrt bleibt, wenn die Kosten des
Verfahrens nicht aufgebracht werden können. Dazu kommt, dass die Kürzung der
Wohlverhaltensperiode auf sechs Jahre sowie die zum 1. Januar 2002 in Kraft getretenen höheren
Pfändungsfreigrenzen Überschuldete motivieren, den beschwerlichen Weg der Entschuldung auf
sich zu nehmen.

Die Aussicht auf einen wirtschaftlichen Neuanfang besteht also. In diesem zweiten Teil des
Ratgebers werden Ihnen nun Möglichkeiten erklärt, sich von den Schulden zu befreien. Erfahren
Sie mehr über Ihre rechtliche Situation und lernen Sie das richtige Verhalten. Lernen Sie, wie mit
Unterstützung der Schuldenberatungsstellen eine Rehabilitation möglich ist. Außerdem bekommen
Sie Tipps zur Vermeidung von Überschuldung und mögliche Ansprechpartner bei sich
möglicherweise anstehenden finanziellen Schwierigkeiten genannt.

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Teil II - 1. Kapitel
Überschuldung – eine Definition
Viele Menschen in Deutschland nehmen Kredite auf. Die Dinge des Alltags werden finanziert, was
mit Blick auf das monatlich aufs Konto überwiesene Gehalt für viele auch kein Problem darstellt.
Das tut es auch nicht, wenn die Rückzahlung gesichert ist und bei der Aufnahme des Darlehens
auch Eventualitäten mit einkalkuliert werden.

Wird dies nicht bedacht, können kritische Lebensereignisse schnell dazu führen, dass die
monatlichen Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Es kann auch einfach sein, dass Sie
Schwierigkeiten haben, richtig mit Geld umzugehen. Schnell ist es dann passiert: Das Girokonto
wird von der Bank gesperrt. Die Mahnungen häufen sich auf Ihrem Schreibtisch. Die Kündigung
der Wohnung droht. Bis schließlich der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht.

Es passiert meistens unerwartet: Der Sturz in die Arbeitslosigkeit, die Trennung vom Partner oder
gar Tod. Nicht selten sind auch einhergehende seelische Probleme mit von der Partie, die die
Betroffenen schnell in finanzielle Schwierigkeiten führt. Auch die eigene Kindheit kann maßgeblich
dazu beitragen, Probleme mit Schulden zu bekommen. Wer nicht schon früh übt, mit Geld
umzugehen, begibt sich später leicht in problematische Situationen.

Überschuldet sind Sie genau ab dem Zeitpunkt, wenn Ihre monatlichen Ausgaben die Einnahmen
übersteigen. Sie kennen es sicher selbst: Eine Rechnung kommt, manchmal unerwartet, und das
Geld reicht nicht. Sie wissen, dass eine Mahnung kommen wird, vielleicht auch zwei.
Möglicherweise ist die Rechnung so hoch, dass Sie schon jetzt mit dem Gerichtsvollzieher
rechnen. Sie bekommen Existenzängste, Angst vor den Gläubigern, Angst vor dem Verlust des
Eigentums, Angst vor der ungewohnten Situation.

Zögern Sie nicht! Sie müssen jetzt Handeln, bevor es noch schlimmer wird, ganz gleich, ob es nur
eine Rechnung ist oder viele, die Sie nicht bezahlen können. Warten ist der schlimmste Fehler,
den Sie machen können.

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Teil II - 2. Kapitel
Der richtige Umgang mit den Gläubigern
Gläubiger sollten Sie nie verärgern, denn sie sitzen eindeutig am längeren Hebel. Zwischen Ihnen
besteht ein Schuldverhältnis, welches Sie zur Rückzahlung der geforderten Summe verpflichtet.
Wichtig ist hierbei, genau über Rechte und Pflichten Bescheid zu wissen.

Wenn Sie nicht zahlen, hat der Gläubiger das Recht, seine Forderungen einzutreiben. In der Regel
geschieht das in folgendem Ablauf:

1. Die Mahnung

Diese außergerichtliche Zahlungsaufforderung ist das erste Signal an Sie, welches Sie auf keinen
Fall ignorieren dürfen. Zuerst müssen Sie prüfen, ob die Forderung gerechtfertigt ist. Wenn ja,
machen Sie eine Aufstellung Ihrer Vermögensverhältnisse. Können Sie die Summe vielleicht doch
aufbringen? Verfügen Sie nicht über genügend Geld, setzen Sie sich mit den Gläubigern in
Verbindung, um Ratenzahlung zu vereinbaren.

Keinesfalls aber sollten Sie sich in Ihrer Situation von vermeintlich guten Angeboten zu neuen
Krediten verführen lassen. Eine Umschuldung bedeutet immer neue Gebühren und noch mehr
Probleme. Suchen Sie stattdessen nach neuen Einnahmequellen und versuchen Sie, die
monatlichen Ausgaben zu reduzieren. Eine genaue Planung ist notwendig.

2. Inkassounternehmen

Gläubiger bedienen sich gern fremder Hilfe. Neben der Beauftragung von Rechtsanwälten ist es
gängige Praxis, Inkassounternehmen mit der Eintreibung ihrer Forderungen zu beauftragen. Die
Gebühren dafür werden dem Schuldner aufgebürdet, es sei denn, die Gläubiger registrierten
bereits erste Anzeichen dafür, dass Sie zahlungsunfähig sind. Die Kosten müssen grundsätzlich
auch möglichst gering gehalten werden (Schadensminderungspflicht). Nicht alle Kosten müssen
daher von Ihnen übernommen werden, in Frage gestellt sind beispielsweise die Vergleichs- und
Kontoführungsgebühren.

Wichtig ist, dass Sie vor jeglicher Überweisung an das Inkassobüro feststellen, ob die Forderung
auch gerechtfertigt ist. Eine detaillierte Aufstellung zu erhalten ist Ihr gutes Recht. Lassen Sie sich
auch die Abtretungserklärung der Gläubiger vorlegen. Ein Inkassobüro ist auch kein
Gerichtsvollzieher, das heißt, dass es Sie nicht in derartiger Weise unter druck setzen darf.

3. Der Mahnbescheid

Bleibt die Mahnung der Gläubiger unbeantwortet oder ignorieren Sie einen Termin zur Zahlung der
Beträge, können Gläubiger einen Mahnbescheid beantragen.

Das für den Wohnsitz des Gläubigers zuständige Amtsgericht ist für den Erlass des Bescheides
zuständig. Damit werden Sie aufgefordert, die Summe zu zahlen oder dem Anspruch ganz bzw.
teilweise zu widersprechen. Das Gericht prüft aber weder Inhalt noch Richtigkeit der Angaben.
Prüfen Sie diese zunächst und vergleichen Sie sie mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden
Unterlagen. Zwei Wochen haben Sie Zeit, um Widerspruch einzulegen – eine Begründung ist nicht
erforderlich! Bei Fragen wenden Sie sich an einen Anwalt oder an eine Schuldenbratungsstelle.

4. Der Vollstreckungsbescheid

Wenn Sie keinen Widerspruch einlegen, kommt das Amtsgericht de, Antrag des Gläubigers nach
und erlässt einen Vollstreckungsbescheid. Hiermit darf der Gläubiger dann seine Forderung
zwangsweise eintreiben, beispielsweise durch einen Gerichtsvollzieher oder durch Lohnpfändung.

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Diese Situation ist zwar kritisch, doch beachten Sie: Es ist noch nicht zu spät! Gegen den
Vollstreckungsbescheid können Sie innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen – ganz gleich,
ob die Forderung ganz oder teilweise unbegründet ist. Unterschrieben muss er fristgerecht dem
Amtsgericht zugehen. Ein formloser Brief reicht hierzu aus. Beantragen Sie aber gleichzeitig die
vorläufige Einstellung der Zwangsvollstreckung.

Durch den Einspruch wird der Vollstreckungsbescheid nicht rechtskräftig, jedoch „vorläufig
vollstreckbar“. Schon jetzt kann man Ihren Lohn bzw. Ihre Habe pfänden. Dabei ist es gleich, ob
später eine andere Entscheidung in der Angelegenheit getroffen wird.

5. Die Titulierung der Forderungen

Bleibt auch der Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid aus, wird er rechtskräftig.
Einwendungen, die Sie gegen die Forderungen der Gläubiger gehabt hätten, sind dann in der
Regel für immer ausgeschlossen. Ein Vollstreckungsbescheid ist ein Titel und titulierte
Forderungen verjähren erst nach 30 Jahren. Andere Vollstreckungstitel sind auch Urteile,
Prozessvergleiche sowie notarielle Urkunden.

Sollten Sie unverschuldet nicht fristgemäß Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid eingelegt
haben, sollten Sie beim Amtsgericht einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand
stellen. Begründen Sie es wegen unverschuldeter Fristversäumnis.

6. Die Zwangsvollstreckung

Voraussetzung für die Zwangsvollstreckung ist der Vollstreckungstitel. Maßnahmen sind in der
Regel Sachpfändungen, die eidesstattliche Versicherung und die Forderungspfändung mit Zugriff
auf Ihren Lohn, Sozialleistungen, Bankguthaben, Kontogutschriften und andere.

- Sachpfändung

Gerichtsvollzieher sind für die Pfändung beweglicher Sachen zuständig. Gläubiger erteilen diesen
unter Vorlage ihres Titels einen Vollstreckungsauftrag, welchen sie jederzeit zurücknehmen
können. Grundsätzlich dürfen Gerichtsvollzieher Ihre Wohnung nur mit Ihrer Einwilligung
durchsuchen. Verweigern Sie den Zutritt oder werden Sie trotz schriftlicher Ankündigung mehrmals
nicht zu Hause angetroffen, wird eine richterliche Durchsuchungsanordnung erlassen. Dann dürfen
Gerichtsvollzieher sogar Ihre Wohnungstür aufbrechen lassen.

Unpfändbare Gegenstände ist Ihre notwendige Wohnungsausstattung, also Kleidung, Möbel,


Küchengeräte und ein Farbfernseher. Auch die gebrauchte Waschmaschine, Spülmaschine
oder das Videogerät wird man Ihnen in der Regel nicht wegnehmen, weil der Aufwand für
Transport und Versteigerung teurer als die Einnahme durch letztere wären. Unpfändbar sind auch
Gegenstände, die Ihrer Erwerbstätigkeit oder Ausbildung dienen, wie das Auto eines
Versicherungsvertreters, der Computer einer Lehrerin usw.

Berechtigt zur Pfändung sind nur Gerichtsvollzieher und Vollzugsbeamte der öffentlichen
Verwaltung (Stadtsparkassen, Hauptzollämter oder Finanzämter). Wichtig: Lassen Sie sich stets
den Dienstausweis zeigen! Wenn Sie das Vorgehen der Gerichtsvollzieher überdies für für
rechtswidrig halten, können Sie als Rechtsbehelf bei dem für Ihren Wohnort zuständigen
Amtsgericht eine sog. Erinnerung einlegen und das Vorgehen dort überprüfen lassen. Bei
Vollzugsbeamten müssen Sie sich dazu zunächst an deren Behörde wenden. Um Ärger und
Kosten zu sparen, sollten Sie in die Wohnungsdurchsuchung einwilligen. Es wird ohnehin selten
etwa mitgenommen. Wenn Sie sich im Vorfeld schon bedroht werden und beispielsweise der teure
Familienschmuck noch herumliegt, bringen Sie ihn doch einfach zu Ihrer Oma – beachten Sie
aber, dass dies eigentlich nicht ganz rechtens ist...
Tipp für Sie

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- Die eidesstattliche Versicherung

Sollten die Vollstreckungsversuche nicht zum Erfolg führen oder aussichtslos scheinen, sind Sie
verpflichtet, auf Antrag der Gläubiger bei dem Gerichtsvollzieher die eidesstattliche Versicherung
abzugeben. Die eidesstattliche Versicherung hat zum Ziel, Ihre gesamte Vermögenssituation offen
zu legen. Dadurch erfahren die Gläubiger, wo Sie arbeiten, wo Sie Ihr Konto haben, ob Sie über
eine Kapitallebensversicherung verfügen und vieles andere mehr.

Können Sie dem Gerichtsvollzieher glaubhaft machen, dass Sie die Forderung der Gläubiger
innerhalb des nächsten halben Jahres zahlen werden, kann die Abgabe um diese Zeit
aufgeschoben werden. Dies liegt jedoch in deren Ermessen. Wollen Sie die eidesstattliche
Versicherung nicht gleich zu Hause abgeben, bekommen Sie einen Termin auf dem Amtsgericht
dafür. Halten Sie diesen jedoch nicht ein oder verweigern Sie die Abgabe der eidesstattlichen
Versicherung, kann man einen Haftbefehl gegen Sie erlassen! Auf Antrag der Gläubiger werden
Sie dann in die sogenannte Erzwingungshaft genommen (sofern diese auch die Kosten dafür
vorstrecken). Die Haft dauert nur so lange, bis Sie die eidesstattliche Versicherung abgegeben
haben und maximal sechs Monate. Die Entlassung hängt also nicht davon ab, ob Sie Ihre
Schulden bezahlen können.

Nach Erlass des Haftbefehls oder nach Abgabe der eidesstattlichen Versicherung werden Sie für
drei Jahre im Schuldnerverzeichnis beim zuständigen Amtsgericht geführt. Damit verlieren Sie
endgültig Ihre Kreditwürdigkeit. Kreditauskunfteien wie die SCHUFA werten die
Schuldnerverzeichnisse bundesweit aus und geben die Informationen
an ihre Mitglieder (z. B. Banken) weiter. Mit der Kündigung Ihres Dispo-Kredits müssen Sie
spätestens jetzt rechnen.

Die Löschung dieses Eintrags im Schuldnerverzeichnis erfolgt nach drei Jahren (zum Jahresende).
Vorher können Sie die Löschung beantragen, wenn Sie die Tilgung der Schulden nachweisen, die
der eidesstattliche Versicherung zugrunde liegt. Am besten lassen Sie sich vom Gläubiger, der das
beantragt hat, das Original seines Titels („vollstreckbare Ausfertigung“) geben und legen dies beim
Amtsgericht (Schuldnerverzeichnis) vor.

- Forderungspfändung

Ihre Gläubiger können beim Vollstreckungsgericht einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss


beantragen. Diese Forderungspfändung wird Ihrem Drittschuldner (d.h. Ihr Arbeitgeber, Ihre
Bausparkasse, Ihre Lebensversicherung, Ihr Untermieter und auch Ihr Vermieter (Mietkaution!)
sein. Diese dürfen nach Erhalt des Beschlusses nicht mehr an Sie zahlen, sondern müssen über
das Gericht an Ihre Gläubiger zahlen.

Damit Ihnen aber nicht Ihre Existenzgrundlage entzogen wird, ist lt. Gesetz ein spezieller
Schuldnerschutz vorgesehen.

a) Lohnpfändung

Ihr Arbeitgeber errechnet den pfändbaren Anteil Ihres Arbeitseinkommens. Dieser Betrag muss
solange an Ihren Gläubiger abgeführt werden, bis der geforderte Betrag einschließlich Zinsen
und Kosten ausgeglichen ist. Bei der Berechnung des pfändbaren Betrages geht man vom
Netto- nicht vom Bruttoeinkommen aus. Außerdem sieht die Pfändungstabelle die folgenden
unpfändbaren Lohnanteile vor, die zu Ihren Gunsten herauszurechnen sind:

- die Hälfte der Überstundenvergütung (brutto),


- maximal 500 8 des Weihnachtsgeldes,
- das Urlaubsgeld und die Abgeltung für nicht genommenen Urlaub,
- Spesen und sonstige Aufwandsentschädigungen,
- Treueprämien, Gefahren-, Schmutz- und Erschwerniszulagen,
- monatliche Leistungen auf vermögenswirksame (Spar-)Verträge.

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b) Pfändung von Sozialleistungen

Haben Sie Anspruch auf laufende Sozialleistungen gelten die gleichen Regelungen und
Pfändungsfreigrenzen wie bei der Lohnpfändung. So wenden die Pfändungstabelle
automatisch an: das Arbeitsamt bei Pfändung von Arbeitslosengeld/-hilfe oder Unterhaltsgeld,
der Rentenversicherungsträger bei Pfändung von Altersrente, Hinterbliebenenrente oder
Übergangsgeld, und die Krankenkasse bei Pfändung von Krankengeld.
Weisen Sie frühzeitig Ihre Unterhaltspflichten nach, damit Ihnen nicht zuviel gepfändet wird.
Unpfändbar sind insbesondere die folgenden zweckgebundenen Sozialleistungen:

- Erziehungsgeld (und vergleichbare Leistungen der Länder),


- Kindergeld,
- Pflegegeld,
- Leistungen der Sozialhilfe.

Bis heute ist es strittig, ob das Wohngeld bzw. der Lastenzuschuss überhaupt gepfändet
werden kann, bzw. ob man diese Gelder mit anderen Einkünften zusammenrechnen kann. Bei
einer Zusammenrechnung würde sich automatisch der pfändbare Anteil erhöhen. Zur Zeit prüft
die Bundesregierung auf Anraten des Deutschen Bundestages, ob diese Sozialleistungen
gemäß Ihrer Zweckbestimmung nur noch vom Vermieter bzw. vom Darlehensgeber gepfändet
werden kann.

c) Kontopfändung

In letzter Zeit bedienen sich die Gläubiger immer häufiger an Ihren Einkünften mittels einer
Kontopfändung. Aber auch dies müssen Sie nicht einfach hinnehmen, sondern es gibt auch
hier gewisse Regelungen, die auch Ihre Gläubiger einhalten müssen. Wenn Gläubiger durch
eine Kontopfändung auf Ihr aktuelles Konto(guthaben) und auf Ihre künftigen Gutschriften
zugegriffen haben, gilt es zu unterscheiden:

7-Tage-Schutzfrist bei Sozialleistungen

Alle Gutschriften auf Ihrem Konto, die aus Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (wie
Arbeitslosengeld/-hilfe, Krankengeld, Sozialrenten, Sozialhilfe einschließlich Mietzuschuss,
Kinder- oder Erziehungsgeld, Unterhaltsvorschuss) resultieren, sind für die Dauer von 7 Tagen
seit der Kontogutschrift (WICHTIG: Nicht das Datum des Kontoauszugs!) generell nicht
pfändbar. Aus der Buchung kann die Bank dies erkennen bzw. Sie weisen es z.B. mit dem
Sozialhilfebescheid nach, dass diese Gelder Sozialleistungen sind. Innerhalb dieser 7-Tage-
Frist benötigen Sie keinen Gerichtsbeschluss zur Freigabe dieser Gelder.

Die Banken versuchen sehr oft, die Unwissenheit der Schuldner auszunutzen und sich bei den
Gläubigern anzudienen. Dabei ist die Bank lt. Gesetz verpflichtet, den gesamten
gutgeschriebenen Betrag an Sie auszuzahlen bzw. Ihre Überweisungen auszuführen. Dabei
spielt es keine Rolle, ob die Bank selbst noch Forderungen an Sie hat oder ob Ihr Dispokredit
überzogen ist. Mehr hierzu lesen Sie später unter „DAS GIROKONTO AUF GUTHABENBASIS
und in der Liste der Schlichtungs- und Beschwerdestellen der Kreditinstitute.

Kontopfändungsschutz bei Arbeitseinkommen

Sobald Ihrer Bank der Pfändungs- und Überweisungsbeschluss vorliegt, ist Ihr Konto sofort
gesperrt. Ausgenommen davon sind lediglich die zuvor beschriebenen Sozialleistungen. Die
Bank führt mit dem Vorliegen des Beschlusses keine Daueraufträge mehr für Miete, Strom u.ä.
mehr durch. Statt Bargeld am Automaten wird Ihre Karte sofort eingezogen, was Ihnen
automatisch von Ihrer Bank berechnet wird. Problem bei einer Kontopfändung ist, dass hier die
Pfändungsfreigrenzen nicht automatisch gelten. Sie müssen in diesem Falle zum Amtsgericht
(Vollstreckungsgericht) Ihres Wohnortes und dort mündlich oder besser schriftlich die Freigabe
der unpfändbaren Teile Ihres Einkommens beantragen. Dies müssen Sie auch dann tun, wenn

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bereits eine Lohnpfändung bei Ihrem Arbeitgeber vorliegt und Ihnen nur noch der unpfändbare
Anteil überwiesen wird. Dies gilt auch dann, wenn Sie die 7-Tage-Frist bei Sozialleistungen
versäumt haben. Auch wenn mehrere Gläubiger Ihr Konto pfänden, müssen Sie diesen
Kontopfändungsschutz für jeden einzelnen Gläubiger bei Ihrem zuständigen Amtsgericht
beantragen. Machen Sie durch Abhebung oder Überweisung innerhalb der 7-Tage-Frist
Gebrauch über die auf Ihrem Konto eingehenden Sozialleistungen. Bedenken Sie, dass die
Kontopfändung auch künftige Gutschriften erfasst. Wenn Sie nicht innerhalb dieser Frist über
das Geld verfügen, ist die Bank berechtigt, das Geld an Ihre Gläubiger zu zahlen bzw. mit
Ihren eigenen Forderungen zu verrechnen.

7. Schulden durch die Mithaftung (auch Bürgschaft genannt)

Bei Schulden, die durch Ausgaben für den täglichen Lebensbedarf (z.B. Wareneinkäufe bei
Versandhäusern) wird generell auch der Ehepartner dafür haftbar gemacht. Bei Kreditverträgen
allerdings haften Verheiratete nur, wenn sie diese auch gemeinsam unterschrieben haben oder
einer dem anderen Bürgschaftserklärung abgegeben hat.

Mit einer solchen Bürgschaft sichern sich die Gläubiger ihre Forderung ab. Bei einer
selbstschuldnerischen Bürgschaft können sich diese direkt an den Bürgen halten, bei einer
Ausfallbürgschaft nur, wenn der Hauptschuldner nicht zahlt. Als Mitkreditnehmer oder Bürge
verpflichten sich Eheleute, Ansprüche der Bank aus einem Kreditverhältnis einzulösen. Zwar hat
der Ehepartner, der Zahlungen geleistet hat, Ansprüche gegenüber dem anderen Ehepartner,
muss diese aber auf dem Rechtsweg einklagen. Allerdings lässt sich dies mangels
Leistungsfähigkeit des Hauptschuldners in den seltensten Fällen realisieren.

Vereinbarungen zur Mithaftung können sittenwidrig sein. Insbesondere für Ehefrauen und nahe
Angehörige, die Kreditverträge bzw. Bürgschaftserklärungen unterschrieben haben, ist die
Rechtsprechung zur Sittenwidrigkeit von Bedeutung. So werden von den Kreditinstituten
geforderte Mitunterschriften der Ehefrauen und naher Angehöriger bei Krediten und Bürgschaften
unter Umständen als sittenwidrig eingestuft, wenn

- die Bürgschaft erheblich die Leistungsfähigkeit des Bürgen übersteigt und


- bei Bürgschaftsübernahme die Entscheidungsfreiheit des Bürgen durch den Schuldner in
unzulässiger Weise beeinflusst wurde (z. B. wurden Sie als bürgende Person durch
massiven Druck zur Abgabe Ihrer Unterschrift bewegt oder die möglichen Konsequenzen
der Unterschrift wurden Ihnen verharmlosend dargestellt) oder
- die Bürgschaft wurde aus emotioneller Verbundenheit zum Partner übernommen, obwohl
der Bürge dadurch auf Grund seiner Einkommens- und Vermögenslage finanziell krass
überfordert ist und die Bürgschaft deshalb für den Gläubiger sinnlos ist und
- an der Kreditaufnahme kein besonderes Eigeninteresse der bürgenden Person bestand.

Für Frauen, die durch Bürgschaften, Kreditmitunterzeichnungen oder als Namensgeberin für das
Geschäft ihres Mannes (Partners) in eine finanzielle und eine persönliche Notsituation geraten
sind, bietet eine Initiative des Arbeitsamtes Berlin-Süd Beratung an:

Initiative für Bürgschaftsgeschädigte Frauen


Information Beratung Forschung
Bülowstr. 71–72, 10783 Berlin

Tel.: 0 30/25 79 81 98

30
Teil II - 3. Kapitel
Die Schuldnerberatung
Bitte resignieren Sie nicht, wenn Sie feststellen, dass Sie überschuldet sind. Es ist klar, dass eine
solche Situation für die ganze Familie eine große Belastung ist. Aber es ist der falsche Weg, wenn
man Mahnungen und Briefe vom Gericht zur Seite legt und einfach nur abwartet. Vergessen Sie
Ihre Scham. Sie sind in der heutigen Zeit nicht die einzigsten, die überschuldet sind. Wenden Sie
sich mit der Bitte um Rat und Unterstützung an diejenigen, die Ihnen wirklich weiterhelfen können:

Schuldnerberatungsstellen

Hier finden Sie kompetente und aufgeschlossene Menschen, die überschuldeten Personen und
Familien Beratung und Unterstützung bei der Lösung ihrer finanziellen und persönlichen Probleme
anbieten. Nach dem Bundessozialhilfegesetz (§ 17 BSHG) sind die Kommunen verpflichtet,
Schuldnerberatung zur Verfügung zu stellen. Beraten lassen kann sich dort jeder private Haushalt,
der hilfebedürftig ist. Die Sozialämter in Gemeinden, Städten und Landkreisen können
überschuldeten Menschen eine Schuldnerberatungsstelle vermitteln. Daneben gibt es
Schuldnerberatungsstellen, die auf Grundlage der Insolvenzordnung (§ 305 InsO) von den
Ländern als Insolvenzberatungsstellen anerkannt sind, um Überschuldeten die
Restschuldbefreiung nach dem Verbraucherinsolvenzverfahren zu ermöglichen. Derzeit arbeiten
1.105 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland für überschuldete Menschen. Die Anschriften der
Beratungsstellen in den einzelnen Bundesländern können Sie bei Ihrem Sozialamt, im Internet
oder per Telefon erfahren.

Im Internet finden Sie die Schuldnerberatung unter

www.forum-schuldnerberatung.de

Die Telefonhotline ist unter 01 80/5 32 93 29 erreichbar. Sie ist Montag bis Freitag von 7.00 Uhr
bis 20.00 Uhr besetzt, der Anruf kostet 12 Cent.

In der Praxis wird Schuldnerberatung im Wesentlichen durch zwei unterschiedliche


Beratungskonzepte angeboten:

- Schuldnerberatungsstellen mit auf das Verbraucherinsolvenzverfahren spezialisierten


Fachteams
- Schuldnerberatungsstellen, in denen neben Schuldnerberatung auch andere soziale
Beratungsaufgaben wahrgenommen werden (integrierte Beratung)

In den Schuldnerberatungsstellen arbeiten professionell ausgebildete Fachkräfte verschiedener


Fachrichtungen (Sozialarbeit, Rechtswissenschaft, Ökotrophologie, Bankwesen). Der aktuelle
Wissensstand der Beratungskräfte wird durch regelmäßige Fort- und Weiterbildung gesichert. Sie
sind mit den Problemen der Überschuldung vertraut, so dass sie Ihnen mit Rat und Tat zur
Bewältigung Ihrer Situation zur Seite stehen können.

Bedenken Sie, dass eine Beratung in den Schuldnerberatungsstellen für Überschuldete kostenlos
ist. Aus falscher Scham wählen viele Überschuldete kommerzielle Schuldenregulierer, die
Gebühren erheben, in vielen Fällen überhöht. Bevor Sie diesen Weg wählen, sollten Sie sich im
Vorfeld bei der Verbraucherzentrale über dessen Seriosität informieren. Leider arbeiten einige
dieser kommerziellen Schuldenregulierer unseriös, zum Teil ist Ihr Handeln als kriminell
anzusehen.

Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Markgrafenstr. 66. 10969 Berlin

Telefon: 0 30/25 80 00, Internet: www.vzbv.de

31
Die Schuldnerberatung hilft Ihnen, wesentliche Faktoren Ihrer Überschuldung zu erkennen, z. B.:

- Sind Sie mit der Haushaltsführung überfordert? Fehlt Ihnen der Überblick über Einnahmen
und Ausgaben? Überschätzen Sie Ihre Zahlungsfähigkeit?
- Haben Sie sich bei eingetretener Arbeitslosigkeit darauf eingestellt, Ihre Ausgaben dem
geringeren Einkommen anzupassen?
- Ist Ihre Ehe gerade geschieden worden? Bekommen Sie zu wenig Unterhalt?
- Haben Sie Suchtprobleme (z. B. Alkohol, illegale Drogen)? Gibt es Spielschulden?

Es gibt viele Wege aus der Not! Die Fachkräfte aus der Schuldnerberatung helfen Ihnen bei
drohender Wohnungsnot, z.B. weil Sie keine Miete zahlen konnten. Gemeinsam mit Ihnen
versuchen Sie, Ihre finanzielle Situation in den Griff zu bekommen, verhandeln mit Banken und
Inkassofirmen. Ihre Gläubiger sehen Ihre Bereitschaft Ihre Probleme zu lösen. Gemeinsam mit der
Beratungsstelle gelingt es Ihnen, wieder Ordnung in Ihr Leben zu bringen. Der Gang zu einer
Schuldnerberatungsstelle lohnt sich für Sie immer.

Zögern Sie nicht, diesen Weg zu gehen! Je früher Sie ihn gehen, desto besser! Bei Überschuldung
arbeitet die Zeit gegen Sie! Wenn Sie nicht zahlen können, werden zusätzliche Mahngebühren,
Zinsen, Inkassogebühren fällig. Versuchen Sie nicht, Ihre Überschuldungsprobleme selbst zu
lösen. Es wird dadurch nur schwieriger und langfristiger. Bisher konnten die Schuldnerberater bei
jedem dritten Überschuldeten die Beratung erfolgreich abschließen. Diese Leute haben Ihr Leben
durch Regulierung der Schulden wieder in den Griff bekommen. Auch wenn die Abzahlung der
Schulden einige Zeit dauert; das schuldenfreie Leben ist wieder in Sicht!

So läuft eine Schuldnerberatung ab

Eine Lebenssituation, wie sie durch Überschuldung entsteht, sollte nicht als ausweglose Situation
hingenommen werden. In einer solchen kritischen Lebenslage gilt es, den Dingen gerade nicht
ihren Lauf zu lassen, sondern allen Mut zusammenzunehmen und Schritte zur
Schadensbegrenzung einzuleiten. Die Beratung in Schuldnerberatungsstellen kann dann
erfolgreich sein, wenn Sie die Bemühungen der Schuldnerberaterinnen/Schuldnerberater aktiv
unterstützen. Durch Vertrauen und eine offene Zusammenarbeit lassen sich die Schulden in den
meisten Fällen Schritt für Schritt abbauen.

Schuldnerberatung ist ein Prozess, der in der Regel nach folgenden Schritten verläuft:

a) Erste Kontaktaufnahme

Die erste Kontaktaufnahme erfolgt meist telefonisch. Sie rufen selbst bei einer
Schuldnerberatungsstelle in Ihrer Nähe an und lassen sich einen Termin für ein erstes
Beratungsgespräch geben oder Sie werden vom Sozial- oder Arbeitsamt an eine
Schuldnerberatungsstelle vermittelt. Im ersten Schritt können Gründe, die zu den Schulden geführt
haben, bzw. Folgen dieser Schuldensituation besprochen werden.

b) Wartezeiten

Es kann vorkommen, dass Sie bei einer Schuldnerberatungsstelle wegen Arbeitsüberlastung nicht
sofort einen Termin erhalten. Diese Wartezeit bis zum ersten Gespräch können Sie bereits zum
Sortieren Ihrer Unterlagen und zur Zusammenstellung der Forderungen nutzen. Einen Überblick
über die Dinge, die Sie in dieser Zeit tun können, gibt Ihnen folgende Checkliste.

32
Checkliste für Überschuldete
- Miete und Energiekosten

Sorgen Sie dafür, dass Sie Ihre Miete und die Energiekosten bezahlen können. Rückstände beim
Vermieter und bei den Energieversorgern können fatale Folgen haben. Es ist besser, wenn Sie
andere Gläubiger vertrösten. Riskieren Sie auf keinen Fall eine fristlose Kündigung oder eine
Zwangsräumung Ihrer Wohnung. Auch eine Sperrung von Strom, Wasser oder Gas ist äußerst
unangenehm. Ist es allerdings schon zu einer Klage seitens Ihres Vermieters gekommen, sollten
Sie sich unverzüglich mit dem Sozialamt in Verbindung setzen. Dort können Sie nach § 15a BSHG
die Übernahme der Mietschulden beantragen. Das Sozialamt kann die Übernahme als einmalige
Beihilfe oder als Darlehen gewähren. Dasselbe gilt auch für Energieschulden, wenn die
Stadtwerke mit einer Sperrung von Strom, Wasser oder Gas gedroht haben. Selbst wenn das
Amtsgericht schon eine Räumungsfrist Ihrer Wohnung gesetzt hat, gibt es noch Wege, um dies
herauszuzögern. Beantragen Sie eine Verlängerung der Räumungsfrist, weil es Ihnen noch nicht
gelungen ist, eine geeignete Wohnung zu finden. Ihre Bemühungen sollten Sie dem Amtsgericht
aber auch dokumentieren können.

- Ein- und Ausgabenübersicht

Führen Sie ein Kassenbuch über Ihre Einnahmen und Ausgaben. Hier können Sie mit einem Blick
sehen, ob das Verhältnis Einnahmen zu Ausgaben stimmt. Sie können prüfen, ob es überflüssige
Ausgaben gibt und wo Sie evtl. reduzieren können (z.B. Versicherungen, Mitgliedsbeiträge für
Sportvereine o.ä.). Prüfen Sie, welche Ausgaben durch Leistungen vom Sozialamt wegfallen
könnten.

- Aktuelle Forderungsaufstellung

Verschaffen Sie sich einen genauen Überblick über alle Ihre Gläubiger und deren Forderungen.
Sind Sie im Zweifel, fordern Sie bei Ihren Gläubigern eine aktuelle Aufstellung über deren
Forderungen an und vergleichen Sie diese mit Ihren Zahlen.

- Keine neuen rechtlichen Verpflichtungen

Lassen Sie sich zu keinen neuen Ratenzahlungen, Umschuldungen oder anderem mit Ihren
Gläubigern überreden. Warten Sie das Beratungsgespräch mit Ihrem Schuldenberater ab und
lassen Sie diesen agieren. WICHTIG: Unterschreiben Sie niemanden ein Schuldanerkenntnis !

- Informationen an Ihre Gläubiger

Sie sollten aber Ihre Gläubiger informieren, warum Sie momentan nicht zahlen können (z.B.
Arbeitslosigkeit). Verweisen Sie aber darauf, dass Sie einen Termin bei einer Schuldnerberatung
haben. Bitte Sie solange um Geduld.

- Girokonto für jedermann

Sollten Sie wegen Ihrer Schulden kein Girokonto mehr besitzen, so können Sie bei Ihrem
kontoführenden Kreditinstitut oder einem anderen Kreditinstitut ein Konto auf Guthabenbasis
beantragen. Dieses Konto darf aber nur im positiven Bereich geführt werden, es gibt keine
Überziehungsmöglichkeit.

- Mahn- oder Vollstreckungsbescheid

Erhalten Sie in der Zeit vor Ihrem Termin bei der Schuldnerberatungsstelle einen Mahn- oder
Vollstreckungsbescheid, prüfen Sie diesen auf dessen Richtigkeit. Ist die angegebene Forderung

33
richtig und überhaupt berechtigt. Ist das nicht der Fall, können Sie innerhalb von 14 Tagen beim
Amtsgericht Widerspruch einlegen. Auch wenn Ihnen die Zinsen zu hoch erscheinen, können Sie
Widerspruch einlegen. Dem Mahn- bzw. Vollstreckungsbescheid liegt immer ein Formblatt bei, auf
dem Sie Ihren Widerspruch begründen können. Haben Sie Zweifel, rufen Sie sicherheitshalber bei
der Schuldnerberatungsstelle an.

- Eidesstattliche Versicherung

Haben Sie bereits alle Möglichkeiten eines Widerspruchs versäumt und konnten auch nichts
zahlen, ist es möglich, dass einer der Gläubiger von Ihnen die Abgabe einer eidesstattlichen
Versicherung fordert. Das bedeutet, dass Sie Ihre Vermögensverhältnisse offen legen müssen.
Diesen Termin (wird Ihnen vom Gerichtsvollzieher genannt) sollten Sie auf keinen Fall platzen
lassen. Erscheinen Sie nicht vor Gericht, kann Ihnen Erzwingungshaft drohen. Bedenken Sie, dass
Sie diese eidesstattliche Versicherung nur einmal innerhalb von drei Jahren ablegen müssen, auch
wenn sich Ihre Vermögenshältnisse zwischenzeitlich verändert haben.

- Schutz bei Kontopfändung

Bei einer Kontopfändung sollten Sie beachten, dass Sozialleistungen (z. B. Arbeitslosengeld/-hilfe,
Sozialhilfe, Erziehungsgeld) bis zum siebten Tag nach Eingang auf dem Konto geschützt sind. Das
Geldinstitut ist gesetzlich, aber nur in dieser Frist verpflichtet, Ihnen den gesamten Betrag
auszuzahlen. Sollten Sie einer geregelten Arbeit nachkommen und Lohn beziehen, müssen Sie
sofort beim Amtsgericht einen Antrag auf Freistellung des unpfändbaren Einkommensteils (gem. §
850 k ZPO) stellen.

34
c) Finanzielle Situation im Haushalt klären

Auch wenn Sie sofort einen Termin erhalten, sollten Sie, wie in der Checkliste beschrieben, vor
dem ersten Gespräch Ihre Unterlagen sortieren und sich ggf. eine aktuelle Forderungsaufstellung
beschaffen.

Auch wenn Ihnen manches peinlich sein sollte, versuchen Sie eine möglichst vollständige
Schuldenaufstellung zum Beratungstermin mitzunehmen. Es nutzt nichts, wenn bei jedem neuen
Termin eine neue Forderung auftaucht. Auch wie weit Ihre Gläubiger bis jetzt bei Ihnen
vorgegangen sind ist wichtig. Sie sollten alle Mahnbescheide, Vollstreckungsbescheide usw.
mitnehmen. Ebenso Ihre Lohnabrechnung und andere Einnahmen. Machen Sie vorab eine
Aufstellung der Ein- und Ausgaben, damit der Schuldenberater sofort sieht, woran es bei Ihnen
krankt. Gemeinsam werden alle Möglichkeiten durchgesprochen.

d) Wege zur gemeinsamen Schuldenregulierung suchen

Eine Schuldnerberatung ist nur dann erfolgreich, wenn Sie mit Ihrem Berater offen und ehrlich
zusammen arbeiten. Bringen Sie Ihre Probleme alle auf einmal vor und nicht „scheibchenweise“.
Haben Sie Vertrauen und arbeiten Sie aktiv mit. Wichtig ist, dass Sie alle Vereinbarungen, die Ihr
Schuldnerberater in Ihrem Auftrag trifft, auch einhalten. Seien Sie sicher, dass Ihr
Schuldnerberater alles aufs genaueste prüft; z.B. ob die Forderungen bestehen, evtl. schon
verjährt sind. Kreditverträge können sittenwidrig sein. Dagegen kann man rechtliche Schritte
einleiten. Bei berechtigten Forderungen wird Ihr Schuldnerberater mit Ihren Gläubigern für Sie
realistische Rückzahlungsmöglichkeiten vereinbaren. Ebenso wird Ihr Schuldnerberater prüfen, ob
Sie auch wirkliche alle staatlichen Hilfen, die Ihnen in Ihrer Situation zustehen, auch in Anspruch
nehmen.

Auch bei drohenden Zwangsmaßnahmen (z.B. Zwangsräumung, Pfändungen, Abgabe der


eidesstattlichen Versicherung) prüfen Sie gemeinsam mit Ihnen, was zu tun ist. Vielleicht kann
noch Einspruch eingelegt werden. Ebenso wird die Möglichkeit der Verbraucherinsolvenz geprüft.
Nutzen Sie die Möglichkeit, mit Ihrem Schuldenberater über Ihre berufliche, familiäre und auch
persönliche Situation zu sprechen. Seien Sie versichert, dass kein Dritter etwas über diese
Gespräche erfährt.

e) Auskommen mit dem Einkommen

Sie dürfen nie vergessen, dass sich das Problem der Überschuldung nicht alleine durch die
Beratung in der Beratungsstelle lösen lässt, sondern dass Sie selbst aktiv mitwirken müssen.
Während der Zeit der Beratung dürfen Sie keine neuen Schulden machen bzw. nur in Abstimmung
mit Ihrem Schuldnerberater.

Aus dieser heiklen Lage kommen Sie erst heraus, wenn Sie auf lange Sicht Ihre Einnahme- und
Ausgabensituation verbessern. Suchen Sie nach neuen Einnahmequellen und sparen Sie
Ausgaben, die nicht unbedingt sein müssen. Mit Hilfe Ihres persönlichen Haushaltsplanes wird Ihr
Schuldnerberater auf die eine oder andere unnötige Ausgabe stoßen.

Durch das tägliche Führen eines Haushaltsbuches mit allen Einnahmen und Ausgaben kann das
eigene Wirtschaften entscheidend verbessert werden.

Der Schuldnerberater wird mit Ihnen zusammen versuchen, die Ausgaben Ihres Haushaltes in
Zukunft so zu verringern, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen. Haushaltsbücher
erhalten Sie gegen Zahlung eines Unkostenbeitrages bei der Deutschen Gesellschaft für
Hauswirtschaft (Mühlenstr. 8, 52080 Aachen, Tel.: 02 41/16 64 29) und der Verbraucherzentrale
NRW e. V. (Mintropstr. 27, 40215 Düsseldorf, Tel.: 02 11/38 09-0) sowie kostenlos beim
Beratungsdienst „Geld und Haushalt“ der Sparkassen (Behrenstr. 31, 10117 Berlin) oder den
Sparkassenfilialen und bei einzelnen Schuldnerberatungsstellen. Wie Sie Ihre Einnahmen und

35
Ausgaben sinnvoll planen, sagen Ihnen Verbraucherberatungsstellen oder der schriftliche
Beratungsdienst „Geld und Haushalt“ der Sparkassen

f) Entschuldungsdauer

Auch wenn Sie glauben, Sie stehen vor einem hohen Berg, den Sie niemals bezwingen können,
geben Sie nicht auf. Leider ist eine Entschuldung nicht von heute auf morgen möglich. Dies ist ein
Prozess, der meist mehrere Jahre dauert. Aber während dieser Zeit stehen Ihnen Ihr
Schuldnerberater immer zur Seite. Auf seine Unterstützung, und, was in dieser Zeit besonders
wichtig ist, Zuspruch, können Sie immer rechnen.

g) Schuldnerberatung im Arbeitsamt

Sollten Sie arbeitslos sein, können sich Ihre Schulden bei der Arbeitssuche als Hemmschuh
herausstellen. Welcher Arbeitgeber stellt schon jemanden ein, wenn er genau weiß, dass er bei
diesem Arbeitnehmer mit Mehrbelastungen bei seiner Lohnabrechnung rechnen kann. Vertrauen
Sie sich Ihrem Arbeitsvermittler an. Er wird Ihre Angaben vertraulich behandeln und sie beraten.
Zu gewissen Zeiten sind Schuldnerberater auch in Arbeitsämtern anwesend. Fragen Sie unbedingt
nach diesem Service, wenn nicht auf Plakaten im Arbeitsamt darauf hingewiesen wird. Versuchen
Sie nicht, diese Last allein zu tragen. Nehmen Sie alle Hilfe, die Sie von irgendwoher bekommen,
auch in Anspruch.
Tipp für Sie

36
Teil II - 4. Kapitel
Regulierung von Schulden
Es ist unbedingt erforderlich, alle Gläubiger in den außergerichtlichen Einigungsversuch
einzubeziehen.
Tipp für Sie
Schuldenregulierung

Überschuldete Haushalte haben die Möglichkeit auf zweierlei Wegen sich von Schulden zu
befreien. Zum einen die außergerichtliche Schuldenregulierung und die gerichtliche
Schuldenregulierung in Form eines Verbraucherinsolvenzverfahrens, an deren Ende die
Restschuldbefreiung steht. Das gerichtliche Verfahren findet aber nur dann statt, wenn man sich
mit den Gläubigern nicht außergerichtlich einigen konnte.

Außergerichtliche Schuldenregulierung

Die beste Lösung für alle Beteiligten ist natürlich das außergerichtliche Verfahren. Mit Hilfe Ihres
Schuldnerberaters werden Regelungen und Vereinbarungen mit Ihren Gläubigern getroffen, die für
Sie tragbar sind und womit auch Ihre Gläubiger leben können. Auch wenn es für Sie manchmal
nicht leicht sein wird, so haben Sie bei dieser Lösung doch Ihr Gesicht gewahrt. Sie wollen für die
gemachten Schulden gerade stehen und Ihre Gläubiger danken es Ihnen mit Entgegenkommen.
Inwieweit dies sein wird, hängt ganz vom Verhandlungsgeschick Ihres Schuldnerberaters ab.

Gerichtliche Schuldenregulierung mittels Verbraucherinsolvenzverfahren

Gläubiger können aus rechtskräftigen Urteilen und Vollstreckungsbescheiden 30 Jahre lang die
Zwangsvollstreckung betreiben. Mit der zum 1. Januar 1999 in Kraft getretenen Insolvenzordnung
(InsO) einschließlich Verbraucherinsolvenzverfahren mit anschließender Restschuldbefreiung und
den dazu ab dem 1. Dezember 2001 geltenden Änderungen können Überschuldete unter
Umständen auch gegen den Willen ihrer Gläubiger eine Befreiung von ihren Schulden erlangen.
Durch die Kürzung der Wohlverhaltensperiode sowie eine mögliche Stundung der gerichtlichen
Verfahrenskosten haben Überschuldete, deren redliche Bemühungen um eine angemessene
freiwillige Einigung mit Gläubigern erfolglos bleiben, nun eine echte Chance zu einem
wirtschaftlichen Neuanfang.

Das Verbraucherinsolvenzverfahren ist ein dreistufiges Verfahren: außergerichtlicher


Einigungsversuch, gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren und vereinfachtes
Insolvenzverfahren. Diese drei Stufen werden nachfolgend beschrieben.

1. Außergerichtlicher Einigungsversuch

Ziel des außergerichtlichen Einigungsversuchs ist die in diesem Ratgeber eingehend beschriebene
Einigung mit allen Gläubigern auf einen Schuldenbereinigungsplan. Stimmen alle Ihre Gläubiger
diesem Schuldenbereinigungsplan zu und auch Sie halten sich an die gemachten Vereinbarungen
sind Sie Ihre restlichen Schulden im Normalfall bald los. Gelingt Ihnen eine solche Vereinbarung
jedoch nicht, benötigen Sie für die Einleitung des gerichtlichen Verfahrens eine Bescheinigung von
der Schuldnerberatungsstelle, Rechtsanwalt, Notar oder Steuerberater, dass eine
außergerichtliche Einigung nicht zustande gekommen ist. Wichtig ist, dass in dieser Bescheinigung
die Bemühungen und auch die Gründe für das Scheitern ausreichend dokumentiert sind.

2. Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren

Ist der außergerichtliche Einigungsversuch gescheitert, können Sie beim zuständigen


Insolvenzgericht das Verbraucherinsolvenzverfahren beantragen. Ihrem Antrag auf das
gerichtliche Verfahren müssen Sie folgende Unterlagen beifügen:

37
- Bescheinigung der geeigneten Stelle oder Person über das Scheitern des
außergerichtlichen Einigungsversuchs innerhalb der letzten sechs Monate vor
Antragstellung unter Beifügung des gescheiterten Schuldenbereinigungsplans und unter
Angabe der wesentlichen Gründe des Scheiterns
- Antrag auf Restschuldbefreiung
- zusammenfassende Übersicht und detailliertes Verzeichnis Ihres Einkommens und
Vermögens
- Verzeichnis der Gläubiger und deren Forderungen
- zweiter Schuldenbereinigungsplan (kann mit dem ersten Plan identisch sein
- Erklärung, dass Ihre Angaben vollständig und richtig sind
- Abtretungserklärung für den Treuhänder
- ggf. Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten
- ggf. Erklärung, dass Sie bereits vor dem 1. Januar 1997 zahlungsunfähig waren

Diese bundesweit einheitlichen Antragsformulare erhalten Sie bei den Insolvenzgerichten und
Schuldnerberatungsstellen. Die Gläubiger müssen Ihnen kostenlos eine aktuelle Aufstellung ihrer
Forderungen aushändigen. Bevor jedoch das gerichtliche Insolvenzverfahren eröffnet wird,
versucht das Gericht noch einmal mit Ihren Gläubigern zu einer einvernehmlichen
Schuldenbereinigung zu kommen. Hier ist von Vorteil, dass jetzt nicht mehr alle Gläubiger sondern
nur noch die Mehrheit dem Schuldenbereinigungsplan zustimmen muss. Unter bestimmten
Voraussetzungen kann das Gericht die Minderheit der Gläubiger, die Ihren Plan ablehnen,
ersetzen. Dies nimmt man insolvenzgerichtlichen Zwangsvergleich. Bis zur Entscheidung über den
gerichtlichen Einigungsversuch ruht Ihr Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Wird der
Plan angenommen bzw. werden die fehlenden Zustimmungen einer Gläubigerminderheit ersetzt,
erübrigt sich das weitere Verfahren. Ihre Anträge auf Eröffnung des Verfahrens und Erteilung der
Restschuldbefreiung gelten als zurückgenommen. Der angenommene gerichtliche
Schuldenbereinigungsplan hat dieselbe Wirkung wie ein gerichtlicher Vergleich. Dies bedeutet, Sie
müssen die im Schuldenbereinigungsplan vereinbarten Zahlungen leisten, ansonsten können die
Gläubiger die Vollstreckung beantragen. Hat der Plan keinerlei Aussichten darauf, von den
Gläubigern angenommen zu werden, da Sie ihnen keine Zahlungen oder dergleichen anbieten
können, kann das Gericht auf die Durchführung des gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens
verzichten. In diesem Fall, aber auch beim Scheitern des gerichtlichen Einigungsversuchs wird das
Verfahren über den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wieder aufgenommen. Prüfen
Sie, ob die angemeldeten Forderungen dem Grunde nach berechtigt sind. Sind sie oder Teile
davon unberechtigt, müssen Sie widersprechen. Dies gilt auch für den Fall, dass die Forderungen
nicht aus einer vorsätzlich unerlaubten Handlung resultieren.
D
Da das Verhältnis zum Unternehmensinsolvenzverfahren deutlich einfacher ist, wird vom
vereinfachten Insolvenzverfahren gesprochen.

3. Vereinfachtes Insolvenzverfahren

Voraussetzung zur Eröffnung des Verfahrens ist, dass die Kosten des Verfahrens gesichert sind
oder dass Sie einen Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten gestellt haben, da Sie
zahlungsunfähig sind. Mit dem Beschluss des Gerichts zur Eröffnung des Verfahrens werden die
Gläubiger aufgefordert, ihre Forderungen gegen Sie beim Treuhänder anzumelden. Ist das
Verfahren eröffnet, wird – soweit vorhanden – Ihr pfändbares Sach- und Geldvermögen zur
Deckung der Verfahrenskosten und der Schuldentilgung verwertet. Von Ihrem
Verbraucherinsolvenzverfahren erfahren auch Dritte, da das Insolvenzgericht Ihren Namen und
Adresse in Tageszeitung oder im Internet bekannt gibt. Das heißt, dass auch Ihr Arbeitgeber und
unter Umständen auch Ihr Vermieter erfahren davon. Das Gericht prüft anschließend, ob Gläubiger
berechtigte Gründe (z. B. falsche Angaben Ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse)
vorgebracht haben, die eine Schuldenbefreiung nicht zulassen.
Wenn Sie die Restschuldbefreiung beantragt haben und keine Versagungsgründe vorliegen,
kündigt das Gericht in einem Beschluss zum Abschluss des Verfahrens an, dass Sie die
Restschuldbefreiung erlangen können, wenn Sie in einer anschließenden sog.

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Wohlverhaltensperiode Ihren Verpflichtungen nachkommen und auch nach Abschluss dieser
Periode keine Gründe für die Versagung vorliegen.
Schuldner, die in den letzten drei Jahren vor der Antragstellung wissentlich falsche schriftliche
Angaben über die eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse im Zusammenhang mit Krediten,
Sozialleistungen und Steuererklärungen gemacht haben, erhalten keine Restschuldbefreiung. Das
gleiche gilt für Schuldner, die im letzten Jahr vor der Antragstellung unangemessene
Verbindlichkeiten eingegangen sind oder wenn Sie Ihr Vermögen verschwendet haben. Auch eine
Verurteilung wegen Konkursbetrug oder wenn ein Insolvenzverfahren während der letzten 10
Jahre mit Restschuldbefreiung gescheitert ist, führen dazu, dass Sie in diesem Fall keine
Restschuldbefreiung erlangen können.

Wohlverhaltensperiode

Ist das Insolvenzverfahren mit Restschuldbefreiung zustande gekommen, muss Ihr Arbeitgeber
weiterhin die pfändbaren Beträge Ihres Einkommens an einen vom Gericht bestellten Treuhänder
abführen. Während der nächsten 6 Jahre müssen Sie sich gegenüber Ihren Gläubigern wohl
verhalten. Diese 6 Jahre zählen ab dem Tag des gerichtlichen Beschlusses. Während dieser 6
Jahre müssen Sie bestimmte Auflagen erfüllen. Sie müssen eine angemessene Erwerbstätigkeit
ausüben und falls Sie arbeitslos sind, müssen Sie jede zumutbare Arbeit annehmen. Sollten Sie
während dieser Zeit etwas erben, müssen Sie die Hälfte davon an den Treuhänder abgeben.
Außerdem müssen Sie jeden Arbeitsplatz- oder Wohnungswechsel anzeigen. Zur Motivation,
diese Zeit durchzustehen, verbleiben Ihnen im 5. Jahr zusätzlich 10% und im letzten Jahr 15% des
pfändbaren Teils Ihrer Einkünfte.

Restschuldbefreiung

Halten Sie diese Verpflichtungen ein, erteilt Ihnen das Insolvenzgericht nach Ablauf von sechs
Jahren die Restschuldbefreiung. Nur wenige Verbindlichkeiten sind von einer Restschuldbefreiung
ausgenommen:

. Geldstrafen, Geldbußen sowie Zwangs- und Ordnungsgelder,


. zinslose Darlehen, die Ihnen von Dritten zur Begleichung der Kosten des Insolvenzverfahrens
gewährt wurden und
. Forderungen aus einer vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung.

4. Kostenregelung im Verbraucherinsolvenzverfahren

Das gerichtliche Verfahren ist kostenpflichtig. In der Regel trägt der Schuldner die Kosten des
Verfahrens. Haben Sie keine finanziellen Mittel, die Kosten zu zahlen, heißt das aber nicht, dass
Ihnen der der Zugang zum Verbraucherinsolvenzverfahren und zur Restschuldbefreiung
verschlossen bleibt. Sie müssen einen Stundungsantrag stellen. Eine Stundung der
Verfahrenskosten wird nur gewährt, wenn weder Sie noch eine dritte Person einen
Verfahrenskostenvorschuss leisten können und wenn Aussicht auf Erteilung der
Restschuldbefreiung besteht. Wurde Ihnen Stundung gewährt, müssen vor Befriedigung der
Forderungen anderer Gläubiger die Kosten des Verfahrens erstattet werden. Das heißt, während
des gesamten Insolvenz- und Restschuldbefreiungsverfahrens müssen Ihre Gläubiger so lange auf
Ihre pfändbaren Beträge verzichten, bis die gestundeten Verfahrenskosten getilgt sind. Soweit die
Kosten mangels finanzieller Mittel bis zur Erteilung der Restschuldbefreiung noch nicht beglichen
sind, ist der verbleibende Betrag innerhalb von vier weiteren Jahren in Raten zurückzuzahlen. Die
Höchstzahl der Raten beträgt 48 Monate. Sind die Kosten nach diesem Zeitraum erst teilweise
oder noch nicht getilgt, wird Ihnen die Zahlung des Restbetrages erlassen. Durch diese der
Regelung ist auch für mittellose Überschuldete ca. 10 Jahre nach Eröffnung des
Verbraucherinsolvenzverfahrens ein wirtschaftlicher Neubeginn möglich.

39
5. Weitere wichtige Regelungen

Auch wenn Sie Ihren Gläubigern nichts anzubieten haben, können Sie – wenn Sie die
Obliegenheiten einhalten – nach sechs Jahren Schuldenbefreiung erhalten, denn es werden keine
Mindestzahlungen verlangt. Sie können schon nach fünf Jahren Schuldenbefreiung erhalten,
wenn Sie nachweisen, dass Sie bereits vor dem 1. Januar 1997 zahlungsunfähig waren und Ihre
Zahlungsunfähigkeit bis zur Antragstellung angedauert hat.
Ehemalige Selbstständige und Gewerbetreibende können dann ein
Verbraucherinsolvenzverfahren beantragen, wenn sie weniger als 20 Gläubiger haben und wenn
keine Verbindlichkeiten aus der Beschäftigung von Arbeitnehmern bestehen. Alle anderen aktiv
und ehemals wirtschaftlich Selbstständigen müssen statt des Verbraucherinsolvenzverfahrens das
sog. Regelinsolvenzverfahren (ehemals Konkursverfahren) beantragen. Auch in diesem Verfahren
werden die Kosten gestundet, und es kann Restschuldbefreiung erreicht werden. Die
Schuldenbefreiung gilt nicht automatisch auch für Mitverpflichtete und Bürgen. Diese müssen ein
eigenes Verfahren beantragen.

Während des Verbraucherinsolvenzverfahrens müssen Sie auf pfändbare Beträge Ihres


Einkommens verzichten. Der notwendige Lebensunterhalt nach dem Bundessozialhilfegesetz
verbleibt Ihnen auf jeden Fall. Für Unterhaltspflichtige gilt, dass die laufenden Zahlungen
aufgebracht werden müssen. Verletzen Sie Ihre Unterhaltspflichten vorsätzlich, greift die
Restschuldbefreiung in Ihrem Fall nicht.

Wenn Sie sich näher zu diesem Thema informieren wollen, fordern Sie die Broschüre
„Restschuldbefreiung – eine neue Chance für redliche Schuldner“ beim Referat für Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums der Justiz, Jerusalemer Str. 27, 10117 Berlin, Tel
030/2025-70 oder unter ww.bmj.bund.de an.

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Teil II - 5. Kapitel
Schulden vermeiden
Leider ist es heute für viele selbstverständlich geworden, ein Leben auf Pump zu führen. Egal, ob
es die Einrichtung der Wohnung, der Führerschein, das Auto, ein neuer Computer und in letzter
Zeit immer häufiger auch Traumurlaub: Für alles wird die angeblich passende Finanzierung
angeboten. Jeder Anbieter von Konsumgütern vergibt allzu leicht die Kredite, um dem Verbraucher
den Kauf der angebotenen Waren so einfach wie möglich zu machen. Die Gefahren hierbei
werden vom Verbraucher allzu leicht übersehen. Nur ein einziges, unvorhergesehenes Ereignis,
z.B. Krankheit oder Verlust der Arbeitsstelle, bringen den ausgeklügelten Finanzplan ins Wanken.
Mit dem Nichtbezahlen der ersten Rate fallen Mahngebühren, Zinsen usw. an, die Verpflichtungen
werden größer und auf einmal dreht sich die Schuldenspirale, ohne dass man sie aufhalten kann.
Auch wenn es reizvoll ist, etwas neues z besitzen. Rechnen Sie lieber mehrmals nach, ob Sie sich
das auch wirklich leisten können. Oder besser noch: Brauchen Sie das neue Konsumgut auch
wirklich jetzt ganz dringend, oder kann man den Kauf noch hinaus schieben. Informieren Sie sich
über die Kosten und Risiken, die entstehen, wenn Sie eine neue Kreditverpflichtung eingehen.
Bedenken Sie, dass Sie einen finanziellen Spielraum brauchen, wenn andere unvorhergesehene
Ausgaben auf Sie zukommen. Vor allen Dingen planen Sie ein, dass sich evtl. auch Ihre
Einnahmen verringern könnten. Sind Sie sich nicht sicher, lassen Sie sich lieber beraten.

Verbraucherberatung und hauswirtschaftliche Beratung

Diese Beratungsstellen dienen der Prävention und der Intervention. Ziel der Beratung ist es,
möglichen Überschuldungssituationen schon im Vorfeld zu begegnen.

Solche Beratungen werden von verschiedenen Organisationen angeboten:

Die Verbraucherzentralen bieten Beratungen an im Vorfeld der Baufinanzierung, allgemeine


Finanzdienstleistungen, Rechtsfragen und alle Fragen in Sachen Produkte und Haushalt. Auch der
Bereich Schul- und Jugendarbeit wird von der Verbraucherzentrale abgedeckt. Auch konkrete
Probleme, wie z.B. Gläubigerforderungen, werden überprüft. Hierzu muss man aber die
Schwerpunktsetzung und auch die finanzielle Situation der jeweiligen Verbraucherberatung
kennen.

Beim Bundesverband der Verbraucherzentrale, Dachorganisation der 34 verbraucherorientierten


Verbänden können Sie die Adressen für Ihr Bundesland und die jeweiligen
Beratungsschwerpunkte erfahren.

Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)


Markgrafenstr. 66
10969 Berlin
Telefon: 0 30/25 80 00

www.vzbv.de

Die Sparkassen-Finanzgruppe ist sehr rege und unterstützt private Haushalte mit ihrem
Beratungsdienst „Geld und Haushalt“. Die Angebote sind kostenlos und decken Gebiete wie
„Auskommen mit dem Einkommen“, Budgetplanung usw. ab. Informationen über diese Leistungen
erhalten Sie bei

Deutscher Sparkassen- und Giroverband


Geld und Haushalt
Behrenstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 0 30/2 02 25-0

www.dsgv.de

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Verbraucherdarlehen

Schützen Sie sich vor Kreditwucher und erfahren Sie mehr über Rechte, in dem Sie die §§491-507
im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), Sondervorschriften für Verbraucherdarlehen, kennen. Diese
Abhandlungen gelte für alle Finanzierungshilfen. Ausgenommen sind lediglich Darlehen und
Abzahlungsgeschäfte mit einer Gesamthöhe unter 200 8 und Zahlungsaufschübe bis zu drei
Monaten.

Nachfolgend die wichtigsten Inhalte:

Der Kreditvertrag

- muss schriftlich abgefasst werden


- muss bestimmte Mindestangaben (Nettokreditbetrag, Zinssatz und alle sonstigen Kosten
sowie Art und Weise der Rückzahlung des Kredites) enthalten
- muss den effektiven Jahreszins, anhand dessen unterschiedliche Kreditangebote
miteinander verglichen werden können, angeben
- ist nichtig, wenn die schriftliche Form nicht eingehalten wird oder eine der
vorgeschriebenen Angaben fehlt (wird jedoch ein solcher Kredit ausgezahlt, kommt
dennoch ein Vertrag zu Stande; in diesem Fall gelten unter bestimmten Voraussetzungen
für Verbraucherinnen/Verbraucher günstigere Vertragsbedingungen)
- kann innerhalb von zwei Wochen widerrufen werden (beachte: Bei
Immobiliendarlehensverträgen kann das Widerrufsrecht im Vertrag ausgeschlossen und
zudem bestimmt werden, dass das Darlehen innerhalb von zwei Wochen zurückgezahlt
werden muss; eine solche Vereinbarung ist aber unwirksam, wenn Sie den
Darlehensvertrag in einer sog. Haustürsituation geschlossen haben, also in Ihrer
Privatwohnung oder am Arbeitsplatz),
- ist verbunden mit einem Kaufvertrag, wenn der Kredit zum Kauf eines Gutes aufgenommen
wurde und der Darlehensgeber entweder zugleich Ihr Verkäufer ist oder wenn Ihr
Darlehensgeber und der Verkäufer so eng zusammenarbeiten, dass beide Verträge ein
wirtschaftlich einheitliches Geschäft darstellen. In einem solchen Fall gilt Ihr Widerrufsrecht
für beide Verträge.

Die Kreditrückzahlung

- wird für Kreditnehmerinnen/Kreditnehmer teuer, wenn sie mit den Ratenzahlungen in


Verzug kommen, dann sind nämlich zusätzlich noch Verzugszinsen zu zahlen
- muss vom Kreditgeber auch in Form von Teilzahlungen angenommen werden (die
Teilbeträge werden zunächst auf die Kosten der Rechtsverfolgung und dann auf die
Schulden bezogen; erst anschließend dürfen die Zahlungen auf die Zinsen angerechnet
werden).

Die Kreditkündigung durch den Kreditgeber ist nur möglich, wenn

- Kreditnehmerinnen/Kreditnehmer mit zwei aufeinander folgeden Teilzahlungen ganz oder


teilweise in Verzug sind und
- diese Rückstände mindestens 10 % des Gesamtkredites (bei Laufzeiten über drei Jahren
mindestens 5 %) ausmachen und
- den in Verzug geratenen Kreditnehmerinnen/Kreditnehmern zuvor eine Zahlungsfrist von
zwei Wochen gesetzt und die Kündigung bei Nichtzahlung angedroht wurde.

Weitere Informationen enthält das Faltblatt „Wissenswertes über


Verbraucherdarlehen“, das kostenlos beim Referat für Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums der Justiz, Jerusalemer
Str. 27, 10117 Berlin, Tel.: 0 30/20 25-70, oder unter www.bmj.bund.de
angefordert werden kann.

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Tipps für den Abschluss von Kreditgeschäften

Ganz allgemein sollten Sie im Umgang mit Kreditinstituten, Versandhäusern und anderen
Geschäftspartnern bei Kreditgeschäften die in der nachfolgenden Checkliste gegebenen Tipps
beachten, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Weitere Informationen enthält die Broschüre „Mehr Schutz vor den Tücken des Kleingedruckten“,
die kostenlos beim Referat für Presse-und Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums der Justiz,
Jerusalemer Str. 27, 10117 Berlin, Tel.: 0 30/20 25-70, oder unter www.bmj.bund.de angefordert
werden kann.

Checkliste für den Umgang mit Kreditinstituten

1. Einnahmen-Ausgaben-Übersicht

Erstellen Sie vor der Kreditaufnahme eine Einnahmen-Ausgaben-Übersicht, anhand derer Sie Ihre
regelmäßigen Einnahmen und laufenden Haushaltsausgaben vergleichen können.

2. Unterschrift

Nehmen Sie sich genügend Bedenkzeit, bevor Sie einen Kreditvertrag unterschreiben, und
unterschreiben Sie nur, was Sie wirklich verstanden haben. Haben Sie keine Scheu, bei Zweifeln
nicht zu unterschreiben. Unterschreiben Sie auf keinen Fall Blanko-Formulare, sondern nur
vollständig ausgefüllte Verträge.

3. Kreditkonditionen

Lassen Sie sich vor der Aufnahme eines Kredites bei mehreren Banken genauestens über die
Kreditkonditionen informieren und erkundigen Sie sich auch bei unabhängigen Stellen wie der
Stiftung Warentest oder den Verbraucherzentralen, die regelmäßig Vergleiche der
Kreditkonditionen veröffentlichen.

4. Vertragszinsen

Bevorzugen Sie Kredite mit festen Vertragszinsen (Vorsicht bei Zinsgleitklauseln!). So genannte
variable Kredite ohne feste Zinssätze und Raten sind in der Regel teuer und können weitere
Schulden verursachen.

5. Abtretungsklauseln

Vorsicht bei Lohn- und Gehaltsabtretungsklauseln. Lesen Sie sich diesbezüglich das
Kleingedruckte in den Vertragsbedingungen durch.

6. Kreditwucher

Ist der effektive Jahreszins für Ihr Darlehen doppelt so hoch wie der marktübliche Zinssatz, so
deutet dies auf Kreditwucher hin. Wenden Sie sich in solchen Fällen an eine Rechtsberatung. Der
marktübliche Zinssatz kann bei Verbraucher- und Schuldnerberatungsstellen erfragt werden.
Derzeit sind Zinsen über 13 % fraglich.

7. Dispo-Kredit

Vermeiden Sie die regelmäßige Inanspruchnahme des Dispo-Kredits. Die Kosten dafür sind hoch.

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8. Teilzahlungsverträge

Versuchen Sie bei finanziellen Engpässen, Leasing- und andere Teilzahlungsverträge zu


verlängern. Dadurch werden die monatlichen Raten kleiner.

9. Umschuldung

Vermeiden Sie es, Schulden mit neuen Schulden zu bezahlen, denn dadurch können Sie leicht in
ein „Schulden-Karussell“ geraten. Mit neuen Schulden haben Sie zusätzliche finanzielle
Belastungen und Ihr Handlungsspielraum wird noch enger. Diese Form der Kreditablösung ist in
der Regel auch teurer, so fallen beispielsweise zusätzliche Gebühren und Ablösungszinsen an.
Lässt sich eine Kreditaufstockung nicht vermeiden, sollten Sie versuchen, den Ersatzkredit
zunächst bei demselben Kreditinstitut zu erhalten, bei dem auch der Erstkredit von Ihnen
aufgenommen wurde. Sie können somit Gebühren für eine Kreditablösung sparen.

10. Werbeanzeigen

Vorsicht bei Werbeanzeigen, die eine schnelle und unproblematische Kreditaufnahme oder auch
günstige Umschuldungskredite, oftmals ohne SCHUFA-Auskunft und dergleichen, versprechen.
Haben Sie auch nur geringste Zweifel an der Seriosität des Angebots, sollten Sie es nicht
wahrnehmen.

11. Kreditvermittler

Kreditvermittler fungieren als Vermittler zwischen der Bank und dem Kreditnehmer. Beachten Sie,
dass Sie bei einem vermittelten Kredit zusätzlich zu den festgesetzten Zahlungen noch
Bearbeitungs- und Vermittlungsgebühren für den Kreditvermittler zu zahlen haben.

Girokonto auf Guthabenbasis

Ohne ein Girokonto bei einem Kreditinstitut ist die Teilnahme am modernen Wirtschaftsleben fast
unmöglich. Löhne und Gehälter, Renten und Arbeitslosengelder, Mieten, Gebühren für Strom,
Wasser, Müllbeseitigung, Kosten für die Teilnahme an Kommunikationssystemen, Steuern und die
Beiträge für die Sozial- und Krankenversicherungen werden heute überwiesen, abgebucht oder
eingezogen. Deshalb muss die Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr möglich sein. Das gilt
auch für Menschen mit Schulden. Der Verlust des Girokontos stellt den Beginn einer
einschneidenden wirtschaftlichen und sozialen Ausgrenzung dar. Im Juni 1995 hat der Zentrale
Kreditausschuss – ein Zusammenschluss fast aller Einrichtungen der Kreditwirtschaft – eine
Empfehlung zum „Girokonto für jedermann“ gegeben. Diese Empfehlung legt den Kreditinstituten
nahe, für jede Person, unabhängig von Art und Höhe der Einkünfte und auch bei Überschuldung,
ein Girokonto auf Guthabenbasis bereitzuhalten. Rechtlich bindend ist diese Empfehlung jedoch
nicht. Trotz dieser Empfehlung gibt es in der Praxis vereinzelt noch immer Probleme bei der
Eröffnung von Girokonten auf Guthabenbasis. Außerdem werden Guthabenkonten bei
auftretenden Schwierigkeiten sehr schnell gekündigt. Hierbei geht es in der Regel nicht um
Probleme im persönlichen Umgang mit der Kontoinhaberin/dem Kontoinhaber, sondern um den für
das Kreditinstitut entstehenden Arbeitsaufwand.

Schlichtungs- und Beschwerdestellen der Kreditinstitute

Keine Schuldnerberatung oder Hilfe in finanziellen Notlagen, aber Schlichtung bei


Rechtsstreitigkeiten (z. B. bei Verweigerung einer Kontoeröffnung bzw. bei Kontokündigung) bieten
alle Banken und Sparkassen an. Dafür wurden Schlichtungs- und Beschwerdestellen geschaffen.
Die Anschriften sind bei den jeweiligen Bankinstituten, den Schuldnerberatungsstellen oder den
nachfolgend genannten zentralen Beschwerdestellen der Banken zu erfragen:

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Für private Banken:

Kundenbeschwerdestelle beim
Bundesverband deutscher Banken e. V.
Postfach 04 03 07
10062 Berlin
Sollte Ihr Konto auf Guthabenbasis gekündigt werden oder wird Ihnen die Kontoeröffnung
verweigert, wenden Sie sich umgehend an die nachfolgend genannten Schlichtungsstellen der
Geldinstitute oder an die nächste Schuldnerberatungsstelle.
Tipp für Sie
Für private Hypothekenbanken:

Kundenbeschwerdestelle beim
Verband Deutscher Hypothekenbanken
Postfach 08 05 54
10005 Berlin

Für öffentliche Banken (beispielsweise Postbank):

Kundenbeschwerdestelle beim
Bundesverband Öffentlicher Banken
Deutschlands (VÖB)
Lennéstr. 17
10785 Berlin

Für Volks-, Raiffeisen- und Genossenschaftsbanken:

Kundenbeschwerdestelle beim
Bundesverband der Deutschen Volksbanken
und Raiffeisenbanken (BVR)
PSF 309263
10760 Berlin

Die Sparkassen-Finanzgruppe

verfügt über ein regionales Schlichtungssystem zur außergerichtlichen


Beilegung von Meinungsverschiedenheiten bzw. Streitigkeiten
zwischen Kunden und Sparkasse. Die Anschriften der für Ihren Fall
zuständigen Schlichtungsstelle erfahren Sie unter:
Deutscher Sparkassen- und Giroverband
Behrenstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 0 30/2 02 25-0
www.dsgv.de

Hilfen beim Rechtsstreit

Zunächst wählen Gläubiger meistens das Mahnverfahren. Dieses wird auf Ihren Widerspruch oder
Einspruch hin in einen Rechtsstreit übergeleitet, der im Regelfall vor dem Amtsgericht Ihres
Wohnsitzes geführt wird. Lassen Sie sich bei Rechtsstreitigkeiten vor Gericht durch einen
Rechtsanwalt vertreten. Vorgeschrieben ist eine Vertretung durch Anwälte im Allgemeinen bei
Zivilprozessen nur vor dem Landgericht bzw. höheren Gerichten. Aber auch bei komplizierten
Rechtsfragen sollten Sie sich anwaltlich beraten lassen. Sollten Sie die Kosten für eine
Rechtsberatung oder einen Prozess nicht selbst tragen können, werden diese unter Umständen
über Beratungshilfe oder Prozesskostenhilfe übernommen. Im Insolvenzverfahren gelten

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Sonderregelungen. Bei der Unterstützung überschuldeter Menschen arbeiten
Schuldnerberatungsstellen und Rechtsanwälte eng zusammen.

1. Beratungshilfe

Nach dem Beratungshilfegesetz steht Bürgern mit geringem Einkommen kostenlos oder gegen ein
geringes Entgelt in Höhe von 10 8 Rechtsberatung und Rechtsvertretung außerhalb eines
gerichtlichen Verfahrens zu. Sollten Sie zu diesem Personenkreis gehören, erhalten Sie
Beratungshilfe direkt beim zuständigen Amtsgericht. Dort kann Ihnen ein Berechtigungsschein
ausgestellt werden,
mit dem Sie einen Rechtsanwalt eigener Wahl aufsuchen können. Wird zuerst der Rechtsanwalt
aufgesucht, können diese auch nachträglich einen schriftlichen Antrag auf Bewilligung der
Beratungshilfe durch das Amtsgericht stellen.

2. Prozesskostenhilfe

Die Prozesskostenhilfe übernimmt je nach Einkommen voll oder teilweise die Kosten des Gerichts
und des eigenen Rechtsanwalts. Wer den Prozess verliert, muss jedoch die Gerichts- und
Anwaltskosten der Gegenpartei in voller Höhe selbst bezahlen. Voraussetzung für
Prozesskostenhilfe ist ferner, dass die Prozessführung der bedürftigen Partei hinreichende
Aussicht auf Erfolg bietet.

3. Kostenregelung im Insolvenzverfahren

Grundsätzlich trägt der Schuldner die Kosten des Verfahrens. Sie werden in der Regel aus der
Insolvenzmasse bzw. aus dem von Treuhänderinnen/Treuhändern einzuziehenden pfändbaren
Einkommensanteil bezahlt. Bis dahin werden sie auf Antrag bis zur Erteilung der
Restschuldbefreiung gestundet. Es gelten dann die Regelungen und Einkommensgrenzen für die
Gewährung von Prozesskostenhilfe.

Weitergehende Hinweise dazu enthält die Broschüre „Guter Rat ist nicht teuer“, die Sie kostenlos
beim Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums der Justiz, Jerusalemer
Str. 27, 10117 Berlin, Tel.: 0 30/20 25-70, oder unter www.bmj.bund.de anfordern können.

Staatliche und sonstige Hilfen

Menschen in einer schwierigen finanziellen Situation stehen eine Vielzahl von staatlichen und
sonstigen Hilfen zur Verfügung. Diese reichen – um nur die wichtigsten zu nennen – von der
Sozialhilfe über Arbeitslosenhilfe und Arbeitslosengeld, Bundesausbildungsförderung und
Ausbildungsbeihilfen, Wohngeld und Eigenheimzulage, Renten, finanzielle Leistungen wegen der
Geburt eines Kindes oder bei Krankheit, ggf. Erziehungsgeld, Unterhaltsansprüche und
Unterhaltsvorschuss bis zum Kindergeld. Sie sind vielfach abhängig vom Einkommen oder
knüpfen an eine bestimmte Familiensituation oder an bestimmte Lebenslagen (z. B.
Erwerbsunfähigkeitsrenten) an. Die Bundesregierung hat insbesondere bei den Leistungen für die
Familien deutliche Verbesserungen geschaffen. Sie sollten prüfen, ob Sie eine der Ihnen
zustehenden Leistungen bisher nicht in Anspruch nehmen. Speziell zur Sicherung der Unterkunft
können finanzielle Mittel, insbesondere durch Übernahme von Mietschulden, über die Sozialhilfe
gewährt werden. Können Sie wegen Ihrer prekären finanziellen Lage Ihre Miete nicht mehr zahlen
bzw. sind bereits Zahlungsrückstände aufgelaufen und droht Obdachlosigkeit, sollten Sie
umgehend Kontakt mit Ihrem zuständigen Sozialamt aufnehmen.

Weitere Informationen gibt die Broschüre „Staatliche Hilfen für Familien“, die Sie kostenlos bei der
Broschürenstelle des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in 53107
Bonn, Tel.: 02 28/9 30-0, oder unter www.bmfsfj.de anfordern können.

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Anlage I
Wenn der Gerichtsvollzieher kommt
Einen Gerichtsvollzieher kann jeder engagieren, wenn er gegen den Schuldner einen sogenannten
"vollstreckbaren Titel" vorlegen kann. Sind zuvor alle Zahlungsaufforderungen und gerichtlichen
Mahnbescheide erfolglos geblieben, dann ist dies das letzte Mittel, um als Gläubiger an sein Geld
zu kommen. Verweigern Sie dem „Mann mit dem Köfferchen“ den Einlass, so hat das Folgen:
Nach zwei erfolglosen Versuchen darf er die Haustür öffnen lassen. Dafür benötigt er eine
gerichtliche Durchsuchungsanordnung. Die Kosten für den Schlüsseldienst gehen dann allerdings
zu Ihren Lasten.

Kommt es zu einer Pfändung, dann kommen aber weit weniger Gegenstände in Betracht, als Sie
denken: Notwendige Dinge des täglichen Lebens sind unpfändbar wie beispielsweise Tische,
Stühle, Betten, Kleidung, Haushaltssachen und Kleintiere wie Hunde oder Katzen. Auch ein
Fernseher ist wegen des Anspruchs auf Information in der Regel tabu. Das gilt auch für das
Fahrrad und den Staubsauger. Bevorzugt werden dagegen Bargeld, Schmuck (außer Eheringe
und Uhren), auch Kunstwerke und Pkw.

Gegenstände, die zur Einkommenssicherung gehören, sind übrigens auch unpfändbar! Verdienen
Sie Ihr Geld z.B. durch Schreibarbeiten am PC, bleibt der stehen.

Auf alte Erbstücke oder andere Dinge mit ideellem Wert wird keine Rücksicht genommen.
Vielleicht können Sie den Gerichtsvollzieher aber noch umstimmen. Seit Anfang des Jahres gilt
nämlich ein neues Recht: die Zwangsvollstreckungsnovelle.

Ihr Vorteil: Sie können jetzt verhandeln! Statt der Pfändung lässt sich mit dem Gerichtsvollzieher
der Schuldenabbau durch Ratenzahlung vereinbaren. Eine Sach-, Lohn- oder Kontopfändung
bleibt Ihnen damit erspart. Sind Sie dagegen auch in Zukunft zahlungsunfähig, müssen Sie die
eidesstattliche Versicherung abgeben (früher war das der Offenbarungseid). Das geht jetzt auch
direkt in Ihrer Wohnung und spart den Weg zum Gericht. Die Versicherung wird ins
Schuldnerverzeichnis beim Amtsgericht eingetragen und gilt für drei Jahre. Achtung: Alle Banken
erfahren über die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (kurz: Schufa) automatisch
davon. Mit neuen Krediten ist es dann erst einmal vorbei.

Tipp: Weil die Gefahr besteht, dass Sie obdachlos werden, sollte die Begleichung von
Mietschulden immer an erster Stelle stehen.

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Anlage II
Internetlinks
Adressen der Schuldnerberatungsstellen in Deutschland und auch andere Interessante Informationen
zum Thema im Hauptverzeichnis

é www.forum-schuldnerberatung.de/adressenb.htm

Seite zum Thema Schulden

é www.schulden-infos.de/

Informationen zum Insolvenzrecht

é www.insolvenzrechtonline.de

Wie steht es mit Ihrer Kreditwürdigkeit? Die Schufa weiß es

é www.schufa.de

Informationen über die Bundesarbeitsgemeinschaft Schulden, Themenindex aller Artikel der eigenen
Fachzeitschrift, Arbeitsmaterialien, Anschriften aller Beratungsstellen in Deutschland usw.

é www.bag-schuldnerberatung.de

Gesetzestext der Insolvenzordnung (Stand 01.12.2001)

é www.sfz-mainz.de/seiten/bibliothek/fachinformationen/insolvenz.htm

Kostenloses Programm zur Berechnung des pfändbaren Gehaltsanteils von Helmut Kraiss

é www.pfaendung.de

Zahlreiche Informationen über Gerichtsvollzieher

é www.gerichtsvollzieher.net

Internetportal für soziale Fragen mit Bereich für Schulden und Verbraucherinsolvenz

é www.sozial-service.de/cgi-bin/powernews.cgi?Insolvenz

Wie mit Schulden nach der Ehescheidung umgegangen wird

é www.mein-recht.de/schulden.htm

Begriffserklärungen aus der Kreditwelt

é www.einsurance.de/wissen/geld/lexikon/content_home.htm

Forum zum Wissensaustausch zum Thema Schulden mit ca. 800 Einträgen im Monat

é f12.parsimony.net/forum18149/

-
Die Schuldenfibel
-

ist ein Produkt der ProMotion Medienproduktion, Postfach 250, 37237 Bad Sooden-Allendorf
-

www.schuldenfibel.de
-

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