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BUCHENWALD

1. Konzentrationslager Buchenwald

Nördlich von Weimar, eine knappe halbe Fahrstunde von der Stadt der deutschen Klassik (Goethe,
Schiller, Herder) entfernt, etstreckt sich am nordwestlichen Hang des Ettersberges das ehemalige
faschistische Konzentrationslager Buchenwald. 1937, wenige Jahre nach Hitlers Machtantritt,
errichtet, war Buchenwald zuerst ein Gefängnis für deutsche Kommunisten und Antifaschisten.
Aber besonders viele Gefangene wurden in das Konzentrationslager gebracht, als der II. Weltkrieg
begann. In acht Jahren wurden hier 238 000 Menschen aus 32 Ländern, die gegen Entrechtung und
Terror gekämpft hatten, ohne Unterschied ihrer nationalen Herkunft, der Glaubenszugehörigkeit
und Weltanschauung unter unmenschlichen Bedingungen gefangehalten. (In sieben Jahren
erlebten 25000 Menschen die Hölle von Buchenwald. 21 000 Häftlinge Buchenwalds noch lebten
als am Ende des zweiten Weltkrieges die faschistische Diktatur zusammenbrach.) 56 000, fast ein
Viertel der Häftlinge, verhungerten, enfroren, starben an Mißhandlungen oder wurden ermordet.
Auch Ernst Thäilmann, der Führer der Kommunistischen Partei Deutschlands, wurde hier 1944
umgebracht.

Am 22. Juni 1941 hatte Hitler die Sowjetunion überfallen. Am 18. Oktober 1941 wurden in das
Lager 2000 sowjetische Kriegsgefangene eingeliefert (*). Eine Welle der Solidarität schlug empor,
wie man sie vorher hier nicht gekannt hatte.

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(*) Am 16 Oktober 1941 war es die Panik in Moskau; sie hatte Angst daß Hitler faschisten werden
kommen herein die Stadt. Sie verbrannte die Dokumenten, Ausweispapiere.

Von allen Blocks wurden Brot und andere Lebensmittel, Kaffee und sonstige Getränke, Zigaretten
und Tabak gebracht. Von den Blocks standen die Häftlinge, um die ersten sowjetschen Menschen
sehen und begrüßen zu können. Alle Vorsicht wurde vergessen. Die anfangs für die
Kriegsgefangenen besonders schlecht gekochte Suppe wurde gegen das Wissen und Wollen der SS
verbessert, und zu der halben Brotration wurde ein Zuschuß aus dem Lager gegeben.

Dann kamen die Repressalien. Block 40, der besonders aufgefallen war, mußte stratstehen, was
aber duesmal gern geschgah. Einzelne Häftlinge wurden zur Stafe in die Blocks der
Kriegsgefangenen verlegt, was jedoch auch nicht als Strafe empfunden wurde. Das ganze Lager
bekam "nichts zu fressen". Drei politische Blockälteste wurdn abgelöst, geschlagen und in die
Strafkompanie gesteckt."

Die faschistischen Henker vernichteten die Häftlinge nicht nur physisch, sie strebten auch danach,
ihre Opfer seelisch zu brechen. Auf das Eisentor des Todeslagers, durch das die Gefangenen
eingeliefert wurden, haben sie die Inschrift angebracht: "Jedem das Seine". Dieser Spruch, der
Bibel entnommen und von den Faschisten zynisch ausgenutzt, sollte, ihrer Meinung nach, die
Verhafteten, die ins Lager abtrabsportiert wurden, jeglicher Hoffnung auf Leben und Freiheit
berauben und ihnen beweisen, daß der Widerstand aussichtslos wäre. Aber das Freiheitsstreben,
die Willensstärke und der Heldenmut der Gedangenen waren stärker als alle Schrecknisse des
Lagerregimes. In Buchenwald bestand ein illegales Lagerkommitee, das den Widerstandskampf der
Häftlinge organisierte und leitete; der Vorsitzende des Komitees war der deutsche Kommunist
Walter Bartel.

Schon bald bach der Errichtung des KZ wurde die erste illegale Widerstandsgruppe gebildet. Sie
bestand aus deutschen Kommunisten, aber bald beteiligten sich auch Sozialdemokraten und
bürgerliche Antifaschisten an dieser gefährlichen Arbeit. Auf Initiative der deutschen Gruppe wurde
das illegale "Internationale Lagerkomitee" gegründet. Es half den Häftlingen, indem es sie im
Geist der Solidarität und des Klassenkampfes erzog, den Widerstand organisierte und bewaffnete
Gruppen aufstellte.

Ende März 1945 bestanden 178 solcher Gruppen mit 850 Mann, die elf verschiedenen Nationen
angehörten.

Im April 1945 gab das Internationale Lagerkomittee den Befehl zum bewaffneten Sturm aus das
Lagertor.
"Es war am 11. April 1945. Plötzlich stürmten die Häftlinge aus den Blocks. Das "Internationale
Lagerkomitee" hatte den Befehl zum Aufstand gegeben. Zehntausende strömten über den Platz.
Viele von Ihnen trugen Waffen. Alles war von der illegalen Widerstandsbewegung für diesen Tag
vorbereitet worden. Der Zaun und das Tor wurden gestürmt, die SS-Leute gefangengenommen.
Buchenwald war frei, noch ehe der erste amerikanische Soldat das Lager betreren hatte" (Herr
Larse, ein ehemaliger Häftlinge). Der heldenhafte Kampf der Buchenwald-Häftlinge war erfolgreich.
Buchenwald ist das einzige Konzentrationslager, dessen Gefangene sich erhoben und ihre Freiheit
selbst erkämpft haben. Ihr Heldenmut wurde nicht vergessen. Zahlereiche Kunstwerke
verherlichen jetzt die Standhaftigkeit, internationale Solidarität und Geistesstärke der ehemaligen
Buchenwald-Häftlinge.

Nach der Befreiung Deutschlands von der faschistischen Hitler-Diktatur wurde das
Konzentrationslager Buchenwald teilweise in seinem früheren Zustand erhalten gelassen. Er soll
mit den Einrichtungen, die der grausamen Vernichtung des menschlichen Lebens dienten, ein
dauernder Appell an das Gewissen der Menschheit sein. Jährlich besuchen die Buchenwald-
Gedenkstätte mehrere Tausende Gäste aus vielen Ländern der Welt, die ihre Einheit und
Gescglossenheit im Kampf gegen Krieg und Unterdrückung für Frieden und Freiheit demonstrieren.

2. Nationale Mahn- und Gedenkstädte Buchenwald

Den in Buchenwald ermordeten Opfern des antifaschistischen Widerstandskampf zu Ehren wurde


die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald errichtet. Sie liegt am Abhang des
Ettersberges, unweit des ehemaligen Konzentrationslagers. Die Gedenkstätte wurde aus Spenden
der Bürger der DDR erbaut und am 14. September 1958 eingeweiht.

Über eine breite Betonstraße fahren wir zur Gedenkstätte auf dem Ettersberg. 1937, im Jahre der
Errichtung des Konzentrationslagers, wurde diese Straße von Häftlingen erbaut. Viele von ihnen
dabei durch Unfall, Hunger und Quälerei uns Leben.

Wir stehen am Eingang zur Gedenkstätte. Die Gedenkstätt umfaßt ein weites, übersichtliches
Gelände. Wir betreren es durch ein steinernes Tor und schreiten Stufe um Stufe hinab. Dieser Weg
versinnbildlicht den Sturz in den Abgrund des Faschismus. Die Stufen aus roten Stein erinnern an
das Blut Tausender Antifaschisten. Entlang des Weges stehen auf der linken Seite sieben
Gedenksteine, auf denen die siebenjährige Geschichte des KZ Buchenwald dargestellt ist. Auf der
Vorderseite jedes Steines schildert ein Relief die Leiden, den Kampf und die Solidarität im Lager,
während auf der Rückseite Verse von Johannes R.Becher das Dargesrelle im Wort wiedergeben.

Ein durch Stufen aus rotem Porphyr - als Symbol des geflossenen Blutes - gegliederter Weg führt
zum Eihgangstor des Ehrenmals und weiter der Hang hinab. Es wird von siben Stelen
(Gedenksteinen) flankiert, auf denen Reliefplastiken Szenen aus der Geschichte des
Widerstandskampfes der Häftlinge im KZ Buchenwald darstellen. Ein Gedenkstein zeigt die
Selbstbefreiung der Häftlinge, die in jahrelanger illegaler Arbeit vorbereitet wurde. Der Stelenweg
mündet in die Breite Straße der Nationen. Diese verbindet drei Massengräber, früher waren das
natürliche Erdsenkungen,, in welchen die faschistischen Henker Tausende Ermordete verscharrten.
18 Pylonen tragen die Namen der Nationen, deren Angehörige in Buchenwald litten, starben und
kämpften. Daher kommt auch der Name der Straße. Vom dritten und größten Grab führt der Weg
wieder nach oben. Der Aufstieg symbolisiert den Weg in die Freiheit und deshalb heißt er "Straße
der Freiheit". Sie führt zum hochgelegenen Feierplatz. Hier zieht eine monumentale Plastikgruppe
den Blick auf sich, die Vom Nationalpreisträger Profwasor Fritz Cremer gestaltet wurde.

Die Gruppe besteht aus 11 fuguren; diese Gestalten stellen verschiedene Häftlibgstypen während
des Aufstandes im April 1945 dar: den Schwörenden, den Rufer, den Fahnenträger, den
Diskutierenden, den Stürzenden, der Ältesten, den Jüngsten, den Zweifler, der Schwankenden, den
Negativen und das Kind. Die Kämpfer reißen die Schwankenden mit und siegen mit der Waffe in
der Hand. Das fanze Gelände überragt der 50 m hohe Glokkenturm, der hinter dem Cremer-
Denlmal emporragt. In der Sohle des Tutms befindet sich eine Kupferplatte, unter die zur
Eineweihung der Nationalen Mahn- und Gedenkestätte Buchenwald 1958 die Erde vieler
Konzentrationslager und faschistischer Mordarätten versenkt wurde, unter ihnen sind Auschwitz,
Ludice, Sachsenhausen, Mauthausen zu nehmen.

Wir gehen über einen großen freien Platz, und unser Blick schweift hinauf zum 50 m hohen
Glockenturm, dessen fast sieben Tonnen schwere Glocke zur Besinnung und Mahnung ruft.

Über dem Eingang des Turms stehen in metallenen Buchstaben die Schlußworte des Schwures der
ehemaligen Buchenwald-Häftlinge: "Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere
Losung! Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und dee Freiheit ist unser Ziel!"

3. Die Schöpter des Buchenwald-Denkmals F. Cremer

Der deutsche Bildhauer Fritz Cremer, der die Figurengruppe vor dem Glockenturm der
Gedenkstätte Buchenwald geschaffen hat, ist ein überzeugter Antifaschist. Seit 1929 Mitglied der
Kommunistischen Partei Deutschlands, ein intimer Freund Bertold Brechts, hat Cremer in seinen
Werken die besten Traditionen der progressiven deutschen Kunst verkörpert und weiter entwickelt.
Als angehender Künstler erlebte Cremer in Berlin Hitlers Machtantritt: den Reichstagsbrand, die
Kommunisten verfolgung, die Judenvernichtung. Seit dieser Zeit wurde Cremer zum konsequenten
Kämpfer gegen die schwarze faschistische Reaktion, gegen den Militarismus. Mit dem Bildnis eines
toten Soldaten, das er in den 40er Jahren schuf, brachte er seinen scharfen Prorest gegen die
Grausamkeit des sinnlosen Krieges zum Ausdruck. Die bedeutendsten Kunstwerke Cremers wurden
nach dem II. Weltkrieg geshaffen. Das ist z.B. das Denkmal auf einem Friedhof in Wien, als
Andenken an die Opfer des faschistischen Nazismus errichet - eine Plastikgruppe, deren drei
Figuren Leiden und Mut verkörpern. Diese Gefühle kennzeichnen auch seine späteren Werke - ein
weiteres Mahnmal in Österreich für 8000 Franzosen, die im KZ Mauthausen umgebracht wurden,
das Mahnmal im KZ Ebesee... Als Fritz Cremer 1952 aus Österreich in die DDR zurückgekehrt war,
bekann er an der den Buchenwald-Häftlingen gewidmeten Fugurengruppe zu arbeiten. Er setzte
sich dabei das Ziel, nicht die Toten zu beweinen, sondern den Mut der Kämpfer, die den Sieg
erringen werden, zu verherrlichen. Sechs Jahre lang dauerte die Arbeit, und 1958 fand die
feierliche Entthüllung des Denkmals in Buchenwald auf dem Ettersberg statt.