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die weiße rose

es hat einmal in deutschland


eine zeit gegeben,
da war der braune hitler
der staat!
und der terror ging weiter,
nur organisierter ...
die,
die getrennt
um brot
und arbeit
und recht
gestritten,
waren nun gemeinsam
im kz.
sie waren
"staatsfeinde",
weil sie das volk liebten.
deshalb wurden sie
gefoltert,
gepeitscht,
geguält,
gehängt,
erschlagen,
erschossen,
verbrannt!
weil sie das volk liebten
und alle menschen,
die leben wollten!..

...

ich, gerhart scholl (hns), student der medizin, gelobe, das zu tun, was afgetragen
mein volk mir hat, dem ich zum besten dien. ich bin gewillt, die heimat
freizuschlagen... von den verbrechern, deren führertum sich deutschlands hohe
erbschaft frech erschlich, im wort und tat mich diesem studium mit aller kraft zu
widmen, schwöre ich...

ich schwöre, nichts will unversucht ich lassen, daß dieser krieg alsbald ein ende
nimmt. und damit will ich gründlich mich befassen, bis unser volk sein schicksal
selbst bestimmt. er soll dereinst nicht heißen: als die not am größten war, schwieg
deutschlands jugend still. wir sind der jugend heil'ges aufgebor!

der not ein end! ... schwört alwin probst (christoph) stud. phil...

ich frag als die studentin, die ich bin,


was lernen wir, um einst es selbst zu lehren?
man drillt uns stur mit wahn und widersinn, wozu? nur um das unheil noch zu
mehren. ich mach nicht viele worte, sage nur: wenn ihr mich ruft, damit ich helfen
soll, dann bin ich da, stets pünktlich nach der uhr, so ist's, so wahr ich heuße: sophie
school.

(aus dem roman in versen "die drei" von j.r.becher)


...

das war im jahre 1943, nach der niederlage hitlers an der wolga.

und in dieser zeit erschienen in der deutschen stadt münchen - tausend kilometer
weit von der front - zahlreiche flugblätter. sie erzählten die wahrheit über krieg und
faschismus.

in großen buchstaben stand darauf:

nieder mit hitler!


nieder mit dem krieg!
freiheit über deutchland!

diese flugblätter schrieben und verbreiteten die mitglieder der illegalen


studentorganisation "weiße rose". sie brachten auch in den münchener straßen
riesige aufschriften an "freiheit", "hitler der massmörder"... "nieder mir hitler". sie
schrieben auch: "wir schweigen nicht, die "weiße rose" läßt euch keine ruhe."

hans war als hilfsarzt an der front. in der sowjetinion hatte er erkannt, daß dort im
osten ein großes volk kämpfte, blutete und siegte. in ihm wuchs der haß gegen die,
die mit barbarischen methoden diese edlen und kühnen menschen vernichten
wollten.

sophie hatte als zwangsverpflichtete rüstungsarbeiterin das schicksal der


sowjetschen kriegsgefangenen kennengelernt, und ihr gewischen hatte sich gegen
die brutalen mißhandlungen dieser menschen empört.

der deutsche name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche jugend
endlich aufsteht." so schrieben hans und sophie in einem flugblatt, das anfang 1943
in münchen vebreitet wurde.

in den nächtlchen straßen münchens verteilten sie ihren "aufruf an die deutschen",
der die mahnenden worte enthielt: "zerreißt den mantel der gleichgültigkeit, den ihr
um euer herz gelegt habt! glaubt nicht der nationalsocialistischen propaganda, die
euch den bolschewistenschreck in die glieder jagen will."

an einem sonnigen donnerstag, es war am 18. februar 1943, gingen hans und sophie
früher als gewöhnlich aus dem hause. das wetter wat prachtvoll. die sonne schien
hell, der himmel war blau. an den straßenecken verkaufte man blumen. hans und
sophie waren guten mutes.

hans und sophie hatten es eilig, sie wollten eine stunde früher als andere studenten
in der universität sein. schnell stiegen sie die breite treppe zum großen hörsaal
hinauf. der saal war noch leer. gans öffnete den koffer und nahm die blätter heraus.
schnell legten die beiden auf jeden platz ein flugblatt. "das werden heute alle lesen",
sagte sophie. den rest der flugblätter warfen sie von der treppe in den lichthof.

der text des flugblätt:

"erschüttert streht unser volk dem untergang der männer von stalingrad. 330 000
deutsche männer hat die geniale strategie des weltkriegesgefreiten (*) sinn- und
verantwortungslos in tod und verderben gehetzt. führer, wir danken dir! studenten
und studentinnen, auf uns sieht das deutsche volk!"
(*) über hitler, der ehemalige efreiter, ironisch

endlich sind die koffer und die tasche leer. doch was ist das? alle türen sind
abgeschlossen. hans und sophie sind in der falle. wenige minuten später wurden sie
verhaftet. und nun begannen die verhöre. tage und nächte, stunden um stunden.
hans und sophie haben beschlossen, alles auf sich zu nehmen, aber es war nicht
leicht. das war ein kampf um das leben der freunde. hans und sophie waren sehr
traurig, als sie erfuhren, daß christoph probst verhaftet ist. christoph, gerade
christoph, den sie so sorgsan geschont hatten, weil er vater vin drei kleinen kindern
war

die gestapoleute schlugen und quälten die beiden, aber hans und sophie sagten
nichts aus.

am vierten tage bekann prozeß gege n die mitglieder der "weißen rose".

der präsident des volksgerichtschofes freisler war von berlin gekommen, um kurzen
prozeß zu machen.

aus dem roman in versen "die drei" von j.r.becher:

justizpalast. "ein fall, wenn auch drei fälle."

der richter strafft sich drohend im talar:

"auf jede meiner frage, die ich stelle,


schweigt jeder von den drein. der fall ist klar."

"was will er noch, der angeklagte dort?"

der richter zog strengt seine stirn in falten,


und einer sprach: "ich hab das lerzte wort!
der angeklagte wird das schlußwort halten.
ich will den namen des verfassers nennen,
ich angeklagter, bin hier das gericht! stolz will ich mich zu meiner schuld bekennen,
hier stehe ich, und hier strht mein gedicht!"

inge scholl, die schwester von hans und sophie, erzählt in ihrem buch "die weiße
rose" über den prozeß:

zu dieser zeit war unser bruder werner von der russischen front auf urlaub nach ulm
gekommen und wollte mit unseren eltern die beiden geschwister besuchen. als
meine eltern in den justizpalast gelangten, war der prozeß schon beinahe zu ende.

meine mutter verlor einen augenblick die kräfte, sie mußte hinausgeführt werden,
und eine unruhe entstand im saal, weil mein vater rief: "es gibt noch eine
gerechtigkeit!..."

jedem von den dreien war wie üblich zum schluß noch wort erteilt worden, um für
sich zu sprechen. sophie sagte: "sie täuschen sich, ich würde alles genau noch einmal
so machen, denn nicht ich, sondern sie haben die falsche weltanschauung...

was wir schrieben und sagten, das denken sie alle ja auch, nur haben sie nicht den
mut, es auszusprechen."
mein jüngster brüder drängter sich nach der verhandlung rasch vor zu den dreien
und drückte ihnen die hand. als ihm dabel die tränen in die augen traten, legte hans
ruhig die hand auf seine schuler und sagte: "bleib stark, - keine zugeständnisse."

meine elrern durften die beiden geschwistster im gefängnis stadelheim besuchen und
sie sprechen.

... hans trug sträflingskleider, aber sein gang war so leicht und aufrecht. mein vater
schloß ihn in die arme und sagte: "ihr werdet in die geschichte eingehen, es gibt noch
eine gerechtigkeit."

sophie lächelte immer, als schaute sie in die sonne. sie sagte triumphierend: "wir
haben alles, alles auf auf uns genommen, und das wird wellen schlagen!.."

er war eine unbeschreibliche lebensbejahung bis zum schluß, bis zum letzten
augenblick. manche, die ihnen im gefägnis begegneten, haben uns über die letzten
tage und stunden vor ihrem tod berichtet. hans scbrieb seinen eltern den letzten
abschiedsbrief: "meine allerliebsten eltern! ich bin ganz stark und ruhig. ich danke
euch, daß ihr mir so ein reiches leben geschenkt habt. es grüßt euch zum letzten
male euer dankbarer sohn hans." darauf drehte er sich still der wand zu und schrieb
mit einem eingeschmuggelten bleistift an die weiße gefängnismauer: "allen gewalten
zum trotz sich erhalten!"

die gefängniswärter berichteten: "sie haben sich so fabelhaft tapfer benommen. das
ganze gefängnis war davon beeindruckt."

mutig gingen die drei in den tod. sophie rief: "so ein herrlicher, sonniger tag, und ich
soll sterben! aber was bedeutet schin mein tod! unsere arbeit hat tausende von
menschen geweckt!'

"ich wußte nicht, daß das sterben so leicht sein kann" sagte christoph probst.

und bevor hans sein haupt auf den block legte, rief er laut, das es durch das große
gefängnis hallte: "es lebe die freihheit!

und schatten, wieder todesschatten schmiegen sich dicht um sie und stehn mit an
der wand.

...und einer spricht: "auch tote können siegen!"


drei stehn vor den gewehren hand in hand.
ein dunkler hof. wie sie beisammen stehen,
drei und doch eins, da wissen es die drei:
ein wunder - und es ist durch uns geschehen,
und dieses wunder macht einst deutchland frei,
ihr untrennbaren, ewig - untrennbaren!
das reich, das kommt, ward sichtbar in euch drein.

... es waren drei. es waren drein studenten..


ein jeder junge deutsche kann es sein...

... wenige monate später ihrer schwur hingen überall in münchen


bekanntmachungen, die lauteten:

wegen hochverrats wurden zum tode verurteilt:


der 23jährige christoph probst,
die 24jährige habs scholl,
die 22jährige sophie scholl,
das urtreil wurde bereits vollstreckt.

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"um eins bitte ich: ihr, die ihr diese zeit überlebt, vergeßt nicht. vergeßt die guten
nicht und die schlechten..

"ich möchte, daß man weiß, daß es keine namenlosen helden gegeben hat, daß es
menschen waren, die ihren namen, ihr gesicht, ihre sehnsucht und ihre hoffnungen
hatten." (julius fuc^ik)

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// Àãðàíîâñêàÿ Ë.Ä.Èíòåðíàöèîíàëüíûå âå÷åðà. íà íåìåöêîì ÿçûêå. Ì.: Ïðîñâåùåíèå, 1969,


ñ. 99 - 109

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(1) История "Белой Розы" приводится в данной книге в виде разработки по
материалам учебника Н.И. Гейз, К.К. Мартенса, Г.А. Штегеман. deutsch für die ix
. klasse

(2) Использована также книга:


inge scholl, "die weiße rose", frankfurt a/m, 1952