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Universität Rostock, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik,

Institut für Gerätesysteme und Schaltungstechnik


Prof. Dr. - Ing. habil. W. Fredrich

Lehrblattsammlung

Gerätekonstruktion I

Stand: Wintersemester 2003 /2004


Vorwort

Moderne Gerätetechnik besteht im allgemeinen aus mechanischen, optischen,


elektrischen und elektronischen Funktionsgruppen, die durch entsprechende Software
gesteuert werden und durch deren Zusammenwirken eine gewünschte Gesamtfunktion
erfüllt wird. Die nachstehende Abbildung und Beschreibung eines Laserdruckes
bestätigt diese Aussage.
Das Ziel der Lehrveranstaltung „Gerätekonstruktion“ besteht in der Vermittlung von
Kenntnissen über den strukturellen und konstruktiven Aufbau von modernen Geräten
und in der Behandlung verschiedener Funktionsgruppen. Es wird zwischen einer
Benutzerschnittstelle und einer Prozessschnittstelle unterschieden. Das bedeutet, dass
zunächst Funktionsgruppen zur Kommunikation zwischen dem Bediener und dem Gerät
in Form von Bedien- und Anzeigelementen behandelt werden und im weiteren Verlauf
auf den geräteinternen Prozess durch die Behandlung sensorischer und aktorischer
Komponenten eingegangen wird. Eine entscheidende Rolle spielt in der modernen
Gerätetechnik auch die Kommunikation zwischen verschiedenen Geräten. Dieser
Aspekt wird durch Behandlung ausgewählter Schnittstellen und deren elektrische,
mechanische und funktionelle Eigenschaften berücksichtigt. Den Abschluss der
Lehrveranstaltung bilden spezielle mechanische und optische Funktionsgruppen, die in
ihrer funktionellen Arbeitsweise und in ihrem konstruktiven Aufbau dargestellt werden.
Die Lehrveranstaltung „Gerätekonstruktion“ setzt sich aus Vorlesungen
und Übungen zusammen und findet im 5. Semester statt. Sie wird im 6. Semester durch
eine vertiefte Behandlung der mikroelektronischen Gerätesteuerung fortgesetzt, indem
auf die Programmierung eines Microcontrollers und das Zusammenwirken zwischen
Hard- und Software eingegangen wird. Es wird in diesem Zusammenhang darauf
hingewiesen, dass die Ausbildung auf dem Gebiet der Gerätekonstruktion in der
Studienrichtung „Gerätesysteme“ durch weitere Lehrveranstaltungen ergänzt wird. Das
betrifft die Lehrveranstaltungen „Grundlagen der Technischen Optik“, „Grundlagen der
Technischen Akustik“, „Werkstofftechnik“, „Mikroaktorik“ u.a.m. Kenntnisse über die
Grundlagen der Konstruktion („Konstruktion und Fertigung“ sowie „Werkstoffe der
Elektrotechnik“ im Grundstudium) werden vorausgesetzt.
In den Übungen wird auf den Entwurf von Geräten eingegangen. Des weiteren dient
die Analyse spezieller Geräte dem Studium verschiedener funktioneller und
konstruktiver Lösungen. Der Student wird zum Ende des 5. Semesters einen Vortrag
über ein selbstgewähltes Thema zur funktionellen und konstruktiven Umsetzung von
Gerätefunktionen halten, um sich vertieft mit einem technischen Problem aus dem
Bereich der Gerätetechnik auseinander zu setzen und dadurch eine Sicherheit in der
Darstellung eines fachlichen Sachverhaltes zu erlangen
Prof. Dr. Wolfgang Fredrich, Lehrveranstaltung „Gerätekonstruktion“

Inhaltsübersicht der Vorlesung


Gerätekonstruktion

1. Grundlagen
1.1 Einteilung von Geräten, Definitionen
1.2 Funktionsstruktur, allgemeine Gerätestruktur
1.3 Zustandsbeschreibung eines Gerätes, Zustandsgraph und Zustandsmatrix
1.4 Schnittstellenbeschreibung

2. Geräteaufbau
2.1 Funktioneller Geräteaufbau
2.1.1 Grundfunktionen
2.1.2 Verarbeitungsfunktion eines Gerätes
2.1.3 Kommunikationsfunktion eines Gerätes
2.1.4 Sicherungsfunktion eines Gerätes
2.2 Allgemeiner struktureller Geräteaufbau

3. Bedienelemente
3.1 Übersicht über Bedienelemente
3.2 Taster und Tastaturen
3.3 Entwicklungstendenzen

4. Anzeigen und Anzeigelemente


4.1 Anthropotechnische Gesichtspunkte
4.1.1 Leistungsvermögen und Wirkungsweise des Gehörs
4.1.2 Aufbau und Leistungsumfang des menschlichen Auges
4.2 Übersicht über Anzeigen und Anzeigelemente
4.3 Akustische Anzeigen, Übersicht über Wandlerprinzipien, konstruktive
Ausführung von elektroakustischen Wandlern
4.4 Optische Anzeigen
4.4.1 LCD - Anzeigen
4.4.2 LED - Anzeigen

5. Sensoren in der Gerätetechnik


5.1 Übersicht über Sensoren, Meßgrößen und Meßprinzipien
5.2 Induktiver Sensor
5.3 Kapazitiver Sensor
5.4 Weitere Sensorprinzipien

6. Aktoren in der Gerätetechnik


6.1 Grundlagen, Freiheitsgrad, Unfreiheit, Überbestimmtheit
6.2 Kräfte auf Ströme im Magnetfeld
6.3 Kraftwirkung im Luftspalt eiunes Magneten
6.4 Kräfte im elektrischen Feld
6.5 Elektromagnetische Linearantriebe
6.6 Hybridschrittmotor
6.7 Magnetkupplungen
6.8 Elektromagnetisches Relais

1
Fortsetzung Inhaltsübersicht

7. Schnittstellen
7.1 Allgemeine Grundlagen
7.2 Parallele Schnittstellen
7.2.1 Centronics - Schnittstelle
7.2.2 IEC - Bus
7.3 Serielle Schnittstelle V.24

8. Spezielle Funktionsgruppen im Gerätebau


8.1 Optische Funktionsgruppen
8.1.1 Funktionen optischer Funktionsgruppen
8.1.2 Konstruktionsgrundsätze
8.1.3 Optische Bauteile und Systeme
8.1.4 Fassen optischer Bauteile
8.1.5 Justage von Optikteilen

8.2 Mechanische Funktionsgruppen


8.2.1 Spann- , Sprung - und Schrittwerke
8.2.2 Kupplungen

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung „Gerätekonstruktion“

26 14
25 17 12 13 11
7 5
24 2
16 8
19 10 9
20
27 21 22 23 18 3
15
4 1

Erläuterungen:
6
1 Papierkassetten
2 Schacht für manuelle Papierzuführung
3 Sensor für Papierstau
4 Papiersensoren (LED), senden ein Prüfsignal an Fotozelle (6) 15 Scorotoron-Draht zum elektrostatischen Aufladen der Belichtungstrommel
für Papiervorratstest 16 Löschlampe zur Entladung der Belichtungstrommel
5 Sensor für manuelle Papierzuführung 17 Polygonspiel zur Ablenkung des Laserstrahls
6 Fotozelle (Papiervorratsprüfung) 18 Synchronwalzen für Papiertransport
7 Hauptantriebsmotor 19 Thermosicherung, schützt vor Überhitzung
8 Sensor für Tonervorrat 20 Thermistor, gewährleistet konstante Temperatur der Heizwalze
9 Magnetwalze, führt die eisenhaltigen Tonerpartikel der 21 Fixiereinheit (Gesamtmodul)
Fototrommel (10) zu 22 Andruckwalze zum Anpressen des Papiers an Heizwalze
10 Fototrommel und Entwicklertrommel 23 Heizwalze zum Aufschmelzen des Toners
11 Entwicklereinheit 24, 26 Papierstau - Sensor
12 F-Theta-Linse, fokussiert die Laserstrahl auf Umlenkspiegel (14) 25 Gesamtmodul Scannereinheit
13 Torische Linse, fokussiert Lichtpunkte auf Belichtungstrommel 27 Papierablage
14 Umlenkspiegel
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Definitionen und Merkmale:


Gerät:
Ein Gerät ist ein kompaktes technisches System, das einem Benutzer gestattet, einen
technischen Prozess gezielt ablaufen zu lassen.

Technisches System:
Ein technisches System stellt eine Anordnung von technischen Gebilden dar, die
miteinander in Beziehung stehen. Ein technisches System ist von seiner Umwelt durch
klare Grenze abgegrenzt. Dabei werden die Grenzen nur durch Eingangs- und
Ausgangsgrößen überschritten. Ein technisches System lässt sich in Teilsysteme
untergliedern (vergleiche auch DIN 19 226).

Technischer Prozess:
Ein technischer Prozess besteht in der Umformung, der Verknüpfung und/oder dem
Transport von Materie, Energie und /oder Information (vergleiche auch DIN 19 223).

Die Eingangs- und Ausgangsgrößen eines Gerätes bzw. eines technischen Systems oder von
Teilsystemen sind entsprechend Materie, Energie oder Information in Form von Stoff,
Energie und Signal. Es findet ein Informationsfluss, Energiefluss oder Stofffluss statt.

Energietechnik:
Dominierend ist ein Energie- bzw. Leistungsumsatz. Die Güte des Umsatzes wird durch das
Verhältnis von Ausgangs- zu Eingangsgrößen angegeben (Wirkungsgrad).
Beispiele sind: Stromversorgungsbaugruppen, Baugruppen zur Wärmeerzeugung,
Baugruppen zur Kälteerzeugung, elektrisch – elektronische Leistungserzeugung,
Lichtquellen u.a.
Produktions- und Verfahrenstechnik:
Dominierend ist ein Stoffumsatz (Stückzahl, Massenstrom). Die Güte des Hauptumsatzes
wird durch das Verhältnis von Stoffmengen gekennzeichnet (z.B. Veredlungsgrad,
Trenngrad, Verhältnis von Ausschuss und Durchsatz).
Beispiele sind: Reinigungsgeräte, Mixgeräte, Ätzanlagen, Entwicklungsanlagen,
Kopiertechnik u.a.
Gerätetechnik:
Dominierend ist der Signalumsatz (Informationsmenge, Informationsfluss). Die Güte stellt
das Verhältnis zweier Signalgrößen dar (Störabstand, Gerätefehler etc.).
Beispiele sind: Digitizer, Uhren, Rechner, Fernseh- und rundfunkgeräte , Videorecorder,
Fotoapparate, Modems, Radaranlagen, Telefone u.a.

Je nach Primat des Informations-, Stoff – oder Energieflusses ist eine Einteilung in
Hauptverarbeitungs – und Nebenverarbeitungsfunktionen sinnvoll. Nebenverarbeitungs-
funktionen dienen im allgemeinen der Aufrechterhaltung der Hauptverarbeitungsfunktion.

Beispiel: CD - Player
Mechanische elektrische Information,
Informationen auf CD
Hauptverarbeitungsfunktion optische Anzeige

Elektrische Rotation der CD,


Antriebsenergie Nebenverarbeitungsfunktion Bewegung der Laserdiode

Vergl.: Richtlinie VDE/VDI 2422 Entwicklungsmethodik für Geräte mit Steuerung durch Mikroelektronik

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Allgemeine Funktionsstruktur eines Gerätes


Die Koordination von Informations- , Stoff- oder Energiefluss eines Gerätes erfolgt durch den
Signalfluss. Der Signalfluss ermöglicht demzufolge die Steuerung bzw. Regelung der
Gerätefunktion.
Die Steuerung stellt dabei den Vorgang dar, eine Ausgangsgröße auf der Basis vorliegender
Eingangsgrößen zu beeinflussen (offener Wirkungsweg). Bei der Regelung wird eine Regelgröße
mit einer Führungsgröße verglichen und im Sinne einer Angleichung beeinflusst (geschlossener
Wirkungsablauf) (vergleiche DIN 19226, Teil 1).
Eingangs- bzw. Ausgangsgrößen stellen einen Informationsaustausch mit dem Gerätebenutzer
(Benutzerschnittstelle) und mit einem Prozess (Prozessschnittstelle) dar.
Der Benutzer übergibt dem Gerät seine Informationen über Bedienelemente; er erhält vom Gerät
Informationen über Anzeigelemente.
Prozessinformationen werden über Sensoren erfasst; die Einwirkung auf den Prozess erfolgt
über Aktoren.
Die Kommunikation eines Gerätes mit anderen Geräten oder Anlagen erfolgt über
Kommunikationsschnittstellen.
Der Gerätesteuerung steht auf der einen Seite der Benutzer und auf der anderen Seite der
Prozess gegenüber.
Daraus lässt sich folgende allgemeine Funktionsstruktur eines Gerätes ableiten:

Benutzer
Bedien- Anzeige-
elemente elemente
Kommunikationsschnittstelle

Kommunikationsschnittstelle
Benutzerschnittstelle

Steuerung/Regelung

Prozessschnittstelle

Sensorik Prozess Aktorik

Diese prinzipielle Struktur ist nicht auf Geräte beschränkt! Sie stellt das Grundschema der
Automation dar!
Die Steuerung erfolgt in modernen Gerätes durch Mikroprozessoren bzw. durch Mikrocontroller,
deren allgemeine Struktur durch ein Rechenwerk mit Leitwerk und Register, durch Speicher
sowie durch eine Ein- und Ausgabeeinheit gegeben ist:
Reset Rechenwerk
Interrupt Leitwerk Speicher
Takt Register

Ein- und
Ausgabe-
einheit

Vergl. auch VDE/VDI – Richtlinie 2422 Entwicklungsmethodik für Geräte mit Steuerung durch Mikroelektronik

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Beispiele für die Hauptdatenflüsse von Geräten


1. Messgerät:

Benutzer
Bedienelemente Anzeigeelemente
Kommunikationsschnittstelle

(Schalter, Taster) (Skala, Display)

Kommunikationsschnittstelle
Benutzerschnittstelle

Steuerung/Regelung
(z.B. IEC 625)

(z.B. IEC 625)


Prozessschnittstelle
Sensorik Prozess Aktorik
(Messfühler)

2. Roboter:
Benutzer
Bedienelemente Anzeige-
(Tastatur) elemente
Kommunikationsschnittstelle

Kommunikationsschnittstelle
Benutzerschnittstelle

Steuerung/Regelung

Prozessschnittstelle

Sensorik Prozess Aktorik


(Abstand, Temp.) (Greifer etc.)

3. Rundfunkempfänger:

Benutzer
Bedienelemente Anzeigeelemente
(Schalter) (Display)
Kommunikationsschnittstelle

Kommunikationsschnittstelle

Benutzerschnittstelle

Steuerung/Regelung

Prozessschnittstelle

Sensorik Prozess Aktorik


(Antenne) (Lautsprecher)

Vergl. auch VDE/VDI – Richtlinie 2422 Entwicklungsmethodik für Geräte mit Steuerung durch Mikroelektronik

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Steuerung als Schaltwerk


Wenn zu jedem Eingangsdatensatz (Eingangsvektor) zum Zeitpunkt to und zu Eingangsgrößen
vorangegangener Zeitpunkte ein Ausgangsdatensatz (Ausgangsvektor) existiert, stellt die
Steuerung eines Gerätes ein Schaltwerk dar.

Definition eines Schaltwerkes (siehe DIN 19 226, Teil 3):


Ein Schaltwerk ist eine Funktionseinheit zum Verarbeiten von Schaltvariablen, bei der die
Werte aller Schaltvariablen am Ausgang (Ausgangsvariable) yi j zu einem bestimmten
Zeitpunkt to nach Verstreichen der Lauf- und Verzögerungszeiten ∆ t von den Werten aller
Schaltvariablen am Eingang (Eingangsvariable) xj zum Zeitpunkt to - ∆ t und zu endlich
vielen vorangegangenen Zeitpunkten zi sowie ggf. vom Anfangszustand abhängen.

Ein Schaltwerk besteht demnach aus einem Schaltnetz und einem Speicher, der die
Schaltvariablen vorangegangener Zeitpunkte speichert. Ein Schaltnetz allein berücksichtigt nur
die am Eingang anliegenden Eingangsvariablen.

xj Schaltnetz yi j

zi

zi+1
Speicher

Ein Schaltwerk hat eine endliche Anzahl von inneren Zuständen und stellt einen sogenannten
endlichen Automaten dar.

Der Ausgangsvektor der Steuerung yi j wird also nicht allein vom Eingangsvektor xi ,
sondern auch von dem bestehenden Zustand zi des Schaltwerkes ( d.h. von seiner
Vorgeschichte ) bestimmt. Der Vektor zi wird durch den Speicher erzeugt, er beschreibt
den Zustand des Schaltwerkes. Für jeden einzelnen Zustand des Schaltwerkes gibt es für
jeden Eingangsvektor xj einen Ausgangvektor yi j und einen Folgezustand zi+1 .

Ein Schaltwerk kann demnach durch einen sogenannten Zustandsgraph oder durch eine
Zustandsmatrix ( Zustands – Ausgangs – Matrix) beschrieben werden.
Im Zustandsgraph werden die Zustände als Knoten und die Übergänge (Überführungsfunktion)
als Kanten mit Richtungspfeil dargestellt.

xj / yi j

zi zi + 1

Der für die Steuerung eines Gerätes eingesetzte Mikrocontroller mit Rechenwerk, Speicher und
Ein- und Ausgabeeinheit hat die Struktur eines Schaltwerkes!

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion’”

Zustandsmatrix:
Bei der Zustandsmatrix stellen die Matrixelemente einerseits den sich aus Eingangsvektor {xj}
und Zustandsvektor {zi } ergebenden neuen Zustandsvektor {zi +1 } und andererseits den
Ausgangsvektor {yi j } dar.

x1 x2 x3 .... xj ............ xn-1 xn x1 x2 .... xj .... x5 .......... xn-1 xn

z1
z2
z3

zi zi+1 yi j

zn

Dieser Zusammenhang für den Übergang in einen neuen Zustandsvektor {z(i+1)} ist auch
folgendermaßen darstellbar:

{x1 }
wx11
wx1k wx12
{x2 } 1,k
wx2k {z1 }
{x3 }
wx3k
{z2 }
wxj1
{xj} {z3 }
wxjk wxj(i+1)
wz11
{z1 } {z(i+1)}
wz1,k
wzi1
wzi(i+1)
{zi} {zk }
wzik
wzk1 wzk(i+1)

{zk } wzkk

Bemerkung:
Die jeweiligen Eingangs- bzw. Ausgangsgrößen stellen Vektoren dar!
Die Gewichte sind die Matrixelemente eines Assoziativspeichers. Der neue Zustandsvektor ergibt sich
durch Ermittlung des Maximums für die Produktsumme:
j ,k k
Max ( ∑ ( x j ⋅ wxjk ) + ∑ z k ⋅ w zkk )
j ,k =1 k =1

Eine ähnliche Darstellung lässt sich für die Ausgangsfunktion yij angeben.
Bei nichtlinearen Zusammenhängen zwischen Eingangs- und Ausgangsvektor (Zustandsvektor) sind
mehrschichtige Netze erforderlich !

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Assoziativspeicher:
Die Überführung eines speziellen Eingangsvektors {xj} mit den Komponenten {xj1 , xj2 ..... xjn } in
einen neuen Zustandsvektor zi+1 mit den Komponenten {z(i+1)1, z(i+1)2 ......z(i+1)k kann unter
Berücksichtigung des aktuellen Zustandsvektors zi mit den Komponenten {zi1 , zi2 .... zik } wie folgt
dargestellt werden :

xj1
wx1,k wx1, wx1,1
xj2
wx2,k z(i+1)1
xj3
wx3,k z(i+1)2
wxn,1
xjn z(i+1)3
wxn,
wz1,1 z(i+1)4
zi1
wz1,k
wz2,1
zi2 z(i+1)k
wz2,k
wzk,1 wzk,4

wzk,k
zik

Die Gewichte w stellen ebenfalls die Matrixelemente eines Assoziativspeichers dar. Sie sind
gerätespezifisch und ergeben sich aus der vorgesehenen Gerätefunktion!
Die Ermittlung des neuen Zustandsvektors stellt ein Erkennungsproblem dar. Durch Multiplikation
des Eingansvektors {X,Z}, bestehend aus den Komponenten xj bzw. zi , mit der Gewichtsmatrix {W}
ist eine Überführung in den neuen Zustandsvektor {Zi+1 } möglich. Durch diese Matrixoperation soll
erkannt werden, welcher neue Zustandes sich aus dem aktuellen Zustand und dem vorliegenden
aktuellen Eingangsvektor ergibt.

{X j , Z i }⋅ {W } = {Z i +1 }
 wx1,1 w x1, 2 w x1,3 .. .. w x1,k 
w w x 2, 2 wx 2, 3 .. .. w x 2 ,k 
 x 2,1 z 
 w x 3,1 w x 3, 2 w x 3,3 .. .. w x 3,3   ( i +1)1 
  z (i +1) 2 
 : : : .. .. :  
  z ( i +1)3 
{x j1 x j2 ...... x jn z i1 zi 2 ...... z ik }
⋅ : : : .. .. : =
z (i +1) 4 

w w xn , 2 w zn ,3 .. .. wxn , k  
 xn ,1   : 
 w z1,1 w z1, 2 w z1,3 .. .. wz1, k   
 :   z (i +1) k 
: : .. .. : 

 w zk ,1 wzk , 2 w zk ,3 .. .. wzk , k 

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

In gleicher Weise ergibt sich der Ausgangsvektor yij mit dem Komponenten {y1 y2 y3 ...yk} aus
dem vorliegenden Eingangsvektors {xj} und unter Berücksichtigung des aktuellen
Zustandsvektors {zi} zu:

xj1

wx1,k wx1,1
wx1,2
xj2
wx2,k y1
xj3
wx3,k y2

wxn,1
y3
xjn
wxn,k

wz1,1 y4
zi1 wz1,k
wz2,1
zi2 wz2,k yk
wzk,4
wzk,1

zik wzk,k

Die entsprechende Matrixoperation lautet:

 w x1,1 w x1, 2 wx1,3 .. .. w x1,k 


w w x 2, 2 wx 2,3 .. .. wx 2, k 
 x 2,1 y 
 w x 3,1 w x 3, 2 w x 3,3 .. .. wx 3, 3   1 
  y
 : : : .. .. :   2
  y 
{x j1 x j2 ...... x jn z i1 zi 2 ...... z ik }
⋅ : : : .. .. :  =  3
y
w w xn , 2 w zn, 3 .. .. w xn ,k   4 
 xn ,1   : 
 w z1,1 w z1, 2 w z1,3 .. .. w z1,k   
 : y 
: : .. .. :   k 

 w zk ,1 wzk , 2 w zk , 3 .. .. w zk ,k 

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Beispiele für Zustandsdarstellung:

1. Teiler 1 : 3

x(t) Schaltwerk y(t)


Teiler 1 : 3

x y

t t

Zustände: Zustand Z1: kein Impuls ist ausgeblendet


Zustand Z2: 1. Impuls ist ausgeblendet
Zustand Z3: 2. Impuls ist ausgeblendet
Zustand Z4: 3. Impuls wird durchgeschaltet

Zustandsmatrix:
X X
0 1 0 1

Z1 Z1 Z2 0 0

Z2 Z2 Z3 0 0

Z3 Z3 Z4 0 1

Z4 Z4 Z2 0 0

Zustandsgraph:
0
1/0 1/0
Z2

0 0
Z1 Z3
1/0

Z4
1/1

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Beispiel für Zustandsdarstellung:

1. Beispiel: Teiler 1 : 3 (Variante 1)

x(t) Schaltwerk y(t)


Teiler 1 : 3

x y

t t

Zustände:
Zustand Z1: 1. Impuls ist ausgeblendet
Zustand Z2: 2. Impuls ist ausgeblendet
Zustand Z3: 3. Impuls ist durchgeschaltet

Zustandsmatrix:
X X
0 1 0 1

Z1 Z1 Z2 y=0 y=0

Z2 Z2 Z3 y=0 y=1

Z3 Z3 Z1 y=0 y=0

Zustandsgraph:

1/0
Z1

0
Z2
1/0

Z3
1/1

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung „Gerätekonstruktion“

Beispiel für Zustandsdarstellung:


2. Beispiel: Digitaluhr
1
Bedienelemente

2 Bedienelemente zur Änderung der Uhrzeit und des Datums sowie zur Verwendung der Uhr als
Stoppuhr erforderlich.
Die Uhr nimmt folgende Zustände ein:
1 Zeitanzeige 6 Stundeneinstellung
2 Datumsanzeige 7 Feineinstellung
3 Sekundenanzeige 8 Minuteneinstellung
4 Monatseinstellung 9 Lauf starten
5 Tageinstellung

Bedienelemente:
0: kein Element betätigt 2: Bedienelement 2 betätigt
1: Bedienelement 1 betätigt 3: automatische Rückkehr von Zustand 2 in 1

Zustandsmatrix:
0 1 2 3 0 1 2 3 Zustand 7 weist eine Besonderheit auf:
1 1 2 4 - 1 - - - Bedienelement 2 bewirkt, dass die Ein-
2 2 3 4 1 2 - - 9 stellung beendet wird, ohne dass Minuten
3 3 1 3 - 3 - 10 - und Sekunden verändert oder angehalten
4 4 4 5 - 4 11 - - werden. Das ist bei Umstellung auf
5 5 5 6 - 5 12 - - Sommer- bzw. Winterzeit wichtig .
6 6 6 7 - 6 13 - - Die Ausgangsseite der Matrix gibt an,
7 7 8 1 - 7 14 - - welche Prozeduren auszuführen sind.
8 8 8 9 - 8 14 - - Diese Prozeduren sind bei Softwarelö -
9 9 1 9 - 9 - - - sungen als Unterprogramme aufzufassen.

Zustandsgraph:
0 2
0
0 1 1 0
1 2 3 2
3
1 9
1
2
2
0 8
4 2 5 2 6 2 7 1
1 0
1 0 1 0 0 1

Siehe auch VDE/VDI – Richtlinie 2422

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung „Gerätekonstruktion“

Berechnung der Ausgangsfunktion des 1 : 3 – Teilers :


Ein einschichtiges Netz führt zu keinem eindeutigen Ergebnis. Deshalb ist folgende Netzstruktur
mit Zwischenschicht (Hiddenschicht) erforderlich :
H1
x=0 0 1
0.33
H2
x=1 0.33 0 1
H3 0
Z1 0.5 0 1 Y
H4 1
Z2 0.5 1 1
H5
0 1
Z3 0.5
H6
0 1

Die Gewichte ergeben sich aus einfachen Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen.


Die Gewichtsmatrix {W1} für die Über- Die Gewichtsmatrix {W2}für die Überführung
führung des Eingangsvektors in den der Zwischenschicht in die Ausgangsschicht
Vektor der Zwischenschicht lautet: lautet: 1 1 1 0 1 1
 0 . 33 0 0. 5 0 0   
0 0 0 1 0 0
 0 0.33 0.5 0 0 
 Die 6 möglichen Eingangsvektoren lauten:
0.33 0 0 0.5 0 
  1  0 1  0 1  0
 0 0.33 0 0.5 0 
0  1 0  1 0 1
0.33 0 0 0 0.5            
  {e1} = 1  {e 2} = 1 {e3} = 0  {e 4} = 0 {e5} = 0 {e 6} = 0
 0 0.33 0 0 0.5  
0  0 1  1 0 0
           
0  0 0  0 1  1

Die Vektoren {h} der Zwischenschicht ergeben sich durch Multiplikation der Eingangsvektoren
mit der Gewichtsmatrix {W1} wie folgt:
0.83 1   0.5  0 0.33 0
 0.5  0  0.83 1  0  0
           
0.33 0   0  0 0.83 1
{h1} =   =   {h 2} =   =   {h3} =   =  
 0 0
    0 . 33 0
    0.5  0
0.33 0   0  0 0.33 0
           
 0  0  0.33 0  0  0

 0  0 0.33 0  0  0 


0.33 0  0  0 0.33 0 
           
 0.5  0       0 
{h5} =   =   {h 6} =   =  
0.33 0 0
{h 4} =   =  
0.83 1  0  0 0.33 0 
 0  0 0.83 1  0.5  0 
           
 0.5  0 0.83 1 
0.33 0
Die weitere Multiplikation dieser Vektoren mit der Gewichtsmatrix {W2}ergibt die Ausgangs-
funktion y =1 nur bei dem Vektor {h4}! Das heißt, jeder 3. Impuls wird durchgeschaltet !
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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Gerätebeschreibung:
Die Gerätebeschreibung erfolgt in zwei Ebenen:
1. funktionelle Ebene
2. strukturelle Ebene
Der Übergang von der Funktion zur Struktur besteht in der konstruktiven, d.h. stofflich –
geometrischen Gestaltung eines Produktes mit dem Ziel, eine optimale Auswahl konstruktiver
Lösungsmöglichkeiten vorzunehmen. Die strukturelle Lösung stellt die Gesamtheit der zur
Funktionserfüllung erforderlichen Komponenten und die zwischen ihnen bestehenden Relationen
dar.

Funktionelle Ebene der Gerätebeschreibung:


Die Funktion stellt in allgemeiner Form eine Überführung von Eingangsgrößen E in
Ausgangsgrößen A unter Berücksichtigung bestimmter Bedingungen (nicht funktions-relevante
Größen) dar.
Die funktionelle Gerätebeschreibung betrachtet auf der Ebene einer Abstraktion die Gesamtheit
der funktionellen Elemente und deren Kopplungen. Ausgehend von einer Gesamtfunktion lassen
sich damit Teilfunktionen festlegen, durch deren Kopplung die Gesamtfunktion erfüllt wird. Die
funktionelle Gerätebeschreibung hebt die wesentlichen Zusammenhänge hervor und macht die
meist hohe Komplexität eines Gerätes überschaubar. Die ermöglicht dem Konstrukteur die freie
Auswahl struktureller Gestaltungsvarianten.
Die Unterscheidung von Haupt- und Nebenfunktionen charakterisiert die in einem Geräte
vorkommenden Stoff-, Energie- und Informationsflüsse hinsichtlich ihres Primates bei der
Erfüllung der Gesamtfunktion. Bei informationsverarbeitenden Geräten wird die Hauptfunktion
durch die Verarbeitung von Eingangs- in Ausgangsinformationen bestimmt;
Nebenfunktionen sind dann Stoff- und Energieverarbeitungsfunktionen.
Verallgemeinerte Funktionen, die von der konkreten technischen Realisierung vollständig
abstrahieren, stellen Grundfunktionen dar. Mit einer Grundfunktion wird die wesentliche
charakteristische Eigenschaft von Funktionselementen beschrieben. Grundfunktionen lassen sich
ggf. durch untergeordnete Funktionen präzisieren.

Beispiele für Grundfunktionen sind:

Übertragen: z.B. Übertragen einer Größe vom


E A Ort x1,y1 nach x2, y2.
z.B. z.B.
x1, y1 x2, y2

Wandeln :
z.B. Wandeln eines Stromes in eine
I F
Kraft (Elektromagnet)
µ0 ⋅ I 2 ⋅ w 2
F=
l2
Bei informationsverarbeitenden Geräten werden die Grundfunktionen meist mit dem Zusatz
Signal ...... versehen. Also z.B. Signalübertragen (elektrische Leitung, LWL, Rohre, Linsen u.a.),
Signalwandeln (Thermoelement, Lautsprecher, Mikrofon, Piezokristall u.a.).
Nachstehende Tabellen geben eine Übersicht über allgemeine technische Grundfunktionen und
über Signalgrundfunktionen.

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Allgemeine technische Grundfunktionen /1/

Grundfunktion untergeordnete Merkmale


Funktion
Wandeln Eingangs- und Ausgangsgröße sind
physikalisch unterschiedlich; stoffliche oder
energetische Veränderung einer Größe

Umsetzen Eingangs- und Ausgangsgröße sind


physikalisch gleich; der zeitliche Verlauf
oder der Zustand einer Größe wird
verändert.
Umformen Verstärken Der Betrag einer Größe wird vergrößert
(A>E).

Reduzieren Der Betrag einer Größe wird verkleinert


(A<E).

Schalten Unterbrechen und/oder Wiederherstellen


eines Funktionsflusses
Sperren Verhindern/Sperren eines Funktionsflusses

Übertragen Leiten Übertragen einer Größe längs eines Weges


bzw. zu einem anderen Ort.
Fördern Übertragen eines Stoffes mittels Hilfsenergie

Koppeln Übertragen einer Größe zwischen


benachbarten Elementen (Bauteile,
Komponenten)
Verknüpfen Selektieren Auswählen einer Teilmenge aus einer
Gesamtmenge nach einem bestimmten
Kriterium
Vereinigen Verknüpfen mehrerer Funktionsflüsse

Verzweigen Aufteilen eines Funktionsflusses in Teilflüsse


Mathematisches Verknüpfen gleichartiger Größen mittels
Verknüpfen mathematischer Operationen
Logisches Verknüpfen gleichartiger Größen mittels
Verknüpfen logischer Operationen

Speichern Aufnehmen einer Größe und unverändertes


Abgeben nach einer bestimmten Zeit
Bereitstellen Ausschließliches Abgeben einer Größe
(Quelle)
Aufnehmen Ausschließliches Aufnehmen einer Größe
(Senke)

Die Elementarisierung von Funktion und Struktur führt zu unterschiedlichen Ergebnissen, da die
zur Realisierung einer Funktion ausgewählte Struktur in weitere Einzelteile zerlegbar, also nicht
elementar ist (z.B. Elektromagnet). Andererseits kann ein Einzelteil strukturell, aber nicht
funktionell elementar sein (z.B. erfüllt das Spannband eines elektrischen Messwerkes mehrere
Funktionen). In diesem Fall liegt eine Funktionenintegration vor, die zwar zur Vereinfachung
des Geräteaufbaus und zur Miniaturisierung beiträgt, jedoch zu gegenseitigen Störungen führen
kann. Funktionentrennung führt zu höherer Störsicherheit.

/1/ Krause, W.: Gerätekonstruktion in Feinwerktechnik und Elektronik, Carl Hanser Verlag 2001

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Signalgrundfunktionen /1/

Signalgrundfunktion Symbol Beispiele

Signalwandeln elektroakustische Wandler, elektromag-


netische Wandler, fotoelektrische Wandler,
Thermoelemente, piezoelektrische Wandler
E A
Signalumsetzen mechanisches Funktionsgetriebe, Digital –
A=f(E) Analog – Umsetzer, Analog – Digital –
E A Umsetzer, Kodierer, Modulatoren

Signalumformen Elektronische Verstärker (z.B. Operations-


verstärker, Selektivverstärker ),
Transformator, Rädergetriebe,
E A Hebelgetriebe, Dämpfungsglieder
V > 1: Versärken
V < 1: Dämpfen, Herabsetzen
Signalschalten Mechanische Schalter, elektronische Schalter
(z.B. Thyristoren), elektromechanische
E1 A Schalter (z.B. Relais)

E2
Signalübertragen elektrische Leitung, Kabel,
Welle, Bowdenzug,
E A Kanäle,
Ort 1 Ort 2 Linsen, Prismen, Lichtwellenleiter,

Signalfiltern elektronische Bandfilter, Hochpass, Tiefpass,


E A mechanische Filter, optische Filter
(Polarisationsfilter, Farbfilter)
akustische Filter (Terzfilter)

Signalverzweigen elektrische Leitungsverzweigung, Getriebe


A1
E
:
An
Signalverknüpfen Funktionseinheiten zum Addieren,
E1 Multiplizieren etc.
A Logische Funktionseinheiten (ODER, UND,
: NAND etc.)

En
Signalsspeichern Elektronische Speicher, magnetische
E1 A Speicher, Foto, Hologramm, CD, gedrucktes
Zeichen, Schallplatte u.a.

E2
Signalgeneratoren
A

/1/ Krause, W.: Gerätekonstruktion in Feinwerktechnik und Elektronik, Carl Hanser Verlag 2001
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Entsprechend der allgemeinen Funktionsstruktur eines Gerätes umfasst die funktionelle Ebene
folgende Teilfunktionen:
1. Verarbeitungsfunktion
2. Kommunikationsfunktion
3. Sicherungsfunktion
Verarbeitungsfunktion:
Die Verarbeitungsfunktion beinhaltet in allgemeiner Form die Verarbeitung von
Eingangsinformationen in Ausgangsfunktionen. Dazu gehören die Signalgewinnung, die
Signalverarbeitung, die Signalkodierung bzw. – dekodierung und die Signalnutzung.
Signalgewinnung:
Wandlung von Zustandsgrößen über Messfühler oder Messwandler in
elektrische Signale; Aufnahme von Informationen als Bild und/oder Ton;
Signalverarbeitung:
Umsetzung der Signale durch DAU, ADU, Modulatoren;
Umformung der Signale durch Verstärkung oder Dämpfung;
Signalkodierung und –dekodierung;
Verknüpfung und Speicherung von Signalen sowie Signalübertragung;
Signalnutzung: Anzeige von Verarbeitungszuständen und Ausgabe von Informationen;
Aktivierung von Aktoren;
Kommunikationsfunktion:
Die Kommunikationsfunktion beinhaltet den Informationsaustausch zwischen dem Geräte und
dem Bediener sowie zwischen dem Gerät und anderen technischen Einrichtungen.
Dabei sind folgende Kopplungen erforderlich:
1. Überführung externer Steuerungsgrößen in interne Steuerungsgrößen;
2. Überführung interner Kontrollgrößen in externe Kontrollgrößen
Die Kommunikationsfunktion ergibt sich aus den sensorischen und motorischen Fähigkeiten des
Bedieners und aus den physikalisch-technischen Möglichkeiten der technischen Gebilde.
Sicherungsfunktion:
Die Sicherungsfunktion beinhaltet:
1. Sicherung der Verarbeitungsfunktion des Gerätes vor Umweltstörungen, indem externe
Eingangsstörgrößen unwirksam gemacht werden.,
2. Sicherung der Verarbeitungsfunktion des Gerätes vor möglichen internen
Eigenstörgrößen,
3. Sicherung der Umwelt vor Störgrößen, indem interne Störgrößen vermieden oder für die
Umwelt unwirksam gemacht werden.
Die Sicherungsfunktion lässt sich in Stützfunktionen und Schutzfunktionen unterteilen.
Die Stützfunktion beinhaltet die Sicherung einer räumlichen Anordnung bestimmter Bauteile,
um z.B. mechanische Einwirkungen, hervorgerufen durch äußere Kräfte, auszuschalten.
Die Schutzfunktion beinhaltet den Schutz des Gerätes vor
1. äußeren Einflüssen, wie z. B. Klimaeinflüsse, Fremdkörper, Wasser, mechanische
Schwingungen, Schall, radioaktive Strahlung, Fehlbedienungen u.a.
2. internen Störungen wie z.B. Wärmequellen, elektromagnetische Eigenstrahlung,
Schwingungen;
und den Schutz der Umwelt im Fehlerfalle des Gerätes durch Berührungsschutzmaßnahmen,
durch Verhinderung bzw. Minimierung elektromagnetischer Abstrahlung oder anderer
Abstrahlungen.
Spezielle Maßnahmen betreffen die Wärmeabfuhr, die Gehäusegestaltung, das hermetische
Verschließen, Abschirmungen, die Einhaltung von Schutzklassen und Schutzgraden sowie die
Einhaltung des EMV – Gesetzes.

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Strukturelle Ebene der Gerätebeschreibung:

Der Geräteaufbau wird durch verschiedene Funktionsgruppen realisiert, die eine strukturelle Umsetzung
der Grundfunktionen bzw. der einzelnen Gerätefunktionen (Verarbeitungsfunktion,
Kommunikationsfunktion und Sicherungsfunktion) ermöglichen.
Der strukturelle Geräteaufbau beinhaltet geometrisch - stoffliche Elemente (Bauelemente,
Baugruppen ) und deren geometrisch - stoffliche Beziehung zueinander, d.h. deren Anordnung.

Man unterscheidet drei Klassen von Bauelementen bzw. Baugruppen:


• Bauelemente mit Verarbeitungsfunktion und ihre Anordnung
• Bauelemente mit Kommunikationsfunktion und ihre Anordnung
• Bauelemente mit Sicherungsfunktion (Stütz- und Schutzfunktion) und ihre Anordnung

Die Anordnung der Bauteile führt zu Funktionsgruppen, die ihrerseits eine bestimmte gewünschte Funktion
erfüllen.

Beispiele:
Bauelemente mit Verarbeitungsfunktion und ihre Anordnung:
- elektronische Bauelemente ( diskrete Bauelemente, Schaltkreise, Steckverbinder, Schalter,
Taster, Hybridschaltungen u.a.) und deren Montage und Anordnung auf Leiterplatten oder
anderen Substraten zu elektronischen Funktionsgruppen.
- optische Bauelemente (Linsen, Filter, Prismen, Spiegel u.a.) und deren Anordnung zu
optischen Funktionsgruppen wie Objektive, Okulare, Prismensysteme, Homogenisierer u.a.)
- mechanische Bauelemente (Achsen, Wellen, Zahnräder, Zylinder, Rohre u.a. und deren
Anordnung zur mechanischen Funktionsgruppen wie Getriebe, Lager, Führungen u.a.
- elektrisch – mechanische Bauelemente (Spulen, Stecker, Kabel, Leitungen, Magnete u.a.) und
deren Anordnung zu elektromechanischen Funktionsgruppen wie Motoren, Transformatoren,
Relais, Magnetsysteme, Kontaktbauelemente u.a.)

Bauelemente mit Kommunikationsfunktion und ihre Anordnung:


- Bedienelemente wie Taster, Schalter, Potentiometer, Drehschalter u.a. und deren Anordnung
zu Bedienfeldern, Tastaturen, Codierschaltern, Wählscheiben, Mikrofonen u.a.
- Anzeigeelemente und deren Anordnung zu optischen Anzeigen (LCD–Anzeigen, Bildschirmen
u.a.), akustischen Anzeigen (Lautsprechern, Schallgeber u.a.) und taktilen Anzeigen.
- elektronische, elektrische und mechanische Bauelemente und deren Anordnung zu
Interfacebausteinen, Adapter u.a.

Bauelemente und Baugruppen mit Stütz- und Schutzfunktion:


- Leiterplatten, Chassis, Gestelle, Befestigungselemente u.a.
- Gehäuse, Gefäße
- Lüfter, Kühlkörper
- Abschirmungen, Wärmeisolation, Schwingungsdämpfung,
- Sicherungen, Netzfilter
- Transportgriffe, Rollen

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Bedienelemente – Übersicht:
Funktion:
Kommunikation zwischen Bediener und Gerät durch Umwandlung von Absichten
(Willenerklärungen, Wünsche, Anforderungen etc.) des Gerätebedieners in Signale für die
Steuerung des Gerätes.
Prinzip:
Nutzung manueller, taktiler, akustischer oder optischer Möglichkeiten der Eingabe sowie
Verwendung spezieller Datenträger zur analogen oder digitalen Signalerzeugung.

Bedienelemente manuell:
1. Momenttaste:
Druckknopftaste, Klingelknopf, Mikroschalter, Folientaste u.a. mit zwei Zuständen
(Informationsmenge 1 Bit)
2. Bistabiler Schalter ohne Mittelstellung mit Anzeige der zwei stabilen Schalterstellungen:
Tastenschalter, Kippschalter, Schiebeschalter u.a.
(Informationsmenge 1 Bit)
3. Bistabiler Schalter mit Mittelstellung mit Anzeige der drei stabilen Schalterstellungen:
Schiebeschalter, Umschalter u.a.
(Informationsmenge 2 Bit)
4. Codierschalter mit 10 – 16 stabilen Lagen und Anzeige der Schalterstellung:
Drehkodierschalter, Tastkodierschalter u.a.
(Informationsmenge 4 Bit)
5. Zahlentastatur mit einer stabilen und einer instabilen Lage der Taster ohne
Speicherfähigkeit:
Zehnertastatur
(Informationsmenge 4 Bit)
6. Wählscheibe mit 10 instabilen Lagen und 1 stabilen Lage (Ruhestellung):
Telefonwählscheibe mit Auswahl 1 aus 10
(Informationsmenge 4 Bit)
7. Zeichentastatur zur Eingabe alphanumerischer Zeichen mit einer stabilen Lage
(Ruhestellung) und einer instabilen Lage (Eingabestellung):
Schreibmaschinentastatur, Computertastatur)
(Informationsmenge 5 – 7 Bit)
8. Mehrfachschalter in einem Gehäuse mit jeweils zwei stabilen Lagen der Einzelschalter
sowie Anzeige und Speicherung:
Dual-in-line-Schalter, Mini-dip-Schalter
(Informationsmenge 4 – 8 Bit
9. Schalter mit definierten Rasterpositionen und Anzeige sowie Speicherung der
Schalterstellung:
Drehschalter, Stufenschalter u.a.
(Informationsmenge 3 – 8 Bit je nach Anzahl der Schalter)
10. Schiebeschalter ohne definierte Rasterstellung:
Schiebepotentiometer, Drehpotentiometer
(Informationsmenge abhängig von Analog – Digital – Wandler, z.B. 10 Bit)
11. Analogeingabe mit zwei Freiheitsgraden ohne definierte Rasterposition in Verbindung
mit AD-Wandler:
Mouse, Trackball, Joystick (Steuerknüppel), Grafiktablett, Digitalisierbrett
(Informationsmenge abhängig von AD-Wandler)

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Bedienelemente akustisch:
12. Analoge Spracheingabe in Verbindung mit AD – Wandler:
akustoelektrische Wandler (z.B. Mikrofon)
(Informationsmenge abhängig von ADU)

Bedienelemente optisch:
13. optoelektrische Wandler in Verbindung mit Schalterfunktion (Ein – Aus - Schalter)
optische Ein – Aus – Schalter)
(Informationsmenge 1 Bit)
14. Übertragung codierter optischer Signale, remote control (Fernbedienung)
(Informationsmenge 4 – 10 Bit)
15. Digitale Code - Scanner
Warencodescanner, Fingerabdruckscanner u.a.
(Informationsmenge 10 - 20 Bit)
16. Bildererkennung in Verbindung mit AD-Wandler
Informationsmenge abhängig von erforderlicher Auflösung

Bedienelemente mit speziellen Datenträgern:


17. Chipkarte, Magnetkarte, Diskette mit digitalen Informationen
(Informationsmenge 8 – 32 Bit)

Bedienelemente mit elektromagnetischer Signalübertragung:


18. berührungslose elektromagnetische Datenübertragung durch Chipaktivierung mittels
Spannungserzeugung aus elektromagnetischer Feldeinwirkung bzw. generelle
elektromagnetische Übertragung durch Signalträgermodulation

Entwicklungstendenzen:
- Tasten werden - in Abhängigkeit vom Zustand des Gerätes - wechselnde Funktionen
zugeordnet (Softkeys);
- Spracheingabe gewinnt zunehmende Bedeutung z.B. bei der Gerätebedienung in der
Medizintechnik, bei multimedialen Lernsystemen (Sprachschulung) u.a.
- Verbesserung der Sprachanalyse zur direkten Spracheingabe (Teilgebiet der Phonetik);
- Geräte- bzw. Anlagenbenutzung aus Sicherheitsgründen nur möglich bei Eingabe
spezieller Kennzeichen (optisch, akustisch); kein Passwort, sondern geometrische oder
akustische Strukturen;
- Weitere Normung unter Berücksichtigung ergonomischer Gesichtspunkte (z.B. ISO -
oder DIN – Tastenfelder);
- Weiterentwicklung optischer Erkennungsverfahren;
- zunehmender Einsatz von Folientastaturen und Anpassung an spezielle
Einsatzbedingungen (Kompletttastaturen mit günstigem Preis – Leistungs - Verhältnis);
- Weiterentwicklung berührungsloser Schalter (z.B. auf Basis kapazitiver und optischer
Prinzipien);
- Weiterentwicklung telemetrischer Gerätebedienung (z.B. in der Medizin)
- Weiterentwicklung der Umsetzung von Fingerbewegungen in Signale Codehandschuh)

18
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Taster:
1. Folientaster:
Staub- und Wassergeschützter Aufbau, anwendbar für hohe hygienische
Anforderungen, Lebensdauer >107 Betätigungen
Metalldom
Designfolie (Schnappscheibe)

ausgestanzte Deckplatte Substrat (LP)


Leiterzüge,
(Spacer)
vergoldet
2. kapazitive Taster:
Basieren auf Änderung eines Dielektrikums durch Fingerberührung oder durch Bewegen
eines geeigneten Materials (z.B. Schaumstoff).

3. Reedkontakttaster:
Der magnetische Kreis eines kleinen Permanentmagneten wird über die Kontaktblättchen
eines Reedschalters geschlossen. Durch den hermetischen Abschluss des Kontaktblätt-
chens besitzen Reedschalter eine sehr hohe Zuverlässigkeit.
Permanentmagnet
N S

4. Optoelektronische Taster:
Unterbrechung einer Lichtschranke in einer Spalte und einer Reihe. Anwendung für
Tastaturen in explosionsgefährdeten Räumen möglich. Optoelektronische Taster bestehen
im wesentlichen aus 4 Teilen: LED, Fototransistor, Drucktaster, Führungs- bzw. Rast-
mechanismus. Sie zeichnen sich durch prellfreies Schalten und eine hohe Zuverlässigkeit
aus (LED im Durchschnitt 100.000 Betriebsstunden, Fototransistoren > 100.000 Betriebs-
stunden).
Auch Ausnutzung einer Lichtreflexion z.B. an einem Finger möglich, wodurch ein
Schließen einer optisches Kreises erfolgt.

5. Piezoelektrische Taster:
Ausnutzung des Piezoeffektes, indem durch eine auf einen Piezokristall ausgeübte Kraft
in der Größe von 1, 5 N eine Spannung erzeugt wird. Piezotaster arbeiten quasi weglos.

6. Hall-Effekt-Taster:
Ausnutzung des Halleffektes. Durch Bewegen eines kleinen Permanentmagneten wird
eine Feldänderung bewirkt, die infolge des Einflusses auf einen elektrischen Strom eine
Spannung hervorruft:
U = f(Magnetfluss, Strom)
Die Spannungssteuerung, der Hallgenerator, der Verstärker und Trigger sind auf einem
Chip integriert, so dass Hall-Effekt-Taster kleine Abmessungen besitzen. Lebensdauer
108 Betätigungen.

7. mechanische Taster:
Durch eine mechanische Kraft werden Kontaktstellen geschlossen und aufgrund einer
in einer Feder gespeicherten Energie wieder geöffnet. Für den Kontaktschluss wird auch
leitfähiges Gummi eingesetzt (Lebensdauer 107 Betätigungen, billiger Aufbau, vorteilhafte
Anwendung als Schaltmatten in Tastaturen).

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Tastaturen:
Tastaturen stellen eine in Reihen und Spalten angeordnete Anzahl von Einzeltasten dar und
ermöglichen eine serielle Eingabe von alpha – numerischen Zeichen. Die Einzeltasten können
Kontakttasten oder kontaktlose Tasten sein (siehe Lehrblatt Bedienelemente 3).
Maßgeblich für die strukturelle Umsetzung der Tastenanordnung sind ergonomische
Gestaltungsrichtlinien:
- Betätigungskraft etwa 0,4 – 0,8 N (40 – 80 g)
- Tastenhub optimal 3 – 5 mm
- Druckpunktüberwindung oder akustische Bestätigung bzw. Rückmeldung der Eingabe
- Tastenabstand üblich ¾´´ = 19,05 mm, allgemein 17 – 19 mm
- Tastengröße: 12 – 15 mm Kantenlänge
- Neigungswinkel 5° – 11°
- Handauflagefläche 5cm – 10 cm vor der Tastatur
Arbeitsweise einer Tastatur in Verbindung mit einem Prozessor:
Tastaturen arbeiten in Verbindung mit einem Prozessor, der die logische Verbindung zwischen
den einzelnen Tasten und dem BIOS herstellt.
Die Reihen und Spalten der angeordneten Tasten werden laufend von einem Controller zyklisch
abgefragt (Tastaturabfrage). Jeder Tastendruck und jedes Loslassen einer Taste erzeugt ein
Interruptsignal, auf das im BIOS eine Routine reagiert. Bei einem Tastendruck werden die
entsprechende Zeile und Spalte der gedrückten Taste erkannt und ein Scan-Code für die Reihen -
und Spaltennummer ermittelt. Der Scan-Code wird im allgemeinen am Port 60h des Computers
gelesen. Dieser Scan - Code wird in einen Tastencode umgewandelt. Damit ist jeder Taste ein
beliebiges Zeichen durch den Controller zuordbar (Gewährleistung der Variabilität). Der
Tastencode besteht damit aus 2 Byte (unteres Byte – Scan-Code, höheres Byte – ASCII-Code).
Beim ASCII – Code (CCITT – Code Nr. 5) wird die Zeichenzuordnung durch ein niederwertiges
und durch ein höherwertiges Nibbel eines Bytes vorgenommen.

Beispiele: D3 D2 D1 D0 D4 D5 D6 D7
A 0 0 0 1 0 0 1 x ⇒ 14 x - Parity Bit oder ungenutzt
a 0 0 0 1 0 1 1 x ⇒ 16
5 0 1 0 1 1 1 0 x ⇒ 53
Folientastaturen:
Folientastaturen ermöglichen anwenderspezifische Auslegungen in „einem Stück“, insbesondere
für Einsätze unter hohen Umweltbelastungen und bei hohen hygienischen Anforderungen. Die
Lebensdauer liegt bei 105 bis 106 Betätigungen.
Folientastaturen bestehen aus drei Schichten:
- Basisfolie mit Kontaktleiterzügen in vertikaler Richtung
- Lochfolie von 0,1 bis 1 mm Dicke zur Festlegung des Tastenweges
- Deckfolie mit Kontaktleiterzügen in horizontaler Richtung

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Touch-Screen:
Berührungsempfindlicher transparenter Sensor, der vor einem Bildschirm montiert werden kann
oder direkt mit einem Bildschirm verbunden ist und eine tastaturlose Kommunikation mit einem
Rechner durch direkte Berührung von Auswahl- oder Anzeigefeldern ermöglicht.
Touch-Sreens ermöglichen außerdem eine direkte Handschrifteneingabe.
Anwendungen:
- Maschinensteuerungs- und Prozessleitsysteme
- Überwachungssysteme
- Geldausgabeautomaten
- Medizintechnik
- Messgeräte
- Ausbildung und Training
- Spiele u.a.
Aufbau eines Touch-Screens:
- Widerstandsmembran:
Zwei auf je einer Seite mit Indium – Zinnoxid beschichte flexible Folien oder eine
feststehende Glasplatte und eine flexible Folie werden mit Abstandspunkten versehen
werden Schicht auf Schicht zusammenlaminiert bzw. zusammengefügt. Bei Berührung
entsteht nach Anlegen einer Spannung in x- und in y – Richtung ein Spannungsteiler-
verhältnis, aus dem die Koordinaten des Berührungspunktes errechnet werden können
(siehe Abbildung rechts).
Bei einer Ausführung in Matrixform werden vorgegebene Positionen erkannt (Abb. links).

- kapazitives Verfahren:
Sensor besteht aus einer Glasscheibe mit eingeschmolzenen Metallpartikeln und
Elektrodenanschlüssen. Ein Controller sendet eine hochfrequente Schwingung aus erkennt
eine leichte Berührung oder Annäherung infolge der Energieabsorption.
- Verfahren mit akustischen Oberflächenwellen:
Anordnung von vier piezoelektrischen Wandlern (zwei Sender, zwei Empfänger) an den
Ecken einer Glasscheibe und Aussendung bzw. Empfang akustischer Wellen. Ohne
Berührung wird durch Reflexion an den Kanten in den Empfängern ein elektrisches
Signal erzeugt. Bei Berührung wird ein Teil der ausgesendeten akustischen Welle
absorbiert und das Empfangssignal verändert. Der Controller ist aus der Differenz
zwischen gesendetem und empfangenen Signal in der Lage, die Koordinaten des
Berührungspunktes zu ermitteln.
- Infrarotverfahren:
An den Kanten angebrachte Infrarotsender bzw. Infrarotempfänger erfassen bei
Berührung die Unterbrechung des Lichtstrahles und ermöglichen eine
Koordinatenermittlung.
Quelle: Maaß, R.: Dateneingabe ohne Tastatur, F&M 100, 1992, S. 113 - 115

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Anzeigeelemente – Übersicht:
Funktion:
Kommunikation zwischen Geräte und Bediener durch Anzeige von Informationen über
Betriebszustände des Gerätes und bestimmter Prozessdaten.
Prinzip:
Nutzung optischer, akustischer oder taktiler Möglichkeiten der Signalgebung und
Informationsübermittlung.

Optische Anzeigen:
1. Ein-/Aus-Anzeigen: z.B. Signalleuchten, Anzeigelampen, LED, LCD u.a.
Informationsmenge: 1 Bit
2. Ein-/Aus-Anzeigen mit zusätzlichem Blinkeffekt, z.B. Anzeigelampen, LED, LCD
Informationsmenge; 2 Bit
3. Ein-/Aus-Anzeigen, 2 – farbig, z.B. 2 LED mit unterschiedlichen Leuchtfarben in einem
Gehäuse
Informationsmenge: 2 Bit
4. Quasianalog-Anzeige mit 7 – 15 LED, z.B. Leuchtband, Leuchtbalken mit Dekoder
Informationsmenge: 3 - 4 Bit
5. Ziffernanzeige, z.B. 7 – Segment-Anzeige (LED, LCD) mit Dekoder
Informationsmenge: 4 Bit
6. LED – Anzeige mit 8 LED und Ein-/Aus-Anzeige für jede LED ohne Dekoder
Informationsmenge: 8 Bit
7. Bildschirm-Zeichenanzeige mit n Zeilen und m Spalten
Informationsmenge: bei 8 Bit je Zeichen n ⋅ m ⋅ 8 Bit
8. Bildschirmanzeige mit h Helligkeitsstufen und a⋅⋅b Punkten
Informationsmenge: a⋅⋅b⋅⋅h Bit

Akustische Anzeigen:
1. Signaltongeber mit einer konstanten Frequenz, z.B. Piezoschwinger, Lautsprecher,
Summer u.a.
Informationsmenge: 1 Bit
2. Signaltongeber mit codiertem Signal, z.B. Frequenz- oder Amplitudenveränderung
Informationsmenge: mehrere Bit je nach Codierung
3. künstliche Spracherzeugung mit Amplituden- und Frequenzveränderung über
Lautsprecher
Informationsmenge: mehrere Bit

Taktile Anzeigen über Tastsinn:


1. Tasten mit Druckpunkt
Informationsmenge:1 Bit je Taste
2. Tasten mit taktiler Anzeige durch codierte Anordnung von geometrischen Erhebungen
Informationsmenge: 6 Bit bei 6 Erhebungen

Entwicklungstendenzen:
1. Ergänzung optischer Anzeigen durch akustische Informationen und umgekehrt.
2. Ergänzung alphanumerischer Anzeigen durch Grafiken.
3. zusammenfassende Darstellung von Anzeigelämpchen, Symbolen, Instrumenten, Ziffern u.a.
auf einem Bildschirm.
4. Darstellungen über Laserstrahlablenkung (rot, gelb, blau) ermöglicht durch Mischung alle
Farbkompositionen
5. Weiterentwicklung von farbigen Flachdisplays

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Prinzipieller Aufbau des menschlichen Gehörorgans: /1/


Außenohr: Ohrmuschel (Auricula)
Gehörgang (Meatur acusticus externus) : Eintrittsfläche ca. 0,4 cm2 ,
Länge ca. 2,5 cm,
Eigenresonanz ca. 3000 Hz
Trommelfell (membrana tumpani): elliptische Form, 0,1 mm dick
Größe 80 mm2 , gute Schwingfähigkeit
Mittelohr: Paukenhöhe mit Hammer, Amboss und Steigbügel und Eustachischer Röhre (Tuba
Eustachii), die Mittelohr mit dem Rachenraum verbindet und einen Druckausgleich
ermöglicht.
Hammer Amboss Steigbügel
Bogengänge

Nerven

Gehörgang

Schnecke

Ovales
Paukenhöhle Fenster
Trommelfell
Eustachische Röhre
Innenohr: Im Innenohr befindet sich das eigentliche Gehörorgan und beginnt mit dem Ovalen
Fenster. Es besteht weiterhin aus dem Vorhof, der Schnecke und den drei Bogen-
gängen. In der Schnecke findet die Umwandlung der Schallschwingungen in Nerven-
reize statt. Die Bogengänge beinhalten das Gleichgewichtsorgan.
Alle Hohlräume des Innenohres sind mit Lymphflüssigkeit gefüllt.
Die Basilarmembran als Bestandteil einer Scheidewand teilt die Schnecke in einen
oberen und unteren Bereich (scala vestibuli, scala tumpani). Die Basilarmembran
besteht aus quer zur Längsrichtung angeordneten feinen Fäden von 0,16 bis 0,64 mm
Länge. Genau genommen besteht die Scheidewand aus einem knöchernen Teil
(lamina spiralis), der Reissnerschen Membran , der Basilarmembran und dem
Cortischen Organ, das quais auf der Basilarmembran aufsitzt. Aus dem Cortischen
Organ, das von der Tectorischen Membran überdacht wird, ragen feine Haarzellen
heraus und tauchen unterhalb der Tectorischen Membran in die Lymphflüssigkeit.
Es existieren etwa 25.000 Haarzellen.

Hammer Amboß Steigbügel Bogengänge

Heliocotrema
Gehörgang
Scala vestibuli
Trommelfell

Basilarmembran
Paukenhöhle Ovales Fenster Scala tumpani

Eustachische Röhre

Schneckengang abgewickelt, stark vereinfacht

/1/ Microsoft: LexiROM 1996

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Leistungsvermögen des Gehörs:

Frequenzumfang: 16 Hz bis 16 000 Hz (10 Oktaven) (im Vergleich Auge 1 Oktave)


- Subcontra C 16 Hz 24
- Kontra C 32 Hz 25
- Groß C 64 Hz 26
- Klein c 128 Hz 27
- c´ 256 Hz 28
- c´´ 512 Hz 29
- c´´´ 1024 Hz 210
- c´´´´ 2048 Hz 211
- c´´´´´ 4096 Hz 212
- c´´´´´´ 8192 Hz 213
- c´´´´´´´ 16384 Hz 214´´

Schalldruck: 10-4 µbar - 102 µbar (6 Größenordnungen)


10-5 Nm-2 - 10 Nm-2
Bei einem Schalldruck von 10-4 µbar beträgt die Schallamplitude in Luft ungefähr 10-12 m
(10-3 nm). Das sind zwei Größenordnungen unter dem Durchmesser des Wasserstoffatoms mit
10-10 m (10-1 nm ).

Schallintensität:
Die Schallintensität ist die durch eine senkrecht zur Ausbreitungsrichtung liegende Flächeneinheit
hindurchgehende Schallenergie und stellt die Schallleistung pro Fläche dar:
E P  Nm W 
I= =  2 = 2
A⋅s A  m s m 
10 -12 Wm-2 - 1 Wm-2 (12 Größenordnungen)

Schalldichte:
Die pro Raumeinheit enthaltene Schallenergie: E  Nm Ws 
D= =
V  m 3 m 3 
Absolute Frequenzbestimmung: 6%

Relative Frequenzbestimmung: 3 %o ( bei 800 – 2000 Hz)


9 %o ( bei 64 Hz und 16000 Hz)
Daraus ergibt sich, dass das Unterscheidungsvermögen für Töne unterschiedlicher Frequenz nur
dann beträchtlich ist, wenn beide Töne unmittelbar nacheinander erfolgen. Daher sind
Gleichlaufschwankungen bei akustischen Wiedergabegeräten (kurzzeitige Schwankungen) sehr
leicht feststellbar. Die absolute Frequenzbestimmung von nur 6 % bedeutet dagegen, dass es für das
Ohr nicht feststellbar ist, ob zwischen Aufnahme und Wiedergabe eines aufgezeichneten
Musikstückes eine Differenz von 6 % in der Laufgeschwindigkeit vorliegt.

Zeitkonstante des Ohres:


Eine empfundene Lautstärke steigt mit einer Zeitkonstanten von 50 ms auf den Endwert an. Das
bedeutet, kurzzeitige Schallimpulse mit einem Abstand von < 50 ms sind nicht getrennt wahr-
nehmbar (bei Vögeln z.B. jedoch 10 ms).
Diese Zeitkonstante des Ohres hat ihre technische Bedeutung in der Bewertung von Plätzen z.B. in
einem Konzertsaal.

24
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung „Gerätekonstruktion“

Lautstärke L:
L = 10 log
I
( phon)
I0
2
 p p
L = log   = 20 log
 p0  p0

Die Lautstärke wird in „phon“ gemessen. Der Verlauf der Kurven gleicher Lautstärken gibt an,
welcher Schalldruck einer bestimmten Frequenz die gleiche Schallempfindung hervorruft wie der
Schalldruck einer 1000 Hz Schwingung. Das bedeutet, dass z.B. bei einem mit 100 phon
aufgenommenen Signal bei geringerer Lautstärkewiedergabe eine Anhebung der tiefen Frequenzen
erfolgen muss.
Bei zwei Schallquellen mit einer Schallintensität von je I1 erhöht sich die Lautstärke gegenüber einer
Schallquelle von nur um 3 dB wie folgende Rechnung zeigt:
I1 + I1 2I I
L = 10 log = 10 log 1 = 10 log 2 + 10 log 1 = 3 + L1
I0 I0 I0
Bei einer Verdoppelung der Schallempfindung erhöht sich die Lautstärke bezogen auf 1000 Hz um
10 phon bzw. die Schallintensität oder Schalldruck um eine Zehnerpotenz.
Mathematische Beziehungen:
Schallleistung: Schallintensität:
w  P E p2 p 2  Nm W 
P = ∫ IdA = I ⋅ A 2 ⋅ m 2 = W  I = = = =  = 2
m  A A ⋅ s z0 c ⋅ ρ0  m s m 
2

Schalldichte:
E I ⋅ A ⋅t I p2 p 2  Ws 
D= = = = =
V V V c ⋅ ρ0 ⋅ c c ⋅ z 0  m 3 
At
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Wirkungsweise des menschlichen Gehörs (Teil 1):


Das Ohr hat drei wesentliche Funktionen zu erfüllen:
1. Schutzfunktion (Schutz des Innenohres)
2. Sicherungsfunktion (Sicherheit bei großen Lautstärken)
3. Verarbeitungsfunktion (optimale Verarbeitung der auftreffenden Schallwellen)

Problem: Zwischen der akustischen Impedanz (Standwert) des Mediums Luft zLuft und des
Mediums Lymphflüssigkeit (Wasser) zWasser liegt ein Unterschied von mehr als 3
Größenordnungen vor, d.h., es besteht eine völlige Fehlanpassung:
z Luft = 420 Nsm −3 z H 2O = 1440 ⋅10 3 Nsm −3
Zur Erreichung einer maximalen Empfindlichkeit bzw. einer maximalen Leistungsübertragung ist
eine Transformation des Standwertes der Luft an den Standwert der Lymphflüssigkeit vorzunehmen
(Erinnerung: optimale Leistungsanpassung bei Ra = Ri). Theoretisch muss eine Transformation um
den Faktor 3600 vorgenommen werden.

Standwerttransformation:
Eine Teiltransformation des Standwertes erfolgt im Mittelohr durch die unterschiedlichen Flächen
von Trommelfell und Ovalem Fenster.
Es gilt: F F1 F2
p= ⇒ pOF = bzw. ⇒ pTF =
A AOF ATF
Da F1 = F2 folgt:
pOF ⋅ AOF = pTF ⋅ ATF
p A A Das bedeutet, der Schalldruck am
⇒ OF = TF ⇒ p OF = pTF ⋅ TF
pTF AOF AOF Trommelfell erhöht sich am Ovalen
Fenster um das Verhältnis der
Flächen!
Für die Schallleistung gilt:
p2
P = v⋅ p = = v2 ⋅ z
z
Bei einer optimalen Übertragung soll gelten: D.h., die auf das Trommelfell ein-
PTR = POF wirkende Schallleistung soll vollstän-
dig auf das Ovale Fenster übergehen.
Das bedeutet: 2 2
2
pTF 2
pOF z p  A 
= ⇒ OF =  OF  =  TF 
zTF z OF zTF  pTF   AOF 
Daraus ergibt sich:
2 D.h., der Standwert des Trommelfells
A 
z OF = zTF ⋅  TF  erscheint am Ovalen Fenster erhöht
 AOF  um das Quadrat der Flächenverhält-
nisse!
Da ATF = 80 mm2 und AOF = 2 mm2 folgt
2
 80 
z OF = zTF   = zTF [40]2
2
Durch die Hebelwirkung der Gehörknöchelchen kommt es weiterhin zu einer Übersetzung von 3:2,
so dass theoretisch insgesamt ein Übersetzungsverhältnis 60 vorliegt:
z OF = zTF [60]2 = zTF ⋅ 3600
Das bedeutet, dass im Idealfall der Standwert am Trommelfell (Standwert des Mediums Luft zLuft )
um den Faktor 3600 erhöht am Ovalen Fenster erscheint.

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Wirkungsweise des menschlichen Gehörs (Teil 2):

In der Praxis sind die für die Standwerttransformation zuständigen Flächen kleiner und außerdem
frequenzabhängig, so dass dieses ideale Transformationsverhältnis nicht gegeben ist.
Die praktischen Untersuchungen ergaben in etwa folgende Übersetzungsverhältnisse:

Frequenz Übersetzungsverhältnis Quadrat des z* Luft = zLuft ⋅ü2


Übersetzungsverhältnisses [Nsm-3 ]
100 Hz 10 100 42⋅103
500 Hz 14 196 82⋅103
1000 Hz 20 400 168⋅103
2200 Hz 40 1600 675⋅103

Der Standwert der Luft erscheint also bei der Frequenz von 2200 Hz um den Faktor 1600 erhöht an
der Oberfläche zum Ovalen Fenster.
Bei 2200 Hz liegt auch etwa die größte Empfindlichkeit des Ohres (10-5 Nm-2 ).

z* Luft zO F

Damit ist die ideale Standwerttransformation auf 1440⋅103 Nsm-3 zwar nicht erreicht, aber die
hindurchgehende Schallintensität bei 2200 Hz beträgt damit immerhin bereits 84 %. Ohne
Transformation würde die hindurchgehende Schallintensität nur 0,11% betragen.
Es gilt:
4 zOF ⋅ z *Luft
I durch = I ein ⋅
(zOF + z *Luft )
2

Hindurchgehende Schallintensität:

100 Hz Idurch = 0,11 ⋅Iein 11 %


500 Hz Idurch = 0,22⋅ Iein 22 %
1000 Hz Idurch = 0,38 ⋅Iein 38 %
2200 Hz Idurch = 0,84 ⋅Iein 84 %

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Akustische Anzeigen – Übersicht über wesentliche Wandlerprinzipien


Prinzip: Wandlung einer elektrischen Größe (Spannung, Strom, Magnetfluss, Feldstärke ) in eine
mechanische Größe (Kraft).
1 ε
Elektrostatisch Wandlung: F = ⋅u2 ⋅ A
2 d
Elektrodynamische Wandlung: F = (B * l )⋅ i

Elektromagnetische Wandlung: 1 B2 1 Φ2
F =− ⋅ ⋅A= − ⋅
2 µ0 2 A ⋅ µ0

1. Elektrostatisches Prinzip:
Isolator Anwendung: extrem breitbandige Kopfhörer,
Gegenelektrode Speziallautsprecher
Schwingende
Membran Gleichvorspannung zur Linearisierung
(leitfähig) erforderlich:
u 2 = (u − + u ≈ )2 = u −2 + 2 ⋅ u − ⋅ u ≈ + u ≈2
Ra
U~  u 
= u −2 + 2 ⋅ u − u ≈ 1 + ≈ 
 2 ⋅ u− 
U= Damit Linearisierung eintritt, muss gelten:
u≈ oder u − >> u ≈
<< 1
u−
2. Elektrodynamisches Prinzip:
Tauschspule
Anwendung: Lautsprecher,
Magnet
Membran S Beschallungsanlagen
Vorteil: linearer Zusammenhang
N u≈ zwischen Strom und
Krafterzeugung

3. Elektromagnetisches Prinzip:
Anwendung: Telephonhörer, Lautsprecher,
Luftspalt Hörgeräte
Vormagnetisierung zur Linearisierung
N erforderlich:
Φ 2 = (Φ − + Φ ≈ )2 = Φ 2− + 2 ⋅ Φ − ⋅ Φ ≈ + Φ 2≈
Membran

 Φ≈ 
= Φ 2− + 2 ⋅ Φ − ⋅ Φ ≈ 1 + 
 2⋅Φ−
S

Damit Linearisierung eintritt, muss gelten:
Φ − >> Φ ≈

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Elektrodynamischer Lautsprecher:

Konstruktiver Aufbau: 11

7 9 6
10

4 1 2 3 5 12
Konstruktiver Aufbau: 1 Magnetkreis; 2 Magnet; 3 Luftspalt;
4 Schwingspule; 5 Spulenträger; 6 Membran
7 Zentrierung; 8 LS-Korb; 9 Kalotte;
10 Anschlußlitze; 11 Aufhängung;
12 Anschluß

Prinzipieller Aufbau: n

B m
i
F
u V

Elektromechanisches und elektrisches Ersatzschaltbild:

i∠∠ RT LT i∠∠ W F∠∠ W F∠∠

∠ vW∠
u = h⊥⊥ n m

∠ u∠∠ W
W
X v∠∠ W h∠∠ L
u v∠∠
iW = FW∠ ⋅ X

Es gilt:
n
i∠∠ R⊥T LT i∠∠ W Lmech Rmech Cmech Lmech =
X2
h∠∠ L
h⊥
u∠∠ R mech = 2
X2 X
C mech = m ⋅ X 2

29
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Aufbau und Leistungsumfang des menschlichen Auges:


Bestandteile: Le
- Hornhaut H
- Augenkammer K A
- Linse Li
- Ziliarmuskel Z
I Z N
- Iris I H NG
- Lederhaut Le
- Aderhaut A
K Li G
- Netzhaut N
- Netzhautgrube NG B
- Blinder Fleck B
- Glaskörper G

Das menschliche Auge verfügt über ca. 120 Mio. Stäbchen und ca. 6 Mio. Zäpfchen und ist in
einem Wellenlängenbereich von 360 nm (violett) - 800 nm (rot) empfindlich. Die größte
Empfindlichkeit liegt zwischen 520 nm (grün) u. 555 nm (grün/gelbgrün).
Die Stäbchen sind für das Hell - Dunkel - Sehen zuständig; die Zäpfchen ermöglichen das farbliche
Sehen. Der Sehbereich umfasst demnach 1 Oktave. Das Auge ist empfindlich für Leuchtdichten >
10-6 cd/m2.
Bei Leuchtdichten ≤ 10 cd/m2 werden nur die Stäbchen angeregt, dann nur Schwarz - Weiß -
Unterscheidung möglich. Bei Leuchtdichten > 10 cd/m2 werden die Zäpfchen angeregt, dann auch
Farberkennung möglich.
Eine Blendung tritt bei Leuchtdichten von > 104 cd/m2 ein.
Das Auge vermag demnach Lichtintensitäten (Leuchtdichten) in einem Umfang von 10
Größenordnungen zu verarbeiten:
10-6 cd/m2 - 104 cd/m2
Die Sehschärfe wird durch die Fähigkeit bestimmt, nebeneinanderliegende Linien noch getrennt
wahrzunehmen. Diese Auflösung beträgt 0,1 mm bei einem einem Abstand von ca. 25 cm. Das
entspricht etwa 1 Winkelminute.
Es verarbeitet außerdem etwa 17.000 Farböne und kann etwa 5 * 106 Farbnuancen
wahrnehmen.
Anthropotechnische Angaben:
Entscheidend für eine Erkennbarkeit ist der Kontrast.
Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Displays:
LV,Z - Leuchtdichte eines Zeichens; LV,H – Leuchtdichte des Hintergrundes
Kontrast aktiver Displays: Kontrast passiver Displays:
L − LV ,H Kp =
LV ,Z
K a = V ,Z LV , H
LV ,H

Kontrast soll zwischen 7:1 und 100:1 liegen! Kontrast soll zwischen 1:7 und 1:30 liegen!
(Vergleich Fernsehbildröhre 30:1) (Vergleich Zeitung Kontrast 1:7)
Bei 3:1 keine Ablesbarkeit mehr! Achtung: jetzt dunkles Zeichen auf hellem Grund!
Bei Leuchtdichten < 10 cd/m2 nur Erkennung von Graustufen; dann nur Aktivierung der Stäbchen auf der
Netzhaut. Bei Leuchtdichten > 10 cd/m2 Erkennung von Farben; dann Aktivierung der Zäpfchen.
Lichttechnische Größen: 1 m2
Raumwinkel 1sr
- Lichtstrom Φ v [lm] r=1m
(Steradiant)
- Beleuchtungsstärke Ev [lx = lm/m2 ]
- Lichtstärke Iv [cd = lm/sr]
- Leuchtdichte (Lichtintensität) Lv [cd/m2 ]
- Lichtmenge Qv [lm s]
- Lichtausstrahlung Mv [lm/m2 ].
Zur Definition der Lichtstärke und Leuchtdichte
30
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Funktionsweise und Aufbau einer LCD - Anzeige

Prinzip einer Drehzelle


spannungslose Zustand mit
rZustand Spannung
anliegender

Polarisator

Elektrode
mit
Oberfläche
orientierter
ca. 10 µm

Flüssigkristall-
moleküle

Elektrode
mit
Oberfläche
orientierter

Polarisator

LCD – Anzeigen sind Flüssigkristallanzeigen (liquid crystal display). Sie sind passive Anzeigen und
benötigen fremde Lichtquellen.
Flüssigkristalle sind aromatische organische Verbindungen und besitzen innerhalb eines bestimmten
Temperaturbereiches (unterhalb 75°C), der sogenannten Klärungstemperatur, eine
Ordnungsstruktur (Zwischenzustand – Mesophase). Oberhalb der Klärungstemperatur herrscht ein
völlig ungeordneter isotroper Zustand, wie er normalerweise bei allen Flüssigkeiten auftritt.
Typisch für eine solche Ordnungsstruktur sind faden- oder wurmförmige Kristalle. Man bezeichnet
sie als nematische Kristalle (Nematoden – Fadenwürmer).
Durch Einwirken eines elektrischen Feldes kann die Ordnungsstruktur verändert werden.
Zwischen zwei Glasplatten, die mit transparenten Elektroden aus Indium – Zinnoxid beschichtet
sind und die eine eingeprägte Struktur besitzen, befinden sich die Flüssigkristalle. Die Kristalle
erfahren infolge der senkrecht aufeinanderstehenden eingeprägten Strukturen eine Drehung um 90°
parallel zur Glasoberfläche. An der Ober- und an der Unterseite befinden sich um 90° versetzte
optische Polarisationsfilter.
Auftretendes Licht wird beim Durchgang in seiner Polarisationsrichtung infolge der verdrehten
Kristallanordnung ebenfalls um 90° gedreht und wird nicht reflektiert. Wird unterhalb des unteren
Polarisationsfilters ein Reflektor angebracht, erscheint im spannungslosen Zustand die Anzeige
hell.

Beim Anlegen eines elektrischen Feldes drehen sich die Kristalle in eine senkrechte Richtung.
Auftreffendes Licht wird von dem unteren Polarisationsfilter nicht durchgelassen. Die Anzeige
erscheint dunkel.

Die 10 µm dicke Flüssigkristallanordnung kann bereits durch geringste Verunreinigungen gestört


werden. Bereits Ionenbildung kann ein Störfaktor sein. Außerdem kann durch eine Reduktion des
Indium-Zinnoxids zu Indium und Zinn eine Trübung des Displays auftreten. Deshalb sind
Flüssigkristalle nur mit Wechselspannung zu betreiben, die eine Ionenbildung ausschließt.

31
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Flüssigkristallanzeigen (Fortsetzung 1):

Die angelegte Spannung liegt zwischen 1,5 und 5 V Wechselspannung. Die Frequenz beträgt 30 bis
100 Hz. Beim Einschalten tritt eine geringe Zeitverzögerung von 100 ms auf. Beim Ausschalten
beträgt die Verzögerung etwa 200 – 300 ms. Bei tiefen Temperaturen vergrößern sich die Zeiten
erheblich.
Flüssigkristallanzeigen stellen eine kapazitive Last dar (etwa 100 pF). Der große Vorteil liegt in dem
sehr geringen Leistungsverbrauch von nur 5 µW/cm2 . Im Gegensatz dazu liegt der
Leistungsverbrauch bei LED – Anzeigen bei etwa 50 mW.
Aufbau einer Reflexionsdrehzelle

P1, P2 - Polarisationsfilter
G - Glasdeckgläser,
innen mit Indium-Zinn-
Oxid beschichtet
A - Abstandshalter
bc und Behälter 10µm
a starkR - Reflektor
gf
de

R
P2
G
A
G
P1

Kontaktierung der LCD -


Anzeige

Erläuterungen:
Rechts einfallendes Licht wird horizontal polarisiert. Die Elektroden der hinteren Glasplatte besteht
aus 7 einzelnen Elektroden aus Indium – Zinnoxid ( 7 - Segmentanzeige), die separat angesteuert
werden können.
Im Bereich der Flüssigkristalle zwischen den mit Indium – Zinnoxid beschichteten Glasdeckgläsern
bildet sich die verdrehte nematische Phase der Kristalle. Einfallendes Licht wird gedreht, passiert
das hintere Polarisationsfilter und wird von dem Reflektor zurückgeworfen.
Im spannungslosen Zustand ersche int die Anzeige hell!

Im Falle des Anliegens einer Spannung wird die Schwingungsrichtung des Lichtes nicht gedreht.
Das Licht kann das hintere Polarisationsfilter nicht passieren und wird demzufolge nicht reflektiert.
Die Anzeige erscheint dunkel ! (dunkle Anzeige auf hellem Grund)

32
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Flüssigkristallanzeigen (Fortsetzung 2):


Zum Betrieb der LCD mit Wechselspannung erhalten die Elektroden eine Rechteckspannung Ur
bzw. Ul , die eine Differenzspannung UFK zwischen beiden Elektroden erzeugen. Je nach Phasenlage
der Rechteckspannungen liegt eine Wechselspannung oder keine Spannung zwischen den
Elektroden.
Ur - Spannung an der rechten Elektrode
Ul - Spannung an der linken Elektrode
UFK – Spannungsdifferenz = Ur –Ul
Bei Gleichphasigkeit ist die Spannungsdifferenz UFK = 0, bei Gegenphasigkeit UFK ≠ 0
Beispiel:
Ur Gegenphasigkeit Ur Gleichphasigkeit

Ul Ul

UFK
UFK

Ua

Praktische Realisierung: t
BCD – 7 Segment-Dekoder

a =1 Ur
t
A
b
B • =1
Ul
c t
C
. • =1
D UFK
.
g t
• =1
LCD – Segment LCD-Segment
• angesteuert nicht angesteuert
° 1

Die rechte Elektrode ist für alle Segmente gemeinsam und ist direkt mit dem Rechteckgenerator
verbunden. Die Ansteuerung der Segmente auf der linken Seite erfolgt über ein Exclusiv-Oder. Wird
Ua (Spannung am Segment a) auf 1 gelegt, bildet sich auf der linken Seite des Segmentes an eine zur
rechten Seite gegenphasige Spannung, so dass die Differenz eine Wechselspannung ergibt. Liegt Ua
auf 0, so ergibt sich eine Gleichphasigkeit und die Differenzspannung ist ebenfalls 0.

Quelle: Hering, Bressler u.a.: Elektronik für Ingenieure, VDI – Verlag 1998

33
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

LCD – Anzeigen nach dem Dynamic Scattering Mode (DSM – Zelle)

a) b)

Prinzip des Electrically Addressable Smectic Liquid Daylight Memory Display (EASL
DMD™)

a) Kristalle sind ohne Anliegen eines b) durch Anlegen eines elektrischen


elektrischen Feldes geordnet, auftreffendes Wechselfeldes verändert sich die
Licht durchläuft das Display, es erfolgt Kristallstruktur, indem die Kristalle
keine Anzeige eine turbulente Bewegung ausführen;
auftreffendes Licht wird reflektiert.

Polarisationsfilter sind nicht erforderlich, deshalb kann das gesamte Lichtspektrum für die Anzeige
genutzt werden. Je stärker der Lichteinfall, um so hoher der Kontrast (vergleichbar mit bedrucktem
Papier). Ein großer Vorteil besteht in der Multistabilität, d.h. die Kristalle haben die Fähigkeit,
unbegrenzt die jeweilige Struktur auch nach Abschalten der Spannung beizubehalten
(Memoryeffekt) bzw. das Display erfordert nur eine Spannung, wenn das Bild verändert werden
soll. Um Grautöne zu erhalten, werden die Moleküle in einen stabilen Zustand zwischen den beiden
Extremzuständen gehalten.
Farbbilder erhält man durch Einsatz von Farbfiltern.
Die Verwendung von Plastiksubstraten ermöglicht die Realisierung verformbarer Displays.

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Aufbau eines TFT – LC – Displays (thin-film-transistor–addressed-liquid-cristal-display)

Quelle: •Technology and Applications of Amorphous Silicon, R. A. Street, Springer-Verlag, 2000 •c’t-Magazin, heise-
Verlag, Ausgabe 23/2002, 24/2002, 26/2002
35
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Aufbau von Aktiv – Matrix - LCD´s

Erläuterungen zur Arbeitsweise des Aktivmatrixverfahrens


• Zur Adressierung wird bei TFT – Displays das Aktivmatrixverfahren angewandt.
• Die Ansteuerung der einzelnen Zellen übernehmen nichtlineare Bauelemente (Thin Film
Transistors) außerhalb der Pixel.
• Die TFT´s befinden sich an den Knotenpunkten der horizontalen Gateleitungen und
vertikalen Datenleitungen. Damit werden die an der TN – Zelle anliegenden Spannungen
ein- und ausgeschaltet.
• Die TN-Zelle stellt eine elektrische Kapazität (CLC) dar. Parallel dazu liegt eine
Speicherkapazität (C S), die die Signalladung speichert.
• Es kann genau eine Zeile angesteuert werden. Die Videosignale (Spannungen) werden
während der Ansteuerung der Gates der Transistoren durch Datenpuffer auf die
Datenleitungen gelegt.
• Während der Öffnung der Gates wirkt die jeweilige Signalspannung auf die
Pixelelektrode jedes Pixels der Leitung.
• Nach der Aufladungsphase werden die Zellen der i-ten Zeile von den Datenleitungen
getrennt und die Zellen der (i+1)- Gateleitung werden geladen.

Additive Farbmischung:

- weißes Licht setzt sich aus unterschiedlichen Farben


zusammen (Mischlicht).
- Bei additiver Farbmischung nimmt das menschliche
Auge mehrere Farben gleichzeitig oder schnell
nacheinander wahr.
- Der resultierende Farbreiz entsteht
durch Addition der einzelnen Farben.
Es kann dadurch „weiß“ entstehen.

36
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Bei einem Farbdisplay besteht jedes Pixel aus drei Subpixeln mit den Farbfiltern ROT, GRÜN
und BLAU (RGB). Jedes Pixel wird digital angesteuert. Mit einem Pixel sind 23 – Farbkombina-
tionen möglich.

Detaildarstellung:
- Rechts sieht man die unverdeckte Pixelstruktur. Horizontal verlaufen die Gate- oder
Zeilenleitungen, vertikal verlaufen die Daten- oder Spaltenleitungen.
- Links sieht man die mit Farbfiltern verdeckten Pixel. Die Zwischenräume sind zur
Kontrasterhöhung schwarz ausgefüllt..

TFT-LCD – Monitor:

37
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LED – Anzeigen – Wirkungsweise und technische Ausführungen

An der Grenzfläche eines pn – Überganges diffundieren Ladungsträger vom p – in das n –


Gebiet und umgekehrt (Elektronen in das p-Gebiet und Löcher in das n-Gebiet). Die Diffusion
entsteht durch die unterschiedlichen Ladungsträgerkonzentrationen und ist
temperaturabhängig. Dadurch Ausbildung einer Raumladung bzw. eines elektrischen Feldes
mit der Diffusionsspannung UD. Durch das elektrische Feld entsteht ein Feldstrom, der dem
Diffusionsstrom entgegengerichtet ist. Dadurch Herausbildung eines elektrischen
Gleichgewichtes.
Durch Anlegen einer Sperrspannung wird die Raumladungszone verbreitert und die
Diffusionsspannung vergrößert. Als Folge wandern Ladungsträger aus der Übergangsschicht
und die Übergangsschicht verarmt an Ladungsträgern. Es fließt lediglich ein geringer
Sperrstrom, verursacht durch die Minoritätsträger.
Wird eine Spannung in Flussrichtung angelegt, wird die Diffusionsspannung abgebaut, der
Feldstrom sinkt und der Diffusionsstrom überwiegt gegenüber dem Feldstrom. Elektronen des
n – Gebietes wandern in das p – Gebiet bzw. Löcher wandern vom p – Gebiet in das n – Gebiet.
Dadurch entsteht eine Erhöhung der Minoritätsträgerdichte und es kommt zu einem
Rekombinationsprozess, der zu einer Abstrahlung von Photonen führt. Die Farbstrahlung ist
von der Materialart des pn-Überganges abhängig; z.B. strahlt GaP:N grün und GaAsP:N
orange.
p-Gebiet n-Gebiet

pp nn p – Gebiet: Defektelektronen pp
Dichteverlauf/c

Elektronen np
n – Gebiet: Elektronen nn
10 10
Defektelektronen pn
m3

np pn Diffusion aufgrund von Konzentrations-


unterschieden:
⊕ Defektelektronen in das n – Gebiet
Θ
⊕ Elektronen in das p – Gebiet
Θ
⊕ Ausbildung eines elektrischen Feldes
Θ
mit einer Raumladung
Raumladung

Raumladung verursacht Feldstrom:


+ Elektronen in das n - Gebiet
Defektelektronen in das p – Gebiet,
⊕ dadurch Herausbildung eines
Θ Diffusion
dynamischen Gleichgewichtes, Kristall
⊕Θ Feldwirkung
ist äußerlich elektrisch neutral
Durch Spannung in Flussrichtung
Potential ϕ

UD Abbau der Potentialschwelle, Elektronen


strömen in das p – Gebiet und
Defektelektronen in das n –Gebiet.
Dadurch Rekombination Abstrahlung
von Photonen.

38
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

LED – Ansteuerungen und Bauformen (1) +U

Einzel – LED - Ansteuerung


+U

1
L
1
H

leuchtet, wenn am Eingang H leuchtet, wenn am Eingang L


(open-collector-Schaltung) (Totem-Pole-Schaltung)

Sieben – Segment – Anzeige +5V

a a
BCD – 7 – Segment - Decoder

A b
f b
B c g
C d
D
e c
e
f

g d

Zeitmultiplex – Ansteuerung
1 – aus 4 –
Decoder
Zähler

Anodentreiber

A
7 – Segment-
Decoder

B
speicher

C
Logik-

Katodentreiber

39
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung Gerätekonstruktion”

LED – Ansteuerungen und Bauformen (2)

Ausgabe eines Leuchtpunktes Ausgabe eines Leuchtbandes


+5V

+5V

9 9
A A

BCD-Dezimal-Decoder
BCD-Dezimal-Decoder

8 &
8
B B
7
C C

D D
&
1 1
0 0 &

Bauformen von Luminizenzdioden

Reflektor mit transparentem Kunststoff und Diffus streuender Kunststoff und


Richtcharakteristik Reflektorwanne

Kunststoff,
transparent

LED - Chip
Matrix-Display 5 x 7 (Luminizenzdioden-Display)

Material Farbe Wellenlänge Anwendungen


GaN blau 450 nm Anzeigen
GaP:N grün 555 nm Anzeigen
GaAsP rot 655 nm Anzeigen
GaAs:Zn infrarot 900 nm Lichtschranken
GaAs:Si infrarot 930 nm Lichtschranken

40
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Übersicht über Sensoren


Messgrößen und Messprinzipien - Auswahl und Übersicht

Mechanische Größen
in Festkörpern:
- Weg, Position mechanisch
- Winkel
- Geschwindigkeit
- Drehzahl
- Impuls kapazitiv
- Beschleunigung
- Kraft
- Drehmoment
- Arbeit induktiv

Mechanische Größen in
Flüssigkeiten und Gasen:
- Druck Widerstand
- Durchfluss
- Füllstand R = f(T, s, A....)
- Dichte
- Viskosität

Dehnungsmess-
Thermodynamische streifen
Größen: ∆R ∝ ∆s
Messgrößen

- Temperatur

Messprinzip
- Wärmekapazität
Sensorik

- Wärmeleitfähigkeit
- Wärmeleistung
fotoelektrisch
Schwingungen:
- Zeit, Frequenz
- Pulsdauer piezoelektrisch

Optische Größen:
- Wellenlänge
- Brechungsindex
- Lichtstärke akustisch
- Leuchtdichte
- Farbdichte u.a.

Akustische Größen:
- Schalldruck
optisch
- Frequenz
- Geschwindigkeit
- Schallleistung
- Schallintensität
- Standwert
chemisch

Chemische Größen:
- pH-Wert
- Ionenkonzentration
magnetostatisch
- Stoffkonzentration
- Leitfähigkeit u.a.

Elektrische und
magnetische Größen: magneto-
- Ladung elektrisch
- Strom
- Spannung
- Widerstand
- Leistung thermo-
- Phase
- Feldstärke
elektrisch
- Kapazität
- Dielektrikum u.a.

elektrische Größe
nach Hering, Bressler, Gutekunst: Elektronik für Ingenieure, VDI Verlag

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Für Sensorfunktionen genutzte physikalische Wirkprinzipien (Auswahl):

1. Änderung des elektrischen Widerstandes eines Leiters bei mechanischer, thermischer oder
chemischer Beeinflussung.
2. Veränderung der Kapazität eines Kondensators durch stoffliche oder mechanische
Beeinflussung.
3. Änderung der Induktivität einer sich in einem Strom- oder Schwingkreis befindlichen
Spule.
4. Nutzung des Piezoeffektes durch mechanische Beanspruchung (Druck, Zug, Torsion) von
Piezokristallen. An den Grenzflächen treten elektrische Ladungen auf, die proportional der
Belastung sind.
5. Nutzung des fotoelektrischen Effektes, bei dem durch Auftreffen von Photonen in bestimm-
ten Materialien (Silizium, Halbleiter, Alkalimetalle) Elektronen freigesetzt werden bzw. die
Leitfähigkeit verändert wird.
6. Nutzung des thermoelektrischen Effektes, der dadurch gekennzeichnet ist, dass bei Verbin-
dung zweier Drähte aus unterschiedlichem Material ( z.B. Kupfer und Konstantan oder
Platin-Rhodium und Platin) zu einem geschlossenen Stromkreis eine elektrische Spannung
entsteht, die von der Temperaturdifferenz zwischen den Verbindungsstellen abhängig ist.
7. Hall - Effekt, dadurch gekennzeichnet, dass sich zwischen zwei Punkten eines räumlich
ausgebildeten Leiters, der sich in einem Magnetfeld befindet, und durch den ein Strom
fließt, eine Spannungsdifferenz ausbildet. Diese Spannung ist bei Halbleitermaterialien (z.B.
Indiumantimoxid, Galliumarsenid) besonders hoch und kann zur Ermittlung magnetischer
Felder verwendet werden.
8. Wiegand - Effekt, dadurch gekennzeichnet, dass sich in einem speziell vorbereiteten Draht die
Magnetisierungsrichtung schlagartig ändert, wenn sich das äußere Magnetfeld um einen
bestimmten Mindestbetrag ändert.
9. Doppler - Effekt, dadurch gekennzeichnet, dass eine relative Frequenzänderung einer sich
von einem Beobachtungsort entfernenden oder sich zum Beobachtungsort annähernden
Schall- oder Lichtquelle eintritt. Die Größe der Frequenzänderung ist ein Maß für die relative
Geschwindigkeit zwischen Beobachter und Schall - oder Lichtquelle.
10. Sagnac - Effekt, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Laufzeit des Lichtes in einer in Form
einer Spule gewickelten Glasfaser ändert, wenn die Spule in Drehung versetzt wird.
Der S.-E. ist zur Messung von Drehgeschwindigkeiten geeignet.
11. Nutzung faseroptischer Eigenschaften, da sich bei Verformung, Druckbelastung,
Temperaturbeeinflussung etc. die Übertragungseigenschaften von Lichtwellenleiter
hinsichtlich Amplitude, Phase, Polarisation u.a. ändern.
12. Magnetoresistiver Effekt, bei dem sich z.B. bei Indiumantimoxid oder bei einer Nickel -
Antimon - Legierung der elektrische Widerstand ändert, sobald diese Materialien einem
magnetischen Feld ausgesetzt werden. Die Materialien werden mäanderförmig auf einem
Ferrit- , Keramik - oder Plastiksubstrat aufgetragen.
13. ∆ E - Effekt : Änderung des Elastizitätsmoduls E bestimmter Materialien in Abhängigkeit
von der Magnetisierung bzw. elektrischen Feldstärke.

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Induktiver Sensor

Aufbau: Schalenförmiger Ferritkern mit Spule als Primärspule


Messprinzip: Metallischer Gegenstand (Identifikationsobjekt) wirkt wie ein Sekundärkreis und
verändert über die Gegeninduktivität die Eingangsimpedanz der Primärspule.

Sensorspule
Objekt bildet Primärkreis eines
bildet Transformators
Sekundärkreis
eines
Transformators
Eisenkern
und wirkt wie
Kurzschlussring

Ersatzschaltbild:
i1 R1 R2

Z⇒ u1 L1 L2 i2

Ableitung:

u1 = ( R1 + jϖ L1 ) ⋅ i1 + j ϖ ⋅ M 12 ⋅ i 2
− jϖM 12 ⋅ i1
u2 = (R2 + j ϖL2 ) ⋅ i2 + jϖ ⋅ M 12 ⋅ i1 = 0 ⇒ i2 =
R2 + jϖL2

Z=
u1
=
(R1 + jϖL1 ) ⋅ i1
+
(
jϖ M 12 − jϖ M 12 ⋅ i1 )
i1 i1 i1 (R2 + jϖ L2 )
ϖ 2 M 122 ( R − jϖ L 2 )
Z = ( R1 + jϖ L1 ) + ⋅ 2
R2 + jϖ L 2 ( R2 − jϖ L 2 )
(R − jϖ L2 )ϖ 2 ⋅ M 122
Z = R1 + jϖ L1 + 2
R 2 + ϖ 2 ⋅ L22

R2ϖ 2 ⋅ M 122 L2ϖ 2 ⋅ M 122


Re (Z ) = R1 + 2 Im (Z ) = L1 − 2
R2 + ϖ 2 ⋅ L22 R2 + ϖ 2 ⋅ L22

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Kapazitiver Sensor

Prinzipieller Aufbau:

Abschirmung
Objekt (Elektrode) Abschirmungselektrode
und Elektrode bilden
eine Grundkapazität CG

Durch Annäherung eines Objektes


wird die Permeabilität verändert
. Elektrode
und die Grundkapazität erhöht sich
um einen Betrag von ∆C
Unterscheidung von 3 Fällen:
1. Objekt ist nichtleitend
2. Objekt ist leitend und isoliert
3. Objekt ist leitend und geerdet

1. Objekt ist nichtleitend

Durch die Veränderung des Dielektrikums und Ver-


größerung der Dielektrizitätskonstanten ε im Bereich
der Feldlinien tritt eine Kapazitätserhöhung ein.
Die Kapazität nimmt um einen Betrag ∆C zu.

2. Objekt leitend und isoliert

Das Objekt stellt eine Kapazität dar, die


sich aus zwei in Reihe geschalteten Kapazitäten
zusammensetzt und parallel zur Grundkapazität
angeordnet ist. Gegenüber dem Fall 1 tritt eine
größere Kapazitätserhöhung auf. Objekt
CG

3. Objekt leitend und geerdet

Parallel zur Grundkapazität liegt eine zusätzliche Kapazität,


die sich zwischen der Elektrode 2 der Grundkapazität und
der geerdeten Elektrode ausbildet.
Das bedeutet Vergrößerung CG
der Kapazität gegenüber dem
Fall 2 und eine größere
Empfindlichkeit.

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Induktiver Sensor – Anwendungen

Eine Spule bildet zusammen mit einer Kapazität den Parallelschwingkreis eines Oszillators.
Durch Annäherung eines metallischen Gegenstandes (Objekt) vergrößert sich der Realteil des
Schwingkreis und die Güte des Schwingkreises wird verringert. Die Schwingung wird dadurch
bedämpft. Bei Unterschreiten einer festgelegten Schwingungsamplitude spricht ein Komparator an
und ein Ausgangssignal wird ausgelöst:
Oszillator Komparator Verstärker

Ausgangssignal

Beispiel für Oszillatorschaltung (Meißner-Schaltung):

UB Indikation erfolgt durch die unterschiedliche Stromaufnahme


des Oszillators im bedämpften und im nichtbedämpften Fall:
ohne Bedämpfung: große Stromaufnahme
mit Bedämpfung: geringe Stromaufnahme
I/mA

Arbeitspunkt AP in den
AP steilsten Anstieg legen,
Ua da dort größte Empfind-
lichkeit.
s/mm

Ausführungen:
Ringinitiator :
Fe- oder Spule mit Ferritkern ist Bestandteil eines
Nichteisenmetall Oszillators. Durch einen metallischen
Gegenstand erfolgt eine Bedämpfung des
Oszillators.
Geeignet zum Zählen von Einzelteilen.
Spule mit
Ferritkern

Schlitzinitiator:
Zwei sich gegenüberliegende Spulen 1 und 2
bilden einen Transformator mit loser
Kopplung.
Im unbedämpften Fall reicht die Kopplung
Spule 1 aus, um einen Oszillator schwingen zu lassen.
Spule 2
Bei Einbringen eines metallischen
Gegenstandes in den Schlitz, verringert sich
die Kopplung und die Schwingung reißt ab.

Metallischer Gegenstand

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Anwendung kapazitiver Sensor:

Praktische Anwendung findet der kapazitive Sensor in Verbindung mit einem RC – Oszillator, bei
dem durch Vergrößerung einer Kapazität im Basiszweig einer Transistorstufe die Schwingbedin-
gung erfüllt wird, d.h., bei Annäherung eines Gegenstandes beginnt der RC – Oszillator zu
schwingen und beim Entfernen bricht die Schwingung ab.

2 - stufiger RC – Oszillator:
UB

RC

R1
CT T1
U1
T2
Ua
U2
C0 P
RE CK
R2 Cg

Verstärkung der 1. Stufe: U1 /U2 = V1 = (Z1 + Z2 )/Z2

Verstärkung der 2. Stufe: Ua/U1 = V2 = 1


(Kollektorstufe)

Mit P Einstellung des Verhältnisses: Ua/U2 = A

Es gilt: V1 * V2 * A = U1 /U2 * Ua/U1 * Ua/U2

Ohne Annäherung schwingt der Oszillator nicht, d.h. V1 * V2 * A < 1

Bei Annäherung schwingt der Oszillator, d.h. V1 * V2 * A > 1

Daraus folgt: V1 muss größer werden, damit Schwingbedingung erfüllt ist!


ω Cg
Das gelingt durch Vergrößerung von Cg bzw. durch Verkleinerung von 1/jω

Bei Annäherung wird Z2 kleiner! → V1 wird größer!

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Dehnungsmessstreifen (DMS):
Besteht aus einer mäanderförmig zwischen zwei isolierenden Schichten (Trägerfolie - Polyamid)
geklebten dünnen Folien aus elektrischem Widerstandsmaterial, die auf das zu untersuchende Objekt
geklebt wird und die dessen mechanische Formänderung (Dehnung, Torsion) mitmacht und diese als
Widerstandsänderung angibt:
∆R ∆l
=k⋅ = k ⋅ε
R l
k – 2,05 bei Konstantan, wie bei den meisten Metallen
4,00 bei Platin – Wolfram – Legierung
6,10 bei Platin
12,00 bei Nickel
bis 200 bei Silizium Messfeldlän
R – 100 bis 600 Ohm (Nennwerte 120 Ohm, 330 Ohm, 600 Ohm) ge
Temperaturbereich – 30 °C bis + 180 °C
Thermisch verursachtes Ausgangssignal:
- - 30 °C ------- + 20 °C nicht spezifiziert
- + 20 °C ------- + 160 °C + 2 µm Dehnung/°C (1µm = 0,0001 %)
- +160 °C ------- + 180 °C + 5 µm Dehnung/°C
Lebensdauer: 105 Lastwechsel bei 1000 µm Dehnung
Messung stationärer und dynamischer Dehnungen möglich.
Dehnung bzw. Stauchung darf nur innerhalb des Gültigkeitsbereiches des Hookschen Gesetzes
liegen, d.h. Dehnung ε = 0,001.
Auswahl des Klebers besonders wichtig, da Kleber die Längenänderung mitmachen muss.
Aufbau:
Folien – DMS Halbleiter - DMS
Messgitter Anschlussband
Abdeckung
15-25 µm
Zwischenleiter
(Gold)
Anschluss Träger

l Messstruktur Anschlussband
Für Metalle gilt: R= ρ⋅
A
Daraus ergibt sich für eine Widerstandsänderung dR:

δR δR δR l ρ l⋅ρ
dR = ⋅ dρ + ⋅ dl + ⋅ dA = dρ + dl + 2 dA
δρ δl δA A A A
l ρ l⋅ρ
dρ dl dA
dR A A A 2 dρ dl dA V
= + − = + − Für A = gilt nach Quotientenregel:
R ρ ⋅l ρ ⋅l ρ ⋅l ρ l A l
A A A l ⋅ dV − V ⋅ dl V ⋅ dl A ⋅ dl
dA = 2
=− 2 =−
dR dρ dl dl dl l l l
= + + = 2⋅ = 2 ⋅ε
R ρ l l l wegen dV=0, da keine Volumenänderung
erfolgt.

Bemerkung: = 0 , da keine Änderung des spezifischen Widerstandes!
ρ

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Dehnungsmessstreifen (DMS) - Fortsetzung:


DMS wird zur Bestimmung der Widerstandsänderung in Brückenschaltung betrieben:

Bei Brückenabgleich ist ig =0. Das bedeutet,


Rx R1
ix A i1 die Punkte A und B haben das gleiche
Potential.
Daraus ergibt sich:
R2 R3 u x u2
i2 ig i3 u x = u2 und u1 = u 3 bzw. =
u1 u3
B
Daraus folgt:
i x ⋅ Rx i2 ⋅ R2
=
i1 ⋅ R1 i3 ⋅ R3
Da im Falle des Abgleiches ix = i1 und i2 = i3 folgt:
Rx R2
=
R1 R3
R2 und R3 sind im allgemeinen dekadisch R2
einstellbar, dann wird Rx durch die Zahlenfolge R x = R1 ⋅
R3
von R1 angegeben.

Optische Sensoren:
Optische Sensoren basieren häufig auf Lichtreflexion (Reflexsensor).
Anwendungsbereiche liegen
- in der Abstandsmessung durch Punktauswertung und
- in der linienhaften Abtastung von Oberflächen zur Erfassung einer Gesamtoberfläche.
Zur Abstandsmessung sind Sende- und Empfangsoptik gegenüber dem Messobjekt unter einem
gleichen Winkel angeordnet. Zur Störunterdrückung (z.B. Tageslicht) wird Sendelicht gepulst.
Objekt

LED
Modulator

Verstärker

Fotodiode Demodulator
+∆a -∆a

Abstand a
Umax

Komparator
Referenzspan
U± ∆a

Anzeige
Ausgangssignal
Open-collector
Relais u.a.
Abstand a

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Optische Sensoren (Fortsetzung 1)


Einsatz von Lichtwellenleiter mit koaxialer, geteilter oder gemischter Anordnung von Beleuchtungs-
bzw. Rezeptorfasern. Damit sind auch Flächen bei geringstem Raumbedarf der Messanordnung
erfassbar.
Koaxiale Anordnung Geteilte Anordnung Gemischte Anordnung

Rezeptorfasern Rezeptorfasern

Beleuchtungsfasern
Beleuchtungsfasern
Ausführung Reflexsensor:
LED
Modulator

Verstär
Komparator
Fotodiode
Ausgang TTL

Optochemische Sensoren (Optoden):


Durch Veränderung des Laserlichtes in einer chemischen Substanz durch Absorption, Reflexion,
Fluoreszenz u.a. werden nach elektronischer Auswertung des reflektierten Laserstrahles
Rückschlüsse auf die Substanz gezogen. Der optische und der chemische Teil sind vollständig
getrennt.
Anwendung beispielsweise.
- Messung der Schadstoffkonzentration in der Umweltmesstechnik
- Messung von Korrosionsschutzschichten
Messaufbau:
Laserstrahl LWL

Prisma
Chemische
Substanz
(Messstelle)

Detektor-
elektronik

Sensor zur Feuchtigkeitsme ssung:


Anwendung zur Taupunktmessung durch
Veränderung der Permeabilität des Finger-
Kondensators:
∆ C = f(Feuchte)

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Chemische Sensoren
Chemische Sensoren basieren meistens auf Ausnutzung des Feldeffektes und arbeiten ähnlich wie
ein Feldeffekttransistor, wobei ein chemischer Prozess die Eigenschaften des npn-Überganges
steuert. Daraus ergibt sich die Bezeichnung ChemFET.
Prinzip: Der chemische Teil in Form eines Elektrolyten wird durch eine SiO 2 – Schicht vom
elektronischen Teil getrennt. Das Gate besteht aus einer Palladium-Schicht, die auf der SiO 2 –
Schicht in Form einer dünnen Membran aufgebracht wurde. Oberhalb des Gates befindet sich die zu
untersuchende chemische elektrolytische Lösung, bei der z.B. H2 durch Katalyse mit dem Palladium
in Wasserstoffionen H+ umgewandelt wird (Wasserstoff wird durch den Elektronenentzug oxidiert).
Durch die Ionenbildung entsteht ein elektrisches Feld, das das Gebiet zwischen den beiden n –
leitenden Gebieten beeinflusst. Die Beeinflussung erfolgt dadurch, dass das p-Substrat infolge der
Eigenleitung Elektronen und Defektelektronen (Löcher) als Minoritätsträger enthält und diese vom
Feld der Gate-Elektrode angezogen werden und einen n – leitenden Kanal zwischen Source und
Drain bilden.
Funktionsweise eines Feldeffektransistors:

SiO2 Metallgate SiO2 +3VMetallgate


0V
0V +12 V 0V +12 V
Source Drain Source Drain

n n n n
interne interne
Verbindung p-Substrat Verbindung p-Substrat

Aufbau eines ChemFET:


Gateelektrode
Palladiummembran + V Drainanschluss

Schutzschicht
Schutzschicht
Elektrolyt
Metallkontakt
Metallkontakt
Isolator

n n
Isolator p-Substrat SiO2

Anwendung:
- Messung der Konzentration von Wasserstoff (Wasserstoffionenkonzentration – pH-Wert)
- Messung wasserstoffhaltiger Gase (z.B. NH3 , H2 S)

Gateschicht dielektrisch (Al2 O3 , Si3 N4 , Ta2 O5 ): nachweisbare Substanzen Ca++, K+, Na+

Gateschicht kristallin (AgBr, AgCl): nachweisbare Substanzen Ag+, Cl-, F-, Br-

Gateschicht heterogen (Enzyme, Bakterien): nachweisbare Substanzen Penicillin, Glukose

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Aktoren in der Gerätetechnik – Grundlagen

Aktoren haben in der Gerätetechnik die Aufgabe, von der Steuerung vorgegebene Daten in
physikalische (mechanische, elektrische, thermische, akustische, optische) oder chemische Größen
zur Beeinflussung eines Prozesses umzusetzen. Der Informationsfluss wird mit einen Stoff- oder
Energiefluss verknüpft.
Zu beeinflussende physikalische Größen können sein:
mechanisch: Länge, Winkel, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Kraft, Moment, Druck
elektrisch: Spannung, Strom, Ladung, magnetische Feldstärke, magnetischer Fluss u.a.
thermisch: Temperatur, Wärmestrom, Wärmestrahlung, u.a.
akustisch: Schalldruck, Frequenz, Impuls, Schallleistung, Schallintensität u. a.
optisch: Wellenlänge, Lichtstrom, Lichtstärke, Leuchtdichte u.a.
Zu beeinflussende chemische Größen können sein: pH – Wert, Leitfähigkeit, Ionisierungsgrad,
Konzentration u.a.
Beispiele für Aktoren: Pumpen, Ventile, Motoren, Membranen, Elektroden, Spulen, Magnete,
Lampen, Widerstände u.a.

Begriff Freiheitsgrad:
Bei der Realisierung mechanischer Wirksysteme spielt der Begriff Freiheitsgrad eine entscheidende
Rolle.
Feststellung:
Ein sich völlig frei im Raum beweglicher Körper besitzt 6 Freiheitsgrade, d. h. 3 Freiheitsgrade für
translatorische Bewegungen in x-, y- und z – Richtung und 3 Freiheitsgrade für rotatorische
Bewegungen um die x-, y- oder z – Achse und keine Unfreiheiten.
Die technische Funktion eines mechanischen Gebildes entsteht im allgemeinen durch das
Zusammenwirken mehrerer Einzelteile, die fest oder beweglich zueinander angeordnet sind. Infolge
einer solchen Paarung mehrer Einzelteile in einem oder in mehreren Berührungspunkten wird der
Freiheitsgrad eingeschränkt. Betrachtet man eines der Teile als fest angeordnet, so hat das andere
Teilelement einen begrenzten Bewegungsbereich ohne das die Berührung aufgehoben wird. Die
verhinderte Bewegung (Translation oder Rotation) bezeichnet man als Unfreiheit.
Beispiele:
Kugel auf einer Fläche Kugel in Rille: Zylinder in Rohr:

1 Unfreiheit: 2 Unfreiheiten: 4 Unfreiheiten:


in z – Richtung keine Translation in 2 Richtungen keine Translation in 2 Richtungen keine Translation u.
5 Freiheitsgrade: 4 Freiheitsgrade: in 2 Orientierungen keine Rotation
2 Translationen, 3 Rotationen 1 Translation, 3 Rotationen 2 Freiheitsgrade:
u = 1; f = 5 u = 2; f = 4 1 Translation, 1 Rotation
u = 4; f = 2
2 aufeinanderliegende Platten

3 Unfreiheiten: Es gilt: u + f = 6 bzw. u = 6 - f


in 1 Richtung keine Translation
3 Freiheitsgrade:
2 Translationen, 1 Rotation
u = 3; f = 3

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Freiheitsgrad, Unfreiheit, Überbestimmtheit:


Die Unfreiheit eines aus mehreren Berührungspaaren zusammengesetzten Gebildes ergibt sich aus
der Summe der Unfreiheiten aller Berührungspaare.
n
uGebilde = ∑ uk
k =1
Bei einem Gebilde aus n Teilen ergibt sich bei einem als Bezugsteil vorgegebenen Teil die Summe
der maximal zulässigen Unfreiheiten zu:
n
Max ∑ u = 6( n − 1)
u =1

Treten mehr Unfreiheiten auf, ist das Gebilde überbestimmt (Überbestimmtheit).


Umgekehrt ergibt sich die Summe der maximal zulässigen Freiheitsgrade eines aus n Teilen
bestehenden Gebildes mit einem als Bezugsteil vorgegebenen Teil zu:
Max ∑ f = 6(n − 1) )
Der Freiheitsgrad F eines aus n Teilen bestehenden Gebildes (System) ergibt sich zu:
n n
F = Max∑ f − ∑ u k = 6( n − 1) − ∑ uk
k =2 k=2

1. Beispiel: 2. Beispiel: 3. Beispiel:


n3
n2
n1

F = 6(2 − 1) − 2 = 4 F = 6(2 − 1) − 4 = 2 F = 6(3 − 1) − (3 + 2) = 7


Bei festen Verbindungen ist die Anzahl der Unfreiheiten u = 6, d.h., der Freiheitsgrad f= 0.
Ist die Anzahl der Unfreiheiten größer als 6, dann ist eine Freiheit mehr als 1 mal gesperrt. Man
spricht dann von einer überbestimmten Verbindung, bei der im allgemeinen Zwangskräfte
entstehen. Überbestimmtheit liegt also auch vor, wenn eine Unfreiheit zwei- oder mehrfach erreicht
wird. Diese Überbestimmtheit ist deshalb besonders im Präzisionsgerätebau kritisch, da die
Zwangskräfte die Genauigkeit stark einschränken.
Beispiel für eine überbestimmte Paarung:

ungünstig, da radiale günstig, da radiale nur 1 mal festgelegt;


Festlegung 2 mal erfolgt, dadurch dadurch keine Zwangskräfte, aber volle
Zwangskräfte! Funktionserfüllung!

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Freiheitsgrad, Unfreiheit, Überbestimmtheit (Fortsetzung):

Beispiel für ein überbestimmtes System:

n3 – Spindel- n4 - Spindellagerung
Mutter

n2 – zu
führendes Teil
n1-Führung mit Mutter
(Zylinder)

n
Die maximal zulässige Anzahl von Unfreiheiten beträgt: Max ∑ u = 6( n − 1) = 18
n =1
Da das zu führende Teil nur 1 Freiheitsgrad besitzt, darf das System maximal 17 Unfreiheiten
haben, ansonsten ist es überbestimmt:
u zulässig ≤ 17 = 6(n − 1) − F
Das System besitzt jedoch mehr als 17 Unfreiheiten, ist also überbestimmt:
n1 – Führung: 6 Unfreiheiten
n2 – zu führendes Teil: 5 Unfreiheiten u = 6 n1 + 5 n 2 + 5n 3 + 5n 4 = 21
n3 – Spindel – Mutter: 5 Unfreiheiten
n4 – Spindelführung: 5 Unfreiheiten
Summe: 21 Unfreiheiten

Konstruktive Änderung zur Überführung in ein bestimmtes System:


n3 – Spindel n4 - Spindellagerung

n2 – zu
führendes Teil
n1-Führung
(Zylinder)

Das System besitzt jetzt folgende Unfreiheiten:


n1 – Führung: 6 Unfreiheiten
n2 – zu führendes Teil: 5 Unfreiheiten
n3 – Spindel: 1 Unfreiheit
n4 – Spindellagerung: 5 Unfreiheiten

Summe: 17 Unfreiheiten, entspricht also der maximal zulässigen Anzahl von 17.

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Freiheitsgrad, Unfreiheit, Überbestimmtheit (Fortsetzung 2):


Beispiel: Tisch mit 4 Beinen als überbestimmtes System
Ein Tisch muss 3 Unfreiheiten haben: 2 Rotationen und 1 Translation (in z – Richtung)
Besitzt also 3 Freiheitsgrade: 1 Rotation um die z – Achse, 1 Translation in x – Richtung,
1 Translation in y – Richtung.
Jedes Bein eines Tisches besitzt 1 Unfreiheit (Translation in z – Richtung). Bei 4 Beinen existieren
demnach 4 Unfreiheiten, so dass die maximale Anzahl von 3 Unfreiheiten überschritten wird.
Um die Bedingung nach maximal 3 Unfreiheiten einzuhalten, darf ein Tisch nur 3 Beine haben.
4 Beine führen zu Zwangskräften im Inneren des Tisches.

Statisch bestimmte Dreipunktaufstellung /1/:


Kräftepaarung mit Freiheitsgrad F = 0, daraus folgt, System muss maximal 6 Unfreiheiten besitzen,
um statisch bestimmt zu sein.

keine Translation
3 Rotationen
3 Rotationen 3 Unfreiheiten
zwei Translationen
1 Unfreiheit 1 Translation
3 Rotationen
2 Unfreiheiten
Anzahl der Unfreiheiten: Anzahl der Unfreiheiten:
A - 3 Unfreiheiten A – 2 Unfreiheiten
B - 2 Unfreiheiten B – 2 Unfreiheiten
C - 1 Unfreiheit C – 2 Unfreiheiten
6 Unfreiheiten 6 Unfreiheiten

Freiheitsgrade menschlicher Arm, bestehend aus Finger, Handgelenk, Ellenbogen und


Schulter (Bezugselement Körper):
Finger: jeweils 4 Freiheitsgrade = 16 Freiheitsgrade
Daumen: = 4 Freiheitsgrade
Handgelenk: = 3 Freiheitsgrade
Ellenbogen: = 1 Freiheitsgrad
Schulter: = 3 Freiheitsgrade
27 Freiheitsgrade
9
F = 6(n − 1) − ∑ uk = 6(9 − 1) − (4 ⋅ 2 + 2 + 3 + 5 + 3) = 27
k =1

/1/ Quelle: Krause, W.: Gerätekonstruktion in der Feinwerktechnik und Elektronik, Hanser – Verlag 2000

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Freiheitsgrad, kinematische Strukturen:

Struktur Drehen D Schieben S


Freiheitsgrad F = 1

Anzahl der Glieder n = 2

Anzahl der Gelenke g = 1

Arbeitsraum Arbeitsraum

Struktur DD DS

Freiheitsgrad F = 2
Arbeitsraum Arbeitsraum
Anzahl der Glieder n = 3

Anzahl der Gelenke g = 2 SD SS

Arbeitsraum Arbeitsraum

Struktur DDD DSS

Freiheitsgrad F = 3

Anzahl der Glieder n = 4

Anzahl der Gelenke g = 3

Arbeitsraum
Arbeitsraum

Weitere Anordnungen sind: DDS, SDD, SSD, DSD, SDS, SSS

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Beispiele für translatorische und rotatorische Freiheitsgrade bei Präzisionseinstellungen

Quelle: Krause, W.: Gerätekonstruktion in der Feinwerktechnik und Elektronik, Hanser – Verlag 2000

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Erzeugung von Kräften für aktorische Komponenten

1. Kraftwirkung auf elektrische Ströme in einem Magnetfeld:

1. Durch Überlagerung eines homogenen Magnetfeldes mit einem stromdurchflossenen Leiter


entstehen unterschiedliche Flussdichten, die den Leiter in Richtung der geringeren
Flussdichte verdrängen. Es entsteht eine elektrodynamische Kraft, deren Richtung nach der
sogenannten „Rechten – Hand - Regel“ bestimmt werden kann.
Ausgehend von energetischen Betrachtungen muss die dabei aufgewendete elektrische
Energie gleich der mechanischen Energie sein:
dWelekr = u ⋅ i ⋅ dt = dWmech . = F ⋅ ds
Nach dem Induktionsgesetz ergibt sich für die Spannung u:
dΦ B ⋅ dA ds
u= = = B ⋅l ⋅ = B⋅l⋅v
dt dt dt
ds
Damit ergibt sich F ⋅ ds = B ⋅ l ⋅ v ⋅ i ⋅ dt bzw. mit v=
dt
das elektrodynamische Kraftgesetz für einen senkrecht zum Magnetfeld verlaufenden
Leiter:

N
F = B ⋅l ⋅i S

i F

Verläuft der stromdurchflossene Leiter nicht senkrecht zum Magnetfeld, gilt:


F = B ⋅ l ⋅ i ⋅ sin (α )
wobei α der zwischen B und l eingeschlossene Winkel ist.
2. Für die Kraftwirkung auf parallelverlaufende stromdurchflossene Leiter gilt
entsprechend:
F12 = i1 ⋅ B2 ⋅ l = i1 ⋅ µ0 ⋅ H 2 ⋅ l
F F
Da nach dem Durchflutungsgesetz gilt
i2
H2 =
2π ⋅ d
ergibt sich µ0 ⋅ i1⋅ ⋅ i2 ⋅ l
F12 =
2π ⋅ d
F F
wobei d der Abstand zwischen den stromdurchflossenen Leitern ist.

3. Für die Kraftwirkung auf bewegte Ladungen in einem Magnetfeld gilt bei einem
zurückgelegten Weg dl :
dF = i ⋅ (dl * B )
dl
Mit v = ergibt sich die Lorentzkraft:
dt
dF = i ⋅ dt (v * B ) = dQ(v * B )
Die Lorentzkraft ist maximal, wenn v und B senkrecht aufeinander stehen.

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Erzeugung von Kräften für aktorische Komponenten (2)

2. Kräfte auf Ladungen im elektrischen Feld:


1
Für die Energie des Feldes zwischen zwei Elektroden ergibt sich: W = ⋅C ⋅U 2
2
A U 2 ⋅ε⋅ A
Mit C = ε ⋅ folgt: W =
d 2⋅l
dW A
Aus F = ergibt sich für die Kraftwirkung: ε
dl l

1 2 ε⋅ A 1 C2 1 C2
F =− ⋅U ⋅ 2 = − ⋅U 2 ⋅ = − ⋅U 2 ⋅
2 l 2 ε⋅A 2 ε0εr ⋅ A

Diese Kraftwirkung auf Ladungen kann zur Bewegungserzeugung ausgenutzt werden, wobei dazu
eine Elektrode beweglich anzuordnen ist.

Die Kraftwirkung ist proportional dem Quadrat der angelegten Spannung, der Dielektrizitäts-
konstanten ε sowie der Fläche A und ist umgekehrt proportional dem Quadrat des Abstandes l
zwischen den Elektroden.

Um eine Linearisierung der Abhängigkeit der Kraft von der Spannung U zu erhalten (erforderlich bei
der Nutzung des Prinzips als elektrostatischer Wandler) überlagert man einer anregenden
Wechselspannung U~ eine hohe Gleichspannung.
Es ergibt sich:
 U≈ 
U 2 = (U = + U ≈ )2 = U =2 + 2 ⋅U = ⋅ U ≈ + U ≈2 = U =2 + 2 ⋅U = ⋅ U ≈ 1 + 
 2 ⋅U = 
Daraus folgt für die Kraft F:
1 ε⋅ A   U≈  
F = − ⋅ 2 2 ⋅U = ⋅ U ≈  1 +  + U =2 
2 l   2 ⋅U =  
U≈
Damit eine Linearisierung F~U≈ eintritt, muss gelten: << 1 oder U= >>U≈
2 ⋅U=

58
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Erzeugung von Kräften für aktorische Komponenten AFe=ALuft=A

3. Kraftwirkung im Luftspalt eines Magneten. lFe


w

Für die in einer Spule gespeicherte Energie gilt: i


lLuft
1
W magn . = ⋅ L ⋅ i2
2
dW
Aus F = als Zusammenhang zwischen Energie
dl
2
und Kraft folgt: F = i ⋅ dL Für den magnetischen Widerstand im
2 dl Eisen und im Luftspalt gilt:
di dΦ lFe
Aus u = L ⋅ und u = w ⋅ ergibt sich mit RmagFe =
dt dt µ0 ⋅ µ Fe ⋅ A
Θ
Φ= und Θ = i⋅w l Luft
Rmagn. Rmagn .Luft =
µ0 ⋅ µLuft ⋅ A
di dΦ w dΘ w ⋅ w di w2 di
L⋅ = w⋅ = ⋅ = ⋅ = ⋅
dt dt Rmagn dt Rmagn . dt Rmagn . dt
w2 w2 1 w 2 ⋅ µ0 ⋅ A
bzw.: L = = = w2 ⋅ =
R magn. Rmagn.Fe + Rmagn.Luft l Fe l Luft l Fe l Luft
+ +
µ0 ⋅ µFe ⋅ A µ0 ⋅ µLuft ⋅ A µFe µLuft
lFe w 2 ⋅ µ0 ⋅ A
Da << lLuft folgt: L=
µ Fe l Luft
dL dL w ⋅ µ0 ⋅ A 2
1
Daraus ergibt sich für : =− 2
= −L ⋅
dl dl l Luft l Luft
bzw. für die Kraft
1 2 L 1 2 w2 ⋅ µ0 ⋅ A 1 Θ2
F = − ⋅i ⋅ = − ⋅i ⋅ 2
= − ⋅ 2 ⋅ µ0 ⋅ A
2 l Luft 2 l Luft 2 l Luft

1 H ⋅ l Luft
2 2
1 2 1 B2
F =− 2
⋅ µ0 ⋅ A = − H ⋅ µ0 ⋅ A = − ⋅ µ0 ⋅ A
2 l Luft 2 2 µ02

1 B2 ⋅ A
F =− ⋅
2 µ0

1 i 2 ⋅ w 2 ⋅ µ0 ⋅ A ist ersichtlich, dass die Kraftwirkung mit dem Flächenquerschnitt A


Aus F =− 2
2 l Luft
und mit dem Quadrat der magnetischen Spannung proportional sowie mit dem Quadrat des
Luftspaltes umgekehrt proportional zunimmt.
Hat der magnetische Kreis zwei Luftspalte, ergibt sich für die Kraft:

B2 ⋅ A
F =−
µ0

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Elektromagnetische Linearantriebe

Elektromagnetische Linearantriebe ermöglichen eine Translationsbewegung durch Direktantrieb.


Im Gegensatz dazu werden Translationsbewegungen häufig über Rotationsbewegungen erzeugt,
wobei durch mechanische Hilfsmittel (Spindel, Mutter, Zugmittel etc.) eine Umwandlung von
Rotation in Translation erfolgt.
Die Hauptfunktion der elektromagnetischen Linearantriebe lautet:
Erzeugung einer translatorischen Bewegung durch Direktantrieb
Das Verfahrensprinzip lautet:
Bewegung durch elektromagnetische Kräfte
Vorteile von Direktantrieben:
1. große Auflösung, d.h., kleinste Änderungen von Strom bzw. Spannung werden direkt in
translatorische Bewegung umgesetzt.
2. keine Verschleißteile, da keine Getriebe oder Übertragungsmittel erforderlich.
3. hoher Wirkungsgrad, da eine direkte Übertragung der mechanischen
Energie erfolgt und keine Reibungsverluste auftreten.
4. kurze Reaktionszeiten bis in den µs – Bereich
5. keine Verschmutzung, da keine Reibungsrückstände vorliegen (daher vorteilhafter Einsatz im
Vakuum und in Reinsträumen.
6. gute Integrationsfähigkeit in ein zu realisierendes System

Unterscheidung zwischen Linearantrieb und Linearmotor:


Linearantrieb: basiert auf Kräfte im Magnetfeld durch das Bestreb, den magnetischen Widerstand
(Reluktanz) zu minimieren.
Linearmotor: basiert auf die Wechselwirkung zwischen einem Magnetfeld und einem sich im
Magnetfeld befindlichen stromdurchflossenen Leiter (elektrodynamisches Prinzip).

Ausführungsformen von Linearantrieben:


1. Magnetomotor:
Gemäß Abbildung ist der vorhandene magnetische Kreis ist bestrebt, den Luftspalt zu
verkürzen und damit das Joch zu bewegen. Es kommt darauf an, die auf das Joch ausgeübte
Kraft zu steuern, indem der den magnetischen Fluss erzeugende Strom elektronisch geregelt
wird. Zur Regelung wird die in der Hilfswicklung induzierte Spannung genutzt, die abhängig
von der Luftspaltbreite ist.
Mit der in der Abbildung gezeigten Aktorik sind nur kleine Stellwege im Bereich von einigen
Millimeter bis in Nanometer realisierbar.
Für die Krafterzeugung,
Querschnitt A
d.h. für die Anzugskraft
gilt bei den vorhandenen
zwei Luftspalten: Stator
Hilfswicklung

B2 ⋅ A Spule
F =−
µ0

Luftspalte l Luft

Joch

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Elektromagnetische Linearantriebe (Fortsetzung):

Da die Bauformen von Elektromagneten sehr vielfältig sind, lässt sich eine günstige Anpassung an
die jeweiligen konstruktiven Erfordernisse relativ leicht erreichen.
Ausführungsbeispiel: Steuerung eines Spiegel zur Ablenkung lichtoptischer Strahlen
(Beispiel von CZ Oberkochen)

Wicklung 1

Spiegel

Wicklung 2

Aus dem Prinzip des Magnetomotors lässt sich eine elektromagnetische Lagerung ableiten.
Prinzip:
Zwei gegeneinander bewegliche Teile können berührungsfrei in einem konstanten Abstand senkrecht
zur Bewegungsrichtung durch ein Magnetfeld gehalten werden. Es kann ein „freies Schweben“ im
Magnetfeld realisiert werden.
Die Anwendbarkeit erstreckt sich auch auf rotierende Teile, wobei die radialen Kräfte durch
elektromagnetische Kräfte aufgenommen werden müssen. Im Gerätebau ist das bei sehr kleinen
Wellendurchmesser oftmals schwierig, da für den magnetischen Fluss ein bestimmter Querschnitt
zur Verfügung stehen muss. Magnetlager sind im Vergleich zu Luftlagerungen günstig, da geringe
Anforderungen an die Oberflächengüte gestellt werden und keine gereinigte Luftzufuhr erforderlich
ist. Es treten keine Verschleißerscheinungen auf.

Bei ruhenden Teilen wirkt die elektromagnetische Kraft der Gravitationskraft entgegen. Als
Gegenkraft ist auch die Kraftwirkung durch Dauermagnete geeignet, wodurch das System im
stromlosen Zustand gebremst wird.
Der Abstandssensor ermittelt die Luftspaltbreite für den Regelkreis des Magnetomotors.
Zur Lagerung von flächenförmigen Gebilden sind 4 Regelkreise erforderlich.
Anregungswicklung

Stator

Abstandssensor
Positioniertisch
Luftspalte l Luft

Joch

Dauermagnete

61
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Elektromagnetische Linearantriebe (Fortsetzung 2):

2. Hybridschrittmotor (permanenterregter Zweiphasen - Reluktanzmotor)


Der Hybridschrittmotor besteht aus einem Läufer und einem Stator. Der Läufer enthält
mindestens zwei Permanentmagnetsysteme, die einen konstanten magnetischen Fluss liefern.
Zusätzlich wird diesem konstanten Magnetfluss ein Magnetfeld überlagert, das durch
jeweils eine stromdurchflossenen Spule erzeugt wird. Dabei tritt in den Polen eine
Verstärkung bzw. eine Schwächung des Magnetflusses auf.
Infolge des Bestrebens, den magnetischen Widerstand (Reluktanz) zwischen den Läufer-
und den Statorpolen zu minimieren, tritt eine Kraftwirkung auf, die den Läufer bewegt.
Werden die zwei Wicklungen zeitlich versetzt von Strömen durchflossen, tritt eine
kontinuierlich Bewegung auf und man erreicht ein kontinuierliches Gleichlaufverhalten
bzw. man kann eine bestimmte Position ansteuern.
Permanentmagnet

Nach diesem Prinzip sind lineare Bewegungen möglich. Durch zwei Antriebssysteme sind
Bewegungen in einem x – y – Koordinatensystem realisierbar. Durch entsprechende
konstruktive Anpassung sind auch Rotationsbewegungen oder Hubbewegungen möglich. Die
Feinheit der Profilierung des Stators bzw. des Rotors bestimmt die Genauigkeit der
Bewegung.
Folgende Leistungsparameter sind erreichbar:
Geschwindigkeiten von 0,7 bis 2,5 m/s; Haltekräfte von 70 – 1000 N, Auflösung 0,6 – 2,5 µm
Positioniergenauigkeit von ± 0,01 mm; Wiederholgenauigkeit von ± 0,001 mm

Weitere Ausführungsformen von Linearantrieben: Stromdurchflossene


Dauermagnet Spule

S
N

S
Stromdurchflossene Dauermagnet
Spule
a) bewegliche Spule, feststehender Magnet
S N b) beweglicher Magnet, feststehende Spule
c) beweglicher Magnet im Magnetfeld:
N Die im Luftspalt erzeugten Felder sind
entgegengesetzt gerichtet. Der Dauermagnet wird
S
aus einem Spulenkreis herausgedrängt und in den
anderen hineingezogen.
N S

62
Positioniertisch nach dem elektrodynamischen Antriebsprinzip

Kraftgepaarte Rollenführung
Führungskreuz
Z
Tisch
X Erregermagnetkreis

Dauermagnete
Tauchspule
luftgelagerter Fuß
Führungsfläche
Stahlguß- oder
Granitplatte

63
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Schnittstellenbeschreibung - Kommunikationsschnittstelle
- Kommunikationsschnittstellen stellen Leitungen und Busverbindungen zwischen den
Steuerungen verschiedener Geräte dar, um eine Kommunikation zwischen verschiedenen
Geräten zu ermöglichen.
- Kommunikationsschnittstellen setzen eine eindeutige geometrische Form und eindeutige
Steckerbelegung voraus.
- Des weiteren sind Vereinbarungen über die elektrische Darstellung der Signale, über die
Sicherung gegen Übertragungsfehler, über die Synchronisation und über den Ablauf der
Vermittlungsvorgänge erforderlich.
- Die Kommunikationsschnittstellen sind externe Schnittstellen.
- Die Komplexität der Abläufe erfordert eine eindeutige Aufgliederung der
Kommunikationsvorgänge in verschiedene Schichten.
Die Aufgliederung der Kommunikationsvorgänge in verschiedene Schichten wird durch das
7 - Schichten - Modell für die Kommunikation offener Systeme beschrieben.
(OSI - 7 - Schichten - Modell, OPEN SYSTEM INTERCONNECTION):
Inhalt Analogie
7. Schicht: Konkretisierung und Ausführung der Chef formuliert die
Aufgaben. Daten stehen für die Ver- Aufgabe
arbeitung zur Verfügung.
(Verarbeitungsschicht, [Application Layer])
6. Schicht: Anpassung der Aufgabe an das Kommuni- Übersetzer übernimmt die
kationssystem. Anpassung an die Sprache.
(Darstellungsschicht, [Presentation Layer])
5. Schicht: Eröffnung der Kommunikationsbeziehungen. Sekretärin stellt die Ver-
(Ablage in Datenpuffer, Prioritätsfestlegung) bindung her.
(Kommunikationssteuerschicht,[Session L.])
4. Schicht: Festlegung der Transportverbindung zur Telefonvermittlung
Nachrichtenquelle (Namen, Nertwerkadresse)
(Transportschicht,[Transport Layer])
3. Schicht: Festlegung des Übertragungsweges (Weg- Fernsprechknoten
findung, Routing) Nebenstellenanlagen
(Vermittlungsschicht, [Network Layer])
2. Schicht: Sicherung der Übertragung (Systemverbin- Telefonanlage
dung,Prüfsummenbildung)
(Sicherungsschicht, [Link Layer])
1. Schicht: Übertragung der Nachricht, Erzeugung der Telefonapparat, Modem
elektrischen Signale
(Bitübertragungsschicht, [Physical Layer])

Schicht 7, 6 und 5 stellen Anwendungsprotokolle dar und sind Übergabeschnittstellen


(Software).
Schicht 4, 3, 2 und 1 stellen Transportprotokolle (transportierende Schichten) dar und
sind hardwaremäßig realisiert.
Zur Beschreibung der einzelnen Abfolgen der einzelnen Schritte eignen sich Zustandsgraphen und -
matrizen.

64
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Schnittstellen (Interfaces):
Allgemeines:
Schnittstellen dienen dem Zweck, zwei oder mehrere Geräte miteinander so zu verbinden, dass eine
Kommunikation zwischen ihnen möglich wird. Sie sind gekennzeichnet durch bestimmte vereinbarte
elektrische, funktionale und mechanische Eigenschaften. In Analogie dazu ist die Kommunikation
zwischen zwei oder mehreren Menschen auch nur möglich, wenn sie die gleiche Sprache sprechen
(elektrische Eigenschaften), die gleichen Begriffe verwenden (funktionale Eigenschaften) und wenn sie
nicht taub oder stumm sind (mechanische Eigenschaften).
Bei mehr als zwei miteinander kommunizierenden Geräten spricht man von Bussystemen oder von
Netzen.
Bussysteme: Alle Geräte (Kommunikationspartner sind an einem Leitungsbündel parallel
angeschlossen. Eine hohe Übertragungsgeschwindigkeit ist dadurch realisierbar.

Eine Busverwaltung ist erforderlich, da


1. nicht alle Geräte gleichzeitig Nachrichten senden dürfen und
2. nur die Geräte empfangen dürfen, für die eine Nachricht bestimmt ist.
Die Busstruktur besteht aus einen bidirektionalen Datenbus und einem meist unidirektionalen
Adressbus.
Netze: Netze beinhalten eine relativ lose Verkopplung von Einzelgeräten (meist Rechner) über
z.T. große Entfernungen.
Beispiel: Vernetzung von Rechner in einem Fertigungssystem

Sensor Messgerät

Messrechner

Termine Roboter

Material Logistik- Steuerungs-


rechner rechner

Transport
Roboter

Netz zu Informations-
Auswerterechner übertragung mit festgelegtem
Protokoll

Statistik Qualität Kosten

65
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung „Gerätekonstruktion“

Schnittstellen – serielle und parallel Datenübertragung:


seriell
10110110 10110110 10110110

parallel

1 1
0 0
1 1
1 1
0 0
1 1
1 1
0 0

Zur Informationsübertragung ist eine „Verständigung“ zwischen „Sender“ und „Empfänger“


erforderlich, damit Empfang bzw. die Sendung eindeutig ablaufen. Sender und Empfänger müssen ihre
Sende - bzw. Empfangsbereitschaft angeben, bevor Daten übermittelt werden (Handshake). Diese
Verständigung (Kommunikation) kann über eine Leitung im Rahmen eines Software – Handshakes
oder über mehrere Leitungen im Rahmen eines Hardware– Handshakes erfolgen:

Software – Handshake Hardware – Handshake


Sender Empfänger Sender Empfänger
Datenleitung
S sendebereit ! E S E
Handshake - Leitungen

empfangsbereit ! S Sendebereitschaft E
S E

Datenübermittlung S E
S E Empfangsbereitschaft

Daten erhalten! Datenübermittlung


Zeit
S E S E

Technische Ausführungen von Schnittstellen (Beispiele):

Schnittstellen

serielle Schnittstellen parallele Schnittstellen

V.24 TTY X.24 Centronics IEEE 1284 IEC 625

66
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Parallele Schnittstellen:
1. Centronics - Schnittstelle
War ursprünglich nur für das Senden von Daten von der Firma Centronics als Druckerhersteller
entwickelt worden. Später Erweiterung durch IBM, Lexmark und Xerox für bidirektionalen
Datentransfer auf Gerätetypen wie Scanner, Fax, Drucker und Streamer (Enhanced Parallel Port unter
IEEE - 1284 ). Über einen sternförmigen Verteiler (Hub) können mehrere Einzelgeräte an eine IEEE –
1284 Schnittstelle angeschlossen werden. Die Übertragungsraten betragen 2 Mbyte/sec bei einer
Übertragungslänge von max. 12 m (möglichst nur 1 – 2 m)
Die Ausführung der Centronics – Schnittstelle erfolgt über 36 – poligen Centronic – Steckverbinder
oder 25 – poligen IBM – PC – Steckverbinder.

18 17 16 15 14 13 12 11 10 9 8 7 6 5 4 3
2 1

36 35 34 33 32 31 30 29 28 27 26 25 24 23 22 21 20
19

Stift Signal Bedeutung Richtung


1 STROBE Signal zur Datenübernahme Eingang
2– 9 DATA 1 - 8 Datenbits Eingang
10 ACKNLG Quittungssignal für Drucker Ausgang
11 BUSY Wartesignal Ausgang
12 PE Meldsignal „paper end“ Ausgang
13 SLCT Drucker ist selektiert, d.h. online Ausgang
14 AUTO FEED Automatischer Zeilenvorschub Eingang
15 - nicht benutzt
16 - nicht benutzt
17 GND Masse Druckergehäuse
18 +5V Spannungsversorgung
19 – 30 GND Masseleitungen
31 INIT Druckerinitialisierung Eingang
32 ERROR Fehlermeldung Ausgang
33 GND Masseleitung
34-35 - nicht benutzt
36 SLCT IN spricht Drucker an Eingang
Funktionale Festlegungen:
1. Datenleitungen: 8 Datenleitungen zur parallelen Datenübertragung; parallel zu Datenleitungen
liegen Masseleitungen (Stift 19 – 30) zur Abschirmung
2. Steuerleitungen:
STROBE: Auftaktsignal, Sender meldet, dass Daten bereitstehen und
empfangen werden können (bei IEC Bus DAV)
ACKNOWLEDGE: Quittierungssignal, Empfänger quittiert Datenempfang (bei
IEC – Bus NDAC)
BUSY: Wartesignal, Empfänger signalisiert, dass er noch mit
Datenverarbeitung „beschäftigt“ ist (bei IEC – Bus NRFD)
INIT: Rücksetzsignal, Empfänger wird in Grundstellung gebracht
3. Meldeleitungen: Melden dem Sender den Zustand der Empfangseinheit
PE: Paper End, meldet Papierende
ERROR: Signalisiert Fehlermeldung
4. Stromversorgungsleitungen: TTL – Pegel: 0 V< US < 0,8 V entspricht log. „1“
2,4 V < US < 5 V entspricht log. „0“

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Parallele Schnittstellen:
2. IEC – 625 (GPIB – General Purpose Interface Bus)
Anwendung bei der Zusammenschaltung von Messsystemen. Normung nach IEC–625 mit 25–pol.
Steckverbinder (Cannon SV) oder nach IEEE 488 mit 24 – pol. Amphenol – Steckverbinder.
Entwicklung: 1965 Interface – Bus von Hewlett Packard
1975 IEC - Bus Entwurf (Vereinbarung zwischen amerikanischen und deutschen
Unternehmen), ANSI – Mc 1.1
1. IEC – Bus bzw. als DIN ISO 625 übernommen
Pinbelegung und Anschlussnummerierung:
IEEE – 488 – Steckverbinder
Kontaktnummer Bezeichnung Bedeutung (24 poliger Amphenol – SV)
IEC – 625 IEEE - 488
1-4 1-4 DIO1 – DIO4 Data In Out 12 1
5 17 REN Remote Enable
6 5 EOI End Or Indentify
7 6 DAV Data Valid
24 13
8 7 NRFD Not Ready for Data
9 8 NDAC Not Data Accepted IEC 25- poliger Cannon SV
10 9 IFC Interface Clear
11 10 SRQ Service Request 25 14

12 11 ATN Attention
13 12 - Abschirmung
14 - 17 13 - 16 DIO5 – DIO8 Data In Out 13 1
18 - 25 18 - 24 GND Ground
Angeschlossene Geräte werden nach
1. Steuergerät (Hörer, Sprecher, Controller z.B. PC als Steuerrechner)
2. Hörer (Listener) z.B. Drucker, Plotter
3. Sprecher (Talker) z.B Signalgeneratoren
4. Hörer und Sprecher z.B. Messgeräte unterschieden.
Unterscheidung von:
1. Datenleitungen
2.Handshake – Leitungen (Übergabesteuerbus):
DAV - Data Valid; Daten stehen bereit (entspricht STROBE bei Centronics)
NRFD -Not Ready for Data; keine Bereitschaft zur Datenübernahme (ist noch „beschäftigt“)
NDAC - No Data Accepted; keine Datenübernahme (entspricht ACKNOWLEDGE bei C. )
3.Steuerleitungen (Steuerbus):
REN - Remote Enable (Fernsteuersignal, Umschaltung der Geräte von Lokalbetrieb auf
Fernsteuerbetrieb)
EOI - End Or Identify (Ende oder Identifikationszeichen)
1.Wird EOI von einem Talker gesendet (EOI = „1“), so kennzeichnet das letzte
Byte eines Datenblockes; in diesem Fall ist die Leitung ATN = „1“
2.wird EOI vom Controller gesendet und ist ATN „1“, so fordert der Controller alle
angeschlossenen Geräte auf zu melden, welches Gerät einen Datentransfer benötigt
(parallel polling – Parallelabfrage)
IFC - Interface Clear , wird vom Controller gesendet und versetzt alle Geräte in einen
definierten Anfangszustand
SRQ - Service Request (Bedienungsanforderung); SRQ = „1“ – Controller erkennt, dass ein
Geräte senden will
ATN - Attention (Achtungssignal), wird vom Controller aktiviert und zeigt an, ob auf dem
Bus Befehle (ATN = „1“) oder Daten (ATN = „0“) übertragen werden.

68
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Parallele Schnittstellen:
2. IEC – 625 (Fortsetzung 1)
Elektrische Festlegungen:
- TTL – Pegel mit negativer Logik
- 0 V < US < 0,8 V logisch „1“
- 2,4 V < US < 5 V logisch „0“
- maximal 15 Geräte anschließbar, Entfernung der Geräte < 2 m
- Gesamtkabellänge < 20 m
- Ausgabegeschwindigkeit: < 250 Byte/sec – 1 MByte/sec
Übergabe -
Gerät A steuerbus
kann steuern, sprechen
und hören
(Rechner)

Gerät B
kann sprechen und
hören
(Messgerät)

Gerät C
kann nur hören
(Drucker)
Listener
Daten-
bus

Gerät D
kann nur sprechen
(Signalgenerator)
Talker

Data
Steuerbus

ATN
IFC
SRQ
REN
EOI
Bedingungen:
- nur 1 Sender darf aktiv sein
- Senden nur, wenn alle angesprochenen Empfänger bereit sind
- Abschluss jeder Datenübertragung erst dann, wenn alle Empfänger ihre Fertigmeldung
(NDAC = „0“) gesendet haben
- mehrere Listener sind gleichzeitig zulässig

69
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Parallele Schnittstellen:
2. IEC – 625 (Fortsetzung 2)

Ablauf der Datenübermittlung bei 1 Talker und 1 Listener (2 – Draht – Handshake):

Daten

Talker NDAV Listener


NDAC

Data
Talker

1.Datenbyte 2.Datenbyte 3.Datenbyte

t
1 4 1
DAV 4
Talker 5
5
Daten Daten
gültig gültig

t
2 3 2 3
DAC
Listener
Daten Daten
übernommen übernommen

t
Ablauf:
- Talker legt 1. Datenbyte auf die Datenleitungen DIO1 ... DIO8.
- Talker meldet dem Listener über die Leitung DAV, dass Daten gültig sind (1)
- Listener übernimmt Daten und meldet dies dem Talker (2)
- Talker nimmt das DAV – Signal zurück (3) und löscht das 1. Datenbyte (4)
- Listener meldet dem Talker die Verarbeitung der Daten (5) und Talker stellt 2. Datenbyte zur
Verfügung

Zweidrahtleitung funktioniert bei 2 Listener mit unterschiedlichen Verarbeitungszeiten trotz


konjunktiver Verknüpfung der DAC – Leitungen nicht mehr.
Ablauf:
- Talker legt das 1. Datenbyte auf die Datenleitungen DIO1 ... DIO8.
- Talker meldet den Listenern über die Leitung DAV die Gültigkeit der Daten (1)
- Listener 1 und Listener 2 übernehmen die Daten und aktivieren die UND – verknüpften
Leitungen DAC 1 und DAC 2 (2).
- Talker nimmt DAV – Signal zurück (3) und löscht das 1. Datenbyte (4).
- Da Listener 1 ein längere Verarbeitungszeit benötigt als Listener 2, führt die einfache UND
– Verknüpfung der DAC – Leitungen zu einer zu frühzeitigen Bereitstellung des 2.
Datenbytes.

Deshalb Notwendigkeit der Einführung einer weiteren Handshake – Leitung NRFD !

70
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Parallele Schnittstellen:
2. IEC – 625 (Fortsetzung 3)

Ablauf der Datenübermittlung bei 1 Talker und 2 Listener (2 – Draht – Handshake):


Daten
Listener 1

DAV
DAC1
Talker DIO

DACB

Listener 2
UND-Verknüpfung: DAC2
DACB =DAC1 ∧ DAC2
DIO

1. Datenbyte 2. Datenbyte 3. Datenbyte

t
1 4 1
DAV

Daten gültig Daten gültig Daten gültig

t
5
DAC1

Listener 1 übernommen

3 2 t
2
DAC2 Listener 2 Listener 2 Listener 2
übernommen übernommen übernommen

DACB
übernommen übernommen übernommen

Listener 2 hat Daten noch nicht übernommen, da noch mit Verarbeitung des 1. Datenbyte
beschäftigt! Zweidrahtleitung geht nicht bei 1 Talker und 2 Listener!
⇒ Notwendigkeit der Einführung einer dritten Handshake-Leitung NRFD

71
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Parallele Schnittstellen: IEC – 625 (Fortsetzung 4)


3 – Draht - Handshake
Festlegungen:
1. Jede Datenübertragung wird erst begonnen, wenn alle Empfänger ihre Bereitschaft zur
Datenübernahme gesendet haben: NRFD = logisch „0“ (RFD = „1“)
2. Jede Datenübertragung wird erst dann abgeschlossen, wenn alle Empfänger ihre
Fertigmeldung gesendet haben: NDAC = logisch „0“ (DAC = „1“)
Ablauf:
- Sender legt 1. Datenbyte auf die Datenleitung DIO1 ... DIO8.
- Empfänger signalisieren Empfangsbereitschaft, indem sie die RFD auf „1“ legen und die
Leitung DAC auf „0“ bleibt (noch keine Daten übernommen) (1)
- Der Sender meldet die Gültigkeit der Daten, indem DAV auf „1“ gesetzt wird.
- Die Empfänger setzen die RFD auf „0“ (keine weitere Datenübernahme) (2).
- Die Empfänger melden die Übernahme der Daten (3). Haben alle Empfänger die Daten
übernommen, wird DAC auf „1“ gesetzt.
- Der Sender nimmt die Gültigkeit der Daten zurück (DAV = „0“) (4) und löscht das
1. Datenbyte; anschließend wird das 2. Datenbyte zur Verfügung gestellt (5).
- Nach Abarbeitung der übernommenen Daten durch alle Empfänger wird DAC auf „0“
gesetzt (6).
- Nach Bereitschaftserklärung aller Empfänger zur Datenübernahme (7) kann erneut die
Gültigkeit der Daten durch DAV = „1“ erklärt werden .

DIO
1. Datenbyte 2. Datenbyte

5
DAV
Daten gültig Daten gültig

1
2 4 1

RFD
Empfangs- keine Empfangs-
bereitschaft Empfangsbereitschaft bereitschaft

t
6
3 7
DAC
Übernahme der Daten

Wartezeit

72
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Serielle Schnittstellen und Bussysteme


Allgemeines:
Anwendung dort, wo hohe Zuverlässigkeit gefordert wird, da Anzahl der Steckverbinderkontakte
gering. Anwendung z.B. in Flugzeugen (MIL –StD 1553 B) oder in Fahrzeugen (CAN/AN 82526).
Sie sind ausgestattet mit Lichtwellenleiter und Koaxkabel und besitzen eine
Übertragungsgeschwindigkeit von 10 kBit/sec – 1 Mbit/sec.

RS 232 – Schnittstelle
Serielle Schnittstelle für ein analoges Datennetz. Wurde von der EIA (Electronic Industries
Association) funktionell, elektrisch und mechanisch standardisiert. Entspricht funktionell der V.24,
elektrisch der V. 28 und mechanisch der ISO 2110. Die DIN 66020 ist an diese Empfehlungen
angelehnt.
Ist mit einem 25 – poligen Steckverbinder nach DIN 2110 ausgestattet (lötbar oder
Quetschverbindung):

1 13

14 25

Anschlüsse:
Datenleitungen: nur 2 erforderlich, da serielle Übertragung
- Anschluss 2: TxD Sendedaten (Transmit Data)
- Anschluss 3: RxD Empfangsdaten (Received Data)
Steuerleitungen: Dienen zum Ein- und Ausschalten des Senders vom Empfänger aus und zur
Festlegung des Übertragungszustandes des Senders
- Anschluss 4: RTS Sendeteil einschalten (Request To Send)
- Anschluss 20: DTR Endgerät betriebsbereit (Data Terminal Ready)
Meldeleitungen: Signalisieren Betriebs- und Sendebereitschaft des Senders (CTS und DSR)
und zeigen mit DCD an, ob bei den empfangenen Informationen die richtigen
Pegelverhältnisse gelten
- Anschluss 5: CTS Sendebereitschaft (Clear To Send)
- Anschluss 6: DSR Betriebsbereitschaft des Datenendgerätes (Data Set Ready)
- Anschluss 8: DCD Empfangssignalpegel (Data Channel Received Line Signal Detector)
Taktleitungen: Dienen der synchronen Datenübertragung durch Übermittlung des Sende- und
Empfangsschritttaktes des Senders zum Empfänger bzw. Empfänger zum S.
- Anschluss 15: TC Sendeschritttakt von DÜE (Transmit Clock)
- Anschluss 17: RC Empfangsschritttakt von der DÜE (Receiver Clock)
- Anschluss 24: Sendeschritttakt zur DÜE (Transmit Clock DTE)
Stromversorgung und Pegelfestlegung:
- 15 V < US < - 3 V (logisch „0“)
+ 3 V < US < + 15 V (logisch „1“)
- Anschluss 1: PE Schutzerde (Protectiv Ground)
- Anschluss 7: GND Betriebserde (Signal Ground)
Häufig genügt 9 – poliger SV, da für viele Anwendungen nicht alle Leitungen benötigt werden.
1 5 1: DCD 6: DSR
2: RxD 7: RTS
3 : TxD 8: CTS
4: DTR 9: RI (Ringindikator)
9 5: GND
6

73
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Serielle Schnittstellen und Bussysteme (Fortsetzung): RS232

1 Schutzerde PG

Datenübertragungseinrichtung DÜE
2 Sendedaten TxD

Datenendeinrichtung DEE
3 Empfangsdaten RxD
4 Sendeteil einschalten RTS
5 Sendebereitschaft CTS
z.B. Mikrorechner
6 Betriebsbereitschaft DSR

z.B. Modem
7 Signal - Betriebserde GND
8 Empfangssignalpegel DCD
15 Sendeschritttakt von DÜE TC
17 Empfangsschritttakt von DÜE RC
20 Endgerät betriebsbereit DTR
22 ankommender Ruf (Ringindikator) RI
24 Sendeschritttakt zur DÜE DTE

Verbindungen:
Computer Drucker (DEE DÜE)
Computer Modem (DEE DÜE)
Computer Computer (DEE DEE)
Verbindungsarten: Gerätetyp entscheidet, ob eine Leitung als Eingang oder als Ausgang
verwendet wird.

Software – Handshaking:

1. Zweidraht - Handshake: XON/XOFF – Protokoll

Es werden nur die Sendeleitung TxD, die Empfangsleitung RxD und die Betriebserde SG
benötigt.
DEE (Rechner) DÜE
(Sender) (Empfänger)

TxD 2 2 TxD

RxD 3 3 RxD

GND7 7 GND

Empfänger sendet bei Empfangsbereitschaft einen XON - Code (meistens ASCII - Gerätesteuer-
zeichen DC1 - "11H").
Wenn der Sender dieses Steuerzeichen erkannt hat, sendet er Daten.
Hat der Empfänger genügend Daten übernommen, sendet er das XOFF (ASCII - Gerätesteuerzeichen
DC3 - "13H") an den Sender.
Dieser stoppt die Datensendung und sendet erst dann wieder, wenn der Empfänger seine Bereitschaft
mit XON meldet.

Bemerkung: Die Kodierung der Steuerzeichen XON und XOFF kann unterschiedlich sein.

74
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Software – Handshaking (Fortsetzung):


2. Dreidraht - Leitung: ETX/ACK – Protokoll
Einsatz einer zusätzlichen Steuerleitung
DEE (Rechner) DÜE
(Sender) (Empfänger)

TxD 2 2 TxD

RxD 3 3 RxD

DSR 6 20 DTR

GND7 7 GND

Anwendung bei der Übertragung von "Datenpaketen" bestimmter Länge (Länge ist abhängig von
Pufferkapazität des Empfängers).
Liegt Datenübernahme - Bereitschaft des Empfängers vor, signalisiert er dies dem Sender mit DTR
"1" und mit der Übertragung des Signals ACK ("06 H").
Der Sender übermittelt sein Datenpaket und schließt die Sendung des Datenpaketes mit dem Zeichen
ETX ("03H") ab.
Der Empfänger verarbeitet die Daten und sendet seine erneute Empfangsbereitschaft mit dem
Zeichen ACK ("06H").

Hardware – Handshaking

1. RTS/CTS - Protokoll
DEE (Rechner 1) DEE (Rechner 2)
(Sender) (Empfänger)
TxD 2 2 TxD
RxD 3 3 RxD
RTS 4 4 RTS
CTS 5 5 CTS
DSR 6 6 DSR

DTR 20 20 DTR

SG 7 7 SG

Handshake - Ablauf:
- Sender (Rechner 1) ist zur Datenübertragung bereit und meldet dies dem Empfänger
(Rechner 2) durch RTS „EIN“
- Empfänger (Rechner 2) meldet seine Empfangsbereitschaft durch RTS „EIN“
- Sender (Rechner 1) beginnt mit der Datenübermittlung auf TxD, wenn er den EIN - Zustand
des Empfängers auf seiner CTS Leitung erkennt
- nimmt der Empfänger sein RTS - Signal zurück (RTS „AUS“), beendet der Sender
seine Datenübertragung und wartet auf erneute Empfangsbereitschaft

Für die Umsetzung der TTL – Pegel in die V.24 – Pegel und umgekehrt sind spezielle Bausteine
erforderlich.

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Datenkommunikation zwischen Datenendeinrichtungen (DEE) über Modems (DÜE)

RS 232 Telefonleitung RS 232


DEE 1 DÜE 1 DÜE 2 DEE 2

1. DEE 1 erhält DSR von Modem 1 DEE 2 erhält DSR von Modem 2
DSR DSR
2. DEE 1 erklärt Betriebsbereitschaft mit DTR DEE 2 erklärt Betriebsbereitschaft mit DTR
DTR DTR
3. DEE 1 will senden und macht RTS aktiv
RTS
4. Modem 1 gibt Datenträger auf die Leitung Datenträger Modem 2 erkennt Datenträger und gibt dies
und erklärt seine Sendebereitschaft durch auf Leitung weiter an DEE 2 durch DCD
CTS an DEE 1 DCD
CTS
5. DEE 1 sendet Daten auf TxD an Modem 1
Daten
6. Modem 1 übermittelt Daten an Modem 2 Datenübermittlung Modem 2 empfängt modulierte Daten und
übergibt diese an DEE 2 auf RxD
Daten
7. RTS wird inaktiviert,
dadurch Ende der DÜ angezeigt
RTS
8. Modem 1 schaltet Datenträger ab kein Datenträger Modem 2 erkennt keinen Träger mehr
und inaktiviert CTS und macht DCD inaktiv
CTS DCD
9. DEE 2 will Bestätigung senden und
aktiviert RTS
RTS
10. Modem 1 erkennt Datenträger und Datenträger Modem 2 gibt Datenträger auf die Leitung
gibt dies weiter an DEE 1 auf Leitung und erklärt seine Sendebereitschaft durch
durch DCD CTS an DEE 2
DCD CTS
11. Modem 1 empfängt modulierte Daten Datenübermittlung DEE 2 sendet Daten auf TxD an Modem 2
und übergibt diese an DEE 1 auf RxD
Daten
12. RTS wird inaktiviert, dadurch Ende
der DÜ angezeigt
RTS
13. kein Datenträger Modem 2 schaltet Datenträger ab

14. Modem 1 erkennt keinen Datenträger mehr


und macht DCD inaktiv
DCD
15. Modem 2 inaktiviert CTS
CTS

DSR - Data Set Ready (Betriebsbereitschaft des Datenendgerätes)


DTR - Data Terminal Ready (Endgeräte betriebsbereit)
RTS - Request To Send
CTS - Clear To Send
DCD - Data Channel Received Line Signal Detector
TxD - Transmit Data
RxD - Received Data

Quelle: Wittgruber, F.: Digitale Schnittstellen und Bussysteme, vieweg Verlagsgesellschaft, 1999

76
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Optische Funktionsgruppen
Funktionen optischer Funktionsgruppen:
1. Lichtablenkung durch Brechung, Spiegelung u.a.
2. Lichtveränderung hinsichtlich Intensität durch Absorption, Polarisation, Streuung , Beugung
u.a.
3. Begrenzung eines Lichtquerschnittes
4. Darstellung von Zeichen und Markierungen
5. Hüll- und Schutzfunktion
Strukturelle Umsetzung durch:
1. Linsen, Prismen, Spiegel u.a.
2. Mattscheiben, Filter, Polarisatoren, Beugungsgitter u.a.
3. Blenden
4. Skalen, Fadenkreuze, Teilkreise u.a.
5. Glaskolben, Küvetten, Abdeckgläser u.a.
Die Struktur optischer Funktionsteile beschränkt sich im wesentlichen auf runde oder
prismatische Körper, die in zylindrischen oder rechteckigen Körpern bzw. in ebenen
Flächen zu fixieren sind. Dieses Fixieren wird in der Optik als F a s s e n bezeichnet. Es
beinhaltet also das Halten von Optikteilen in verschiedenen Gehäuseformen, die ihrerseits
wiederum in Gehäuse unterzubringen sind.
Optikschema:
Das Optikschema bildet die Grundlage für die konstruktive Umsetzung einer optischen Funktion.
Es ist etwa mit dem Schaltplan in der Elektronik zu vergleichen. Das Optikschema stellt in einer
schematischen Form alle optisch wirksamen Bauteile, deren Abmessungen (Durchmesser, Dicke,
Krümmungsradius usw.) und Materialeigenschaften(z.B. Brechungsindex), die erforderliche
Oberflächenbeschaffenheit (z.B. Verspiegelung, Entspiegelung), die Lage der Bauteile zueinander
und den Verlauf des Strahlenganges dar.
Das Optikschema ist die Grundlage für den Konstrukteur, das optische System konstruktiv
umzusetzen, d.h., die Optikteile zu fassen und diese Teile für das Fassen vorzubereiten
(Facettieren). Der Konstrukteur muss die Dokumentation für die spezielle Bearbeitung der Teile
erstellen (z.B. Verspiegelung der Teile, Entspiegelung u.a.). Der Konstrukteur darf das
Optikschema nicht verändern. Auch Teilsysteme in Form von einzelnen Funktionsgruppen dürfen
nicht mit anderen Teilsystemen ohne weiteres kombiniert werden, da jedes Teilsystem
Abbildungsfehler besitzt und im Verbund mit anderen entsprechend korrigiert werden muss.

Optische Bauteile und Systeme – wesentliche Konstruktionsgrundsätze:


1. Optische Bauteile müssen eindeutig und fest in einer Fassung fixiert werden, da geringste
Abweichungen (im µm – Bereich) zu einer Veränderung der Eigenschaften führen können.
Muss ein Optikteil in seiner Lage veränderbar sein, so wird die gesamte Fassung mit dem
Optikteil bewegt.
2. Die Befestigungskraft muss etwa der Eigenmasse des Optikteils entsprechen (1 g). Bei
stoßartiger Beanspruchung muss ein Mehrfaches der Erdbeschleunigung (bis zu 10 g)
berücksichtigt werden.
3. Beim Befestigen darf das Optikteil nur auf Druck beansprucht werden, keinesfalls auf Zug,
Biegung oder Torsion. Die Formstabilität ist durch die Optikteile (Glas) meist selbst
gegeben. Sie darf durch das Befestigen nicht beeinträchtigt werden.
4. Die Optikteile bilden mit ihrer Fassung meistens eine konstruktive Einheit. Die Fassung
kann nach ihrer Einordnung in einem Gehäuse (Gestell, Gefäß) noch justierbar sein.
5. Einseitig angeordnete elastische Zwischenlagen (Kork, Gummi, Gewebe u.a.) können
helfen, beim Fassen oder durch Temperaturwechsel auftretende Spannungsspitzen zu
vermeiden.

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung „Gerätekonstruktion“

Optische Bauteile und Systeme – wesentliche Konstruktionsgrundsätze (Fortsetzung):

6. Bei großen optischen Bauteilen (z.B. große Spiegelfassungen, Hohlspiegel) ist auf eine
statisch bestimmte Dreipunktauflage zu orientieren.
7. Sind größere Temperaturschwankungen zu berücksichtigen (z.B. bei Kondensoren,
Beleuchtungseinrichtungen, optische Geräte unter extremen Beanspruchungen u.a.), ist der
auftretende Längenausgleich durch reichliches Spiel, durch elastische Zwischenlagen oder
durch geeignete Materialien u.a. zu gewährleisten.
8. Zur Vermeidung von Temperaturdifferenzen innerhalb des optischen Teiles ist eine
gleichmäßige Wärmeaufnahme über das gesamte Teil oder eine gleichmäßige Wärmeabgabe
zu gewährleisten.
9. Eigenspannungen durch Kerbwirkungen u.dgl. sind durch Polieren (auch der optisch nicht
wirksamen Flächen) oder durch spannungsarme Fassungen (Zwischenlagen aus elastischen
Materialien) zu vermeiden.

Optische Bauteile
Reflexionsprismen:
Funktion: - Anpassung eines Strahlenganges an die geometrischen bzw. räumlichen
Gegebenheiten eines Gerätes unter Beachtung der Bildlage
- Realisierung von Bilddrehungen und Bilddrehungen
Aufgrund der ebenen Fläche ist eine Fassung leicht möglich. Nachteilig sind Absorptionsverluste,
eine Veränderung der Wellenlänge, Dispersion und Reflexionsverluste.
c0
Es gilt: ′ ′
sin ε n n ⋅ c0 c
n´,c´
= = = n =
ε´1
n,c sin ε′ n n ⋅ c0 c 0 c′
ε´2 mit n′
ε1 ε2 c0 c0
n= n′ =
c c′
n ⋅ sin ε1 = n′ ⋅ sin ε′ n ⋅ sin ε2 = n′ ⋅ sin ε′2 c0
c′ =
c0
c=
n n′
Brechungszahlen n:
Luft 1,0003; Eis 1,31; Wasser 1,333; Alkohol 1,362; Quarzglas 1,459; Diamant 2,417
Beispiele:
Rechtwinkliges Wendeprisma: Geradsichtiges Wendeprisma:

90°

45°

Umkehrprismen:
Funktion: Drehung eines Bildes um einen bestimmten Winkel bzw. um genau 180° (z.B. Erzeugung
eines aufrechten und seitenrichtigen Bildes aus einem höhen- und seitenverkehrten Bild.
Prismensysteme:
Funktion: Realisierung bestimmter Bildveränderungen, z.B. Erzeugung eines Doppelbildes.

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Optische Bauteile: Prismensysteme Beobachter 1


1. Prismensynopter zur Aufteilung eines
Strahlenganges in zwei Strahlengängen.
Die Strahlaufteilung wird durch halbdurch-
lässige verspiegelte Prismenflächen
realisiert.
Andererseits können zwei Strahlengänge Beobachter 2
zu einem Strahlengang vereinigt werden.
Es entsteht ein Mischbild.
Abbildung 1 zeigt einen Prismensynopter für
zwei Beobachter

Abbildung 1 Gegenstand
(Bild)

Abbildung 2 zeigt eine technische Lösung


für die beidäugige Betrachtung eines Gegenstandes,
wobei der Okularabstand zur Anpassung an den
Augenabstand veränderlich ist.

Abbildung 2

2. Doppelbildprisma erzeugt von einem Bild zwei


zentralsymmetrische Bilder, die um 180° zueinander
gedreht sind.
E – Bildeintrittsebene ; A - Bildaustrittsebene Gegenstand
A A
(Bild)
4

0
1
2 3
0
E 1
2 3

A E E

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Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Optische Bauteile
Reflexionsprismen:

Rechtwinkliges Umlenkprima Rechtwinkliges Umkehrprima

45° d
45° d
d d
α

Rhomboidprisma (Spiegeltreppe)

d d

Umkehrprismen:

Porro – Prisma (Strahlengang parallel versetzt)

1,4d

1 1 1
d
2,8d

2
1,4d

34 2 23 4 3 4
2,8d

80
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Optische Bauteile
Okulare:
Funktion: Vergrößerung eines Zwischenbildes und Ermöglichung einer visuellen Betrachtung
(Wirkung einer Lupe)
Das Okular stellt das augenseitige Linsensystem dar. Es liefert von dem im Objektiv
entstandenen reellen Bild ein vergrößertes virtuelles Bild im Auge. Die Bildebene des Okulars
fällt mit der Bildebene des Objektivs zusammen.
Okulare sind charakterisiert durch eine Vergrößerung und durch eine Feldzahl.
Die Feldzahl ergibt sich aus dem Quotienten des Bildfelddurchmessers im Abstand von 250 mm
von der Okularaustrittspupille durch die Vergrößerung. Entsprechend ergibt sich der
Bildfelddurchmesser aus dem Produkt von Vergrößerung und Feldzahl:

Vergößerung Feldzahl Bildfelddurchmesser im Abstand


250 mm
5 23 115
12,5 16 200

Objektive:
Funktion: Erzeugung eines Bildes von einem Gegenstand unter Berücksichtigung der
Gegenstandsgröße, der Gegenstandsentfernung, des Abbildungsmaßstabes u.a.
Objektive stellen meistens Linsensysteme dar, bei denen aufgrund der Toleranzen und
Abbildungsfehler meine Korrektur der Abbildungsfehler erforderlich ist.
Objektive sind charakterisiert durch die Baulänge, die kürzest mögliche Einstellentfernung, den
Bildwinkel, die Lichtstärke und die Brennweite. Das Verhältnis von Brennweite und Lichtstärke
ergibt den größten wirksamen Linsendurchmesser.
Brennweite Brennweite
Lichtstärke = Linsendurchmesser =
Linsendurchmesser Lichtstärke
Linsen:
Für Linsen gilt die Abbildungsgleichung 1 1 1 mit f - Brennweite
= + a - Gegenstandsweite
1 f a b
= Dioptrin = Brechnungs kraft b - Bildweite
f

a < f ⇒ Bild wird vergrößert und erscheint als virtuelles Bild (1)
a = f ⇒ Bild liegt im Unendlichen (2)
a > f ⇒ Bild wird verkleinert und erscheint als reelles Bild (3)

3 F2 1 F´

2´ ⇒ ∞
Eine Sammellinse erzeugt von entfernten Gegenständen ein
umgekehrtes, reelles Bild. Liegt der Gegenstand innerhalb der
Brennweite, entsteht ein aufrechtres, vergrößertes und virtuelles Bild .
Das Objektiv eines Mikroskops erzeugt von einem Gegenstand ein vergrößertes reelles Bild
(Zwischenbild), das mit Hilfe des Okulars betrachtet wird. Das Okular hat die Funktion einer
Lupe und dient der weiteren Vergrößerung des Zwischenbildes.

81
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Fassen optischer Bauteile

Das F a s s e n optischer Bauteile beinhaltet das Halten in bzw. Verbinden mit bestimmten
Ausführungen von mechanischen Gehäusen (Fassungsteilen) aus Metall oder Plastik.
Beim Fassen handelt es sich um
- spezielle lösbare und unlösbare Verbindungsverfahren,
- kraft- oder formgepaarte Verbindungen oder
- feste bzw. auch bewegliche Verbindungen
Folgende Einflussfaktoren sind beim Fassen zu beachten:
1. Funktionelle Faktoren:
- Einhalten von kleinsten Toleranzen im µm – Bereich bzw. Winkelsekunden
- Höchste Anforderungen an Stabilität der Verbindungen
2. Geometrisch – stoffliche Faktoren:
- Beachtung der besonderen Materialeigenschaften von Glas hinsichtlich der Sprödigkeit,
der inneren Spannungen, der Temperatureinflüsse, der Bruchgefahr u.a.
- Große Variation der Abmessungen
3. Umgebungsfaktoren:
- Einsatz optischer Geräte erfolgt unter sehr unterschiedlichen Umgebungseinflüssen
hinsichtlich Temperatur, Luftfeuchte, Staub, Stöße, Schwingungen u.a.

Funktion der Fassungen:


Gewährleistung einer sicheren und genauen Arbeitsweise des optischen Systems unter
Einhaltung der geforderten Toleranzen.

Dem technologische Fertigungsschritt Fassen geht


1. das Z e n t r i e r e n und
2. das F a c e t t i e r e n voraus.

Das Zentrieren beinhaltet das Zusammenfallen von optischer und mechanischer Achse eines
optischen Systems.
Das Facettieren bedeutet eine mechanische Bearbeitung der Optikteile zum Anbringen von Fasen
sowie das Entfernen von unnötigem optischen Material zur Gewichtsreduzierung.

Die optische Achse stellt die Verbindungslinie der Mittelpunkte der Kugelflächen dar. Die
mechanische Achse ist die Mittellinie des äußeren Zylindermantels eines zylindrischen optischen
Bauteils.
Das Zentrieren erfolgt durch ein mechanisch mittels Spannens oder durch ein optisch Zentrieren
mittels Durchlicht.

In optischen Systemen, z.B. bei Fotoobjektiven, ist beim Fassen häufig eine axiale
Verschiebbarkeit zu berücksichtigen, die in Form einer Geradführung realisiert werden kann.

Bei der Fassung von größeren Optikteilen, z.B. große Spiegel, sind wegen der möglichen großen
Durchbiegung Dreipunktlagerungen erforderlich. Diese Dreipunktlagerungen können bei sehr
großen Teilen auch mehrfach vorhanden sein.

Quelle: Krause, W.: Gerätekonstruktion in Feinwerktechnik und Elektronik, Hanser – Verlag , 2000

82
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung „Gerätekonstruktion“

Facettieren von Linsensystemen


a) Schutz gegen Absplittern b) Winkelanpassung
α
D1 α

D2
D
d

α
t
c) sphärische Form (leicht herstellbar) d) Entfernen überflüssigen Materials

3
2
Fassen prismatischer Optikteile

Fassen von Halbwürfelprisma Fassen von Halbwürfelprisma


mit freigearbeiteter Fläche mittels Klebestelle
für Totalreflektion (nur 1 u. kleine Klebefläche !)

Fassen eines Dachkantenprismas


A A-A

Das Fassen ist schwierig, da wenig optisch nicht wirksame Flächen. Seitliche Lagerung durch
eingebrachte Feder, die 90°-Justierung mittels zwei Schrauben ermöglicht.

83
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung „Gerätekonstruktion“

Fassen prismatischer Optikteile (Fortsetzung)


Fassen durch Kleben
a) Flüssigkeitsprisma b) Prismenkombinationen

Kitt

Spannungsarmes Fassen mit definierter Andruckkraft


∆l

Technologische Ausführungen von Gratfassungen

a) b) c) d) e) f)
a) Fassung einer Strichplatte b) Fassung eines Abdeckglases
c) Spiegelfassung d) Fassung durch Sicken und Bördeln
e) Fassung durch gebördelte Kappe f) Einlegen eines elast. Ringes
l
d a b l
b
2,5 bis 10 0,2 0,35
0,4
a über 10 bis 18 0,25 0,55
d über 18 bis 30 0,6 0,3 0,7
über 30 bis 50 0,8 0,4 0,85
über 50 bis 80 1,2 0,5 1,1

Richtwerte für die Abmessungen des Bördelteils

Spannungsarme Gratfassungen

a) vorgelagerter Druckring vermeidet den


direkten Druck auf das Optikteil
a) b) b) langer dünner Rohrfortsatz gibt bei Tem-
peraturausdehnung der Linse nach

84
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Fassen zylindrischer Optikteile

Fassungen durch Vorschraubring

d1
d2
d d 1 d2 h
6 bis 50 M(d+1)x0,5 d-1 2bis3,5

über 50 bis 100 M(d+2)x0,75 d-2 4,5bis6

h
a) b) c) d)
a) Fassung mittels geschlitzten Vorschraubringes
b) mittelbare Fassung mittels ungeschlitzten Vorschraubringes
c) Vorschraubkappe
d) Gestaltung von Vorschraubringen (d Linsendurchmesser; d 1 Gewinde-
durchmesser; d 2 freier Durchmesser; h Ringhöhe)

Fassungen mittels Sicherungsring


Anwendung in einfachen optischen Systemen

a) b) c)
a) einfacher Sicherungsring mit rundem Querschnitt
b) wie a), jedoch axial federnd
c) mittelbare Fassung mittels Sicherungsringen

Spannungsarme Fassungen
Realisiert durch axialen oder radialen Ausgleich

Fassung eines Spiegels


mittels radialer- u. axialer
Dreipunktanlage mit
Fassung einer grossen elastischer Beilage (axial)
Linse mittels federnder u. gefedertem Element
Befestigungsteile (radial)

85
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung „Gerätekonstruktion“

Fassung optischer Teile

Spiegelfassung Bei der Lagerung großer Spiegel


ist eine einfache Dreipunktlagerung
wegen zu großer Durchbiegung nicht
geeignet. In dem nebenstehenden
Beispiel ruht der Spiegel auf 18 kleinen
Tellern. Jeder Teller ruht auf einer
Kugel. Je drei Teller ruhen auf einem
dreieckförmigen Zwischenstück. Je
zwei Zwischenstücke ruhen über
Kugel auf Wippen, die ebenfalls über
Kugeln gegenüber dem Gestell
abgestützt sind.

Justage optischer Teile


Die Justage von Linsen erfolgt häufig nur in axialer Richtung zur Scharfeinstellung, da radiale
Ausrichtung durch die Fassung gesichert. Die Justage von Skalenträgern, Fadenkreuze,
Strichmarken u.a. erfolgt meistens in der x – y – Ebene.
Die Justage von prismatischen Körpern erfolgt meistens um zwei Achsen wegen der
Empfindlichkeit gegenüber Verkippung. Die Justagebewegung muss spielfrei und feinfühlig
sein. Eine Sicherung justierter Teile erfolgt durch Lacke, Kitt, Kleber, Gewindestifte, Konter-
mutter, Sicherungsscheiben oder durch Verstiften
Beispiele:
Justage durch Exenter Justage eines Maßstabes
e

Flanschjustage durch Zug-Druck-Systeme


mittels um 120° versetzte Schrauben

Quelle: Krause, W.: Gerätekonstruktion in Feinwerktechnik und Elektronik, Hanser – Verlag 2000

86
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Spann-, Sprung- und Schrittwerke


Mechanische Funktionswerke, die einem mechanischen Speicher Energie entnehmen und dabei
eine Bewegung ausführen, werden als W e r k e bezeichnet. Der Einsatz erfolgt überall dort, wo
zu einem bestimmten Zeitpunkt eine mechanische Energie freigesetzt und ein bestimmter
Bewegungsablauf erzielt werden soll. Dabei soll häufig eine langsame Bewegung sprungartig in
eine schnelle Bewegung überführt werden.
Die wesentlichen Bestandteile eines solchen Werkes sind:
1. Energiespeicher (Feder)
2. Sprungstück (geführtes oder gelagertes Bauteil)
3. Festhaltung (Gesperre)

Anwendungsfälle sind z.B. Fotoverschlüsse, elektrische Schalter, Schnellverschlüsse u.a.


Man unterscheidet Spannwerke, Sprungwerke und Schrittwerke und je nach Festhaltung durch
eine Sperrstellung oder Kippstellung:
1. Sperrspannwerke bzw. Kippspannwerke
2. Sperrsprungwerke bzw. Kippsprungwerke
3. Sperrschrittwerke
Festhaltung durch Festhaltung durch
Sperrstellung Kippstellung
Spannwerke Sperrspannwerke Kippspannwerke
Sprungwerke Sperrsprungwerk Kippsprungwerk
Schrittwerke Sperrschrittwerk -------------------
Spannwerke:
Über ein Spannstück wird einem mechanischen Speicher Energie zugeführt. Das Spannstück
wird danach durch eine Festhaltung gesichert. Zu einem beliebigen Zeitpunkt kann die
gespeicherte Energie freigesetzt werden, sobald die Festhaltung gelöst wird. Dabei führt ein
geführtes oder gelagerte Bauteil (Sprungstück) eine beschleunigte Bewegung aus.
Man unterscheidet (siehe oben) Sperr- und Kippspannwerke.
Sperrspannwerk:
1 1 Sprungstück

2 Festhaltung

2 3 Feder

gespannter Zustand Auslösen entspannter Zustand


Anwendung von Sperrspannwerken auch bei Tastensätzen für elektronische Geräte. Das
Sprungstück trägt in diesem Fall den Kontaktsatz. Alle nebeneinander angeordneten Tasten
besitzen ein gemeinsames Sperrglied. Das Betätigen einer Taste hebt die Sperre anderer Tasten
zwangläufig auf.

Quelle: Krause, W.: Konstruktionselemente der Feinmechanik, Verlag Technik 1989

87
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Anwendungsbeispiele für Sperrspannwerke:


1. Spannwerk bei einem Druckkugelschreiber:

Aufbau Weg der Kugel in der (abgewickelten) Führungsnut

2. Spannwerk für einen Fotoverschluss

a) Gesamtaufbau b) Phase des Spannens c) Belichtung d) Phase des Schließens

1 Lamellen 2 Ring 3 Feder 4 Hebel 5 umgebogener Lappen des Lenkers 6 Lenker


7 Nase des Ringes 2 8 Sperrhebel 9 Stiftträger

Das Spannen der Feder 3 erfolgt durch Betätigen des Hebels 4, wobei der umgebogene Lappen 5
des Lenkers 6 die Nase 7 des Ringes 2 ergreift. Der Sperrhebel fällt unter die nase 7 und hält den
geöffneten Verschluss gespannt. Durch 4erneutes Betätigen des Hebels 4 erfolgt die Auslösung.
Dabei schiebt sich der Lenker 6 zwischen die Stifte der Teile 8 und 9, der Sperrhebel 8 wird
abgedrängt und die Nase 7 wird freigegeben.,

88
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Kippspannwerk:
Prinzip: Festhaltung einer Energiespeicherzustandes nicht durch einen gesonderten Festhalter,
sondern dadurch, dass die Sperrlage über die Kippstellung hinausgeht und dadurch eine
Totlage eingenommen wird.
Beispiele:
1. Schnellverschluss
1 4
2
1 Hebel
3 2 Sprungglied
3 Kipphebel
5 4 Feder
6 (z.B. Gummidichtung)
SL 5 Anschlag
6 Gehäuse
a) praktische Ausführung b) wirksames Getriebe
2. Elektrischer Schutzschalter 1 Taste, 2 Lenkerglied, 3 Auslösehebel,
4 Kontakthebel, 5 Gegenkontakt, 6 Sprungfeder

ausgelöste Stellung gespannter Zustand (eingeschalteter Zustand)

1 Taste 2 Lenkerglied 3 Auslösehebel 4 Kontakthebel 5 Gegenkontakt 6 Sprungfeder

Sprungwerke:
Prinzip: Die Festhaltung eines Sprungwerkes ist bereits beim Spannen im Eingriff. Beim
Erreichen einer bestimmten Speicherenergie oder nach einem definierten Spannweg wird
die Festhaltung gelöst. Unterscheidung zwischen Sperrsprungwerk und Kippsprungwerk.

Quelle: Krause, W. : Konstruktionselemente der Feinwerktechnik, Verlag Technik 1989

89
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Sperrsprungwerke: Das Sprungstück wird nach Erreichen eines bestimmten Spannweges


gelöst.
Beispiele:
1. Sprungwerk mit Gesperre: 2. Sprungstück mit Gesperre
(translatorische Bewegung) (rotatorische Bewegung)

1 Sprungstück 2 Schieber 3 Sperrglied 1 Sprungstück 2 Hebel 3 Sperrglied

4. Rückläufiges Sprungwerk: Die Bewegung des Sprungstückes erfolgt entgegengesetzt zur


Bewegung des Schaltgliedes

a) Spannen b) Auslösen
1 Sprungstück 2 Schaltglied 3 Festhaltung 4 Anschlag

Quelle: Krause, W. : Konstruktionselemente der Feinwerktechnik, Verlag Technik 1989

90
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

5. Rückläufiges Sprungwerk als Fotoverschluss

a) und b) Auslösemoment c) ausgelöster Verschluss d) Zeitbelichtung


1, 2 Schaltglied 3 Hebel 4 Feder 5 Auslöser 6,7 Lichtdurchtrittsöffnungen 8 Anschlag

Sprungwerk hat den Nachteil, dass es erst beim Betätigen aufgezogen (gespannt ) wird. Dadurch
ist es etwas schwergängig. Hochwertige Fotoverschlüsse werden deshalb als Sprungwerk
ausgebildet, das beim Filmtransport gespannt wird.

6. Sprungwerke in elektrischen Schaltern

1.

a) Wechselseitiges
Sprungwerk
1 2 3
s d1 sd2 a) Spannen (Einleiten des
Einschaltvorganges)
b)
b) Auslösevorgang
s
c) Einleiten des Ausschalt-
vorganges
c)
1 Feder 2 und 3 Hebel

Quelle: Krause, W. : Konstruktionselemente der Feinwerktechnik, Verlag Technik 1989

91
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Wiederholende Sprungwerke
1
mit Gesperre
3
a)
2
1 Scheibe
4 2
3 Feder
Schaltglied
4 Nut in
mit Gehemme
1

b)

Die Festhaltung wird gelöst, wenn das Moment der Feder den erforderlichen Wert erreicht hat
und die Sprungbewegung einsetzen soll.
Bei Gehemmen setzt die Sprungbewegung beim Überschreiten der Grenzkraft des Gehemmes
ein.
Kippsprungwerke:
Prinzip: Bei Kippsprungwerken wird anstelle von Festhaltungen die Todlage federnder Elemente
ausgenutzt. Das Gestellglied der federnden Schubkurbel wird zum Sprungglied. In der
Todlage kehren sich die am Gestellglied angreifenden Momente um und es erfolgt ein
Sprung zum gegenüberliegenden Anschlag.

Beispiel:
Kippschalter

Bimetallschalter mit Sprungcharakteristik


a. Bimetallstreifen in Kombination mit Kippsprungwerk b. Bimetallstreifen als
selbständiges Sprungwerk c. Bimetallscheibe d. Kennlinie zu b) und c)

Quelle: Krause, W. : Konstruktionselemente der Feinwerktechnik, Verlag Technik 1989

92
Prof. Dr. W. Fredrich, Lehrblattsammlung “Gerätekonstruktion”

Schrittwerke

Prinzip: Ein Schrittwerk stellt ein Spannwerk dar, das im Gegensatz dazu nach einem
einmaligen Speichern der Energie wiederholt auslösbar ist und dabei definierte Schritte
ausführt.
Beispiel:

∆ H1
H2

H1 ∆
S2
S1 H2

a) b) c)

a) Ausgangsstellung b) und c) Auslösen durch Betätigen


des Schalthebels

Quelle: Krause, W. : Konstruktionselemente der Feinwerktechnik, Verlag Technik 1989

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