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Fallstudie: HORG I

Die ELFRIEDE HORG AG, Erftstadt, beschäftigt sich mit der Entwicklung, Herstellung und dem Ver-
trieb von Gegenständen der Sanitärtechnik. Sie zählt in der Bundesrepublik, in der die Sanitärtechnik-
branche überwiegend mittelständisch strukturiert ist, mit einem Marktanteil von ca. 25 % zu den
Marktführern. Auch international kann die HORG-Gruppe zu den führenden Herstellern von Sanitär-
armaturen für Küche und Bad im mittel- und höherpreisigen Marktsegment gerechnet werden.

Der Vorstand wurde von den bisherigen Alleineigentümern des Unternehmens, der Familie Horg,
gem. §§ 202 ff. AktG ermächtigt, mit Zustimmung des Aufsichtsrates das Grundkapital um 65 Mio. €
durch Ausgabe von Vorzugsaktien im Rahmen einer Börseneinführung zu erhöhen. Hiermit soll der
mit der Einführung des EG-Binnenmarktes erwarteten Intensivierung des Wettbewerbs durch eine
erhöhte finanzielle Flexibilität begegnet werden. Daher beabsichtigt der Vorstand, das Grundkapital
um 58 Mio. € durch Ausgabe von Vorzugsaktien im Nennwert von 50 € je Aktie zu erhöhen. Unter
Ausschluss des Bezugsrechtes der bisherigen Aktionäre soll das erforderliche Kapital von einem Ban-
kenkonsortium unter Federführung der SCHNELLFINANZ AG im Rahmen eines öffentlichen Angebots
einem breit gestreuten Anlegerkreis angeboten werden. Ab dem 1. Juni 2005 sollen von den insgesamt
vorhandenen 3.440.000 Aktien die Vorzugsaktien aus der Kapitalerhöhung von 2004 (440.000 Stück)
- die noch von der Familie Horg zum Nennwert übernommen wurden - und die neuen Vorzugsaktien
(1.160.000 Stück) dann in den amtlichen Börsenhandel in Frankfurt eingeführt werden.

Der Zeitpunkt für eine Börseneinführung ist bereits seit Mitte 2004 geplant und scheint aus mehreren
Gründen recht günstig. So befindet sich die inländische Baukonjunktur in einer Hochphase und auch
die HORG AG blickt auf eine positive Geschäftsentwicklung in den letzten Jahren zurück. Die günsti-
gen Konjunkturdaten spiegeln sich im Kurs-Gewinn-Verhältnis bzw. Kurs-Cash-flow-Verhältnis ver-
gleichbarer Unternehmen der Branche wider, das mit 15 (Kurs-Gewinn-Verhältnis) bzw. 7 (Kurs-
Cash-flow-Verhältnis) sehr hohe Werte annimmt. Der Vorstand der HORG AG hat daher in Absprache
mit den Emissionsbanken geplant, den Emissionskurs auf der Basis des ermittelten Gewinns je Aktie
bzw. Cash-flows je Aktie und dem branchenüblichen Kurs-Gewinn-Verhältnis bzw. Kurs-Cash-flow-
Verhältnis festzulegen.

In der Vorstandssitzung am 26. Februar 2005 will man die endgültigen handelsrechtlichen Jahresab-
schlusszahlen für das Geschäftsjahr 2004 festlegen. Dabei ist sich der Vorstand der besonderen Bedeu-
tung gerade des 2004er-Jahresabschlusses bewusst. Wurden die Jahresabschlüsse bisher überwiegend
unter steuerlichen Gesichtspunkten aufgestellt, so werden sie nun auch für Dividendenzahlungen rele-
vant und dienen als wesentliches Kommunikationsinstrument zu den potentiellen Aktionären. Die
Erfolgslage im Abschluss 2004 wird zudem maßgeblich für die endgültige Festlegung des Emissions-
kurses der Vorzugsaktien. Von daher besteht hinsichtlich der Bilanzpolitik bei der Aufstellung des
Jahresabschlusses auch noch erhebliche Unsicherheit im Vorstand der HORG AG. Die Zahlen des vor-
läufigen Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2004 - der nach den bisher üblichen Bilanzierungsre-
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geln der HORG AG aufgestellt ist - werden vom Finanzvorstand, Herrn Dr. Fuchs, wie folgt zusam-
mengefasst:

„Die Umsatzsteigerung der letzten Jahre hat sich auch im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004 fortge-
setzt. Dass sich trotz dieser positiven Rahmendaten das handelsrechtliche Jahresergebnis insbesondere
gegenüber dem letzten Geschäftsjahr deutlich verschlechtert hat, steht m.E. in engem Zusammenhang
mit dem externen Unternehmenswachstum durch Unternehmenskäufe. Wegen unserer extensiven Ak-
quisitionpolitik sind die Jahresabschlusszahlen 2004 auch kaum mit denen früherer Geschäftsjahre
vergleichbar. Der Periodenvergleich wird vor allem durch die unerwartet umfangreichen Integrations-
probleme im Absatzbereich bei der Anfang 2004 im Rahmen einer Einzelrechtsnachfolge erworbenen
NIEMANN OHG beeinträchtigt. Da es uns bisher nicht gelungen ist, die Vertriebsaktivitäten der frühe-
ren NIEMANN OHG mit unseren zu koordinieren und sich folglich auch die erwarteten Synergieeffekte
bei den Vertriebskosten noch nicht realisiert haben, sind hier erhebliche Erfolgseinbußen zu verzeich-
nen gewesen.

Insgesamt sehe ich den Ergebnisrückgang aber als vorübergehende "Ruhe vor einem positiven Ergeb-
nissturm", der in den nächsten beiden Geschäftsjahren auf uns zukommen wird. So erwarten wir schon
im laufenden Geschäftsjahr 2005 wieder einen Anstieg des Gesamtumsatzes um etwa 10 % auf 1.650
Mio. €. Weiterhin profitieren wir zur Zeit von den geringen Metallpreisen, der erhöhten inländischen
Wohnungsbaukonjunktur und der damit verbundenen zunehmenden Kapazitätsauslastung.

Die finanziellen Mittel aus der Börseneinführung sollen zum einen zur Wiederherstellung einer gesun-
den Kapitalstruktur und zum anderen zur Finanzierung des kurz bevorstehenden Erwerbs der Mehr-
heitsbeteiligung an der HAHN GMBH dienen, mit deren Kapazitäten wir dann auch noch die vorwie-
gend in dem Marktsegment "Standardprodukt" zu beobachtenden hohen Nachfragepotentiale in den
neuen Bundesländern und Osteuropa bedienen können. Damit wird sich im Anschluss an die Börsen-
einführung nicht nur unmittelbar ein wesentlich verbessertes Zinsergebnis einstellen, sondern mittel-
fristig wird sich auch unsere Wettbewerbsfähigkeit noch weiter verbessern.

Probleme sehe ich augenblicklich nur bei der Durchsetzung des ursprünglich geplanten Emissionsprei-
ses von 210 €/Aktie. Wenn wir die Ergebnisse des vorläufigen Jahresabschlusses für die Emissions-
preisbildung verwenden, kommen wir auf einen Gewinn je Aktie von 8 €. Der Cash-flow - berechnet
als Jahresüberschuss plus Abschreibungen - beläuft sich auf 23 € je Aktie. Unter Berücksichtigung des
branchendurchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (Kurs-Cash-flow-Verhältnisses) von 15 (7)
könnte der Ausgabekurs unserer Vorzugsaktien dann nur zwischen 120 und 161 €/Aktie schwanken.
Aber selbst bei einem Ausgabekurs von 161 €/Aktie wären m. E. alle oben angeführten Entwicklungen
noch nicht berücksichtigt und wir würden die Aktien weit unter dem wahren Wert ausgeben. Damit
würden die potentiellen Aktionäre innerhalb von kurzer Zeit sicherlich erhebliche Kurssteigerungen
realisieren. Im Interesse einer deutlichen Reduzierung unserer Kapitalkosten erscheint mir dieser Weg
aber nicht sinnvoll.
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Eine Alternative wäre, unsere sehr vorsichtige Bilanzpolitik in einigen Fällen aufzugeben. Dies scheint
mir vor allem deshalb gerechtfertigt, um schon jetzt den für das nächste Geschäftsjahr prognostizierten
Ergebnisanstieg teilweise vorwegzunehmen. Weil wir im Börsenprospekt die Jahresabschlüsse der
letzten drei Geschäftsjahre veröffentlichen müssen, würden wir mit dieser Vorgehensweise auch deut-
liche Erfolgssprünge im Zeitablauf vermeiden.

Wenn wir uns für diesen Weg entscheiden und z.B. ein Jahresergebnis ausweisen, das den ursprüng-
lich geplanten Emissionspreis von 210 €/Aktie unter Verwendung des branchenüblichen Kurs-
Gewinn-Verhältnisses von 15 wieder realistisch erscheinen läßt, so wären jedoch noch verschiedene
Restriktionen zu beachten. Es wäre darauf zu achten, dass die bilanzpolitischen Maßnahmen nicht
allzu deutlich werden, dass auch das branchenübliche Kurs-Cash-flow-Verhältnis von 7 berücksichtigt
wird und das wir überlegen, wie diese veränderte Bilanzpolitik den Emissionsbanken verständlich
gemacht werden kann. Bei unserem derzeitigen Grenzsteuersatz von 60 % können auch die möglichen
ertragsteuerlichen Konsequenzen nicht unberücksichtigt bleiben.

Die Gratwanderung, die mit diesem Vorschlag verbunden ist, liegt darin, dass ein hoher Ausgabekurs
für unser Börsenimage dann sehr negativ werden kann, wenn der Emissionspreis nicht genügend
Kurssteigerungsphantasie bietet. Dies könnte bei weiteren Kapitalerhöhungen möglicherweise zu ei-
nem "Eigentor" führen. Von daher sehe ich zur Zeit nur die Alternative, vor einer Entscheidung die
Möglichkeiten für bilanzpolitische Maßnahmen noch einmal von der Rechnungswesenabteilung über-
prüfen zu lassen und erst in der nächsten Sitzung den Jahresabschluss 2004 endgültig festzustellen.“

Elfriede Horg AG
Bilanzen zum 31.12.2002, 2003, 2004

(in T€)

AKTIVA 2004 2003 2002


(vorläufig)
Anlagevermögen
Immaterielle Vermögensgegenst. 1.100 260 568
Sachanlagen 272.581 220.689 180.599
Finanzanlagen 4.205 3.701 4.012
Umlaufvermögen
Vorräte 444.856 388.610 324.967
Forderungen aus L+L 364.012 244.672 218.295
Forderungen gegen verbundene
Unternehmen 13 0 0
Sonstige Vermögens gegenstände 61.062 55.466 22.716
Liquide Mittel 20.601 40.618 61.425
890.544 729.366 627.403

Rechnungsabgrenzungsposten 2 1 1
1.168.432 954.017 812.583
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PASSIVA 2004 2003 2002


(vorläufig)
Eigenkapital
Gezeichnetes Kapital 172.000 150.000 150.000
Gewinnrücklagen 68.895 59.271 41.589
Bilanzgewinn 18.000 18.000 15.000
258.895 227.271 206.589
Sonderposten mit Rücklageanteil 1.092 1.288 1.712

Rückstellungen
Rückstellungen für Pensionen 198.569 166.988 150.023
Steuerrückstellungen 28.561 20.888 14.895
Sonstige Rückstellungen 182.001 122.853 114.553
409.131 310.729 279.471
Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten gegenüber
Kreditinstituten 365.852 268.147 208.369
Verbindlichkeiten aus L+L 70.650 76.991 72.051
Verbindlichkeiten gegenüber
verbundenen Unternehmen 2.356 2.018 1.440
Sonstige Verbindlichkeiten 60.456 67.573 42.951
499.314 414.729 324.811
1.168.432 954.017 812.583

Elfriede Horg AG
Gewinn- und Verlustrechnungen (in T€)

2004 2003 2002


(vorläufig)
Umsatzerlöse 1.498.298 1.382.156 1.230.458
Herstellungskosten der zur Erzielung der Um-
satzerlöse erbrachten Leistungen 1.083.654 980.458 882.671
Bruttoergebnis vom Umsatz 414.644 401.698 347.787
Vertriebskosten 298.050 280.412 254.324
Allgemeine Verwaltungskosten 36.482 32.364 31.450
Sonstige betrieblichen Erträge 2.033 4.510 7.590
Sonstige betriebliche Aufwendungen 6.325 4.782 5.287
Erträge aus Beteiligungen 153 121 302
Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 7.008 6.466 10.593
Zinsen und ähnliche Aufwendungen 30.860 20.899 18.743
Ergebnis der gewöhnlichen Geschäfts-
tätigkeit 52.121 74.338 56.468
Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 24.497 38.656 28.798
Jahresüberschuss 27.624 35.682 27.670
Einstellung in die Gewinnrücklagen 9.624 17.682 12.670
Bilanzgewinn 18.000 18.000 15.000
1991 (vorläufig)
Anlagespiegel für das Geschäftsjahr 2001
in TDM

Anschaffungs-/
Herstellungs- Kumulierte
kosten Zugänge Abgänge Abschreibung Buchwert Abschreibung
1.1.1991
1.1.2001 31.12.1991
31.12.2001 für 1991
2001
Immaterielle Vermögensgegenstände
Firmenwert -- 4.000 -- 4.000 -- 4.000
EDV-Software 1.706 1.062 -- 1.668 1.100 219
1.706 5.062 -- 5.668 1.100 4.219
Sachanlagen
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Grundstücke und Gebäude 191.457 39.580 -- 89.106 141.931 2.560


Technische Anlagen und Maschinen 269.451 51.499 1.415 248.915 70.620 23.849
Betriebs- und Geschäftsausstattung 194.832 19.782 4.604 149.980 60.030 20.342
655.740 110.861 6.019 488.001 272.581 46.751

Finanzanlagen
Anteile an verbundenen Unternehmen -- 2.000 -- -- 2.000 --
Beteiligungen 1.895 178 1.895 -- 178 --
Ausleihungen 1.808 636 176 241 2.027 241
3.703 2.814 2.071 241 4.205 241
661.149 118.737 8.090 493.910 277.886 51.211
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Elfriede Horg AG
Zusammengefasster Anhang für die Geschäftsjahre 2004, 2003, 2002

Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze

Erworbene immaterielle Vermögensgegenstände werden, soweit sie nicht im Jahr des Zugangs als
Aufwand verrechnet werden, zu Anschaffungskosten, vermindert um planmäßige Abschreibungen
bewertet. Als Nutzungsdauer werden regelmäßig vier Jahre zugrundegelegt, wenn sich nicht ein ab-
weichender Zeitraum, z.B. aufgrund der Laufzeit einer Lizenz, ergibt.

Das Sachanlagevermögen wird zu Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten, vermindert um planmäßige


Abschreibungen, angesetzt. In die Herstellungskosten der selbsterstellten Anlagen werden nur die
direkt zurechenbaren Kosten einbezogen. Die Abschreibungen werden bei Gebäuden linear über eine
Nutzungsdauer von maximal 40 Jahren und beim beweglichen Anlagevermögen degressiv vorgenom-
men; die Nutzungsdauer beträgt bei Technischen Anlagen und Maschinen durchschnittlich 6 Jahre, bei
der Betriebs- und Geschäftsausstattung durchschnittlich 5 Jahre. Geringwertige Vermögensgegen-
stände werden im Jahr des Zugangs in voller Höhe abgeschrieben.

Soweit der nach vorstehenden Grundsätzen ermittelte Wert von Gegenständen des Anlagevermögens
über dem Wert liegt, der ihnen am Abschlussstichtag beizulegen ist, wird dem durch außerplanmäßige
Abschreibungen oder Wertberichtigungen Rechnung getragen.

Die Vorräte werden mit den durchschnittlichen Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten oder zu nied-
rigeren Tageswerten angesetzt. Die Herstellungskosten umfassen Fertigungsmaterial und Fertigungs-
löhne sowie Material- und Fertigungsgemeinkosten, die nach den Bestimmungen des Steuerrechts
aktivierungspflichtig sind. Bestandsrisiken wurde durch Vornahme angemessener Bewertungsabschlä-
ge Rechnung getragen.

Bei den Forderungen und Wechseln werden erkennbare Einzelrisiken durch Wertberichtigungen be-
rücksichtigt. Aktive latente Steuern werden in Übereinstimmung mit dem Wahlrecht in § 274 (2) HGB
nicht gebildet. Die Pensionsverpflichtungen werden mit den steuerlichen Teilwerten nach § 6a EStG
bilanziert. Der Teilwert wird nach versicherungsmathematischen Methoden auf Basis eines Zinsfußes
von 6 % errechnet.

Anlagevermögen

Die Entwicklung der in der Bilanz zum 31.12.2004 ausgewiesenen Anlagepositionen ist im Anlage-
spiegel dargestellt. Auf das Anlagevermögen wurden steuerliche Sonderabschreibungen gem. § 254
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HGB in Höhe von 1.662 T€ vorgenommen. Hierbei handelt es sich um Sonderabschreibungen nach §§
6b, 7d EStG.

Vorräte

2004 2003 2002

Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 88.019 51.786 48.348

Unfertige Erzeugnisse 145.114 131.471 112.136

Fertige Erzeugnisse 211.723 205.353 164.483

Summe 444.856 388.610 324.967

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

Von den am 31.12.2004 ausgewiesenen Forderungen haben 1.025 T€ (2003: 721 T€; 2002: 678 T€)
eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.

Gezeichnetes Kapital

Das Gezeichnete Kapital hat sich 2004 gegenüber dem Vorjahr um 22 Mio. € durch Ausgabe von
440.000 Vorzugsaktien zu pari erhöht und setzt sich wie folgt zusammen:

Stammaktien 3.000.000 150 Mio. €

Vorzugsaktien 440.000 22 Mio. €

Rückstellungen

Die Steuerrückstellungen enthalten Beträge für das laufende Jahr und für den noch nicht der steuerli-
chen Außenprüfung unterlegenen Zeitraum. Die Sonstigen Rückstellungen enthalten u. a. Beträge für
Gewährleistungen, Gratifikationen, Instandhaltung und Reparaturen.
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Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten

2004 2003 2002

Verbindlichkeiten mit einer

Laufzeit bis zu einem Jahr 300.406 209.633 179.589

Verbindlichkeiten mit einer

Laufzeit über einem Jahr

und unter fünf Jahren 35.498 29.130 9.606

Verbindlichkeiten mit einer

Laufzeit von mehr als fünf

Jahren 29.948 29.384 19.174

Summe 365.852 268.147 208.369

Sonstige Verbindlichkeiten

Von den sonstigen Verbindlichkeiten haben 2.815 T€ (2003: 1.520 T€; 2002: 1.602 T€) eine Restlauf-
zeit von ein bis fünf Jahren. Die jeweils verbleibenden Beträge (2004: 57.641 T€, 2003: 66.053 T€;
2002: 41.349 T€) haben eine Restlaufzeit bis zu einem Jahr.

Sonstige Angaben und Haftungsverhältnisse zum 31.12.2004

Finanzielle Verpflichtungen aus Leasingverträgen 6.500 T€

Bürgschaften 1.836 T€

Eventualverbindlichkeiten im Inland

aus der Übertragung von Wechseln 19.180 T€


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Umsatzerlöse

2004 2003 2002

Deutschland 440.499 398.061 310.075

Europa 836.050 728.396 643.529

Übrige 221.749 255.699 276.854

Summe 1.498.298 1.382.156 1.230.458

Personalaufwand und Mitarbeiter

2004 2003 2002

Durchschnittliche Zahl der Mit- 8.341 7.099 6.599


arbeiter

Personalaufwand in T€ 624.711 490.384 422.982

Sonstige betriebliche Aufwendungen und Erträge

Die sonstigen betrieblichen Erträge enthalten hauptsächlich Erlöse aus der Weiterbelastung von Kos-
ten und Leistungen, Investitionszulagen und Umsatzsteuervergütungen. Die höheren Erträge in 2002
sind im Wesentlichen auf Zuschreibungen im Vorratsvermögen zurückzuführen.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen umfassen im Wesentlichen Bilanzmehrabschreibungen,


Abfindungen sowie andere Bewertungsdifferenzen, Forderungsausfälle und -risiken, Garantieleistun-
gen. Die kontinuierlich gestiegenen Aufwendungen stehen in engem Zusammenhang mit der Über-
nahme von Gesellschaften.

Gesamtbezüge des Aufsichtsrates und des Vorstandes

Die Gesamtbezüge der Mitglieder des Aufsichtsrates betrugen 200 T€ und die Gesamtbezüge der Mit-
glieder des Vorstandes betrugen 1.200 T€.
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Streng Vertraulich

An 30. März 2005


Finanzvorstand Dr. Fuchs
Im Hause

Lieber Dr. Fuchs,

bezugnehmend auf Ihre Anfrage haben wir die folgenden Sachverhalte, die noch bilanzpolitischen
Spielraum im Jahresabschluss 2004 bieten, zusammengestellt:

1. Alternative Bilanzierung des erworbenen Firmenwertes gem. § 255 (4) HGB:

Für die zum 1. Januar 2004 übernommene NIEMANN OHG haben wir 12 Mio. € an unmittelbaren
Anschaffungskosten gezahlt und zusätzlich Verbindlichkeiten der NIEMANN OHG in Höhe von 37
Mio. € übernommen. Die auf unsere Gesellschaft übertragenen, einzelnen Vermögensgegenstände
wurden auf der Basis der Wiederbeschaffungskosten zum 1.1.2004 im Jahresabschluss zum
31.12.2004 mit insgesamt 45 Mio. € angesetzt. Den verbleibenden Geschäftswert haben wir - auch
im Interesse späterer steuerlicher Teilwertabschreibungen - vorsichtshalber gem. § 255 (4) HGB im
laufenden Geschäftsjahr vollständig als Aufwand verrechnet.

2. Wahlrechte bei der Bewertung des Vorratsvermögen gem. § 253 (3) HGB:

Die erheblichen Bestandserhöhungen bei den Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen resultieren zum gro-
ßen Teil aus den übernommenen Beständen der NIEMANN OHG. Hierbei handelt es sich überwie-
gend um Rohstoffe in Form von Edelmetallen für die Produktion klassischer Armaturen. Weil sich
dieser Rohstoff auf unseren Produktionsanlagen nur schwer verarbeiten läßt, wird der Bestand
wahrscheinlich noch längere Zeit ausreichen. Wir haben daher, nach Rücksprache mit der Ein-
kaufsabteilung, auf die Marktpreise der Edelmetalle zum 31.12.2004 zusätzliche Abschreibungen
von 1.400 T€ (5 % des Marktpreises) vorgenommen, um zu vermeiden, dass im laufenden Ge-
schäftsjahr weitere Wertkorrekturen erforderlich werden.

3. Wahlrecht bei der Bildung der Instandhaltungsrückstellung gem. § 249 (1) HGB:

Die ursprünglich für Dezember 2004 geplanten, dann aber wegen der zum Jahreswechsel dringend
benötigten Kapazitäten auf Mitte April 2005 verschobenen Wartungsarbeiten an den Produktions-
anlagen werden ca. 1.150 T€ kosten. Diesen in den sonstigen Rückstellungen bereits enthaltenen
Betrag (Kostenvoranschlag der REPAIR-SERVICE GMBH vom 12. Januar 2005) haben wir uns noch
einmal bestätigen lassen. Verantwortlich für die gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegenen War-
tungskosten sind die Produktionssteigerungen der vergangenen Geschäftsjahre.

Zusätzlich zu diesen Einzelmaßnahmen haben wir auch noch weitere generelle bilanzielle Möglichkei-
ten geprüft, die den ausgewiesenen Jahresüberschuss beeinflussen. Sie würden jedoch allesamt eine
Änderung unserer bisherigen sehr vorsichtigen Bilanzpolitk beinhalten:

4. Wechsel in der Abschreibungsmethode:

Die beweglichen Gegenstände des Anlagevermögens (Technische Anlagen und die Betriebs- und
Geschäftsausstattung), die bisher degressiv mit dem steuerlich maximal zulässigen Satz von 20 %
abgeschrieben werden, könnten künftig linear über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Wird
der Wechsel in der Abschreibungsmethode auf die im Geschäftsjahr neu zugegangenen Anlagen
beschränkt, so ergeben sich folgende Werte:

degressive lineare
Abschreibung Abschreibung
Technische Anlagen und Maschinen 15.450 8.583
Betriebs- und Geschäftsausstattung 5.935 3.956
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Bei einem Verfahrenswechsel auch für die in früheren Geschäftsjahren angeschafften Technischen
Anlagen und Machinen bzw. Betriebs- und Geschäftsausstattungen würden zu den obigen Werten
für 2004 zusätzlich Abschreibungen in Höhe von 5.751 T€ (Technische Anlagen und Maschinen)
bzw. 3.685 T€ (Betriebs- und Geschäftsausstattung) entfallen.

5. Alternative Bewertung des Vorratsvermögens gem. § 255 (2) HGB:

Die unfertigen und fertigen Erzeugnisse werden bisher zu den steuerlich mindestens geforderten
Vollkosten bewertet. Diese Wertansätze beinhalten aber keine anteiligen Verwaltungsgemeinkos-
ten. Bei internen Preiskalkulationen nehmen wir dagegen regelmäßig noch einen 1,7 %-igen Auf-
schlag auf die steuerlichen Herstellungskosten der Erzeugnisse für allgemeine Verwaltungskosten
vor. Von daher könnte m. E. auch eine entsprechende Umbewertung der Endbestände im handels-
rechtlichen Jahresabschluss sicherlich gegenüber dem Wirtschaftsprüfer gerechtfertigt werden.

Wegen der geforderten Eile haben wir auf die Überprüfungen weiterer, sich auch wohl nur geringfügig
auf das Ergebnis niederschlagender Sachverhalte verzichtet. Hinsichtlich der obigen bilanzpolitischen
Maßnahmen erhalten Sie selbstverständlich für die bevorstehende Vorstandssitzung noch detaillierte
Analysen über die jeweiligen zusätzlichen Erläuterungspflichten im Anhang und vor allem über die
steuerlichen Konsequenzen.

Dr. Walther Vorhand, Abteilungsleiter Rechnungswesen.

Aufgaben:

1. Erläuern Sie die Problemsituation der HORG AG. Gehen Sie dabei auf die Funktionen des Jahres-
abschlusses ein.

2. Erläutern Sie allgemein die in den Geschäftsvorfällen angeführten Bilanzierungsmöglichkeiten


entsprechend dem HGB. Wie müssten die Geschäftsvorfälle im Jahresabschluss 2004 der HORG
AG berücksichtigt werden, wenn aufgrund des branchenüblichen Kurs-Gewinn-Verhältnisses ein
möglichst hoher Emissionskurs erzielt werden soll?

3. Zeigen Sie die Auswirkungen der einzelnen Geschäftsvorfälle auf den Jahresüberschuss vor und
nach Steuern auf. Welcher maximale Emissionskurs wäre bei Berücksichtigung des branchenübli-
chen Kurs-Gewinn-Verhältnisses möglich?

4. Welche Auswirkungen haben die einzelnen Geschäftsvorfälle auf den Cash-Flow je Aktie? Wel-
cher maximale Emissionskurs wäre bei Berücksichtigung des branchenüblichen Kurs-Cash-Flow-
Verhältnisses möglich?

5. Welche der angeführten bilanzpolitischen Maßnahmen sollten vom Vorstand der HORG AG vor-
genommen werden? Diskutieren Sie weitere bilanzpolitische Möglichkeiten, die sich ggf. ergeben.