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Messung von L und C


Allgemeines

Spulen und Kondensatoren sind Bauelemente, deren Widerstandswert


frequenzabhängig ist.. Der Wert von L und C kann nur mit Hilfe einer
Wechselspannung ermittelt werden, da Spulen beim Anlegen einer Gleichspannung
einen Blindwiderstandswert haben, der gleich Null ist, und Kondensatoren, einen
Blindwiderstandswert haben, der gleich unendlich ist.
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Widerstand von Kapazitäten: Z = → Blindwiderstand: X C =
j ⋅ω ⋅ C ω ⋅C
Widerstand von Induktivitäten: Z = j ⋅ ω ⋅ L →Blindwiderstand: X L = ω ⋅ L

Ersatzschaltbild für L (Güte und Verlustfaktor)

L:

ZL = RL + ω . L

ϕ...Phasenwinkel
δ...Verlustwinkel
ω⋅ L
Güte Q L = tanϕ =
RL
1
Verlustfaktor D = tanδ =
Q
Ersatzschaltbild für C (Güte und Verlustfaktor)

C parallel:

ZPC = RPC + ω . C

ϕ...Phasenwinkel
δ...Verlustwinkel
Güte Q PC = tanϕ = ω ⋅ C ⋅ R PC
1
Verlustfaktor D = tanδ =
Q

C seriell:

ZSC = RSC + ω . C

ϕ...Phasenwinkel
1
Güte Q SC = tanϕ =
ω ⋅ C ⋅ R SC
2
1
Verlustfaktor D = tanδ =
Q

Verfahren zur Messung von L und C

Indirekte Messung ( ω bekannt)


Impedanzbestimmung über Strom und Spannung
Hier wird das Ersatzschaltbild einer Spule
verwendet. Im ersten Meßdurchgang wird eine
Gleichspannung an die Ersatzschaltung der
Spule angelegt. Der Strom durch die Spule und
die Spannung an den Klemmen werden
gemessen. Man erhält folgenden Wert für RR:
U
R R = - R A . Im zweiten Meßdurchgang wird
I
eine Wechselspannung angelegt, U und I werden gemessen und man erhält
folgenden Wert für UL: U L = U 2 - I 2 ( R A + R R ) 2 . Daraus folgt der Wert für LR:
U
L R = L . Der Nachteil ist, daß der Reihenwiderstand nicht bei der
ω ⋅I
Betriebsfrequenz ermittelt wird. Es kann vorkommen, daß bei der Messung
mit Wechselstrom ein anderer Reihenwiderstand wirkt, als bei der Messung
mit Gleichstrom (Aufgrund von Stromverdrängungseffekten in der Wicklung
und Verlusten im Eisenkern). In gleicher Weise kann man statt dem
Ersatzschaltbild einer Spule auch einen Kondensator einfügen. Der
Widerstand RR fällt dann natürlich weg und man kann beim ersten
Meßdurchgang eine Wechselspannung anlegen. Für C erhält man folgenden
I
Wert: C = .
ω ⋅ UC

Vergleichsmethode:
Man benötigt eine bekannte Vergleichsnormale ( L od. C)
Steht ein Kondesator mir bekannter Kapazität CN zur Verfügung, der in der
Größenordnung der zu messenden Kapazität CX liegt, mißt man mit einem
Wechselstrommeter nacheinender die Ströme IN und IX. Aus dem Verhältnis
der Ströme, welches unabhängig von U und Omega ist, folgt das
Kapazitätsverhältnis.
CX IX I ⋅C
= → CX = X N
CN IN IN
Das gleiche funktioniert auch mit der Spannung
CX U N U ⋅C
= → CX = N N
CN UX UX
Wenn beide Kondensatoren in Reihe geschaltet
werden und an eine konstante Wechselspannung
gelegt sind, lassen sich die Kapazitäten auch aus
dem Verhältnis der Spannungen bestimmen.
Dieses Verfahren kann auch bei Spulen
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angewendet werden, wenn diese einen nicht zu großen Verlustwiderstand
aufweisen.

Resonanzmethode:

Ein Element wird als bekannt angenommen. Die


Messung erfolgt über die Resonanzfrequenz. Die
Eingangsfrequenz muß solange verändert werden,
bis man den kleinsten Stromwert mißt, da dies beim
Parallelschwingkreis bei Resonanz der Fall ist.
Anschließend kann das gesuchte Bauelement
ausgerechnet werden. Der Imaginärteil des
Leitwertes des Parallelschwingkreises ist bei der Resonanzfrequenz gleich Null.
Man gelangt daher zu folgendem Ergebnis:
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ω ⋅C = ⇒L= 2 .
ω ⋅L ω ⋅C

Statt des Parallelschwingkreises kann auch ein Serienschwingkreis verwendet


werden. Dann wird die Eingangsfrequenz so lange verändert, bis der
Maximalwert des Stromes erreicht ist. Im Unterschied zum Parallelschwingkreis
wird der Imaginärteil der Impedanz des Serienschwingkreises bei Resonanz
gleich Null. Man gelangt aber zum gleichen Endergebnis, wie beim
Serienschwingkreis. Zum Messen eines unbekannten Kondensatorwertes geht
man ebenso vor.
Dieses Verfahren ist allerdings für Kondensatoren unüblich, da Spulen mit
kleinem Verlustwiderstand schwer herzustellen sind.

Direkte Messung
Allgemeines
Abgleichbedingung:
Z1 Z 3
=
Z2 Z4
Z1 ⋅ e j⋅ϕ 1 Z 3 ⋅ e j⋅ϕ 3 → Z1 Z 3
= = Betragsabgleich
Z 2 ⋅ e j⋅ϕ 2 Z 4 ⋅ e j⋅ϕ 4 Z2 Z4
e j⋅ϕ1 e j⋅ϕ3
j⋅ϕ 2
= j⋅ϕ 4 ⇒ e j⋅( ϕ1−ϕ 2 ) = e j⋅( ϕ3−ϕ 4 ) ln
e e
j ⋅ ( ϕ1 − ϕ 2 ) = j ⋅ ( ϕ 3 − ϕ 4 ) ln
ϕ1 −ϕ2 =ϕ3 −ϕ4 Phasenabgleich

Erlaubte Brückenstrukturen:
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Entweder befinden sich in den unmittelbaren Nachbarzweigen „gleichartige“
Bauelemente (beide C oder beide L), oder im diagonal gegenüberliegenden Zweig
befindet sich ein „andersartiges“ Bauelement (z.B im einen Zweig L, im diagonal
gegenüberliegenden C).

Frequenzunabhängiger Brückenabgleich:
Der Brückenabgleich ist dann frequenzunabhängig, wenn sich in unmittelbaren
Nachbarzweigen die Ersatzschaltbilder gleichartiger Bauelemente befinden, oder im
diagonal gegenüberliegenden Zweig die Ersatzschaltbilder andersartiger
Bauelemente.

zum Beispiel:

R1 R3 R1 R3
C 1 C 1

0 0

R2 R4 R2 R4 L1
C 2

Maxwell - Brücke
Ges.: LX, RL (R2 und R4 sind konstant)
Ablauf: Abgleich der Brücke abwechselnd mit R3 und C
bis UAB = 0 ist.
Z1 R 3
Abgleichbedingung: =
R 2 Z4
Z1 = R L + jω ⋅ L X
1
Z4 =
1
+ jω ⋅ C
R4
 1 
R L + jω ⋅ L X = R 2 ⋅ R 3 ⋅  + jω ⋅ C 
 R4 
R ⋅R
R L + jω ⋅ L X = 2 3 + jω ⋅ C ⋅ R 2 ⋅ R 3
R4

Komplexe Gleichung:
Reli = Rere I
Imli = Imre II

R2 ⋅ R3
I RL =
R4

II ω . LX = ω . C . R2 . R3
LX = C ⋅ R 2 ⋅ R3
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Wien - Brücke

Ges.: CX, RC (R3 und R4 sind konstant)

Ablauf: Abgleich der Brücke abwechselnd mit R2 und C2


bis UAB = 0 ist.

Z1 R 3
Abgleichbedingung: =
Z2 R 4
1
1 + jω ⋅ C 2
Z1 = R2 R
1 = 3
+ jω ⋅ C X 1 R4
RC + jω ⋅ C X
RC
1
Z2 = R4
1 + jω ⋅ C 2 ⋅ R 3
+ jω ⋅ C 2 1 R2
R2 + jω ⋅ C X =
RC R3

Komplexe Gleichung:
Reli = Rere I
Imli = Imre II

R4
R ⋅R
I 1 R2 RC = 2 3
= ⇒ R4
RC R3

ω ⋅ C2 ⋅ R 4 C2 ⋅ R 4
II ω ⋅ C X = CX =
R3 R3

Es gibt auch noch folgende Möglichkeit zur Realisierung einer Wien-Brücke:

C2 ⋅ R1
CX =
R3
R ⋅R
RX = 2 3
R1
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Umschaltbare Maxwell-Wien-Brücke

Schalterstellung li:Die Schaltung ist eine Wien-


Brücke zur C-Messung.
Schalterstellung re: Die Schaltung ist eine
Maxwell-Brücke zur L-Messung.