Sie sind auf Seite 1von 7

Industrielle Elektronik – Ausarbeitung

IEC – Bus

5 HIB 2005/2006
Christine Sikula
Allgemeines:
Seit 1974 ist der IEC – Bus 625 ein einheitliches Verbindungssystem für
Hersteller von Messgeräten aus verschiedenen Ländern zur Koppelung
verschiedener Geräte. Eigentlich war der IEC – Bus anfangs nur zur Verbindung
zwischen Messgerät und Drucker oder ähnlichem gedacht, jedoch wurde er bald
auch in der Computerwelt verwendet, denn auch Geräte wie Diskettenlaufwerke
und Festplatten konnte man damit problemlos ansteuern (bis zu 15 Stück).

Andere Bezeichnungen für dieses System sind:

GPIB – General Purpose Interface Bus

HPIB – Hewlett Packard Interface Bus

IEEE 488 – Institute of Electrical and Electronic Engineers Standard 488

Talker, Listener, Controller:


Beim IEC – Bus gibt es drei verschiedene Zugriffsarten, die den Status des
Gerätes definieren:

• Talker - sendet Daten auf den Bus (z.B. Multimeter)


• Listener - empfängt Daten vom Bus (z.B. Drucker)
• Controller - koordiniert den Verkehr auf dem Bus (z.B. PC)

Jedes Gerät kann als Talker und Listener auftreten, es gibt aber nur einen
Controller. (in der Regel ist das der Computer)

Um diesen Vorgang etwas zu veranschaulichen ein Beispiel zur Beschreibung:

Stellen Sie sich eine lange Straße mit mehreren Bushaltestellen vor. Die
Haltestellen sollen die an der Leitung angeschlossenen Geräte sein. Auf dieser
Straße fährt nun ein richtiger Bus. An den Haltestellen stoppt er entweder dann,
wenn dort Leute stehen, die mitgenommen werden wollen, oder wenn im Bus
befindliche Personen auszusteigen wünschen. Kurz gesagt ist der Bus ein
Transportmittel, mit dem Leute von einer Haltestelle zu irgendeiner anderen
befördert werden. Wo ein- oder ausgestiegen wird, bestimmen die Fahrgäste
selbst, denn woher sollte der Busfahrer das wissen. Dieser ist nur für den
ordnungsgemäßen Transport und die Einhaltung der Verkehrsregeln zuständig.
Dieses Bild trifft auch ziemlich genau den Sachverhalt beim IEC-Bus. Der Bus-
Controller ist der Fahrer (von dem es natürlich nur jeweils einen gibt),
Haltestellen, bei denen sich der Bus füllt, werden Talker genannt und die
Stellen, bei denen Fahrgäste den Bus verlassen, sind die Listener.

In der Microcomputertechnik wird also ganz allgemein unter Bus ein


Leitungssystem verstanden, welches in der Regel von einem Controller gesteuert
wird, und an dem mehrere Einheiten gleichberechtigt angeschlossen sind.

Adressen:
Damit jedes Gerät vom Systemcontroller einzeln ansprechbar ist, um einen
geregelten Datenverkehr gewährleisten zu können, muss jedes Gerät Adressen
erhalten, die im Bereich 00 bis 30 (dezimal) liegen dürfen.
Meist ist dem Interface des Systemcontrollers bereits vom Hersteller eine
Adresse zugeordnet worden, die dann bei den anderen Teilnehmern ausgespart
werden muss (z.B. bei HPIB – Interface die Adresse 21). Per Hand erfolgt die
Adresseneinteilung an jedem einzelnen Messgerät, wobei beachtet werden muss,
dass keine Adresse mehrfach vergeben wird.
Obwohl es möglich wäre in dem Adressbereich 00 bis 30 31 Geräte zu
unterscheiden, dürfen nicht mehr als 15 Geräte angeschlossen werden
(einschließlich Systemcontroller). Auf Grund der Belastbarkeit des Datenbusses,
der nicht mehr als 14 Datenempfänger bedienen können muss.

Zusätzlich zu den Adressierungsschaltern sind noch drei weitere Schalter


angeordnet, wobei nur die beiden äußeren eine Funktion haben. Das vorliegende
Gerät kann als Talker und Listener arbeiten. Zum Datenverkehr ohne Steuergerät
sind die Einstellungen a) TALK ONLY = 1 bzw. b) LISTEN ONLY = 1
vorgesehen. Nun können in fest verdrahteter Form digitalisierte Daten von
einem Sender (a) zu einem zweiten Gerät, als Empfänger (b) geschaltet,
unadressiert über den Bus übertragen werden. Hier findet also keine
Fernsteuerung statt. Für den Datenverkehr im gesteuerten Bussystem müssen die
Schalter in der Position TALK ONLY = 0 und LISTEN ONLY = 0 stehen.

Busleitungen:
Der IEC – Bus umfasst drei Leitungssysteme:

• 8 Datenleitungen – Datenbus
• 5 Managementleitungen – Managementbus
• 3 Handshakeleitungen – Handshakebus
Über den Datenbus werden Messdaten in digitalisierter Form übertragen.
Darüber hinaus dient der Datenbus auch der Übertragung von bestimmten
Busbefehlen an die Messgeräte, der Adressierung eines Listener oder Talkers
und der Übertragung von Einstellparametern für ein adressiertes Messgerät.
Der Managementbus überwacht alle Busaktivitäten. Insbesondere signalisiert
seine ATN – Leitung, ob über den Datenbus Daten, Befehle oder Adressen
übertragen werden.
Der Handshakebus regelt die Datenübergabe zwischen den
korrespondierenden Geräten.

Datenbus

DIO 0 bis 7
DIO … Data - Input – Output

Managementbus

REN – Remote Enable

Durch diese Nachricht kann der Controller alle beteiligten Geräte in einen
Fernsteuerungszustand versetzen und die lokalen Bedienungsfunktionen sperren.

ATN – Attention

Durch diese Nachricht wird vom Controller festgelegt, ob die Information auf
dem Datenbus als Schnittstellennachricht (ATN = wahr) oder als
Gerätenachricht (ATN = falsch) zu interpretieren ist.

IFC – Interface Clear

Durch diese Nachricht kann der Controller alle angeschlossenen Interfaces in


eine normgemäße Grundeinstellung bringen.

SRQ – Service Request

Durch Setzen dieser Nachricht kann ein Gerät Bedienungen anfordern


(Interrupts).

EOI – End or Identify


Ein Talker zeigt hiermit eine Ende einer Blockübertragung an, falls ATN =
falsch (high) ist. Der Controller kann daraufhin die Talkerfunktion wieder
beenden. Falls ATN = wahr (low) ist, wird durch EOI, vom Controller, die
Identifizierung seines SRQ – Rufes eingeleitet.

Handshakebus

DAV – Data Valid

Über dieses Signal erklärt der Talker eine vom ihm auf den Datenbus gesetzte
Mehrdrahtnachricht für gültig.

NRFD – Not Ready For Data

Dieses Signal wird von einer Geräteschnittstelle gesetzt, so lange sie nicht in der
Lage ist, ein neues Datenwort aufzunehmen.

NDAC – Not Data Accepted

Dieses Signal wird von einer Geräteschnittstelle gesetzt, so lange sie mit der
Übernahme eines auf dem Datenbus anstehenden Wortes beschäftigt ist.

Signalspannungen:
Die elektrischen Spannungswerte auf den Busleitungen entsprechen den TTL –
Pegeln (TTL – Transistor Transistor Logik). Ein Signalsender muss die
folgenden Werte an seinem Ausgang garantiern:

Low – Zustand: UL ≤ 0,5 V, IL max = 48 mA

High – Zustand: UH ≥ 2,4 V, IH max = - 5,2 mA (Tri-State)

Betriebsspannung: 4,75V ≤ UB ≤ 5,25 V

Handshakeverfahren:
Die Datenübertragung zwischen zwei Geräten im IEC – Bussystem erfolgt
asynchron. Es gibt also kein festes taktgesteuertes Übertragungsprotokoll.
Die Übertragungsgeschwindigkeit wird von dem langsamsten der beteiligten
Geräte bestimmt.
Der Begriff „Hände schütteln“ soll auf die Weise der Datenübergabe vom Talker
zum Listener hinweisen.

Dabei gilt:

Der Talker darf erst senden, wenn der Listener Empfangsbereitschaft


signalisiert. Der Listener übernimmt erst Daten, wenn der Talker ihm die
Gültigkeit der Daten meldet.

Diese Prozedur wird über die drei Signale, welche bei dem Handshakebus
beschrieben wurden, abgewickelt. Alle Signale sind Low – aktiv.

Die Datenübergabe erfolgt entsprechend eines Signalablaufplans der in 5


folgenden Schritten eingeteilt ist:

Schritt 1:

Der vom Systemcontroller adressierte Talker legt seine Daten auf den Datenbus
und beobachtet die NRFD – Leitung. So lange die Leitung Low – Pegel führt,
sind noch nicht alle Listener empfangsbereit. Der Talker muss nun warten bis
auch der langsamste Listener seine Bereitschaft signalisiert und damit
NRFD = high wird.

Schritt 2:

Bei NRFD = high meldet der Talker mit der Leitung DAV = low, dass Daten auf
dem Datenbus abrufbereit liegen. Dies erkennen die Listener, beginnen die
Datenübernahme und setzen NRFD wieder auf Low – Pegel.

Schritt 3:

Während der Datenübernahme ziehen die Listener ihre Quittungsleitung NDAC


auf low und geben sie erst frei, wenn sie mit der Datenaufnahme fertig sind.
Somit bleibt NDAC = low bis der langsamste Listener die Daten übernommen
hat. NDAC = high bedeutet für den Talker, dass er neue Daten bereitstellen
kann. Er nimmt das Gültigkeitssignal wieder zurück, DAV wir high.

Schritt 4:

Da nun keine gültigen Daten mehr vorliegen, schalten die Listener ihre NDAC –
Leitung auf low.
Schritt 5:

Die vorher aufgenommenen Daten werden nun von den Listenern verarbeitet.
Wenn sie damit fertig sind, zeigen sie dies dem Talker an, in dem se ihre
NRFD – Leitung freigeben.
Ist dies bei allen Listenern geschehen, wird NRFD = high und der Talker kann
mit DAV = low wieder neue Daten anmelden.
Alles wiederholt sich ab Schritt 1.