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Der Falun Xiulian Dafa

von Li Hongzhi

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Vorwort des Verfassers
Seit "Der Falun-Xiulian-Dafa" im April 1993 herausgegeben wurde, hat er bei den Schülern, die
den Falun-Xiulian-Dafa praktizieren, ein starkes Echo gefunden. Das Buch hat auf die
Verbreitung und Popularisierung des Falun-Xiulian-Dafa eine positive und anleitende Wirkung
ausgeübt. Die Tatsachen beweisen, daß er äußerst große gesellschaftliche Wirkungen und
Einflüsse gezeigt hat. Es ist allen bekannt, daß er viel zur Verbesserung der körperlichen
Kondition und des Gesundheitszustandes des Volkes, zur Erhöhung seines ideologischen
Bewußtseins und zur Förderung der Sublimation seiner geistigen Moral beigetragen hat.
Weil der Inhalt des Falun-Xiulian-Dafa direkt auf den Verstand des Menschen ausgerichtet ist,
weil er die Praktizierenden des Falun-Xiulian-Dafa lehrt, daß sie ihren persönlichen Ruhm und
ihren persönlichen Reichtum sowie die persönliche Begierde in den Hintergrund rücken und daß
sie immer Gutes tun müssen, damit die De-Substanz (eine Art weißer Substanz) zum Gong (eine
Art Substanz von intelligenter Hochenergie) wird, hat der Falun-Xiulian-Dafa seit seiner
Verbreitung in bezug auf die Reinigung der Gedanken, die gesellschaftliche Stabilität und die
Verbesserung der öffentlichen Sicherheit in der Gesellschaft gute Resultate erzielt. Das Gong
derjenigen Schüler des Falun-Xiulian-Dafa, die ständig praktizieren und ihre Xinxing (die
geistige Natur) kontrollieren können, wächst besonders schnell. Viele von ihnen haben schon
manche Kultivierungsfunktionen bekommen. Bis jetzt habe ich in über zehn Städten des Landes
über den Kultivierungsweg gesprochen und die Kultivierungsbewegungen verbreitet. Die Zahl
der Kursteilnehmer beläuft sich auf Hunderttausende. Manche leitenden Persönlichkeiten der
Staatsorgane haben auch an dem Kurs teilgenommen. Sie haben sogar ohne Unterbrechung einen
Kurs durchgemacht. Dadurch haben sie dem Falun-Xiulian-Dafa eine äußerst große
Aufmerksamkeit geschenkt und eine tatkräftige Unterstützung gegeben. Um so stärker fühle ich
mich verpflichtet.
Ich trete in der Öffentlichkeit auf, mit der Zielsetzung, diejenigen, die seit Jahren das Qigong
betreiben, aber ihre Kultivierungsenergie nicht entwickeln können, auf eine höhere Stufe zu
bringen, damit sie so schnell wie möglich zur Erleuchtung und Weisheit kommen und in der
Gesamtheit eine hohe Stufe erreichen. Zugleich möchte ich die schlechten Phänomene, die jetzt
im Kreis der Qigong-Betreiber anzutreffen sind, und die schlechten Elemente, die aus anderen
Welträumen herkommen, zu beseitigen helfen, damit sich der echte Kultivierungsweg verbreitet
und die Sache des Qigong auf eine richtige und gesunde Bahn gebracht wird. Diese meine Idee
findet bei den leitenden Persönlichkeiten der Qigongkreise Unterstützung, und ich habe das auch
tatsächlich getan. Der Falun-Xiulian-Dafa ist in der Gesellschaft popularisiert worden, hat sehr
gute Resultate erzielt und eine erfolgreiche Entwicklung erfahren, was aber mit der
Unterstützung durch die leitenden Persönlichkeiten der Staatsorgane und der Qigongkreise
untrennbar verbunden ist. Anläßlich der Herausgabe des "Falun-Xiulian-Dafa" möchte ich ihnen
hiermit meinen Dank aussprechen.
Auf Anregungen alter Kursteilnehmer habe ich bei der Herausgabe dieses Buches manche
Abänderungen vorgenommen, "Das Statut" weggelassen und "Fragen und Antworten"
hinzugefügt. Weil dieses Buch dringend gebraucht wird, konnte ich seinen Inhalt und seine
Stilistik nicht ganz genau durchdenken. Fehler sind unvermeidlich. Kritische Meinungen und
Vorschläge von Lesern sind erwünscht, damit solche Stellen bei einer späteren Ausgabe
verbessert werden.
Oktober 1993

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Lunyu
Das "Buddha-Gebot" ist die tiefste, mystischste und ungewöhnlichste Wissenschaft von allen
Theorien der Welt. Wenn sich die Menschen auf dieses Gebiet begeben, müssen sie ihre normale
Mentalität abstreifen. Sonst bleibt für sie das wahre Antlitz des Kosmos immer ein Mysterium.
Gewöhnliche Menschen werden sich immer nur innerhalb des durch ihre Ignoranz gezeichneten
Kreises bewegen.
Was eigentlich ist das "Buddha-Gebot"? Ist es eine Religion? Eine Philosophie? Solche
Bewertungen entspringen ausschließlich dem Verständnis der "modernistischen Gelehrten des
Buddhismus". Sie lernen es nur als Theorie, wobei sie es als Wissen der philosophischen
Kategorie kritisieren und es einer sogenannten Forschung unterziehen. Tatsächlich ist das
"Buddha-Gebot" aber nicht allein das, was in den klassischen Werken des Buddhismus steht.
Diese stellen nur die Prinzipien auf der primären Ebene des "Buddha-Gebots" dar. Das "Buddha-
Gebot", das tiefschürfende Erkenntnisse enthält, die in alle Geheimnisse eindringen, erstreckt
sich vom Korpuskel und vom Molekül bis auf den Kosmos, vom unendlich Kleinen bis zum
unendlich Großen und enthält alles, nichts wird darin ausgelassen. Es umfaßt verschiedene
Erklärungen von "Zhen, Shan und Ren", Eigenschaften des Kosmos auf verschiedenen Ebenen.
Es ist das "Dao", das die Taoisten meinen, und das "Dharma", das die Buddhisten meinen.
Wie weit sich auch die Wissenschaft der Menschheit entwickelt hat, sie ist nur ein Teil der
Geheimnisse des Kosmos. Wenn wir konkrete Phänomene im "Buddha-Gebot" erwähnen, wird
es Leute geben, die sagen: "Jetzt leben wir schon in der Zeit der Elektronik. Die Wissenschaft ist
sehr weit entwickelt. Die Raumschiffe haben andere Planeten erreicht. Wozu noch dieses Gerede
über alten Aberglauben?" Ganz klar ausgedrückt, ist der Computer nie mit dem menschlichen
Gehirn zu vergleichen, wie weit er auch entwickelt sein mag. Das menschliche Gehirn bleibt
heute nach wie vor ein unlösbares Rätsel für die Forscher. Wie hoch die Raumschiffe auch
fliegen können, sie fliegen immer noch innerhalb dieses materiellen Raums, in dem wir
Menschen leben. Was die Kenntnisse, über die die modernen Menschen verfügen, erklären
können, bildet nur ein ganz oberflächliches und winziges Teilchen. Es ist sehr weit von der
richtigen Erkenntnis des wahren Antlitzes des Kosmos entfernt. Manche Leute wagen nicht, den
objektiv existierenden Tatsachen ins Auge zu sehen, damit in Berührung zu kommen und sie
anzuerkennen. Der Grund dafür ist, daß sie zu konservativ und nicht bereit sind, ihre
traditionellen Mentalitäten zu ändern und neu zu denken. Es ist einzig und allein das "Buddha-
Gebot", das das Rätsel des Kosmos, von Zeit und Raum und des menschlichen Körpers voll und
ganz lösen kann. Es ist in der Lage, eine richtige Trennungslinie zwischen Gutem und Bösem,
zwischen Richtigem und Falschem zu ziehen, alle Absurditäten auszumerzen und sie zu
berichtigen.
Die Forschung über die Entwicklung des "Buddha-Gebots" unter der Anleitung durch die
moderne Wissenschaft kann sich nur auf die materielle Welt beschränken. Jetzt schlägt die
Forschungsarbeit den Weg ein, die Dinge, die schon verstanden worden sind, zu erforschen.
Phänomene, die in unserem Weltraum nicht zu sehen und zu berühren sind, aber objektiv
existieren und sich in unserem materiellen Raum widerspiegeln können, also eine wirkliche
Manifestation, wagen manche Leute aber nicht zu berühren, oder sie sehen sie als unerklärliche
Phänomene an. Diejenigen, die starrköpfig sind, suchen willkürliche Argumente, um sie als
Naturphänomene abzustempeln. Diejenigen, die gewisse Hintergedanken haben, belegen sie
gegen ihr Gewissen mit dem Schimpfnamen "Aberglaube". Diejenigen, die sich nicht um die
Suche nach der Wahrheit kümmern, wollen ihnen unter dem Vorwand, daß die Wissenschaft
noch nicht so weit entwickelt ist, ausweichen. Wenn die Menschheit ein neues Verständnis für ihr
Selbst und den Kosmos hat und ihre verknöcherten Mentalitäten ändert, kann sie einen großen
Sprung vollziehen. Das "Buddha-Gebot" ist imstande, den Menschen eine Einsicht in die

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unermeßliche und grenzenlose Welt zu verschaffen. Es ist von alters her ausschließlich das
"Buddha-Gebot", das die verschiedenen Räume, in denen die Menschen und die Materie
existieren, das Leben und den ganzen Kosmos gründlich erklären kann.

Li Hongzhi
2. Juni 1992

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Kapitel 1 - Einführung
Das Qigong kann in China auf eine lange Vergangenheit zurückblicken und hat eine ausgedehnte
Geschichte, deshalb haben Chinesen beim Trainieren des Qigong besonders günstige
Bedingungen. Die beiden Kultivierungssysteme, die buddhistische und die taoistische Schule als
orthodoxe Wege zur Kultivierung, haben viele geheime Kultivierungswege in die Öffentlichkeit
gebracht. Die taoistische Schule hat ganz besondere Kultivierungswege, und die buddhistische
Schule besitzt auch ihre eigenen. Der Falun-Xiulian-Dafa gehört zum buddhistischen
Kultivierungssystem auf hoher Ebene. In meinem Ausbildungskurs bringe ich zuerst die Körper
aller Kursteilnehmer in einen Zustand, der zur Kultivierung auf hoher Ebene geeignet ist. Dann
setze ich das Falun und den Qiji (den Energiemechanismus) in und um die Körper aller. Danach
bringe ich euch bei, wie die Kultivierungsübungen gemacht werden. Außerdem werden euch
meine Gebotskörper dabei beschützen. Aber dies alles allein genügt bei weitem nicht, um große
Erfolge bei der Kultivierung zu erreichen. Es wird von euch allen verlangt, die Grundsätze für
die Kultivierung auf hoher Ebene zu erfassen, die in diesem Buch behandelt werden.
Ich rede jetzt von der Kultivierung auf hoher Ebene, deshalb spreche ich nicht über die Dinge
wie Akupunkturpunkte und Meridiane. Ich rede über den Kultivierungsweg, ein echtes
Kultivierungssystem auf hoher Ebene. Das hört sich anfangs etwas merkwürdig an, aber ein
entschlossener Praktizierender wird das Geheimnis begreifen, wenn er es studiert und sich weiter
vertieft.

1. Die Herkunft des Qigong


Das Qigong, von dem wir heute reden, hieß ursprünglich nicht Qigong. Es stammt von der
individuellen Kultivierung in der altchinesischen Zeit oder von der religiösen Kultivierung. Man
hat in den "Texten der internen Alchemie", "Taotsang", und der "Tripitaka" nachgeschlagen,
konnte aber die Terminologie "Qigong" nicht finden. Bevor die Religion entstand, gab es schon
Qigong. Während der Entwicklung der Zivilisation der jetzigen Menschheit hat es das
Anfangsstadium der Religion durchgemacht. Seit der Existenz der Religion trägt es eine gewisse
religiöse Farbe. Sein eigentlicher Name war der Weg zur Kultivierung zum Buddha oder der
Weg zur Kultivierung zum Tao. Es gab dafür noch andere Namen wie Neunfache Alchemie, die
Arhat-Methode und die Dhyana von Vajra. Jetzt nennen wir es "Qigong", damit es für die
Menschen in der Gegenwart leichter gemacht wird, es zu akzeptieren und in der Gesellschaft zu
popularisieren. Tatsächlich ist es in China eine reine Kultivierung menschlicher Körper.
Das Qigong ist nicht das, was von den Menschenwesen dieses Weltkreises erfunden wurde. Es
kann auf eine sehr sehr lange Vergangenheit zurückblicken. Wann entstand das Qigong
eigentlich? Manche sagen, daß das Qigong dreitausend Jahre alt sei und seine Blütezeit in der
Tang-Dynastie erlebt habe. Manche sagen, daß es schon eine Geschichte von fünftausend Jahren
habe und so alt wie die Kultur der chinesischen Nation sei. Manche sagen, daß es nach
archäologischen Funden schon eine Geschichte von siebentausend Jahren habe. Ich bin aber der
Meinung, daß das Qigong nicht von der jetzigen Menschheit erfunden worden ist. Es gehört zu
den vorgeschichtlichen Kulturen. Nach den Ergebnissen einer Überprüfung durch Leute mit
übernatürlichen Funktionen ist der Weltraum, in dem wir leben, eine Zusammensetzung nach
neunmaliger Explosion. Der Planet, auf dem wir leben, ist mehrmals zugrunde gegangen.
Nachdem der Planet neu zusammengesetzt worden war, vermehrten sich von neuem Menschen.
Wir haben bemerkt, daß es jetzt vieles auf der Welt gibt, was über die jetzige menschliche
Zivilisation hinausgeht. Nach der Evolutionstheorie Darwins stammen die Menschen von

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Menschenaffen ab. Und die Zivilisation ist auch nicht älter als zehntausend Jahre. Bei
archäologischen Funden hat man entdeckt, daß es in Grotten in den Alpen Europas über 250.000
Jahre alte Wandgemälde gibt, die von großem künstlerischem Wert sind und deren künstlerisches
Niveau über dem der heutigen Menschen steht. In dem Museum der Staatlichen Universität
Perus gibt es einen großen Stein mit einer Menschengestalt, die mit einem Fernrohr die
Himmelskörper beobachtet. Diese Figur ist vor über 30.000 Jahren entstanden. Wie alle wissen,
hat Galileo Galilei im Jahre 1609 ein Teleskop mit dreißigfacher Vergrößerung entwickelt. Wie
konnte ein Teleskop vor mehr als 30.000 Jahren entstehen, wenn es erst vor etwa 300 Jahren
entwickelt worden ist? In Indien gibt es einen Eisenstab, dessen Reinheit über neunundneunzig
Prozent beträgt. Auch mit moderner Hüttentechnologie kann man Eisen von solcher Reinheit
nicht produzieren. Es übertrifft sogar den jetzigen Stand der Technologie. Wer hat solche
Zivilisation entwickelt? Wie konnten die Menschen, die damals vielleicht noch
Mikroorganismen waren, solche Dinge entwickeln? Die Entdeckung solcher Dinge hat die
Aufmerksamkeit der Wissenschaftler aller Länder der Welt erregt. Weil sie nicht in der Lage
sind, das zu erklären, nennen sie das einfach "Vorgeschichtliche Kulturen".
Die wissenschaftlichen Niveaus verschiedener Weltkreise sind unterschiedlich. Die mancher
Weltkreise waren ziemlich hoch und gingen über das Niveau der gegenwärtigen Menschheit
hinaus. Aber jene Zivilisationen wurden zerstört. Deshalb sage ich, daß das Qigong nicht von
den Menschen der Gegenwart entwickelt oder geschaffen worden ist, sondern daß es von ihnen
entdeckt und vervollkommnet worden ist. Es gehört zur vorgeschichtlichen Kultur.
Qigong ist nicht das, was es nur in China gibt. Im Ausland gibt es auch Qigong. Aber es wird
nicht Qigong genannt, in westlichen Ländern wird es "Zauberei" genannt, zum Beispiel in den
USA und in Großbritannien und anderen Ländern. Es gibt einen amerikanischen Zauberer, der
im Grunde ebenfalls übernatürliche Kräfte besitzt. Einmal zeigte er seine magische Kunst, durch
die Chinesische Mauer zu gehen. Bevor er das machte, deckte er sich mit einem weißen Tuch zu,
das an die Wand der Mauer gehängt worden war. Warum tat er das? Es waren viele schaulustige
Leute gekommen, die an der Zauberkunst interessiert waren. Deshalb mußte er so handeln. Er
wußte auch, daß es in China viele große Qigong-Meister gibt. Er hatte Angst davor, daß diese
Leute dabei eingreifen würden. Deshalb hatte er sich zugedeckt, bevor er durch die Mauer ging.
Vor dem Herauskommen aus der Mauer stützte er mit einer Hand das Tuch. Dann kam er heraus.
"Ein Experte blickt hinter die Kulissen, während ein Laie nur dem Schauspiel zusieht." So
meinten die Zuschauer, daß das nur Magie wäre. Sie nennen es deshalb Magie, weil sie es nicht
zur Kultivierung des Körpers benutzen, sondern um die Menschen zu unterhalten oder um
Sensationen auf der Bühne zu zeigen. Man kann sagen, daß das Qigong auf der niedrigen Ebene
den Zustand des menschlichen Körpers verändert, Krankheiten heilt und einen gesund macht,
und daß das Qigong auf der hohen Ebene den Benti des Menschen kultiviert.

2. Das Qi und das Gong


Das Qi ( ), über das wir heute reden, hieß auch im alten China "Qi" ( ). Ein hoch
kultivierter Qigong-Praktizierender gibt kein Qi frei, sondern eine Energiemasse, eine Art
Substanz mit hoher Energie in Form von Licht, deren Körnchen sehr fein und von großer Dichte
sind. Das nennen wir Gong (Kultivierungsenergie). Es ist dies, was die normalen Menschen
beeinflussen und Krankheiten von Menschen heilen kann. Ein Spruch besagt: Ein Buddha strahlt
überall über die Welt sein Licht aus, in dem die Menschen rechtschaffen und höflich werden.
D.h. der Körper eines Menschen, der nach einer richtigen Doktrin praktiziert, bringt eine große
Menge von Energie mit sich. Wohin er auch geht, der anomale Zustand wird im Einflußbereich
seiner Energie berichtigt und in einen normalen Zustand gebracht. Der Körper eines kranken
Menschen z.B. ist in einem anomalen Zustand. Wenn dieser Zustand berichtigt worden ist, ist er
frei von Krankheit. Allgemein verständlich gesagt, Gong ist eben Energie. Das Gong gehört zur
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Materie. Ein Qigong-Praktizierender kann durch Kultivierung die Existenz des Gong
wahrnehmen.

3. Die Kultivierungspotenz und die Kultivierungsfunktionen

(1) Die Kultivierungspotenz entsteht durch die Kultivierung der Xinxing


Das Gong, das über die Stufe der Kultivierungspotenz eines Menschen entscheidet, wird nicht
durch die Übungen erreicht, sondern durch die Umwandlung des De (einer Art Substanz), durch
die Verbesserung der Xinxing (der geistigen Natur). Dieser Umwandlungsvorgang vollzieht sich
nicht etwa, wie es sich ein normaler Mensch vorstellen würde, dadurch, daß ein Kessel auf ein
Feuer gestellt würde, in dem aus den gesammelten Heilkräutern das Elixier der Unsterblichkeit
zusammengebraut würde. Das Gong, das wir meinen, bildet sich außerhalb des Körpers. Es
entsteht zuerst beim unteren Körper und wächst mit der Verbesserung der eigenen Xinxing
spiralförmig nach oben. Das Gong bildet sich völlig außerhalb des Körpers. Letzten Endes
entsteht auf dem Scheitel eine Gong-Säule. Wie hoch die Gong-Säule ist, so hoch ist das Gong
dieses Menschen. Die Gong-Säule befindet sich in einem versteckten Weltraum, und ein
normaler Mensch kann sie nicht wahrnehmen.
Die Kultivierungsfunktionen werden durch die Kultivierungspotenz verstärkt. Ein
hochkultivierter Mensch mit großer Kultivierungspotenz verfügt über große Kultivierungs-
funktionen und kann sie sehr geschickt zur Geltung bringen, während ein Mensch mit kleiner
Kultivierungspotenz nur kleine Kultivierungsfunktionen besitzt, und sie auch nicht geschickt zur
Geltung bringen kann, ja sogar nicht gebrauchen kann. Die Kultivierungsfunktionen selbst
besagen nicht, wie groß die Kultivierungspotenz eines Menschen ist und auf welcher
Kultivierungsebene dieser Mensch steht. Nicht die Kultivierungsfunktionen, sondern die
Kultivierungspotenz bestimmt die Kultivierungsebene eines Menschen. Manche haben in einer
"verschlossenen" Situation praktiziert, sie mögen große Kultivierungspotenz haben, aber nicht so
viele Kultivierungsfunktionen. Der entscheidende Faktor ist die Kultivierungspotenz, die durch
die Verbesserung der geistigen Natur entsteht. Das ist das Allerwichtigste.

(2) Ein sich Vervollkommnender soll nicht nach Kultivierungsfunktionen trachten


Alle sich Vervollkommnenden haben ein großes Interesse an den Kultivierungsfunktionen.
Magische Fähigkeiten haben in der Öffentlichkeit eine verlockende Kraft. Viele Menschen
wollen gerne über gewisse Kultivierungsfunktionen verfügen. Aber Leute mit einer schlechten
Xinxing können sich solche Funktionen nicht erwerben.
Ein normaler Mensch kann über gewisse Funktionen verfügen, z.B. mit dem Tian-mu
(Himmelsauge) zu sehen, mit dem Tian-er (Himmelsohr) zu hören, Gedanken zu übertragen,
sowie Voraussagen zu machen usw. Solche Funktionen sind bei verschiedenen Personen ganz
unterschiedlich. In der Situation der allmählichen Erleuchtung kann ein Praktizierender nicht auf
einmal alle Kultivierungsfunktionen bekommen. Manche Funktionen darf ein normaler Mensch
nicht haben. Er kann beispielsweise nicht einen Gegenstand in unserem realen Weltraum in einen
anderen umwandeln. Große Funktionen werden durch die Kultivierung nach der Geburt erreicht.
Der Falun-Xiulian-Dafa entwickelt sich auf der Basis der Grundsätze des Kosmos. Über die
Funktionen, die im Kosmos existieren, verfügt der Falun-Xiulian-Dafa auch. Es kommt darauf
an, wie ihn ein sich Vervollkommnender praktiziert. Es ist zwar nicht falsch, gewisse
Kultivierungsfunktionen zu bekommen. Aber wenn man hartnäckig danach jagt, dann ist das
kein normaler Wunsch mehr. Und es wird zu schlechten Ergebnissen führen. Einige Funktionen

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auf niedrigen Stufen zu erwerben nützt nicht viel. Man denkt dabei vielleicht an nichts anderes
als, sie mal zu gebrauchen und seine Künste in der Öffentlichkeit zu zeigen, um sich für einen
starken Menschen unter normalen Menschen auszugeben. Wenn das so wäre, beweist das gerade,
daß dieser Mensch von niedriger Xinxing ist. Es wäre auch richtig, diesem keine
Kultivierungsfunktionen zu geben. Mit manchen Kultivierungsfunktionen kann ein Mensch mit
schlechter Xinxing Schlechtes tun, und niemand kann garantieren, daß ein Mensch mit
schlechter Natur nichts Schlechtes tut.
Auf der anderen Seite sind all die Funktionen, die zur Schau zu stellen sind, nicht in der Lage,
die Gesellschaft und das normale Leben zu ändern. Die wirklich hohen Kultivierungsfunktionen
dürfen nicht vorgeführt werden, weil ihre Einflüsse und Gefahren viel zu groß sind. Man darf
eben nicht zeigen, daß man ein Haus umstürzen kann. Die besonders großen Funktionen darf nur
derjenige anwenden, der eine besondere Mission hat. Sonst dürfen und können sie auch nicht
gezeigt werden, denn sie stehen unter der Kontrolle des Shangshi (des überweltlichen Meisters).
Es gibt oft solche normale Menschen, die einen Qigong-Meister dazu nötigen, seine Künste zur
Schau zu stellen. Aber die Leute mit Kultivierungsfunktionen sind auch nicht gewillt, ihre
Funktionen vorzuführen, denn das ist ihnen nicht erlaubt. Wenn sie das tun, wird der Zustand der
Gesellschaft gestört. Die Kultivierungsfunktionen eines tugendhaften Menschen dürfen nicht
gezeigt werden. Bei der Vorführung waren manche Qigong-Meister sehr schlechter Laune, und
nachher mußten sie schon laut weinen. Man soll sie nicht zwingen, ihre Künste vorzuführen. Es
ist ihnen sehr peinlich, sie zu zeigen. Ein Kursteilnehmer zeigte mir eine Zeitschrift, die bei mir
Abscheu erregte. Darin stand: "Es wird eine internationale Konferenz über Qigong stattfinden.
Wer Funktionen hat, kann sich an einem Funktionswettkampf beteiligen. Wer höhere Funktionen
hat, kann sich dafür melden." Danach fühlte ich mich ein paar Tage unwohl. Damit kann man
doch nicht zum Wettkampf gehen. Es wird einen bestimmt reuen, wenn man es tut. Ein normaler
Mensch achtet nur auf etwas Praktisches. Aber ein Qigong-Meister muß sich seiner Würde
bewußt sein.
Wozu will man die Kultivierungsfunktionen? Das spiegelt seine Gesinnung und seinen Wunsch
wider. Wenn sein Wunsch unrein und seine Gesinnung nicht zuverlässig ist, ist es für ihn auch
unmöglich, hohe Kultivierungsfunktionen zu erhalten. Bevor du dich nicht erleuchtet hast,
kannst du nur nach den Kriterien des Gesetzes der Menschenwelt die Dinge beurteilen. Du
kannst nicht das Wahre an der Sache und die vorbestimmten Ursachen dafür sehen. Schlagen,
Schimpfen und Schikanieren der Menschen untereinander müssen doch ihre vorbestimmten
Ursachen haben. Wenn du das nicht einsiehst, leistest du nur einen Bärendienst. Um die
Dankbarkeit und den Haß, das Richtige und das Falsche unter den normalen Menschen kümmert
sich das Recht der Menschenwelt, nicht aber ein sich Vervollkommnender, denn das Wahre an
der Sache vor deinen Augen ist anders als das, was du tatsächlich gesehen hast, bevor du die
Erleuchtung erreicht hast. Einer gibt einem anderen einen Faustschlag, das kann bedeuten, daß
die beiden ihr Karma begleichen. Wenn du eingreifst, kann das schon eine Störung beim
Abschluß ihres Karmas bedeuten. Das Karma ist eine schwarze Substanz rund um den Körper
des Menschen. Sie existiert in einem anderen Weltraum, und es kann sich in Krankheiten oder
Unheil für einen Menschen umwandeln.
Jeder hat seine Funktionen. Sie können durch ständige Vervollkommnung erschlossen und
verstärkt werden. Wenn ein sich Vervollkommnender nur nach Kultivierungsfunktionen trachtet,
handelt er kurzsichtig und hat keine reine Gesinnung. Gleich, wozu er diese Funktionen braucht,
muß er schon egoistische Gedanken haben, die die Kultivierung beeinträchtigen müssen. Das
wird schon dazu führen, daß er sich bestimmt keine Kultivierungsfunktionen aneignen kann.

(3) Zweckmäßiger kontrollierter Gebrauch der Kultivierungspotenz

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Manche praktizieren Qigong noch nicht lange. Trotzdem wollen sie Krankheiten anderer heilen,
um ihre Kultivierungsfunktionen zu versuchen. Wenn diejenigen, die nur geringe
Kultivierungspotenz haben, Krankheiten anderer zu heilen versuchen, so ziehen sie eine große
Menge von schwarzem Qi, krankem Qi und schmutzigem Qi vom Körper der Kranken an. Weil
du nicht dazu fähig bist, dich gegen das kranke Qi zu wehren, und auch keine Schutzkappe
besitzt, teilst du mit dem Kranken ein Feld. Dann fühlst du dich unpäßlich, weil du über keine
hohe Kultivierungspotenz verfügst. Wenn sich niemand um dich kümmert, wirst du nach langer
Zeit unter allen Arten von Krankheiten leiden. Deshalb können Qigong-Praktizierende mit
geringer Kultivierungspotenz keine Krankheiten anderer heilen. Nur wenn du
Kultivierungsfunktionen besitzt und über eine gewisse Kultivierungspotenz verfügst, kannst du
mit dem Qigong Krankheiten anderer heilen. Obwohl manche Leute gewisse
Kultivierungsfunktionen besitzen und auch Krankheiten anderer heilen können, verbrauchen sie,
wenn sie noch mit ihren Funktionen auf der niedrigen Ebene stehen, ihre gesammelte
Kultivierungspotenz und ihre eigene Energie, um Krankheiten anderer zu heilen. Das Gong ist
eine Art Energie und ein intelligentes Wesen. Deshalb ist es sehr schwer, es zu sammeln. Dieses
Gong zu benutzen bedeutet nichts anderes als sich selbst zu verbrauchen. Während du das Gong
frei gibst, verkürzt sich dabei die Gong-Säule über dem Scheitel. Das lohnt sich überhaupt nicht.
Deshalb bin ich der Ansicht, daß einer, wenn er keine hohe Kultivierungspotenz besitzt, keinen
Kranken heilen sollte. Wie gut seine Heilkünste auch sein mögen, er verbraucht dabei nichts
anderes als seine eigene Energie.
Wenn die Kultivierungspotenz einen gewissen Grad erreicht hat, entstehen verschiedene
Kultivierungsfunktionen. Wenn man diese Funktionen gebraucht, muß man schon ganz
vorsichtig sein. Wenn z.B. das Tian-mu (das Himmelsauge) aufgemacht worden ist, muß man es
gebrauchen. Sonst wird es wieder zugemacht. Man soll auch nicht immer davon Gebrauch
machen, sonst verliert man dabei zu viel Energie. Bedeutet das, daß man es nie gebrauchen soll?
Natürlich nicht! Wozu praktiziert man, wenn man nie davon Gebrauch machen darf? Die Frage
liegt darin, wann man es gebraucht. Wenn man einen gewissen Kultivierungsgrad erreicht hat
und sich selbst kompensieren kann, dann kann man schon davon Gebrauch machen. Wieviel
Gong ein Praktizierender des Falun-Xiulian-Dafa mit hoher Kultivierungspotenz frei gibt, so viel
Gong kann durch das Gong, das vom Falun automatisch erzeugt wird, kompensiert werden. Auf
diese Weise wird das Niveau seiner Kultivierungspotenz um keinen Moment niedriger, was eine
Besonderheit des Falun-Xiulian-Dafa darstellt. Nur wenn ein Praktizierender ein solches Niveau
erreicht hat, kann er seine Kultivierungsfunktionen gebrauchen.

4. Das Himmelsauge

(1) Das Öffnen des Himmelsauges


Das Himmelsauge befindet sich in dem Kieferzapfen, die Öffnung seines Hauptkanals liegt
zwischen den beiden Augenbrauen. Das Sehprinzip eines Menschen mit normalen Augen gleicht
dem Prinzip eines Fotoapparates. Mit der Änderung der Entfernung und der Lichtstärke werden
der Glaskörper und die Größe der Pupillen eingestellt, wobei Dinge im Kieferzapfen im hinteren
Teil des Großhirns mittels Sehnerven abgebildet werden. Bei der Durchsicht der übernatürlichen
Funktionen sieht man durch das Himmelsauge direkt mit dem Kieferzapfen. Das Himmelsauge
eines normalen Menschen ist nicht geöffnet. Der Hauptkanal ist sehr schmal, sehr dunkel, und
hier gibt es keine intelligente Energie und kein Licht. Bei manchen Leuten ist der Hauptkanal
verstopft, deshalb können sie nicht mit dem Himmelsauge sehen.
Um mit dem Himmelsauge zu sehen, öffnet man erstens entweder durch äußere Kräfte oder
durch die eigene Kultivierung den Hauptkanal. Die Formen der Hauptkanäle sind bei
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verschiedenen Leuten ganz unterschiedlich, sie können z.B. oval, rund, rhombusförmig oder
dreieckig sein. Je besser man sich kultiviert, desto runder wird der Hauptkanal. Zweitens wird
man vom Meister mit einem Auge versorgt, oder wenn man für sich ein Himmelsauge kultiviert,
dann kann man selbst Kultivierung betreiben. Drittens muß es an der Stelle des Himmelsauges
intelligente Energie geben.
Normalerweise sehen wir Dinge mit unseren beiden Augen. Gerade diese zwei Augen versperren
unseren Kanal, der zu dem anderen Weltraum führt. Sie dienen als eine Schutzwand, so daß wir
nur Dinge in unserem Weltraum sehen können. Beim Sehen mit dem Himmelsauge muß man die
Benutzung der beiden Augen vermeiden. Auf einer sehr hohen Stufe kann man durch die
Kultivierung dort ein Echtes Auge bekommen. Dann kann man mit dem Himmelsauge in Form
des Echten Auges sehen oder mit dem Auge an dem Ort zwischen den beiden Augen sehen. Die
Buddhisten sagen, daß jede Pore am menschlichen Körper ein Auge ist, man hat Augen am
ganzen Körper. Die Taoisten sagen, daß jeder Akupunkturpunkt ein Auge ist. Aber der
Hauptkanal liegt vor dem Himmelsauge, deshalb muß der Hauptkanal zuerst geöffnet werden. Im
Kurs versorge ich jeden Kursteilnehmer mit dem, was zur Öffnung des Himmelsauges dient.
Weil die Kursteilnehmer unterschiedliche Konditionen haben, kann das auch zu
unterschiedlichen Resultaten führen. Manche sehen eine schwarze Höhle wie einen tiefen
Brunnen. Das heißt: Der Hauptkanal ihres Himmelsauges ist schwarz. Manche sehen einen
weißen Kanal. Wenn man etwas vor sich sehen kann, bedeutet das, daß sich das Himmelsauge zu
öffnen verspricht. Wenn man etwas sieht, was sich dreht, so ist das gerade das, womit ich einen
zum Öffnen des Himmelsauges versorge. Man kann schon sehen, wenn der Kanal durchgebohrt
ist. Manche sehen ein großes Auge und denken dabei, daß das des Buddha's Auge sei. In der Tat
ist das ihr eigenes Auge. Und das geschieht den Leuten mit guter angeborener Qualität oft.
Nach unserer Statistik gibt es in jedem Kurs über die Hälfte der Kursteilnehmer, deren
Himmelsauge sich geöffnet hat. Aber es taucht mit dem Öffnen des Himmelsauges ein Problem
auf: Manche, die keine gute Xinxing besitzen, tendieren dazu, damit etwas Schlechtes zu tun.
Um das zu vermeiden, öffne ich das Himmelsauge der Schüler direkt auf der Stufe des
Weisheitsauges, d.h. auf einer hohen Stufe. Dann kann der Kursteilnehmer beim Praktizieren
direkt Szenen in den anderen Welträumen sehen, wodurch er den festen Glauben an die
Kultivierung behält und sich seine Zuversicht in die Kultivierung verstärkt. Wenn jemand, der
mit dem Falun-Xiulian-Dafa ohne übernormale Xinxing beginnt, einmal übernormale Kräfte
besitzt, neigt er dazu, etwas Schlechtes zu tun. Ich erzähle ein Beispiel, um ein Beispiel zu
geben. Wenn du auf der Straße einen Lotteriestand bemerkst, dann kannst du immer den ersten
Preis in der Lotterie gewinnen. Aber das ist nicht erlaubt. Ein anderer Grund dafür ist, daß es bei
uns hier viele Leute gibt, die ihr Himmelsauge geöffnet haben. Ist das noch eine Gesellschaft,
wenn jeder, dessen Himmelsauge auf einer niedrigen Ebene geöffnet worden ist, den
menschlichen Körper durchleuchten und Dinge durch eine Mauer sehen kann. Das stört das
normale gesellschaftliche Leben aufs ernsteste. Deshalb ist es nicht erlaubt, und man darf es
auch nicht machen. Außerdem ist das nicht gut für den Praktizierenden und nährt bei diesem
seinen Eigensinn. Deshalb öffne ich dein Himmelsauge nicht auf einer niedrigen Stufe, sondern
direkt auf einer hohen Stufe.

(2) Die Stufen des Himmelsauges


Das Himmelsauge hat verschiedene Stufen. Je nach Stufe kann man auch unterschiedliche
Welträume sehen. Der Buddhismus unterscheidet fünf Stufen des Himmelsauges: das
Fleischliche Auge, das Himmlische Auge, das Weisheitsauge, das Sachliche Auge und das
Buddha-Auge. Jede Stufe wird dann in obere, mittlere und untere Unterstufe gegliedert.
Unterhalb der Stufe des Himmlischen Auges kann man nur diese unsere materielle Welt sehen.
Oberhalb der Stufe des Weisheitsauges kann man erst andere Welträume sehen. Manche Leute

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besitzen Durchleuchtungsfunktionen, und sie können Dinge sehr genau durchleuchten, sogar
besser als die CT-Abtastung. Aber was sie gesehen haben, bleibt immer in dieser unserer
materiellen Welt und geht nicht über den Weltraum hinaus, in dem wir leben. So gehört das noch
nicht zu den höheren Stufen des Himmelsauges.
Welche Stufe das Himmelsauge eines Menschen erreicht hat, hängt davon ab, wieviel essentielle
Energie er besitzt, wie weit und wie hell der Hauptkanal des Himmelsauges ist und in welchem
Maß der Hauptkanal verstopft ist. Die essentielle Energie ist der entscheidende Faktor für die
Schärfe des Himmelsauges. Für Kinder unter sechs Jahren ist es sehr leicht, das Himmelsauge zu
öffnen. Ich brauche dabei meine Hand nicht zu benutzen. Sobald ich es sage, dann öffnet sich
schon sein Himmelsauge. Denn ein Kind wird sehr wenig von dieser materiellen Welt beeinflußt,
und es hat auch nichts Schlechtes getan. Deshalb ist seine angeborene essentielle Energie sehr
gut erhalten. Für Kinder von über sechs Jahren wird es allmählich schwerer, ihr Himmelsauge zu
öffnen. Mit dem Fortschreiten ihres Alters werden sie auch immer mehr von der Außenwelt
beeinflußt. Besonders durch eine schlechte Erziehung nach der Geburt und Verwöhnung und
Missetaten wird seine essentielle Energie verbraucht. Wenn die essentielle Energie eines
Menschen verbraucht ist, kann sie durch die Kultivierung nach der Geburt allmählich
wiedergewonnen werden, aber es bedarf vieler Zeit und vieler Mühe. Deshalb ist diese
essentielle Energie äußerst wertvoll.
Ich bin dagegen, das Himmelsauge eines Menschen auf der Stufe des Himmlischen Auges zu
öffnen. Der Grund dafür ist, daß mehr Energie beim Durchleuchten verbraucht wird als die, die
durch das Praktizieren gesammelt wird, wenn sich der Praktizierende noch auf einer niedrigen
Ebene befindet. Wenn zu viel essentielle Energie verbraucht wird, kann das Himmelsauge wieder
zugehen. Wenn es einmal zugegangen ist, ist es dann sehr schwer, es wieder zu öffnen. Deshalb
öffne ich anderen das Himmelsauge normalerweise auf der Stufe des Weisheitsauges. Dadurch
kann der Praktizierende Dinge anderer Welträume sehen, auch wenn er sie noch nicht deutlich
wahrnehmen kann. Von den angeborenen Bedingungen beeinflußt, können manche sehr klar
sehen, manche ganz verschwommen, manche nur undeutlich. Aber zumindest kann man schon
Licht sehen. Das ist gut für die Praktizierenden bei der Entwicklung auf eine höhere Ebene.
Wenn man nicht klar sieht, kann das durch ununterbrochenes Praktizieren nachgeholt werden.
Wer keine ausreichende essentielle Energie besitzt, sieht mit dem Himmelsauge nur
schwarzweiße Bilder. Wer mehr essentielle Energie besitzt, sieht durch das Himmelsauge bunte
und klarere Bilder. Je mehr essentielle Energie man besitzt, eine desto bessere Schärfe
bekommen die Bilder. Das ist aber unterschiedlich bei unterschiedlichen Leuten. Bei manchen
Leuten kann das Himmelsauge schon nach der Geburt offen sein. Bei manchen Leuten aber kann
das Himmelsauge sehr fest verstopft sein. Die Szene beim Sich-Öffnen des Himmelsauges ist
ähnlich wie beim Blühen einer Blume: Eine Schicht von Blumenblättern blüht nach der anderen
auf. Wenn einer in Meditation versinkt, bemerkt er einen Ball von Licht, das anfangs nicht so
hell ist und später rot wird. Das Himmelsauge von manchen Leuten ist sehr fest blockiert, so daß
beim Sich-Öffnen am Anfang eine starke Reaktion auftritt. Sie können spüren, daß sich der
Hauptkanal und der Ort zwischen den beiden Augen straffen, als ob sich die Muskeln
zusammenzögen und nach innen bohrten. Die Schläfen und die Stirn haben ein Dehnungs- und
Schmerzgefühl. All dies ist die Reaktion auf das Sich-Öffnen des Himmelsauges. Manche Leute,
deren Himmelsauge sich leicht öffnet, können auch zufällig gewisse Dinge wahrnehmen.
Manche Leute haben im Kurs bei Gelegenheit z.B. meinen Gebotskörper gesehen. Wenn sie ihn
mit Absicht beobachten, ist er wieder verschwunden. Die Ursache dafür ist, daß sie mit ihren
fleischlichen Augen sehen. Wenn man mit geschlossenen Augen etwas gesehen hat, soll man
immer in dem Zustand bleiben. Auf diese Weise kann man es allmählich klarer sehen. Wenn man
mit Absicht genau sehen will, sieht man schon mit den fleischlichen Augen durch die Sehnerven.
Deswegen kann man es nicht mehr zu Gesicht bekommen.

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Auf verschiedenen Stufen des Himmelsauges kann man verschiedene Welträume sehen. Manche
Institutionen der wissenschaftlichen Forschung verstehen das nicht, so daß sie erwartbare
Forschungsergebnisse mit Qigong nicht erzielen, manchmal bekommen sie sogar
entgegengesetzte Ergebnisse. Eine Institution zum Beispiel hat eine Methode zur Überprüfung
der besonderen Funktionen von Qigong entwickelt. Sie ließ Qigong-Meister sehen, was in einem
hermetisch verschlossenen Kasten versteckt liegt. Weil das Himmelsauge der Qigong-Meister
auf verschiedenen Stufen liegt, sind ihre Antworten darauf auch ganz unterschiedlich. Deshalb
ist der Prüfer zu dem Schluß gekommen, daß das Himmelsauge falsch und betrügerisch sei. Bei
einer solchen Prüfung kann manchmal derjenige, dessen Himmelsauge auf einer niedrigen Stufe
liegt, bessere Ergebnisse erzielen. Denn sein Himmelsauge liegt auf der Stufe des Himmlischen
Auges und ist dazu geeignet, Dinge im materiellen Weltraum zu beobachten. Deshalb meinen
diejenigen, die nichts vom Himmelsauge verstehen, daß dieser die besten
Kultivierungsfunktionen besitzt. Irgendein Gegenstand, egal ob organisch oder anorganisch,
zeigt sich in verschiedenen Welträumen auch ganz anders. Eine Tasse zum Beispiel besitzt schon
zugleich nach ihrer Fertigstellung einen intelligenten Körper in einem anderen Weltraum. Bevor
dieser Körper existiert, kann er auch etwas anderes gewesen sein. Deshalb sieht der eine, dessen
Himmelsauge auf einer niedrigen Stufe liegt, eine Tasse, während der andere, dessen
Himmelsauge auf einer höheren Stufe liegt, ihren intelligenten Körper sieht. Und derjenige,
dessen Himmelsauge auf einer noch höheren Stufe liegt, kann sogar die Vorform des
intelligenten Körpers wahrnehmen.

(3) Die Weitsicht


Nach dem Öffnen des Himmelsauges können manche Leute die Funktion der Weitsicht
bekommen. Das heißt: Man kann Dinge sehen, die sich in einer weiten Entfernung von über
tausend Li befinden. Jeder hat seinen eigenen Weltraum, in dem er so groß wie ein Universum zu
sein scheint. In dem für ihn bestimmten Weltraum hat er vor seiner Stirn einen Spiegel, der in
unserem Weltraum nicht zu sehen ist. Jeder von uns hat einen solchen Spiegel. Nur ist der
Spiegel von demjenigen, der keinen Kultivierungsweg praktiziert, zugeklappt. Der Spiegel von
demjenigen, der ihn zu praktizieren beginnt, wird allmählich aufgeklappt. Wenn der Spiegel
aufgeklappt ist, kann er Dinge reflektieren, die einer sehen möchte. In dem für ihn bestimmten
Raum ist sein Körper sehr groß, und so ist auch der Spiegel, der alles reflektieren kann, was er
sehen möchte. Aber er kann noch nicht die Bilder sehen, die auf den Spiegel fallen, bevor der
Spiegel sich dreht und ihm die Bilder zeigt, die für einen Moment auf dem Spiegel erscheinen.
Der Spiegel kann sich schnell drehen. Er zeigt dem Praktizierenden schnell das Bild, das er
reflektiert, und dann dreht er sich schnell weiter. Der Spiegel dreht sich schneller als der Film,
der in einer Geschwindigkeit von 24 Bildern pro Sekunde läuft, so daß der Praktizierende klare
und kontinuierliche Bilder sehen kann. Das ist die Weitsicht, deren Prinzip sehr einfach ist. Ich
habe mit paar Worten das Geheimnis aller Geheimnisse ans Licht gebracht.

(4) Die Räume


Der Raum ist für uns sehr kompliziert. Wir Menschenwesen kennen nur den Raum, in dem die
Menschheit lebt. Wir sind nicht in der Lage, andere Räume zu erforschen. Qigong-Meister
können Dutzende von Räumen erkennen, die theoretisch zu erklären, aber wissenschaftlich nicht
nachzuweisen sind. Obwohl du die Existenz mancher Dinge nicht anerkennst, spiegeln sie sich
jedoch in unserem Raum wider. Es gibt zum Beispiel eine Gegend mit dem Namen
Bermudainseln, die als "Dreieck der Dämonen" bekannt ist. Manche Schiffe und Flugzeuge
verschwanden dort, und ein paar Jahre später wurden sie wieder entdeckt. Keiner kann eine
zufriedenstellende Erklärung dafür geben, weil sich keiner aus dem theoretischen Rahmen,
geformt von der jetzigen Menschheit, lösen kann. In der Tat ist die Gegend ein Kanal zu einem
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anderen Raum. Er funktioniert nicht wie die Tür eines Hauses, die nach Wunsch geöffnet bzw.
geschlossen werden kann. Dieser Kanal kann ganz unerwartet aufgemacht werden. In diesem
"unerwarteten Moment" kann ein Schiff leicht einfahren. Ein Mensch kann die Zeit- und
Raumdifferenz spüren und findet sich im Nu in einem anderen Raum wieder. Die Zeit- und
Raumdifferenz zwischen jenem Raum und unserem kann nicht in Jahren oder in Meilen
gemessen werden. Ein Abstand von 180.000 Meilen ist dort nur ein kleines Streckchen. Man
kann sagen, daß die beiden Räume zur gleichen Zeit und am gleichen Ort existieren. Nachdem
sich ein Schiff dort für einen Moment aufgehalten hat, erscheint es unerwartet wieder. Aber
wegen der Zeitdifferenz sind in unserem Raum schon viele Jahre vergangen. Es gibt in jedem
Raum auch einzelne Welten, die sehr kompliziert wie das Diagramm einer Molekularstruktur
sind, gebildet aus vielen Bällchen, die miteinander durch Fäden verbunden sind.
Vier Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges führte ein britischer Pilot seinen
Flugauftrag aus. Unterwegs war er einem großen Sturm ausgesetzt. Durch seine Erfahrungen
fand er einen außer Betrieb gesetzten Flugplatz. Als der Flugplatz vor seinen Augen erschien,
zeigte sich plötzlich eine ganz andere Ansicht: Im Nu war der Himmel sehr klar und wolkenlos,
als ob dieser aus einer anderen Welt gekommen sei. Die Flugzeuge auf dem Flugplatz waren gelb
bemalt. Auf dem Boden waren die Leute sehr beschäftigt. Er fand es sehr merkwürdig. Er
landete seine Maschine. Aber niemand schenkte ihm Beachtung und der Kontrollturm trat auch
nicht in Kontakt mit ihm. Als er das Wetter schön fand, beschloß er, den Flugplatz zu verlassen.
Das Flugzeug flog ab und geriet dann wieder in den Sturm, nachdem es die gleiche Entfernung
geflogen war, aus der der Pilot vor der Landung den Flugplatz erblickt hatte. Endlich kam er
zurück. Er berichtete alles, was geschehen war, und fertigte ein Flugprotokoll darüber an. Sein
Vorgesetzter glaubte ihm aber nicht. Nach vier Jahren brach der Zweite Weltkrieg aus, und er
wurde an den außer Betrieb gesetzten Flugplatz versetzt. In dem Moment, wo er ankam,
erinnerte er sich daran, was er vor vier Jahren erlebt hatte. Das gleiche Bild erschien wieder vor
ihm! Wir Qigong-Meister wissen, worum es sich dabei handelt. Der Pilot tat das im voraus, was
er vier Jahre später zu machen hatte. Wie bei einer Aufführung übersprang er eine Szene, bevor
die Szenen wieder in der richtigen Reihenfolge spielte.

5. Krankenheilung durch das Qigong und Krankenheilung im Krankenhaus


Theoretisch gesehen sind die Krankenheilung durch das Qigong und die Krankenheilung im
Krankenhaus ganz unterschiedlich. Bei der Behandlung eines Kranken verwendet ein Arzt für
westliche Medizin normale Mittel. Obwohl man über Labors, Röntgeneinrichtungen u.a. verfügt,
kann man nur die Krankheitsherde in diesem Raum wahrnehmen. Aber man kann nicht die
Informationen aus der anderen Welt sehen und die wahre Ursache für die Krankheit. Wenn die
Krankheit eines Patienten nicht so ernst ist, kann die Arznei die Ursache töten bzw. vertreiben,
die in der westlichen Medizin "Virus" und beim Qigong "Karma" genannt wird. Wenn die
Krankheit sehr ernsthaft ist, kann die Arznei nicht mehr helfen. Wenn man die Dosis vergrößert,
kann der Patient sie nicht ertragen. Weil manche Krankheiten so schlimm sind, daß sie über das
Shijianfa (das Weltliche Gesetz) hinausgehen, sind sie nicht mehr im Krankenhaus mit Medizin
heilbar.
Die traditionelle chinesische Medizin ist mit der Kultivierung des menschlichen übernatürlichen
Könnens eng verbunden. In den alten Zeiten schenkte man der Kultivierung des menschlichen
Körpers große Aufmerksamkeit. Konfuzianisten, Taoisten, Buddhisten und auch konfuzianische
Gelehrte legten großen Wert auf das Sitzen in Meditation. Durch das Sitzen in Meditation als
eine Methode der Kultivierung kann man eventuell mit der Zeit auch Kultivierungspotenz und
übernatürliche Fähigkeiten bekommen, obwohl man nicht mit Absicht einen Weg praktiziert. Wie
kann die Akupunktur in der chinesischen Medizin die Meridiane am menschlichen Körper so gut
kennen? Warum sind die Akupunkturpunkte miteinander nicht horizontal, nicht sich kreuzend,

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sondern vertikal verbunden? Leute mit übernatürlichen Fähigkeiten haben das Bild der
Akupunkturpunkte gesehen, wie es in der chinesischen Medizin beschrieben ist. Die Ursache
dafür liegt darin, daß bekannte Ärzte in den alten Zeiten normalerweise übernatürliche
Fähigkeiten hatten. Die berühmten Ärzte in der chinesischen Geschichte wie Li Shizhen, Sun
Simiao, Bian Que und Hua Tuo waren in der Tat große Qigong-Meister mit übernatürlichen
Fähigkeiten. Die traditionelle Medizin ist überliefert, wobei die Technik der Behandlung und die
Diagnose beibehalten wurden, während die übernatürlichen Fähigkeiten verlorengegangen sind.
Früher machte ein Arzt der chinesischen traditionellen Medizin seine Diagnose mit den Augen
(einschließlich der übernatürlichen Fähigkeiten). Später entwickelte man die Methode des
Pulsfühlens. Wenn die übernatürlichen Fähigkeiten noch zu den Techniken der traditionellen
chinesischen Medizin hinzukommen, kann man schon sagen, daß die westliche Medizin auch
nach vielen Jahren die traditionelle chinesische Medizin nicht einholen kann.
Bei der Krankenheilung wird die Ursache für Krankheiten ein für alle Male beseitigt. Ich bin der
Ansicht, daß die Krankheit eine Art von "Karma" ist. Einen von der Krankheit heilen, heißt,
einem dabei helfen, sein Karma zu beseitigen. Manche Qigong-Meister heilen die Kranken durch
die Verbannung von schwarzem Qi bzw. durch die Stärkung von feinem Qi. Auf der äußerst
niedrigen Ebene verbannen sie das schwarze Qi. Aber sie haben keine grundlegende Einsicht in
die Ursache, warum das schwarze Qi entsteht. Dann kommt das schwarze Qi wieder und der
Patient bekommt einen Rückfall. In der Tat ist es nicht das schwarze Qi, das ihm die Krankheit
bringt. Die Existenz des schwarzen Qi läßt ihn nur die Krankheit spüren. Die Grundursache für
seine Krankheit ist das Lingti (das intelligente Wesen) in einem anderen Raum. Viele Qigong-
Meister wissen das nicht. Das Lingti ist so grausam, daß ein normaler Qigong-Meister es nicht
wegschaffen kann und auch nicht wagt, es zu berühren. Wenn wir mit dem Falun-Xiulian-Dafa
die Krankheit heilen, müssen wir zuerst das Lingti entfernen, um die Grundursache für die
Krankheit zu beseitigen. Dann bedecken wir den Krankheitsherd mit einer Schutzkappe von
hoher Energie, damit die Krankheit nicht wieder eindringt.
Das Qigong kann Krankheiten heilen, aber es darf nicht den Zustand der Gesellschaft der
normalen Menschen stören. Wenn man das Qigong in großem Maßstab verwendet, stört das
schon den normalen Zustand der Gesellschaft der normalen Menschen. Das ist nicht nur
unerlaubt, sondern es kann auch keine guten Erfolge erzielen. Wie alle wissen, mag das Qigong
bei der Heilung von Krankheiten gute Erfolge gehabt haben, bevor Abteilungen für Qigong-
Ambulanz, Qigong-Spitäler oder Qigong-Wiederherstellungszentren aufgemacht wurden. Wenn
ein Qigong-Meister eine Praxis zur Behandlung von Patienten eröffnet, dann läßt die
Heilungswirkung gründlich nach. Das liefert einen Beweis dafür, daß es nicht erlaubt ist, das
normale Funktionieren der Gesellschaft durch das übernatürliche Gesetz zu ersetzen. Sonst wird
das Chushijianfa (das Übernatürliche Gesetz) dem Shijianfa gleichgesetzt.
Ein Mensch mit besonderen Funktionen kann den menschlichen Körper genauso Schicht für
Schicht durchschauen wie man unter dem Mikroskop Gewebeproben untersucht, dabei kann er
das organische Gewebe und irgendeinen Teil des Körpers sehen. Obwohl wir mit Hilfe von CT-
Abtastung die inneren Organe klar und deutlich sehen können, ist es doch zeitraubend,
kostspielig und langsam und werden überdies Filme gebraucht. Jedenfalls ist es nicht so bequem
und sicher wie die übernatürlichen Funktionen. Der Qigong-Meister braucht nur seine Augen zu
schließen, dann kann er direkt irgendeinen Teil des Patienten sehr klar sehen. Ist das nicht eine
"High Technology"? Das ist doch eine höhere Wissenschaft und Technik als die moderne
Wissenschaft und Technik. Aber ein solches Niveau existierte schon im alten China. Das ist die
hohe Wissenschaft und Technik der alten Zeiten. Hua Tuo nahm den Tumor im Gehirn von Cao
Cao wahr und wollte ihn operieren. Aber Cao Cao lehnte die Operation ab. Er dachte, daß Hua
Tuo damit beabsichtige, ihn zu ermorden. Er ließ Hua Tuo verhaften. Cao Cao aber starb
schließlich am Tumor. In der Geschichte hatten viele große Ärzte für chinesische Medizin

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übernatürliche Funktionen. Nur in der modernen Gesellschaft sind diese Funktionen
vernachlässigt worden, weil man zu sehr nach praktischen Dingen trachtet.
Auf hoher Ebene der Kultivierung müssen wir ein neues Verständnis für die Tradition zeigen und
dieses Erbe in der Praxis weiter entwickeln, damit sie von neuem im Dienst der Menschheit
steht.

6. Das Qigong der buddhistischen Schule und der Buddhismus


Wenn wir das Qigong der buddhistischen Schule erwähnen, denken viele Leute schon an den
Buddhismus. Die buddhistische Schule zielt auf die Kultivierung zum Buddha ab. Hier betone
ich in allem Ernst, daß der Falun-Xiulian-Dafa zum Qigong der buddhistischen Schule gehört
und ein orthodoxer Kultivierungsweg ist. Er hat aber mit dem Buddhismus als Religion gar
nichts zu tun. Das Qigong der buddhistischen Schule bleibt das Qigong der buddhistischen
Schule, der Buddhismus bleibt der Buddhismus. Obwohl ihre Kultivierungsziele gleich sind,
nehmen sie doch nicht den gleichen Weg und gehören nicht zur gleichen Schule. Deshalb haben
sie unterschiedliche Forderungen. Ich habe hier das Wort "Buddha" (Fo) erwähnt. Bei der
Erklärung der Kultivierungsenergie auf der hohen Ebene werde ich es ebenfalls noch erwähnen.
Das Wort an sich hat gar nichts mit dem Aberglauben zu tun. Manche Leute sind sehr verblüfft,
wenn sie das Wort "Buddha" hören. Sie sagen, daß du hier Aberglauben propagierst. Das stimmt
aber nicht. Das Wort "Buddha" stammt aus dem Sanskrit, der alten indischen Sprache. Es wurde
ins Chinesische als "Fo Tuo" übersetzt. Später hat man das Wort "Tuo" weggelassen. So nennt
man Buddha auf chinesisch "Fo". "Fo" bedeutet "Erleuchteter" oder "erleuchtete Person".

(1) Das Qigong der buddhistischen Schule


Gegenwärtig verbreiten sich zwei Arten Qigong der buddhistischen Schule. Die eine Art entstand
durch die Trennung vom Buddhismus. In den Tausenden von Jahren ihrer Entwicklung traten
viele herausragende Mönche auf. Auf einer sehr hohen Ebene bei ihrer Kultivierung bekamen sie
von ihren Meistern aus einem anderen Weltraum Anweisungen zur Kultivierung auf hoher
Ebene. Diese Art Kultivierung wurde früher im Buddhismus nur an einen einzigen Nachfolger
weitergegeben. Wenn der herausragende Mönch hochbetagt war, brachte er nur einem seiner
Schüler bei, wie man sich nach der buddhistischen Doktrin zur allseitigen Erhöhung auf die hohe
Ebene kultiviert. Weil diese Mönche die Kultivierung nach den Regeln der buddhistischen
Schule betrieben, blieb ihr Kultivierungsweg eng an den Buddhismus gebunden. Später, als die
Mönche aus den Tempeln vertrieben wurden, wie in der Kulturrevolution, wurden diese
Kultivierungswege dem Volk bekannt.
Die andere Art Qigong gehört auch zur buddhistischen Schule. Diese Art der buddhistischen
Schule war nie ein Teil des Buddhismus. Sie wurde im Volk oder in entlegenen Bergen zur
Kultivierung verbreitet. Dieser Kultivierungsweg hat seine eigenartigen Besonderheiten, indem
er verlangt, einen sehr guten Schüler zu wählen, der die Vorbedingungen für die hohe
Kultivierung hat. Solch ein Schüler kann nur selten geboren werden. Dieser Kultivierungsweg
darf nicht in der Öffentlichkeit bekannt werden. Er verlangt eine sehr hohe Xinxing, und man
kann beim Praktizieren dieses Kultivierungsweges schnell Erfolge erzielen. Es gibt eine ganz
große Menge solcher Kultivierungswege. Das gleiche gilt auch für Arten des Qigong der
taoistischen Schule, zu der solche Schulen wie Kunlun, Emei und Wudang gehören. Und in jeder
Schule gibt es wieder verschiedene Kultivierungssysteme, die ganz unterschiedlich voneinander
sind, so daß man sie nicht zugleich praktizieren kann.

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(2) Der Buddhismus
Der Buddhismus wurde vor mehr als 2000 Jahren von Gautama Shakyamuni gegründet, der nach
seiner Erleuchtung einen Satz von Kultivierungswegen auf der Grundlage der ursprünglichen
indischen Kultivierungssysteme entwickelt hatte. Sie können in drei Worten zusammengefaßt
werden, nämlich "Gebote, Meditation, Weisheit". Man befolgt die Gebote, um die Meditation zu
erreichen. Ein Buddhist legt keinen Wert auf das Betreiben von Qigong. Aber in der Tat macht er
schon Qigong, wenn er sich zur Meditation hinsetzt. Denn er sammelt die Energie aus dem
Weltall und nimmt sie in sich auf, wenn er ruhig da sitzt und sich konzentriert. Das zeitigt die
gleichen Erfolge, wie man sie beim Praktizieren von Qigong erzielt. Die Gebote des Buddhismus
verlangen, daß man sich alle Begierden eines normalen Menschen abgewöhnt, auf die Dinge,
nach denen man eigensinnig trachtet, verzichtet, damit man den Zustand der Tatenlosigkeit
erreicht. Auf diese Weise kann man in Meditation Konzentration bekommen, wobei man die
Kultivierungspotenz auf die hohe Stufe bringt. Dann kann man erwachen und Erleuchtung
erreichen, das Weltall richtig erkennen und das Wahre im Weltall wahrnehmen.
Shakyamuni hat im Anfangsstadium beim Predigen der buddhistischen Doktrinen nur drei
Sachen getan: Er hat seinen Schülern das Dharma (hauptsächlich das Arhat-Dharma) erklärt, mit
seiner Almosenschüssel in der Hand um Almosen gebeten, im Lotussitz in Meditation gesessen.
Dieser primitive Buddhismus wird normalerweise "Theravada" oder "Kleiner Wagen" genannt.
Nachdem Shakyamuni ins Nirwana eingegangen war, gab es zwischen dem Brahmanismus und
dem Buddhismus einen Konflikt, der zu einer Kombination der beiden Religionen führte und den
Hinduismus entstehen ließ. Deshalb gibt es heute in Indien keinen Buddhismus mehr. Bei der
späteren Entwicklung des Buddhismus im alten Indien entstand Mahayana, der Große Wagen. Er
kam ins Innere Chinas und bildete den heutigen chinesischen Buddhismus. Im Mahayana-
Buddhismus ist Shakyamuni nicht der einzige, der als Buddha verehrt wird. Die Mahayana-
Buddhisten verehren auch viele andere Buddhas und Tathagatas wie Amitaba und
Bhaishajyaguru. Sie haben mehr Gebote einzuhalten und ein höheres Kultivierungsziel zu
erreichen. Seinerzeit hat Shakyamuni ein paar seiner Schüler das Dharma für Bodhisattva
gelehrt, das später systematisiert und zum Mahayana-Buddhismus von heute entwickelt wurde,
bei dem man den Bodhisattva-Weg kultiviert. Jedoch wird gegenwärtig in Südostasien die
Theravada-Tradition noch beibehalten. Die Theravada-Priester dort verwenden ihre
übernatürlichen Fähigkeiten, um Einweihungszeremonien durchzuführen. In der späteren
Entwicklung des Buddhismus entstand der dritte Wagen, nämlich Tantrayana oder Esoterischer
Wagen. Als dieser nach Tibet kam, wurde er als Tibetanischer Tantrismus bezeichnet. Als er in
das Gebiet, wo die Han-Nationalität wohnte, kam, wurde er Tang-Tantrismus genannt. In der
Regierungsperiode Huichang der Tang-Dynastie gab es eine anti-buddhistische Bewegung,
danach verschwand der Tang-Tantrismus. In Indien entwickelte er sich zum Yoga.
Im Buddhismus schenken Mönche und Nonnen den äußeren Übungen keine Beachtung, und sie
praktizieren auch nicht das sogenannte Qigong. Sie verfolgen damit das Ziel, den traditionellen
Kultivierungsweg des Buddhismus beizubehalten. Das ist auch die Hauptursache dafür, warum
der Buddhismus sich einer Popularität von mehr als 2000 Jahren ohne Rückgang erfreuen kann.
Der Buddhismus kann seine Traditionen beibehalten, weil er das, was von außen kommt,
ablehnt. Im Buddhismus gibt es allerdings ganz unterschiedliche Kultivierungswege. Der
Theravada-Buddhismus schenkt der Selbsterlösung und der Selbstkultivierung große
Aufmerksamkeit, während der Mahayana-Buddhismus sich dahin entwickelt hat, sich selbst,
andere Menschen und alle anderen Lebewesen zu erlösen.

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7. Orthodoxe und abweichende Schulen

(1) Heterodoxe Schulen


Heterodoxe Schulen (Pangmen Zuodao) nennt man auch Sonderbare Kultivierungswege. Bevor
die Religionen entstanden, hatte schon Qigong verschiedener Kultivierungssysteme existiert.
Viele Kultivierungswege wurden außerhalb der Religionen im Volk verbreitet. Die meisten
davon wurden aber nicht zu einem System und zu einer Theorie entwickelt. Aber die
heterodoxen Schulen hatten schon systematische und vollständige Methoden zur sonderbaren
und intensiven Kultivierung. Sie wurden im Volk immer weiter überliefert. Solche
Kultivierungswege nennt man oft Heterodoxe Schulen. Warum nennt man sie Pangmen Zuodao?
Pangmen heißt wörtlich Seitentür, und Zuodao heißt Ungeschicktheit. Man war der Meinung,
daß die buddhistischen und die taoistischen Kultivierungswege die orthodoxen Schulen seien,
während alle anderen Wege Pangmen Zuodao oder heterodox seien. Das stimmt aber nicht. Seit
eh und je werden heterodoxe Kultivierungswege im geheimen kultiviert und nur an einen
einzigen Nachfolger weitergegeben. Sie dürfen nicht als Kunst in der Öffentlichkeit gezeigt
werden. Wenn sie verbreitet werden, kann man sie auch nicht verstehen. Die Praktizierenden von
heterodoxen Schulen sind auch der Meinung, daß ihre Kultivierungswege weder buddhistisch
noch taoistisch sind. Aber diese Kultivierungswege erheben strenge Forderungen an die Xinxing
der Menschen. Die Praktizierenden kultivieren sich nach den Eigenschaften des Kosmos, sie
legen großen Wert auf das Erweisen von Wohltaten und die Erhaltung der Tugend und Moral.
Hoch kultivierte Leute unter ihnen haben außerordentliche Fähigkeiten, die bewundernswert
sind. Ich habe drei hochkultivierte Leute aus der heterodoxen Schule kennengelernt. Sie haben
mir etwas beigebracht, was weder in der buddhistischen noch in der taoistischen Schule zu
finden ist. Und es ist sehr schwer, das zu praktizieren. Das Gong, das man dadurch bekommt, hat
auch seine einzigartigen Besonderheiten. Im Gegensatz dazu gibt es heute manche sogenannte
buddhistische und taoistische Kultivierungswege, denen strenge Forderungen an Tugend und
Moral fehlen. Dabei kann man keine hohen Kultivierungserfolge bekommen. Deshalb kann man
die Kultivierungswege von verschiedenen Schulen nur dialektisch beurteilen.

(2) Das Wushu-Qigong


Das Wushu-Qigong ist im Laufe langer geschichtlicher Zeit entstanden. Es hat sein vollständiges
theoretisches System und seinen Kultivierungsweg, die ein unabhängiges System bilden. Streng
genommen, ist es eine Manifestation der Kultivierungsfunktionen, die man auf der niedrigsten
Ebene der inneren Kultivierung erreicht hat. Die Kultivierungsfunktionen, die beim Wushu-Üben
zu erreichen sind, kann man alle bei der inneren Kultivierung erwerben. Die Kultivierung fängt
auch beim Wushu-Qigong mit dem Üben des Qi an. Beim Spalten eines Steins mit der Hand zum
Beispiel muß man anfangs das innere Qi beim Schwenken des Arms entwickeln. Mit der Zeit
wird das Qi eine qualitative Änderung erfahren, wobei es zu einer Energiemasse wird, die wie
Licht aussieht. Wenn ein solches Niveau erreicht ist, kann das Gong schon funktionieren. Weil
das Gong eine Substanz von hoher Energie mit Intelligenz ist, existiert es in einem anderen
Weltraum und kann von den Gedanken kontrolliert werden. Beim Kämpfen braucht man das Qi
nicht zu entwickeln. Wenn man nur an den Kampf denkt, kommt das Gong automatisch. Je
länger man sich kultiviert, desto stärker wird das Gong, desto feiner werden die Körnchen der
Kultivierungsenergie und desto größer auch ihre Menge. Man wird dann mit den
Kampffähigkeiten wie "Handfläche aus Eisensand" und "Handfläche aus Zinnober" versehen. Im
Fernsehen ist zu sehen und in den Zeitschriften zu lesen, daß in den letzten Jahren auch solche
Kampffähigkeiten wie "Deckung der goldenen Glocke" und "Hemd aus eisernem Stoff"
entstanden sind. Diese erreicht man durch die Kombination von Wushu mit der inneren

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Kultivierung und durch die Verbindung der inneren und der äußeren Kultivierung. Bei der
inneren Kultivierung muß man großen Wert auf die Erhaltung der Tugend und die Kultivierung
der Xinxing legen. Wenn das Gong, theoretisch gesehen, ein gewisses Niveau erreicht hat, wird
die Kultivierungsenergie aus dem Körper nach außen freigelassen. Weil sie von großer Dichte
ist, entsteht dabei eine Schutzkappe. Der theoretisch größte Unterschied zwischen dem Wushu-
Qigong und der inneren Kultivierung ist, daß man sich beim Wushu-Qigong durch starke
Bewegungen ohne die Meditation in aller Ruhe kultiviert. Dabei bewegt sich das Qi des
Praktizierenden in den Muskeln unterhalb der Haut und tritt nicht in Dantian (Unterleibsgegend)
ein. Deshalb kultiviert der Praktizierende dabei nicht sein Leben und ist auch nicht in der Lage,
es zu kultivieren.

(3) Einflößen der Kultivierungsenergie durch einen überweltlichen Meister und Borgen der
Kultivierungsenergie bei einem Buddha
Manche Leute haben niemals Qigong betrieben, und doch plötzlich über Nacht eine ziemlich
große Kultivierungsenergie bekommen, sie können sogar Patienten behandeln. Man nennt auch
sie Qigong-Meister, und auch sie bringen anderen das Qigong bei. Manche haben vorher
überhaupt kein Qigong gelernt oder nur einige Bewegungen praktiziert. Sie haben diese
Bewegungen nur leicht abgeändert, dann bringen sie anderen einfach diese Bewegungen bei.
Diese Leute können aber nicht als Qigong-Meister betrachtet werden. Sie haben auch nichts, was
sie anderen beibringen könnten. Das, was sie den anderen beibringen, kann keinen auf die hohe
Kultivierungsebene bringen, es kann höchstens nur dazu dienen, Krankheiten zu beseitigen und
einen gesund zu machen. Aber woher kommt die Kultivierungsenergie dieser Leute? Ich will hier
zuerst über Einflößen der Kultivierungsenergie durch einen überweltlichen Meister sprechen.
Das geschieht oft guten alten Leuten mit hervorragender Xinxing, die in der Regel über 50 Jahre
alt sind. Sie haben nicht viel Zeit, sich von Anfang an zu kultivieren. Es ist für sie auch nicht
leicht, einen ausgezeichneten Meister zu treffen, der ihnen einen Weg zur Kultivierung ihres
Lebens und ihrer Xinxing beibringen kann. Wenn diese Leute das Qigong betreiben wollen,
versorgt sie der Meister aus einem anderen Weltraum auf der Basis ihrer guten Xinxing mit
ziemlich großer Kultivierungsenergie. Auf diese Weise geht die Kultivierung viel schneller. Der
überweltliche Meister evolviert Energie in seinem Weltraum und flößt ihnen ununterbrochen
Energie von außen in ihren Körper ein. Die Energiemenge wird wie aus einer Leitung seinem
Körper zugeführt, besonders wenn sie Patienten behandeln oder wenn sie einen Platz zum
gemeinsamen Praktizieren des Kultivierungswegs vorbereiten. Manche wissen jedoch selbst
nicht, woher ihre Kultivierungsenergie kommt. Dieses Phänomen nennt man Einflößen der
Kultivierungsenergie durch einen überweltlichen Meister.
Eine andere Form ist Borgen der Kultivierungsenergie bei einem Buddha, das bei Leuten in
jedem Lebensalter vorkommen kann. Neben dem Zhuyishi (Hauptbewußtsein) hat man noch ein
Fuyishi (Nebenbewußtsein). Normalerweise befindet sich das Fuyishi auf einer höheren Ebene
als das Zhuyishi. Das Fuyishi mancher Leute liegt auf einer sehr hohen Ebene, so daß es mit den
Erleuchteten Kontakt herstellen kann. Wenn solche Leute das Qigong praktizieren, will das
Fuyishi auch seine Ebene erhöhen. Es versucht sofort, mit den Erleuchteten in Kontakt zu
kommen, um von diesen die Kultivierungsenergie zu borgen. Nachdem es die
Kultivierungsenergie geborgt bekommen hat, erhalten diese Leute über Nacht schon die
Kultivierungsenergie, womit sie Patienten behandeln und Leiden von ihnen beseitigen können.
Normalerweise benutzen sie die Methode, zuerst einmal die richtige Umgebung zum
gemeinsamen Praktizieren des Qigong zu schaffen. Sie selbst können auch Leuten Energie
einflößen und anderen gewisse Techniken beibringen.
Solche Leute tun anfangs oft Gutes. Mit dem Erwerb der Kultivierungsenergie bekommen sie
einen großen Namen. Und sie erreichen zugleich Ruhm und Reichtum, die einen verhältnismäßig

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großen Teil ihres Denkens einnehmen. Wenn das über ihre Kultivierung hinausgeht, dann geht
ihre Kultivierungsenergie zurück, bis sie schließlich nichts mehr davon besitzen.

(4) Kosmische Sprachen


Manche Leute können plötzlich ganz fließend eine Sprache sprechen, diese Sprache ist allerdings
keine menschliche Sprache. Sie wird "kosmische Sprache" genannt. Die sogenannte kosmische
Sprache ist nichts anderes als die Sprache der Lebewesen aus einem Weltraum, der ein bißchen
höher als unser Weltraum ist. Eine ziemlich große Zahl chinesischer Qigong-Praktizierender
kann eine solche Sprache sprechen. Manche können sogar einige kosmische Sprachen. Natürlich
sind die menschlichen Sprachen sehr kompliziert. Es gibt über tausend Sprachen in der Welt.
Gehört eine kosmische Sprache zu den Kultivierungsfunktionen? Ich sage nein. Sie gehört weder
zu den eigenen Kultivierungsfunktionen einer Person noch zu denen, die aus einem anderen
Weltraum geliefert werden. Sie ist eine Fähigkeit, die von einer Art Lebewesen aus einem
anderen Weltraum kontrolliert wird. Diese Lebewesen stammen aus einer höheren Ebene,
zumindest aus einer höheren als die Menschheit. Es sind diese Lebewesen, die sprechen.
Derjenige, der eine kosmische Sprache spricht, spielt nur die Rolle des Sprachrohrs. Die meisten,
die eine kosmische Sprache sprechen, verstehen selbst nicht, was das Gesprochene bedeutet. Wer
im Besitz der Kultivierungsfunktion "Gedanken von anderen zu lesen" ist, kann das ungefähr
verstehen. Die kosmische Sprache ist eigentlich keine Kultivierungsfunktion. Nachdem aber
manche eine kosmische Sprache gesprochen haben, berauschen sie sich daran. Sie sind sehr
eingebildet und meinen, das sei eine Kultivierungsfunktion. In der Tat kann einer, der sein
Himmelsauge auf hoher Ebene geöffnet hat, deutlich beobachten, wie ein Lebewesen, das sich
schräg oberhalb eines Sprechers befindet, durch dessen Mund spricht.
Dieses Lebewesen bringt dem Sprecher die kosmische Sprache bei und gibt einen Teil seiner
Kultivierungsenergie an ihn weiter. Seitdem wird diese Person von ihm kontrolliert. Das ist
jedoch kein orthodoxer Kultivierungsweg. Obwohl dieses Lebewesen auf einer etwas höheren
Ebene steht, ist es doch nicht durch das orthodoxe Dharma kultiviert. Deshalb kann es keinem
Praktizierenden beibringen, wie dieser seine Krankheit beseitigen und gesund bleiben kann. So
benutzt es die Methode, dem Sprecher durch das Sprechen Energie einzuflößen. Weil diese
Energie diffus strahlt und keine große Kraft hat, kann sie auf manche kleinen Krankheiten
Wirkung ausüben, aber auf schwere Krankheiten keine Wirkung mehr haben. Im Buddhismus
heißt es: Im Himmel haben die Gottheiten kein Leiden, keinen Konflikt miteinander. Deshalb
haben sie auch keine Gelegenheit mehr, sich zu kultivieren, zu stählen und auf eine noch höhere
Ebene zu steigen. So haben sie sich eine Methode ausgedacht, dem Menschen bei der
Beseitigung der Krankheiten und bei der Gesundheit zu helfen, um sich bei der Kultivierung
erhöhen zu können. Das ist der Grund für die Existenz der kosmischen Sprachen. Kosmische
Sprachen sind weder Kultivierungsfunktionen noch Qigong.

(5) Besessenheit
Besessenheit durch niedrige Geister ist eine besonders schädliche Form von Besessenheit. Die
Ursache dafür ist, daß der Praktizierende sie sich durch das Praktizieren von üblen Wegen selbst
zugezogen hat. Und sie ist besonders schädlich für den Menschen. Die Konsequenzen für
denjenigen, der dadurch besessen ist, sind besonders furchtbar. Mancher hat nicht viel Qigong
betrieben, ist aber von dem Gedanken besessen, Patienten zu behandeln und er zerbricht sich den
Kopf darüber, wie er sich dadurch bereichern kann. Eigentlich kann dieser von sehr guter Natur
sein, oder es gibt einen Meister aus einem anderen Weltraum, der sich um ihn kümmert. Aber
wenn er immer an die Behandlung der Patienten, an den Reichtum denkt, dann geht die Sache

– 21 –
schief. Er hat sich diesen Geist zugezogen, der nicht in unserem Weltraum, aber tatsächlich
existiert.
Dieser Praktizierende fühlt eines Tages plötzlich, daß sich sein Himmelsauge geöffnet hat, und er
schon über die Kultivierungsfunktionen verfügt. Die Tatsache ist jedoch, daß der niedrige Geist
sein Gehirn kontrolliert. Das Bild, das dieser Geist gesehen hat, spiegelt sich in seinem Gehirn
wider. Und so fühlt er, daß sein Himmelsauge aufgemacht worden sei. Das stimmt aber nicht.
Warum will ihm der niedrige Geist die Kultivierungsfunktionen geben? Warum will dieser ihm
helfen? Weil es den Tieren in unserem Weltall nicht erlaubt ist, zu einem vollendeten
Kultivierungsergebnis zu gelangen; weil die Tiere keinen Wert auf die Verbesserung ihrer
Xinxing legen, um auf die hohe Kultivierungsebene zu steigen; weil es ihnen nicht gestattet ist,
den orthodoxen Kultivierungsweg einzuschlagen. Deshalb versuchen sie, sich an den Menschen
zu heften und sich die Essenz des menschlichen Körpers anzueignen. Es gibt in unserem
Universum einen Grundsatz: Ohne Einsatz keinen Gewinn. Er befriedigt dein Verlangen nach
Ruhm und Reichtum. Er macht dich berühmt und reich. Aber er will dir nicht umsonst helfen. Er
will auch etwas bekommen, er will die Essenz deines Körpers. Wenn er dich verläßt, dann hast
du nichts mehr. Du wirst sehr schwach oder einfach zu einem Gehirntoten. Das wird von den
üblen Gedanken eines Menschen verursacht. Eine Aufrichtigkeit besiegt hundert üble Gedanken.
Wenn du nur ein aufrichtiges Herz hat, wirst du von keinem üblen Gedanken befallen. Das heißt,
du mußt ein rechtgläubiger Praktizierender bleiben, nichts Schlechtes und Unreines nehmen und
nur einen richtigen Kultivierungsweg üben.

(6) Eine orthodoxe Schule kann auch zu Abweichungen führen


Obwohl manche Leute eine orthodoxe Schule praktizieren, können sie auch unbewußt einen
üblen Kultivierungsweg betreiben, wenn sie keine strengen Forderungen an sich stellen, keinen
großen Wert auf die Verbesserung der Xinxing legen und beim Praktizieren an nichts Gutes
denken. Das führt dazu, daß der Praktizierende unbewußt einen üblen Kultivierungsweg betreibt.
Wenn der Praktizierende z.B. in der Pfahl-Stellung steht oder beim Lotussitz in Meditation sinkt,
übt sein Körper hier das Qigong, während er selbst aber an Geld, Ruhm und Reichtum denkt. Er
denkt bei sich, wenn er eines Tages Kultivierungsfunktionen bekommt, wird er mit seinen
übernatürlichen Fähigkeiten denjenigen bestrafen, der ihn schlecht behandelt hat. Wenn er dabei
immer an diese oder jene übernatürliche Fähigkeit denkt, und der Kultivierungsenergie etwas
Schlechtes beifügt, übt er in der Tat schon einen üblen Kultivierungsweg. Das ist sehr gefährlich,
denn er zieht sich dabei Schlechtes wie üble Geister zu, was er selbst aber nicht wahrnehmen
kann. Weil sein Eigensinn zu stark ist, weil er nicht die rechten Gedanken hat, weil er beim
Kultivieren des Weges von hartnäckigem Verlangen besessen ist, kann ihn der Meister auch nicht
beschützen. Deshalb muß der Praktizierende großen Wert auf die Verbesserung seiner Xinxing
legen, immer die rechten Gedanken haben und ohne Begehren bleiben. Sonst wird er in
Schwierigkeiten geraten.

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Kapitel 2 - Der Falun-Xiulian-Dafa
Der Falun-Xiulian-Dafa entspringt dem Gebotsrad-Kultivierungssystem der buddhistischen
Schule. Als ein besonderer Weg des buddhistischen Qigong hat er seine Eigenartigkeit, mit der er
sich von den übrigen buddhistischen Kultivierungswegen unterscheidet. Dieser
Kultivierungsweg verlangt von dem Praktizierenden eine besonders edle Xinxing, eine gute
angeborene Qualität und eine extrem intensive Kultivierung. Damit sich mehr Praktizierende auf
die hohe Kultivierungsebene erhöhen, und der Wunsch derjenigen, die dazu bereit sind, sich zu
kultivieren, befriedigt wird, habe ich diesen Kultivierungsweg in einem Satz von leicht zu
popularisierenden Übungsreihen zusammengefaßt. Trotzdem geht er schon weit über die anderen
allgemeinen Kultivierungswege hinaus und steht auf einem höheren Niveau.

1. Die Funktionen des Falun


Als eine Miniatur des Kosmos hat das Falun die gleichen Eigenschaften wie der Kosmos. Der
Praktizierende, der den Falun-Xiulian-Dafa betreibt, kann nicht nur schnell Kultivierungspotenz
und Kultivierungsfunktionen bekommen, sondern er kann auch in kurzer Zeit ein Falun von
beispielloser Kraft bekommen. Ist das Falun einmal entstanden, existiert es als ein intelligentes
Lebewesen. Gewöhnlich dreht es sich automatisch an der Stelle des Unterbauchs des
Praktizierenden, wobei es aus dem Kosmos Energie sammelt und evolviert. Und schließlich
formt es die Energie in dem Körper des Praktizierenden zur Kultivierungsenergie um, wobei der
Effekt erzielt wird, daß der Falun-Xiulian-Dafa den Menschen kultiviert. Mit anderen Worten:
Obwohl der Praktizierende nicht jederzeit den Kultivierungsweg betreibt, kultiviert das Falun
den Menschen ständig. Innerlich kann das Falun zur Selbsterlösung benutzt werden, weil es den
Praktizierenden gesund und weise macht, ihn vor Abweichungen bei der Kultivierung schützt,
und auch davor, von Leuten mit schlechter Xinxing gestört zu werden. Äußerlich kann das Falun
andere Leute durch Heilung ihrer Krankheiten erlösen und die üblen Geister beseitigen und alle
anomalen Zustände berichtigen. Das Falun dreht sich ununterbrochen am Unterbauch, neun
Umdrehungen im Uhrzeigersinn, und neun Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn. Beim
Drehen im Uhrzeigersinn nimmt es aus dem Kosmos eine große Menge hoher Energie auf. Mit
dem Wachstum der Kultivierungspotenz vermehrt sich auch die Drehkraft, was aber nicht durch
die künstliche Füllung von Qi durch den Scheitel eines Menschen mit den Händen zu erreichen
ist. Beim Drehen gegen den Uhrzeigersinn gibt es Energie frei, um alle Lebewesen zu erlösen
und die anomalen Zustände zu berichtigen. Davon können alle Leute, die sich in der Nähe des
Praktizierenden befinden, profitieren. Von allen Qigong, die jetzt in China verbreitet werden, ist
der Falun-Xiulian-Dafa das einzige, das seine Praktizierenden kultiviert.
Das Falun ist ein äußerst wertvolles Ding, das auch für 1000 Goldstücke nicht zu erkaufen ist.
Bei der Übergabe des Falun hat mein Meister zu mir gesagt: "Dieses Falun darf an keinen weiter
gegeben werden. Es ist sehr wertvoll, denn derjenige, der sich für tausend Jahre kultiviert hat,
will gerne ein solches Rad haben, aber er kann es nicht. In unserem System darf das Falun nach
einer sehr langen Periode an einen einzigen Nachfolger weiter gegeben werden. Das
unterscheidet sich doch von solchen Systemen, die in Dutzenden von Jahren schon einen
Nachfolger wählen." Obwohl wir jetzt das Falun evolviert haben, so daß es nicht mehr so
mächtig wie das originale ist, bleibt es jedoch äußerst wertvoll. Wenn ein Praktizierender es
bekommen hat, heißt es dann, daß er schon die Hälfte seiner Kultivierung hinter sich gelegt hat.
Die andere Hälfte braucht er nur durch die Verbesserung seiner Xinxing zu bewältigen. Und eine
ziemlich hohe Kultivierungsebene erwartet ihn in Zukunft. Natürlich wird das Falun in Zukunft
solche Leute verlassen, die wegen der vorbestimmten Bedingungen den Kultivierungsweg nicht
mehr weiter betreiben.

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Der Falun-Xiulian-Dafa ist ein System, das zur buddhistischen Schule gehört. Aber er geht weit
über die buddhistische Schule hinaus und kultiviert in Übereinstimmung mit dem Kosmos. In der
Vergangenheit stand die Kultivierung der buddhistischen Schule unter der Anleitung der
buddhistischen Lehre, und die Kultivierung der taoistischen Schule unter der Anleitung der
taoistischen Lehre. Keine von beiden hat von Grund auf den Kosmos geoffenbart. Wie ein
Mensch besitzt der Kosmos außer der Materie noch Eigenschaften, die zusammengefaßt aus drei
Wörtern bestehen: Zhen (Wahrheit, Wahrhaftigkeit), Shan (Barmherzigkeit, Gutherzigkeit), Ren
(Nachsicht, Toleranz). Die Kultivierung der taoistischen Schule legt großen Wert auf "Zhen", ein
taoistischer Praktizierender wird dazu aufgefordert, wahre Worte zu sagen, Wahres zu tun und zu
seiner ursprünglichen Natur zurückzukehren. Und schließlich wird er zu einem Zhenren (einem
Unsterblichen). Auf Shan liegt der Schwerpunkt der Kultivierung der buddhistischen Schule.
Von einem buddhistischen Praktizierenden wird verlangt, Gutherzigkeit zu zeigen und alle
Lebewesen zu erlösen. Aber unser System kultiviert gleichzeitig Zhen, Shan und Ren, ein
Praktizierender kultiviert sich entsprechend den grundlegenden Eigenschaften des Kosmos, um
sich schließlich mit dem Kosmos zu assimilieren.
Der Falun-Xiulian-Dafa ist ein Kultivierungsweg, der sowohl das Leben als auch die Natur
kultiviert. Wenn der Praktizierende in der Kultivierungspotenz und in der Xinxing eine gewisse
Ebene erreicht hat, wird er in der menschlichen Welt schon Erleuchtung bekommen und sein
Gong aufmachen. Dabei bekommt er einen unsterblichen menschlichen Körper. Der Falun-
Xiulian-Dafa ist in das Shijianfa (das weltliche Fa) und das Chushijianfa (das überweltliche Fa)
mit jeweils unterschiedlichen Kultivierungsebenen gegliedert. Ich hoffe, daß alle Praktizierende
dieses Systems, die zur Kultivierung entschlossen sind, ihre Xinxing ständig verbessern und sich
vervollkommnen können.

2. Die Form des Falun


Das Falun des Falun-Xiulian-Dafa ist ein intelligenter, sich drehender Körper aus Substanz mit
hoher Energie. Es dreht sich nach den Bewegungsgesetzmäßigkeiten des ganzen
Himmelskörpers. In gewissem Sinne kann man sagen, daß das Falun eine Miniatur des Kosmos
ist.

In der Mitte des Falun ist das buddhistische Swastika" "-Zeichen. (In Sanskrit heißt es
Srivatsa). Es bildet den Kern des Falun und hat die Bedeutung "Sammlung des Glücks". Seine
Farbe ist der goldenen Farbe ähnlich. Sein Hintergrund ist rot, und der Hintergrund des
Außenkreises ist orangegelb. Vier taoistische Taiji-Zeichen und vier buddhistische Dharma-
Chakras sind in alternativer Weise in acht Richtungen angeordnet. Die Taiji-Zeichen, die aus
einem roten und einem schwarzen Fisch bestehen, gehören zur taoistischen Schule, und die aus
einem roten und einem blauen Fisch bestehenden Taiji-Zeichen gehören zur Schule des Xiantian-
Dadao (Schule des Xiantian-Großweges). Die vier kleinen Dharma-Chakras sind auch goldgelb,
der Hintergrund der Dharma-Chakras kann sich von rot zu orange, gelb, grün, indigo, blau und
violet verändern. Sie sehen wirklich schön aus. Die Farbe des Swastika" "-Zeichens in der
Mitte und die der Taiji-Zeichen bleiben unverändert. Das Falun, die Dharma-Chakras und das
Swastika" "-Zeichen drehen sich selbst. Das Falun wurzelt in dem Kosmos, der Kosmos dreht
sich, seine Galaxien drehen sich, so dreht sich auch das Falun. Diejenigen, deren Himmelsauge
auf einer niedrigen Stufe geöffnet ist, können wahrnehmen, daß sich das Falun wie ein Ventilator
dreht. Diejenigen, deren Himmelsauge auf einer höheren Stufe geöffnet ist, können das ganze
Bild des Falun sehen. Es sieht so farbenprächtig und schön aus, daß es die Praktizierenden dazu
veranlaßt, noch größere Anstrengungen um die Kultivierung zu unternehmen.

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3. Die Besonderheiten des Falun-Xiulian-Dafa

(1) Der Falun-Xiulian-Dafa läutert den Menschen


Derjenige, der den Falun-Xiulian-Dafa praktiziert, kann nicht nur sehr schnell die
Kultivierungspotenz und die Kultivierungsfunktionen entwickeln, sondern er kann auch ein
Falun bekommen. In sehr kurzer Zeit kann das Falun entstehen. Sobald das mächtige Falun
entstanden ist, kann es den Praktizierenden vor den Abweichungen schützen und auch davor, daß
der Praktizierende selbst von Leuten mit schlechter Xinxing gestört wird. Theoretisch
unterscheidet der Falun-Xiulian-Dafa sich auch ganz von den traditionellen Kultivierungswegen.
Nachdem das Falun entstanden ist, dreht es sich ununterbrochen. Es existiert in Form eines
intelligenten Lebewesens. Alltäglich speichert es ständig am Unterbauch des Menschen Energie,
die es durch die Rotation aus dem Kosmos gesammelt hat. Schon durch die Rotation kann es den
Menschen läutern, d.h. auch wenn der Mensch keine Zeit hat, den Falun-Xiulian-Dafa zu
betreiben, das Falun läutert ihn ununterbrochen. Wie bekannt ist, muß ein normaler Mensch am
Tage arbeiten und sich in der Nacht erholen. Er hat nur sehr begrenzte Zeit, den Weg zu
praktizieren. Um das Ziel zu erreichen, 24 Stunden lang den Weg zu betreiben, reicht es natürlich
nicht, wenn man nur sozusagen jederzeit daran denkt, oder wenn man irgendwelche Maßnahmen
trifft. Auf solche Weise ist es wirklich schwer, das Ziel zu erreichen, 24 Stunden lang den Weg zu
machen. Aber das Falun rotiert ständig, wirbelt große Mengen von Qi (der primären Form der
Energie) aus dem Kosmos nach innen hinein. Tage und Nächte speichert das Falun das
hineingewirbelte Qi und wandelt es in eine Art höherer Substanz um, die zum Schluß am Körper
des Praktizierenden zum "Gong" wird. Eben das bedeutet, daß "Der Falun-Xiulian-Dafa den
Menschen läutert". Die Kultivierung durch den Falun-Xiulian-Dafa unterscheidet sich auch von
den Kultivierungstheorien über Qigong der Internen Alchemie von verschiedenen Schulen.
Die größte Besonderheit unseres Falun-Xiulian-Dafa besteht darin, das Falun zu kultivieren und
keine Interne Alchemie zu praktizieren. Die heute in der Gesellschaft verbreiteten Formen des
Qigong, gleich aus welchen Systemen oder aus welchen Schulen, ob sie buddhistisch, taoistisch
oder im Volk üblich und auch heterodox sind, zielen alle auf die Kultivierung des inneren
Elixiers ab. Das nennt man Qigong der Internen Alchemie. Mönche, Nonnen und taoistische
Priester kultivieren alle das innere Elixier. Bei der Verbrennung ihrer sterblichen Überreste kann
man das buddhistische Relikt finden, das sehr hart ist und sehr schön aussieht. Auch mit
wissenschaftlichen Instrumenten kann man nicht herausfinden, woraus es zusammengesetzt ist.
Das ist eben das Elixier, eine Substanz von hoher Energie, die aus einem anderen Weltraum
gesammelt wird und eigentlich nicht in unserem Weltraum existiert. Es ist sehr schwer, durch das
Betreiben des Qigong der Internen Alchemie noch während seines Lebens zur Erleuchtung zu
gelangen. In der Vergangenheit versuchten viele taoistische Priester, die das Qigong der Internen
Alchemie betrieben, das Elixier aus ihrem Körper zu heben. Als sie es bis zu dem Niwan-Palast
gehoben hatten, gelang es ihnen nicht mehr, es herauszubekommen. Die Folge war, daß sie daran
erstickten. Manche Praktizierende versuchten, das Elixier zu sprengen. Aber es gelang ihnen
auch nicht. Es gibt einen solchen Praktizierenden, dessen Großvater es nicht gelang, durch die
Kultivierung des Elixiers zum Erfolg zu kommen. So spuckte dieser vor seinem Tod das Elixier
seinem Vater aus. Sein Vater, ebenfalls nicht erfolgreich, spuckte nun ihm wieder das Elixier aus.
Bis jetzt ist nichts aus ihm geworden. Wie schwierig das ist! Natürlich gibt es auch viele wirklich
gute Kultivierungswege. Die sind dann wirklich gut, wenn man die richtige Unterweisung dafür
erhalten hat. Oft wird aber nichts vermittelt, was zu dieser hohen Ebene gehört.

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(2) Die Kultivierung des Zhuyishi (des Hauptbewußtseins)
Jedermann hat ein Zhuyishi (ein Hauptbewußtsein), durch das man täglich denkt und handelt.
Neben dem Zhuyishi hat man noch ein oder einige Fuyishi (Nebenbewußtsein). Zugleich trägt
man noch die Informationen, die von seinen Vorfahren überliefert sind. Das Nebenbewußtsein
hat den gleichen Namen wie das Hauptbewußtsein. Normalerweise ist das Nebenbewußtsein
mächtiger und liegt auf einer höheren Ebene als das Hauptbewußtsein. Es läßt sich in der
Gesellschaft der normalen Menschen nicht irreführen. Und es kann seinen speziellen Raum
sehen. Bei vielen Kultivierungswegen kultiviert man das Nebenbewußtsein, sein fleischlicher
Körper und sein Hauptbewußtsein dienen nur als ein Träger. Solche Dinge wissen Qigong-
Praktizierende nicht, manchmal sind sie sogar noch sehr selbstgefällig. Es ist sehr schwer, auf
das Praktische, besonders das, was man eigensinnig begehrt, zu verzichten, wenn einer in der
Gesellschaft lebt. Deshalb legen viele Kultivierungswege großen Wert auf Meditation, die
absolute Konzentration, wobei das Fuyishi des Praktizierenden in seiner Welt die Energie
evolviert. Bei der Evolution erhöht sich das Fuyishi auf eine neue Ebene. Eines Tages
vervollkommnet sich das Fuyishi durch die Kultivierung und nimmt zugleich auch die Energie
des Praktizierenden. Das Zhuyishi und der Körper des Praktizierenden haben dann nichts mehr
übrig. Es ist dann wirklich sehr schade, alle bisherigen Anstrengungen umsonst gemacht zu
haben. Manche berühmten Qigong-Meister haben verschiedene große Kultivierungsfunktionen
und einen großen Namen. Aber leider bleibt die Kultivierungsenergie nicht an ihren Körpern,
was sie selbst immer noch nicht wissen.
Unser Falun-Xiulian-Dafa ist direkt auf die Kultivierung des Zhuyishi ausgerichtet. Er fordert,
daß die Kultivierungsenergie wahrhaftig an dem Körper des Praktizierenden bleibt. Natürlich
kann das Fuyishi auch einen Teil davon bekommen, damit es sich in seiner Nebenposition auch
erhöht. In unserem Kultivierungssystem gibt es strenge Forderungen an die Verbesserung der
Xinxing. Danach muß einer seine Xinxing stählen und sich unter den komplizierten Umständen
in der Gesellschaft der normalen Menschen auf eine hohe Ebene erhöhen. Wie eine Lotusblume,
die aus dem Schlamm herauswächst, kann man sich vervollkommnen. Das Wertvollste an dem
Falun-Xiulian-Dafa liegt gerade darin, daß der Praktizierende selbst die Kultivierungsenergie
bekommt. Aber es ist äußerst schwer, und die Schwierigkeit besteht darin, daß der Praktizierende
den Weg gehen muß, sich unter den kompliziertesten Umständen zu stählen.
Weil das Ziel der Kultivierung darin besteht, das Zhuyishi zu kultivieren, muß sich ein
Praktizierender beim Praktizieren immer vom Zhuyishi führen lassen. Das Zhuyishi soll dabei
eine entscheidende Rolle spielen, aber nicht das Fuyishi. Ein Praktizierender soll sich nicht dem
Fuyishi überlassen. Sonst wird das Fuyishi eines Tages die Perfektion erreichen und die
Kultivierungsenergie mitnehmen. Dann haben der Benti des Praktizierenden und dessen
Zhuyishi nichts mehr übrig. Obwohl er sich weiter auf die hohe Ebene kultivieren will, weiß das
Zhuyishi wie im Schlaf doch nicht, welchen Weg er jetzt betreibt. So geht das aber nicht.
Deshalb muß man sich ständig über das Gongtreiben, über die Kultivierung auf die hohe Ebene
und über die Verbesserung der Xinxing im klaren sein. Nur auf diese Weise hat man immer die
Initiative und kann die Kultivierungsenergie bekommen. Wenn einer in der Trance etwas
zustande gebracht hat, weiß er doch noch nicht, wie es gemacht wurde. In Wirklichkeit
funktionierte und kommandierte das Fuyishi. Wenn du zum Beispiel in Meditation sitzt, siehst du
noch ein "Du" dir gegenüber sitzen. Das ist eben dein Fuyishi. Wenn du mit deinem Gesicht nach
dem Norden in Meditation sinkst und bemerkst, daß du selbst im Norden sitzt, würdest du wohl
denken: Wie komme ich denn aus meinem Körper? Aber das ist das wahre Du. An der Stelle, wo
du sitzt, sind dein fleischlicher Körper und dein Fuyishi. Man muß also einen klaren Unterschied
zwischen dem Zhuyishi und dem Fuyishi machen.
Beim Praktizieren des Falun-Xiulian-Dafa darf man sich selbst nicht ganz vergessen. Sich dabei
zu vergessen entspricht nicht den Prinzipien dieses Kultivierungssystems. Man muß während des

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Praktizierens immer einen klaren Kopf bewahren. Wenn das Zhuyishi eines Praktizierenden
dabei immer stark bleibt, kann es nicht schiefgehen. Kein gewöhnliches Ding kann ihm einen
Schaden zufügen. Wenn das Zhuyishi sehr schwach ist, wird manches kommen, um sich an ihn
zu heften.

(3) Unabhängigkeit von Himmelsrichtungen und Zeit beim Praktizieren


Bei vielen Kultivierungssystemen legt man großen Wert darauf, welche Himmelsrichtung und
welche Uhrzeit gut für das Praktizieren sind. Aber in unserem Kultivierungssystem wird darauf
nicht geachtet. Beim Praktizieren des Falun-Xiulian-Dafa kultiviert man sich nach den
Eigenschaften des Kosmos und nach den Grundsätzen der kosmischen Evolution. Deshalb
brauchen wir nicht auf die Himmelsrichtung und die Uhrzeit zu achten. Wenn wir Qigong
betreiben, sitzen wir dabei auf dem Falun, das sich jederzeit nach allen Himmelsrichtungen
dreht. Unser Falun synchronisiert sich mit dem Kosmos. Der Kosmos dreht sich, das galaktische
System dreht sich, die neun Planeten drehen sich um die Sonne, und die Erde selbst dreht sich
auch ständig. Welche Richtung ist Osten, Süden, Westen oder Norden? Osten, Süden, Westen
und Norden, die wir meinen, sind nur Einteilungen auf der Erde, die von Menschen gemacht
sind. Deshalb steht man beim Praktizieren immer allen Himmelsrichtungen gegenüber, gleich,
welcher Himmelsrichtung gegenüber man auch übt.
Manche sagen, daß es besser wäre, wenn man von 11 Uhr bis 13 Uhr bzw. von 23 Uhr bis 1 Uhr
oder zu irgendeiner anderen Zeit Qigong betreibt. Wir aber legen keinen Wert darauf. Auch wenn
du den Weg nicht betreibst, kultiviert dich das Falun. Das Falun hilft dir jederzeit beim
Praktizieren. Beim Qigong der Internen Alchemie ist es der Praktizierende, der versucht, das
innere Elixier zu kultivieren, während beim Falun-Xiulian-Dafa das Falun den Praktizierenden
läutert. Wenn du mehr Zeit hast, kannst du mehr praktizieren, wenn du weniger Zeit hast, kannst
du weniger üben. Du kannst es je nach den Umständen machen.

4. Die Doppel-Kultivierung von Natur und Leben


Beim Falun-Xiulian-Dafa kultiviert man sowohl die Natur als auch das Leben. Durch das
Praktizieren ändert man zuerst seinen Benti. Dann erreicht man die Perfektion der integrierten
Kultivierung des Zhuyishi und des Benti, indem sich die beiden zu einem vereinigen, ohne daß
der Benti aufgegeben wird.

(1) Die Änderung des Benti (des eigenen Körpers)


Der Körper eines Menschen besteht aus Fleisch, Blut und Knochen, die wiederum verschiedene
Molekularstrukturen und Zusammensetzungen haben. Durch das Praktizieren kann die
Zusammensetzung der Moleküle in Substanz von hoher Energie umgeformt werden. Auf diese
Weise ist die Zusammensetzung des menschlichen Körpers nicht mehr die Substanz, die ihn
eigentlich bildet. Sie hat sich wesentlich geändert. Aber ein Praktizierender lebt und kultiviert
sich unter den normalen Menschen und darf auch nicht den Prinzipien der menschlichen
Gesellschaft zuwiderhandeln. Deshalb kann diese Änderung auch keinen Einfluß auf die
eigentlichen Molekularstrukturen seines Körpers ausüben. Man kann sagen, daß die Reihenfolge
der Moleküle unverändert bleibt, aber sich die Zusammensetzung der Moleküle geändert hat.
Deshalb bleibt das Fleisch des Körpers weich, die Knochen bleiben hart und das Blut fließt
immer noch. Wenn man sich ins Fleisch schneidet, blutet es immer noch. Nach der
altchinesischen Theorie über die fünf Elemente bestehen alle Dinge in der Welt aus Metall, Holz,
Wasser, Feuer und Erde. Das gilt auch für den Körper des Menschen. Wenn sich der Körper eines

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Praktizierenden geändert und die Substanz mit hoher Energie die Zusammensetzung der
eigentlichen Moleküle ersetzt hat, besteht sein Körper nicht mehr aus der originalen Substanz.
Das spricht für den Spruch "Heraus aus den fünf Elementen".
Die größte Besonderheit der Doppel-Kultivierung von Natur und Leben liegt in der Verlängerung
des Lebens und in der Verzögerung der Alterung. Das ist auch die eindeutige Besonderheit
unseres Kultivierungssystems. Der Falun-Xiulian-Dafa schlägt den Weg ein, von Grund auf die
Zusammensetzung des menschlichen Körpers zu ändern, die gesammelte Substanz mit hoher
Energie in jeder einzelnen Zelle zu speichern, bis schließlich die Zusammensetzung der Zellen
von der gesammelten Substanz mit hoher Energie ersetzt wird. Danach hört der Metabolismus
auf. Wenn man dieses Niveau erreicht hat, ist man nicht mehr von den fünf Elementen gefesselt,
hat einen Körper erworben, der aus der Substanz eines anderen Weltraums besteht. Er wird nicht
mehr von Zeit und Raum unseres Planeten beeinflußt und bleibt immer jung.
Herausragende Mönche in der Geschichte hatten immer ein langes Leben. Ein Mensch, der
einige Jahrhunderte alt ist, mag über die Straße gehen, aber du kannst ihn nicht erkennen, weil er
sehr jung aussieht und Kleidung wie ein normaler Mensch trägt. Das Leben der Menschen soll
nicht so kurz sein. Nach der modernen Wissenschaft kann ein Mensch über 200 Jahre leben. Laut
geschichtlichen Aufzeichnungen gab es in Großbritannien einen Mann namens Femcath, der
207 Jahre auf der Welt gelebt hatte. Ein Japaner namens Mitsutaira hat 242 Jahre gelebt. Der
chinesische Mönch Huizhao in der Tang-Dynastie (618 - 907) lebte 290 Jahre auf der Welt. Nach
den historischen Aufzeichnungen aus dem Kreis Yongtai, Provinz Fujian, wurde Chen Jun in
dem ersten Jahr der Regierungsperiode Zhonghe (881) unter dem Kaiser Xizong der Tang-
Dynastie geboren und starb im Jahre 1324 in der Regierungsperiode Taiding in der Yuan-
Dynastie, als er 443 Jahre alt war. All dies ist in der Literatur belegt und somit kein Märchen. Ein
Praktizierender unseres Kultivierungssystems wird bemerken, daß die Falten an seinem Gesicht
durch das Praktizieren offensichtlich weniger werden, daß sein Gesicht vor Gesundheit strahlt,
daß sein Körper so leicht ist, daß er sich beim Gehen und beim Arbeiten nicht müde fühlt. Das ist
zu einem allgemeinen Phänomen beim Falun-Xiulian-Dafa geworden. Ich selbst habe mich
einige Jahrzehnte kultiviert. Andere sagen zu mir, daß sich mein Gesicht im Vergleich zu vor 20
Jahren nicht viel verändert hat. Die Ursache dafür liegt eben darin. Der Falun-Xiulian-Dafa hat
etwas an sich, was das Leben kultiviert. Einem Praktizierenden des Falun-Xiulian-Dafa sieht
man sein wahres Alter nicht an. Deshalb kann man sagen, daß die größte Besonderheit des
Systems der Doppel-Kultivierung von Natur und Leben darin besteht, das Leben zu verlängern,
die Alterung zu verzögern und Langlebigkeit zu erreichen.

(2) Der Falun-Himmelskreis


Der menschliche Körper ist ein kleines Universum für sich. Die Energie des menschlichen
Körpers kreist einmal um den Körper, was die Zirkulation des kleinen Universums und zugleich
auch der Himmelskreis genannt wird. Die Verbindung des Ren-Mai (Ren-Meridian) mit dem Du-
Mai (Du-Meridian) gehört immer noch zum oberflächlichen Himmelskreis, der für die
Kultivierung des Lebens keine Rolle spielt. Der wirkliche Kleine Himmelskreis zirkuliert intern
vom Niwan-Palast zum Dantian. Die interne Zirkulation kann dazu führen, daß sich die Energie
des Körpers von innen nach außen ausdehnt, wobei alle Meridiane geöffnet werden. Unser
Falun-Xiulian-Dafa erfordert, daß schon am Anfang alle Meridiane geöffnet werden müssen.
Der Große Himmelskreis ist die Zirkulation der acht Sondermeridiane um den ganzen Körper.
Wenn der Große Himmelskreis eines Praktizierenden nicht mehr blockiert ist, wird er folgenden
Zustand erreichen: Er kann in die Luft fliegen, was in den "Texten der Internen Alchemie" "Am
hellen Tag zum Himmel fliegen" heißt. Aber normalerweise wird ihm ein gewisser Körperteil
verschlossen, damit er nicht fliegen kann. Auf diese Weise wird ein Zustand entstehen: Er ist

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immer flink und schnell beim Gehen. Wenn er auf einen Berg klettert, fühlt er sich, als ob ihn
jemand von hinten nach oben schöbe. Nach dem Öffnen des Großen Himmelskreises kann er
noch die Kultivierungsfunktion erlangen, das Qi der inneren Organe gegeneinander
auszutauschen. Das Qi kann nämlich vom Herzen in den Magen, und das Qi vom Magen in die
Därme laufen ... . Mit der Verstärkung der Kultivierungspotenz kann er schon die
Kultivierungsenergie aus seinem Körper aussenden, um Dinge zu befördern. Diesen
Himmelskreis nennt man Zi-Wu-Himmelskreis oder Himmel-Erde-Himmelskreis. Die
Zirkulation dieses Kreislaufs kann den menschlichen Körper noch nicht evolvieren. Es gibt
neben diesem Kreislauf noch einen anderen Kreislauf, der Mao-You-Himmelskreis genannt wird.
Die Zirkulation des Mao-You-Himmelskreises sieht so aus: Die Energie geht vom Huiyin-Punkt
(dem Perineum) bzw. dem Baihui-Punkt aus und läuft die Grenzlinie zwischen der Yin- und der
Yang-Seite entlang, nämlich die Seiten des Körpers.
Die Zirkulation des Falun-Himmelskreises ist viel größer als die der acht Sondermeridiane bei
anderen Kultivierungswegen. Die Energie zirkuliert in allen kreuz und quer laufenden
Meridianen des Körpers, die dadurch auf einmal geöffnet werden. In unserem
Kultivierungssystem ist all dies enthalten, und du mußt das nicht künstlich kultivieren und
willkürlich die Energie lenken. Wenn du trotzdem so etwas machst, wirst du bestimmt vom
richtigen Weg abweichen. In dem Trainingskurs setze ich dir einen Qiji (Energie-Mechanismus),
der automatisch zirkuliert, rund um den Körper. Der Qiji ist etwas Besonderes für die
Kultivierung auf hoher Ebene. Er bildet einen Teil zum automatischen Praktizieren unseres
Kultivierungssystems. Wie das Falun dreht er sich ständig und bringt die Meridiane im Körper in
Bewegung. Obwohl du den Himmelskreis nicht praktiziert hast, wird deine Energie in den
Meridianen im ganzen Körper dennoch zur Zirkulation gebracht. Die Kultivierungsbewegungen,
die wir üben, dienen nur dazu, den Qiji rund um den Körper zu verstärken.

(3) Aufschließen der Meridiane


Der Zweck des Aufschließens der Meridiane besteht darin, die Energie zur Zirkulation zu
bringen, so daß die Zusammensetzung der Moleküle der Zelle geändert und zur Substanz mit
hoher Energie umgeformt wird. Die Meridiane desjenigen, der keinen Kultivierungsweg
praktiziert, sind verstopft und sehr dünn, während die Meridiane desjenigen, der einen
Kultivierungsweg betreibt, immer heller werden und auch durchzuschlagen sind, wo sie verstopft
sind. Die Meridiane eines guten Praktizierenden können erweitert werden. Auf hoher
Kultivierungsebene können seine Meridiane noch breiter werden. Manche Praktizierende haben
sogar fingerdicke Meridiane. Das Aufschließen der Meridiane selbst repräsentiert nicht die
Kultivierungsebene und die Kultivierungspotenz. Durch das Praktizieren werden die Meridiane
immer heller und breiter, bis sie zum Schluß eins werden. Dann wird dieser Mensch weder
Meridiane noch Punkte haben, oder man kann sagen, daß er überall am Körper Meridiane und
Punkte hat. Jetzt kann man noch nicht sagen, daß er Tao erlangt hat. Das manifestiert nur seine
Kultivierungsebene während der Kultivierung des Falun-Xiulian-Dafa. Wenn man diese Ebene
erreicht hat, gelangt er schon ans Ende der Kultivierung des Shijianfa. Währenddessen erscheint
bei ihm ein offensichtlicher Zustand: Drei Blumen versammeln sich auf dem Scheitel. Nun ist
die Kultivierungsenergie, die schon eine Form bildet, sehr stark, und die Energiesäule ist auch
sehr hoch. Drei Blumen erscheinen auf seinem Kopf. Eine der drei Blumen sieht wie eine
Lotusblume aus, die andere wie eine Chrysantheme. Die drei Blumen können sich um ihre
Achsen drehen. Auf jeder Blume ist eine Energiesäule, die bis zum Himmel hoch reicht. Die drei
Säulen drehen sich zugleich mit den drei Blumen. Der Praktizierende wird spüren können, daß
sein Kopf sehr schwer ist. Bis hier hat er seinen letzten Schritt der Kultivierung des Shijianfa
getan.

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5. Die Intentionen
Beim Praktizieren des Falun-Xiulian-Dafa werden keine Intentionen gebraucht. Die Intentionen
selbst können nichts bewirken. Aber sie können Befehle ausgeben. Es sind die
Kultivierungsfunktionen, die wirklich eine Rolle spielen. Denn sie sind intelligent und befolgen
die Befehle, die vom Gehirn ausgegeben werden. Aber viele Leute, besonders Leute aus Qigong-
Kreisen, sind dazu ganz unterschiedlicher Meinung. Sie glauben, daß die Intentionen vieles tun
können. Manche meinen, daß man mit Intentionen die Kultivierungsfunktionen erschließen, das
Himmelsauge öffnen, die Kranken behandeln und Dinge befördern kann. Diese Meinung ist aber
falsch. Auf einer niedrigen Ebene können die Intentionen die Sinnesorgane und die Gliedmaßen
der Menschen in einer normalen Gesellschaft befehligen, auf einer hohen Ebene können die
Intentionen der Praktizierenden zu einer höheren Stufe gehoben werden, wodurch sie die
Kultivierungsfunktionen dazu befehligen, etwas zu erledigen. Das heißt, daß die
Kultivierungsfunktionen von den Intentionen eines Praktizierenden kontrolliert werden. Das ist
unsere Meinung zu den Intentionen. Manchmal sehen wir, daß ein Qigong-Meister einen
Kranken heilt, ohne dabei seine Hände zu bewegen. Man meint, es seien die Intentionen, die es
getan haben. In der Tat hat der Qigong-Meister aber eine Art der Kultivierungsfunktionen
ausgegeben und dieser befohlen, den Kranken zu heilen oder irgendetwas zu erledigen. Weil die
Kultivierungsfunktionen in einem anderen Weltraum wirken und ein normaler Mensch das mit
seinen Augen nicht sehen kann, meint er, daß die Intentionen es getan hätten. Die falsche
Meinung, daß die Intentionen Kranke heilen könnten, ist irreführend und muß unbedingt geklärt
werden.
Das Denken eines Menschen ist eine Art der Information, eine Art der Energie und eine
Existenzart der Substanzen. Wenn ein Mensch an etwas denkt, entsteht in seinem Gehirn eine
Vibration. Manchmal ist es sehr wirkungsvoll, wenn man Mantras vorliest. Warum? Der Kosmos
hat auch seine Vibrationsfrequenzen. Wenn die Vibrationsfrequenzen des vorgelesenen Mantras
und die Vibrationsfrequenzen des Kosmos eine Resonanz bilden, kann der gewünschte Effekt
erreicht werden. Natürlich können nur die guten Informationen Erfolge haben, weil im Kosmos
die üblen Dinge nicht existieren dürfen. Die Intention ist auch eine besondere Art der
Denkweise. Der Gebotskörper eines großen Qigong-Meisters auf hoher Ebene steht unter der
Kontrolle und dem Befehl seiner eigenen Seele. Der Gebotskörper hat auch sein eigenes Denken
und die Fähigkeit, Probleme allein zu lösen und Sachen zu erledigen. Er ist voll und ganz ein
unabhängiges Selbst. Zugleich weiß der Gebotskörper, woran die eigene Seele des Qigong-
Meisters denkt, und er richtet sich danach. Wenn zum Beispiel der Qigong-Meister einen
Kranken heilen will, dann geht sein Gebotskörper den Kranken heilen. Er geht nicht hin, ohne
daß der Qigong-Meister diesen Befehl ausgegeben hätte. Nur wenn er eine sehr sehr gute Sache
sieht, kann er sie auf seine eigene Initiative vollbringen. Es gibt manche Dinge, die ein Qigong-
Meister nicht weiß, weil er noch nicht so weit ist, daß er Erleuchtung erlangt hat. Aber sein
Gebotskörper hat sie schon wahrgenommen.
Eine andere Bedeutung der Intention ist die Inspiration. Die Inspiration kommt nicht von dem
Zhuyishi eines Menschen. Die Kenntnisse des Zhuyishi sind sehr begrenzt. Wenn man etwas
schaffen will, was in der Gesellschaft nicht existiert, darf man nicht allein auf das Zhuyishi
angewiesen sein. Die Inspiration kommt von dem Fuyishi. Manche Leute, die Literatur schaffen
oder wissenschaftlich forschen, zerbrechen sich manchmal den Kopf und können dennoch nichts
zustande bringen. Dann legen sie eine Pause ein und machen einen Spaziergang. Plötzlich
bekommen sie unerwartet eine Inspiration und greifen zur Feder. Dann haben sie etwas
geschaffen. Der Grund dafür ist, daß jemand, dessen Zhuyishi beim Schaffen sehr stark ist und
das Gehirn dominiert, nichts zustande bringen kann. Aber wenn sich sein Zhuyishi entspannt,
wird das Fuyishi funktionieren und sein Gehirn dominieren. Das Fuyishi existiert in einem
anderen Weltraum und wird nicht von unserem Weltraum gefesselt, deshalb kann es etwas Neues

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schaffen. Aber das Fuyishi darf nicht über den Zustand der normalen Gesellschaft hinausgehen,
diesen stören und die gesellschaftliche Entwicklung beeinflussen.
Die Inspiration entspringt zweier Quellen. Die eine wird von dem Fuyishi geliefert. Das Fuyishi
läßt sich nicht von der menschlichen Welt irreführen und kann Inspiration erzeugen. Die andere
kommt von Befehlen und Anweisungen fremder Lebewesen aus einem hohen Raum, durch die
man einen sehr breiten Gedankengang bekommt und in der Lage ist, etwas Ungewöhnliches zu
schaffen. Die ganze Gesellschaft und der Kosmos entwickeln sich nach bestimmten
Gesetzmäßigkeiten. Nichts geschieht durch Zufall.

6. Die einzelnen Kultivierungsebenen des Falun-Xiulian-Dafa

(1) Die Kultivierung auf der hohen Ebene


Bei dem Falun-Xiulian-Dafa kultiviert sich der Praktizierende auf einer sehr hohen Ebene.
Deshalb kann er sehr schnell die Kultivierungspotenz erlangen. Je profunder das Fa (Gebot) ist,
desto einfacher und leichter ist es zu praktizieren. Vom makroskopischen Gesichtspunkt aus
gesehen gibt es sehr wenige Bewegungen bei unserem Kultivierungssystem, aber diese
kontrollieren alle Teile des Körpers und vieles andere, was zu kultivieren ist. Solange deine
geistige Natur damit Schritt halten kann, wird deine Kultivierungsenergie schnell wachsen. Du
brauchst dir beim Praktizieren keine große Mühe zu geben und keine besonderen Methoden
anzuwenden, wie die Intentionen dazu zu benutzen, einen "Schmelztiegel auf einen Ofen zu
stellen", "das Elixier der Unsterblichkeit" mit "gesammelten Substanzen" durch "Feuer-
Kontrolle" zu erzeugen, wie es gewöhnlich in der traditionellen Kultivierung der Schule der
Internen Alchemie der Fall ist. Es ist sehr kompliziert, mit Intentionen die Energie in dem Körper
zu lenken. Dabei kann es leicht zu Abweichungen kommen. Wir liefern hier allen den
bequemsten Kultivierungsweg, der zugleich der beste und der schwierigste ist. Um den Zustand
des Milchweißen Körpers zu erreichen, muß sich ein Praktizierender anderer
Kultivierungssysteme mehr als zehn Jahre, Dutzende von Jahren oder noch mehr kultivieren. Wir
aber bringen dich jedenfalls zu diesem Stand. Bevor du es bemerkt hast, hast du diese Stufe
schon passiert. Allerhöchstens dauert sie nur ein paar Stunden. Eines Tages bist du sehr
empfindlich, und nach einer Weile wieder unempfindlich, das heißt, daß du schon eine große
Stufe passiert hast.

(2) Die Manifestationen der Kultivierungsenergie


Nachdem der Körper eines Praktizierenden, der den Falun-Xiulian-Dafa kultiviert, gereinigt
worden ist, erreicht er einen Zustand, nämlich den des "Milchweißen Körpers", der den
Kultivierungsbedingungen für den Falun-Xiulian-Dafa entspricht. Nur wenn ein solcher Zustand
eintritt, kann sich die Kultivierungsenergie entwickeln. Derjenige, dessen Himmelsauge auf einer
hohen Stufe liegt, kann wahrnehmen, daß die Kultivierungsenergie in der Haut des
Praktizierenden entsteht. Dann zieht sie sich in den Körper des Praktizierenden zurück. Nachher
kommt sie wieder heraus und zieht sich wieder in den Körper zurück. Dieser Vorgang wiederholt
sich mehrmals, wobei der Praktizierende eine Stufe nach der anderen passiert. Manchmal
vollzieht sich dieser Vorgang sehr schnell. Das ist die erste Phase der Manifestation der
Kultivierungsenergie. Danach ist der Körper des Praktizierenden kein normaler Körper mehr. Ein
Praktizierender mit dem Milchweißen Körper kann nicht mehr krank werden. Aber er kann
danach hie und da Schmerzen spüren. Oder er fühlt sich irgendwo am Körper unwohl, als ob er
krank wäre. Das ist aber keine Krankheit mehr, sondern wird durch das Karma verursacht. In der

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zweiten Phase der Manifestation der Kultivierungsenergie sind die intelligenten Lebewesen
seines Körpers ziemlich groß geworden. Sie können sich bewegen und sprechen. Manchmal
treten sie sehr spärlich auf, manchmal dicht gedrängt. Sie können auch miteinander sprechen. In
diesen intelligenten Lebewesen ist eine große Menge an Energie gespeichert. Sie dienen dazu,
den Benti zu ändern.
Wenn ein Praktizierender eine ziemlich hohe Ebene des Falun-Xiulian-Dafa erreicht hat,
erscheinen manchmal Feine Kindchen überall an seinem Körper, die unartig und gutherzig sind
und sehr verspielt. Außerdem kann noch eine andere Art Körper kultiviert werden, der Fötus
genannt wird. Er sitzt auf einem Lotusthron und sieht sehr schön aus. Der Fötus entsteht durch
die Kombination des Yin und Yang des menschlichen Körpers. Sowohl ein Praktizierender als
auch eine Praktizierende können alle den Fötus herauskultivieren. Anfangs ist er sehr klein. Er
wächst mit der Zeit und wird schließlich so groß wie der Praktizierende selbst und hat ein
gleiches Aussehen wie dieser. Er befindet sich in dem Körper des Praktizierenden. Wenn einer
übernatürliche Funktionen hat, kann er wahrnehmen, daß der Praktizierende zwei Körper hat. In
der Tat hat der Praktizierende dabei seinen Wahren Körper herauskultiviert. Übrigens kann er
noch viele Gebotskörper herauskultivieren. Allgemein gesagt, kann man alle Funktionen, die es
im Kosmos oder in anderen Kultivierungssystemen gibt, in unserem Kultivierungssystem finden.

(3) Die Kultivierung des Chushijianfa (des überweltlichen Fa)


Durch das Praktizieren werden die Meridiane eines Praktizierenden immer breiter, bis sie sich
schließlich zu einer Fläche verbinden. Das heißt, daß er keinen Meridian und keinen
Akupunkturpunkt mehr hat. Mit anderen Worten, er hat überall am Körper Meridiane und
Akupunkturpunkte. Das kann jedoch nicht beweisen, daß er schon das Tao erreicht hat. Es
verkörpert nur eine Kultivierungsebene des Falun-Xiulian-Dafa. Wenn man diese Ebene erreicht
hat, ist man schon am Ende der Kultivierung des Shijianfa und besitzt eine ziemlich starke
Kultivierungspotenz, die schon eine Form hat. Die Energiesäule ist ziemlich hoch. Auf dem
Kopf erscheinen drei Blumen. Damit hat man nun den letzten Schritt in der Kultivierung des
Shijianfa getan.
Wenn man bei der Kultivierung noch einen Schritt weiter nach vorne tut, bleibt dann nichts mehr
bei einem übrig. Alle Energien werden in den tiefsten Raum des Körpers zurückgeworfen,
wodurch man in den Zustand des "Reinweißen Körpers" (Jing Bai Ti) eintritt. Der Körper eines
solchen Menschen ist durchsichtig geworden. Wenn er noch einen Schritt weiter tut, tritt er in die
Kultivierung des Chushijianfa ein, die auch Kultivierung des Buddha-Körpers genannt wird. Die
dabei entstandenen Energien gehören zu den übernatürlichen Kräften des Buddha-Fa. Nun
kennen seine Kräfte keine Grenzen mehr. Wenn er auf eine noch höhere Ebene steigt, wird er zu
einem großen Erleuchteten. All dies hängt davon ab, wie er seine Xinxing kultiviert. Er hat
seinen Kultivierungsstatus dort, wo seine Kultivierungsebene liegt. Ein Praktizierender mit
großer Aspiration wird das Richtige Fa erreichen und die Perfektion der Kultivierung erzielen.

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Kapitel 3 - Die Kultivierung der Xinxing
(der geistigen Natur)
Die Praktizierenden des Falun-Xiulian-Dafa müssen der Kultivierung der Xinxing den ersten
Rang einräumen und davon überzeugt sein, daß die Xinxing der Schlüssel zum Erfolg bei der
Kultivierung ist. Das ist der Grundsatz der Kultivierung auf der hohen Ebene. Streng genommen,
wird die Kultivierungspotenz, die über die Kultivierungsebene entscheidet, nicht durch das
Praktizieren der externen Übungen erzielt, sondern durch die Kultivierung der Xinxing. Es ist
leicht, von der Verbesserung der Xinxing zu reden, aber es ist sehr schwer, sie in die Praxis
umzusetzen. Der Praktizierende muß enorme Opfer bringen und seine Erleuchtungsqualität
verbessern. Er muß in der Lage sein, das Schwerste vom Schweren zu ertragen und das
Unaushaltbare auszuhalten. Warum gibt es Leute, die jahrelang Qigong betrieben haben aber
nichts erreicht haben? Die grundlegende Ursache dafür ist: Erstens, daß sie keinen Wert auf die
Verbesserung der Xinxing legten; zweitens, daß sie nicht das Richtige Fa auf der hohen
Kultivierungsebene bekamen. Diese zwei Fragen müssen gelöst werden. Viele Meister legen
großen Wert auf die Verbesserung der Xinxing, während sie einen Kultivierungsweg erteilen.
Das ist die wahre Unterweisung im Kultivierungsweg. Diejenigen, die nur äußerliche
Bewegungen und Manöver vermitteln aber der Verbesserung der Xinxing keine Aufmerksamkeit
schenken, bringen in der Tat nur üble Wege bei. Deshalb müssen sich die Praktizierenden um die
Verbesserung ihrer Xinxing bemühen, erst dann können sie in das hohe Kultivierungsstadium
eintreten.

1. Die Bedeutung der Xinxing


Die Xinxing, die in dem Falun-Xiulian-Dafa erwähnt ist, wird nicht ganz von dem Begriff
"Tugend" umfaßt. Sie hat eine viel breitere Bedeutung als "Tugend". Sie beinhaltet vieles
einschließlich "Tugend". Die "Tugend" ist nur eine Verkörperung der Xinxing. Allein unter
"Xinxing" "Tugend" zu verstehen, ist bei weitem nicht ausreichend. Die Xinxing beinhaltet die
Einstellung zu zwei Aspekten, dem "Erhalt" und dem "Verzicht". Unter dem "Erhalt" ist die
Assimilation mit den Eigenschaften des Kosmos zu verstehen. Die besonderen Eigenschaften,
die der Kosmos besitzt, sind "Zhen (Wahrhaftigkeit), Shan (Barmherzigkeit) und Ren
(Nachsicht)". Die Tugend einer Person verkörpert die Assimilation des Charakters eines
Praktizierenden mit den Eigenschaften des Kosmos. Der "Verzicht" bedeutet, daß man u.a. auf
üble Gedanken und Taten wie Habgier, eigene Vorteile, Erotik, Begierde, Töten, Kämpfen,
Stehlen, Rauben, Tücke und Neid verzichten muß. Wenn man auf die hohe Kultivierungsebene
steigen will, muß man die eigentliche Jagd eines Menschen nach Lüsten aufgeben, das heißt, daß
man auf alle eigensinnigen Sehnsüchte verzichten muß, und daß Ruhm und Profit einem ganz
gleichgültig sein müssen.
Der menschliche Charakter und der fleischliche Körper bilden einen kompletten Menschen. Das
gleiche gilt auch für den Kosmos. Außer der Materie hat der Kosmos noch Eigenschaften wie
"Zhen, Shan und Ren". In jedem Körnchen der Luft existieren solche Eigenschaften. Das findet
auch in der Gesellschaft normaler Menschen seinen Ausdruck. Wenn man gute Sachen tut, wird
man gelobt, und wenn man üble Taten verübt, wird man bestraft. Auf einer hohen
Kultivierungsebene finden diese Eigenschaften in übernatürlichen Funktionen ihren Ausdruck.
Wer sich diesen Eigenschaften anpaßt, ist ein guter Mensch, wer ihnen zuwiderhandelt, ist ein
schlechter Mensch. Wer ihnen entspricht und sich damit assimiliert, der bekommt Tao. Ein
Praktizierender kann erst dann auf die hohe Kultivierungsebene steigen, wenn er eine äußerst
gute Xinxing hat, die sich mit den Eigenschaften des Kosmos assimiliert.

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Es ist leicht, ein guter Mensch zu werden; es ist aber nicht mehr so leicht, die Xinxing zu
kultivieren. Ein Praktizierender muß im Geist dazu bereit sein. Wer sein Herz rektifizieren will,
muß sich darum bemühen, aufrichtig in den Gedanken zu sein. Die Menschen leben in einer
komplizierten Welt. Wenn du etwas Gutes tun willst, wird jemand dich daran hindern. Du willst
keinen beleidigen, aber es gibt ausgerechnet Leute, die dich aus verschiedenen Gründen
verletzen, manchmal sogar mit Absicht. Kannst du zu einer Erleuchtung kommen, warum das
geschieht? Wie sollst du darauf reagieren? Alles Richtige bzw. alles Falsche auf dieser Welt testet
stets deine Xinxing. Kannst du dich jederzeit entsprechend den strengen Forderungen an die
Xinxing beherrschen, wenn du unbegründet gekränkt wirst, wenn deine eigenen Interessen
beeinträchtigt werden, wenn du einer Menge von Geld oder einer attraktiven Frau
gegenüberstehst, wenn du dich im Machtkampf und unter den Leuten befindest, die
gegeneinander in Neid und Haß intrigieren, wenn du unter den Auseinandersetzungen der
Gesellschaft, Familienwidersprüchen und verschiedenen sichtbaren und unsichtbaren Qualen
leidest? Du bist natürlich ein großer Erleuchteter, wenn du all dies erreicht hast. Jedenfalls
fangen die meisten Praktizierenden als normale Menschen an. Die Kultivierung der Xinxing
kann nur Schritt um Schritt vollzogen werden. Ein gläubiger Praktizierender muß dazu
entschlossen sein, große Härten zu ertragen und mit besonderen Schwierigkeiten fertig zu
werden. Zum Schluß wird er die Frucht der Perfektion bekommen. Ich hoffe, daß alle
Praktizierende die eigene Xinxing strikt bewahren und die Kultivierungspotenz so früh wie
möglich erhöhen.

2. Verlust und Gewinn


In den Qigong- und religiösen Kreisen wird von Verlust und Gewinn gesprochen. Manche Leute
meinen, daß Verlust bedeute, Almosen zu geben, etwas Gutes zu tun sowie demjenigen zu helfen,
der irgendwelche Schwierigkeiten hat, und Gewinn bedeute Erwerb der Kultivierungsenergie.
Mönche in den Tempeln sagen auch, daß man Almosen geben sollte. Darunter Verlust zu
verstehen ist sehr unzureichend. Der Verlust, den wir meinen, ist in einem viel weiteren Sinne zu
verstehen. Was man verlieren sollte, sind nach unseren Forderungen die weltlichen Gedanken
und eigensinnigen Neigungen. Du sollst das verlieren können, was du für wichtig hältst, worauf
du eigentlich nicht verzichten kannst. Das ist der wahre Verlust. Etwas Gutes für andere zu tun
und Barmherzigkeit anderen gegenüber zu zeigen, das ist nur ein geringer Teil des Verlustes.
Es ist das Ziel eines Nicht-Praktizierenden, berühmt zu werden, Profit zu machen, ein besseres
Leben zu führen, gemütlich zu leben und viel Geld zu verdienen. Es ist für uns Praktizierende
aber ganz anders. Was wir bekommen, ist die Kultivierungsenergie, und die gehört nicht zu
diesen Dingen. Deshalb müssen wir auf die persönlichen Interessen verzichten und dürfen diese
nicht so ernst nehmen. Verlieren werden wir jedoch nichts. Weil wir uns unter den normalen
Menschen kultivieren, müssen wir uns wie normale Menschen verhalten. Der Schlüssel liegt
darin, daß du deine Gedanken an die persönlichen Interessen loswirst. Was dir gehört, kann nicht
verlorengehen, was dir nicht gehört, kannst du dir auch nicht erwerben. Auch wenn du es dir
verschafft hast, mußt du es demjenigen, dem es eigentlich gehört, zurückgeben, weil das
Nehmen immer vom Geben begleitet ist. Natürlich ist nicht zu erwarten, daß man auf einmal
alles ideal macht, weil man nicht über Nacht ein Erleuchteter werden kann. Aber es ist durchaus
möglich, daß man sich Schritt für Schritt kultiviert und sich Stufe um Stufe erhöht. Was die
persönlichen Interessen betrifft, sollst du dich ihnen gegenüber teilnahmslos zeigen. Du sollst
lieber weniger bekommen, aber dich immer beruhigt fühlen. In bezug auf materielle Dinge
verlierst du vielleicht etwas, dafür gewinnst du aber mehr De-Substanz und
Kultivierungsenergie. So ist das Prinzip. Aber es wird nicht von dir erwartet, daß du mit Absicht
die De-Substanz gegen Ruhm, Vorteile und Gehalt austauschst, was man mit einigem Scharfsinn
verstehen wird.

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Ein Praktizierender, der den Dafa (das Große Fa) kultiviert, sagte einmal: "Was die anderen
wollen, will ich nicht. Was die anderen haben, habe ich nicht. Aber sie haben auch nicht, was ich
besitze." Es ist für einen normalen Menschen sehr schwierig, seine Bedürfnisse zu befriedigen.
Er würde gerne alles außer den Steinen auf dem Boden haben. Dieser Praktizierende sagte aber,
daß er gerne diese Steine hätte. Ein Sprichwort sagt: Seltenheiten sind Kostbarkeiten. Die Steine
kosten in dieser Welt nicht viel, aber sie sind in der anderen Welt sehr viel wert. Dies ist eine
Philosophie, für die ein normaler Mensch kein Verständnis zeigt. Viele Adepten, die sich
vervollkommnet haben, haben gar nichts, für diese Leute gibt es nichts, worauf sie nicht
verzichten könnten.
Den Weg zur Kultivierung einzuschlagen ist richtig, niemand ist klüger als die Praktizierenden.
Den Vorteil, nach dem ein normaler Mensch strebt, um den er kämpft, kann er nur für kurze Zeit
genießen. Was nutzt ihm denn dieser kleine Vorteil, auch wenn er ihn erstrebt oder erkämpft hat?
Ein Spruch sagt: Dieser Vorteil kann nicht bei der Geburt mitgebracht und beim Sterben auch
nicht mitgenommen werden. Man kommt nackt zur Welt, man scheidet auch nackt aus der Welt.
Selbst die Knochen werden zu Asche verbrannt. Ganz gleich, ob du ein Millionär oder ein hoher
Beamter bist, du kannst beim Sterben nichts mitnehmen. Die Kultivierungsenergie aber kannst
du mitnehmen, denn sie bleibt immer bei deinem Zhuyishi. Ich sage dir, daß es nicht leicht ist,
die Kultivierungsenergie zu erwerben. Sie ist so wertvoll, daß sie nicht gegen tausend Unzen
Gold zu tauschen ist. Wenn du eines Tages, wenn deine Kultivierungsenergie sehr hoch ist, die
Kultivierung aufgeben möchtest, kann sich deine Kultivierungsenergie zu dem Materiellen
umformen, was du dir wünschst und auch bekommen kannst, vorausgesetzt, daß du nichts
Schlechtes tust. Aber du kannst nur das bekommen, was von dieser Welt ist. Was ein
Praktizierender bekommen kann, kannst du nie und nimmer mehr bekommen.
Für ihre eigenen persönlichen Interessen haben manche Leute durch unfaire Methoden das in die
Hand bekommen, was ihnen eigentlich nicht gehört. Sie bilden sich ein, daß sie dabei profitiert
hätten. In der Tat haben sie diesen kleinen Vorteil aber gegen ihre De-Substanz ausgetauscht, nur
wissen sie das selbst nicht. Dafür nimmt ihre Kultivierungsenergie ab, wenn es einen
Praktizierenden betrifft; seine Lebenserwartung wird verkürzt, oder etwas anderes wird reduziert,
wenn es um einen normalen Menschen geht. Am Ende wird also abgerechnet, das liegt im
himmlischen Prinzip. Manche Leute pflegen andere zu schikanieren oder mit bösen Worten zu
kränken. Mit diesen üblen Taten geben sie den Gegnern einen entsprechenden Teil ihrer De-
Substanz, die Schikanierung anderer tauschen sie gegen ihre De-Substanz aus.
Manche Leute meinen, daß gute Menschen oft Verluste erleiden. In den Augen der normalen
Menschen ist das wirklich so. Aber sie haben doch auch das bekommen, was normale Menschen
nicht bekommen können, nämlich das De, eine Art weißer Substanz, die äußerst wertvoll ist.
Ohne die De-Substanz entsteht keine Kultivierungsenergie, das ist eine absolute Wahrheit. Viele
Leute betreiben das Qigong, aber ihre Kultivierungsenergie wächst nicht. Warum? Weil sie keine
De-Substanz durch die Kultivierung bekommen. Viele Leute reden über das De, sie stellen
Forderungen an das De. Aber sie haben nicht erklärt, wie das De in die Kultivierungsenergie
umgewandelt wird. Sie überlassen das dem Verständnis des Praktizierenden. Die Tripitaka, die
aus Tausenden von Bänden besteht, das Dharma, über das Shakyamuni mehr als vierzig Jahre
redete, behandeln alle das De. Die alten klassischen chinesischen Texte über die Kultivierung
beziehen sich alle auf das De. In dem klassischen "Dao De Jing" mit 5000 Wörtern, verfaßt von
Laotse, geht es auch um das De. Aber es gibt immer noch Leute, die das nicht verstehen.
Wir legen großen Wert auf den Verlust. Du mußt etwas verlieren, um etwas zu bekommen. Wenn
du dich tatsächlich kultivieren willst, wirst du auch in Drangsal geraten. Im alltäglichen Leben
wirst du mit körperlichen Leiden zu tun haben, du wirst dich hier und da am Körper unpäßlich
fühlen, aber das ist keine Erkrankung. Außerdem kann das auch in der Gesellschaft, zu Hause in
der Familie oder in der Einheit, wo du arbeitest, passieren. Es können plötzlich aus persönlichen

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Interessen Widersprüche oder Reibereien wegen der Gefühle auftauchen. All dies verfolgt den
Zweck, deine Xinxing zu verbessern. Manchmal kommen solche Sachen ganz unerwartet und
brechen stürmisch aus. Wie wirst du dich verhalten, wenn du auf eine Widerwärtigkeit stößt, die
dich in Mißkredit bringt und blamiert? Du sollst dich ganz ruhig verhalten. Wenn du dich so
benehmen kannst, dann kannst du deine Xinxing durch diese Widerwärtigkeit verbessern, und
deine Kultivierungsenergie kann auch entsprechend erhöht werden. Wenn du etwas leidest,
bekommst du auch etwas. Wieviel du ausgibst, so viel bekommst du auch. Es ist für einen im
Drangsal schwer, das zu begreifen. Aber wir müssen unser Bestes tun, um das zu verstehen. Ein
Praktizierender soll sich nicht so benehmen wie ein normaler Mensch. Im Konfliktfall müssen
wir unsere Großzügigkeit beweisen. Weil wir unter normalen Menschen praktizieren, haben wir
auch unter normalen Menschen unsere Xinxing zu verbessern. Wenn wir straucheln, können wir
daraus doch eine Lehre ziehen. Es ist unmöglich, auf gar keine Drangsale zu stoßen und die
Kultivierungsenergie auf angenehme Weise zu verstärken.

3. Integrierte Kultivierung von "Zhen, Shan und Ren"


Unsere Schule zielt auf die integrierte Kultivierung von "Zhen, Shan und Ren" ab. "Zhen"
bedeutet, die Wahrheit zu sagen, das Wahre zu tun und zu dem wahren Ursprung zurückzukehren
und zum Schluß ein Unsterblicher zu werden. "Shan" bedeutet, daß man Barmherzigkeit zeigt,
Gutes tut und Menschen erlöst. Äußerst großen Wert wird auf "Ren" gelegt. Nur durch Ren kann
ein Praktizierender zu einem hoch kultivierten Menschen werden. Ren ist etwas sehr Starkes, das
weit über Zhen und Shan hinausgeht. Während des ganzen Kultivierungsprozesses mußt du auf
Ren achten und deine Xinxing bewahren und darfst keine ungeeigneten Taten begehen.
Es ist nicht leicht, Ren zu üben, wenn man in einer unangenehmen Situation ist. Jemand könnte
einwenden: "Wäre es nicht das Verhalten von Ah Q (Ah Q: eine Person in dem Roman "Die
Geschichte von Ah Q", geschrieben von Luxun), daß du dich zurückhältst, auch wenn du
geschlagen oder beschimpft wirst oder sogar in Gegenwart von deinen nahen Verwandten und
guten Freunden das Gesicht verlierst?" Meiner Ansicht nach wird niemand meinen, daß du
dumm bist, wenn du dich auf jedem Gebiet ganz normal verhältst und deine Intelligenz auch
nicht im geringsten niedriger als die der anderen ist, aber du deine persönlichen Interessen ganz
leicht nimmst. Ren üben zu können, ist keine Feigheit, ist keine Haltung des Ah Q. Im Gegenteil,
es ist ein Ausdruck des starken Willens und zugleich von der Selbstbeherrschung. Im alten China
gab es einen Mann namens Han Xin, der unter folgender Beleidigung litt: Er mußte durch die
zwei Beine eines bösen Buben kriechen. Große Nachsicht ist erfordert, wenn man das tun kann.
Ein alter Spruch sagt: "Ein normaler Mensch zieht sofort seinen Degen zum Kampf, wenn er
beleidigt wird." Wenn ein normaler Mensch unter einer Beleidigung leidet, kann er seinen Degen
ziehen, seinen Mund zum Schimpfen öffnen und mit seiner Faust auf den anderen schlagen. Es
ist nicht leicht, auf diese Welt zu kommen. Manche scheinen für nichts anderes als für ihr
Ansehen zu leben, ein solches Leben ist zu ermüdend und auch bedeutungslos. Ein alter
chinesischer Spruch heißt: "Einen Schritt zurücktretend, wirst du das Meer weit und den Himmel
grenzenlos finden." Wenn du Probleme hast und dann einen Schritt zurücktrittst, wirst du
bestimmt ein anderes Bild vor dir entdecken.
Als ein Praktizierender mußt du nicht nur Ren üben und Konzillianz demjenigen gegenüber
zeigen, der mit dir sogar in Konflikt kommt und dich in deiner Gegenwart beleidigt, sondern ihm
auch deinen Dank aussprechen. Wie könntest du deine Xinxing verbessern, wie könnte die
schwarze Substanz unter der Bedingung des Leidens in die weiße Substanz umgeformt werden
und wie könnte deine Kultivierungsenergie wachsen, wenn er nicht mit dir in Konflikt käme? Es
ist für dich sehr schwierig, dieses Leiden zu überstehen. Da mußt du dich dann nur unbedingt
beherrschen. Denn das Leiden nimmt ständig zu, während die Kultivierungsenergie wächst. Es
kommt ausschließlich darauf an, ob deine Xinxing auch mitwachsen kann. Anfangs wirst du

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vielleicht geärgert. Du wirst derart geärgert, daß du dich sehr unangenehm fühlst, und Magen-
und Leberschmerzen bekommst. Aber du hast deinem Ärger keinen freien Lauf gelassen und ihn
in Kauf genommen. Das ist sehr gut, weil du mit der Nachsicht begonnen hast, und zwar mit
Absicht. Auf diese Weise kannst du allmählich und ständig deine Xinxing verbessern. Du wirst
die Dinge wirklich leicht nehmen. Dann wirst du noch größere Erfolge erzielen. Ein normaler
Mensch nimmt manche Reibereien und manche Kleinigkeiten sehr ernst. Er lebt für nichts
anderes als sein Ansehen, er kann keine Nachsicht üben. Er wagt alles, wenn er gereizt wird.
Aber als ein Praktizierender sollst du leicht nehmen, was für einen normalen Menschen sehr
wichtig ist. Weil du ein sehr großes Ziel hast, das sehr weit vor dir liegt. Du wirst so lange leben
wie der Kosmos. Aber die anderen Dinge sind alle nicht unentbehrlich. Wenn du so eine hohe
Aspiration hegst, kannst du bestimmt auch ohne diese Dinge auskommen.

4. Wider den Neid


Der Neid ist ein äußerst großes Hindernis für die Kultivierung. Er kann eine ernstzunehmende
Wirkung auf einen Praktizierenden ausüben und seine Kultivierungspotenz beeinträchtigen.
Wegen des Neides kann einer seinen Mit-Praktizierenden schädigen und den Fortschritt bei der
Kultivierung ernsthaft stören. Ein Praktizierender muß seinen Neid restlos ablegen. Mancher hat
eine gewisse Ebene bei der Kultivierung erreicht, aber er kann sich seines Neides nicht
erwehren. Je schwerer er es findet, seinen Neid loszuwerden, desto tiefer wird er in den Neid
geraten. Das macht seine schon verbesserte Xinxing leicht zerbrechlich. Warum komme ich
speziell auf den Neid zu sprechen? Weil sich der Neid bei den Chinesen am markantesten zeigt.
Er bildet den größten Teil ihrer Ideologie, aber viele sind sich dessen nicht bewußt. Der Neid ist
dem Orient eigen, deshalb wird er der orientalische Neid oder der asiatische Neid genannt. Die
Chinesen sind sehr introvertiert und reserviert. Und sie lassen sich nichts anmerken. Deshalb ist
es für sie leicht, den Neid zu entwickeln. Alles hat zwei Seiten, auch die Introvertiertheit hat ihre
gute Seite und auch ihre schlechte Seite. Im Gegensatz dazu sind die Leute im Westen sehr
extravertiert. Ein Schulkind zum Beispiel hat in der Schule die volle Punkteanzahl bekommen.
Voller Freude läuft es nach Hause und ruft dabei: "Ich habe die Prüfung in allen Punkten voll
bestanden!" Die Nachbarn öffnen die Fenster oder die Türen und gratulieren: "Tom, gratuliere
dir!" Alle teilen seine Freude. Wenn das in China geschehen würde, könnte man sich schon
vorstellen, daß das, sobald man gehört hätte, eine starke Abneigung hervorgerufen hätte. Die
Leute hätten aus Neid gesagt: "Es ist doch unverschämt, das zu zeigen. Wer hat nicht einmal
schon die vollen Punkte bekommen?!" Die Reaktion ist ganz anders.
Eine Person, die mit Neid erfüllt ist, sieht andere immer über die Schulter an. Er duldet es auch
nicht, wenn jemand ihn übertrifft. Wenn er bemerkt, daß jemand tüchtiger als er ist, gerät er
sofort aus dem inneren Gleichgewicht. Und er kann das nicht ertragen und seine Unterlegenheit
nicht zugeben. Wenn andere eine Lohnerhöhung bekommen haben, muß sein Lohn auch erhöht
werden. Wenn andere einen Bonus bekommen haben, muß er auch die gleiche Summe haben.
Wenn ihm ein Unglück passiert ist, will er, daß andere dieses Unglück mit ihm teilen. Wenn
andere mehr verdienen, wird er schon darauf eifersüchtig. Mit einem Wort, er wird es nicht
dulden können, wenn jemand ihn übertrifft. Manche Leute haben große Erfolge bei der
wissenschaftlichen Forschung erzielt, wagen aber aus Angst vor dem Neid anderer nicht, die
Prämien dafür anzunehmen. Manche Leute werden mit einem Ehrentitel ausgezeichnet, wagen
aber aus Angst vor dem Neid und Spott seitens anderer nicht, es ihnen zu sagen. Manche
Qigong-Meister fühlen sich unangenehm, wenn sie sehen, daß andere Qigong-Meister
Vorlesungen halten. Sie möchten diesen bei ihren Vorlesungen Schwierigkeiten bereiten. Das
zeigt, daß sie Probleme mit ihrer Xinxing haben. Manche Praktizierende üben zusammen. Einer
von ihnen mag Kultivierungsfunktionen bekommen haben, obwohl er eine ganz kurze Periode
praktiziert hat. Dann gibt es schon Leute, die sagen: "Er hat doch nichts, worauf er stolz sein

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kann! Ich habe doch jahrelang praktiziert. Ich habe schon einen hohen Stapel von
Abschlußzeugnissen vom Qigong-Kurs. Wie können die Kultivierungsfunktionen bei ihm
möglich sein, wenn ich noch keine bekommen habe?" Er glüht vor Neid. Ein Praktizierender soll
in sich selbst die Ursache für die Probleme suchen. Er soll große Anstrengungen unternehmen,
um sich zu kultivieren. Er soll sein Bestes tun, um sich zu entwickeln, indem er seine eigenen
Unzulänglichkeiten berichtigt. Was nutzt der Neid, wenn du immer zurückbleibst, während
andere bei ihrer Kultivierung Fortschritte machen? Letzten Endes mußt du dich selbst
kultivieren!
Ein Praktizierender kann seinen Mit-Praktizierenden aus Neid Schaden zufügen. Er kann zum
Beispiel etwas Schlechtes sagen, damit es den anderen unmöglich gemacht wird, in den Zustand
der Ruhe einzutreten. Wenn er gewisse Kultivierungsfunktionen erzielt hat, kann er seine Mit-
Praktizierenden schon schwer schädigen. Ein gut kultivierter Praktizierender zum Beispiel saß
und praktizierte. Weil er Kultivierungsenergie in seinem Körper besaß, sah er, dort sitzend, wie
ein Berg aus. Und da schwebten zwei subtile Lebewesen auf ihn zu. Einer davon war früher ein
Mönch, der sich wegen des Neids nicht vervollkommnen konnte. Trotzdem hatte er eine gewisse
Kultivierungspotenz. Als sie vor den sich Kultivierenden kamen, sagte der eine: "Das ist ein
Herr, der sich kultiviert. Gehen wir um ihn herum!" Der andere sagte aber: "Ich habe einmal mit
einem Hieb meiner Handfläche eine Ecke vom Berg Taishan abgeschlagen." Daraufhin wollte er
dem Praktizierenden einen Schlag versetzen. Als er aber die Hand hoch hob, konnte er sie nicht
mehr niederlassen. Der Grund dafür ist, daß der Praktizierende das Richtige Fa betrieb und dabei
eine Schutzkappe um sich hatte. So gelang es dem anderen nicht, auf ihn zu schlagen. Es ist sehr
gefährlich, einem Praktizierenden, der das Richtige Fa praktiziert, Schaden zuzufügen. Deshalb
hat der Mann seine Strafe bekommen. Ein neidischer Mensch schädigt nicht nur andere, sondern
auch sich selbst.

5. Wider den Eigensinn


Eigensinn bedeutet, daß der Praktizierende sich so an gewisse Dinge oder ein gewisses Ziel
gebunden hat und daß er sie nicht lassen kann. Seine Sehnsucht ist so übermäßig, daß er nicht
mehr davon loskommen kann. Er ist zu eigensinnig, um auf Ratschläge anderer zu hören.
Manche Leute trachten nach allen Kultivierungsfunktionen auf der Welt. Das wird ihn
folgerichtig bei der Kultivierung auf die hohe Ebene beeinträchtigen. Je mehr sie diese
Kultivierungsfunktionen haben wollen, desto schwieriger ist es, darauf zu verzichten, und desto
mehr verlieren sie ihr psychologisches Gleichgewicht. Zum Schluß werden sie meinen, daß sie
nichts dabei bekommen hätten. Sie werden daran zweifeln, was sie schon erlernt haben. Der
Eigensinn kommt aus der Begierde. Seine Besonderheiten sind, daß das Ziel oder der Zweck
ganz klar und konkret, aber offensichtlich beschränkt ist, wessen sich der Praktizierende aber
normalerweise nicht bewußt ist. Der Eigensinn eines normalen Menschen kommt auf
verschiedenen Gebieten zum Ausdruck. Um ein gewisses Ding in die Hand zu bekommen und
dieses Ziel zu erreichen, wollen sie nichts unversucht lassen. Aber der Eigensinn eines
Praktizierenden kommt auf andere Weise zum Ausdruck, z.B. nach gewissen
Kultivierungsfunktionen zu trachten, sich gewissen Anblicken zu ergeben und darauf versessen
zu sein, etwas zur Schau zu stellen. Das ist für einen Praktizierenden nie richtig, gleich, wonach
er auch trachtet. Er muß diesen Eigensinn loswerden. Die Taoisten legen großen Wert auf
Nichtigkeit, und die Buddhisten legen großen Wert auf die Leerheit. Zum Schluß werden wir die
Nichtigkeit und die Leerheit erreichen, indem wir allen Eigensinn ablegen, auf den ein normaler
Mensch nicht verzichten kann. Nehmen wir das Trachten nach den Kultivierungsfunktionen als
Beispiel. Wenn du danach trachtest, verfolgst du damit sicherlich das Ziel, sie zu verwenden. In
der Tat läuft das schon den Eigenschaften des Kosmos zuwider und stellt ein Problem der
Xinxing dar. Du möchtest sie haben, weil du sie vor der Öffentlichkeit zeigen willst, um die

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Bewunderung der Öffentlichkeit zu bekommen. Aber diese Dinge sind nicht dazu da, anderen zu
zeigen. Du magst aus reiner Motivation damit etwas Gutes tun. Aber es muß auch nicht
unbedingt eine gute Sache sein, wenn du die gute Tat unter den normalen Menschen mit den
übernatürlichen Mitteln ins Werk setzt. Manche Leute haben in dem Kurs von mir gehört, daß
siebzig Prozent der Kursteilnehmer ihr Tian-mu geöffnet haben. Dann dachten sie: "Warum habe
ich das nicht bekommen?" Beim Praktizieren zu Hause konzentrierten sie sich auf das Tian-mu,
wobei sie sogar Kopfschmerzen bekamen. Schließlich konnten sie aber dennoch nichts sehen.
Das ist eine Art Eigensinn. Die Menschen unterscheiden sich in ihrer Kondition und ihren
angeborenen Qualitäten. So ist es unmöglich, daß alle Leute gleichzeitig ein Tian-mu
bekommen, das auf der gleichen Stufe liegt. Es ist ganz normal, daß manche mit dem
Himmelsauge sehen können, und manche nicht.
Der Eigensinn kann die Kultivierungspotenz des Praktizierenden stagnieren oder unstet werden
lassen. Er kann den Praktizierenden sogar dazu führen, vom richtigen Weg abzuweichen.
Besonders mit manchen Kultivierungsfunktionen kann einer, der mit einer schlechten Xinxing
ausgestattet ist, Schlechtes tun. Es gibt Beispiele dafür, daß jemand wegen der schlechten
Xinxing Schlechtes getan hat. Ein Universitätsstudent hatte die Fähigkeit zur Gedankenkontrolle
entwickelt. Diese Kultivierungsfunktion kann dazu benutzt werden, mit seinem Denken die
Gedanken anderer zu steuern. Und er benutzte diese Funktion, um Schlechtes zu tun. Manche
Praktizierende bekommen bei ihrer Praxis Visionen zu sehen. Nun wollen sie unbedingt sehen,
was sie sind und was tatsächlich passiert ist. Das ist auch eine Art Eigensinn. Manche Leute
haben gewisse Vorlieben, die sie nicht loswerden können. Das ist auch eine Art Eigensinn.
Wegen angeborener Qualitäten und verschiedener Zielsetzungen wollen manche Praktizierende
das höchste Ziel der Kultivierung erreichen, und manche praktizieren nur deshalb, weil sie etwas
bekommen wollen. Die letzteren haben sicherlich ein beschränktes Ziel bei ihrer Kultivierung.
Wenn diese Art Eigensinn nicht überwunden wird, kann ihre Kultivierungsenergie nicht
wachsen, auch wenn sie viel üben. Deshalb muß ein Praktizierender alle materiellen Interessen
sehr leicht nehmen, nach nichts trachten und sich in Übereinstimmung mit der Natur kultivieren.
Auf diese Weise kann man den Eigensinn vermeiden. Es kommt alles auf die Xinxing des
Praktizierenden an. Wenn die Xinxing nicht von Grund auf verbessert und der Neid beseitigt
wird, kann der Praktizierende keine Perfektion der Kultivierung erreichen.

6. Das Karma

(1) Die Entstehung des Karmas


Im Gegensatz zu der De-Substanz ist das Karma eine Art schwarze Substanz. Im Buddhismus
wird es das böse Karma genannt; wir nennen es einfach Karma. Etwas Schlechtes tun nennt man
das böse Karma schaffen. Das Karma oder das böse Karma wird dadurch verursacht, daß einer
selbst in diesem Leben oder in seinem Vorleben eine Untat verübt hat. Das böse Karma kann
zum Beispiel erzeugt werden, wenn einer tötet, andere schikaniert, sich Vorteile über andere
verschafft, anderen Schlechtes nachsagt und unfreundlich zu anderen ist. Das Karma kann auf
einen auch von seinen Vorfahren übertragen werden. Wenn einer mit der Faust auf andere
einschlägt, wirft er zugleich seinem Gegner ein Stück weißer Substanz (De) zu. Die Stelle, wo
das Stück weißer Substanz gewesen ist, wird durch ein Stück schwarzer Substanz ersetzt. Das
Töten ist das schlimmste Vergehen, das das böse Karma vergrößern kann. Das Karma ist eine der
wichtigen Ursachen, die einen krank machen. Natürlich findet es nicht unbedingt in
Erkrankungen seinen Ausdruck. Es mag auch manchmal in gewissen Schwierigkeiten seinen
Ausdruck finden. Deshalb soll ein Praktizierender auf keinen Fall Schlechtes tun, denn alle

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schlechten Taten werden schlechte Informationen erzeugen, die seine Kultivierung ernsthaft
beeinträchtigen.
Manche Leute treten dafür ein, das Qi von Pflanzen in sich aufzunehmen. Im Kurs bringen sie
anderen bei, wie man das Qi von Pflanzen aufnimmt. Mit großem Interesse erzählen sie, von
welchen Bäumen das Qi gut ist und welche Farbe das Qi welches Baumes hat. In einem Park im
Nordosten Chinas sah ich einige Leute sich auf dem Boden wälzen. Als sie sich vom Boden
erhoben, kreisten sie um die Kiefern und nahmen das Qi von den Kiefern in sich auf. Ich wußte
nicht, welches Qigong sie betrieben. In einem halben Jahr haben sie dadurch einen Hain von
Kiefern welk und gelb gemacht. Das ist Karma-Verüben! Das ist auch Töten! Gleich, von
welchem Gesichtspunkt aus gesehen, ob das Land zur Bewahrung des ökologischen Ausgleichs
durch die Aufforstung grün gemacht wird, oder ob man sich auf hoher Ebene kultiviert, ist es
nicht gut, das Qi von Bäumen in sich aufzunehmen. Der Kosmos ist weit und grenzenlos, so daß
es überall das Qi gibt. Du kannst so viel Qi aufnehmen, wie du willst. Warum willst du unbedingt
die Bäume demütigen? Wo bleibt denn deine Barmherzigkeit?
Alle Dinge haben Intelligenz. Die moderne Wissenschaft ist zu der Einsicht gekommen, daß
Pflanzen nicht nur Leben, sondern auch Intelligenz, Denken und sogar die Funktion der
übernatürlichen Sinneskräfte haben. Wenn dein Himmelsauge die Stufe des Sachlichen Auges
erreicht hat, wirst du bemerken, daß die Welt ganz anders aussieht. Wenn du ausgehst, werden
dich die Steine, die Mauern, die Bäume usw. grüßen. Jedes Objekt hat ein intelligentes Dasein.
Schon bei seiner Entstehung ist ein Leben in das Objekt eingetreten. Der Mensch auf der Erde
hat die Substanzen in die organischen und die anorganischen eingeteilt. Ein Mönch in einem
Tempel fühlt sich aber sehr traurig, wenn er eine Schüssel zerbrochen hat. Das Ding ist
zerbrochen, und das intelligente Dasein darin ist freigelassen worden. Weil das intelligente
Dasein seinen Lebensprozeß nicht vollzogen hat, kann es nirgendwo hingehen. Deshalb haßt es
denjenigen sehr, der das Ding zerbrochen hat. Dadurch bekommt dieser das böse Karma. Je mehr
es ihn haßt, desto größer wird sein Karma. Manche "Qigong-Meister" gehen auf die Jagd. Wo
bleibt denn ihre Barmherzigkeit? Jagen ist Töten. Weder Buddhisten noch Taoisten dürfen den
Gesetzen der Natur zuwiderhandeln.
Manche Leute sagen, daß sie viele Karma-Schulden angesammelt haben, indem sie angelten und
Fische oder Hühner töteten. Und sie wollen wissen, ob sie noch den Kultivierungsweg
praktizieren können. Jawohl, sie können. Sie taten das, weil sie damals das Fa nicht kannten.
Wenn sie das später nie wiederholen, kann das auch kein größeres Karma erzeugen. Es ist nicht
mehr erlaubt, wenn sie später durch das Töten vorsätzlich dagegen verstoßen. Bei manchen
Kursteilnehmern haben wir ein solches Karma entdeckt. Dank der vorherbestimmten
Bedingungen kommst du zu unserem Kurs. Das bedeutet, daß du dich nach oben kultivieren
kannst. Soll man Fliegen und Mücken töten, wenn sie ins Zimmer eingedrungen sind? Es ist
nicht falsch, wenn ihr das auf der jetzigen Kultivierungsebene tut. Wenn ihr sie nicht vertreiben
könnt, könnt ihr sie ruhig töten. Ein Lebewesen stirbt, wann es sterben soll. Zu seinen Lebzeiten
wollte Shakyamuni eines Tages ein Bad nehmen. Er hieß seinen Schüler die Badewanne zu
reinigen. Der Schüler bemerkte, daß es in der Badewanne viele Insekten gab. Da kam dieser
zurück und fragte den Meister, was er mit den Insekten tun solle. Shakyamuni sagte: "Was ich
von dir verlangt habe, ist, die Badewanne zu reinigen." Der Schüler hat die verborgene
Bedeutung der Worte seines Meisters verstanden und die Badewanne sauber gemacht. Es gibt
manche Dinge, die du nicht so ernst nehmen sollst. Wir wollen nicht, daß du dich äußerst
vorsichtig bei Kleinigkeiten verhältst. Ich bin auch dagegen, daß einer unter sehr komplizierten
Umständen immer sehr ängstlich und übervorsichtig bleibt und Angst davor hat, etwas Falsches
zu tun. Das ist auch eine Art Eigensinn. Angst selbst bedeutet Eigensinn.
Wir müssen ein mitleidiges Herz haben. Probleme werden nicht so leicht auftreten, wenn du mit
so einem Herzen jede Sache behandelst. Wenn du deine persönlichen Interessen leicht nimmst

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und immer ein gutes Herz hast, wirst du bei allen Dingen davon beeinflußt. Dann wirst du auch
nichts Schlechtes tun. Wenn du es nicht glaubst, kannst du es mal versuchen. Wenn du eine gute
Sache mit einer wütenden Haltung, wie der zur Bekämpfung anderer, tust, wirst du auch die gute
Sache in eine schlechte verwandeln. Ich habe oft solche Leute gesehen, die nie nachgaben, wenn
sie recht hatten. Wenn sie die Berechtigung haben, dann haben die den Grund, andere zu
bestrafen. Wir dürfen auch keine Zwietracht säen, wenn uns was nicht gefällt. Das, was du dir
nicht mit ansehen kannst, ist doch nicht unbedingt falsch. Wenn du als Praktizierender ständig
dein Kultivierungsniveau erhöhst, sind deine Worte mit Kultivierungsenergie versehen, die schon
normale Menschen beeinflussen können. Deshalb darfst du nicht unverantwortlich reden,
besonders wenn du das wahre Wesen der Sache nicht erkannt hast. Wenn du die prädestinierten
Bedingungen der Sache nicht kennst, kannst du leicht etwas Schlechtes tun, was leicht zur
Bildung von Karma führt.

(2) Die Beseitigung des Karmas


Die weltlichen Prinzipien gleichen den überweltlichen. Wer Schulden hat, muß sie zurückzahlen.
Das gilt auch für die normalen Menschen. Drangsal und Mißgeschick, auf die du in deinem
Leben gestoßen bist, sind das Ergebnis deines Karmas, das du zurückzuzahlen hast. Als ein
wirklicher Praktizierender ist dein Lebensweg geändert worden, es wird ein für dich geeigneter
Weg zur Kultivierung eingerichtet. Ich werde dir einen Teil von deinem Karma wegnehmen. Was
davon übrig bleibt, dient zur Verbesserung deiner Xinxing. Diesen Teil kannst du selbst durch die
Kultivierung und Verbesserung der Xinxing tilgen. Es ist nicht zufällig, daß ihr später auf
Probleme stoßen werdet. Ihr müßt darauf vorbereitet sein. Ihr habt etwas Drangsal zu erleben,
damit ihr auf das verzichten könnt, was ein normaler Mensch nicht aufgeben kann. Viele
Probleme, die dich betreffen, können von der Familie und der Gesellschaft herrühren; oder dir
kann plötzlich ein Unglück passieren. Es gibt sogar Fälle, in denen du unbegründet getadelt
wirst. Ein Praktizierender soll eigentlich nicht krank sein, aber er leidet plötzlich an einer
Erkrankung, die so schwer ist, daß er ihre Qualen nicht aushalten kann. Durch die Untersuchung
im Krankenhaus ist auch keine Krankheit festzustellen. Gott weiß, aus welchem Grund er wieder
gesund wird. In der Tat hat er dabei auf diese Weise irgendein Karma getilgt. Vielleicht wird
deine Frau eines Tages ohne Grund ihre Wut an dir auslassen, und eine winzige Kleinigkeit kann
schon einen schlimmen Streit herbeiführen. Und nachher versteht sie auch nicht, warum das
geschehen ist. Als Praktizierender sollst du dir aber darüber im klaren sein, warum das
vorgekommen ist. Das ist eben das böse Karma, das von dir die Rückzahlung verlangt. Dabei
sollst du dich beherrschen, deine Xinxing bewahren, um das Problem gut zu lösen. Du sollst es
hoch schätzen und ihm für die Hilfe bei der Beseitigung deines Karmas danken.
Wenn du für längere Zeit im Lotussitz verharrst, bekommst du Schmerzen in den Beinen, die
dich manchmal halbtot machen. Einer mit dem Tian-mu auf hoher Stufe kann sehen, daß eine
große Masse schwarzer Substanz vom Körper des Praktizierenden herunterfällt, wenn dieser
starke Schmerzen hat. Dieser Schmerz kommt periodisch und nagt an dem Herzen. Ein
Praktizierender mit guter Erleuchtungsqualität wird weiter darauf beharren, im Lotussitz zu
verbleiben und seine Beine nicht zu berühren, so daß die schwarze Substanz sich in die weiße
Substanz und dann in die Kultivierungsenergie umwandelt. Das Karma eines Praktizierenden
kann nicht allein durch den Lotussitz und das Praktizieren beseitigt werden. Dafür muß er seine
Xinxing und seine Erleuchtungsqualität verbessern, indem er Drangsale und Mißgeschicke
erlebt. Es ist sehr wichtig, daß wir barmherzig sein müssen. Bei der Kultivierung unserer Schule
wird das Erbarmen eines Praktizierenden sehr schnell entwickelt. Vielen Praktizierenden, die
sich zur Kultivierung hinsetzen, kommen sofort ohne Grund Tränen. Woran sie auch denken, sie
fühlen sich traurig; wen sie auch sehen, sie spüren seine Leiden. Das liefert einen Beweis dafür,
daß ihre Barmherzigkeit schon entstanden ist. Ihre Xinxing und ihr wahres Selbst haben schon
begonnen, sich mit den Eigenschaften des Kosmos "Zhen, Shan, Ren" zu verbinden. Wenn du

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Erbarmen hast, wirst du nett zu allen Leuten sein. Dann wird dich niemand schikanieren. Wenn
dich auch jemand schikanierte, würdest du aus deiner Gutherzigkeit auch nicht zurückschlagen,
die an sich eine Macht darstellt und dich von den normalen Menschen unterscheidet.
Wenn du auf Drangsale und Mißgeschicke stößt, kann das Erbarmen dir schon helfen, sie zu
beseitigen. Und zugleich beschützt mein Gebotskörper dich und dein Leben. Aber Drangsale und
Mißgeschicke mußt du selbst erleben. Als ich zum Beispiel in Taiyuan einen Kurs machte, gab es
ein altes Ehepaar, das in voller Hast über die Straße zu meinem Kurs kommen wollte. Als sie
mitten auf der Straße waren, kam ein PKW in raschem Tempo. Er rammte die alte Dame, riß sie
über zehn Meter weit mit und schleuderte sie zu Boden. Der PKW konnte erst nach zwanzig
Metern halten. Der Fahrer sprang aus dem Wagen und schnauzte trotz allem die alte Dame an.
Der Beifahrer sagte dabei auch nichts Gutes. Aber die alte Dame sagte gar nichts. Sie hatte sich
an meine Worte erinnert. Nachdem sie aufgestanden war, sagte die alte Dame: "In Ordnung. Mir
ist nichts passiert." Dann ging sie mit ihrem alten Mann zur Aula. Wenn sie aber gesagt hätte,
daß sie sich hier und dort schlecht fühle, und daß der Fahrer sie ins Hospital bringen solle, dann
hätte sie wirklich Verletzungen bekommen. Die alte Dame sagte mir später: "Meister, ich weiß
genau, worum es sich dabei handelte. Das half mir bei der Beseitigung des Karmas. Ich habe ein
großes Trübsal überstanden und ein großes Stück von meinem Karma beseitigt." An ihrem
Verhalten können wir erkennen, wie gut ihre Xinxing und ihre Erleuchtungsqualität sind. Sie war
so alt, der PKW fuhr so schnell, riß sie so weit und schleuderte sie so kräftig zu Boden. Aber sie
versuchte selbst aufzustehen. Sie hätte das nicht tun können, wenn sie nicht sehr rechtschaffen
gewesen wäre.
Manchmal stößt du auf ein Trübsal, das zu groß erscheint, als daß es überhaupt zu überstehen
wäre. Aber ein paar Tage später ist plötzlich ein Ausweg da. Die Sache hat eine große Wandlung
erfahren. In Wirklichkeit ist das ein Resultat von der Verbesserung deiner Xinxing und der
Beseitigung deines Karmas.
Um den Stand deiner Gesinnung zu erhöhen, mußt du die Prüfung durch verschiedene Trübsale
in der Welt bestehen können. Wenn du in diesem Prozeß deine Xinxing tatsächlich verbesserst
und stabilisierst, dann wird auch dein Karma beseitigt, deine Trübsale überstanden, und deine
Kultivierungsenergie wächst. Wenn du bei der Prüfung deine Xinxing nicht bewahren kannst,
oder etwas Falsches tust, sollst du aber die Zuversicht nicht verlieren. Du sollst aktiv daraus eine
Lehre ziehen und erkennen, woran es liegt, und dich auf die Kultivierung von "Zhen, Shan und
Ren" konzentrieren. Daraufhin kommt wohl schon das nächste Trübsal, das dich auf deine
Xinxing prüft. Mit der Erhöhung der Kultivierungspotenz kommen die Trübsale zur Prüfung auf
deine Xinxing immer heftiger und immer unerwarteter. Immer wenn du ein Trübsal überstanden
hast, wächst deine Kultivierungspotenz ein Stück. Wenn du die Prüfung nicht überstehen kannst,
stagniert deine Kultivierungspotenz. Bei einer kleinen Prüfung wächst die Kultivierungspotenz
wenig, bei einer großen Prüfung wächst die Kultivierungspotenz stark. Ich hoffe, daß jeder
Praktizierende dazu bereit ist, große Leiden auszuhalten, und dazu entschlossen ist, sich großen
Schwierigkeiten auszusetzen. Ohne Verlust bekommt man auch keine echte
Kultivierungsenergie. Es ist für einen Praktizierenden unmöglich, die Kultivierungsenergie zu
erhalten, ohne etwas auszugeben und Leiden zu überstehen. Du wirst nie ein Erleuchteter
werden, wenn du deine Xinxing nicht gründlich verbesserst und nicht auf deinen persönlichen
Eigensinn verzichtest.

7. Die dämonische Störung


Mit der dämonischen Störung sind Erscheinungen oder Phänomene gemeint, die den
Praktizierenden bei der Kultivierung stören und darauf abzielen, den Praktizierenden an der

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Kultivierung auf die höhere Ebene zu hindern. Man kann auch sagen, daß die Dämonen ihre
Schulden eintreiben.
Wenn einer sich auf die hohe Ebene kultiviert, wird er mit Sicherheit auf die dämonische Störung
stoßen. Es ist unvermeidlich, daß einer bzw. einige seiner Vorfahren im Leben etwas Schlechtes
getan haben, was Karma genannt wird. Die angeborene Qualität entscheidet, wieviel Karma eine
Person hat. Selbst eine sehr gute Person muß auch Karma haben. Aber du bist dir der Existenz
des Karmas nicht bewußt, weil du dich nicht kultivierst. Wenn du nur für die Beseitigung der
Krankheiten oder zum Gesundbleiben praktizierst, wird kein Dämon eingreifen. Wenn du dich
eines Tages auf die hohe Ebene kultivierst, wird er nichts unversucht lassen, um dich zu stören,
mit der Zielsetzung, dich an der Kultivierung zur hohen Ebene zu hindern, damit dir die
Kultivierung mißlingt. Die dämonische Störung wird auf verschiedene Art und Weise auftreten,
zum Beispiel durch Erscheinungen im alltäglichen Leben. Mancher Dämon erscheint in Form
von Informationen aus einem anderen Weltraum, damit irgendeine Sache in dem Moment, wo du
dich zum Praktizieren hinsetzt, als Störung auftritt, die es dir unmöglich macht, zur Ruhe zu
kommen und dich auf die höhere Ebene zu kultivieren. Sobald du einen Lotussitz machst, wirst
du manchmal schon schläfrig, oder viele Gedanken gehen durch deinen Kopf, was es dir
unmöglich macht, in den Zustand des Praktizierens einzutreten. Manchmal kommt es plötzlich in
dem Moment, wo du zu praktizieren beginnst, zu Stimmengewirr wie zum Beispiel, zu
Geräuschen von Fußschritten, zum Zuknallen einer Tür, Hupen von Autos, Klingeln des Telefons
usw., so daß du nicht in der Lage bist, zur Ruhe zu kommen.
Eine andere Form der dämonischen Störung ist der erotische Dämon. Wenn du dich im Lotussitz
oder im Traum befindest, erscheint dir ein schöner Mann bzw. eine schöne Frau, die versuchen,
dich zu verführen, indem sie gewisse verführerische Bewegungen machen, um deine wollüstige
Begierde zu erregen. Wenn du das nur einmal nicht überwinden kannst, wird der Dämon seine
Anstrengungen stets eskalieren und dich so lange verlocken, bis du darauf verzichtest, dich auf
die höhere Ebene zu kultivieren. Diese Prüfung ist sehr schwer zu überstehen, viele
Praktizierende mußten deswegen auf dem halben Weg ihre Kultivierung aufgeben. Ich hoffe, daß
ihr geistig darauf vorbereitet seid. Wenn du es einmal nicht schaffst, die Xinxing zu bewahren
und zu widerstehen, dann mußt du daraus gewissenhaft eine Lehre ziehen. Der Dämon wird dich
mehrmals stören, bis du tatsächlich deine Xinxing bewahren und auf diese Art Eigensinn
verzichten kannst. Das ist eine schwere Prüfung, aber ihr müßt diese Prüfung bestehen, sonst
könnt ihr nicht den Tao bekommen und bei der Kultivierung nicht die Perfektion erreichen.
Übrigens gibt es noch eine andere Form der dämonischen Störung. Du kannst plötzlich beim
Praktizieren oder im Traum manche bösen Gesichter klar erblicken, die sehr furchterregend
aussehen oder die mit Messern nach dir stechen wollen. Aber sie wollen dich damit
einschüchtern. In der Tat können sie nichts tun als dich einzuschüchtern, weil ich schon eine
Schutzkappe mit hoher Energie rund um deinen Körper gelegt habe. Der Dämon schüchtert dich
deshalb ein, weil er dich am Praktizieren hindern will. Je nach der Kultivierungsebene und dem
Kultivierungsstadium erscheint dieser Dämon. Du wirst dieses Stadium sehr schnell passieren,
vielleicht in ein paar Tagen, in einer Woche oder in einigen Wochen. Es hängt davon ab, auf
welchem Niveau deine Xinxing liegt und wie du damit umgehst.

8. Die angeborene Qualität und die Erleuchtungsqualität


Mit der angeborenen Qualität meint man die weiße Substanz, die einer selbst von Geburt an
mitgebracht hat. Das ist eben die sichtbare De-Substanz. Wer viel davon mitgebracht hat, gehört
folgerichtig zu denjenigen, die eine gute angeborene Qualität haben. Es ist für einen mit guter
angeborener Qualität leicht, zum Wahren zurückzukehren und ans Ziel der Erleuchtung zu
gelangen, weil er keine geistigen Hindernisse hat. Sobald er von dem Qigong-Lernen oder

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davon, was mit der Kultivierung zu tun hat, hört, zeigt er schon großes Interesse. Er ist gewillt,
es zu lernen. Denn er ist in der Lage, Kontakt mit dem kosmischen Geist aufzunehmen. Genau
wie Laotse sagte: "Wenn ein oberer Mann den Tao hört, kultiviert er ihn mit Fleiß; wenn ein
mittlerer Mann den Tao hört, praktiziert er ihn nur ab und zu; wenn ein unterer Mann den Tao
hört, lacht er darüber sehr laut. Wenn er nicht darüber gelacht hätte, wäre das auch nicht der Tao
gewesen." Derjenige, der leicht zum Wahren zurückkehrt und ans Ziel der Erleuchtung gelangt,
gehört zu den oberen Leuten. Im Gegenteil entsteht rund um den Körper desjenigen, der mehr
schwarze Substanz und eine schlechte angeborene Qualität besitzt, eine Art Hindernis, die ihn
daran hindert, das Gute anzunehmen. Wenn er einmal mit dem Guten in Kontakt kommt, läßt das
Hindernis ihn nicht daran glauben. In der Tat wirkt sich das Karma auf ihn aus.
Die angeborene Qualität ist eng mit der Erleuchtungsqualität verbunden. Wenn von der
Erleuchtung die Rede ist, halten manche Leute sie für Klugheit und Schlauheit. Wer in den
Augen der normalen Menschen klug und schlau ist, ist sehr weit von der Kultivierung, über die
wir hier reden, entfernt. Es ist für solche Leute normalerweise nicht leicht, zur Erleuchtung zu
kommen, weil sie großen Wert auf aktuelle Dinge legen. Sie wollen keinerlei Verlust erleiden
und alle Vorteile an sich reißen, die sie nur bekommen können. Besonders manche Einzelnen, die
sich einbilden, daß sie sehr reich an Kenntnissen und intelligent sind, betrachten die Kultivierung
als ein Märchen. Den Kultivierungsweg zu praktizieren und die Xinxing zu verbessern ist für sie
unverständlich. Sie meinen, daß die Praktizierenden dumm und abergläubisch seien. Die
Erleuchtung, die wir meinen, bezieht sich nicht auf die Klugheit, sondern auf die Rückkehr der
menschlichen Natur zum Wahren. Man soll ein guter Mensch werden, der den Eigenschaften des
Kosmos entspricht. Die angeborene Qualität eines Menschen bestimmt sein
Erleuchtungsvermögen. Wer eine gute angeborene Qualität hat, hat auch ein starkes
Erleuchtungsvermögen. Die angeborene Qualität bestimmt das Erleuchtungsvermögen, aber das
Erleuchtungsvermögen ist auch nicht ganz von der angeborenen Qualität bedingt. Welch gute
angeborene Qualität einer auch besitzen mag, es bedarf seines Verständnisses und seines
Erleuchtungsvermögens. Obwohl die angeborene Qualität mancher Leute nicht sehr gut ist, ist es
doch für sie möglich, sich auf eine hohe Ebene zu kultivieren, wenn sie über ein gutes
Erleuchtungsvermögen verfügen. Wir sind bereit, alle Lebewesen zu erlösen, deshalb legen wir
großen Wert auf das Erleuchtungsvermögen, aber nicht auf die angeborene Qualität. Zwar hast
du von der Geburt her viel Schlechtes mitgebracht, du wirst aber letzten Endes die Perfektion
durch die Kultivierung erreichen, wenn du dazu entschlossen bist, die Kultivierung
durchzuführen, was einen richtigen Gedanken darstellt. Mit diesem Gedanken kannst du an dein
Ziel gelangen, vorausgesetzt, daß du mehr als andere ausgeben mußt.
Der Körper eines Praktizierenden ist schon gereinigt. Nachdem er die Kultivierungsenergie
entwickelt hat, wird er nimmermehr krank sein, weil es die Substanz mit hoher Energie in
seinem Körper nicht erlaubt, daß die schwarze Substanz darin bleibt. Aber es gibt immer noch
Leute, die das nicht glauben. Sie denken immer, daß sie unter Krankheiten leiden. Sie sagen:
"Warum fühle ich mich so unpäßlich?" Und ich sage dir, daß das, was du bekommen hast, die
Kultivierungsenergie ist. Wie kannst du dich wohl fühlen, wenn du so Gutes bekommen hast?
Um dich zu kultivieren, mußt du doch entsprechend etwas ausgeben. In Wirklichkeit ist es nur
etwas Oberflächliches, was aber gar keine Wirkung auf deinen Körper ausübt. Es sieht wie
Krankheit aus, ist es in der Tat aber überhaupt nicht. Es kommt auf dein Verständnis an. Ein
Praktizierender braucht nicht nur die größte Härte zu ertragen. sondern er muß auch ein gutes
Erleuchtungsvermögen besitzen. Manche Leute wollen es nicht begreifen, warum die Probleme
auftauchten, auf die sie gestoßen sind. Ich rede darüber, wie man bei der Kultivierung auf der
hohen Ebene hohe Anforderungen an sich stellt. Sie aber betrachten sich immer noch als normale
Menschen. Sie können sogar nicht wie ein wahrer Praktizierender praktizieren. Sie glauben auch
nicht, daß sie sich auf der hohen Ebene der Kultivierung befinden können.

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Auf der hohen Ebene der Kultivierung benutzen wir häufig das Wort "Erleuchtung". Wir
unterscheiden direkte Erleuchtung und allmähliche Erleuchtung. Unter der direkten Erleuchtung
wird der Umstand verstanden, daß der Praktizierende während des ganzen
Kultivierungsprozesses "verschlossen" ist. Erst wenn er den ganzen Verlauf der Kultivierung
durchgemacht und seine Xinxing wesentlich verbessert hat, wird er im letzten Moment
"aufgeschlossen", wobei seine übernatürlichen Funktionen frei werden. Sein Himmelsauge wird
direkt auf der höchsten Ebene geöffnet. Sein Denken kann mit hohen Lebewesen aus dem
anderen Weltraum in Kontakt kommen. Er kann auf einmal die wahre Existenz aller Räume und
der einzelnen Welten des Kosmos sehen, mit ihnen kommunizieren und seine übernatürlichen
Funktionen beweisen. Es ist sehr schwer, den Weg zur direkten Erleuchtung einzuschlagen. Seit
alters her können nur Leute mit sehr guter angeborener Qualität als Schüler ausgewählt werden,
und das Kultivierungssystem wird nur einem Nachfolger überliefert, der es wieder nur einem
anderen weitergeben darf, weil normale Menschen die Härte dieses Weges nicht aushalten
können. Ich selbst habe den Weg zur direkten Erleuchtung genommen.
Was ich euch jetzt beibringe, gehört zu der allmählichen Erleuchtung. Im Laufe der Kultivierung
kannst du diejenigen Kultivierungsfunktionen entwickeln, die du eigentlich bekommen sollst.
Aber das bedeutet absolut nicht, daß du diese Kultivierungsfunktionen gebrauchen darfst, die du
entwickelt hast. Wenn deine Xinxing noch nicht ein gewisses Niveau erreicht hat, ist es dir
vorläufig nicht erlaubt, sie zu gebrauchen, weil du dich nicht beherrschen kannst und leicht
etwas Schlechtes tust. Aber schließlich werden dir diese Funktionen zum Gebrauch gegeben.
Durch das Praktizieren erhöht sich allmählich dein Kultivierungsniveau, wobei du allmählich die
Wahrheit des Kosmos erkennst. Zum Schluß wirst du die Perfektion erreichen, wie es bei der
direkten Erleuchtung der Fall ist. Es ist leichter, den Weg zur allmählichen Erleuchtung
einzuschlagen, weil es dabei keine Gefahren gibt. Die Schwierigkeit dabei ist, daß du den ganzen
Kultivierungsprozeß gesehen hast. Deshalb mußt du noch strengere Anforderungen an dich
selbst stellen.

9. Das reine Herz


Manche Leute sind nicht in der Lage, beim Praktizieren zur Ruhe zu kommen. Sie suchen nach
Methoden, zur Ruhe zu kommen. Einer fragte mich: "Meister, warum kann ich beim Praktizieren
nicht zur Ruhe kommen? Kannst du mir Methoden oder Techniken beibringen, damit ich im
Lotussitz zur Ruhe komme?" Ich würde sagen, daß er nie ruhig werden kann, auch wenn ein Gott
kommt, ihn zu lehren. Warum? Weil er kein ruhiges Herz hat. Ein Mensch lebt in der
Gesellschaft, er hat sieben Emotionen und sechs Begierden. Wie kann er denn bei der Meditation
zur Ruhe kommen, wenn er an verschiedene Arten der persönlichen Interessen denkt oder an
seinen nahen Verwandten und guten Freunden hängt, was einen großen Anteil an und eine
wichtige Stelle in seinen Gedanken einnimmt? Wenn er versucht, solche Gedanken zu
unterdrücken, werden sie sich aber von selbst regen.
Die Kultivierung im Buddhismus legt großen Wert auf "Gebote, Meditation und Weisheit".
"Gebote" bedeuten, daß man alles, was zum Eigensinn gehört, aufgeben muß. Manche wenden
die Methode an, den Namen des Buddhas abzusingen. Man muß ihn aber ohne Zerstreutheit
absingen, wobei sich das Bewußtsein auf einen Gedanken oder ein Objekt konzentrieren muß,
anstatt an tausend Dinge zu denken. Das ist ein Zeichen erfolgreichen Praktizierens, aber keine
Methode. Wenn du das nicht glaubst, kannst du es mal versuchen. Du wirst dich mit Sicherheit
nicht konzentrieren können, während du den Namen des Buddhas absingst. Es gab Lamas im
tibetischen Lamaismus, die täglich einige hunderttausend Male den Namen des Buddhas eine
Woche lang absangen, wobei sie nicht wußten, wo ihnen der Kopf stand. Zum Schluß blieb ihnen
nichts mehr im Kopf. Die Konzentration auf ein Objekt oder eine Idee wurde dabei erreicht. Das
ist eine Art von Fähigkeiten, die du vielleicht nicht wirst erreichen können. In manchen

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Kultivierungswegen gibt es auch gewisse Methoden wie die Konzentration der Gedanken auf
den Dantian-Bereich, Zählen bzw. Anstarren eines gewissen Dings, die dich aber in Wirklichkeit
nicht zur absoluten Ruhe bringen können. Ein Praktizierender muß ein ruhiges Herz haben, seine
persönlichen Interessen leicht nehmen und die Habgier loswerden.
Ob einer tatsächlich ruhig wird und in Meditation sinken kann, spiegelt das Niveau seiner
Fähigkeiten zum Praktizieren und seine Kultivierungsebene wider. Wenn einer sofort nach dem
Hinsetzen zur Ruhe kommen kann, dann heißt es, daß er ein hohes Niveau erreicht hat. Es ist
nicht so schlimm, wenn er für eine gewisse Zeit nicht zur Ruhe kommen kann. Er kann das im
Laufe der Kultivierung allmählich erreichen. Die Xinxing kann nur allmählich verbessert
werden, und die Kultivierungsenergie kann nur langsam wachsen. Wenn einer seine persönlichen
Interessen nicht in den Hintergrund rückt, ist er auch nicht in der Lage, die Kultivierungsenergie
zu entwickeln.
Ein Praktizierender muß jederzeit hohe Anforderungen an sich selbst stellen. Es gibt keinen
Moment, wo der Praktizierende nicht von verschiedenen Erscheinungen der Gesellschaft, von
vielen obszönen und ungesunden Dingen sowie von den sieben Emotionen und sechs Begierden
beeinflußt wird. Das, was im Fernsehen, in den Filmen und in den Werken der Literatur und
Kunst verbreitet wird, führt dich dazu, ein Starker unter den normalen Menschen zu werden und
ein noch realistischer normaler Mensch zu sein. Je weniger du dich von diesen Dingen befreien
kannst, desto weiter entfernen sich deine Xinxing und dein Geistesstand von denen eines
richtigen Praktizierenden, desto weniger Kultivierungsenergie wirst du auch bekommen. Ein
Praktizierender soll möglichst wenig oder gar nicht mit den vulgären Dingen in Kontakt
kommen. Er soll sich davon nicht rühren lassen und so tun, als ob er sie nicht gesehen oder
gehört hätte, auch wenn er sie gesehen oder gehört hat. Ich sage oft, daß ein normaler Mensch
mich nicht rühren kann. Ich bin darüber nicht froh, wenn jemand mich lobt; ich werde auch nicht
böse darauf sein, wenn jemand mich beschimpft. Wie schlimm die geistige Störung unter den
normalen Menschen auch sein mag, sie kann doch keinen Einfluß auf mich ausüben. Ein
Praktizierender soll alle erworbenen Interessen in den Hintergrund rücken und sie sich nicht am
Herzen liegen lassen. Nur auf dieser Ebene kann er als ein herangereifter Praktizierender
betrachtet werden. Du wirst keinen Kummer, keinen Ärger haben und dich psychisch immer in
einem ausgeglichenen Zustand befinden, wenn du keine starke Begierde nach Ruhm und
Reichtum hast und wenn du Ruhm und Reichtum als nichts betrachtest. Wenn du alles lassen
kannst, wirst du mit Sicherheit ein reines Herz haben.
Jetzt habe ich euch den Falun-Xiulian-Dafa erklärt, die fünf Sätze von Kultivierungsübungen
beigebracht und eure Körper gereinigt. Ich habe das Falun und den Qiji in und um eure Körper
gesetzt. Im übrigen werden euch meine Gebotskörper beschützen. Ich habe euch alles gegeben,
was ich euch geben soll. Während des Kurses hängt es von mir ab, jetzt kommt es auf euch selbst
an. "Es hängt von dem Meister ab, die Schüler in den Kultivierungsweg einzuführen. Aber es
kommt auf die Schüler selbst an, den Weg zu kultivieren." Ich glaube, daß ihr mit Sicherheit die
Perfektion der Kultivierung erreichen werdet, wenn ihr den Geist des Falun-Xiulian-Dafa durch
vorsichtiges Suchen und fleißiges Praktizieren gründlich zu erfassen versucht, eure Xinxing
jederzeit bewahrt, die größten Härten aushaltet und das unterdrücken könnt, was für normale
Menschen nur schwer zu unterdrücken ist.

Die Xinxing zu verbessern ist der Weg


zur Entwicklung der Kultivierungsenergie.
Die Härten sind das Boot, das einen über das
grenzenlose Meer des Dafa übersetzt.

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Kapitel 4 - Die Kultivierungsbewegungen des
Falun-Xiulian-Dafa
Der Falun-Xiulian-Dafa ist ein besonderer Weg der buddhistischen Schule. Er hat seine Eigenart,
die sich von anderen Kultivierungswegen der buddhistischen Schule unterscheidet. Dieser Weg
ist der beste Kultivierungsweg und zugleich ein besonderer Intensiv-Kultivierungsweg. Er
forderte früher von den Praktizierenden eine äußerst hohe Xinxing oder eine äußerst gute
angeborene Qualität. Deshalb war er sehr schwer zu popularisieren. Damit mehr von denen, die
Qigong betreiben, sich auf eine hohe Ebene kultivieren, unser Kultivierungssystem verstehen
und zugleich die Bedürfnisse derjenigen, die zur Kultivierung bereit sind, befriedigt werden
können, habe ich einen Satz Kultivierungsbewegungen unserer Schule entwickelt, der zur
Popularisierung geeignet ist. Trotzdem geht er schon bei weitem über die Ebene hinaus, die man
bei anderen Kultivierungssystemen erreichen kann.
Diejenigen, die den Falun-Xiulian-Dafa praktizieren, können nicht nur sehr schnell
Kultivierungspotenz und Kultivierungsfunktionen entwickeln, sondern sie können auch in kurzer
Zeit durch die Kultivierung ein mächtiges Falun bekommen. Nach seinem Entstehen dreht sich
das Falun gewöhnlich ununterbrochen am Abdomen, es sammelt und wandelt die Energie aus
dem Kosmos um, und zum Schluß wird diese Energie im Körper des Praktizierenden zur
Kultivierungsenergie. Dadurch wird das Ziel erreicht, den Praktizierenden durch den Falun-
Xiulian-Dafa zu läutern.
Der Falun-Xiulian-Dafa besteht aus fünf Sätzen von Kultivierungsbewegungen:
Fo Zhan Qian Shou Fa (Buddha streckt Tausende von Händen aus),
Fa Lun Zhuang Fa (Falun-Pfahlstellung),
Guan Tong Liang Ji Fa (Die beiden kosmischen Pole verbinden),
Fa Lun Zhou Tian Fa (Falun-Himmelskreis) und
Shen Tong Jia Chi Fa (Verstärkung des Shentong).

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1. Fo Zhan Qian Shou Fa (Buddha streckt Tausende von Händen aus)

Prinzip: Der Schlüssel des Fo Zhan Qian Shou Fa liegt im Strecken, damit alle Meridiane des
Körpers geöffnet werden. Die Qigong-Betreiber können durch das Praktizieren schnell Qi
bekommen. Die erfahrenen Praktizierenden können sich dadurch auf eine hohe Ebene
kultivieren. Dieser Satz Kultivierungsbewegungen kann schon am Anfang alle Meridiane
aufschließen, damit sich der Praktizierende auf einer sehr hohen Kultivierungsebene kultiviert.
Diese Kultivierungsbewegungen sind relativ einfach, denn ein Großweg ist einfach und leicht zu
praktizieren. Obwohl die Kultivierungsbewegungen einfach sind, kontrollieren sie, auf
Makrosicht gesehen, alles, was bei der Kultivierung des ganzen Falun-Xiulian-Dafa zu erzielen
ist. Beim Praktizieren dieser Bewegungen fühlt man sich am ganzen Körper sehr warm. Dabei
spürt man, daß das Energiefeld sehr stark ist. Der Grund dafür ist, daß alle Qi-Kanäle im Körper
entfaltet und aufgeschlossen werden. Das Ziel dieser Bewegungen besteht darin, das Qi dort, wo
es verstopft ist, aufzuschließen, das Qi im Körper und unter der Haut zu starker Bewegung zu
regen und eine große Menge der Energie aus dem Kosmos aufzunehmen. Zugleich können sie
den Praktizierenden schnell in den Qigong-Zustand versetzen. Diese Bewegungen dienen als
Grundlage für den Falun-Xiulian-Dafa. Beim Praktizieren soll man normalerweise mit diesem
Satz Übungen anfangen. Sie gehören zu den intensiven Kultivierungsmethoden.
Merkvers:
Shēn Shén Hé Yī

Dòng Jìng Suí Jī

Dǐng Tīan Dú Zūn

Qiān Shǒu Fó Lì

Vorbereitung: Der ganze Körper entspannt sich, darf aber nicht schlaff werden. Die Entfernung
zwischen den beiden Beinen gleicht der Schulterbreite. Ganz natürlich dastehen. Beide Beine
beugen sich leicht. Die Knie und die Hüfte bleiben leicht krumm. Der Unterkiefer geht leicht
zurück. Die Zunge berührt den Oberkiefer. Die Zähne sind leicht geöffnet. Die Lippen aber
bleiben zu. Die Augen werden leicht geschlossen. Das Gesicht zeigt eine ruhige und
liebenswürdige Miene. Beim Praktizieren kommt der Praktizierende sich riesengroß vor.
Liang Shou Jie Yin (Mit beiden Händen in die Jieyin-Position gehen [Yin: Siegel]): Beide
Hände heben sich. Die Handflächen zeigen nach oben. Die Spitzen der beiden Daumen berühren
sich leicht. Die anderen vier Finger bleiben dicht nebeneinander und decken sich mit denen der
anderen Hand. Auf diese Weise wird eine ovale Form gebildet. Bei Männern liegt die linke Hand
oben, bei Frauen die rechte. Sie bleiben vor dem Unterbauch. Die Oberarme gehen leicht nach
vorn. Die beiden Ellbogen werden leicht angehoben, so daß die beiden Achselhöhlen ganz offen
sind (Bild 1-1).
Mi Le Chen Yao (Der Maitreya-Buddha streckt sich): Die Bewegung beginnt mit Liang Shou
Jie Yin. Das Siegel hoch heben und dabei die beiden Beine allmählich strecken. Wenn die Hände
in Kopfhöhe kommen, öffnet sich das Siegel. Die Handflächen drehen sich allmählich nach
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oben. Wenn die Hände über den Kopf kommen, zeigen die Handflächen nach oben, die Finger
gegeneinander. Die Entfernung zwischen den Fingern der beiden Hände beträgt zwanzig bis
fünfundzwanzig Zentimeter (Bild 1-2). Zugleich streckt sich der Kopf nach oben. Die beiden
Füße drücken nach unten. Den Körper gerade aufrichten. Die beiden Hände nach Möglichkeit
nach oben heben. Der ganze Körper streckt sich für zwei bis drei Sekunden. Dann entspannt sich
der ganze Körper auf einmal. Die Knie und die Hüfte gehen in die leicht gebeugte Haltung
zurück.
Ru Lai Guan Ding (Der Tathagata-Buddha gießt die Energie in den Scheitel): Der letzten
Bewegung folgend, drehen sich die beiden Hände zugleich um 140 Grad nach außen, wodurch
die beiden Hände einen "Trichter" bilden. Die Ellbogen strecken sich und die Hände gehen nach
unten (Bild 1-3). Die beiden Hände fallen bis vor die Brust. Die Entfernung zwischen den
Händen und der Brust beträgt circa zehn Zentimeter, dann gehen die Hände weiter vor den
Unterbauch (Bild 1-4).
Shuang Shou He Shi (Mit beiden Händen in die Heshi-Position gehen): Wenn die Hände vor
den Unterbauch kommen, ziehen sich die Hände sofort nach oben vor die Brust und bilden ein
Heshi (Buddha-Gruß) (Bild 1-5). Beim Heshi müssen sich die Finger und die unteren Enden der
beiden Hände berühren, während sich die beiden Handflächen nicht berühren. Die beiden
Ellbogen heben sich, und die beiden Unterarme bilden eine gerade Linie. [Außer Heshi und
Jieyin behalten die Hände immer die Form von Lian Hua Zhang (Lotushand) bei. Das gilt auch
für alle folgenden Kultivierungsbewegungen.]
Zhang Zhi Qian Kun (Die Hände zeigen gegen Himmel und Erde): Diese
Kultivierungsbewegung beginnt mit dem Heshi. Die beiden Hände trennen sich. Die Entfernung
zwischen den beiden Händen beträgt circa zwei bis drei Zentimeter, zugleich beginnen sich die
Hände zu drehen. Bei Männern dreht sich die linke Hand (bei Frauen die rechte Hand) zur Brust
und die rechte Hand nach außen, so kommt die linke Hand nach oben und die rechte Hand nach
unten, dann bilden sie zusammen mit den Unterarmen eine gerade Linie (Bild 1-6). Darauf
folgend streckt sich der linke Unterarm schräg nach oben links, die Handfläche zeigt dabei nach
unten. Die Höhe der linken Hand gleicht der Höhe des Kopfes. Die rechte Hand bleibt vor der
Brust, und die Handfläche zeigt nach oben. Während sich die linke Hand allmählich ihrer
vorgeschriebenen Stelle nähert, streckt sich der ganze Körper auch allmählich. Der Kopf streckt
sich nach oben und die Füße drücken nach unten. Die linke Hand streckt sich schräg nach oben
links, die rechte Hand wird vor der Brust durch die Bewegung des Oberarms nach außen
gestreckt (Bild 1-7). Die Streckung dauert circa zwei bis drei Sekunden. Dann entspannt sich der
Körper auf einmal. Die linke Hand kommt vor die Brust zurück und bildet zusammen mit der
rechten Hand ein He Shi (Bild 1-5). Dann drehen sich die Hände, bei Männern die rechte Hand
oben, bei Frauen die linke Hand oben (Bild 1-8). Die rechte Hand wiederholt die Bewegungen
der linken Hand, nämlich, der rechte Unterarm streckt sich schräg nach oben rechts, die
Handfläche zeigt nach unten. Die Höhe der rechten Hand gleicht der Kopfhöhe. Die linke Hand
bleibt vor der Brust, und die Handfläche zeigt nach oben. Nach der Streckung (Bild 1-9)
entspannt sich der ganze Körper auf einmal. Die rechte Hand kommt zurück und bildet vor der
Brust zusammen mit der linken ein Heshi (Bild 1-5).
Jin Hou Fen Shen (Der goldene Affe teilt sich): Die Bewegung beginnt mit dem Heshi. Die
beiden Hände strecken sich von der Position vor der Brust horizontal nach beiden Seiten aus und
bilden zusammen mit den Schultern eine Linie. Der ganze Körper spannt sich. Der Kopf streckt
sich nach oben, die Füße drücken nach unten. Die beiden Hände strecken sich kräftig zur Seite.
(Bild 1-10). Die Streckung dauert circa zwei bis drei Sekunden. Dann entspannt sich der ganze
Körper auf einmal. Die beiden Hände kommen zurück vor die Brust und bilden hier ein Heshi
(Bild 1-5).

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Shuang Long Xia Hai (Zwei Drachen tauchen ins Meer): Die Bewegung beginnt mit dem
Heshi. Die beiden Hände trennen sich, wobei sie sich von beiden Seiten des Körpers schräg nach
unten vorn strecken. Wenn die beiden Arme gestreckt und zueinander parallel sind, bilden sie mit
den Beinen einen Winkel von 30 Grad (Bild 1-11). Der ganze Körper spannt sich allmählich. Der
Kopf streckt sich nach oben. Die Füße drücken nach unten. Die Streckung dauert circa zwei bis
drei Sekunden. Dann entspannt sich der ganze Körper auf einmal. Die Hände kommen zurück
vor die Brust und bilden hier ein Heshi (Bild 1-5).
Pu Sa Fu Lian (Der Bodhisattva legt die Hände auf die Lotusblumen): Die Bewegung beginnt
mit dem Heshi. Die beiden Hände trennen sich, wobei sie sich schräg nach unten vom Körper
bewegen. Wenn sie die Seiten des Körpers erreichen, bilden die Arme mit den Beinen einen
Winkel von etwa 30 Grad (Bild 1-12). Dann streckt sich der ganze Körper allmählich gerade.
und die Fingerspitzen strecken sich mit Kraft nach unten. Danach entspannt sich der Körper auf
einmal. Die beiden Hände kommen zurück vor die Brust und bilden hier ein Heshi (Bild 1-5).
Luo Han Bei Shan (Der Arhat trägt den Berg auf dem Rücken): Die Bewegung beginnt mit dem
Heshi. Die beiden Hände trennen sich, wobei sie sich schräg nach hinten vom Körper bewegen.
Zugleich drehen sich die Handflächen nach hinten. Sobald die Hände auf dem Weg nach hinten
die Körperseite passieren, werden die Handgelenke allmählich angewinkelt. Hinter dem Körper
sich die Handgelenke dann in einem Winkel von 45 Grad gebeugt (Bild 1-13). Der ganze Körper
streckt sich allmählich. Wenn die Hände ihre Endstelle erreicht haben, streckt sich der Kopf nach
oben, die Füße drücken nach unten, der Körper wird gerade. Die Streckung dauert circa zwei bis
drei Sekunden. Dann entspannt sich der Körper auf einmal. Danach kommen die beiden Hände
zurück und bilden vor der Brust ein Heshi (Bild 1-5).
Jin Gang Pai Shan (Jingang schiebt den Berg): Die Bewegung beginnt mit dem Heshi. Die
beiden Hände trennen sich, wobei die Handflächen in einer vertikalen Stellung nach vorn
gestoßen werden. Die Fingerspitzen, die nach oben zeigen, bleiben dabei immer so hoch wie die
Schultern. Der Abstand zwischen den beiden Armen gleicht der Schulterbreite. Wenn die beiden
Arme gerade werden, streckt sich der ganze Körper, der Kopf streckt sich nach oben, die Füße
drücken nach unten (Bild 1-14). Die Streckung dauert circa zwei bis drei Sekunden. Dann
entspannt sich der ganze Körper auf einmal. Die beiden Hände kommen zurück und bilden vor
der Brust ein Heshi (Bild 1-5).
Die Kou Xiao Fu (Die Hände vor dem Unterbauch überkreuzen): Die Bewegung beginnt mit
dem Heshi. Die beiden Hände fallen langsam nach unten, wobei die Handflächen sich zum
Unterbauch drehen. Wenn die beiden Hände vor den Unterbauch kommen, überlappen sich die
beiden Hände. Bei Männern bleibt die linke Hand innen, und bei Frauen die rechte. Die
Handfläche der einen Hand liegt gegen den Handrücken der anderen Hand. Der Abstand
zwischen den beiden Händen bzw. zwischen der Hand und dem Unterbauch beträgt jeweils circa
drei Zentimeter. Die Zeit des Überlappens beträgt normalerweise vierzig bis hundert Sekunden
(Bild 1-15).
Die Endhaltung: Die beiden Hände bilden ein Jieyin (Bild 1-16)

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2. Fa Lun Zhuang Fa (Falun-Pfahlstellung)

Prinzip: Fa Lun Zhuang Fa ist der zweite Satz des Falun-Xiulian-Dafa und zählt zu dem System
der ruhigen Stehübungen. Dieser Satz besteht aus vier Baolun-Bewegungen (Baolun: das Falun
mit den Armen umfassen). Die Bewegungen sind relativ einfach, jedoch jede Bewegung wird für
eine ziemlich lange Zeit praktiziert. Ein Anfänger, der die Pfahlstellung übt, hat das Gefühl, daß
die Arme sehr schwer sind und ziehende Schmerzen bekommen. Nach dem Praktizieren fühlt er
sich aber sofort sehr entspannt, er bekommt kein Gefühl der Müdigkeit wie nach körperlicher
Arbeit. Mit der Zeit und der Zunahme des Praktizierens spürt er das Drehen des Falun zwischen
den beiden Armen. Wenn man die Pfahlstellung oft praktiziert, werden alle Meridiane des
Körpers aufgeschlossen, und die Kultivierungspotenz nimmt zu. Fa Lun Zhuang Fa stellt einen
allseitigen Kultivierungsweg dar, der die Weisheit vermehrt, die Kultivierungsebene erhöht und
die übernatürlichen Kräfte verstärkt. Obwohl die Kultivierungsbewegungen sehr einfach sind,
wird dabei doch vieles geläutert. Beim Praktizieren muß der Praktizierende sich natürlich
verhalten. Er muß sich darüber ganz im klaren sein, daß er selbst den Kultivierungsweg betreibt.
Er darf dabei nicht wackeln, aber ganz kleine Bewegungen sind normal. Nach dem Praktizieren
dieses Satzes wie auch bei anderen Sätzen des Falun-Xiulian-Dafa darf die Kultivierung nicht
abgeschlossen werden, weil sich das Falun ständig dreht und nicht stehenbleiben kann. Die Zeit
zum Praktizieren jeder einzelnen Bewegung richtet sich je nach der jeweiligen Person, aber je
länger, desto besser.
Merkvers:
Shēng Huì Zēng Lì

Róng Xīn Qīng Tǐ

Sì Miào Sì Wù

Fǎ Lún Chū Qǐ

Vorbereitung: Der ganze Körper entspannt sich, aber darf nicht schlaff werden. Ganz natürlich
dastehen. Der Abstand zwischen den beiden Füßen gleicht der Schulterbreite. Die beiden Beine
beugen sich leicht. Die Knie und die Hüfte werden leicht gekrümmt. Der Unterkiefer geht ein
bißchen zurück. Die Zunge berührt den Oberkiefer. Die Zähne sind leicht geöffnet. Die Lippen
bleiben aber zu. Die beiden Augen werden leicht geschlossen. Das Gesicht zeigt eine ruhige und
liebenswürdige Miene. Die beiden Hände bilden ein Jieyin (Bild 2-1).
Tou Qian Bao Lun (Das Falun vor dem Kopf halten): Die Bewegung beginnt mit dem Jieyin.
Die beiden Hände heben sich von der Position vor dem Unterbauch langsam nach oben, wobei
sich die Hände trennen. Wenn die Hände in Kopfhöhe kommen, drehen sich die Handflächen
zum Gesicht. Die Hände bleiben auf der Höhe der Augenbrauen. Die Finger zeigen
gegeneinander. Der Abstand zwischen den Fingern der beiden Hände beträgt circa fünfzehn
Zentimeter. Die beiden Arme bilden einen Kreis. Der ganze Körper entspannt sich (Bild 2-2).
Fu Qian Bao Lun (Das Falun vor dem Unterbauch halten): Von der Stellung "Tou Qian Bao
Lun" fallen die Hände langsam nach unten, wobei die Körperhaltung unverändert bleibt. Die
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Hände kommen vor den Unterbauch, der Abstand zwischen den Händen und dem Unterbauch
beträgt circa zehn Zentimeter. Die beiden Ellbogen werden angehoben, so daß die Achselhöhlen
ganz offen sind. Die Handflächen zeigen nach oben, die Finger zeigen gegeneinander. Der
Abstand zwischen den Fingerspitzen der beiden Hände beträgt circa zehn Zentimeter. Die beiden
Arme bilden einen Kreis (Bild 2-3).
Tou Ding Bao Lun (Das Falun über dem Kopf halten): Die Bewegung beginnt mit dem Fu Qian
Bao Lun. Die beiden Hände heben sich langsam über den Kopf, wobei die Körperhaltung
unverändert bleibt. Das Falun mit den Armen über dem Kopf umfassen. Die Finger der beiden
Hände zeigen gegeneinander. Die Handflächen zeigen nach unten. Der Abstand der Finger der
beiden Hände beträgt circa zwanzig bis dreißig Zentimeter. Die beiden Arme bilden einen Kreis.
Die beiden Schultern, Arme, Ellbogen und Handgelenke sind entspannt (Bild 2-4).
Liang Ce Bao Lun (Das Falun auf beiden Seiten halten): Von der Haltung des Tou Qian Bao
Lun fallen die beiden Hände zur Seite des Kopfes. Die beiden Handflächen zeigen gegen die
Ohren. Die Schultern entspannen sich. Die Unterarme sind vertikal gerade. Die Entfernung
zwischen der Hand und dem Ohr soll nicht zu klein sein (Bild 2-5).
Die Kou Xiao Fu (Die Hände vor dem Unterbauch überkreuzen): Die beiden Hände fallen von
der Haltung des Liang Ce Bao Lun nach unten. Mit beiden überlappten Händen den Unterbauch
bedecken (Bild 2-6). Die beiden Hände bilden zum Schluß ein Jieyin (Bild 2-7).

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3. Guan Tong Liang Ji Fa (Die beiden kosmischen Pole verbinden)

Prinzip: Dieser Satz Bewegungen stellt einen Weg dar, durch den das Qi des Kosmos sich mit
dem Qi innerhalb des Körpers vermischt und verbindet. Dabei wird viel Qi abgestoßen bzw.
aufgenommen, so daß der Praktizierende in äußerst kurzer Zeit das kranke und das schwarze Qi
aus dem Körper ausscheidet und eine große Menge Qi aus dem Kosmos aufnimmt. Auf diese
Weise wird sein Körper gereinigt und tritt sehr schnell in den Zustand des "Jing Bai Ti" (des
"Reinweißen Körpers") ein. Zugleich kann dieser Satz Bewegungen beim Abstoßen und Gießen
den "Scheitel aufschließen" ("Kai Ting"). Er kann beim Abstoßen und Gießen auch die Kanäle
unter den Füßen durchschlagen.
Vor dem Praktizieren kann sich der Praktizierende vorstellen, er sei zwei riesenhohe leere Rohre,
die zwischen dem Himmel und der Erde stehen. Das Qi innerhalb des Körpers bewegt sich mit
den Auf- und Abwärtsbewegungen der Hände. Es stößt mit der Aufwärtsbewegung der Hand aus
dem Scheitel und erreicht den obersten Pol des Kosmos, mit der Abwärtsbewegung der Hand
stürzt es aus der einen Fußsohle und erreicht den untersten Pol des Kosmos. Dann kehrt das Qi
mit den Auf- und Abwärtsbewegungen der Hände von den zwei Polen zurück. Das Qi stößt bzw.
stürzt wieder in der entgegengesetzten Richtung. Das wird neunmal wiederholt. Beim neunten
Mal wartet die linke Hand (bei Frauen die rechte Hand) am oberen Pol auf die andere Hand, bis
die letztere sich zur gleichen Höhe hebt. Dann bewegen sich die beiden Hände zugleich zum
unteren Pol, um Qi in den Scheitel zu gießen. Dann kommen die beiden Hände nach oben, um Qi
abzustoßen. Das wird neunmal wiederholt. Danach kommen die Hände mit dem gesammelten Qi
vor den Unterbauch zurück. Vor dem Unterbauch mit den Händen das Falun im Uhrzeigersinn
drehen, wodurch das Qi außerhalb des Körpers wieder in den Körper zurückgedreht wird. Dann
ein Jieyin machen.
Merkvers:
Jìng Huà Běn Tǐ

Fǎ Kāi Dǐng Dǐ

Xīn Cí Yì Měng

Tōng Tiān Chè Dì

Vorbereitung: Der ganze Körper entspannt sich, aber darf nicht schlaff werden. Der Abstand
zwischen den beiden Füßen gleicht der Schulterbreite. Ganz natürlich dastehen. Die beiden
Beine beugen sich leicht. Die Knie und die Hüfte bleiben leicht krumm. Der Unterkiefer geht
leicht zurück. Die Zunge berührt den Oberkiefer. Die Zähne sind leicht geöffnet. Die Lippen aber
bleiben zu. Die beiden Augen werden leicht geschlossen. Das Gesicht zeigt eine ruhige und
liebenswürdige Miene.
Die beiden Hände machen zuerst ein Jieyin (Bild 3-1) und dann ein Heshi (Bild 3-2).

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Dan Shou Chong Guan (Chong Guan mit einer Hand): Die Bewegung beginnt mit dem Heshi.
Die Bewegungen des Gießens und Abstoßens mit einer Hand machen. Die Hände bewegen sich
entsprechend dem Qiji (dem Qi-Mechanismus) außerhalb des Körpers, und das Qi innerhalb des
Körpers bewegt sich mit den Auf- und Abwärtsbewegungen nach oben bzw. nach unten. Bei
Männern bewegt sich zuerst die linke Hand (Bild 3-3) und bei Frauen zuerst die rechte Hand
nach oben. Die linke Hand (bei Frauen die rechte Hand) stößt von schräg vor dem Kopf langsam
nach oben ab und geht weiter über den Kopf, während die rechte Hand (bei Frauen die linke
Hand) langsam nach unten zum Gießen des Qi geht. Dann wechseln die beiden Hände zum
Abstoßen bzw. zum Gießen (Bild 3-4). Die beiden Handflächen zeigen gegen den Körper. Die
Entfernung zwischen den Handflächen und dem Körper beträgt circa zehn Zentimeter. Beim
Praktizieren muß der ganze Körper entspannt sein. Die Hand einmal nach oben und dann einmal
nach unten zu bewegen, zählt als ein Mal. Die Bewegungen werden neunmal wiederholt.
Shuang Shou Chong Guan (Chong Guan mit beiden Händen): Wenn das Dan Shou Chong
Guan neun Mal gemacht worden ist, d.h. die linke Hand (bei Frauen die rechte Hand) oben ist,
soll die andere Hand nach oben geführt werden. Nun bleiben die beiden Hände in der Haltung
des Abstoßens nach oben (Bild 3-5). Dann bewegen sich die beiden Hände gleichzeitig nach
unten zum Gießen (Bild 3-6). Bei Shuang Shou Chong Guan zeigen die Handflächen gegen den
Körper, und die Entfernung zwischen den Handflächen und dem Körper beträgt zehn Zentimeter.
Die Hände einmal nach oben und einmal nach unten zu bewegen, zählt als ein Mal. Die
Bewegungen werden neunmal wiederholt.
Shuang Shou Tui Dong Fa Lun (Das Falun mit beiden Händen drehen): Wenn das neunte
Shuang Shou Chong Guan beendet ist, fallen die beiden Hände von der Stelle über dem Kopf
über die Brust bis vor den Unterbauch. Mit beiden Händen vor dem Unterbauch das Falun
drehen. (Bilder 3-7, 3-8 und 3-9). Bei Männern bleibt die linke Hand innen, bei Frauen die rechte
Hand. Der Abstand zwischen beiden Händen und zwischen der Hand innen und dem Unterbauch
beträgt jeweils circa vier Zentimeter. Das Falun viermal im Uhrzeigersinn drehen, um die
Energie außerhalb des Körpers in den Körper hineinzudrehen. Beim Drehen des Falun sollen die
beiden Hände im Bereich des Unterbauchs bleiben.
Liang Shou Jie Yin (Mit beiden Händen in die Jieyin-Position gehen) (Bild 3-10).

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4. Fa Lun Zhou Tian Fa (Falun-Himmelskreis)

Prinzip: Dieser Satz Bewegungen kann die Energie im menschlichen Körper zum großflächigen
Fließen bringen. Die Energie fließt nicht an einem bzw. einigen Meridianen entlang, sondern sie
zirkuliert von der ganzen Yin-Seite zu der Yang-Seite. Diese Zirkulation wiederholt sich
ununterbrochen. Dieser Satz Bewegungen geht weit über die normalen Wege zum Aufschließen
der Meridiane oder den Großen und Kleinen Himmelskreis hinaus. Er gehört zu dem mittleren
Kultivierungsweg des Falun-Xiulian-Dafa. Auf der Basis der ersten drei Sätze können durch das
Praktizieren dieses Satzes die Meridiane im ganzen Körper (einschließlich des Großen
Himmelskreises) allmählich von oben nach unten aufgeschlossen werden. Die größte
Besonderheit dieses Satzes besteht darin, durch das Drehen des Falun den unkorrekten Zustand
des menschlichen Körpers zu berichtigen, damit der kleine Kosmos des menschlichen Körpers in
seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt wird, in dem das Qi im ganzen Körper
ungehindert zirkuliert. Wenn ein Praktizierender durch die Kultivierung diesen Zustand erzielt,
erreicht er schon eine sehr hohe Ebene bei der Kultivierung des weltlichen Fa. Praktizierende mit
einer sehr guten angeborenen Qualität können in das Stadium der Kultivierung des Dafa
eintreten. Dann werden ihre Kultivierungspotenz und ihre übernatürlichen Kräfte in großem
Maßstab zunehmen. Beim Praktizieren sollen sich die Hände dem Qiji entsprechend bewegen.
Dabei ist darauf zu achten, daß die Bewegungen gemächlich, langsam und rund gemacht werden.
Merkvers:
Xuán Fǎ Zhì Xū

Xīn Qīng Sì Yù

Fǎn Běn Guī Zhēn

Yōu Yōu Sì Qǐ

Vorbereitung: Der ganze Körper entspannt sich, darf aber nicht schlaff werden. Der Abstand
zwischen den beiden Beinen gleicht der Schulterbreite. Ganz natürlich dastehen. Beide Beine
beugen sich leicht. Die Knie und die Hüfte bleiben leicht krumm. Der Unterkiefer geht leicht
zurück. Die Zunge berührt den Oberkiefer. Die Zähne sind leicht geöffnet. Die Lippen aber
bleiben zu. Die Augen werden leicht geschlossen. Das Gesicht zeigt eine ruhige und
liebenswürdige Miene.
Shuang Shou Jie Yin (Mit beiden Händen in die Jieyin-Position gehen) (Bild 4-1).
Shuang Shou He Shi (Mit beiden Händen in die Heshi-Position gehen) (Bild 4-2).
Die beiden Hände lösen sich aus dem Zustand des Heshi. Sie fallen gleichzeitig in Richtung des
Unterbauchs. Dabei drehen sich die Handflächen zum Körper. Der Abstand zwischen den
Handflächen und dem Körper beträgt circa zehn Zentimeter. Die Hände fallen weiter über den
Unterbauch zwischen die beiden Beine. Die innere Seite der beiden Beine entlang bewegen sich
die Hände nach unten. Sich bücken und in die Hocke gehen (Bild 4-3). Wenn sich die

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Fingerspitzen der beiden Hände dem Boden nähern, laufen die Hände von der Stelle vor den
Zehen über die äußere Seite der Füße bis hinter die Fersen (Bild 4-4).
Dann krümmen sich die beiden Handgelenke leicht. Von hinter den Fersen bewegen sich die
Hände der hinteren Seite der Beine entlang langsam nach oben (Bild 4-5). Die beiden Hände von
hinter dem Rücken nach oben bewegen und sich zugleich aus der gebückten Haltung aufrichten
(Bild 4-6). Beim Praktizieren des ganzen Fa Lun Zhou Tian Fa dürfen die Hände keine Stelle des
Körpers berühren. Sonst wird die Energie der beiden Hände wieder in den Körper aufgenommen.
Wenn die Hände so weit nach oben kommen, daß sie nicht mehr weiter kommen können,
schließen sich die Hände zu Fäusten, die innen hohl sind (Bild 4-7). Die Hände werden aus den
Achselhöhlen geholt. Die beiden Arme kreuzen sich vor der Brust. (Es wird keine besondere
Anforderung gestellt, welcher Arm außen, welcher innen sein soll. Es hängt von der Gewohnheit
des Praktizierenden ab. Es gibt hier auch keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.)
(Bild 4-8). Die beiden Fäuste öffnen sich, die Hände kommen über die Schultern. Dann werden
die Hände die Yang-Seite der Arme entlang bis zu den Handgelenken gezogen. Jetzt zeigen die
beiden Handflächen gegeneinander, und zwar zeigt der Daumen der äußeren Hand nach oben,
und der der inneren Hand nach unten. Der Abstand zwischen den beiden Händen beträgt circa
drei bis vier Zentimeter. Jetzt bilden die Hände und die Arme eine Linie (Bild 4-9). Dann einen
"Ball" halten und die Hände drehen, das heißt, daß die innere und die äußere Hand ihren Platz
wechseln. Danach werden die beiden Hände die Yin-Seite der Unterarme und der Oberarme
entlang geschoben, wobei die Hände gleichzeitig nach oben über den Kopf gehoben werden
(Bild 4-10). Wenn die Hände über den Kopf gekommen sind, kreuzen sie sich und bewegen sich
weiter zum Halswirbel (Bild 4-11). Aus der Kreuzhaltung trennen sich die beiden Hände, und die
Fingerspitzen zeigen nach unten, wodurch sie sich mit der Energie des Rückens verbinden. Dann
bewegen sich die beiden Hände parallel über den Kopf vor die Brust (Bild 4-12). All diese
Bewegungen bilden eine Zirkulation des Himmelskreises. Nachdem diese Bewegungen neunmal
wiederholt worden sind, fallen die beiden Hände über die Brust zum Unterbauch.
Die Kou Xiao Fu (Die Hände vor dem Unterbauch überkreuzen) (Bild 4-13).
Liang Shou Jie Yin (Mit beiden Händen in die Jieyin-Position gehen) (Bild 4-14).

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5. Shen Tong Jia Chi Fa (Verstärkung des Shentong)

Prinzip: Das "Shen Tong Jia Chi Fa" gehört zu derjenigen Kultivierung des Falun-Xiulian-Dafa,
die in Ruhe betrieben wird. Beim Praktizieren dieses Satzes wird das "Falun" mit dem Shou Yin
(Handsiegel) des "Buddha" gedreht, damit die übernatürlichen Kräfte (einschließlich der
Kultivierungsfunktionen) und die Kultivierungspotenz verstärkt werden. Es gehört zum
Kultivierungsweg oberhalb der mittleren Ebene und wurde ursprünglich im geheimen praktiziert.
Zur Befriedigung der Bedürfnisse derjenigen, die schon eine bestimmte Grundlage besitzen, und
zur Erlösung derjenigen, die vorherbestimmte Bedingungen dafür haben, wird dieser
Kultivierungsweg in der Öffentlichkeit verbreitet. Dieser Satz muß im Lotussitz praktiziert
werden. Am besten wäre es, daß der Praktizierende ihn im Shuang Pan (Doppellotussitz)
praktiziert (Vergleiche Bild 5-1). Mit dem Dan Pan (einfachen Lotussitz, wobei nur ein
Unterschenkel über den anderen geschlagen wird) geht es anfangs auch. Beim Praktizieren ist
der Strom des Qi sehr stark, und es gibt um den Körper ein sehr großes Energiefeld. Die
Bewegungen vollziehen sich entsprechend dem vom Meister gesetzten Qiji. Bei der Verstärkung
der übernatürlichen Kräfte sollen die Gedanken des Praktizierenden leer bleiben, sein
Unterbewußtsein konzentriert sich leicht auf die beiden Hände. In der Mitte der Handfläche
bekommt er das Gefühl der Schwere, der Wärme bzw. der elektrischen Taubheit, er fühlt sich, als
ob irgend etwas in seiner Hand läge. Aber er soll nicht mit Absicht nach diesem Gefühl trachten
und es so lassen, wie es ist. Je länger ein Praktizierender im Lotussitz bleibt, desto besser ist es.
Es hängt aber von der Kultivierungspotenz ab. Je länger ein Schüler praktiziert, desto mehr
nimmt die Intensität zu, desto schneller entwickelt sich seine Kultivierungsenergie. Beim
Praktizieren soll der Schüler an nichts denken, seine Gedanken frei halten und allmählich in den
Ruhezustand eintreten. Auf diese Weise geht er vom dynamischen Praktizieren zum Zustand des
Ding über. Aber sein Zhuyishi muß sich darüber im klaren sein, daß er selbst den
Kultivierungsweg praktiziert. (Man darf dabei nicht in Trance geraten.)
Merkvers:
Yǒu Yì Wú Yì

Yìn Suí Jī Qǐ

Sì Kōng Fēi Kōng

Dòng Jìng Rú Yì

Liang Shou Jie Yin (Mit beiden Händen in die Jieyin-Position gehen): Lotussitz machen. [Dabei
legt der Mann zuerst den linken Fuß mit der Fußsohle nach oben gerichtet auf den rechten
Oberschenkel. Dann hebt er das rechte Bein von außen über das linke Bein drüber und legt den
rechten Fuß mit der Fußsohle nach oben auf den linken Oberschenkel. Bei der Frau ist es genau
umgekehrt, sie legt zuerst den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel, und dann den linken
Fuß auf den rechten Oberschenkel.] Der ganze Körper entspannt sich, darf aber nicht schlaff
werden. Der Rücken und der Hals müssen gerade aufgerichtet sein. Der Unterkiefer geht leicht
zurück. Die Zunge berührt den Oberkiefer. Die Zähne sind leicht geöffnet. Die Lippen aber
bleiben zu. Die Augen werden leicht geschlossen. Im Herzen entwickelt sich die Barmherzigkeit,

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und das Gesicht zeigt eine ruhige und liebenswürdige Miene. Die beiden Hände machen vor dem
Unterbauch ein Jieyin. Allmählich in den Ruhezustand eintreten (Bild 5-1).
Shou Yin Nr. 1 (Handgeste Nr. 1): (Die Bewegungen verlaufen nach dem vom Meister gesetzten
Qiji und müssen ganz gemächlich, langsam und rund sein.) Von dem Zustand des Jieyin heben
sich die Hände. Wenn sie vor den Kopf kommen, drehen sich die Handflächen allmählich nach
oben. Wenn die Handflächen gerade nach oben zeigen, erreichen sie auch die höchste Position
(Bild 5-2). Dann trennen sich die beiden Hände, sie zeichnen über dem Kopf einen Kreisbogen
und bewegen sich zu den beiden Seiten, bis sie schräg vor den Kopf kommen (Bild 5-3). Dann
fallen die beiden Hände langsam nach unten. Die beiden Ellbogen versuchen sich nach
Möglichkeit dem Körper zu nähern. Die Handflächen zeigen nach oben, die Fingerspitzen zeigen
nach vorn (Bild 5-4). Danach strecken sich die Handgelenke gerade, wobei sie sich vor der Brust
kreuzen. Bei Männern bewegt sich die linke Hand außen, bei Frauen die rechte Hand außen (Bild
5-5). Wenn die beiden Hände bei der Kreuzung eine gerade Linie bilden, dreht sich das
Handgelenk der äußeren Hand nach außen, die Handfläche nach oben, dann zeichnet die Hand
einen mehr als halben Kreisbogen, wobei die Handfläche nach oben zeigt und die Finger nach
hinten. Diese Geste soll mit wohlüberlegter Stärke gemacht werden. Gleichzeitig dreht sich die
Handfläche der inneren Hand allmählich nach unten, bis sie gerade gestreckt wird. Dann drehen
sich die Hand und der Arm nach außen, damit die Handfläche nach oben zeigt. Die Hand und der
Arm bilden schräg unten vor dem Körper zusammen mit dem Körper einen Winkel von dreißig
Grad (Bild 5-6).
Shou Yin Nr. 2 (Handgeste Nr. 2): Der Bewegung des Bildes 5-6 folgend, geht die obere Hand
innen nach unten. Die untere Hand dreht sich, wobei die Handfläche nach innen zeigt, und geht
außen nach oben. Die Bewegungen sind im Vergleich zu denen der Shou Yin Nr. 1 nur
seitenverkehrt (Bild 5-7).
Shou Yin Nr. 3 (Handgeste Nr. 3): Das Handgelenk der rechten Hand (bei Frauen der linken
Hand) streckt sich, wobei die Handfläche gegen den Körper zeigt. Nach der Kreuzung mit der
linken Hand vor der Brust dreht sich die Handfläche nach unten und kommt schräg vorn über
den Unterschenkel. Der Arm muß sich strecken. Die Handfläche der linken Hand (bei Frauen der
rechten Hand) dreht sich nach innen und geht zugleich nach oben. Nach der Kreuzung mit der
rechten Hand dreht sich die Handfläche. Zugleich bewegt sie sich nach links (bei Frauen nach
rechts) vor die Schulter. Wenn die Hand dort ist, dreht sich die Handfläche nach oben, die Finger
zeigen nach vorn (Bild 5-8).
Shou Yin Nr. 4 (Handgeste Nr. 4): Im Vergleich zu Shou Yin Nr. 3 sind die Haltungen der Hände
beim Shou Yin Nr. 4 nur seitenverkehrt. Bei Männern bewegt sich die linke Hand (bei Frauen die
rechte Hand) innen; bei Männern bewegt sich die rechte Hand (bei Frauen die linke Hand)
außen. Die Handbewegungen betreffen nur den Wechsel der linken und der rechten Hand, und
die Handpositionen sind auch seitenverkehrt (Bild 5-9). Die Bewegungen der vier Shou Yin sind
aneinander gereiht und dürfen nicht unterbrochen werden.
Jia Chi Qiu Zhuang Shen Tong (Verstärkung der kugelförmigen übernatürlichen Kräfte): Die
Bewegung beginnt mit dem Shou Yin Nr. 4. Die obere Hand bewegt sich innen, die untere außen.
Bei Männern dreht sich allmählich die rechte Hand (bei Frauen die linke Hand), die Handfläche
dreht sich gegen die Brust; bei Männern hebt sich die linke Hand (bei Frauen die rechte Hand).
Wenn die beiden Arme vor der Brust eine gerade Linie bilden (Bild 5-10), ziehen sich die beiden
Hände zu den beiden Seiten (Bild 5-11). Zugleich drehen sich die Handflächen nach unten. Die
Hände bewegen sich ein bißchen weiter über die Knie hinaus. Die Hände liegen auf der Höhe der
Hüfte. Der Unterarm und das Handgelenk strecken sich. Die beiden Arme sind entspannt (Bild 5-
12). Durch diese Haltung werden die übernatürlichen Kräfte im Körper zur Verstärkung auf die
Hände übertragen. Diese übernatürlichen Kräfte sind kugelförmig. Bei der Verstärkung der
übernatürlichen Kräfte bekommt ein Praktizierender in der Mitte der Handfläche ein Gefühl der
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Wärme, der Schwere und der elektrischen Taubheit. Aber ein Praktizierender soll nicht mit
Absicht danach trachten und es so lassen, wie es ist. Je länger ein Schüler diese Haltung
praktiziert, desto besser ist es; er soll bei ihr bleiben, bis er sie nicht mehr aushalten kann.
Jia Chi Zhu Zhuang Shen Tong (Verstärkung der kegelförmigen übernatürlichen Kräfte): Die
Bewegung beginnt mit der obigen Haltung. Die Handfläche der rechten Hand (bei Frauen der
linken Hand) dreht sich nach oben, wobei sie sich zum Unterbauch bewegt. Wenn die Hand vor
dem Unterbauch ist, zeigt die Handfläche nach oben. Während sich die rechte Hand bewegt, hebt
sich die linke Hand (bei Frauen die rechte Hand) und bewegt sich zum Unterkiefer. Die
Handfläche zeigt dabei immer nach unten. Die Hand liegt jetzt auf der Höhe des Unterkiefers,
die Hand und der Arm bleiben gerade. Jetzt zeigen die beiden Handflächen gegeneinander. Dann
in den Zustand des Ding eintreten (Bild 5-13). Durch diese Haltung werden die kegelförmigen
Kräfte, wie z.B. Zhang Shou Lei (Donner aus der Handfläche), verstärkt. Diese Haltung muß ein
Schüler so lange praktizieren, bis er sie nicht mehr aushalten kann. Dann zeichnet die obere
Hand nach vorne gehend einen Halbkreis und fällt vor den Unterbauch. Zugleich hebt sich die
untere Hand nach oben bis zum Unterkiefer, die Handfläche dreht sich nach unten (Bild 5-14).
Der Arm bleibt in der Höhe der Schulter. Die beiden Handflächen zeigen gegeneinander. Das ist
eine andere Haltung zur Verstärkung der kegelförmigen übernatürlichen Kräfte. Diese Haltung
soll ein Schüler so lange wie möglich praktizieren, bis die Arme sie nicht mehr aushalten
können.
Jing Gong Xiu Lian (Kultivierung in der Meditation): Die Bewegung beginnt mit der letzten
Haltung. Dann zeichnet die obere Hand nach vorne gehend einen Halbkreis und fällt vor den
Unterbauch. Die beiden Hände bilden ein Jieyin (Bild 5-15). Der Praktizierende beginnt jetzt mit
der ruhigen Kultivierung. Dann tritt er in den Zustand der ruhigen Kultivierung ein und bleibt bei
dem Ding (Meditation), je länger, desto besser.
Shou Shi (End-Haltung): Die beiden Hände machen ein Heshi (Bild 5-16). Aus dem Zustand des
Ding treten und die Beine aus dem Lotussitz lösen.

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