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Tefsir des heiligen Qur`an

aus dem 28. Juz (Teil) Sura


Nr. 58

Zusammenfassende Übersetzung
Aus dem Tefsir von Muhammad Aly Al-Saabuuni
(Islamgelehrter im Bereich Tefsir in Mekka)

Vorwort des Übersetzers:

Alles Lob soll nur ALLAH gebühren, dem Herrscher am Tage des jüngsten Gerichts. Dies
soll eine zusammenfassende Übersetzung des Qur`an Tefsirs von Al-Saabuuni sein. An
manchen Stellen habe ich etwas weggelassen bzw. dazu ergänzt; meistens um das
arabische Wort im deutschen Kontext zu erklären.

Diese Qur`an Erklärung ist so aufgebaut, dass der Leser erst einmal eine Einführung zur
Sure findet. Danach wird erklärt, warum dieser Vers herab gesandt wurde, und zu guter
letzt werden dann die einzelnen Verse detailliert erklärt. Dieser Tefsir ist nicht zu kurz, so
dass inschaALLAH nichts Wichtiges fehlt, aber auch nicht zu lang gestaltet, auf dass sich
der Leser beim Lesen nicht verliert.

Natürlich kann eine deutsche Übersetzung des Qur`an nie den wahren Klang und
Bedeutung desselben wiedergeben. Deswegen sei jedem geraten, sich die arabische
Sprache anzueignen, auf dass er ALLAH´s Worte so verstehen möge, wie sie herab
gesandt wurden. Bis dahin soll euch diese Übersetzung eine Stütze sein, auf dass ihr das
Gelesene anschließend in Taten umsetzt. Amin

Abdul-Wahhaab
Im Namen ALLAH´s, des Allerbarmers, der Barmherzigen

Alles Lob gebührt ALLAH, dem Herrn der Welten, und der Segen und die Unversehrtheit
seien auf dem edelsten der Gesandten, unserem Propheten Muhammad, sowie auf seiner
Familie und all seinen Gefährten.

Der Qur`an ist wahrlich das Mittel zur Zufriedenheit und der Weg der Rettung. So wird
von den Muslimen heutzutage verlangt, sich intensiv mit dem Qur`an zu beschäftigen,
die Bedeutungen der Verse zu verstehen, seine Einzelheiten zu erfahren, und zum
Schluss soll man dieses Wissen entsprechend in Taten umsetzen. All dies gemäß dem
Vers:

« (Dies ist) ein gesegnetes Buch, das Wir zu dir hinab gesandt haben, damit sie
über seine Zeichen nachsinnen und damit diejenigen bedenken, die Verstand
besitzen. »
(Sura Saad Vers 29)

Diese Dunja hat wahrlich die Muslime dazu gezwungen, sich mit ihr zu beschäftigen.
Somit sind die Zeiten wenig, in welchen man sich an große Quranübersetzungen wendet,
in welchen man die Erklärung zum Buche ALLAH´s findet. So ist es für die Gelehrten
Pflicht, diese Quranübersetzungen leicht verständlich an die Menschen zu bringen und
dabei klar die einzelnen Verse zu erklären. Eine Erklärung des Qur`an, ohne unnötige
Zusätze oder in die Länge gezogene Erklärungen oder umständliche Verdeutlichen. So
soll am Ende die Schönheit und die Wunder des Qur`an klar erkenntlich vor dem Leser
stehen.

Sura Al-Mujaadila (Die Disputierende)

- Einführung zur Sura -

Diese Sura wurde in Medina offenbart. In ihr finden wir viele Urteile der Schariia wie z.
B. den islamischen Rechtsspruch über:

- den Rückenschwur* (Zihaar) und dessen Vergeltung


- vertrauliche Gespräche
- Verhaltensregeln bei Sitzungen
- die vorherige Abgabe von Sadaqa (Spende) vor dem Gespräch mit dem Propheten
(möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren)
- dass man nicht die Feinde ALLAH´s lieben darf und noch viele andere
Gesichtspunkte, sowie über die Heuchler und die Juden.
• Die Sura beginnt mit der Verdeutlichung der Geschichte der „Streitenden“ Chaula Bint
Sha´laba. Ihr Mann sprach den Rückenschwur* aus, so wie es in der Jaahiliyya
(vorislamische Zeit der Unwissenheit) üblich war, indem man sich seine Frau mit diesem
Schwur als „Verboten“ erklärt, d. h. keinen ehelichen Verkehr. So begab sich diese Frau
zum Propheten, um sich bei ihm über das ungerechte Verhalten ihres Ehemanns zu
beklagen; darauf antwortete ihr der Prophet: „Ich meine, dass du ihm verboten bist!“.
Doch die Frau setzte fort: „Oh Gesandter ALLAH´s, er hat mich nicht geschieden,
vielmehr hat er den Rückenschwur ausgesprochen.“

Darauf gab ihr der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren) die gleiche
Antwort wie zuvor. So sagte sie schließlich: „Oh ALLAH, ich beklage mich bei Dir (über
meine Lage)“.
So hat ALLAH ihre Bitte erhört und sie aus ihrer kniffligen Lage befreit, indem Er
folgendes offenbarte:

« 1. Wahrlich, ALLAH hat die Aussage derjenigen gehört, die mit dir über ihren
Gatten streitet und sich bei Allah beklagt, während Allah euren Wortwechsel hört.
Gewiss, Allah ist Allhörend und Allsehend. »

• Danach spricht die Sura über die Entschädigung (Kaffaara) dieses Rückenschwurs:

« 3. Diejenigen, die sich von ihren Frauen durch den Rückenschwur trennen und
hierauf dann doch zu dem zurückkehren, was sie gesagt haben, (sollen) einen
Sklaven befreien, bevor sie beide einander berühren. Damit werdet ihr ja
ermahnt. Und Allah ist dessen, was ihr tut, Kundig.

4. Wer aber keine (Möglichkeit dazu) findet, (der hat) zwei aufeinander folgende
Monate (zu) fasten, bevor sie beide einander berühren. Wer (es) aber nicht kann,
(der hat) sechzig Arme (zu) speisen. Dies, damit ihr an Allah und Seinen
Gesandten glaubt. Dies sind Allahs Grenzen. Und für die Ungläubigen wird es
schmerzhafte Strafe geben. »

• Danach geht es in der Sura über das vertrauliche Gespräch (Naj´wa), welches
zwischen Zweien oder mehreren Personen im Geheimen stattfindet. Diese geheimen
Treffen und Gespräche fanden häufig unter den Juden sowie den Heuchlern statt, um den
Gläubigen zu schaden.

*(Diese Formel der Scheidung lautet: „Du sollst mir wie der Rücken meiner Mutter sein", d.h.
verboten, und so soll es zwischen uns, trotz bestehender Ehe, keinen ehelichen Verkehr mehr
geben; oder es sollte damit die Endgültigkeit und Unwiderruflichkeit der Scheidung ausgedrückt
werden)
• Dann spricht ALLAH über die Juden, welche die Sitzungen des Propheten (möge Allah
ihn in Ehren halten und bewahren) besuchten und mit einem schädlichen Gruß an den
Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren) herantraten (As-Saam
alaikum= Der Tod sei auf euch):

«…Und wenn sie zu dir kommen, grüßen sie dich wie nicht einmal Allah dich
grüßt,… »
• Des Weiteren spricht ALLAH in dieser Sura über die Heuchler, welche sich die Juden
als enge Freunde nahmen, sie mochten und ihnen die Geheimnisse der Gläubigen
verrieten. So hat ALLAH ihre heuchlerischen Taten aufgedeckt:

« 14. Siehst du nicht jene, die sich Leute zu Schutzherren nehmen, denen Allah
zürnt? Sie gehören weder zu euch noch zu ihnen, und sie schwören auf (ihre)
Lügen, wobei sie (es) wissen »

• Die Sura endet mit der Verdeutlichung der wahren Liebe und Hass für ALLAH. Dies
ist ja die Grundlage des Glaubens (Iman). Zum vollkommenen Glauben gehört es, dass
man die Feinde ALLAH´s hasst, gemäß dem Vers:

« 22. Du findest keine Leute, die an Allah und den Jüngsten Tag glauben und
denjenigen Zuneigung bezeigen, die Allah und Seinem Gesandten
zuwiderhandeln, auch wenn diese ihre Väter wären oder ihre Söhne oder ihre
Brüder oder ihre Sippenmitglieder. »

Grund der Herabsendung:

• Es wird überliefert, dass Chaula Bint Sha´laba die Frau von Ausin ibn Assaamit war.
Eines Tages wollte Ausin ibn Assaamit mit seiner Frau verkehren, worauf sie sich
weigerte. Dies erzürnte Ausin ibn Assaamit sehr und er sprach den Rückenschwur aus.
Darauf ging seine Frau Chaula zum Propheten und sagte: Oh Gesandter ALLAH´s, -
Aussin- hat den Rückenschwur gesprochen, nachdem ich schon alt bin und meine
Knochen schwach geworden sind. Und ich habe kleine Kinder von ihm; wenn ich sie
ihm anvertraue, gehen sie verloren; und wenn ich sie bei mir lasse, so hungern sie. So
wie ist deine Meinung?
Darauf antwortete der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren): „Ich
meine, dass du ihm verboten bist!“
Sie erwiderte: „Oh Gesandter ALLAH´s, er hat ja keine Scheidung erwähnt, er ist ja der
Vater meiner Kinder und der mir liebste Mensch.“ Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren
halten und bewahren) wiederholte seine Antwort: „Ich meine, dass du ihm verboten
bist!“ Und so wiederholte auch Chaula ihren Satz. Das ging solange, bis ALLAH
folgenden Vers herab sandte:

« 1. Wahrlich, ALLAH hat die Aussage derjenigen gehört, die mit dir über ihren
Gatten streitet und sich bei Allah beklagt, während Allah euren Wortwechsel hört.
Gewiss, Allah ist Allhörend, Allsehend. »
• Buchari überlieferte von Aisha, dass sie folgendes sagte:

Gepriesen ist Der, Der alles mit Seinem Gehör umfasst. Die Disputierende – Chaula Bint
Sha´laba – kam zum Propheten und sprach mit dem Propheten (möge Allah ihn in Ehren
halten und bewahren) wobei ich im Nebenzimmer war und nicht alles verstand, was sie
sagte. Sie kam um sich bei dem Propheten über ihren Ehemann zu beklagen: „Er hat
meine Jugend abgetragen, und ich habe für ihn Kinder geboren bis ich alt wurde und
nicht mehr gebären kann, worauf er den Rückenschwur aussprach. Oh ALLAH, ich
beklage mich bei Dir“.
Worauf kurz darauf Jibriil mit diesen Versen herabstieg.
(Dies ist ein Beweis, dass ALLAH alle Bitten Seiner Diener hört und Sich um Seine Diener
kümmert und sie nicht im Stich lässt. Subhanallah!)

Die Bedeutung der einzelnen Verse (1-10):

«1.Wahrlich, ALLAH hat die Aussage derjenigen gehört,


die mit dir über ihren Gatten streitet…»

Das arabische Wort „Quad ‫ “ ْدق‬wird im Arabischen dafür verwendet um eine Sache zu
bestätigen. So ist also die Bedeutung des Verses:
Wahrlich, ALLAH hat das Wort der Frau gehört welche dich disputiert und mit dir wegen
ihrem Ehemann einen Wortaustausch führt.
Dazu sagte der Sprachgelehrte Al-Zam´chascheri:
Hier bedeutet die Aussage, dass ALLAH ihr Wort gehört hat, nicht nur, dass Er es mit
Seinem Wissen erfasst hat, sondern dass Er ihre Bitte erhörte (akzeptierte). Genau wie
unser Ausspruch im Gebet:
„Semiallahu liman hamida“ ALLAH hat die Lobpreisung desjenigen (gehört) bzw.
angenommen, der Ihn lobpreist.

« und sich bei Allah beklagt »

Indem sie Ihn demütig bittet, dass Er sie aus ihrer Notlage befreit.

« während Allah euren Wortwechsel hört »

ALLAH subhanahu wa taala hört euer Gespräch und euren Wortaustausch; das, was sie
dir sagte und das, was du ihr antwortest.
« Gewiss, Allah ist Allhörend, Allsehend »

Er subhanahu wa taala hört denjenigen, der Ihn im Geheimen bittet und anfleht. Er sieht
die Taten Seiner Diener. So ist dieser Teil des Verses eine Erläuterung für das
Vorausgegangene.

Danach kritisiert ALLAH den Rückenschwur (Zihaar) und erklärt das Urteil darüber,
sowie die Vergeltung für denjenigen, der diesen Schwur sprach:

« Diejenigen von euch, die sich von ihren Frauen durch den
Rückenschwur trennen (befinden sich im Irrtum, denn) - sie sind
doch nicht ihre Mütter »

Das sind diejenigen, welche zu ihren Ehefrauen sagen: Du bist mir verboten, wie der
Rücken meiner Mutter. Sie meinen damit, dass ihre Frauen ihnen somit verboten sind,
wie ihre Mütter. Doch in Wahrheit sind ihre Frauen nicht ihre Mütter, vielmehr sind es
ihre Gattinnen.

Das Wort „von euch“ weist hier die Araber zurecht und kritisiert ihr Vorgehen, denn
diese Art des Schwurs war ausschließlich im arabischen Stamm vorhanden.

« Ihre Mütter sind nur diejenigen, die sie geboren haben »

Ihre Mütter sind in Wirklichkeit diejenigen Frauen, welche sie in ihren Bäuchen trugen
und dann gebaren. Dieser Satz ist eine Steigerung in der Kritik, nachdem ALLAH sagte
„sie sind doch nicht ihre Mütter“

« Sie sagen da fürwahr etwas Verwerfliches an Worten und


etwas Falsches »

Diejenigen, welche diesen Schwur aussprechen, sagen etwas, was nicht nur der Wahrheit
widerspricht, sondern auch dem islamischen Gesetz.

« Und Allah ist wahrlich Allverzeihend und Allvergebend »

ALLAH ist voller Vergebung und Nachsicht für jeden, der zu Ihm zurückkehrt und Ihn um
Vergebung bittet.

Im Buch Al-Tashiil lesen wir folgendes zu diesem Vers:


ALLAH hat uns mitgeteilt, dass dieser Rückenschwur etwas Verwerfliches (arab: Munkar)
und Lüge (Zuur) ist. Das Wort Munkar bedeutet eine Sache, welche nichts mit der
Wahrheit zu tun hat. Das Wort Zuur bedeutet Lüge, denn es ist ja fürwahr eine Lüge, mit
dem Rückenschwur seine Frau wie seine Mutter zu bezeichnen, denn sie (die Ehefrau)
wird nie so sein. Des Weiteren ist der Rückenschwur verboten, dies entnehmen wir aus
vier Beweisen:

1. ALLAH sagt: „sie sind doch nicht ihre Mütter“


2. ALLAH nennt den Rückenschwur mit etwas, was nichts mit der Wahrheit zu tun
hat (Munkar)
3. ALLAH nennt den Rückenschwur Lüge
4. ALLAH sagt: „Und Allah ist wahrlich Allverzeihend und Allvergebend“ Denn
die Vergebung ist nur für einen Übertritt, sprich Sünde, und er ist mit der Sünde
belastet, bis er die Sühne (Kaffaara) leistet.

Danach erklärt ALLAH die Leistung der Sühne für diese verwerfliche Tat:

« 3. Diejenigen, die sich von ihren Frauen durch den


Rückenschwur trennen.. »

Diejenigen, welche sich ihren Frauen enthalten, indem sie den Rückenschwur aus-
sprechen und ihre Gattinnen mit ihren Müttern gleichstellen.

« und hierauf dann doch zu dem zurückkehren, was sie


gesagt haben»

D. h. falls sie von ihrem Worte ablassen und Reue empfinden für das, was sie begangen
haben und die Rückkehr zu ihren Frauen wünschen.

« (sollen) einen Sklaven (bzw. eine Sklavin) befreien, bevor sie


beide einander berühren »

Bevor sie sich wieder ihren Frauen nähern dürfen, müssen sie die Kaffaara (Sühne) leisten
und zwar indem sie einen Sklaven befreien, ob männlich oder weiblich.
Hier ist mit „einander Berühren“ der Geschlechtsverkehr gemeint. Dazu sagt der
Gelehrte Al-Qur´tubi: Es ist für denjenigen, der denn Rückenschwur ausgesprochen hat
nicht erlaubt mit seiner Frau zu verkehren, bis er die Sühne abgeleistet hat. Wenn er mit
ihr vor der Sühne verkehrt, hat er eine Sünde begangen und er muss trotzdem die Sühne
für den Rückenschwur leisten.
Mujaahid sagte dazu, dass wenn er mit ihr schläft bevor er die Sühne ableistete, er zwei
Sühnen zu verrichten hat.

« Damit werdet ihr ja ermahnt »

Das ist das Urteil ALLAH´s über den Rückenschwur, auf dass sich die Gläubigen daraus
ermahnen lassen und diese scheußliche Tat meiden.
(Das arabische Wort „Mau´iza“ ist in Wirklichkeit stärker als eine Ermahnung. Es sind
Worte, welchen das Herz durchdringen, wie die Worte des Predigers im Freitagsgebet,
dessen Worte das Herz aufwecken und es wachrütteln, das ist eine „Mau´iza“ was man
im Deutschen mit Ermahnung übersetzen muss.)

« Und Allah ist dessen, was ihr tut, Kundig »


Er weiß über euer Äußerliches sowie euer Innerliches wohl bescheid und Er wird es euch
darauf euren Taten entsprechend vergelten. Denkt ja nicht, dass Ihm entgeht, was ihr in
eurem Inneren an Gedanken hegt!

« 4. Wer aber keine (Möglichkeit dazu) findet, (der hat) zwei


aufeinander folgende Monate (zu) fasten, bevor sie beide
einander berühren (dürfen) »

D. h. wenn er keinen Sklaven findet, den er befreien kann, so muss er zwei Monate
hintereinander, ununterbrochen fasten. Die Tafsir-Gelehrten erwähnen hier, dass wenn er
in diesen zwei Monaten auch nur einen Tag nicht fastet, so muss er wieder neu beginnen.

« Wer (es) aber nicht kann, (der hat) sechzig Arme (zu)
speisen»

Wer auch nicht fasten kann, z. B. wegen hohem Alter oder Krankheit so hat er 60 Arme
zu speisen. Eine Speise von welcher sie satt werden.
Hier muss die Reihenfolge eingehalten werden! Es geht nicht, dass jener der den
Rückenschwur aussprach und nun die Kaffaara zu leisten hat, damit beginnt, 60 Arme zu
speisen. Es muss die Reihenfolge eingehalten werden.

« Dies, damit ihr an Allah und Seinen Gesandten glaubt »


Diese ist eine Erklärung über das Urteil des Rückenschwurs, damit ihr ALLAH und den
Gesandten bestätigt, indem ihr nach dem handelt, was euch ALLAH und der Prophet
vorschreiben und von den Taten der vorislamischen Zeit ablassen möget.
« Dies sind Allahs Grenzen. Und für die Ungläubigen wird es
schmerzhafte Strafe geben »
Dies sind ALLAH´s Befehle und Grenzen, so überschreitet sie ja nicht. Doch die
Verweigerer und jene, die unsere Zeichen der Lüge bezichtigen und sich nicht an
ALLAH´s Grenzen halten, für sie soll es eine schmerzliche, leidende Strafe geben.
Der Gelehrte Al-Uluusii sagte dazu: Hier wurde das Wort „Ungläubig“ für denjenigen
benutzt, der die Grenzen ALLAH´s überschreitet also grobe Abschreckung (der Tat) und
Zurechtweisung.

« 5. Gewiss, diejenigen, die Allah und Seinem Gesandten


zuwiderhandeln… »
Das sind jene, welche ALLAH´s Gebote übertreten und Ihm mit ihren Übertretungen
nicht Folge leisten und den Gesandten bekämpfen. Das arabische Wort: muhaadda
welches mit „zuwiderhandeln“ übersetzt wird, heißt wörtlich die Trennung zwischen
zwei Parteien, also dass die Ungläubigen sich an eine Grenze stellen, und ALLAH und
den Propheten auf die andere Grenze/Seite stellen.

« (sie) werden im Stich gelassen (wörtl. niedergeworfen), wie


auch diejenigen vor ihnen im Stich gelassen wurden »
D. h. sie werden erniedrigt und im Stich gelassen, genau wie die Heuchler und
Ungläubigen die ihnen vorausgingen, jene welche die Gesandten bekämpften und der
Lüge bezichtigten. Das arab. Wort Kubitu ‫ كبت‬bedeutet wörtl. niedergestreckt. Die beiden
Bedeutungen des Wortes, niedergestreckt und im Stich gelassen, ergänzen sich
zueinander.

Dieser Vers soll dem Propheten und den Gläubigen Mut geben, auf ALLAH zu vertrauen
und nicht die Ungläubigen zu fürchten.

«und Wir haben doch klare Verse (Zeichen) hinab gesandt »


Wir haben deutliche Verse herab gesandt, in welchen erklärt wird, was erlaubt und
verboten ist, sowie die Pflichten und Urteile.

« Und für die Ungläubigen wird es schmachvolle Strafe


geben»
d. h. die Verleugner, welche nicht nach den Versen ALLAH´s handeln, werden einer
erniedrigen Strafe ausgesetzt, welche ihre Würde auf das Niedrigste herabsetzt. Dazu sagt
der Gelehrte Al-Saawii: Dieser Vers wurde wegen den Ungläubigen in Mekka herab
gesandt, am Tage „Ahzaab“ als sich die Ungläubigen gegen den Propheten gruppierten.
So ist dieser Vers als Unterstützung für den Propheten zu verstehen und als frohe
Botschaft für die Gläubigen, denn ALLAH sagt, dass diese ungläubige Gruppierung
erniedrigt und im Stich gelassen wird, und ihre Gruppierung auseinandergesprengt wird.
So sollen die Gläubigen ja nicht die (angebliche) Stärke dieser Gruppierung fürchten.

« Am Tag, da Allah sie alle auferwecken wird und ihnen


kundtun wird, was sie getan haben »
Sprich: mach dir diesen Tag bewusst, an dem ALLAH all die Übeltäter auf einer einzigen
Fläche versammeln wird. Sodann wird ALLAH ihnen mitteilen, was sie an Übel, Sünden
und Verwerflichem auf dieser Welt begingen. Das arabische Wort „nab´a“ was mit „Kund
geben“ übersetzt werden kann, wurde bei den Arabern für eine Nachricht verwendet,
welche gewaltiges beinhaltet. Genauso wird dieses Kundtun am Tage des Gerichts eine
gewaltige, verblüffende Nachricht für die Übeltäter sein, welche nicht damit gerechnet
haben, dass sie wiedererweckt werden und für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen
werden.

« Allah hat es (alles) erfasst, sie aber haben es vergessen »


ALLAH hat alles genau und detailliert aufgezeichnet, was sie auf Erden an Unheil
stifteten. Dies werden sie in ihren Blättern bei der Abrechnung vorfinden, wo sie doch all
ihre Vergehen auf Erden vergaßen, weil sie sich sicher waren, dass es nach dem Tode
keine Wiederauferstehung und Vergeltung geben wird.

« Und Allah ist über alles Zeuge »


d. h. ALLAH beobachtet und überblickt alles, nichts entgeht Ihm, noch ist etwas
abwesend und Er weiß es nicht. Und ALLAH genügt ja als Zeuge.

Danach verdeutlicht ALLAH Sein allumfassendes Wissen, welches alles einschließt. Er


sieht all Seine Geschöpfe und hört ihr Sprechen:

« 7. Siehst du nicht, dass Allah weiß, was in den Himmeln


und was auf der Erde ist? Es gibt kein vertrauliches Gespräch
zwischen dreien, ohne dass Er ihr vierter wäre… »
Siehst du denn nicht, nachdenkender Leser des Qur`an, dass ALLAH alles was in
Himmeln und auf Erden ist überblickt? Nichts kann sich vor Ihm verstecken, sei es in
Himmel oder auf Erden. Es gibt kein Geheimnis, was Er nicht kennt. Es gibt kein
vertrauliches Gespräch zwischen dreien, ohne dass ALLAH ihr vierter mit Seinem
Wissen ist. Und Er weiß sehr wohl, was sie im Geheimen beraten.

« und keines zwischen fünfen, ohne dass Er ihr sechster


wäre, und auch nicht weniger oder mehr als dieser (Zahl),
ohne dass Er mit ihnen wäre, wo immer sie auch sein mögen
»

Und es gibt kein vertrauliches Gespräch zwischen fünfen, ohne das Er ihr sechster mit
Seinem Wissen ist. Auch wenn die Zahl weniger oder mehr als diese sind, so ist Er immer
mit Seinem Wissen anwesend.
Wir sollen aus diesem Vers verstehen, das ALLAH mit Seinem Wissen bei Seinen Dienern
anwesend ist; Er sieht ihr Inneres und ihre Taten und was sie ihn ihren Herzen hegen.
Nichts von den Angelegenheiten Seiner Diener ist Ihm verborgen, so ist auch der
Abschluss des Verses:

« Hierauf tut Er ihnen am Tag der Auferstehung kund, was


sie getan haben. Gewiss, Allah weiß über alles Bescheid »
Dann wird Er euch kundgeben (naba), was ihr an Gutem und Schlechten vorausgeschickt
habt, sodann wird Er euch am Tage des Gerichts eure Taten vergelten. Die Gelehrten
sagen zu diesem Vers:
ALLAH hat diesen Vers mit dem Wissen angefangen: „Siehst du nicht, dass Allah
weiß“ und Er hat den Vers mit dem Wissen abgeschlossen: „Gewiss, Allah weiß über
alles Bescheid“. Dies um darauf hinzuweisen, dass ALLAH´s Wissen alle Einzelheiten
und Feinheiten umfasst.
Ibn Kathir sagte zu diesem Vers: Die Gelehrten sind sich einig, dass die Begleitung von
ALLAH mit Seinen Dienern so zu verstehen ist, dass Er mit Seinem Wissen mit ihnen
anwesend ist, nicht Er selber. Daran gibt es keinen Zweifel, denn Er umfasst sie mit
Seinem Wissen, Er sieht sie und überblickt Seine Schöpfung und nicht das Kleinste ist Ihm
verborgen.

Danach erzählt uns ALLAH über die Juden und die Heuchler:

« 8. Siehst du nicht jene, denen verboten wurde, vertrauliche


Gespräche zu führen…»
Qur´tubii sagte zu diesen Vers:
Dieser Vers wurde herab gesandt und spricht über die Juden und Heuchler, welche
untereinander vertrauliche Gespräche führten. Wenn sie die Gläubigen sahen,
zwinkerten sie einander zu, als Zeichen der Herabwürdigung ihnen gegenüber. So wurde
der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren) über ihre vertraulichen
Gespräche benachrichtigt, worauf er ihnen diese verbot. Jedoch hielten sie sich nicht an
dieses Verbot, so sandte ALLAH den Vers:
« die aber hierauf zurückkehren zu dem, was ihnen verboten
wurde »

d. h. sie führten wieder vertrauliche Gespräche, in denen sie über die Gläubigen
spotteten. Dies, nach dem es ihnen doch verboten wurde. Dazu sagt der Gelehrte Abu
Al-Suud:
Hier in diesem Vers wird die Frageform verwendet „Siehst du nicht“ um auf das
absonderliche, bizarre Verhalten der Juden und Heuchler hinzuweisen. Des Weiteren ist
das Wort „zurückkehren“ in der Gegenwartsform, was im Arabischen darauf hindeutet,
dass die Tat immer wieder neu gemacht und wiederholt wird.

« und miteinander über Übles, feindseliges Vorgehen und


Ungehorsam gegen den Gesandten vertraulich sprechen? »

Dies weil all ihre Gespräche sich darauf beschränkten, Ränke gegen die Gläubigen zu
schmieden. Wobei die schlimmste Stufe die letzte ist und zwar der Ungehorsam
gegenüber dem Propheten. Dieser Vers weist die Heuchler und Juden zurecht und
verurteilt ihr übles Verhalten. Hier ist auch eine Warnung an die Gläubigen, dass sie sich
von diesen schlechten Eigenschaften fernhalten.

« Und wenn sie zu dir kommen, grüßen sie dich, wie nicht
einmal Allah dich grüßt,… »

d. h. wenn sie zu dir kommen oh Gesandter ALLAH´s, grüßen sie dich mit einem
falschen Gruß, den ALLAH nicht festgesetzt hat, noch erlaubt hat. Und zwar sagten sie:
„Assaamu alaikum“ was heißt: Der Tod sei auf euch! Dazu sagten die Gelehrten:
Die Juden kamen zum Propheten und sprachen „Assaamu alaikum“, was bedeutet: "Der
Tod sei auf euch", anstatt: „Assalaamu alaikum“!
Darauf antwortete der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren) nur
folgendes: „wa alaikum“(und das gleiche auf euch).

Als Aisha – Möge ALLAH mit ihr zufrieden sein - eines Tages, den üblen Gruß der Juden
wahrnahm, sagte sie zu ihnen: „Vielmehr soll auf euch der Tod und der Fluch sein!“ Als
sie sich entfernten, sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren) zu
ihr: „Immer mit der Ruhe Aisha. Wahrlich, ALLAH mag nicht das obszöne sowie das
abscheuliche Reden.“ Darauf erwiderte Aisha:
„Oh Gesandter ALLAH´s, hast du nicht gehört was sie gesagt haben?“ Darauf sagte der
Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren): "Hast du nicht gehört, was ich
ihnen gesagt habe? Ich habe ihnen gesagt: „wa alaikum“ (das gleiche auf euch), worauf
ALLAH meine Bitte erhörte und ihre Bitte ablehnte (Der Tod sei auf euch)."
« und sie sagen unter sich: „Würde Allah uns nicht strafen
für das, was wir sagen?" »

d. h. sie wandten sich einander im Geheimen zu und sagten: Wird ALLAH uns denn
nicht bestrafen wenn Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren)
wirklich Sein Gesandter ist?!? Denn wenn er wirklich ein Prophet ist, dann wird ALLAH
uns für unser Reden wahrlich bestrafen und zur Rechenschaft ziehen.
ALLAH antwortet ihnen folgendes:

« Ihre Genüge ist die Hölle, der sie ausgesetzt sein werden –
was für ein schlimmer Ausgang »

d. h. Es soll ihnen an Strafe genügen, dass sie in das Feuer eingehen und der Hitze und
Strafe ausgesetzt werden.
Der Gelehrte Ibn Al-Arabii sagte:
Sie (die Juden) sagten: "Wenn Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und
bewahren) wirklich ein Prophet wäre, dann würde uns ALLAH keinen Aufschub
gewähren, dafür dass wir ihn beleidigten und verachteten. Doch sie wussten nicht, dass
ALLAH (Al-Haliim, der Nachsichtige) subhaanahu wa ta`ala nicht voreilig bei der
Bestrafung derjenigen ist, die Ihn beleidigen. So sagte Prophet Muhammad in einem
authentischen Hadith:
Keiner hat mehr Geduld als ALLAH für das Schlechte, sie behaupten Er habe
einen Partner und einen Sohn, doch Er hält das Übel von ihnen ab und versorgt
sie (weiterhin). (Buchari)

So sandte ALLAH diesen Vers herab, um das was sie in ihrem Inneren verbargen
aufzudecken und als Bloßstellung, sowie zur Ehrung Seines Propheten.

Danach verbietet ALLAH den Gläubigen, vertrauliche Gespräche zu führen, in welchen


über Übles und Ungehorsam gesprochen wird:

«9. O die ihr den Glauben verinnerlicht habt, wenn ihr


vertraulich miteinander sprecht, dann sprecht nicht (in einer
Weise) vertraulich miteinander, in (der) Sünde, feindseliges
Vorgehen und Ungehorsam gegen den Gesandten (liegt). »
d. h. wenn ihr im Geheimen miteinander sprecht, so redet nicht über Schlechtes, wie z.
B. das verachtende und anstandslose Reden, noch sprecht über das feindliche Vorgehen
anderer gegenüber, noch sollt ihr darüber sprechen, dem Gesandten Ungehorsam zu
leisten! Wollt ihr etwa wie die Juden sein?
« sondern sprecht vertraulich miteinander über Frömmigkeit
und Gottesfurcht »

Sprecht darüber, worin Gutes sowie Gehorsam liegt. Quurtubii sagte:


ALLAH hat den Gläubigen verboten, vertraulich miteinander zu sprechen, so wie es die
Heuchler und Juden taten. Und Er hat ihnen befohlen, in ihren vertraulichen Gesprächen
über Gehorsam (gegenüber ALLAH und den Propheten), Gottesfurcht, sowie das
Fernhalten von alle dem was ALLAH verboten hat, zu sprechen.

« Und fürchtet Allah, zu Dem ihr versammelt werdet »


Fürchtet ALLAH, in dem ihr das, was Er euch geboten hat einhaltet und euch von allem,
was Er euch verboten hat fernhaltet. Und macht euch bewusst, dass Er euch alle
versammeln wird, darauf wird mit euch abgerechnet und jedem das vergolten was ihm
gebührt.
(Hier wird das Wort taq´wa benutzt, was „Schutz“ bedeutet. Damit ist gemeint, dass man
sich mit dem Einhalten der Gebote ALLAH´s und dem Sich-Fernhalten der Verbote
ALLAH´s vor Seiner Strafe schützen soll.)

«10. Vertrauliche Gespräche sind nur vom Satan, der damit


diejenigen traurig machen will, die gläubig sind»
Diese vertraulichen Gespräche, in welchen über Sündiges, Übertretungen und
Ungehorsam gegenüber dem Propheten geredet wird, sind einzig und allein vom Teufel,
um damit diejenigen, welchen den Glauben verinnerlicht haben, zu betrüben.

« Aber er kann ihnen keinen Schaden zufügen, außer mit


Allahs Erlaubnis, Und auf Allah sollen sich die Gläubigen
verlassen.»
Diese vertraulichen Gespräche können den Gläubigen keinerlei Schaden zufügen, außer
mit der Erlaubnis ALLAH´s und Seinem Willen.

Nur auf ALLAH alleine sollen die Gläubigen ihr Vertrauen setzen, und nur auf Ihn sollen
sie sich stützen. Sie sollen sich nicht mit den Gesprächen der Heuchler beschäftigen,
denn ALLAH schützt die Gläubigen vor ihrem Übel und Schaden.
Der Prophet erwähnte in einem Hadith:
Wenn ihr zu dritt seid, dann sollen ja nicht zwei ein vertrauliches Gespräch ohne
den Dritten führen, denn dies macht ihn traurig. (Buchari & Muslim)
Nun wollen wir uns den nächsten Versen widmen: 11 – 22

« 11. 0 die ihr glaubt, wenn zu euch gesagt wird: „Macht Platz!" in den
Versammlungen! dann schafft Platz, so schafft auch Allah euch Platz. Und wenn
gesagt wird: „Erhebt euch!", dann erhebt euch eben, so erhöht auch Allah
diejenigen von euch, die glauben, und diejenigen, denen das Wissen gegeben
worden ist, um Rangstufen. Und Allah ist dessen, was ihr tut, Kundig »

Passender Übergang:
ALLAH hat in den vorherigen Versen den Gläubigen verboten, was Grund dafür ist, dass
man einander hasst und einander Abneigung entwickelt, so befiehlt Er ihnen nun, was
Grund dafür ist, dass die Liebe und Wärme untereinander zunimmt => Das Verbreiten
der Sitzungen, dass jeder dem anderen Platz macht. Danach warnt ALLAH davor, die
Feinde ALLAH´s zu lieben und beendet die Sura, indem Er verdeutlicht, wie sich die
aufrichtigen Gläubigen gegen die Feinde ALLAH´s verhalten.

Grund der Herabsendung:


1. Von Muqaatil wird überliefert: Der Gesandte (möge Allah ihn in Ehren halten und
bewahren) pflegte die Leute von Badr vor den Auswanderern und den An´saar (Die Leute
in Medina) zu ehren. Es kamen eines Tages die Leute von Badr, unter ihnen „Thabit ibn
Qaiss“, zur Sitzung des Propheten.

Diese Sitzung hatte schon davor angefangen und somit war kein Platz mehr für die Leute
von Badr, welche darauf warteten, dass man für sie Platz macht, was jedoch die
sitzenden Gefährten nicht taten. Als der Prophet dies wahrnahm, wurde er betrübt
darüber und forderte einzelne Personen dazu auf, für die Leute von Badr Platz zu
machen, indem er sagte: „Du so und so, steh auf“.
Doch dies passte jenen nicht, welche dazu aufgefordert wurden, ihren Platz zu verlassen.
Dann sprachen die Heuchler: Was ist dies für eine Gerechtigkeit? Eine Gruppe hatte
schon an der Sitzung teilgenommen und sie lieben die Nähe zum Propheten (möge Allah
ihn in Ehren halten und bewahren); so wurden sie aufgefordert, ihren Platz für andere zu
lassen, welche zu spät kamen. Darauf sandte ALLAH folgenden Vers herab: « 0 die ihr
glaubt, wenn zu euch gesagt wird: „Macht Platz!" in den Versammlungen! dann
schafft Platz, so schafft auch Allah euch Platz… » (Tefsiir Qur´tubii 17/297)

2. Grund: Von Ibn Abbaas wird berichtet: Die Leute vermehrten die Fragen an den
Propheten, was den Propheten betrübte (unangenehm war), so wollte ALLAH
Erleichterung für den Propheten und sandte folgenden Vers herab:
« 12. O die ihr glaubt, wenn ihr mit dem Gesandten vertraulich sprechen
wollt, dann gebt schon vor eurem vertraulichen Gespräch ein Almosen. »

Als dieser Vers herab gesandte wurde, gingen die Fragen zurück.

3. Grund: Ein Heuchler Namens „Ibn Nabtil“ nahm an einigen Sitzungen des Propheten
(möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren) teil und ging danach zu den Juden,
um ihnen mitzuteilen was in der Sitzung gesprochen wurde. Eines Tages sagte der
Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren):

"Es wird nun ein Mann eintreten, der das Herz eines Hochmütigen (Gewalttätigen) besitzt
und wie ein Teufel blickt." So kam der Heuchler „Ibn Nabtil“ herein, worauf der
Gesandte zu ihm sagte: „Mit was hast du mich und meine Gefährten beschimpft?“ Der
Heuchler schwor bei ALLAH, dass er dies nicht tat, doch der Gesandte (möge Allah ihn
in Ehren halten und bewahren) erwiderte: „Doch hast du!“ Darauf ging der Heuchler los
und brachte seine Gefährten, welche auch bei ALLAH schwuren, dass sie den Propheten
nicht beleidigten. Darauf sandte ALLAH folgenden Vers herab, um ihr hinterlistiges
Treiben aufzudecken:

« 14. Siehst du nicht jene, die sich Leute zu Schutzherren nehmen, denen
Allah zürnt? Sie gehören weder zu euch noch zu ihnen, und sie schwören
auf (ihre) Lügen, wobei sie (es) wissen. » (Tefsir Al-Qur´tubii 17/304

Die Bedeutung der einzelnen Verse (11-


22):

« 11. 0 die ihr den Glauben verinnerlicht habt,…. »

Ein Zuruf von ALLAH zu den Gläubigen, auf eine respektvolle und sanfte Weise. Oh ihr,
welche ALLAH und den Gesandten bestätigen und den Glauben geschmeckt habt,
welcher ja der Schmuck jedes Gläubigen ist…

« …wenn zu euch gesagt wird: „Macht Platz!" in den


Versammlungen!, dann schafft Platz »
d. h. wenn zu euch in den Sitzungen gesagt wird, mehr Platz zu schaffen, - egal ob dies
nun in der Sitzung des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren) oder
auch in einer anderen Sitzung ist- so erweitert eure Sitzung und macht einander Platz.
« so schafft auch Allah euch Platz (oder: erweitert für euch) »
So wird ALLAH euch von Seiner Barmherzigkeit erweitern. Dazu sagte Mujaahid:
Die Gefährten haben immer um die Wette geeifert, wer als Erster bei den Sitzungen des
Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren) anwesend ist; so wurden
ihnen befohlen, für einander Platz zu machen. Al- Chaazin sagte dazu:

ALLAH hat den Gläubigen befohlen, sich nicht hochmütig zu verhalten, sondern Platz für
jene zu machen, die auch an den Sitzungen des Propheten teilnehmen möchten, auf dass
die Menschen alle den gleichen Anteil am Propheten haben.
Auch der Prophet erwähnte in einem Hadith:

„Keiner soll für einen anderen (in einer Sitzung) aufstehen, auf dass dieser sich
dann dort hinsetzt, vielmehr vergrößert euch (eure Sitzung) und macht einander
Platz, so wird ALLAH euch Platz machen“ (Buchari und Muslim)

Der Gelehrte Al-Fachr sagte sehr schöne Worte zu diesem Vers:


Und ALLAH´s Wort „so schafft auch Allah euch Platz“ ist so zu verstehen, dass ALLAH
euch in all euren Angelegenheiten Erweiterung verschafft, sei es am Platz oder in der
Versorgung oder die Erleichterung der Brust oder die Erweiterung des Grabes sowie im
Paradies. Und wisse ja, dass dieser Vers Beweis dafür ist, dass wenn man den Gläubigen
die Tore des Guten erweitert, so wird auch ALLAH einem von den guten Dingen im Dies-
und Jenseits vermehren/erweitern. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und
bewahren) sagte:
„ALLAH hilft solange dem Diener, solange er (der Diener) seinem Bruder hilft “
(Muslim)

« Und wenn gesagt wird: „Erhebt euch!", dann erhebt euch »


Oh ihr, die den Glauben verinnerlicht habt, wenn ihr in einer Sitzung dazu aufgefordert
werdet, aufzustehen um Platz für andere zu schaffen, so folgt diesem Befehl und erhebt
euch.
Vielleicht nimmt einer das Gefühl von Trauer wahr, wenn zu ihm gesagt wird, „Stehe auf
und mache Platz“. So erwähnt ALLAH im folgenden Vers aufheiternd, wie ALLAH das
Befolgen dieses Befehls belohnt:

« so erhöht Allah diejenigen von euch, die glauben, und


jene, denen das Wissen gegeben worden ist, um Rangstufen
(über den Gläubigen)»
d. h. ALLAH erhöht die Gläubigen, aufgrund ihrem Gehorsam und Befolgung gegenüber
ALLAH und dem Gesandten (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren), wobei die
Gelehrten eine höhere und angesehenere Stellung im Diesseits genießen dürfen, aber
auch eine höhere Stellung im Paradies. Dazu sagte Ibn Mas´uud: ALLAH lobte in diesem
Vers die Gelehrten. Oh ihr Menschen! Begreift diesen Vers, auf dass er euch anspornt,
nach Wissen zu streben. Denn ALLAH sagte, dass Er den wissenden, gelehrten Gläubigen
über den normalen Gläubigen um Stufen erhöht.

Dazu sagte Al-Qur´tubii: ALLAH verdeutlichte, dass man die hohe Stellung bei Ihm, nur
durch Wissen und Iman erreicht, nicht durch das Vorauseilen zu den Sitzungen. Der
Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren) sagte:
„Der Vorzug eines Gelehrten über einen Diener, (ist) so, wie der Vorzug des
Vollmondes gegenüber den restlichen Sternen “ (Von Sheich Al-Albani als hasan
eingestuft)

« Und Allah ist dessen, was ihr tut, Kundig »


d. h. Er ist wohl kundig und weiß genau Bescheid, wer von euch diesen Vorzug und
diese Belohnung verdient und wer nicht.

« 12. O die ihr den Glauben (Iman) verinnerlicht habt, wenn


ihr mit dem Gesandten vertraulich sprechen wollt, dann gebt
schon vor eurem vertraulichen Gespräch ein Almosen »
Wenn ihr vertraulich mit dem Gesandten sprechen wollt, dann spendet im Voraus eine
Spende für die Armen. Dazu sagt der Gelehrte Al-Uluusii:
Aus diesem Befehl entnehmen wir mehrere Vorteile:
1. Verherrlichung der Stufe des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und
bewahren)
2. Vorteil für die Armen
3. Die Unterscheidung zwischen Heuchler und Muchlis (Aufrichtiger)
4. Und zwischen dem der diese Dunja liebt oder das Jenseits.

« Das ist besser und reiner für euch »


d. h. die vorige Abgabe der Spende ist für euch besser bei ALLAH, denn in ihr (Abgabe)
liegt der Gehorsam gegenüber ALLAH und die Spende reinigt euch von euren Sünden.

« Wenn ihr jedoch nicht(s dafür) findet, gewiss, dann ist


Allah Allvergebend und Barmherzig »
Wenn ihr trotz Suche nichts findet, was ihr als Spende abgeben könnt, so ist ALLAH
wahrlich Gnädig mit euch und tadelt euch nicht deswegen. Den Tadel soll nur jenen von
euch treffen, der dazu in der Lage ist.
« Scheut ihr davor (oder: Fürchtet ihr), schon vor eurem
vertraulichen Gespräch Almosen zu geben? »
Dies ist eine sanfte Zurechtweisung der Gläubigen; sie werden gefragt: Fürchtet ihr etwa
Armut, wenn ihr vor dem vertraulichem Gespräch mit dem Propheten eine Spende
abgebt?!?

Das Beabsichtigte dieses Verses:


Ihr sollt ja keine Angst vor Armut haben, denn ALLAH ist es, Der euch versorgt, Er hat in
Seinen Händen die Schätze der Himmel und der Erde, Der absolut Reiche, Dessen
Versorgung nie zu Ende geht.
Als Güte von ALLAH und Erleichterung für die Gläubigen, wurde dieser Vers aufgehoben:

« Da ihr (es) nicht getan habt und Allah sich euch wieder
Reue-Annehmend zugewendet hat… »
Dies, weil dieser Befehl schwer für euch war und ALLAH euch verziehen hat, so hat Er es
euch erlaubt, mit dem Gesandten vertraulich zu sprechen, ohne davor eine Spende
abzugeben.

« …so verrichtet das Gebet und entrichtet die Abgabe (Zakat),


und gehorcht Allah und Seinem Gesandten »

so soll es euch genügen, dass ihr eure Gebete bewahrt und die vorgeschriebene
Pflichtsteuer (Zakat) entrichtet. Und gehorcht ALLAH und Seinem Gesandten in allen
Situationen, auf dass es euch wohl ergehen möge.
Aus diesem Vers entnehmen die Gelehrten, dass ALLAH zwei Sachen miteinander
verbunden hat, d. h. das eine soll ja dem Diener nichts nützen, wenn er nicht das andere
auch macht. Wer nur ALLAH gehorcht aber nicht dem Gesandten, dessen Taten sind
hinfällig, genauso wenig nützt die Spende demjenigen der sie verrichtet aber nicht betet.

«Und Allah ist wahrlich Kundig dessen, was ihr tut »


Sein Wissen hat ja bereits eure Taten und eure Absichten umfasst. Nicht das kleinste
Detail bleibt Ihm verborgen.

Nun geht die Sure über zu den Heuchlern, welche sich mit den Juden verbündeten:
« 14. Siehst du nicht jene, die sich Leute zu Schutzherren
nehmen, denen Allah zürnt? »
d. h. Oh Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und bewahren), was für ein
komisches und bizarres Verhalten dies von den Heuchlern doch ist, welche behaupten,
den Glauben (Iman) verinnerlicht zu haben. Sie behaupten dies und nehmen sich
gleichzeitig die Juden als Schutzherren und Freunde. Sie beraten zusammen mit ihnen
und teilen ihnen die Geheimnisse der Gläubigen mit. Der Gelehrte Al-Fachr sagte dazu:
Die Heuchler haben die Juden als engstehende Schutzherren genommen, obwohl diese
(die Juden) das Volk sind, welchem ALLAH zürnt. So haben die Heuchler die
Geheimnisse der Gläubigen an die Juden weitergegeben.

« Sie (also die Heuchler) gehören weder zu euch noch zu


ihnen »
Diese Heuchler gehören nicht 100% zu den Muslimen, sind aber auch keine richtigen
Juden. Sie schwirren hin und her wie ALLAH es in Sure 4/143 sagt:

„dazwischen hin und her schwankend - weder zu diesen noch zu jenen


(gehörend). Und wen Allah in die Irre gehen lässt, für den wirst du keinen Weg
finden “

« und sie schwören auf (ihre) Lügen, wobei sie (es) wissen. »

Sie schwören bei ALLAH, doch mit einer Lüge. Indem sie sagen: Bei ALLAH, wir sind
Muslime und: Bei ALLAH! Wir haben dich nicht beschimpft!
Dies wobei sie wissen, dass sie die Unwahrheit sprechen. Nicht nur dass sie logen, nein!
Sie schwören auch noch auf ihre Lüge, welche bekannt war, dass es eine Lüge war. So
schwören sie schließlich sogar bei ALLAH, Der ihre Lügen wohl kennt und das
Abscheuliche in ihren Brüsten genau sieht.

« 15. Allah hat für sie strenge Strafe bereitet »


d. h. ALLAH hat für sie eine schlimme, grausame nicht auszuhaltende Strafe vorbereitet.
Dies auf Grund ihrer Heuchelei, so sind sie in der untersten Stufe der Hölle, gemäß dem
Vers:
„Gewiss, die Heuchler werden sich auf dem untersten Grund des (Höllen)feuers
befinden, und du wirst für sie keinen Helfer finden“ (4/145)
« Gewiss, wie böse ist, was sie zu tun pflegten. »
Wie schlecht und böse was sie taten; sie versuchen ALLAH, Seinen Gesandten und die
Gläubigen zu betrügen und sie nehmen die Feinde der Gläubigen zu engstehenden
Freunden; was für eine abscheuliche Tat. Und all dies, obwohl der Gesandte ALLAH´s
unter ihnen war. So verkauften sie ihren Glauben an die Feinde ALLAH´s.

« 16. Sie haben sich ihre Eide zu einem Schutzschild


genommen… »
d. h. sie benutzten ihre Eide und Schwüre um sich dahinter zu verstecken. Hier passt das
arabische Wort „junna“ das übersetzt „Schutzschild“ heißt. Sie benutzten dieses
Schutzschild, um sich vor der Tötung zu schützen. Hier erkennen wir die Feigheit und
Hinterlistigkeit eines jeden Heuchlers; er gibt sich nach Außen als Friedenstifter und
Muslim, doch all dies widerspricht dem, was er in seinem Inneren hegt.

« …und halten so von Allahs Weg ab. Für sie wird es


schmachvolle Strafe geben »
Des Weiteren hielten sie andere davon ab, dem Islam beizutreten, indem sie Gerüchte
und Halbwahrheiten (Schubuhaat) in die Herzen derjenigen warfen, welche in ihren
Herzen Schwäche hatten. Und auch mit ihren Ränken und Plänen, die sie gegen die
Muslime schmiedeten. Für diese Leute wird es eine erniedrigende Strafe im Dies- und
Jenseits geben, so wird ALLAH sie am Jüngsten Tag vor allen bloßstellen; was für eine
Erniedrigung.

« 17. Weder ihr Besitz noch ihre Kinder werden ihnen vor
Allah etwas nützen »
Nicht das Geringste nützt ihnen, was sie angesammelt haben und was sie an
Nachkommen hatten, all dies hält die Strafe ALLAH´s nicht von ihnen zurück.

« Das sind die Insassen des (Höllen)feuers; ewig werden sie


darin bleiben »

Das sind die Bewohner des Höllenfeuers, sie werden dort auf ewig bestraft. Oh ihr
Gläubigen, schützt euch vor den Eigenschaften dieser Heuchler, auf dass ihr nicht zu den
Insassen des Feuers gehört.
« 18. Am Tag, da Allah sie alle auferweckt, da werden sie
Ihm schwören, wie sie bereits bei euch schwören »
Wenn ALLAH sie alle auferweckt und sie zur Abrechnung versammelt werden und die
Strafe sehen, welche für sie vorbereitet wurde, werden sie gewiss sagen: „Bei ALLAH wir
sind Muslime“ und „Bei ALLAH! Wir waren ja keine Beigeseller“. Sie werden, oh ihr
Gläubigen, am Tage des Gerichts vor ALLAH ihre Eide hervorbringen, wie sie schon bei
euch ihre Schwüre sprachen. Dies weil sie ihre Zungen im Diesseits an das Lügen
gewöhnten, so ist es eine ihrer festen Eigenschaften geworden zu lügen.

So kommt nun am Tage des Gerichts das heraus, was sie stets im Diesseits zu tun
pflegten. Wie sonderbar doch! Sie stehen vor ALLAH und schwören mit Seinem Namen
auf eine Lüge. Dies zeigt wie verblendet und wie weit die Heuchler vom weg abgeirrt
sind.

« und sie meinen, sie hätten eine Grundlage (oder: dass die
ihnen etwas nützt). Aber sicherlich, sie sind ja Lügner. »
Sie meinen, dass dieser Schwur den sie vor ALLAH sprechen ihnen nützt, wie der
Schwur, der sie im Diesseits vor der Tötung schützte. Dazu sagte Abu Hayaan:
Sonderbar! Dass sie davon überzeugt sind, dass ihr Kufr vor dem Kenner des
Verborgenen verborgen bleibt!

Das sind die Lügner, denn ihr Leben war darauf aufgebaut zu lügen. Oh ihr Gläubigen,
unterlasst das Lügen, seht ihr nicht das Ende der Lügner!?!

« 19. Der Satan hat sie in seine Gewalt gebracht und sie
dann Allahs Ermahnung vergessen lassen »
d. h. der Teufel hat Macht über sie, weil sie Abneigung gegenüber ALLAH und Seinem
Gesandten hatten. So konnte der Teufel sie für seine Pläne benutzen und sie weiter von
ALLAH´s Ermahnung abbringen

« Jene sind die Gruppierung des Satans. Aber sicherlich, die


Gruppierung des Satans, das sind ja die Verlierer. »
Dies sind die Helfer und Unterstützer des Teufels, welche seinem Weg folgen.
Dies sind die wahren Verlierer.

1. Weil sie sich selbst von dem ewigen Genuss und Erholung im Paradies
ausgeschlossen haben und sich selbst der ewigen Strafe und Erniedrigung frei
gegeben haben.
2. Weil sie andere auch vom Wege der Rechtleitung abbrachten.
3. Weil sie die Wahrheit wussten und geheim dagegen vorgingen.

« 20. Gewiss, diejenigen, die Allah und Seinem Gesandten


zuwiderhandeln, sie gehören zu den Niedrigsten. »

Diejenigen, welche gegen ALLAH und Seinen Gesandten vorgehen und sich hochmütig
gegenüber den Befehlen ALLAH´s und Seinem Propheten verhalten, sie sind unter den
Erniedrigten, Verachteten, welche keinen Anteil an ALLAH´s Barmherzigkeit haben
dürfen.

«21. Allah hat (fest)geschrieben (oder: bestimmt):


„Siegen werde Ich ganz gewiss (alleine), (Ich) und Meine
Gesandten." Gewiss, Allah ist Stark und Allmächtig »

d. h. ALLAH hat bestimmt und beschlossen, dass der Islam, Sein Gesandter und die
Gläubigen die Siegreichen sein werden und die Oberhand erringen werden.
ALLAH ist der absolut Starke, Der dazu fähig ist, Seinen Gesandten und den Gläubigen
zum Sieg zu verhelfen. Er bezwingt all Seine Feinde, Er jedoch ist Unbezwingbar und Er
hat die absolute Macht.
Dazu sagt Muqaatil: Als ALLAH den Gläubigen in Mekka, Taaif und Chaibar zum Sieg
verhalf, sprachen die Gläubigen: „Wir haben gewiss die Hoffnung darin, dass ALLAH uns
auch zum Sieg über Rom und Persien verhilft.“ Darauf sagte der Heuchler ibn Saluul:
„Denkt ihr etwa, dass Rom und Persien genauso sind, wie jene die ihr davor bekämpft
habt? Bei ALLAH sie haben eine größere Anzahl von Kriegern und sie sind stärker und
brutaler, als dass ihr denkt ihr könntet sie bezwingen.“ Darauf sandte ALLAH diesen Vers
herab:
„Allah hat bestimmt: „Siegen werde Ich ganz gewiss(alleine), (Ich) und Meine
Gesandten“

« 22. Du wirst nie Leute finden, die an Allah und den


Jüngsten Tag glauben und (gleichzeitig) zu jenen Zuneigung
zeigen (oder: lieben), die gegen Allah und Seinen Gesandten
vorgehen »
Oh du Zuhörer, du sollst ja wissen, dass es ja nicht sein kann, dass du eine Gruppe siehst,
welche an ALLAH und an den Jüngsten Tag glauben und zur gleichen Zeit aber
diejenigen lieben und sich als engstehende Freunde nehmen, welche ALLAH und Seinen
Gesandten hassen. Dies, weil derjenige der wirklich gläubig ist, dessen Herz ist ja mit der
Liebe ALLAH´s gefüllt. Und nie lässt sich in einem Herzen die Liebe zu ALLAH und die
Liebe zu jenen vereinen, welche ALLAH hassen und Ihm nicht gehorchen. Genau wie
sich Feuer nicht mit Wasser vereinen lässt.
So muss der Gläubige, welche ALLAH von ganzem Herzen liebt, Seine Feinde (die Un-
gläubigen) auch bekämpfen. Überleg dir einmal, lieber Leser, jemand will gegen deinen
Vater oder deine Mutter vorgehen. Wirst du diese Person lieben? So wie ist es erst mit
ALLAH, unserem Schöpfer, Der uns täglich mit Gnaden überhäuft und uns unsere Fehl-
tritte vergibt. Wer ist ungerechter als jener, der Seine Feinde als engstehende Freunde
nimmt?

Dazu sagte der Gelehrte Al-Fachr: Es ist unmöglich, dass der Iman und die Liebe zu den
Feinden ALLAH´s in einem Herzen zusammen Platz finden. Wenn man jemanden liebt,
so liebt man nicht seine Feinde. Wenn man nun in einem Herzen die Liebe zu den
Feinden ALLAH´s vorfindet, so ist in diesem Herzen kein Glaube vorhanden.

« auch wenn diese ihre Väter wären oder ihre Söhne oder
ihre Brüder oder ihre Sippenmitglieder »
d. h. auch wenn diese Feinde ihre eigenen Väter und Familienangehörigen sind. Denn
diese Angelegenheit mit dem Glauben (Iman) an ALLAH setzt voraus, dass man die
Widersacher und Feinde ALLAH´s nicht zu Schutzherren nimmt und sie nicht für ihren
Kufr und Feindseligkeit liebt.
Dazu lesen wir im Tefsir Al-bahr Almuhiit:

Hier wurden zuerst die Väter erwähnt, denn es ist ja die Pflicht der Söhne, ihnen zu
gehorchen (außer in diesem Fall, wenn sie Befehle gegen ALLAH geben). Danach wurden die
Söhne genannt, denn mit ihnen ist das Herz am stärksten verbunden. Dann kommen die
Brüder, denn mit ihnen zusammen ist man stärker und schließlich wird die Sippe
genannt, denn mit ihr erringt man den Sieg und die Oberhand über die Feinde.

So kann es sein, dass jemand eine Sippe besitzt, welche aber feindlich gegen ALLAH und
Seinen Propheten gesinnt ist, so ist es dem Gläubigen nicht gestattet, diese Sippe dafür zu
lieben und mit ihnen zusammen zu kämpfen.

Dazu sagte Ibn Kathir:


- „auch wenn diese ihre Väter wären“ ---> dies war Abu Ubaida, als er seinen
Vater in der Schlacht von Badr tötete (denn der Vater kämpfte gegen die Muslime)
- „oder ihre Söhne“ ---> Abu Bakr, als er seinen Sohn töten wollte
„Abdurrahmaan“
- „oder ihre Brüder“ ---> Mus´ab, der seinen Bruder tötete, welcher gegen den
Islam kämpfte
- „oder ihre Sippenmitglieder“ ---> Hamza, Alii und Ubaida ibn al-Jarraah,
welche Utba, Scheiba und Al-Waliid ibn Ut´ba in der Schlacht von Badr töteten.
« Jene (das sind die,)- auf dessen Herzen Er den Glauben
(fest)geschrieben hat »
ALLAH hat den Iman fest in ihren Herzen verankert, so dass sie nur auf Ihn vertrauen und
nicht jenen lieben, der gegen ALLAH vorgeht.

« und sie mit Geist von Sich gestärkt »

d. h. Er hat sie gestärkt mit dem Sieg und Seiner Hilfe. Dazu sagte Ibn Abbaas:
Er hat ihnen über die Feinde den Sieg verliehen und hat diesen Sieg als „Geist oder
Hauch“ (ruuh) bezeichnet, denn durch diesen Sieg lebt der Islam auf. (Hier wird das Wort
Geist benutzt, genauso wie ein Körper, der ohne Geist keine Kraft besitzt. So ist dieser
Sieg von ALLAH ein Geist, welcher den Islam aufleben lässt)

« Er wird sie in Gärten eingehen lassen, unterhalb derer


Flüsse strömen, ewig werden sie darin bleiben. »

Er wird sie ins Paradies eintreten lassen, in welchem groß angelegte, wunderschöne
Gärten liegen. Unter ihren Schlössern und Gärten fließen Bäche des Paradieses. All dies
wird auf Ewig sein und nicht zeitlich begrenzt, so wie der Genuss des Diesseits, noch
werden die Bäche im Paradies versickern oder austrocknen.

« Allah ist wohl zufrieden mit ihnen, und sie sind zufrieden
mit Ihm »
d. h. ALLAH hat ihre Taten angenommen und Sein Wohlgefallen ist auf ihnen. Sie haben
großartigen Lohn von Ihm erhalten, also sind auch sie zufrieden mit dem was ALLAH
ihnen im Paradies gegeben hat.

Hier wurde ALLAH´s Wohlgefallen erwähnt, nachdem die Gläubigen ins Paradies
eingetreten sind, weil dies (der Wohlgefallen ALLAH´s) die Größte aller Gnaden ist und
die Höchste aller Stufen.
Dazu sagt Ibn Kathir: In diesem Vers versteckt sich eine wunderschöne Bedeutung, und
zwar nach dem ALLAH die Gläubigen erwähnte, welche ihre Verwandten und Sippen
erzürnten, weil diese nicht an ALLAH glaubten, so hat ALLAH diesen Gläubigen etwas
besseres gegeben (ersetzt), indem Er mit ihnen zufrieden ist und sie mit dem Eintritt ins
Paradies und dem Gewinn der ewigen Glückseligkeit zufrieden machte.
« Jene sind Allahs Gruppierung. Sicherlich, Allahs
Gruppierung werden (immer) erfolgreich sein »
Die gerade erwähnten Gläubigen, das sind die Gruppe und Ausgezeichneten von
ALLAH, Seine Ihm Nahestehenden. Dies sind jene, die sowohl im Diesseits und im
Jenseits Erfolg haben werden, da sie dem folgen, was ALLAH zufrieden macht und sich
von dem fernhalten, was Seinen Zorn herbei führen könnte. Dieser Vers steht im
Gegensatz zum Vers:

„Jene sind die Gruppierung des Satans. Aber sicherlich, die Gruppierung des
Satans, das sind ja die Verlierer“

Inscha ALLAH folgt in Kürze der Tefsir zu Sure Al-Haschr