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:antifaschistische Nr.23 nachrichten

g 3336 18.11.2010 26. jahrg./issn 0945-3946 1,50 ¤

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Gespräche in Stuttgart

Stuttgart/Wien. Bei einem Treffen führender Vertreter der sog. „Republika- ner“ und der „Pro“-Bewegung ist Anfang November in Stuttgart über die weitere Zusammenarbeit gesprochen worden. In einer von „Pro NRW“-Chef Beisicht und dem „Republikaner“-Vorsitzenden Schlierer verabschiedeten „Stuttgarter Er- klärung“ wurden „gemeinsame publizisti- sche Projekte“ und zwei gemeinsame Großveranstaltungen in Stuttgart (März 2011) und Köln (7.5.2011) vereinbart. Als Ziel wird ein „gemeinsamer bundesweiter Wahlantritt in neuer Formation spätestens zur Europawahl 2014 ins Auge“ gefasst. Zur Teilnahme an dieser „Sammlungsbe- wegung der rechtsdemokratischen Kräf- te“ seien alle „verfassungskonformen Gruppierungen“ eingeladen, heißt es in der Erklärung. Zu einem Vernetzungstref-

fen hatte Ende Oktober auch die FPÖ nach Wien eingeladen. Dort diskutierten Vertreter der „Dänischen Volkspartei“, der „Lega Nord“, der „Slowenischen Natio- nalpartei“, des „Vlaams Belang“ und der „Schwedendemokraten“ über die „Zu- kunft der EU“. Auch eine mögliche neue Kooperation der verschiedenen extrem rechten Parteien in Europa war Thema der

Gespräche.

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Pro Deutschland-Kund- gebung angekündigt

Berlin. Für Sonntag, den 28. November 2010, um 11 Uhr ruft ,Bürgerbewegung pro Deutschland‘ zu einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor auf, um ge- gen die „Islamisierung Deutschlands“ zu demonstrieren. Im Aufruf der „pro“-ler heißt es, die Kundgebung solle „den Auf- takt für den Vorwahlkampf 2011“ bilden, „der mit dem Einzug der Bürgerbewe- gung pro Deutschland ins Berliner Abge- ordnetenhaus das deutsche Parteiengefü- ge verändern wird.“ – Was noch keines- wegs sicher ist nach der bisherigen Reso- nanz der Pro-Auftritte in Berlin ... Als Redner sind neben Manfred Rouhs Karl Ernst Horbol, Henry Nitzsche, Lars Seidensticker und Reinhard Haese ange-

kündigt.

u.b.

Aus dem Inhalt:

AKuBIZ Pirna lehnt Sächsischen Demokratiepreis ab

. . . . . . . . . . .

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Internat. Konferenz in Petersburg . 7

Bundesparteitag der NPD

,Freundliche Übernahme‘ wurde auf den Weg gebracht

Mit 194 Stimmen von 207 Dele- gierten machte der Parteitag der NPD am 6. November 2010 in Hohenmölsen den Weg für die wei- tere Einverleibung der DVU frei.

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Gegen die Proteste von Verwaltung und Bürgern der Kleinstadt konnte die NPD nach einer Entscheidung des OVG Magde- burg dort das Bürgerhaus nutzen und so gleichzeitig das Geschehen als Auftakt für ihren Wahlkampf für die Landtagswahl Sachsen-Anhalt im März 2011 deklarieren.

ner Mitgliedschaft und Handlungsfähig- keit für die DVU wurden aus der Welt ge- räumt. Rechtzeitig fällte das Landgericht München I am 27.10.2010 im Verfahren von Faust gegen die DVU das abschlie- ßende Urteil, der Beschluss des Bundes- schiedsgerichts der DVU über den Partei- ausschluss von Faust vom 8.6.2010 sei rechtswidrig. Faust sei weiter Mitglied und auch Vorsitzender. So konnte dieser sich stolz auf dem NPD-Parteitag präsentieren, den „Put- schisten“ in der DVU (vor allem in den Landesverbänden Niedersach- sen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, die seinen Ausschluss betrieben hatten) mit Schiedsgerichtsverfahren dro- hen. Unmittelbar vor dem NPD- Parteitag wurde er als Stellvertre- ter von Udo Voigt in den NPD- Parteivorstand aufgenommen, seine wichtigsten Unterstützer aus der DVU-Führung, Hilmar Knop und Heiner Höving, erhiel- ten Posten als Beisitzer im NPD- Vorstand. Einen Kompromiss scheint es in der Frage des Namens gegeben zu ha- ben. Bei der Mitgliederbefragung im Juli hatten die NPD-Mitglieder deutlich für die Beibehaltung ihres Parteinamens vo- tiert, die DVU-Mitglieder dagegen eben- falls mit deutlicher Mehrheit wollten ei- nen ganz neuen Namen. Nach dem Kom- promiss soll auch im neuen Logo die Do- minanz der NPD durchscheinen. Die NPD behält ihren Namen, die bisherige Bezeichnung „Die Nationalen“ wird aber durch „Die Volksunion“ ersetzt. Ein DVU-Parteitag zum formellen Fu- sionsbeschluss wird für Ende November erwartet. Danach schließt sich in beiden Parteien eine Urabstimmung an, wonach bis Ende Dezember NPD-Chef Voigt sein mit großen nationalistischen Phrasen ver- kündetes historisches Ziel erreichen will. Da es eine pauschale Übernahme der DVU-Mitglieder nicht geben soll, son- dern alle ihre Beitrittserklärung individu- ell unterschreiben sollen, ist letztendlich offen, wie viele diesen Schritt gehen wer- den. aus Newsletter DIE LINKE - BAG Rechtsextremismus/Antifaschis- mus Antifa aktuell 11/2010 ag.rex@die-linke.de

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Foto: K. Richert

Deutlich wurde wiederum, dass es we- niger um eine Fusion gleicher Partner als vielmehr um die „freundliche Übernah- me“ der maroden DVU zu den Bedingun- gen der NPD geht. Dazu gehört die Klar- stellung. dass es außer dem im Juni be- schlossenen neuen Parteiprogramm der NPD keinerlei Programm-Debatte geben wird. Bereits im Vorfeld wurde ein Datensatz mit den Adressen von 4000 DVU-Anhän- gern an die Parteizeitung der NPD „Deut- sche Stimme“ ausgeliefert, die sich jetzt drei Monate lang an diese Publikation kostenlos gewöhnen können. Die Besorgnisse vieler NPD-Mitglieder über die geplante Fusion wegen der hohen Schulden der DVU wurden noch rechtzei- tig ausgeräumt, nachdem der frühere DVU-Vorsitzende Frey auf die Rückzah- lung seiner fast eine Million Euro betra-

genden Kredite verzichtete und die DVU praktisch schuldenfrei stellte. Diese bringt zudem jetzt noch eine Erbschaft aus Pri- vathand in Höhe von fast einer halben Million Euro ein. Auch die Klagen gegen den DVU-Vor-

sitzenden Matthias Faust hinsichtlich sei-

: meldungen, aktionen

Razzia gegen „Widerstand- Radio“

Etwa 270 Beamte des Bundeskriminal- amtes (BKA) und der Polizei haben An- fang November in zehn Bundesländern 22 Wohnungen bzw. Häuser durchsucht. Beschlagnahmt wurden Computer, Fest- platten, Handys und Gegenstände, „die nach vorläufiger Bewertung dem Waffen- gesetz unterliegen“, meldete das BKA. Der Schlag richtete sich gegen das von Neonazis betriebene Internet-Radio „Wi-

derstand-Radio“. Den 23 Beschuldigten, 17 Männer und 6 Frauen im Alter von 20 bis 37 Jahren, wird vorgeworfen, sich „als Administratoren und Moderatoren sowohl durch Kommentare als auch durch das Abspielen von Musiktiteln deutscher und internationaler Skinhead- Bands mit menschenverachtenden, rassis- tischen und zum Teil nationalsozialisti- schen Inhalten strafbar gemacht zu ha-

ben.“

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„Die Freiheit“ offiziell gegründet

Berlin. Rund 50 Gründungsmitglieder haben Ende Oktober in einer konstituie- renden Versammlung in Berlin-Tiergar- ten die „Bürgerrechtspartei für mehr Frei- heit und Demokratie“, kurz „Die Frei- heit“, gegründet. Die neue Partei, die sich an der PVV des niederländischen Rechts- auslegers Geert Wilders orientiert, strebt u.a. eine direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild an und will „die Ideo- logie des politischen Islam massiv be- kämpfen“, so der frisch gewählte Bun- desvorsitzende Rene Stadtkewitz. Im Programm von „Die Freiheit“ finden sich Forderungen nach einem „sofortigen Zu- wanderungsstopp mindestens bis zur Lö- sung der Integrationsprobleme“, nach „konsequenter Beteiligung der Bürger bei Moscheenbauvorhaben“ und nach der „Einführung und Umsetzung des „Work- fare-Konzepts“, nach dem „gemeinnützi- ge Arbeiten“ künftig „Transfergelder ohne Gegenleistung“ ersetzen sollen. Zu- dem lehnt man einen „personellen Abbau bei der Polizei“ ebenso ab wie „eine EU- Diktatur aus Brüssel“ und tritt „für den Schutz des ungeborenen Lebens“ ein. Die neue Partei will zunächst bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im Herbst 2011 und später bundesweit antre- ten. Auf den Internetseiten der rassisti- schen „PI-News“ wird das Programm von „Die Freiheit“ heftig diskutiert. Vor allem die starke Hervorhebung des Chris- tentums wird kritisiert. Aaron Koenig, der von der „Piratenpartei“ zu „Die Frei- heit“ wechselte und deren Vorstand nicht angehört, hält das Programm teilweise sogar für zu „links“. Auf den Internetsei- ten der rechtsliberalen Zeitschrift „eigen-

tümlich frei“ wird die neue Formation schon als „Rohrkrepierer-Partei“ be- zeichnet. Ausgestiegen aus dem neuen Parteiprojekt ist auch gleich wieder die Berliner Rap-Musikerin „Dee Ex“. Die zu Beginn des Jahres von der „Jungen Freiheit“ interviewte Musikerin sollte ei- gentlich den Jugendverband von „Die Freiheit“ mit aufbauen. Nach einem „klä- renden Gespräch“ stellte sich jedoch he- raus, dass man in Bezug auf Israel unter- schiedliche Positionen vertritt. hma

150 Neonazis bei Rieger- Gedenkmarsch

Wunsiedel, 30.10.2010. Etwa 850 im vergangenen Jahr, rund 350 wurden aktu- ell erwartet, letztendlich haben aber nur etwa 150 Neonazis am Rieger-„Gedenk- marsch“ in Wunsiedel teilgenommen. Nach Polizeiangaben demonstrierten etwa 500 Menschen gegen den braunen Aufmarsch. Die oberfränkische Polizei zeigte sich mit dem Gesamtverlauf des Veranstaltungsgeschehens zufrieden. „Unser polizeiliches Konzept des lagean- gepassten Einsatzes von Kräften hat sich bewährt“, so Polizeivizepräsident Wolf- gang Sommer. Die Polizei dankte den Bürgern von Wunsiedel für das den ein- gesetzten Beamten entgegengebrachte Verständnis. Für ihr „Gedenken“ unter dem Motto „Für Einigkeit und Recht und Freiheit“ hatten die Neonazis in Wunsie- del bis zu zehn Stunden Zeit. Angemeldet wurde der „Gedenkmarsch“ von Uwe Meensen aus dem NPD-Parteivorstand. Als Redner waren Eckart Bräuniger und Wolfram Nahrath angekündigt, auch der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt sollte kommen, genau wie Riegers „Ziehsohn“

Thomas „Steiner“ Wulff. Er hatte sich nach Riegers Tod zu des- sen Nachfolger bei der „Wilhelm Tietjen Stiftung für Fertilisation Ltd.“ gemacht. Damit ist er zum Rechtsnachfolger für die von der Firma verwalteten Gebäude im niedersächsischen Dörverden und in Pößneck in Thüringen aufgestiegen. Wulff bestätigte gegenüber dem Ham- burg Journal noch einmal seine Ambitio- nen, den NPD-Landesverband in Ham- burg zu übernehmen.

reits im Vorfeld stieß das Vorhaben auf breiten Protest und völliges Unverständ- nis. „Dass diese Veranstaltung überhaupt genehmigt wurde, ist für uns nicht nach vollziehbar“, so Tessa Kujier, Pressespre- cherin der Antifa Essen Z. Den Neonazis stellte sich ein breites Bündnis von AntifaschistInnen, Gewerk- schafterInnen und Anwohnerinnen entge- gen, die entschlossen und lautstark ihren Unmut zum Ausdruck brachten. An den Protesten beteiligten sich mehrere Hun- dert Menschen. Im Verlauf der Protestak- tionen wurden vereinzelt Gegenstände auf die Teilnehmer der rechten Kundge- bung geworfen. Es kam zu mindestens ei- ner Festnahme auf Seiten der Nazi-Geg- nerlnnen. Zudem wurde eine größere Gruppe junger AntifaschistInnen bereits bei ihrer Ankunft in Borbeck durch die Polizei am Verlassen des Bahnhofs ge- hindert. Nach Beendigung der NPD- Kundgebung mussten die TeilnehmerIn- nen unter dem lautstarken Protest der Ge- gendemonstrantinnen von der Polizei zu einem Sonderbus eskortiert werden. Insgesamt fällt das Fazit des gestrigen Tages verhalten aus. „Trotz der beachtli- chen Anzahl der GegendemonstrantInnen ist es ein Skandal, dass diese Veranstal- tung am Jahrestag der Pogromnacht über- haupt stattfinden konnte. Zudem erstaunt das breite Interesse seitens Politik und Medien an diesen Vorgängen doch sehr, wenn man bedenkt, dass im vergangenen Jahr bereits eine vergleichbare Kundge- bung der NPD in Borbeck stattfand, von der die Öffentlichkeit in keiner Weise No- tiz nahm. Trotz mehrerer Hinweise wür- digte die lokale Presse diese Vorgänge damals mit keiner Zeile“, so Tessa Kuijer. Antifa Essen Z

Öffentliches Gedenken der Pogromnacht

Kassel. Am 7. November 2010 erinner- ten auf Einladung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) und des Kasseler Friedensforums gut vierzig Menschen in einem Mahngang zur Pogromnacht an die Zerstörung der Kasseler Synagoge vor 72 Jahren und die Verfolgung jüdischer Bürger. Zum Auf- takt ordnete Ulrich Schneider (VVN- BdA) die Kasseler Vorgänge in den histo-

  • http://npd-blog.info/2010/10/30/nur-150- rischen Rahmen ein und unterstrich: „Un- ser historischer Mahngang ist nicht nur ein geschichtlicher Rückblick, sondern ein konkreter Beitrag gegen antisemiti- sche und rassistische Tendenzen in unse- rer Gesellschaft heute.“ An verschiedenen Orten in der Kasse- ler Innenstadt wurden anschließend die Stufen der gesellschaftlichen Ausgren- zung, der Entrechtung bis zur Vorberei- tung der Vernichtung jüdischer Mitbürger nachgezeichnet. All dies habe sich „vor den Augen dieser Stadt“ abgespielt, be- tonte Ulrich Schneider zum Abschluss.

neonazis-bei-rieger-gedenkmarsch/

Lautstarker Protest gegen NPD in Borbeck

Essen. Für den 9.11.2010, dem 72. Jah- restag der Reichspogromnacht, hatte die NPD-Essen eine Kundgebung angemel- det, an der rund 40 Personen teilnahmen. An diesem geschichtsträchtigen Datum wollten die Anhänger der extrem rechten Partei vorgeblich der Opfer der inner- deutschen Grenze gedenken. Doch be-

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www.arbeiterfotografie.com

Köln. Auch in diesem Jahr wurde am 10. November an die Hinrichtung von Zwangsarbeitern und Edelweißpiraten in Köln-Ehrenfeld kurz vor Kriegsende erinnert. Die ehemaligen Edelweißpi- raten Jean Jülich, Fritz Theilen und Wolfgang Schwarz nahmen an dem Gedenken vor der neu gestalteten Ge- denkstätte teil. Zuvor hatten ca. 100 Menschen an einer Demonstration von der ehemaligen Synagoge in der Kör- nerstraße, die die Nazis am 9. Novem- ber 38 in Brand setzten, zur damaligen Hinrichtungsstätte am Ehrenfelder Bahnhof teilgenommen.

„Nur wenige hatten damals den Mut, sich dieser faschistischen Politik zu widerset-

Auch an sie zu erinnern, ist im Rahmen unseres politischen Gedenkens wichtig.“

zen. ...

VVN-BdA Kassel, Dr. Ulrich Schnei- der Sprecher der Kreisvereinigung

Deutsche Neonazis beim Ulrichsbergtreffen

Auf der Homepage der neonazistischen Zeitschrift ,Deutsche Stimme‘ (DS) wur- de Anfang November ein Bericht über das diesjährige (50.) „Heimkehrertreffen“ der Ulrichsberggemeinschaft am 18./19.

September veröffentlicht. Laut diesem Bericht hätten sich auch 2010 zahlreiche „Kameraden aus Mittel- und Nord- deutschland auf den Weg ins wunder- schöne Kärnten, ins Grenzgebiet der ,Ostmark‘ und Sloweniens“ gemacht, um der „alte[n] Waffenbrüderschaft der Deutschen und der vielen Freiwilligen aus zahllosen Nationen Europas“ zu ge- denken. Die Reden seien „streng auf die momentan in Kraft befindliche Gesetzge- bung in Österreich zugeschnitten“ gewe- sen, daher haben sie die Neonazis nur we- nig begeistert. Dennoch stellen sie ab- schließend fest, dass eine derartige „Ge- denkfeier im ,Altreich‘ wohl nicht mög- lich wäre“. Neues von ganz rechts - November 2010, www.doew.at

vorgeben, dass die Initiativen für die Er- haltung des Hotels Silber zwar eingebun- den werden, aber die Baupläne der Inves- toren am Karlsplatz (Land und Firma Breuninger) durchgesetzt werden. Die Investoren sind – ein Novum – im Beirat vertreten. Der OB lobte den Grü- nen-Antrag, dass nach dem Abriss des Hotels Silber ein kleiner Teil der Fassade, um einige Meter versetzt, wieder aufge- baut wird. Erneut behauptete der OB, von der historischen Substanz des Gebäudes sei nichts mehr da und das versetzte Mau- erstück werde eine Gedenkstätte gut vom Kommerz der Umgebung abgrenzen. Das fand Widerspruch, und es wurde auch nicht so beschlossen. Vielmehr gab es eine sehr interessante Diskussion über die Vermittlung des Nationalsozialismus und

  • SPD-Unvereinbarkeitsbe- was dabei die Funktion des Hotels Silber sein soll. Die meiste Zustimmung fand, dass es vor allem um die Weitergabe des Wissens an die nachfolgenden Generatio- nen geht, und zwar in einer aktivierenden Form. Statt der Opfer des Nationalsozia- lismus sollen die Täter im Zentrum ste- hen. Für die Gedenkstätte soll ein Kon- zept entwickelt werden, das von der Funktion dieses Hauses im Dritten Reich und seiner Nachkriegsgeschichte aus- geht. Die Beratung endete mit der Verab- redung, dass die Kulturverwaltung ein Protokoll erstellt, das von den Beteiligten ergänzt werden kann. Damit werden die verschiedenen Positionen festgehalten. In der nächsten Sitzung soll das Architektur- büro Behnisch sein Konzept vorstellen. Später sollen pädagogische Vermittlungs- konzepte dargestellt werden. Dem erneutem Versuch des OB, schnell ein Einvernehmen über den Grü- nen-Antrag herzustellen und eine Aus- schreibung für ein Gedenkstätten-Kon- zept in Auftrag zu geben, wurde erneut widersprochen. Damit ist dieses Ziel aber nicht vom Tisch. Die Diskussion über das Konzept bietet aber (noch?) die Möglich- keit, die Bedeutung des Hotels Silber für eine Gedenk-, Lern- und Forschungsstät- te herauszuarbeiten. Ulrike Küstler

schluss mit der VVN auf- gehoben!

Berlin. Manchmal dauert es etwas län- ger: Der Parteivorstand der SPD hat den Unvereinbarkeitsbeschluss mit der VVN von 1948 am 25.10.2010 aufgehoben, also nach 62 Jahren! In dem Beschluss von 1948 hieß es: „Die Sozialdemokrati- sche Partei stellt fest, dass die Mitglied- schaft in der VVN unvereinbar ist mit der Mitgliedschaft in der SPD. Hieraus ergibt sich für die SPD als politische Organisa- tion die Verpflichtung, im Rahmen der Möglichkeiten und der in Vorbereitung befindlichen Gesetze einer Wiedergutma- chung gegenüber Antinationalsozialisten das Wort zu reden, die den berechtigten Ansprüchen und der Verpflichtung des Volkes gegenüber den Vorkämpfern der Freiheit in weitestem Maße gerecht wird.“ Vorstöße und Anträge gegen den Uralt- Beschluss wurden regelmäßig mit dem bescheid, der Beschluss würde nicht mehr angewendet, zurückgewiesen. Nun hat der SPD-Parteivortand am 25.10. 2010 entschieden: „Der Beschluss wird gem. § 6 Absatz 2 Satz 3 Organisations- statut aufgehoben.“ Die genaueren Umstände dieses Sin- neswandels sind bislang nicht bekannt. Die VVN-BdA freut sich aber, dass jahr- zehntelange Bemühungen ihrerseits ein glückliches Ende gefunden haben und hofft, dass der/die eine oder andere Sozi- aldemokrat/in sich einen Ruck gibt und nun Mitglied in der VVN-BdA wird.

nach „antifa, Magazin der VVN-BdA Nov./Dez. 2010

Erhalt des „Hotel Silber“ ist immer noch möglich

Stuttgart. Am 8. November tagte erst- mals der Beirat „Vermittlung der Ge- schichte des Nationalsozialismus in Stutt- gart“. Diesen hatte OB Schuster bei der Anhörung zum Hotel Silber versprochen. Schon der Name sollte als Arbeitsziel

Verkehrte Welt

In Spanien muss der international be- kannte Untersuchungsrichter Baltasar Garzon wegen seiner Ermittlungen zu den Verbrechen der Franco-Diktatur auf die Anklagebank. Das entschied der oberste spanische Gerichtshof in Madrid. Die Justiz legt Garzon zur Last. mit sei- nen Ermittlungen über das Schicksal von mehr als 100.000 Franco-Gegnern, die gegen Ende des Bürgerkrieges und in den Anfangsjahren der Diktatur ermordet worden waren, seine Kompetenzen über- schritten und gegen das Amnestiegesetz von 1977 verstoßen zu haben.

Newsletter DIE LINKE BAG Rechtsextremismus/Antifaschismus Antifa aktuell 10/10

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Aachen/Stolberg. Erneut wol- len Neonazis von der NPD, den sogenannten „freien Kamerad- schaften“ u.a. im April 2011 Stolberg mit Großaufmärschen von mehreren Hundert Beteiligten belästigen. Doch bereits jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtou- ren, die Naziaufmärsche wirkungsvoll zu blockieren. Anlass für die Zu- sammenrottungen der Nazis, die leicht er- kennbar der Stärkung der eigenen Organisati- onszusammenhänge dienen, ist die Tötung eines jungen Mannes in Stolberg im April 2008. Obwohl inzwi- schen erwiesen ist, dass die Tötung auf eine Auseinanderset- zung von Jugendgrup- pen zurückzuführen ist, verbreiten die Na- zis die Deutung, der deutsche Junge sei Opfer „antideutschen Rassismus“ gewor- den und vereinnahmen den jungen Mann für einen kruden deutschen Opfermythos. Die Aufmärsche der Neonazis sind zu einer unmittelbaren Bedrohung aller Mi- grantinnen und Migranten geworden. Mit Parolen wie „Wir kriegen Euch alle!“ und „Kein Vergeben, kein Vergessen, Türken haben Namen und Adressen“ versuchen sie, die Bevölkerung im Stolberger Stadt- teil Mühle einzuschüchtern. Obwohl die permamente Gewaltbereit- schaft des Faschismus sowohl historisch als auch aktuell erwiesen ist, erhielten sie für ihre martialischen Drohgebärden grü- nes Licht der zuständigen staatlichen In- stitutionen und durften seit 2008 jährlich je 2mal im April durch Stolberg mar- schieren. Ein Stolberger Bündnis, unterstützt vom Bürgermeister, organisierte Bürger- feste, Infostände und viele weitere Aktio- nen, auf denen tausende Stolberger Bür- gerinnen und Bürger ihren Protest gegen die Neonazimärsche zum Ausdruck brachten.

Aachen/Stolberg. Erneut wol- len Neonazis von der NPD, den sogenannten „freien Kamerad- schaften“ u.a. im April

2011 – Blockaden gegen Nazis

Diese Aktionen werden im April 2011 er- gänzt durch Aktionen zivilen Ungehor- sams. Ermuntert durch erfolgreiche Blo- ckaden von Naziaufmärschen in Köln, Dresden und anderen Orten haben sich Menschen aus der Städteregion Aachen auf der 2. Regionalkonferenz „Aktiv ge- gen Rechts“ zusammengefunden und zu- sätzliche Aktionen zur Blockierung der jährlichen Naziaufmärsche in Stolberg verabredet. Die InitiatorInnen sehen diese Form des aktiven Handelns als Ergänzung zu den gewachsenen Aktivitäten des Stol- berger Bündnisses. Sowohl in der Innen- stadt als auch auf der vorgesehenen

Nazi-Aufmärsche gemeinsam blockieren!

Marschroute darf kein Platz für Nazis sein. In diesem Sinne werden die unter- schiedlichen Formen des Widerstandes als wichtige und gemeinsame Beiträge zur Verhinderung von Nazi- aufmärschen in Stolberg be- trachtet. Inzwischen sind die Vorbe- reitungen einer Blockade weit gediehen. Die eigens für die- sen Zweck eingerichtete We- bite http://blockieren.mobi stellt Informationen und Ma- terialien zur Verfügung. Be- achtlich ist die Liste der Un- terstützerInnen, sowohl Ein- zelpersonen als auch Gruppen aus nahezu allen gesellschaft- lichen Bereichen. Neben der mitinitierenden Aachener Kreisvereinigung der VVN-BdA hat in- zwischen auch die Landesvereinigung NRW die Unterstützung von Aufruf und Blockaden zugesagt. Die überproportio-

nale Beteiligung christlicher Menschen dürfen Gewerkschafterinnen und Ge- werkschafter gerne als Herausforderung ansehen. Über http://blockieren.mobi bzw. über die Adresse info@blockie- ren.mobi kann sich jede Einzelperson bzw. Gruppe als UnterstützerIn melden.

Stolberg 2011 – Sie werden nicht durchkommen! Unterstützt den Aufruf! Kommt im April 2011 nach Stolberg!

Wir werden mit allen gemeinsam, die den Nazis und ihrer Ideologie keinen Raum geben wollen, den Naziaufmarsch in Stolberg blockieren.

Spendenkonto eingerichtet

Zur finanziellen Absicherung der Mobili- sierung haben die Initiatoren aufgerufen, Spenden zu überweisen auf das Konto der VVN-BdA Aachen: Postbank, BLZ 500 100 60, Konto-Nr. 159 62-605, Stichwort

„Stolberg2011“

VVN-BdA Aachen

Aachen/Stolberg. Erneut wol- len Neonazis von der NPD, den sogenannten „freien Kamerad- schaften“ u.a. im April

Erinnerung an die letzten Opfer des Holocausts in Dortmund

Dortmund. Am 9. November erinnerte die VVN-BdA Dort- mund an die Verbrechen der Stahlindustrie von 1945. An der Phoenix-See-Baustelle in Dort- mund Hörde, an der Hermann- straße in Hörde wurde ein Schild angebracht. Ulrich Sander, Bun- dessprecher der VVN-BdA, sprach dazu: „Zum Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938 erinnern wir, die Dortmunder VVN-BdA, daran, wie die Ver- folgung und Ermordung von Millionen von Jüdinnen und Juden einen ersten Höhepunkt erreichte. Es soll nun auch daran erinnert werden, wie alles en- dete. Wir erinnern besonders an Julie Ris- se und Klara Adolf, die zu den letzten Opfern des Holocaust gehörten. Die bei- den Jüdinnen waren im April 1945 von Nachbarinnen verraten und aus Essen in das Auffanglager des Dortmund Hörder Hüttenvereins gebracht worden, von wo sie zur Erschießung abtransportiert wur- den. Gegenüber der Hermannstr. 174 wurde mit dem Bau des Phoenix-Sees bekannt- lich eine der letzten authentischen Stätten von Widerstand und Verfolgung in Dort- mund beseitigt. Im Asphaltierwerk, das ein Panzerwerk war, wurde sogar ein ille- galer Streik durchgeführt, Unter der nun abgerissenen Halle (Vergüterei) befand sich eines der grausamsten Arbeitserzie-

hungslager, gemeinsam betrieben von Gestapo und Stahlindustriellen wie Al- bert Vögler. Von dort wurden bis kurz vor dem Einmarsch der US-Truppen Gefan- gene zum Erschießen an der Bahn bei der Straße „Am Ölpfad“ und in der Bitter- mark abtransportiert. Über die Wieder- entdeckung des Gestapokellers durch Gisa Marschewski und Ulrich Sander hatten die Medien 2001 berichtet. Dort, wo die Gefangenen abtransportiert wur- den und heute nur noch die Andeutung ei- ner Einfahrt (Kantstein) zu sehen ist, soll eine Tafel aufgestellt werden, so wurde uns von den Planern und dem Stadtarchiv versichert. Wir kommen heute mit Blumen und ei- ner provisorischen Gedenktafel. Der Ge- denkort an ermordete Zwangsarbeiter darf nicht im Phönix-See versinken.“ VVN-BdA Dortmund

  • 4 :antifaschistische nachrichten 23-2010

Als Nominierte für den Sächsi- schen Demokratiepreis sollten wir, das AKuBIZ Pirna e.V., eine „antiextremistische“ Grundsatzerklärung (siehe Kasten) unterschreiben, deren In- halt zweifelhaft und kritikwürdig ist. So wurden wir beispielsweise aufgefordert alle unsere Partner_innen auf „Extremis- mus“ zu prüfen. Dafür schlagen die Ver- fasser_innen u.a. Nachfragen bei den Ver- fassungsschutzämtern vor. Dazu erklärt Steffen Richter, Vereins- vorsitzender: „Die Aufforderung an uns, unsere Kooperationspartner_innen auszu- leuchten, erinnert eher an Methoden der Stasi und nicht an die Grundlagen einer Demokratie. Selbstverständlich wählen wir seit Jahren unsere Partner_innen da- nach aus, ob sie demokratische Werte tei- len, sich gegen Diskriminierung und für gesellschaftliche Teilhabe einsetzen.“ Uns entsetzt, dass die Initiator_innen des Sächsischen Demokratiepreises sämtliche nominierte Initiativen einem Generalverdacht aussetzen. Damit neh- men sie die Ankündigung des Bundesfa- milienministeriums vorweg im nächsten Jahr die Fördermaßnahmen an die Unter- zeichnung der sog. Extremismusklausel zu binden. Steffen Richter dazu weiter: „Bundes- familienministerin Schröder hat mit ihrer Aussage „Wer damit schon ein Problem hat, der demaskiert sich selbst.“ bereits jetzt deutlich gemacht, was sie von den demokratiefördernden Initiativen hält. Im Gegensatz zu Frau Schröders Annahme haben wir aber gar keine Maske auf, son- dern setzen uns – unter Gefährdung unse- rer Gesundheit und unseres Eigentums – tagtäglich mit unseren Gesichtern und Namen gerne für Demokratie ein.“ Aufgrund der rechtlichen Bedenklich-

Als Nominierte für den Sächsi- schen Demokratiepreis sollten wir, das AKuBIZ Pirna e.V., eine „antiextremistische“ Grundsatzerklärung

Die vorgelegte „Extremismus- klausel“:

Hiermit bestätigen wir, dass wir uns zu der freiheitlichen demokratischen Grundord- nung der Bundesrepublik Deutschland be- kennen und eine den Zielen des Grundge- setzes förderliche Arbeit gewährleisten. Als Nominierte bzw. Preisträger des Säch- sischen Förderpreises für Demokratie ha- ben wir zudem im Rahmen unserer Mög- lichkeiten (Literatur, Kontakte zu anderen Vereinen/Trägern sowie Behörden, Refe- renzen, die jährlichen Verfassungsschutz- berichte des Bundes und der Länder etc.) und auf eigene Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass die als Partner ausgewähl- ten Organisationen, Referenten etc. sich ebenfalls den Zielen des Grundgesetzes verpflichten. Uns ist bewusst, dass keinesfalls der An- schein erweckt werden darf, dass eine Un- terstützung extremistischer Strukturen durch die Gewährung materieller oder immate- rieller Leistungen Vorschub geleistet wird.

Annahme verweigert –

Das AKuBIZ Pirna e.V. lehnt Sächsischen Demokratiepreis ab

keit dieser freiheitseinschränkenden und staatliche Hoheitsaufgaben delegieren- den Formel, läuft derzeit eine juristische Prüfung zur Zulässigkeit solcher Erklä- rungen. Wir stehen für Menschenrechte, Chan-

cengleichheit und Antirassismus. Für die- se Ziele werden wir uns auch in Zukunft gemeinsam mit allen, die unsere Grund- sätze teilen, einsetzen. Dazu werden wir uns weiter engagieren gegen Neonazis und Alltagsrassismus sowie staatliche Diskriminierung nicht unbenannt lassen.

AKuBiZ e.V. (Alternatives Kultur- und Bildungszentrum e.V.), Pirna

akubiz@gmx.de Im Folgenden die bei der Preisverleihung

verteilte Erklärung. Über die Arbeit des AKuBIZ können sie sich auf www. akubiz.de informieren.

„Jene, die Freiheit aufgeben, um eine vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicher- heit.“ (Benjamin Franklin, 1706-1790)

Demokratiearbeit bedeutet, frei zu sein von gegenseitiger Bespitzelung

Die Erklärung fordert, dass wir als Nomi- nierte unsere Partner_innen auf „Extre- mismus“ prüfen. Dafür schlagen die Ver- fasser_innen u.a. Nachfragen bei den Ver- fassungsschutzämtern vor. Die Aufforde- rung an eine nichtstaatliche Initiative, ihre Partner_innen auszuspähen, erinnert eher an Methoden der Stasi und nicht an

ein demokratisches System. So verwun- dert es, dass 20 Jahre nach der Wieder- vereinigung aktiv, zur gegenseitigen Be- spitzelung aufgefordert wird. Die Frei- heit, mit seinem/r Nachbar_in, Freun- d_innen und anderen politisch Aktiven ohne Vorbehalte sprechen zu können, ist eine der Grundsäulen einer stabilen De- mokratie. Wer bereit ist, solche Werte in Frage zu stellen, stellt die Demokratie an sich in Frage. Feinde der Demokratie sind nicht diejenigen, die aktiv für ihre Erhaltung streiten, sondern diejenigen, die sie durch immer weitere Einschrän- kungen faktisch abschaffen. Die Erklärung verlangt von uns, dass

wir „

im Rahmen unserer Möglichkei-

... ten (Literatur, Kontakte zu anderen Verei- nen/Trägern sowie Behörden, Referen- zen, die jährlichen Verfassungsschutzbe- richte des Bundes und der Länder etc.) und auf eigene Verantwortung dafür Sor- ge (zu) tragen (haben), dass die als Part- ner ausgewählten Organisationen, Refe- renten etc. sich ebenfalls den Zielen des Grundgesetzes verpflichten.“ Praktisch bedeutet dies, dass wir gezwungen wer- den zu all unseren Partner_innen – von internationalen Partner_innen in der Zeit-

zeug_innenarbeit, über Kirchengemein- den sowie im Bundes- und Landtag ver- tretenen Parteien bis hin zu Flüchtlingen und anderen Vereinen – Anfragen bei den genannten Institutionen zu stellen. Eine solche Regelanfrage würde zur perma- nenten gegenseitigen Überprüfung füh- ren und somit die Vertrauensgrundlage für unsere bisher erfolgreiche Demokra- tiearbeit in Frage stellen. Aus dem Selbstverständnis und den Zielen unseres Vereins ergibt sich zwangsläufig, dass wir ausschließlich mit Kooperationspartner_innen zusammenar- beiten, die sich den Menschenrechten und humanistischen Grundsätzen ver- pflichtet fühlen. Wir glauben dies auch besser einschätzen zu können, als der Verfassungsschutz, dem Gerichte wieder- holt attestierten, fehleinzuschätzen. Ein Beispiel hierfür ist die antifaschis- tische Zeitschrift „LOTTA“ aus Nord- rhein-Westfahlen. Dem Verfassungs- schutz wurde vom Verwaltungsgericht Düsseldorf untersagt, die Zeitschrift in seinem Jahresbericht aufzuführen. So stellte das Gericht fest, dass „[der Verfas- sungsschutz] selbst nicht davon ausgeht,

dass im Falle [der LOTTA] (

) oder auch

.. nur bei einzelnen Autoren von Beiträgen in der ,LOTTA‘ verfassungsfeindliche Bestrebungen nachgewiesen sind.“ Trotz allem hatte der Verfassungsschutz die Zeitschrift rechtswidrig in seinen Bericht aufgenommen. Ähnlich ergeht es auch der renommier- ten „Vereinigung der Verfolgten des Na- ziregimes/Bund der Antifaschisten“, die im Verfassungsschutzbericht verschiede- ner Bundesländer genannt wird. Darin wurde den Opfern des Nationalsozialis- mus und ihren Nachfahren, die seit dem Ende des Nationalsozialismus wachsam gegen neonazistische und demokratie- feindliche Bestrebungen mahnen, ein un- haltbarer und beschämender Vorwurf ge- macht. Staatliche Aufgaben – wie den Schutz der Verfassung – überhaupt an nichtstaat- liche Organisationen abgeben zu wollen, ist darüber hinaus juristisch bedenklich. Die sogenannte Extremismusklausel ist daher derzeit Gegenstand eines Rechts- gutachtens zu ihrer Verfassungsmäßigkeit.

Demokratiearbeit bedeutet, keinem Generalverdacht ausgesetzt zu sein

Das deutsche Bundesamt für Verfas- sungsschutz definiert Extremismus als „fundamentale Ablehnung des demokra- tischen Verfassungstaats“. Das nun genau diejenigen, die tagein, tagaus im flachen Land für Demokratie und Menschenrech- te streiten, die ersten sind, die unter einen Generalverdacht gestellt werden, ver-

:antifaschistische nachrichten 23-2010

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wundert sehr. Weit weg von Sicherheits- bestimmungen, die Bundes- und Landes- politiker_innen zuteil werden, setzen die- se Initiativen sich mutig und vor Ort für den Schutz und die Etablierung demokra- tischer Normen und Werte ein. So verüb- ten in diesem Jahr Neonazis einen Brand- anschlag auf das Auto eines AKUBIZ Mitglieds. Zum Dank dafür, werden wir als nicht- staatliche Akteure nun unter einen Gene- ralverdacht gestellt. Wer soll da als nächs- tes folgen? Sämtliche Freiwillige Feuer- wehren, Sport- und Schulvereine, alle in der Jugendhilfe Aktiven? Wird uns allen in Zukunft – wenn im nächsten Jahr wie an- gedacht die sog. Extremismusklausel Be- standteil von Fördermaßnahmen wird – eine Demokratiefeindlichkeit unterstellt. Bundesfamilienministerin Schröder hat mit ihrer Aussage „Wer damit schon ein Problem hat, der demaskiert sich selbst.“ bereits jetzt klar gemacht, was sie von uns allen hält. Im Gegensatz zu Frau Schröders Annahme haben wir aber gar keine Maske auf, sondern setzen uns – unter Gefährdung unserer Gesundheit und unseres Eigentums – tagtäglich mit unseren Gesichtern und Namen gerne für Demokratie ein.

Demokratiearbeit bedeutet aktives Streiten für Menschenrechte

Mit der Erklärung sollen sich die nomi- nierten Initiativen zur freiheitlich demo- kratischen Grundordung bekennen. Die fdGO fasst die unabänderlichen Grund-

prinzipien der Bundesrepublik Deutsch- land zusammen. Dabei bezieht sie sich le- diglich in einem Punkt auf die im Grund- gesetz konkretisierten Menschenrechte, während alle sechs weiteren Punkte der Legaldefinition im Sinne des § 4 des Bun- desverfassungsschutzgesetzes (BVerf SchG) den Staat und seine Form fest- schreiben. Letztere können dabei durch- aus den Menschenrechten entgegenste- hen. So stellt beispielsweise die Bindung der Exekutive an Gesetz und Recht in Fra- ge, wer sich gegen Asylgesetzgebung und Abschiebung engagiert. Ebenso verpflich- tet sich nicht vorbehaltlos den Zielen des Grundgesetzes, wer die faktische Ab- schaffung des Grundrechts auf Asyl (Art. 16a GG) kritisiert. Uns stellt sich deshalb die Frage, wa- rum die nominierten Initiativen nicht un- terschreiben sollten, dass sie sich den uni- versellen Menschenrechten verpflichtet fühlen und dass sie humanistische Grund- sätze teilen. Da dem nicht so ist, muss an- genommen werden, dass dies den Initia- tor_innen des Sächsischen Demokratie- preises nicht wichtig ist. Die Zustände in den Heimen für Asylsuchende untermau- ern diese Vermutung. Im Schreiben heißt es, dass wir als Nominierte nicht den An- schein erwecken dürfen „extremistische Strukturen“ zu unterstützen. Aber ab wann erwecken wir den Anschein? Die jahrelange Unterstützung der Ge- genaktivitäten zu Europas größtem Nazi- aufmarsch in Dresden erfüllt nach Ansicht

der Behörden mit hoher Wahrscheinlich- keit diesen Punkt. Uns aber ist es ein An- liegen, dass Nazis nicht ungestört durch die Straßen laufen können, um ihre men- schenverachtenden, mörderischen Ideolo- gien zu verbreiten. Wer ist überhaupt mit „extremistische Strukturen“ gemeint. Zum „Linksextre- mismus“ gibt es verschiedene Definitio- nen, tatsächlich wissenschaftlich fundier- te Analysen sind nicht existent. Nach der Definition von Bundesregierung und den Verfassungsschutzbehörden werden mit dem Begriff Bestrebungen von Personen- zusammenhängen bezeichnet, die an Stel- le der bestehenden Staats- und Gesell- schaftsordnung eine sozialistische bzw. kommunistische Gesellschaft oder eine herrschaftsfreie, anarchistische Gesell- schaft etablieren wollen. Danach wäre uns selbst eine Zusam- menarbeit mit der SPD oder der LINKEN untersagt, denn beide streben in ihrem Programm einen demokratischen Sozia- lismus an. Warum auch nicht? Weder Grundgesetz noch fdGO schreiben eine Wirtschaftsordnung vor, Verstaatlichung ist nach dem Grundgesetz explizit zuläs- sig (Art. 15 GG). Wir wählen unsere Partner_innen nicht nach fragwürdigen Zuschreibungen als „extremistisch“. Wir stehen für Menschen- rechte, Chancengleichheit und Antirassis- mus. Für diese Ziele werden wir uns auch in Zukunft gemeinsam mit allen, die unse- re Grundsätze teilen, einsetzen.

Mit den Fortuna-Fans nach Westerbork

Düsseldorf. Im Rahmen der diesjährigen FARE (football against racism in Europe)-Akti- onswoche, schon der zehnten in Düssel- dorf, haben die antifaschistischen Fortu- na-Fans zusammen mit Puls, einer Orga- nisation von jungen Düsseldorfer Lesben und Schwulen am 17. Oktober eine Ta- gesexkursion zur Gedenkstätte Wester- bork/NL (ehemaliges Lagergelände und Museum) veranstaltet. Dazu war auch die VVN-BdA eingeladen und konnte für die 30 mitreisenden jungen Leute während der langen Busfahrt eine kleine Einfüh- rung über die politische Lage in den von Nazideutschland besetzten Niederlanden geben. Das „Polizeiliche Judendurch- gangslager Westerbork“ war ein von den nationalsozialistischen Besatzern in den Niederlanden errichtetes zentrales Durch- gangslager, wo nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 10. Mai 1940 zuerst in die Niederlande geflohene jüdi- sche Deutsche und Österreicher inhaftiert wurden; ab dem 1. Juli 1942 wurde das „Zentrale Flüchtlingslager Westerbork“ zum „Judendurchgangslager“, von wo aus im Juni die Deportationen in die Vernich- tungslager anliefen. Neben den jüdischen

wundert sehr. Weit weg von Sicherheits- bestimmungen, die Bundes- und Landes- politiker_innen zuteil werden, setzen die-
  • 6 :antifaschistische nachrichten 23-2010

Insassen wurden auch Sinti und Roma und Widerstandskämpfer hier festgehal- ten. 101.000 Menschen wurden Richtung Auschwitz-Birkenau und Sobibór, Ber- gen-Belsen und Theresienstadt deportiert. Auch der Düsseldorfer Werner Stertzen- bach, der in die Niederlande geflohen war, war hier zwischen dem 7. August und dem 3. September 1944 interniert (wie auch Anne Frank). An diesem Tag fuhr hier der letzte Zug Richtung Osten ab. Seit 1983 befindet sich ein Erinnerungs- zentrum in der Nähe des Lagers. Bei wun- derbarem Herbstwetter waren das Muse- um, in dem zu diesem Termin eine Akti- onswoche für Kinder begann und das drei Kilometer entfernt gelegene Lagergelän- de lebhaft von Familien besucht, was wir besonders erfreulich fanden. Das Erinne- rungszentrum bemüht sich sehr, nicht nur rückwärts gewandt zu arbeiten, sondern sich auch aktuell mit Ausgrenzung, Ras- sismus und Faschismus auseinander zu setzen. Zwei freie Mitarbeiter der Ge- denkstätte, einer von ihnen selbst Enkel einer von Westerbork aus Deportierten, führten die Düsseldorfer sehr sachkundig und mit Offenheit für alle Fragen über das Gelände.

Am Ende der Führungen berichtete die eigens aus Nijmegen angereiste Histori- kerin Sophie Molema, über Werner Stert- zenbach im niederländischen Exil und seine Haftzeit in Westerbork. Sie hat ihre Dissertation über ihn geschrieben, über seine Flucht aus Westerbork bis zu seiner Befreiung 1945 in Amsterdam. Eine Übersetzung davon ist in Arbeit. Erfreulich, dass eine solche Unterneh- mung vom Fanprojekt getragen wird und dank engagierter Arbeit der einzelnen auch ihren Platz in der Fußballszene fin- den kann. S.B., Aus Kreisinfo VVN-BdA Düsseldorf 8/2010

St. Petersburg: Internationale Konferenz über die extreme Rechte und antifaschistische Kundgebung

Am 3. November fand in St. Pe- tersburg eine gutbesuchte in- ternationale Konferenz über die extreme Rechte statt. Tags darauf wurde eine antifaschistische Kundge- bung abgehalten.

St. Petersburg: Internationale Konferenz über die extreme Rechte und antifaschistische Kundgebung Am 3. November fand in

Über 50 TeilnehmerInnen aus sechs Län- dern (Rußland, Ukraine, Estland, Lett- land, Polen, Österreich) kamen in St. Pe- tersburg zu einer internationalen Konfe- renz über das besorgniserregende An- wachsen der extremen Rechten zusam- men. Tagungsorte waren Räumlichkeiten der NGO „Deutsch-Russischer Aus- tausch“ und der Universität (Smolny In- stitut). Analysiert wurden die verschiede- nen Ausprägungsformen und Handlungs- muster der extremen Rechten – in der Bandbreite Rechtspopulisten bis hin zu offen neonazistischen und neofaschisti- sche Gruppierungen. Am 4. November fand im Petrovski- Park eine lautstarke antifaschistische Kundgebung („No Pasaran!“) mit 120 Personen statt – observiert von der „Mi- liz“ und der berüchtigten Spezialeinheit „Omon“. Auch hier gab es außer den rus- sischen OrganisatorInnen internationale Sprecher: Marcin Starnawskis aus Polen und Hermann Dworczak aus Österreich. In über 15 Beiträgen wurden auf der Konferenz Ideologie, Organisationsstruk- turen und Aktivitäten der extremen Rech- ten in West- und Osteuropa problemati- siert. In der regen Debatte wurde die „Va- riabilität“ ihrer Feindbilder – sprich deren

Austauschbarkeit – herausgestrichen. In Österreich etwa war die Hetze gegen „Tschuschen“ – also Personen, die aus dem Süden (jugo) kamen/Jugoslawien – Kernelement rechtsextremer Ideologie. In den letzten Jahren avancierte aller- dings die Islamophobie zum Herzstück des Rechtsradikalismus. Und der „Füh- rer“ der FPÖ trägt demonstrativ ein Arm- band der serbisch-orthodoxen Kirche, um an die Stimmen der serbischen Immi- grantInnen heranzukommen ... Übereinstimmend wurde festgehalten, dass es insbesonders die – kombinierten – aktuellen ökonomischen, sozialen und ökologischen Krisen sind, die der rechten Demagogie eine Konjunktur verschaffen. Auch die politischen Defizite der traditio- nelle Linken, die zum Teil sogar Speer- spitze des neoliberal-kapitalistischen Ge- sellschaftsmodells sind (etwa Toni Blair oder ein Gutteil der ehemaligen KP-Spit-

zen in Osteuropa: Jelzin, Putin,

...

),

ka-

men zur Sprache. Insbesonders in Osteuropa sind es die staatlichen Kräfte, die den Rechten Spiel- raum verschaffen. In Ungarn etwa gibt es eine de facto-Kooperation zwischen der Regierungspartei Fidesz des Ministerprä- sidenten Orban und der rechtextremen Partei Jobbik, die – im Parlament – fast so stark ist wie die total heruntergewirt- schaftete Sozialdemokratie. Hetze, Terror und Mord gegen Roma und Sinti („Zigeuner“) stehen auf der Ta- gesordnung - während die Ewiggestrigen der „Ungarischen Garde“ – trotz „Ver-

bots“ – weiterhin ihr Unwesen treiben können. Gegen AntifaschistInnen und Linke wird hingegen hart durchgegriffen. So war es typisch, dass es rund um die Konferenz und Kundgebung in St. Peters- burg erneut zu Festnahmen von Antifa- schisten kam. Die Konferenz blieb nicht bei der Ana- lyse stehen, sondern zeigte eine Fülle von konkreten Möglichkeiten auf, um der Rechten praktisch zu begegnen. Im All- tagsleben, im Bildungsbereich bis hin zu breiten politischen Mobilisierungen wie in Köln oder Dresden, wo der „Antimo- scheengipfel“ der europäischen Rechtsra- dikalen bzw. der Marsch der Neonazis durch die Stadt durch Blockaden verhin- dert werden konnte. Vereinbart wurde, dass die Konferenz keine Eintagsfliege sein soll. Die Koope- ration der TeilnehmerInnen wird fortge- setzt und erweitert – nicht zuletzt im Rah- men des Europäischen Sozialforums- prozesses (ESF): ständiger Erfahrungs- austausch, Skype-Konferenzen, Einrich- tung einer gemeinsamen website etc. Das nächste gesamteuropäische Tref- fen – in Fortsetzung des ersten gesamteu- ropäischen Treffens in Prag im Frühling 2010 – wird aller Voraussicht nach 2011 noch vor dem Sommer in Kiew stattfin- den. Sollte die extreme Rechte die Ab- sicht haben in einem europäischen Land „spektakulär“ in Erscheinung treten zu wollen, wird zur Gegenmobilisierung aufgerufen.

Hermann Dworczak

U nterstützt von zahlreichen Orga-

nisationen aus dem In- und Aus-

land ruft der „Zug der Erinne-

rung“ zu Protesten gegen die Deutsche Bahn AG (DB AG) und deren Eigentümer auf. Mit einer zentralen Demonstration am 4. Dezember in Nürnberg sollen die Forderungen der überlebenden Deportati- onsopfer des DB-Vorgängers „Deutsche Reichsbahn“ unterstützt werden. Sie ver- langen eine Restitution ihrer Leiden. Wenige Tage nach der bundesweiten

Protestdemonstration will die DB AG ei- nen Festakt anlässlich des 175. deutschen Bahnjubiläums in Nürnberg veranstalten. Nach unbestätigten Berichten beabsichti- gen die Bundeskanzlerin und der Bun- desverkehrsminister nach Nürnberg zu kommen. Gefeiert wird im DB-Museum, aus dem das Unternehmen die Öffentlich- keit für 3 Tage ausschließt. Wegen seiner Darstellungen der NS- Zeit steht das mit Millionenbeträgen sub- ventionierte DB-Museum seit Jahren in der Kritik. So bewirbt das Museum eine NS-Lok als „Glanzlicht der Eisenbahnge- schichte“ und handelt die Todestranspor-

te nach Auschwitz „auf ver- steckten 18 Quadratmetern“ ab. Die DB AG stelle sich in dem Museum „nur gezwun- gen und so ganz nebenbei“ den historischen Tatsachen, hieß es bereits vor Jahren in der deutschen Presse. Ausgerechnet in diesem Ambiente werden „Promi- nente aus Politik und Kul- tur“ auftreten, kündigt die DB AG an. Auch die Mit- glieder des Verkehrsaus- schusses des Deutschen Bundestages sind zum Bahnjubiläum eingeladen. Die Kosten der Feiern (ein- schließlich großräumiger Si- cherheitsvorkehrungen für die anreisenden Eliten) werden auf meh- rere Millionen Euro geschätzt. Die Feiern seien „unangebracht“ und entbehrten „jeglicher Moral“, solange die Opfer der NS-Bahndeportationen „in ma- terieller Not leben und auf eine angemes- sene Ehrung noch immer warten müs-

St. Petersburg: Internationale Konferenz über die extreme Rechte und antifaschistische Kundgebung Am 3. November fand in

sen“, heißt es in dem Aufruf des „Zug der Erinnerung“. Die Bürgerinitiative teilt mit, dass die Kundgebung für die Überlebenden der „Reichsbahn“-Deportationen durch die Nürnberger Innenstadt zum DB-Museum

führen werde.

:antifaschistische nachrichten 23-2010

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Fotos: Karin Richert
Fotos: Karin Richert
Die Nazi-Demo
Die Nazi-Demo

500 gegen Naziaufmarsch in Neviges

Für den 30.10.2010 hatten Neona-
zis aus der Umgebung zur De- monstration ins beschauliche Vel- bert-Neviges mobilisiert. Etwas mehr als 100 waren diesem Aufruf gefolgt. Nach- dem die Demo zunächst durch die Polizei verboten wurde, wurde dieses Verbot zwei Tage vorher gerichtlich aufgehoben. Somit konnten die Nazis durch den Vel- berter Stadtteil Neviges marschieren und mussten dabei von nicht weniger als 1000 Beamt_innen vor den etwa 500 coura- gierten Gegendemonstrant_innen ge- schützt werden. Unter dem Motto „Multikultur ist so- zialer Krieg“ zogen die Neonazis aus

dem Rheinland, dem Ruhrgebiet und dem Bergischen Land vom Bahnhof in Nevi- ges zum S-Bahn-Haltepunkt Rosenhügel. Den ungebremst rassistischen Tonfall, der die Veranstaltung prägte, hatte spätes- tens der zweite Redner bei der Auftakt- kundgebung vorgegeben: Manfred Breid- bach, stellvertretender Vorsitzender des NPD-Kreisverbands Düsseldorf/Mett- mann und Vorsitzender seiner Partei in der Landeshauptstadt. Breidbach wetterte gegen eine „multikulturelle Pest“, warnte vor einer „Rassenmischung“ und forderte sein Publikum dazu auf, es solle „bis aufs Blut gegen die Überfremdung kämpfen“ und so „unsere Rasse vor dem Untergang

bewahren“. Überraschend war es dann nicht, dass Breidbach seine Rede mit ei- nem Zitat des NSDAP-Propagandisten Julius Streicher beendete: „Ein Volk, das nicht auf die Reinheit seiner Rasse achtet, geht zugrunde.“ Streicher, so erläuterte der NPDler dem geschichtlich weniger beflissenen Teil seiner Zuhörerschaft, habe „in Deutschlands großer Zeit ge-

wirkt“. Neben Breidbach traten als Red- ner der Veranstalter der Demonstration, Axel Reitz aus Pulheim sowie Paul Breu- er aus Köln, Sven Skoda aus Düsseldorf und ein Neonazi aus Velbert auf.

Quelle: Indymedia und Bericht von (ts) auf http://nrwrex.wordpress.com/

Im Rahmen der Aktion „Verbre-
chen der Wirtschaft 1933 – 1945“ hat sich die Vereinigung der Ver- folgten des Naziregimes (VVN-BdA; seit 1971 mit Zusatz Bund der Antifaschisten) zum Ziel gesetzt, auch über die Rolle der Täter aus den ökonomischen Eliten der Nazizeit öffentlich Aufklärungsarbeit zu leisten. Zu den besonders nach- haltig wirkenden NS-Tätern ge- hörte der Nazi-Diplomat, Jurist und später führende FDP-Politi- ker Dr. Ernst Achenbach aus Es- sen. Er baute mit den SS-Tätern aus Himmlers Reichssicherheits- hauptamt Dr. Werner Best und Prof. Franz Six nach 1945 in Essen ei- nen Apparat zur Strafbefreiung von Mördern auf und hatte gro- ßen Einfluss sowohl vor als auch nach 1945. Die VVN-BdA hat folgenden Antrag an den Rat der Stadt Essen gerichtet:

An den Rat der Stadt Essen (betr. Dr. Ernst Achenbach)

VVN-BdA regt Mahntafel am Haus des NS-Täters und Ex-FDP-Politikers Ernst Achenbach an

hat. Bei Ernst Aachenbach handelte es sich um den Geschäftsführer der „Adolf- Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft“ und Mitwirkenden an der Deportation französischer Juden in die Vernichtungs- lager der Na- zis. In der FDP wirkte er da- für, dass in ihr führende Na-zis mit- wirken durf- ten und dass die NS-Ver- brecher straf- frei blieben. Die Tafel soll auf die verhäng- nisvolle Rolle von Wirt- schaftskreisen in der NS-Zeit hinweisen. Sie soll der Mah- nung dienen, solche Verbre- chen nie wieder zuzulassen. Vorbild einer solchen Mahntafel ist ein Schild der Stadt Köln, das 1996 vor dem Hause Stadtwaldgürtel 35 angebracht wurde, um an das verhängnisvolle Tref- fen Hitlers mit der Wirtschaft vom 4. 1. 1933 zu erinnern. In ihrer Begründung das Antrags an die Stadt Essen verrweist die VVN-BdA auf

Dokumente von Serge und Beate Klars- feld aus Paris, die schon seit 1971 über Achenbach in Essen informierten und seinerzeit eine aufsehenerregende Haus- besetzung im Büro Achenbach vornah- men. Besondere Brisanz erhält die Forde- rung der VVN-BdA durch das vom Ex- Außenminister J. Fischer angeregte Buch „Das Amt und die Vergangenheit“, Bles- sing Verlag, das jetzt vorgelegt wurde und starke Beachtung gefunden hat, weil es die NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amtes beleuchtet. Darin heißt es: „1909 wurde Ernst Achenbach in Siegen gebo- ren. Nach dem Jura-Examen Geschäfts- führer der Stiftung Adolf- Hitler-Spende. 1937 NSDAP-Mitglied und Einstieg ins Auswärtige Amt. In Paris mitverantwort- lich für Judendeportationen. Nach dem Krieg Eintritt in die FDP. Zuständig für die Besorgung von Spenden der Deut- schen Industrie. Von 1957 bis 1976 FDP- Bundestagsabgeordneter. Von 1964-1977 auch Europaparlamentarier. Er verhinder- te immer wieder erfolgreich die Verfol- gung von NS-Verbrechern. 1991 starb er in Essen.“ (zitiert nach Frankfurter Rund- schau vom 28.10. 2010)

Ulrich Sander Landessprecher der VVN-BdA NRW

Fotos: Karin Richert Die Nazi-Demo 500 gegen Naziaufmarsch in Neviges Für den 30.10.2010 hatten Neona- zis

Es wird beantragt: An der Ge- schäftsstelle der FDP in der Seidlstraße in Essen wird eine Mahntafel angebracht mit einem Text, der darauf hinweist, dass in der Nachkriegs-FDP in Essen Dr. Ernst Achenbach (1909-1991) eine bedeutende Rolle als Parteivorsitzender, als Bundes- tags- und Landtagsabgeordneter gespielt

  • 8 :antifaschistische nachrichten 23-2010

Köln. Regina Wilden ist aufge-
bracht. Wild gestikulierend brüllt die ehemalige „pro Köln“-Rats- frau ihre Gesinnungsgenossen an: „Hört auf damit!“ – sie meint den Lärm, den ei- nige Anhänger der rassistischen, selbster- nannten „Bürgerbewegung“ gegenüber dem EL-DE-Haus am Appellhofplatz mit ihren Trillerpfeifen fabrizieren. Wutent- brannt macht sie kehrt, überlegt es sich doch noch einmal und wird nun von ei- nem Bereitschaftspolizisten an der Rück- kehr gehindert. Markus Wiener, Ge- schäftsführer der „pro Köln“-Fraktion im Rat der Domstadt, eilt ihr zu Hilfe. Au- ßerdem ruft er das Fußvolk zur Räson, welches daraufhin das Trillern einstellt. Die Mahnwache kann weiter gehen – mit Frau Wilden. Die beschriebene Szene war der Auf- takt zu einem seltsamen Schauspiel am 4. November. Die Rechtspopulisten provo- zierten mit einer „Mahnwache“ gegen den angeblichen parteipolitischen „Miss- brauch“ des NS-Dokumentationszen- trums. Vorwand war eine gemeinsame Veranstaltung der Info- und Bildungsstel- le gegen Rechtsextremismus und der Volkshochschule, auf deren Einladung die beiden Politologen Dr. Frank Überall und Dr. Christoph Busch die Ergebnisse ihrer Studien über die Arbeit von „pro Köln“ im Stadtrat und in den Bezirksver- tretungen vorstellten. Dass die Rassisten von „pro Köln“ ausgerechnet an dem Ort demonstrierten, der als Symbol für die NS-Verbrechen in der Stadt steht, musste zu Gegenprotesten führen. Als gegen 18 Uhr die ersten „pro“-Anhänger am Ap- pellhofplatz eintrafen, standen ihre Geg-

„pro Köln“ ante portas

Köln. Regina Wilden ist aufge- bracht. Wild gestikulierend brüllt die ehemalige „pro Köln“-Rats- frau ihre Gesinnungsgenossen

Der Eingang zum EL-DE-Haus war dicht

ner bereits dicht an dicht und blockierten den Eingang zum EL-DE-Haus. Die Zahl

der Antifaschisten stieg im Laufe der Zeit bis auf rund 200. Die Rechten mobili- sierten knapp über 30 Anhänger, eini- ge der Teilnehmer sind von außerhalb – etwa aus Aachen – angereist. Eine Gruppe junger „pro“-Aktivisten grup- pierte sich um ein Transparent der „Jugend pro NRW“ aus dem Bergi- schen Land. Einer trägt Kleidung der bei Neonazis beliebten Marke „Thor Steinar“. Kurz nach Beginn der „Mahnwache“ wurde es kurzzeitig brenzlig für die „pro“-Aktivisten. Im- mer mehr Gegendemonstranten strömten über die Straße, die Polizei

gegen 19 Uhr „Mahnwachen“-Teilneh- mer angeführt von Markus Wiener in das EL-DE-Haus eindringen wollten, gab es kein Durchkommen. Da half auch der Hinweis nicht, dass vier Ratsmitglieder von „pro Köln“ Einlass begehren. Wäh- rend vor der Tür noch immer rund hun- dert Menschen die Rechten blockierten, war der Veranstaltungsraum mit rund 150 Besuchern bereits hoffnungslos überfüllt. Da konnte auch der Einsatzleiter der Poli- zei nichts mehr für Wiener ausrichten:

„Sorry, wegen Überfüllung geschlossen“. Unverrichteter Dinge zog der „pro Köln“- Tross ab. Die Provokation ging nach hinten los:

Auch viele „pro“-Gegner konnten sich die Vorträge nicht mehr anhören. Ohne die angekündigte Aktion der Rechtspopu- listen hätte die Veranstaltung wohl kaum ein solch großes Interesse gefunden. Mats Fogeman

Fotos: Dominik Clemens
Fotos: Dominik Clemens

griff ein und trennte die Gruppen. Als

Markus Wiener, sichtlich frustiert

Französische extreme Rechte:

„Dissidenten“, Sektierer und Antisemiten

Die „Dissidenten“ des Front National – zwischen Splitterparteienwesen und Versuchen, Einfluss auf die Vorgänge bei der Hauptpartei der extremen Rechten zu nehmen

Paris. Am Donnerstag, den 11. No-
vember 2010 hielt dieses Spektrum eine Veranstaltung mit rund 400 Teilnehmern in Paris ab. Zu Gast waren u.a. auch ,Pro Köln‘ und ,Pro NRW‘, ver- treten durch Markus Wiener, stellvertreten- der Vorsitzender der einen und Generalse- kretär der anderen Truppe. Zu Hause be- zeichnet die so genannte ,Pro-Bewegung‘ sich zwar als angebliche „demokratische Rechte“, aber am 11. November in Paris scheute Wiener sich nicht, mit offen pro- nationalsozialistischen Kräften und gera- dezu pathologischen Antisemiten auf ei- nem Podium zu sitzen und dort auch Red- nern zu applaudieren wie Pierre Vial, dem Apostel eines „Rassenkrieges“.

Die „Dissidenten“frage und der Verdacht auf Doppelmitgliedschaft

Marine Le Pen, aber auch deren Vater, und ihre Anhänger werfen seit einigen Wochen

dem Herausforderer Gollnisch vor, er wol- le diese „Dissidenten“ der letzten Jahre in die Partei zurückholen. Tatsächlich hatten viele führende Kader, die heute in den ab- gespaltenen Splitterparteien aktiv sind – wie der frühere FN-Generalsekretär Carl Lang, der Rassenideologe Pierre Vial oder auch der frühere Chef des katholischen Fundamentalistenflügels beim FN, Ber- nard Antony – zuvor den Aufstieg Marine Le Pens und die vermeintliche „Entideolo- gisierung“ der Partei kritisiert. Rückhalt, um gegen einen Durchmarsch der „Chef- tochter“ zu opponieren, kann Gollnisch also unter anderem bei Ehemaligen finden, die derzeit außerhalb der Partei aktiv sind. Beispielsweise im Falle von Carl Lang hat Gollnisch tatsächlich auch Kontakte zu ih- nen aufrecht erhalten. Seit mehreren Wochen wirft die Partei- spitze unter Le Pen – Vater und Tochter – ihm nun vehement vor, er organisiere eine

angebliche Unterwanderung der Partei, im Sinne einer Strategie des „Entrismus“. Da- bei geht es um Neumitglieder, die eine Doppelmitgliedschaft bei anderen Organi- sationen besäßen; sowie um Altmitglieder, die den FN früher verlassen hätten und nun zurück kehrten, ohne aber ihre neuen Strukturen innerhalb ihrer jeweiligen Split- terparteien aufzugeben. Ihnen droht die Parteiführung jetzt mit systematischem Ausschluss, sobald Doppelmitgliedschaf- ten ruchbar werden.

Splitterparteien vereint: Das Jahres- treffen von ,Synthèse nationale’

Schon zum vierten Mal treffen sich, in jährlichen Abständen (von Ende Oktober 2007 1 bis im November 2010), eine Reihe dieser „Dissidenten“. Auf Einladung der 2006 gegründeten Zeitschrift ,Synthèse na- tionale‘ versammelten sie sich am diesjäh- rigen 11. November erneut in Paris, in ei-

:antifaschistische nachrichten 23-2010

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nem Saal im 15. Bezirk der französischen Hauptstadt. 2 Deren Namen deutet schon das zentrale Anliegen an, das nämlich darin besteht, eine neue – nationalistische – „Synthese“ aus den mitunter höchst unterschiedlichen ideologischen Ansätzen, die innerhalb der extremen Rechten verfolgt werden, herzu- stellen. Da trifft man auf neuheidnische (und anti-christliche ebenso wie antisemiti- sche) „Rassialisten“, katholische Funda- mentalisten, Monarchisten aus der Traditi- on der Konterrevolution von „Anti-1789“, betont „revolutionär“ im Diskurs auftreten-

de Nationalrevolutionäre

...

Vor circa 15 bis

  • 20 Jahren war versucht worden, eine ge-

meinsame politisch-ideologische Basis für diese so unterschiedlichen Strömungen in- nerhalb des Front National zu schaffen. Aus Sicht vieler Aktivisten und ihrer Ideo- logen ist dieser Versuch und historische Anlauf jedoch vorläufig gescheitert – zu- mal der jeweilige „harte Kern“ der einzel- nen Strömungen oft den FN inzwischen wieder verlassen hat. Unter anderem, weil der führende Familienclan um Le Pen (Va- ter und Tochter) einer Eigenaktivität der Kader zu wenig Spielraum ließ. Das diesjährige Treffen stand unter dem Generalthema „Leisten wir Widerstand ge- gen die Kolonisierung Europas! Gegen die Diktate Brüssels: Betreiben wir Sezession (= Abspaltung)!“ Laut Bekunden der Ver- anstalter des Treffens entstand das Motto, das sich auch in einem öffentlichen Aufruf der Runde – „Sezession gegen das Europa von Brüssel“ – widerspiegelt, nach den heftigen Kritiken der EU-Kommissarin Vi- viane Reding im September 2010 gegen die Roma-Abschiebepolitik im Frankreich Nicolas Sarkozys. Damals, so die Veran- stalter, habe man beschlossen, dass die na- tionalistischen Kräfte in Europa die Ab- spaltung gegen die „Einschränkungen der Souveränität“ durch solcherlei Kritik aus Brüssel propagieren sollten. Thematisch wurde das Treffen stark durch die Agitation gegen Einwanderung und „den Islam“ durchzogen, auch wenn der Antisemitis- mus seinerseits keineswegs (wenn man es ironisch ausdrücken darf) „zu kurz kam“. Das Treffen vereinigte vor allem Anhän- ger und Aktivisten der drei, größerenteils aus Abspaltungen und -splitterungen vom FN entstandenen, Splitterparteien:

des PdF („Partei Frankreichs“) unter Carl Lang, der von 1988 bis 2005 General- sekretär der Le Pen-Partei gewesen war; der NDP („Neue Rechte des kleinen Volkes“) unter Robert Spieler, Abgeordne- ter des FN in der französischen National- versammlung von 1986 bis 88 und später Jahre lang Chef einer rechtsextremen Re- gionalistenpartei im Elsass; und des MNR („Nationale republikani- sche Bewegung“), zunächst unter Führung von Bruno Mégret, seit dessen Rückzug aus der aktiven Politik im Jahr 2008 inzwi- schen durch Annick Martin geleitet. Der MNR war im Jahr 1999 in Marigna-

ne bei Marseille gegründet worden (und nahm seinen jetzigen Namen im Oktober 2000 an), die NDP am 1. Juni 2008 in Paris und der PdF offiziell am 23. Februar 2009. Neben diesen drei parteiförmigen Kräf- ten nahmen auch Anhänger anderer Grup- pierungen an dem Treffen teil. Unter ande- rem Vertreter der gewalttätigen rechtsextre- men Studentengruppe GUD (Groupe Uni- on Défense) – die vor allem an der Pariser Jurafakultät Assas verankert ist, wo sie nach einigen Jahren Pause wieder gegrün- det wurde. Die jungen Leute aus diesen Gruppierungen, die meist eher an rechtsra- dikalen Klamotten und Bier interessiert

schienen, hatten sich während der Podi- umsdiskussionen oft an den Infoständen in den Ecken geschart – zum Leidwesen der Parteivertreter auf der Tribüne. Diese mussten öfter zur Ruhe auffordern und mit energischem Durchgreifen (Dichtmachen der Stände) drohen, während ein Alter im Publikum klagte: „Es gibt keinen Respekt mehr!“ Internationale Gäste waren u.a. Hilde de Lobel vom belgisch-flämischen Vlaams Belang (VB, „Flämisches Interesse“), die am Vormittag ihre Partei vorstellte, und Robert Vesterlund von der schwedischen militant-nationalistischen Vereinigung Sa- lemfonden. Letztere organisiert seit De- zember 2000 alljährlich einen „Gedenk- marsch“ für einen 17-jährigen rechtsradi- kalen Aktivisten, der vor zehn Jahren in ei- nem Vorort von Stockholm durch Einwan- dererjugendliche getötet worden sei. Dazu werden dieses Jahr etwa auch NDP-Akti- visten aus dem Elsass anreisen. Quasi un- vermeidlich war der norditalienische Ras- sist namens Mario Borghezio von der rech- ten Separatisten-, inzwischen eher Regio- nalistenpartei Lega Nord. Derselbe Herr war u.a. auch zum „Anti-Islamisierungs- Kongress“ von ,Pro Köln‘ am 20. Septem- ber 2008 in die Domstadt angereist. Und schließlich stellte Markus Wiener die Kampagne seines Vereins gegen den Bau einer Moschee in Köln-Ehrenfeld vor und lud das Publikum zum „Marsch für die Freiheit“ in Köln am 7. Mai 2011 ein. 4

Einwanderer-„Invasion“ ...

Die französischen Redner stellten sich zu- nächst, an einem „Runden Tisch“ am frü- hen Nachmittag, die Frage: „Wie die Invasi- on bekämpfen?“ Dabei mangelte es nicht an Vorschlägen zum Vorgehen gegen Mig- ranten – Entzug der französischen Staats- bürgerschaft, Reservieren der Sozialleistun- gen für „Inländer“, Abschiebungen –, die aber thematisch doch wenig Neues boten. Bei der Abschlussveranstaltung am Abend ging der dort diskutierende NS- nahe Rassenideologe Pierre Vial (Mitglied der NDP, Chef des Zirkels ,Terre & Peu- ple‘, also „Volk und Erde“) nochmals kurz auf das Thema der vorausgegangenen De- batte ein: „Auf die Frage ,Wie gegen die Invasion kämpfen?‘ habe ich eine Antwort. Einen Namen: Charles Martel 3 . Eine Ant-

wort: den Krieg. Den ethnischen Krieg.“ Derselbe Vial wurde wenige Minuten spä- ter, für sein Bekenntnis zum rechten „Anti- kapitalismus“, auch durch Markus Wiener offen beklatscht.

...

und „soziale Frage“

Interessanter als die – eher Einigkeit unter den Anwesenden versprechende – Einwan- derungsfrage war der darauf folgende Run- de Tisch zum Thema „Die nötige soziale Dimension des Nationalismus“. Manche Redner hatten ihre eigenen Vor- stellungen zum Thema. So Serge Ayoub, der in den 1980er Jahren einmal Skinhead- Anführer im Pariser Umland gewesen war und heute ein rechtes Kneipenprojekt im 15. Pariser Bezirk – ,Le local‘ – leitet. Seit kurzem steht er auch an der Spitze einer nationalrevolutionär ausgerichteten Grup- pierung und angeblichen „Arbeitervereini-

nem Saal im 15. Bezirk der französischen Hauptstadt. 2 Deren Namen deutet schon das zentrale Anliegen

gung“ unter dem Namen ,Troisième Voie‘ („Dritter Weg“, was wie üblich bedeutet:

gegen Marxismus und gegen Kapitalis- mus). Ayoub malte vor den Anwesenden das Szenario eines einmonatigen General- streiks aus, den „die französischen Arbei- ter“ durchführen sollten, „um den Abgang der Politiker“ zu erzwingen. Diesen, d.h. den Lohnverlust der abhängig Beschäftig- ten während dieser Periode, sollten „kom- munitäre (gemeinschaftliche) Projekte“ der französischen Nationalisten – als eine Art eigener Parallelökonomie – finanzieren bzw. durch Naturalleistungen ausgleichen. Solche Projekte wurden zur selben Zeit auch auf der Bühne vorgestellt, die aller- dings aufgrund ihrer Dimension kaum ge- eignet sein dürften, eine rechte „Revoluti- on“ auf frankreichweiter Ebene materiell zu unterstützen und zu tragen. Neben Ay- oubs rechtem Kneipenprojekt zählen dazu ein „Gemeinschaftshaus“ – ein Wohnpro- jekt für (in absehbarer Zeit) ein halbes Dut- zend Familien, das gleichzeitig rechten Po- lit- und Kultur-Veranstaltungen und einer Bücherei Raum bieten soll – in der burgun- dischen Provinz, das Olivier Bonnet vor- stellte. Es hört auf den Namen ,Desouchiè- re‘, in Anspielung auf die verbreitete Be- zeichnung ,Français de souche‘ (Abstam- mungsfranzosen, Franzosen nicht-migran- tischer Herkunft). Ähnlich konzipiert ist

  • 10 :antifaschistische nachrichten 23-2010

das ,Vlaams Huis‘ (Flämische Haus) im nordfranzösischen Lille, das durch Luc Pe- charman auf dem Podium präsentiert wur- de und das durch dem Bloc identitaire nahe stehende Kräfte betrieben wird. Einige Beiträge gingen zugleich relativ klar am Thema vorbei, weil die Redner ih- ren jeweiligen ideologischen Hobbys nach- gingen: Francis Bergeron, dereinst Aktivist der „Solidaristen“ (so hieß eine nationalre- volutionäre Strömung in den 1970er Jah- ren), stellte sein Buch über Marc Augier alias „Saint-Loup“ vor. Bei diesem handel- te es sich um einen französischen Waffen SS-Offizier, der jedoch nach 1945 auch als prominenter Schriftsteller (unter Pseudo- nym) tätig war und 1990 in Paris starb. Das Einzige, was Bergeron darüber zur „sozia- len Frage“ beizusteuern wusste, war frei- lich, auch „Saint-Loup“ habe sich zum Motto „Gegen Kapitalismus und Kommu- nismus“ erkoren. Der Schriftsteller Jean- Claude Rolinat sprach über das argentini- sche Peron-Regime in den 1940er und 50er Jahren. Dieses sei zwar nicht „ein verwirk- lichter Faschismus“ (Bergeron) gewesen – was, so Rolinat, „manche bedauern“ könn- ten – ; es habe dennoch Ansätze „zu einer sozialen Politik im nationalstaatlichen Rahmen“ geboten. Jérôme Bourbon, der im März 2010 im Alter von 37 die Leitung der altfaschisti- schen Wochenzeitung ,Rivarol‘ (die seit 1952 erscheint und zunächst den harten Kern der überlebenden Vichy- und Kolla- borations-Politiker um sich scharte) über- nommen hat, sprach dagegen in keiner Weise über „soziale Fragen“. Er sprach ausschließlich über die bevorstehende Re- gelung der Nachfolgefrage an der Spitze des Front National und kotzte all seinen Hass gegen Marine Le Pen aus. Letztere hat Mitte Oktober 2010 Strafanzeige gegen Jérôme Bourbon erstattet, nachdem dieser sie in einem Interview – das am 16. Okto- ber auf einer katholisch-fundamentalisti- schen Homepage publiziert worden war – u.a. als „Wirrköpfige ohne Überzeugung, ohne Ideal, ohne Rückgrat“ bezeichnet hat- te; um hinzufügen: „Ihre Umgebung be- steht aus skrupellosen Karrieristen, aus pa- tentierten Juden und notorischen Leuten vom anderen Ufer (= Homosexuellen)“. Auf der Konferenz am 11. November spuckte Bourbon unter anderem den Satz aus, Marine Le Pen lebe angeblich „in wil- der Ehe mit dem Juden Louis Aliot zusam- men“ – der 41-jährige Aliot war bis vor kurzem Generalsekretär des FN und zog sich von diesem Amt zurück, um sich dem innerparteilichen Wahlkampf auf Seiten Marine Le Pens zu widmen. Und: „Die jü- dischen Medien verhätscheln Marine Le Pen, denn sie wissen, dass mit ihr dem Na- tionalismus die Glieder gebrochen sein werden!“ Die nur als fanatisch zu bezeichnenden Ausführungen Jérômes Bourbones brach- ten den Saal zum Toben. Er war nicht der einzige Redner, der eine aktive Mitmi-

schung in die derzeitigen inneren Konflikte beim Front National predigte (wenngleich die Parteiführer der am Donnerstag reprä- sentierten Splitterparteien, wie Robert Spieler von der NDP, dem eher abweisend gegenüber standen). Auf der Seite gegen Marine Le Pen, natürlich. Zuvor hatte schon Christian Perez, Chef der kleineren rechten Splitterpartei Parti Populiste (PP), eine aktive Unterstützung für Bruno Goll- nisch gefordert, ihm war jedoch – weil das Thema gerade Einwanderung bzw. „Invasi- on“ lautete – das Wort entzogen worden. Bei der Abschlussrunde stachen u.a. die Ausführungen des Rassenideologen Pierre Vial und des 34 Jahre jungen Generalse- kretärs des PdF, Thomas Joly, hervor. Zu- nächst sprach Joly sich dafür aus, dass die rechten Parteien zwar Wahlen als „Tribü- ne“ benutzen, aber auf keinen Fall auf eine vor allem an Wahlen orientierte Strategie setzen sollten: Sie dürften sich „nicht ins System integrieren“, sondern ihr Ziel müs- se sein, „das System zu stürzen“. Dies stellt er sich ganz offenkundig als eine Art Nazi- Revolution vor. Die Vertreter der etablier- ten Kräfte, fügte er hinzu, würden „dann wohl nach New York oder nach Tel Aviv ins Exil gehen“. Thomas Joly grüßte vom Redner-Mikrophon auch ausdrücklich das „Unterstützungskomitee für Vincent Rey- nouard“, das im Saal einen Stand hatte. Reynouard ist ein wegen zahlreicher Vor- fälle öffentlicher Holocaustleugnung seit einem knappen halben Jahr inhaftierter Au- schwitzleugner. An dem Stand wurden ganz offen u.a. die Schrift des antisemiti- schen Frühsozialisten Alphone Toussenel von 1845 – „Die Juden, Könige unserer Zeit“ –, oder „Juden und Antisemitismus“ von Lucien Rébatet (einem der führenden Ideologen und „Journalisten“ der NS-Kol- laboration im besetzten Frankreich) feilge- boten. An benachbarten Ständen gab es etwa eine – ins Französische übersetzte – Broschüre des NSDAP-Ideologen Alfred Rosenberg über „Den großen Verschwörer- kongress von Basel (1897)“; gemeint mit dem Titel ist der erste Zionistenkongress, der 1897 in der schweizerischen Stadt statt- gefunden hatte. Bei dem Buch handelt es sich um die deutsche Version der „Proto- kolle der Weisen von Zion“, welche Alfred Rosenberg für die NSDAP adaptiert hat. Pierre Vial, nachdem er (s.o.) den „ethni- schen Krieg“ gefordert hatte, sprach sich seinerseits für ein vorgeblich „soziales Pro- fil“ der Rechten aus. Nachdem er den „Ma- terialismus“ sowohl in Gestalt des Marxis- mus als auch des Liberalismus – beiden sei ihr „Ökonomismus“ (d.h. ihr auf wirt- schaftliche Aspekte konzentriertes Men- schenbild) gemeinsam – gegeißelt hatte, forderte er dann plötzlich rote Fahnen und revolutionäres Auftreten. „Der Kampf ge- gen das Europa von Brüssel“, verlangte er, „bedeutet klaren Antikapitalismus!“ Und:

„Die rote Fahne macht mir keine Angst. Vor allem, wenn ein Keltenkreuz darauf prangt.“ Historisch hätte er wohl ein Ha-

kenkreuz im Visier gehabt, doch dies wür- de juristische Probleme aufwerfen, da tut es ein ebenfalls mit rechtsextremen Kräften identifiziertes Kreuz auch. (Das Kelten- kreuz kam bei französischen Rechtsradika- len in den späten 40er und den 50er Jahren in Mode. Es handelt sich um einen Kreis, in dem ein Kreuz aufrecht steht. Dabei überragen die Balken des Kreuzes auf allen vier Seiten den Kreisumfang.) Zum Abschluss forderte Vial, die extre- me Rechte – oder ihre konsequenten Kräf- te – sollten im Frühjahr 2011 „eine De- monstration für die Opfer der Pariser Kom- mune“ veranstalten. Die Commune de Pa- ris dauerte von März bis Mai 1871. Ihre brutale Zerschlagung durch die bürgerlich- reaktionäre Regierung von Adolphe Thiers, die sich nach Versailles geflüchtet hatte, und die spätere Repression forderte Zehn- tausende Todesopfer und Tausende von Verbannungen in koloniale Zuchthäuser. Diese Ereignisse jähren sich 2011 zum 140. Mal, es handelt sich also um einen „runden“ Jahrestag. Schon in den Jahren 1996/97 hatte der – inzwischen verstorbene – rechtsextreme Ideologe Jean Mabire in der damaligen FN-Wochenzeitung ,National Hebdo‘ ge- fordert, die nationalistische Rechte solle die Commune de Paris für ihre Zwecke uminterpretieren: als Protest der nationalen Massen gegen die Niederlage im Krieg von 1870/71 und gegen die Zusammenarbeit zwischen preußischer Armee und bürgerli- cher Regierung in Versailles. (Letztgenann- te Kooperation war ansonsten real, da bei- de reaktionären Staatsmächte miteinander gegen die Commune de Paris einig waren.) Nunmehr könnten also einige faschistische Kräfte einen erneuten Anlauf unterneh- men, um dieses historische Ereignis für sich zu vereinnahmen und sich als „Revo- lutionäre“ aufzuführen. Bernhard Schmid, Paris

  • 1 : Vgl. unseren Bericht zum ersten derartigen Treffen,

am 27. Oktober 2007, das damals im 7. Pariser Be-

zirk stattfand: http://www.antifaschistische-nachrich-

ten.de/2007/22/1frankreich.shtml

  • 2 : Der 11.11. ist in Frankreich ein gesetzlicher Fei-

ertag, nicht aufgrund des Kölner Karnevalsbeginns, sondern weil an diesem Tag bis heute offiziell des Kriegsendes am Ausgangs des Ersten Weltkriegs gedacht wird. Am 11. November 1918 wurde der

Waffenstillstandsvertrag in einem Eisenbahnwag- gon – einem Salonwagen - in der Nähe von Com- piègne, nordöstlich von Paris, durch eine deutsche Delegation unter dem Abgeordneten Matthias Erz- berger unterzeichnet.

  • 3 Der fränkische Krieger, deutsch „Karl Martell“

genannt, hat der Geschichtslegende zufolge im Jahr 732 christlicher Zeitrechnung in der Nähe des westfranzösischen Poitiers „die Araber (respektive Sarazenen) und die Ausbreitung des Islam“ mit Waffengewalt „gestoppt“. In Wirklichkeit kämpfte er gegen einen relativ kleinen Trupp arabischer

Reiter, der im Dienste spanischer katholischer Feu- dalherren stand. - Der MNR hielt im Herbst 2000 eine Großveranstaltung auf der Wiese statt, wo die Schlacht damals stattgefunden haben soll.

  • 4 Auf der Webseite „Synthese national“ findet sich

ein Video über den Auftritt Wieners in Paris:

http://synthesenationale.hautetfort.com/

:antifaschistische nachrichten 23-2010

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: ausländer- und asylpolitik

Bundesweiter Jugendprotest zur Innenministerkonferenz

Hamburg. Von der Abschiebung bedroh- te Jugendliche protestieren parallel zur Innenministerkonferenz (IMK) in Ham- burg vom 17.-21. November und wählen den Abschiebeminister 2010. In diesem Rahmen veranstalten die Ju- gendliche ohne Grenzen (JOG) und ihre Bündnispartner am 17.11.10 die De- monstration „I love Bleiberecht“ – meh- reren tausend Menschen werden erwartet. Am 18.11.10 wird bei einer Gala der Ab- schiebeminister des Jahres 2010 gewählt, der Initiativenpreis 2010 verliehen und die Hamburg-Premiere des Theaterstücks „SOS for human rights!“ (GRIPS Thea- ter) aufgeführt. Gleichzeitig führt JOG eine Jugendkonferenz durch. Motto: „Wir sind gekommen, um zu bleiben – und ge- hen nicht mehr weg!“ Derzeit wird eine Änderung des Auf- enthaltsrechts für geduldete Flüchtlings- jugendliche vorbereitet. Denn die Innen-

minister können nicht mehr glaubhaft er- klären, warum junge Arbeitskräfte im Ausland gesucht werden, gleichzeitig aber in Deutschland ausgebildete und in- tegrierte Migranten abgeschoben werden. Am 27. Oktober wurde bereits im Innen- ausschuss des Bundestags über mehrere Gesetzesinitiativen debattiert. Auf der In- nenministerkonferenz wird wahrschein- lich über einen Kompromiss zwischen Bund und Ländern verhandelt werden. Die IMK hat bereits 2006 eine Bleibe- rechtsregelung beschlossen, die an der Lage geduldeter Flüchtlinge nicht viel geändert hat. Die restriktive Regelung schloss viele Menschen aus. 88.000 ge- duldete Flüchtlinge und mehrere 100.000 Menschen ohne Papiere haben daher mo- mentan Angst vor ihrer Abschiebung. Mehr als die Hälfte der Geduldeten lebt seit länger als 6 Jahren in der BRD, viele Jugendliche sind hier aufgewachsen, trotzdem droht die „Rückführung“, also Abschiebung. Es werden unentwegt Ver- sprechen gemacht, eine dauerhafte Lö- sung des Problems wird nicht erstrebt. Deshalb fordern wir „Jugendlichen Ohne Grenzen“ von der IMK in Hamburg:

• ein großzügiges Bleiberecht für Alle • die Gleichberechtigung von Flüchtlin- gen v.a. beim Bildungs- und Arbeitsrecht • Legalisierung von Menschen ohne Pa- piere (sog. Illegale) • Das Recht für unsere abgeschobenen FreundInnen, in ihre Heimat Deutschland zurückkehren zu dürfen! • Wohnungen statt Flüchtlingslager und Bargeld statt Sachleistungen!

Newroz Duman (Jugendliche Ohne Grenzen – Hessen), Mohammed Jouni (Jugendliche Ohne Grenzen/bbz Berlin- Brandenburg), Tobias Klaus (Jugendli- che Ohne Grenzen – Bayern)

Griechenland: Frontex soll die Grenzen dicht machen

„Im März dieses Jahres hieß es, dass die EU-“Grenzschutzagentur“ Frontex nicht nur personell und technisch besser ausge- rüstet (u.a. mit Drohnen), sondern auch ihre Einsatzfähigkeit organisatorisch und strategisch verbessert werden soll. Die Umstrukturierung würde der Agentur eine sehr viel größere Eigenständigkeit bei Grenzschutzoperationen zugestehen, was Planung, Durchführung und Lageein- schätzung angeht. So kommt der erstmali- gen Anforderung der schnellen Frontex- Eingreiftruppen – „Rapid Border Intervention Teams“ (RABIT) – durch Griechenland eine gewisse Bedeutung zu. Laut EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström gelangen gegenwärtig fast 90 Prozent der illegalen Einwanderer über Griechenland in die EU. Diese Entwick- lung zeigt sich seit einiger Zeit. Schon im Jahr 2007 machten Berichte darauf auf- merksam, dass die Region im Nordosten Griechenlands beim Fluss Evros, der Griechenland von der Türkei trennt, zu den wichtigsten Übergangsstellen für ille- gale Immigranten aus dem Nahen Osten

und Asien gehört. Die Flüchtlingszahlen würden ständig steigen. Wurden in den ersten acht Monaten des Vorjahres noch 5.600 Flüchtlinge an der Grenze zur Tür- kei aufgegriffen, seien es dieses Jahr schon 23.000 gewesen. Da zugleich die Zahlen in der Ägais zurückgingen, laut NZZ von 15.000 auf 4.000, sieht es ganz so aus, als ob der Übergang in der Präfek- tur Evros immer stärker frequentiert wird. Die Auffanglager, z.B. in Filakio, sind nach Medienangaben überfüllt. Laut der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ herrschen dort prekäre Lebens- bedingungen, auch Malmström äußerte sich „sehr besorgt über die Bedingungen, in denen die Immigranten derzeit lebten“. Kritiker halten Griechenland seit einigen Jahren eine Praxis im Umgang mit Asyl- suchenden und Flüchtlingen vor, die Menschenrechte nicht genügend achtet.

Quelle: http://www.heise.de/ tp/blogs/8/148633 - Labournet

Abschiebe-Stopp nach Griechenland

Schweden. Abgewiesene Flüchtlinge werden in Schweden künftig nicht mehr nach Griechenland abgeschoben. Auch wenn sie dort bereits im Sinne des Dubli- ner Abkommens der Europäischen Union um Asyl angesucht haben. Die Einwan- derungsbehörde des skandinavischen Landes (Migrationsverket) folgt damit dem Beispiel mehrere anderer europäi- scher Staaten. Migrationsverket-Direktor Dan Eliasson begründete den Beschluss vom Dienstagabend damit, dass die grie-

chischen Asylbehörden nicht mehr im- stande seien, den Flüchtlingen überhaupt ein Asylverfahren zu gewährleisten. „Ihr Funktionsvermögen ist zusammengebro- chen“, sagte Eliasson. Mit der Entscheidung griff die Einwan- derungsbehörde einem erwarteten Urteil des schwedischen Höchstgerichts vor, das innerhalb der nächsten zwei Monate er- wartet wird. Einer der drei schwedischen Asylgerichtshöfe, jener in Malmö, hatte Anfang September Abschiebungen nach Griechenland untersagt. Die Einwande- rungsbehörde hatte daraufhin das Höchst- gericht um Stellungnahme ersucht. In Österreich stoppte der Verfassungs- gerichtshof (VfGH) vergangene Woche die Abschiebung einer afghanischen Asylwerberin nach Griechenland. Der VfGH begründete seine Entscheidung mit der „unbestrittenermaßen schwieri- gen Betreuungssituation für Asylwerber in Griechenland“ und auferlegte den Be- hörden in künftigen Fällen die Einholung einer „fallbezogenen individuellen Zusi- cherung“, dass die Asylwerber in Grie- chenland tatsächlich betreut werden. Österreich hat bisher keinen generellen Abschiebungsstopp nach Griechenland verfügt. Quelle: Jesuiten-Flüchtlings- dienst Deutschland (JRS)

Experten uneins über Oppositionsvorstöße zum Bleiberecht

Berlin. Vorstöße der Oppositionsfraktio- nen von SPD, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen zur Änderung des Aufent- haltsgesetzes treffen bei Experten auf ein unterschiedliches Echo. Dies wurde am Mittwochnachmittag bei einer Sachver- ständigen-Anhörung des Innenausschus- ses zu je einem Gesetzentwurf der SPD- (17/207) und der Linksfraktion (17/1557) sowie einem Antrag der Grünen-Fraktion (17/1571) deutlich. Die SPD-Fraktion will mit der Ände- rung des Aufenthaltsgesetzes das Bleibe- recht für langjährig in Deutschland gedul- dete Ausländer novellieren. Damit solle Ausländern, die bisher lediglich eine Auf- enthaltserlaubnis „auf Probe“ erhalten ha- ben, eine gesicherte Perspektive geboten werden, heißt es in dem Gesetzentwurf der Fraktion. Zudem müsse die Praxis der so- genannten Kettenduldungen wirksamer eingedämmt werden, als es bislang der Fall sei. Auch die Linksfraktion macht sich für eine Vermeidung der Kettenduldungen von in Deutschland lebenden Ausländern stark. Das Problem der über Jahre andau- ernden Kettenduldungen bestehe ungeach- tet der gesetzlichen „Altfallregelung“ vom August 2007 und zweier Beschlüsse der Innenministerkonferenz vom November 2006 und 2009 fort, schreibt die Fraktion in ihrem Gesetzentwurf. Die Grünen-Fraktion dringt in ihrer Vor-

  • 12 :antifaschistische nachrichten 23-2010

Köln. Wenn sich Solidarität und die Gewissheit, füreinander einzu- stehen, mit Händen greifen lassen, wird auch

Köln. Wenn sich Solidarität und die Gewissheit, füreinander einzu- stehen, mit Händen greifen lassen, wird auch eine Veranstaltung in kahlen Räumlichkeiten zum eindrucksstarken Erlebnis. So war es am 31.10. in Köln, im neu eröffneten Rautenstrauch-Joest-Mu- seum in der Innenstadt. 450 Menschen im völlig überfüllten Saal erlebten drei Stun- den, die Mut machten und die Versam- melten zu einer Gemeinschaft verbanden. Für den musikalischen Rahmen sorgte Mehmet Akbaþs mit Band. Bürgermeis-

terin Elfi Scho-Antwerpes überbrachte zu Beginn die solidarischen Grüße der Stadt Köln und verlas einen Brief des Oberbür- germeisters, der sich bei seinem Istanbu- ler Kollegen für Dogan Akhanli einge- setzt hat. Christa Schuenke vom deut- schen P.E.N. Zentrum unterstrich, was einleitend schon Osman Okkan, Journa- list und Vorstandssprecher des Kulturfo- rum Türkei Deutschland ausgeführt hatte; dass nämlich die Inhaftierung von Dogan Akhanli in der unrühmlichen Reihe von zu Unrecht inhaftierten, verurteilten, ge- folterten und getöteten Menschen in vie- len Staaten der Erde steht: Autoren, Ge- werkschafter, Menschenrechtler, Ange- hörigen von Minderheiten leiden bis heu- te unter staatlicher Willkür und den an- maßenden Unrechtsurteilen der Macht. Haydar Erol, Rechtsanwalt von Akhan- li aus Istanbul erläuterte gemeinsam mit dem Kölner Anwalt Ilias Uyar den Stand

Veranstaltung in Köln:

Freiheit für Dogan Akhanli

des Verfahrens und den Skandal, dass sein Mandant trotz entlastender Zeugen- aussagen und völlig fehlender Beweise weiterhin in Haft gehalten wird. Ein Ver- fahren, so die ebenfalls von der türki- schen Justiz verfolgte Autorin Pinar Se- lek, derzeit Stipendiatin der Heinrich- Böll-Stiftung in Deutschland, das leider typisch für das türkische Gerichtssystem sei, das sich die Vernichtung von Kriti- kern und nicht die Rechtsprechung auf die Fahnen geschrieben habe. Im Zentrum der Solidaritätsveranstal- tung standen die Lesung eines Textes von Dogan Akhanli, vorgetragen von Günter Wallraff und ein Gespräch von Osman Okkan mit dem Journalisten und Schrift- steller aus Köln-Ehrenfeld, mit Lale Ak- gün, Autorin, Psychologin und Politike- rin, und mit dem Schriftsteller Navid Kermani. Einheitliche Position war: Die Gewissheit, beschützt zu sein vor staatli- cher Willkür und bewahrt zu werden vor bürokratischer Unberechenbarkeit / das macht im Kern die positive Vision Europas aus. An dieser Vision ist die mo- ralische Beschaffenheit einer Regierung zu messen; der Abstand einschlägigen Regierungshandelns von der genannten Vision ist gleichzeitig die Entfernung ei- ner Staatsgewalt von den Menschenrech- ten. Und wo es an staatlicher Bereitschaft mangele, Schutz zu bieten und Gerech- tigkeit herzustellen, sei ziviler Ungehor- sam und widerständige Aktion gefragt, ergänzte Günter Wallraff. Käme Dogan Akhanli im Dezember nicht frei, werde er mit einer spektakulären Aktion die türki- schen Behörden daran erinnern, dass Freiheit unteilbar und Menschenrechte universell seien. Fatih Cevikkollu hatte mit einer klei- nen Geschichte das Schlusswort: „Ein Mann war an sein Lebensende gelangt und Gott rief ihn zu sich. Doch er zeterte und schrie und wollte nicht. Gott gab

schließlich genervt nach und fragte den immer noch Keifenden: „Nun beruhige dich! Sag mir, was du willst und was ich dir gewähren soll.“ Mit der Hand raffte der Mann eine Handvoll Sand vom Bo- den, hielt sie Gott vor die Nase und rief:

„Gib mir so viele Jahre, wie ich Sandkör- ner in der Hand halte!“ „Nein“, antworte- te Gott ihm geduldig, „das ist zu viel, du übertreibst. Such dir etwas anderes.“ Der Mann blickte hektisch um sich, sah einen Baum und forderte: „Gib mir Lebensjah- re in der Zahl der Äste dieses Baumes!“ Wieder schüttelte Gott den Kopf und mahnte den Mann zur Bescheidenheit. „Sag mir“, schlug er ihm vor, „wie viele Freunde du hast. Freunde, verstehst du? Wirkliche Freunde. So viele Jahre will ich dir dann geben.“ Tot fiel er um, der Mann, in diesem Augenblick.” Fatih schaute in die Runde und schloss seine Parabel mit den Worten: „Dogans Leben wird sicherlich lange währen. Die Zahl seiner Freunde ist jedenfalls ein si- cheres Zeichen – und ein gutes.“ Veranstaltungen wie diese und auch der Aufruf “Freiheit und Gerechtigkeit für Dogan Akhanli”, der an diesem Abend veröffentlicht wurde, würden dafür sor- gen, dass die Solidarität in Deutschland auch den Justizbehörden in Istanbul und der Regierung in Ankara nicht verborgen bliebe, so abschließend Osman Okkan. Öffentlicher Druck und die unmissver- ständliche, öffentliche Forderung der Bundesregierung nach Freilassung von Dogan Akhanli seien nötig, um die Un- rechtsprechung der türkischen Justiz zu ihrem längst verdienten Ende zu bringen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung spendeten 2.300 Euro, um die Solidaritätsarbeit und besonders die Anwaltskosten zu finanzieren. Albrecht Kieser

Sonderseite eingerichtet:

www.gerechtigkeit-fuer-dogan-akhanli.de

lage auf eine „wirksame und stichtagsun- abhängige“ Bleiberechtsregelung im Auf- enthaltsgesetz. Stichtagsregelungen führ- ten immer wieder zu neuen humanitären Härtefällen, argumentiert die Fraktion in ihrem Antrag. Notwendig sei daher eine „dauerhafte gleitende Bleiberechtsrege- lung“, die auch auf künftige Fälle Anwen- dung finden könne. In der Anhörung verwies Klaus Dienelt, Richter am Verwaltungsgericht Darmstadt, darauf, dass Ziel aller drei Vorlagen ein Aufenthaltsrecht sei, das von einem Stich- tag unabhängig sein soll, aber abhängig von einer bestimmten Aufenthaltsdauer der betroffenen Ausländer. Dienelt lehnte in diesem Zusammenhang die Vorstellun- gen der Linksfraktion als „nicht system-

kompatibel“ ab, während er die Vorschlä- ge der SPD- und der Grünen-Fraktion als „prüfenswert“ bezeichnete. Es sei aus mehreren Gründen notwendig, eine stich- tagsunabhängige Altfallregelung einzu- führen. Auch der Münchner Rechtsanwalt Hu- bert Heinhold stellte sich hinter das Anlie- gen einer stichtagsunabhängigen Rege- lung. Sein Kollege Victor Pfaff auf Frank- furt am Main unterstützte „im Grundsatz eine rollierende Bleiberechtsregelung“. Dietrich Eckeberg von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe nannte die drei Vorlagen „richtungsweisend“. Ihre Zielrichtung entspreche dem Handlungs- bedarf, und sie enthielten sachgerechte Lösungsansätze.

Dagegen lehnte Christian Storr von der Stabsstelle des Integrationsbeauftragten der baden-württembergischen Landesre- gierung eine stichtagsfreie Altfallregelung ab. Sie wäre ein Verstoß gegen die Syste- matik des Aufenthaltsgesetzes. Auch wür- den damit Einwanderungsanreize geschaf- fen, die man nicht wolle. Wilfried Schmä- ing vom hessischen Innenministerium sag- te, ein genereller Verzicht auf einen Stich- tag sei fachlich nicht vertretbar. Paul Mid- delbeck vom niedersächsischen Innenmi- nisterium argumentierte, käme es zu den vorgeschlagenen Gesetzesänderungen, könne nicht mehr das Ziel erreicht werden, die Zuwanderung zu steuern und zu be- grenzen. Quelle: stefan kessler, Jesuitenflüchtlingsrat

:antifaschistische nachrichten 23-2010

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Flüchtlingslager muss ge- schlossen werden, sofort!

Coburg. Am 4.11.2010 besuchte das Netzwerk Deutschland Lagerland im Rahmen seiner Schmutzigen-Donners- tags-Tour Oberfranken. Dabei besichtig- ten MitarbeiterInnen des Bayerischen Flüchtlingsrats das Flüchtlingslager in der Coburger Uferstraße. Was sie dort antra- fen, schockierte sie zutiefst:

• Das Gebäude ist baufällig, durch In- nen- und Außenwände ziehen sich tiefe Risse, die z.T. durch die Mauern hin- durchgehen. Weil deshalb Türrahmen ver- zogen sind, lassen sich manche Türen nur schwer öffnen • Es regnet zum Dach rein, das Wasser sickert vom 2. Stock durch die Decke in die Küche im 1. Stock und von dort weiter ins Bad im Erdgeschoss. • Die Kabelschächte der Elektroinstal- lation liegen offen, teilweise hängen Steckdosen an den Kabeln aus den Schächten heraus • Es gibt für rund 50 alleinstehende Männer in 2 Etagen nur ein Pissoir, drei Toiletten und 2 Duschen. • Überall wimmelt es von Kakerlaken, in den Bädern, in den Toiletten, in den Küchen, in den Zimmern, unter den Bet- ten, in den Schränken, einfach überall. Bayerns Sozialministerin Christine Ha- derthauer hat zugesagt, dass Flüchtlinge „nach zeitgemäßen humanitären Maßstä- ben und angemessen untergebracht“ wer- den (s. „Grundsätze der Unterbringung“ in den Leitlinien vom 1.4.2010). Das Co- burger Flüchtlingslager spricht diesem Versprechen Hohn. Der Bayerische Flüchtlingsrat fordert deshalb Haderthau- er auf, das Coburger Lager sofort schlie- ßen zu lassen, um diese menschenunwür- digen Zustände sofort zu beenden. „Wir haben schon viele Flüchtlingsla- ger in Bayern gesehen, aber was wir in Coburg zu Gesicht bekommen haben, ist ein Skandal! Der Coburger Stadtrat Dr. Hans-Heinrich Eidt (FDP) erklärte gegen- über der Neuen Presse Coburg auf die Frage, was mit dem Lager jetzt geschehen solle: „Sprengen“. Wir können ihm nur beipflichten, bitten ihn jedoch, uns vorher über die Sprengung zu informieren, damit wir die Flüchtlinge rechtzeitig warnen können und niemand zu Schaden kommt“, kommentiert Alexander Thal. www.fluechtlingsrat-bayern.de

Essenspakete in Bayern extrem überteuert

Bayern. Am 28.10.10. stellte die BI Asyl Regensburg und das Netzwerk Deutsch- land Lagerland die Ergebnisse ihres Test- kaufs vor, um den Wert der Lebensmittel herauszufinden, die in Essenspaketen der Flüchtlinge in Regensburg enthalten sind. Die Ergebnisse sind empörend: Der nomi- nelle Wert der Essenspakete (Nennwert)

laut bayerischer Asyldurchführungsver- ordnung (DV Asyl) liegt deutlich unter dem, was die Regierung der Oberpfalz an ihren Lieferanten „Drei König Lebens- mittelservice GmbH und Co. KG“ für die Essenspakete zahlen muss. Drei König stellt dafür monatlich 148 Euro pro Essen- spaket in Rechnung. Der Nennwert der Essenspakete beträgt dagegen für allein- stehende oder Haushaltsvorstände nur 132,94 Euro, für Kinder bis 7 Jahre 89,48 Euro und für alle Haushaltsangehörigen

ab 8 Jahren 125,78 Euro (s. § 23 DV Asyl). Während die Mehrausgaben für die Essenspakete von alleinstehenden Er- wachsenen 11,33 % betragen, belaufen sie sich bei kleinen Kindern auf stolze 65,40 %. Zudem hat der Testkauf von Es- senspaketen für einen alleinstehenden Er- wachsenen ergeben, dass der Inhalt der Essenspakete monatlich 120,73 Euro kos- tet, 12,21 Euro (9,18%) weniger als der Nennwert und 27,27 Euro (22,59 %) we- niger, als die Regierung dafür ausgibt. Da- mit ist klar, dass die Versorgung von Flüchtlingen mit Essenspaketen nicht nur die Betroffenen in ihrem Selbstbestim- mungsrecht einschränkt und als schikanös empfunden wird, sondern auch noch un- nötige immense Kosten verursacht. Zudem steigert Drei König seine Ge- winnspanne, indem den Flüchtlingen we- niger Essen geliefert wird, als ihnen zu- steht. „Die Essenspakete dürfen nicht weiter Teil der bayerischen Abschre- ckungspolitik von Flüchtlingen sein. Es- sen ist ein Menschenrecht und Menschen- rechte haben Vorrang! Wir fordern des- halb die sofortige Auszahlung von Bar- geld statt Essenspaketen“, kommentiert Stefan Klingbeil vom Bayerischen Flüchtlingsrat. „Zudem muss das Asylbe- werberleistungsgesetz, das die bundesge- setzliche Grundlage für die Versorgung mit Essenspaketen bietet, umgehend ab- geschafft werden. Denn es drückt darüber hinaus Flüchtlinge um 40 % unter das staatlich definierte Existenzminimum (Hartz IV).“

Der komplette Bericht vom Testkauf:

http://www.fluechtlingsrat-bayern.

Nationen (UNHCR) eingerichtete Pro- gramm „Resettlement“ auch in der Bun- desrepublik Deutschland umzusetzen. 2. Die Stadt Lörrach erklärt ihre Bereit- schaft, im Rahmen des Resettlement- Pro- gramms der Bundesregierung maximal fünf Flüchtlinge aufzunehmen. Der An- trag war von der Stadtverwaltung mit star- ker Unterstützung der Oberbürgermeiste- rin G. Heute-Bluhm (CDU) eingebracht worden. Die Verwaltung war damit etwas schneller, parallel liefen Vorbereitungen für einen interfraktionellen Antrag (SPD, Grüne, FDP, mit allen drei war die lokale Save Me Kampagne bereits in enger Ab- stimmung). Die Lörracher Kampagne hat bisher die Unterstützung von rund 180 PatInnen, von den ca. 125 bereit sind sich nament- lich auf der Homepage nennen zu lassen. www.save-me-loerrach.de

Familie lebte drei Wochen unter Brücke

Göttingen. Mehr als drei Wochen musste eine Roma-Familie in Göttingen nach Angaben ihres Rechtsanwaltes Bernd Waldmann-Stocker in einem Zelt und un- ter einer Brücke campieren. Ein „Behör- den-Hick-Hack“ zwischen Stadt und Landkreis Göttingen habe dazu geführt, dass die allein stehende Frau und ihre sechs Kinder nicht vernünftig unterge- bracht wurden, sagte er. Die Roma-Frau war dem Anwalt zufol- ge von Belgien aus illegal mit ihren sechs Kindern im Alter zwischen zwei und 16 Jahren nach Deutschland eingereist. Am 31. August wurde die Bosnierin in Du- derstadt ohne Papiere aufgegriffen. Nach einem Beschluss des dortigen Amtsge- richtes nahm der Landkreis Göttingen die Frau in Abschiebehaft. „Das Landgericht hat diesen Beschluss inzwischen aufge- hoben. Danach war dem Kreis der Auf- enthaltsort der Familie nicht mehr be- kannt“, so die zuständige Kreisrätin. Seit dem 1. Oktober lebte die Frau den Angaben zufolge mit ihren sechs Kindern ohne festen Wohnsitz in Göttingen.

  • de/tl_files/PDF-Dokumente/10-10- „Auch bei der Stadt hat sich die Frau nicht gemeldet“, sagte Stadtsprecher Det- lef Johannson. Einem ersten Hinweis am 21. Oktober sei man sofort nachgegan- gen. Am 23. Oktober sei eine Notunter- kunft gestellt worden. Danach folgte laut Rechtsanwalt ein ju- ristisches Tauziehen zwischen Landkreis und Stadt Göttingen. Keiner habe sich ausländerrechtlich für die Familie zustän- dig gefühlt, kritisierte Waldmann-Sto- cker. Einer der Söhne sei jetzt im Göttin- ger Klinikum operiert worden. Danach habe die Stadt ihn und seine Familie zur zentralen Aufnahmebehörde nach Braun- schweig gebracht, sagte Johannson. Dort wird nun entschieden, wie es mit der Familie weiter gehen soll. Quelle: epd - romale@zahav.net.il

28_Stellungnahme_Essenspakete.pdf

Lörracher Gemeinderat sagt Ja zu „Save Me“

Am Donnerstag, den 21.10.2010, hat der Lörracher Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit die Unterstützung der Save Me Kampagne beschlossen. (19 Jastimmen, 6 Neinstimmen und 4 Enthaltungen). Der Beschluss lautet:

1. Der Gemeinderat der Stadt Lörrach begrüßt die „Save-me“-Kampagne um schutzbedürftige Flüchtlinge aufzuneh- men und zu integrieren. Die Stadt Lörrach unterstützt mit diesem Beschluss die Be- mühungen der Initiative, das vom Flücht- lings- Hochkommissariat der Vereinten

  • 14 :antifaschistische nachrichten 23-2010

: neuerscheinungen, ankündigungen

Jupp Angenfort: Sprung in die Freiheit - Geschichten des Josef A.

Buch über den Antifaschisten und ehemaligen Sprecher der VVN-BdA

Jupp Angenfort (9.1.1924-13.3.2010) war langjähriger Landessprecher der VVN-BdA NRW (1988 bis 2008), später Ehrenvorsitzender. Ende November er- scheinen die Geschichten des Josef A. bei PapyRossa. Josef „Jupp“ Angenfort, blutjunger Frontsoldat der deutschen Wehrmacht, erwachsen geworden an Westfront, Ost- front, in sowjetischer Kriegsgefangen- schaft, Sohn einer katholisch geprägten Eisenbahnerfamilie, wurde mit seinen 26 Jahren 1950 Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in der BRD. In dieser Organisation fanden sich viele der jüngsten Soldatengeneration im Wissen, was Krieg ist, zum Protest gegen die Re- militarisierung Deutschlands. Der Protest war vergeblich, bleibt aber historisch be- eindruckend. Er war so beeindruckend, dass die FDJ schon 1951 verboten und ihr Vorsitzen- der Jupp Angenfort unter Bruch seiner Immunität als Abgeordneter des Land- tags von NRW verhaftet wurde. Das Ur- teil: fünf Jahre Zuchthaus. Er hat danach

seine Über-

zeugungen

weiter ge-

lebt im Rah- men der

Kommunis-

: neuerscheinungen, ankündigungen Jupp Angenfort: Sprung in die Freiheit - Geschichten des Josef A. Buch über

tischen Par- tei Deutsch- lands (KPD). Die war jedoch 1956 auch verboten worden und wegen Ver- stoßes gegen dieses Verbot wurde er er- neut verhaftet. 1961 gelang ihm die Flucht aus dem Münchner Gefängnis Stadelheim, die das politische Deutsch- land und die internationale Presse auf- horchen ließ. Ein Sprung in die Freiheit! Das Thema der politischen Gefangenen unter Adenauer war bis dahin ein Tabu und ist es im Grunde bis heute. Jupp Angenfort erzählt hier einige der Geschichten, die tief in sein Leben ein- gegriffen haben, nicht gedacht für die Geschichtsbücher, eher launig – und trotzdem geeignet, an den Gründungs- mythen der Bundesrepublik Deutschland zu kratzen. So wird ein Mensch spürbar und was ihn bewegt hat. Dafür steht auch

Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:

GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Venloer Str. 440, 50825 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, 20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart, Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,50 Euro. Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln. Sonderbestellungen sind möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt.

Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann.

Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Verein für politische Bildung, linke Kritik und Kommunikation); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB DIE LINKE); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg – Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; Angelo Lucifero; Kai Metz- ner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk.

das Nachwort des Bremer Unternehmers und Mäzens Klaus Hübotter. Ihn und Jupp Angenfort verband fast lebenslang Respekt, Hochachtung, Freundschaft. Am 13. März 2010 ist Jupp Angenfort gestorben. Die Aufzeichnungen zu die- sem Buch sind aus dem Jahr 1994. Ul- rich Sander beschreibt in einem weiteren

Nachwort Jupp Angenforts Wirken für die Vereinigung der Verfolgten des Nazi- regimes – Bund der Antifaschisten in den letzten Lebensjahren ..

Jupp Angenfort: Sprung in die Frei- heit - Die Geschichten des Josef A. Aufgeschrieben und herausgegeben von Hannes Stütz. Softcover, ca. 240

Seiten, 19,- Euro. Erscheint voraus- sichtlich in der 47. KW, 25. November

2010.

Bitte bestellen bei VVN-BdA NRW, Gathe 55, 42107 Wuppertal, nrw@vvn-bda.de, Tel. 0202 45 06 29. Vorkasse erbeten unter Konto Nr. 282 124 35 bei Postbank Essen.

DISS-Journal Nr. 20 - Novem- ber 2010 erschienen: Diskurs- analyse, Thilo Sarrazin

Den Schwerpunkt dieser Ausgabe bilden kritische Stellungnahmen und Analysen rund um die sogenannte Integrationsde- batte. Was wir derzeit im Geiste Thilo Sarrazins zu hören bekommen, ist zwar alles ist nicht neu. Gleich- wohl beobachten wir eine neue Vehemenz der offen oder verdeckt rassistischen Ausgrenzungsversuche, mit denen sich Deutschland schon seit Jahren hervorge- tan hat. Jobst Paul geht dem nur scheinbar vermittelnden Ar- gument nach, man solle den ökonomischen Nutzen von qualifizierten Einwanderin- nen nicht unterschätzen. Er zeigt, dass eine solche inter- kulturelle Orientierung im Kontext einer ökonomischen Staatsräson steht, bei der die Frage der Produktivität von Menschen zum Maßstab von kultu- reller Zugehörigkeit gemacht wird. (S. 2) Wir dokumentieren außerdem die Stel- lungnahme „Demokratie statt Integrati- on“ des Netzwerks Kritische Migrations– und Grenzregimeforschung. (S. 5) Dazu hat Siegfried Jäger ein ausführli- ches Gespräch mit Manuela Bodjadzijev und Serhat Karakayali geführt. Beide ha- ben die Stellungnahme mitverfasst, wel- che die derzeitige Rede von der Integrati- on kritisch hinterfragt. (S. 6)

Hier finden Sie das komplette DISS- Journal 20 als PDF-Datei (1 MB):

http://www.diss-duisburg.de/DISS-

Journale/diss-journal_20.pdf

:antifaschistische nachrichten 23-2010

15

: aus der rechten presse

EU-Bürgerantrag gegen Türkei-Beitritt

Junge Freiheit Nr. 44/10 und 45/10 vom 29. Oktober und 5. November 2010

Das Blatt berichtet über ein Treffen euro- päischer Rechtsparteien im Oktober 2010 in Wien: „Eingeladen hatten der FPÖ- Vorsitzende Heinz-Christian Strache so- wie der eU-Abgeordnete Andreas Mölzer (FPÖ) – und Politiker aus fünf EU-Län- dern kamen, um über die ,Zukunft der EU‘ zu diskutieren.“ Dabei waren Vertre- ter der Dänischen Volkspartei, der italie- nischen Lega Nord, der Slowakischen Nationalpartei, des belgischen Vlaams Belang sowie der Schwedendemokraten. Die FPÖ hatte die Parteien eingeladen, „die sich längst als regierungsfähig er- wiesen haben, schon mitregiert haben oder zumindest Regierungen parlamenta- rische stützen“. Die Parteien vereinbarten einen ständigen Konsultationsmechanis- mus und bereiten ein europaweites Bür- gerbegehren „gegen einen EU-Beitritt der Türkei“ vor. In der nächsten Ausgabe berichtet das Blatt unter der Überschrift „FPÖ leistet Aufbauhilfe für Pro NRW“ über eine In- tensivierung der Zusammenarbeit zwi- schen Pro NRW und der FPÖ: „Darüber hinaus sieht sich die Pro-Bewegung als Ansprechpartner für ein europaweites Bürgerbegehren gegen einen EU-Beitritt der Türkei.“ Vereinbart wurde, das nach einem ,Rotationsprinzip‘ „Vertreter der FPÖ in Köln und Mitarbeiter der Pro-Be- wegung in Wien tätig“ werden sollen. Der Pro-NRW-Vorsitzende Beisicht kün- digte an: „Wir wollen unsere Bewegung jetzt auch auf Bundesebene verankern.“ Allerdings die Europawahl 2014 interes- santer als die Bundestagswahl. Sieht man diese Vereinbarungen im Zusammenhang mit den in der Rechten seit längerer Zeit diskutierten Vorhaben, selbst „Bürgerbewegungen“ aufzubauen

und für die Parteibildung zu nutzen, so muss man davon ausgehen, dass sich un- ter Führung der FPÖ ein rechtes Parteien- bündnis daran macht, im Vorfeld der Eu- ropawahl eine migrantenfeindliche Kam- pagne aufzulegen und dies für die Euro- pawahl zu nutzen. Pro Köln hat darin aus- reichende Erfahrungen: Immer wieder tritt die Partei mit Unterschriftensamm- lungen auf, um so Namen und Adressen zu erhalten, die sie dann für die Wahlwer- bung nutzt.

Rechte Kampagnenplanung

Junge Freiheit Nr. 45/10 und 46/10 vom 5. November und 12. November 2010

„So sehen Sieger aus – Politischer Pro- test: Wollen Konservative aus der Defen- sive kommen, müssen sie von der Linken lernen“ titelt das Blatt und schreibt:

„Unter den Bedingungen der Medien- demokratie und neuer digitaler Kommu- nikationsformen ist die Fähigkeit, moder- ne und zielgenaue Kampagnen zu führen, eine unerlässliche Vorbedingung für poli- tische Durchsetzungsfähigkeit … Natür- lich ist es einfacher, gegen ,Stuttgart 21‘ zu mobilisieren, als die Leute zum Auf- begehren gegen Islamisierung, Abtrei- bung, Steuerraub oder Identitätsverlust zu bewegen … Das kann aber kein Vorwand für Resignation und Untätigkeit sein. Denn das nicht-linke Wut- und Mobilisie- rungspotential ist beträchtlich. In Inter- netforen, Blogs und Leserbriefspalten ist es beinahe täglich mit Händen zu greifen. Aber es ist ein vielhunderttausendfaches Allein-vor-sich-hin-Schimpfen in der vir- tuellen Vereinzelung. Alle kaufen Sarra- zins Buch und klicken in Internet-Umfra- gen auf Zustimmung, aber keiner geht auf die Barrikaden gegen die Zustände, die darin angeprangert werden.“ Diese Positionierung beschreibt ein großes Problem der Rechten: „Auf die Barrikaden“ gehen allenfalls die offen

neonazistischen Organisationen und ihr Anhang – das rechtskonservative Publi- kum ist für die Barrikade nicht zu gewin- nen und mit den Themen Islamisierung oder Identitätsverlust ist zwar ein Ge- schäft zu machen, aber noch keine Mas- senbewegung zu organisieren. Zu viele Menschen kennen ihre Nachbarn und Ar- beitskolleginnen, wissen, dass sie mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede ha- ben. Das Blatt berichtet außerdem, dass die Hamburger Initiative „Wir wollen ler- nen“ erwägt, zur Bürgerschaft zu kandi- dieren. Die Initiative hatte mit dem Volksbegehren gegen das gemeinsame Lernen die Schulreform in Hamburg zu Fall gebracht. Darauf folgt in der nächsten Ausgabe eine Replik eines ehemaligen Hambur- ger Schill-Partei-Mitglieds, der davon abrät, sich jetzt mit neuen Parteigründun- gen zu befassen und zur örtlichen Zirkel- bildung zur Vorbereitung eines späteren Zusammenschlusses rät. uld

Matthias Faust NPD-Spitzen- kandidat in Bremen

„Die bis Jahresende abgeschlossene Par- teifusion ist auch ein großes Aufbruchs- signal für die bislang zersplitterte natio- nale Opposition in Bremen und Bremer- haven“, verkündet Jens Pühse auf der Website der NPD. Der neue Vize-Partei- vorsitzende Matthias Faust werde die Bremer Landesliste für die Bürger- schaftswahl im Mai 2011 anführen. Er, Jens Pühse, Mitglied des NPD-Parteivor- standes und Bundesorganisationsleiter, werde die Wahlkampfleitung überneh- men. Die „logistischen, personellen und politischen Vorbereitungen“ seien bereits angelaufen, unter der Namensbezeich- nung „NPD - Die Volksunion“ habe man die Wahlbeteiligungsanzeige beim Lan- deswahlleiter eingereicht. Pühse kündigt einen Wahlkampf an, „wie ihn die natio- nale Opposition in Bremen und Bremer- haven noch nie geführt habe.“ u.b.

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Erscheinungsweise: 14-täglich
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