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GROSSE WERKE DER LITERATUR

BAND XI

GROSSE WERKE DER LITERATUR BAND XI
GROSSE WERKE DER LITERATUR BAND XI

Große Werke der Literatur XI

Herausgegeben von Günter Butzer und Hubert Zapf

Große Werke der Literatur

BAND XI

Eine Ringvorlesung an der Universität Augsburg

2008/2009

herausgegeben von Günter Butzer und Hubert Zapf

BAND XI Eine Ringvorlesung an der Universität Augsburg 2008/2009 herausgegeben von Günter Butzer und Hubert Zapf

Titel: Schmuckbuchstabe aus Hans Sachs:

(Das vierdt poetisch Buch) mancherley neue Stücke schöner gebundener Reimen. Nürnberg: Heußler, 1576; Oettingen-Wallersteinsche Sammlung der Universität Augsburg

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Internet: http://www.francke de E-Mail: info@francke.de

Druck und Bindung: Laupp&Göbel, Nehren Printed in Germany

ISBN 978-3-7720-8329-7

Vorwort

Der vorliegende Band ist der elfte in der Reihe von Interpretationen großer Werke der Literatur, die aus einer Ringvorlesung an der Universität Augsburg hervorgegan- gen ist. Er versammelt Beiträge aus den Bereichen der deutschen, spanischen, italie- nischen, dänischen, englischen und amerikanischen Literatur und umspannt einen Zeitraum vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Die Diversität, man könnte auch sagen, die Heterogenität der Autoren und Werke ist durchaus gewollt, ermöglicht sie doch den Dialog und den vergleichenden, oft Überraschendes zu Tage fördernden Blick der literarisch Interessierten über die gewohnten Grenzen von Epochen, Nationalli- teraturen, Gattungen und Literaturformen hinweg. Der Begriff „Große Werke der Literatur“ mag in einer Zeit der Kanondebatten, der Ausweitung des Textbegriffs, der Einbeziehung anderer Medien, der Erweite- rung der Literatur- auf Kulturwissenschaften fragwürdig erscheinen. Dazu sei zwei- erlei gesagt. Zum einen werden sowohl der Begriff der Literatur wie auch der Begriff des Werks in dieser Publikationsreihe recht weit gefasst – so tauchten etwa Euklids Elemente, Kants Kritik der reinen Vernunft oder Heideggers Sein und Zeit in der bisherigen Reihe der „Großen Werke“ auf. Ebenso fanden auch Texte der Populärli- teratur Berücksichtigung. Ferner wird auffallen, dass immer wieder auch neueste Texte vertreten sind wie im vorliegenden Band Uwe Timms Rot und Richard Po- wers’ The Time of Our Singing, für die ein kanonisierter Status derzeit nicht bean- sprucht werden kann oder soll, die aber gerade im Dialog mit der literarischen Tradi- tion zur Lebendigkeit der Debatte um Grundfragen des menschlichen Lebens und der menschlichen Kultur beitragen können, um die es in der Literatur geht. Zum andern führt auch nach einer Zeit radikaler Kanonrevisionen kein Weg dar- an vorbei, dass an irgendeinem Punkt dann doch wieder eine Wertung ins Spiel kommt, die Frage nach der ästhetischen, historischen oder gesellschaftlichen Bedeu- tung eines Werkes, d.h. die Frage danach, inwiefern es das in Sprache und kultureller Textualität vorhandene Erkenntnis- und Kreativitätspotential überzeugend nutzt und in eine aussagekräftige, kulturell relevante, psychologisch überzeugende und ästhe- tisch gelungene Form zu bringen vermag. Es gibt eben Texte, die über die Zeit hin- weg gültig und wirksam bleiben, und auch wenn dies keinen ontologischen Eigensta- tus großer Werke der Literatur begründet, so stellen sie doch ganz offensichtlich kulturprägende und kulturstiftende Instanzen dar, die der fortwährenden Aktualisie- rung und Neuaneignung bedürfen. Literarische Texte sind „renewable sources of creative energy,“ wie ein Kritiker es formuliert hat, 1 stets erneuerbare Quellen der Kreativität, die in je neuen histori- schen Phasen und individuellen Akten der Rezeption in immer wieder neuer Weise

1 Rueckert, William. „Literature and Ecology. An Experiment in Ecocriticism.“ In: The Ecocriti- cism Reader. Landmarks in Literary Ecology. Eds. Cheryll Glotfelty and Harold Fromm, Ath- ens, London: U of Georgia P, 1995, 105-111.

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Hubert Zapf

aktivierbar sind. Sie gewinnen ihr Potential kultureller Repräsentation nicht allein aus den Bedingungen ihrer historisch-kulturellen Emergenz, sondern aus dem Umstand, dass sie offenbar in besonderer Weise bestimmten Grundmerkmalen und Funkti- onsweisen eines ganzheitlich aufgefassten kognitiv-psychologischen Weltzugangs des Menschen entsprechen. Dieser scheint nämlich, wie nicht zuletzt die Kulturökologie und die kognitive Poetik gezeigt haben, in hohem Maß durch metaphorische, imagi- native und narrative Formen der Erfahrungsverarbeitung gekennzeichnet, wie sie auch die komplexen Symbolszenarien literarischer Texte charakterisieren. Um sowohl dieses transhistorische Funktions- und Wirkungspotential als auch die Vielfalt der möglichen Rezeptionsweisen literarischer Werke zum Ausdruck zu bringen, ist die Reihe der Großen Werke so konzipiert, dass die behandelten Texte allein aufgrund der subjektiven Präferenz der Beiträger ausgewählt wurden. Damit wird einerseits die Notwendigkeit einer Verständigung über ästhetische Modelle, Wertungskriterien und Kanonisierungsprozesse vorausgesetzt, andererseits aber auch die Unmöglichkeit anerkannt, eine autoritative Letztinstanz für die Begründung dieser Auswahl zu finden. In früheren Bänden haben sich trotz dieses Prinzips der Dezentrierung doch immer wieder auch gemeinsame Schwerpunkte des thematischen Interesses ergeben:

„Umbruchzeiten“ in Band VI, die „Kultur des Dialogs“ in Band VII, „Krisenerfah- rungen“ in Band VIII, „Liebesgeschichten“ in Band IX und „Funktionen der literari- schen Imagination in kulturellen Grenzerfahrungen“ in Band X, die bestimmte Schwerpunktsetzungen der Literatur und ihrer Auslegungsgeschichte ins Licht rü- cken. Wollte man auch im vorliegenden Band XI einen thematischen Zusammen- hang der Texte und Interpretationen erkennen, ohne zwanghaft zu systematisieren und die Vielfalt der Themen und Formen einzuebnen, so könnte man einen solchen Zusammenhang vielleicht darin sehen, dass sie sich in je unterschiedlicher Weise mit dem Verhältnis von Ethik und Macht auseinandersetzen – von der christlichen Vor- bildrolle des Rittertums in Joanot Martorells Roman vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc über die Relation von Macht und Gewalt im Licht der Mensch-Tier-Beziehung in Shakespeares Macbeth, zur Macht der Aufklärung in Wielands Bildungsroman Geschichte des Agathon, andererseits der Schattenseite aufklärerischer Selbstermäch- tigung in Mary Shelleys Frankenstein, der Ethik gesellschaftlicher Ohnmacht in Eichendorffs Leben eines Taugenichts und, in anderem historischen Kontext, in Heinrich Bölls Ansichten eines Clowns, dem Verhältnis von Macht, Ethik und Ge- meinschaft in Droste-Hülshoffs Judenbuche, der Ethik des Scheiterns in Jens Peter Jacobsens Niels Lyhne, der gewalttätigen Macht der Utopie in Filippo Tommaso Marinettis Mafarka le futuriste, der Macht des Imaginären über die Realität in Kaf- kas Das Schloß, der Ermächtigung von Kunst zur politischen Aktion in Peter Weiss’ Ästhetik des Widerstands, der Bilanzierung gescheiterter revolutionärer Machtphan- tasien in Uwe Timms Rot, der kulturüberschreitenden Macht der Musik im Kontext einer rassistischen Gesellschaft in Richard Powers’ The Time of Our Singing. In all diesen Werken wird die literarische Imagination zum Erkundungsfeld einer ethischen Fragestellung, die verschiedene Konstellationen politisch-kultureller Macht beleuch-

Vorwort

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tet und so zu einer wichtigen Instanz kultureller Selbstreflexion, Selbstkritik und Selbsterneuerung wird. Der herzliche Dank der Herausgeber gilt den Beiträgerinnen und Beiträgern so- wie Frau Kathrin Heyng vom Francke Verlag für die gewohnt zuverlässige Zusam- menarbeit. Ihr besonderer Dank gilt Aleksandra Cierpinska und Julia Fendt für die Einsatzbereitschaft und Sorgfalt, mit der sie das Manuskript für den Druck einge- richtet haben. Der Beitrag über Joan Martorells Tirant lo Blanc, der diesen Band eröffnet, wur- de von Thomas Scheerer noch fertiggestellt, ehe er völlig unerwartet verstarb. Dem Gedenken an ihn ist dieser Band gewidmet.

Augsburg, im Oktober 2009

Günter Butzer und Hubert Zapf

Inhaltsverzeichnis

Vorwort 5

Thomas M. Scheerer

Joanot Martorell ››Tirant lo Blanc‹‹ (1490) 11

Andreas Höfele

Shakespeares ››Macbeth‹‹:

Menschentheater und Bärenhatz 35

Bernadette Malinowski

Christoph Martin Wieland ››Geschichte des Agathon‹‹ 51

Martin Middeke

Mary Shelley ››Frankenstein or, the Modern Prometheus‹‹ 71

Helmut Koopmann

Joseph von Eichendorff ››Aus dem Leben eines Taugenichts‹‹ 85

Sabine Doering-Manteuffel

Annette von Droste-Hülshoff ››Die Judenbuche‹‹:

Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westphalen (1842) 109

Markus May

Jens Peter Jacobsen ››Niels Lyhne‹‹ 127

Till R. Kuhnle

F.T. Marinetti ››Mafarka le futuriste. Roman africain‹‹ 149

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Inhalt

Severin Müller

Kafkas ››Das Schloß‹‹, philosophisch gelesen. Oder: Macht und Wirklichkeit des Imaginären 173

Georg Langenhorst

Heinrich Böll ››Ansichten eines Clowns‹‹ (1963) 201

Günter Butzer

Peter Weiss ››Die Ästhetik des Widerstands‹‹ 219

Hans Vilmar Geppert

Uwe Timm ››ROT‹‹ 241

Hubert Zapf

Richard Powers ››The Time of Our Singing‹‹ 259

Joanot Martorell Tirant lo Blanc (1490)

Thomas M. Scheerer

Der Ritter ist ein Faszinosum der europäischen Kultur. Schon während es noch richtige Ritter gab, wurden sie zum Gegenstand idealisierender Vorstellungen, und auch lange nach ihrer realen Existenz wirkt ein facettenreicher, freilich auch banali- sierter Mythos, der bis heute viele künstlerische Gestalten annimmt. Was ein Ritter sei und was das Rittertum bedeute, wird seit jeher in enger Abwägung von facta und ficta erörtert: Welche Rolle spielten Ritter in mittelalterlichen Epochen und Regio- nen tatsächlich? Welchen Realanteil haben die früh entstehenden literarischen Phan- tasiegestalten und wie konnten diese ihrerseits das Selbstverständnis realer Ritter beeinflussen? Zunehmend lernten Geschichts- und Literaturwissenschaft gleicher- maßen, dass Ritterdichtung „nicht als Beschreibung der Realität mißverstanden wer- den“ (Ehlers, 10) darf, und sie lernten umgekehrt, „über die literarischen Formen hinauszugehen und die ihnen zugrundeliegende soziale Wirklichkeit zu begreifen, deren metaphorischer Ausdruck sie sind“ (Cardini, 104). Das Buch Tirant lo Blanc hat in diesen Forschungstraditionen keine Rolle spielen können, weil es vergessen war und spät entdeckt wurde. In internationalen Standardwerken, die älter als etwa zehn Jahre sind, sucht man es vergeblich, so dass man schon für eine gelegentliche Fußnote dankbar ist (z.B. in Paravicini, 209). Natürlich ist die Frage müßig, welchen Erkenntnisgewinn zum Beispiel die historische Forschung oder die literaturwissen- schaftliche Gattungstheorie gezogen hätten, wäre das Buch bekannt gewesen. Um so mehr darf man sich davon versprechen, es im Licht heutiger Modellbildungen und Forschungslinien wahrzunehmen. Der spezialisierten katalanistischen und hispanisti- schen Forschung verdanken wir bereits umfangreiche Erträge und die reich kom- mentierte maßgebliche Ausgabe von Albert Hauf. Für deutschsprachige Leser bietet die Übersetzung von Fritz Vogelgsang einen leichten Zugang; allerdings kommt sie stilistisch nonchalant daher und bringt in Vor- und Nachwort auch eigenwillige Vermutungen vor (Oehrlein 1991; Schönberger 1991a). Die folgende Darstellung ist einerseits als Einführung für ein nicht mit dem Werk vertrautes Publikum gedacht, soll andererseits aber einige Perspektiven für Fachleute verschiedener Disziplinen benennen.

1. Autor, Autoren?

„Mossèn Joanot Martorell, cavaller“, dessen Lebensjahre 1410-1465 als gesichert gelten können, entstammte einer valencianischen Adelsfamilie. Dieser Feudalherr mittleren oder höheren Ranges („mossèn“ entspricht „monseñor“, „monseigneur“) war ein selbstbewusster Repräsentant seines Standes, harter Vertreter seiner Interes-

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sen, erfahren im Kampf zur See und zu Lande, auch Hofmann und Gelehrter. Die folgenden Episoden können für das Verständnis seines nachgelassenen Buches nütz- lich sein (zur Biographie vgl. Villalmanzo/Chiner): Als junger Mann nahm Martorell an der Seeschlacht von Ponza teil, die Alfons V. von Aragón (El Magnànim, der Großmütige) zunächst vergeblich unternahm, um Neapel zu erobern. Im Alter von noch nicht dreißig Jahren beginnt er eine lang andauernde Fehde: Er fordert Joan de Monpalau zu einem Zweikampf auf Leben und Tod, weil dieser seine Schwester entehrt hatte. Er reist nach London und gewinnt für sein Vorhaben die Protektion König Heinrichs VI. Der Kampf findet jedoch nicht statt, weil die Gemahlin von Alfons V. die Vorbereitungen unterbindet, und erst nach sieben Jahren wird Alfons den Fall zugunsten der Schwester Martorells entscheiden. Aus diesem Zwist sind Fehdebriefe überliefert - eine Gattung, die auch im Buch Tirant lo Blanc eine pro- minente Rolle spielt (vgl. Ausg. Riquer 1982). Als Martorell von der mindestens elfmonatigen, kostspieligen Londonreise zurückkehrt, sind Teile seiner Besitzungen verpachtet; er erobert sie zuerst auf eigene Faust zurück, muss schließlich jedoch den gesamten Besitz verkaufen. Nunmehr als Adliger ohne Land wird er in der Folge zum Raubritter und als solcher für kurze Zeit in Valencia eingekerkert. Wenig später ist er als Kammerherr an dem inzwischen errichteten Neapolitaner Hof von Alfons V. zu finden. Dort erlebt er die Nachwirkungen des wichtigsten politischen Ereignis- ses der Epoche: Im Jahre 1453 war Konstantinopel von den Türken eingenommen worden; das Oströmische Reich hatte aufgehört zu existieren. Die Reaktionen des westlichen Reiches fielen hilflos aus: Papst Pius II. versuchte 1459 in Mantua vergeb- lich, Reichsfürsten zur Rückeroberung zu bewegen. Zwar ist nicht bewiesen, dass Martorell dort zugegen war, doch er nimmt Teile der päpstlichen Rede in das 33. Kapitel jenes Buches auf, das er nach eigenen Angaben kurz vor Ende der Mantue- ser Versammlung zu schreiben beginnt (am 2. Januar 1460). Er wird daran arbeiten, bis er das noch nicht fertig zum Druck eingerichtete Manuskript kurz vor seinem Tode einem Martí Joan de Galba verpfänden muss. In welchem Umfang Galba, der ebenfalls vor der Drucklegung stirbt, oder die Drucker in das am 20. November 1490 erschienene Werk eingegriffen haben, ist umstritten. In weit fortgeschrittenem Stadium der Erzählung nehmen deiktische Bezüge vom Typ „das Buch sagt“ zu, die auf redaktionelle Bearbeitung schließen lassen. Einige Passagen unterscheiden sich im Erzählstil und in Aspekten der Weltsicht vom Vorherigen, so dass Eingriffe von dritter Hand nicht unwahrscheinlich sind. Immerhin erschien das Buch 25 Jahre nach dem Tod seines Autors und einige Monate nach dem Tod seines zweiten Besit- zers Galba. Von Galba aber als zweitem Autor zu sprechen, als den ihn manche Ausgaben nennen, wird heute meistens als übertrieben eingeschätzt (so auch schon Görtz 1967).

2. Inhaltsübersicht

Das Werk ist in 487 mit explikativen Überschriften versehene Kapitel gegliedert. Manche Ausgaben nehmen eine nachträgliche, aus der spanischen Übersetzung von

Joanot Martorell Tirant lo Blanc (1490)

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1511 übernommene Einteilung in fünf Bücher vor. Die folgende Skizze konzentriert sich auf die wichtigsten Handlungslinien und trägt von den episodischen Verwick- lungen nur das bei, was für ein erstes Verständnis unbedingt notwendig ist (für wei- tere Inhaltsangaben vgl. engl. McNerney, 2-9; frz. Barberà, 18-28; katalan. Riquer 1990, 95-177). Kap. 1-97: Wilhelm von Warwick ist nach einer Pilgerreise zwar in seine Graf- schaft zurückgekehrt, lebt dort aber unerkannt als Eremit. Es wird erzählt, wie der Graf inkognito dem englischen König geholfen hat, eine Invasion des Königs von Gran Canaria abzuwehren. In seiner Klause trifft der junge bretonische Edelmann Tirant lo Blanc ein, der auf dem Wege zu den Hochzeitsfeiern des Königs von Eng- land ist, wo er sich in Turnieren bewähren will. Der Eremit unterweist den Jüngling in den Regeln der Ritterschaft und gibt ihm ein Lehrbuch mit. Nach den Feiern, die ein Jahr und einen Tag gedauert haben, kommt Tirant wieder zu dem Eremiten. Der ihn begleitende Cousin Diafebus erzählt von den Kämpfen, aus denen Tirant als der beste unter tausend Rittern hervorgegangen ist. Kap. 98-114: Nach der Heimkehr in die Bretagne erfährt man dort, dass Rhodos vom Sultan von Kairo belagert wird. Tirant rüstet ein Schiff aus und nimmt Phelip, den fünften und ungeliebten Sohn des Königs von Frankreich mit auf die Reise, die über Lissabon und Gibraltar zuerst nach Palermo führt. Dort schließt der König von Sizilien sich an, in dessen Tochter Ricomana Phelip sich verliebt. Tirant befreit Rho- dos mithilfe einer Kriegslist. Er schließt sich dann einer Seereise nach Jerusalem und Alexandria an, wo er zahlreiche christliche Gefangene loskauft. Zurück in Sizilien vermittelt er die Hochzeit von Phelip und Ricomana. Phelip und Tirant brechen mit der Flotte des Königs von Frankreich zum Kampf gegen die Mauren auf. Tirant kämpft siegreich mit dem eifersüchtigen Ricart lo Venturòs und wird dessen Freund. Kap. 115-296: Aus der Bretagne reist Tirant wieder nach Sizilien. Der dortige König hat einen Hilferuf des Kaisers von Konstantinopel erhalten, weil die Türken fast das ganze „Griechische Reich“ besetzt haben und die Hauptstadt bedrohen. Auf Bitten des byzantinischen Kaisers segelt Tirant mit einer Streitmacht dorthin. Er wird in Ehren empfangen und zum Oberbefehlshaber der Armee und zum Obersten Richter ernannt. Tirant verliebt sich in die Kaisertochter Carmesina, doch wegen des Standesunterschieds müssen beide ihre gegenseitige Zuneigung verheimlichen. Von nun an werden die Episoden politischen und sentimentalen Charakters kompliziert miteinander verwoben, so dass man sie am besten phasenweise getrennt nacherzählt:

Tirant muss zugleich die Türken zurückschlagen und sich eines eifersüchtigen Kon- kurrenten in den eigenen Reihen, des Herzogs von Makedonien, erwehren, der schließlich von Feindeshand fällt. Nachdem Tirant das bedrängte Konstantinopel entsetzt hat, wird mit dem Großen Sultan ein Frieden ausgehandelt. Während der Friedensfeiern trifft die Königin Morgana auf der Suche nach ihrem Bruder Artus ein. Es gibt am kaiserlichen Hof einen bis dahin unbekannten Ritter mit dem Schwert Exkalibur. Artus tritt auf und verkündet die Gesetze des Rittertums. In den erotisch-sentimentalen Parallelhandlungen ist bis hierher folgende Entwicklung zu verzeichnen: Carmesinas Vertraute Stephania verliebt sich in Diafebus, und Tirant erreicht beim Kaiser die Eheschließung der beiden. Die Kaiserin verliebt sich in

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Thomas M. Scheerer

Tirants Begleiter Ypòlit, der viel jünger ist und sie an ihren früh verlorenen Sohn erinnert. Tirant seinerseits wird bei der noch unerfüllten Werbung um Carmesina von deren kupplerischer Zofe Plaerdemavida listenreich gefördert und gedrängt. Zugleich stellt die Viuda Reposada ihm auf aggressive und intrigante Weise nach. Sie spiegelt Tirant vor, Carmesina treffe einen heimlichen Konkurrenten; Tirant ersticht diesen aus Eifersucht und verfällt in traurige Apathie. Derweil nutzen die Türken die Zwietracht im griechischen Heer und erringen einen Sieg, bei dem sie Diafebus ge- fangen nehmen. Tirant rüstet wieder zum Kampf, und auch die Liebesintrige löst sich auf, denn Plaerdemavida begibt sich auf Tirants Schiff, um den Verrat der Viuda Resposada aufzuklären, da erhebt sich ein Sturm und reißt das Schiff fort. Kap. 297-413: Tirant und Plaerdemavida werden beim Schiffbruch an unter- schiedliche Stellen der nordafrikanischen Küste geworfen. Tirant gerät in die Kämp- fe zwischen afrikanischen Herrschern, steigt vom Sklaven zum Heerführer auf, stif- tet Frieden und erreicht durch eine vom ihm vermittelte Hochzeit, dass sich alle zum Christentum bekehren. Am Ende der nordafrikanischen Episoden wird Plaerdema- vida durch Heirat zur Königin von Äthiopien. Kap. 414-471: Tirant landet vor Troja und lässt in Konstantinopel seine Rück- kehr ankündigen, kommt jedoch vorher heimlich in die Stadt und trifft Plaerdemavi- da wieder, die ihn zu Carmesina führt. Es wird eine heimliche Ehe geschlossen. Nach seiner offiziellen Rückkunft bewegt Tirant den Kaiser erneut zum Frieden mit den Türken. Der Kaiser ernennt Tirant zum Herrscher des Griechischen Reiches und vermählt ihn mit Carmesina. In einem kurzen Feldzug erobert Tirant die letzten Gebiete des Reiches zurück und befreit seinen Freund Diafebus. Während eines Spaziergangs erkrankt er schwer, beichtet, empfängt die Kommunion, macht sein Testament, schreibt einen Brief an Carmesina und stirbt auf dem Rückweg nach Konstantinopel. Kap. 471-487: Carmesina stirbt aus Kummer bald nach Tirant. Beider Seelen stei- gen gemeinsam in den Himmel auf. Ihre sterblichen Überreste werden in die Bretag- ne überführt und feierlich bestattet. Der Kaiser überlebt die Trauer nur kurz. Die Kaiserin heiratet Ypòlit, den Weggefährten und Erben Tirants. Nach dem Tod der Kaiserin heiratet Ypòlit eine englische Prinzessin, mit der er drei Söhne und zwei Töchter zeugt.

3. „Das beste Buch der Welt“

Wer immer sich über Tirant lo Blanc informieren will, begegnet zuerst zwei promi- nenten Rezensenten sehr unterschiedlicher Art, handelt es sich doch um eine literari- sche Figur aus dem Jahre 1605 und einen lateinamerikanischen Gegenwartsautor. Beide Zeugen seien hier kurz vernommen, weil ihre Aussagen immer wieder disku- tiert werden. Miguel de Cervantes gab bekanntlich vor, dem verderblichen Genre der Ritter- romane den Garaus machen zu wollen. Nachdem Don Quijote von seinem ersten Ausritt im Ritterwahn kläglich gescheitert zurückgekehrt ist, sichten der Pfarrer, der

Joanot Martorell Tirant lo Blanc (1490)

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Barbier und die Haushälterin seine Bibliothek und vernichten die schädlichen Bü- cher. Als sie den Tirant entdecken, fällt der Pfarrer aus der Rolle des Zensors in die des verbotslustigen Lesers gefährlicher Literatur. Er kennt das Buch:

Dass auch Tirant der Weiße hier ist! Gebt ihn mir her, Gevatter; ich gestehe, darin einen Schatz an Befriedigung und eine Fundgrube an Zeitvertreib entdeckt zu haben (…). Wahrlich ich sage Euch, Herr Gevatter, dass dieses in seiner Art das beste Buch der Welt ist. Hier essen die Ritter, und schlafen und sterben in ihrem Bett, und machen vor dem Tod ihr Testament, nebst anderen Dingen, deren alle anderen Bücher dieser Gattung er- mangeln. Dennoch, sage ich Euch, würde der, der das geschrieben hat, es verdienen, für alle Tage seines Lebens auf die Galeeren geschickt zu werden, weil er solche Albernheiten nicht absichtlich beging. Nehmt es mit nach Hause und lest es, und Ihr werdet sehen, dass alles wahr ist, was ich Euch gesagt habe (Don Quijote I/6, vol. I: 134f.* 1 ).

Den Verfasser auf die Galeeren, das Buch mit nach Hause… Die Stelle ist logisch nicht ganz klar und wurde viel interpretiert. Nachhaltige Wirkung hatte sie insofern, als Tirant seither für ungewöhnlich realistisch gehalten wird („Hier essen die Ritter, und schlafen und sterben in ihrem Bett, und machen vor dem Tod ihr Testament“) und weil die deutungsoffene Angabe nebst anderen Dingen, deren alle anderen Bücher dieser Gattung ermangelnmanche Überlegungen hervorrief. Wie es um den Realismus des Tirant steht und welches jene „anderen Dinge“ sein könnten, wird zu erläutern sein. Der zweite Zeuge ist Mario Vargas Llosa. In einem begeisterten Essay, dem Feh- debrief zur Verfechtung der Ehre des Tirant lo Blanc, hat er viel für die Beachtung des Werks getan. Er versteht es als ein erstes Beispiel für die Reihe der ganz großen Romane der Weltliteratur, die ihrer Natur nach „totale Romane“ seien, weil ihre Verfasser (die „Allmachtserzähler“) die vorgefundene Wirklichkeit ausplündern und zu einer Fiktion aus eigenem Recht neu zusammensetzen. Einerseits analysiert Var- gas Llosa die Eigenheiten des Tirant in bewundernswerter Detailkenntnis. Er zeigt, dass unsere heutige Differenzierung nach Gattungsformen unzureichend bleibt, denn Tirant ist vieles zugleich: Ritterroman, historischer Roman, Kriegsroman, Sittenroman, Gesellschaftsroman, erotischer Roman, psychologischer Roman. Es ist legitim, die Vielfalt der Diskurse und die Transgression der Gattungsgrenzen zu bestaunen, zumal das unsere postmoderne Sensibilität zu aktivieren und gesteigertes Interesse an dem Werk zu wecken vermag. Andererseits ist es aber wenig hilfreich, im Tirant eine „selbstlose, zweckfreie Schöpfung“ zu sehen (Vargas Llosa 2007, 492). Um es der Kürze wegen polemisch zu sagen: Tirant wurde nicht als Beleg für eine lateinamerikanische Romantheorie des 20. Jahrhunderts geschrieben, in der ein fernes Echo der Genieästhetik nachhallt und eine präsupponierte Autonomie des Kunstwerks beinahe unmerkliche Urständ feiert. Beide Zeugen werfen jene Fragen auf, die jede Interpretation des Tirant beglei- ten: Wie „realistisch“ oder „autonom“ ist die Fiktion und um welche Art von „Buch“, „Werk“ oder „Roman“ handelt es sich? Um Simplifikationen oder postmo-

1 Eigene Übersetzungen fremdsprachlicher Zitate werden mit * gekennzeichnet.

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derne Anachronismen zu vermeiden, ist es heilsam, sich Allgemeines zum mittelal- terlichen Werkverständnis in Erinnerung zu rufen. Zur Gattungsfrage kann grund- sätzlich gelten: „Man war im Mittelalter weit davon entfernt, von einem Schriftwerk Einheit des Gegenstandes und innere Geschlossenheit des Aufbaus zu fordern“ (Curtius, 490). Und: „Man trug (…) keine Bedenken, völlig verschiedene Gegenstän- de innerhalb eines Werkes zu behandeln“ (ebd., 492). „Das Tirant lo Blanc genannte Buch“ (61*) enthält ohne jede generische Unterscheidung Ritter- und Liebesge- schichten, Didaktik und Visionen, Realismus und Phantastik, Ernst und Spiel in der Kombination vielgestaltiger Diskurse. Ein solches „Buch“ als eine vom narrativen Zusammenhang organisierte Kompilation unterschiedlichster Textmaterialien ist literaturgeschichtlich keine Ausnahme: Das Libro de Buen Amor (14. Jahrhundert) ist ihm in dieser Hinsicht ebenso vergleichbar wie das 1499 entstandene Lesedrama Celestina. Das erzählte Geschehen ist im Buch Tirant lo Blanc fast überall auf Prä- texte bezogen, deren Gesamtheit eine umfangreiche Bibliothek des zeitgenössischen Bildungsfundus ergibt (vgl. Pujol). Martorell hat philosophische Werke, literarische Modelle, Lehrbücher des Rittertums, der Kriegs- und Staatskunst in großer Zahl verwendet, wobei sowohl alle denkbaren Formen intertextuellen Bezugs vorkommen (von der bloßen Anspielung über motivliche Anregungen, Parodie und Pastiche bis zum Plagiat ganzer Passagen), als auch eine kaum noch „Intertextualität“ zu nennen- de Montage- oder Kollagetechnik: die Übernahme mehr oder weniger wörtlich über- setzter, nicht als Zitate markierter Passagen. Insgesamt „eine Art Enzyklopädie, besser ein Potpourri der gesamten mittelalterlichen und spätmittelalterlichen Litera- tur“ (Siviero, 62*). Heutige Leser werden diese Eigenschaft des „gewaltigen Monta- geromans“ (Schönberger 1991b, 198) nur mithilfe eines gelehrten Kommentars und der Bibliographie der rekonstruierten Quellen erkennen. Wie dicht die intertextuelle Unterfütterung und die montierende Kombinatorik sein können, zeigt die Bemer- kung des Kommentators, als er für zwei Gebete Tirants einmal keine Quelle gefun- den hat: „Das könnte vom Autor selber gemacht sein“ (1073 Fn. 3*). Dass man die Einheit dieses Werks nicht in großen ästhetischen Ordnungsbegriffen wie „Realis- mus“ oder „realistischer Ritterroman“ suchen sollte, ist angesichts eines solchen Werkcharakters evident. Genauere Möglichkeiten des Verständnisses ergeben sich im Nachvollzug der beiden handlungsbestimmenden Themen: Ritterschaft und Lie- be.

4. Konventionen und Ambivalenzen

4.1. „Der beste aller Ritter“

Tirant wird zum besten aller Ritter erklärt, nachdem er bei den Hochzeitfeiern des Königs von England eine Reihe von Zweikämpfen auf Leben und Tod („batailla a ultrança“) bestanden hat. Das ist der gefährliche, extreme Fall ritterlicher Konfronta- tion („batailla a tota ultrança és fort e de mal digestió“, 217). Man kann gut beobach- ten, wie die Darstellungen die vollkommene Übereinstimmung der Kämpfe mit der Ritterethik beglaubigen. Alle Details werden genau benannt: der Anlass des Kamp-

Joanot Martorell Tirant lo Blanc (1490)

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fes, die Bewaffnung und weitere Bedingungen, das Verhalten der Kämpfer, das Ur- teil der weltlichen und kirchlichen Autoritäten wie des Publikums. Bei den Kampf- schilderungen handelt es sich also um eine Reihe von Exempla für die Kasuistik ritterlichen Kampfes. Den ersten Kampf besteht Tirant als Bewährung, nachdem er auf Vasallentreue vereidigt wurde und die Bestätigung erhalten hatte, dass der Kampf eine „gültige Vereinbarung“ (dt. 179) sei. Als im zweiten Kampf der Besiegte empört die Mög- lichkeit ablehnt, vor dem König um Gnade zu bitten, ersticht Tirant ihn. Dennoch werden dem Sieger und dem Besiegten gleichermaßen die Übereinstimmung mit ritterlicher Ethik bestätigt. Tirant versteht die Tötung nicht als Heldentat, sondern als ritterlich notwendig: „Jeder Ritter, der nach den Regeln des Waffenhandwerks handeln will (…), muß grausam sein und mit einem Fuß in der Hölle stecken“ (dt. 184). Da der Besiegte sich nicht hat demütigen lassen, wird er in „die Ruhmesliste der Märtyrer des Kriegerstandes“ (ebd.) aufgenommen. Im dritten Kampf werden der Frauendienst und die Standesfrage als Kampfgründe exemplifiziert: Tirant will Ritter der schönen Agnes werden, erbittet als sichtbares Zeichen ihre Brosche und darf diese eigenhändig vom Mieder nesteln, wobei er ihre Brüste berührt. Der Senyor de les Viles-Ermes sieht die Ehre der Dame verletzt und fordert Tirant zum Kampf. Die Schilderungen von dessen Vorbereitungen und Durchführung erstrecken sich über sieben Kapitel, in denen Briefe ausgetauscht, Boten beauftragt und Zeugen gewählt werden (Kap. 61-67). Tirant tötet den Herausforderer und wird selber le- bensgefährlich verletzt. Die Kampfrichter erklären Tirant zum Sieger, bestätigen aber auch, dass Viles-Hermes als guter Ritter gestorben sei. Ihm wird eine feierliche Totenmesse gehalten, „weil (er) sich keine Selbsterniedrigung gestattet, sondern tapfer kämpfend sein Leben gelassen hatte“ (dt. 208). War schon im Kampf mit Viles-Hermes der soziale Rang ein wichtiges Motiv – Viles-Hermes steht höher als Tirant, beide aber stehen niedriger als die Dame – so verschärft sich dies bei den Kämpfen gegen zwei Könige und zwei Herzöge, die sich nicht als solche zu erken- nen geben und ihn aus bloßer Kampfeslust unter falschen Wappen herausfordern. Tirant tötet nacheinander alle vier und entgeht dem Vorwurf der Ehrlosigkeit nur, weil der gastgebende König selber sich Vorhaltungen machen muss: „Hätte ich näm- lich gewußt, daß sie Könige waren (…), so hätte ich niemals gestattet, daß sie ohne zwingenden Grund zu einem Kampf auf Leben und Tod in die Schranken treten“ (dt. 246). Die daraus folgende Herausforderung durch Vasallen der Besiegten endet so, dass Tirants Ritterlichkeit unbeschädigt bleibt: Noch vor dem Kampf besucht Quirielayson de Muntalbà das Grab seines Königs und gerät so in Schmerz und Zorn, „daß ihm die Galle platzte und er auf der Stelle starb“ (dt. 256). Sein Bruder Thomàs de Muntalbà wird von Tirant besiegt, aber nicht getötet, sondern zum Wi- derruf seiner Beschuldigungen gezwungen. An ihm wird demonstriert, was mit ei- nem Ritter geschieht, der den Kampf zu Unrecht gesucht und verloren hat: Nach- dem die Richter verkündet haben, er habe „die Tugenden der Ritterlichkeit verraten“ und sich „als ehrvergessenen, meineidigen Mann entlarvt“ (dt. 271), wird er öffent- lich gedemütigt und endet als Bettelmönch. Hier war der Streitgegenstand eine