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Die Welt der vernachlässigten Dimensionen

Kolloide
T HILO H OFMANN

Kolloide in der Wasserchemie – sie sind klein und schwierig zu


untersuchen. Und doch nehmen sie in vielen aquatischen K olloide sind ein intensiv untersuchtes und spannendes
Forschungsfeld der Chemie. Das Wort Kolloid kommt
aus dem Griechischen von „κολλα“ = Leim. Eine charak-
Systemen eine wichtige Rolle im Übergang zwischen gelösten teristische Eigenschaft der Kolloide ist ihre trübe, leimar-
Stoffen und der festen Materie ein. Sie beeinflussen die tige Beschaffenheit, die zum Beispiel bei Rauch, Nebel,
Schaum, Milch, Blut, Kaffee, Tinten und Farben beobachtet
Speziation, können Schadstoffe „Huckepack“ transportieren
wird. Sie begegnen uns im täglichen Leben als Reinigungs-
oder sind selbst unerwünscht. Zu den aquatischen Kolloiden mittel, Schmierstoffe, Kosmetika, Nahrungsmittel oder Arz-
zählen anorganische und organische Kolloide natürlichen und neimittel. In der Industrie haben sie in Flotationsmitteln,
Gummis, Ledern, Kunststoffen, Leimen, Farben, Spreng-
anthropogenen Ursprungs, z.B. Tonkolloide, Huminstoffe,
stoffen, und Seifen große Bedeutung. Traurige Bekanntheit
Rußpartikel, Tenside oder Mikroorganismen. erlangten die Kolloide 2002 als Träger von Anthraxsporen
bei Terroranschlägen.

Aus dem großen Forschungsbereich der


Kolloide in Physik und Chemie soll in
diesem Beitrag der Bereich der aquatischen
Kolloide in natürlichen Gewässern, also
Ozeanen, Flüssen, Seen und Grundwässern
vorgestellt werden.

Abb. 1 a, b, c, d Grundwasserkolloide,
a = Netzwerk von kleinen anorgani-
schen Kolloiden, welches vermutlich
bei der Präparation der Probe für die
Elektronenmikroskopie entstanden ist.
Die einzelnen Kolloide haben eine
Größe von 10 – 50 nm. b = Eisenkolloi-
de, die bei der Oxidation von anaero-
ben Grundwasser mit 50 mg/L Fe2+ ent-
standen sind und ein Netzwerk bilden
(röntgenmikroskopische Aufnahme in
Zusammenarbeit mit Dr. J. Thieme,
Röntgenphysik, Göttingen). c = organi-
sches Kolloid („Biokolloid“) aus einer
anaeroben Grundwasserprobe im
Rasterelektronenmikroskop. d = Ton-
kolloid (Illit), welches bei einer Grund-
wasserprobenahme mobilisiert wurde.

24 © 2004 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim DOI: 10.1002/ciuz.200400294 Chem. Unserer Zeit, 2004, 38, 24 – 35
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Ein kolloidales System besteht aus einem Dispersions-


medium, meist Luft oder Wasser, in dem eine disperse Pha- W I E W E R D E N KO L LO I DA L E S YS T E M E D E F I N I E R T U N D E I N G E T E I LT ?
se, beispielsweise ein Feststoff, Luft oder Wasser, gleich-
mäßig verteilt ist. Der blaue Dunst von Zigarettenrauch ist
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ein anschauliches Beispiel des Faraday-Tyndall-Effektes, wo IUPAC Definition von 1971:
Mindestens eine Dimension im Bereich von 1 – 1000 nm
die kolloiden Rauchpartikel in dem Dispersionsmittel Luft
verteilt sind. Einteilung nach dem Aggregatzustand der dispergierten Substanz und des Dispersions -
mittels:
Kolloide in der Forschung Bezeichnung Kolloid Dispersionsmittel Beispiele
Kolloide haben eine lange Geschichte in der Forschung. Feste Sole Fest Fest Blaues Steinsalz, Goldrubinglas
Suspensionen Fest Flüssig Kolloide in Gewässern
1827 beobachtete der Botaniker Brown erstmals die irre-
Feste Aerosole Fest Gas Tabakrauch, Staub
guläre Bewegung von Bärlappsporen im Wasser. Graham, Feste Emulsionen Flüssig Fest Milchquarz, Opal, Perlen
der „Vater der Kolloide“, definierte 1861 den Begriff Kollo- Emulsionen Flüssig Flüssig Milch, Mayonnaise, Butter
id als die Eigenschaft von Stoffen, durch Membranen zu Flüssige Aerosole Flüssig Gas Nebel, Haarspray
diffundieren. Bei seinen Forschungen entdeckte er, dass Lö- Feste Schäume Gas Fest Bimsstein, Styropor
Flüssige Schäume Gas Flüssig Seifenschaum, Flotation
sungen wie Kupfersulfat durch eine Membran diffundieren,
während andere wie Leim, Stärke oder Gelantine zurück- Einteilung nach der Bindungsart zwischen den Atomen der Kolloide (Staudinger):
gehalten werden [1]. Auf Grund dieser mechanischen Ei- Dispersionskolloide = Der kolloidale Zustand stellt hier eine Zerteilungsform der Materie
genschaft teilte er die erste Gruppe der genannten Stoffe dar, der sich durch geeignete Methoden wie Zerkleinerung, Kondensation und Peptisati-
in Kristalloide und die zweite Gruppe in Kolloide ein. Ein- on für die meisten Stoffe erreichen lässt, sofern sie nicht im Dispersionsmedium löslich
sind (alle lyophoben Kolloide, z.B. Tonkolloide im Gewässern). Sie befinden sich thermo-
stein, später Smoluchowski und Langevin, arbeiteten die
dynamisch nicht im Gleichgewicht und neigen zur Auflösung oder Aggregation, so dass
Theorie der Brownschen Bewegung aus. Für die Messung eine elektrostatische oder sterische Stabilisierung mit Schutzkolloiden zur Aufrechterhal-
der Avogadrokonstanten anhand des Sedimentationsprofils tung des kolloidalen Zustandes notwendig ist.
einer kolloidalen Dispersion erhielt Perrin 1926 den No- Molekülkolloide = Die Bindung der ca. 100 Atome, welche ein Kolloidteilchen aufbauen,
belpreis [2]. Derjaguin und Landau in Russland sowie Ver- erfolgt über Hauptvalenzen, z.B. Heteropolysäuren, Polysaccharide, Polyphosphate. Der
Aufbau ist prinzipiell gleich wie der einer niedermolekularen Substanz.
wey und Overbeek in den Niederlanden entwickelten die
Assoziationskolloide (Mizellkolloide) = Kolloide mit einem besonderen Molekülaufbau,
nach ihnen benannte klassische DLVO-Theorie, welche die die sich erst ab einer bestimmten Konzentration einstellt (Mizellen). Sie werden beim
Wechselwirkung zwischen geladenen Objekten beschreibt Auflösen der reinen Substanzen gebildet, ohne dass Schutzkolloide oder Peptisatoren
[3, 4]. notwendig sind. Bekannte Beispiele sind Seifen, Tenside oder Farbstoffe.
Die Kolloidchemie ist nicht nur in Deutschland mit
Ältere Definition nach Kettengliedern (Staudinger):
den Namen Wolfgang Ostwald (1883-1943) und Herrmann
Hemikolloide 50 – 500 Kettenglieder
Staudinger (1881-1965) verbunden. Wo. Ostwald (Wo. zur Mesokolloide 500 – 2500 Kettenglieder
Unterscheidung von seinem Vater W. Ostwald) gilt als einer Eukolloide 2500 – 6000 Kettenglieder
der Begründer der Kolloidchemie. Er übernahm 1907 die
Leitung der ersten Kolloidzeitschrift, heute Polymer and Weitere Einteilungen existieren nach den geometrischen Abmessungen (FFilme, Fäden,
Korpuskel, Wo. Ostwald), der Teilchenform (g globulär, fibrillär, linear), der chemischen
Colloid Science, und veröffentlichte 1914 das bedeutende
Zusammensetzung (a anorganisch, organisch, biologisch), der Herkunft (a antrophogen,
Buch „Die Welt der vernachlässigten Dimensionen“ [1]. geogen, synthetisch), dem Verhalten gegenüber dem Dispersionsmittel (llyophobe Kollo -
„Ich weiß keinen Zweig der heutigen Naturwissen- ide = nur in solchen flüssigen Dispersionsmitteln herstellbar, in denen das Kolloid un-
schaften, der derartig viele und verschiedenartige Interes- löslich ist und lyophile Kolloide = Kolloide, die sich durch direktes Lösen bilden und durch
senkreise berührt, wie die Kolloidchemie. Gewiß, auch das Lösungsmittel solvatisiert werden) oder der beliebigen Widerherstellbarkeit des
kolloidalen Zustandes nach Entfernung des Dispersionsmittels (rreversible Kolloide wie
Atomtheorie und Radioaktivität interessieren heute jeden in-
Seife und irreversible Kolloide wie Latex).
tellektuell wachen Menschen. Aber dies sind geistige Deli-
katessen verglichen mit der Kolloidchemie, die für viele
theoretische und praktische Gebiete nötig ist heute wie das
liebe Brot.“( Wo. Ostwald) Physiker in den letzten Jahrzehnten zunehmend mit die-
Zeitgleich mit Ostwald, ihm jedoch kritisch gegen- sem Forschungsgebiet befasst. Ein Comeback erlebte die
überstehend, arbeitete der Nobelpreisträger Staudinger an Polymerphysik in den letzten 10 – 20 Jahren, welches sich
kolloidalen Systemen. Er teilte diese unter Berücksichtigung in der Verleihung des Nobelpreises für Physik im Jahre 1991
der Bindungsart zwischen den Atomen der Kolloidteilchen an De Gennes manifestierte. In den letzten ein bis zwei
in drei Gruppen ein: die Dispersionskolloide wie Farben Jahrzehnten hat sich das Studium der Selbstorganisation
und mineralische Kolloide in Gewässern; die Molekülkol- von Tensidsystemen unter dem Einfluss neuer Ideen und
loide, dazu zählen Polymere und natürliche organische Methoden aus der Physik, der Chemie und den Material-
Makromoleküle wie Huminstoffe; die Assoziationskolloide, wissenschaften grundlegend gewandelt [6]. Weicher kon-
beispielsweise Tenside und Waschmittel [5]. densierter Materie, von Polymer-Werkstoffen bis zu kom-
Nachdem die Kolloid- und Polymerwissenschaften lan- plexen Flüssigkeiten, kommt große Bedeutung in Grundla-
ge Jahre eine Domäne der Chemiker waren, haben sich die genforschung und Technik zu. Hierzu zählen Nahrungs-

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mittel, Farben, Kosmetika und Flüssigkristallanzeigen. Die Kolloide sind Teilchen, bei denen die Oberflächen-
Entwicklung gezielter Synthesen, moderner Charakterisie- eigenschaften gegenüber den Festkörpereigenschaften
rungsmethoden und neuer Konzepte der statistischen Phy- dominieren. Dies lässt sich an einem einfachen Beispiel ver-
sik machen daher „soft condensed matter-Physik“ zu einem deutlichen: Während 1 g Sand, aufgeteilt in kugelförmige
aktuellen, anwendungsnahen Forschungsgebiet, welches Teilchen (Partikel) von 1 mm Durchmesser eine Gesamt-
Biomaterialien und lebende Biomasse umfasst [7]. oberfläche von 30 cm2 aufweist, besitzt dieselbe Menge bei
einer Aufteilung in 10 nm große Teilchen (Kolloide) eine
Heutige Definition der Kolloide Gesamtoberfläche von 30 m2. Das Verhältnis von Ober-
Kolloide werden dem Vorschlag der International Union of flächen- zu Festkörpermolekülen ist bei den 1 mm großen
Pure and Applied Chemistry (IUPAC) von 1971 folgend als Partikeln sehr gering, erreicht aber bei den 10 nm großen
Objekte definiert, bei denen mindestens eine Dimension Teilchen 20 %. Reaktionen an der Oberfläche von Kolloiden
im Bereich von 1 nm bis zu 1000 nm liegt (d.h., auch eine spielen also eine wichtige Rolle [8].
Seite dieses Heftes würde als Kolloid bezeichnet werden, so-
fern die Dicke des Papiers < 1 µm wäre). Kolloide sind ei- Warum interessieren sich Wasserchemiker
nerseits so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht für Kolloide?
mehr sehen kann, zum anderen aber bedeutend größer als Trinkwasseraufbereitung
die atomare Dimension. Unter Kolloiden versteht man je- Neben gelösten Stoffen, die die Wasserqualität beeinflus-
doch nicht nur eine Stoffeigenschaft, wie es die von der sen können, sind in allen natürlichen Gewässern Kolloide
IUPAC definierte Größe bestimmt, sondern auch einen und häufig auch Partikel (Teilchen > 1 µm) enthalten. Ab-
Systemzustand. Die reine Größendimension wird um die bildung 2 verdeutlicht die Größenverhältnisse von Kollo-
makroskopisch zu beobachtende Systemeigenschaft der Kol- iden. Zu beachten ist, dass die in der Wasserchemie klassisch
loide ergänzt, nämlich dass ein kolloidales System eine verwendete Trenngrenze von 0,45 µm zwischen gelöst
gleichmäßige Verteilung zeigt, die sich in einem definierten und partikulär mitten durch den Bereich der Kolloide
Beobachtungszeitraum nicht verändert (Abbildung 1). schneidet.

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Größenspektrum
natürlicher und
anthropogener
Bodenbestandtei-
le. Grau unterlegt
ist der Bereich
der kolloidalen
Komponenten
(zur Verfügung
gestellt von PD
Dr. K.U. Totsche,
TU München-
Weihenstephan).

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Kolloide sind so klein, dass sie bei der Filtration im Was- Neben der Sorption an anorganische Kolloide spielen in
serwerk nicht immer zurückgehalten werden. Infolge ihrer natürlichen Systemen bei der kolloidalen Stoffverlagerung
großen Oberfläche können sie Stoffe ad- oder absorbieren von Radionukliden, Schwermetallen und organischen
und diese „Huckepack“ transportieren [9]. Das Kolloid Schadstoffen auch organische Substanzen eine wichtige
selbst kann dabei völlig unbedenklich für die Wasserqualität Rolle [14,15,16]. Schadstoffe können in die organische Sub-
sein, z.B. Tonkolloide. Jedoch sind Stoffe, die an dieses Kol- stanz eingeschlossen und somit weitgehend irreversibel an
loid sorbieren können, wie hochsorptive polare organische das Trägermaterial gebunden werden.
Schadstoffe, im Trinkwasser unerwünscht (z.B. PAK, PCB,
Doxine/Furane). Man kennt aber auch Kolloide, welche Kolloide in Seen und Ozeanen
selbst die Wasserqualität ungünstig beeinflussen. Hierzu Kolloide sind für die Stoffbilanzen von Seen und Ozeanen
gehören biologische Kolloide, wie Bakterien, Sporen und wichtig. Eine Vielzahl von Nährstoffen wie Phosphor, Stick-
Viren, die für die Trinkwasserhygiene relevant sind. Uner- stoff oder für den Stoffwechsel von Phytoplankton wichti-
wünschte Effekte durch Kolloide entstehen nicht zuletzt im ge Elemente wie Eisen können kolloidal gebunden sein. Wu
Bereich der Wassergewinnung. Sie können die Effektivität et al. konnten z.B. zeigen, dass der überwiegende Anteil
eines Sandfilters verringern oder ein Förderbrunnen durch des Eisens im Nordatlantik und Nordpazifik kolloidal ge-
Poren-Verblockung in seiner Leistung mindern. bunden und nicht gelöst vorliegt [17]. Diese Ergebnisse
Kolloide haben auch positive Eigenschaften im Hinblick sind von Bedeutung, da das Wachstum von Phytoplankton
auf die Wasserqualität. Sie können die Mobilität von Schad- und die Fixierung von Stickstoff und Kohlenstoff (besonders
stoffen verringern sowie die Aktivität von Schadstoffen ver- der Treibhausgases CO2) von der Speziation und Biover-
ändern und so die Bioverfügbarkeit und die Toxizität be- fügbarkeit des Eisens abhängen können. Kolloidales Eisen
einflussen. Deshalb werden sie zur Sanierung von Grund- ist schlechter bioverfügbar und kann so das Wachstum limi-
wasserschadensfällen, insbesondere Tenside, und zur tieren. Auch der Verbleib der organischen Biomasse und
Flockung bei der Wasseraufbereitung eingesetzt. somit des Kohlenstoffes in den Ozeanen wird von der
Koagulation und Sedimentation der Kolloide beeinflusst
Kolloide und Radionuklide [18, 19].
Die Untersuchung des Transportes von Radionukliden im
Zuge der Endlagerung und die Betrachtung von atomaren Stoffverlagerung im Boden
Testgeländen und Forschungslabors (z.B. Nevada Test Site In der Bodenzone können Kolloide ganz entscheidend zur
[8, 10]) gab einen Anstoß zur Untersuchung des Kolloid- Stoffverlagerung beitragen. Zum einen wird die Bodenbil-
transportes. Radioaktive Substanzen sind selbst in kleinsten
Konzentrationen unerwünscht. Sie sorbieren stark an Kol-
loide oder neigen zur Eigenkolloidbildung. Da der Verbleib
der Radionuklide bei der Endlagerung über mehrerer Jahr-
hunderte vorausgesagt werden soll, ist die Einbeziehung
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des kolloidalen Transportpfades unabdingbar. Forschungs-


arbeiten zu diesem Gebiet werden in Deutschland seit
vielen Jahren am Institut für Nukleare Entsorgung (For-
schungszentrum Karlsruhe) sowie am Institut für Radio-
chemie (Forschungszentrum Rossendorf) durchgeführt [11,
12].

Kolloide und Spurenmetalle


Kolloide beeinflussen den Transport von Spurenmetallen.
Generell können Spurenmetalle an Kolloide adsorbieren
oder – bei Überschreiten ihrer Löslichkeit – selbst Kolloide
bilden. Furrer et al. berichteten über die kolloidgebundene
Verlagerung von Spurenmetallen durch Aluminiumkolloide
[13]. Die Autoren beschäftigten sich mit den Auswirkun-
gen von sauren Grubenwässern durch Bergbauaktivitäten,
welche weltweit eine Fläche von 240.000 km2 einnehmen
und auch in Deutschland eine bedeutende Rolle spielen. Sie
beobachteten, dass bei dem Austritt der Grubenwässer aus Entstehung von Kolloiden im Boden durch einen geochemischen Gradienten. Kollo-
den Stollen und bei der Mischung mit dem Flusswasser ide können durch die Oxidation von zweiwertigem Eisen entstehen. Dieser Prozess
ist dann von Bedeutung, wenn anoxisches eisenreiches Grundwasser mit oxischem
Aluminium-Oxyhydroxid-Flocken entstehen, die mehrere
Grundwasser gemischt wird. Bei der reduktiven Lösung von Eisen- oder Mangan-
Kilometer zusammen mit adsorbierten Schwermetallen zementen, welche ein häufiger Überzug von Mineralkörnern im Boden sind, können
transportiert wurden. eingeschlossene Tonpartikel freigesetzt werden.

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dung durch die Verlagerung von Tonkolloiden beeinflusst. Biologische Kolloide
Zum anderen können Nährstoffe, organische Substanzen Biologische Kolloide (Mikroorganismen), wie Bakterien,
und Schadstoffe im Boden kolloidal transportiert werden. Viren oder Sporen kommen in allen natürlichen aquatischen
Für die Kolloidverlagerung im Boden spielt insbesondere Systemen vor. Sie sind Bestandteil und Indikator für ein
dessen heterogenes Gefüge eine Rolle. Bevorzugte Fließ- belebtes System und katalysieren eine Vielzahl von geo-
wege wie Risse, Makroporen, Wurm- oder Wurzellöcher er- chemischen Prozessen und Abbauprozessen. Sie sind für
lauben einen schnellen und nahezu ungehinderten Kol- eine gute Wasserqualität unabdingbar, da sonst eine Vielzahl
loidtransport, da die Abscheidung nur sehr gering ist. Be- von Stoffen nicht zurückgehalten oder abgebaut würde. Je-
günstigt wird der Transport im Boden dadurch, dass die doch sind sie im Trinkwasser weitgehend unerwünscht, so
hydraulischen Fließbedingungen sehr stark in Abhängigkeit dass vor der Einspeisung ins Rohrnetz filtriert und/oder
der Regenereignisse variieren. Die Abscheidung von Kol- desinfiziert wird. Es kann hierbei auch der natürliche
loiden an der Gas-Wasser-Grenzfläche im Boden ist Gegen- Grundwasserleiter als Filter dienen.
stand aktueller Forschung [20].
Organische Kolloide
Wie entstehen aquatische Kolloide? Organische Kolloide (ohne Mikroorganismen) entstehen
Kolloide können auf vielfältige Weise entstehen. Es ist sinn- durch den Abbau organischer Restsubstanzen oder durch
voll, zwischen anthropogenen, biologischen, organischen Humifizierung. Zu den organischen Kolloiden gehören auch
und anorganischen Kolloiden zu unterscheiden, auch wenn Stoffe, die von Mikroorganismen ausgeschieden werden.
die Trenngrenzen hierbei nicht scharf sind. Die Größenordnung dieser Kolloide liegt im Übergang zu
den Molekülen und es lässt sich keine scharfe Trenngrenze
Anthropogene Kolloide definieren. Substanzen < 1.000 Dalton können als gelöst
Anthropogene Kolloide wie Rußpartikel oder Platinkolloide (z.B. Fulvinsäuren) und Substanzen > 1.000 Dalton (viele
aus Katalysatoren werden atmosphärisch in die aquatische Huminsäuren) als kolloidal bezeichnet werden. Die Unter-
Umwelt eingetragen. Rußpartikel können für die Schad- scheidung zwischen gelöst und kolloidal ist an Aggregati-
stoffverlagerung in Böden und die Zurückhaltung von hy- onseigenschaften und Konformationsänderungen gebunden
drophoben organischen Schadstoffen eine große Rolle spie- und nicht vollständig verstanden. Der Summenparameter
len. Insbesondere in industriell intensiv genutzten Gebieten DOC (Dissolved Organic Carbon) ist diesbezüglich durch
wie dem Ruhrgebiet sind hohe Konzentrationen an Rußpar- die Bezeichnung „gelöst“ irreführend, da die Einteilung auf
tikeln in den Oberböden zu finden. Seit Einführung der Grund einer willkürlichen Trenngrenze von 0,45 µm (Fil-
Katalysatoren in Kraftfahrzeugen werden Platinkolloide in tration) gewählt wird. Für den Stofftransport können orga-
höherer Konzentration in die Umwelt emittiert. Über den nische Kolloide auf Grund ihres hohen Sorptionsvermögens
Niederschlag können sie in Oberflächen- oder Grundwäs- für organische Schadstoffe sowie der Komplexierung an-
ser eingetragen werden. organischer Stoffe eine große Rolle spielen.

Anorganische Kolloide
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Anorganische Kolloide entstehen beispielsweise durch
Gesteinsverwitterung, Erosion, Sekundärmineralbildung,
Lösungs- und Fällungsprozesse sowie hydrochemische und
hydraulische Mobilisierung. Böden können zu einem
großen Anteil aus feinkörnigem Sediment im Größenbe-
reich der Tonfraktion < 2 µm bestehen. Diese Feinfraktion
kann sowohl der Sedimentation entstammen (detrisch) als
auch eine Neubildung an Oberflächen aus thermodyna-
misch instabilen Primärmineralen sein (authigen). Zu der
Gruppe der detrischen Kolloide gehören vor allem Sili-
kate, Schichtsilikate, Fe- und Al-Oxide und Hydroxide. Zur
Gruppe der authigenen Neubildungen gehören sekundäre
Hydroxide, Tonminerale, Silikate und komplexe Mischun-
gen aus diesen Phasen. Dieser Feinanteil der Bodenmatrix
kann durch erhöhte Scherkräfte bei hydraulischen Schwan-
kungen oder hydrochemischen Veränderungen mobilisiert
Eintrag von Kolloiden mit dem Oberflächenwasser in den Boden. Bei der Trinkwas- werden.
seranreicherung (links) werden meist große Wassermengen infiltriert, so dass der Anorganische Kolloide können durch einen geochemi-
Kolloideintrag wahrscheinlicher ist und von der Filtereffizienz abhängt. Bei der
natürlichen Infiltration aus Flüssen oder der Uferfiltration wird ein Eindringen von
schen Gradienten entstehen oder mobilisiert werden. So
Kolloiden oder suspendierten Partikel meist durch eine Kolmationsschicht (Schlamm-/ werden durch den Abbau von organischer Substanz und
Tonschicht) am Boden des Flusses verhindert. der damit verbundenen Reduktion der Elektronenakzepto-

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ren (O2, NO3–, NO2–, MnO2, Fe(III)-Oxid, SO42–, CO2) Eisen- Kolloid ist nach der Schulz-Hardy-Regel stärker als die von
Mangan-Zemente gelöst und die in ihnen eingeschlossenen monovalenten Kationen wie Natrium. Hierdurch werden
Kolloide mobilisiert. Durch heterogene Lösung können die abstoßenden Kräfte zwischen Kolloiden erhöht und
auch Teile der Zemente selbst als Kolloid mobil sein (Ab- eine Mobilisierung erleichtert.
bildung 3). Durch die Lösung von Fe-Mn-Zementen unter Ähnliche Effekte können bei der Sorption von ober-
reduzierenden Bedingungen werden Fe2+ und Mn2+ freige- flächenaktiven Substanzen beobachtet werden, welche
setzt. Deren Löslichkeit ist jedoch durch das Sättigungs- einen Einfluss auf die Ladung der Kolloide haben wie Ten-
gleichgewicht ihrer Carbonate und Sulfide begrenzt, so dass side oder Huminstoffe.
es bei einer Übersättigung zum Ausfallen der jeweiligen Kolloide können über die natürliche Versickerung von
Phasen und zur Kolloidbildung kommen kann. Flusswasser oder bei der künstlichen Infiltration von Fluss-
wasser zur Trinkwassergewinnung in den Untergrund ein-
Verhalten von Kolloiden in Gewässern getragen werden. Die Zurückhaltung der Kolloide hängt bei
Kolloidmobilisierung der natürlichen Infiltration von der Beschaffenheit des Fluss-
Eine geochemische Kolloid-Mobilisierung kann durch Ef- bettes ab, bei der künstlichen Infiltration von der Effizienz
fekte hervorgerufen werden, welche die elektrochemischen der Filter (Abbildung 4).
Eigenschaften der Kolloide verändern. So führt die Verrin-
gerung der Ionenstärke oder eine Verschiebung der Stabilität
Ionenzusammensetzung von bivalenten zu monovalenten Um das Verhalten von Kolloiden zu beschreiben, ist vor
Ionen zu einer Expansion der elektrischen Doppelschicht allem das Verständnis der Stabilität in einem aquatischen
um geladene Kolloide. Die Wirkung von bivalenten Katio- System wichtig. Der Begriff Stabilität bedeutet in der Kol-
nen wie Calcium auf die elektrische Doppelschicht um ein loidchemie etwas grundlegend anderes als in der Thermo-

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A1) Eine hohe Oberflächenladung begünstigt starke abstoßende Kräfte zwischen den Kolloiden, geringe Oberflächenladungen
führen zur Destabilisierung. Dies ist in Teil A2 anhand des Potenzialverlaufs im Dispersionsmittel dargestellt. Je höher die Ober-
flächenladung, desto höher ist auch das Potenzial in der Umgebung des Kolloids. B1 und B2 zeigen den Einfluss der Ionenstärke.
Gegenionen kompensieren die Oberflächenladung eines Kolloids. In Abhängigkeit der Zusammensetzung des Dispersionsmittels
reichen die elektrostatisch abstoßenden Kräfte relativ weit in die Umgebung des Kolloids (niedrige Ionenstärke) oder klingen
bei hohen Ionenstärken, welche durch bivalente Kationen wie Calcium begünstigt werden, schnell ab (B2).

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dynamik. Stabilität ist die Eigenschaft der Kolloide, während philen Polymerendglieder nun anstelle des Dispersions-
einer Beobachtungsphase den Dispersionsgrad nicht zu ver- mediums von anderen Polymerendgliedern umgeben
ändern. Instabile Lösungen neigen zum Agglomerieren und werden [21, 23].
ab dem Erreichen einer kritischen Kolloidgröße zum Sedi-
mentieren. Elektrostatische Stabilisierung
Dispergierte Kolloide weisen eine große Oberfläche Aquatische Kolloide weisen meist eine negative Ober-
und somit eine hohe freie Oberflächenenergie auf. Durch flächenladung auf. Diese Ladung ist für die elektrostatische
Agglomeration wird die Oberfläche verkleinert und der Stabilisierung von Bedeutung und kann durch drei unter-
thermodynamisch stabilere Zustand einer kleineren Ober- schiedliche Mechanismen entstehen. Chemische Reaktio-
fläche erreicht [21]. nen beeinflussen die funktionellen Gruppen der Kolloide
Man unterscheidet zwei Mechanismen der Stabilisie- (-OH, -COOH, -OPO3H2 oder –SH). Die Ladung der Kollo-
rung von Kolloiden, die sterische und die elektrostatische idoberfläche ist abhängig vom Ionisierungsgrad der Ober-
Stabilisierung. fläche und dementsprechend vom pH-Wert des Mediums
(z.B. für Metall-Oxide und -Hydroxide). Die Ladung ist ne-
Sterische Stabilisierung gativ für hohe pH-Werte und positiv für niedrige pH-Werte.
Eine sterische Stabilisierung kann aus der Adsorption von Eine permanente Ladung kann durch den isomorphen, aber
Polymeren an die Kolloidoberfläche resultieren. Diese Po- nicht ladungsgleichen Austausch von beispielsweise Al
lymere weisen häufig Endglieder verschiedener Affinität durch Mg oder Si durch Al aufgebaut werden. Die meisten
auf. Sie haben ein Endglied mit hoher Affinität zur Kolloid- Tonminerale mit Ausnahme von Talk und Phyrophyllit sind
oberfläche und ein zweites, welches als hydrophile Grup- Beispiele für diesen Ladungstyp. Die Ladung an den Ton-
pe in das umgebende Medium reicht. Die Stabilisierung mineralkanten ist von nicht abgesättigten Valenzen an den
erfolgt durch eine Erhöhung der freien Energie für die Seitenflächen der Oktaederschichten pH-abhängig. Dies ent-
Annäherung von zwei sterisch stabilisierten Kolloiden spricht dem vorherigen Mechanismus.
durch strukturelle oder osmotische Kräfte. Dies führt zu Nicht zuletzt kann eine Oberflächenladung durch
einer gesamtabstoßenden Wechselwirkung, da ein Kolloid- Adsorption einer hydrophoben Spezies oder eines ober-
Kolloid-Kontakt entweder die Polymerschichten kompri- flächenaktiven Ions entstehen, zum Beispiel die Sorption
mieren müsste (Verringerung der Entropie) oder die hydro- von Tensiden. Der Adsorptionsmechanismus kann auf hyd-
rophoben Bindungen, Wasserstoffbrückenbindungen oder
auf van-der-Waals-Interaktionen beruhen.
ABB. 6
| A N Z I E H U N G U N D A B S TOSS U N G Die verschiedenen Anteile der Oberflächenladung tragen
zur Netto-Kolloidgesamtladung bei. Die Ladung von aqua-
tischen Kolloiden wird durch die Ladung der diffus verteil-
ten, frei beweglichen Ionen in der Lösung ausgeglichen.
Obwohl frei beweglich, verbleiben diese diffus verteilten
Gesamtwechselwirkung/Vt/kBT

Ionen nah genug am Kolloid, um dessen Ladung abzu-


schirmen und eine neutrale Gesamtladung (Kolloidladung
+ Ladung der diffusen Schicht) hervorzurufen. In der Um-
gebung des Partikels fällt das Potenzial nach diesem Modell
exponentiell mit der Entfernung von der Oberfläche ab
(Abbildung 5, A2 und B2).
In einem klassischen physikalischen Modell lassen sich
auf Grund der Ladung zwei entgegengesetzt wirkende Kräf-
te beschreiben: abstoßende elektrostatische Kräfte VR, sie
werden auch Born- und Doppelschicht-Kräfte genannt; an-
ziehende van-der-Waals-Kräfte VA.
Die Gesamtwechselwirkung VT zwischen zwei gela-
denen Kolloiden lässt sich durch Addition der abstoßenden
Abstand Partikel-Kollektor/nm
und anziehenden Kräfte beschreiben. Sterische Kräfte und
Berechnung der Gesamtwechselwirkung nach der klassischen DLVO-Theorie zwi-
Brückenkräfte werden hierbei nicht berücksichtigt, van-
schen zwei geladenen Kolloiden oder einem geladenen Kolloid und einer geladenen der-Waals- und elektrostatische Kräfte werden getrennt
Oberfläche. Die meisten Kolloide und Oberflächen sind in aquatischen Systemen voneinander betrachtet. Sie kann nach der DLVO-Theorie
negativ geladen. Eine Ausnahme hiervon bilden z.B. Eisenoxide unterhalb ihres berechnet werden, die es ermöglicht, eine Vielzahl von
Ladungsnullpunktes, sofern sie nicht durch Sorptionseffekte, insbesondere Humin- experimentellen Befunden zumindest semiquantitativ zu
stoffe, eine negative Oberflächenladung aufweisen. Je höher die Energiebarriere in
einem kolloidalen System ist, desto stabiler ist die Dispersion. Eine Koagulation
erklären [3, 4].
kann im sekundären Minimum (reversible durch Scherkräfte) oder im primären In Abbildung 6 ist die Summe der anziehenden und ab-
Minimum (stabile Anlagerung) erfolgen. stoßenden Kräfte gegen den Abstand zweier Kolloide auf-

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KO L LO I D E WA SS E RC H E M I E
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getragen. Per Definition steht hierbei (–) für anziehende Methoden für die Untersuchung aquatischer Kolloide not-
Kräfte und (+) für abstoßende Kräfte. Die anziehende van- wendig.
der-Waals-Kraft ist eine Funktion des Abstandes vom Kollo- Interessante Eigenschaften sind die Größe und Form,
id. Sie ist in erster Näherung umgekehrt proportional zum die Konzentration, die chemische/mineralogische Beschaf-
Quadrat des Kolloidabstandes. fenheit sowie die Oberflächeneigenschaften der Kolloide.
Die abstoßende elektrostatische Kraft ist eine Funktion Ein entscheidender Vorteil einer Analysentechnik kann die
des Oberflächenpotentials, welches nach der Gouy-Chap- direkte Messung der Kolloide in dem Dispersionsmittel sein.
man-Theorie aus der Oberflächenladung, dem Kolloid- Eine aufwändige Aufbereitung ist nicht notwendig. Solch ei-
abstand und der Elektrolytkonzentration in der Lösung er- ne Präparation, z.B. das Filtrieren, Trocknen und Beschich-
rechnet werden kann. Die abstoßende Born-Kraft berück- ten von Proben für die Untersuchung im Elektronenmikros-
sichtigt die Nahkräfte im Bereich weniger Ångström zwischen kop, kann die natürliche Struktur und den Aggregations-
den Kolloiden und begrenzt das primäre Minimum. zustand verändern. Dies muss bei der Interpretation von
Ein Kolloid, welches sich einer geladenen Oberfläche Bildern, wie in Abbildung 1a, 1c und 1d, berücksichtigt
annähert, muss zu seiner vollständigen Anlagerung im werden.
primären Minimum die Energiebarriere überwinden. Bei
sehr kleinen Abständen (in Abbildung 6 ca. 2,9 Å) wird die Größenmessung
Wirkung zwischen den Elektronenwolken, die Born-Ab- Die Größe von Kolloiden kann direkt oder nach einer
stoßung, deutlich, so dass eine weitere Annäherung ver- Größenfraktionierung mit separater Detektion bestimmt
hindert wird. Im Abstand der größten Annäherung be- werden. Geeignet sind mikroskopische Methoden wie Licht-,
stimmt ein tiefes Energieminimum (primäres Minimum) die Elektronen-, Rasterkraft-, Röntgenmikroskop. Laserlichtab-
Kolloidanlagerung. Kolloide, die sich auf den Abstand des schattung, Streulichtverfahren mit statischer und dyna-
sekundären Minimums annähern, weisen schwache Bin- mischer Lichtstreuung sowie die Coulter-Methode oder die
dungskräfte auf und können durch Scherkräfte, wie Rühren, Laser-induzierte Breakdown-Detektion (LIBD) werden eben-
voneinander getrennt werden. Das sekundäre Minimum ent- falls eingesetzt. Bei den meisten Methoden wird nicht der
steht durch einen Überschuss der van-der-Waals-Kraft im tatsächliche Durchmesser, sondern nur ein Äquivalent-
Vergleich zu den elektrostatischen Kräften in einiger Ent- durchmesser bestimmt, der bei plättchenförmigen Kollo-
fernung von der Kolloidoberfläche. Die Höhe der Ener- iden nur bedingt die tatsächlichen Größenverhältnisse be-
giebarriere entscheidet über eine Annäherung der Kolloide schreibt (z.B. hydrodynamischer Durchmesser, Gyrations-
und bestimmt somit die Kolloidstabilisierung. Ihr Betrag radius, Projektionsradius).
wird durch die Elektrolytkonzentration, die Oberflächenla-
dung sowie Sorptionsprozesse verändert [22].
Eine hohe Oberflächenladung und eine geringe Ionen-
stärke stabilisieren Kolloide. Niedrige Oberflächenladungen
ABB. 7
| FUNK TIONSPRINZIP DER FELD -FLUSS -FRAK TIONIERUNG (FFF)

oder hohe Ionenstärken führen zu einem schnellen Abfall


des Potenzials in der diffusen Doppelschicht und somit zu
einer geringen oder vollständig fehlenden Energiebarriere
(Abbildung 5).
Neben den klassischen DLVO-Kräften sind für die Sta-
bilität von Kolloiden und deren Verhalten in der aquati-
schen Umwelt auch Nicht-DLVO-Kräfte wie Wasserstoff-
brückenbindungen, hydrophobe Kräfte, Hydratationsdruck,
Lewis-Säure-Base-Wechselwirkungen ohne Ladungstransfer
und sterische Interaktionen wichtig [23].

Kolloidanalytik
Unsere Kenntnisse über das Verhalten von aquatischen Kol-
loiden, deren Beitrag zum Stofftransport oder Einfluss auf
Stoffkreisläufe sind in den letzten Jahren durch eine Vielzahl
von neuen Analysetechniken erweitert worden. Auch wenn
bisher noch keine Universalmethode existiert, die gleich-
zeitig Größe, Konzentration und Beschaffenheit der Kollo- Die Probe wird durch einen dünnen Kanal gepumpt, an den ein externes Feld ange-
ide messen kann, erlauben moderne Techniken den Nach- legt wird (Fluss, Gravitation, elektrisch, magnetisch). Kleine Kolloide diffundieren
weis immer geringerer Konzentrationen. Bei der Endlage- leichter in die Mitte des Kanals zurück, wo die Strömungsgeschwindigkeit am höch-
sten ist. Hierdurch eluieren sie zuerst und werden anschließend mit unterschied-
rung von radioaktiven Stoffen können so beispielsweise Kol- lichsten Detektionstechniken analysiert, welche auch miteinander kombiniert wer-
loidkonzentrationen im untersten µg/L-Bereich bestimmt den können (zur Verfügung gestellt von Herrn F. v.d. Kammer, Arbeitsbereich Umwelt-
werden. Grundsätzlich ist immer eine Kombination mehrer schutztechnik, TU Hamburg Harburg).

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Bei Größenmessungen muss zwischen einer Anzahl-, Chemische Zusammensetzung
Massen- und Oberflächenverteilung unterschieden werden. Die chemische Zusammensetzung von Kolloiden kann
Betrachtet man die Anzahlverteilung natürlicher Wasser- durch spektroskopische Methoden und chemische sowie
proben, wird das Maximum im Bereich der kleinsten Kol- mineralogische Analysenverfahren bestimmt werden. Für
loide liegen. Transformiert man diese Verteilung jedoch in die meisten Methoden ist ein Abtrennen der Kolloide und
eine Volumenverteilung, können wenige große Kolloide eine Aufkonzentration notwendig, so dass die Gesamtzu-
die Verteilung bestimmen [24]. sammensetzung und nicht die des Einzelkolloids bestimmt
wird [24].
Masse und Anzahl Von der Vielzahl der Methoden, die in der Kolloidana-
Die Massen-Konzentration von Kolloiden kann gravimet- lytik angewendet werden, sollen drei kurz vorgestellt wer-
risch ermittelt werden. Die Anzahl-Konzentration kann den, da sie in den letzten Jahren besonders intensiv wei-
direkt durch Auszählen im Mikroskop, Laserlichtabschat- terentwickelt wurden und Kolloide direkt in der aquati-
tung, Coulter Methode oder indirekt durch Trübungsmes- schen Matrix und ohne Probenaufbereitung messen.
sung, Lichtstreuung und LIBD erfolgen. Für die indirekten Mit der Feld-Fluss-Fraktionierung (FFF) können Makro-
Methoden ist eine Kalibrierung mit geeigneter Standard- moleküle, Kolloide und Partikel separiert und in Abhän-
kolloide notwendig. Anzahl-Konzentrationen können über gigkeit des Systems Größen zwischen einigen Nanometern
die Annahme der Kolloiddichte bei bekannter Größenver- bis hin zu mehreren Mikrometern untersucht werden. Die
teilung in Massen-Konzentrationen umgerechnet werden. FFF trennt die Kolloide auf Grund ihrer chemischen und
Insbesondere im untersten Konzentrationsbereich können physikalischen Eigenschaften in einem externen Feld. An
nur wenige Methoden wie die LIBD eingesetzt werden [24]. diese Trennung schließt sich die Detektion an. Dies erlaubt
eine vielfältige Kombination von Möglichkeiten (Abbildung
7). Als Feld kann ein Querfluss (Trennung nach hydrody-
ABB. 8
| L A S E R- I N D U Z I E R T E B R E A K D OW N - D E T E K T I O N ( L I B D )
namischen Durchmesser), ein elektrisches Feld (Trennung
nach Ladung), ein Gravitations-/Sedimentationsfeld (Tren-
nung nach Masse) oder magnetisches Feld angelegt wer-
den. Die Trennung erfolgt in einem sehr dünnen Kanal, wo
die Kolloide durch das angelegte Feld an die Kanalinnen-
seite gedrückt werden. Mit einem laminaren Trägerstrom
werden sie durch den Kanal transportiert. Durch das para-
belförmige Strömungsprofil in dem Kanal eluieren die Kol-
loide am schnellsten, die am wenigsten von den angelegtem
Feld beeinflusst werden. Für den Fall der Fluss- und Sedi-
mentations-FFF sind das die kleinsten Kolloide, da sie sich
in Folge ihres höheren Diffusionskoeffizienten eher in der
Mitte des Kanals aufhalten.
Eine recht neue Methode ist die Laser-induzierte
Breakdown-Detektion (LIBD). Sie basiert auf der Erzeu-
gung von dielektrischen Zusammenbrüchen, den Breakdo-
wn-Ereignissen, die gezählt und räumlich detektiert wer-
den (Abbildung 8). Ein Breakdown entsteht durch die Wech-
selwirkung von Materie mit Licht hoher Intensität. Für die
Messung wird ein gepulster Laser verwendet. Die für einen
Breakdown notwendige Laserpulsleistungsdichte ist in Ga-
sen, Flüssigkeiten und Feststoffen unterschiedlich. Der La-
ser wird so eingestellt, dass in kolloidfreiem Wasser keine
Breakdown-Ereignisse beobachtet werden können. Kommt
ein Kolloid in den Fokusbereich des Laserstrahls, wird ein
dielektrischer Zusammenbruch ausgelöst. Dieser kann so-
wohl akustisch als auch optisch detektiert werden. Die An-
Durch einen gepulsten Laser wird ein dielektrischer Zusammenbruch, ein Break- zahl der Breakdown-Ereignisse hängt von der Kolloidkon-
down erzeugt, der über eine piezoelektrische oder kameragestützte Detektion re- zentration ab. Die Größenverteilung der Kolloide kann aus
gistriert wird. Die Breakdownhäufigkeit korreliert mit der Kolloidkonzentration, der Verteilung der Ereignisse längs der Achse des Laser-
aus der optischen Detektion längs der Laserstrahlachse kann die Partikelgrößenver- strahls statistisch berechnet werden. Kleine Kolloide kön-
teilung abgeleitet werden. Die LIBD arbeitet bis in den untersten µg/L Bereich.
Bei höheren Kolloidkonzentrationen kann gleichzeitig eine Elementanalyse durch
nen nur im hochenergetischen, fokussierten Zentrum des
Aufnahme der Spektren erfolgen (zur Verfügung gestellt von Herrn Dr. T. Bundschuh, Laserstrahls zünden, größere Kolloide auch außerhalb. Die
ITC-WGT, Forschungszentrum Karlsruhe). LIBD ist die einzige momentan verfügbare Technik, die Kol-

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loide in einem Größenbereich von wenigen Nanometern monochromatische Strahlenquelle notwendig, wie sie von
auch im untersten µg/L Bereich detektieren kann. Die la- Synchrotron-Quellen zur Verfügung gestellt wird. Die Strah-
serinduzierte Plasmabildung ist mit der Emission von Licht lung der gewünschten Wellenlänge wird fokussiert und die
verbunden. Mit dem Abkühlen des Plasmas werden Ato- wässrige Probe durchstrahlt. Auch bei dieser Methode ist
memissionslinien aus angeregten atomaren Zuständen be- keine Aufbereitung notwendig, es wird direkt in der wäss-
obachtet. Diese Linien sind elementspezifisch und können rigen Matrix gemessen. Nachdem die Probe durchstrahlt
zur spektroskopischen Analyse (LIBS) der elementaren wurde, wird das Röntgendbild mit einer hinter der Probe
Hauptkomponenten der Kolloide im optischen Fokus her- liegenden Mikrozonenplatte vergrößert abgebildet und mit
angezogen werden [24, 25]. einer CCD-Kamera aufgenommen. Die Auflösung liegt in
Nicht zuletzt soll hier die Transmissions-Röntgen- Abhängigkeit der Wellenlänge der Röntgenstrahlung und
mikroskopie (TXM) vorgestellt werden (Abbildung 9). Für der Mikrozonenplatte bei 20 – 30 nm. Mittlerweile ist die
die Röntgenmikroskopie ist eine hochenergetische, quasi- Aufnahme von 3-D-Bildern und die Kopplung von TXM und

ABB. 9
| T R A N S M I S S I O N S - R Ö N TG E N M I K ROS KO PI E

Transmissions-Röntgenmikroskopie (TXM) am Bessy II, Berlin. Die kontinuierliche Röntgenstrahlung aus dem Synchrotron wird
auf die Kondensorzonenplatte geleitet, die Strahlung der gewünschten Wellenlänge fokussiert und die zu untersuchende wäss-
rige Probe mit den darin enthaltenen Kolloiden durchstrahlt. Die rotierenden Spiegel erzeugen eine Hohlkegelbeleuchtung.
Die Strahlung trifft auf die dahinter liegende Mikrozonenplatte, welche als hochauflösende Röntgenlinse das Objekt vergrößert
abbildet. Das Röntgenbild wird mit einer CCD-Kamera aufgenommen, wobei durch Rotation der Probe und anschließende
Bearbeitung im Computer dreidimensionale Darstellungen möglich sind. (Zur Verfügung gestellt von Dr. J. Thieme, Röntgenphysik,
Göttingen, [26-28]).

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induzierte Breakdown-Detektion oder Röntgenmikroskopie
D E R A R B E I T S K R E I S KO L LO I D E I N D E R WA S S E RC H E M I S C H E N werden unser Verständnis von aquatischen Kolloiden in den
GESELLSCHAFT
| kommenden Jahren erweitern.

Summary
Ziel dieses Arbeitskreises ist die Zusam- hinreichend genaue Beschreibung der mo-
Aquatic colloids are abundant in all natural aquatic systems.
menarbeit und der Wissensaustausch von bilen Feststoffe hinsichtlich Konzentra-
Forschern, die sich dem Thema aquatische tion, Art und Größe aus. Meist müssen Aquatic colloids consist of clay minerals, micro-organisms,
Kolloide angenommen haben. Einen mehrere Verfahren kombiniert werden, humic substances, and anthropogenic colloids like soot and
Schwerpunkt der Arbeit bildet der The- wobei zwischen in-situ, on-site und off- platinum (from catalysts in motor vehicles). Colloids may en-
menkomplex kolloidgebundener Schad- site unterschieden wird. Die Probenahme-
hance contaminant transport due to sorption of hydrophobic
stofftransport. Fragestellungen sind die technik von aquatischen Kolloiden ist
Umwelt-Relevanz des trägervermittelten insofern relevant, da hierdurch die natür- organic compounds. They can have negative effects on
Transportes, die mineralogische Zusam- liche Beschaffenheit und Konzentration water quality, especially micro-organisms like pathogens or
mensetzung der Kolloide, die Bedeutung der Kolloide verändert werden kann. viruses. Colloids also can cause pore blocking and subsequent
von organischen Kolloiden, die Prozesse Neben Übersichtbeiträgen [8, 24] und
head loss in groundwater production wells. However, colloids
zur Mobilisation/Bildung von Kolloiden, themenspezifischen Seminaren versteht
die Interaktion von Schadstoffen und Kol- sich der Arbeitskreis auch als Ansprech- can be useful in groundwater remediation or waster water
loiden, die Bioverfügbarkeit von kolloid- partner zu aktuellen Fragen im Bereich der treatment (e.g. tensides, flocculation, catalysts). The origin of
gebundenen Schadstoffen sowie Wechsel- Wasserqualität. Im Jahr 2003 wurde ein colloids is due to weathering, degradation of organic com-
wirkungen zwischen organischen/anorga- internationaler Unter-Arbeitskreis gegrün-
pounds, dissolution or precipitation as well as hydrochemical
nischen Kolloiden. Ergänzt wird dieser det, welcher sich dem Thema der Feld-
Bereich durch Fragen zur Sanierungstech- Fluss-Fraktionierung annimmt. Neben or hydraulic gradients. Colloid stability is dominated by sur-
nologie. dem Autor dieses Beitrages, welcher face properties. New analytical tools like field flow fractiona-
Einen weiteren Kern der Aktivitäten bil- Obmann des Arbeitskreises ist, arbeiten tion, laser induced breakdown detection and scanning x-ray
det die Bedeutung von Kolloiden bei der Dr. Thomas Baumann (TU München),
microscopy will provide new insight into the behaviour of
Wasseraufbereitung. Hierbei ist deren Ein- Dr. Tobias Bundschuh (FZ Karlsruhe, ITC-
fluss auf die Wasserbeschaffenheit, deren WGT), Frank v.d. Kammer (TU Hamburg- aquatic colloids.
Abhängigkeit von der Wassergewinnungs- Harburg), Dr. Andrew Leis (IWW Mül-
technik sowie das Rückhalte- bzw. Ab- heim), Markus Delay (Engler-Bunte-Insti- Schlagworte
scheidevermögen von unterschiedlichen tut Karlsruhe), Dr. Thorsten Schäfer Kolloide, Partikel, Stofftransport, Wasserchemie, Schad-
Aufbereitungstechniken bedeutend. (FZ Karlsruhe, INE), Dr. Jürgen Thieme
Den dritten Arbeitsbereich bildet die Mess- (Universität Göttingen), PD Dr. Kai Uwe stoffe, Stabilität, Kolloidanalytik
technik und Probenahmetechnik. Bisher Totsche (TU München-Weihenstephan)
können Kolloide nur unzureichend charak- und Dr. Harald Zänker (FZ Rossendorf, Literatur
terisiert werden. Keine der vorhandenen Inst. F. Radiochemie) aktiv in dieser Grup- [1] Ostwald, W: „Die Welt der vernachlässigten Dimensionen. Eine
Messtechniken reicht in der Regel für eine pe der Wasserchemischen Gesellschaft mit. Einführung in die moderne Kolloidchemie mit besonderer
Berücksichtigung ihrer Anwendungen.“ 1914, Theodor Steinkopff,
Dresden.
[2] Löwen, H.: „Kolloide – auch für Physiker interessant?“ Phys. Bl.
Spektroskopie möglich. In Deutschland wird aktuell ein 1995, 51, 165.
Röntgenmikroskop am Bessy II in Berlin betrieben [26 – 28]. [3] Derjaguin, B. , Landau, L.: Theory of stability of strongly charged
lyophobic sols and of the adhesion of strongly charged particles in
Zusammenfassung solutions of electrolytes. Acta Physiochim. U.R.S.S. 1941, 14:633-
622.
Aquatische Kolloide sind in allen natürlichen Gewässern vor-
[4] Verwey, E.J.W., Overbeck, J.T.G.: Theory of the stability of lyophobic
handen. Sie umfassen anorganische Kolloide wie Tonminera- colloids. 1948, Elsevier Science Publishers, Amsterdam.
le, organische Kolloide wie Huminstoffe, Mikroorganismen [5] Dörfler, H.-D.: „Grenzflächen und Kolloidchemie.“ 1994, VCH,
und anthropogen eingetragene Kolloide wie Ruß oder Platin Weinheim.
aus Katalysatoren. Kolloide können hydrophobe organische [6] http://www.unifr.ch/physics/mm/pdm/pdmwmtxt.html
Schadstoffe sorbieren und transportieren oder nachteilig die [7] http://www.uni-konstanz.de/FuF/Physik/Forschung/maret.htm
[8] Hofmann, T, Baumann, T., Bundschuh, T., v.d. Kammer, F., Leis, A.,
Wasserqualität beeinflussen (z.B. pathogene Keime). Sie kön-
Schmitt, D, Schäfer, T., Thieme, J., Totsche, K.U., Zänker, H.:
nen die Leistung von Brunnen durch Verblockung der Poren-
„Aquatische Kolloide I: Definition, Systeme und Relevanz.“
räume im Grundwasser mindern. Kolloide können jedoch Grundwasser, 2003, 4-8, 203-212.
auch zur Sanierung von Grundwasserschadensfällen einge- [9] McCarthy, J.F., Zachara, J.M.: „Subsurface transport of
setzt (Tenside) oder in der Wasseraufbereitung verwendet contaminants”. Environ. Sci. Technol. 1989, 23, 496-502.
werden (Flockungsmittel, Katalysatoren). Kolloide entstehen [10] Buddemeier, R.W., Hunt, J.R.: „Transport of colloidal contaminants
oder werden mobilisiert durch Verwitterungsprozesse, Um- in groundwater: Radionuclide migration at the Nevada test site“.
Appl. Geochem. 1988, 3, 535-548.
setzung organischer Substanzen, Auflösungs- und Fällungs-
[11] http://www.fzk.de/INE/
prozesse sowie hydrochemische und hydraulische Verände- [12] http://www.fz-rossendorf.de/FWR/
rungen. Ihre Stabilität wird maßgeblich von den Oberfläche- [13] Furrer, G.; Phillips; B.L., Ulrich, K.-U., Pöthig, R., Casey, W.H.: „The
neigenschaften bestimmt. Viel versprechende neue analyti- origin of aluminum flocs in polluted streams“. Science 2002, 297,
sche Techniken wie die Feld-Fluss-Fraktionierung, Laser- 2245-2247.

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[15] Egli, M., Fitze, P., Oswald, M.: „Changes in heavy metal contents in [26] http://www.roentgen.physik.uni-goettingen.de/
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Der Autor
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and grazing by zooplankton on phytoplankton aggregate Geochemie an der Universität Bremen zum Thema
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612. wissenschaftlicher Assistent an der Universität
[20] http://www.fzk.de/ptwte/w/SIWA/ptwtesiwa.html Mainz, Arbeitsbereich Angewandte Geologie, 2002
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[24] Hofmann, T, Baumann, T., Bundschuh, T., v.d. Kammer, F., Leis, A., schaften, Universität Mainz, 55099 Mainz,
Schmitt, D, Schäfer, T., Thieme, J., Totsche, K.U., Zänker, H.: E-Mail: thilo.hofmann@uni-mainz.de

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