Drucksache 16

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Kleine Anfrage

16. Wahlperiode

Kleine Anfrage
des Abgeordneten Henner Schmidt (FDP)
vom 17. Dezember 2007 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 14. Januar 2008) und Antwort

Wann schließt sich die Breitbandlücke in Berlin?
Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt: 1. Wie bewertet der Senat die Ergebnisse des zweiten IT- Gipfels, der am 10. Dezember 2007 in Hannover stattgefunden hat? Zu 1.: Auf dem zweiten IT-Gipfel wurde Bilanz gezogen über die auf dem ersten IT-Gipfel in Potsdam verabredeten Schritte zur Stärkung des IKT- Standortes (Informations- und Kommunikationstechnologien) Deutschland. Es wurde festgeschrieben, dass Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam weitere Anstrengungen unternehmen müssen. Grundsätzlich sind die Ergebnisse des zweiten ITGipfels positiv zu bewerten. In vier Diskussionsrunden und neun Arbeitsgruppen wurden die aktuellen Themen und Perspektiven der Informations- und Kommunikationstechnik umfassend erörtert. Der Umsetzungserfolg der vielseitigen und überwiegend wirtschaftsorientierten Empfehlungen des zweiten IT-Gipfels kann erst in weiterer Zukunft beurteilt werden. Leider waren nach Ansicht des Senats die Bundesländer auf politischer Ebene nicht ausreichend in die Vorbereitung und Durchführung eingebunden. Eine stärkere Einbindung und Teilnahme von Ländervertretern wäre für zukünftige Folgeveranstaltungen wünschenswert. Dienste“ vorgeschlagene praxisnahe Lösung (Unterstützung von sechs beispielhaften Problem-Kommunen bei der Analyse und Konzeptentwicklung für eine regionale Breitbandversorgung) zielt auf Versorgungslücken im ländlichen Raum ab. Dieses Vorgehen ist folgerichtig, da der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie aufzeigt, dass sich die Versorgungsproblematik signifikant auf den ländlichen Raum konzentriert.

3. Wie bewertet der Senat die gegenwärtige Ausstattung Berlins mit Breitbandanschlüssen, und in welchen Bezirken und Ortsteilen sieht der Senat besonderen Handlungsbedarf? 4. Wie viele Berliner Haushalte sind nach Schätzung des Senats derzeit nicht an einen Breitbandanschluss angeschlossen? Zu 3.und 4.: Berlin verfügt über eine sehr gute Telekommunikationsinfrastruktur. Neben der Deutschen Telekom AG bieten zum Beispiel Versatel, Colt und Hansenet Breitbandprodukte an. Darüber hinaus wird in weiten Teilen Berlins zunehmend das Breitband-Internetangebot der Kabelnetzbetreiber ausgebaut und angenommen. Im gesamten Stadtgebiet sind mobile Breitbandanwendungen über die UMTS-Netze der vier etablierten Mobilfunkbetreiber (Vodafone, T-Mobile, E-Plus, O2) im vollen Umfang nutzbar. DSL-seitig gibt es einige wenige Versorgungslücken im Stadtgebiet, die dadurch entstanden sind, dass das Angebot von DSL nicht ohne weiteres in den sogenannten OPAL-Gebieten (OPtical Access Line; Gebiete mit Glasfasertechnik) möglich ist. Der Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen hat bereits vor einigen Jahren in Absprache mit der Deutschen Telekom durchgesetzt, dass die sogenannten

2. Wie bewertet der Senat die auf dem IT-Gipfel wiederholte Zielsetzung der Bundesregierung, bestehende Breitbandlücken so schnell wie möglich zu schließen? Zu 2.: Die Zielsetzung der Bundesregierung, bestehende Breitbandlücken so schnell wie möglich zu schließen, wird vom Senat geteilt. Die durch die Arbeitsgruppe 2 „Konvergenz der Medien-Zukunft der Netze und

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Abgeordnetenhaus Berlin – 16. Wahlperiode

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OPAL-Gebiete schnellstmöglich für DSL erschlossen werden. Ende 2007 waren bereits 98% aller Berliner Haushalte mit DSL versorgbar. Es liegt eine Zusage der Deutschen Telekom vor, dass bis Mitte 2008 die Erschließung weiterer 4.000 Haushalte (schwerpunktmäßig in Pankow und Mitte) vollzogen sein soll. Es verbleiben in Berlin noch 10.000 Haushalte (nach Kenntnisstand des Senats die sog. HYTAS-Gebiete (Hybrides Teilnehmer Anschlusssystem) in Spandau, Mitte, Neukölln und Treptow-Köpenick), bei denen die Netzbedingungen und die komplizierten kleinteiligen Strukturen einen Anschluss an das DSL-Netz nach Ansicht der Deutschen Telekom aus wirtschaftlichen Gründen nicht zulassen. Allerdings wird auch für diese 10.000 Haushalte an einer Lösung gearbeitet.

Gründen. Auch eine Finanzierung des Aufbaus aus öffentlichen Mitteln ist nicht möglich. Der Senat befindet sich in Gesprächen mit verschiedenen Anbietern, die ihr Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Land Berlin zum Aufbau eines solchen funkgestützten Netzes geäußert haben. Die bisher bekannten Pläne privater Anbieter richten sich auf den Aufbau eines Wireless Local Area Networks (WLAN) – Mesh (WLAN, bei dem Zugangspunkte bzw. Sender/ Empfänger untereinander funktechnisch verbunden sind). Sofern die entsprechenden Sendeanlagen und Infrastrukturen eine stadtbildgerechte Gestaltung zulassen und die entsprechenden technischen Voraussetzungen gegebne sind, werden öffentliche Standorte, wie z.B. Lichtmasten und öffentliche Gebäude für die Realisierung zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wird gemeinsam mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg geprüft, ob die wesentlich kostengünstiger zu betreibenden Frequenzen im Rundfunkspektrum für ein funkgestütztes Netz freigegeben werden können. Erste Pilotversuche werden vermutlich noch in diesem Jahr starten.

5. Welche Auswirkungen hat nach Ansicht des Senats ein fehlender Breitbandanschluss für den Berliner Mittelstand, und welche Alternativen existieren für Betriebe, die derzeit keinen Breitbandanschluss haben? Zu 5.: Eine fehlende, preislich erschwingliche Breitbandversorgung hemmt mittelständische Unternehmen in ihren geschäftlichen Entwicklungen und Möglichkeiten. Bei einer fehlenden DSL-Versorgung können regelmäßig die Alternativen im Hinblick auf eine Breitbandversorgung über die Kabelnetze, satellitengestütze Dienste, Mobilfunk und neue funkgestütze Lösungen wie WLAN (Wireless Local Area Network) und WiMAX (Worldwide Interoperability for Microwave Access) geprüft werden, sodass für Berlin eine Nichtversorgung mit einem Breitbandzugang kaum vorstellbar ist.

7. Wie bewertet der Senat Initiativen anderer Bundesländer, wie beispielsweise Bayern, die Versorgungslücke bei Breitbandanschlüssen durch ein Investitionsprogramm zu schließen? Zu 7.: Solche Förderprogramme sind auf Flächenländer mit einer Versorgungsproblematik im ländlichen Raum ausgerichtet und für Berlin nicht vorgesehen.

6. Welche Möglichkeiten sieht der Senat, seinerseits auf ein flächendeckendes Angebot von Breitbandanschlüssen hinzuwirken? Wird der Senat seine Möglichkeiten nutzen, eine stärkere Verbreitung von Breitbandanschlüssen zu unterstützen bzw. zu fördern? Zu 6.: Innerhalb der letzten Jahre hat ein anhaltender Infrastruktur-Wettbewerb zwischen Anbietern und unterschiedlichen technischen Zugangssystemen zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Breitbandversorgung in Berlin geführt. Der Senat wird sich dafür einsetzen, dass dieser Wettbewerb weiter besteht. Deshalb setzt sich der Senat dafür ein, dass neben den Festnetzanschlüssen ein weiteres Angebot funkgestützter breitbandiger Internetanschlüsse zu günstigen Konditionen aufgebaut wird. Ein solches Netz ist auch geeignet, den Bürgerinnen und Bürgern Berlins und seinen Besucherinnen und Besuchern sowie den Unternehmen und freiberuflich und kreativ Tätigen eine wichtige zusätzliche mobile Kommunikationsinfrastruktur zu bieten. Allerdings kann und will der Senat nicht selbst als Betreiber eines solchen Telekommunikationsnetzes auftreten; dies verbietet sich aus wettbewerbspolitischen

Berlin, den 07. Februar 2008

In Vertretung Almuth N e h r i n g – V e n u s .................................................... Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen

(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 11. Februar 2008)

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