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Master Bike 2006

alles ist
MÖG Die Schnellste möge gewinnen: Unter diesem Motto
wird beim Master Bike die Spitzensportlerin ihres
Jahrgangs gekürt. Und jedes Jahr stehen wieder Über-
raschungen auf der Tagesordnung.

SUPERSPORT MAXISPORT
 Honda CBR 600 RR  Kawasaki ZX-6R  Aprilia RSV 1000 R Factory
 Suzuki GSX-R 600  Triumph Daytona 675  Yamaha YZF-R6  Suzuki GSX-R 750  Ducati 999 S

Von Stefan Kaschel; Fotos: Markus Jahn suchte in der Vergangenheit daher oft nach Jahr am Konzept. Mit Erfolg – die Ände-
Gründen und Ausflüchten: Es sei wohl rungen für 2006 trafen ins Schwarze.

E s liegt in der Natur von Wettbewer-


ben: Rundum zufrieden sind am Ende
allein die stolzen Sieger. Das gilt auch
nicht ganz fair zugegangen, und auf die-
sem Kurs, na ja, da sei die XY ja ohnehin
im Vorteil. Außerdem passten die Reifen
Ein eindeutiges Indiz dafür: Wohl selten
wurden die Ergebnisse so einmütig und
mit einem zustimmenden Kopfnicken
für das Master Bike, eine Veranstaltung eben nicht optimal. Und ob denn diese selbst von den Verlierern hingenommen.
internationaler Motorradzeitschriften, bei oder jene Maschine wirklich serienmäßig Noch nie gab es so wenig heftige Diskus-
der sich in diesem Jahr 16 Fahrer aus elf gewesen sei . . . sionen wie beim Master Bike 2006. Für
Nationen auf der spanischen Rennstrecke Dieses Mal sollte es allerdings ganz dieses eine Mal waren alle einverstanden.
von Jerez trafen, um aus drei Kategorien anders werden. Denn die Verantwortlichen Dabei waren es zwei zentrale Punkte,
mit insgesamt 13 Supersportlerinnen die von „MOTOCICLISMO“, der spanischen die den Kritikern den Wind aus den Segeln
diesjährige Königin zu küren. MOTORRAD-Schwester und bereits seit nahmen. Der erste und wichtigste: Sämt-
Wer nicht ganz oben auf dem Trepp- dem ersten Shoot-Qut 1998 in Calafat liche Motorräder wurden nicht wie bisher
chen stand, wer auf den Plätzen landete, Organisatorin des Events, feilten Jahr um von den Importeuren und Herstellern mit-

22 MOTORRAD test + technik 11/2006


DIE FAHRER

Konstantinos Dallas, Oriol Fernández, MOTO-


Moto, Griechenland CICLISMO, Spanien

LICH
Paul Mooijman, Claudio Corsetti,
Kicxstart, Holland Moto Sprint, Italien

Mark Cernicky, Jürgen Fuchs, MOTOR- Dirk Sánchez, MOTO-


Cycle World, USA RAD, Deutschland CICLISMO, Mexiko

Nuno Oliveira, MOTO- Arne Tode, PS, Michael Neeves, MCN,


CICLISMO, Portugal Deutschland Großbritannien

Key Nashimoto, Francesca Gasperi, Alessandro Valia,


Motorcyclist, Japan In Moto, Italien In Moto, Italien

SUPERBIKE
 Honda CBR 1000 RR  MV Agusta F4 1000 R Christer Miinin, BIKE, Óscar Pena, MOTO- Alex Gobert, MCN,
 Kawasaki ZX-10R  Suzuki GSX-R 1000  Yamaha YZF-R1 Schweden CICLISMO, Spanien Australien

gebracht, sondern taufrisch bei spani- Parc fermé, um sie vor den Zudringlichkei- GP-Fahrer und langjähriger MOTORRAD-
schen Händlern abgeholt oder direkt in ten lüsterner Mechaniker zu bewahren. Mitarbeiter, ist sozusagen Jerez-Fach-
der Fabrik aus einer großen Charge aus- Zweitens wurde laut Reglement (siehe mann. Er liebt und kennt diese wunder-
gewählt. Eventuellen Modifikationen oder Kasten Seite 26) die Wertung der absolut schöne Strecke in Andalusien wie kaum
Manipulationen an Motoren oder Federele- schnellsten Rundenzeit durch die Durch- ein Zweiter und reiste zuversichtlich in
menten seitens der Hersteller wurde so schnittszeit der sechs schnellsten Fahrer Spaniens Süden. Trotz starker Konkur-
vorgebeugt. Diese Testexemplare wurden ersetzt. So wird ausgeschlossen, dass renz in Gestalt von IDM-Titelanwärter Arne
vor dem Event sorgfältig eingefahren. Zu- eine einzelne Hammerrunde – etwa weil Tode, der für die MOTORRAD-Schwes-
dem wachte ein Marshall während des der Pilot taufrische Reifen hatte oder be- terzeitschrift PS startete, sowie dem spa-
Master Bike vor jeder Box darüber, dass es sonders gut mit einem bestimmten Modell nische Superbike-Meisterschaftsanwärter
außer den notwendigen Reifenwechseln klar kam – den Ausschlag gibt. Oriol Fernández, Pilot für MOTOCICLISMO,
(siehe Kasten Seite 25) zu keinerlei Ein- Apropos Fahrer: Für MOTORRAD ging und mehrere ehemalige oder aktuelle natio-
griffen während der Veranstaltung kam. einer an den Start, der sich beim Master nale Titelträger. Und nun: Vorhang auf für
Und nachts standen die Testmotorräder im Bike bestens auskennt. Jürgen Fuchs, Ex- das Master Bike 2006.

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SUPERSPORT
SPANNENDER DEN JE –
EIN DREIZYLINDER
UND DIE VIERER-BANDE

HONDA CBR 600 RR


In der Supersport-WM dominiert die
CBR – beim Master-Bike nicht

W enn man in dieser Klasse überhaupt


Favoriten nennen kann, dann wohl
am ehesten Yamahas brandneue R6, der
Jahr die ebenfalls mit einem kleinen Hub-
raumvorteil gesegnete 636er-Kawasaki
ZX-6R. 119 PS attestiert der mobile Dyno-
anwesenden Testmannschaften der Her-
steller von zwei Motorrädern das bessere
heraussuchen und abstimmen durften.
radikalste Ansatz, seit es sportliche 600er jet-Prüfstand an der Kupplung. Damit liegt Wie dem auch sei: Mit 113 PS (Tri-
gibt. Oder die Triumph Daytona 675, Shoo- die Grüne zwar merklich hinter der Nomi- umph), 112 PS (Suzuki), 108 PS (Honda)
ting-Star der Szene und individuellstes nalleistung von 130 PS an der Kurbelwelle, liegen die Kontrahenten insgesamt nicht
Konzept, seit die Hubraumgrenze bei den aber doch mit Respektabstand vor der übermäßig weit auseinander. Als Erstes
600ern nicht mehr so eng gesehen wird. Konkurrenz, welche die im Prospekt ver- setzt Jürgen mit der grünen ZX-6R
Der eigenständige britische Triple schlug sprochenen Werte gleichfalls durchweg eine Orientierungsmarke, und zwar mit
aus dem Stand voll ein und gewann den nicht erreicht. Das unerfreulichste Beispiel: 1.54,387 Minuten. Dieser Wert, heraus-
Vergleichstest in MOTORRAD 6/2006. Yamahas R6, die mit 115-Kupplungs-PS gefahren mit frischen Reifen, wird auf der
Doch vor der Kür draußen auf der Stre- nicht nur deutlich hinter der Werksangabe, 6er in Folge nicht mehr unterboten. Im
cke von Jerez müssen alle Maschinen zu- sondern auch hinter dem letzten MOTOR- Gegenteil: Die durchschnittliche Runden-
nächst die Pflicht absolvieren, nämlich auf RAD-Testexemplar (121 PS) zurückbleibt. zeit der sechs schnellsten Fahrer ergibt
der unbestechlichen Prüfstandsrolle ihre Da muss die Serienstreuung ausgerechnet einen deutlich höheren Wert, nämlich
Leistung beweisen. Am überzeugendsten beim Master-Bike-Exemplar furchtbar zu- 1.56,511 Minuten. Dabei gelingt es nur
gab sich in dieser Hinsicht wie im letzten geschlagen haben, obgleich die vor Ort einem Fahrer, nämlich dem Italiener Clau-

24 MOTORRAD test + technik 11/2006


YAMAHA YZF-R6
Ganz radikal: Die R6 macht
keine Kompromisse

REIFEN
ualifier – allein der Name scheint Dunlops
Q neuesten Sportpneu für eine Veranstaltung
wie das Master Bike zu qualifizieren. Doch die
SUZUKI GSX-R 600
Die Ausgewogene: Die kleinste
Bezeichnung darf nicht darüber hinwegtäuschen, GSX-R ist wieder voll konkurrenzfähig
dass es sich dabei um einen Sportreifen handelt,
der vorwiegend für den zivilen Einsatz konzipiert ist
und somit in einer Liga mit dem Michelin Pilot
Power oder dem Bridgestone BT 014 spielt.
Rekordrunden waren also in Jerez nicht zu er-
warten. Und wurden auch nicht geboten. Speziell
die leistungsstarken Superbikes hatten in Sachen
Hinterrad-Grip so ihre Probleme mit dem Qualifier,
standen spätestens im dritten Turn – danach
wurden die Reifen gewechselt – häufig und heftig
quer. Und auch die Supersportklasse konnte nicht
in Bereiche vorstoßen, wie sie beispielsweise mit
einem Pirelli Supercorsa möglich sind.
Im Anschluss an das Master Bike legte Jürgen
Fuchs mit einer modifizierten Daytona mit Arrow-
Kit und den serienmäßigen Pirelli Supercorsa
eine 1.51,50er-Runde hin (vorher 1.53,48).

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S U P E R S P O RT
KAWASAKI ZX-6R
Die Starke: Ihr Motor ist eine Wucht.
Doch die anderen haben nachgelegt

dio Corsetti von „Moto Sprint“, mit der Jürgens erstes Statement. Aber dann dem unglaublichen Handling und den
Kawa seine persönlich schnellste Runde kommt, was immer kommt: „Leider ist die tollen Bremsen zuzuschreiben ist, während
zu drehen. „Am Motor liegt das nun wirk- Honda viel zu lang übersetzt. Eigentlich Jürgen – wie übrigens bei vielen anderen
lich nicht“, beschreibt Jürgen die nur müsste ich in den Spitzkehren in den Kandidatinnen auch – mit der zu straff
mittelmäßige Vorstellung der Grünen. „Der ersten Gang. Das geht jedoch nicht, weil abgestimmten Gabel und dem „Drive-
ist ausgezeichnet, hängt wunderbar am die Gabel beim Anbremsen ohnehin schon by-wire-System“ der Yamaha hadert. „Man
Gas und schiebt gleichmäßig und mit auf Block und das Heck extrem unruhig fühlt sich manchmal etwas entkoppelt vom
Nachdruck über den gesamten Dreh- ist. Dann in den Ersten – dann steht die Motor, der gerade im mittleren Drehzahl-
zahlbereich. Aber die 6er ist gerade in Fuhre richtig quer, obwohl die Honda- bereich mitunter verzögert anspricht.
den schnellen Passagen wie der Doppel- Crew das Standgas bereits auf über 3000 Außerdem ließen die Reifen bereits im
Rechts hinter dem Fahrerlager schwer auf Umdrehungen gedreht hat, um Hinterrad- zweiten Turn merklich nach. So gesehen
Kurs zu halten. Das Gefühl fürs Vorderrad stempeln zu unterbinden. Dazu noch die ist diese Zeit eine reife Leistung.“ Ist sie
ist nicht sehr gut, während sie hinten harte Gasannahme und die nicht über- wirklich – es bleibt bis zum Schluss die
etwas zu niedrig ist. Das bringt zwar aus- ragende Leistung. So ist nicht viel mehr schnellste Runde, die auf der R6 gedreht
gezeichneten Grip am Hinterrad, erschwert drin“, ist sich Jürgen sicher. Und behält wurde. Und die zweitschnellste in dieser
jedoch die Linienwahl.“ Recht, denn die von ihm vorgelegten Klasse überhaupt.
Diesem durchaus verhaltenen Votum 1.54,786 Minuten werden von keinem an- Die neue Suzuki GSX-R 600, obwohl
schließen sich die übrigen Fahrer weitge- deren Fahrer unterboten. ebenfalls absolut pistentauglich konditio-
hend an, so dass es für die Kawa in der Von einem anderen Motorrad hingegen niert, kann nicht ganz mithalten. Die dritt-
Eigenschaftswertung nur zu mäßigen 7,96 relativ spielerisch. Zum Beispiel von der schnellste durchschnittliche Rundenzeit
Punkten reicht. In der Summe ergibt das R6, und zwar schon in der ersten fliegen- (1.56,064), eine persönliche Bestzeit, die
bescheidene 21 Punkte und den vierten den Runde. In den weiteren erst recht, so drittbeste Beurteilung: Das ergibt in der
Platz unter fünf Motorrädern. Für die dass am Ende 1.54,260 zu Buche stehen. Summe Platz drei mit 35 Punkten. „Der
ZX-6R und die Kawa-Truppe, die in den Ein hervorragender Wert, der vor allem Motor geht schön linear, die Anti-Hopping-
beiden Vorjahren den Klassensieg ein-
heimste, ein enttäuschendes Resultat.
Daran ist die Honda CBR 600 RR beim REGLEMENT
Master Bike schon länger gewöhnt. Und
Im Gegensatz zu den vergangenen Master-Bike-Events Rundenzeit wurden 40 Punkte vergeben, der Rückstand
wird es auch bleiben, denn diesbezüglich floss dieses Mal nicht die absolut schnellste Rundenzeit auf diese Zeit bestimmte die Punkte auf den folgenden
macht der Jahrgang 2006 keine Aus- in die Bewertung mit ein, sondern die durchschnittliche Plätzen. Weitere maximal 40 Punkte konnten über die
nahme. Keine einzige persönliche Bestzeit, Rundenzeit der sechs schnellsten Fahrer. Eine entschei- Zahl der Fahrer erreicht werden, die mit dem jeweiligen
dende Änderung – und ein entscheidender Vorteil, denn Motorrad ihre persönlich beste Zeit erreichten. Ein
die langsamste Durchschnittszeit, mickrige so wurden nicht nur spezielle Talente der einzelnen Fahrer Motorrad, auf dem alle Fahrer ihre persönlich schnellste
15 Pünktchen: Wer da nur negative Kom- auf diesem oder jenem Antriebskonzept oder auf einem Runde erzielten, gab es allerdings nicht. Maximal zehn
mentare erwartet, sieht sich trotzdem bestimmten Motorrad herausgefiltert, sondern auch die Punkte wurden für die Bewertung der fahrdynamischen
getäuscht. „Eigentlich ist die CBR wirklich Vor- und Nachteile, die sich eventuell aus der Startreihen- Kriterien durch die Fahrer vergeben. Diese Bewertung
folge oder dem Zustand der Reifen ergaben (siehe auch erfolgte unmittelbar, nachdem die jeweilige Klasse abge-
sehr schön zu fahren. Fast schon spiele- Kasten „Reifen“). Für die durchschnittlich schnellste schlossen war und ohne Kenntnis der Rundenzeiten.
risch, mit einer Bremse vom Feinsten“, so

26 MOTORRAD test + technik 11/2006


SUPERSPORT
TRIUMPH DAYTONA 675
Alles neu – und alles anders: Die Britin
ist die Überraschung der Saison

Kupplung ist erste Sahne. Doch für meinen besohlten Dreizylinder ausrückt, sind die lagen ihre Zeiten rund eine halbe Sekunde
Fahrstil war die Gabel zu straff ab- Erwartungen hoch gesteckt. Schnell war unter denen der Zweitschnellsten, der R6.
gestimmt. Das liefert zwar enorme Brems- er schon am Vortag beim Warmfahren, Ein mehr als deutlicher Sieg. Und ein mehr
stabilität, aber beim Umlegen in den zudem haben sich auch viele andere auf als verdienter.
schnellen Ecken fehlt es an Gefühl für den der gelben Britin wohl gefühlt. Und bereits Warum? „Weil die Daytona sehr gut
Grenzbereich. Und die Bremse war beim in der dritten fliegenden Runde ist es ausbalanciert ist. Weil ich mich auf ihr
Aufmachen in tiefer Schräglage schlecht soweit: 1.53,848. In diesem Feld, unter mit traumwandlerischer Sicherheit am
zu dosieren.“ Ein Problem, das der spani- diesen Bedingungen ein Fabelwert. Die Tri- Rand der Reifenhaftgrenze bewege. Weil
sche Superbiker Oriol Fernández mit umph-Truppe jubelt, obwohl die absolut die Übersetzung perfekt passt. Weil die
seinem harten Fahrstil (rabiate Brems- schnellste Runde ja eher etwas fürs Presti- Bremse genial ist. Und weil das Drehzahl-
und Beschleunigungsmanöver) nicht hatte. ge ist. Später jedoch bestätigen die Zeiten band ganz erstaunlich breit ist, so dass es
Mit der GSX-R fuhr er mit 1.54,408 die der anderen Motorräder, dass die Daytona in manchen Passagen keine Rolle spielt,
schnellste Runde. hier in Jerez das Maß der Supersport-Din- ob ich im zweiten oder dritten Gang unter-
Die Triumph Daytona scharrt derweil ge ist. Gleich zehn Fahrer fuhren auf ihr die wegs bin. Es passt einfach alles“, bekräf-
mit den Hufen. Als Jürgen mit dem frisch persönlich schnellste Runde, im Schnitt tigt Jürgen Fuchs.

LEISTUNGS- Tendenziell lagen die in Spanien auf einem mobilen Prüfstand gemessenen
Supersport-Leistungskurven unter den üblicherweise von MOTORRAD
MESSUNG1 ermittelten Werten. Bei der Daytona betrug die Abweichung nur ein PS, bei
Suzuki vier und bei der R6 gleich beträchtliche sechs. Der eindeutige Sieg
der Britin geht daher auch voll in Ordnung. Japan zog geschlossen den Hut.

KLASSEN-
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5 Honda CBR 600 RR 1.55,309 1.56,581 1,272 0 0 0 7,64 15


4 Kawasaki ZX-6R 1.55,309 1.56,511 1,202 2 1 3 7,96 21
3 Suzuki GSX-R 600 1.55,309 1.56,064 0,755 16 1 3 8,05 35
1 Triumph Daytona 675 1.55,309 1.55,309 0,000 40 10 25 8,45 82
2 Yamaha YZF-R6R 1.55,309 1.55,912 0,603 21 4 10 8,17 47
1 Leistung an der Kupplung, gemessen auf einem mobilen Prüfstand der Zeitschrift MOTOCICLISMO

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MA X I S P O R T

DIE STARKE MITTE –


ODER WARUM WENIGER
AUCH MEHR SEIN KANN

DUCATI 999 S
Ein massives Problem mit dem Grip am
Hinterrad bremste die Rote aus Bologna ein

D ie Maxisport-Kategorie der Motorrä-


der, die nicht ganz klar den beiden
anderen Gruppen zuzuordnen sind. Anders
drei unter Umständen von besserer Fahr-
barkeit und Beherrschbarkeit profitieren.
Dementsprechend groß ist traditionell der
mauer. Denn nicht nur die kleinere Daytona
zeigte ihnen aus der Boxengasse die lange
Nase – sondern auf der Strecke auch
als im Rennsport werden die beiden gro- Respekt, der den italienischen Twins vor die beiden Klassenkonkurrentinnen GSX-R
ßen italienischen Twins von Ducati und allem aus dem japanischen Lager ent- 750 und RSV 1000 R.
Aprilia beim Master Bike nicht den Super- gegengebracht wird. Woran liegt es, dass die Vorjahreszwei-
bikes zugeordnet. Einfach deswegen, weil Besonders von der englischen Seite, te in Jerez nicht in Tritt kommt? Zunächst
ihre Spitzenleistung im Serientrimm doch die ebenfalls mit einem anderen Hubraum einmal maßgeblich an ihrer ellenlangen
ziemlich weit von den großen Vierzylindern und Motorenkonzept vertreten ist, werden Sekundärübersetzung, die nicht nur furcht-
entfernt ist. Das trifft auch auf die Suzuki Aprilia RSV 1000 R und Ducati 999 S in- bar viele Schaltvorgänge erzwingt, son-
GSX-R 750 zu, letzte Protagonistin der teressiert beäugt. Nachdem man sich dern selbst bei reichlichem Gebrauch des
ehemaligen Superbike-Kategorie, die sich die durchschnittlichen Rundenzeit der 999 trockenen Getriebes nicht passt. „Die
heute heimatlos irgendwo im Niemands- zu Gemüte geführt hatte, hielten sich die Übersetzung stimmt in keiner Kurve“, klagt
land zwischen den 600er- und 1000er-Vier- Respektsbekundungen allerdings in Gren- Jürgen. „Wenn ich im hohen Gang fahre,
zylindern befindet. zen. 1.55,67 Minuten. Da braucht sich der schiebt die 999 übers Vorderrad. Im niedri-
Trotzdem haben diese drei Maschinen hubraumschwächere Triple aus Hinckley gen muss ich kurz nach dem Scheitel
besondere Reize, die von ihren Fans ge- mit einer Bestzeit von 1.55,309 gewiss schalten. Dafür ist die Bremsstabilität phä-
schätzt werden. Denn weniger Leistung nicht zu verstecken. Dementsprechend ge- nomenal. Die Stabilität in schnellen Kurven
muss ja keinesfalls schlechtere Runden- knickt standen die Roten aus Bologna auch. Das Handling wiederum ist wegen
zeiten bedeuten. Im Gegenteil können die nach der Maxisport-Runde an der Boxen- des tiefen Hecks, mit dem die Duc ange-

32 MOTORRAD test + technik 11/2006


sichts massiver Grip-Probleme mit dem noch unterboten. „Müder Motor, schlecht bei der 1000er-Suzuki, aber immer noch
Straßensportreifen Dunlop Qualifier fahren abgestimmtes Fahrwerk“, so Jürgens Fazit vorne zu hart, hinten zu weich ist – damit
muss, mehr als träge.“ nach den langsamsten Runden des Trios. treffe ich keine Kurve. Außerdem funk-
Dem stimmen die meisten anderen „In der Mitte geht dieses Triebwerk nur tioniert diese Kupplung lange nicht so gut
Fahrer zu. Durchschnittlich acht Punkte unwesentlich besser als eine gute 600er, wie bei der 600er. Bei jedem Einkuppeln
vergeben sie in der Eigenschaftswertung. oben raus ist es ebenfalls nicht besonders stehe ich quer. Sorry, aber mehr war ein-
Das ist kein guter Wert – aber er wird von spritzig. Dazu eine Fahrwerksabstimmung, fach nicht drin.“ Mit mehr meint er schnel-
der Suzuki GSX-R 750 mit 7,85 Punkten die zwar nicht so sehr daneben liegt wie ler als 1.54,772 Minuten. Für Jürgen die

SUZUKI GSX-R 750


Nicht in Top-Form: Von der versprochenen
Motorleistung ist die 750er weit entfernt

APRILIA
RSV 1000 R FACTORY
Auch die neue RSV fühlt sich in
Jerez pudelwohl

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MAXISPORT
langsamste Runde in dieser Klasse – für schafft hat. Die beste Bewertung aller Kan- RSV-Generation einmal auf die Frage,
den Durchschnitt der sechs schnellsten didatinnen, sechs schnellste Rundenzeiten, warum denn die Kunden angesichts der
Fahrer mit 1.55,314 immerhin die zweit- mit 1.54.922 die beste Durchschnitts- deutlich stärkeren und leichteren japani-
schnellste Kandidatin. Rundenzeit: Am Erfolg der Sportlerin aus schen Vierzylinder-Fraktion eine Aprilia-
Womit klar ist, dass die Aprilia mit der Noale gibt es nichts zu deuteln. Wie ant- Sportlerin kaufen sollten: „Weil sie ein
RSV 1000 R Factory völlig überraschend, wortete Entwicklungschef Mariano Fiora- schnelles Motorrad ist.“ Bis hierhin hat er
indes eindeutig den Sprung ins Finale ge- vanzo bei der Präsentation der aktuellen Recht behalten.

Gut 130 PS an der Kupplung – das ist der Stand der Dinge in
LEISTUNGS- dieser Klasse. Prospektangaben von 143 (Aprilia und Ducati) oder
MESSUNG 1 gar 150 PS (Suzuki) an der Kurbelwelle hin oder her. Auch am
Punktsieg der Aprilia gab es nichts zu deuteln. Selbst wenn er nicht
so eindeutig ausfiel wie jener der Triumph eine Klasse tiefer.
Immerhin: Schon die zweite Europäerin im Finale.

KLASSEN-
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1 Aprilia RSV 1000 R Fact. 1.54,922 1.54,922 0,000 40 6 16 8,03 72


3 Ducati 999 S 1.54,922 1.55,670 0,748 0 2 5 8,00 21
2 Suzuki GSX-R 750 1.54,922 1.55,314 0,392 19 7 19 7,85 53
1 Leistung an der Kupplung, gemessen auf einem mobilen Prüfstand der Zeitschrift MOTOCICLISMO
CIRCUITO DE JEREZ
CIRCUITO DE JEREZ

BT
Die 10 - Mein
haben gut Buhl gesellt
lachen: sich freies
drei Tage immedar mir auf
Blasen wie dem
die Mont ihrem
GP-Kurs von Jahr,
Jerez und schon vom

lindtext 1266 stehen rund 290 km/h an, hartes An- ist folgende Links (3) wird mit des zirka
B
D ieser Kurs ist ein Klassiker unter den Grand-
bremsen, anschließend mit 180 durch die erste
Prix-Strecken und ein Publikumsmagnet für die
heißblütigen spanischen Motorsportfans. Kein Wunder,
Links, die schnellste Kurve, die es überhaupt auf diesem
eine der Schlüsselstellen
160 km/h
verträgt
amProfis
durchfahren.
sie hohe
mit zirka
leicht nach außen260
Kurses. Blind angefahren,
Am Ende der Geraden
Eingangsgeschwindigkeiten,
km/h anAusgang
fallenden und halten
Vorsicht
kommen
während
sich geboten
innen. Der
denn diegibt.
Circuit Piste inmitten
Denn herrlicher
Valencia Naturtribünen
ist eigentlich hat
ein Stop-and-go- ist.nachfolgende
Gerade dort istSektor
es aber(4)sehr
besteht eigentlich
wichtig, optimal aus drei ver- Streckenlänge:
auf die
einiges zu bieten. Die Anbremszone der ersten Rechts schiedenen
lange Gerade zu beschleunigen. Die Spitzkehre am Ende
4423 m
Kurs. Brutales Anbremsen auf die Doohan-Kurve (1). Sie
nach spitz
wird Start/Ziel zum Beispiel.
angefahren Steil bergaufführend,
– Highsider-Gefahr. nutzen
Im folgenden derRadien,
Geradenwird aber weit
ist recht in einem
innendurchfahren.
anzufahren, weil Denn: Wer hier
außen
Jerez-Profis
leichten jedes Grad
Linksknick an an
innen Steigung für aberwitzig
den Kerbs späte
halten. Für die mehrmalsdie Bremszone spicken. Danach geht es
Bodenwellen
Bremsmanöver.
enge Rechts (2)Die gilt:folgende Spitzkehresehr
spät reinfahren, benötigt eine auf- in zwei
früh wieder dieser so typischen
zur Kurskorrektur schnellen
aufrichtet, Kurven
verliert Zeit.um den Berg,
Achtung: Bergab-
extra enge
richten Linie,kann,
– wer’s um mit viel die
sollte Schwung
Kurve durch
danach den
imnächsten
Drift neh- bevor nach– zwei
kuppe Gefahretwas
für engeren Rechtsknicken
Vorderrad-Slides. Mittediedesbe-nachfol-
Linksknick
men. Sie istzuideal
beschleunigen,
dafür. Sehrwährend in der mitnehmen
viel Schwung dann folgen-in rühmte
gendenDoppelrechts
Rechtsknicks hinter
dasdem
GasFahrerlager kommt. Um-und
leicht zurücknehmen
den langen und schnellen Links perfekte Gasannahme legen,
dann kurz
spätaufrichten,
in die engeumlegen. Und das(5)beirein.
Rechtskurve irrwitzigem
die folgende lange Linkskurve – spät reinfahren, spitz
gefragt ist, um in maximaler Schräglage das Tempo zu Tempo. Hier zählt,
Hier ganz wie fast
weit nach überall
außen in Jerez,
treiben nur um
lassen, eines:
anschlie-
rausbeschleunigen. Sonst fehlt der Schwung für die Gera-
dosieren. Die folgende, leicht bergauf führende Rechts Kurvenspeed,
ßend sehr und zwar
spitz wiederso viel wie möglich.
rauszufahren. Nicht zu lange in
de. Die
S U P E R B I KE

WO KRAFT UND HERR-


LICHKEIT DEN GANZEN
MANN FORDERN

E in Liter Hubraum, rund 170 PS – auf


solch brachialen Boliden fühlt sich
der spanische Testfahrer Oriol Fernández
Für meinen nicht.“ Ein Urteil, das auch
andere Fahrer teilten. Doch die Suzuki-
Truppe vor Ort ließ sich nicht umstimmen,
bekannt und decken sich mit dem Malheur
der kleinen Schwester CBR 600 RR. Die
zu lange Sekundärübersetzung schlägt in
pudelwohl. Mit seinem unglaublichen Hau- noch mal Hand ans Fahrwerk zu legen. Jerez erbarmungslos durch, dazu kommt
ruck-Fahrstil stanzt er einen Rekordwert Und so blieb den Testern nur, vom tollen die harte Gasannahme. Neu hingegen ist
nach dem anderen in den andalusischen Motor mit seiner linearen Leistungsent- die Kombination mit einem soft eingestell-
Asphalt. Und legt so die unglaubliche faltung zu schwärmen, von der klasse Anti- ten Federbein und einer weit vorgespann-
Bestzeit von 1.51,172 Minuten ausgerech- Hopping-Kupplung, der guten Bremse. ten Gabel. In den drei Spitzkehren des
net mit einem Motorrad vor, mit dem Bei den sonst weniger aussichts- Kurses ist das Gasanlegen am Scheitel-
hier keiner gerechnet hatte. Die jüngste reichen Mitbewerbern keimt dagegen Hof- punkt jedes Mal mit einem deftigen Rut-
Ausbaustufe der MV F4 1000 mit dem Zu- fung auf, für die frisch renovierte Fireblade scher verbunden. „Durch die harte Gabel-
satz R (ausführlicher Test in MOTORRAD hat es aber wieder nicht gereicht. Schlech- und die softe Federbeinabstimmung ist
12/2006) fuhr beim Master Bike 2006 den teste durchschnittliche Rundenzeit, kein das Motorrad nicht gut ausbalanciert. Das
vorläufigen Rundenrekord. einziger Fahrer mit der persönlich besten ist schade, denn normalerweise bietet die
„Weil das Ding so wunderbar stabil in Zeit und der vorletzte Platz in der Gunst Fireblade ein feines Feedback für den
den schnellen Ecken liegt“, rapportierte er der Piloten – die Fireblade kam beim Mas- Grenzbereich der Reifen. Mit einem besse-
später zu seiner Fabelzeit. „Dieses Gerät ter Bike erneut nicht auf einen grünen ren Set-up wäre trotz des im Vergleich nicht
ist einem reinrassigen Rennmotorrad Zweig. Die Gründe? Zwei sind seit Jahren eben kräftigen Motors weitaus mehr drin,
am nächsten“, bestätigt Jürgen. „Aber es
braucht viel Einsatz, um damit schnell zu
sein. Und für jemanden wie mich, der die
Hinterradbremse nicht nutzt, ist die kaum KAWASAKI ZX-10R
vorhandene Motorbremse durch das spe- Die Favoritin: In der Gunst der Experten
zielle Anti-Hopping-System sehr gewöh- lag die 10er ganz weit vorne. Zu Recht
nungsbedürftig.“ So gewöhnungsbedürf-
tig, dass Renn-Profi Jürgen von fünf zur
Verfügung stehenden Runden gleich zwei
im Kiesbett beendet. Sieben andere Pilo-
ten fahren mit der MV nach einigen Ein-
gewöhnungsrunden ihre persönliche Best-
zeit. Das ist insofern erstaunlich, als dass
die MV bei der persönlichen Einschätzung
der Fahrer mit der Durchschnittsnote 8,00
nur auf dem letzten Platz landet.
Favoritin der Herzen ist hingegen die
Suzuki GSX-R 1000 mit einer Durch-
schnittsnote von 8,26. Und landet bei der
Rundenzeit mit 1.54,516 nur um Haares-
breite hinter der MV und ebenso knapp vor
der Yamaha R1. Dass es zeitenmäßig nicht
weiter nach vorne reicht, liegt an einem
gründlich missratenen Set-up. „Normaler-
weise liebe ich die GSX-R, diese allerdings
fährt sich wie ein Chopper“, bemerkt
Jürgen nach seinem Turn ironisch. „Vorne
brutal hoch, während sie hinten zu-
sammensackt. Damit kann ich nur die ganz
weiten Linien fahren. Aber irgendwann
muss man ja ums Eck, drückt weiter –
und das Heck schmiert weg. Das mag für
einen superaggressiven Fahrstil passen.

36 MOTORRAD test + technik 11/2006


MV AGUSTA F4 1000 R
Mit der neuen R-Variante präsentierte
MV einen deutlich aufgewerteten Renner

SUZUKI GSX-R 1000


Mit einem passenden Set-up wäre die
größte GSX-R ganz weit vorne dabei

www.motorradonline.de MOTORRAD test + technik 37


SUPERBIKE
WAS SONST
NOCH WAR
Ex-GP-Stars sind keine Nasenbohrer. Schon gar
nicht Jürgen Fuchs und Randy Mamola (Foto unten).
Fuchs (sitzend) fuhr am ersten Tag die versammelte
Konkurrenz in Grund und Boden, bevor ihn eine
Pollenoffensive einbremste. Der Doktor verpasste
ihm eine Spritze – und zwei Tage Fahrverbot . Fuchs
war empört – und fuhr trotzdem weiter. Bei Randy
Mamola klappte das nicht. Er kam, stieg auf die
Triumph Daytona, brannte zwei unglaubliche Runden
hin – und lag im Kies. Für ihn bedeutete eine leichte
Zerrung im Schritt das Aus. Genau wie für den
Italiener Alessandro Valia. Highsider, Oberschenkel-
und Hüftbruch. Gute Besserung, Alessandro.

YAMAHA YZF-R1
Die R1 gehört jedes Jahr zur Weltspitze. Das Fahr-
werk ist ein Hammer – der Motor nur oben heraus
zumal die Bremse wie immer top ist und HONDA CBR 1000 RR
enge Linien selbst jetzt noch möglich sind.“ Die Ausgewogene: Die Fireblade geht nirgends ins
Yamaha zeigt, wie man es besser Extrem – und kommt für den Sieg somit nie in Frage
macht. Die feine Balance, mit der sich die
Mutter aller aktuellen Sportboliden auch
bei diesem Master Bike wieder präsentiert,
wird von den Fahrern mit dem zweithöchs-
ten Wohlfühlfaktor nach der GSX-R be-
lohnt. Das beste Handling im Feld, die
straffen und dennoch sensiblen Feder-
elemente, eine tadellose Ergonomie und
nicht überragende, aber doch gute Brem-
sen: Eigentlich gibt es nichts, was die R1
an Bestzeiten hindert. Außer der Tatsache,
dass ihr Motor im mittleren Drehzahl-
bereich nicht mithalten kann. „Ich musste
auf der R1 teilweise mehr schalten als auf
der Daytona. Es fehlt einfach Drehmoment
und diese lineare Leistungsabgabe, wie
sie GSX-R und ZX-10R bieten. Dafür ist
die R1 im 600er-Fahrstil zu bewegen, der
mir ja sehr entgegenkommt.“ Kein Wunder
also, dass Jürgen mit der R1 seine
schnellste Superbike-Runde dreht. Im
Durchschnitt hingegen reicht es für die
Yamaha mit hauchdünnem Abstand auf die
SUPERBIKE F I NAL E

LEISTUNGS- Suzuki nur für Platz drei, auf dem sie HIER IST
gemeinsam mit der GSX-R auch bei der
MESSUNG1 Gesamtpunktzahl liegt. ALLES GOLD,
Die Königin unter den Kraftmeiern hin-
gegen ist auch beim diesjährigen Master WAS GLÄNZT
Bike grün – und heißt ZX-10R. Als Einzige
bleibt dieses rollende Energiepaket bei
der Durchschnittsgeschwindigkeit unter der
1.54er-Marke, vereint fünf Bestzeiten auf
sich und liegt in der Sympathiewertung mit
Platz drei im gesicherten Mittelfeld. Das
reicht für den knappen, aber verdienten
Einzug ins Finale.
Auch, weil die Kawasaki-Techniker der
Versuchung widerstanden, dem Beispiel
ihrer Suzuki-Kollegen zu folgen und die
Gabel über Gebühr zuzudrehen. Im
Gegenteil: Die Grünen schmusten sich mit
einem ungewöhnlich weichen Set-up ins
Finale. „Eigentlich vorne und hinten ein
wenig zu soft“, analysiert Jürgen. „Doch
schön ausbalanciert, so dass man es be-
K awasaki ZX-10R gegen Aprilia RSV
1000 R Factory gegen Triumph
Daytona 675 – ein exotischeres Trio ist
Nicht so ganz: Auch die bärenstarken Superbi- sonders in den schnellen Ecken richtig lau- wohl selten in ein Master-Bike-Finale ein-
kes kamen bei der Messung in Spanien nicht fen lassen kann. Schade, dass der Reifen gezogen. „Das macht die 10er locker“, lau-
an die MOTORRAD-Werte heran. Mehr als im dritten Turn schon am Ende war. Denn tet die einmütige Antwort, wenn man nach
genug Qualm für diesen Kurs haben sie aber der Motor geht wie Hulle, und dabei immer der Favoritin fragt. Obwohl: Von jenen
allemal – wobei sich speziell die Drehmoment- und überall kontrollierbar. Eine Schau.“ sechs schnellsten Piloten, die jetzt im
kurve der R1 in negativer Hinsicht deutlich
Finale aufeinander treffen, sind fast alle
von der Konkurrenz absetzt.
mit der Aprilia ähnlich gute Rundenzeiten
gefahren wie mit der grünen Athletin.
KLASSEN- Spannung ist also garantiert.
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Nicht allein deshalb, weil die Daytona


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im Finale erneut eine sagenhafte Vorstel-


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wie es die Master-Bike-Geschichte noch


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nicht gesehen hat. Minimale Zeitvorteile


4 Honda CBR 1000 RR 1.53,959 1.55,151 1,192 0 0 0 8,04 16 nach jedem weiteren Lauf, mal für die eine,
1 Kawasaki ZX-10R 1.53,959 1.53,959 0,000 40 5 13 8,16 69 mal für die andere Seite, Kopfschütteln.
2 MV Agusta F4 1000 R 1.53,959 1.54,463 0,504 23 7 18 8,00 57 Die Kawa kann sich nicht entscheidend
absetzen. Hektisch wird gegengerechnet.
3 Suzuki GSX-R 1000 1.53,959 1.54,516 0,557 21 2 5 8,26 43
Einsvierundfünfzig tief hier, Einsdreiund-
3 Yamaha YZF-R1 1.53,959 1.54,519 0,560 21 2 5 8,17 43 fünfzig hoch da. Dafür aber in diesem
1 Leistung an der Kupplung, gemessen auf einem mobilen Prüfstand der Zeitschrift MOTOCICLISMO
Turn eine Einsfünfundfünfzig hoch gegen
eine gute Einssechsundfünfzig. Wie viele
Bestzeiten für Aprilia, wie viele für die
Kawasaki? Das gibt es doch nicht. Mann,
das ist wirklich knapp.
Und dann herrscht Ruhe in Jerez. Aus,
vorbei. Aber wer hat gewonnen? Aprilia-
Pressesprecher Claudio Pavanello war
vorher schon mit dem Klassensieg mehr
als zufrieden. Und jetzt? „Ich glaube, wir
hatten immerhin die schnellste Runde“,
freut er sich. Und wünscht sich, ohne
den rechten Glauben, „dass es eng wer-
den könnte“. Das sieht Kawasaki-Mann
Leo Schlüter mittlerweile ebenfalls so. „Ich
glaube, Aprilia macht das Rennen“, orakelt
der erfolgsverwöhnte Grüne. Doch auch er
hofft selbstverständlich bis zum Schluss.
Und dann beginnt das Warten. Auf die
Siegerehrung, auf den feierlichen Moment.
Als die Finalteilnehmer zum abschließen-
den Fotoshooting aufgebaut werden, ahnen

40 MOTORRAD test + technik 11/2006


Finale – und zwar ein ganz enges. Jedenfalls zwischen Aprilia und Kawasaki So sehen Sieger aus. Mariano Fioravanzo,
Chefentwickler der RSV-1000-Baureihe

viele Anwesende bereits, dass sie Zeuge


eines historischen Moments sind. Aprilia in ENDWERTUNG

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der Mitte, Kawa und Triumph links und

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rechts. Im Klartext: Zweizylinder schlägt

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Vier- und Dreizylinder. Nach Jahren, in
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Meute unschlagbar war, gewinnt ein euro-

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päischer Zweizylinder das Master Bike


2006. Mariano Fioravanzo ist zu Tränen 1 Aprilia RSV 1000 R Fac. 1.53,906 1.53,906 0,000 40 3 20 8,03 76
gerührt. Er hat es immer gewusst. Und alle
2 Kawasaki ZX-10R 1.53,906 1.54,134 0,228 26 3 20 8,16 63
anderen wissen es spätestens jetzt: Die
Mille ist ein schnelles Motorrad. 3 Triumph Daytona 675 1.53,906 1.54,569 0,663 0 0 0 8,45 17
1 Gewertet: vier schnellste Fahrer

RUNDENZEITEN* MX
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SUPERSPORT
Honda CBR 600 RR 1.58,243 1.59,084 1.59,088 1.57,613 2.02,088 2.03,606 1.58,197 2.02,451 2.06,996 1.56,097 1.58,939 1.59,123 1.59,007 1.55,878 1.54,786 1.56,913
Kawasaki ZX-6R 1.58,082 1.59,757 1.59,548 1.56,671 1.59,733 2.05,100 1.58,127 2.01,946 2.07,990 1.56,060 1.58,155 1.59,283 1.59,154 1.56,298 1.54,387 1.57,560
Suzuki GSX-R 600 1.59,324 1.58,785 1.58,084 1.56,757 2.00,641 2.04,427 1.58,878 2.01,720 2.03,760 1.54,408 1.58,383 2.00,208 1.58,835 1.56,301 1.54,678 1.56,157
Triumph Daytona 675 1.57,294 1.58,064 1.58,383 1.56,589 2.00,894 2.03,460 1.58,558 2.00,950 2.06,405 1.54,383 1.58,496 1.59,101 1.57,089 1.55,095 1.53,848 1.54,847
Yamaha YZF-R6 1.58,132 1.58,188 1.57,979 1.55,789 2.01,299 2.04,766 1.57,361 2.01,491 2.07,285 1.54,864 1.58,087 1.59,265 1.58,060 1.56,113 1.54,260 1.57,087
MAXISPORT
Aprilia RSV 1000 R Fac. 1.56,573 1.55,888 1.57,221 1.57,019 2.02,769 1.57,090 1.57,884 2.04,987 1.52,871 1.57,193 1.58,768 1.56,959 1.53,932 1.54,460 1.55,809
Ducati 999 S 1.58,133 1.57,255 1.57,534 1.57,968 2.01,553 1.58,480 1.59,784 2.05,429 1.53,624 1.57,073 2.01,598 1.57,937 1.55,260 1.54,683 1.56,153
Suzuki GSX-R 750 1.56,112 1.57,283 1.56,280 1.57,598 2.02,263 1.56,997 1.57,863 2.04,916 1.54,053 1.58,350 1.58,372 1.57,886 1.55,014 1.54,772 1.55,651
SUPERBIKE
Honda CBR 1000 RR 1.58,610 1.58,399 1.56,718 1.55,779 1.58,345 2.03,890 1.56,788 1.58,084 2.05,595 1.53,523 1.57,792 1.59,675 1.55,475 1.55,837 1.53,576 1.57,620
Kawasaki ZX-10R 1.56,306 1.59,148 1.56,470 1.54,169 1.57,711 2.04,100 1.56,202 2.00,262 2.05,331 1.52,573 1.57,494 1.59,073 1.56,637 1.53,331 1.53,370 1.54,108
MV Agusta F4 1000 R 2.01,034 1.57,151 1.55,602 1.54,804 1.56,607 2.02,397 1.57,476 1.57,930 2.04,675 1.51,172 1.57,477 1.59,067 1.55,161 1.55,891 1.54,537 1.55,500
Suzuki GSX-R 1000 1.58,007 1.59,376 1.57,610 1.54,921 1.58,084 2.02,924 1.56,614 1.58,955 2.04,217 1.52,723 1.57,296 1.58,977 1.57,013 1.54,284 1.53,707 1.54,844
Yamaha YZF-R1 1.59,724 1.58,633 1.58,059 1.55,248 2.01,627 2.07,126 1.57,202 1.59,589 2.06,555 1.53,217 1.57,388 1.58,405 1.56,164 1.54,451 1.53,246 1.54,789
FINALE
Triumph Daytona 675 1.57,212 1.52,993 1.55,986 1.55,071 1.54,272 1.55,940
Kawasaki ZX-10R 1.55,001 1.52,940 1.55,282 1.55,105 1.53,878 1.54,716
Aprilia RSV 1000 R Fac. 1.56,683 1.52,514 1.56,053 1.54,084 1.53,533 1.55,494

* in Minuten; rot = schnellste Zeiten

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