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Anne Uhlig

Die politische Rezeption des kommunitaristischen Denkens in Deutschland

Bundeszentrale für Politische Bildung “Aus Politik und Zeitgeschichte“ Dr. phil. Walter Reese – Schäfer (Privatdozent; Dokumentationsjournalist des Stern und der Zeit; Institut der Politikwissenschaft der Uni Halle-Wittenberg)

1. Die kommunitarische Ambivalenz

Definition: Wiederbelebung von Gemeinschaftsdenken in der postmodernen Dienstleistungsgesellschaft

Ambivalenz (Zwiespalt) zw. mehreren Alternativen:

Vormoderne Formen (Traditionelle Gemeinschaften) boten Menschen Möglichkeit sich sicher und gemeinschaftlich zu fühlen

Bildung von Gemeinschaftsideologien: Auflösung dieser Bindungen provozierte moderne, durchstrukturierte Gemeinschaftsideologien z.B. Sozialismus des 19. Jhd., Nationalsozialismus

Heute: internes Korrektiv liberaler Gesellschaften; paternalistisches Relikt der Prämoderne (z.B. Rechtsextremismus) oder neoautoritärer Fundamentalismus (z.B. Sekten)

Deutschland daher kritischer Umgang mit der Ambivalenz des Gemeinschaftsbegriff:

z.B. nationalsozialistische Volksgemeinschaft oder sozialistische Menschengemeinschaft Walter Ulbrichts

Weg der traditionellen Gemeinschaft zur modernen Gesellschaft: Einbindung des Menschen in hergebrachte Strukturen werden aufgelöst und später dann die Emanzipation des Individuums.

Verlust der Gemeinschaft von Soziologen beklagt, aber als unvermeidbar empfunden bei der Entwicklung zur modernen Gesellschaft.

anders in Amerika:

entwurzelte Amerikaner aus aller Welt

Verlust überkommener Bindungen (Familie, Staat, Stände)

Bildung neuer Formen von Gemeinschaften – die besser die Interessen aller Beteiligten decken, als zum Beispiel Formen in die man hineingeboren wurde (wie in Familien oder Stände)

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Die Menschen sind nicht vermutet in einer anonymen Masse verloren sondern bildeten dafür neue Gemeinschaften mit mehr Gleichberechtigung

Ersetzen von Traditionsgemeinschaften durch Gemeinschaften des Willens:

Befriedigung der Bedürfnisse nach enger sozialer Kommunikation, Selbstverwaltung, Mitgestaltung

Dafür ist eine Mentalität der Selbstorganisation erforderlich: Nicht dass Menschen geführt werden wollen und auf staatliche Anstöße warten, sondern Glück selbst in die Hand nehmen

Daher bleiben amerikanische Strukturen lebendig, gemäß dem „Amerikan Dream“ (d.h. selbst das Schicksal zu bestimmen)

2. Versuche zur Organisation einer kommunitarischen Bewegung

USA kommunitarische Bewegung gebildet

führender Vertreter der kommunitarischen Bewegung in Amerika: Amitai Etzioni

sein Verdienst: Aufbau eines organisatorischen Apparats der Öffentlichkeitsarbeit mit begrenzten finanziellen Mitteln

Freiwillige und Teilzeitkräfte im Washingtoner Büro versorgt ein Netz von Multiplikatoren mit Informationen;

Konferenzen in wichtigen Städten;

prominente Referenten (z.B. Fancis Fukujama, Kurt Biedenkopf und Rudolf Scharping);

Zeitschrift: „Responsive Community“;

Buch: „Spirit of Community. Rights, Responsibilities, and the Communitarian Agenda“;

Regierungsberatungstätigkeit (zwischen der Clinton-Gore-Administration bestanden vielfältige Kontakte)

Deutschland sind inzwischen kommunitarische Entwicklung angekommen

1994-1996 Rundreise Etzionis durch Deutschland

Erste Bewegungen: evangelische Akademien: „Initiative für Bürgersinn“; „Kommunitarisches Manifest für die Bundesrepublik Deutschland“ (Bernd Guggenberg; Thomas Meyer)

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jetzt auch katholische Kreise: 1989 Einladung des Papstes des führenden kommunitarischen Philosophen Chales Taylor in seine Sommerresidenz – Interessensbekundung; Casuswerk (katholische Stiftung zur Studienförderung)

das kommunitarische Manifest in Deutschland:

in Anlehnung an den amerikanischen Entwurf

Unterschied zu anderen Parteiprogrammen:

Ablehnung der Allzuständigkeit der Politik

und der von ihr kontrollierten staatlichen Verwaltungsinstanzen;

dafür aber neue Arbeitsteilung zwischen Politik; Gesellschaft und Individuum

Forderung einer aktiven Demokratie: d.h. durch freie Menschen die Ihr Leben selbstverantwortlich gestalten und sich in freiwilligen Zusammenschlüssen mit Gleichgesinnten organisieren um somit das gemeinsame Ziel zu erreichen

Griechenland: Polites: Bürger der aktiv das Leben der Gemeinde gestaltet; Idiotes: der der sich nur um Privatangelegenheiten kümmerte

Gemeinschaft kann nur überleben, wenn Bürger einen Teil der Zeit und Energie nicht nur sich und seinen Angelegenheiten, sondern auch der Gemeinschaft widmet

auf lange Sicht ist bloßes Eigeninteresse nicht förderlich: Folgen wären ein expandierender Regierungsapparat; aufgeblähte Sozial- und Wohlfahrtsbürokratien; Anschwellen von Regulierungen; Rücksichtslosigkeit gegenüber Umwelt; Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen

Einflüsse kommunitarischen Denkens in der deutschen Politik

Vordenker der Grünen: Kritik am Wohlfahrtstaat mit stärkerer kollektiver Selbstverantwortung

liberale Sozialkritik: Verantwortung wird nur bei dem isolierten Individuum gesehen

beide politischen Strömungen sind für eine Reduktion staatlicher und staatsnaher Bürokratien – sind jedoch für eine Umsetzung auf unterschiedlichen Wegen

Dies ist eine Frontstellung gegen Sozialdemokratie sowie sozialstaatl. orientierten Teil der christdemokratischen Parteien

kommunitarische Fragestellung liegt daher quer zu bisherigen politischen Fragestellungen

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3. Die amerikanischen Ursprünge

Michael Sandel (weiterer entscheidender Theoretiker des Kommunitarismus) Berater der demokratischen Partei (Robert Kennedy)

Das Konzept Robert F. Kennedy´s:

Robert Kennedy sei der Letzte unter den demokratischen Präsidenten/Kanditaten der sowohl für die schwarzen Minderheiten als auch weiße Mittelklasse sprach

nicht die Nation sei die große Gemeinschaft an die zu appelieren sei

eine ganze Nation sei zu groß für kommunitäre Selbstverwaltung: eine Gemeinschaft braucht einen Raum in dem sich Menschen kennen und sehen können

daher Ablehnung eines gesamtstattlichen Wohlfahrtsystems sowie Minimaleinkommens, da diese Menschen wirtschaftlich abhängig davon sind, ob ihnen Mitbürger Schecks zukommen lassen

Gemeinschafts- und Staatsbürgersinn: nicht dadurch Bürger in Lage zu versetzten Waren zu kaufen und zu konsumieren

vielmehr gilt es einen Sinn zu entwickeln für individuelle Unabhängigkeit und persönliche Anstrengung mit der diese Dinge selbst erwirtschaftet werden können

Kennedy´s staatlicher Programme:

Garantie würdige, anständige Arbeit bei anständiger Bezahlung

Programme nur in der Community (Nachbarschaft) wirksam

Steuernachlässe für Investitionen in Armutsgebieten: erst 30 Jahre nach seinem Tod mit „Enterprise Zone“ in Harlem erfolgreich praktiziert

Politische Ökonomie der Bürgerbeteiligung: anstatt entmündigte Staatsversorgung des Passivbürgers soll die Aktivierung der Eigenständigkeit gefördert werden

Das Konzept von Ronald Reagan

wirtschaftspolitische Laissez-faire-Konservatismus (Milton Friedman, Barry Goldwater)

Durchbruch der Ideen durch die Verheiratung entfernter politischer Strömungen und somit deren Unterstützung

Wirtschaftsliberalismus + kulturkonservativen Positionen (w.z.B. religiöse Rechte)

dies ist eine große Leistung, wenn man bedenkt, dass Friedman für die Freigabe des Rauschgifthandels und die Abschaffung der Wehrpflicht war und dies nicht dem Denken der religiösen Rechten entspricht

Überbrückung der Meinungsunterschiede durch: Rhetorik der Familie und der

Gemeinschaft (Moral, Tradition

)

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Entstehung des derzeitigen kommunitaristischen Impulses in USA:

als Gegenreaktion der Mittelklasseprogessiven: Die Basisdemokraten, reagierten auf diese Erfolgsgeschichte Ronald Reagans

RR war Sprecher gegen Washingtoner Establishment und Ausufern des bürokratischen Staatsapparates und damit sehr erfolgreich

Kritiken wurden aus kommunitarischer Sicht geteilt – daher hieß es von Reagan zu lernen

Bill Clintons Konzept:

darauf aufbauend „New Demokrat“

bis dato: demokr. welfare-Traditionalisten hatten Konservativen Sozialstaatabbau vorgehalten Gegenmittel dafür war lediglich zur Umverteilung ausgegeben worden breite Mittelschicht war davon abgeschreckt, da sie wussten sie müssten dies bezahlen

Clinton jedoch appelierte kommunitaristische Eigenaktivität und sprach somit auch unzufriedene soz. Schichten an – Wahlsieg

Zusammenfassung:

Denkmodell hat sich in den USA gegenüber den komplexen polit. Aufgabe bewährt

d.h. es ist möglich heterogene soz. Interessen: politisch, handlungsrelevant und mehrheitsbildend zusammenzubringen

in der Zieldefinition heißt dies einen 3. Weg (zwischen Sozialismus und Liberalismus) gefunden: Legitimierung von Transferzahlungen durch Eigenaktivität der Zahlungsempfänger + Dezentralisierung der Verantwortlichkeit zugunsten basisnäheren Bereichen

4. Kommunitarismus in Europa

Thema 1: Legitimierung und Finanzierung wohlfahrtstattlicher Transferzahlungen in allen Ländern der EU auf Tageordnung

bis dato dachte man die Krise des Wohlfahrtssystems sei ein angelsächsisches Problem

Antwortmöglichkeiten:

kommunitaristische Antwort bevorzugen grüne, kirchliche Aktivisten weitere Lösungsmöglichkeit wäre die Durchsetzung eines radikalen Wirtschaftsliberalismus (Milton Friedman): vor allem in GB konsequent durchgeführt

Thema 2: Verständnis des Politikbegriffs

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bis dato (Nach 68ger) alle Tätigkeiten die direkt den Staat betreffen: als politisch genuin verstanden d.h. alle Forderungen welche an den Staat gestellt werden: Projekte zu fördern, genehmigen, Wirtschaftsaktivitäten zu unterlassen, Verkehrswege zu bauen, nicht zu projektieren

Kommunitarisches Manifest: weiter gefasster Politikbegriff:

auch der Bürger der sich gemeinschaftlich betätigt ist politisch aktiv (Griechenland: res publica Angelegenheiten der Öffentlichkeit im Weiteren Sinne) Einzelpersonen die anstatt Staat zu rufen Dinge selbst in die Hand nehmen, handeln politisch Bürgerinitiative ist daher die Lösung eines Gemeindeproblems; gemeinnützige Vereinigungen die Gelder und Hilfsgüter sammeln; Nachbarschaftshilfeaktionen; Selbsthilfegruppen

bürgerhumanistisches / republikanisches Engagement: Basisaktivitäten gegen Intoleranz und Rassismus ist verschärfteren Gesetzen vorzuziehen

Ziel und Folge ist nicht nur den Staat von Kosten zu entlasten –sondern auch Aktivität zu erzeugen als Mittel für Zusammenhalt und Funktionieren der Gesellschaft

Dt. Kommunitarier und die Familie

Betonung der Rolle der Familie und der Schule bei der Entwicklung des Bürgersinns ( in Anlehnung an das amerik. Vorbild)

Familie: Zusammenleben 1 o. mehrere Erwachsene + min. 1 Kind

Grundsatz der Erziehung der Kinder von mehreren Generationen: Werteerziehung, moralische und staatsbürgerliche Charakterbildung

keine Kindererziehung durch professionelle Einrichtungen oder Babysitter

keine Scheidungen bzw. Trennungen während der prägenden Jahre Etzioni: Scheidungen erschweren oder Imperativ: Interessen der Kinder haben den Vorrang

Familie und Erziehung ist also nicht wie bei Liberalen Privatsache, sondern gesellschaftliche Aufgabe (daher ist es Aufg. der Gesellschaft: Möglichkeiten zu erzeugen , der Erziehungsaufgabe optimal nachzukommen)

Dt. Kommunitarier und die Schule

auch Aufgaben der Werteerziehung und der Charakterbildung, sonst würden andere Einflüsse in das Vakkum eintreten (bei vielen rechtsradikalen Jugendlichen stellt die ideologische Impfung die erste Form der Bildung dar)

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Frage welche Werte eigentlich vermittelt werden sollen:

Kommunitarier in Dtl. bleiben unbestimmt – Wertediskussion ist endlos und unentscheidbar

Etzioni ist konkreter: Er sagt, dass Werte vermittelt werden sollen, die alle Amerikaner Teilen (Menschenwürde; Toleranz; keine Diskriminierung; friedliche Konfliktlösung besser als Gewalt; Wahrhaftigkeit; Demokratien besser als Totalitarismus und Autoritarismus, Grundsätze einer Arbeitsethik)

Studie mit Ost-Lehrern oder die Bilder des Kommunitarismus und des Sozialismus

Studie Ansgar Schäfer: Rezeptionssteuernden Voraussetzungen und Erwartungen von Lehrern der Politischen Bildung eines ostdeutschen Bundesland.

Den Lehrern wurde der Aufsatz von Charles Taylor : Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung vorgelegt.

Identifizierung der Lehrer mit Aussagen zu Kritik am atomistischen Individualismus und Betonung der institutionellen Gebundenheit des Individuums

Sie empfanden die sozialistische Menschengemeinschaft als insgesamt positiven Wert und wünschenswertes Ziel der sozialen Entwicklungen (bei allen repressiven Zügen)

Weiterhin fanden sie diese Gedanken bei Taylor wieder: Kommunitarismus als Mittel gegen westliche Kälte und Ellenbogenmentalität; Eine neue attraktive Form der Gemeinschaftsbeziehungen (Gemeinschaftsbeziehungen die aus der DDR positiv zurückerinnert wurden)

Die Lehrer waren irritiert darüber, dass keine substantiellen Vorgaben über zu befördernde Wertvorstellungen im Text vorgegeben wurden

hieraus ergab sich der Widerspruch: Zustimmung der Teilnehmer welche auf Missverständnis beruht, aufgrund unterschiedlicher Sichtweisen der Begriffs Individuum

Taylor hatte die Vorstellung von einem Individuum das entscheidungsfrei, wertgebunden, autonom ist Teilnehmer hatten die Vorstellung von einem Individuum welches entscheidungsgebunden, normgebunden, nicht autonom ist

im Ergebnis:

Taylor war für eine aktive Wertegemeinschaft

Für den westl. Kommunitarismus Taylors bedeutet dies: freiwillige gegenseitige Wertschätzung als Bedingung für Gemeinschaftsorientierung

Teilnehmer hatten die Vorstellung einer Normenanpassung der Subjekte

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in der östl. Sozialisation (damit ist aus angelsächsischer Sicht Gesamtdeutschland und auch Frankreich gemeint werden solche Bedingungen übersehen und andere traditionalistische autoritäre Formen der Gemeinschaft hineingelesen

5. Zukunftsperspektiven des kommunitarischen Denkens

Michael Walzer: permanentes Korrektiv des modernen atomistischen Liberalismus Minderheitsströmung die gegen kalte Projekte der Moderne warme Menschlichkeit entgegenbringt

heutige amerik-europ. Kommunitarismus: innerdemokratische, innerliberale Grundhaltung (Rechte des Individuums gegenüber der Gemeinschaft respektiert)

das Gemeinschaftsbedürfnis kann auch radikalere Formen haben: alles jedoch sind Reaktion auf Entwurzelung und Entfremdung (Totalitäre Bewegungen der Vergangenheit, islamischer Fundamentalismus etc.)

keinesfalls ist dies ein Gegenargument gegen die Gedanken des Kommunitarismus (da keine strukturelle Analogie zu diesen gefährlichen Gemeinschaftsbewegungen besteht)

alle Fälle aber sind dies Reaktion auf Defizite und Beschleunigungseffekte auf die gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen

nimmt man gemäßigte Form nicht ernst, Tabuisiert man ihre Fragestellungen, muß man bedenken, dass die soziale Tatsache bestehen bleibt (Bedürfnis nach Gemeinschaft)

Europäischer Prozeß und Globalisierung: Grenzen der Nationalstaaten verlieren an Bedeutung

Bedürfnis nach regionaler Anbindungs- und Identifikationsformen wird wachsen

Kommunitaristische Elemente eignen sich aber auch zur Bildung abgeschlossener Nachbarschaften:

nach außen öffnende nationalstattliche Gesellschaft könnte nach innen „tausend kleine Festungen“ schaffen (M. Walzer) Stammeswesen im globalen Dorf ( Elmar Altvater)

politische Kraft:

Betonung der Gemeinschaft als Reaktion auf Vereinzelungsprozesse der Modernisierung

alle Formen der Reaktionen: radikal – gemäßigt; links – rechts; moderne – traditionelle Formen

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da der Kommunitarismus eine politische Kraft ist, stellt sich die Frage wo sie einzuordnen ist

Links-Rechts-Unterteilung ist eine Möglichkeit um innerhalb des Kommunitarismus ein Spektrum von Positionen zu unterscheiden (Der Kommunitarismus ist weder auf der einen noch der anderen Seite einzuordnen)

Kulturkonservationismus Alasdair MacIntyre – Sozialliberalismus Michael Walzer

Elemente des k. Denkens für politische Spektrum in D. anschlussfähig

Meinungen v. Politikern/Parteitheoretikern (Forschungsjournal: Neue Soziale Bewegungen)

Thomas Meyer (SPD):Warnung vor Tugendterror und Vermeidung des Ersetzens wichtiger Staatstätigkeiten durch Selbstorganisation; dennoch sei der Kommunitarismus ein Mittel zur Belebung, Erweiterung und Neufundierung gesell. Politik beitragen

Rudolf Scharping: Sozialdemokratie und Bürgerbewegung sind Partner

Thomas Gauly (CDU): kommunitarische Elemente in CDU-Programmen (Gemeinschaftsbegriff); beklagt das Gegenbegriff der individuellen Freiheit zu wenig von Kommunitariern betont wird

Winfried Kretschmann (Grün): Kommunitarismus entspricht Gründungsmythos der Grünen welche ja aus Bürgerinitiative entstanden sind; Kritik an der starken Moralisierung der Politik (Kandidatenbefragungen eher eine Abfrage von Glaubensbekenntnissen)

PDS: wurde nicht befragt, hätte aber zu starke Betonung gesellschaftlicher Eigenaktivität kritisiert

Insgesamt: generelle Zustimmung bei partieller Distanzierung Konvergenz bei Aspekt des Moralisierens über Parteigrenzen hinweg Distanzierung: von moralisierenden Amerikanismus der K.

säkularisierte Sektenreligiosität pflegt dort hohe Anforderungen an Glaubwürdigkeit von Politikern zu stellen

Europa: Eher eine Haltung eines nüchtern politischen Realismus geeignet um öffentliche Anerkennung zu finden

Rechts: Verkürzung des kommunitarischen Denkens auf Aspekt des Nationalstaats

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gemeinschaftsstiftende Potenz wird von der Nation erwartet

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im Denken des K. hat die „Nation“ aber nur eine nicht die zentrale Größe: sie hat im Gegenteil zu lokalen Gemeinschaften einen zu abstrakten Charakter Symbolische statt realer Kommunikation

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kann Kommunitarismus eher für rechte oder linke Projekte mobilisieren?

Tilman Mayer: beklagt dass der Kommunitarismus nur sozialdemokratisch interpretiert wird für ihn sei die Nation die größtmögliche Gemeinschaft der Mensch angehören kann K. wird als kulturverändernde Wende gesehen, die überzogenen Individualismus ausbalanciert und zur tragenden Idee der Weltordnung nach ´89 mit vielen nationalen Projekten wird nationalstaatliches Begriffsdenken mit Dogmatischen Zügen hängt sich an der Verwendung des Patriotismus-Begriff Taylors auf

doch Kommunitarismus ist basisdemokratisch, zivilgesellschaftlichen Engagement unterhalb der nationalen Ebene- dies ist prägender als die Identifikation mit dem Großen und Ganzen

eine ausschließliche Fixierung auf den Nationalstaat wäre eine zu starre These:

Zivilisationen und Religionen sind auch Identitätsstiftend;

Entscheidend ist aber das die Identitätsform eine Person ganz und gar ausfüllen kann und somit politisch prägend ist und handlungsweisend

Großeinheiten als Gemeinschaften

neigen zu Abstraktheit und Anonymität

produzieren Illusionen

Francois Furet: Mythos Oktoberrevulotion

so anonym und allein gelassen sich das Individuum auch fühlt, es hat mehr Freiheiten als bei bedingungsloser Unterordnung unter eine große Idee

daher Bedingungen des Kommunitarismus.:

Vielfältige kleine selbstorganisierte Einheiten die Zeitlang zusammenbleiben freiwilliges Engagement freiwillige Vereinigungen mit begrenzter Dauer

Bürgerinitiative: (anders als Nationen o. kommunistische Parteien) keine existentiellen Bindungen nicht Einsatz der ganzen Persönlichkeit

Politisierung des Gemeinschaftsbegriffs:

welche Gemeinsamkeiten bezogen welche Bindungsintensität Gemeinschaft besser in Mikropolitik aufgehoben (nicht nationalstaatl., religiöse Großräume)

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letzte und zentrale Verantwortlichkeit des Staates für alle wirtschaftlichen und gesell. Fragen, nur wenn das Individuum die Möglichkeit hat sich nach eigenen Vorstellungen zu assoziieren und engagieren

Assoziationsfreiheit: strukturell die Freiheit des Individuums Bindungen einzugehen und sich zu lösen (kommunitarische Grundfreiheit)

Läßt es sich in unserer Gesellschaft besser leben mit kommunitarischen Aktivitäten

wenn alle Gruppen aus freien und gleichen Einzelpersonen zusammengesetzt

jede Einzelperson in mehreren Rollen (Produzent; Steuerzahler; Verbraucher)

daher keine Radikalisierung einer Teilidentität

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