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Telefonieren über das Internet

Quelle: http://www.bsi-fuer-buerger.de

Was vor wenigen Jahren noch als Science Fiction galt, ist heute bereits Realität:

Telefonieren über das Internet, auch „Voice over Internet Protocol“ (VoIP) genannt. Sprache wird also nach den Verkehrsregeln des Internet transportiert – wie bei E-Mails. Die Technik ist schon so weit fortgeschritten, dass dieser Kommunikationsweg nicht mehr nur direkt über Computer mit angeschlossenen Kopfhörer und Mikrofonen funktioniert. Es gibt bereits eigene Internettelefone, die über Router mit dem Internet verbunden werden können – und selbst Analogtelefone können für VoIP eingesetzt werden. Experten gehen davon aus, dass VoIP in den nächsten zehn Jahren die bisherigen Telefontechniken vollständig ablösen wird – eine wahre Revolution. Wie immer bei großen Umwälzungen gibt es aber auch hier Schattenseiten: So können Telefonate über das Internet wesentlich leichter abgehört werden als das bisher der Fall ist. Und auch die Versender von unerwünschten Werbenachrichten haben den neuen Informationskanal bereits für sich entdeckt.

Voice over IP

E-Mails an Stelle von Briefen, Online-Chats statt Kaffeekränzchen, virtuelle Einkaufsbummel – das Internet hat bereits eine ganze Reihe unserer Lebensgewohnheiten verändert. Nun steht eine neue Umwälzung bevor: Ein mit dem Internet verbundener Computer übernimmt die Funktion eines Telefons. Unter dem Namen „Voice over Internet Protocol“ oder kurz VoIP tritt diese Technik nun an, den Massenmarkt zu erobern. In Deutschland telefonieren bereits etwa eine halbe Million Menschen über das Internet. Schon heute fällt die Qualität der Gespräche kaum gegenüber den Telefonnetzen ab. Die Technologie für VoIP basiert darauf, dass Telefongespräche in kleine Datenpakete zerlegt und dann in blitzschnellem Austausch über Internetleitungen geschickt werden. Theoretisch ist es nun möglich, von jedem Ort der Welt aus über den Laptop zu telefonieren. Einzige Voraussetzung: Eine Datenleitung zum Einstieg ins Internet muss zur Verfügung stehen.

Über VoIP können auch Teilnehmer angerufen werden, die selber nicht über einen VoIP-Zugang verfügen. Ebenso können Telefonate aus dem „klassischen Netz“ über Internet empfangen werden. Sobald aber auch nur ein Teil der Gespräche über das Telefonnetz läuft, fallen natürlich Gebühren an. Bei Telefonaten, die rein über Computer und Internetleitungen ablaufen, entstehen hingegen keine Extrakosten. Dafür zahlt man aber für die benötigte Hardware wie etwa den Router und für die Anbindung ans Internet. Die Telefonsoftware wird von den meisten Anbietern kostenfrei zur Verfügung gestellt.

In das Geschäft mit VoIP sind übrigens auch bereits einige Kabelnetzbetreiber eingestiegen. Der besondere Vorteil für Kunden besteht darin, dass hier im Gegensatz zu DSL kein eigener zusätzlicher Telefonanschluss erforderlich ist.

Nicht ganz unproblematisch gestaltet sich die Vergabe von Telefonnummern an VoIP- Teilnehmern. In der Praxis haben die VoIP-Anbieter diesen bisher zumeist ganz normale Festnetznummern zugeteilt. Die Ortsvorwahlen stimmten dabei aber nicht notwendigerweise mit dem tatsächlichen Wohnsitz des Teilnehmers überein, das führte zu Irritationen. Die deutsche Regulierungsbehörde hat nun reagiert: Einerseits wurde die

Vergabe von Nummern mit ortsfremder Vorwahl gestoppt. Andererseits steht seit Beginn 2005 ein neuer Typ von Rufnummern mit der Vorwahl 032 zur Verfügung. Diese Nummern haben keinen geografischen Bezug mehr und eignen sich damit speziell für VoIP.

Natürlich gibt es aber auch bei der Internettelefonie ein paar Wermutstropfen: So können die über das Internet verschickten Sprachdaten – ebenso wie beispielsweise E- Mails – sehr leicht von Fremden eingesehen werden. Insbesondere dann, wenn drahtlose Funknetzwerke („WLAN“) verwendet werden, ist ein Anzapfen von Gesprächen sehr viel leichter möglich als bei klassischen Telefonanschlüssen. Bei Gesprächen mit sensiblem Inhalt sollte daher aus Sicherheitsgründen eine Verschlüsselung gewählt werden. Darüber hinaus haben leider auch die Versender von Werbesendungen VoIP für sich entdeckt: Das Gegenstück zu den E-Mail-Spams heißt „Spam over Internet Telephony“ oder kurz „Spit“. Den Werbefirmen entstehen dabei – wie bei Spam – praktisch keine Kosten. Ein entsprechend programmierter Computer kann bis zu 1000 Anschlüsse pro Minute anrufen und Werbebotschaften abladen. Schon jetzt beklagen sich viele über steigende Reklameanrufe oder Werbemüll auf den Anrufbeantwortern. Noch ist nicht abzusehen, welche Ausmaße Spit tatsächlich annehmen wird.

Technische Grundlagen

Das Prinzip des Telefonierens über das Internet ist schnell erklärt: Im Gegensatz zu klassischen Gesprächen über das Festnetz muss nicht für jedes Telefonat eine eigene Leitung reserviert werden. Die Sprachinformationen werden in digitale Signale umgewandelt und dann als kleine Informationspakete über das Internet verschickt. Beim Gesprächspartner werden die Pakete wieder zusammengesetzt – in normale Sprache. Die Anbietergesellschaften von VoIP betreiben eigene Gateway Server die Gegenstücke zur klassischen Telefonanlage. Sie bilden eine Kommunikationsbrücke zwischen den durchs Internet transportierten Datenpaketen und den herkömmlichen Telefonanschlüssen. Wer sich bei einem Anbieter anmeldet, erhält eine persönliche Telefonnummer. Gehen Anrufe auf dem Gateway Server ein, so werden diese nun an den VoIP-Anschluss des Benutzers weitergeleitet – egal, wo er sich nun gerade ins Internet eingelinkt hat. Dieses Verfahren macht es beispielsweise möglich, mit vielen Leuten gleichzeitig zu telefonieren (Konferenzschaltung), da eine sehr hohe Zahl von Gesprächen gleichzeitig über nur eine Leitung geführt werden kann – anders als bei analogen Telefonen. Nur bei ISDN ist bisher eine eingeschränkte Konferenzschaltung möglich.

Die Klangqualität eines Telefonats entspricht in der Regel jener eines herkömmlichen Gesprächs über das allgemeine Telefonnetz. Allerdings kann es natürlich vorkommen, dass einzelne Pakete mit Sprachinformationen fehlgeleitet werden und es dadurch zu Aussetzern kommt. Diese Probleme werden allerdings in Zukunft an Bedeutung verlieren. Die technischen Standards werden zudem immer einheitlicher. Die momentan meist genutzten Protokolle für die IP-Telefonie sind H.323 und SIP:

Im H.323-Standard werden Protokolle definiert, über die eine audio-visuelle

Kommunikation auf jedem Netzwerk, das Pakete überträgt, möglich ist.

SIP (Session Initiation Protocol) ermöglicht den Versand von Datenpaketen auch

zwischen unterschiedlichen Betreibern und wird zum Beispiel zur Herstellung der

Verbindung (Rufaufbau) eingesetzt. Das SIP-Protokoll ist aufgrund seiner

Flexibilität übrigens auch als Protokoll für die nächste Generation von UMTS-

Netzen vorgesehen.

Zugangsmöglichkeiten

Der einfachste Zugang zu VoIP erfolgt über einen PC mit DSL-Anschluss und

installierter Telefonsoftware, der mit Kopfhörern und Mikrofon ausgerüstet ist. ISDN

mit Kanalbündelung (2 Kanäle [128k] decken die erfordliche Bandbreite ab)

funktioniert aber auch.

Ein zweiter Weg besteht darin, ein spezielles IP-Telefon an einen Router

anzuschließen.

Wer auf sein analoges Festnetz-Telefon nicht verzichten möchte, kann auch über

dieses mit Hilfe eines Adapters VoIP nutzen. Ein solcher Adapter muss dann ebenfalls

an den Router angeschlossen werden – in manchen Fällen ist dieser bereits in den

Adapter integriert. Wird über ein IP- oder Analogtelefon mit Hilfe eines Routers

telefoniert, so muss der PC nicht einmal angeschaltet sein.

Tipps

Problem: Firewall

Ein Problem für VoIP stellen Firewalls dar: Sie blocken generell ihnen unbekannte Inhalte ab – und die VoIP-Datenpakete kennen sie nicht. Besonders bei SIP ist es schwierig, da das Protokoll keinen festen Port benutzt. Eine Möglichkeit: Sie konfigurieren die Firewall entsprechend den Angaben des VoIP-Anbieters. Das ist jedoch sehr riskant, da Sie in diesem Fall dem Anbieter voll vertrauen müssen.

Aus technischer Sicht ist dieses Problem bislang ungelöst. So gesehen ist die IP- Telefonie daher mit Vorsicht zu genießen: Sie ist von allen Sicherheitsrisiken, die Sie aus der Internetwelt kennen, betroffen. Zusätzlich "erbt" sie die Schwachstellen der normalen Telefonie.

1. Schützen Sie sich vor Lauschern! Beim elektronischen Versand von sensiblen Daten sollten Sie generell auf Verschlüsselung setzen. VoIP-Gespräche können besonders leicht mitgehört werden, wenn Sie über mobile Funknetzwerke (WLAN) telefonieren.

2. Rechnen lohnt sich in jedem Fall! Das Telefonieren über das Internet ist für Privathaushalte nicht automatisch günstiger als der herkömmliche Weg über das Telefonnetz. Die benötigte Infrastruktur hat schließlich auch ihren Preis: Die Internetverbindung sollte über eine besonders leistungsfähige Leitung – also DSL oder Fernsehkabel – laufen. Hardware wie etwa Router oder Endgeräte, muss

angeschafft werden. Darüber hinaus müssen für die Nutzung des Internet ja auch Gebühren bezahlt werden – ob nun nach Zeitaufwand oder über Flatrates Auf der anderen Seite nutzen Call by Call-Anbieter bereits sehr günstige Tarife, da sie selbst ja auch auf VoIP zurückgreifen. Ein deutlicher Kostenvorteil entsteht heute also zumeist nur bei Anrufen in Staaten, in die über herkömmliche Netze nur zu teuren Tarifen telefoniert werden kann.

3. Altes Handy für Notfälle bereit halten! Auch wenn Sie bereits auf VoIP umgestiegen sind, lohnt es sich, im Notfall ein herkömmliches Telefon in Reichweite zu haben. Notrufnummern werden nämlich in Deutschland automatisch in die örtlich zuständige Notrufzentrale weitergeleitet. Da diese Zuordnung bei VoIP schwierig ist, sind Notrufe derzeit über diesen Weg nicht möglich. Aber auch kostenpflichtige telefonische Serviceeinrichtungen können bisher über VoIP nicht erreicht werden. Abhilfe könnten hier für die Zukunft die von der Regulierungsbehörde neu eingerichteten Telefonnummern mit der Vorwahl 032 bringen. Wie das in der Praxis konkret aussieht, muss die Zeit zeigen. Schließlich gilt die Regelung erst seit Januar 2005.

4. Verfügbarkeit Sein "normales" Telefon zu behalten, ist nicht nur für Notfälle ratsam. Denn klar ist: Wenn der Zugang zum Internet – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr möglich ist, dann können Sie auch nicht mehr telefonieren.

5. Diskreter Umgang mit der VoIP-Telefonnummer!

Die Belästigung durch Spammer hat viele Menschen bereits dazu motiviert, sehr vorsichtig mit ihrer E-Mail-Adresse umzugehen und sie nicht leichtfertig etwa in Internetformularen oder -fragebögen bekannt zu geben. Mit Spit besteht aber auch für VoIP nun die Gefahr unerwünschter Werbung. Daher sollten Sie auch die VoIP- Telefonnummer nur dann weitergeben, wenn es wirklich erforderlich ist.

Checkliste: schritt für schritt zu VoIP (bei einzelnen Modellen können sich Abweichungen ergeben)

Wenn Sie direkt über den PC telefonieren wollen:

Sie benötigen einen PC mit DSL-/ISDN- oder Breitbandkabel-Anschluss, einen Kopfhörer und ein Mikrofon („Headset“). Konfigurieren Sie den Anschluss entsprechend den Angaben des Anbieters und installieren Sie die vom Anbieter gelieferte oder online heruntergeladene Telefonsoftware.

Wenn Sie mit einem speziellen Internet-Telefon („IP-Telefon“) telefonieren wollen:

Sie benötigen einen Router. Schließen Sie das zumeist vom Hersteller mitgelieferten Kabel an den Netzwerksteckplatz („LAN“) des IP-Telefons an und verbinden Sie das Kabel mit dem Router. Danach können Sie das Telefon an die Stromversorgung anschließen. Die Konfiguration wird bis zur Zuteilung einer IP-Adresse] über die Telefontastatur vorgenommen, danach zumeist über die Internetseiten des Anbieters.

Wenn Sie mit Ihrem analogen Telefon über VoIP telefonieren wollen: Sie benötigen

einen Adapter und einen – zumeist bereits in den Adapter integrierten – Router.

Der Adapter wird mit dem zumeist vom Hersteller mitgelieferten Netzwerkkabel

an den DSL-Splitter angeschlossen. Daran schließen Sie Ihr Telefon an. Nun

verbinden Sie den Computer über einen USB-Anschluss oder ein lokales Netzwerk

(LAN) mit dem Router/Adapter, den Sie nun auch an die Stromversorgung

anschließen. Nach dem Anschluss der Hardware-Komponenten können Sie nun

über die von Ihrem VoIP-Anbieter angegebenen Internetseiten die Software

konfigurieren.

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