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Hochschule der Medien Stuttgart Bibliotheks- und Informationsmanagement Bachelor Sommersemester 2011

Die Entstehung des Weblog

Von What´s new in ´92 bis blogger.com

Hausarbeit im Studienfach Medien 2 Prof. S****** S****

Vorgelegt von:

Patrick Lürwer E-Mail: *****@hdm-stuttgart.de Martikelnummer: *****

Abgabedatum:

23.05.2011

Die Entstehung des Weblogs Von What´s new in ´92 bis blogger.com

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2

2 Einführung in das Thema „Weblog“

3

2.1 Begriffserklärung „Weblog“

3

2.2 Merkmale von Weblogs

3

2.3 Kategorien von Weblogs

4

3 Entstehung des Weblogs

5

3.1 Entstehung und Form der ersten „Weblogs“

5

3.2 Justin´s Links als Online-Tagebuch

7

3.3 Der kollaborative Weblog Slashdot.org

8

3.4 Die Entstehung des Begriffs „Blog“

9

3.5 Das erste Weblog-Portal EatonWeb.com und der kollaborative Weblog MetaFilter.com

9

3.6 Pitas.com und blogger.com ermöglichen Weblogs für jedermann

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4 Fazit

12

5 Literaturverzeichnis

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Die Entstehung des Weblogs Von What´s new in ´92 bis blogger.com

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Einleitung

Seit ihrer Entstehung in den frühen 1990er Jahren haben sich Weblogs stetig weiter entwickelt. Waren sie zuerst nur einem kleinen Personenkreis zugänglich, stehen sie seit dem Jahr 1999 für jeden geneigten Internet- nutzer als mediales Ausdrucksmittel zur Verfügung. Gleichsam ihren Nut- zern hat sich auch die Funktion und der Inhalt von Weblogs über die Jahre verändert: von ihrem Einsatz als Filter-Instrument für die zunehmende An- zahl von Websites, über persönliche Online-Tagebücher bis zu Nachrich- tenseiten für freischaffende Journalisten und als Marketinginstrument für Unternehmen.

Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 erlangten Blogs endgültig die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit. Anfangs durch die unmittel- bare Berichterstattung von Bloggern in New York, die das Geschehen noch vor den etablierten Medien an ihre Leser weitergaben. Später durch die sogenannten War-Blogs, die durch amerikanische Soldaten im Afgha- nistan- und Irakkrieg geführt wurden und dadurch der Bevölkerung ein un- geschöntes Bild, abseits der Medien, vermittelten. Heute sind Blogs aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Auf die eine oder ande- re Art sei es aktiv oder passiv kommt jeder Internetnutzer zwangsläufig mit ihnen in Kontakt.

Diese Hausarbeit befasst sich anfangs mit einer kurzen Definition des Be- griffs „Weblog“, Merkmalen, die ihn von anderen Websites unterscheiden, und den verschiedene Kategorien, in die er unterteilt werden kann. Aus- gehend von dieser Grundlage soll der Fokus der Hausarbeit jedoch auf die Anfänge des Weblog gerichtet werden. Dazu werden die Entste- hungsgeschichte der Weblogs beginnend bei der Tim Berners-Lees ers- ter Website bis zur Einführung von blogger.com und die Entstehung des Begriffs „Weblog“ dargestellt sowie einigen Personen genannt, die un- trennbar mit dieser Entwicklung verbunden sind.

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2 Einführung in das Thema „Weblog“

2.1 Begriffserklärung „Weblog“

Das Kunstwort „Weblog“ oder kurz „Blog“ ist eine Kombination der Begriffe

„Web“ und „Log(buch)“. Es bezeichnet

„[…] regelmäßig aktualisierte Webseiten, die bestimmte Inhalte (zumeist Texte beliebiger Länge, aber auch Bilder oder andere Multimediainhalte) in umgekehrt chronologischer Reihenfolge darstellen. Die Beiträge sind einzeln über URLs adressierbar und bieten in der Regel die Möglichkeit, Kommentare zu hinter- lassen. Dadurch sowie durch Verweisungen auf andere Web- logs […] bilden sich Netzwerke von untereinander verbundenen Texten und Webseiten heraus; die Gesamtheit aller Weblogs wird auch als ´Blogosphäre´ bezeichnet.“ (Schmidt 2006, S. 13)

Autoren von Blogs werden „Web-Logger“ oder kurz „Blogger“ genannt,

das Verfassen „Blogging“ oder „Bloggen“. Die einzelnen Beiträge eines

Blogs bezeichnet man als „Posts“.

2.2 Merkmale von Weblogs

Da Weblogs wie sich zeigen wird seit ihrer Entstehung einer kontinu-

ierlichen Veränderung unterworfen sind, ist es schwer, eine genaue Defini-

tion zu geben. Es gibt jedoch verschiedene Merkmale, die einen Blog aus-

zeichnen können und ihn von einer normalen Website abgrenzen (vgl.

Sauers 2007, S. 2 f.; Bradley 2007, S. 37 f.). Für Weblogs kann gelten,

dass sie

persönlich und subjektiv sind,

chronologisch strukturiert sind, mit dem aktuellsten Post am Beginn

der Seite,

datierte Einträge enthalten,

aktuell und zeitnah sind,

frei zugänglich sind,

die Möglichkeit zu partizipieren oder zu antworten bieten und

ihre bestehenden Einträge nicht mehr geändert werden.

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2.3 Kategorien von Weblogs

Auch bei der Kategorisierung verschiedener Weblogs ergeben sich gleich- sam der Definition keine genauen Grenzen, die Übergänge zwischen den verschiedenen Typen von Weblogs sind fließend.

Eine generelle Einteilung nach Art des Inhalts findet in persönliche, thema- tische und organisatorische Blogs statt (vgl. Sauers 2007, S. 3 f.). Persön- liche werden dabei von einer Person in Form eines Journals betrieben und befassen sich mit den Lebenserfahrungen oder dem Berufsleben des Bloggers. Thematische Blogs hingegen können auch von mehreren Per- sonen geführt werden und sind auf ein bestimmtes Thema fokussiert. Als Letztes sind die organisatorischen Blogs zu nennen, welche die Ansich- ten, Meinungen und Ereignisse von Organisationen wiedergeben.

Der Kategorisierung nach Inhalt kann der nach Art der Autorenschaft ent- gegengestellt werden (vgl. Mosel 2005, S. 30; Marker 2009, S. 19). So ist zu unterscheiden, ob ein Blog von einer oder von mehreren Personen ge- führt wird. Letztere werden als „kollaborative Blogs“ bezeichnet und kön- nen wiederum dahingehend unterschieden werden, ob es nur einem be- grenzten Autorenkreis gestattet ist, Einträge zu verfassen oder ob der Blog „offen“ für jeden ist. Weitergehend kann unterschieden werden, ob hinter dem Blog eine Privatperson oder eine Institution beziehungsweise ein Unternehmen steht. Blogs von letzteren werden als „Corporate Blogs“ bezeichnet.

Eine weiter Unterteilung von Weblogs findet sich aufgrund der Form und Beschaffenheit der Einträge (vgl. Marker 2009, S. 18). Im klassischen Sin- ne gibt es rein textbasierte Einträge. Diese können aber durch das Einpflegen audiovisuelle Elementen ergänzt werden. Zu diesen gehören zum Beispiel Fotos („Fotoblogs“), Videos („Videoblogs“ oder auch „Vlogs“) oder Podcasts.

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3 Entstehung des Weblogs

Die in Kapitel 2 beschriebene große Anzahl von Merkmalen und Katego- rien verdeutlichen, wie weit sich das Medium „Weblog“ in den vergange- nen zwei Jahrzehnten seit seiner Entstehung entwickelt hat. Am Anfang war die Richtung, die es dabei einschlagen würde, jedoch keinesfalls ab- zusehen. Weblogs waren weniger eine spontane, zielgerichtete Erfindung als ein der Weiterentwicklung des Internet geschuldeter, notweniger Evo- lutionsprozess eines Kommunikationsmittels.

3.1 Entstehung und Form der ersten „Weblogs“

Die Entstehung der ersten Weblogs auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht so genannt wurden fällt mit der Erfindung des World Wide Web in den frühren 1990er Jahren zusammen. So bezeichnet Dave Winer (2001) die erste Website http://info.cern.ch/ 1 (Abb.1), die von Tim Berners- Lee am Kernforschungszentrum CERN erstellt wurde, zugleich auch als ersten Blog.

CERN erstellt wurde, zugleich auch als ersten Blog. Abbildung 1: What´s new in ´92 von Tim

Abbildung 1: What´s new in ´92 von Tim Berners-Lee

1 Die Website ist unter folgendem Link archiviert worden:

http://www.w3.org/History/19921103-hypertext/hypertext/WWW/News/9201.html [in eckige Klammern gesetzte URLs wurden von mir verkürzt, um die erwähnte Seite schneller aufrufen zu können: http://bit.ly/j1kRDr] (23.05.2011)

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Diese Seite ist jedoch mit einem heutigen Blog nur begrenzt vergleichbar. Auf ihr verzeichnete Berners-Lee zunächst nur fortlaufend die Entwicklung der neuen Internet-Technik und neuer Websites. Dieses Verfahren wurde sehr bald von anderen Internetnutzern aufgegriffen, die ihrerseits Link- Listen von Websites, welche sie im Web entdeckt und als interessant be- funden hatten, online stellten. Jorn Barger prägte, diesem Vorgang ent- sprechend, im Dezember 1997 den Begriff „Web-Log“ (Abb. 2), nämlich als ein digitales Logbuch über und für die Navigation im World Wide Web (vgl. Blood 2000; Barger 1997) 2 .

im World Wide Web (vgl. Blood 2000; Barger 1997) 2 . Abbildung 2: Robot Wisdom WebLog

Abbildung 2: Robot Wisdom WebLog von John Barger

Weblogs sollten als Filter zwischen Internet und Internetnutzer fungieren, dem der Funktechnik entlehnten Spruch „More signal – less noise“ ver- pflichtet (vgl. Rosenberg 2009, S. 79). In diesem Zusammenhang sprach der Science-Fiction Autor William Gibson auch vom Blogger als „pre- surfer“ (vgl. Rosenberg 2009, S. 75).

2 Interessant ist, dass Cameron Barett, ebenfalls einer der Pioniere des Weblogs, diesen Begriff gar nicht auf seine Website anwendete und erst zwei Jahre nach der Veröffentlichung seines Blogs realisierte, dass er namentlich einen solchen führt. Der Beitrag, in dem er dies feststellt, ist unter folgendem Link zu finden: http://classic-

web.archive.org/web/20061018001848/http://www.camworld.com/journal/rants/99/01/2

6.html [http://bit.ly/ijnUzq] (23.05.2011).

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3.2 Justin´s Links als Online-Tagebuch

Eines der ersten Weblogs nach heutigem Verständnis schuf Justin Hall mit seiner Seite Justin´s Links 3 , die am 22. Januar 1994 online ging (vgl. Hall 1994). Auf dieser beschränkte er sich nicht nur darauf, Links zu anderen Seiten aufzuführen, sonder er verfasste mit der Zeit kurze Einträge über sein Leben, seine Gedanken und alles, was ihm wichtig und interessant erschien. Dies entspricht der heute am weitesten verbreiteten Form der persönlichen Weblogs als Online-Tagebuch.

Form der persönlichen Weblogs als Online-Tagebuch. Abbildung 3: Justin´s Link (hier noch unter dem

Abbildung 3: Justin´s Link (hier noch unter dem ursprünglichen Namen Justin´s Home Page) von Justin Hall

Halls Website war eine der ersten dieses Formats, der eine große Anzahl von Lesern folgte. Dies war einerseits seinen sehr persönlichen Berichten geschuldet. Andererseits seinen im „what´s new?“-Stil gehaltenen Listen mit einem Schwerpunkt auf das Unkonventionelle; Sex-bezogene Inhalte

3 Die Frontpage aus dem Jahr 1994 ist unter folgendem Link zu finden:

http://links.net/vita/web/start/original.html [http://bit.ly/mDrfF2] (23.05.2011). Das Archiv seiner Einträge ist unter folgendem Link zu finden: http://links.net/daze/. Der Berichtszeitraum geht nur bis zum 10. Januar 1996 zurück. Allerdings ist es möglich, auch Einträge aus dem Zeitraum davor aufzurufen, da Hall wie beschrieben seine Websites sehr stark miteinander verlinkt hat. Als möglicher Einstiegspunkt sei seine Site „autobio“ unter http://links.net/vita/ (23.05.2011) empfohlen.

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mit inbegriffen. Im Gegensatz zu anderen Link-Websites verwies er dabei zumeist nicht auf die Frontpage einer gefundenen Seite, sondern setzte Deeplinks zu interessanten Inhalten in den tieferen Ebenen der Website (Rosenberg 2009, S. 22).

Anfänglich war Halls Seite noch nicht in der für einen Blog typischen, um- gekehrt-chronologischen Reihenfolge aufgebaut. Im Gegenteil, seine Seite war größtenteils unstrukturiert. Personen, Orte, Begebenheiten, die in seinen Beiträgen Erwähnung fanden, verlinkte er auf Seiten, auf denen er diese genauer beschrieb. Somit formte er mit der Zeit ein Netzwerk von Verlinkungen, das den subjektiven Erinnerungen, Assoziationen und Kon- notationen eines Menschen vergleichbar ist (Rosenberg 2009, S. 24f.). Die Schwierigkeit für seine Leser bestand darin, bei zunehmendem Um- fang der Seite, die aktuellsten Eintragungen zu finden. Diesem Problem trat er im Januar 1996 entgegen, indem er begann auf der Frontpage sei- ner Seite die neusten Beiträge einzustellen. 4

3.3 Der kollaborative Weblog Slashdot.org

Im September 1997 entwickelt Rob Malda seinen Weblog slashdot.org, auf dem er „Neuigkeiten für Nerds“ veröffentlichte (vgl. Möller 2006, S. 114 f.). Neu an seinem Blog war, dass er den Lesern, neben der Kommentar- funktion, auch die Möglichkeit einräumte, Beiträge einzusenden. Nachdem er diese begutachtet hatte, entschied er, sie auf seiner Website zu veröf- fentlichen oder nicht. Mit diesem Verfahren schuf Malda eine neue Form des Weblogs, dessen Inhalt nicht nur von einem einzelnen Autor oder ei- ner Autorengruppe geschaffen wurde. Vielmehr konnten die Leser im Sinne des heutigen Web 2.0-Gedanken aktiv an der Gestaltung des Blog partizipieren.

4 Den Anstoß dazu gaben die Sticheleien zwei ehemaliger Kollegen, die ihre Seite suck.com genau auf diese Weise führten. Der Beitrag vom 10. Januar 1996 zu seiner Entscheidung ist unter folgendem Link zu finden: http://www.links.net/daze/96/01/10/ [http://bit.ly/m4hJ8w] (23.05.2011)

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3.4 Die Entstehung des Begriffs „Blog“

1999 formte Peter Merholz, der eine Vorliebe für Wortspiel hatte, den Be- griff „Weblog“ durch eine andere Betonung zu „wee-blog“ um und verkürz- te ihn schließlich auf „Blog“ (Abb. 4). Anzumerken ist dabei, dass der Be- griff „blog“ im Englischen eine Onomatopöie von „Erbrechenist und Merholz Blogs seinen nicht ausgenommen – als eine Arte von „informa- tion upchucking“ 5 bezeichnete (vgl. Merholz 2002). Interessanterweise wollte Jorn Barger gerade diese Betonung vermeiden, als er den Namen seiner Website „WebLog“ schrieb; das große „L“ sollte das Wort ausdrück- lich in die Silben „Web“ und „Log“ trennen (Rosenberg 2009, S. 79).

„Web“ und „Log“ trennen (Rosenberg 2009, S. 79). Abbildung 4: peterme.com von Peter Merholz 3.5 Das

Abbildung 4: peterme.com von Peter Merholz

3.5 Das

erste

Weblog-Portal

EatonWeb.com

und

der

kollaborative Weblog MetaFilter.com

Zu Beginn war das Anfertigen von Weblogs nur einem begrenzten Perso- nenkreis vorbehalten, da es HTML-Kenntnisse voraussetze. Nichtsdesto- trotz stieg die Anzahl der Blogs rapide an. Es gestaltete sich zunehmend als schwierig allen neuen Weblogs zu folgen, geschweige denn alle be-

5 „upchucking“ steht im Englischen umgangssprachlich für „Erbrechen“

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stehenden zu lesen. Aus dieser Situation heraus veränderte sich das Ver- halten der Blogger. Zum einen verwiesen sie verstärkt nur noch auf Web- logs, die sie selbst verfolgten, und nicht mehr auf alle bestehenden. Zum anderen entstanden die ersten Portale. So schuf Brigitte Eaton 1999 mit dem Portal EatonWeb.com 6 eine Zusammenstellung aller Weblogs, die sie kannte. Durch sie wurde auch eines der Hauptkriterien eines Blogs defi- niert. Sie führte nur Seiten auf, die über datierte Einträge verfügten (vgl. Blood 2000). Dieses Kriterium hat sich bis heute erhalten.

Im gleichen Jahr genauer im Juli 1999 verzeichnet MetaFilter.com seinen frühsten Archiveintrag (vgl. Haughey 1999). Im Gegensatz zu slashdot.org und seiner redaktionellen Betreuung von eingesendeten Bei- trägen, kann hier jeder eingetragene Nutzer Posts einstellen. Das Ziel des Blogs war und ist es daher, „to break down the barriers between people, to extend a weblog beyond just one person, and to foster discussion among its members“ (Haughey 2011). Dadurch kommt es dem Gedanken eines kollaborativen Blogs wesentlich näher, da keine Instanz dem Schreiben und dem Veröffentlichen zwischengeschaltet ist.

3.6 Pitas.com und blogger.com ermöglichen Weblogs für jedermann

Eines der folgenschwersten Ereignisse des Jahres 1999 war jedoch der Start von Pitas.com 7 im Juli (vgl. PIC Web Services o. J.). Wie bereits an- gesprochen, war das Verfassen von Blogs anfangs nur denjenigen mög- lich, die über HTML-Kenntnisse verfügten. Pitas.com legte nun der breiten Masse von Internetnutzern ein Werkzeug in die Hand, um auf einfache und schnelle Weise einen eigene Blog zu erzeugen. Wenig später folgte im August blogger.com der Firma Pyra Labs, das Pitas.com in der Wahr- nehmung und Nutzung noch übertreffen sollte. Anfänglich als Nebenpro- dukt des Content Management System Pyra App entstanden, entwickelte

6 Die Website ist in ihrer heutigen Form unter folgendem Link zu finden:

http://portal.eatonweb.com/ (23.05.2011)

7 Die Website ist in ihrer heutigen Form unter folgendem Link zu finden: http://pitas.com/

(23.05.2011)

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es sich bald zum zentralen Produkt der Firma. Im Wesentlichen bestand es ursprünglich nur aus einem Script, das neue Einträge automatisch zu einer Website hinzufügte, ohne dass diese umständlich in HTML ge- schrieben werden mussten. Dazu diente ein Texteingabe-Kasten mit ei- nem „save“-Button, der nur für den Besitzer der Website sichtbar war. (vgl. Rosenberg 2009, S. 108). Um das kostenlose Script mit einer bestehen- den Website zu verwenden, musste man sich lediglich bei blogger.com anmelden. Wenig später im September 1999 reichte Pyra Labs die Verbesserung Blogspot nach. Zuvor konnte man das Skript nur auf einer bestehenden Website implementieren. Jetzt war es möglich einen Blog, der auf dem Server von blogger.com 8 gehostet wurde, zu erstellen (vgl. Rosenberg 2009, S.117). Letzteres ermöglichte es augenblicklich allen Internetnutzern ohne HTML-Kenntnisse und eigener Website sowie mit nur geringem Zeitaufwand, ihren eigenen Blog zu erstellen.

Folglich stieg die Zahl der Weblogs rapide an. Mit dieser Entwicklung ging auch eine Veränderung der Inhalte einher. Dienten Blogs zuvor mit ihren kommentierten Links als Filter und waren eher auf das Web im Ganzen ausgerichtet, entstand sukzessiv eine Form von kurzem Journal. Einer- seits rückte das alltägliche Leben der Blogger immer mehr in den Mittel- punkt. Sie schilderten Begebenheiten, Alltagsgeschichten und ihre Ge- danken. Andererseits entstand eine zunehmende Anzahl an Blogs, die sich mit spezifischen Themen bspw. Literatur, Sport, Spiele, Kultur befassten. Die einzelnen Blogger begannen ihre Seiten in einem noch größeren Umfang als es vorher schon der Fall war, untereinander zu ver- linken. Diese Entwicklung legte den Grundstein für die heute bestehende Blogosphäre und ihr Ende ist bei Weitem noch nicht abzusehen.

8 Die Website ist in ihrer heutigen Form unter folgendem Link zu finden:

https://www.google.com/accounts/ServiceLogin?service=blogger&continue=https%3A

%2F%2Fwww.blogger.com%2Floginz%3Fd%3Dhttp%253A%252F%252Fwww.blogge

r.com%252Fhome%26a%3DADD_SERVICE_FLAG&passive=true&alinsu=0&aplinsu=

0&alwf=true&ltmpl=start&skipvpage=true&rm=false&showra=1&fpui=2&naui=8#s01

[http://bit.ly/kG950S] (23.05.2011)

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Fazit

Verdeutlich man sich, wie schnell die Entwicklung der Weblogs in den vergangenen zwei Jahrzehnten von sich gegangen ist, ist es nahezu un- möglich, genaue Prognosen über die zukünftige Entwicklung zu machen. Fest steht jedoch, dass durch das Medium Weblogein Wandel in der Nutzung des Internets eingetreten ist. Im Zuge des Web 2.0 ist der Inter- netnutzer nicht mehr länger ausschließlich ein Rezipient, sondern kann so er denn gewillt ist aktiv an der Gestaltung des Web teilnehmen. Dabei sind ihm fast keine Grenzen gesetzt. Anfängliche Hindernisse, wie benö- tigte HTML-Kenntnisse, wurden durch Produkte wie beispielsweise blog- ger.com, myspace.com oder Facebook überwunden.

Allerdings ergeben sich durch diese neuen Partizipationsmöglichkeiten auch Probleme, die schon zum Beginn des Internets auftraten. Dienten Weblogs anfangs, dazu der Informationsflut Herr zu werden, sind es heute in gleichem Maße die Weblogs, die uns vor eine schier unermessliche Auswahl an Informationen stellen.

Es ist nicht mehr möglich, allen Weblogs, die zu einem für den Nutzer inte- ressanten Thema geführt werden, zu folgen. Vielmehr stellt es schon eine Herausforderung dar, allein die Weblogs im Auge zu behalten, die man für sich als relevant und interessant identifiziert hat. Werkzeuge wie bei- spielsweise RSS-Feeds und Social-Bookmarks waren nur der nächste Schritt in der sich vollziehenden Evolution des Mediums und haben zu diesem Zeitpunkt ihren Nutzen und ihre Berechtigung bereits unter Beweis gestellt.

Die zukünftige Entwicklung des Internet im Allgemeinen und der Blogos- phäre im Besonderen bleibt folglich spannend. Nur die Zukunft kann zei- gen, wo diese Entwicklung hinführt. Sie abzuschätzen, ist momentan ge- nauso wenig möglich, wie es den ersten Blogger möglich war sich vorzu- stellen, was aus ihren kommentierten Linklisten einmal werden sollte.

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Literaturverzeichnis

Barger, Jorn (1997): Robot Wisdom WebLog for December 1997. URL:

http://www.robotwisdom.com/log1997m12.html [http://bit.ly/kVnkxf]

(23.05.2011).

Bradley, Phil (2007): How to use web 2.0 in your library. London, Facet Publishing

Blood, Rebecca (2000): rebecca´s pocket : weblogs: a history and perspective. URL:

http://www.rebeccablood.net/essays/weblog_history.html [http://bit.ly/muN9q8] (23.05.2011). Annotation:

Rebecca Blood stellt mit „weblogs: a history and perspective“ eine inte- ressante und wichtige Quelle zum Thema Weblogs zur Verfügung. In diesem Blogbeitrag beschreibt sie die Entstehung der Blogosphäre bis zum Jahr 2000 und gibt darüber hinaus eine Prognose ab, in welche Richtung sich das Medium „Weblog“ weiterentwickeln wird und zu wel- chem Zweck es verwendet werden kann. Die besondere Bedeutung liegt darin, dass Rebecca Blood selbst eine Bloggerin ist, die seit der Anfangszeit dabei ist und somit einen guten Einblick in die gesamte Thematik hat. Dadurch, dass sie genannte Seiten und Personen ver- linkt, ist es dem Leser möglich, bei Interesse auf einfache Weise weiter zu lesen. Die Geschichte des Weblogs stellt sie fundiert und detailliert dar. Auch wenn die Quelle aus dem Jahr 2000 ist, hat sie doch nicht ih- re Bedeutung verloren, da Blood mit ihrer „perspective“ einen interes- santen Blick in die Zukunft wagte und somit ersichtlich ist, wohin sich das Weblog ihrer Meinung nach entwickeln sollte. Interessant wäre eine aktualisierte Fassung vor dem Hintergrund der bestehenden Blogos- phäre, die sich zweifelsohne von ihrer Prognose unterscheidet.

Hall, Justin (1994): Original Links : Justin´s Home Page. URL:

http://www.links.net/vita/web/start/original.html [http://bit.ly/k8JVtO]

(23.05.2011).

Annotation:

Befasst man sich mit dem Thema „Weblog“, stößt man zwangsläufig auf die Website von Justin Hall. Auf dieser beschreibt er Begebenhei- ten, Gefühle und Gedanken, die ihn und sein Leben betreffen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, intimste Details über sich oder Personen in seinem Umfeld preiszugeben. Dabei ist sein ungeheurer Eifer in der Erstellung dieser Seite beim Lesen sofort zu spüren. Da- durch, dass er die Seiten stark verlinkt, gelangt man als interessierter Leser von einer Beschreibung zur nächsten und beginnt so Justin Hall als Person und was er mit dem Medium Weblog verbindet zu verste- hen. Nachteilig ist jedoch im Umkehrschluss, dass gerade aufgrund der starken Verlinkung die Website nicht strukturiert und logisch aufgebaut ist. Gezielt nach einer Information zu suchen, ist kaum möglich. Erst mit der Umstellung der Website auf einen umgekehrt-chronologisch geführ- ten Blog, ist es möglich bestimmte Beiträge im Archiv direkt aufzurufen.

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Haughey, Matt (1999): MetaFilter : July 1999 Archives. URL:

http://www.metafilter.com/archived.mefi/7/01/1999/ [http://bit.ly/keDljE]

(23.05.2011).

Haughey, Matt (2011): MetaFilter : About Metafilter. URL:

http://www.metafilter.com/about.mefi [http://bit.ly/lcuSVY] (23.05.2011).

Marker, Petra (2009): Die Rezeption bibliothekarischer Fachblogs in Deutschland. URL: http://opus.bibl.fh-koeln.de/volltexte/2009/245/ pdf/Marker_Petra.pdf.pdf [http://bit.ly/lxVi6K] (23.05.2011).

Merholz, Peter (2002): peterme.com : Play With Your Words. URL:

http://www.peterme.com/archives/00000205.html [http://bit.ly/jAOxG7]

(23.05.2011).

Möller, Erik (2006): Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern. 2. Aufl. Hannover, Heise

Mosel, Stephan (2005): Praktiken selbstgesteuerten Lernens anhand der Nutzung von web-basierten Personal-Publishing-Systemen. URL:

http://weblog.plasticthinking.org/media/1/diplomarbeit-weblogs-

lernen.pdf [http://bit.ly/jXBl8d] (23.05.2011).

PIC Web Services Inc. (o.J.): blockstar : Blog History in Timeline Form. URL: http://blockstar.com/blog/blog_timeline.html [http://bit.ly/jsKp9O]

(23.05.2011).

Rosenberg, Scott (2009): Say everything. How blogging began, what it´s becoming, and why it matters. New York, Three Rivers Press Annotation:

Rosenbergs Buch ist ein ausgezeichneter Einstieg für alle, die sich nä- her mit der Geschichte des Weblogs und seinen Pionieren befassen möchten. Er fängt bei den ersten Weblogs an, zeigt auf, was zu ihrer massenhaften Verbreitung führte, thematisiert das kommerzielle, jour- nalistische und politische Bloggen und stellt schließlich eine These über den Wert und die Bedeutung von Weblogs auf. Seinen Mehrwert ge- winnt das Buch dadurch, dass Rosenberg nicht einfach nur chronolo- gisch Daten aneinander reiht, sonder die Entwicklung an individuellen Personen und ihren Beiträgen verdeutliche. Dadurch ist es dem Leser möglich, sich in die Ideen, Absichten und Hoffnungen der Blogger hin- ein zu versetzten. Darüber hinaus bietet das Buch ein umfangreiches Quellenverzeichnis, dass es dem Leser erlaubt, die angesprochenen Websites im Original nachzulesen.

Sauers, Michael P. (2007): Blogging and RSS. A librarian´s guide. 2. Aufl. Medford [u.a.], Information Today

Schmidt, Jan (2006): Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie. Konstanz, UVK Verlagsgesellschaft

Winer, Dave (2001): UserLand Software : The history of weblogs. URL:

http://www.userland.com/theHistoryOfWeblogs [http://bit.ly/jdxBPY]

(23.05.2011).