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Eckdaten:

Hardwaresampler mit Liquid- Audio-Algorithmen

Sequenzer mit 256 Pattern/ Projekt

acht interne Tracks

acht MIDI-Spuren

Effekt- und Mischfunktionen

12/24dB-Multimode-Filter

neun interne Effekte

drei LFOs pro Spur

Amp-Sektion mit Retrigger

MIDI-Synchronisation

externe Instrumente steuerbar

Was lange währt…: Endlich geht der lange erwartete Live-Sampler aus Schweden an den Start. Wird Sampling endlich wieder spannend?

Test: Elektron Octatrack

Das Abfeuern dröger Samples ist definitiv ein Spaßkiller auf jeder Party. Mit dem Octatrack möchte Elektron das Sampling nun

zur Kunstform erheben. Wird es dadurch endlich wieder spannend?

von Henning Schonvogel

Octatrack

Hersteller: Elektron Web: www.elektron.se Vertrieb: Fachhandel Preis: 1240 Euro

flexible Achitektur

vier Sample-Machines

Thru-Machine für Effekt- einsatz

LFOs & Effekte

 hohe Klangqualität Verarbeitung: Technik: Preisleistung:
 hohe Klangqualität
Verarbeitung:
Technik:
Preisleistung:

B ereits seit über einem halben Jahr rührt der schwedische Hersteller Elek- tron die Werbetrommel für seine

Sampling-Groovebox Octatrack. Mit auf- wändig produzierten YouTube-Videos und vollmundigen Versprechen wurde die Musi-

kergemeinde „heiß“ auf den neuen Boli-

den gemacht, Details zu Funktionsumfang

und Nutzbarkeit blieben hingegen lange im

Dunkeln. Nun wurde die erste Produktions-

serie ausgeliefert und das Gerät muss sich in der Studio- und Live-Praxis bewähren. Ist der Octatrack lediglich ein flexibler Samp- ler oder doch eine vollständige Liquid-Audio- DAW im Hardwareformat? Doch vor allem:

Bewertung: 10 / 11 EMPFEHLUNG der Redaktion
Bewertung:
10 / 11
EMPFEHLUNG
der Redaktion

Wird Sampling endlich wieder spannend?vor allem: Bewertung: 10 / 11 EMPFEHLUNG der Redaktion Kleiner Bruder Wie schon der Synthesizer Monomachine

Kleiner Bruder

Wie schon der Synthesizer Monomachine und der Drumcomputer Machinedrum steckt auch der Octatrack in einem grundsoliden Metallgehäuse. Im Gegensatz zu den älte- ren Brüdern ist die Farbgebung aber dunkel gehalten, trotzdem sind sämtliche Beschrif- tungen gut ablesbar. Wie vom Hersteller gewohnt prangt in der Mitte der Bedienober- fläche ein relativ grob auflösendes grafisches Display, umgeben von zahlreichen Tastern,

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grafisches Display, umgeben von zahlreichen Tastern, 76 beat 10 | 2011 einem Lautstärkepoti sowie sieben Endlos

beat 10 | 2011

einem Lautstärkepoti sowie sieben Endlos- Encodern. Letztere wirken im Gegensatz zu den in Monomachine und Machinedrum ver- bauten Varianten griffiger und stabiler, womit ein großer Kritikpunkt vergangener Elektron- Geräte ausgeräumt wurde. Auch die verschie- denen Schalter machen einen durchweg soli- den, wertigen Eindruck und lassen sich leicht bedienen. Die für den Step-Sequenzer zustän- digen Taster sind zudem leicht angeschrägt, was das schnelle „Wischen“ über große Teil- bereiche erleichtert und somit die schnelle Programmierung von Rolls ermöglicht. Eine weitere Neuerung ist der Crossfader des Octatrack, der schnell zwischen zwei Szenen und damit unzähligen Parametern überblen- den kann, doch hierzu später mehr. Als Speichermedium für Samples und Projektdaten setzt Elektron auf Compact- Flash-Karten, ab Werk ist bereits ein 4-GB- Modell enthalten. Die Übertragung von Samples erfolgt bequem per USB-2.0-An- schluss, Sicherheitskopien von Projekten inklusive Sample-Material sind damit durch wenige Mausklicks möglich. Die Audioan- schlüsse umfassen vier Ein- und Ausgänge im 6,3-mm-Klinkenformat. Letztere sind in Cue- und Main-Kanäle unterteilt, das Routing

erfolgt bequem auf der Bedienoberfläche. Auch eine Kopfhörerbuchse ist mit von der Partie, ebenso das obligatorische MIDI-Trio. Die Stromversorgung erfolgt – wie bei allen „Elektrons“ – durch ein externes AC-Netzteil.

Stretching

Das Betriebssystem des Octatrack stellt acht Spuren zur Verfügung. Jede Spur kann mit einer von vier „Maschinen“ belegt werden, die dem Abspielen und der Weiterverarbei- tung von Samples sowie dem Mischen von Spuren und externem Audiomaterial dienen. Hier wäre an erster Stelle die „Flex Machine“ zu nennen. Wie der Name vermuten lässt, ist sie die flexibelste Abspielengine des Octat- rack. Eingeladene Samples werden ins RAM des Gerätes übertragen und können dort frei gestretcht oder in der Tonhöhe verändert werden. Auch andere Parameter wie Start- punkt und Länge sind mit nur einem Dreh schnell bearbeitet. Durch Doppeldrücken des Playback-Tasters erreicht man ein zwei- tes Menü, das zusätzliche Funktionen wie Looping oder Slicen zur Verfügung stellt. Speziell für längere Audiodateien ist alter- nativ die „Static Machine“ enthalten. Anders als bei der Flex-Machine wird Klangmate-

rial mit dieser direkt von der Compact Flash Karte gestreamt, womit auch der Einsatz lan- ger Loops oder sogar kompletter Tracks mög- lich wird. Im Gegensatz zum Flex-Modell sind die Bearbeitungsoptionen hier zwar etwas eingeschränkt, Timestretching und Tonhö- henveränderungen sind aber auch hier in breitem Umfang möglich.

Verdreht

Der Abspielsektion nachgestellt ist eine Ver- stärkersektion mit AHD-Hüllkurve. Dank umfassender Retrigger- und Sync-Funkti- onen erlaubt diese, auch Timing-genaue Gate-Effekte, die sowohl mit rhythmischem als auch melodischem Material zu äußert vielseitigen Ergebnissen führen können. Zur weiteren Verbiegung stehen zwei Effektblöcke pro Spur bereit. In jeden Effekt- block kann einer von zehn Effekten eingeladen werden. Das Angebot umfasst Filter, zwei ver- schiedene Equalizer, Kompressor sowie Modu- lationseffekte. Zusätzlich sind Delay, virtueller Plattenhall und ein LoFi-Algorithmus enthal- ten. Die Geschwindigkeit von beispielsweise Phaser oder Flanger wird vom Octatrack auto- matisch an das Songtempo angepasst, sodass sich der Nutzer voll auf die Ausarbeitung sei- ner Musik konzentrieren kann. Für Modulationen stehen drei LFOs pro Spur bereit, die auf so ziemlich jeden Para- meter angewendet werden können. Neben elf Preset-Wellenformen ist es auch möglich, eigene Wellenformen zu erzeugen, womit die LFOs als Mini-Sequenzer mit 16 Schritten fungieren. Leider können aber nur direkte Parametersprünge genutzt werden, flie- ßende Übergänge sind zumindest in Version 1.0 der Firmware noch nicht möglich. Viel- leicht schiebt Elektron dieses Feature aber noch nach, schließlich sind die Schweden bekannt für ihre erstklassige Produktpflege und Updatepolitik. Wem die gebotenen Effekte und Modu- lationsmöglichkeiten noch nicht ausrei- chen, der kann mit der sogenannten „Neigh- bor Machine“ zwei Kanäle verketten. Damit stehen dann eine weitere Verstärkersek- tion, zwei zusätzliche Effektblöcke sowie erneut drei LFOs zum Verdrehen des Sample- Materials bereit. An letzter Stelle soll auch die „Thru Machine“ nicht unerwähnt blei- ben. Diese erlaubt das direkte Durchschlei- fen von eingehenden Audiosignalen, womit der Octatrack auch als Mischer und externes Effektgerät genutzt werden kann.

Vier Audio-Eingänge machen den Klangboliden nicht nur zum intuitiven Live-Sampler, sondern auch zum Edel-Effektgerät. USB-Schnittstelle, CF-Card und MIDI-Trio runden die Anschlussoptionen positiv ab.

Die achte und letzte Spur verdient beson- deres Augenmerk. Neben dem Einsatz mit einer der vier genannten Maschinen kann sie als Mastertrack fungieren, um die Summe aller Audiosignale vor der Ausgabe gemein- sam zu bearbeiten. Dies kann ganz klassisch mit zum Beispiel Equalizer und Kompressor erfolgen, aber auch das gemeinsame Zer- häckseln mit LoFi- oder Modulationseffekten und LFOs ist möglich. Natürlich ist das direkte Samplen mit dem Octatrack ebenfalls kein Problem. Einfach die Klangquelle an das Gerät anschließen, einpegeln und schon kann es losgehen. Auch das nachträgliche Schneiden von Lopps und Samples ist möglich, die Verwaltungsstruk- tur zeigt im Sampling-Bereich allerdings noch kleine „Umständlichkeiten“, die durch ein wenig Übung aber leicht überwunden werden können, sodass auch dieses Feature durchaus livetauglich ist.

Mehr Schwung

Der Sequenzer des Octatrack basiert auf dem erfolgreichen Konzept von Monoma- chine und Machinedrum. Bis zu 256 Pat- tern können in einem Projekt verwaltet wer- den, jedes kann Informationen für alle acht internen Spuren enthalten. Aufgeteilt sind die Pattern in 16 Bänken, zudem sind acht Arrangements innerhalb eines Projektes möglich. Einzelne Pattern fassen bis zu 64 Schritte, Swing- und Slide-Parameter brin- gen Schwung in steife Notierungen. Im Gegensatz zur Monomachine wird die Ton- höhe beim Octatrack abhängig vom Sample notiert. Für klassisch ausgebildete Musiker mag diese Arbeitsweise im ersten Moment verwirrend erscheinen, funktioniert in der Praxis jedoch erstklassig. Der optische Cross- fader lässt das Überblenden zwischen zwei Szenen zu. In einer Szene können beliebig viele Parameterwerte gespeichert und dann weich überblendet werden. Von anderen Herstellern ist diese Funktion auch als Para- meter-Morphing bekannt. Neben den acht internen Tracks lassen sich auch externe MIDI-Spuren erstellen, sodass der Octatrack als Steuereinheit für andere Hard- und Soft- ware genutzt werden kann.

Alles offen

Wie an dieser Stelle bereits ersichtlich gewor- den sein dürfte, ist das Konzept des Octa- tracks möglichst offen gehalten, um ver- schiedene Arbeitsweisen gleichsam zu unterstützen. Für Einsteiger kann der flexi- ble Arbeitsweg zwar zunächst eher Fluch als Segen sein. Hat man das Konzept allerdings einmal verstanden, möchte man es so schnell nicht mehr missen. Die Erstellung und Bear- beitung eigener Tracks läuft fließend, Besitzer anderer Elektron-Produkte dürften auch ohne einen Blick ins Handbuch schnell mit sämtli- chen Funktionen zurechtkommen. Die Klangqualität der verschiedenen Sampling-Maschinen ist über jeden Zwei- fel erhaben, auch bei harten Eingriffen in Abspielgeschwindigkeit und Tonhöhe tre- ten vergleichsweise wenig Artefakte auf. Die Effekte lieferten ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung. Alle Algorithmen arbei- ten sauber und bieten den typischen Elekt- ron-Sound. Im Verbund mit anderem MIDI- Equipment können auch ausschweifende Live-Sets einfach realisiert werden, DJs hin- gegen werden besonders die direkten Samp- ling-Funktionen schnell zu schätzen wissen. Eine Beurteilung, wofür der Octatrack besonders geeignet ist, fällt somit schwer:

Durch die Architektur wird ein breites Feld an Anwendungen möglich, eine solche Fle- xibilität findet man in kaum einem anderen Stück Hardware. Für einige Zwecke mag der aufgerufene Preis zwar etwas hoch erschei- nen, schaut man sich alle Features in der Gesamtheit an, ist der Octatrack aber in jedem Fall seinen Preis wert.

Fazit

Mit dem Octatrack hat Elektron sein Pro- gramm um einen exzellenten Sampler erweitert. Ob als vielseitiges Musikinstru- ment, als flexible Abspiellösung mit reich- haltigen Bearbeitungsmöglichkeiten oder als edles Effektgerät – der Octatrack ist für eine Menge Spaß zu haben. Die Verarbeitung ist gleichsam hochwertig, sodass ihm auch im harten Live-Alltag ein langes Leben attes- tiert werden kann. Wer noch zweifelt, sollte selbst Hand anlegen. Doch Vorsicht: Hier besteht definitiv Suchtgefahr!

beat 10 | 2011

Hier besteht definitiv Suchtgefahr!  beat 10 | 2011 77 HARD BEAT Test: Elektron Octatrack »

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HARDBEAT

Test: Elektron Octatrack

»Der Octatrack bietet endlich eine intuitive Kontrolle über den „Baustoff Audio“, mehr Flexibilität, wenn es um spontane Klangänderungen und -verfrem- dungen geht und wesentlich mehr Möglichkeiten, Samples live zu spielen und zu verbiegen.«

Jon Mårtensson, Elektron

Alternative

Akai MPC-1000

756 Euro

www.akaipro.de

Roland SP-555

819 Euro

www.rolandmusik.de

Korg Electribe ESX1 SD

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www.korg.de