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Textezur Theorie der Autorschaft

Herausgegebenund kommentiert von Fotis Jannidis, CerhardLauer, MatiasMartinezund Simone\üinko

Philipp Reclam jun. Stuttgart

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180

Erit D. Hirscb

einnahm,ist es für den lVonsinn meiner Außerung ohne Belang,ob ich nun absichtlichlog oder der falscheriÜber- zeugungzum Opfer gefallenwar, meineAußerungseirich- tig. In anderen 'Süonen: ein Autor kann eineHaitung ein- nehmen,die sich von seineninnersten Haltungen unter- scheidet;ebensomuß auchder Interpret sterseineHaltung einnehmen,die von seinereigenenverschiedenist.17Für den Vorgangder Inrerpretationiind jedoch die privaten Erfah- rungen desAutors ohne Bedeutung.Der einzigerelevante

Aspekt der Subjektivitätist der, der den $?ortsinnoder,in

dentertnini Husserls,den Inhalt determinien.

]

17 Bally nennt dies ,464e.,61.ttr"ttt de Ia personalit6

Sieheseinelizgnisri-

que gdnirale et lingüstiqae frangafue, Paris 1932,S.37.

Einleitung

Roland Barthes: Der Tod des Autors

Zusammen mit

Wasist ein Autor? ist Der

Au.tors

1e80)

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ädoverfüiäne

1-

'etatron

t.

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%'rabschiedune

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des Autors aus der Interoretatlo'nliterarischerTexte. Dei

,::-=-a.

Iltel

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llterarlscher lexte, lrer

des -Essaysrst nahezu spnchwortllch geworden, )elne

polemische,revolutionär-utopischeRhetorik ist allerdings nur vor dem besonderenHintergrund der französischen Tradition zu verstehen.Spätestensin den fünfziger Jahren lVimsatts

war in den USA mit gen die intentional

gangKaysersStudienüber den Erzähler im modernenRo-

manein Diskussionsstanderreicht,der - wenn nicht in der Literaturkritik, so doch zumindestin der Literaturwissen-

schaft - die naive

Autorbiographieunmöglichmachte.In französischenSchu- len un<LI Inive'si.äten dominierte hinEeeen-4fid Sö?eäannre

und BeardsleysAufsae

ge-

'ü(olf-

falkcy

und in Deutschlandmit

ldentifikation von !?erkbedeutungund

,6futlo*a"

*xte-fuerkl&tes ZiefäiäserMettodebe-

steht,{g{-n,

und

Ged;i

Präsenzerklärt den aoodiktischenStil und die übersoirzren FormulierungendesEss"ys,welchedie Rekonstruktionsei- ner Argumenteerschweren, Banhesstellt einen engenZusammenhangzwischender Produktion und der Rezeption literarischerTexte her. Er leugnetnichq dassliterarischeTextevon einzelnenAutoren

e-rge \ggespoqden?.

zwisc.hen Autoxbibgr:tpEie

lVerkbedeutung

herzustellen.Sie ist der eigentliche

von'Der Täd'desAutors, und ihre institidonelle

Kreativität

Autonomie der

vorgegebenenSprachmaterialsreduziert, ein Ansatz, der

182

Roland Barthes

zur selbenZeit von Julia Kristevain ihrer Theorieder Inter- textualitätendaltetwurde. Um den intertextuellenCharak-

süateglenzu

Im "Essay vermischerisicheinehistorischeund einesyste-

matischeTheseüber denTod desAutors. Einerseitssind{ür BarthesliterarischeTexteimmer und notwendig autorlos - dasLiterarischewird geradezumit der Loslösungvon sei- nem Urheber identifiziert. Andererseitserscheintdie Neu- zeit alseineEpoche,in welcherder Autor zum unvermeid- baren Bezugspunktim Umgang mit literarischenTexten

*utde,

welcher der ältere, autorloseText zurückkehn. Der Tod des Autors erscheintalso einerseitsals ein systematisches, andererseitsals ein historischesPhänomen.Der Zielpunkt ist jedoch in beidenFällen derselbe:pi.e-*Lg[g!q"e]iie'ari-

>enrwrrren<.

,rnd uttse.eG"genJari als Schwellenperiode,in

- scherTexteist heute von dem Autor.als BezugtpushtCgl

Interpretation zu befreien,damit sie.zvr öcritttre wf.dgn

KanrL. Im Mittelpunkt von Barthes' Bestimmung der icriture steht der Begriff der performativenArrßeruttg.Der engli

scheSprachphilosoph John L. Austin hatte zwischencoz- stutia; s und per form atiz-,esunterschieden.t Performathtes sind sprachliihe-Außerungen,die einen Sachverhaltnicht nur beschreiben('konstatieren.),sondern durch ebenden

Akt

den Namen

allerdings irreführend. Vährend nämlich die öctiture ei-

nen Text von seinemursprünglichenEntstehungskontext

1 ln Hou to Do Things With Words ldr. Zur Tbeoie der Sprechahte)ersetzt Austin im Verlauf seinerUntersuchungallerdingsdie zunächsteingefühne Unterscheidungcozstatioevs.performitioe durcf,die Begriffelaotion, illo' cttion urd Derlocution.

der Außerung auch erschaffen("Ich taufe dich auf

."). Banhes' VerwendungdiesesBegriffs ist

Der ToddesAutors

1g3

mitsamtder Autorintention ablöst,ist der

ihä originale

Autsenrngsslruatlon und andie AutoritätdesSprechersge_ DUnoen,

formativenAußerunggerade.norwendigan

Erfolg einerper-

unseremEssayeignensich

vor allemEcrire: Verbeintransitif? fschreiben: Iniransitit,es

Verb?lundDe l'euore at4texte

Als ergänzendeLeknire zu

[Vom

Verk zum Textf. ylie

eineliterarischeTextanalyseaussehenkann, die sichum ein

statt um ein 'Entziffern. literarischerTextebe-

'Entwirren<

müht,.zeigtBarthes in,TextanalyseeinerErzählungvon Ed-

S1r Allay Po9(anhandvon Poei Erzähluggf,fueFäctsin the

9":,

BalzacsNovelle

"f -Ä!.Valdemar)

und vor "llem i'$1fl(anhand

von

Sanasine\.

Zutn

Text

Der französischeOriginahext erschienunter dem Titel La mort de I^'auteurin der Zeitschrift Manteia (1968) S. lZ-17. Eine enelisdre übersetzung war zuvor unter dem iirel Tbe Death of tbe ,eiThor ln Aspen Magazine 5/6 (1967) erschienen.Der Text wiid hier in einer Ubersetzung von Matias Maninez erstmalsauf Deutsch veröffent-

CEuvrescomplötes.

Bd.2:1966-1973. Hrsg. von Eric Many. Paris 1994.S.491-495. -

licht. Die übersetzung folgt: Roland Banhes:

@ 1994 Editions du Seuil, Paris; für'die

@ 2000 Philipp Reclam jun., Stuttgan.

deutsche übersezuns

Ausgeuähhe Verffintlicb ungen desAutors

Ec1_r9,Ver!9

inrransitif? [t97Ol. In: R.B.: (Euvres complötes.Bd.2:

Eric Marry.Paris1994.S.923^-980.

1966-1973.Hrsg.von

S/2. ,

Paris1970. - Dt.: S/2.übers.von Jürgen Hoch.Frankfurta.M.

1976.

De

_l'_cuvr9 au texte

[1971].

In: R.B.: CEuvrescomplötes.Bd.2:

19.66-1973.Hrsg.von

Eric Marry. paris 1994.S.I2i 1-tZ.

Analysetexruelled'un conted'EdgarPoe

ll973l. In: R.B.:Guvres

Many. paris 1994.

complätes.8d'2: 1966-1973.Hlsg. von Eric

184

Roland Barthes

5.1653-76. - Dt.: TextanalyseeinerErzählung.vonEdgarAllan Poe.In: R.B.: Das semiologischeAbentzuer.Ubers.von Dieter Hornig. Frankfun a.M. 1988.5.266-298.

Weiterf übrende Literat sr

Austin, John L.: Zur Theorie der Sprechakte [1962]. Strttgan 1972

h.ö.1.

Culler, Jonathan: Barthes.RevisedEdition. London 1990.

ROLAND

BARTHES

Der Tod des Autorsl

In seinerNovelle SanasineschreibtBalzacüber einen als

Frau verkleidetenKastratenden foleendenSarz:

die Frau mit ihren plötzlichen Attgiren, ihren grundlosen "Das Launen, ihren unwillkürlichen Verwirrungen, ihren unmo- tivierten Kühnheiten, ihren Ifagnissen und ihrer reizenden Zartheit d,erGefühle." Ver spricht hier? Ist esder Held der Novelle, um den Kastratenzu ignorieren,der sich hinter der Frau verbirgt? Ist esdasIndividuum Balzacmit seiner persönlichenPhilosophie über die Frau? Ist es der Autor

Balzac,der ,literarische. Ideenüber dasl{reiblicheverkün- det? Ist es die \ü'eisheit schledrrhin? Die romantische

war

Das ist sicherlich immer schonso is ohneweitere Absi

1 Im frz. Text erscheinr das lVon 'aureur, außer irr seiner normalen Schrei-

(,autear,) oder aber in der orthographisch ab-

buag gelegcntlich kvsivien

Um diese Besonderheiien im Deut-

schen zu bewahren, wird im Folgenden ,aurzur. mit ,Autor. und 'Auteur. mit 'Asmr, wiedet9egeben;Stellen,an d enen 'attett, itn ftz. Original kursi-

weichendcn Großschreibung ,Auteur

vien gesetztist, sind besondcrsgekennzeichner.(Anm. d. übers.)

2 Frz. stjet,hier wohl im

jekt und 'Thema

mehrfachenSinn von ,Person , 'grammatisches Sub-

d. üben.)

(Anm.

186

Roknd Bartbes

aufgefasstworden. In archaischenKulturen kam eine Er- zäh1ungniemalsvon einerPerson,sondernvon einemVer- mittler (einem Schamanenoder Erzähler), an dem man

höchstensdie ,Ausführung, llterformancel (nämlichdie Be- herrschungdes Erzählcodes)bewundern kann, aber nie-

malsdas

sereGesellschafthervorbrachte,alssieam EndedesMittel- altersim englischenEmpirismus,im französischenRationa- lismusund lm persönliihen Glaubender Reformationden

rVen desIndiviäuumsentdeckte - oder,wie manwürdevol-

ler sagt,der ,menschlichenPerson

Gebiei der Literatur ausgerechnetder Positivismus - Inbe- griff und Resultatder kapitalistischenIdeologie - deoPer- ior,. des Autors die größte Bedeutungbeigimessen.Der Autora behercschtimÄer noch die literaturgeschichtiichen

Handbücher,die Biographien der Schriftsteller,die Zeit- schri{teninterviewsund sogardasSelbswerständnisder Li- teraten,die in ihren TagebüchernPersonund \(/erk ver- schmelzenmöchten.UnsereheutigeKultur beschränktdie Literarur tyrannischauf den Autor, auf seinePerson,seine Geschichte,seinenGeschmachseineLeidenschaften.Noch

immer sehendie Kritiker im \?erk von Baudelairenichtsals

dasVersagendes MenschenBaudelaire,im

1ü7erk vorr Tschai-

,Genie Der Autof ist einemoderneFigur,die un-

Deshalb

hat auf dem

!üerk von van

Gogh nichts als dessenVerrücktheit,im

kowski nichts als dessenLasrer. f\ie Erhläruns

e1ßes-Net:.

keswird stets.bei seinemUrheber gesucht - als qhggb_bl& ter der mehr oderwenigerdurchsichtigenAllegoriedei Fik- tion letztlich immer die Stimme ein und derselbenPär3ori verberge,die desAutorss,der Vertraulichkeitenpreisgibf" \fenngleich die VorherrschaltdesAutorsimmer nochun- gebrochÄnist - auchdie Neue Kritik6 hat sieoft genugbe-

3 Im frz. Odginal kleingeschdebenund kursivien. (Aom. d. Übers.)

+ Im frz. Ori[inal klein[eschriebenund kursivien. (Anrn. d. Übers.)

5 Im frz. Ori[inal kleio[eschriebenund kursiviert. (Anm. d. Übers.)

6 Nadr der VeröffendichungseinesBuchesSsr Racine(Paris 1963)wurde Banhcs in eincr öffentlichenDebattevon französischenLiteraturkritikern

Der ToddesAutors

187

stätigt -, so wird sie doch seit längeremvon einzelnen Schriftstellernattackien.In Frankreichhar wohl als Erster Mallarmö in vollem Maßedie Norwendigkeit gesehenund

vorausgesehen,die

zu setzen,der bislang als ihr

larm6(und ftir uns) ist esdie Sprache,die spricht,nicht der Autor.

Sprache lhngagel

an die Stelledessen

Eigennimer galt. Für Mal-

wec.hiälndarf - 4n {9n Punkt zu gel4ngen,wo nicbr ,icht

sondernnur dig"ffiölJ,handelt."Fe öolÄa]. MalIarmls

lesamte Poetik

bestehtdarin, den Autor zugunstender

Schri{tzu unterdrücken(wasbedeutet,wie wir nochsehen

werden: den Leser an seineStellezu rücken).Valdry,der ganzin einer PsychologiedesIch befangenwar, schwächte

Mallarm6sTheorie zwar stark ab, zog aberselbst,in seiner

klassizistischenVorliebe für

Autor in Zweifel und ins Lächerliche;er betonteden lin- guistischenund sozusagen,zufälligen. CharakterseinerTä- tigkeit und vertrat in all seinenProsawerkenden grund- sätziichsprachlichenCharaktervon Lirerarur.weshalbihm

die Rhetorik, ständig den

4]:f:l9b!r1"j€,manderürr$€1ite,

füF.liEg

nicir

der gecehee-oder"g.-

eiooal.de-jemanden,der geschrieben.hag

und -wissenschafdern als Repräsentant einer ,Neuen Krittk,

tiquel engegriffen; Barties beantwonete die Vorw.ürfe in Citique

(Paris 1966; dr.: Kritik Ubers.)

fnouoelk cti-

et aöiti

d.

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Wahtheit, Frankfun

a. M. 1962). (Anm.

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188

Roland Barthes

schreiben,ohneeszu können,und in demMoment, alsdas Schreibenendlichmöglichwird, endetder Roman.In einer 'Werk radikalenUmkehrung machteProust ausseinemLebenein

nachdem Muster seineseigenenBuches,ansraü,wie es oft heißt. sein Leben in einen Roman zu verwandeln. Deshalbist Charlus auchkeine Nachahmungvon Montes-

quiou, sondern Montesquiou stellt in seiner chenund anekdotischenRealitätnur eine.rnv Nachahmungvon Charlus dar. Der lich (um diese Vorgeschichteder konnte der Sprachenadrlich keine souveräneStellungzu- gestehen,weil die Spracheein Systemist und dasromanti- scheZiel dieserBewegungauseinerunmittelbarenSubver-

sion der Codes bestand(übrigensein illusiondresZiel, da ein Code nicht zerstört, sondern nur ,gespielt,vrerden

kann).

von Sinnerwartungeneqpfahf (der berühmle. lurealisti:*

sche 'Stoß.

. schnellstmöglichaufzuschreiben,was dem Kopf.v".bo"g"' - bleibt (die,automatischeSchreibvieise. lö critare datom4tt-

attel\, und,indem er das Prinzip und die Erfahrunedes - kolGltiue.t Schreibensahzeptierä, trug auchdär ffia[s- mus dazu bei, dasBild desAutors zv entsakralisieren.IJnd - schließlichhat außerhalbder eigenrlichenLiterarur (im Grunde sind dieseUnterscheidungenveraltet)die Lingui- stik ein werwolles analytischesInstrument zur Zerstörung desAntors entwickelq weil sie verdeutlicht,dasseine Au- ßerung lönonciafloz] insgesamtein leererVorgangist, der reibungslosabläuft,ohnedassman ihn mit der Persondes

.Indeu*"r erjcdoüsrc$ das pla*zliche-Drxehlrou:en-.

f,saccade,f), indgm er der Hand - a.Ef.g;,i9&tg .^

-

Sprechers ausfüllen

mü551g. T i-gf

icti"ch

gecahen, iet

.|.r*

Autor imnet'.et*derjenige, der Ssbreib'tr. genar*e-'*.iejcä-- niemandanderesist alsderjenige,derich sa$. Die Sgraehg- kennt ein,Subjekt., aber kei''e ,Perso*. Obryohi djere. - Subjekt außerhalbder Außerung, dq59h.die es defipjgn

wird

leer-ist, reic,hteshin, um die Sprachezu >tragen<,um--- ---'-"'\

sie auszufüllen

Der ToddesAutors

189

Die Abwesenheird,esAators(mankönntehier mit Brecht von einer wirklichen ,Distanzierung. sprechen:d,erAutor wird zu einerNebenfiguramRandederliterarischenBühne reduziert) ist nicht nur ein historischesFakrum oder ein Schreibakt laae d'öcritarel,sondernverwandeltdenmoder- nen Text von Grund auf, Mit anderenWorten: Der Text wird von nun anso gemachtund gelesen,dassder Autor in

verstanden.Buchund Autor stellensichin ein und dieselbe Reihe,unterschiedendurch ein Vorher und Nachber.Der

A tor emäbrt vermeintlichdasBuch,dasheißt, er existiert

vorher, denkt,

'\ü7erk zeitlichvorauswie _ein VarerseinemKinJ-Hingegen

leider, lebt für sein Buch. Er seht seinem

SEfusjber*qtpaarl

_v/idne!-ooderne

im -sehen lVlopepq

wi9*XqJeaq.ge-bore.gEr.hatüberhauptkeineExistenz,die

sememSchreibenvoranqinqeoder es überstieeerer isr in

keiner Hinsicht das Subief,t, dessenPrädikat"iein Buch

wäre. Elgihraur

i myer h ietld-l"r-1

f.olg- dasil.Sräreräen nidtt mehr läneer eine

die-Zei{.d€FÄußsnrn& und jeder Text ist

deshalb, weil

ge"chrieben JJndlwar

(oder: daraus

Tfiglieii

sentierens,des,Malens.(wiedie

nen kann,sondernyielmehr das,*wardie Linöisten im An-

schlussandieOxford-PhilosophieeinPerfoimativnennen,

einä-säliäne Verbalform, dle Präsensbesduänktist und in

dbrenInhalt (keinenanderenAußerungsgehaltihatalsehen

des Registrierens,des Konstatierens,des'Reprä-

Klassikersasren) bezäch-

die erste person und dai "uf der die Außeruns keinenan-

' den Akt, durch den siesichhervorbrinil ema dasIch er- kläre ion Königen oder daslcb singeion sehraltenDich-

tern. Da der moderne

kann er nicht mehr wie seinepathetischen Vorgä--ngerdaran glauben,dassseineHand zu iangsam für sein"ededanken

oder seineGefühleseiund dassir deswegen,um ausder Not eineTugendzu machen,dieseVerspäringbetonenund

Schreiberden Autor beqrabenhat.

190

Roland Barthes

unaufhörlich an der Form

>arbeiren<müsse. _Stajtd.qssen

zeichnetseineFland, abgelös-tvo:r jeder Stimme und ge- führr von einer reinen Geste.der Einsdreibung (nictrr-de1 Ausdrucks),ein Feld ohneUrsprung - oder iedenfalh-ohne--.- anderenUrsprung alsdie Spracheselbst,alsodasjenige,wag unaufhörlichjeden Ursprung in Fragesrclh. --Hzure.wissen wir, daqsein Textnicht auseinerReihevon \üönern besteht,die einen einzigen, irgendwie thegl_%it schenSinn enthüllt (welcherdie ,Botschaft.desAutor-Goi tes wäre), sondern auseinem vieldimensionalenRarinilin-- dem sich "verschiedene Schreibwetsen läcritures], von denert.- keine einzigeoriginell ist, vereinigenund bekämpfen .Den Textist ein Gewebevon Zitaten ausunzähligenStättender

-

\ Kultur-" lJüie die ewigen,ebensoerhabenenwie komisclen Abschreiber Bouvard und P6cuchet,tderen abgrundtiefe Lächerlichkeitgenau die !üahrheit der Schrift bezeichnet, kann der Schreibernur eineimmer schongeschehene,nie-

malsoriginelleGestenachahmen. $eine eifige Masbt

gch.iflgil

!e-

stcht-dariryglig

zu konfrontieren, ohne sich jemals auf eine einzelne vqn iL-,-

nen zu scützen.\üollte er stchausdrücker,sollte er wenig- stenswissen,dassdas innere ,Etwas., das er ,übersetzen. möchte,selbstnur ein zusammengesetztesVörterbuch ist,

dessen rVörter

zu vermischen und sie miteipasdgl*

sich immer nur durch andere\üörter erklä-

ren lassen - ein Abenteuer,dasin beispielhafter '\ü7eise der

junge Thomas de

gut beherrschte,dasser, um gänzlichmoderneIdeen und

Bilder in

verfügbares\(/örterbuch geschaffenhatte, viel komplexer

und umfangreicheralsdasjenige,dasder üblichenPatience rein literarischerThemen zugrundeliegt" (Baudelaire,les

Paradis artificie ls).E AlgjirchietgeLdel

7 In GustaveFlaubcns nachgelassenemRoman Boaoard et Pöcuchet,(Anm. d. Ubers.)

8 CharlesBaudelaire, "LIn mangeurd'opium II: Confessionspr€liminaires., in: Ch.B., ZesParadisanificieLs,Paris 1860,Abs.2. (Anm. d. Ubers.)

Quincey

erlebte,der dasGriechischeso

diesetote Sorachezu übersetzen. "sich ein srew

Der Tod desAutors

191

Sch ?rücke mehr in iG-mär eine gghrifl

Stinpr$geli.

Cefiihie"Bderiin-

sich, sondern dieses"riesige lüönerbuch'

entnimmt,.die.keinen Aufenthalt kennt.

-üiiäb"o,ho't

immer nur dasBuchnach,und dasBuchist

selb-st-nurein Gewebevon Zeicher\ eineverlorene,unend-

"' fidF enrfernteNachahmung,

Die AbwesenheitdesAutorsmachtesganzüberflüssig,ei-

nenText,entziffern

einenAutor zugewiesenbekommt,wird er eingedämmt,mit einerendgültigenBedeutungversehen,wird dieSchriftange- halten. Diese Auffassungkommt der Literaturkritik sehr entgegen,dieessichzurAufgabesetzt,denAutor \oder serne

Hy*po"staie.r:die Gesellschaft,die Geschichte,die Psyche, \iüerk

die Freiheit) hinter dem

Autor getunden,dann ist auchder Text 'erklärt., und der Kritiker hat gewonnen.Daher ist esnicht ersuunlich,dass,

historischgesehen,die HerrschaftdesAwtorsauchdiejenige desKritikirss gewesenist und dassdie Kritik - selbstdie Neue - heutezusammenmit demAutor verschwindet.Die

l,decbiffrer,]

zu wollen.SobaldeinText

zu entdecken.Ist erst der

vielfältigeSchriflkann.nämlich nur entwirrt, nirhtcatziffert

-yerden-

zwar in allen ihren Viiederho-

lungen und aul allen ihren .kann Ebenennachvollzogenwerden (so?ie man eine Laufmasche ,verfolgen.kann! aberohne

An{ang und ohneEnde.Der Raumder Schlift.kanndurch-

O;t Struktur

wa.rdeit.abernicht durchstäßenwerden.Die Schäft bil,J€t

üänFJ.st

.-{ü-h-ri zu-einer systematischenBefreiungvom

'

Sinn, aber nur, um ihn

wiedsr aufzulösen'Sie

Sinn. Genau

dadurchsetztdie Literatur (man solltevon nun anbessersa-

?ää:

'iGeheimnis., dasheißteinenendgültigenSinn,verweigert,

eineTätigkeit frei, die man gegenrheologischund wahrhaft

die Schnfü, die dem Text

(und der \{ielt als Text) ein

-revolu-tionär nennenkönnte.Denn eineFixierungdesSinns

zu verweigern,heißt letztlich, Gott und seineFlypostasen

* (die Vernunft,die $Tissenschaft,dasGesetz)abzuweisen.

9 Im flz. Original grollgeschrieben.(Anm. d. Ubers.)

I

|

I

192

Rohnd.Bartbes

Kehrenwir zu BalzacsSarzzurück. Niemand (dasheßt:

ihn. Nicht sein Urspruns äder seine

!,&*

keine Person)sprichr

".

s1im.g9 ilnd-de.c"arab""CEtöflScFift,föndeisde

türe lich:Neue Forschungen(J.-P.Vernant)habendie

lich doppeldeutigeNarur der griechischen Träeödie er-

hellr.loDeren Text ist aus zweidiutigen Wonen

die von den Protagonisrennur in ei-nemSinn värstanden

werden(in diesemewigenMissverständnisliegtqerade das

'Tragische.). Es gibt

ner Zweideutigkeitversteht - und zusätzlichauchnoch so-

zusagendie Taubheitder Figuren. Dieser

mand anderesalsder Leser(Leziehungsweiie hier der Hö-

rer). Soenthüllt sichdastoraleIüesen-derSchrift.Einjle{L

isr-aus _vielflltige''

denenKulturen

ten, sichparodieren,einanderin Fragestellen. Es eibiabei

einenOrt, 4n dsm didss Vie$eh

grundsätz-

[ewoberr,

jedoch iemanden, der jedes-\üort in sei_

gghdften

Jemand

ist nie-

zusammenges€r2Ldie u,"rr"l,Gl

--

enßtammenund miteinanderin Di,los tre_

zusÄmentffft,

r, i'4 die"er

Ort ist nicht der Autor (wie. man bislans .dern der Lesgr. Qer Leser isr_der.Raum^-ii tate, aus denen sich eine Schrift zusammensefzL-.einscbsei. ben, ohne dassein einzigesverloren ginge.Die E;hie{ines

Textes liegt nicht in seinem Urspnäg,-,soodern

Zielpunkt -".yo!ei

in-coincm

-eh_länseL"ak

.lieser Zielpunkt iichl

- eine Persbn.verstandenwerdän.*ann.--Der

Leser ist ein

MgnschohneGeschichte,ohneBiographie,ohr:e psv"hol.+'. '

.gie. Er ist nur der Jeman4 der in äinim

Spuren vereinigq aus denen sich das Geschrie6enezlses, mensetzt.Deshalb ist es lächerlich,die neue Schreibweise löcriturel im Namen eines Flumanismus verdammen zu wollen, der scheinheiligvorgibt, die Rechtedes Leserszu veneidigen. Die traditionelleKritik hat sichniemaisum den Lesergekümmert; siekennt in der Literatur keinenanderen

einzigenfaa,.U-

l0 Vgl. Jean-Pierre Vernanq ,Tensions et

ambiguit6s dans la

tragddie -gräce

grecque",in: J.-P. V. / Pierre Vidal-Naquet, Mlthe

ancienne,Paris l9B9ltl972l, S.2t-40, bei. S.35i. (Anrn. d.-übers.)

et tragidie en

.l

Der Tod desAutors

L93

Menschenals denjenigen,der scireibt. Inzwischenlassen wir uns nicht mehr von solchenAntiohrasentäuschen.mit denendie guteGesellschaftanmaßend'Anschuldigungener- hebt zugunstendessen,was sie selbst geradeausgrenzt, übersieht,erstickt oder zerstört. Wir wissen,dassder My- thos umgekehrtwerden muss,um der SchrifteineZukunft zu eeben.Die GeburtdesLesersist zu bezahlenmit dem

*

loa

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(Ies Autors. ,.-**_