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Empirische Sozialforschung
Empirische Sozialforschung

I. Methoden, Typen, Anwendungsgebiete der Sozialforschung

Übersicht
Übersicht

Was ist empirische Sozialforschung? Anwendungsgebiete der Sozialforschung Methoden und Techniken Typen von Sozialforschung Geschichte der Sozialforschung

Was ist empirische Sozialforschung?
Was ist
empirische Sozialforschung?

… systematische und kontrollierte Beobachten und Erklären von regelmäßig auftretenden sozialen Phänomen, ihrer Ursachen, Bedingungen und Folgen (gesellschaftliche Selbstbeobachtung)

… mit Hilfe von wissenschaftlichen Methoden der Datenerhebung und Datenauswertung.

Empirische Forschung ist ohne Theorie soziologisch phantasielos!

Theorie ist ohne empirische Forschung blutleer!

Professionelle Beobachtung vs. Laienbeobachtung (Alltagswissen)

Die empirische Sozialforschung soll aufzeigen…
Die empirische Sozialforschung soll
aufzeigen…

was ist; auch unabhängig davon, was man als wahr annimmt.

… warum die Dinge anders laufen, als man erwartet.

… warum es so gekommen ist, wie niemand es wollte.

= Soziologie öffnet den Blick dafür, dass es auch anders sein kann.

Warum ist der „subjektiv gemeinte Sinn“ eine soziologische Tatsache?
Warum ist der „subjektiv gemeinte Sinn“
eine soziologische Tatsache?

Thomas-Theorem:

“If men define situations as real, they are real in their consequences.”

William I. Thomas/Dorothy S. Thomas: „The Child in America“ (1928: 572)

Situationen werden interpretiert.

Interpretation ist nicht „objektiv“, sondern eine subjektive Situationsdeutung.

Interpretation bestimmt Handeln.

Für „reales“ Handeln ist in der Situation kausal relevant nur die jeweils aktuell vorgestellte subjektive Wirklichkeit

= Self-fulfilling prophecy (Merton 1957)

= Performativität („Theorie-Effekt“, Bourdieu 1990: 109ff.)

Wann sind Meinungen Fakten?
Wann sind Meinungen Fakten?

„Subjektive“ Meinungen, Einstellungen, Deutungen sind soziologische Fakten. Sie …

… sind keine individuellen Äußerungen, sondern kollektive Phänomene;

… beruhen auf Annahmen und Erwartungen, die z.B. in Gemeinschaften, Milieus, Organisationen, auf Märkten etc. allgemein gültig sind.

Anwendungsgebiete empirischer Sozialforschung I
Anwendungsgebiete empirischer
Sozialforschung I

Demographie und Sozialstatistik

• Soziologie (z.B. soziale Mobilität, Sozialstruktur, Bildung, Arbeitswelt, Familienformen)

• Psychologie und Sozialpsychologie (z.B. Einstellungsforschung)

• Politikwissenschaft (z.B. Wahl- und Parteienforschung)

Ökonomie und Betriebswirtschaftslehre

• Pädagogik (Unterrichts- und Lernmittelforschung)

• Anthropologie bzw. Ethnologie…

• Humangeographie, Geschichtswissenschaft …

Anwendungsgebiete empirischer Sozialforschung II
Anwendungsgebiete
empirischer Sozialforschung II
Anwendungsgebiete empirischer Sozialforschung II Volkswirtschaftslehre Wirtschaftsstatistik (Preisindex, BIP,

Volkswirtschaftslehre

Wirtschaftsstatistik (Preisindex, BIP, Arbeitsmarktstatistik, Wachstumsraten)

Wirtschaftsprognosen (basierend u.a. auf Unternehmensumfragen, z.B. Chicago Purchase Manager Index)

Betriebswirtschaftlehre

Einsatzmöglichkeiten und Aus- wirkungen neuer Technologien

Effekte organisatorisch-arbeitstechnischer Innovationen (z.B. Lohn-Anreiz-Systeme)

Marktforschung, Konsumentenverhalten

Methoden und Techniken
Methoden und Techniken

Fragebogen

(standardisiert)

Grad der Standardisierung:

Kontinuum von geschlossen (Antwortkategorien vorgegeben) bis offen

Fragebogen (standardisiert) Grad der Standardisierung: Kontinuum von geschlossen (Antwortkategorien vorgegeben) bis offen

Methoden und Techniken

Methoden und Techniken Fragebogen Interview (halbstrukturiert, offen, mündlich) Narrative Interviews,
Methoden und Techniken Fragebogen Interview (halbstrukturiert, offen, mündlich) Narrative Interviews,

Fragebogen Interview

(halbstrukturiert, offen, mündlich)

Fragebogen Interview (halbstrukturiert, offen, mündlich) Narrative Interviews, Experteninterview, Gruppeninterviews
Fragebogen Interview (halbstrukturiert, offen, mündlich) Narrative Interviews, Experteninterview, Gruppeninterviews

Narrative Interviews, Experteninterview, Gruppeninterviews

Beispiel: Experteninterview
Beispiel: Experteninterview

“In Deutschland ist die exit-Barriere niedrig. Dagegen ist Spanien die Hölle auf Erden. Da wird der Fabrikdirektor aufgehängt, da brennt die Fabrik, wenn die Fabrik dicht gemacht wird. Da geht´s richtig ab. In Deutschland sind wir erzogen, gegen Staat und Arbeitgeber nicht vorzugehen. Hier war es harmlos. Okay, nach Bekanntgabe [der Schließung] hatte ich einen Bodyguard, da gab es Anschuldigungen, Drohungen, auch Morddrohungen. Ein paar Autos wurden zerkratzt. Okay. Nun, es gab eine Demonstration. Vom Werk in die Stadt hinein. Gut. Aber der Betriebsrat war vernünftig.“

(General Manager, kurz vor Verlagerung eines Produktionsstandortes für Bildröhrenfernseher nach Osteuropa, eigene Erhebung)

Methoden und Techniken
Methoden und Techniken

Fragebogen Interview Beobachtung

(teilnehmende)

Fragebogen Interview Beobachtung (teilnehmende) Ethnologie der eigenen Kultur iPhone 3G: Kassenschlange vor

Ethnologie der eigenen Kultur

Beobachtung (teilnehmende) Ethnologie der eigenen Kultur iPhone 3G: Kassenschlange vor dem Apple Store, New York, Mai

iPhone 3G: Kassenschlange vor dem Apple Store, New York, Mai 2008

Methoden und Techniken
Methoden und Techniken

Fragebogen Interview Beobachtung

Experiment (Analyse sozialer Prozesse unter „künstlichen“ Bedingung)

sozialer Prozesse unter „künstlichen“ Bedingung) Versuchsanordnung des Milgram-Experiments (Yale University,

Versuchsanordnung des Milgram-Experiments (Yale University, 1963)

Lehrer“ (L) stellten „Schülern“ (S) Aufgaben (Zusammensetzen von Wortpaaren). Bei Fehlern befahl der Versuchsleiter (V) den L, dem S Elektroschocks zu versetzen.

Die höchsten Stromstärken verabreichten die L den S trotz massiver akustisch wahrnehmbarer „Schmerzreaktionen“ zu 63,5 %.

Gehorsame L wiesen starkes autoritäres Persönlichkeitsprofil auf.

Methoden und Techniken
Methoden und Techniken

Fragebogen

Interview

Beobachtung

Experiment

Inhaltsanalyse

(Text-, Ton-, Bild- dokumente)

und Techniken Fragebogen Interview Beobachtung Experiment Inhaltsanalyse (Text-, Ton-, Bild- dokumente)
Methoden und Techniken
Methoden und Techniken

Fragebogen Interview Beobachtung Experiment Inhaltsanalyse Komparative Analyse (Vergleich sozialer

Institutionen und Strukturen: regional, sektoral, national)

Beispiel für komparative Analyse:

Varieties of Capitalism-Approach

Industrielle Beziehungen
Industrielle
Beziehungen

Unterneh-

menskontrolle

(Hall/Soskice 2001; Albert 1992; Windolf/Beyer 1996; Crouch/Streeck/Hollingworth 1997)

Liberal market

economy

Coordinated market economy

1997) Liberal market economy Coordinated market economy short-term competitive relations; decentralised bargaining
1997) Liberal market economy Coordinated market economy short-term competitive relations; decentralised bargaining
1997) Liberal market economy Coordinated market economy short-term competitive relations; decentralised bargaining

short-term competitive relations;

decentralised bargaining

long-term kooperative relations; coordinated bargaining

shareholder value

stakeholder value

Produktions-

system

low-skill production; mass products; numeric flexibilation

high-skill production; high-quality products; flexible specialisation

Ausbildungs-

Systeme

short tenure; high turnover and inter-firm- mobility

long tenure; low turnover and intra-firm mobility

Methoden und Techniken
Methoden und Techniken

Fragebogen Interview Beobachtung Experiment Inhaltsanalyse Komparative Analyse Analyse von sozioökonomischen Daten

soziodemographische Daten (z.B. Fertilitätsraten, Lebenserwartung, Altersstruktur)

sozioökonomische Daten (Erwerbsstatistiken, Erwerbsquote, Bildungsbeteiligung, BIP, Pro-Kopf-Einkommen, Einkommensverteilung, Arbeitsproduktivität, Energieeffizienz, Verwendung des privaten Haushaltsbudgets)

Methoden und Techniken
Methoden und Techniken

Fragebogen Interview Beobachtung Experiment Inhaltsanalyse Komparative Analyse Analyse von sozioökonomischen Daten Analyse von „Verhaltensspuren“

z.B. Ausleihziffern von Büchern in Bibliotheken, Häufigkeit des Aufrufs von Websides, historische Börsenkurse, Abendliche Stromverbrauch privater Haushalte

Vor- und Nachteile empirischer Forschungsmethoden
Vor- und Nachteile
empirischer Forschungsmethoden

Vorteile

Nachteile

Standardisierte Befragung , („quantitativ“)

Tiefeninterview,

Teilnehmende

Beobachtung

(„qualitativ“)

„Repräsentativität“ (Stichprobe) Effiziente Verarbeitung großer Datenmengen Quantifizierung und Häufigkeitsverteilungen Vergleichbarkeit Antwortverhalten unabh. v. Person des Interviewers

Dichte Analyse von Motiven/Sinndeutungen Rekonstruktion komplexer Wirkungszusammenhänge im Nahbereich (Teilnehmer- perspekive, Fallrekonstruktion)

Oberflächlichkeit Keine Erfassung der komplexen Tiefen- wirklichkeit Abbildung von Aus- sagen/Behauptungen Keine Erfassung des Verhaltens

Geringe Fallzahl Geringe Verall- gemeinerbarkeit Gefahr der Beeinflus- sung des Unter- suchungsobjekts Hohe Erhebungskosten

Vor- und Nachteile empirischer Forschungsmethoden
Vor- und Nachteile
empirischer Forschungsmethoden
Inhaltsanal se y Komparative Analyse Experiment Vorteile Untersuchungsgegenstand nicht vom Forscher beeinflussbar

Inhaltsanal se

y

Komparative

Analyse

Experiment

Vorteile

Untersuchungsgegenstand nicht vom Forscher beeinflussbar Messungen beliebig oft wiederholbar u. überprüfbar

Typologisierung unter- schiedlicher Sozialmodelle

Typologisierung unter- schiedlicher Sozialmodelle

Kontrolle von Einflussfaktoren Leichte Wiederholbarkeit

Nachteile

Umfangreiches Unter- suchungsmaterial Situationsabhängigkeit und Sinnkontextualität nur schwer analytisch fassbar

Vernachlässigung von Mischformen

Vernachlässigung von Mischformen

„Künstliche“ Laborsituation Ethische Fragwür- digkeit (Milgram)

Typen bzw. Ziele der Sozialforschung
Typen bzw. Ziele der
Sozialforschung

Explorative Untersuchungen:

Erkundung eines neuen, noch relativ unbekannten Forschungsfelds; z.T. als Vorstudie für spätere Hauptstudie

z.T. als Vorstudie für spätere Hauptstudie Soziologie Fallstudie über Straßengangs italienischer

Soziologie Fallstudie über Straßengangs italienischer Immigranten der ersten und zweiten Generation in Boston 1943

Typen der Sozialforschung
Typen der Sozialforschung

• Explorative Untersuchungen

Deskriptive Untersuchungen

keine Analyse von Zusammen- hängen, sondern Beschreibung sozialer Phänomene (Schätzung von Häufigkeiten, Durchschnittswerten, Verteilung von Einstellungen), meist anhand von statistischen Merkmalsverteilungen;

z.B. amtl. Statistik, Sozialberichterstattung

Beispiel:

Wahlverhalten Steiermark 2010

statistischen Merkmalsverteilungen; z.B. amtl. Statistik, Sozialberichterstattung Beispiel: Wahlverhalten Steiermark 2010
Typen der Sozialforschung
Typen der Sozialforschung

• Explorative Untersuchungen

• Deskriptive Untersuchungen

Untersuchungen zur Prüfung von Hypothesen und Theorien

Prüfung von Merkmals- bzw. Variablenzusammenhängen

Beispiel I aus der empirischen Bildungsforschung (PISA 2000): Überprüfung der These, dass die soziale Herkunft die Bildungsbeteiligung beeinflusst.

Beispiel II aus der Prekarisierungsforschung: Überprüfung der These, dass die Sorge vor Verlust des Arbeitsplatzes in allen Bevölkerungsgruppen weit verbreitet ist.

Beispiel I: Relative Chancen des Gymnasialbesuchs in Abhängigkeit von der Schichtzugehörigkeit

Verhältnisse der Beteiligungschancen (odds ratios) Referenzwert: Jugendliche aus Facharbeiterfamilien; PISA 2000 (2002: 166)

Sozialschicht der Bezugsperson im Haushalt (EGP-Klassen) Fach- Selbstst. Obere Routine- arbeiter, Un-/ Untere DK
Sozialschicht der Bezugsperson im Haushalt (EGP-Klassen)
Fach-
Selbstst.
Obere
Routine-
arbeiter,
Un-/
Untere DK
(manuelle
DK
dienste
leit.
Angelernte
Berufe)
Arbeiter
Alte Länder
(oh. Stadtstaaten)
7,26
4,20
1,90
1,31
1,00
0,61
Neue Länder
3,89
2,78
ns
0,71
1,00
0,63
Großstädte
(über 300 T,
oh. Stadtstaaten)
14,36
7,57
2,02
ns
1,00
ns
D insges.
6,06
3,64
1,55
ns
1,00
0,62

Beispiel 2: Wovon hängt subjektive Beschäftigungsunsicherheit ab?

Korrelationskoeffizienten der Einflussfaktoren auf subjektive

Beschäftigungsunsicherheit (abh. Variable)

(0 = sicher, 1 = unsicher)

Unabh. Variable Koef. Unabh. Variable Koef. Alter Betriebsgröße 25-99 Beschäftigte -0,07 20-29 Jahre -0,28
Unabh. Variable
Koef.
Unabh. Variable
Koef.
Alter
Betriebsgröße 25-99 Beschäftigte
-0,07
20-29 Jahre
-0,28
Betriebsgröße 100-499 Beschäft.
-0,04
30-39 Jahre
-0,08
Finanzielle Lage schlecht
0,33
55-67 Jahre
0,04
Kind im Haushalt (ja)?
0,05
Beschäftigungsform
Einstellungen
Teilzeit
-0,10
Sehr religiös
-0,02
Befristet
0,66
Geringes Vertrauen in andere
0,19
Arbeitslos gewesen
Makroindikatoren
Ja, in letzten 5 Jahren
0,34
Langzeitarbeitslosenquote
0,05
Ja, aber nicht in letzten 5 Jahren
0,12
Grad des Kündigungsschutzes
-0,03
Vollzeitausbildung in Jahren
-0,01
Durchschnittl. BIP-Wachstum
-0,01

Beschäftigungsunsicherheit steigt mit Lebensalter, Arbeitslosigkeits- erfahrung, befr. Arbeitsverträgen u. prekärer Einkommenslage und sinkt mit

höherem Qualifikationsniveau.

Quelle: European Social Surveys (ESS), Erlinghagen 2007

Typen von Sozialforschung
Typen von Sozialforschung

• Explorative Untersuchungen

• Deskriptive Untersuchungen

• Untersuchungen zur Prüfung von Hypothesen und Theorien

Evaluationsstudien: Untersuchung der (Un-)Wirksamkeit von

Organisationskonzepten, staatlichen Maßnahmen, politischen Instrumenten in Wirtschaft und Gesellschaft

- Abschätzung von unbeabsichtigten positiven und negativen Effekten

Beispiele:

- Sind Bachelor-Abschlüsse „berufsqualifizierend“?

- Steigern Zielvereinbarungen die Produktivität der Beschäftigten?

- Sind „schlanke“ Unternehmensorganisationen effizienter?

Geschichte der Sozialforschung
Geschichte
der Sozialforschung

Erste Anfänge der Sozialforschung im Übergang vom Feudalismus zum Merkantilismus:

Kameralistische Universitätsstatistik (1750 – 1850)

Sozialforschung im Übergang vom Feudalismus zum Merkantilismus: Kameralistische Universitätsstatistik (1750 – 1850)
Geschichte der Sozialforschung
Geschichte
der Sozialforschung

Zunehmende Komplexität der Gesellschaft und sozialer Wandel machen Untersuchung der dadurch hervorgerufenen sozialen Probleme nötig.

der Gesellschaft und sozialer Wandel machen Untersuchung der dadurch hervorgerufenen sozialen Probleme nötig.
Politische Arithmethik
Politische Arithmethik
Politische Arithmethik Vertreter: • England, 17. Jh.: John Graunt, William Petty (o.) • Deutschland, 18. Jh.:

Vertreter:

England, 17. Jh.: John Graunt, William Petty (o.)

• Deutschland, 18. Jh.: Johann Peter Süßmilch (u.)

Methoden:

Analyse von Geburten- Sterbe- und Heiratsregistern; Beschreibung sozialer Milieus mittels statist. Daten Erste Ansätze für Stichprobenziehungen

Zweck der Forschung:

Informationen für administrative Planung, wirtschaftliche Absatzmärkte, Versicherungen (Fernhandel) usw.

Forschung : I nformationen für administrative Planung, wirtschaftliche Absatzmärkte, Versicherungen (Fernhandel) usw.
Moralstatistik
Moralstatistik

Frankreich, 1. Hälfte d. 19. Jh.

Vertreter:

Adolphe Quetelet (1796-1874)

Hauptwerk: Physique Sociale (1835)

Untersuchung der Verteilung menschlicher Eigenschaften wie „Mut“, Körpergröße von Soldaten, Regelmäßigkeit sozialer Phänomene (z.B. Morde)

Soldaten, Regelmäßigkeit sozialer Phänomene (z.B. Morde) Methoden: erstmalige Anwendung der

Methoden: erstmalige Anwendung der Wahrscheinlichkeitsstatistik (Normalverteilung)

sozialer Phänomene (z.B. Morde) Methoden: erstmalige Anwendung der Wahrscheinlichkeitsstatistik (Normalverteilung)
Quetelets Schätzung der Militärdienstverweigerung anhand der Statistik über die Körpergröße
Quetelets Schätzung der Militärdienstverweigerung
anhand der Statistik über die Körpergröße
Sozialpolitische Enqueten, Sozialreports, Soziale Surveys Die „soziale Frage“ im 19.Jh. gab den Anstoß zur
Sozialpolitische Enqueten,
Sozialreports, Soziale Surveys
Die „soziale Frage“ im 19.Jh. gab den Anstoß zur
Erstellung von Sozialreportagen

Vertreter:

• „Social Surveys“ in England

• Florence Nightingale

• Karl Marx (u., l.)

• Frederic Le Play (o.)

• Ernst Engel

• Max Weber (u., r.)

England • Florence Nightingale • Karl Marx (u., l.) • Frederic Le Play (o.) • Ernst
England • Florence Nightingale • Karl Marx (u., l.) • Frederic Le Play (o.) • Ernst
England • Florence Nightingale • Karl Marx (u., l.) • Frederic Le Play (o.) • Ernst
Die Engel-Kurve: Zusammenhang zwischen Haushalts- einkommen und Ausgaben für Nahrungsmittel
Die Engel-Kurve: Zusammenhang zwischen Haushalts-
einkommen und Ausgaben für Nahrungsmittel
Die Engel-Kurve: Zusammenhang zwischen Haushalts- einkommen und Ausgaben für Nahrungsmittel
Chicagoer Schule (ca. 1910 – 1940)
Chicagoer Schule (ca. 1910 – 1940)

Gesellschaftlicher Hintergrund:

Rasante Urbanisierung: 10.000 Ew. 1860 – 2 Mill. 1910 führte zu gravierenden sozialen Problemen

– 2 Mill. 1910 führte zu gravierenden sozialen Problemen ⇒ Erforschung des sozialen Lebens in einer

Erforschung des sozialen Lebens in einer modernen Großstadt (= „Sozialökologie“)

Chicagoer Schule
Chicagoer Schule

Wichtigste Vertreter und Werke:

William I. Thomas/Florian Znaniecky: “The polish peasant in America” (1920) Robert E. Park und Ernest W. Burgess: „The City“ (1925); Robert und Helen Lynd: „Middletown“ (1929) Louis Wirth: „The Ghetto“ (1926), „Urbanism as a way of life“ (1938)

Methoden: - Feldforschung, teilnehmende Beobachtung

- Inhaltsanalyse;

- quantitative Verfahren (z.B. Bogardus Skala zur Messung der Distanz zwischen ethnischen Gruppen) - Trendstudien, Sozialindikatorenforschung

Theorie:

Symbolischer Interaktionismus

Die Wirtschaftspsychologische Forschungsstelle, Wien (1927-1934)

Forschungsstelle, Wien (1927-1934) Paul Lazarsfeld Marie Jahoda Hans Zeisel Schließung der

Paul Lazarsfeld Marie Jahoda Hans Zeisel

Wien (1927-1934) Paul Lazarsfeld Marie Jahoda Hans Zeisel Schließung der Texitilfabrik in Marienthal,
Wien (1927-1934) Paul Lazarsfeld Marie Jahoda Hans Zeisel Schließung der Texitilfabrik in Marienthal,

Schließung der Texitilfabrik in Marienthal, Niederösterreich, 1930

Hauptwerk: “Die Arbeitslosen von Marienthal“ (1933)

Frage: Führt Massenarbeitslosigkeit zur Radikalisierung oder Resignation und Apathie der Arbeiter?

Analyse der sozialen und sozialpsychologischen Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit (Resignation, Apathie, Persönlichkeitsverfall)

Multi-Methoden-Mix:

Befragung (Lebensgeschichten, Zeitverwendung, Mahlzeiten), Beobachtung (Gehgeschwindigkeit, Hausbesuche) Inhaltsanalyse (Schulaufsätze der Kinder aus arbeitslosen Familien), Sekundäranalyse statistischer Daten (Geschäftsbücher des Konsumvereins, Wahlergebnisse, Ausleihziffern der Stadtbibliothek, Mitgliederdatei des Sportvereins)

Public Opinion Polls und Stichprobenuntersuchungen
Public Opinion Polls und
Stichprobenuntersuchungen

Ab 1930er Jahre in den USA: Vorwahlstudien zur Prognose von Wahlergebnissen

Wichtige Vertreter:

George Gallup: Entwickelt Zufallsstichprobe (um 1935 erste Quotenstichprobe gegen Massen-Polls von Literary Digest)

Paul Lazarsfeld: gründet das „Bureau of Applied Social Research” in New York: politische Meinungsbefragungen, Medienanalysen, u.dgl. auf der Basis von Repräsentativstichproben.

Samuel Stouffer: The American Soldier (1947-50).